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Nachhaltigkeit Unwetter-Jahr 2012 Ressourcenverbrauch Grüner Bericht

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Neonicotinoide Recht

Verbot kommt einhalten früher SEITE Mindestlöhne SeiteVII X Ö S Tt Ee Rr Rr Ee Ii Cc H h

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Foto: BMLFUW/Kern

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Heimische Agrarspitze mit Kompromiss zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik überwiegend zufrieden. LUDMILLA HERZOG, LK ÖSTERREICH

Die drei EU-Institutionen, Europaparlament, EU-Rat und EU-Kommission, haben sich nach harten und langen Verhandlungen auf einen Kompromiss zur Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) der EU für 2014 bis 2020 geeinigt. „Grüner und fairer lauten die Eckpunkte der GAP-Reform. Österreichs Bauern können aufatmen, denn Landwirtschaftsminister Berlakovich konnte wesentliche Knackpunkte zum Vorteil der heimischen Bauernfamilien in den Verhandlungen lösen. So können die Umweltleistungen der österreichischen Bauern,

EU-AGRARREFORM:

Tragbares Ergebnis für Österreichs Bauern auch der Biobauern, künftig als Vorleistungen für das Greening angerechnet werden. Auch der Anbau von Eiweißpflanzen auf jenen Flächen, die für das Greening bereitgestellt werden müssen, konnte als Ersatz für Flächenstilllegungen erreicht werden. Zudem wird die Neuabgrenzung der Gebietskulisse

Tragbarer Kompromiss erreicht Mit Verhandlungsgeschick und einer großen Portion Hartnäckigkeit konnte Österreichs Landwirtschaftsminister bei den GAPVerhandlungen ein akzeptables Ergebnis für Österreichs Bauernfamilien erreichen. Wichtige Kernanliegen sind durchgesetzt, wie etwa die deutliche Abschwächung der ursprünglichen Greening-Vorschläge. Statt fünf Prozent der Flächen stillzulegen, können wir künftig auf ökologischen Vorrangflächen Eiweißpflanzen anbauen. Hinzu kommt, dass Österreichs Berglandwirtschaft

der sonstigen benachteiligten Gebiete auf 2018 verschoben und Österreich kann bis dahin die bestehende Förderung beibehalten. Auch beim Umstieg vom historischen Prämienmodell auf das Regionalmodell konnten wir eine ausreichend lange Übergangszeit erreichen“, begrüßte LK-Öster-

GERHARD WLODKOWSKI LK ÖSTERREICH

in der neuen Programmperiode abgesichert ist. Allerdings „droht“ uns bei der Umsetzung der neuen GAP keine Vereinfachung, sondern neue Bürokratie. Hier muss es gelingen, gleich von vornherein alle Auswüchse zu stoppen. Sowohl unsere Landwirte als auch die Agrarverwaltung arbeiten bereits an der Grenze des Machbaren. Nicht zuletzt hängt die erfolgreiche GAP-Umsetzung von der finanziellen Ausgestaltung ab. Natürlich wird

reich-Präsident Gerhard Wlodkowski die politische Einigung über die GAP-Reform 2014– 2020 bei den abschließenden Triolog-Verhandlungen Ende Juni in Luxemburg zwischen Rat der EU-Staaten, Kommission und Parlament, das erstmals beim Beschluss der EU-Agrarreform mitentscheiden konnte.

die Landwirtschaft zu einem sparsamen EU-Haushalt ihren Beitrag leisten. Wenn unsere Bauern durch verringerte Säule-1-Mittel, durch weniger Säule-2-Gelder und durch die sinkende Kofinanzierung dreifach verlieren, können wir das nicht hinnehmen. Wir brauchen unbedingt einen Ausgleich von Verlusten aus nationalen Haushaltsmitteln und jedenfalls die Beibehaltung der 50:50-Kofinanzierung der Ländlichen Entwicklung.

kommentar


Bauernjournal agrarpolitik

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J u lgi u2013 Au st 2013

LeIstbare agrarreform mIt herzeIgbaren ergebnIssen

EU-Agrarreform: Was wurde erreicht, was nicht? „Das Ergebnis ist ein sehr gutes Resultat für die heimischen Bauern, die Konsumenten und die Umwelt. Die Verhandlungen waren hart, wir haben aber die Interessen Österreichs unterbringen können und das bestmögliche Ergebnis im Sinne eines Kompromisses erzielt. Auch wenn die Reform nicht ganz so weit geht, wie Österreich es wollte, ist sie für uns lebbar und leistbar“, betonte Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich bei der Präsentation der Ergebnisse der GAP-Reform im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit LK-Präsident Gerhard Wlodkowski und Bauernbundpräsident Jakob Auer in Wien. „Es ist allen bewusst, dass wir nicht zu 100 % zufrieden sind, wir können aber mit der reformierten GAP leben und das Resultat ist herzeigbar. Allerdings haben wir uns bei der Administrations-Vereinfachung mehr erwartet, denn im Moment ist davon nicht viel zu sehen“, so der LK-Präsident. „Das Ergebnis ist akzeptabel, wenn auch nicht der volle Erfolg“, so Auer.

Anerkennung von Umweltleistungen „Es gab reichlich Widerstände und Forderungen. Ursprünglich stand eine Flächenstilllegung im Raum und auch das Bergbauernprogramm hat gewackelt. Es wurde die Anerkennung von Umweltleistungen erreicht. Das bedeutet keine Doppelförderungen, aber Berücksichtigung höherer Umweltleistungen von Biobauern und ,ÖPUL‘-Landwirten mit der Möglichkeit, auf den ursprünglich vorgesehenen Stilllegungsflächen eiweißbindende Pflanzen anzubauen“, erläuterte Berlakovich. Ab 2015 werden 30  % der Direktzahlungen an drei neue Umweltauflagen geknüpft: Das Greening beinhaltet ein Verbot, Grünland umzubrechen,

Fruchtfolgeauflagen und einen kleinen Teil der Ackerfläche für die Artenvielfalt zu reservieren. Das Parlament und die EU-Mitgliedstaaten haben für zahlreiche Ausnahmen von den Greening-Auflagen gesorgt sowie für eine Einbeziehung von bestehenden Agrarumweltprogrammen in das neue Konzept. „Knackpunkt der Trilog-Ver-

Das GreeninG war einer der großen Knackpunkte. Foto: dür

handlungen zur GAP-Reform war einmal mehr eine flexiblere Ausgestaltung des ‚Greenings’. Hier kommt es zu einem zweistufigen Vorgehen. 2015 sollen fünf Prozent der Fläche als ökologische Vorrangflächen genutzt werden. Danach wird evaluiert und entschieden, ob auf sieben Prozent erhöht werden soll. Dabei ist der Anbau von Eiweißpflanzen auf diesen Flächen möglich, was Österreich von Anfang an in den GAP-Verhandlungen gefordert hat. Betriebe mit weniger als 15 Hektar und mit mehr als 75 Prozent Dauergrünland sowie Dauerkulturen sollen von der Vorrangflächenregelung ausgenommen werden. Die Verpflichtung, mehrere Früchte anzubauen, soll erst bei zehn Hektar beginnen und die Umwandlung von Dauergrünland soll mit 5 Prozent begrenzt werden (Basisjahr 2012)“, so Wlodkowski.

„Bei der Umsetzung der neuen GAP ist mehr denn je darauf zu achten, dass nicht neue Bürokratie und Auflagen kommen. Drastische Vereinfachung muss das übergeordnete Ziel sein“, bekräftigte Wlodkowski.

Ländliche Entwicklung konnte gesichert werden „Die im Februar 2013 erfolgte Einigung über das EU-Budget für die kommenden sieben Jahre bedeutet trotz Abschlägen, dass die Ländliche Entwicklung, das Kernstück der heimischen Agrarpolitik, gesichert ist.“ Der Wermutstropfen dabei: Der von 50 auf 53 Prozent gestiegene EU-Kofinanzierungssatz würde allerdings für Österreichs Bauern automatisch ein Minus nach sich ziehen, befürchtet der LK-Österreich-Präsident. Aufgrund der Tatsachen, dass einerseits die zuletzt beigetretenen EU-Mitglieder ab 2014 höhere Direktzahlungen erhalten und andererseits das Gesamtbudget 2014 bis 2020 im Vergleich zur Vorperiode reduziert wurde, sinken auch die Mittel für die erste Säule, also die Direktzahlungen und die Marktordnungsmittel, für Österreichs Landwirte von 5,2 Mrd. auf 5 Mrd. Euro zu jeweiligen Preisen für insgesamt sieben Jahre. Ein etwas weniger ausgeprägtes Minus verzeichnet auch die Säule 2, also die Ländliche Entwicklung. Hier verringern sich die Auszahlungen an die Bauern von 4 Mrd. auf rund 3,9 Mrd. Euro auf die siebenjährige Finanzplanungsperiode, zu jeweiligen Preisen gerechnet. „Während die Direktzahlungen zur Gänze von der EU kommen, erfordern die finanziellen Mittel der Ländlichen Entwicklung eine nationale Kofinanzierung. Wir verlangen daher, dass der nationale Kofinanzierungssatz von 50 Prozent beibehalten wird“, stellte Wlodkowski abschließend fest.

GAP neu

Zusätzliche Prämien für Junglandwirte Für Junglandwirte wird es künftig verpflichtende Extrazahlungen geben: Jedes EU-Land wird fünf Jahre eine Top-up-Prämie von 25 Prozent in Form von Direktzahlungen (1. Säule) zahlen, wobei diese mit einem Lebensalter von 40 Jahren und mit einer Fläche von 90 ha begrenzt sind. Bis zu zwei Prozent des nationalen Agrarbudgets sollen dafür aufgewendet werden.

Aktive Landwirte wurden gestärkt Wie von Österreich gefordert, wurde auch die Position des aktiven Landwirts gestärkt. Es wird eine schwarze EU-Liste geben, wo genau aufgelistet ist, dass eben Golfplätze, Flughäfen, Eisenbahnunternehmen usw. künftig für ihre Flächen keine Agrarmittel erhalten dürfen. Darüber hinaus wurde bei der faireren Verteilung der Agrarmittel innerhalb eines Staates ein Kompromiss erreicht: Künftig wird EU-weit kein Bauer weniger als 60 Prozent des regionales Durchschnitts bekommen und keiner mehr als 30 Prozent verlieren.

Abgrenzung sonstiger benachteiligter Gebiete wurde verschoben Die Definition der sogenannten acht biophysikalischen Kriterien als Grundlage der Abgrenzung der sonstigen benachteiligten Gebiete wird auf 2018 verschoben. Zudem konnte die Unterstützung der Bergbauern in der bestehenden Höhe gesichert werden.


Bauernjournal Gap-reform GaP-reform l i 2 01 3 A u g juust

Im Jahr 2019 sollen dIe hektarzahlungen so weit angeglichen werden, dass jeder Landwirt pro Hektar einen Betrag in etwa in der Höhe des nationalen Durchschnitts der Zahlungsansprüche erhält. Fotos: Fürstaller

RefoRm tRIt t mIt 2015 In kRaf t, 2014 Ist übeRgangsjahR

Die Ergebnisse der GAP­Reform im Detail Nach langwierigen Verhandlungen konnte der irische Ratsvorsit­ zende mit den Bericht­ erstattern des Europa­ parlaments über die GAP­Reform Ende Juni eine Einigung erzielen. In Kraft treten wird die Reform erst 2015, das Jahr 2014 wird ein Übergangsjahr, in dem die bestehenden Regeln gelten, jedoch unter dem neuen Budgetrahmen. Die Einigung über die GAPReform wurde von den Mitgliedern des Landwirtschaftsausschusses des Europaparlaments als Paket unter dem Vorbehalt einer zufriedenstellenden Lösung über den Mehrjährigen Finanzrahmen 2014 bis 2020 (MFR) angenommen. Kurz danach konnte dann zum MFR zwischen irischem Ratsvorsitz, Europaparlament und Europäischer Kommission am Rande des Europäischen Rates (ER) in Brüssel ebenfalls eine

Einigung erzielt werden. Eine Abstimmung über GAP-Reform und MFR 2014 bis 2020 im Plenum des EU-Parlaments kann erst nach Vorlage aller EURechtstexte erfolgen, und das wird voraussichtlich im September oder Oktober 2013 der Fall sein. Die nachstehende Zusammenfassung ist daher mit dem generellen Vorbehalt zu lesen, dass einige Details (z. B. Transfer Mittel 1./2. Säule, Degression/Obergrenzen, Konvergenz zwischen den Mitgliedstaaten) in Ermangelung endgültiger Rechtstexte noch einer endgültigen Abklärung bedürfen. Die europäische Rechtssetzung muss infolge in Österreich in nationales Recht (Gesetz, Verordnungen) voraussichtlich im ersten Halbjahr 2014 umgesetzt werden. D. h. im Bereich der 1. Säule GAP-Direktzahlungen ist das österreichische Parlament (Marktordnungsgesetz) zu befassen. Die Ländliche Entwicklung (LE) muss im Rahmen aller EUStrukturfonds in der österreichischen Partnerschaftsvereinbarung (Österreichische Raumordnungskonferenz) umgesetzt werden. Im Jahr 2014 werden die Direktzahlungen in Öster-

reich wie bisher umgesetzt (sogenanntes „Übergangsjahr“). Zusammenfassend kann insofern von einem zufriedenstellenden Ergebnis der GAP-Verhandlungen gesprochen werden, als massive Kürzungen zugunsten anderer Politikbereiche abgewehrt und die Mittel für die Landwirtschaft gehalten werden konnten. Allerdings wird die nächste GAP-Periode in ihrem bürokratischen Umfang nur für wenige Gruppen an Landwirten einfacher, während für viele Betroffene – auch die Agrarverwaltung selbst – die bürokratische Komplexität zunehmen wird.

Direktzahlungen EU-Beschluss ermöglicht EUweit mehrere Modelle Die Umstellung in Österreich soll ein österreichweit einheitliches Regionalmodell bringen, das schrittweise nach einem Übergangszeitraum von fünf Jahren in eine einheitliche Flächenprämie pro Hektar in gleicher Höhe für Acker- und Grünland mündet. Im Jahr 2019 sollen die Hektarzahlungen so weit angeglichen werden, dass jeder

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Landwirt pro Hektar einen Betrag etwa in der Höhe des nationalen Durchschnitts erhält. Daneben soll es möglich sein, hohe Zahlungsansprüche aus nicht mehr aktiver Produktion (historische Bezüge aus Tierhaltung, Tabak, Sonstige, ...) schneller zu kürzen. Vereinfacht gesagt, besteht sowohl die Möglichkeit am bisherigen EBP-System festzuhalten mit gewissen Mindestumschichtungen als auch regional (Bundesländer) oder national ein einheitliches Flächenprämiensystem einzuführen. Auch in anderen EU-Mitgliedstaaten ist die Vereinheitlichung von Direktzahlungen die erklärte Zielsetzung der EU-Vorgaben. 30 % dieser Flächenprämien sind von der Einhaltung der Greening-Auflagen abhängig, die sich aus Grünlanderhaltung, Fruchtfolgeauflagen und ökologischen Vorrangflächen zusammensetzen. Die Nichteinhaltung des „Greenings“ hat die Nichtgewährung des 30-%-Anteils und eine anteilsmäßige Sanktion zur Folge und war eine der wichtigen Vorgaben der EUKommission, um die Rechtfertigbarkeit der Direktzahlungen darzustellen. Aktive Landwirte Es wird eine sehr limitierte, konkrete und EU-weit anzuwendende Liste an Flächen bzw. Betrieben aufgestellt, welche von Direktzahlungen ausgeschlossen sein sollen (Flughäfen, Golfplätze, Infrastruktur etc.). Die Mitgliedstaaten (MS) können diese Liste erweitern, sofern sie notifiziert (bekannt gegeben) wurde und nicht diskriminierend angelegt ist. Erstzuteilung von Zahlungsansprüchen (ZA) Diese erfolgt an einem noch festzulegenden Datum 2015 an Antragsteller, die im Referenzjahr 2013 über ZA verfügt haben. MS können unter bestimmten Bedingungen ZA auch an Antragsteller vergeben, welche im Referenzjahr 2013 über keine ZA verfügt haben und neu ins System kommen.


Gap-reform Bauernjournal GaP-reform

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j u lgi u2013 Au st 2013

Alle Bekanntmachungen über die Umsetzung verschiedener Modellvarianten in den einzelnen MS sind bis 1. August 2014 vorzunehmen. Degression/Zahlungsobergrenzen Dieser Punkt blieb bis zuletzt zwischen EP und Rat umstritten und wird Teil der Verhandlungen im Zusammenhang mit dem MFR sein. Als mögliche Kompromisslinie hat sich zuletzt folgendes Modell abgezeichnet: Direktzahlungen sollen ab einer Förderhöhe von 150.000 € (Basisprämie) um einen geringen Prozentsatz gekürzt werden, wobei den MS Flexibilität bezüglich der Abstufungen verbleiben soll. Arbeitskosten können in Abzug gebracht werden. MS können auch absolute Zahlungsobergrenzen (Capping) vorsehen, diese sind jedoch nicht verpflichtend. Die durch Kürzungen frei werdenden Mittel

Punkt wird ebenfalls noch Teil des MFR-Verhandlungspakets sein.

MitGlieDSStAAten können bis zu 15 % der Mittel für Direktzahlungen in die Ländliche Entwicklung verschieben und umgekehrt.

sollen für Maßnahmen der LE zur Verfügung stehen. Die MS haben ihre Umschichtungsmodelle und ein allfälliges Capping für die Jahre 2015 bis 2019 der EU-Kommission bis 1. August 2014 zu notifizieren. Die zusätzliche Umschichtung von Direktzahlungen auf die ersten Hektar eines Betriebs ist in ihrer Anwendung offen.

Transfer zwischen den Säulen MS können entscheiden, bis zu 15 % der Mittel für Direktzahlungen in die LE zu verschieben und umgekehrt. Transfers für das Jahr 2014 sind bis 31. Dezember 2013 zu notifizieren. Für spätere Entscheidungen gelten andere festgelegte Fristen. Dieser

Gekoppelte Zahlungen Diese sollen weiterhin anhand einer von der EK erstellten Liste möglich sein, wobei der Höchstsatz für MS, welche Koppelungen bereits anwenden, auf 13 % angehoben wurde. Zusätzlich dürfen bis zu 2 % für die Kopplung des Anbaus von Eiweißpflanzen reserviert werden, um die Eiweißproduktion in Europa anzuheben. Junglandwirte Die Maßnahme soll verpflichtend in den MS umgesetzt werden. Bis zu 2 % des nationalen Rahmens sollen Junglandwirten als zusätzliche Stützung gewährt werden in Form eines 25%igen topup zu Direktzahlungen (Alter max. 40 Jahre, Dauer max. fünf Jahre, Obergrenze 90 ha).

GreenInG

Verpflichtungen, Ausnahmen, Sanktionen und anrechenbare Maßnahmen Der Greening-Anteil an den Direktzahlungen wird – wie vorgesehen – 30 % betragen, wobei sich der Anteil aus der individuellen Höhe der Direktzahlung ableiten soll. n  Anbaudiversifizierung oder Fruchtfolge: Bei einer Ackerfläche von 10 bis 30 ha müssen mindestens zwei Kulturarten angebaut werden, wobei eine einzelne nicht mehr als 75 % der bebauten Fläche ausmachen darf. Bei einer Fläche von mehr als 30 ha müssen drei Kulturen angebaut werden, ebenfalls mit einem Höchstanteil von 75 % für einzelne und von 95 % für zwei Kulturen zusammen. n  Ökologische Vorrangflächen: Anteil von mindestens 5 % der kultivierbaren Fläche von mehr als 15 ha. Dieser Prozentsatz soll im Jahr 2017 auf 7 % angehoben werden, wobei die EK zuvor einen Bericht über die Auswirkungen der ÖVF vorzulegen hat. Dies erfolgt, indem die Vertretbarkeit der Anhebung gemäß Marktlage und ökologischen Bewertungskriterien dargestellt wird. Die MS definieren

ÖVF anhand einer von der EU fixierten Liste inkl. Bewertungsmodus zum Umweltnutzen, welche u. a. Pufferstreifen, Terrassen, Landschaftselemente, bewaldete Flächen, Kurzumtriebspflanzen und vor allem auch stickstoffbindende Pflanzen enthält. Die Details zur

Wenn Mehr AlS 75 % Der ln Grünland sind und die restliche Fläche weniger als 30 ha ausmacht, ist man aus den ÖVF-Verpflichtungen ausgenommen.

Anerkennung bestimmter Flächen und die Berechnung des Umweltnutzens werden von der EK noch fixiert. Dauerkulturen (Anmerkung: Weinund Obstflächen) wurden zuletzt aus der Berechnungsgrundlage ausgenommen.

werden ebenfalls noch Teil der MFR-Verhandlungen bilden. Um den verpflichtenden Charakter der Maßnahmen zu unterstreichen, sollen die Abzüge grundsätzlich über den Greening-Anteil von 30 % hinaus gehen (zusätzlich bis zu 7,5 % der EBP).

Ausnahmen von OVF-Verpflichtungen: – Wenn mehr als 75 % der LN Grünland sind, sofern restliche Fläche weniger als 30 ha ausmacht. – Für Betriebe in benachteiligten Gebieten mit Forstanteil von mehr als 50 %, sofern das Verhältnis Forst zu Ackerland mindestens 3:1 beträgt.

Die Greening-Verpflichtungen können auch durch äquivalente Maßnahmen der 2. Säule und andere zertifizierte Maßnahmen angerechnet werden. Die Liste der als äquivalent angesehenen Maßnahmen ist im Anhang zur DZ-VO festgelegt. Hinsichtlich des Zusammenspiels zwischen den ÖPUL-Maßnahmen und den Greening-Auflagen sind die Kalkulationsvorgaben der EUKommission abzuwarten, jedenfalls werden teilweise überschneidende ÖPUL-Maßnahmen möglich sein, die Richtlinien für ein Umweltprogramm 2015 bis 2020 werden dafür nächstes Jahr erstellt. Verankert ist eine rechtliche Klarstellung, dass Doppelförderungen im Zuge der Anrechnung auf das Greening ausgeschlossen sein sollen.

n  Dauergrünland: Der Anteil darf nicht um mehr als 5 % sinken im Verhältnis zur gesamt beantragten LN. Die Erfüllung der Kriterien kann national, (sub-)regional oder auf Betriebsebene erfolgen. Die Notifizierung hat bis 31. Juli 2014 zu erfolgen. Die Sanktionen bei Nichteinhaltung der Greening-Verpflichtungen


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Kleinlandwirte MS können bis zu 10 % der nationalen Obergrenzen als zusätzliche Stützung für Kleinbetriebe widmen. Die Zahlungen können zwischen 500 und 1.250 Euro pro Jahr liegen. Die betroffenen Betriebe sind von den Greening-Verpflichtungen ausgenommen. Für die Berechnung der konkreten Höhe der Zahlung können die MS zwischen Varianten wählen (hektarbezogen, historisch, Kategorien). Die Teilnahme ist für die Betriebe nicht verpflichtend, ein einziger Antrag im Jahr 2015 genügt für den Rest der Förderperiode als Erklärung. Systeme der Parzellenidentifikation (Art. 71 HVO) Diese soll in Stufen ab 2016 verbessert werden (mit Anerkennung bestimmter bestehender Systeme). Für ÖVF (siehe Greening) soll die Feststellung bis zum Antragsjahr 2018 erfolgen. Benachteiligte Gebiete Alternativ zu Maßnahmen der Ländlichen Entwicklung können MS auch in der 1. Säule Maßnahmen für Betriebe in benachteiligten Gebieten setzen. Bis zu 5 % des nationalen Rahmens können hierfür von den Mitgliedstaaten zweckgewidmet werden. Finanzielle Disziplin und Transparenz der Direktzahlungen Im Falle drohender Budgetüberschreitungen müssen Direktzahlungen anteilig gekürzt werden, wobei Zahlungen unter 2.000 Euro von der Kürzung ausgenommen sind. Die Veröffentlichung der Direktzahlungen ist Bestandteil des GAP-Pakets.

Einheitliche Gemeinsame Marktordnung Weinpflanzrechte Das neue System der Autorisierung wird 2016 beginnen und bis 2030 gelten. Extrazuteilungen in Höhe von maximal 1 % pro Jahr können vom MS gewährt werden. Die Über-

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Ausgleichszulage Die Obergrenze der Hektarzahlungen für Betriebe im Berggebiet beträgt 450 € (statt 300 € im Vorschlag der EK) und kann (wenn begründet) auch darüber liegen. Eine Trennung in tierund nicht-tierhaltende Betriebe wird weiterhin gegeben sein. Die Obergrenze Der HektarzaHlungen für Betriebe im Berggebiet beträgt 450 Euro und kann in begründeten Fällen auch darüber liegen.

gangszeit für alte Pflanzrechte kann vom MS bis zum Jahr 2020 ausgedehnt werden. Zuckermarkt Bis zuletzt umstritten war das Enddatum für die Zuckerquoten. Letztendlich einigten sich die Verhandlungsführer auf ein Auslaufen des Quotenregimes zum 30. September 2017. Milchmarkt Anstelle der vom EP angestrebten freiwilligen Lieferrücknahme gegen Kompensation soll eine politische Willensbekundung (in den Erwägungsgründen) verankert werden, weitere Maßnahmen für den Milchmarkt im Sinne einer Krisenvorsorge beschließen zu wollen. Den Auftakt soll eine Konferenz in Brüssel am 24. September bilden. Die Rolle der Erzeugerorganisationen soll gestärkt werden. So können u. a. Maßnahmen der Erwerbsersatzordnung auch für Nicht-Mitglieder für verbindlich erklärt werden. Änderungen werden auch bei Interventionsinstrumenten vorgenommen: n  Bonus-Malus-System (Lieferrücknahme-Modell in Krisenzeiten) kommt nicht, aber: n  Interventionspreise können in Krisenzeiten flexibel angepasst werden (als Erwägungsgrund verankert) n  Der Interventionszeitraum wird um einen Monat verlängert (von Ende August auf Ende September) n  Butter-Interventionsmengen steigen von 30.000 t auf 50.000 t

n  Private Lagerhaltung für Hartkäse g.g.A/g.U. bleibt (nach Abschluss der Reifezeit) n  Die neugeschaffenen Vereinigungen im Milchsektor (Branchenverbände, Erzeugerorganisationen) werden aufgewertet: Möglichkeit zur „Allgemeinverbindlichkeit“ von Festlegungen innerhalb einer Vereinigung Angleichung an den Vertrag von Lissabon (Interpretation Art. 43/2+3) Die Kompetenzen Rat/EP/MS zur Festsetzung von Referenzund Interventionspreisen waren bis zuletzt ein politischer Verhandlungspunkt. Letztlich hat der Rat seine harte Haltung aufgegeben, um eine Zustimmung des EP zum Gesamtpaket zu erreichen.

Ländliche Entwicklung

ELER-Prioritäten (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums): Nachhaltiges Waldmanagement wurde in die Prioritätenliste der LE aufgenommen (Wettbewerbsfähigkeit). In Priorität drei wurde die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte verankert (Lebensmittelkette). Qualitätssysteme Informations- und Werbeaktivitäten können mit ELER-Mitteln gefördert werden, Details werden durch delegierte Rechtsakte geregelt. Beratungsdienste Anstelle einer Aufnahme in die Cross-Compliance-Verpflichtungen sollen die Wasserrahmenrichtlinie sowie der nachhaltige Pestizid-Einsatz Teil der Betriebsberatung werden. Die EK soll die Anwendung im Auftrag des Rates und des EP beobachten und nach Ablauf der Umsetzungsfrist weitere Schritte zur Umsetzung in die CC vorbereiten.

Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen 30 % der Mittel der LE sind hierfür vorzusehen, inkl. BioLandwirtschaft, Forst und benachteiligter Gebiete. Umfasst sind lediglich Zahlungen, die über die verpflichtenden Maßnahmen der 1. Säule hinausgehen, aber exklusive Greening.

Harmonisierung Auszahlungen Zuletzt wurde auch eine mögliche Angleichung der Auszahlungsfristen für die 1. und 2. Säule diskutiert, beginnend 2018. Infrage stehen Fristen in der LE, die an jene der 1. Säule angeglichen werden.

Neuabgrenzung sonstiger benachteiligter Gebiete (LFA) Die verpflichtende Neuabgrenzung anhand acht biophysikalischer Kriterien konnte auf 2018 verschoben werden. Ein verlängertes Phasing-out (Auslaufen) bei Herausfallen aus der Förderkulisse bis 2020 wird möglich sein.

Übergangsmaßnahmen – Investitionen Die EK wird Maßnahmen prüfen, um Kontinuität bei Investitionen zu wahren. Unter anderem wird geprüft, inwiefern eine Finanzierung bisheriger Maßnahmen mit Mitteln aus der neuen Periode ermöglicht werden kann.


BAUERNJOURNAL AGRARPOLITIK

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AU G U ST 2013

GRÜNER BERICHT 2013

Unwetter-Jahr 2012 brachte Minus für die Bauern Minus 7 %: Dürreschäden ließen Einkommen für Bauern im vergangenen Jahr wieder sinken. JOHANNES FANKHAUSER, LK ÖSTERREICH

Der Grüne Bericht 2013 mit der Darstellung der Einkommenslage für das Jahr 2012 charakterisiert objektiv die Gesamtlage der österreichischen Land- und Forstwirt-

schaft und gibt auch ein Bild über die Vielfalt an Strukturen und unterschiedlichen Gegebenheiten, mit denen die bäuerliche Bevölkerung konfrontiert ist. Der Grüne Bericht ist somit eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Agrarpolitik. Zur Ermittlung der Einkommensverhältnisse in der österreichischen Land- und Forstwirtschaft werden von rund 2.200 freiwillig buchführenden Betrieben Daten über die LBG ausgewertet. Das Gesamtbild

GAP: Reform formell abschließen Mit der politischen Einigung auf die Inhalte der Agrarreform haben wir zwar einen Großteil der Strecke bereits zurückgelegt, ein gutes Stück Weg liegt aber noch vor uns. Deshalb geht es jetzt vor allem darum, die bereits gefassten Beschlüsse auszuarbeiten und die Weichen für die weitere Vorgangsweise zu stellen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die noch offenen Punkte so rasch wie möglich zu

der wirtschaftlichen Lage der Land- und Forstwirtschaft zeigt für die vergangenen Jahre einen äußerst wechselvollen Verlauf. Sprunghafte Veränderungen im Bereich der Produktion und Marktverhältnisse und die gewichtige Abfederungsfunktion der GAP-Direktzahlungen und Leistungsabgeltungen im Rahmen der Ländlichen Entwicklung waren dominierende Faktoren. Nach einem guten Jahr 2011 brachte das Unwetter-Jahr 2012 mit Ha-

gel, Dürre, Frost, Sturm und Überschwemmungen wiederum ein Minus für die Bauerneinkommen. So weist der Grüne Bericht für 2012 durchschnittliche Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft je Arbeitskraft in der Höhe von 21.533 Euro aus, was einem Minus gegenüber 2011 von 7  % je Arbeitskraft gleichkommt. Der Grund für dieses negative Ergebnis liegt vor allem in der mengenmäßig schwachen Getreideernte, ausgelöst durch das trockene Frühjahr, in gesunkenen Erzeugerpreisen für Milch und in spürbar gestiegenen Kosten für Futter- und Düngemittel bzw. für Energie. Auch in der Forstwirtschaft waren durch den geringeren Holzeinschlag die Erträge niedriger. Dämpfen konnten die schlechte Einkommensentwicklung unter anderem die höheren Erzeugerpreise für Schweine. Das ständige Auf und Ab der Preise, die innerhalb kürzester Frist für ein Einkommensplus oder ein Minus sorgen, macht eine Betrachtung über mehrere Jahre notwendig, will man die wirtschaftliche Situation der Land- und Forstwirtschaft richtig beurteilen. Das Niveau ist nach wie vor niedrig. Vergleicht man das Einkommen eines Landwirts mit dem eines unselbstständig Erwerbstätigen, so zeigt sich, dass der Landwirt mit knapp 21.500 Euro unter dem Einkommensniveau des Erwerbstätigen mit rund 25.000 Euro Bruttojahreseinkommen liegt.

NIKOLAUS BERLAKOVICH AGRARMINISTER

schließen. Denn unsere Landwirte brauchen so schnell wie möglich Planungssicherheit. Wir wollen alte Maßnahmen fortschreiben und mit neuen Mitteln finanzieren. Für den Flächenbereich gibt es hierfür von der Europäischen Kommission bereits einen positiven Vorschlag. Im Bereich der Investitionsförderung ist hingegen noch al-

les offen. Auch hier sollte es im Übergangsjahr möglich sein, Investitionen zu unterstützen. Die Rechtsgrundlage für das Übergansjahr, insbesondere die Finanzierung mit neuen Mitteln, ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Dieser Umstand muss rasch beseitigt werden. Unsere Bauern brauchen Sicherheit auf allen Ebenen.

kommentar


Bauernjournal leBensmIttel A u g u st 2 01 3

Viele Komponenten der Einkommensbildung Die Ursachen für die negative Entwicklung im Jahre 2012 waren u. a. deutlich geringere Erntemengen bei Getreide mit äußerst starken Rückgängen bei Hartweizen (–50,4 %) und Sommergerste (–32,8 %). Bessere Erträge gab es bei Eiweißfrüchten, ein leichtes Plus bei Körnermais. In der Forstwirtschaft führte der geringere Einschlag von Stammholz trotz moderat höherer Preise (+2 %) zu einem Ertragsrückgang. Bei Wein ging die Erntemenge gegenüber 2011 um 27 % zurück. Der Ertrag sank somit um 10 %. Die gute Preislage für Rinder und Schweine trug hingegen zur Abfederung des Einkommensminus bei. Insgesamt sanken im Vorjahr die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft im Durchschnitt gegenüber 2011 um 8 % je Betrieb auf 27.348 € bzw. um 7 % je Arbeitskraft auf 21.553 €.

Einbußen bei fast allen Betriebsformen In den Ergebnissen der Hauptproduktionsgebiete und Betriebsformen kommen die vielfältigen Situationen der österreichischen Landund Forstwirtschaft deutlich zum Ausdruck. Im vergangenen Jahr wurden bei allen Betriebsformen mit Ausnahme der Veredelungsbetriebe sinkende Einkünfte dargestellt. Den stärksten Einkommensrückgang verzeichneten die Forstbetriebe. Auch bei den Dauerkulturbetrieben, vor allem im Weinbau, gab es mit einem Rückgang von 18,9 % ein sehr starkes Minus. Die landwirtschaftlichen Gemischtbetriebe und Markfruchtbetriebe hatten gegenüber 2011 ein Einkommensminus von –9,2  % bzw. –10,6 % je Betrieb. Die Veredelungsbetriebe waren die einzige Betriebsform, die hingegen einen starken Einkommenszuwachs um 33 % je Betrieb verzeichnen konnten.

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Im Jahr 2012 wurden in fast allen Produktionsgebieten Einbußen aus der Land- und Forstwirtschaft ausgewertet. Nur im Alpenvorland verzeichneten die Betriebe ein Plus von 17 %. Die stärksten Einbußen hatten die Betriebe im Hochalpengebiet.

Bergbauernbetriebe besonders betroffen Da Österreich einen hohen Anteil an Bergbauernbetrieben und Betrieben im benachteiligten Gebiet aufweist, gibt der Grüne Bericht hier detailliert Auskunft. Die Darstellung der Einkommensergebnisse wird nach der Erschwernislage, den vier Berghöfekataster-Gruppen (BHK), gegliedert. Die Bergbauernbetriebe – als Basis für die Ergebnisse Grüner Bericht liegen überwiegend in den landwirtschaftlichen Hauptproduktionsgebieten Hochalpen, Voralpen, Alpenostrand sowie Wald- und Mühlviertel. Es zeigt sich, dass im Durchschnitt der Bergbauernbetriebe die Einkünfte im Vorjahr 22.239 € je Betrieb betrugen, was ein Minus von rund 13 % bedeutet. Die Bergbauernbetriebe liegen somit um 19 % unter dem Durchschnitt aller Betriebe und 33 % unter dem Durchschnitt der Nichtbergbauernbetriebe. Innerhalb der BHK-Gruppen 1 bis 4 stellt sich die Einkommenssituation sehr unterschiedlich mit –7,8 %, –11,8 %, –16,2 % und –28,6 % in der BHK-Gruppe 4 dar. Im Jahr 2011 hat es eine positive Entwicklung gegeben, im Jahr 2012 wurde diese mit den starken Rückgängen jedoch wiederum relativiert. Besonders stark sind die Einkommen in der BHKGruppe 4, jener Betriebe mit den höchsten natürlichen Erschwernissen, zurückgegangen. Die Einkünfte aus Landund Forstwirtschaft je Betrieb betrugen hier 12.898 €. Einen Anteil am Einkommensminus hatte dabei auch der Rückgang an öffentlichen Geldern mit zum Teil eingeschränkten

EinkommEnsminus 2012: Im vergangenen Jahr verbuchten allen Betriebsformen mit Ausnahme der Veredelungsbetriebe sinkende Einkünfte.

Auszahlungen der Leistungsabgeltungen für Almflächen. Zudem haben im Vergleichszeitraum auch Betriebe im nicht-benachteiligten Gebiet Einkommensrückgänge zu verzeichnen.

Agrargeld puffert Schwankungen ab Im Jahr 2012 betrugen die Erträge 95.605 Euro je Betrieb. Sie setzten sich u.  a. zusammen aus Erträgen der Bodennutzung (22  %), der Tierhaltung (36 %) und der Forstwirtschaft (7  %). Der Anteil der öffentlichen Gelder liegt mit durchschnittlich 18.032 € je Betrieb bei 19 %. So wird die Bedeutung der öffentlichen Gelder erst richtig klar. Denn sie dienen ja nicht nur der Bezahlung von Leistungen, die der Markt nicht abgilt, sie sind auch ein stabilisierendes Element bei größeren Marktund Preisschwankungen. Mit diesen Zahlungen ist gewährleistet, dass die Land- und Forstwirtschaft die vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft erbringen kann. Die Rahmenbedingungen für die Land- und Forstwirtschaft in der neuen GAP-Periode 2014 bis 2020 sind daher für die Existenz und Weiterentwicklung der Betriebe von großer Bedeutung.

§-7-Kommission beschloss Empfehlungen Der Grüne Bericht dokumentiert seit dem Landwirtschaftsgesetz 1960 die bedeutende Rolle der Land- und Forstwirtschaft nicht nur als Lebensmittel- und Rohstoffproduzent, sondern auch in der gesellschaftlich wichtigen Aufgabenstellung den natürlichen Lebensraum zu erhalten und zu gestalten. Die §-7-Kommission beschloss mit unterschiedlichen Mehrheiten – fünf Vertreter der politischen Parteien und vier Sozialpartner – eine Reihe von agrarpolitischen Empfehlungen an den Landwirtschaftsminister. Die Anträge der LK Österreich zu den Themen Ländliche Entwicklung und Partnerschaftsvereinbarung, verstärkter Zugang von Bäuerinnen zu Fördermaßnahmen im Programm Ländliche Entwicklung, Forstwirtschaft – Wertschöpfung Holz, Erhöhung der Energieeigenversorgung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe, zukünftige Fördersituation auf Österreichs Almen und WTO und bilaterale Freihandelsabkommen der EU wurden von der §-7-Kommission angenommen.


Bauernjournal ackerBau

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Au g u st 2013

beitsplätzen oder nach Erholung. Auf globaler Ebene sowie auf europäischer Ebene wurden vor einigen Jahren Foren eingerichtet, die sich mit dem Aufbau von Wissen zu Themen der Ressourceneffizienz auseinandersetzen. Die Europäische Union sieht in ihrem Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa zahlreiche Maßnahmen und Aktivitäten vor, welche es gilt, auch in den einzelnen Mitgliedstaaten umzusetzen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde im Jahr 2012 ein nationales Ressourcenforum gegründet, welches Entscheidungsträger und Experten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, ÖsterreIch Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Medien zusammenbringt und AkteursAllianzen schmieden will.

ÖsterreIcH

HagelbIlanz

Erweitertes Verbot für Neonicotinoide

erstes Halbjahr voller gegensätze

Das Verbot soll nicht erst, wie von der EU gefordert, mit 1. Dezember 2013 in Kraft treten, sondern bereits zwei Monate früher. Das Thema Neonicotinoide sorgte vergangene Woche im Landwirtschaftsausschuss für heftige Diskussionen. Schließlich wurde dem Grünen-Antrag in leicht abgeänderter Form zugestimmt. Dies bedeutet, dass das Verbot auf drei Jahre verlängert und auf Wintergetreide ausgedehnt werden soll. Zudem soll das Verbot für Neonicotinoide bereits zwei Monate vor der EUweiten Lösung in Kraft treten. Die Aufbrauchsfrist wird damit in Österreich mit 1. Oktober 2013 begrenzt (EU: 1. Dedass hierzulande künftig auch zember 2013). Hinzu kommt, das sogenannte „Reifespritdass künftig zenhierzulande von Getreide“ nichtauch mehr das sogenannte „Reifespritmöglich sein wird. Zum Thezen Getreide“ nichtlag mehr mavon „Bienensterben“ dem möglich sein wird. Landwirtschaftsausschuss Zum „Bienensterben“ der Thema abschließende Bericht lag Landwirtschaftsausdesdem Unterausschusses vor, schuss der Grünen-Abgeordneabschließende Bezu dem richt des Unterausschusses ter Wolfgang Pirklhuber eine vor, zu dem Grünen-Abgeabweichende Stellungnahme ordneter Wolfgang ankündigte. SeinPirklhuber Entschlieeine abweichende ßungsantrag zum Stellungumgehennahme ankündigte. Sein Entden Verbot von bienenschäschließungsantrag zum umdigenden Saatgutbeizmitteln gehenden von bienenaus der Verbot Wirkstoffgruppe der schädigenden SaatgutbeizmitNeonicotinoide beziehungsteln aus der weise zur Wirkstoffgruppe Förderung der der Neonicotinoide bezieFruchtfolge beim Maisanbau hungsweise zur BerücksichtiFörderung wurde unter der Fruchtfolge beim Maisangung von SPÖ-ÖVP-Abändebau wurde Berücksichrungen mitunter der Mehrheit von tigung SPÖ-ÖVP-AbändeSPÖ, von ÖVP, Grünen und BZÖ rungen mit der Mehrheit von verabschiedet. Die KoalitiSPÖ, ÖVP, Grünen und BZÖ onsparteien bekundeten weiverabschiedet. Die Koalititers die Absicht, in der nächsonsparteien weiten Sitzungbekundeten des Nationalrates ters dieÄnderung Absicht, in derPflanzennächseine des ten Sitzung des Nationalrates schutzmittelgesetzes mit ent-

eine Änderung des Pflanzenschutzmittelgesetzes mit entsprechenden Maßnahmen zu beantragen. Ausschussobmann Bauernbundpräsident Jakob Auer erläuterte, es werde darum gehen, welche Maßnahmen man über die EU-Durchführungsverordnung zum Verbot von Neonicotinoiden ergreifen könne und was der Initiativantrag zur Änderung des Pflanzenschutzgesetzes enthalten solle. Auer hielt fest, dass die Landwirtschaft Alternativen brauche und schließlich sollte auch nicht vergessen werden, dass intensiver Dünger- und Herbizideinsatz keine Domäne der Landwirtschaft sei, da die Bauern aus Kostengründen auf sparsamen Einsatz achte. Darüber hinaus müsse es künftig auch Aufklärung über den Einsatz gefährlicher Stoffe durch Hobbygärt-zu sprechenden Maßnahmen ner geben, denen diese Probeantragen. dukte frei im Handel zugänglich sind. Ausschussobmann Bauernbundpräsident Jakob Auer erläuterte, es werde darum gehen, welche Maßnahmen man über die EU-Durchführungsverordnung zum Verbot von Neonicotinoiden ergreifen könne und was der Initiativantrag zur Änderung des Pflanzenschutzgesetzes enthalten solle. Auer hielt fest, dass die Landwirtschaft Alternativen brauche und schließlich sollte auch nicht vergessen werden, dass intensiver Dünger- und Herbizideinsatz keine Domäne der Landwirtschaft sei, da die Bauern aus Kostengründen auf sparsamen Einsatz achten. Darüber hinaus müsse es künftig auch Aufklärung über Das Neonicotinoide den Verbot Einsatzfür gefährlicher Stofwird in Österreich mit 1.  Oktober fe durch Hobbygärtner geben, 2013 in Kraft treten. Foto: dür im denen diese Produkte frei Handel zugänglich sind.

Erweitertes Verbot für Neonicotinoide Ressourcenakademie

Erstmals besteht nun mit dem „Regionalen Ressourcenforum Austria“ und Das Verbot soll nicht darauf aufbauend mit einer „Ressourcenakadeerst, wie von der EU mie“ die Chance, diese ingefordert, mit ternationalen Aktivitäten 1. Dezember in auf die Region2013 zu projizieren Lösungsansätze Kraftund treten, sondern auf regionaler und lokaler bereits zwei Monate Ebene wieder auf die infrüher. ternationale Ebene zu heben. Getragen wird das Regionale Ressourcenforum vorerst von einer PartnerDas Thema Neonicotinoide schaft sorgte zwischen vergangeneIndustrie Woche im und Landwirtschaft soLandwirtschaftsausschuss wie Österreichischen für dem heftige Diskussionen. Gemeindebund. Mit derGrüSchließlich wurde dem Wirtschaft mit weinen-Antrag und in leicht abgeänteren sowieDies derter Institutionen Form zugestimmt. mit politischen Entscheibedeutet, dass das Verbot auf dungsträgern laufen und der- auf drei Jahre verlängert zeit Gespräche mit dem Wintergetreide ausgedehnt Ziel, werdenressourcenrelevante soll. Zudem soll das Themen inNeonicotinoide die Köpfe aller beVerbot für zu Somitvor könnte reitsbringen. zwei Monate der EUes gelingen, Umdenweiten Lösungein in Kraft treten. ken im Umgang mit unseDie Aufbrauchsfrist wird daren natürlichen Ressourmit in Österreich mit 1. Oktocen und letztlich unseber 2013 begrenztmit (EU: 1. Derer Erde 2013). zu bewirken. zember Hinzu kommt,

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Das erste Halbjahr 2013 zeigt deutlich, wie sehr die Landwirtschaft von den zunehmenden Extremereignissen betroffen ist. Die bisherigen Hagelunwetter und Überschwemmungen verursachten einen Gesamtschaden in der Landwirtschaft von rund 36 Millionen Euro auf einer betroffenen Agrarfläche von 65.000 Hektar, heißt es in einer Aussendung der Österreichischen Hagelversicherung. Die winterlichen Temperaturen bis in den April hinein machten den Pflanzen zu schaffen. Ab Anfang April wurde es jedoch schlagartig wärmer. Am 26. April wurden in Gars am Kamp 29,6 °C gemessen. Dabei war es besonders im Osten Österreichs sehr trocken, in Gänserndorf fielen im April nur 9 mm Niederschlag. Im Mai kletterte das Thermometer weiter nach oben und alles blühte auf. So früh wie noch nie trat der erste großräumige Hagel auf: Am 4. Mai gab es in der Buckligen Welt sowie im Mittelburgenland und in der Steiermark schwere Hagelschäden. Am Pfingstwochenende verursachte der Hagel schwere Schäden, diesmal in Salzburg und erneut in der Steiermark und im Burgenland. Der Monat Mai endete im Westen mit starkem Dauerregen, verbreitet fielen vor allem in Tirol, Salzburg und Oberösterreich über 200 mm in nur vier Tagen. Neben der Überschwemmung wurden am 10. Juni landwirtschaftliche Kulturen in Niederösterreich durch Hagelunwetter vernichtet. Danach stiegen die Temperaturen wieder an. Am 20. Juni wurden in Waidhofen/ Ybbs 38,6 °C erreicht, ein noch nie dagewesener Juni-Temperaturrekord für Österreich. Zudem gab es abermals schwere Hagelunwetter in Niederösterreich und in der Steiermark.


Bauernjournal HagelversIcHerung A u g u st 2 01 3

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neu – ÜBersIcHTlIcH – InForMaTIv – ZeITgeMÄss:

Hagelversicherung bietet auf neuer Homepage noch mehr Service Die komplett überarbeitete und neu strukturierte Homepage ist nun noch einfacher bedienbar, übersichtlicher und mit einer Vielzahl neuer Inhalte ausgestattet.

In einer übersichtlichen Menüleiste stehen dem Benutzer alle wichtigen Informationen rund um das Unternehmen, die verschiedenen Produkte der Hagelversicherung, das Kundenportal, das Wetterservice, die Ansprech-

partner, Presseinformationen u.  v.  m. zur Verfügung. Weiters können die gesellschaftspolitischen Initiativen der Hagelversicherung einfach abgerufen werden. Seien es allgemeine Informationen zum Klimaschutz, zum Mehrwert heimischer Lebensmittel oder zum Thema Bodenversiegelung. Ein Zählwerk zeigt die dramatische Entwicklung der täglichen Verbauung fruchtbarer Böden in Österreich auf. Die Homepage wird im Jahr durchschnittlich rund 9 Millionen Mal aufgerufen. Insbesondere in der Unwettersaison wird auf Europas modernstes Agrarwetter besonders oft zugegriffen.

Das umfangreiche Informationsangebot wird mit Bildern unterstrichen. Weiters kommen die sogenannten „Stimmen zur Hagel“ zu Wort. Näheres unter www.hagel.at. Die Österreichische Hagelversicherung ist der Spezialversicherer in der Landwirtschaft, der neben Hagel auch fünfzehn weitere Risiken wie z. B. Dürre, Frost, Sturm oder Überschwemmung in Deckung nimmt. Damit hat die Österreichische Hagelversicherung neben der modernsten und raschesten Schadenserhebung auch die umfassendste Risikopalette aller Ernteversicherer Europas.

BodenverBraucH

Heuer schon 200 Bauernhöfe verbaut Mit dem raren Gut Boden wird in Österreich viel zu sorglos umgegangen. Der Österreichischen Hagelversicherung liegt enorm viel daran, dass der tägliche Verlust von 22 Hektar Boden (Tendenz steigend !) – das ist die Größe eines durchschnittlichen heimischen Bauernhofs – umgehend und deutlich reduziert wird. Das Verbauen und Versiegeln von Agrarflächen hat negative wirtschaftliche, ökologische und klimatische Folgen. Wirtschaftliche Folgen, weil durch die Versiegelung landwirtschaftlicher Nutzflächen die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig gefährdet wird. Ökologische Folgen, weil der Boden als Wasser- und CO2-Speicher entscheidend für eine funktionierende Umwelt ist. Klimatische Folgen, weil der Bodenverbrauch unmittelbaren Einfluss auf den Klimawandel hat. Wenn derart große Flächen des CO2Speichers „Boden“ versiegelt werden, beschleunigt dies den Klimawandel. Mit einem Wort: Boden ist ein bedeutender Klimaschutzfaktor. Deshalb ist es wichtig, dass diese Entwicklung verlangsamt wird und dem Bodenschutz zum Durchbruch verholfen wird. Hierzu ist es erforderlich Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Boden die Basis für das Leben ist. Der Bodenverbrauchszähler auf www.hagel.at zeigt auf: Insgesamt wurden seit Beginn des Jahres 2013 bereits landwirtschaftliche Flächen in der Größe von 200 Bauernhöfen verbaut.


Bauernjournal recht

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unterentlohnung zieht hohe strafen nach sich

Ulrike Österreicher, lk Österreich

Immer mehr bäuerliche Betriebe spezialisieren sich auf arbeitsintensive Bewirtschaftungsformen (Sonderkulturen, biologischer Landbau). Aus diesem Grund werden in landund forstwirtschaftlichen Betrieben verstärkt Arbeitskräfte rekrutiert. In Österreich hat grundsätzlich jeder in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigte Dienstnehmer Anspruch auf einen kollektivvertraglichen Mindestlohn. Die Kollektivverträge werden von den land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbänden der Bundesländer oder den Landeslandwirtschaftskammern abgeschlossen. Das bedeutet, dass in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Kollektivverträ-

Die Verwaltungsstrafen können bis zu 50.000 € betragen.

ge zur Anwendung gelangen. Die Untergrenze beträgt beispielsweise in Niederösterreich nach dem Kollektivvertrag für bäuerliche Betriebe Niederösterreich für eine Hilfskraft bei Vollzeit 1.222 €, das sind 7,05 € pro Stunde, brutto. Zusätzlich hat der Dienstnehmer Anspruch auf Sonderzahlungen (Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld). Hinzu kommen Arbeitgeberbeiträge (Sozialversicherung, Kommunalsteuer etc.) im Ausmaß von ca. 30 % des Bruttolohnes. Die Nichteinhaltung der Mindestlöhne kann hohe Strafen nach sich ziehen. Darum erkundigen sich die Arbeitgeber am besten beim zuständigen Arbeitgeberverband oder der zuständigen Landeslandwirtschaftskammer über

den im anwendbaren Kollektivvertrag vorgeschriebenen Mindestlohn und weitere Mindestansprüche der Arbeitnehmer.

Unterentlohnung Hohe Strafen werden insbesondere durch das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz vorgesehen. Dies betrifft sowohl aus dem Ausland nach Österreich zur fortgesetzten Arbeitsleistung entsandte Dienstnehmer als auch direkt bei österreichischen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigte Dienstnehmer. Eine Unterentlohnung liegt dann vor, wenn der Dienstgeber dem Dienstnehmer nicht zumindest den nach Kollektivvertrag zustehenden Grundlohn unter Be-

Geldstrafen Zudem werden auch Geldstrafen bis zu 5.000 € (im Wiederholungsfall) sowie Beitragszuschläge aufgrund der mit der Unterentlohnung im Zusammenhang stehenden Meldevergehen im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz vorgesehen. Sollte der Dienstnehmer nicht vor Dienstantritt bei der zuständigen Gebietskrankenkasse angemeldet werden, sind zusätzlich Strafen vorgesehen. In besonders krassen Fällen kann sogar der gerichtlich strafbare Tatbestand des „Sozialbetruges“ vorliegen.

kämpfen um eDelmetall

Kärntner triumphiert beim Bundesentscheid Forst

Foto: Landjugend

In Österreich hat jeder in der Landund Forstwirtschaft Beschäftigte Anspruch auf einen kollektivvertraglichen Mindestlohn. Wird dieser nicht eingehalten, kann es zu hohen Strafen kommen.

Foto: landpixel.de/mühlhausen

Mindestlöhne sind einzuhalten

achtung der jeweiligen Einstufungskriterien leistet. Der „Grundlohn“ ist der für die erbrachte Arbeitszeit zustehende Grundbetrag (inklusive Überstundenentgelt) ohne allfällige Zulagen und Zuschläge oder Sonderzahlungen. Die Verwaltungsstrafen können von 1.000 € bis zu 50.000 € (im Wiederholungsfall und wenn es mehr als drei Arbeitnehmer betrifft) pro Arbeitnehmer betragen. Die kontrollierenden Behörden (Finanzpolizei oder Gebietskrankenkasse) haben von der Anzeige abzusehen, wenn der Grundlohn nur gering unterschritten wird oder das Verschulden des Arbeitgebers geringfügig ist, der Arbeitgeber den Differenzbetrag nachzahlt und es sich um die erste Unterschreitung handelt. Die Verwaltungsübertretung verjährt nach einem Jahr.

Kürzlich fand in Deutsch-Griffen (Kärnten) der Bundesentscheid Forst der Landjugend statt. 28 Teilnehmer aus sieben Bundesländern kämpften um Edelmetall. Nach einem spannenden Finale (Entasten) holte sich Mathias Morgenstern aus Kärnten den Bundessieg. Platz zwei ging an seinen Landsmann Jürgen Erlacher. Den dritten Platz erkämpfte sich Tobias Robisch aus Tirol. Die begehrte Goldmedaille in der Mannschaftswertung ging ebenfalls an Kärnten. Silber holte sich das Team der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend und Bronze ging an die Mannschaft der Landjugend Steiermark. Der Bundesentscheid Forst findet jedes zweite Jahr statt, 2015 kämpfen die besten Forstarbeiter Österreichs das nächste Mal um den Bundessieg. Weitere Informationen und Fotos zum Bundesentscheid gibt es unter www.landjugend.at.


Bauernjournal Forst A u g u st 2 01 3

optImIerte luF tBIldauFnahmen durch neue technIken

Der gläserne Wald Forstwirtschaft, Naturund Umweltschutz sind Bereiche, in denen traditionell Luftbilder und Geoinformationssysteme intensiv genutzt werden. Die rasante Entwicklung der digitalen Fernerkundung in den letzten Jahren bietet neue Chancen, beinhaltet aber auch große Herausforderungen. Gerhard Pelzmann, lK SteiermarK

Einerseits können großflächig kostengünstige, (halb-)automatisierte und damit standardisiert erhobene Aussagen und Berichte über Landnutzung und Zustand der Landschaft erhalten werden. Andererseits können auf Ebene des Waldbesitzers Waldinventuren kostengünstig ergänzt und aktualisiert werden. Analoge Luftbildkameras, die großformatige Schwarzweiß-, Farb- oder Farbinfrarotbilder erzeugten, sind innerhalb kurzer Zeit durch digitale Aufnahmesysteme ersetzt worden. Gleichzeitig wurden EDV-Programme für die digitale Bildverarbeitung und -bereitstellung leistungsfähiger und kostengünstiger. Digitale Luftbilder bieten Vorteile. Im Vergleich zu analogen Aufnahmen liefern sie mehr Informationen durch schärfer voneinander abgegrenzte Farbkanäle. Wegen der hohen Lichtempfindlichkeit können auch Aufnahmen bei schlechten Beleuchtungsbedingungen, z. B. unter geschlossener Wolkendecke oder bei Winterbefliegung mit niedrigem Sonnenstand, gemacht wer-

den. Luftbilder geben allerdings die Landschaft verzerrt wieder. Sie haben im Gegensatz zu Karten den Nachteil, dass es nicht möglich ist, Distanzen oder Flächen zu messen. Erst nach der Bildaufbereitung entstehen aus Luftbildern Orthofotos, die eine geometrisch korrekte, kartengleiche Abbildung der Landschaft geben.

Genauigkeiten im Zentimeterbereich Mit dem luftgestützten Laserscanning steht eine weitere Technologie zur Erfassung der Bodenoberfläche und des Bewuchses zur Verfügung. Je nach Aufnahmeanordnung werden Genauigkeiten im Zentimeterbereich erzielt. Für fast ganz Österreich stehen flächendeckend digitale normierte Geländehöhenmodelle zur Verfügung. Darauf ist unter anderem die Höhe

von Bäumen, Häusern und anderen Objekten ablesbar.

Forstlicher Nutzen auf lokaler Ebene Fernerkundung kann kostengünstig zur Genauigkeitssteigerung von Waldinventurgebieten verwendet und je nach Bildauflösung beim Finden von Bestandesgrenzen, zur Ermittlung von Baumartenzusammensetzungen, Baumhöhen, Biomasse- und Holzvorräten und weiteren Bestandeskenngrößen herangezogen werden. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Planung forstlicher Maßnahmen oder der Erschließung. Windwürfe können Waldzustände rasch verändern und es braucht erneute, schnelle Erhebungen und Forstbetriebsplanungen, die mit Fernerkundung rasch durchgeführt werden können. Digitale Bilddaten können leicht kopiert und schnell weitergeleitet werden. Dies ermög-

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licht einem breiteren Anwenderkreis die einfache Nutzung von Geodaten – auch über das Internet. Seitens jedes Bundeslandes in Österreich und des Lebensministeriums werden in unterschiedlichem Umfang kostenloser Geodatenservice unter www.geoland.at und forstliche Anwendungen wie der Praxisplan Wald angeboten – www.agrar-gis.at.

Privatsphäre noch nicht gesichert Das Interesse an solchen Daten ist bei EU und anderen öffentliche Stellen, Forschungseinrichtungen bis hin zum Waldbesitzer sehr groß. Dies zeigt sich auch im Strategiepapier der Forest-based Sector Technology Platform für 2014 bis 2020. Dort wird als ein wichtiges Feld für Forschung und Innovation „Raumtechnologie“, die auch die Fernerkundung und Geoinformationssysteme beinhaltet, genannt. Regeln zum Schutz der Privatsphäre für die Nutzung solcher Daten stehen noch aus. Es ist dringend eine Debatte notwendig, wie wir als Gesellschaft damit umgehen sollen.

eine auSwahl von FernerKundunGSdaten: Infrarotbild (rechts oben), Orthofoto (rechts Mitte), durch Laserscanning

normiertes Geländehöhenmodell (rechts unten)


Bauernjournal leBensmIttel

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Kunden nicht täuschen Die LK Österreich, die Direktvermarkter und die Bäuerinnen wollen aktiv verhindern, dass die Konsumenten in Zukunft über die Herkunft der Lebensmittel getäuscht werden. Sie haben daher 40.000 Unterschriften für mehr Klarheit und Transparenz gesammelt. Nun geht es an die Umsetzung der Forderungen: Die zuständigen Minister werden informiert und in den Gremien (sowohl in Österreich als auch auf EU-Ebene) werden die Fachleute der LK Österreich aktiv. „Österreichs Bauern und ihre Arbeit werden von den Konsumenten sehr geschätzt, weil sie die Betriebe persönlich kennen, am Bauernmarkt einkaufen oder über die heimische Landwirtschaft informiert sind. Dieses gute Image machen sich immer wieder Nahrungsmittelerzeuger zunutze, um bei Lebensmitteln industrieller Herstellung oder gar ausländischer Herkunft entweder mit der Bezeichnung ‚Bauer-’ oder mit rot-weiß-roten Fähnchen und Fantasie-Logos die Konsumenten zu täuschen.

Entgeltliche Einschaltung

Foto: BMLFUW/Newman

Produktname „Bauer-“ nur für Bauern!

Das wollen wir aktiv verhindern. Mit der Unterschriftenaktion verlangen wir, dass Produktbezeichnungen, wie ,Bauer-‘ oder Ähnliches nur dann verwendet werden dürfen, wenn es sich um Lebensmittel aus bäuerlicher Produktion handelt. Wir brauchen klare Regelungen im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz und im Codex gegen den Missbrauch des guten Bauern-Images“, verlangte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich.

Minister nun am Zug „Nun sind der Konsumentenschutz- und der Gesundheitsminister am Zug, die wir mit unseren Forderungen und der Unterschriftenaktion konfrontieren werden. Eine Forderung ist ausgerichtet auf ein strengeres Vorgehen beim Täuschungsschutz in Zusammenhang mit der Bezeichnung ‚bäuerlich’. Eine weitere zielt auf die Änderung der Kapitel des Lebensmittel-Codexes ab, in denen der Begriff ‚Bauer-’ auch für Produkte aus industrieller und gewerblicher Produktion erlaubt ist“, heißt es seitens der LK Österreich. Josef siffert, LK Österreich

020: G A P 2 t a r ke m it s Je t z t m n d w i r t e Ju n g l a n u s Bo

GAP 2020: Sicherheit für

unsere Bäuerinnen und Bauern. Die politischen Verhandlungen über die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU wurden positiv abgeschlossen. In harten Verhandlungen ist es Österreich gelungen, die wichtigsten Kernanliegen für die heimischen Bäuerinnen und Bauern durchzusetzen. Der österreichische Erfolgsweg einer flächendeckenden, wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Landwirtschaft ist bis 2020 abgesichert und gestärkt. Das bringt Sicherheit und Planbarkeit für die österreichischen Landwirtinnen und Landwirte. Weitere Informationen finden Sie unter www.lebensministerium.at/gap2020

Was wurde in den Verhandlungen mit der EU erreicht: Ländliche Entwicklung gesichert: Radikale Kürzungen bei den Mitteln aus der 2. Säule konnten verhindert werden. Damit wird es auch in Zukunft ein effizientes Agrarumweltprogramm geben. Erleichterungen für Kleinlandwirte: Zukünftig kann ein Antrag für die gesamte Periode gestellt werden ohne die Einhaltung von Cross-Compliance und Greening-Anforderungen. Starkes Bergbauernprogramm und sonstige benachteiligte Gebiete: Erhöhte Prämien für besondere Benachteiligungen sind auch in Zukunft möglich. Übergangsmaßnahmen für die sonstigen benachteiligten Gebiete wurden durchgesetzt. Junglandwirte-Bonus ausverhandelt: Junglandwirte werden zukünftig mit einer zusätzlichen Top-up Zahlung von 25% ihres durchschnittlichen Betriebsprämienbetrages unterstützt. Sanfter Übergang auf Regionalmodell bringt Planungssicherheit: Im Rahmen des Regionalmodells stellt das ganze Land eine Region dar. Äcker und mehrmähdiges Grünland werden künftig dieselben Prämien bekommen. Anerkennung von ökologischen Vorleistungen bei Direktzahlungen: Wer über die Umweltanforderungen der 1. Säule hinaus bewirtschaftet, bekommt zusätzliche Prämien aus der 2. Säule. Aktive Produktion auch auf ökologischen Vorrangflächen: Statt 5% der Flächen stilllegen zu müssen, können auf ökologischen Vorrangflächen Eiweißpflanzen und stickstoffbindende Pflanzen angebaut werden.

setzen sich für die ProduKtbezeichnung „bauer-“ ein: Anton Heritzer, Vorsitzender der LK-Arbeitsgruppe Direktvermarktung, Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann und LK-Österreich-Präsident Gerhard Wlodkowski. Foto: Michal

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Bauernjournal soziales

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chaltung

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LandwIrtschaft und sozIaLes wachsen zusammen

Neue Chancen mit Green Care Seit 2011 wird die Lebensmittel- und Umweltkompetenz der österreichischen Landwirtschaft um eine soziale Komponente erweitert.

n.

Bauernjournal SozIaleS

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Periode hinnehmen“, stellte Johannes Fankhauser bei seinem Ausblick über eine zukunftsfähige Politik im ländlichen Raum fest. Angestrebt wird, Green-Care-Produkte und -Dienstleistungen in der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik 2014 – 2020 zu verankern. Markus Hopfner, Referatsleiter aus dem Lebensministerium, erklärte, wie Green Care in die neue Ländliche Entwicklung passt.

ElisabEth lEnz und michaEla Glatzl, lk ÖstErrEich

Bei der zweiten Green-CareTagung wurden einmal mehr die Zukunftsperspektiven des Zusammenwachsens von Landwirtschaft und Sozialem demonstriert. Für Bäuerinnen und Bauern kommt mit Green Care neben bereits existierenden Diversifizierungs-Möglichkeiten wie „Urlaub am Bauernhof“ oder „Direktvermarktung“ ein weiteres Betriebs-Standbein hinzu. Green Care ist mit seinen Angeboten in den Bereichen Pädagogik, Therapie, Pflege und soziale Arbeit am Puls der Zeit und soll fixer Bestandteil der Ländlichen Entwicklung 2014–2020 der EU-Agrarpolitik werden.

Diversifizierung – neue Chancen sehen „Heutzutage sind landwirtschaftliche Betriebe aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation oftmals gezwungen, sich nach zusätzlichen Einkommenschancen umzusehen. Diversifizierung ist für Betriebe eine Möglichkeit, ihr Überleben oder auch die Hofübergabe zu sichern. Während ,Urlaub am Bauernhof‘ im Bereich des Tourismus und ,Gutes vom Bauernhof‘ im Bereich der Direktvermarktung bereits bekannte Formen der Diversifizierung für die Landwirtschaft darstellen, ist Green Care die Erweiterung der agrarischen Produktpalet-

7/17/13 6:38 PM

Green Care in der Gemeinsamen Agrarpolitik JohannEs FankhausEr: „Green-

Care-Dienstleistungen sollen in der neuen Ländlichen Entwicklung verankert werden.“ Foto: LK Wien

te um eine soziale Komponente“, so Robert Fitzthum, Direktor der LK Wien. Green Care ersetzt traditionelle Gesundheits- und Sozialleistungen nicht, sondern schafft ergänzende, spezifische Angebote, mit denen zusätzlicher Bezug zur Natur geschaffen wird. „Einige Bäuerinnen, die eine nicht landwirtschaftliche Ausbildung im Bereich Pädagogik, Pflege und Betreuung, Therapie und soziale Arbeit haben, könnten mit Green Care die Chance bekommen, sich ihren Arbeitsplatz am Bauernhof zu sichern“, erläutert Johannes Fankhauser, Leiter der Abteilung „Ländliche Entwicklung, Bildung und Beratung“ in der LK Österreich. „Seit Februar 2013 gibt es eine Einigung über das EU-Budget der kommenden Periode 2014–2020. Die Ländliche Entwicklung, das Kernstück der heimischen Agrarpolitik, ist mit rund 3,9 Mill. Euro gesichert, musste jedoch ein Minus von 2,1 % im Vergleich zur laufenden

Die Programme der ländlichen Entwicklung werden im europäischen Strukturfond ELER (Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) erstellt. Neben diesem gibt es noch weitere Strukturfonds wie den EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), den ESF (Europäischer Sozialfonds) und den EFF (Europäischer Fischereifonds), welche für Österreich von Bedeutung sind. In der Partnerschaftsvereinbarung, die den Strukturfonds ein gemeinsames Dach gibt, werden gerade die nationalen Zielsetzungen durch Fokusarbeitsgruppen erarbeitet. Diese Zielsetzungen finden sich in der LE-Verordnung wieder. Die wichtigsten sind neben der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen, Klimaschutz sowie eine ausgewogene räumliche Entwicklung der ländlichen Gebiete. In der neuen Struktur der LE werden sechs Prioritäten mit 18 Schwerpunktthemen definiert, wobei Innovation, Umwelt und Klimawandel Querschnittsthemen darstellen, die sich in allen Bereichen widerspiegeln. Das Thema Green Care findet sich laut Markus

Zusammenarbeit

Was ist Green Care? Green Care ist ein Pilotprojekt der Landwirtschaftskammer Wien und steht für eine Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen, die künftig in Kooperation mit Sozialträgern und Institutionen auf aktiven landwirtschaftlichen Betrieben angeboten werden. Mehr als 200 Teilnehmer, unter anderem Vertreter aus dem Sozial-, Bildungs-, Gesundheitsund Landwirtschaftsbereich, sind vor Kurzem in der HBLFA Schönbrunn zur zweiten GreenCare-Tagung zusammengekommen, um sich über die künftige strategische Ausrichtung dieses Pilotprojekts sowie über bereits etablierte Green-CarePionierbetriebe zu informieren.

Hopfner insbesondere in der Priorität sechs „Soziale Eingliederung, Armutsbekämpfung und wirtschaftliche Entwicklung“ wieder.

Schaffung von Arbeitsplätzen In dieser Priorität soll unter anderem die Diversifizierung, Gründung und Entwicklung neuer Kleinbetriebe und Schaffung von Arbeitsplätzen erleichtert werden. Da Green Care die Bereiche Soziales, Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft miteinander verbindet, wird hier eine gemeinsame Finanzierung angestrebt, jedoch mit einer klaren Trennung der Verantwortlichkeiten. Aus dem ELER sollten die landwirtschaftlichen Betriebe mittels Investitionsund Infrastrukturförderungen und Förderungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung unterstützt werden, damit die Diversifizierung nachhaltig angeboten werden kann.


Bauernjournal leBensqualität Bauernhof

XiV

Au g u st 2013

ÜBer den leistungsanspruch der frauen an sich selBst

Geht wirklich alles ganz locker? „Weiblichkeit und Leistung“ – ein Thema, welchem das Team von Lebensqualität Bauernhof österreich­ weit immer wieder große Aufmerksamkeit widmet. angelika wagner, lk tirol

Schmunzelnd über mich selber, versuche ich einem Thema gerecht zu werden, das mir bei der Recherche zu diesem Artikel viel Hin- und Hergerissensein bereitet. In den letzten Wochen durfte ich mehrmals ein Referat bei den Sitzungen der Tiroler Bäuerinnenorganisation in den Bezirken zum Thema: „Lebe oder funktioniere ich?“ halten. Eine bunte Mischung an Frauen aus dem ländlichen Raum sitzt jeweils vor mir. Jede mit ihrer eigenen Lebensgeschichte, jede mit ih0810/676810

Bäuerliches Sorgentelefon Telefonische Beratung bei Sorgen, Ängsten und Nöten. Vertraulich, anonym, kompetent – das Bäuerliche Sorgentelefon ist unter Tel. 0810/676810 von Montag bis Freitag jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr österreichweit zum Ortstarif für Sie erreichbar. In Kärnten, Salzburg und Tirol gibt es zusätzlich die Möglichkeit einer psychosozialen Beratung in der Landwirtschaftskammer. Das Bäuerliche Sorgentelefon ist Bestandteil des LFIBildungsprojektes „Lebensqualität Bauernhof“. www.lebensqualitaetbauernhof.at

überfordert: Mit dem Beruf Bäuerin verbindet man eine Vielzahl an Rollen, die von den Frauen erwartet werden. Viele Bäuerinnen nehmen sich zu wenig Zeit für sich und fühlen sich überfordert. Foto: Budimir Jevtic/fotolia.com

rer ganz persönlichen Befindlichkeit zum Thema Leistung. Die Bezirksbäuerinnen haben sich landesweit zu diesem Jahresschwerpunkt entschlossen. Sie spüren, dass viele Frauen entlang der Grenze und nicht selten über der Grenze der Belastung leben. Wie ist das also mit Leben oder Funktionieren? Und welche Möglichkeiten einer Gestaltung der Leistung, vielleicht sogar eine weibliche, gibt es? Und ist das nicht gefährlich, an diesem Punkt Männliches und Weibliches auseinanderzuhalten? Da ich viel mit Frauen und Männern, auch und ganz besonders zum Thema Leistung und Erschöpfung, arbeite, wende ich mich auch an beide.

Ein Leben in Fülle Erst mit der Familienrechtsreform im Jahre 1975 endet die Vormachtstellung des Mannes als Haupt der Familie. Manchmal bin ich mir aber nicht ganz sicher, ob das schon alle wissen. Die Veränderungen, die das bringen kann, sind spannend. Frauen entscheiden bewusst mit und Männer und die gesamte Familie profitieren. Gelebte Familiendemokratie ist ein guter Boden für das Leben. Zusätzlich haben sich

die Möglichkeiten zur Berufsausbildung und die Ausübung einer außerhäuslichen beruflichen Tätigkeit bei Bäuerinnen mehr durchgesetzt. Das heißt, das Bild der Bäuerin ist vielfältig.

Bild der Bäuerin vielfältig Bäuerinnen sind unter anderem auch Psychotherapeutinnen, Ärztinnen, Verkäuferinnen, Bankkauffrauen, Lehrerinnen usw. Vieles ist möglich, wenn auch oft nicht leicht umsetzbar. Bäuerin sein ist ein eigenständiger Beruf und erfordert in den meisten Fällen eine Mitwirkung im Betrieb. Dazu kommt eine Vielzahl an Rollen, die von Frauen erwartet werden. Sie sind Hausfrau, Mutter, Ehefrau, Schwiegertochter, Schwägerin, Pflegeperson, Vermieterin, Gärtnerin, Direktvermarkterin, Pfarrgemeinderätin, Gemeinderätin, Schulkuchenbäckerin, Chormitglied, im Ausschuss der Bäuerinnen und in vielen weiteren Ämtern. Das heißt, eine neue Fülle ist da. Fülle im Sinn von wunderbaren Möglichkeiten und auch Fülle im Sinne von viel bis zu viel. Wahlmöglichkeiten – mit diesem Punkt spreche ich ein heißes Eisen an. Junge bäuerliche

Familien brechen heute häufiger mit den Erwartungen an traditionelle Familienbilder. Die jungen Männer nehmen ihre Rolle als Väter bewusster wahr. Sie können manchmal ihre Kinder anstandslos betreuen, zu Elternabenden gehen und ein Essen auf den Tisch stellen. Jedoch nur, wenn erstens Frauen es auch zulassen, dass Männer es auf ihre Art machen, und sie nicht meinen, sie dürfen zwar arbeiten gehen, aber müssen dann trotzdem alle versorgenden Rollen alleine machen. Diese Herausforderungen sind besonders groß, wenn zweitens die neu gelebte Rollenverteilung am Hof kritisiert wird. Die Elterngeneration kennt diese Bilder noch nicht, tut sich schwer, wird aber auch immer wieder ausgegrenzt. Das Zusammenleben mehrerer Generationen wird leichter, wenn die Beteiligten gegenseitig bis zu einem gewissen Grad teilhaben lassen an ihrer Art, etwas zu tun. Junge Familien müssen zu ihrer Art, Familie zu leben, stehen, vielleicht auch erzählen, warum ihnen das wichtig ist.

Mutig und unperfekt Wir Frauen stellen heute sehr hohe Ansprüche an uns selbst und lassen uns auch von Männern und einer Gesellschaft, die Perfektion und Tempo voranstellt, beeinflussen. Mutig zu sein würde heißen, manchmal nein zu sagen, vor allem auch zu Ansprüchen an Vollkommenheit und Dauerfunktionieren; in Ruhe die Füße hochzulagern – die eigenen (!) und der Muße einen Platz zu geben, auch wenn ich sehe, noch ist nicht alles erledigt. Denn alles erledigt zu haben, das gibt es wohl kaum. Und die Zeit der Muße gibt mir die Möglichkeit, mich neu zu erleben und das Leben zu spüren.


Bauernjournal Bildung A u g u st 2 01 3

Vielfältiges angeBot

Betriebswirtschaftliche Kurse im Herbst/Winter n Mein Betriebskonzept: diverse Termine ab August in vielen Bezirken in OÖ bereits fixiert

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die Vielfältigen leHrgänge des lfi

Der Schlüssel zum Erfolg Teil 72: Kurse zum Thema betriebswirtschaftliche Kompetenz

n LK-Aufzeichnungsbuch: 17. Okt.: Altmünster/OÖ, 16. Dez.: Freistadt/OÖ n  Ideenwerkstatt Bauernhof: 25. Okt.: Meggenhofen/OÖ, 9. Nov.: Kirchdorf an der Krems/OÖ n  Erfolgreich mit meinem neuen Betrieb: 21. Nov. bis 6. Dez: Graz/Stmk. n Von der Einsteigerin zur Insiderin: 5. bis 14. Feb.: Graz-Wetzelsdorf/Stmk. n Einstieg in dieAufzeichnungsführung: 4. Nov.: Steiermarkhof n Erfolgsstrategie: 15. Nov. bis 6. Dez.: Bezirk Weiz/Stmk.

Um die Wettbewerbs­ fähigkeit von Bäuerinnen und Bauern gezielt zu stärken, bietet das LFI eine breite Palette an betriebswirtschaftlichen Weiterbildungen an. „Wer nicht weiß, wie man wirtschaftet, kann seine Zukunft nur schwer planen“, sagt Carina Hoisel, Mitarbeiterin des LFI Steiermark. Dass die heimischen Bäuerinnen und Bauern fachlich hochqualifiziert und produktionstechnisch bestens ausgestattet sind, weiß sie natürlich. Aber: „Im Bereich der unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Kompetenz gibt es noch jede Menge Entwicklungspotenzial.“ Der Grund dafür liegt zum einen in den ständig wechselnden Rahmenbedingungen und neuen Bestimmungen, die Betriebsführer immer wieder vor große Herausforderungen

Foto: LFI Österreich

n Spezialseminar Steuerrecht – Einheitswert neu: 15. Nov. bis 6. Dez., diverse Termine ab September in der Steiermark bereits fixiert www.lfi.at

stellen. Zum anderen sind unternehmerisches Gespür und Weitblick Voraussetzung, um auch künftig am Markt bestehen zu können. Diese Fähigkeiten kann und sollte man trainieren. „Weiterbildung lohnt sich in jeder Phase der Betriebsentwicklung“, unterstreicht Hoisel. „Und hier kann das LFI auch aufgrund seiner engen Vernetzung von Bildung und Beratung optimale Unterstützung bieten.“

Kompaktes und vielfältiges Angebot „Wir haben ein sehr breit gefächertes betriebswirtschaftliches Angebot, um den unterschiedlichen Zielgruppen das jeweils Beste für sie bieten zu können“, fährt Hoisel fort. „Dazu zählen Einsteigerinnen und Einsteiger, die sich langsam an betriebswirtschaftliche Auswertungen herantasten, genauso wie Hofübernehmerinnen und -übernehmer oder Topbetriebe, die sich strategisch weiterentwickeln wollen.“ Auch wer vor wichtigen

Veränderungen steht, findet im LFI-Kursprogramm wertvolle Anregungen und Hilfestellungen. „Um einzelbetrieblich die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich zukunftsorientiert auszurichten, ist ein gut durchdachtes und fundiertes Betriebskonzept ganz wesentlich“, erläutert Hoisel. „Und dazu gehört es, seine eigenen Kennzahlen und Ergebnisse zu kennen, sie richtig interpretieren und vergleichen zu können.“ Zudem findet man in betrieblichen Fragen leichter zur bestgeeigneten Vorgehensweise, wenn man über Rechtliches gut Bescheid weiß. „Im Spezialseminar Steuerrecht vermitteln wir wichtige Informationen im Zusammenhang mit der Änderung der Einheitswertbestimmungen“, so Hoisel. „Das eigene Unternehmen diesbezüglich sicher einschätzen zu können, ist ein großer Vorteil.“ Neu in der Steiermark ist heuer das Seminar „Einstieg in die Aufzeichnungsführung“ mit umfassendem Grundlagenwissen über die Möglichkeiten

betrieblicher Aufzeichnungen. Es bietet eine gute Ausgangsposition, um sich danach in anderen Bildungsveranstaltungen in weitere Detailfragen zu vertiefen. Grundsätzlich können aber alle Kurse sowohl einzeln als auch aufbauend besucht werden.

Unternehmerische Kompetenz Für die optimale Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe wird neben der fachlichen die unternehmerische Kompetenz immer wichtiger, ist die Bildungsexpertin überzeugt. „Der Unternehmenserfolg wird zunehmend von der Unternehmerpersönlichkeit der Betriebsführer abhängen“, erklärt sie. „Das ist für die Landwirtinnen und Landwirte, aber natürlich auch für die von uns laufend weiterzuentwickelnden Bildungs- und Beratungskonzepte gleichermaßen Chance wie Herausforderung.“ uschi sorz, im AuftrAg von herbert bAuer, Lfi Österreich


Bauernjournal aMa MarketIng

XV I

Au g u st 2013

aMa erweItert QualItäts- und herkunftssIcherung

Fische mit Gütesiegel MIlchkaMpagne

Milch. Von Natur aus wertvoll Sieben europäische Länder machen in den nächsten drei Jahren auf den ernährungsphysiologischen Wert von Milch aufmerksam. Die AMA beteiligt sich für Österreich daran. Slogan der Kampagne: Milch. Von Natur aus wertvoll. Ein cineastischer Spot positioniert Milch als beste „Waffe“ für die vielfältigen Herausforderungen des Tages. Die prächtige Aufbereitung des Spots spricht vor allem Kinder und Jugendliche an. Unter dem Motto „Milch. Von Natur aus wertvoll“ wird dieser Spot im ersten Jahr hauptsächlich im Kino vor Family-Blockbustern eingesetzt. Zusätzlich findet die Kampagne in animierten Online-Bannern ihre Abrundung. Darauf aufbauend klären vertiefende Advertorials in ausgewählten Printmedien über den Wert der Milch auf. Für weiterführende Informationen rund um die Milch wird eine Website unter www.milchistwertvoll.at eingerichtet. „Mit der starken visuellen Kraft dieses Spots wollen wir Milch bei Kindern und Jugendlichen als wertvolle Alternative positionieren. Bei Erwachsenen mit Vorbehalten gegenüber Milchprodukten bemühen wir uns um neutrale Aufklärung und zeigen die Vorteile des Konsums von Milch“, erklärt Peter Hamedinger, AMAMarketingmanager für Milch und Milchprodukte.

Mit einem eigenen Gütesiegel-Programm für Fische nimmt die AMA ein weiteres wichtiges Lebensmittel in das Portfolio der Qualitäts- und Herkunftssicherung auf. Immer mehr Konsumenten entdecken Fisch als wertvolles Lebensmittel. „Die Einführung des AMA-Gütesiegels für Süßwasserfische ist angesichts der enormen Herausforderungen im Bereich der Produktion von Qualitätsfisch ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Die Nachfrage nach Produkten aus einer nachhaltigen und umweltbewussten Fischerei und Fischzucht wächst kontinuierlich. Österreich hat dies bereits frühzeitig erkannt, mit der ‚Aquakultur 2020‘-Strategie wurden die notwendigen Weichen gestellt, um die Selbstversorgung mit Fisch langfristig zu steigern“, erklärt Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich. Für die Zertifizierung von Fischen aus nachhaltiger Fischerei gibt es bereits verschiedene Systeme wie Glo-

für Frische, Natürlichkeit und die authentische Kulinarik unserer Küche. Mit dem AMAGütesiegel können sich die Konsumenten nun auch beim Fischeinkauf darauf verlassen, dass eine streng kontrollierte, qualitätsorientierte Produktion dahinter steckt, deren Herkunft nachvollziehbar ist“, so Blass.

Qualitätssicherung über alle Stufen der Produktion Michael Blass, Geschäftsfüh-

rer der AMA-Marketing, Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich und Martin Greßl, Leiter des AMAQualitätsmanagements präsentierten das neue Gütesiegel. Foto: AMA

bal GAP oder ASC. Diese Zertifizierungen erstrecken sich hauptsächlich auf Aspekte in der Haltung von Fischen. „Mit dem AMA-Gütesiegel für Fische gibt es erstmals ein schlüssiges Konzept, das sowohl die Vorgaben in der Produktion als auch die Herkunft transparent abbildet“, erklärt Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing. „Das Lebensmittel Fisch passt perfekt in unsere AMA-Gütesiegel-Familie, denn es steht

Wie bei allen anderen AMAGütesiegel-Programmen reicht auch das Qualitätssicherungssystem für Fisch über alle Stufen der Produktion. Die erste Stufe der Fischproduktion, die Brutanlage, sowie die daran anschließende Stufe der Aufzucht in einer Aquakultur sind in der Richtlinie „Fischaufzucht“ geregelt. Die Vorgaben zur Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung der Fische werden in der darauf aufbauenden Richtlinie „Fisch und Fischprodukte“ festgelegt. Sämtliche Standards rund um die Fütterung sind in einer separaten Richtlinie für Futtermittel, pastus+, enthalten. Diese ineinandergreifenden Stufen gewährleisten eine durchgehende Qualitätssicherung und -kontrolle in jeder Phase der Produktionskette.

forellen und co.

Heimischer Fisch ist beliebt 2011 wurden in Österreich 2.909 Tonnen an Speisefischen produziert. Damit können die heimischen Produzenten 35 Prozent der Nachfrage an Süßwasserfisch abdecken. Hochgerechnet auf den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten insgesamt, liegt Österreichs Selbstversorgung naturgemäß noch viel niedriger, nämlich bei fünf Prozent. Regenbogenund Lachsforellen belegen Platz 1 in der heimischen Fischproduktion, danach folgen Karpfen und Bachsaiblinge.


Bauernjournal august 2013