{' '} {' '}
Limited time offer
SAVE % on your upgrade.

Page 1

Spe

ci

2

al

Art in Context Poster von/di Michal Rutz


Indice Inhaltsverzeichnis Editorial / Editoriale

3

Das Coming out – Ein lebenslanger Prozess 4 ACIDQAS – Associazione culturale italiana Drag Queen affini sostenitori

7

Hiobsbotschaft aus Moskau – Der Homosexuellen-Paragraf 8 Ich will eine legale Schwiegermamma!

12

LGBTQI-Jugendarbeit – Jürgen Piger in Interview 14 Art in Context – Michael Rutz

15

Queere Räume

18

Landtagswahlen 2013 – Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften 19 Transsexualität – Interview mit zwei transidenten Menschen 20 Situazione giuridica italiana sull'omosessualità

22

Schnapschüsse – Centaurus Wandern, CSD Innsbruck & Drag King Workshop 26

Herzlichen Dank für die Unterstützung | Ringraziamo per il sostegno:

Assessorato alle Politiche Sociali e alle Pari Opportunità Assessorat für Sozialpolitik und Chancengleichheit Impressum | Eigentümer und Herausgeber: Centaurus Schwul-lesbische Initiative Südtirol – Arcigay Landeskomitee | Galileo-Galilei-Straße 4/a, Bozen | Propietario ed editore: Centaurus Gay e lesbiche dell’Alto Adige/Sudtirolo – Comitato provinciale Arcigay | via Galileo Galilei 4/a, Bolzano | Veröffentlicht am 22.12.2013 in Bozen | Presserechtlich verantwortliche Direktorin / Direttrice responsabile: Ulrike Spitaler | Pubblicato il 22.12.2013 a Bolzano | Redaktion / Redazione: T. Andreaus, A. Bizzo, C. Cossa, M. De Biasi, U. Nothdurfter, M. Peintner, M. Pirrone, C. Thaler, S. Weger | Layout & Grafik / Layout & Grafica: Laura Barretta | Druck / Stampa: Fotolito Varesco Alfred GmbH, Auer / Ora | Eingetragen beim Landesgericht Bozen Nr. 7 am 11.4.2007 | Iscritto il 11.4.2007 col n. 7 presso il Tribunale di Bolzano Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder | Gli articoli firmati non esprimono necessariamente l‘opinione della redazione Feedback: magazine@centaurus.org

2


Editorial Editoriale Liebe Leserinnen und Leser, das zwölfte Mal schon wird das Centaurus Magazine veröffentlicht. Das wäre ohne die Hilfe all unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter und natürlich ohne die Unterstützung unserer Förderer nicht möglich gewesen, ich bedanke mich sehr herzlich bei ihnen. Den Redakteurinnen und Redakteuren geht natürlich das größte Dankeschön, ihre Arbeit hat das Heft mit interessanten und tiefgründigen Artikeln gefüllt. In diesem Jahr steht im Centaurus Magazine das Thema "Welche Rechte wollen wir fordern?"

im Vordergrund. Wie es in Italien, Europa und der Welt um unsere Rechte steht, wie es sich in einer "zweistaatlichen" Partnerschaft lebt und wie LGBTQI Menschen in Russland leben (und bangen) wird in dieser Ausgabe berichtet. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Coming out in diesem Heft. Das Thema wird aus einem psychologisch-sozialen Standpunkt, aus der persönlichen Erfahrung von zwei transsexuellen Menschen und aus der Sichtweise eines Jugendarbeiters beleuchtet. Mit Freude führen wir die Ru-

brik "art in context" in die Mitte unseres Heftes ein. Der junge polnische Künstler Michal Rutz hat uns erlaubt, eines seiner ausdrucksstarken Bilder für das Centaurus Magazine zu verwenden. Wir wünschen allen eine gute Lektüre!

Martine De Biasi

Care lettrici, cari lettori! Per a dodicesima volta ormai viene pubblicato il Centaurus Magazine e questo non sarebbe stato possibile senza i lavoro dei nostri volontari e delle nostre volontarie e naturalmente nemmeno senza l'aiuto dei nostri promotori, vi ringraziamo vivamente. Il lavoro più grande lo hanno sicuramente fatto i redattori e le redattrici, che hanno riempito il Centaurus Magazine con i loro variegati articoli. Quest'anno il tema del Centaurus Magazine è stato "Che diritti vogliamo chiedere?". In questa edizione leggeremo com'è la situazione dei diritti delle persone LGBTQI in Italia, in Europa e nel

mondo, scopriremo quali sono i problemi attuali in Russia e come si vivono due differenti stati giuridici in una relazione italo-austriaca. Un'altra tema importante di questo numero è il coming out. Lo analizzeremo da un punto di vista psicologico e sociale, lo sentiremo descritto nelle interviste di due persone transessuali e leggeremo le opinioni a riguardo di un operatore giovanile. È con molto piacere che introduciamo la rubrica "art in context". Il giovane artista polacco Michal Rutz ha acconsentito alla pubblicazione di una delle sue forti opere nel nostro Centaurus Magazi-

3

ne. Auguriamo a tutte le persone una buona lettura!

Martine De Biasi


Das Coming out Ein lebenslanger Prozess Eine psychologisch-pädagogische Betrachtungsweise Viele Menschen, die nicht heterosexuell leben können oder wollen, haben es schon erlebt, sind mitten drin oder haben es noch vor sich: das sogenannte Coming out. Das Online-Wörterbuch „Wikipedia“ definiert diesen Prozess so:

gig ist. Dieser Prozess beinhaltet vor allem zwei Dimensionen:

• Der innerpsychische Vorgang: Das Bewusstwerden und die Gewissheit, nicht heterosexuell zu sein.

• Die soziale Dimenson:

Das Finden eines eigenen Lebensstils und sich in der Öffentlichkeit als „nicht heterosexuell“ zu präsentieren.

Coming out (vom englischen „out of the closet“, wörtlich: „aus dem Kleiderschrank herauskommen“) bezeichnet zumeist den individuellen Prozess, sich seiner eigenen gleichgeschlechtlichen Empfindungen oder seiner von gesellschaftlich festgelegter geschlechtlicher Identität oder Geschlechtsrolle abweichenden Empfindungen bewusst zu werden und zu akzeptieren – und dies anschließend dem näheren familiären und sozialen Umfeld mitzuteilen.

In diesem Artikel werde ich vornehmlich auf das Coming out von Schwulen, Lesben und Bisexuellen eingehen. Das Coming out von Transidenten läuft doch etwas anders und würde den Rahmen des Artikels sprengen, allerdings gibt es in diesem Heft zwei Interviews mit transidenten Menschen, die über ihre Erfahrungen zu diesem Thema sprechen. Grundsätzlich unterscheidet man im Prozess des Coming out fünf Phasen (vgl. Udo Rauchfleisch, 2011):

Nicht nur schwule, lesbische und bisexuelle Menschen durchleben also ein Coming out, sondern auch transidente Personen. Viele Sexualwissenschaftler_innen und Psycholog_innen haben sich mit dem Coming out beschäftigt und Konzepte zum besseren Verständnis davon entwickelt. Dabei ist man sich schnell einig geworden, dass es sich grundsätzlich nicht um ein punktuelles Ereignis, sondern um einen Prozess handelt, der sich immer wieder verändert, individuell sehr verschieden ist und von vielen Faktoren abhän-

Diese Phase umfasst die Zeit von der Geburt bis zu dem Moment, in dem ein Mensch sein_ihr „anders sein“ wahrnimmt. Diese Phase wird individuell sehr unterschiedlich erlebt und hängt im wesentlichen davon ab, welche moralischen Vorstellungen, Einstellungen und Erziehungsmuster im Umfeld des Kindes (v.a. Familie) vorherrschen. Von diesen Faktoren hängt auch ab, wie die weiteren Entwicklungsschritte verlaufen. Wenn Eltern offen gegenüber unkonventionellen Lebensstilen sind und nicht an geschlechts-

1. Die Prä-Coming-Out-Phase

4

stereotypen Verhaltensweisen festhalten, haben es die Kinder und Jugendlichen leichter, zu sich selbst zu stehen. Viele, vor allem jüngere, Kinder spielen mit Geschlechterrollen. Sie testen aus, in welchen Situationen sie sich am wohlsten fühlen. Wenn Kinder nur über das „typisch männliche“ oder „typisch weibliche“ definiert werden, dann werden meist Hindernisse aufgebaut, die später nur sehr schwer überwunden werden können. Psychische Störungen sind dann oft die Folge. Wir können Kindern helfen, indem wir grundsätzlich offen sind für viele Geschlechtsvarianten und nicht nur geschlechtsstereotypes Verhalten propagieren. So können sich Kinder frei entfalten und erleben ihre Identitätsentwicklung als positiv.

2. Das eigentliche Coming out Diese Phase ist geprägt von der Gewissheit, keine heterosexuelle Orientierung zu haben. In dieser Phase wird ganz oft von einem inneren und einem äußeren Coming out gesprochen. Während man unter dem inneren Coming out das eigene Bewusstsein versteht, nicht heterosexuell zu sein, nennt man den Moment, in dem man das Umfeld über die eigene Orientierung informiert, das äußere Coming out. Diese Phase ist meistens geprägt von Ungewissheit, Zweifel, Unsicherheit und Angst. Schwule, lesbische und bisexuelle Menschen sind meistens heteronormativ erzogen worden, das heißt, es standen ihnen nur heterosexuell geprägte Vorbilder zur Verfügung. Die Gewissheit,


dass man im Grunde in dieses System, das einem bisher vorgelegt wurde, nicht hineinpasst und „anders“ ist, wirft viele Fragen auf. Die Jugendlichen (oder Erwachsenen) befinden sich manchmal in einem sozialen Vakuum, in dem für sie keine Identifikationsmodelle zur Verfügung stehen, im Gegenteil: Sie hören negative Charakterisierungen, diskriminierende Äußerungen und es fehlt ihnen an positiven Leitbildern. Schwule, Lesben und Bisexuelle müssen sich deshalb zunächst mit diesen negativen Bildern auseinandersetzen und einen positiven Zugang zu dieser „anderen“ Lebenswelt finden. Sachinformationen und das Kennenlernen von Menschen in ähnlichen Situationen kann da eine große Hilfe sein. In welcher Dynamik diese Coming out-Phase verläuft, hängt auch wesentlich von der PräComing out-Phase ab. Wenn das Umfeld (Familie, Freunde, ...) immer schon sehr offen zu verschiedenen Lebensformen war, dann ist es sicher leichter, zu sich und seiner_ihrer Orientierung zu stehen. Menschen, die eher mit konservativen und heteronormativen Rahmenbedingungen aufgewachsen sind, tun sich da manchmal sehr schwer und verdrängen auch oft ihre Bedürfnisse. Eine innere Zerrissenheit und psychische Schwierigkeiten sind dann meistens die Folge. So ist auch das Alter, in dem dieser Phase durchlebt wird, sehr unterschiedlich. Laut statistischen Untersuchungen liegt das Coming out durchschnittlich im Alter von 14 bis 20 Jahren. Aber das trifft lange nicht bei jedem/jeder zu. Es gibt Jugendliche, die mit 12 Jahren (oder noch früher) die Ge-

wissheit haben, schwul oder lesbisch zu sein. Manchen Männern oder Frauen wird es aber erst in einem höheren Lebensalter klar. Jeder Mensch macht hier eine individuelle Entwicklung durch und das ist auch gut so. Wenn Schwule, Lesben und Bisexuelle ihre Identität gefestigt haben, stellt sich immer wieder die Frage, wann, wie und wem ich "es" sagen soll oder muss. Auch dies hängt entscheidend davon ab, in welcher sozialen Umgebung ich mich befinde. Wenn mein Umfeld immer schon sehr offen war, dann wird die Entscheidung sicher leichter sein, als wenn ich von meiner Umgebung immer nur homophobe Äußerungen gehört habe. Es ist vor allem wichtig, sich Zeit zu lassen. Der Coming outProzess ist auch ein Reifungsprozess. Ganz oft sind es gute Freunde, die als erstes eingeweiht werden. Eltern kommen oft erst an zweiter oder dritter Stelle. Aber das entscheidet jeder und jede für sich selbst, ob, wann und wem ich es sage. Niemand darf sich unter Druck setzen lassen. Für ein Elterngespräch können vielleicht folgende Tipps hilfreich sein:

• Der Zeitpunkt soll so gewählt sein, dass die Familie nicht durch Hektik oder andere Aufregungen belastet ist.

• Man-frau kann vorher er-

wähnen, dass man_frau die Eltern sehr gerne hat.

• Auch wenn Eltern grundsätz-

lich sehr offen sind, reagieren sie aber doch anfangs mit Be-

5

troffenheit. Es ist wichtig, auch diese Gefühle zuzulassen. Schwule, Lesben und Bisexuelle haben auch ihre – manchmal lange – Zeit gebraucht, um zur Gewissheit zu kommen, "so" zu sein. Auch den Eltern muss die Zeit zugestanden werden, sich damit auseinanderzusetzen.

• Vorteilhaft ist auch, immer wie-

der zu betonen, dass man_frau der gleiche Mensch geblieben ist. Spezifische Elternliteratur kann ebenfalls eine Hilfe sein.

In dieser Phase können auch Beratungseinrichtungen – wie beispielsweise Centarus – eine große Unterstützung sein. Abschließend zu dieser Phase kann erwähnt werden, dass zu einem positiv verlaufenden Coming out eine große Ich-Stärke notwendig ist. „Es braucht ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und Geschick, abzuschätzen, was wem zu welchem Zeitpunkt gesagt werden soll und wie mit den unterschiedlichen Reaktionen umzugehen ist.“ (Rauchfleisch, 2011)

3. Die explorative Phase Hier geht es vor allem darum, sich in dieser „anderen“, noch fremden Welt zurecht zu finden und diesen Bereich bewusst zu gestalten. Schwule, Lesben und Bisexuelle begeben sich, wenn sie das erste Mal in der Szene schnuppern, in ein noch weitgehend unbekanntes Neuland, sie sind ja meist "heterosexuell" erzogen worden. Zentrale Fragen sind dabei:


• Wie und wo lerne ich andere Menschen mit der gleichen Orientierung kennen?

• Wie gestalte ich das NäheDistanz-Verhältnis?

• Wie äußeren sich gleichge-

schlechtliche Liebesgefühle?

• Wie möchte ich die Beziehung zum_zur gleichgeschlechtlichen Partner_in leben?

• Wie möchte ich die gleichgeschlechtliche Sexualität gestalten?

Im Grunde stellen sich die selben Fragen auch heterosexuelle Jugendliche, nur eben auf das Gegengeschlecht gerichtet. Je nach Umfeld werden nichtheterosexuelle Orientierungen mehr oder weniger öffentlich gelebt. Während es in den größeren Städten meistens kein Problem ist, sich als gleichgeschlechtliches Paar händchenhaltend und küssend in der Öffentlichkeit zu zeigen, kann es in ländlicheren Strukturen zu Diskriminierungen kommen. Deshalb ist es wichtig, dass es Möglichkeiten gibt, wo nicht-heterosexuelle Menschen in einem geschützten Rahmen so sein können, wie sie sind. Das fördert die eigene Ich-Stärke und die eigene psychische Gesundheit. Centaurus, die Hosi in Innsbruck, L'Altra Venere und Arcigay in Trient bieten solche Möglichkeiten. Erste Beziehungen Nach dem „sich ausprobieren“ in der explorativen Phase kommt jetzt der Wunsch nach persönlicher und emotionaler Stabilität. Liebesbeziehungen festigen sich, vielleicht auch in einem gemeinsamen Haushalt. Der Alltag wird zusammen erlebt, mit all den Höhen und Tiefen, Konflikte werden gelöst, die alltägliche Arbeit

wird aufgeteilt. Im Grunde ist es ein Leben, wie wir es auch von vielen heterosexuellen Paaren kennen. Es gibt nur einen wesentlichen Unterschied: Heterosexuelle Paare können ihre Partnerschaft stets öffentlich leben, was bei schwulen oder lesbischen Paaren leider nicht immer möglich ist, da sie Ausgrenzungen und Diskriminierungen im Umfeld ausgesetzt sind. Diese Tatsache kann auch die gesamte Beziehung sehr belasten. Auf der anderen Seite kann auch festgestellt werden, dass Schwule, Lesben und Bisexuelle aufgrund der eigenen vergangenen Selbstreflexionen eine große Ich-Stärke entwickelt haben und ganz gut mit solchen negativen Erfahrungen umgehen. Auch langfristige Partnerschaften können sich wieder trennen. Das gehört zum Leben dazu. Auffallend ist, dass Schwule und Lesben – im Unterschied zu heterosexuellen Paaren – nach den Trennungen ganz oft weiterhin befreundet bleiben. Integration, dauerhafte Paarbeziehung und das höhere Lebensalter Im Grunde unterscheidet sich diese Phase vor allem in einem wesentlichen Punkt von der vorhergehenden: Die Beziehung besitzt eine noch größere Verbindlichkeit für die Partner_innen. Es geht dabei um „eine reife Form des Zusammenlebens, die sich neben der emotionalen Verbundenheit und der sexuellen Dimension auch wesentlich an der sozialen Realität orientiert.“ (Rauchfleich, 2011). In dieser Phase wird auch der Wunsch nach Kindern aktuell, was den meisten Partnerschaften aus rechtlichen Gründen leider verwehrt bleibt. Im Alter durchlaufen Schwule, Lesben und Bisexuelle im Grunde die selben Dynamiken wie Heterosexuelle auch: Auseinanderset-

6

zung mit den körperlichen Veränderungen, Ausscheiden aus dem Beruf, Neuorientierung, Suche nach alternativen Aktivitäten. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass viele Schwule und Lesben alleinstehend sind. Da es keine Familienangehörige gibt, sind sie auch oft sehr einsam. Leider können sie ihre sexuelle Orientierung in Pflege- und Seniorenheimen ganz oft nicht leben, so wie sie es gern möchten. Die Forderung nach eigenen Seniorenheimen für Schwule und Lesben wird immer lauter. Es geht dabei nicht um eine Gettoisierung, sondern um die Möglichkeit, dass ältere Schwule und Lesben ihre Orientierung in einem geschützten und toleranten Rahmen leben können. Ein solches Haus wird demnächst in Berlin eröffnet. (Kontakt unter www.schwulenberatungberlin.de) Das Coming out ist also ein lebenslanger Prozess, in dem sich nicht-Heterosexuelle erfahren, erleben, weiterentwickeln und immer wieder neue positive und negative Erfahrungen machen können. Der Verein „Centaurus“ unterstützt und begleitet Menschen bei ihrem Coming out bzw. auch die Angehörigen. Interessierte können sich jederzeit an Infogay oder die Lesbianline wenden. ◘ Dr. Michael Peintner Sexualberater, Sexualpädagoge, Leiter Infogay Infogay Telefon: 0471976342 jeden Dienstag, 20-22 Uhr infogay@centaurus.org Lesbianline Telefon: 0471976342 jeden Donnerstag, 20-22 Uhr lesbianline@centaurus.org


ACIDQAS Associazione culturale italiana Drag Queen affini sostenitori Finalmente nella primavera di quest’anno è nata A.C.I.D.Q.A.S. l’associazione avente sede a Venezia che vuole far conoscere, riconoscere e promuovere il mondo delle Drag Queen. Le “DRAG QUEEN” fanno parte ormai da decenni del patrimonio sociale, culturale ma soprattutto artistico del nostro paese e contribuiscono a quell’idea di spettacolo irriverente ma anche ricercato, capace di suscitare emozioni nel pubblico, ilarità e perché no, anche far riflettere. Negli anni sono nati numerosi “contest” volti a valorizzarne la vena artistica e la capacità di influenzare e di utilizzare l’immagine per porre l’attenzione anche sui più vari aspetti socio-culturali nonché dei diritti civili, mettendo in campo le più svariate espressioni del repertorio delle drag queen e di tutte le professioni affini di questa grande famiglia “en travesti”. Non solo “trucco e parrucca” quindi, ma anche capacità di misurarsi in vari contesti, dagli show in discotecaalle rassegne culturali, dal teatro al cabaret. L’Associazione A.C.I.D.Q.A.S. si pone tanti obbiettivi, tuttavia in primis nasce e vuole adoperarsi per ottenere il riconoscimento artistico-culturale delle drag queen, senza perciò avere mire politiche,

confessionali o lobbistiche a tal riguardo. In questo percorso si vuole però tutelare la visibilità e la dignità delle persone per la maggior parte appartenenti alla comunità LGBTQI che fanno parte di questo modo di esprimersi e di questo mondo artistico. L’associazione novera tra i soci onorari Platinette, il principe Maurice, Vladimir Luxuria. L’associazione è dotata di uno statuto, di un codice etico e di un collegio consultivo. ◘ Andrea Bizzo alias Geena Queenie

7

Per maggiori informazioni acidqas@gmail.com Per conto del Presidente Dott. Giorgio Pitteri (Kelly Minogue), la Responsabile della promozione del nord Italia: Geena Queenie.


Hiobsbotschaft aus Moskau Der Homosexuellen-Paragraf 1.Juli 2013: In Russland tritt das neue Gesetz, Paragraph 6.13.1 in Kraft. Dieser beinhaltet das Verbot der „Propaganda von nicht-traditionellen sexuellen

können bis zu 15 Tage in Gewahrsam genommen und des Landes verwiesen werden. Organisationen, die gegen die Regelung verstoßen, können bis zu 90 Tage

[Damit werden Schwule und Lesben als Menschen zweiter Klasse, als schädlich diskreditiert.] Beziehungen gegenüber Minderjährigen“. Das Gesetz verbietet Handlungen, die Kindern und Jugendlichen "in ihrer Gesundheit und moralischen und geistigen Entwicklung schaden können, darunter die Verbreitung verzerrter Vorstellungen von der sozialen Gleichwertigkeit traditioneller und nicht-traditioneller sexueller Beziehungen". „Damit werden Schwule und Lesben als Menschen zweiter Klasse, als schädlich diskreditiert“, so der Chefredakteur des Schwulen-Magazins "Queer", Wladimir Woloschin. Einzelpersonen, die gegen das neue Gesetz verstoßen, können mit Geldbußen bis zu 2.500 Euro bestraft werden. Ausländer

lang geschlossen und mit Geldbußen in Höhe von 25.000 Euro belegt werden. Wie konnte es so weit kommen? Das erklärt uns Hans-Henning Schröder in einem Interview mit VICE: „Russland ist ja, wie wir wissen, im Winter 2011/12 in eine politische Krise geraten, die bis heute nachwirkt. Die Wahlfälschungen im Dezember 2011 führten zu großen Demonstrationen, das Vertrauen zu Putin ist gesunken. Nun steht das Regime vor dem Problem, seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen zu müssen - besonders unter jungen Russen. Und das wird auf zwei Wegen versucht: Zum einen ver-

sucht man, die Opposition mundtot zu machen, und zum anderen die konservativen Bevölkerungsteile zu mobilisieren. Für Letzteres wird alles, was an Vorurteilen in der Bevölkerung existiert, instrumentalisiert. […] Vor diesem Hintergrund – dass das Putin-Regime versucht, sich mithilfe einer rechten Mobilisierung zu stabilisieren – passt das Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“ in die RegimePläne. Mit so einem Gesetz kann man ein Feindbild schüren und über dieses Feindbild die eigene Basis integrieren.“ Weitere Beispiele dieser Machterhaltungstaktik sind der Fall Pussy Riot (der zu dem neuen Blasphemiegesetz führte), das NGO-Agentengesetz und das Verbot der Adoption russischer Kinder von Seiten Homosexueller im Ausland. Wie werden die neuen gesetzlichen Vorgaben des „Homosexuellen-Paragrafs“ letztlich durchgesetzt? Ist das Schwenken einer Regenbogenfahne verbo-

DIE GESCHICHTE Hier werden kurz die wichtigsten Ereignisse in Russland in Bezug auf Homosexualität veranschaulicht 1933 - 1993

1993

1999

2001 - 2008

Artikel 121 bestraft sexuelle Handlungen zwischen Männern: 60.000- 250.000 Verurteilungen zu bis zu 5 Jahren Haft oder Zwangsarbeit (wurde auch gegen Regimegegner eingesetzt). Oftmals wurden Homosexuelle zu „Behandlungen“ in psychiatrischen Kliniken gezwungen.

Legalisierung homosexueller Handlungen zwischen Erwachsenen.

Homosexualität steht nicht mehr auf der Liste der Geisteskrankheiten.

Homosexuelle Männer dürfen kein Blut spenden.

8


ten? Wie sieht es aus mit AidsPrävention oder der psychologischen Beratung für heranwachsende Schwule und Lesben? Ob auch Praktiken wie BDSM, Masturbation oder Oralsex in diese Gesetzes-Kategorie der „nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen“ fallen? Oder eine Scheidung? Das würde selbst Präsident Putin angreifen! Status Quo Zwei (homosexuelle) Freunde haben mir von ihren Erfahrungen in Russland erzählt... Monika* ist 27, kommt aus Österreich und hat einige Monate in Moskau gelebt: „Ich würde gerade nicht nach Russland reisen. Zum Einen habe ich Angst und zum Anderen ist das meine Art von Boykott. Russland war schon immer homophob, aber die Situation jetzt gerade ist schon besonders 'zach'... Händchenhalten kann man dort

auf der Straße nicht. Auch die Szeneclubs sind schwer zu finden. In einem Reiseführer hab ich etwas über eine Disco gelesen und sie gesucht. Ich hab sie nicht gefunden. Zufällig sind mir dann auf der Straße zwei augenscheinliche Lesben (Monika zwinkert) begegnet. Ich hab sie angequatscht und nach etwas Überredungskunst haben sie mich zum Eingang begleitet: Dieser war in einem Innenhof, die Treppen runter, ums Eck, bis da schließlich eine Gittertür war. Die hätte ich nie gefunden, so versteckt war diese Disco! Nun stand ich alleine dort, wurde vom Türsteher genau gemustert und auf meine Frage nach Einlass wurde ich mit den Worten, es sein eine Privatparty, abgewunken. Doch offensichtlich kamen und gingen viele Menschen, nach einer Privatparty sah es jedenfalls nicht aus. Eine Zigarette später erbarmten sich meine „Reiseleiterinnen“ und nahmen mich mit hinein;

von da an war es kein Problem mehr in die Disco zu kommen. Diese Geschichte erklärt die Situation der LGBTQI in Russland sehr gut. Clubs sind versteckt, in der Szene kennt man sich untereinander, ein Hineinkommen ist schwer. Auch herrscht ein großes Misstrauen und man hat Angst bespitzelt zu werden. Persönliche Informationen wie die Herkunft etwa, werden erst nach einem langsamen Vertrauensaufbau erzählt. Es gibt sehr viele Lesben in Moskau. Da die allgemeine Situation aber so schlimm ist, entscheiden sich viele für die traditionelle Familie. Eine kulturelle Eigenheit ist es auch eine gute Partie zu heiraten. Selbst die Universität – auf die viele junge Frauen gehen – wird eher als Heiratsmarkt denn als Ausbildungsstätte angesehen.“

2006

2009

2010

2011 - 2012

Gründung des LGBT-Netzes, heute in 20 Regionen vertreten.

„RegenbogenFlashmob“ in mehreren Regionen gleichzeitig.

Erste staatlich genehmigte Demonstration Homosexueller in St. Petersburg.

Verbotsgesetze auf kommunaler Ebene gegen homosexuelle Propaganda in St. Petersburg und 10 weiteren Regionen.

9


Sergey* ist ein 23-jähriger Student aus einer russischen Millionenstadt: „In Russland kann ich mir gar nicht vorstellen in der Öffentlichkeit Liebkosungen mit einem Partner auszutauschen. Egal, in welchem Teil des Landes man sich befindet, sollte man als Homosexueller

namens Homosexualität auch ungewollt zuziehen. Die einen sehen in der Homosexualität eine Krankheit, westliche Propaganda eines amoralischen Lebensstils oder schwere Sünde. Die anderen lassen Homosexualität zwar zu, wollen 'es' aber in der Öffentlichkeit nicht mitbekommen.“

[Einer geläufigen Meinung nach kann man sich als Kind diese Krankheit namens Homosexualität auch ungewollt zuziehen.] jeglichen Ausdruck von Gefühlen unterlassen, sonst läuft man Gefahr, entweder beschimpft oder zusammengeschlagen zu werden. Mein alleiniges Auftreten sorgt schon für böse Blicke seitens der männlichen Bevölkerung.“ Woher kommt deiner Meinung nach diese Homophobie? „Viele Russen sind praktizierende Orthodoxen. Das ist eine Religion, die viel auf Tradition setzt und Homosexualität als elendes Übel sieht. Zwar wird Russland als säkularisierter Staat angesehen, doch gewinnt die Kirche immer mehr an Bedeutung und Macht. […] Einer geläufigen Meinung nach kann man sich als Kind diese Krankheit

Zum „Homosexuellen Paragraf“ meint Sergey*: „Das Gesetz verletzt massiv die Menschenrechte. Das Gesetz wird noch tiefer im Denken der Menschen die Idee verankern, dass Homosexualität eine Anomalie darstellt. Man sieht in der Homosexualität eine Abweichung von der Norm. Was nicht 100%-ig konform ist, wird bei uns nicht akzeptiert. Die Homosexuellen in Russland sind von der Regierung sowie von der Gesellschaft weitgehend eingeschüchtert. Man kann auch durch vehemente Proteste nicht viel erzielen, entweder wird man von der Polizei festgenommen oder von Passanten zusammen-

geschlagen...und die Medien nehmen bei uns überwiegend die Position der Regierung ein.“ Was er denn von seiner Heimat fordern würde? „Im Bereich der Menschenrechtspolitik kann Russland von seinen europäischen Partnern nur lernen. […] Russland ist meinen hohen Anforderungen nicht gewachsen. Ich kann in meinem Land kein offenes Leben führen und sehe für mich auch keine Aussichten dort.“ Wie geht es weiter? „Wir existieren!“ steht auf den Papierblättern, die die Teenager vor ihre Gesichter halten und in dem blog "Kinder 404" posten. Im blog werden Fotos und Lebensgeschichten von Homosexuellen aus ganz Russland veröffentlicht. Der Name stammt daher, dass wenn in Russland z.B. wenn das Wort „Homosexualität“ in die Suchmaschine getippt wird, der Ladefehler 404 im Internet-Browser auftaucht; die aufgeforderte Seite somit nicht existiert. Auch diese Teenager haben das Gefühl für den Staat nicht zu existieren. Einer jungen Frau ist es gelungen, ihre Zeitschrift „Agens“ als Massenmedium zu registrieren. Im Magazin geht es vor allem um Erfolgsgeschichten von Frauen, Mode und Lifestyle. Gerade wer-

DIE GESCHICHTE Hier werden kurz die wichtigsten Ereignisse in Russland in Bezug auf Homosexualität veranschaulicht Oktober 2012 Der Oberste Gerichtshof Russlands erklärt nach einer Klage des LGBT- Ne tzwerkes, dass das Gesetz auf Kommunalebene gegen die „homosexuelle Propaganda“ nicht im Widerspruch mit den föderalen Gesetzen stehe. Diskussionen werden laut das Gesetz auf nationaler Ebene durchzusetzen.

Irina Fedotova, eine bekennende lesbische Frau und Aktivistin, reichte Beschwerde beim UN-Menschenrechtsausschuss ein. Sie hängte zudem in ihrer Region, Rjasan, Poster mit Slogans wie "Homosexualität ist normal" und "Ich bin stolz auf meine homosexuelle Ausrichtung" in der Nähe einer Schule auf. Daraufhin wurde sie festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt. 10

Der UN-Menschenrechtsausschuss kommt zu dem Schluss, dass die Russische Föderation die Rechte Irina Fedotovas auf freie Meinungsäußerung verletzt habe. Der Ausschuss folgerte, das regionale Gesetz von Rjasan sei diskriminierend, da sich das Verbot lediglich auf das Propagieren von Homosexualität beziehe, nicht auf Sexualität im Allgemeinen.


den dafür homosexuelle Paare mit Kindern aus ganz Russland fotografiert. Kioske in Moskau wollen sie verkaufen. Auf dem Cover

[Gerade passiert zwar ein Rückschritt, aber das Regime kann den Öffnungsprozess nur verlangsamen, nicht aber stoppen.] wird es einen Aufkleber "18+" geben. Nach dem neuen Gesetz ist "Agens" für Minderjährige Tabu. Zum Schluss möchte ich noch einmal den Russlandexperten Hans Henning-Schröder zitieren: „Ich denke nicht, dass das Regime das Verbot von solchem Vokabular auf Dauer aufrechterhalten kann. Westliche Lebensformen sind für jüngere Russen ausgesprochen attraktiv und dienen auch zur Orientierung. Gerade passiert zwar ein Rückschritt, aber das Regime kann den Öffnungsprozess nur verlangsamen, nicht aber stoppen.“ ◘ Sandra Weger *Name geändert

Dezember 2012

Januar 2013

Juni 2013

Premier Dmitri Medwedew sieht keine Notwendigkeit für eine gesetzliche Einschränkung „der Homosexualität“ und spricht sich gegen das geplante Gesetz aus.

Die Staatsduma nimmt das Gesetz gegen „Propaganda von Homosexualität gegenüber Minderjährigen“ in erster Lesung an, wobei 388 Abgeordnete im 450 Sitze zählenden Parlament dafür stimmen. Bei mehreren Demonstrationen für und gegen das Gesetz kommt es zu Ausschreitungen, Verletzten, Verhaftungen. Es kommt zu „Schwulen-Morden“.

Die Duma verabschiedet in zweiter und dritter Lesung ein föderales Verbot der „Propaganda von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen gegenüber Minderjährigen“. Das Parlament stimmt einstimmig mit 436 Stimmen bei nur einer Enthaltung für das Gesetz. In zweiter Lesung war der Begriff "Homosexualität" auf Kritik hin gegen die Wendung "nicht traditionelle sexuelle Beziehungen" ersetzt worden.

11


Ich will eine legale Schwiegermamma! Wir kommen gerade von meiner Schwiegermamma zurück. Sie hatte gute Laune und es war nicht viel Verkehr. Wir haben nicht mal 1 ¾ Stunden gebraucht. Ach ja, offiziell ist sie ja immer noch nicht meine Schwiegermutter. Denn durch diese Strecke von nicht mal 2 Autostunden läuft eine Staatsgrenze. Und diese Staatsgrenze bringt zwei unterschiedliche Gesetzgebungen. Und das gilt auch für Lebensgemeinschaften, für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Mein Partner stammt aus Österreich, aus Tirol. Und lebt mit mir hier in Südtirol. Immer noch. Auch wenn wir seit 2010 schon öfter mal überlegt haben, in den Norden zu ziehen. Nur ist es da immer so lang Winter... In Österreich gibt es seit 2010 eine Gesetzgebung, durch die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften rechtlich anerkannt werden. In Österreich wurde der Begriff "eingetragene Lebensgemeinschaft" gewählt, weil die ÖVP auf Biegen und Brechen die Ehe als traditonelle Institution den heterosexuellen Paaren vorbehalten wollte. Im Vergleich zu anderen europäischen Gesetzgebungen ist die österreichische bis jetzt immer noch eine basale Anerkennung von Rechten für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, aber es ist mindestens etwas und sie wird ausgebaut. Hier in Italien, wie allgemein bekannt, sind mein Partner und ich rechtlich betrachtet immer noch Fremde, auch wenn wir seit einiger Zeit zusammenleben und die Aufgaben des täglichen Lebens gemeinsam meistern. Die Hauptsäulen der eingetragenen Lebensgemeinschaften in Öster-

reich sind wirtschaftlicher Natur und definieren die wichtigsten Bereiche im Zusammenleben eines Paares. Sie reichen von der Unterhaltspflicht bis zu den Bezügen von Beiträgen, von der Verwaltung von Vermögen, Gütern und Versicherungen bis zu testamentarischen Angelegenheiten. Das einzige, was bis dato ausgespart ist, ist die Adoption; sei es des Kindes des Partners, sei es eines fremden. Verboten ist auch die Fremdbefruchtung. In Italien hingegen herrscht immer noch ein absolutes Rechtsvakuum in Bezug auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Aufgrund der krisenbedingten Aktualität möchte ich die Regelung vorstellen, die in Österreich im Falle von Arbeitslosigkeit getroffen wurde. Arbeitslosigkeit „Besteht eine längere Arbeitslosigkeit, sodass kein Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld besteht, kann beim Arbeitsmarktservice ein Antrag auf Notstandshilfe gestellt werden. Bei der Berechnung der Höhe der Notstandshilfe wird das Einkommen der eingetragenen Partnerin/des eingetragenen Partners berücksichtigt, d. h. in den meisten Fällen wird sie niedriger ausfallen, als wenn die Person alleinstehend wäre. Umgekehrt steht der Familienzuschlag zu Arbeitslosengeld und Notstandshilfe zu, wenn die eingetragene Partnerin bzw. der eingetragene Partner unterhaltsbedürftig ist." Legen wir dies auf Italien um, dann bleibt nur das Arbeitslosengeld über. Sonstige Zulagen oder Möglichkeiten wie bei heterosexuellen Paaren bleiben verwehrt. Ich

12

oder mein Partner haben in Italien bei einer Langzeitarbeitslosigkeit oder einer Arbeitsunfähigkeit weiters auch keine Möglichkeit, den Partner mitzuversichern. In Österreich beispielsweise wurde dies folgendermaßen geregelt: Mitversicherung „Eine eingetragene Partnerin oder ein eingetragener Partner, die/der den Haushalt führt und nicht selbst krankenversichert ist, ist in der Krankenversicherung der Partnerin/des Partners mitversichert. Dessen eingetragene Partnerin/eingetragener Partner hat dafür einen monatlichen Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung in der Höhe von 3,4 % der Beitragsgrundlage zu bezahlen.“ Mietwohnung „Schatz, hast du die heutigen Wohnungsangebote schon durchstöbert? Oder sollen wir doch eine Wohnung kaufen statt mieten?" „Das ist eine echt gute Frage“ antworte ich. Ich erinnere mich an meine letzte Mietwohnungsuche mit meinem Exfreund. Einer der besten Sätze war: „Die Wohnung hat nur ein Schlafzimmer!“ Oder ein anderes Mal „2 Männer? Wir möchten keine WG.“ Dass zwei gleichgeschechtliche Menschen zusammen wohnen ist in Südtirol immer noch nicht sehr gängig. Und wenn man im Internet im Portal des Südtiroler Bürgernetzes sucht, findet man auch keine expliziten Hinweise für eine Regelung. Weder was das Mietrecht betrifft, noch was finanzielle Beiträge betrifft, noch was im Falle einer Trennung oder eines Todesfalles gilt. Mein Partner wohnt jetzt mit mir in meiner Wohnung. Er scheint allerdings nicht im Mietvertrag als


Hauptmieter auf, der die gleichen Rechte wie ich in Bezug auf das Mietverhältnis hat. Er ist sozusagen ein Untermieter. Bei einer Trennung hieße das, er hätte keinerlei Möglichkeit die Mietwohnung für sich zu beanspruchen, oder, wenn ich ausziehen würde, den Mietvertrag an meiner Stelle zu übernehmen. Gleiches gilt auch im schlimmsten aller Fälle, meinem Todesfall: er wäre auf der Straße. Er hätte keinerlei Anrecht das Mietverhältnis an meiner Stelle zu übernehmen. Außer – was ich mir bei meiner Vermieterin schon vorstellen kann – sie würde sie ihm gütigerweise überlassen. Auch dafür gibt es im österreichischen Gesetz nun klare Regeln, ohne Unterschiede zu heterosexuellen Ehen. Eigentumswohnung Irgendwo dringt der Satz zu mir durch: „Und was ist wenn wir was kaufen? Das wär echt ein interessantes Angebot?!“ „Hmmmm“ geb ich von mir. Ja, was wäre wenn. Schön wär´s schon, so eine gemeinsame Eigentumswohnung. Ok, dann bin ich an einen Ort gebunden, aber es wäre auch eine Altersvorsorge. Meine Güte, ich werde alt. Ich bin Anfang 30 und denke an Altersvorsorge. Naja, nur wie stellen wir das an? Eigentlich sind wir ein Paar wie meine schreienden Nachbarn mit dem dauerbrüllenden Baby. Nur gesetzlich sind wir Fremde. 2 Privatpersonen und basta. Wie sichern wir uns ab? Auf wen läuft der Vertrag? Auf Beide oder nur auf Einen? Wenn nur auf einen, wie regeln wir die Bezahlung, wie sichert sich der Andere ab? Es gibt ja kein Scheidungsrecht, das die ganzen Sachen regelt. Sachen

wie Gütertrennung oder Gütergemeinschaft, die Regelung des gemeinsam in der Ehe erwirtschafteten Besitzes, von Unterhaltszahlungen, Abfindungen etc. Ich will ja keinen Rosenkrieg, aber an das muss man halt auch denken, höre ich mein Gehirn so schwatzen. Und was ist, wenn der am liebsten totgeschwiegene Todesfall des Besitzers eintritt? Mein Partner (angenommen ich bin das) ist dann ein Fremder und steht testamentarisch nicht an erster Stelle wie eine Ehefrau (oder Ehemann). Und muss sich mit rechtlichen Erben herumschlagen und sie auszahlen. Auch das muss geregelt werden, im Rahmen des Möglichen. Wieder wäre das in Österreich einfacher, weil genau geregelt. Mein Hirn grinst und sagt, wir müssen uns dringend einen guten Anwalt anlachen, der uns berät. Findet man den wohl auf den Blauen Seiten? In meinen Augen leuchten dunkelrote Eurozeichen. Das wird verdammt teuer. Und dann muss man immer noch schauen, was in Italien rechtlich überhaupt machbar ist, damit ein solcher Ehevertrag auch bei einem Prozess hält. Ich mach jetzt mal lieber Schluss. Ansonsten fährt mein Hirn noch Achterbahn und mein Schatz denkt sich, wo ich nur wieder bin und dass ich ihm keine Aufmerksamkeit schenke. Mit diesen Anstößen zum Nachdenken von einem gleichgeschlechtlich liebenden und lebenden Paar mit unterschiedlicher nationaler Herkunft und in der Hoffnung, nicht nach Österreich ziehen müssen, um unsere Beziehung endlich zu legitimieren, schließe ich hier. ◘

13

Mehr infos unter: www.partnerschaftsgesetz.at Christoph Thaler


LGBTQI-Jugendarbeit "Das Schönste für mich ist es, wenn ich für Jugendliche Mutmacher sein kann." Seit 2010 arbeitet der margreider Sexualpädagoge Jürgen Piger im Kölner jugendzentrum „anyway“,im ersten und größten Jugendzentrum Europas, das sich speziell für lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche engagiert. Seit 2013 arbeiten Centaurus und das „anyway“ gemeinsam an der Synchronisierung der Webserie „Julian – junge Liebe anders“, einem Projekt des „anyway“, das von Jugendlichen für Jugendliche gemacht wird. Das Centaurus Magazine hat Jürgen Piger zu seiner Arbeit und seinem Engagement interviewt, um seine Erfahrungen auch in Südtirol bekannt zu machen. Hallo Jürgen, kannst du das „anyway“ vorstellen? Wie sieht ein Tag im Kölner „anyway“ aus?

Hallo Martine! Das „anyway“ ist ein Jugendtreff für schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche und junge Erwachsene mitten im Herzen von Köln. Das „anyway“ erreicht jährlich ca. 1.400 Jugendliche im Alter von 14 bis 25. Das Jugendzentrum bietet, neben Freizeitangeboten wie Billard, Filmabenden, Kochangeboten und Ausflügen, auch Beratung zu den verschiedensten Themen, wie zum Beispiel Coming Out, Unsicherheiten bezüglich sexueller Orientierung, Fragen zur Identität und Sexualität, Gesundheitsrisiken, aber auch zu Schuloder Ausbildungsproblemen oder einfach zu alltäglichen Sorgen und Problemen Jugendlicher an. Außerdem ist die ehrenamtliche Tätigkeit der Besucher*innen ein wichtiger Stützpfeiler der Jugendarbeit des Hauses, denn so haben sie die Möglichkeit, aktiv ihre Freizeit zu gestalten und sich in einem geschützten Rahmen weiterzuentwickeln. Das Herzstück des „anyway“ ist das Jugendcafé, wo die Jugendlichen die Möglichkeit haben, Freunde zu treffen, neue Leute kennen zu lernen oder einfach nur eine Cola an der Theke zu trinken. Das bedeutet: Am späten Nachmittag geht die Tür des anyway-Cafés auf und ich weiß nie so genau, was mich erwartet. Ich mische mich dann unters „Volk“, trinke gemeinsam mit den Jugendlichen eine Cola und finde mich damit schon oft in meinem Arbeitsalltag wieder, da sich das ein oder andere „Thekengespräch“ zu einem Beratungsgespräch entwickelt. Ich bin also einfach da. Das ist auch zunächst einmal meine Hauptaufgabe im Hinblick auf unsere Besucher*innen. Das Schönste für mich ist es, wenn ich für Jugendliche Mutmacher sein kann.

14


Ist eine offene Jugendarbeit dieser Art nicht viel eher eine Fortsetzung der Ausgrenzung?

Tatsächlich ist der Anteil der heterosexuellen Besucher*innen im Jugendzentrum „anyway“ nahezu Null. Und das, obwohl das Angebot nicht per se schwul oder lesbisch ist und schwule und lesbische Jugendliche natürlich auch heterosexuelle Freund*innen haben. Tatsache ist aber auch, dass die Hemmschwelle für heterosexuelle Jugendliche zu uns ins „anyway“ zu kommen extrem hoch ist. Aus Schulinformationsveranstaltungen in unserem Haus weiß ich von heterosexuellen Jugendlichen, dass sie von alleine nicht zu uns kommen würden: „Nachher sieht mich noch einer und denkt, ich sei schwul!“ Alleine schon die Möglichkeit, in den Ruf zu kommen, schwul zu sein, wird als so „gefährlich“ empfunden, dass heterosexuelle Jugendliche üblicherweise einen großen Bogen um unser Jugendzentrum machen. Aus meiner mehrjährigen pädagogischen Berufserfahrung kann ich feststellen, dass schwule und lesbische Jugendliche zunächst Raum und Zeit haben müssen, ihr Anderssein zu akzeptieren, um Selbstsicherheit und Selbstakzeptanz zu entwickeln. Das heißt, dass vor der Auseinandersetzung z.B. mit heterosexuellen Altersgenossen zunächst die Eigenstärkung grundlegende Voraussetzung ist. Ohne diese gestärkte Identität und ein klares Selbstbild kann nur schwerlich eine Auseinandersetzung mit anderen erfolgen. Ich bin also fest davon überzeugt, dass die Jugendlichen vor, während und nach ihrem Coming Out einen geschützten Ort brauchen, an dem sie auf Toleranz, Verständnis und offene Ohren stoßen.

Welche Tipps würdest du einem Jungen bzw. einem Mädchen im Coming Out- Prozess geben?

Ich kann nur jedem schwulen Jungen oder lesbischen Mädchen raten, möglichst nach anderen schwulen Jungen bzw. lesbischen Mädchen zu suchen. In fast jeder größeren Stadt gibt es Jugendgruppen: In Bozen gibt es z.B. die Jugendgruppe der Schwul-Lesbischen Initiative Südtirol „Centaurus“. Zusätzlich zur Teilnahme an einer Gruppe ist es gut, sich einfach mit Menschen zu treffen, die selber schwul, lesbisch oder bisexuell sind, oder von denen man weiß, dass sie im Umgang mit Schwulen und Lesben unbefangen sind, z.B. Lehrer*innen. Wichtig ist mir hierbei den jungen Leuten zu sagen: Gebt nicht auf, wenn die ersten Versuche der Kontaktaufnahme nicht gleich funktionieren. Bleibt dran, und versucht, die Verbindungen herzustellen, die die richtigen für euch sind. Persönlich wäre es mir auch noch wichtig Jugendlichen, gerade in Südtirol, Mut zu machen, sich politisch zu engagieren. Sich selber zu fragen: Wie sind denn die Verhältnisse in denen wir leben, will ich tatsächlich ein Teil dieser Gesellschaft sein, oder will ich Veränderungen? Eine Möglichkeit sich für Vielfalt und Toleranz zu engagieren bietet „Centaurus“ selbst. Der Verein ist auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Außerdem bietet die ehrenamtliche Arbeit im „Centaurus“ auch die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen.

Auf welche Projekte und Initiativen, die du im „anyway“ mitgestaltet hast, bist du besonders stolz?

Es gibt einiges, auf das ich sehr stolz bin. „Julian - junge liebe anders“ zum Beispiel ist die erste schwule Webserie von schwulen Jungs für schwule Jungs im deutschsprachigen Raum. Produziert wird sie von jungen Leuten aus dem „anyway“ und ich leite und koordiniere dieses Team. Die ersten zwei Staffeln wurden bereits 170.000mal im Internet angeschaut. In kurzen Episoden beschreiben die Jugendlichen die Erlebnisse des 16-jährigen Julian. Die Storys, inspiriert von den authentischen Erlebnissen der jungen Männer, zeigen das Auf und Ab des Coming-outs. Ein zweites großes Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, ist die Onlineberatung von Jugendlichen für Jugendliche. Zurzeit engagieren sich etwa 10 junge Erwachsene bis 25 Jahre in der Onlineberatung. Sie helfen anderen Jugendlichen bei ihren Problemen mit dem Coming-Out, mit den Problemen zu Hause und in der Schule oder auf der Arbeit. Insgesamt beantworten die Ehrenamtlichen unter meiner Anleitung jährlich zwischen 500-600 E-Mailanfragen. Dabei kommen die Anfragen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, aber auch aus Australien,

15


USA, Afrika und Südamerika. Um die Qualität der Arbeit zu sichern, werden die jungen Berater*innen durch mich unterstützt und sie werden umfassend für die Onlineberatung qualifiziert und haben regelmäßig die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Damit garantieren wir die hohe Qualität unseres Beratungsangebotes im Internet. Welche Tipps würdest du der öffentlichen Hand in Bezug auf die Förderung schwul-lesbischer Jugendlicher in Südtirol geben?

Nach Deutschland zu schauen. Dort hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter bereits 2003 beschlossen, dass sexuelle Orientierung ein relevantes Thema der Jugendhilfe ist. Das SGB VIII verpflichtet die Jugendhilfe in Deutschland, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und einen Beitrag zu leisten, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen. Die Jugendhilfe ist damit auch gefordert, das Thema sexuelle Orientierung von jungen Menschen und ihren Eltern als einen wichtigen Aspekt in ihren Angeboten und Maßnahmen aufzugreifen. Erziehungs- und Familienberatung und Familienbildung sowie Familienerholungsmaßnahmen können hier einerseits durch Aufklärung aller Eltern wirken und andererseits Beratung und Hilfe zur Konfliktbewältigung anbieten. Gerade in Südtirol, wo es keine speziellen Angebote gibt, könnte die Jugendarbeit eine wichtige Unterstützungsfunktion, auch für junge Lesben und Schwule haben. Zugleich könnte sie Partner beim Abbau von Homophobie sein. Aus meiner Zeit in Südtirol weiß ich, dass die meisten Fachkräfte in der Jugendarbeit sich noch nie mit diesem Thema beschäftigt hatten. Vielen fehlen Informationen, der Bezug zu ihrer alltäglichen Praxis oder auch konkretes Handlungswissen. Deshalb müssen in Südtirol endlich haupt- und ehrenamtlich in der Jugendarbeit Tätige im Rahmen von Aus- und Fortbildungen zum Thema „Sexuelle Orientierungen“ qualifiziert werden. Und zwar im Kontext einer allgemeinen Wertschätzung von Vielfalt, von Respekt vor dem Anderen, von Erziehung zur Gemeinschaftsfähigkeit sowie Prävention von Diskriminierung und Gewalt. Die Landesregierung bzw. das Amt für Familie, Frau und Jugend wäre aus meiner Sicht dazu verpflichtet Projekte zum Thema „Sexuelle Orientierung“ anzuregen und zu unterstützen. Bildungs- und Aufklärungsarbeit ist immanent notwendig, um Tendenzen von Ausgrenzung und Gewalt gegen Lesben und Schwulen entgegenzuwirken und zur Enttabuisierung im privaten und öffentlichen Raum beizutragen. Aus meiner Sicht erscheint es sinnvoll, niederschwellige Beratungsmöglichkeiten zu Themen wie ComingOut, Probleme mit der eigenen Homo-, Bi- oder Transsexualität, Safer Sex, Konfliktsituationen und Partnerschaftsprobleme zu schaffen, bzw. auszubauen. Gerade im Jugendalter treten häufig Fragen zur eigenen Orientierung und Ängste vor dem „Anderssein“ auf. Kinder und Jugendliche sowie Eltern und Multiplikator*innen sollten Gelegenheit haben, sich, auch anonym, zu informieren und Rat zu holen.

Was würdest du den Südtiroler Politiker*innen raten?

Südtirol braucht dringend ein offenes Jugendfreizeitangebot für lesbische und schwule Jugendliche ab 14 Jahren und altersbegrenzt bis ca. 27 Jahre. Für viele Jugendliche ist das direkte „Eintauchen“ in die schwul/lesbische Erwachsenenszene ein zu großer Schritt. Viel wichtiger ist zunächst mal die Perspektive, Gleichaltrige, die in den übrigen Lebensbereichen der Jugendlichen eher versteckt leben, kennenzulernen. Das Land muss dringend Personal- und Sachkosten zur Realisierung eines solchen Jugendtreffs zur Verfügung stellen. Als Träger könnte ich mir die Schwul-Lesbische Initiative Südtirol „Centaurus“ gut vorstellen. Der Alltag von lesbischen und schwulen Jugendlichen ist in der Schule nach wie vor durch massive Diskriminierungserfahrungen bis hin zu offener Gewalt geprägt. Nach wie vor ist auch die Schule kein Ort, an dem das Thema „Homosexualität“ in selbstverständlicher Form aufgegriffen wird. Und das, obwohl nirgendwo sonst Jugendliche über die Peer-

16


group- Grenzen hinweg in solchem Umfang zusammenkommen. Schimpfworte wie „schwule Sau“ oder „Schwuchtel“ und „Tunte“ signalisieren diese Gewaltbereitschaft gegenüber Schwulen, die sich in einer eigenen Begrifflichkeit, dem „Schwulenklatschen“, dokumentiert. Bei jungen Lesben findet Diskriminierung eher in Form eines Nicht-Ernstnehmens und von Bagatellisierung statt, die sich in Aussprüchen wie „Die hat doch noch nicht den richtigen abgekriegt!“ äußert. Aus Gesprächen mit Mitarbeiter*innen der Jugendarbeit weiß ich, dass trotz wohlwollender Haltung des Personals, lesbische und schwule Jugendliche keinen Platz in den herkömmlichen, von heterosexuellen männlichen Jugendlichen geprägten Zentren haben. Ein hauptamtlich betreuter schwul/lesbischer Jugendtreff könnte innerhalb von Südtirol ein „Fokus“ für die Themen schwuler und lesbischer Jugendlicher sein. Durch den direkten Zusammenhang von persönlicher „Betroffenheit“ und der Institution eines Jugendtreffs für lesbische und schwule Jugendliche, entstehen fast beliebig viele Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit so wichtigen Lebensthemen wie Akzeptanz, Selbstvertrauen, Zuversicht, Zusich-stehen, gegenseitige Achtung, Diskriminierung, Selbstzweifel, Angst, Selbstverleugnung, gegenseitiges Verletzen. Wie bei anderen Randgruppen zeigt sich auch bei jugendlichen Lesben und Schwulen das Bedürfnis nach Kommunikation, Treffmöglichkeit und Stärkung innerhalb der eigenen Gruppe. Oder anders gesagt, der Wunsch nach den eigenen „vier Wänden“, innerhalb deren Frau und Mann sicher von den „schiefen Blicken“ der heterosexuellen Mehrheit ist. Ein zielgruppenspezifisches Angebot dieser Art signalisiert Sicherheit, Zuversicht und Vertrauen. Schwule Jugendliche sind zusätzlich gefordert, selbstbewusste Strategien im Umgang mit HIV und AIDS zu entwickeln, um sich vor einer Infektion zu schützen. Für sie ist das „Erste Mal“ begleitet von der Aufgabe, sich vorher über sichere schwule Sexualpraktiken zu informieren und diese dann auch konsequent bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen anzuwenden. Das gelingt aus meiner Erfahrung insbesondere dann, wenn der Jugendliche ein starkes Selbstbewusstsein und eine eigene Identität entwickelt, die von Selbstwertschätzung, Selbsterkennung und Glücklich-sein über seine Lebenssituation geprägt ist. Kurz: Wenn er das, was es zu schützen gilt, auch für schützenswert hält! Abschließend möchte ich nochmal betonen, dass eine fachliche pädagogische Betreuung der lesbischen und schwulen Jugendlichen unbedingt vonnöten ist, um die jungen Menschen zu befähigen, selbstbewusst und selbstbestimmt ihre Lebensräume zu gestalten.

◘ Martine De Biasi

Vielen Dank für das Gespräch!

17


Art in context Michal Rutz: die Kunst der Provokation Mit dem dem Experiment Experiment „art „art in in Mit context“ möchte das Centaurus context“ möchte das Centaurus Magazine eine eine Plattform Plattform für für zeitzeitMagazine genössische Kunst schaffen und genössische Kunst schaffen und stellt jeweils eine Doppelseite stellt jeweils eine Doppelseite künstlerischen Interventionen Interventionen zur zur künstlerischen Verfügung. Für die aktuelle AusVerfügung. Für die aktuelle Ausgabe konnten konnten wir wir den den 1988 1988 im im polpolgabe nischen Inowrocław geborenen nischen Inowrocław geborenen und in in Wien Wien lebenden lebenden Künstler Künstler und Michal Rutz gewinnen, der uns eieiMichal Rutz gewinnen, der uns nes seiner Werke zur Publikation nes seiner Werke zur Publikation überließ. überließ. Provokation und und Tabubruch Tabubruch Provokation gehören zur Kunst wie die Pointe Pointe gehören zur Kunst wie die zu einem guten Witz. War etwa zu einem guten Witz. War etwa Martin Kippenbergers gekreuzigMartin Kippenbergers gekreuzigter Frosch Frosch nicht nicht viel viel mehr mehr als als der der ter etwas angestrengt wirkende Veretwas angestrengt wirkende Versuch, einer einer abgegriffenen abgegriffenen IkonoIkonosuch, grafie doch noch selbstironische grafie doch noch selbstironische Relevanz abzuringen, abzuringen, so so machmachRelevanz te der Sturm der Entrüstung, der te der Sturm der Entrüstung, der 2008 ganz Südtirol erschütterte, 2008 ganz Südtirol erschütterte, aus diesem diesem kleinen kleinen autobiograautobiograaus phischen Tierchen ein brüllendes phischen Tierchen ein brüllendes Monster. Wie ein Godzilla der Monster. Wie ein Godzilla der zeitgenössischen Kunst trieb Kipzeitgenössischen Kunst trieb Kippenbergers Frosch Frosch Horden Horden von von penbergers Katholibans vor sich her, erzürnKatholibans vor sich her, erzürnte DrohDroh- und und Leserbriefschreiber, Leserbriefschreiber, te

Dieses Bild von Michal Rutz gibt es auf der Rückseite als herausnehmbares Poster.

versetzte Politiker versetzte Politiker in in den den HunHungerstreik, und brachte gerstreik, und brachte selbst selbst die die Mauern des des päpstlichen päpstlichen Palastes Palastes Mauern zum Erzittern. Erzittern. Diese zum Diese hitzigen hitzigen ReReaktionen machten Kippenbergers aktionen machten Kippenbergers Arbeit mit mit dem Arbeit dem Titel Titel "Zuerst "Zuerst die die Füße" zu einer künstlerischen Füße" zu einer künstlerischen Performance beeindruckenden Performance beeindruckenden Ausmaßes, erst Ausmaßes, erst sie sie machten machten aus aus dem ziemlich unspektakulären, dem ziemlich unspektakulären, etwa 130 130 cm großen Holztier etwa cm großen Holztier wahwahre Kunst. re Kunst. Wichtiger als Wichtiger als Pigmente, Pigmente, TechTechnik oder Firniss sind nik oder Firniss sind die die Gefühle, Gefühle, die ein die ein Werk Werk im im Betrachter Betrachter wachwachzurufen vermag: wahre Kunst Kunst zurufen vermag: wahre findet nicht in erster Linie auf findet nicht in erster Linie auf der der Leinwand, innerhalb Leinwand, innerhalb des des Mediums Mediums selbst statt, selbst statt, sondern sondern entsteht entsteht erst erst im Dialog mit dem Betrachter. im Dialog mit dem Betrachter. 2011 rollte der Ent2011 rollte die die Woge Woge der Entrüstung erstmals über den rüstung erstmals über den jungen jungen Künstler Michal Michal Rutz: Rutz: die die AusstelKünstler Ausstellung seines Werkes lung seines Werkes "Der "Der Altar Altar von Smoleńsk ", in in dem dem Rutz Rutz die die von Smoleńsk ", Sakralisierung des ausufernden Sakralisierung des ausufernden polnischen Nationalismus Nationalismus themathemapolnischen tisierte, rief in Warschau tisierte, rief in Warschau einen einen Skandal hervor, der die die Macht Skandal hervor, der Macht wahrer Kunst Kunst und und deren deren Relevanz Relevanz wahrer eindrucksvoll spüren ließ. Späteseindrucksvoll spüren ließ. Spätestens nun wurde Michal Rutz tens nun wurde Michal Rutz klar, klar, dass seine seine Kunst Kunst weit weit mehr dass mehr ist ist als einige als einige Quadratmeter Quadratmeter bemalter bemalter Leinwand, dass Leinwand, dass sie sie immer immer umumgeben sein würde von irritierten, geben sein würde von irritierten, bewundernden, hassenden und bewundernden, hassenden und entzückten Augen ja mehr noch: entzückten Augen - ja mehr noch: erst DURCH erst DURCH diese diese Augen Augen ihre ihre Vollendung finden würde. Vollendung finden würde. In der der Werkserie Werkserie "Magritte's In "Magritte's Kiss", aus der Kiss", aus der wir wir ein ein Werk Werk abdruabdrucken, galt cken, galt Michal Michal Rutz' Rutz' AufmerkAufmerksamkeit genau genau dieser dieser Spannung Spannung samkeit zwischen Motiv und Betrachter, zwischen Motiv und Betrachter, zwischen Individuum Individuum und zwischen und GesellGesellschaft, zwischen Ästhetik und IrIrschaft, zwischen Ästhetik und

2

ritation. Im dieser WerkWerkritation. Im Zentrum Zentrum dieser serie stehen dabei die Themen serie stehen dabei die Themen Homophobie und Homophobie und Zensur. Zensur. Es sind meist Bilder vom Es sind meist Bilder vom RanRande der Legalität, in denen de der Legalität, in denen BildzenBildzensur am am offensichtlichsten offensichtlichsten wird: wird: sur etwa in der Unkenntlichmachung etwa in der Unkenntlichmachung der Gesichter von Angeklagten Angeklagten der Gesichter von und Opfern oder der Verfremdung und Opfern oder der Verfremdung von als als pornographisch oder zu zu von pornographisch oder gewalttätig erachteten Bilddegewalttätig erachteten Bilddetails. Zensur kann aber aber auch auch ein ein tails. Zensur kann Werkzeug von Homophobie sein, Werkzeug von Homophobie sein, sie kann kann suggerieren, suggerieren, dass es sie dass es sich beim Abgebildeten um etwas sich beim Abgebildeten um etwas "Perverses" handelt, "Perverses" handelt, um um etwas etwas Verbotenes. Aus dem Verbotenes. Aus dem liebevollen liebevollen Kuss zweier zweier Männer Kuss Männer macht macht die die Zensur einen Akt der ObszöniZensur einen Akt der Obszönität, sie den voyeuristivoyeuristität, sie fokussiert fokussiert den schen Blick der Nase rümpfenden schen Blick der Nase rümpfenden Betrachter auf angeblichen Betrachter auf den den angeblichen Bruch der ungeschriebenen GeBruch der ungeschriebenen Gesetze gesellschaftlicher Konventisetze gesellschaftlicher Konvention. Doch ist die die ZenZenon. Doch gleichzeitig gleichzeitig ist sur Symptom einer verängstlichsur Symptom einer verängstlichten, homophoben ten, homophoben Gesellschaft, Gesellschaft, einer ihrer einer Gesellschaft, Gesellschaft, die die sich sich ihrer Identität nicht sicher ist. Identität nicht sicher ist. Michal Rutz Michal Rutz legt legt den den Finger Finger in die Wunde; er zeigt, in die Wunde; er zeigt, dass dass Liebe Liebe und Schmerz, und Schmerz, Ästhetik Ästhetik und und ObsObszönität, Kunst zönität, Kunst und und Pornographie, Pornographie, nicht unversöhnbare unversöhnbare Gegensätze, nicht Gegensätze, sondern sondern sich sich in in ihrer ihrer WidersprüchWidersprüchlichkeit ergänzende ergänzende Facetten Facetten der der lichkeit ◘ wahren Kunst sind. wahren Kunst sind. ◘ Conny Conny Cossa Cossa

Weitere Weitere Infos Infos zum zum Künstler Künstler michaelrutz.wordpress.com michaelrutz.wordpress.com michal.rutz michal.rutz @ @ gmail.com gmail.com


Centaurus needs you! Centaurus cerca giovani per progetto di sensibilizzazione Il progetto In molte scuole e centri giovanili adolescenti LGBTIQ (lesbiche, gay, bisessuali, transgender, intersessuali, queer) vengono quotidianamente discriminati. Per prevenire aggressioni ed esclusione Centaurus sta pianificando un progetto di peereducation nelle scuole, finanziato per la maggior parte dalla mano pubblica.

Come partecipare Sei giovane (tra 16 e 20 anni) e ti senti gay, lesbica, bisessuale e/o trans? Sei dichiarato/a, sicuro/a di te stesso/a e ti piacerebbe aiutarci ad abbattere pregiudizi e discriminazioni legati all’orientamento e all’identità sessuale? Allora chiamaci al numero 0471 97 63 42 oppure scrivi a infogay@centaurus.org Ti aspettiamo!

Cos’è la peer-education? Peer-education significa imparare tra pari. Siamo convinti che i/ le giovani apprendano nel miglior modo dai/dalle loro coetanei/e. Perciò cerchiamo volontari/e dell’età compresa tra i 16 e i 20 anni che abbiano voglia di sensibilizzare giovani e adolescenti sui temi dell’omosessualità e della transessualità.

Cosa ti aspetta In 2 week-end sarai istruito/a da professionisti/e che ti prepareranno ad informare e sensibilizzare ragazzi e ragazze tsulle tematiche LGBTQI nelle scuole e nei centri giovanili. Durante i progetti di sensibilizzazione sarai affiancato/a da esperti/e di pedagogia e sensibilizzazione.

infogay@centaurus.org - 0471 97 63 42 - www.centaurus.org

3


4


5


Queere Räume Früher oder später stellen sich für jede_n nicht (ausschließlich) heterosexuell begehrenden und l(i)ebenden Menschen die Fragen, wo den seines- oder ihresgleichen zu finden seien, und wo schwules, lesbisches, bisexu-

gäbe es in unserer Gesellschaft wohl Wichtigeres zu tun. Letzteres mag stimmen. Der Rest mag bezweifelt werden, denn ganz so einfach ist die ganze Angelegenheit dann doch wieder nicht. Wer kennt nicht die Situati-

[Wo finden Schwule, Lesben, Bi und Trans (zu)einander?] elles oder trans* Leben stattfinden könne. Diese Fragen stellen sich umso vehementer, je weniger Lebensformen, die nicht heteronormativen Erwartungen entsprechen, sichtbar und gesellschaftlich akzeptiert sind. Heteronormative Erwartungen beschreiben das Einsetzen von Heterosexualität als „normale“, quasi „natürliche“ Sexualität und Lebensform sowie die damit verbundene grundsätzliche Annahme, dass jeder Mensch sich entsprechend entwickeln und entsprechend l(i)eben würde. Natürlich sind Schwule und Lesben heute bei uns viel sichtbarer, sowohl in den Medien, als auch im öffentlichen Raum. Und sehr oft ist das zum Glück ganz unproblematisch. Also alles paletti, erfolgreich emanzipiert?! Könnte man meinen. Und so wird oft argumentiert, gerade wenn es darum geht, das politische Anliegen der Emanzipation von Lebensformen, die sich heteronormativen Erwartungen entziehen, kleinzureden oder als nicht so wichtig darzustellen. Schließlich sei bei uns ja jede_r frei, diesbezüglich zu tun und zu lassen was er oder sie wolle. Erst recht daheim im eigenen Bett. Das sei doch bitte kein Problem mehr und überhaupt

on, dass in bestimmten Kontexten Männer nur nach ihrer Partnerin gefragt werden und Frauen nur nach ihrem Partner? Oder dass wichtige Erziehungs- und Sozialisationsinstanzen nur die heterosexuelle Variante auf dem Schirm haben bzw. als Norm setzen? Oder dass man es sich dann doch überlegt, wo man sich outet oder sich mit wem zeigt? Oder einfach gewisse Lebensbereiche und – räume getrennt bleiben, weil es eben doch nicht überall geht, dass das, was heteronormativen Erwartungen nicht entspricht, sichtbar gelebt wird? Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Räume, in denen wir uns bewegen, sehr oft heteronormativ strukturiert sind. Dabei meint Räume nicht nur Orte oder Behälter, an bzw. in denen sich etwas abspielt, sondern Räume sind auch als durch und durch soziale Gebilde, als Ergebnisse sozialen Handelns zu begreifen. Räume werden durch soziales Handeln erschaffen und angeeignet, aufgemacht oder verschlossen. Wie zugänglich Räume sind, wie sie genutzt werden können, auf welche Positionen sie verweisen und wie sie gestaltet werden können, hat natürlich mit räumlichen Gegebenheiten im engeren

6

Sinn, also mit der örtlich territorialen Dimension, zu tun, aber eben auch mit anderen das soziale Handeln bestimmenden Dimensionen, wie gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Normen oder sozialem, ökonomischem und kulturellem Kapital der sozial Handelnden. Dieser Zugang über ein erweitertes Raumverständnis bietet eine interessante Perspektive für die Auseinandersetzung mit Lebensformen und den entsprechenden Lebensräumen jenseits heteronormativer Erwartungen. Wo finden Schwule, Lesben, Bi und Trans (zu)einander? Wo liegen entsprechende Räume, außerhalb oder eben que(e)r zu heteronormativ strukturierten Räumen? Welche Bedeutung haben Szenen? Für wen sind sie zugänglich und wen schließen sie aus? Wer verdient an ihnen? Braucht es die Bewegung heute noch? Wo und wozu? Wie sieht es in der Stadt aus und wie auf dem Land? Wo zieht es uns hin? Warum? Wo kommen wir rein und wo müssen wir draußen bleiben? Welche Bedeutung haben Internet und soziale Netzwerke? Wo und wie finden wir aus der virtuellen in die physisch territoriale Welt? Wo finden wir Partner_innen, Freund_innen, Rückhalt und Unterstützung? Wo finden wir wie und wann zueinander und wo bleiben wir einsam? Wo haben wir unsere Räume, privat und öffentlich, als Community und in der Gesellschaft? Wenn dich diese Fragen interessieren, dann melde dich bei Centaurus! ◘ Urban Nothdurfter


Landtagswahlen 2013 Positionen der einzelnen Parteien zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften Partei

Antwort Gewichtung Kommentar

Bündnis BürgerUnion - Ladins Dolomites Nein Wir Südtiroler

weniger wichtig

Die Freiheitlichen

Nein

wichtig

Rechtliche Absicherung ja, Gleichstellung mit der traditionellen Ehe nein.

Forza Alto Adige Lega Nord - Team Autonomie

Nein

wichtig

Ja

sehr wichtig

L’Alto Adige nel cuore

Nein

wichtig

Bei Anerkennung der Menschenrechte und ihrer Gefühlsebene absolut ja. Bei Gleichstellung zur Ehe und als Zweck für eine Adoption nein.

La Destra

Ja

weniger wichtig

Als Lebensgemeinschaft ja, aber nicht die gleichgeschlechtliche Ehe.

MoVimento 5 Stelle

Ja

wichtig

Ausdehnung der Rechte auf alle Partnerschaften.

Partito dei Comunisti Italiani

Ja

wichtig

Ja

wichtig

Ja

sehr wichtig

Scelta civica per l’Alto Adige -Südtirol Ja

sehr wichtig

Ein Südtirol im europäischen Kontext sollte keine Bürger zweiter Klasse vorsehen. Die bürgerlichenRechte können nicht von sexuellen Vorlieben abhängig gemacht werden.

Süd-Tiroler Freiheit

wichtig

Südtiroler Volkspartei Ja

weniger wichtig

Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft sollen die Möglichkeit haben, ihren Lebenspartner abzusichern. Die Zuständigkeit hierfür liegt jedoch auf staatlicher Ebene.

Unitalia - Movimento Iniziativa

sehr wichtig

Grüne Verdi Vërc SEL

Partito Democratico – Demokratische Partei Rifondazione Comunista

Ja

Nein

– – Die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften wäre ein Akt der Menschlichkeit, durch den auch jenen Menschen Grundrechte gewährt werden, die sie bis dahin noch nicht hatten.

Eine Familie besteht aus Mann, Frau und einem oder mehreren Kindern. Alle anderen Formen von Lebensgemeinschaften bilden keine Familie und können in dem Sinne keine Anerkennung erfahren. Quelle: www.wahllokal.it

7


Transsexualität Interview mit zwei transidenten Menschen Adrian und Elena sind beide transsexuell. Adrian ist ein schwuler Transmann, Anfang vierzig und wohnt im Eisacktal. Elena ist eine heterosexuelle Transfrau, Anfang dreißig und lebt mit ihrem Freund im Burggrafenamt. Ich habe alle zwei zum Thema „Transsexualität/ Transidentität“ befragt und daraus ist das folgende Gespräch entstanden. Genauere Informationen zum Thema Trans* und den damit verbundenen Begriffen und rechtlichen Aspekten findet ihr auf der Centaurus-Homepage (www.centaurus.org – Gruppen – Trans). Adrian und Elena, wie habt ihr beide denn bemerkt, dass ihr transsexuell seid? Adrian: Dass mit mir irgendetwas nicht stimmt, habe ich eigentlich schon immer gespürt, es aber sehr lange nicht zuordnen können. Erst vor einigen Jahren entdeckte ich durch einen Zeitungsartikel, dass es Transidentität gibt. Der Artikel erzählte die Lebensgeschichte eines 12-jährigen Transmädchens, das eine Geschlechtsangleichung anstrebte. Die Geschichte berührte mich sehr. Ich hatte das Gefühl, dass es bei mir auch so war, nur eben in die andere Richtung. Elena: Es fiel mir auf, dass ich beim Geschlechtsverkehr mit Männern ein unglaubliches Schamgefühl hatte und ließ mich dabei nicht anfassen. Ich gefiel mir auch nicht. Am Anfang wusste ich nicht, woran das lag. Mit der Zeit bemerkte ich jedoch, dass es an meinem Körper lag.

Was ist unmittelbar nach dieser Erkenntnis geschehen? Adrian: Im ersten Moment war da das Gefühl der Erleichterung, endlich zu wissen, was mit mir los ist. Doch dann kam die Verzweiflung, denn in dem Artikel ging es auch um den schwierigen Weg der Angleichung. Und eine Frage tauchte auf: Wenn ich ein Transmann bin, müsste ich doch eigentlich auf Frauen stehen? Das gab Hoffnung, doch nicht transsexuell zu sein. Elena: Zu Beginn nahm ich mich optisch als Transvestit wahr und das gefiel mir überhaupt nicht. Ich wollte eine natürliche Frauenrolle einnehmen und eine ganz normale Frau sein. Ich hatte ja immer schon weibliche Vorbilder. Ich wollte aber keine Glamourdiva sein. Wie verlief dann euer weiterer Weg? Adrian: Zu der Zeit steckte ich beruflich in großen Schwierigkeiten, hatte eine sehr belastende Beziehungsgeschichte am Hals und außerdem gesundheitliche Probleme. Ich war komplett überfordert, so schob ich die Transsache erst mal beiseite. Elena: Ich lernte über schwule Freunde zwei Südtiroler Transfrauen kennen. Ich habe auch Reportagen über Transsexuelle im Fernsehen gesehen, aber habe es noch abgestritten transsexuell zu sein, weil ich noch nicht so weit war.

8

Welche Auslöser gab es euren Transweg später doch fortzusetzen? Adrian: Vor etwa drei Jahren kam das Transthema während der Psychotherapie (die wegen Depressionen u. a. notwendig war) wieder zum Vorschein. Als ich erfuhr, dass man Transmann und zugleich auch homosexuell sein kann, war mir klar: Ich bin ein schwuler Transmann! Elena: Ein Bekannter konnte mich davon überzeugen mir über das Thema ernsthaft Gedanken zu machen. Ich wurde im Laufe der Zeit auch immer unglücklicher, weil mein inneres Gleichgewicht nicht mehr harmonierte. Also holte ich mir Hilfe. Wie seid ihr im Anschluss daran weiter verfahren? Adrian: Ich wollte den Weg der Angleichung gehen und begann mich genauer zu informieren: Transidentität, Angleichung, Hormone, ... ich las alles, was ich finden konnte. Mir wurde immer mehr bewusst, wie schwierig und auch riskant dieser Weg ist. Gleichzeitig wurde der Wunsch immer größer, andere Transmenschen kennenzulernen. Über einen Psychologen habe ich dann auch Kontakte zu anderen Transmännern und Transfrauen in Südtirol geknüpft. Elena: Nach einer etwas langwierigen Suche nach einem geeigneten Therapeuten fand ich im Meraner Krankenhaus schließlich einen


Psychotherapeuten, der mir helfen konnte und der sich auf diesem Gebiet einigermaßen auskannte. Mein Therapeut hat auch Tests mit mir gemacht, um sicherzustellen, dass es sich in meinem Falle um Transsexualität handelt. Leider gibt es in Südtirol noch recht wenige Psychotherapeuten, die sich ausgiebig mit dem Thema Transsexualität beschäftigen und darin Erfahrung haben.

weniger. Nach zwei Jahren Hormonbehandlung bekam ich dann die Erlaubnis chirurgische Eingriffe an mir durchführen zu lassen. Ich habe lediglich eine Vaginoplastik machen lassen. Eine weibliche Brust hatte ich ja bereits durch die Einnahme der Hormone bekommen. Ich bin froh, diesen Weg gegangen zu sein, denn es ist das, was ich mir immer gewünscht habe. Jetzt bin ich endlich bei mir angekommen.

Welche Eingriffe möchtet ihr an euch vornehmen lassen bzw. habt ihr bereits an euch vornehmen lassen?

Welche Botschaft bzw. Tipps möchtet ihr anderen Transmenschen, die noch ganz am Anfang stehen, mitgeben?

Adrian: Ich stehe noch am Anfang des ganzen Prozesses. Das heißt, zunächst müssen psychiatrische Tests und medizinische Untersuchungen gemacht werden, um andere Störungen auszuschließen. Was ich sicher machen möchte, ist die Hormonbehandlung durch Testosteron, die Mastektomie (Entfernung der weiblichen Brust) und die Hysterektomie (Entfernung der Eierstöcke und Gebärmutter).

Adrian: Ganz wichtig sind am Anfang Gespräche mit Vertrauenspersonen, einem Therapeuten und der Austausch mit anderen Transmenschen. Das braucht man als Rückhalt, denn der Weg ist lang und schwierig.

Elena: Nach über einem Jahr Psychotherapie wurde mir von meinem Therapeuten ein Endokrinologe (Hormonarzt) empfohlen, der meine (lebenslange) Hormonbehandlung einleitete. Durch die Einnahme von weiblichen Hormonen wurde mein Körper zunehmend femininer: Die Haut wurde weicher und langsam zeichneten sich weibliche Rundungen an meinem Körper ab. Meine Stimme wurde etwas heller und die Körperbehaarung wurde

Elena: Man sollte nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten aufgeben. Man sollte sich auch gut überlegen, was das Richtige für einen selbst ist und nicht auf die Meinung anderer achten. Außerdem sollte man auch professionelle Hilfe suchen und sich ausgiebig mit seinen Freunden über dieses Thema unterhalten. Ich möchte mich hiermit noch einmal herzlich bei Adrian und Elena für ihre Bereitschaft zu diesem Interview bedanken. ◘ Thomas Andreaus

9

Zu den Begriffen Transfrau und Transmann Für die korrekte Bezeichnung von Transsexuellen ist das Wunschgeschlecht maßgebend. Menschen, die physisch weiblich sind, aber ein männliches Identitätsgeschlecht haben, werden daher als Frau-zu-Mann-Transsexuelle oder Transmänner bezeichnet. Menschen, die physisch männlich sind, aber ein weibliches Identitätsgeschlecht haben, bezeichnet man entsprechend als Mann-zu-Frau-Transsexuelle oder Transfrauen.


Situazione giuridica italiana sull'omosessualità L’aspettativa e la richiesta da parte dei movimenti LGBTQI del riconoscimento di un’identità che possa essere vissuta in libertá anche nei confronti del diritto, trova in Italia poco se non nessun ascolto legislativo. È solo grazie ad alcune – ancora troppo poche – sentenze che si aprono eventuali “sprazzi” di riconoscimento che non riescono però a produrre quell’evoluzione legislativa che porterebbe l’Italia finalmente ad uscire dalla vergognosa posizione di “fanalino di coda” europeo rispetto al riconoscimento di basilari diritti delle persone LGBTQI. In questo articolo si è scelto pertanto di evidenziare queste ancora troppo “episodiche” decisioni giurisprudenziali, selezionando alcune questioni recentemente affrontate nel diritto italiano e/o internazionale, senza però voler approfondire la riflessione che sta a monte di tutto ciò: ovvero quanto la richiesta di normazione fatta ad uno Stato che è ancora fortemente egemonico e che basa il suo legiferare ancora sul modello unico patriarcale eterosessuale possa davvero trovare una risposta che affermi le libertà fondamentali per tutte le persone LGBTQI. Guardando il diritto italiano è noto che sulle unioni non solo non riconosce il diritto al matrimonio delle coppie omosessuali, ma nemmeno prevede una qualche forma di convivenza di fatto riconosciuta (c.d. coppie di fatto) , ne-

gando perciò il riconoscimento di diritti anche alle coppie eterosessuali che non si riconoscono nel modello 'matrimonio'. Lo stesso dicasi per il diritto all’adozione che è concesso solo a coppie eterosessuali coniugate. Tuttavia, con alcune sentenze si sono appunto aperti alcuni interessanti spazi, ancora da consolidare: Diritto ad un'unione omosessuale riconosciuta La sentenza della Corte Cost. n. 138/2010 è molto importante perché sollecita il legislatore italiano a riconoscere i diritti delle coppie omosessuali, sottolineando però che ciò non può avvenire attraverso il riconoscimento del matrimonio, perchè la costituzione non ha espressamente menzionato gli omosessuali in tali norme. Interpretazione più che discutibile se si pensa a vari paesi (p.e. Spagna, Francia) che, pur avendo una costituzione originariamente “muta” sui matrimoni omosessuali – ha ritenuto dover considerare la “connessione tra ieri e realtà sociale che il legislatore deve cogliere per trasformare l’istituto e renderlo aderente a realtà contemporanea”. Anche la Cassazione (sentenza n. 4184 del 15.3.2012 in materia di trascrizione di un matrimonio gay di coppia italo-spagnola), pur non ammettendo la trascrizione, apre una breccia, affermando

10

che “la diversità di sesso tra coniugi non è più presupposto per la validità del matrimonio e che deve essere riconosciuta una tutela della relazione stabile omosessuale come vita familiare”. Sempre in materia di matrimoni omosessuali contratti all’estero, vi è l’importante pronuncia del Tribunale di Reggio Emilia del 2013 che riconosce il diritto di uno straniero sposato all’ estero con un cittadino italiano di seguirlo in Italia, ai sensi di una circolare del Ministero in ottemperanza al diritto di libera circolazione e di riconoscimento di tutti i matrimoni validamente contratti all’estero. Nel giugno 2013 la Cassazione (ordinanza n. 1429/13) ritiene che la legge n. 164/82 sul mutamento di sesso sia sospetta di illegittimità costituzionale nella parte in cui prevedrebbe lo scioglimento automatico del matrimonio in caso di mutamento di sesso di uno dei coniugi. La Cassazione pone il dubbio che non si possa imporre per legge a una coppia di divorziare se uno dei due ha cambiato sesso e per questo ha chiesto alla Corte Costituzionale di esprimersi sulla legittimità di questo “divorzio imposto”, dovendo così la Consulta esprimersi sul matrimonio di due donne. Questa pronuncia, in caso di esito favorevole al ricorso, potrebbe essere in via di principio un tassello verso le unioni civili gay.


Stati Uniti e Canada Canada

Stati Uniti

I primi due matrimoni gay si celebrano nel 2001, ma bisogna arrivare al 2005 per una legge che legalizzi le unioni tra coppie omosessuali. Il matrimonio tra coppie dello stesso sesso è legalmente riconosciuto in molte giurisdizioni americane. 13 Stati (California, Connecticut, Delaware, Iowa, Maine, Maryland, Massachusetts, Minnesota, New Hampshire, New York, Rhode Island, Vermont e Washington, incluso il distretto di Columbia e 5 tribù di nativi americani) hanno legalizzato le nozze gay. Corti locali hanno poi riconosciuto le unioni tra omosessuali sulla base di singole istanze presentate nei tribunali.

Europa Olanda

Francia

È il primo Paese europeo che nel 2001 legalizza il matrimonio civile per le coppie dello stesso sesso, equiparandole nei diritti e nei doveri in tutto e per tutto alle coppie eterosessuali, adozioni incluse. Ad aprile 2013 l'Assemblea Nazionale francese vota a maggioranza la legge che legalizza le nozze gay e riconosce il diritto alle adozioni per le coppie omosessuali. Il 29 maggio scorso a Montpellier si è celebrato il primo matrimonio gay della quinta Republique francese.

Danimarca

Copenhagen vanta la medaglia d'oro dei diritti gay, essendo stato il primo paese al mondo ad avere autorizzato le unioni civili tra omosessuali nel 1989. A giugno 2012 è arrivato anche il via libera per i matrimoni gay davanti alla chiesa luterana.

Spagna

Con il governo socialista di Zapatero nel 2005 la "cattolicissima" Spagna legalizza i matrimoni gay. Per quanto riguarda la legislazione sulle adozioni, tutte le coppie (etero e omosessuali) anche se non sposate possono adottare bambini.

Svezia

Qui è arrivata prima la possibilità di adottare (nel 2003) e poi la legalizzazione dei matrimoni omosessuali, sia civili che religiosi, nel 2009.

Norvegia

Dall'inizio del 2009 coppie gay ed etero hanno gli stessi diritti e doveri in materia di matrimonio, procreazione assistita e adozioni.

Islanda

I matrimoni omosessuali sono legali dal 2010, mentre le adozioni da quattro anni prima.

Belgio

Nel 2003 re Alberto II firma la legge che legalizza i matrimoni omosessuali. Tre anni dopo, nel 2006, arriva anche il sì alle adozioni per le coppie gay.

Finlandia, Repubblica Ceca, Svizzera e Irlanda

Riconoscono le unioni civili di coppie dello stesso sesso.

Germania

Berlino riconosce le unioni civili tra omosessuali e sta dibattendo sulla completa equiparazione fiscale tra coppie etero e gay. Il Bundestag discute anche cambiamenti in materia di adozioni.

Portogallo

Nel 2010 Lisbona abolisce ogni riferimento a differenze di sesso nella legge che regola la fattispecie dei matrimoni. È il sesto paese europeo a legalizzare le nozze gay e l'ottavo nel mondo. Ma a oggi i gay non hanno accesso alle adozioni.

Gran Bretagna

C'è fermento e attesa tra i gay del Regno Unito. Il 4 giugno di quest'anno la Camera dei Lord ha approvato il disegno di legge sui matrimoni omosessuali, che già aveva ricevuto il via libera dei Comuni. Le coppie gay sono a un passo dal coronamento del loro sogno. Formalmente la legge deve passare un'altra lettura e poi potrà essere firmata dalla Regina.

11


America Latina Argentina

A luglio del 2010 Buenos Aires si aggiudica la palma di prima capitale sudamericana a legalizzare i matrimoni e le adozioni gay.

Uruguay

Ad aprile 2013 è il secondo Paese dell'America Latina a legalizzare le nozze tra coppie omosessuali.

Messico

I gay possono sposarsi solo nella capitale, a Città del Messico, mentre tutti gli altri Stati si riservano la libertà di legiferare in materia.

Colombia

Bogotà riconosce le unioni civili tra omosessuali.

Brasile

Il riconoscimento dei matrimoni gay in Brasile inizia nel 2012 e tocca diverse giurisdizioni. Nel 2013 la Corte Suprema sancisce l'estensione della legalizzazione dei matrimoni tra coppie dello stesso sesso a tutto il Paese.

Australia e Nuova Zelanda

Australia

Nuova Zelanda

L'Australia non riconosce i matrimoni gay, ma è pendente una proposta del partito Laburista che nel 2011 ha chiesto un referendum in materia, incontrando la netta opposizione del partito Liberale. Alcuni Stati australiani però autorizzano le unioni omosessuali. Nel 2010 la Tasmania è stato il primo Stato australiano a riconoscere legalmente le nozze celebrate in altre giurisdizioni, anche se solo de facto. Il 19 agosto 2013 entrerà in vigore la legge che riconosce il matrimonio tra coppie dello stesso sesso.

Africa Sudafrica

Pretoria è la prima capitale del continente africano e il secondo Paese nel mondo al di fuori dell'Europa che nel 2006 riconosce i matrimoni omosessuali, dopo averne precedentemente riconosciuto le unioni civili.

Asia Nepal

Dal 2008 si dibatte sulla legalizzazione dei matrimoni gay, da inserire nella nuova Costituzione del Paese, che però non è ancora stata approvata.

Taiwan

L'Alta Corte di Taipei ha chiesto al Consiglio dei Grandi Giudici di pronunciarsi in materia di matrimoni omosessuali, ma finora i giudici non si sono pronunciati.

12


Genitorialità e omosessualità Nell’anno 2013 sono note almeno 2 sentenze che hanno finalmente condannato il pregiudizio che valuta negativa in assoluto la genitorialità omosessuale. La Cassazione (sent. n.601/2013) ha confermato l’affidamento esclusivo di un bambino alla madre lesbica convivente con una donna, evidenziando che alla base dell’opposizione del padre "non sono poste certezze scientifiche o dati di esperienza, bensì il mero pregiudizio che sia dannoso per l’equilibrato sviluppo del bambino il fatto di vivere in una famiglia incentrata su una coppia omosessuale". Con questa sentenza la Cassazione giustamente afferma che non è scontato che il minore sia danneggiato dalla convivenza con una coppia omosessuale, ma che sia tutto da dimostrare, mancandone ogni evidenza scientifica. Con lo stesso spirito nel novembre 2013 è stato – con sentenza del Tribunale per i Minorenni di Bologna – concesso un affidamento etero-familiare di una minore ad una coppia gay alla quale essa era molto legata.

Diritto internazionale Una delle strade di diritto più percorse per ottenere il riconoscimento dei diritti per le persone GLBT, è quella dei diritti umani, ovvero delle Carte internazionali di principi e diritti basiliari (sia a livello universale che europeo). Sicuramente è un percorso che ha aperto la possibilità ad una valutazione dei diritti (e valori ad essi sottostanti) che si staccasse da quelle realtà nazionali più resistenti al riconoscimento, aggirando in un certo senso la via – senza possibilità – nazionale. Già la Convenzione Europea dei Diritti dell’Uomo (CEDU) del 1950 (art. 12) sanciva l’irrilevanza della diversità tra i sessi nel matrimonio; ma il livello di applicazione nei singoli Stati dipende dall’ interpretazione dei giudici e trova un grosso limite - sancito sempre a livello internazionale – nel dover rispettare le leggi nazionali quali “il diritto di sposarsi secondo le leggi nazionali”, ribadito dalla Carta di Nizza (2000), ovvero la Carta dei diritti fondamentali dell’UE. È innanzi alla Corte Europea dei Diritti dell’uomo di Strasburgo (organo di applicazione/giurisdizione

13

della CEDU o Carta Nizza) che si devono eventualmente aprire delle brecce di giurisprudenza internazionale. Anche la risoluzione del Parlamento Europeo del marzo 2012 sulla parità uomo/donna dice espressamente che i diritti UE devono essere applicati senza discriminazione rispetto all’orientamento sessuale, con richiesta alla Commissione Europea di elaborare proposte per il riconoscimento dei diritti degli omosessuali, nel senso di non negare protezione legale alle coppie omosessuali e di non usare più nei confronti dei loro figli una definizione restrittiva di famiglia. Negli USA quest’estate 2013 la Corte Suprema ha bocciato il DOMA (Defence of Marriage Act), la legge federale in base alla quale il matrimonio è solo tra uomo e donna e adesso gli omosessuali statunitensi si preparano a battaglie Stato per Stato per vedere riconosciuto il loro diritto al matrimonio. ◘ Marcella Pirrone


Schnapsch端sse Centaurus Wandern, CSD Innsbruck & Drag King Workshop

14


15


16

Profile for Laura Barretta

Centaurus Magazine 2013/14  

Info & news for LGBTQI & Friends.

Centaurus Magazine 2013/14  

Info & news for LGBTQI & Friends.