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www.lk-noe.at Die Zeitung der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer

Nr. Jänner 2013

Foto: LK NÖ/Pöchlauer-Kozel

Krisenhilfe für Familie & Betrieb S2

S8

Für den Fall der Fälle vorsorgen

Dank Zivildiener im Vollerwerb bleiben

S4

S9 Zivildiener – wie und wo kann ich beantragen

Vorsorgemaßnahmen

Mit Fingerspitzengefühl helfen

S 10

S5

Krisen erkennen und bewältigen

Dorfhelferinnen die „Grünen Engel“

S 12

Kammersekretäre als wichtige Helfer

S6

Betriebshilfe und Selbsthilfe

Maschinenring und SVB helfen

Hilfe statt Resignation

S 14

Rechtzeitig zur Sanierungsberatung Raus aus der Schuldenfalle

S 15 Erholungsaufenthalte für Menschen in besonderen Situation S 16

Bäuerliches Sorgentelefon

unkompliziert, schnell und anonym

Mediation zur Konfliktlösung Angebot der LK NÖ

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Die landwirtschaft

krisenmanagement am betrieb

Tipps für Vorsorgemaßnahmen

Vizepräsidentin der LK NÖ Theresia Meier Der Beruf Landwirt oder Landwirtin bietet eine Reihe von Vorteilen, die ihn im Vergleich zu anderen Berufen besonders attraktiv machen: Der Wohnort liegt direkt am Arbeitsplatz Bauernhof, daher gibt es keine (stunden-)langen täglichen Fahrten ins Büro. Die Möglichkeit, das Mittagessen auch wochentags mit seiner Familie gemeinsam einzunehmen, gibt es heute nur mehr selten. Außerdem ist man als Landwirt Unternehmer mit der freien Entscheidung, den Betrieb nach persönlichen Stärken und Vorlieben auszurichten. Der Landwirt trägt aber auch unternehmerisches Risiko und Verantwortung. Verantwortung auch dafür, die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, um sich selbst freie Zeit zu schaffen. Die enge Verknüpfung von Betrieb und Familie kann jedoch auch sehr schnell zur besonderen Belastung werden, wenn es nicht mehr so läuft wie es sollte: Die Unfallstatistik der Sozialversicherungsanstalt der Bauern zeigt zwar einen erfreulichen Rückgang, dennoch gab es im Jahr 2011 mehr als 5.500 Unfälle mit 60 tödlich Verletzten auf Österreichs Betrieben. Neben der menschlichen Tragödie stellt sich oft die Frage, wie es weiter gehen soll. Arbeitsüberlastung, finanzielle Sorgen, Probleme zwischen den Generationen am Hof und auch Schwierigkeiten in der Partnerschaft führen nicht nur zu persönlichen Krisen, sondern wirken sich auch auf den Betriebserfolg aus. Hinter erfolgreichen Betrieben stehen motivierte, zielorientierte und ausgeglichene Menschen. Wenn die Balance nicht mehr stimmt, muss gegengesteuert werden. Die Landwirtschaftskammer ist sich ihrer Verantwortung als kompetente und umfassende Ansprechstelle für die Bäuerinnen und Bauern bewusst. Wir haben daher in den letzten Jahren verschiedene Beratungsangebote zur Unterstützung in Krisen­ situationen entwickelt. Bei Schicksalsschlägen, persönlichen oder familiären Krisen geben speziell geschulte Berater kompetente und verständnisvolle Unterstützung. Wenn es damit gelingt, eine erste Hilfe auf dem Weg aus der Krise zu geben und damit die Existenz eines Betriebes zu sichern, haben wir schon viel erreicht.

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Für den Fall der Fälle sollte vorgesorgt sein

Niemand wünscht sich, mit unangenehmen Dingen konfrontiert zu werden. Ein plötzlicher Todesfall oder ein Unfall mit schwerwiegenden Folgen kann jedoch jede Familie treffen. Hier finden Sie einige Anregungen, welche Maßnahmen man schon im Vorfeld treffen kann, um Familie und Betrieb abzusichern. Gerade für bäuerliche Familien stellen Schicksalsschläge nicht nur persönliche Krisen dar, sondern sind oft für den ganzen Betrieb existenzbedrohend. Der erste Impuls verleitet dazu, sich mit derartigen Ereignissen erst gar nicht auseinander zu setzen. Jedoch kann man schon vorsorgliche Maßnahmen ergreifen, um im Fall der Fälle, die Familie und den Betrieb abzusichern.

Hofnachfolge klären Je früher die Hofnachfolge geklärt ist, desto eher können Streitereien zwischen den möglichen Erben, auch im Falle eines unvorhersehbaren Todesfalles, ausgeschlossen werden. Wenn es auch nicht leicht fällt – je früher im Kreise der

Wer die Hofnachfolge rechtzeitig regelt, kann im Fall der Fälle unnötige Erb­ streitereien leicht vermeiden. Foto: Weinfranz

Familie offen über die Zukunft des Hofes geredet wird, desto besser können sich alle auf ihre zukünftigen Aufgaben und Rollen einstellen. Mit jenen Erben, die den Hof nicht übernehmen, sollte man sobald als möglich Art und Höhe sowie den Zeitpunkt der Erbzahlung klären. Die Erbteilsleistung sollte mit einem vom Notar beglaubigten Erbverzicht einhergehen, damit etwaige Rechtsstreitigkeiten zwischen den Erben zu einem späteren Zeitpunkt vermieden werden.

Erbfolge mit Testament regeln Grundsätzlich kann jeder selbst regeln, was nach seinem Tod mit seinem Vermögen zu geschehen hat. Gerade bei Betrieben, in denen die Hofnachfolge noch nicht geregelt ist, kann ein schriftliches Testament Klarheit schaffen, wie es weitergehen soll. Ein Testament kann jederzeit widerrufen, vernichtet oder durch ein neues Testament ersetzt werden. Schriftliche Testamente kann man beim


jänner_2013 Gericht oder Notar hinterlegen, dadurch ist sichergestellt, dass es im Todesfall zur Geltung kommt.

Zugriff auf Konten ermöglichen Art und Umfang der finanziellen Vorsorgen hängen von den individuellen Verhältnissen ab. Es gibt dabei viele Aspekte zu berücksichtigen, so zum Beispiel vorhandene Schulden, für Versicherungen vorhandene Finanzmittel, Anzahl und Alter der Kinder. Wenn das Haushaltskonto im Wesentlichen aus dem landwirtschaftlichen Betrieb gedeckt wird, ist ein gemeinsames Konto der Ehegatten zu empfehlen. Dieses lautet auf den Namen beider Partner und die Verfügungsberechtigung ist für beide eingetragen. Auf dieses sogenannte „oder-Konto“ können der Ehemann oder die Ehefrau zugreifen. Bei Konten mit Einzelzeichnungsberechtigungen kann der Kontoinhaber mittels Bankvollmacht selbst bestimmen, wer im Ernstfall Zugriff haben soll. Wenn bei vorhandenen Schulden durch den Ausfall einer Person eine wesentliche Einkommensquelle wegbrechen würde, könnte eine Ablebensrisikoversicherung abgeschlossen werden.

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Beratung, die Werte schafft Fall des Falles mit Vollmachten versehen, so kann man schon vor Verlust der Geschäfts-, Urteils- oder Äußerungsfähigkeit selbst bestimmen, wer als Bevollmächtigter entscheiden soll oder einen vertreten kann. Vorsorgevollmachten müssen nur für bestimmte Angelegenheiten vor einem Notar, Rechtsanwalt oder Gericht errichtet werden und können jederzeit widerrufen werden.

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Beratung, die Werte schafft Ein übersichtliches Ablagesystem von Finanzen, Lieferscheinen und Belegen ist nicht nur für einen selber nützlich. Es hilft auch anderen, sich im Notfall schnell einen Überblick zu verschaffen. Foto: pixelio.de/Paul Georg Meister

Fahrzeuge auf mehrere anmelden Bei Fahrzeugen kann nur der Eigentümer eine Abmeldung durchführen. Bei einem Todesfall ist daher der Verkauf vor Abschluss der Verlassenschaft nicht oder nur schwer möglich. Es macht daher Sinn, bei der Versicherung von Fahrzeugen mehrere berechtigte Personen zu benennen. Die Versicherungen gewähren weiterhin Schutz, wenn nach dem Tod des Fahrzeughalters offenbar Befugte, wie zum Beispiel Familienmitglieder, das Fahrzeug in Betrieb nehmen.

Übersichtliches Ablagesystem schaffen Mit einem übersichtlichen Ablagesystem von Rechnungen, Lieferscheinen, Bankbelegen, Futterrezepturen und Verträgen hilft man nicht nur sich selbst. Auch andere Familienangehörige oder Betriebshelfer können sich bei Bedarf rasch einen Überblick verschaffen.

Vorsorgevollmacht erstellen Unfälle oder plötzliche Krankheiten können dazu führen, dass ein Mensch, der bis dato selbst mündig entschieden hat, plötzlich auf die Unterstützung anderer angewiesen ist. Möchte man vorab bestimmte Personen des Vertrauens für den

Patientenverfügung verfassen Die Patientenverfügung hingegen ist eine einseitige Willenserklärung, mit der eine bestimmte medizinische Behandlung, wie etwa eine künstliche Ernährung durch Magensonde, abgelehnt wird. Die Patientenverfügung richtet sich direkt an den behandelnden Arzt, ohne dass ein Bevollmächtigter zu entscheiden hat.

Broschüre der LK NÖ gibt wichtige Tipps Die Landwirtschaftskammer NÖ hat die verschiedenen Vorsorgemöglichkeiten mit genaueren Informationen in einer Broschüre zusammengefasst. Diese kann man kostenlos in der Abteilung Betriebswirtschaft und Technik unter der Tel. 05 0259 25000 oder per E-Mail an betriebswirtschaft@lk-noe.at anfordern. Dir. DI Wolfgang Weichselbraun Abt. Betriebswirtschaft Tel.: 05 0259 25001 wolfgang.weichselbraun@lk-noe.at

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Beratung, die Werte schafft Kreditcheck Ihre Situation: Sie benötigen einen Kredit oder haben einen Kredit laufen? Sie möchten sich gegen steigende Zinsen absichern? Unser Angebot für Sie: Grundberatung: Überprüfung der Kreditkonditionen und Sicherheiten auf ihre Marktüblichkeit Ihr Nutzen: Sie erhalten eine kostenlose Erstberatung. Wir stehen für Unabhängigkeit und Objektivität. Wir kennen die Marktkonditionen. Kostenbeitrag: Grundberatung ist kostenfrei Ihr Ansprechpartner: Dir. Dr. Martin Karner, 05 0259 21000, finanzen@lk-noe.at Mehr Beratungsangebote unter: www.lk-noe.at/beratungskatalog

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Die landwirtschaft

krisenmanagement am betrieb

Reportage: Die Kammersekretäre auf den Bezirksbauernkammern als wichtige Anlaufstelle in Notsituationen

„Mit Fingerspitzengefühl den Menschen helfen“

Bei Unglücksfällen oder Schicksals­ schlägen sind die Kammersekretäre der Bezirksbauernkammern wichtige Anlaufstellen. Mit Rat und Hilfe stehen sie den Ratsuchenden bei. Walter Grasberger, Kammersekretär von Lilienfeld erzählt von seinem Selbst­ verständnis, seine Mitglieder auch in schwierigen Situationen zu unterstützen. „Wenn in einer Familie ein Unglück passiert, dann sind die eigene Verwandtschaft und die engsten Freunde die erste Anlaufstelle“, erklärt Walter Grasberger. Wenn der allererste Schock, die erste Trauer nach Unfall, Tod oder etwa einem Brandunglück überstanden sind, dann geht es ans Eingemachte. Dann geht es um die Absicherung der betrieblichen Existenz. „Wie soll es weitergehen? Wie können nun die Arbeit bewältigt, die Schulden bezahlt werden? Und was ist mit den Förderungen?“ All diese Fragen stehen dann im Raum und suchen nach Antworten. Auf den Bezirksbauernkammern gibt es dafür kompetente und fachliche Unterstützung. „In den niederösterreichischen Bezirksbauernkammern ist das Chefsache. Die Kammersekretäre übernehmen es persönlich, den bäuerlichen Familien in solchen Situationen zu helfen“, erzählt er.

Wer schnell hilft, hilft doppelt Entweder kommen die Menschen zu ihm oder er fährt direkt auf die Höfe. Dort kann er sich ein aktuelles Bild machen. „Wir besprechen dann, welche Probleme möglichst rasch gelöst werden müssen. Können die Nachbarn vorerst aushelfen, muss schnellstmöglich eine Dorfhelferin auf den Betrieb, um die Familie zu versorgen? Gibt es finanzielle Möglichkeiten? Ist rasch fließendes Geld notwendig“. Der BBK-Sekretär weiß, welche Möglichkeiten es gibt und wie man rasch Hilfe bekommt. Manche Problemlösungen haben etwas Zeit. „Die muss man langfristig angehen, wie zum Beispiel die künftige Arbeits4

aufteilung oder Betriebsschwerpunkte.“ Soll der Hof so weitergeführt werden wie bisher oder sind Veränderungen nötig, um die Arbeitsbelastung auch künftig zu schaffen.“ Manchmal ist es notwendig, einen anderen Weg einzuschlagen, um den Betrieb langfristig abzusichern.

Mehrere Lösungsmöglichkeiten anbieten In seinen mehr als 20 Jahren als Kammersekretär hat er schon viel Leid gesehen und viele Erfahrungen gesammelt. „So ein Beratungsgespräch ist für mich mit Abstand das Schwierigste und sehr kräfteraubend, wenn man es ernst nimmt. Und man muss es ernst nehmen, um auch die richtigen Worte zu finden. Wichtig ist, dass man nie vergisst, das ist ein Mensch, den hat das Schicksal schwer getroffen. Da muss ich andere Worte finden, als wenn es um einen Stallbau geht. Da braucht man Fingerspitzengefühl.“ Bei „seinen Fällen“ geht es nicht nur um die menschliche Tragödie, da geht es immer um den ganzen Betrieb. Als Berater habe er gelernt, nicht zu diktieren, was er für richtig halte, sondern immer mehrere Möglichkeiten aufzuzeigen und anzubieten. „Die Lösung, die in meinen Augen die beste ist, muss nicht immer die beste Lösung für die Betroffe-

Kammersekretär Walter Grasberger hat schon vielen Menschen geholfen. Foto: LK NÖ /Raser

nen sein. Die Menschen brauchen dann Zeit, um sich für die passende Möglichkeit zu entscheiden.“ Manchmal stoße er auch an seine Grenzen. „Ich bin kein Arzt oder Psychiater. Wenn ich mich nicht mehr kompetent genug fühle, verweise ich die Menschen weiter.“ In so einem Fall empfiehlt er immer das bäuerliche Sorgentelefon unter der Nummer 0810/676810. „Das ist anonym und die Berater sind psychologisch ausgebildet und haben einen bäuerlichen Bezug.“

Nach Regen kommt Sonnenschein Mit viel Leidenschaft erzählt er von seiner Arbeit: „Wir haben die fachliche Kompetenz als Berater und können das mit unseren menschlichen Fähigkeiten verknüpfen. Ich gebe sehr viel, bekomme aber auch sehr viel zurück – und das ist schön. Ich darf Menschen über ein Stück schwierigen Weges begleiten. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass dieser Weg nicht endlos schwierig ist. Wenn die erste schlimme Phase vorbei ist, dann kommt wieder Sonnenschein.“ Ulrike Raser


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Allrounderin in Krisensituationen

Voraussetzung und Organisation

NÖ Dorfhelferinnen – die „Grünen Engel“

Dorfhelferinnen beantragen

In Niederösterreich gibt es derzeit 28 Dorfhelferinnen, die dann einspringen, wenn auf einem landwirtschaftlichen Betrieb die betriebsführende Bäuerin ausgefallen ist und daher für einige Zeit ihrer Arbeit nicht nachgehen kann.

Voraussetzung für den Einsatz einer Dorfhelferin ist der Ausfall der betriebsführenden Bäuerin durch Entbindung, Krankheit, Unfall, Kur- und Erholungsaufenthalt oder Tod. Der Einsatz erfolgt dann, wenn schulpflichtige Kinder bis zum 15. Lebensjahr oder pflegebedürftige Personen zu versorgen und betreuen sind.

Die Dorfhelferinnen sorgen dafür, dass der normale Arbeitsablauf am Bauernhof und somit auch die Lebensqualität für die Familie im Rahmen der Möglichkeiten aufrechterhalten bleiben. „Seit 46 Jahren gibt es die Dorfhelferinnen in Niederösterreich. Niederösterreich ist das einzige Bundesland mit dieser wichtigen sozialen Einrichtung. In den 46 Jahren wurden bereits mehr als 500 Dorfhelferinnen ausgebildet. Dies ist ein klares Zeichen dafür, wie wichtig sie für den ländlichen Raum sind“, so Landesrat Stephan Pernkopf.

Kosten & Dauer

Dorfhelferin: Ein interessanter Beruf, gut geschult und behilflich im Haus und Stall Foto: Veronika Müller-Reinwein

Was macht eine Dorfhelferin eigentlich? Sie versorgt die Familie, kümmert sich um den Haushalt, betreut Kinder und pflegebedürftige Personen. Die Stallarbeit gehört ebenso zum Alltag wie die Mitarbeit am Feld, im Garten sowie bei Erntearbeiten. Die Dorfhelferin wird während des Einsatzes mit allen Fragestellungen,

sowohl positiven als auch oftmals problematischen, im Familienverband konfrontiert. Sie wird damit fast so etwas wie ein neues Familienmitglied. Daher kommt es schon öfters vor, dass der Abschied schwer fällt, wenn die Dorfhelferin zu einer anderen Familie gerufen wird.

Ausbildung zur Dorfhelferin oder zum Dorfhelfer Die neunmonatige Ausbildung findet in der LFS Gießhübl statt, wo man in 16 Wochen Schule und 19 Wochen Praxis bestens auf das spätere Berufsleben vorbereitet wird. Praxisunterricht gibt es auf vier landwirtschaftlichen Betrieben, in einem Kinderheim und in einem Altenpflegeheim. Seit 2004 steht der Beruf auch für männliche Bewerber offen, jedoch ist dieser Job derzeit noch fest in den Händen der Frauen. Die Ausbildung schließt mit einer Abschlussprüfung ab. Voraussetzung für die Berufsausübung sind der erfolgreiche Abschluss der 10. Schulstufe oder eine Berufsausbildung und die Vollendung des 17. Lebensjahres. Die Arbeit verlangt ein hohes Maß an Flexibilität, Freude und Feingefühl im Umgang mit Mensch und Tier. Sie setzt hohes Verantwortungsbewusstsein voraus und die Bereitschaft, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Bei positivem Abschluss des Lehrganges besteht die Möglichkeit einer Anstellung beim Land NÖ. Anmeldung für die Ausbildung zur Betriebs- und Dorfhelferin für das nächste Schuljahr: Landwirtschaftliche Fachschule Gießhübl, Ing. Christine Angerer Gießhübl 7, 3300 Amstetten Tel.: 07472/62722-74, office@mostviertler-bildungshof.at

Die Kosten für eine Dorfhelferin richten sich nach der Höhe des Einheitswertes und bei Neben- und Zuerwerbsbetrieben zusätzlich nach dem Einkommen. Sie können zwischen 15 und 80 Euro je Einsatztag betragen. An Sonn- und Feiertagen hat sie frei, ausgenommen in dringenden Fällen. Die Unterbringung erfolgt am jeweiligen Einsatzbetrieb. Ein Einsatz dauert in der Regel drei Wochen, kann aber bei Bedarf auch verlängert werden.

Wohin muss man sich wenden, wenn man eine Dorfhelferin benötigt? Anlaufstelle beim Amt der NÖ Landesregierung ist die Abteilung Landwirtschaftsförderung: Monika Schadenhofer, 02742/9005-12820 Martina Krondorfer, 02742/9005-12952. Es besteht aber auch die Möglichkeit den Bedarf beim zuständigen Maschinenring oder bei der BBK anzumelden, die dann die Anfragen weiterleiten.

Zuschuss Jeder Einsatz – außer bei Mutterschaft – muss vor dem ersten Einsatztag sofern er selbst beim Amt der NÖ Landesregierung beantragt wurde, beim zuständigen Maschinenring bekannt sein, um einen Zuschuss der SVB erhalten zu können. Ing. Karl Furtner Ref. Technik und Energie Tel.: 05 0259 25307 karl.furtner@lk-noe.at

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Die landwirtschaft

krisenmanagement am betrieb

Maschinenring und SVB helfen

Unterstützung für Betriebshilfe und Selbsthilfe

Bei Krankheit oder Unglücksfall bieten die Maschinenringe in Zusammenarbeit mit der Sozial­versicherungsanstalt der Bauern (SVB) organisatorische und finanzielle Unterstützung. Eine Mitgliedschaft beim Maschinenring ist dafür keine Voraussetzung. Den Maschinenring informieren Fürs erste genügt ein Anruf bei der Ringgeschäftsstelle durch Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde. Der zuständige Maschinenring organisiert dann einen Betriebshelfer oder eine Betriebshelferin, registriert den Einsatzbeginn, nimmt den Antrag entgegen und prüft die Einsatzvoraussetzungen. Der Maschinenring informiert den Betrieb auch während des Einsatzes über notwendige Maßnahmen wie Arztbestätigungen oder Fristen. Er informiert auch über den möglichen Einsatz einer Dorfhelferin oder eines Zivildieners. Er führt die Verrechnung des Einsatzes durch und sorgt für die Abrechnung des Zuschusses mit der SVB. Ein Zuschuss der SVB ist erst ab dem Tag der Aufzeichnung des Betriebshilfeeinsatzes im Maschinenring möglich.

Voraussetzungen für einen SVB-Zuschuss Finanzielle Unterstützung durch die SVB gibt es bei Ausfall des Betriebsführers oder eines hauptberuflich im Betrieb beschäftigten Ehepartners sowie bei Ausfall des Übergebers, Kindes, Enkels, Wahl-, Stief- oder Schwiegerkindes. Dies gilt, sofern am Betrieb keine geeignete Arbeitskraft vorhanden ist und unaufschiebbare Arbeiten erforderlich sind. Die ausgefallene Person muss nach dem Bauern-Sozialversicherungsgesetz pflichtversichert sein. Entweder ist sie krankheits- oder behinderungsbedingt arbeitsunfähig oder sie absolviert eine von einem Sozialversicherungsträger genehmigte Kur oder sie ist schlimmstenfalls verstorben. Der Ausfall der Arbeitskraft muss mehr als zwei Wochen ununterbrochen andauern. Bei einem 6

Spitalsaufenthalt ist bereits ab dem zweiten Tag ein Zuschuss möglich, da man dadurch eine längere Arbeitsunfähigkeit annimmt. Das gleiche gilt, wenn ein schwer krankes oder behindertes Kind an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen in das Spital begleitet wird. Dabei muss es sich um das eigene Kind handeln, das im gemeinsamen Haushalt lebt. Bei Enkeln ist der Zuschuss nur dann möglich, wenn den Großeltern die Obsorge übertragen worden ist. Ehegatten, die an der Betriebsführung nicht beteiligt sind, jedoch im landwirtschaftlichen Betrieb regelmäßig mitarbeiten, haben bei einem Arbeitsunfall am Betrieb oder bei einer Berufskrankheit unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls Anspruch auf einen Zuschuss. Wenn ein Betrieb vom bereits pensionsbeziehenden Betriebsführer weitergeführt wird, weil es keinen Übernehmer gibt und dieser Betriebsführer ausfällt, dann ist ebenfalls ein Zuschuss unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dieser ist auf maximal 30 Einsatztage begrenzt.

Einsatzdauer und Höhe der Unterstützung Der Zuschuss wird ab Einsatzbeginn für die Dauer der nachgewiesenen Arbeitsunfähigkeit, längstens jedoch für sechs

Bauern helfen Bauern. Der Maschinenring vermittelt Betriebshelfer. Foto: Maschinenring

Monate gewährt. Ab dem vierten Monat prüft die SVB bereits, ob nicht allenfalls eine Behinderung vorliegt und Begleitmaßnahmen erforderlich sind. Die Information an die SVB über den Zeitablauf erfolgt durch den Maschinenring. Nach dem sechsten Monat wird ein Zuschuss zur Rehabilitationsbetriebshilfe gewährt, wenn der vorherige Einsatzgrund und die darauf folgende Behinderung zusammenhängen. Dazu erfolgt eine Betriebserhebung mit Beratung. Gemeinsam legen dabei Betrieb und SVB die künftigen Arbeitsabläufe und die Einsatzdauer fest. Im Todesfall werden bis zum Ende des zweiten Jahres nach dem Todestag Zuschüsse gewährt, höchstens jedoch für 140 Einsatztage pro Jahr. Der Einsatz muss innerhalb von drei Monaten nach dem Tod beginnen. Die erste unentgeltliche Hilfe durch Freunde und Nachbarn wird anerkannt. Wird vor Ablauf des zweiten Jahres die Bewirtschaftung aufgegeben oder die Betriebsführung gewechselt, zum Beispiel von einem Elternteil auf ein


jänner_2013 Kind, erlischt der Anspruch auf Zuschuss. An Sonn- und Feiertagen gibt es grundsätzlich keinen Zuschuss. Ausgenommen sind unaufschiebbare Arbeiten, für welche die ausgefallene Person nachweislich die einzige dafür geeignete Arbeitskraft war.

Kostenzuschüsse Der Einsatz eines Betriebshelfers wird mit acht Euro je Einsatzstunde gefördert. Die ersten 90 Einsatztage zählen maximal acht Stunden pro Tag und alle weiteren Einsatztage höchstens sechs Stunden pro Einsatztag. Insgesamt werden maximal 75 Prozent der Gesamtkosten des Einsatzes bezuschusst. Es bleibt ein Selbstbehalt von 20 bis 25 Prozent. Maschinenringmitglieder erhalten vom Ring einen Zuschuss von fünf Prozent der Einsatzkosten, höchstens 100 Euro und Jahr. In besonderen Härtefällen, wie bei langer Einsatzdauer oder finanzieller Notlage, gewährt das Land NÖ noch einen Zuschuss von drei Euro je Einsatzstunde und maximal 840 Euro je Einsatzfall. Die Antragstellung führt der Maschinenring nach erfolgter Zuschussgewährung durch die SVB bei der Landwirtschaftskammer durch.

keine finanzielle Unterstützung. Es gibt ebenfalls keinen Zuschuss, wenn Wochengeld, eine Alters- oder Erwerbsunfähigkeitspension oder eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung, Notstandshilfe oder die Mindestsicherung bezogen werden. Da der Einsatz von Zivildienern bereits sehr günstig ist, gibt es auch hier keine weitere Unterstützung. Ist kein Betriebshelfer zu einem Einsatz bereit, etwa aufgrund des Verhaltens des Einsatzbetriebes, kann eine Vermittlung auch abgelehnt werden. Allerdings kann der Betrieb selbst eine geeignete Aushilfe anstellen und erhält ebenso einen Zuschuss. Antragstellung und alles Weitere ist direkt vom Betrieb mit der SVB abzuwickeln. Die Aushilfskräfte sind bei der Gebietskrankenkasse anzumelden. Die Kosten einer Betriebshilfe sind regional verschieden und liegen in Abhängigkeit von der Tätigkeit zwischen 12 – 15 Euro pro Stunde. Für das gesamte Service, die Vermittlungsarbeit und die Abrechnung der Zuschüsse kann der Ring pro Einsatzfall einen Kostenbeitrag von bis zu fünf Prozent der Gesamtkosten, höchstens jedoch 400 Euro zuzüglich Umsatzsteuer dem Betrieb verrechnen.

Zügiger Ablauf Einsatzorganisation & Kosten Der Betriebshelfer, die Betriebshelferin oder auch ein Stallprofi werden vom Ring vermittelt. Ist kurzfristig niemand verfügbar, können Dorfhelferinnen, Dienstnehmer des Maschinenringes oder Kleingewerbetreibende ebenfalls als Betriebshelfer eingesetzt werden. Im Bedarfsfall, zum Beispiel beim Silieren sind auch mehrere Helfer einsetzbar. Wird jemand eingesetzt, der mit dem Antragsteller oder dessen Ehepartner verwandt ist und im gemeinsamen Haushalt lebt, dann gibt es

Der Maschinenring ist vertraglich verpflichtet, bei jedem Einsatz Voraussetzungen, Notwendigkeit und Dauer genau zu prüfen. Sämtliche Unterlagen zur Abrechnung des Zuschusses sind vom Ring innerhalb von drei Monaten an die SVB weiter zu leiten. Betroffene Betriebe sollten sich daher bemühen, erforderliche Bestätigungen und Ähnliches zeitgerecht und vollständig zur Verfügung zu stellen. Nur so ist eine reibungslose Abrechnung gewährleistet. Durch den Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölkerung kann heute keine Garantie

Neu: Pauschale Betriebshilfe Ein krankheits- oder unfallbedingter Ausfall einer Arbeitskraft am Hof, ist oft im Familienverband nicht kompensierbar. In solchen, meist unvorhergesehenen Situationen ist es besonders wichtig, dass rasch und unbürokratisch geholfen wird. Als Unterstützung gibt es hier die „Soziale Betriebshilfe“, die in Zusammenarbeit der SVB mit dem Maschinenring geleistet wird. Nun hat die SVB zusätzlich eine neue Variante der Betriebshilfe entwickelt. Ab 2013 gibt es bei schweren Erkrankungen die Möglichkeit der „Pauschalen Betriebshilfe“. Diese erfolgt in Form von 30 Euro pro Tag, um damit selbst entsprechende Hilfe zu organisieren. Damit reagieren wir auf die Bedürfnisse der Betriebe, um schnell und wirksam zu helfen. Theresia Meier, Vizepräsidentin der LK NÖ und Obfrau der SVB

mehr für die Organisation einer Aushilfe gegeben werden. Aus diesem Grund hat die SVB in den letzten zwei Jahren auch Alternativen geschaffen, um Betroffene zu unterstützen. Vorschläge aus dem eigenen Bekanntenkreis für eine geeignete Aushilfe werden daher gerne angenommen. Entscheidend für die Gewährung eines Zuschusses ist und bleibt jedoch eine rasche und unverzügliche Information der Ringgeschäftsstelle.

Neu: Pauschale Betriebshilfe Ist, aus welchen Gründen auch immer, kurzfristig niemand organisierbar, gibt es seit Jahresbeginn 2013 die „Pauschale Betriebshilfe“. Dabei fördert die SVB bei schweren Erkrankungen den Betrieb mit einem Pauschalbetrag, der direkt überwiesen wird, damit der Betrieb selbst Hilfe organisieren kann. Im Regelfall gibt es in solchen Situationen einen Spitals­ aufenthalt. Ab dem siebenten Tag beträgt der Zuschuss 30 Euro pro Tag für die Dauer

der Arbeitsunfähigkeit, abzüglich Sonn- und Feiertage. Die Dauer ergibt sich aus den Diagnosen. Findet sich ein Betriebshelfer, wird dessen Einsatz in diesem Zeitraum nicht separat bezuschusst. Die Meldung des Arbeitsausfalles erfolgt direkt bei der SVB oder unverändert über den Maschinenring. Sollte der Ausfall länger dauern als diagnostiziert, kann man bei der SVB einen Verlängerungsantrag stellen. Im Fall der Genehmigung ist die herkömmliche soziale Betriebshilfe in Anspruch zu nehmen. Mit dem Verlängerungsantrag ist gleichzeitig die Ringgeschäftsstelle von der Notwendigkeit eines Betriebshelfereinsatzes zu verständigen. Ausschlaggebend ist stets die Erstinformation des Maschinenringes. Der Antrag auf „Pauschale Betriebshilfe“ ist bei der SVB direkt einzubringen. Ing. Karl Furtner Ref. Technik und Energie Tel.: 05 0259 25307, karl.furtner@lk-noe.at Dr. Franz Riedl Sozialversicherungsanstalt der Bauern

Kontaktadressen für Betriebshilfe Landwirtschaftskammer NÖ – Referat Technik und Energie Wiener Straße 64, 3100 St. Pölten Tel. 05 0259 25307 Maschinenring Niederösterreich-Wien Mold 72, 3580 Horn Tel. 05 9060 300 Sozialversicherungsanstalt der Bauern Ghegastraße 1, 1030 Wien Tel. 01/797 06-2480 7


Die landwirtschaft

krisenmanagement am betrieb

Zivildiener unterstützt vorübergehend Johann Blauensteiner dabei, den wirtschaftlichen Alltag trotz bösem Tumor zu bewältigen

„Wir verdanken ihm den Verbleib im Vollerwerb“

Den Monat November im Jahr 2011 wird Johann Blauensteiner sein ganzes Leben lang nicht vergessen – da begann sein langer Leidensweg. Wie ihm dabei Zivildiener geholfen haben und noch dabei helfen, den Haupterwerbsbetrieb weiter zu führen, ohne dass die Genesung auf dem Spiel steht, erzählte er uns kurz vor Weihnachten 2012. Zuerst gab es den Verdacht auf Lungenentzündung. Doch das Blutbild zeigte eine akute Blutarmut. Rasch war ein blutender Tumor im Mastdarm als Ursache lokalisiert. „Er war der Grund für die dauernde Müdigkeit“, erinnert sich Johann Blauensteiner.

Therapie raubte sämtliche Kräfte Sofort unterzog er sich einer sechswöchigen Radiochemotherapie. Bestrahlung und Medikamente sollten den Tumor vor einer Operation verkleinern. Die Therapie raubte

Die Familie Betriebsführer Johann (53) und Zita (47) Blauensteiner Familienmitglieder Sohn Stefan (21) führt einen eigenen Betrieb und befindet sich mitten in der Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister Töchter Julia (18) und Elisabeth (16) sind Schülerinnen Mutter Anna Blauensteiner (82) 8

dem Landwirt sämtliche Kräfte. „Wir haben die Tierhaltung zurückgeschraubt, denn nun musste meine Frau Zita gemeinsam mit unserem Sohn Stefan den gesamten Betrieb mit Stiermast und Zuchtsauenhaltung bewältigen. Ich hatte nicht einmal die Kraft, Büroarbeiten zu erledigen“, denkt der Bauer zurück, der ab Mitte November 2011 körperlich nicht mehr in der Lage war zu arbeiten. Von der Radiochemotherapie musste sich sein Körper erst erholen, damit er eine Operation überhaupt verkraften konnte.

Zivildiener übernimmt tägliche Stallarbeit Ende März 2012 wurden Blauensteiner 27 Zentimeter vom Mastdarm entfernt und ein Seitenausgang gelegt. „Ich wog nun statt 84 nur mehr 65 Kilogramm“, so der Bauer. Nach fünf Wochen wurde der Seitenausgang wieder zurück operiert und Blauensteiner war im Juni 2012 gesundheitlich wieder so weit hergestellt, dass er auf Kur gehen konnte. „Das war aber nur möglich, weil zeitgleich mit meiner Heimkehr nach der ersten Operation im März 2012 ein Zivildiener einen Teil der täglichen Stallarbeit auf dem Hof übernommen hat“, betont Blauensteiner.

Schwere Last von Schulter und Seele genommen Für ihn war es schrecklich, die viele Arbeit zu sehen und nicht in der Lage zu sein, diese zu erledigen. „Ich habe es zuhause nicht mehr ausgehalten und mich ins Auto gesetzt, habe die

Felder kontrolliert und Freunde besucht“, denkt Blauen­ steiner an die allerschlimmste Zeit zurück. Hier hat ihm der Zivildiener mit der Übernahme der täglich notwendigen Arbeiten eine schwere Last von der Schulter und der Seele genommen.

Johann Blauensteiner aus Krumau am Kamp ist froh darüber, dass Zivildiener Oliver Brunner ihn unter anderem von der täglichen Versorgung der Maststiere entlastet. Fotos: LK NÖ/Pöchlauer-Kozel

Fachkundige Hilfe „Die jungen Männer haben eine landwirtschaftliche Ausbildung, packen mit an und wissen, worauf es bei den einzelnen Tätigkeiten ankommt“, begründet Blauensteiner den hohen Wert der Unterstützung. „Sie hören aufmerksam zu, wenn man ihnen die Arbeiten erklärt, fragen bei Bedarf nach und arbeiten gewissenhaft.“ Mittlerweile ist mit Oliver Brunner aus Königsstetten bei Tulln der zweite Zivildiener auf dem Hof. Brunner kommt alle vierzehn Tage für eine Woche und ersetzt den Bauern bei allen

Oliver Brunner leistet seinen Zivildienst abwechselnd bei Jo­ hann Blauensteiner und einem Betrieb im Bezirk Zwettl ab. Bisher hat er auf den Höfen nur gute Erfahrungen gesammelt.


jänner_2013 unbedingt notwendigen und unaufschiebbaren Arbeiten. In der übrigen Zeit organisieren sich Familie, Verwandte und Freunde, um einspringen zu können. „Viele Landwirte bei uns sind Nebenerwerbsbauern und die Jungen gehen einer geregelten Arbeit nach, da gibt es nur wenig Zeitreserven dafür, einen anderen Betrieb mitzubetreuen“, gibt Blauensteiner zu bedenken. „Ohne die vorübergehend notwendige Unterstützung durch Zivildiener hätten wir den Betrieb nicht wie bisher aufrechterhalten können.“

Entlastung fördert Genesung Für ihn spielt die Entlastung durch den Zivildiener eine entscheidende Rolle bei der Genesung. „Die körperliche Schonung war für mich bis jetzt das Allerwichtigste“, betont Blauensteiner. „Sie ist auch der Grund dafür, dass die Heilung besser verläuft.“ Der Landwirt ist auch innerlich ruhiger, weil er weiß, dass der Zivildiener die Arbeit ordentlich erledigt. „Das Einkommen muss ich ja weiterhin aus meinem Betrieb erwirtschaften können. Ein Stillstand bedeutet ein Ende auf Raten“, gibt Blauensteiner zu bedenken.

Sohn hatte die Idee Doch auf die Idee, den vorübergehenden Ausfall Blauensteiners auf dem Hof durch einen

Zivildiener zu überbrücken, kam Sohn Stefan. „Ein Freund meines Sohnes war selbst als Zivildiener auf bäuerlichen Betrieben im Einsatz“, erklärt Blauensteiner. Er informierte sich kurz vor der ersten Operation über die Bedingungen im Bauernbundbüro in St. Pölten. „Dort war man vorsichtig mit Zusagen, weil die Nachfrage nach Zivildienern in der Landwirtschaft hoch ist und die Auswahlkriterien streng sind“, erinnert sich Blauensteiner. Doch noch im Krankenhaus kontaktierten ihn Mitarbeiter des Landes, nahmen die Betriebsdaten auf und mit der Heimkehr vom Spital kam auch der erste Zivildiener mit auf den Hof.

Kontrolle im März Oliver Brunner ist nun bis Ende März bei Blauensteiners im Einsatz. „Im März muss ich wieder zur Kontrolle, da entscheidet sich, ob ich weiterhin die Unterstützung eines Zivildieners benötige“, erklärt der Landwirt. „Ich hoffe, es geht mir bis dahin so gut, dass ich die Arbeit am Hof wieder mit meiner Familie allein schaffe.“ Derzeit ist Johann Blauen­ steiner noch nicht dazu in der Lage: „Wenn ich einen halben Tag körperlich arbeite, bin ich so fertig, dass ich zwei Tage zum Erholen benötige.“ Paula Pöchlauer-Kozel

Nun können sie wieder lachen – Johann und Zita Blauensteiner. Johann gilt vorläufig als geheilt, leidet aber noch heftig an den Folgen der Operationen und Therapien. Er muss sich körperlich völlig schonen und danach trachten, sein Normalgewicht zu er­ reichen – es fehlen immer noch sieben Kilogramm.

Hilfe in schwerwiegenden Fällen

Wie und wo kann man Zivildiener beantragen? Speziell nach dem Tod eines Betriebsleiters oder bei einer längeren Erkrankung ist es fallweise notwendig, über längere Zeit hinweg fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. In solchen Fällen können Zivildiener helfen. Zivildiener kommen über die NÖ Landesregierung oder über den NÖ Bauernbund zu ihrem jeweiligen Einsatz. Zivildiener sind für diese Tätigkeiten ausgebildet, mit landwirtschaftlichen Arbeiten vertraut und können bis zu zwei Betriebe betreuen. Normalerweise ist der Zivildiener jede zweite Woche von Montag bis Freitag am gleichen Betrieb, in der Zwischenzeit müssen sich die Betriebe mit Nachbarn, Betriebshelfern oder innerhalb der Familie selbst helfen. Der Zivildiener ist vollversichert und mit Arbeitskleidung ausgestattet. Während seines Aufenthaltes ist er am Betrieb unterzubringen und zu verpflegen. Die übliche Einsatzdauer ist mit neun Stunden pro Tag festgelegt, kann jedoch in Absprache mit dem Betrieb, zum Beispiel witterungsbedingt, auch einmal anders vereinbart werden.

Professionelle Hilfe durch Zivildiener. Foto: LK NÖ/Pöchlauer-Kozel

Insgesamt stehen laufend höchstens zehn bis 15 Zivildiener für ganz Niederösterreich zur Verfügung, sodass deren Einsatz nur in sehr schwerwiegenden Fällen erfolgt. Die Bedürftigkeit wird daher seitens des Landes verantwortungsvoll geprüft. Anfragen über den Einsatz eines Zivildieners sind an das Amt der NÖ Landesregierung oder an den NÖ Bauernbund zu richten. Das Land überprüft die Einsatzvoraussetzungen vor Ort und übernimmt, im Einvernehmen mit dem NÖ Bauernbund, die Zuweisung. Ing. Karl Furtner Ref. Technik und Energie Tel.: 05 0259 25307, karl.furtner@lk-noe.at

Kostengünstige Lösung

Kontaktnahme:

Die Kosten sind überaus sozial verträglich und betragen 1,50 Euro je Einsatzstunde. Hinzu kommen noch die Verpflegung und Unterkunft. Für den Einsatz eines Zivildieners gibt es aufgrund des bereits sehr günstigen Tarifs keine weiteren Förderungsmöglichkeiten.

Amt der NÖ Landesregierung Abt. Landwirtschaftsförderung Landhausplatz 1, Haus 12 3109 St. Pölten Tel.: 02742/9005-12882 NÖ Bauernbund Ferstlergasse 4 3100 St. Pölten Tel.: 02742/9020-213 9


Die landwirtschaft

krisenmanagement am betrieb

Hilfe in Krisensituationen

Krisen im eigenen Leben erkennen und bewältigen anstatt zu resignieren Krisen im Leben treffen uns oft ohne Vorwarnung. Schicksalsschläge, Scheidungen oder Veränderungen können Auslöser dafür sein. Wie Sie diese erkennen und vorbeugen oder sich gegebenenfalls Hilfe holen, lesen Sie hier. Das Leben könnte so schön sein, wenn alles so laufen würde wie wir es wollen – Gesundheit, stabile erfüllte Beziehungen, wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftliche Anerkennung und vieles mehr steht bei den meisten von uns am Wunschzettel ans Leben. Und tatsächlich geht vieles davon auch über kürzere oder längere Lebensphasen in Erfüllung, ohne dass wir in diesen Zeiten unserem Lebensglück groß Bedeutung beimessen. Nachdenklich werden wir oft erst dann, wenn sich das Blatt wendet und sich eine Krise im eigenen Leben oder dem eines nahestehenden Menschen abzeichnet.

Hilfe annehmen Traumatische Ereignisse wie ein folgenschwerer Unfall, eine bedrohliche Erkrankung oder der Tod eines nahestehenden Menschen erzwingen Veränderungen im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Veränderungen, die sie aus freiem Willen nicht gewählt hätten. Unmittelbar nach Eintritt eines solchen Schicksalsschlags steht der Mensch unter Schock und agiert oft ohne nachher sagen zu können, was er getan hat. In derartigen Situationen ist es gut, die Hilfe eines Kriseninterventionsteams anzunehmen, das auffängt und dabei unterstützt, die dringendsten Dinge zu organisieren. Seelischer und körperlicher Schmerz, mit dem Schicksal hadern, ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins sind häufige Wegbegleiter in der folgenden Reaktionsphase, die sich über rund acht bis zwölf Wochen ziehen kann. Erst danach ist es den Betroffenen möglich, schrittweise zu akzeptieren was geschehen ist, um sozusagen das Beste daraus zu machen. 10

In jeder dieser Phasen ist es von unsagbarem Wert, Hilfe durch ausgebildete Berater oder Therapeuten anzunehmen, um im Gespräch den eigenen Gefühlen Gehör zu geben und Wege aus der Krisenspirale hin zur Problemlösung herauszuarbeiten. Oft braucht’s jedoch auch ganz bodenständig Hilfe in der Abwicklung der täglichen Aufgaben in Familie und Betrieb. Da gilt es, über den eigenen Stolz, alles selbst zu schaffen, hinauszugehen und die sich bietenden Hilfsangebote durch Freunde, Dorf- oder Familienhelferinnen, Zivildiener oder Maschinenring auch anzunehmen. Die beste Hilfe kann nur dann greifen, wenn sie auch angenommen wird.

Neue Realitäten akzeptieren Auch bedeutende Wendepunkte im Leben, die ein gewisses Krisenrisiko bergen, wie die Hofübergabe, ein Joboder Wohnortwechsel, eine Kündigung oder Pensionierung oder auch die Geburt eines Kindes, dürfen in diesem Kontext nicht übersehen werden. Damit die neue Realität „verdaut“ und in den Alltag integriert werden kann, braucht es vor allem Zeit und Geduld mit sich selbst, bis aus Neuem wieder Vertrautes wird. Doch es sind nicht ausschließlich die gro-

Krisen kann sind auch eine Chance. Dabei gilt es die Herausforderung anzunehmen und zu bewältigen. Die LK NÖ bietet dazu das Beratungspaket „Krise als Chance“ an. Foto: fotomek/Fotolia.com

ßen und traumatischen Ereignisse, die Krisen in unseren Leben auslösen. Ganz oft sind es Vorkommnisse, denen wir (vorerst) gar nicht so viel Bedeutung beimessen, die sich aber bei anhaltendem Negieren und „zur Seite schieben“ zu ernsthaften Krisen auswachsen können. Diesem Bereich besondere Aufmerksamkeit zu schenken, ist deswegen bedeutsam, da ein Familienbetrieb, wie der Name schon sagt, von der Familie – Mann und Frau, Kinder, Geschwister, Eltern und Großeltern getragen wird. Der Erfolg des Betriebs ist langfristig nur dann gewährleistet, wenn auch die zwischenmenschlichen Beziehungen gelingen. Oft hat man bei näherem Hinsehen jedoch den Eindruck, dass bei all dem augenscheinlichen betrieblichen Erfolg, Achtsamkeit, ein wertschätzender Umgangston und ein echtes Interesse am Anderen verloren gegangen sind.


jänner_2013

Bäuerliches Leben und Wirtschaften birgt zwischenmenschliche Herausforderungen Wagen wir einen kleinen Blick hinter die Fassaden des täglichen Lebens: Bauer oder Bäuerin sein ist häufig damit verbunden, hart zu arbeiten und lange Belastungssituationen durchzuhalten. Gönnen wir unserem Körper und Geist keine oder zu wenig Erholungszeiten, weil immer der Betrieb wichtiger ist oder die Arbeit unaufschiebbar erscheint, so laufen wir Gefahr auszubrennen. Ernsthafte gesundheitliche und psychische Krisen können die Folge sein. Identifizieren sich Mann und Frau nur mehr über ihre Rolle als Vater und Mutter oder Bauer und Bäuerin und vergessen dabei darauf, ihre Partnerschaft als Mann und Frau weiter zu entwickeln, so entsteht Distanz zwischen ihnen, die mit der Zeit nur noch schwer zu überbrücken ist. Der Sprachlosigkeit und inneren Einsamkeit folgen nicht selten außereheliche Beziehungen oder auch die Trennung. Im Miteinander der Generationen am Familienbetrieb hat sich dort und da ein recht rauer, abwertender Umgangston eingebürgert, der im Umgang mit Familienfremden nicht toleriert werden würde. Verletzende Äußerungen häufen sich, ohne dass jemals ein Wort der Entschuldigung oder des Bedauerns ausgesprochen wird. Die Beleidigungen werden runter geschluckt, bis dass das Fass, scheinbar plötzlich, sprichwörtlich übergeht und der einzige Ausweg darin gesehen wird, einander aus dem Weg zu gehen und in letzter Konsequenz auch vom Hof weg zu gehen.

Krisen erst gar nicht entstehen lassen Will man über Jahre und Jahrzehnte als Paar und Familie miteinander in Freude leben und arbeiten, so führt kein Weg daran vorbei, auch immer wieder das Mit-

einander zu reflektieren und aufkeimende Unstimmigkeiten zu besprechen. Viele Themen, die sich über Jahre zu einem echten Problem verdichtet haben, hätten mit etwas Feingefühl, Aufarbeitungswillen und Unterstützung von außen bereits in der Entstehungsphase mit weit weniger Aufwand und Verletzungen zu einer guten Lösung gebracht werden können. Achtsamkeit hilft uns, Anzeichen zu erkennen, die auf einen krisenhaften Zustand schließen lassen, wenn Anstrengungen trotz aller Verstärkung nicht zum Erfolg führen, wenn man sich hilflos und ausgeliefert fühlt, Körper und Geist keine Ruhe mehr finden und Wohlbefinden und Gesundheit schon eingeschränkt sind. Diese Gefühle sind für jeden Menschen schwer zu ertragen. Am liebsten möchte man sie ausblenden und flüchtet in hektische Betriebsamkeit oder Apathie.

An Krisen wachsen

Eine helfende Hand zu reichen, heißt auch die Bedürfnisse des anderen Menschen zu erkennen und zu respektieren.

Doch genau dann ist es an der Zeit, der Wahrheit mutig ins Auge zu sehen und zu handeln. Erkennen was ist, ohne es wegzudrängen, ist die Basis dafür, dass aus bestehenden Krisen Chancen werden können. Krisen sind wie Feuerläufe in unserem Leben – wenn wir uns unseren Ängsten und Zweifeln stellen, uns gute Unterstützung holen und uns so wieder unserer Ressourcen und Handlungskraft bewusst werden, passieren Wachstum und Entwicklung und wir können wie Phönix aus der Asche gestärkt in die Zukunft gehen.

LK NÖ bietet Hilf in Krisen an Die LK NÖ bietet Hilfe in Krisensituationen an. Im Rahmen des Beratungsproduktes „Krise als Chance“ kann man sich Unterstützung holen, um Krisen rechtzeitig abzuwenden oder zu bewältigen. DI Anna Eckl, Diplomierte Lebens- und Sozialberaterin LK NÖ, Tel. 0664/60 259 25801 anna.eckl@hollabrunn.lk-noe.at

Diplomierte Lebens- uns Sozialberaterin Anna Eckl ist seit 10 Jahren Betriebsberaterin im Bereich Tierhaltung an der BBK Hollabrunn. 2008 hat sie ihr Diplom zur Lebens- und Sozialberaterin gemacht, weil sie festgestellt hat, dass das Zwischenmenschliche auf den Höfen für den betrieblichen Erfolg mindestens genauso wichtig ist, wie das fachliche und betriebswirtschaftliche Wissen. Sie bietet Gespräche für Einzelpersonen, Paare oder Familien an und hilft bei Konflikten genauso wie in einzelpersönlichen Krisen und Veränderungsprozessen.

Foto: Rike/pixelio.de

Krisenbewältigung Wie das Leben einen doch manchmal prägt, Krise nach Krise, die dich bewegt. Oft siehst du keinen Sinn daran, haderst mit dem göttlichen Plan. Doch am Ende der Tage bist du soweit zu erkennen: Entwicklung gebracht hat die Zeit. Entsponnen hat sich Stärke und Kraft, wie bei jungen Ästen, die gehn‘ in Saft Und du hast eines sicher erkannt: mit Hilfe von außen war manches gebannt. Wichtig ist es dabei zu erwähnen: einiges gibt es auch anzunehmen. Und in den Pausen, zwischen den Krisen, lass es dir gut gehn‘, leg‘ dich auf d‘ Wiesn, schau in den Himmel, die Wolken ziehn darin auch unterschiedlich dahin. Wünsch dir das Beste, wünsch es dir zu! Dann lässt auch die Krise dich in Ruh.

DI Anna Eckl, diplomierte Lebens- und Sozialberaterin: 0664/60 259 25801 Mag. Ingeborg Hanreich

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krisenmanagement am betrieb

Konflikte lähmen und gehen zu Lasten des Betriebes und der Lebensqualität

Reden hilft: Mit Mediation Generationskonflikte lösen Beruf und Familie sind am bäuerlichen Betrieb eng miteinander verknüpft. Konflikte, vor allem zwischen den Generationen sind nicht ungewöhnlich. Die Mediation ist eine besondere Form der Gesprächsführung, die helfen kann, solche Konflikte zu lösen.

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Beratung, die Werte schafft

„Ich halte die ständigen Konflikte zwischen meinem Mann und dem Sohn nicht mehr aus! Jede alltägliche Situation beim Arbeiten kann zu heftigem Streit führen. Mittlerweile reden sie fast nichts mehr miteinander. Die Übergabe steht bevor wie soll das nur gehen“, Frau Mayer klingt sehr verzweifelt. Gerade Mütter leiden oft sehr unter solchen familiären Konflikten und würden gerne vermitteln. „Gestern hat meine Frau gesagt, wenn das mit der Schwiegermutter so weiter geht, dann zieht sie aus! Ich weiß nicht mehr, was ich tun kann“, sagt ein Jungbauer. Seit längerer Zeit gibt es zwischen seiner Frau und seiner Mutter heftige Konflikte. Hier

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Beratung, die Werte schafft Beratungspaket: Krise als Chance Ihre Situation: Sie wollen Konflikte vorbeugen und familiäre bzw. betriebliche Herausforderungen gut meistern. Unser Angebot für Sie: Speziell ausgebildete Berater analysieren Ihre Situation und begleiten und unterstützen Sie und Ihre Familie über einen kurzen Zeitraum bei der gemeinsamen Erarbeitung und Gewichtung möglicher Lösungsansätze. Kostenbeitrag: 90 Euro pro Termin bzw. Betriebsbesuch (3 bis max. 6 Besuche), 30 Euro Hofpauschale pro Betriebsbesuch Ihr Ansprechpartner: DI Anna Eckl 0664/60 259 25801, DI Josef Stangl 0664/60 259 25802 Mehr Beratungsangebote unter: www.lk-noe.at/beratungskatalog

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ist ein wichtiger Punkt erkennbar: Im Konflikt reiben sich nicht nur die Streitenden auf, sondern es leiden auch die anderen. So oder so ähnlich beginnen viele Mediationen. Der Mediator versucht beim Ersttelefonat zu erklären, was Mediation ist und wie sie helfen kann.

Was ist Mediation? Mit der Unterstützung des Mediators suchen die Betroffenen in gemeinsamen Gesprächen selbst nach Lösungen für bestehende Konflikte. Mediationsgespräche sind absolut vertraulich. Es dürfen keine Gesprächsinhalte nach außen dringen. Die Teilnahme an der Mediation ist für alle Beteiligten freiwillig und kann jederzeit auch wieder beendet werden. Mediation ermöglicht es, Konflikte im gegenseitigen Respekt zu lösen und für alle annehmbare Lösungen zu finden.

Konfliktpartner an einen Tisch bringen „Wie bekomme ich die anderen soweit, dass sie auch an einer Mediation teilnehmen?“, lautet dann oft die zentrale Frage. In den meisten Fällen gibt es eine Person, die bemerkt, dass es ohne Hilfe von außen nicht mehr weiter geht. Aber die anderen sehen das nicht so.

Bei einer Mediation kommen alle Konflikt­ partner zusammen, um gemeinsam in Gesprächen Lösungen zu suchen. Foto: Blue-Fox/Fotolia.com

Der Mediator empfiehlt: „Konzentrieren Sie sich im Gespräch nicht auf die Probleme, sondern darauf, was Sie erreichen wollen: ein friedliches, funktionierendes Zusammenleben und Lösungen für anstehende Probleme. Je mehr Sie den Blick nach vorne und hin zur Lösung richten, umso leichter können die anderen folgen. Es geht in der Mediation nicht um eine eventuelle Schuldfrage. Mediation soll Lösungen für die Zukunft ermöglichen.“ Selbst wenn es nicht sofort gelingt, alle an einen Tisch zu bekommen, können Gespräche vorab mit Einzelnen den Weg für eine Mediation ebnen. Wie es nun Familie Mayer in der Mediation gegangen? Da Mediation ein vertrauliches Verfahren ist, sind die Namen des dargestellten Falles frei erfunden.

Familie Mayer löst Probleme „Mein Vater lässt mich überhaupt nicht mitbestimmen. Wahrscheinlich will er überhaupt nicht übergeben!“ Familie Mayer sitzt zu viert beim Mediator und


jänner_2013 nach wenigen Minuten gehen die Wogen hoch. „Das ist nicht wahr, mein Sohn hat nur so andere Ansichten. Ich fürchte um den Fortbestand des Betriebes. Aber was ich sage, wird sowieso nicht ernst genommen!“ Im Streitfall kann es spannungsgeladen zugehen. Laut Mediatorin Gertraud Hinterseer sind Mediatoren dafür gerüstet. Sie stehen neutral zwischen den Streitenden und vermitteln. Sie helfen, Lösungen zu entwickeln. Beim ersten Treffen wollen oft alle erst einmal Druck ablassen. Aber auch Unsicherheit aufgrund der ungewohnten Situation ist anzutreffen. Es fällt vielen schwer, dass ein Außenstehender in Familienangelegenheiten eingeweiht werden soll.

Konflikte lähmen Wenn eine Maschine nicht funktioniert, repariert man sie. Genauso kann es auch mit dem „Uhrwerk bäuerlicher Familienbetrieb“ sein: Wenn die Zahnräder nicht mehr gut ineinander greifen, kann es zum Stillstand kommen. Konflikte können die ganze Familie lähmen – mit gravierenden Auswirkungen auf Lebensqualität und Betrieb. Mediation kann der Uhrmacher für das „Räderwerk“ bäuerlicher Familienbetrieb sein.

Regeln für Mediation Beim ersten Mediationstermin werden unter anderem folgende Rahmenbedingungen vereinbart:

Wir erklären unsere Bereitschaft, eine allseits faire Lösung anzustreben und vollständig und ehrlich Auskunft über alle relevanten Umstände zu geben. Wir erklären unsere Bereitschaft, alle Beteiligten achtungsvoll und fair zu behandeln, uns gegenseitig ausreden zu lassen und möglichst genau zuzuhören. Informationen, die zwischen Mediationsterminen an den Mediator herangetragen werden, bringt dieser in der nächsten Sitzung ein.

Über alles offen reden Dann geht es bei Familie Mayer an das Sammeln von Themen, die behandelt werden sollen. Genannt werden: Übergabe, Arbeitsüberlastung, betriebliche Entwicklung, Pflegebedarf der Großeltern, gemeinsames Kochen, betriebliche Zuständigkeiten, Freizeit für beide Generationen. Frau Mayer senior bemerkt dazu: „Ich hab geglaubt, dass es um die Konflikte zwischen meinem Mann und meinem Sohn geht. Aber jetzt sehe ich erst, dass wir über vieles zu wenig geredet haben!“

Mediator als Gesprächsleiter Bei den folgenden Terminen mit Familie Mayer werden die strittigen Themen behandelt. Gerade bei Übergabesituationen entstehen Ängste und Verunsicherung. Betriebliche Positionen müssen neu definiert werden. Der Mediator

Mediator Josef Stangl hilft bei Konflikten Josef Stangl ist Tierhaltungsberater bei der BBK Krems. Zusätzlich hat er eine Ausbildung zum Mediator gemacht. Durch seine Arbeit als Tierhaltungsberater ist er mit den bäuerlichen Arbeits- und Lebenswelten bestens vertraut und kennt die auftretenden Problemfelder. Mit der Mediation hilft er Menschen auf landwirtschaftlichen Betrieben, Konflikte zu lösen und annehmbare Lösungen für alle Betroffenen zu finden. Unbürokratisch und anonym steht er gerne für weitere Informationen zu Verfügung. DI Josef Stangl, MA: 0664/60 259 25802

leitet dabei das Gespräch, hinterfragt, schaut darauf, dass alle genug Raum bekommen, schaut auf die Einhaltung der Gesprächsregeln und versucht festgefahrene Situationen wieder in Gang zu bringen. Dadurch kann jeder seine Meinung sagen und oft kommen die dahinterliegenden Sichtweisen ans Licht. Manchmal wird erstmals darüber gesprochen, was die einzelnen Beteiligten wirklich denken und brauchen. Das kann Verständnis bei den anderen bewirken und viel zur Lösung des Konfliktes beitragen. Der Mediator versucht laufend, wichtige Punkte für alle sichtbar auf einem Plakat zusammenzufassen.

Suche nach Lösungen Die Suche nach konkreten Lösungen beginnt. Das ist besonders für Herrn Mayer senior sehr schwierig. Er hat schon genau gewusst, wie es mit der Übergabe und dem Betrieb weitergehen soll und vor allem, was sich beim Sohn alles ändern muss, damit das funktioniert. Mit den vom Sohn gewünschten betrieblichen Veränderungen tut er sich schwer. Nachdem er aber Hintergründe erfahren hat, passen seine ursprünglichen Vorschläge nicht mehr. Es werden daher neue Ideen zu den einzelnen Themen entwickelt und damit die Voraussetzungen für eine gute Übergabe erarbeitet. Es sollen zum Beispiel mehr Arbeiten bei der Außenwirtschaft aber auch Pflegeleistungen ausgelagert werden. Der Mediator ist dabei kein Berater und gibt keine Empfehlungen ab. Er hilft beim Finden von Lösungen. Dabei ist es allerdings gut, wenn er die rechtlichen Rahmenbedingungen im Auge behält. Hier kann er durch seine Erfahrung und Beispiele von anderen Familien und Betrieben neue Sichtweisen und Lösungsoptionen ermöglichen.

Miteinander reden hilft Beim fünften Termin werden die Vereinbarungen der Familie schriftlich zusammengefasst. Die Verantwortungen in Haushalt, Stall und Außenwirtschaft sind neu geregelt. Freizeitmöglichkeiten für alle sind vereinbart. Für die heiklen Themen der Übergabe wie Pflege, weichende Erben und Ausgedinge gibt es Lösungen. Was sich aber sofort verändert hat: das miteinander Reden ist leichter geworden, weil mehr Verständnis da ist. Herr Mayer junior kann auch wieder die gewaltige Lebensleistung des Vaters und dessen Sorge um das weitere Wohlergehen des Betriebes sehen. Herr Mayer senior hat jetzt auch die Notwendigkeit betrieblicher Veränderungen erkannt. Die vorhandene Arbeitskapazität muss effizienter eingesetzt werden, sonst droht die Überlastung aller. Frau Mayer junior weiß jetzt, welche Haushalts- und Pflegeaufgaben auf sie zukommen können. Im Ernstfall wird sie sich Hilfe organisieren. Frau Mayer senior braucht jetzt nicht mehr die ganze Last der Vermittlung zwischen Mann und Sohn alleine zu tragen. Das hat die Familie durch die Mediation gemeinsam geschafft.

LK NÖ bietet Mediation an Mediation hat sich nicht nur bei Generationskonflikten bewährt. Auch in vielen anderen Bereichen wie bei Scheidung, Trennung und bei Nachbarschaftskonflikten wird sie erfolgreich eingesetzt. Je früher sich die Konfliktseiten bei der Mediation treffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für gute und tragfähige Vereinbarungen. Die LK NÖ bietet Mediation im Rahmen des Beratungsproduktes „Krise als Chance“ an. DI Josef Stangl, MA LK NÖ, Tel. 0664/60 259 25802 josef.stangl@krems.lk-noe.at

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krisenmanagement am betrieb

Landwirtschaftskammer berät bei Verschuldung

Sanierungsberatung rechtzeitig in Anspruch nehmen Die weit verbreitete Meinung „Über Geld spricht man nicht“ verhindert oft, dass Betroffene in finanziellen Notlagen rechtzeitig Hilfe suchen. Aber nur wer rechtzeitig gegensteuert, kann sich aus der Schuldenfalle befreien und den Betrieb langfristig wieder absichern. Die LK NÖ hilft dabei mit einer Sanierungsberatung.

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Beratung, die Werte schafft

Die durchschnittliche Verschuldung der Österreicher und Österreicherinnen beläuft sich laut dem Schuldenreport 2012 auf etwa 73.000 Euro pro Person. Wie hoch die Durchschnittsverschuldung in der Landwirtschaft ist, ist leider nicht bekannt, auch nicht wie viele landwirtschaftliche Betriebe von einer Überschuldung betroffen sind. Die Kreditaufnahme, häufig etwas abwertend als „Schulden machen“ bezeichnet, gehört wie in jedem anderen Unternehmen auch in der Landwirtschaft zum täglichen Geschäft. Gerade in Zeiten niedrigerer Erzeugerpreise und hoher Kosten passiert es, dass landwirtschaftBeratung, die Wertenicht schafft liche Betriebe ihre Rechnungen

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Sanierungsberatung Ihre Situation: Sie haben Verbindlichkeiten bei Banken und Händlern und haben Probleme, die fälligen Zahlungen fristgerecht zu leisten Unser Angebot für Sie: Wir führen mit Ihnen ein Beratungsgespräch mit dem Ziel, die Ursachen der Zahlungsschwierigkeiten zu ermitteln. Ihr Nutzen: Sie erkennen die möglichen Schwachstellen des Betriebes und erhalten einen umsetzbaren Zahlungsplan. Kostenbeitrag: 180 Euro, 30 Euro Hofpauschale Ihr Ansprechpartner: Betriebswirtschaftsberater, betriebswirtschaft@lk-noe.at Mehr Beratungsangebote unter: www.lk-noe.at/beratungskatalog

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mehr bezahlen können und somit in eine finanzielle Schieflage geraten. Beratungsstellen werden oft zu spät kontaktiert. Stattdessen wird lieber, wenn überhaupt noch möglich, ein neuer Kredit aufgenommen und die prekäre finanzielle Lage unter den Teppich gekehrt.

Rechtzeitig Hilfe suchen Gründe für Überschuldungen in der Landwirtschaft sind unter anderem: Fehlkalkulationen bei der Hofübergabe Hohe Investitionen mit anschließenden Niedrigpreisphasen Überhöhte Kosten bei Maschinen und Pacht Persönliche Schicksalsschläge sowie Nicht beeinflussbare Faktoren, wie wetterbedingte Missernten oder Tierkrankheiten Sind dann keine finanziellen Reserven vorhanden, kann es schnell eng werden. Kann man die Schulden langfristig nicht mehr tilgen, sollte man Scham und Versagensängste ablegen und Hilfe in Anspruch nehmen. Gerade dieser Schritt zeigt Größe und wirkt meist befreiend für den Familienzusammenhalt und für jeden einzelnen Beteiligten. Schließlich sollte man gemeinsam mit einem qualifi-

Damit einem die Schulden nicht über den Kopf wachsen, sollte man rechtzeitig Hilfe und Beratung in Anspruch nehmen, um gegenzusteuern. Foto: LK NÖ

zierten Berater einen Weg finden, wie der Betrieb wieder auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt werden kann.

Liquidität im landwirtschaftlichen Betrieb sicherstellen Eine gesicherte Liquidität ist die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches, auf die Zukunft ausgerichtetes unternehmerisches Handeln. Liquidität bedeutet hierbei nichts anderes, als die Fähigkeit eines Unternehmens seinen Zahlungsverpflichtungen jederzeit vollständig und termingerecht nachkommen zu können. Die Liquidität gibt keine Auskunft über die Wirtschaftlichkeit der Produktion oder etwa über die Höhe der Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Für Betriebe mit Zahlungsschwierigkeiten empfiehlt es sich deshalb auch, eine Liquiditätsplanung zu machen. Dabei werden ausgehend von der momentanen Liquidität die aktuellen Einnahmen


Jänner_2013 und Ausgaben des landwirtschaftlichen Betriebes und des Unternehmerhaushaltes systematisch erfasst und einander gegenüber gestellt. Ein Patentrezept zur Lösung von Liquiditätsproblemen gibt es nicht. Die folgende Übersicht stellt eine Liste mit möglichen Ansatzpunkten zur kurzfristigen Verbesserung der Liquiditätslage dar.

Kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität Liquiditätsplanung vornehmen Kreditrahmen im Kontokorrent prüfen und gegebenenfalls erhöhen Bei einer Umschuldung auf Laufzeit, Art und Konditionen achten Tilgungsaussetzungen und Konditionen bei vorhandenen Krediten verhandeln Vermögen veräußern, zum Beispiel überzählige Maschinen oder Flächen Holzeinschlag im Wald vornehmen Rücklagen, sofern vorhanden, einsetzen – auch aus dem privaten Bereich Ausgaben minimieren – alle betrieblichen und privaten Ausgaben auf zwingende Notwendigkeit überprüfen Bessere Auslastung eigener Maschinen, zum Beispiel durch Lohnarbeit, anstreben Aufgabe von Betriebszweigen, die langfristig nicht die variablen Kosten decken Soviel Liquidität verschaffen, dass das Skonto genutzt werden kann

Das oberste Prinzip sollte heißen – agieren und nicht reagieren! Wer seine zukünftige Liquiditätsentwicklung frühzeitig erkennt, kann diese steuern. Dies betrifft positive wie negative Entwicklungen gleichermaßen. Es ist ferner empfehlenswert, die Hausbank frühzeitig in die Planung einzubinden. Dies vergrößert in der Regel die Handlungsmöglichkeiten.

Angebot der SVB

Erholung von besonderen Situationen

LK NÖ bietet Hilfe durch Sanierungsberatung Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich bietet speziell für in finanzielle Not geratene Betriebe eine persönliche und individuelle Beratung an. Nach Analyse der Ist-Situation werden die Problemfelder aufgezeigt. Im Verlauf dieser Beratung sollen Lösungsansätze gemeinsam mit den Landwirten erarbeitet und mittels Liquiditätsplanung bewertet werden. Bei Bedarf zieht man auch die jeweilige Hausbank in die Gespräche mit ein. Der Beratende soll dahin geführt werden, dass er eigenverantwortlich Handlungen setzt, die das Ziel verfolgen, den Betrieb mit einer gesunden Eigenkapitalentwicklung zu führen. DI Anton Hölzl Referat Betriebswirtschaft, Technik Tel. 05 0259 25107 E-Mail: anton.hoelzl@lk-noe.at

Die Sozialversicherungsanstalt der Bauern bietet Erholungsaufenthalte für Frauen und Männer in besonderen Situationen. Dieser Erholungsaufenthalt ist für Frauen oder Männer, die besonders belastenden Lebenssituationen ausgesetzt sind. Solche Belastungen sind beispielsweise Generationsund Partnerkonflikte, ein Todesfall in der Familie, Krisen in der Lebensbewältigung oder körperliches und seelisches Leid.

Therapie und Erholung

Foto: fotolia

Begleitet und unterstützt werden die Teilnehmer während des gesamten Aufenthaltes von Lebens- und Sozialberatern. Angeboten werden Gruppenund Einzelgespräche. Außerdem gibt es genügend Raum für körperliche und seelische Erholung, zum Beispiel durch Massagen, Schwimmen, Sauna, Nordic Walking, Entspannungsübungen. Ein buntes Rahmenprogramm mit Ausflügen und Gemeinschaftsabenden sorgt für Unterhaltung.

Erholungsaufenthalte helfen dem seelischen und körperli­ chen Wohlbefinden. Foto: SVB

Voraussetzungen Diese Erholungsaufenthalte sind für Frauen bis zum 60. und Männer bis zum 65. Lebensjahr. Sie müssen einen land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb führen oder in einem solchen hauptberuflich beschäftigt und bei der SVB versichert sein. Sie müssen besonders belastenden Lebenssituationen ausgesetzt sein, die sie auf sich alleine gestellt schwer bewältigen können. Die Entscheidung über eine Teilnahmemöglichkeit trifft der Facharzt beim Informationsgespräch vorab.

Dauer und Kosten Der Aufenthalt dauert zwei Wochen inklusive zwei dreitägigen Nachfolgetreffen. Die Kostenbeteiligung für den zweiwöchigen Aufenthalt beträgt 189,19 Euro, ermäßigt 87,83 Euro. Weitere Informationen auf www.svb.at oder telefonisch unter 0732/7633-4344. 15


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Lebensqualität Bauernhof: Hilfe für Bäuerinnen und Bauern

Das Bäuerlichen Sorgentelefon hilft unkompliziert, schnell und anonym Seit dem Jahr 2007 gibt es das Bäuerliche Sorgentelefon österreichweit. Die Beraterinnen und Berater haben nicht nur ein offenes Ohr für Bäuerinnen und Bauern in belastenden Lebenssituationen, sondern auch viel Erfahrung mit effizienter Problemlösung. „Ich möchte das Bäuerliche Sorgentelefon noch bekannter machen“, sagt Susanne Fischer von „Lebensqualität Bauernhof“, einer Initiative der Landwirtschaftskammern. Sie hat oft genug miterlebt, wie bei Menschen durch ein klärendes und unterstützendes Gespräch ein Veränderungsprozess in Gang gesetzt worden ist. „Es ist eine erste Anlaufstelle für Bauern und Bäuerinnen“, erklärt Fischer. „Und manchmal kommt dadurch wirklich ein Stein ins Rollen, der Schritt für Schritt zu einer positiven Entwicklung führt.“

Schritt für Schritt zum Positiven Ein Gespräch mit einer außenstehenden Person kann sozusagen ein erster Anstoß sein. Es hilft – vorausgesetzt natürlich, man ist selbst motiviert – die Situation in allen Einzelheiten zu beleuchten und Lösungsmöglichkeiten zu suchen. „Der Vorteil für die Bauern und Bäuerinnen ist, dass das Sorgentelefon sehr unbürokratisch ist“, fährt die ausgebildete Lebens- und Sozialberaterin fort. „Es ist unkompliziert, schnell und anonym.“ Wer sich kompetente Beratung und ein offenes Ohr für seine Gedanken, Sorgen und Probleme wünscht, braucht lediglich zum Telefonhörer zu greifen und 0810/676810 zu wählen. Das Bäuerliche Sorgentelefon ist wochentags jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr zum Ortstarif erreichbar.

Besonderheiten bäuerlicher Lebenswelten „Unsere Berater und Beraterinnen sind der bäuerlichen Lebenswelt sehr nahe“, berichtet Fischer. Das unterscheidet das Bäuerliche Sorgentelefon ganz klar von anderen Telefoneinrichtungen. „Typische bäuerliche Probleme ergeben sich aus der 16

engen Vernetzung von Familie und Arbeit“, sagt Susanne Fischer. Daher hält sie es für wichtig, dass die Familienmitglieder miteinander reden und klare Absprachen machen. „Je länger Konflikte anhalten, desto verzwickter werden sie.“ Echte Konfliktlösung könne im Grunde nur auf Respekt, Wertschätzung und Toleranz aufbauen. „Zugegeben, bei Streitigkeiten sind diese Qualitäten manchmal etwas verschüttet, aber es ist der Mühe wert, sie wieder auszugraben oder zumindest zu schauen, was davon noch vorhanden ist.“ Durch das enge Zusammenleben und die Tatsache, dass im vollen Arbeitsalltag das Gespräch leicht untergeht, gibt es Ereignisse, die Konflikte fördern.

Gedanken und Sorgen mitteilen „Dazu zählen alle einschneidenden Veränderungen wie Einheirat, Hofübergaben, Pensionsantritt, Trennungen, Krankheiten, wirtschaftliche Probleme oder Schicksalsschläge“, so Fischer. „Denn all das betrifft immer die ganze Familie.“ Aber auch Arbeitsüberlastung ist am Bauernhof zunehmend ein großes Thema. „Wir sind bei allen Lebensthemen für Bäuerinnen und Bauern da, aber auch einfach, um Gedanken und Sorgen mitzuteilen, eine zweite Meinung zu hören oder

Sorgentelefonberaterin Susanne Fischer hilft mit kompetenter Beratung und einem offenen Ohr. Foto: Weinfranz

sich über etwas auszutauschen“, fasst Fischer zusammen. Die erfahrene Beraterin spricht nach vielen Jahren Telefondienst immer noch sehr gerne mit den Leuten. „Da bin ich mit dem Herzen dabei“, lächelt sie. Uschi Sorz, LK Österreich

Für kleine und große Probleme Das Bäuerliche Sorgentelefon ist eine erste unkomplizierte und anonyme Anlaufstelle für kleine und große Probleme, wie zum Beispiel: Hofübergabe/-übernahme Partnerschaft Familien- und Generationenkonflikte wirtschaftliche Sorgen Arbeitsüberlastung Krankheit, Pflege Sorgentelefon unter 0810/676810 Mo bis Fr, 8.30 – 12.30 Uhr zum Ortstarif www.lebensqualitaet-bauernhof.at


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