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Gärgase

Tödliche Gefahr

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CO2-Fußabdruck Positive Holznutzung

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Ö S T E R R E I C H

FACHINFORMATION DER LANDWIRTSCHAF TSKAMMERN

NOVEMBER 2013

JOSEF SIFFERT, LK ÖSTERREICH

„Selbst die Fortschreibung des Status quo würde zu weiterer Verschuldung führen“, räumt der Präsident der Land&ForstBetriebe Österreich, Felix Montecuccoli, mit dem Mythos auf, in der nun beginnenden Legislaturperiode käme man mit ein paar kosmetischen Operationen aus und schon wäre der Staatshaushalt saniert. Da alle Budgetexperten bestätigen, dass dieser Eindruck, der im kaum zurückliegenden Wahlkampf immer wieder verbreitet worden ist, mitnichten stimmt, drängt Montecuccoli nicht nur auf einen Kassasturz (wörtlich: „Wir

Foto: LFBÖ/APA-Fotoservice/Rossboth

Ehe man an neue Steuern denkt, müssen zuerst alle Möglichkeiten der Effizienzsteigerung ausgeschöpft werden, fordern die Land& Forst-Betriebe. MONTECUCCOLI:

Klares Nein zu Eigentums-Steuern brauchen dringend eine Evaluierung aller staatlichen Aufgaben: Was hat der Staat in Zukunft zu tun und was nicht?“), sondern warnt auch davor, das Problem mit neuen Steuern lösen zu wollen: „Ehe man an neue Steuern überhaupt denkt, müssen alle Möglichkeiten der Effizienzsteigerung ausgeschöpft werden.“ Und solche

Vorschläge gäbe es „in Hülle und Fülle; sie wurden nicht nur von früheren Verwaltungsreform-Kommissionen erarbeitet, auch der Rechnungshof hat penibel Einsparungsmöglichkeiten aufgezeigt“, so Montecuccoli. Zudem könne man auch die ländlichen Gemeinden als Vorbild nehmen, meinte der Land&Forst-Betriebe-

Bäuerinnen leisten unverzichtbaren Beitrag Die gezielte Förderung und Stärkung der Frauen ist weltweit eine der wirksamsten Maßnahmen zur Sicherung der Ernährung. Bäuerinnen und Landfrauen produzieren in den Entwicklungsländern unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen rund 80 % der Lebensmittel. Sie sind weltweit treibende Kräfte für die ökonomische Entwicklung eines Landes und leisten auch für den Schutz der Umwelt und

Präsident, denn dort hätte man schon frühzeitig begonnen, Aufgaben, wie beispielsweise die Schneeräumung oder die Grünraumpflege, an Private auszulagern. „Was wir brauchen, ist mehr Effizienz“, stellt Montecuccoli fest und nennt das Beispiel Familienbesteuerung: „Es ist keinesfalls effizient, allen Leu-

ANDREA SCHWARZMANN BUNDESBÄUERIN

wichtiger Ressourcen einen bedeutenden Beitrag. Um der Öffentlichkeit diese Leistungen der Bäuerinnen und Landfrauen in aller Welt bewusst zu machen, wurde 1995 bei der UNO-Welt-Frauenkonferenz in Peking der Weltlandfrauentag ins Leben gerufen. Derzeit sind rund 300 Mitgliedsorganisationen mit rund 9 Mill. Landfrauen

aus 68 Ländern im Weltlandfrauenverband vertreten. Auch die Arge Österreichische Bäuerinnen ist hier dabei und unterstützt die zentralen Forderungen der Landfrauen nach Chancengleichheit beim Zugang zu politischen Entscheidungsfunktionen sowie bezüglich der Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung.

kommentar


Bauernjournal agrarpolitik

II

N ov e m b e r 2013

ten Geld wegzunehmen, um es dann wieder an alle zu verteilen.“ So könne man beispielsweise ohne „staatlichen Umverteilungsapparat“ deutlich mehr positive Effekte erreichen. Dass eine künftige Bundesregierung eine Steuerreform auf die Agenda setzen werde, ist für Montecuccoli ausgemachte Sache. Daher präsentiert er auch Grundsätze, nach denen sich diese Reformschritte richten sollten. Wörtlich heißt die Marschrichtung: „Ertragssteuern vor Verbrauchssteuern vor Substanzsteuern. Denn wir in der Land- und Forstwirtschaft wissen, wenn wir die Substanz nicht erhalten, hat die nächste Generation keine Basis mehr, von der sie leben und auf der sie Erträge erzielen kann.“

Das Kostenbewusstsein kommt abhanden Wie sind die „Ertragssteuern“ gemeint? „Alle, die Erträge erwirtschaften, sollen auch zum Gemeinwohl ihren Anteil beitragen.“ Nur damit könne das System aufrechterhalten werden. Wie das ginge? „Nun, der Staat hat für Sicherheit zu sorgen, da ist auch die Ernährungssicherung gemeint, er ist für die Infrastruktur zuständig, und hier darf die soziale Infrastruktur wie Ärzte oder Kindergärten am Land nicht vergessen werden, und er hat eine faire Gerichtsbarkeit zu garantieren“, umreißt Montecuccoli die Breite staatlicher Grundaufgaben, deren

Gewährleistung die Basis einer erfolgreichen Erwerbstätigkeit darstellt. Weiter: „Und deshalb hat jeder, der aus dieser Erwerbstätigkeit Erträge erwirtschaftet, etwas zur Erhaltung dieses Systems beizutragen.“ Um dann schärfer zu werden: „Ich halte es für unerträglich, dass einige wenige immer mehr Steuern zahlen sollen, während gleichzeitig ein großer Anteil der Steuerpflichtigen wenig bis gar nichts zahlt, ja manche schon von Negativsteuern träumen.“ Das schade dem Kostenbewusstsein („Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“), führe dazu, dass die Systeme oft „nicht pfleglich behandelt werden“ und widerspräche auch dem „christlichen Solidaritätsverständnis, das meiner Weltanschauung zugrunde liegt“, so Montecuccoli glasklar.

Erhöhung der Mehrwertsteuer andenken Verbrauchssteuern als Ausweg? Montecuccoli bremst: „Wenn überhaupt, dann hier agieren.“ Warum? „Weil die Mehrwertsteuer, also die klassische Verbrauchssteuer, die sozial gerechteste Steuerreform darstellt. Wer viel kauft, zahlt viel, wer sich weniger leistet, zahlt weniger. Und der soziale Aspekt wird auch dadurch berücksichtigt, dass lebenswichtige Bereiche einen um die Hälfte verminderten Steuersatz haben.“ Montecuccoli ergänzt: „Es ist eigentlich

75. GeburtstaG von Dr. HeInz FIscHer

Sozialpartner unterstützen Hilfsfonds Die vier Sozialpartner-Präsidenten übergaben Bundespräsident Dr. Heinz Fischer zu seinem 75. Geburtstag einen Spendenscheck über 10.000 Euro für den Sozialfonds für Österreicher in Not. „Mit unserer gemeinsamen Spende unterstützen wir den Bundespräsidenten bei einem seiner wichtigsten Anliegen: jenen zu helfen, denen es nicht so gut geht“, so die Präsidenten Christoph Leitl, Erich Foglar, Rudi Kaske und Gerhard Wlodkowski. LKPräsident Wlodkowski wörtlich: „Das jahrzehntelange Engagement des Bundespräsidenten an der Spitze der Österreichischen Naturfreunde zeichnet ihn als einen Menschen aus, der um die Schönheit und gleichzeitig den vielfältigen Nutzen der Natur für den Menschen weiß.“ Foto: HBF/PEtEr LEcHnEr

verwunderlich, dass sich so viele Leute vor einer Mehrwertsteuererhöhung fürchten. Dabei ist diese Steuer effizient und sozial verträglich.“

Land- und Forstwirtschaft leisten ihren Anteil Montecuccoli möchte jedoch die zitierten Prinzipien auch für die Land- und Forstwirtschaft angewendet wissen: „Nehmen wir das Prinzip Effizienz. Hier haben wir im Agrarbereich das Instrument der Pauschalierung mit der dazugehörenden Bewertungsgrundlage, dem Einheitswert, das kein Privileg der Landwirtschaft darstellt, sondern die Verwaltung vereinfacht und effizient macht.“ Die pauschalierten Berufskollegen würden, so Montecuccoli, ihren Anteil am Staatsganzen ebenso leisten wie jene, die über der Pauschalierungsgrenze liegen. Aber beide könnten als Gegenleistung verlangen, „dass sie einen garantierten Zugang zur staatlichen Infrastruktur überall im ländlichen Raum haben, dass das Prinzip Sicherheit auch am Land Gültigkeit hat und dass sie als wertvolle Teile der Gesellschaft, also als jene, die die Ernährung garantieren, anerkannt werden.“

Unternehmen neu definieren Und er schlägt in diesem Zusammenhang eine „Neudefi-

nition des land- und forstwirtschaftlichen Unternehmens“ vor. Derzeit sei die steuerrechtliche Erfassung eines Betriebes in viele Einzelaspekte zersplittert, je nachdem, woher Einkommen fließe: Urproduktion, Vermietung und Verpachtung, Weiterverarbeitung, Dienstleistung, Beratung, Heil- und Therapiebereich etc. Künftig solle der Begriff „land- und forstwirtschaftliches Unternehmen“ neu definiert werden: Es umfasst alle Tätigkeiten, die auf Basis des vorhandenen Betriebsvermögens möglich sind (Grund und Boden, Gebäude, Tiere, aber auch Know-how wie Pflege, Massage, Heilkräuter, Kochrezepte etc.) und aus denen Einkommen erwirtschaftet wird. Montecuccoli: „Das wäre nicht nur modern, damit könnte man auch die Bremse lösen, die derzeit Kreativität und professionelle Betriebsführung hemmt. Und man fördert damit jene, die mehr als das Standardprogramm wollen.“ Drei weitere Forderungen (Erleichterung bei der Umgründung von Betrieben, Rückführung der Belastungen bei Betriebsübergabe und steuerliche Anerkennung der Kulturund Denkmalschutzleistungen) runden schließlich jenes Forderungsprogramm ab, das Montecuccoli als Vertreter der land- und forstwirtschaftlichen Eigentümer an die künftige Bundesregierung hat.


Bauernjournal SVB N ov e m b e r 2 01 3

SVB-DatenaBgleIch mIt ama – ISt alleS In OrDnung?

Differenzen aufklären Der Datenabgleich zwischen AMA und SVB, der heuer das erste Mal durchgeführt wird, steht ab nun jedes Jahr auf der Tagesordnung.

schafteten land- und forstwirtschaftlichen Flächen und diesbezügliche Änderungen binnen einem Monat bekannt zu geben. Warum? Weil der Einheitswert dieser Flächen die Basis für die Versicherungsbeiträge bildet. Ändert sich die Fläche, so verändert sich auch der Beitrag.

Josef siffert, LK Österreich

Das Stabilitätsgesetz aus dem Jahre 2012 legte die legistische Grundlage für die Datenübermittlung von der Agrarmarkt Austria an die SVB. Der elektronische Datenabgleich dient dazu, dass die Angaben über den Bewirtschafter bzw. über die bewirtschafteten Flächen bei AMA und SVB richtig und vollständig sind. Wenn nicht, so „muss man das in Ordnung bringen“, weiß SVB-Obfrau Theresia Meier. „Wenn nun der Brief ankommt und dort eine Differenz bei den Angaben festgestellt worden ist, ist es wichtig, sich rasch zu melden. Denn je schneller die offenen Fragen beantwortet sind, desto eher können die Daten korrigiert werden“, rät Meier. Was kann eigentlich differieren? Hat ein Bewirtschafterwechsel stattgefunden und wurde dieser vergessen zu

Personenabgleich wird durchgeführt steLLt die sVB beim Abgleich Differenzen fest, sollten diese möglichst schnell aufgeklärt werden. Foto: del

melden, so ist das entweder bei der SVB richtigzustellen oder über die Bauernkammer an die Adresse der Agrarmarkt Austria unverzüglich nachzuholen. Haben sich die bewirtschafteten Flächen geändert, so braucht die SVB die Meldung über diese Veränderungen. Meier: „Korrekturen sind natürlich jederzeit möglich, doch je früher diese bei uns einlangen, umso schneller können sie berücksichtigt werden.“ Wobei berücksichtigt? Jeder Betriebsführer ist verpflichtet, der SVB alle von ihm bewirt-

Sind alle Daten schon verglichen? Derzeit findet der Personen-Abgleich statt, bis zum Frühjahr 2014 wird laut SVB auch der Flächenabgleich abgeschlossen sein. Die dann korrigierten Daten sind in Zukunft in einer gemeinsamen und übersichtlichen Kontonachricht zu finden. Diese Nachrichten aus der SVB über gemeldete Sachverhaltsänderungen sind nun in einem einzigen Brief dergestalt abgebildet, dass mit einem Blick die wesentlichen Informationen erfasst werden können.

Pensionskonto: Fehlende Zeiten melden Das Pensionskonto gibt allen ab 1955 geborenen Versicherten ab 2014 erstmals den vollen Überblick über die zu er-

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wartende Pension. Um diese jedoch korrekt berechnen zu können, sind Daten notwendig, die den Sozialversicherungen oft nicht zu Verfügung stehen. Daher wenden sich diese an die Versicherten und ersuchen sie, die fehlenden Informationen nachzuliefern. Warum fehlen überhaupt Daten? SVB-Obfrau Meier dazu: „Erwerbszeiten sind der SVB grundsätzlich bekannt, aber häufig fehlen Kindererziehungszeiten oder auch Schulzeiten. Die Feststellung der Kindererziehungszeiten, die sich jedenfalls positiv auf die Pensionshöhe auswirken, ist besonders für Bäuerinnen von Bedeutung, die vor Einführung der Bäuerinnenpensionsversicherung 1992 keine oder nur wenige eigene Pensionsversicherungszeiten haben.“ Und so hat nun die SVB 31.600 Bäuerinnen und Bauern angeschrieben und gebeten, diese Lücken zu füllen. Der Nachweis ist denkbar einfach: Eine Kopie des Schulabschlusszeugnisses ist ebenso ausreichend wie die Geburtsurkunden der Kinder. „Natürlich ist auch eine spätere Korrektur noch möglich, doch ist es besser, schon jetzt für eine korrekte Erstgutschrift am Pensionskonto zu sorgen“, appelliert Meier an alle nun Befragten, rasch die notwendigen Daten an die SVB, die für über 100.000 Bäuerinnen und Bauern die Pensionskonto-Erstgutschrift im kommenden Jahr zu berechnen hat, zu melden.

SVB-Obfrau Meier warnt vor neuem Bauernopfer

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ie Landwirtschaft könne kein „weiteres Bauernopfer“ vertragen, warnte die Obfrau der Sozialversicherung der Bauern, Theresia Meier, vor neuerlichen Belastungen: „Derzeit sind die Verschärfungen, die aus den vergangenen zwei Sparpaketen stammen, gerade erst im Umsetzung. Das dauert noch bis 2017. Neuerliche Beitragsbelastungen sind

nicht verkraftbar und wären auch völlig ungerecht.“ Der Appell an die Regierungsverhandler ist unmissverständlich: „Wir brauchen nicht noch ein Loipersdorf“. Bekanntlich wurden mit dem dort vereinbarten Sparpaket im Jahr 2010 aus der bäuerlichen Krankenversicherung 100 Millionen Euro abgezogen und der Bundesbeitrag in der Unfallversicherung zur

Gänze eliminiert. Meier warnt daher vor einem neuerlichen Zugriff auf Rücklagen: „Wir haben schon jetzt per Gesetz den Auftrag, die Unfallversicherung mit Mitteln der Krankenversicherung zu finanzieren.“ Statt an neue Belastungen zu denken, sollte die kommende Regierung die bereits vor Jahren in Angriff genommene Harmonisierung der Pensionssysteme vollenden

und die in der SVB nach wie vor offene Benachteiligung bei der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität beenden, fordert Meier. Darüber hinaus gäbe es auch noch Änderungswünsche beim „fiktiven Ausgedinge“: „Unser Zielwert liegt bei 10 % des Ausgleichszulagenrichtsatzes. Derzeit halten wir bei 16 %, bis 2016 werden 13 % erreicht sein.“


Bauernjournal österreichische hagelversicherung

IV

n ov e m b e r 2013

AiAG-Präsidium: Beim Agrarversicherungskongress in Wien wurde Kurt Weinberger wieder zum obersten Agrarversicherer der Welt gewählt (von links): Präsident Kurt Weinberger (Österreich), Ewa Nordenstedt (Schweden), Arnaud De Beaucaron (Frankreich), Arnaud de Rincquesen (Frankreich), Bernard Koeckoven (Niederlande), Rainer Langner (Deutschland), Pier Ugo Andreini (Italien), Bob Haney (Amerika), Ignacio Machetti (Spanien). Fotos: ÖHV

Welt WeIter AgrArVersIcherungskongress In WIen:

Klimawandel: Neue Antworten Mehr als 360 Agrarversicherer aus 34 Ländern und allen Kontinenten diskutierten zum Thema „Agrarversicherung und Informationsmanagement heute und in Zukunft“ weltweit unterschiedliche Agrarversicherungs- und neue Absicherungssysteme.

josef siffert, lk österreich

„Die Landwirtschaft steht durch die Zunahme der Wetterextreme, bedingt durch den Klimawandel, und die Volatilität der Marktpreise vor großen Herausforderungen. Faktum ist, dass die Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel an ihren Standort gebunden ist. Im Gegensatz zur Industrie, die bei einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen mit Werksverlegungen reagieren kann, müssen Landwirte an ihren Standorten mit den zunehmenden Wetterrisiken leben. Aber nur ein stabiler Agrarsektor kann auf Dauer 7,5 Mrd. und in der Zukunft 9 Mrd. Menschen ernähren. Im Interesse der Gesamtbe-

völkerung braucht daher die Landwirtschaft ein noch engeres Sicherheitsnetz. Die Agrarversicherer der einzelnen Länder lernen dabei jeweils von den Besten der Welt. Der AIAG ist diese Aufgabe von den Agrarversicherern übertragen.

Internationaler Erfahrungsaustausch Durch den laufenden internationalen Erfahrungsaustausch auf Expertenebene profitieren auch wir in Österreich“, so Kurt Weinberger, wiedergewählter Präsident der weltweiten Vereinigung AIAG und Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung. Auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung, verbunden mit einem starken ländlichen Raum in Europa, wurde auch vom Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, Othmar Karas, im Rahmen der Eröffnungsansprache hingewiesen. Brigitte Ederer, Vorstandsdirektorin der Siemens AG, brachte einen Ausblick über Möglichkeiten im Informationsmanagement in der Zukunft und zeigte weiters den Nutzen von Datenbanken auf. Umfassende Datensammlungen führen auch in der Versicherungsbranche zu

besseren Serviceleistungen, wie zum Beispiel zu einer rascheren Schadensauszahlung. Im Rahmen der Arbeitssitzungen wurde von den Referenten, unter anderem aus Amerika, Kanada, Südafrika, Indien, Australien und Chile, die Umsetzung von verschiedenen Versicherungslösungen dargestellt und auf die Notwendigkeit von noch umfassenderen Versicherungsinstrumenten hingewiesen.

Weltweiter Temperaturanstieg Deutlich mehr Extremwetterlagen kommen dem neuen Weltklimabericht zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts auf viele Teile der Welt zu. In Europa wird die Lufttemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts steigen, vor allem aber die Zahl besonders heißer Tage. Im Jahr 2012 waren beispielsweise weite Regionen der USA, Mexikos und Russlands von massiven Dürreperioden betroffen. Der Temperaturanstieg macht aber auch vor Mitteleuropa und somit vor Österreich nicht halt. Eine Tatsache, die auch von Reinhard Mechler vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und Mitglied des Weltklimarates bestätigt wurde. In Wien In-

nere Stadt wurde 2013 mit zehn Tropentagen, also Tagen mit mehr als 35 °C, ein neuer Rekordwert erreicht. „Die Ergebnisse des Weltklimaberichtes sind alarmierend, global und national. Das heuer so vielfältige Schadensjahr mit sehr frühzeitigem Hagel und den darauf folgenden Überschwemmungs- und Dürreschäden hat die Notwendigkeit einer umfassenden Ernteversicherung deutlich gemacht“, so Kurt Weinberger abschließend. Weltweite Vernetzung

Über die AIAG

(Association Internationale des Assureurs de la Production Agricole)

Die AIAG, 1951 in Paris gegründet und mit einem permanenten Sekretariat in Zürich, umfasst mehr als 100 internationale Mitglieder, der weltweite Ernteversicherungsmarkt liegt bei über 23 Mrd. US $. Die Vision der AIAG ist es, die Agrarversicherer weltweit zu vernetzen, um somit von den Besten der Welt durch einen laufenden Informationsaustausch auf dem Gebiet der Pflanzen- und Tierversicherung lernen zu können. Sämtliche Beiträge der Referenten des Weltkongresses sind unter www.hagel.at abrufbar.


BAUERNJOURNAL ÖSTERREICHISCHE HAGELVERSICHERUNG N OV E M B E R 2 01 3

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NCIS-CHEF (USA): KLIMAWANDEL BEEINFLUSST LANDWIRTSCHAFT

US-Ernteversicherer

Breiter Versicherungsschutz wichtig

NCIS

Anlässlich des 32. Internationalen Versicherungskongresses in Wien zeigte Dr. Thomas P. Zacharias, Präsident der „National Crop Insurance Services (NCIS)“, auf, wie landwirtschaftliche Einkommen in den USA umfassend abgesichert werden. JOSEF SIFFERT, LK ÖSTERREICH

„Angesichts des Klimawandels mit einer starken Zunahme an Wetterextremereignissen sowie der immer volatileren Agrarpreise wird ein breiter Versicherungsschutz für die Landwirtschaft immer wichtiger“, ist Zacharias überzeugt und führt als Beispiel an, dass Amerika im vergangenen Jahr die schlimmste Dürrekatastrophe seit 50 Jahren erlebt hat. In den USA übernimmt der Staat für umfassende Ernteversicherungen mehr als die

Hälfte der Prämie, in manchen Versicherungsvarianten kommt der Staat sogar für die gesamte Prämie sowie die kompletten Verwaltungskosten der Versicherer auf. Darüber hinaus gibt der Staat eine Rückversicherungshaftung für extreme Schadensfälle sowie für Risiken in Gebieten mit hoher Schadensanfälligkeit. Mit diesem beispielhaften Private-Public-Partnership-Versicherungsmodell soll erreicht werden, dass die Betriebe einerseits gegen Naturgefahren

abgesichert sind, andererseits sollen für eine optimale Unternehmensplanung die produzierten Kulturen, die über die Börsen vermarktet werden, zu planbaren Preisen verkauft werden können. „Die staatlichen Versicherungsprogramme teilen sich in zwei Gruppen: Absicherung des Mengenertrages und Absicherung des Einkommens. 75 Prozent aller versicherten Landwirte in den USA haben sich für die Einkommensversicherungsvariante entschieden. Im Falle von sinkenden Preisen erhalten sie eine Entschädigung. Ernte- und Einkommensversicherungen sind in den USA angesichts des Klimawandels und der stark schwankenden Agrarpreise nicht mehr wegzudenken. Sie können Naturkatastrophen und extreme Preisschwankungen nicht verhindern, aber sie verhelfen den Landwirten jedenfalls zu mehr Stabilität in der Betriebsführung“, so Zacharias. Agrarversicherungen haben in den USA eine hohe Bedeutung.

langjährigen Erfahrung und seiner internationalen Vernetzung, die er auch in der Vision der AIAG umsetzte, die Agrarversicherer auf dem Gebiet der Pflanzen- und Tierversicherung noch enger zusammenzuführen. Weinberger gelang es in seiner bisherigen Funktionsperiode, die Mitgliederanzahl der Organisation auszubauen sowie umfassende

private-public-partnership-Modelle in allen Kontinenten zur Sprache zu bringen. Was strebt er für die zweite Amtsperiode an? Weinbergers: „Es ist eine zentrale Aufgabe, die Hagelund Mehrgefahrenversicherung als Antwort auf die Zunahme der Wetterextreme weiterzuentwickeln. Die Anforderungen an das Risikomanagement sind durch Klimawandel und Preisvolatilität deutlich gestiegen. Im Gegensatz zur Industrie, die bei Verschlechterung von Rahmenbedingungen mit Werksverlegungen reagieren kann, müssen Landwirte an ihren Standorten leben. Doch nur ein stabiler Agrarsektor kann auf Dauer acht bis neun Milliarden Menschen ernähren. Daher braucht die Landwirtschaft ein noch engeres Sicherheitsnetz.“

DR. THOMAS P. ZACHARIAS, Präsi-

dent NCIS

Foto: ÖHV

WELT VERBAND AGRARVERSICHERER

Kurt Weinberger wiedergewählt Im Rahmen des Kongresses der weltweiten Vereinigung der Agrarversicherer (AIAG), der kürzlich in Wien mit mehr als 350 Teilnehmern aus 34 Ländern und allen Kontinenten über die Bühne ging, wählte die General-versammlung den Vorstandsvorsitzenden der Österreichischen Hagelversicherung, Dr. Kurt Weinberger, für weitere zwei Jahre zum AIAG-Präsidenten. Weinberger steht bereits seit 2011 an der Spitze der AIAG. Die erneute Wahl Weinbergers als Vertreter eines kleinen Landes an die Spitze dieser Vereinigung ist auch eine Anerkennung seiner

(Nationale Crop Insurance Services)

Aktuell bieten 16 NCISMitgliedsunternehmen, in Partnerschaft mit der Regierung, ein komplexes RisikomanagementSicherheitsnetz für jeden Produzenten in Amerika an: Das geht von der reinen Hagelversicherung für landwirtschaftliche Kulturen über die sogenannte Mehrgefahrenversicherung bis hin zur Einkommensversicherung. www.ag-risk.org/

ÖSTERREICH

Umfassendste Produktpalette In Österreich hat die Hagelversicherung bereits vor 15 Jahren begonnen, den Versicherungsschutz konsequent auszubauen. Neben Hagel werden mittlerweile zehn weitere Risiken, z. B. Trockenheit, Sturm, Überschwemmung und Frost, in Deckung genommen. Damit bietet der Spezialversicherer die umfassendste Risikopalette aller Ernteversicherer Europas an. Das österreichische Agrarversicherungssystem basiert zum Teil auf einem Private-PublicPartnership-Modell (PPP). So werden die Versicherungsprämien der Landwirte für die Risiken Hagel und Frost mit je 25 % durch den Bund und die einzelnen Bundesländer gefördert. „Das heuer so vielfältige Schadensjahr hat die Notwendigkeit einer umfassenden Absicherung deutlich gemacht. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass eine Ausweitung in Form einer Einkommensversicherung nach amerikanischem Vorbild zwei Kriterien erfüllen muss: eine exakte Erntemengenaufzeichnung und einen routinierten Umgang mit der Börsenpreisbildung“, so Weinberger.


BAUERNJOURNAL LEBENSQUALITÄT

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N OV E M B E R 2013

Lebensqualität Bauernhof

THERESIA MEIER IM INTERVIEW

Der Mensch im Mittelpunkt

Was ist Lebensqualität für Sie?

Das LFIBildungsprojekt „Lebensqualität Bauernhof“ bietet eine ganze Palette von Bildungsangeboten zu Themen der Lebensqualität an. Darüber hinaus berät das Team von „Lebensqualität Bauernhof“ professionell bei neuen Herausforderungen im Alltag, im Betrieb oder in der Familie, bei Hofübergabe bzw. -übernahme, bei Arbeitsüberlastung oder bei Konflikten. Zusätzlich ist das Bäuerliche Sorgentelefon eine erste und unkomplizierte Anlaufstelle bei Sorgen, Ängsten und Nöten. Vertraulich, anonym, kompetent – das Bäuerliche Sorgentelefon ist unter der Telefonnummer 0810/676810 von Montag bis Freitag, jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr österreichweit zum Ortstarif erreichbar. Besuchen Sie uns auch auf unserer Homepage. Hier finden Sie weitere Informationen zu den vielfältigen Angeboten und Serviceleistungen von „Lebensqualität Bauernhof“: www.lebensqualitaetbauernhof.at

Theresia Meier, Bäuerin, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Obfrau der Sozialversicherung der Bauern (SVB). USCHI SORZ, LK ÖSTERREICH

Warum hat Lebensqualität auch so viel mit der Gesundheit der Bäuerinnen und Bauern zu tun? „Wie kaum in einem anderen Beruf sind in der Landwirtschaft Familie, Wohnstätte und Arbeitsplatz an einem Platz fokussiert. Die Familiengesundheit – und ich nenne das ganz bewusst so – überträgt sich also auf den Arbeitsplatz. Wie die Familienmitglieder einerseits mit ihrem Leben, andererseits aber auch miteinander umgehen können, beeinflusst, wie sie sich fühlen, wie Erfolg oder Nichterfolg zustandekommt. Wenn ein Mensch glücklich und zufrieden ist, ist das auch für die Gesundheit ein ganz wichtiger Faktor.“

Sie bekleiden eine verantwortungsvolle Stellung bei der SVB. Wie schaffen Sie es, auf Ihre eigene Lebensqualität zu achten? „Es wäre nicht ehrlich zu sagen, dass ich meinen Beruf als Bäuerin im selben Ausmaß erfüllen kann wie vor zehn Jahren. Natürlich habe ich mich zum Teil ausklinken müssen und mein Mann hat mehr übernommen. Jetzt kommen auch die Jungen nach. Abgesehen davon versuche ich, meine verschiedenen Aufgaben zu trennen und möglichst wenig von außerhalb mit nach Hause zu nehmen. Am Hof trage ich also nicht die ganze Zeit das Handy mit mir herum. Lebensqualität hat auch viel mit Bewusstsein zu tun. Es gibt ein bäuerliches Sprichwort, das sagt: ,Wer nicht ausspannen kann, kann nicht einspannen.‘ Es ist niemandem gedient, wenn man sich so überfordert, dass man dann nirgends mehr seine Pflichten erfüllen kann.“ Was möchten Sie den heimischen Bäuerinnen und Bauern zu diesem Thema ans Herz legen? „Ich habe am Anfang schon betont, dass bei uns als Bauern

Theresia Meier

Wohnstätte, Familie und Beruf ineinanderlaufen. Das ist ein Segen und manchmal auch ein Fluch. So wie uns niemand Arbeitszeit vorschreibt, schreibt uns auch niemand die Freizeit und das Ausspannen vor, dafür sind wir selbst verantwortlich. Natürlich gibt es Arbeitsspitzen oder Zeiten, etwa bei einem Umbau, in denen sehr viel geschehen muss. Aber wir müssen uns auch selbst bewusst machen, dass wir manchmal Auszeiten brauchen. Das kann eine Stunde sein, das können Tage sein, das können Phasen sein. Diese Verantwortung müssen wir selbst übernehmen.“

FÜR LANGFRISTIGE FORSCHUNGS- UND ENT WICKLUNGSARBEIT

Pflanzenschutz sucht Öffentlichkeit Die Erzeuger von Pflanzenschutzmitteln suchen verstärkt die Öffentlichkeit, um sich kritischen Fragen zu ihren Produkten zu stellen. Dies kündigten Christian Stockmar und Martin Schöpfer, die Vorstände der Interessengemeinschaft der pflanzenschutzmittelproduzierenden Unternehmen, vor Journalis-

ten an. Auslöser dieser Transparenz-Offensive waren einerseits die Anti-PflanzenschutzKampagnen der NGOs, aber auch das Verhalten der Regierungsstellen auf europäischer und nationaler Ebene. Stockmar und Schöpfer wörtlich: „Grundlage für eine langfristige Forschungs- und Entwicklungsarbeit sind stabile rechtliche Rahmenbedingungen. Nur so ist es möglich, die bestehenden Produkte zu verbessern und noch umweltverträglicher zu machen sowie neue, noch bessere und zielgenauere

Pflanzenschutzmittel zu entwickeln.“ Und weiter: „Kurzfristige, populistisch geführte und auf Angstmache basierende Kampagnen machen diese Forschung unmöglich.“ Die beiden Spitzenvertreter der Interessengemeinschaft wünschen sich von der künftigen Bundesregierung stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, um den Bauern jene Mittel in die Hand geben zu können, die es ihnen möglich machen, die Versorgungssicherheit mit gesunden und sicheren Lebensmitteln zu gewährleisten.

STOCKMAR

UND

SCHÖPFER:

„Kurzfristige, populistisch geführte Angstmache macht Forschung in Richtung Umweltverträglichkeit unmöglich.“ Foto: Schneider


Bauernjournal donau-Soja n ov e m b e r 2 01 3

InterVIew MIt agrarlandesrat Max HIegelsberger

Donau-Soja schafft Mehrwert für alle Das Projekt DonauSoja ist im Jänner 2012 angelaufen. Nach fast zwei Jahren zieht Oberösterreichs Agrarlandesrat Max Hiegelsberber positive Bilanz. Josef siffert, LK Österreich

Auf der einen Seite drängte die Tatsache, dass Europa eine veritable Eiweißlücke zu stopfen hat, die Verantwortlichen schon längere Zeit zum Handeln. Auf der anderen Seite sollte der Wunsch der Konsumenten nach gentechnikfreier Nahrung möglichst aus eigener Erzeugung erfüllt werden. So setzten Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft im Jänner 2012 ein Zeichen und gründeten den Verein „Donau-Soja“. Neun Monate später ging der Gründungskongress in Wien über die Bühne und heute ziehen die Initiatoren bereits ein erstes positives Resümee.

Die Marke funktioniert Max Hiegelsberger, Oberösterreichs Agrarlandesrat und einer der Väter des Projekts, sieht sich bestätigt: „Die Marke funktioniert, sogar grenzübergreifend. Unter Donau-Soja versteht man klar und unmissverständlich ein herkunftsund qualitätsgesichertes Produkt, dessen wesentliche Merkmale die Herkunft des Sojas aus dem Donauraum und die Gentechnik-Freiheit sind.“ Und weiter: „Dass bereits acht europäische Länder dieser Initiative beigetreten sind, werte ich als großen Erfolg. Es zeigt, dass wir die Weichen richtig gestellt haben.“ Und auch dem Beschluss der EU, im Rahmen der „Greening“-Vorschriften künftig den Anbau von Ei-

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„sicheres Einkommen und einen verlässlichen Preis“ bringe. Das könne nur „eine vertraglich fundierte Landwirtschaft“, wie das erfolgreiche „Rapso“-Projekt zeige. Und wörtlich: „Donau-Soja kann sich zur ersten Vertragsproduktion über Staatsgrenzen hinweg entwickeln.“ Dass Sicherheit und Verlässlichkeit innerhalb der Wertschöpfungskette nicht nur dem Einkommen der Marktteilnehmer dienen, zeigt der Landesrat ebenfalls auf: „Auch eine angewandte Forschung im Saatzucht- und Pflanzenschutzbereich braucht stabile und dauerhafte Verhältnisse.“

Und es geht weiter ...

Max Hiegelsberger: „Gentechnikfreiheit zeichnet das Donau-Soja aus.“

weißpflanzen zuzulassen, kann der Landesrat viel abgewinnen: „Das ist ein positives Signal an unsere Bauern, hier aktiv zu werden.“ Wobei der Verein Donau-Soja nicht nur EU-Länder umfasst, wie der Name schon suggeriert. Es ist nämlich die Donau, die das einigende Band bildet und Hiegelsberger an die K.-u.K.-Monarchie erinnert, deren Grenzen das heutige Einzugsgebiet von Donau-Soja markieren.

Mitgliedsländer Konkret sind die Donau-SojaHerkunftsländer bzw. -regionen folgende: Österreich, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Deutschland und hier konkret Bayern und Baden-Württemberg, Ungarn, Italien mit den Regionen Trentino Alto Adige, Friuli Venezia Giulia, Veneto, Emilia-Romana, Lombardia, Piemont und Vallée d’Aoste, die Republik Moldau, Polen mit den Gebieten Dolnoslaskie, Opolskie,

Slaskie, Swietokrzyskie, Podkarpackie, Malopolske, Rumänien, Serbien, die Slowakische Republik, Slowenien, die Schweiz und die Ukraine mit den Regionen Uschgorod, Tschernowzy, Winniza, Odessa, Lwow, Ternopol, Chmelnizkij und Iwano-Frankovsm. Wer ist sonst noch Mitglied? Heute sind es bereits über 70 Firmen, Verbände und sonstige Einrichtungen, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft (Saatgut, tierische Veredelung, Agrarhandel) über die Verarbeitung (Ölmühlen, Futtermittelproduktion) bis hin zum Lebensmittelhandel umfassen.

Dass Donau-Soja noch lange nicht am Ende des Weges angelangt ist, steht für Hiegelsberger außer Zweifel: „Das ist ein Projekt, das über ein Jahrzehnt hinausweist. Daher müssen wir Schritt für Schritt setzen. Die Landwirte sollen sich nämlich auf die Verträge ebenso verlassen können wie die Verarbeiter und der Handel. Und nur so können wir auch die Brüsseler Forschungstöpfe für die notwendige Grundlagenforschung anzapfen.“ Hiegelsberger fasst zusammen: „Das Projekt Donau-Soja schafft letztlich Mehrwert für alle. Es stiftet Identität in allen Anbauländern und gibt den Kunden die nötige Sicherheit.“ Und es hilft mit, die immer größer werdende Eiweißlücke der EU zu schließen; ein Zusatznutzen, der nicht nur der Agraraußenhandelsbilanz dient.

Es braucht Sicherheit Hiegelsberger bleibt jedoch Realist, wenn er trotz erster Erfolge betont: „Das Projekt wird nur dann das nötige Gewicht erreichen, wenn es ein ganz klares Bekenntnis der Verarbeitung und des Handels zu Donau-Soja gibt.“ Und man müsse, so der Agrar-Fachmann, einen Weg finden, der

das donau-soja-gebiet


Bauernjournal kellerwirtschaft

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n ov e m b e r 2013

eIne unterschätzte Gefahr

„Wenn ich das Gärgas rieche, verlasse ich sofort den Keller“ oder „Ich merke es durch ein leichtes Schwindelgefühl und Kopfschmerzen“ – so etwas hört man oft als Sicherheitsberater, wenn man auf die Gefahren von Gärgas hinweist – eine Gratwanderung, die leider immer wieder tödlich endet. andreas Kummer, sVB, Burgenland

Kohlendioxid ist ein natürlicher Bestandteil der Atemluft (0,04 %) und entsteht unter anderem in großen Mengen bei der alkoholischen Gärung. Aus einem Liter des zu vergärenden Mostes können je nach Zuckergehalt der Trauben bis zu 50 Liter Gärgas entstehen. Da es schwerer als Luft ist, bildet sich in Kellern, Senken, Gruben und Silos ein unsicht-

Foto: landpixel/mühlhausen

Vorsicht: Gärgas im Keller

In Kellern bildet sich ein unsichtbarer, lebensgefährlicher Co2-See. barer „Kohlendioxid-See“, der die Umgebungsluft verdrängt. Achtung: Kohlendioxid ist nicht nur farblos, sondern auch geruchlos – ein allgemeiner Gärgeruch ist daher kein Hinweis auf das Vorhandensein einer tödlichen GasKonzentration.

Die Kerzenprobe ist lebensgefährlich! Die Methode, den CO2-Gehalt mittels Kerzenprobe zu überprüfen, ist völlig ungeeignet und lebensgefährlich. Messungen haben ergeben, dass die Kerze erst bei ca. 14 % CO2 erlischt, einer Konzentra-

so Verhalte ich mich richtig: 1. Feuerwehr (Notrufnummer 122) und Rettung (Notrufnummer 144) anrufen (Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wer hat angerufen?) 2. Auf keinen Fall selbst die Person aus dem Gefahrenbereich retten – akute Lebensgefahr ! 3. Einsatzkräfte einweisen

tion, die bereits zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zum Tod führen kann. Vor bzw. während der Gärzeit unbedingt beachten n  Kein Zugang zum Keller für Kinder und betriebsfremde Personen n  Warnhinweisschilder „Achtung Gärgas“ anbringen n  Leistungsstarke Absauganlagen am tiefsten Punkt des Kellers oder direkt bei den Fässern bzw. Tanks (Fixmontage) – Schalter zum Einschalten außerhalb de s Gefahrenbereiches n  Unbedingt nötige Arbeiten im Keller nur mit mobilen CO2Warngeräten (Wartungsintervalle beachten) und unter Aufsicht einer zweiten Person außerhalb des Gefahrenbereiches n  In ebenerdig gelegenen Gärräumlichkeiten rechtzeitig vor Betreten alle Türen und Tore öffnen, damit das Gärgas abfließen kann – möglichen Abfluss in tiefer gelegene Keller verhindern cO 2 -VO l .-% 1% 3% 5% 8% 9 bis 10 % 20 %

ein leistungsstarKes Absauggebläse befördert die Gase aus dem Keller. Fotos: SVB

Gewarnt wird vor unüberlegten Rettungsversuchen. Zu viele vermeintliche Retter sind bei der missglückten Bergungsaktion selbst ums Leben gekommen. Eine Rettung von verunglückten Personen ist nur mit umluftunabhängigen Atemschutzgeräten durchführbar – herkömmliche Atemschutzmasken sind unwirksam, da nicht genug Atemluft vorhanden ist.

Sicherheit ist das oberste Gebot Die derzeit wohl sicherste Methode, Unfälle durch Gärgase zu vermeiden, ist die Installation von Gärgas-Warnsystemen, bestehend aus CO2-Sensoren kombiniert mit Absauggebläse und Warneinrichtungen. Diese Einrichtungen müssen in regelmäßigen Abständen gewartet und kalibriert werden. Durch technische Hilfsmittel in Kombination mit dem Gefahrenbewusstsein des Menschen sollten Gärgasunfälle nur mehr der Vergangenheit angehören.

s ym p tO m e d e s m e n s c h e n Schläfrigkeit gesteigerte Herzfrequenz und erhöhter blutdruck Schwindel, Kopfschmerzen und verwirrung muskelzittern, Schwitzen, getrübte Sicht bis hin zur ohnmacht kann binnen 5 bis 10 minuten zum Tod führen führt innerhalb kürzester Zeit zum Tod


Bauernjournal führerschein N ov e m b e r 2 01 3

DIe wIchtIgsten FührerscheInkategorIen Für LanD- unD ForstwIrte

Welche Maschine darf ich fahren? Da in der Land- und Forstwirtschaft (LuF) zahlreiche verschiedene Fahrzeuge in Verwendung stehen, ist es besonders bedeutend zu wissen, mit welchem „Führerschein“ (FS) welches Kraftfahrzeug (Kfz) gelenkt bzw. welcher Anhänger gezogen werden darf. Christoph MiCheliC, lK ÖsterreiCh

Hier wird nur auf die für die Land- und Forstwirtschaft relevanten Kategorien und Bestimmungen eingegangen. Im Gesetzestext ist stets von Gesamtmasse (Gm) die Rede – unter Masse ist die physikalische Bezeichnung für Gewicht zu verstehen. Diese Darstellung beruht auf der Novelle des Führerscheingesetzes, die mit 19. Jänner in Kraft getreten ist.

Klasse B n  Kraftwagen mit max. acht Plätzen außer dem Lenkerplatz und mit einer höchsten zulässigen Gm von max. 3.500 kg n  Kraftwagen sind alle mehrspurigen Kfz mit mind. vier Rädern (Pkw, Kombi, aber auch z. B. Zugmaschinen) n  Mit so einem Kraftwagen darf ein leichter Anhänger, das ist ein Anhänger mit einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von max. 750 kg, gezogen werden oder n  ein anderer als leichter Anhänger, sofern die Summe der höchstenzulässigen Gm beider Fahrzeuge max. 3.500 kg beträgt und bei der Genehmigung der Fahrzeuge nichts anderes festgelegt worden ist; die

Die gesaMtMasse des Fahrzeuges/der Fahrzeugkombination ist entscheidend dafür, welche Führerschein-Klasse erforderlich ist. Foto: agrarfoto.com

höchstzulässige Gm kann bis zu 4.250 kg betragen, wenn der Lenker eine Zusatzausbildung absolviert hat

Klasse BE n  Zugfahrzeug der Klasse B, aber es darf ein Anhänger oder Sattelanhänger mit einer höchstzulässigen Gm von max. 3.500 kg gezogen werden n  Für Personen, die seit mindestens drei Jahren im Besitz der Führerscheinklassen B und F sind, ist der Erwerb der Klasse BE unter erleichterten Bedingungen möglich

Klasse C1 n  Kraftwagen mit einer höchstzulässigen Gm von 3.500 bis max. 7.500 kg (Lkw); es darf ein leichter Anhänger gezogen werden

Klasse C1E Sofern bei Fahrzeuggenehmigung nichts anderes festgelegt: n  Ein Zugfahrzeug der Klasse C1 und ein Anhänger oder Sattelanhänger mit einer höchstzulässigen Gm von mehr als 750 kg, wobei die höchstzulässige Gm der Fahrzeugkombination max. 12.000 kg sein darf

n  Ein Zugfahrzeug der Klasse B und ein Anhänger oder Sattelanhänger mit einer höchstzulässigen Gm von mehr als 3.500 kg, sofern die höchst zulässige Gm der Fahrzeugkombination 12.000 kg nicht übersteigt

Klasse C n  Kraftwagen mit einer höchstzulässigen Gm von mehr als 3.500 kg (Lkw) n  Sonderkraftfahrzeuge n  Es darf damit ein leichter Anhänger gezogen werden

Klasse CE n  Falls bei der Genehmigung des Fahrzeuge nichts anderes festgelegt worden ist, ein Zugfahrzeug der Klasse C und ein Anhänger oder Sattelanhänger mit einer höchstzulässigen Gm von mehr als 750 kg (Anmerkung: Klasse C oder C 1 gilt auch als Klasse F)

Klasse F: n  Zugmaschinen (a) n  Motorkarren (b) n  selbstfahrende Arbeitsmaschinen (c) n  landwirtschaftliche selbstfahrende Arbeitsmaschinen (d)

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n  Transportkarren (e) jeweils mit einer Bauartgeschwindigkeit von max. 50 km/h n  Einachszugmaschinen, die mit einem anderem Fahrzeug oder Gerät so verbunden sind, dass sie ein einziges Kfz bilden, das einer Zugmaschine mit einer Bauartgeschwindigkeit von max. 25 km/h entspricht (f) n  Sonderkraftfahrzeuge (g) Mit Fahrzeugen der Klasse F darf auch Folgendes gezogen werden: n  In Verbindung mit einem in a, b oder d genannten Zugfahrzeug: alle Anhänger n  In Verbindung mit einem in c und g genannten Zugfahrzeug: Anhänger mit einer höchstzulässigen Gm von max. 3.500 kg Mitführungsverpflichtungen: Bei Fahrten auf öffentlichen Straßen sind folgende Dinge mitzuführen: n  Führerschein n  Zulassungsschein n  Evtl. Probefahrtschein n  Evtl. Bescheide über kraftfahrrechtliche Bewilligungen, die zur Verwendung des Kfz auf Straßen mit öffentlichem Verkehr erforderlich sind. Bei Fahrten mit Zugmaschinen etc. im Umkreis von bis zu 10 km vom dauernden Standort des Fahrzeuges ist die Mitnahme oben angeführter Dokumente nicht erforderlich. n  Verbandszeug n  Pannendreieck (bei mehrspurigen Kfz, auch beim Traktor!) n  Warnweste (bei mehrspurigen Kfz, auch beim Traktor!) n  Unterlegkeil (bei Kfz mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse über 3.500 kg, ausgenommen Pkw/Kombi; bei anderen als leichten Anhängern; einer pro Fahrzeug) n  Schneeketten für mind. zwei Antriebsräder für Fahrten mit einem Lkw zwischen 1. November und 15. April Auf www.agrarnet.info steht eine ausführliche Darstellung zum Thema „Kraftfahrzeuge in der Land- und Forstwirtschaft“ bei den Downloads unentgeltlich zur Verfügung.


Bauernjournal Bauernjause

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agrardiesel

Mineralölsteuervergütung 2013 In der ersten Oktoberwoche wurden vom Zollamt Wien an 2.408 Land- und Forstwirte 4,07 Mill. € Mineralölsteuer vergütet. Es handelt sich hier um jene Betriebe, die im Jahr 2012 ihre Tankabrechnungen aufgezeichnet haben und um Rückvergütung nach dem tatsächlichen Verbrauch angesucht haben. Der überwiegende Teil, 119.870 Bauern, hat bereits im Jahr 2012 46,2 Mill. Euro an Mineralölsteuer zurückbezahlt bekommen. Aufgrund budgetärer Sparvorgaben entfällt die Mineralölsteuervergütung ab dem Verbrauchsjahr 2013.

Für das Verbrauchsjahr 2012 wurden somit in den Jahren 2012 und 2013 an 122.278 Land- und Forstwirte 50,3 Mill. € Mineralölsteuer vergütet. Jeder teilnehmende land- und forstwirtschaftliche Betrieb hat im Durchschnitt 411 € Vergütung ausbezahlt bekommen (386 € nach pauschalem Verbrauch 2012 oder 1.721 € nach tatsächlichem Verbrauch 2012). Jeder freiwillig buchführende Betrieb hatte im Jahr 2012 durchschnittlich einen Treibstoffaufwand von 3.415 €, das ist um 10 Prozent mehr als noch im Jahr 2011.

n ov e m b e r 2013

Österreichische direktvermarkter luden zur vierten Bauernjause

Bauernjause: Genuss für den Leib, Natur für die Seele Die Aktion „Bauernjause – bewegen und genießen“ will auf die Vorteile regionaler Lebensmittel aufmerksam machen. Im Zeitraum Mai bis Oktober nahmen österreichweit 139 heimische Direktvermarkter daran teil. Heimische Direktvermarkter zeigten anhand der bäuerlichen Lebensmittelproduktion, wie wichtig regionale Wertschöpfung ist. Unter dem Motto „bewegen und genießen“ boten die teilnehmenden Betriebe verschiedenste Aktivitäten und eine spezielle Bauernjause an. Betriebsbesichtigungen der heimischen Direktvermarkter gaben Einblick in die Betriebsabläufe und Besucher hatten die Möglichkeit, die Produktion von regionaltypischen Direktvermarktungs-Erzeugnissen hautnah mitzuerleben. Ausgeschilderte Wanderrouten, gemeinsame Fahrradtou-

Bauernjause gibt’s 2014 wieder

„BAuernjAuse – BeweGen und Geniessen“ – regionale Lebensmittel sind frisch und schmecken! Fotos: Agrar.Projekt.Verein/Weinfranz

ren oder Kräuter- und Themenwanderungen animierten zur Bewegung in der heimischen Kulturlandschaft. Viele der Bauernjause-Betriebe boten darüber hinaus ein spezielles Kinderprogramm an. Bei einer gemeinsamen Bauernjause, bestehend aus heimischen Köstlichkeiten, konnten die Besucherinnen und Besucher die regionalen Erzeugnisse genussvoll entdecken.

ßen“ ist es, die gesunde Bewegung in der Natur mit dem Genießen regionaltypischer Spezialitäten zu verbinden und so das Bewusstsein für qualitativ hochwertige, heimische Lebensmittel zu stärken. Aufgrund des Erfolges soll die Aktion „Bauernjause – bewegen und genießen“ auch nächstes Jahr wieder angeboten werden.

So vielfältig wie Österreich selbst So unterschiedlich die heimische Landschaft ist, so vielfältig waren auch die regionalen Jausenangebote. Ob Almjause, Winzerteller oder Brettljause, Most oder Wein, eines haben sie alle gemeinsam: Die Bauernjause setzt sich aus selbstgemachten, regionalen Köstlichkeiten zusammen. Regionale Lebensmittel sind frisch und schmecken. Lange Transportwege entfallen, unser Klima wird dadurch geschont und der hervorragende Geschmack bleibt erhalten. Das Ziel der Aktion „Bauernjause – bewegen und genie-

GAnz Österreich mAchte mit: Hier in der BBK Krems Landwirt Franz Haiderer, Ida Steininger, Obfrau der Bezirksbauernkammer Foto: BBK Krems/Stangl


Bauernjournal ForstwirtschaFt N ov e m b e r 2 01 3

Bewirtschafteter Wald hilft dem Klima – die neue Kampagne soll das aufzeigen.

Neue ImagekampagNe für Wald uNd Holz

In Holz bleibt Kohlenstoff langfristig gespeichert Mit der CO2-FootprintKampagne will die österreichische Forstund Holzwirtschaft den Mehrwert von Wald und Holz aufzeigen. GreGor Grill, lK Österreich

Der Stellenwert von Wald und Holz für den Klimaschutz ist Fokus einer neuen Kampagne der österreichischen Forstund Holzwirtschaft. Die Initiative macht auf die vielfältigen CO2-Reduktionspotenziale durch forcierten Einsatz von Holz aufmerksam und setzt als plakatives Kürzel den CO2-Footprint ein. Das BauernJournal sprach mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Forst- und Holzwirtschaft in der LK Österreich, Ök.-Rat Franz Titschenbacher. BauernJournal: Herr Vizepräsident Titschenbacher, was

waren die Beweggründe für die neue proHolz-Kampagne, die maßgeblich auch durch die Forstwirtschaft unterstützt wird? Titschenbacher: Dass mit verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung und gezielter Holzverwendung große Potenziale für den Klimaschutz verbunden sind, ist im öffentlichen Bewusstsein noch zu wenig verankert und findet in den Programmen und Aktionen zur Verbesserung der Treibhausgasbilanz noch nicht die entsprechende Berücksichtigung. Insbesondere Holz als Werk- und Baustoff sowie erneuerbare Energiequelle trägt – im Gegensatz zu anderen Materialien und fossilen Energieträgern – zu erheblichen CO2-Reduktionen bei. Was soll mit dieser Kampagne erreicht werden? Erklärtes Ziel der Kampagne ist es, die klimapolitischen Chancen, die mit der Ressource Holz verbunden sind,

in die Debatte einzubringen und die unschlagbaren Qualitäten des heimischen Waldes und des Rohstoffes Holz in den Köpfen der Menschen

Franz titschenbacher: „Eine nachhaltige Bewirtschaftung sorgt auch dafür, dass der Wald in Summe mehr CO2 bindet, als wenn er sich selbst überlassen bleiben würde.“ Foto: LKÖ

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und der Politik zu verankern. Bewirtschaftete Wälder sind die Grundlage, um überhaupt Holz verwenden zu können. Eine nachhaltige Bewirtschaftung sorgt auch dafür, dass der Wald in Summe mehr CO2 bindet, als wenn er sich selbst überlassen bleiben würde. Rechtzeitige Holzentnahme, bevor der Verrottungsprozess von Bäumen einsetzt und dabei CO2 frei wird, das Schaffen optimaler Wuchsbedingungen und die Substitution anderer Materialien durch das entnommene Holz bewirken einen vielfach höheren Klimaschutzeffekt des bewirtschafteten Waldes gegenüber einem nicht bewirtschafteten. Das ist noch nicht genug bekannt, weil der Naturzustand gerne als die ökologische Bestvariante betrachtet und wirtschaftliche Nutzung besonders von der städtischen Bevölkerung zunehmend negativ wahrgenommen wird. Absicht der Kampagne ist es deshalb, mit solchen Vorurteilen aufzuräumen. Die Verwendung von Holz – etwa am Bau oder für Möbel – ist damit ein aktiver Beitrag für den Klimaschutz? Im Fall von Wald und Holz bringt eine wirtschaftliche Nutzung, die bereits seit Jahrhunderten dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgt, das Klimaschutz-Optimum. Forstund Holzwirtschaft sichern den Rohstoff Holz und die Verfügbarkeit von Holzprodukten. In Holz bleibt Kohlenstoff langfristig gespeichert und unschädlich unter Verschluss. Neues Wachstum auf der durch Ernte frei gewordenen Fläche im Wald bindet gleichzeitig erneut CO2. Je mehr Holz je länger stofflich genutzt wird, desto mehr wird das Klima von CO2 entlastet. Dieser Effekt, der durch verbautes Holz am besten ausgeschöpft werden kann, wäre ohne die Leistungen eines ganzen Wirtschaftszweiges nicht erzielbar.


Bauernjournal agrarmarkt austria

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n ov e m b e r 2013

geflügelfleIsch: ama sIchert ganzheItlIch ab

Vom Stall bis zum Teller 8. november

Wir feiern bald den tag des apfels Jedes Jahr wird am zweiten Freitag im November, heuer also am 8. November, der Tag des Apfels gefeiert. Immerhin ist der Apfel das beliebteste Obst der Österreicher. Als wahre Apfeltiger entpuppen sich Familien mit Kindern. Der beste Lagerort für Äpfel ist ein kühler, nicht zu trockener Platz. Die Früchte sollten getrennt von anderem Obst und Gemüse gelagert werden. Sie produzieren bei der Lagerung nämlich Ethylengas, das anderes Obst und Gemüse schneller reifen lässt. Mit zahlreichen Maßnahmen stellt die AMA-Marketing den idealen Jausensnack an seinem großen Tag vor den Vorhang. Mehr als 40.000 Volksschüler in ganz Österreich erhalten am 8. November einen Gratis-Apfel. Ein Informationsfolder „Voll in Fahrt mit Äpfeln“ zeigt auf flotte Weise die Bedeutung von ausgewogener Ernährung und Bewegung. Als Preis im dazugehörigen Gewinnspiel werden dazu passend Sportgeräte verlost. Darüber hinaus machen Citylights und eine bundesweite Hörkampagne auf die Stärken des Apfels aufmerksam. Unter dem Motto „Kindermund tut Wahrheit kund“ erzählen Kinder in humorvollen Reimen, was es für eine gesunde Jause alles braucht. Für alle, die den Apfel auch gern verkochen, wurde eine Broschüre mit außergewöhnlichen Apfelrezepten zusammengestellt. Diese ist ab sofort im Webshop der AMAMarketing gratis erhältlich.

Beim Kauf von Geflügelfleisch müssen Konsumenten ganz besonders genau schauen – vor allem, wenn sie „Qualität aus Österreich“ kaufen möchten. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat in Kooperation mit der AMA 21 Proben von Hendl- und Putenfleisch untersucht. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine klare Kennzeichnung und ein durchgängiges Qualitätsmanagement sind. Geflügelfleisch ist ein sensibles Lebensmittel und verlangt daher einen besonderen Umgang – vom Landwirt bis zum Koch. „Dieser Test des VKI zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Qualitätssicherung entlang der gesamten Produktionskette ist. Genau dafür steht unser AMA-Gütesiegel. Wir sorgen für Qualität vom Stall bis in die Theke“, erklärt Martin Greßl, oberster Qualitätsmanager der AMAMarketing.

Verbesserungspotenzial in den Geschäften In der AMA nimmt man die VKI-Untersuchung zum Anlass, die Richtlinien für das AMA-Gütesiegel weiterzuentwickeln und den Lebensmittelhandel noch stärker in die Pflicht zu nehmen. Immerhin wies mehr als die Hälfte der untersuchten Proben im Geschäft eine zu hohe Kerntemperatur auf. Maximal vier Grad sind nach den Bestimmungen der AMA erlaubt. „Wir werden unsere Kontrollen hier intensivieren“, so Greßl. Weiters fordert der Qualitätsmanager eine bessere und transparente-

ErgEbnissE dEs gEflügEl-TEsTs: v. l.: Martin Greßl, Qualitätsmanager der AMA-Marketing, sowie Birgit Beck und Franz Floss, Verein für Konsumenteninformation (VKI) Foto: APA/AMA/Schedl

re Kennzeichnung in den Verkaufsgeschäften und in den Flugblättern. „Der Einkauf von Geflügelfleisch gleicht einer Schnitzeljagd: zur Täuschung geeignete Deklarationen und Regalauslobungen, fehlende Herkunftsangaben und eine Pickerl-Parade, die Konsumenten in ihrer bewussten Kaufentscheidung verzweifeln lässt.“

AMA-Gütesiegel: Herkunft und Qualität Seit Mai vorigen Jahres ist Geflügelfleisch in die AMA-Familie eingebunden. Wie bei allen anderen Programmen steht auch die Produktion von Huhn und Pute mit dem AMA-Gütesiegel auf den Säulen Herkunft und Qualität, welche von unabhängigen Stellen kontrolliert werden. Geflügelfleisch darf nur dann das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel tragen, wenn die Küken in Österreich erbrütet, aufgezogen und in einem heimischen Betrieb geschlachtet wurden. In puncto Qualität liegt der Fokus auf den Hygienemaßnahmen. Richtlinien gibt es auch hinsichtlich Fütterung: AMA-Geflügel darf

ausschließlich mit qualitätsgeprüften Futtermitteln gefüttert werden. Landwirte, die am AMA-Gütesiegel teilnehmen, müssen Mitglied beim Geflügel-Gesundheitsdienst sein. Dies gewährleistet eine intensive Betreuung durch einen Tierarzt.

Intensive Betreuung durch einen Tierarzt „Die Veterinäre unterstützen die Landwirte bei ihrem Betriebsmanagement, um Mängel erst gar nicht entstehen zu lassen“, erklärt Greß. All diese Vorgaben werden von unabhängigen Stellen einmal jährlich kontrolliert. Dabei ziehen die Kontrollorgane stichprobenartig Futtermittel- und Kotproben, die auf den Einsatz unerlaubter Mittel getestet werden. Jede eingestallte Herde wird vor der Schlachtung auf Salmonellen überprüft. Sind Keime der zwei relevantesten Salmonellen-Stämme nachweisbar, wird die gesamte Herde aus dem AMA-GütesiegelProgramm ausgeschlossen und darf nicht unter diesem Qualitätslabel vermarktet werden.

Diese Seite entstand in Kooperation mit der Agrarmarkt Austria GesmbH

11 bauernjournal november 2013  
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