Issuu on Google+

GRATIS

Dossier: Über die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Vorpommern

BDH-Klinik Neue Therapie-Option bei Hirnschäden

100 Jahre Friedrich Loeffler Institut

Leben in Vorpommern Ihr Journal für Wirtschaft, Politik, Kultur und Unterhaltung


2


3

Liebe Leserinnen & Leser,

das wird man doch wohl noch sagen dürfen! Auf der einen Seite springt eine scheint‘s abenteuerliche Koalition von Claqueuren Thilo Sarrazin als einem Sprachrohr der vermeintlich unterdrückten Mehrheit bei. Auf der anderen Seite überkommt eine gutherrenmenschliche Moralelite die Schnappatmung, weil ein – zumindest nominell – ranghoher Vertreter des Bundes sich nicht an die heimelige Sprachregelung hält. Er lobhudelt nicht diejenigen, die integriert sind. Stattdessen verweist er auf diejenigen, die es aus unterschiedlichsten Gründen eben nicht sind. Die Debatte um das Problem mangelhaft integrierter Einwanderer ist zweifelsohne auch ein Einblick in eine Diskussionskultur, die den Meinungskonflikt als Bedrohung einer konstruierten heilen Welt wahrzunehmen scheint. Dabei ist der Einbruch des Fremden in das Heimatliche eigentlich ein literarisches Kitschmotiv. Dass es auf beiden Seiten anscheinend unkritisch übernommen wird, ist höchst bedenklich. Natürlich wird einerseits Sarrazins Möglichkeit zur Meinungsäußerung in keiner Weise offiziell unterdrückt, selbst wenn einige seiner Sympathisanten diesen Eindruck gerne erwecken. Andererseits wird Sarrazins Gelegenheit zur Meinungsäußerung durch die Art der Diskussion sehr wohl beschränkt. Und zwar ganz im Sinne der großväterlich anmutenden Ermahnung: „Das sagt man aber nicht!” Eine freiheitliche Gesellschaft jedoch muss auch Widerspruch zu ihren akzeptierten Sichtweisen ertragen können. Gerade das macht sie aus – dass jeder, so lange er die Rechte anderer nicht unzulässig einschränkt, die Erlaubnis hat, sich zu was auch immer zu äußern. Sarrazin in die rechte Ecke zu stellen, ist zwar billig und einfach, aber

leider in Teilen nicht unberechtigt. Seine Aussagen fußen sowohl auf lückenhaften Daten als auch falschen Schlussfolgerungen. Allerdings wäre es allemal sinnvoller, ihm die inhaltlichen Ungenauigkeiten seiner Analyse offen und ehrlich, vor allem aber auf Augenhöhe, vorzuhalten. Damit könnte man politischen Irrlichtern leichter den Wind aus den Segeln nehmen. Es ist nämlich seit Jahren ein beliebtes Argumentationsmuster der

sich genau deswegen angesiedelt. Die Verbliebenen Vertreter freiheitlicher Grundwerte stehen dort den Großteil der Zeit de facto auf verlorenem Posten. Der Bundestagsvizepräsident Dr. h.c. Wolfgang Thierse gestand jüngst ein, dass ein einmaliger Besuch daran wenig ändere. Stattdessen muss den Rechtsextremen ihre Themenbesetzungsstrategie durch überlegtes und tagesaktuell problemorientiertes Handeln politischer Entscheidungsträger unmöglich gemacht werden. Dennoch

VORWEG! Rechtsextremen, wie sie auch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sitzen, zu behaupten, dass man doch bloß Fakten auf den Tisch brächte. Mangelhafte bzw. gezielt reduzierte Informationen bilden dabei oft die schematische Grundlage der rhetorischen Ausweichmanöver. Diese sind darauf angewiesen, sich als arme Verfolgte zu stilisieren, die nur die Wahrheit sagen möchten, aber von einem bitterbösen Meinungskartell kriminalisiert würden. Auch rechtsextreme Ideologen bauen auf die hanebüchene Behauptung, dass man ihre Perspektive unterdrücke. Durch die Abkanzelung ihrer Positionen als nicht diskussionswürdig wird dem ungewollt Vorschub geleistet. Ein zwar seltenes, aber Besorgnis erregendes Beispiel für mögliche Folgen dieser ausschließenden Kommunikationsstrategie ist das Dorf Jamel bei Grevesmühlen. Hier hat sich ein Großteil der Bewohner in einem geschlossen rechtsextremen, neonazistischen Weltbild eingerichtet bzw.

lassen sich zu viele Akteure des Politischen in medienträchtige, jedoch leider substanzlose Pseudodebatten verstricken. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen! Einen konfliktfreien und harmonischen Altweibersommer wünscht Ihnen, Henri Dörre, Chefredakteur, und das Team von Land&Leute


4


5

inhalt: 3 6

Vorweg Die Zukunft der ärztlichen Versor- gung in Vorpommern

7 9

Ärztemangel in der Praxis

10

Interview mit Prof. Dr. Hoffmann

12

Politische Lösungskonzepte

13

Therapie von Hirnleistungsstörun- gen

16 17

Alter Bürgermeister kehrt zurück

18

Pionier der Virologie: Friedrich Loeffler

26

Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Met- tenleiter

30

Die Jahrhundertchance

31

Dr. Backhaus zu Gast bei L&L

32

9. Präventionstag in Greifswald

34 36 39

Gastbeitrag zu Greifswalder Kli- matagen

40

Energiekompetenz vor Ort

42

Supersudoku

44

Veranstaltungskalender

46

Kommentar, Impressum

INP eröffnet Anbau 13

Sonderteil FLI

32

115 Jahre genossenschaftliches Wohnen mit der WGG Erstsemesterempfang in Stralsund

10

18

9


6

Ärztliche Versorgung in Vorpommern Eine Studie der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung geht für die Jahre 2009 bis 2011 davon aus, dass der deutschlandweite Bedarf an nachrückenden Ärzten 2600 pro Jahr beträgt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern würden in den kommenden Jahren viele niedergelassene Ärzte altersbedingt ihre Praxen aufgeben. Diese Einschätzungen datieren auf das Jahr 2004. Innerhalb von sechs Jahren hatten sowohl Bundes- als auch Landesregierung also genügend Zeit, sich auf diese Entwicklung einzustellen und wo möglich und nötig wirksame Programme zu konzipieren. Doch nach wie vor praktizieren zu wenige Absolventen als Hausärzte und streben eher in andere medizinische Fachbereiche oder gar ins Ausland. Es bleibt demnach die Frage, welche Ursachen das Problem hat und was getan wird, um es anzugehen.

Nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Versorgung mit Ärzten werden vor allem die ländlichen Räume ausgedünnt. Zu wenige kurz- oder mittelfristig aus dem Beruf scheidende niedergelassene Mediziner werden durch junge ersetzt. Schon gegenwärtig ist es im ruralen Bereich stetig komplizierter, eine angemessene Abdeckung zu gewährleisten. 2006 waren 53,8 Prozent der Landkreise in M-V der Grenze der ärztlichen Unterversorgung nahe. In diesem Kontext muss hinterfragt werden, welche Schlussfolgerungen für die Anpassung an den demografischen Wandel daraus entstehen. Was aber sind die Gründe dafür, dass den ländlichen Gebieten eine ärztliche Unterversorgung droht? Dazu nähern wir uns aus zwei Perspektiven dem Problem, dass immer weniger Ärzte im Lande bleiben (sowohl Mecklenburg-Vorpommern als auch Deutschland).

Bevölkerungsprognosen der Universität Rostock von 2008 zufolge sinkt die Gesamteinwohnerzahl Mecklenburg-Vorpommerns zudem bis zum Jahr 2030 um etwa 182.000 Personen. Damit wird eine Hebung des Durchschnittsalters einhergehen, da die Zahl derer, die älter als 65 Jahre sind, kontinuierlich steigt. Für den stationären sowie ambulanten Bereich bedeutet das neue Herausforderungen. Dabei sinkt der Einfluss des Kostenfaktors mit zunehmendem Alter überraschenderweise. Vielmehr ergeben sich neue Formen der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Es geht dabei auch um die Frage, ob der Arzt Routinebesuche an qualifizierte Fachkräfte delegieren kann. Im Greifswalder Institut für Community Medicine ist dazu schon vor einigen Jahren ein Modellprojekt gestartet worden.

Im Gespräch mit Frau Dr. Sabine Meinhold stellen wir insbesondere die praktische Perspektive des Problems dar. Die Ärztin aus Ueckermünde macht deutlich, dass es konkreter Pläne und einer mutigen Umsetzung erprobter Konzepte bedarf, um auch in Zukunft für Ärzte eine Existenzgründung außerhalb der Städte attraktiv zu gestalten. Aus Sicht derer, die diese Konzepte entwickeln und bereits mit einigem Erfolg durchführen, berichtet Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann im Gespräch mit L&L. Der

Geschäftsführende Direktor des Instituts für Community Medicine der Universität Greifswald weist darauf hin, dass die Zukunft vor allem der hausärztlichen Versorgung auch im Bereich der Telemedizin liegt. Das 100-jährige Jubiläum des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems nehmen wir zum Anlass, diese internationale Forschungsanstalt in einem Sonderteil etwas näher vorzustellen, wobei ein Portrait ihres Gründers in die Thematik einführt. Im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Mettenleiter gehen wir unter anderen der Frage nach, welche Bedeutung die virologische Forschung in Vorpommern momentan hat. Die nächste Grippe kommt bestimmt und uns interessiert, welche Prozeduren im Falle einer Epidemie vor Ort greifen würden. Insbesondere ist es uns ein Anliegen, sachlich auf die tatsächlichen Gefahrenpotentiale einzugehen und zu verdeutlichen, dass die Region in diesem Bereich außerordentlich gut aufgestellt ist. Im vorliegenden Heft geht es insbesondere um die Versorgungssituation. In der nächsten Ausgabe widmen wir uns thematisch daran anschließend der Zukunft der medizinischen Behandlungsformen. Wir stellen Fragen nach neuen bzw. sich neu ergebenden Methoden und liefern einige interessante Antworten darauf. Text: hed Foto: Pixlio


7

Ärztemangel in der Praxis L&l im Gespräch In Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil der über 59-jährigen Ärzte im Zeitraum 1993 bis 2002 erheblich gestiegen. Parallel sinkt die Gesamteinwohnerzahl nahezu kontinuierlich. Zumeist verlassen junge Menschen das Bundesland, weshalb statistisch notwendig das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt. Das wird kurzfristig zu einem gravierenden Problem, denn mit dem Bevölkerungsschwund geht auch ein Ärzteschwund einher. Gerade für ländliche, eher strukturschwache Räume wird sich daher die Lage verschärfen. Die Gründe, weshalb junge Ärzte nicht in der Region bleiben, sind sicher vielfältig, jedoch sind einige ob ihrer Dringlichkeit von hervorgehobener Bedeutung. Um die praktische Perspektive der

Frage nach der Sicherstellung der ländlichen medizinischen Versorgung zu beleuchten, sprach L&L mit der Ueckermünder Allgemeinmedizinerin Dr. Sabine Meinhold.

Sperrige Bürokratie Sie ist sich sicher, dass die Tätigkeit als freiberuflicher Arzt nicht mehr in gleichem Maße wie noch vor einigen Jahrzehnten als lohnenswert wahrgenommen wird. „Momentan sind nur wenige bereit, eine 80-Stundenwoche zu leisten”, gibt sie zu bedenken. Hinzu käme das enorme wirtschaftliche Risiko einer Existenzgründung. Auch deshalb scheuten junge Ärzte oftmals den Schritt der Niederlassung. Zudem sieht sie den

überbordenden bürokratischen Aufwand als Hindernis. Mehr als ein Drittel der Arbeitszeit müsse für verwaltungstechnische Aufgaben – in der Hauptsache das Ausfüllen von Berichten und Formularen für die Kostenträger der medizinischen Behandlungen – eingeplant werden. Es sind letztlich vor allem bürokratische Vorgaben, die die größten Probleme bereiten. Insbesondere die Budgetierung stellt die ärztliche Versorgung vor nicht unerhebliche Schwierigkeiten. „Manchmal schränkt das sogar die Möglichkeiten dessen ein, was Sie eigentlich noch zusätzlich machen könnten”, beklagt Dr. Meinhold. Die Verschreibung von Generica ist in diesem Zusammenhang je nach Erforderlichkeit und Geeignetheit eine Alternative, um dem Kostendruck etwas entgegen zu setzen. Diese Präparate enthalten die gleichen Wirkstoffe wie die namhaften Produkte. In der Qualität unterscheiden sie sich nicht von anderen Erzeugnissen, wohl aber im Preis.

MVZ als Problem? Zu den praktischen treten strukturelle Probleme. „Etliche Absolventen gehen entweder ins Ausland oder suchen Tätigkeiten in der Medizin angeschlossenen Wirtschaftszweigen, etwa der pharmazeutischen Industrie”, sagt Dr. Meinhold. Die Zahl der nach dem Abschluss tatsächlich ärztlich praktizierenden Absolventen geht also zurück. Eine Bündelung ärztlicher Kompetenz erschien der Bundesregierung in einem 2004 verabschiedeten Gesetz zur Einrichtung von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) eingedenk dessen als angemessener Lösungsansatz. Hier findet eine enge Verzahnung von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen statt, so dass zumindest in der Theorie sowohl für die Mediziner als auch die Patienten


8

sehr kurze Wege entstehen. Freilich geht dies zu Lasten der ländlichen Praxen. Deshalb könnte man meinen, die MVZ seien nicht sonderlich gut gelitten bei freiberuflichen Ärzten. Doch dieser pauschale Eindruck täuscht. „Für Ballungsräume und große Städte kann dieses Konzept sehr sinnvoll sein”, relativiert Dr. Meinhold. In ländlichen Gebieten allerdings seien sie weniger brauchbar, weil leicht eine strukturelle Unterversorgung das Ergebnis sei. Wichtig ist ihr daher, dass die MVZ in ärztlicher Trägerschaft und nicht abhängig von Wirtschaftsunternehmen geleitet würden. Zwar sei es von vordringlicher Bedeutung, die Freiberuflichkeit der Ärzte zu erhalten, doch sieht sie Angestelltenverhältnisse nicht als grundsätzlich problematisch. Von entscheidender Bedeutung sei vielmehr die studentische Ausbildung. Aus eigenen Mit-

teln der Kassenärzte wurde daher beispielsweise eine Initiative gestartet, die in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich eine Honorarprofessur an der Universität Rostock einrichten konnte. Zudem leistet die Initiative eine Bezuschussung für die Famulatur (ärztliche Hospitationszeit). Ergänzend wird für die Dauer der Facharztweiterbildung, die jeder Medizinabsolvent durchlaufen muss, ein Gehalt gestellt. So sollen junge Ärzte motiviert werden, ihrer Qualifikation gemäß auch nach dem Studium tätig zu werden.

Ärzte

zurückholen!

Die Mittel zur Umsetzung des Projektes stammen sämtlich aus privater Hand. „Die Initiative haben wir Kassenärzte weitgehend ohne politische Unterstützung auf die Bei-

ne gestellt”, merkt Dr. Meinhold an. Derzeit sieht sie wenig Aktionsfreude auf Seiten der Politik. Dabei sind die Lösungsansätze klar formuliert. Allererst müsse ein Weg gefunden werden, die im Ausland befindlichen Ärzte wieder nach Deutschland zu holen. Leicht einsichtig bedingt und erfordert dies gleichermaßen eine bessere Gestaltung der Arbeitszeit, etwa durch eine Verringerung des bürokratischen Aufwandes. Damit könnte beispielsweise die Attraktivität des Arztberufes in Deutschland wieder steigen, „so dass wir keine pauschale Kürzung der Ausbildungszeiten zum Arzt anstreben müssen, sondern die ausgebildeten Ärzte in Ihrem Beruf wieder tätig werden möchten”. Text: hed


9

Spitzenforschung in Greifswald

INP eröffnet Anbau Die Lücke zwischen dem Biotechnikum und dem Institut für Niedertemperatur-Plasmaphysik Greifswald (INP) ist geschlossen. Nicht nur aus disziplinärer, sondern auch baulicher Perspektive sind die beiden Institute seit dem 24. August offenkundig miteinander verbunden. Dass der Anbau notwendig war, hat einen für den wissenschaftlichen Kosmos Greifswalds und der Region erfreulichen Hintergrund. Zuletzt waren im INP rund 130 Mitarbeiter beschäftigt, obwohl offiziell nur 110 Arbeitsplätze zur Verfügung standen. Sowohl gezielte als auch erfolgreiche Drittmitteleinwerbung gestützt durch international bedeutsame Forschung halfen jedoch, diesen Umstand zu beheben. Der Anbau, dessen Kosten etwa 3,5 Mio. Euro betragen, wurde zu einem Teil vom Bund, zu einem anderen Teil vom Land und zu einem weiteren Teil (400.000 Euro) vom INP selbst fi-

nanziert. Mehr als 90 Prozent der an der Umsetzung beteiligten Firmen kommen aus der Region. Daran ist einerseits die enge Verzahnung, andererseits die immense Bedeutung von Wissenschaft und Wirtschaft füreinander zu erkennen. Innerhalb von eineinhalb Jahren ist so ein Komplex entstanden, der mit 30 Büro- sowie 32 Laborplätzen zukünftig vor allem die Entwicklung der plasmamedizinischen Grundlagenforschung erheblich fördern soll. Damit diese auch direkt in Greifswald in die Praxis umgesetzt werden kann, ist ergänzend ein Plasmatechnikum geplant. Oberbürgermeister Dr. König – selbst Physiker – freute sich ganz besonders darüber, dass das INP die Wissenschaftslandschaft Greifswalds mitbestimme. Dies sei beste Standortwerbung auch über die Grenzen der Stadt hinaus. Im Rahmen seines Grußwortes hob er daher das Motiv der Vernetzung hervor. Eine Woche zuvor sei unter anderen der Marschall der Wojewodschaft Westpommern, Husejko, bei einem Besuch im INP beeindruckt gewesen. Auch mit der polnischen Seite seien, gerade eingedenk der neuerlichen Städtepartnerschaft mit Stettin, langfristig enge Kontakte möglich. Abseits allen Lokalpatriotismus‘ kann ganz nüchtern festgestellt werden, dass die Greifswalder Niedertemperaturplasmaforschung zur weltweiten Spitze gehört. Nur in den USA gibt es derzeit Forschung auf vergleichbar hohem Niveau. Nicht vergessen werden darf dabei, dass die Plasmaphysik von namhaften Wissenschaftlern – wie bspw. Seeliger, Stark oder Gehrcke – zu Beginn des 20. Jhs. in Greifswald mitbegründet wurde. In Kombination mit der ebenfalls traditionsreichen Greifs-

Plasmademonstration im INP

walder Medizin – Namen wie Loeffler, Sauerbruch und Katsch stehen dafür – ergibt sich unserer Tage eine optimale Kooperation mit dem Parallelprojekt Campus Plasma Med. Dass das INP in Greifswald global zu den wichtigsten Plasmaforschungsinstituten gehört, macht auch die 3. Internationale Konferenz für Plasmamedizin deutlich. Diese fand bisher ausschließlich in den USA statt, weil dort das Gros der bedeutenden Forschungsorte beheimatet ist. Gerade die Reihung Europa–Deutschland– Mecklenburg-Vorpommern–Greifswald erfüllt den Leiter des INP, Prof. Dr. Weltmann, mit Zuversicht, auch in Zukunft international mit Forschung im obersten Teil des Leistungsspektrums wahrgenommen zu werden. Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Westermann, bezeichnete die Plasmaphysik gar als konstitutives Element für den Wissenschaftsbetrieb in Greifswald. In seinem Grußwort wies der Ministerialdirektor im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Lukas, darauf hin, dass nur durch die Wechselwirkung von wissenschaftlichen Erfolgen und daraus generierten Steuermitteln eine derartig hoch spezialisierte Forschung ermöglicht werde. Aktuell laufen am INP Projekte mit einem Förderungsvolumen von 20,8 Mio. Euro – ein Betrag, der der Verwirklichung der Hi-Tech-Strategie der Bundesregierung dient. Besonders intensive Forschung wird derzeit in Kooperation mit dem Biotechnikum und der Medizin im Bereich der Wund- und Narbenheilung betrieben. Durch die leicht einsichtige Anwendbarkeit der Ergebnisse erhofft man sich eine breite Akzeptanz des Einsatzes von Steuergeldern. Text: hed; Foto: ces


10

Zwischen Ärztemangel und Gewinnmaximierung

Die Zukunft der medizinischen Versorgung L&L im Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, seit 2002 Inhaber der Professur „Versorgungsepidemiologie und Community Health“ und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Community Medicine der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. L&L: Laut einer Studie der Bundesärztekammer und der kassenärztlichen Bundesvereinigung besteht bundesweit ein Bedarf an 2600 „nachrückenden“ Ärzten. Die Zahl der Absolventen eines Medizinstudiums sinkt jährlich. Ist Deutschland in Bezug auf die medizinische Versorgung der Zukunft auf dem Weg zu einem Entwicklungsland? Hoffmann: Nein, wir haben eines der am besten ausgebauten Gesundheitssysteme der Welt. Nun müssen wir dieses hohe Niveau halten. Ein problematischer Bereich ist der Nachwuchs in Bezug auf Hausärzte und zwar insbesondere in ländlichen Gebieten. Das betrifft sowohl den Osten als auch den Westen Deutschlands. Doch handelt es sich hier nicht um ein Problem der Studentenzahl, denn diese ist staatlich reglementiert. Es gibt genug Medizinstudenten, allerdings landen zu wenige

nach dem Abschluss ihres Studiums bei der Arbeit am Patienten. L&L: Der Marburger Bund rechnet damit, dass bis zum Jahr 2012 ca. 30.000 Ärzte aus dem Beruf ausscheiden. Ein Problem, dass auch in Vorpommern deutlich wird. Zur Zeit fehlen in Mecklenburg-Vorpommern ca. 200 Hausärzte, in fünf Jahren werden es rund 500 sein. Wie ernst ist die Situation tatsächlich? Hoffmann: Die Lage ist in vielen Regionen sehr ernst. Viele Ärzte sind über 60 und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Es muss jetzt gehandelt werden und nicht erst in fünf Jahren, um diesem Problem wirksam entgegen zu treten. L&L: Werden wir damit rechnen müssen, in Zukunft „ärztefreie Zonen” zu haben? Hoffmann: Wenn in einer Region ausscheidende Ärzte keine Nachfolger finden, können Lücken entstehen. Wir haben nun die Aufgabe, uns Systeme zu überlegen, um die Versorgung der Patienten trotzdem sicher zu stellen.

L&L: Mecklenburg-Vorpommern ist als Land der etwas weiteren Wege besonders vom Ärztemangel im ländlichen Raum betroffen. Wie kann man Ihrer Meinung nach diesem Problem am geeignetsten begegnen? Hoffmann: Ich bin überzeugt, dass wir regionale Lösungen finden müssen. Dazu ist eine Mischung verschiedener Versorgungskonzepte – wie Zweigpraxen, Transportdienste oder auch die Umsetzung unseres Qualifikations- und Delegationsprojektes AGnES – notwendig. Dabei werden Hausärzte durch speziell ausgebildete Krankenschwestern in medizinisch unterversorgten Gebieten unterstützt. Gleichzeitig wird Telemedizin, also der Kontakt zwischen Arzt und Patient über Telekommunikation, in diesem Bereich künftig eine wichtige Rolle spielen. Natürlich müssen die Konzepte auf die jeweiligen Regionen angepasst werden. L&L: Wird das Thema aus Ihrer Sicht auf politischer Ebene mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Eile bearbeitet? Hoffmann: Zumindest nehmen alle Parteien das Problem der zukünftigen Versorgung wahr und zeigen eine zunehmendes Interesse. Überall wird an Lösungswegen gearbeitet, nur leider nicht unbedingt gemeinsam. L&L: Rechtsextreme politische Gruppierungen besetzen zunehmend das Thema der ärztlichen Unterversorgung und nutzen es für sich. Sind die Volksparteien zu nachlässig in ihren Bemühungen? Hoffmann: Nein. Es darf nicht vergessen werden, wie schwierig und

Prof. Dr. Hoffmann im Gespräch mit L&L-Redakteur Manuel Opitz


11

komplex dieses Thema ist. Mit den trivialen Sprüchen und Parolen rechtsextremer politischer Gruppierungen ist das Problem der ärztlichen Unterversorgung jedenfalls nicht zu lösen. Die Politik muss sich dazu entschließen, einschneidende Veränderungen in der Gesundheitspolitik vorzunehmen. Dieser Vorgang wird nicht im Konsens aller geschehen können. Die notwendigen Veränderungen umzusetzen und gleichzeitig immer alle Interessengruppen zufrieden zu stellen, ist nicht möglich. L&L: Der demografische Wandel nimmt an Fahrt auf. Zukünftig gibt es weniger, dafür deutliche ältere Menschen in Vorpommern. Steht die medizinische Versorgung vor neuen Herausforderungen oder gar einem Paradigmenwechsel? Hoffmann: Ja, hier kann durchaus von einem Paradigmenwechsel gesprochen werden. Kritisch ist eine praxisrelevante Versorgungsforschung, die vor großen Herausforderungen steht. Die Schreckstarre mancher Kostenträger muss durchbrochen werden. Der demografische Wandel dagegen ist ja nichts Neues, sondern seit langer Zeit bekannt und beobachtbar. Als verstärkender, nicht vorhersehbarer Faktor ist die deutsche Wiedervereinigung zu bewerten. Sie hat zu einer Abwanderung vorwiegend jüngerer Menschen aus den östlichen Gebieten Deutschlands und damit verbunden zu einem Geburtenrückgang geführt. Aber auch in anderer Hinsicht steht die medizinische Versorgung vor einem Wandel: Ziel der Medizin ist nicht mehr nur die Heilung mit Wiederherstellung der vollständigen Gesundheit, sondern vor allem das Begleiten und Unterstützen von Patienten mit chronischen Krankheiten. Die moderne Medizin hat die Aufgabe, ein Leben mit Krankheiten zu ermöglichen und das kann nur durch eine patientenzentrierte Versorgung gewährleistet werden.

L&L: Das Thema der „medizinischen Versorgungszentren“ wird gelegentlich kontrovers diskutiert. Müssen wir damit rechnen, dass medizinische Versorgung mehr und mehr zu einer unter Aktionärsgesichtspunkten betriebenen Leistung wird? Hoffmann: Hier sprechen sie einen aus meiner Sicht wesentlichen Punkt an. Im demografischen Wandel kann die weitgehende Privatisierung des Gesundheitsmarktes insgesamt zu einem Problem werden. Schließlich soll Medizin nicht dort stattfinden, wo am meisten Rendite zu erwarten ist, sondern dort wo sie gebraucht wird. Als Ziel muss stets eine flächendeckende Versorgung gelten, die für alle Menschen zugänglich ist. Deshalb ist das Versorgungssystem letztlich kein System der Gewinnmaximierung. L&L: Gilt das auch für die Pharmakonzerne, die derzeit einen hohen Profit erwirtschaften? Hoffmann: Ja, natürlich. Wir brauchen zwar mehr Pharmaforschung – vor allem im Bereich klinischer Studien – nur darf diese nicht über zu hohe Medikamentenpreise finanziert werden. Die Marktwirtschaft kann die zunehmenden Versorgungsprobleme nicht lösen. L&L: Gibt es aus Ihrer Sicht Hürden bürokratischer oder politischer Art, die Interessenten für eine Praxisübernahme ihre Entscheidung erschwert? Hoffmann: In diesem Bereich erleben wir derzeit eine Reihe von erfolgreichen Veränderungen. Insgesamt findet eine Entflechtung der starren gesetzlichen Regeln und ein Abbau der Bürokratie statt. Dennoch besteht weiterhin Verbesserungsbedarf. Es ist eine weitere Liberalisierung der Reglementierungen notwendig. L&L: Warum scheint der Beruf des Hausarztes bzw. praktizierenden Allgemeinmediziners so wenig attraktiv?

Hoffmann: Er ist gar nicht so wenig attraktiv. Aber derzeit hat dieser Beruf mit einem Imageproblem zu kämpfen. Häufig werden die Arbeitsbedingungen schlechter empfunden, als sie es wirklich sind: „Zu wenig Geld, zu viel Arbeit” lautet vielfach die Devise, die in dieser Schlichtheit einfach nicht der Wahrheit entspricht. Das schreckt viele Studenten von der Arbeit als Hausarzt ab. Zudem ist Allgemeinmedizin ein Gebiet, das akademisch häufig noch weniger hoch angesehen ist als andere Bereiche in der Medizin. Das wird der Komplexität und dem hohen Qualitätsanspruch der hausärztlichen Tätigkeit nicht gerecht. Die Universität Greifswald ist mit erheblicher Unterstützung der Landespolitik gerade aktiv dabei, eine neue Professur für Allgemeinmedizin einzurichten. Die Anerkennung von Hausärzten muss gestärkt werden.


12

L&L: Was unternimmt die Universität Greifswald, um die Niederlassungswilligkeit junger Ärzte zu fördern? Hoffmann: In unserem Programm werden die Studierenden von Anfang an von Mentoren begleitet und erhalten durch Praktika frühzeitig einen Einblick in die Arbeit von praktisch tätigen Ärzten. Wenn diese Praxisnähe eine Motivation auslöst, dann werden sich mehr Studierende dazu entscheiden Hausarzt zu werden. Schließlich beschränkt sich die Aufgabe der Universität nicht nur auf die Ausbildung von Spitzenforschern, sondern umfasst auch die Ausbildung guter Hausärzte. Hier sind also bereits erste Erfolge festzustellen.

L&L: Werden wir uns an neue Formen der medizinischen Versorgung gewöhnen müssen und wenn ja, an welche? Hoffmann: Dieser Prozess der Entwicklung und Erprobung neuer Formen medizinischer Versorgung ist bereits in vollem Gange. Es gibt neben den modernen Delegationskonzepten eine Vielzahl telemedizinischer Konzepte und regionaler Behandlungspfade. Die Akzeptanz innovativer Programme ist seitens der Patienten auf jeden Fall vorhanden. Doch dabei muss eines ganz klar sein: keine Technik der Welt kann den Kontakt zwischen Mensch und Mensch ersetzen. Text: ces, mo; Foto: ces

Fragen an die POlitiker Wir stellten Anfang September auch den gesundheitspolitischen Sprechern der Regierungsparteien postalisch folgende Fragen zur Zukunft der ärztlichen Versorgung: 1. Wie bewertet Ihre Fraktion die Zukunft der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum? 2. Wie bewertet Ihre Fraktion die Gefahr, dass durch eine bisher offenbar unzureichende Behandlung der Problematik die NPD die Gelegenheit nutzt, dieses Thema zu besetzen (wie jüngst im Juli und August geschehen)? Leider erhielten wir selbst nach höflicher Erinnerung bis Redaktionsschluss keine redaktionell verwertbaren Antworten. Um jedoch trotzdem eine Stellungnahme thematisch qualifizierter Landespolitiker zu erhalten, baten wir die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion der Partei DIE LINKE, Frau Dr. Marianne Linke, um eine Positionierung. Diese meint: „Die bedarfsgerechte Planung der Krankenhausleistungen, die gegen-

wärtig beim Land liegt, sollte künftig mit der Bedarfsplanung für den ambulanten Bereich einvernehmlich abgestimmt werden. Die Weiterentwicklung von Medizinischen Versorgungszentren an bzw. in Krankenhäusern als Verbund von stationär und ambulant tätigen Ärzten, sollte weiterentwickelt werden. Vom Zentrum aus können Zweitpraxen in der Fläche, die nicht täglich besetzt sein müssen, die wohnortnahe medizinische Versorgung sicherstellen. Die Ärzten fachlich unterstellten Schwestern oder Pfleger sind unverzichtbar für eine Ärzte entlastende, wohnortnahe medizinische Versorgung in der Fläche („AgNES“). Die Selbstverwaltungen des Gesundheitswesens, Hochschullehrer, Bürgermeister und Landräte sollten sich gemeinsam für ihren Nachwuchs verantwortlich fühlen – also für die Ärztin wie für die Krankenschwester und diese gezielt für ihre Gemeinde, Stadt oder ihren Kreis gewinnen. Ärztinnen, Pfleger, Lehrer und Vertreter/innen aller anderen Berufsgruppen wünschen sich neben einer verantwortungsvollen Arbeitsaufga-

be auch ein anregendes geistig-kulturelles Umfeld mit Theatern, Konzerten, Bibliotheken, guten Schulen usw. Die Steuerpolitik des Bundes mit sich beständig leerenden Haushaltskassen steht diesem entgegen. Das Fachkräfte- also auch das Ärzteproblem in der Fläche wird sich erst auflösen, wenn hier die Politik ihre soziale Verantwortung erkennt und finanzpolitisch umsteuert. Die demokratische Gesellschaft wird überall dort stark sein, wo sie präsent ist, also wo es ein reges geistig – kulturelles – sportliches Leben mit Arbeits- und Entfaltungsmöglichkeiten gibt, das Schlupflöcher für Menschenverführer schließt, statt diese zu öffnen.“ Dr. Marianne Linke DIE LINKE Wir konstatieren, dass zumindest in der Opposition das Problem erkannt und Lösungsmöglichkeiten überlegt wurden.


13

Neue Behandlungsmethode bei Hirnleistungsstörungen Die Szene wirkt futuristisch: der Patient sitzt entspannt in einem Stuhl, an seinem Kopf sind einige kleine Elektroden befestigt. Auf einem Bildschirm dahinter ist sein Gehirn sichtbar. Prof. Dr. Thomas Platz, ärztlicher Direktor der BDH-Klinik in Greifswald, führt ein kleines Gerät über den Kopf des Patienten, das an ein Requisit aus einem Science-FictionFilm erinnert. Vermessungslinien auf dem Bildschirm zeigen genau an, über welchem Punkt seines Gehirns sich das Gerät befindet. Ist der zu behandelnde Bereich präzise erreicht, werden kurze Magnetimpulse ausgelöst, die auf das Hirn des Patienten einwirken. Wir sind Zeuge einer neuen, vielversprechenden Methode zur Behandlung von Hirnschäden, der „repetitiven neuronavigierten Magnetstimulation“, kurz rTMS genannt. Vor wenigen Wochen trafen sich im Greifswalder Alfried-KruppWissenschaftskolleg international renommierte Neurologen aus der ganzen Welt zu einem mehrtägigen Symposium, um die Ergebnisse ihrer Forschungen zu diskutieren. Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Platz (BDH-Klinik) und Prof. Dr. Aurel Popa-Wagner von der Klinik für Neurologie der Uniklinik Greifswald wurden Chancen und Möglichkeiten der neuen therapeutischen Option ausgelotet. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass die rTMS z. B. die Situation von Schlaganfallpatienten

verbessern kann. Je nach behandelter Hirnregion können Mobilität und Sprachvermögen in gewissem Umfang gefördert werden. Positive Effekte der neuen Behandlungsmethode zeigen sich auch bei Wahrnehmungsstörungen, Sprachstörungen, Tinnitus und Depressionen. In den USA ist die rTMS inzwischen von der strengen FDA, der für Arzneimittelzulassungen zuständigen Behörde, als Behandlungsmethode bei Depressionen zugelassen worden. „Noch sind wir am Beginn der Erforschung. Erste Ergebnisse unserer Tests mit Patienten sind aber vielversprechend und machen Hoffnung!“, so Prof. Dr. Platz. „Einer der Vorzüge der Methode liegt darin, dass keine operativen Eingriffe erfolgen müssen, dem Patienten also zusätzliche Belastungen erspart bleiben!“ Durch die hochpräzise fokussierbaren Magnetimpulse kann die Funktion von Nervenzellen im Gehirn angesprochen werden. Dank modernster Computertechnik ist es heute möglich, individuelle Bilddaten des Gehirns eines Patienten zu erfassen und darzustellen. Dies ist Voraussetzung für die präzise Behandlung eines genau definierten Bereiches der Hirnrinde. Je nach Art der Hirnleistungsstörung muss ein bestimmter Bereich des Gehirns behandelt werden. Im Gegensatz zu einem operativen Eingriff, bei dem ein Organ in seiner anatomischen

3D-Darstellung des Gehirns

Struktur verändert wird, handelt es sich hier um „funktionelle Behandlung“, denn das Gehirn wird in seiner Funktionsweise gezielt beeinflusst. Gemeinsam mit ihren internationalen Forschungspartnern wollen die Greifswalder Kliniker nun möglichst rasch ihre Untersuchungen voran treiben, denn noch sind eine Reihe von wichtigen Fragen offen. So ist zu klären, ob es Wechselwirkungen zwischen der behandelten und anderen Regionen des Gehirns gibt. Ebenso zu erforschen gilt, wie sich unterschiedliche Formen und Dauer der Behandlung auswirken und nicht zuletzt die Frage, ob mit der rTMS womöglich eine partielle Heilung des Gehirns gefördert werden kann. Andere Forschungsprojekte widmen sich unter anderem der Frage, in welcher Weise medikamentöse Behandlung und die rTMS sich ergänzen können. Ein weiterer Vorzug der neuen Behandlungsoption ist die Tatsache, dass sie weitestgehend frei von Nebenwirkungen ist. Die Forscher aus aller Welt sind jedoch überzeugt davon, dass sie schon in absehbarer Zeit neue Ergebnisse präsentieren und so einen wichtigen Beitrag zur Heilung von Patienten mit Hirnschäden der unterschiedlichsten Art leisten können. Text/Foto: ces

Prof. Dr. Platz demonstriert die rMTS


Die Neue Kompetenz


Kaminöfen Kaminöfen––die die idealen idealen Begleiter durch durch Herbst Begleiter Herbst und Winter Winter und Ein Kaminofen sorgt für Gemütlichkeit. Richtig ausgewählt hilft er, Heizkosten zu senken und ist nicht zuletzt auch ein Beitrag zum Umweltschutz, denn Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit ausgeglichener CO2-Bilanz. Bei der Auswahl eines Kaminofens sollte man Sorgfalt walten lassen. Ein Gespräch mit dem Schornsteinfeger ist angeraten. Er gibt Auskunft über die Voraussetzungen, die für die Aufstellung des Kaminofens erforderlich sind. Er berät auch bei der Auswahl des optimalen Standorts und bei der Wahl der Leistungsklasse. Kaminöfen bieten ein breites Spektrum moderner Technik. Gewählt werden sollte ein Kaminofen, der den höchsten Anforderungen an gesetzliche Grenzwerte genügt. So wird aufwendiges Nachrüsten oder gar Umbau vermieden, denn auch hierzulande ist die Verschärfung der Vorschriften, zum Beispiel das Thema Feinstaubemission betreffend, im Gespräch. Spezielle Verbrennungstechnik sorgt für einen sparsamen Verbrauch. Dicht schließende Türen und Vorwärmung der Verbrennungsluft verhindern ein Verrußen der Scheibe. Moderne Speichersysteme sorgen dafür, dass der Kaminofen seine Wärme über einen möglichst langen Zeitraum abgibt und so zu einem ausgewogenen, perfekten Wohnklima beiträgt. Sind die technischen Fragen geklärt, stellt sich die Frage nach dem Design. Hier bleibt kein Wunsch unerfüllbar. Vom modernen Edelstahldesign über den klassischen schwarzen Kaminofen bis hin zum modernen Landhauslook ist alles möglich. Keramik, Glas, Speckstein oder Stahl – für jedes Wohnambiente findet sich das Passende. Viele Öfen bieten zusätzliche Details, wie etwa ein Fach zum Brotbacken oder Wärmefächer und Kaminbänke. Die freundlichen Fachberater von Jacob Cement helfen bei der Auswahl. Lassen Sie sich in aller Ruhe beraten, blättern Sie in den Katalogen und schauen sich in der großzügigen Ausstellung in der „Neuen Kompetenz“ um.


16

Greifswald erhält Porträt

des früheren Oberbürgermeisters Max Fleischmann „Es ist uns eine große Freude, dass unser Großvater nach so vielen Jahren in die Stadt, die ihm so am Herzen lag, zurückgekehrt ist“, schrieb Janina Kunicki, die Enkelin des ehemaligen Oberbürgermeisters Max Fleischmann, in das Ehrenbuch der Stadt. Sie übergab das Gemälde im Greifswalder Rathaus, in dem ihr Großvater von 1917 bis 1935 als Oberbürgermeister arbeitete. „Wir freuen uns über das wertvolle Geschenk und sind sehr dankbar dafür“, sagte Oberbürgermeister Dr. Arthur König. „Max Fleischmann war eine wichtige Persönlichkeit. Er hat Spuren hinterlassen, die Greifswald bis heute prägen.“ Als wichtigste Verdienste Fleischmanns gelten die Erarbeitung eines Bebauungsplanes und einer Stadtentwicklungskonzeption. Er war ein Förderer der Universität, setzte sich für die Einrichtung des Heimatmuseums und den Bau des Volksstadions sowie der Obstbaumund Stadtrandsiedlung ein. 1927 erhielt er die Ehrensenatorwürde der Universität. Fleischmann wurde 1877 in Thüringen geboren und starb 1935 in Greifswald. Bevor ihn die Stadtbevölkerung zum Oberbürgermeister wählte, war er als Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister tätig. Jetzt hatte seine Enkelin Janina Kunicki das Bedürfnis, der Hansestadt das Porträt zu schenken. „Vor zehn Jahren war ich schon einmal in Greifswald. Damals haben wir uns die Stadt sehr intensiv angesehen. Es war so ein Gefühl, dass das Bildnis zurück an die Wirkungsstätten meines Großvaters müsste. Hier ist es besser aufgehoben“, sagte sie.

Übergabe des Porträts Das Porträt wurde von der bekannten pommerschen Künstlerin Elisabeth Büchsel gemalt und entstand 1927. Die Stralsunderin lebte von 1867 bis 1957, wirkte in Städten wie Berlin, München oder Paris und malte überwie-

gend Landschaftsbilder von Rügen und Stralsund. Heute sind zahlreiche Werke im Kulturhistorischen Museum Stralsunds ausgestellt. Text: mo Foto: Pressestelle Greifswald


17

100 Jahre

Friedrich-Loeffler-Institut


18

Angesehener Forscher und engagierter Bürger: Es ist finster und muffig, nur durch ein einziges Fenster dringt ein wenig Licht in den kleinen Raum. Die Dunkelheit macht jedes Mikroskopieren unmöglich. Schlecht ausgestattet, in miserablem Zustand und nicht beheizbar sind die vier Räume des Hygiene-Instituts der Universität Greifswald in der heutigen Caspar-David-Friedrich-Straße 2. Die Studierenden finden in dem engen Hörsaal kaum Platz, viele können die Vorlesung nicht besuchen. So hat sich der noch junge aufstrebende Wissenschaftler Dr. Friedrich Loeffler seine Arbeit in Greifswald ganz bestimmt nicht vorgestellt. Doch was verschlägt den Schüler Robert Kochs überhaupt in die alte Hansestadt?

Die frühen Jahre Friedrich August Johannes Loeffler wird am 24. Juni 1852 in Frankfurt/ Oder geboren. Sein Vater arbeitet als Militärmediziner, wodurch ihm das Interesse an Biologie und Medizin bereits in die Wiege gelegt wird. Loeffler besucht ein Gymnasium in Magdeburg und studiert von 1870 bis 1874 Medizin in Würzburg und

Berlin. Dann nimmt er eine Anstellung im Kaiserlichen Gesundheitsamt an, wo er auf Robert Koch trifft. Die gemeinsamen Jahre mit dem berühmten Bakteriologen prägen den jungen Loeffler stark, Koch hält große Stücke auf seinen Schüler. Bereits während dieser Zeit zieht Loeffler mit ersten Erfolgen die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich: Er entdeckt den Erreger der Pferdekrankheit, des Schweinerotlaufs und der Schweineseuche, der Diphtherie und später auch des Mäusetyphusbazillus‘.

Der Ruf nach Greifswald Schließlich übernimmt Loeffler 1888 die Leitung des neugegründeten Hygiene-Instituts in Greifswald. Dabei wollen die Greifswalder den 36 Jahre alten Frankfurter erst überhaupt nicht in ihrer Stadt haben. Zu jung, zu unerfahren, zu unbewandert im Bereich der Chemie und nicht geeignet, das Institut aufzubauen, befinden Mitarbeiter der Fakultät. Nur weil es zwei weitere Kandidaten ablehnen, nach Greifswald zu kommen, fällt die Entscheidung denkbar

Skulptur auf dem Gelände des FLI

knapp auf Loeffler. Daraufhin zieht Familie Loeffler an den heutigen Karl-Marx-Platz. Während der 25 Jahre in der Hansestadt wechselt Loeffler mit seiner Frau und seinen fünf Kindern noch vier Mal die Wohnung: Lebensstationen sind der Markt und die Bahnhofstraße. Arbeitstechnisch gestalten sich die ersten Jahre in der heutigen CasparDavid-Friedrich-Straße als schwierig. Nicht nur die schlechte Ausstattung, sondern auch die problematische finanzielle Lage des Instituts plagen Loeffler. Doch 1893 ist Schluss damit: Die Universität kauft das ehemalige Wohnhaus in der heutigen Martin-Luther-Straße 6 und richtet dort ein neues Hygiene-Institut mit leistungsfähigen Laboratorien und mehr Platz ein. Noch heute befindet sich hier das „Mikrobiologische Institut“ der medizinischen Fakultät und trägt den Namen „Friedrich-LoefflerInstitut“.

Begründung der Virologie Loeffler widmet sich in seinen Forschungsarbeiten insbesondere hygienischen Fragen. Er setzt sich mit Epidemien in der Mäusezucht auseinander, mit der Klärung der Abwässer in den Kliniken der Universität oder mit der Tuberkulosebekämpfung in Deutschland. Seit 1896 führt er auch Versuche zur Maul- und Klauenseuche (MKS) durch. Zu diesen Experimenten beauftragt ihn das Preußische Kultusministerium. MKS ist Ende des 19. Jahrhunderts die schädlichste Seuche unter den landwirtschaftlichen Nutztieren und rafft hunderttausende Tiere dahin. Gemeinsam mit dem Bakteriologen Paul Frosch weist Loeffler nach, dass der Erreger der MKS ein Virus sein muss und beschreibt ihn. Damit entdecken beide die erste Infektions-


19


20

krankheit bei Tieren, die durch Viren verursacht wird. Deshalb gelten Loeffler und Frosch als Begründer der Virologie.

„Zucker, Zucker, meine Herren!“ Dabei gilt Loeffler als äußerst fleißiger, gewissenhafter und energischer Forscher. Ein enger Mitarbeiter schreibt über seine Arbeitsweise: „Hatte er bei der Auffindung einer neuen Färbemethode Erfolg [...] so konnte er sich wie ein Kind darüber freuen, wenn er uns – indem er seine Brille zurückschob – unter dem Mikroskop seine Musterpräparate demonstrierte, wobei er in seiner lebhaften Art begeistert auszurufen pflegte: Zucker, Zucker, meine Herren!“ Ein weiterer Fachkollege beschreibt Loeffler als eine „lebhafte Persönlichkeit mit scharfen, hinter Brillengläsern sehr freundlich blitzenden Augen, die Unterlippe etwas bärbeißig aus dem blonden Stutzbart vorgeschoben, die Sprachweise kurz, berlinisch. Wo er weilte, verbreitete er um sich einen Kranz von Sicherheit, Klarheit und Freude.“ Zudem gilt Loeffler als ganz besonders pünktlich und hartnäckig – Eigenschaften, die er auch von seinen Mitarbeitern forderte. „Wenn er bei einem Versuch um neue Erkenntnisse rang, war er für die übrige Welt verloren“, erzählt seine Sekretärin. Dagegen waren seine Vorlesungen „langweilig und deshalb auch wenig besucht. Er las jedes Jahr dasselbe. Seine Assistenten saßen zur Füllung mit dabei.“

Engagement in der Bürgerschaft

Loeffler lebt sich immer besser in der Stadt ein, ist ein hochangesehener Bürger und lässt sich auch von Rückschlägen nicht beirren. Leidenschaftlich engagiert er sich im Bürgerschaftlichen Collegium. Hier setzt er sich zum Beispiel für die Abwehr der Greifswald bedrohenden Choleragefahr ein. Sein Hauptaugenmerk gilt jedoch dem Problem der Abwässerbeseitigung. In Greifswald gibt es zu diesem Zeitpunkt nämlich noch keine Kanalisation. Die Greifswalder gossen alle Abwässer, mit Ausnahme der Fäkalien, in den Rinnstein der Straße. Das verschmutzte Wasser floss in den Ryck oder in den Stadtgraben. Dadurch traten gleich mehrere Probleme auf: Bei Frost musste das entstehende Eis in den Rinnsteinen regelmäßig abgeklopft werden. Im Sommer dagegen verursachte das Abwasser einen ziemlich üblen Gestank. Außerdem stellten die Rinnsteine ein für die Entwicklung von Krankheitserregern ideales Umfeld dar. Waren sie beschädigt, sickerte das Abwasser in die Erde und gelangte so ins Grundwasser. Doch Loefflers Plan von der Kanalisation wird von den Mitgliedern des Bürgerschaftlichen Collegiums torpediert. Ihr Argument: Zu teuer.

Da die Wasserversorgung völlig unzureichend ist, hätte zusätzlich das Wasserkraftwerk ausgebaut werden müssen. Tatsächlich müssen die Greifswalder ihr Wasser zu diesem Zeitpunkt in die oberen Stockwerke tragen. Loeffler entgegnet auf die Ablehnung des Baus einer Kanalisation: „Aber gebaut wird sie doch!“ Und er sollte recht behalten: Zwischen 1913 und 1916 erhält Greifswald tatsächlich eine Kanalisation.

Skandal um Loeffler Dabei bleibt die Kanalisation nicht der einzige Konfliktpunkt mit den Greifswaldern. 1901 schlagen ihn Mitarbeiter für die Rektorwahl der Universität vor, die durch Klatsch und Tratsch jedoch vereitelt wird. So verdient Loeffler offenbar nicht ausreichend Geld, um seiner Frau Anna und seinen fünf Kindern ein unbeschwerliches Leben zu ermöglichen. Seine Gemahlin sieht sich gezwungen, ein Darlehen aufzunehmen, um Schulden bei verschiedenen Kaufleuten zu begleichen. Für eine Frau in hoher gesellschaftlicher Position ist das natürlich sehr unschicklich. Die Gläubiger verbreiten die Ge-


21


22

schichte in der Stadt, machen den Skandal so perfekt und verhindern die Wahl Loefflers zum Rektor. Allerdings nur vorerst, denn zwei Jahre später wird Loeffler doch noch zum Rektor gewählt. Äußerst unbeliebt macht sich Loeffler bei den Bauern in der Greifswalder Umgebung. Seine Experimente zur Erforschung der MKS führt er durch Tierversuche am Rind durch, wofür ihm ein Versuchstierstall am Stadtrand zur Verfügung steht. Von hier verbreitet er, in Unkenntnis einiger Eigenschaften des neu entdeckten Erregers, die Seuche ins Land. Da sich immer mehr Bauern beschweren, untersagt die Regierung weitere Versuche 1907 schließlich und beklagt in dem Erlass: „Deutschland wäre frei von Maul- und Klauenseuche, wenn sie nicht ... durch die Loeffler’schen Versuche verschleppt worden wäre.“

Neues Forschungsinstitut auf Riems Loeffler ist über diesen Umstand zwar betrübt, sucht sich jedoch rasch einen neuen Ort für seine Versuche: die rund zehn Kilometer nördlich von Greifswald liegende Insel Riems. Hier kann er seine Experimente durchführen, ohne dass eine Gefahr für die Umwelt entsteht. Allerdings dauert

es fast drei Jahre, bis Loeffler seine Forschungen überhaupt aufnehmen kann. Bürokratie und Querelen mit dem Ministerium über finanzielle Fragen verzögern den Baubeginn. Doch am 10. Oktober 1910 ist es soweit: Das weltweit erste Institut, das eigens für die Erforschung von Viruskrankheiten gegründet wird, nimmt seine Arbeit auf. Bereits in den ersten Jahren erzielt das neue Institut Erfolge. Schnell können bedeutende Erkenntnisse für die praktische Seuchenbekämpfung gewonnen werden. Dazu zählt unter anderem der Beweis, dass es grundsätzlich möglich ist, Tiere gegen MKS zu immunisieren. 1911 werden die ersten 75 Liter brauchbaren Schutzserums gegen MKS hergestellt. Die Erkenntnisse aus jenen Jahren bilden bis heute die Grundlage für eine ganze Reihe von praktischen Maßnahmen für die Tierseuchenbekämpfung. Trotz dieser Fortschritte verlässt Loeffler 1913 Greifswald und folgt dem Ruf nach Berlin: Er übernimmt die Leitung des Kaiserlichen Gesundheitsamts, das mittlerweile den Namen „Robert-Koch-Institut“ trägt. Dabei trennt er sich nur ungern von seiner Arbeit in Greifswald. „Seine Abschiedsvorlesung, diesmal überfüllt, zeigte ihm die Begeisterung der Zuhörer für seine unermüdliche Forschungsarbeit und seine schöne Menschlichkeit. Sein Vortrag, den er diesmal tiefbewegt und ohne Kon-

zept hielt, wurde durch nicht enden wollendes Getrampel beantwortet“, hält seine Sekretärin fest. Im gleichen Jahr wird er Ehrenbürger der Stadt Greifswald. In Berlin erliegt Loeffler allerdings bereits zwei Jahre später einem schweren Krebsleiden.

Wissenschaftlicher Durchbruch und Demontage Auf Riems wird die Arbeit während des Ersten Weltkriegs vollständig eingestellt. Erst 1919 setzt der Tierarzt Otto Waldmann die Forschungen fort. In den Zwanziger Jahren verwandelt sich die Insel schließlich in einen großen Bauplatz: Es entstehen weitere Laboratorien, Isolierstallungen, ein Schlacht- und Kesselhaus, ein Kasino, Wohnungen und Garagen. Durch den Bodden wird eine Wasserleitung zur Insel gelegt, die Verbindung zum Festland nach Kalkvitz durch eine Seilbahn geschaffen und außerdem die Schiffsverbindung nach Greifswald aufgenommen. Trotz der Investitionen gelingt der große wissenschaftliche Durchbruch – die Entwicklung eines Impfstoffs zur aktiven Immunisierung der Nutztiere – erst 1938. Das Ergebnis ist eine Vakzine, ein aus inaktivierten oder abgetöteten Krankheitserregern hergestellter Impfstoff, der den gesunden Tierkörper zur Erzeugung von Antikörpern anregt. Diese Vakzine bewährt sich anschließend beim Eindämmen der gefährlichen MKS. Das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 setzt der Arbeit auf Riems jedoch vorläufig ein jähes Ende: Sowjetische Truppen entfernen die komplette Einrichtung als Reparationsleistung.


23


24

Wiedereinrichtung und Wiedervereinigung

legt, gerät die Grundlagenforschung allerdings ins Hintertreffen. Dies führt zu Kenntnislücken in Bekämpfungskonzepten.

Nach dem Kriege können zügig notdürftig ausgestattete Laboratorien eingerichtet werden, so dass die Forschung Ende 1945 schnell wieder aufgenommen wurde. Den Anstoß dazu gab wie schon nach dem Ersten Weltkrieg ein erneuter, verheerender Ausbruch der Maul- und Klauenseuche. In den 50er Jahren investiert die Regierung der DDR massiv in die Forschungseinrichtungen auf Riems. 1951 verabschiedet sie als erster Staat der Welt ein Gesetz, das die Schutzimpfung aller Rinder mit Riemser MKS-Vakzinen vorsieht. Dafür muss das Produktionsniveau deutlich angehoben werden. 1952 erhält die Einrichtung anlässlich des 100. Geburtstags von Loeffler schließlich den Namen „FriedrichLoeffler-Institut“.

Seit 1990 betreibt das Institut ausschließlich Forschung; es erfolgten zahlreiche Investitionen und Ausbauten. 2004 wird es in „FriedrichLoeffler-Institut“, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI), umbenannt. Inzwischen betreibt es mehr als 50 nationale und mehrere internationale Referenzlaboratorien, davon die Hälfte auf Riems. Seit 2008 gehören die Fachinstitute für Tierernährung, Tierschutz und Tierhaltung sowie Nutztiergenetik mit Standorten in Niedersachsen zum FLI, das damit alle Bereiche der Gesundheit bei Nutztieren abdeckt. Heute beschäftigt das FLI rund 950 Mitarbeiter, darunter 150 Wissenschaftler. Sie forschen nicht nur in dem Hauptsitz in Riems, sondern auch an den weiteren Standorten Tübingen, Wusterhausen, Jena, Braunschweig, Mariensee und Celle. Der jährliche Etat der Einrichtung beträgt etwa 50 Millionen Euro.

Neben der traditionellen MKS-Forschung arbeiten die Wissenschaftler auch auf Gebieten wie Schweineund Geflügelpest, Tollwut oder Ferkelgrippe. Als die DDR-Regierung in den 80er Jahren den Schwerpunkt auf die Produktionsorientierung

Die Forschung auf Riems verteilt sich auf vier Fachinstitute: am Institut für Molekularbiologie wird die Struktur von Viren und deren Interaktion mit Wirtszellen untersucht. Die Ergebnisse helfen bei der Entwicklung von Impfstoffen und diagnostischen

Richtfest auf dem Riems am 04. September 2010

Verfahren. Das Institut für Virusdiagnostik entwickelt und verbessert Verfahren zur Diagnose bei Nutztieren. Dazu arbeiten die Wissenschaftler zum Beispiel in Laboratorien für die Schweinepest, die Geflügelpest sowie die Maul- und Klauenseuche. Am Institut für Infektionsmedizin beschäftigen sich die Mitarbeiter mit den Krankheitsabläufen im Tier selbst. Zudem entwickeln sie gezielte Bekämpfungsstrategien wie z. B. die Impfung von Wildschweinen über Impfköder gegen Schweinepest. Schließlich umfasst die Einrichtung auf Riems noch das Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger. Hier weisen die Wissenschaftler neu auftretende virale Infektionserreger nach und charakterisieren sie. Dazu gehören bisher nicht bekannte und in Deutschland noch nicht aufgetretene Viren und weitere Erreger wie Prionen, die z. B. bei Rindern BSE auslösen. Zudem beherbergt das Institut das nationale BSE-Referenzlabor zur Untersuchung von Verdachtsfällen. Mit neuen Erkenntnissen aus der Erforschung infektionsbedingter Tierkrankheiten liefern die Mitarbeiter wichtige wissenschaftliche Grundlagen als Entscheidungshilfen für die Politik. Das betrifft insbesondere die Ernährungs-, Landwirtschaftsund Verbraucherschutzpolitik, zu deren entsprechendem Bundesministerium das Institut gehört. Dabei gelten bei der Forschung auch 100 Jahre nach der Inbetriebnahme noch immer Loefflers Maximen: Genauigkeit, Sorgfältigkeit und Unermüdlichkeit. Text: mo; Fotos: ces


25


26

Internationale Tierseuchenforschung auf dem Riems L&L im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und Leiter des Instituts für Molekularbiologie auf der Insel Riems L&L: Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Mettenleiter, welche Aufgaben hat die virologische Forschung? Mettenleiter: Virologische Forschung ist essentiell für das Verständnis der Interaktion zwischen Erreger und Wirt. Dadurch liefert sie grundlegende Informationen über die Biologie der Erreger und damit die Basis für die Entwicklung von Prophylaxe, beispielsweise Impfstoffe und Therapiemaßnahmen. L&L: Wie haben sich seit der Gründung des FLI vor 100 Jahren die Anforderungen an die Tierseuchenforschung gewandelt? Mettenleiter: Wie vor 100 Jahren steht der Schutz der Nutztierpopulation vor Infektionskrankeiten im Mittelpunkt der Arbeiten des FLI. Die Gründung des Instituts durch Friedrich Loeffler geht ja auf seine Arbeiten zur Erforschung der Maulund Klauenseuche zurück. Im Laufe der Zeit kamen ständig weitere Erreger dazu. Damals ging es vorrangig um die Bekämpfung der Tierseuchen zur Sicherung der Ernährung. Heute spielen weitere Faktoren wie Wirtschaftlichkeit, Handel und nicht zuletzt der Tierschutz eine wichtige

Rolle. Auch der Schutz des Menschen vor Infektionskrankheiten, die von Tieren stammen, so genannter Zoonosen, hat an Bedeutung gewonnen. Und letztlich sind natürlich auch die Sicherheitsanforderungen an ein solches Forschungsinstitut gewachsen, allerdings auch die technischen Möglichkeiten. L&L: Gibt es heute neue oder besondere Risiken, die es früher nicht gab? Mettenleiter: Durch die Globalisierung steht die Forschung heute vor veränderten Herausforderungen. Viren und andere Krankheitserreger können mit dem internationalen Handels- und Reiseverkehr innerhalb kürzester Zeit sehr große Distanzen überwinden. Von „exotischen” Infektionserregern sollte man daher gar nicht mehr sprechen, denn sie können sehr schnell zu uns kommen, wie die Blauzungenkrankheit 2006 oder – als Beispiel aus der Humanmedizin – SARS deutlich gemacht haben. L&L: Nahezu im Jahresrhythmus wird die Gefahr von Pandemien durch neue Erreger, wie Vogelgrippe und Schweinegrippe, medial beschworen. Wie groß ist das Risiko der Entstehung neuer Grippeerreger und deren Auswirkungen auf den Menschen wirklich? Mettenleiter: Influenzaviren, die Grippeerreger, gehören zu den

Prof. Dr. Dr. h.c. Mettenleiter wandlungsfähigsten Viren überhaupt. Sie weisen hohe Mutationsraten auf, das heißt sie verändern sich schnell. Außerdem können sich Influenzaviren von Mensch, Schwein und Vogel unter bestimmten Bedingungen miteinander mischen und es können so neue Erreger entstehen. Dies ist ein natürlicher Vorgang und gehört zur Ökologie dieser Erreger. Unter Umständen können hierbei aber hochinfektiöse krankmachende Erreger entstehen, die ein Gesundheitsrisiko darstellen. L&L: Wie und warum können Viren vom Tier zum Menschen übertragen werden? Wie groß ist das Risiko einer solchen Übertragung? Mettenleiter: Viren sind wahre Anpassungskünstler, die ihre Wirte mit-


27

tels unterschiedlichster Strategien infizieren. Bei manchen Viren reicht eine Tröpfcheninfektion, zum Beispiel bei Influenzaviren, andere werden mit Urin und Kot ausgeschieden oder über Blut übertragen. Und dann gibt es Viren, die nur durch bestimmte Überträger, Vektoren, übertragen werden. Dies können Mücken, Zecken oder auch Nagetiere sein. Das Übertragungsrisiko hängt von vielen Faktoren ab. Der Mensch geht heute anders mit Tieren um und kommt anders mit ihnen in Kontakt als früher, sei es nun in der Landwirtschaft, durch veränderte Freizeitgewohnheiten oder Reisen in ferne Länder. Wir dringen in bisher unerschlossene Regionen vor, durch Besiedlung und Bewirtschaftung rücken wir näher an Wildtiere bzw. diese an uns heran. L&L: Könnten die fortwährenden Warnungen Ihrer Meinung nach einen „Abstumpfungseffekt” bedin-

gen, der im Ernstfall zu einer Unterschätzung des Risikos führt? Mettenleiter: Diese Gefahr besteht natürlich. Auf der einen Seite sind wir froh, wenn sich Ernstfallszenarien nicht einstellen, andererseits müssen wir immer darauf hinweisen, dass es eine dauerhafte „Entwarnung” nicht gibt. Infektionskrankheiten sind grundsätzlich ernst zu nehmen, egal ob sie gerade in der Medienwelt Aufmerksamkeit erregen oder nicht. L&L: Fördert und nutzt nach Ihrer Einschätzung die Pharmaindustrie die mediale Aufmerksamkeit zum Absatz ihrer Produkte? Mettenleiter: Die Pharmaindustrie ist wie andere Industriezweige auf Gewinne angewiesen. So funktioniert nun einmal Marktwirtschaft. In die Entwicklung neuer Produkte, Therapeutika oder Impfstoffe wird viel Geld investiert. Wir dürfen aber

auch nicht vergessen, dass wir diesen Produkten einen wesentlichen Teil unserer verlängerten Lebenserwartung zu verdanken haben. Es ist besser, ein Medikament oder einen Impfstoff grundsätzlich zur Verfügung zu haben, aber nicht nutzen zu müssen, als in eine Situation zu geraten, in der dringend benötigte Pharmaka nicht zur Verfügung stehen. L&L: Welche internationalen Warnsysteme und -strukturen gibt es für den Epidemiefall? In welchem Umfang arbeitet Ihr Institut mit der Humanmedizin zusammen? Mettenleiter: International gibt es verschiedene Organisationen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) oder die Welternährungsorganisation (FAO), die internationale Informationssysteme unterhalten. Weltweit werden anzeigepflichtige Tierseuchen an die OIE


28

gemeldet, die entsprechende Warnungen und Informationen herausgibt. Das Friedrich-Loeffler-Institut arbeitet mit diesen Organisationen eng zusammen. So ist das FLI zum Beispiel seit 2005 ein Collaborating Centre der OIE für Zoonosen in Europa und es betreibt ein Collaborating Centre der WHO für Tollwut. National sind wir in verschiedenen Projekten humanmedizinisch orientierter Institute und Fakultäten an den Universitäten fachübergreifend tätig. Ich nenne hier nur die Zoonosen-Plattform, in der das FLI gemeinsam mit der Universität Münster eine zentrale Rolle spielt. Und nicht nur im Krisenfall stehen wir in engem Kontakt mit den anderen infektionsmedizinisch tätigen Bundesoberbehörden, dem RobertKoch-Institut und dem Paul-EhrlichInstitut. Die vormals strikte Trennung von Human- und Veterinärmedizin weicht zunehmend einer „OneHealth”-Strategie, die eine koordinierte Aktion aller Infektionsmediziner verlangt. L&L: Wie gestaltet sich in diesem Zusammenhang die internationale Vernetzung des FLI? Mettenleiter: Das Institut ist als Collaborating Centre für Zoonosen in Europa der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) an herausgehobener Stelle international tätig. Zudem führt das FLI acht internationale Referenzlaboratorien der OIE und ein Collaborating Centre für Tollwut der WHO. Außerdem ar-

beiten wir mit vielen ausländischen Instituten und Universitäten zusammen, z. B. in Netzwerken wie EPIZONE oder NADIR. Die 2007 gegründete Arbeitsgruppe Internationale Tiergesundheit des FLI leistet Beratungen zur Prävention und Überwachung von Tierkrankheiten, Krisenkommunikation sowie Strategien zur Entschädigung von Tierverlusten im außereuropäischen Bereich. Sie arbeitet auf Anforderung von Organisationen wie der FAO oder der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Es ist durchaus sinnvoll, Tierseuchen vor Ort zu bekämpfen und nicht zu warten, bis sie zu uns gelangen! L&L: Welche Position nimmt das FLI bei der internationalen Forschung ein? Mettenleiter: Auf internationaler Ebene gehört das FLI zu den führenden Einrichtungen. Ich sehe uns da zweifellos unter den „Top Ten” mit Tendenz nach oben. Wenn die neue Infrastruktur fertiggestellt ist, gibt es international nur eine Handvoll vergleichbarer Institute, die sich mit uns messen kann. L&L: Welche Rolle spielt das FLI bei der Entwicklung von Gegenmitteln und Medikamenten? Mettenleiter: Grundsätzlich arbeiten wir prioritär an Methoden der Erkennung (Diagnostik) und Vermeidung (Prophylaxe) von Infektionen, weniger an der Entwicklung von Medikamenten. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Forschung,

nicht auf der Entwicklung bis hin zur Einsatzfähigkeit. Das ist Aufgabe der pharmazeutischen Industrie. L&L: Wird das FLI von Pharmaunternehmen mit Forschungsprojekten beauftragt? Mettenleiter: Wir betreiben keine Auftragsforschung. Allerdings arbeiten wir im Rahmen von Forschungskooperationen auch mit Pharmaunternehmen zusammen, um so ein möglichst rasches Umsetzen von Ergebnissen aus der Forschung in die Anwendung zu erreichen. Dies ist eine wichtige Aufgabe für ein anwendungsorientiert arbeitendes Forschungsinstitut wie das FLI. L&L: Das Friedrich-Loeffler-Institut ist eine bundesunmittelbare Einrichtung. Hat das FLI auch einen politischen Stellenwert?


29

Mettenleiter: Eine der Hauptaufgaben des FLI als selbstständige Bundesoberbehörde ist die Politikberatung. Dafür gibt es die Ressortforschung als eigenständige Forschungsform. Auf der Basis unserer wissenschaftlichen Arbeiten erstellen wir Empfehlungen und Stellungnahmen für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die als Grundlage für Entscheidungen und Rechtssetzungen genutzt werden. Hierzu gehören zum Beispiel auch Risikobewertungen bezüglich der Einschleppung und Verbreitung verschiedener Tierseuchen.

L&L: Welches sind die größten Erfolge in der Geschichte des Instituts?

L&L: Gibt es in irgendeiner Form eine politische Einflussnahme auf das FLI?

L&L: Vor welchen Herausforderungen steht die moderne Virologie im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen?

Mettenleiter: Nein.

Mettenleiter: Der größte Erfolg in der Geschichte des FLI war zweifellos die Entwicklung des ersten aktiven Impfstoffes gegen Maul- und Klauenseuche im Jahr 1938. Aber auch unsere Arbeiten zur Impfung gegen Schweinepest, Tollwut und die Aujeszkysche Krankheit (AK) beim Schwein sind international anerkannt. So ist Deutschland seit 2008 frei von Fuchstollwut und seit 2003 frei von AK. Auch die Impfung von Wildschweinen gegen Schweinepest verläuft erfolgreich.

Mettenleiter: Ständig werden neue Erreger entdeckt, „alte Bekannte” bleiben aber auch weiterhin im Fokus. Natürlich können wir nicht exakt vorhersagen, welche Erreger wann in Zukunft bei uns zur Gefahr werden. Daher müssen wir uns breit aufstellen, um möglichen zukünftigen Gefahren begegnen zu können. Hier spielt die bereit erwähnte Globalisierung eine Rolle, aber auch die noch nicht abschätzbaren Auswirkungen des Klimawandels. Zoonosen werden in der Bedeutung weiter zunehmen, ebenso vektorübertragene Infektionen. Uns wird die Arbeit also so schnell nicht ausgehen. L&L: Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Mettenleiter, vielen Dank für das Gespräch! Interview: ces, mo; Foto: FLI


30

Die JahrhundertChance! Zum ersten Mal seit 100 Jahren öffnet das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems seine Türen zu einem Tag der Offenen Tür. Anlass ist der einhundertste Geburtstag der weltweit ältesten virologischen Forschungsstätte. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es auf dem normalerweise aus guten Gründen hermetisch abgeriegelten Gelände aussieht, sollte sich den 10. Oktober vormerken. Pünktlich um 10 Uhr 10 öffnen sich die Tore für die Gäste, die unter anderem vom Hausherrn, Herrn Prof. Dr. Dr. hc. Mettenleiter, mit einem Grußwort empfangen werden. Geboten wird ein umfangreiches Programm. Wer möchte, kann an einer geführten Besichtigung eines Teilbereiches des Neubaus teilnehmen und sich von den Räumlichkeiten ein Bild machen. So ist ein Einblick in die Stall- und Laborbereiche der unterschiedlichen Sicherheitsstufen möglich, die nach Inbetriebnahme nur noch von den Forschern des FLI betreten werden dürfen.

Seltener Einblick Auch die Außenstellen des FLI nehmen mit eigenen Präsentationen teil und stellen sich und ihre Arbeit vor. Geplant sind Präsentationen rund um das Thema Bakteriologie, zur Nutztiergenetik aber auch zum Stichwort Tierschutz. Um 11:30 Uhr wird das Buch zum Jubiläum vorgestellt. „Das Friedrich-Loeffler-Institut 1910-2010, 100 Jahre Forschung für die Tiergesundheit“ lautet der Titel des Jubiläumsbandes.

In der Bibliothek im Hauptgebäude des FLI gibt es eine Videopräsentation über die 100-jährige Geschichte des Instituts unter dem Titel „100 Jahre wie im Flug“. Für Briefmarkenfreunde gibt es ein ganz besonderes Highlight. Am Tag der Offenen Türe wird zum ersten Mal die Sonderbriefmarke verkauft, die anlässlich des 100. Jahrestages des FLI von der Deutschen Post aufgelegt wird. Selbstverständlich gibt es dazu auch die Ersttagsstempel. Extra zu diesem Anlass wird ein Sonderpostamt der Deutschen Post und des Philatelisten-Vereins Greifswald e. V. eingerichtet. Um 13 Uhr wird schließlich eine Ausstellung zur Institutsgeschichte im „Loeffler-Haus“ auf dem Riems eröffnet. Hier sind Originaldokumente aus der Zeit Loefflers und viele andere Exponate zu sehen.

Interessantes Programm Damit nicht genug. Auf dem weitläufigen Gelände gibt es eine Vielzahl weiterer Angebote, natürlich auch für die jungen Besucher des FLI. Und dass es auch Angebote für das leibliche Wohl gibt, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Ganz sicher also erwartet alle Gäste ein spannender, höchst informativer Tag, den es so schnell nicht wieder geben wird. Denn nach der Festveranstaltung werden sich die Tore des FLI wieder für die Allgemeinheit schließen. Auch an anderer Stelle gibt es in diesem Zusammenhang interessante Angebote. Im Rathauskeller am Markt ist vom 04. bis zum 15. Oktober eine Ausstellung mit dem Titel „Friedrich Loeffler – herausragender

Wissenschaftler und Greifswalder Ehrenbürger“ zu sehen. Im soziokulturellen Zentrum St. Spiritus läuft vom 07. bis 10. Oktober eine Präsentation des Philatelisten-Vereins Greifswald e. V. zum Tag der Briefmarke 2010 und mit dem Schwerpunktthema „100 Jahre FriedrichLoeffler-Institut“. Im Konferenzsaal der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in der Domstraße 11 in Greifswald hält Uwe Kiel vom Stadtarchiv am 7. Oktober 2010 einen Vortrag mit dem Titel „Friedrich Loefflers Verdienste um die Verbesserung der Gesundheitspflege in der Stadt Greifswald“; am 25. November 2010 referiert Dr. Timm Harder vom FLI am gleichen Ort einen Vortrag über Influenzaviren bei Mensch und Tier. Veranstaltungsbeginn ist jeweils 19:30 Uhr. Da der Tag der Offenen Türe beim FLI ganz sicher viele Besucher anziehen wird, wird eigens ein Bustransfer von Greifswald nach Riems und zurück eingerichtet. Den sollten Gäste wann immer möglich nutzen.

Zur Info: Von Greifswald (ab Platz der Freiheit/ „Europakreuzung“ und Steinbecker Brücke) fährt ein kostenloser Sonderbus über Neuenkirchen und Gristow (mit Zwischenhalten des Linienverkehrs) zur Insel Riems und zurück. Von 9 bis 14 Uhr pendelt der Bus alle 20 Minuten zwischen Greifswald und der Insel Riems, ab 14 Uhr fährt der Bus ausschließlich zurück nach Greifswald.


31

LandwirtschaftsMinister Dr. Till Backhaus

in der Redaktion von L&L Am 27. September dieses Jahres besuchte der Minister für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Till Backhaus, die Redaktion von Land&Leute. Hier sprach er mit L&L über zu erwartende Entwicklungen der Landwirtschaft und bezog Position zu Versäumnissen vergangener Jahre, die in den kommenden Jahren an Dringlichkeit gewinnen könnten. Im Rahmen eines Rundgangs durch die Redaktion zeigte er sich zudem interessiert an der täglichen Arbeit sowie den neuesten Projekten des Teams. Das ausführliche Interview lesen Sie in der nächsten Ausgabe.

Dr. Backhaus mit Herausgeber Claus Schwarz und Chefredakteur Henri Dörre


32

Gegen Gewalt, für Kreativität:

Der Präventionstag in Greifswald Am 15. September verwandelte sich der Greifswalder Marktplatz in einen überdimensionalen Pausenhof: Zwischen den historischen Gebäuden tummelten sich lautstark Schülermassen, doch Gesprächsthemen waren keineswegs Tokio Hotel, Twilight oder die neuesten Computerspiele, sondern Toleranz, Mediation und Demokratie. Zahlreiche Schulen und Vereine präsentierten auf dem mittlerweile neunten Präventionstag unter dem Motto „Coole Schule“ ihre Projekte gegen Gewalt, Drogen und Kriminalität. So mixten Schüler des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums schmackhafte Cocktails mit Säften, Sirup und frischem Obst. „Wir wollen zeigen, dass man leckere Cocktails auch ohne Alkohol mischen kann”, erklärte Lisa (17). Feiern und Spaß haben ohne Komabesäufnis – so lautet die Quintessenz der Aktion. Einem ganz anderen Thema widmeten sich die Schüler der ErnstMoritz-Arndt-Schule. Sie erstellten ein Raucher-Quiz, mit dem sie auf die gesundheitlichen Gefahren der Glimmstängel aufmerksam mach-

ten. „Schließlich setzt nicht nur der Raucher selbst seine Gesundheit aufs Spiel, sondern auch die seiner Mitmenschen”, wusste Linda (15) zu berichten. Um keine Raucherlunge zu bekommen, will sie ihre Finger von den Zigaretten lassen. Wie Konflikte am besten gelöst werden können, erarbeiteten die Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule in ihrem Mediationsspiel. „Mediation heißt Vermittlung”, klärt Anna (14) auf. „Wenn sich zwei Menschen streiten, schaltet sich eine weitere Person ein, die hilft den Streit zu beenden.” Wichtig sei, dass der Streitschlichter unparteiisch, ruhig und sachlich bleibe. Davon, dass diese Methode funktioniere, habe sich die Schülerin selbst überzeugt: „Mediation hilft tatsächlich, Streitereien viel schneller zu beenden“, meinte sie. Ein besonders aufwendiges Projekt haben sich die Schüler der Klasse 8c der Johann-Heinrich-PestalozziSchule einfallen lassen. Sie verfilmten das Märchen „De Fischer un sine Fru” (überliefert durch Philipp Otto Runge) – und zwar gleich in drei

Varianten. Die Geschichte von der raffgierigen Frau zeigt, wie Maßlosigkeit dazu führen kann, alles zu verlieren. Das Drehbuch stammte aus eigener Feder, Lieder wurden selbst eingesungen sowie ein Trickfilm gezeichnet. „Der Dreh hat zwar großen Spaß gemacht, aber wir haben sehr viel Geduld gebraucht, weil manche Szenen immer wieder gedreht werden mussten”, berichtete Jessica (15), eine der Hauptdarstellerinnen. „Insgesamt haben die Arbeiten an den Filmen sechs Monate gedauert”, sagte Andrea Kubernath, eine Leiterin des Projekts. Sie ist jedenfalls hochzufrieden mit ihren Schülern. Daneben hatten die Schüler die Möglichkeit, ihr sportliches Geschick bei einem Fußballturnier unter Beweis zu stellen und ihre Kreativität beim Graffitisprayen auszuleben. Wer ausprobieren wollte, was mit dem Körper unter Einfluss von Alkohol und Drogen geschieht, konnte die sogenannte „Rauschbrille“ aufsetzen und sich einem Parcours stellen. Vor Ort war auch die Landeszentrale für politische Bildung, die in ihrem Bus „Demokratie auf Achse” über Menschenrechte und Freiheit informierte. Die Landespolizei machte dagegen auf das Thema „Sicherheit im Sattel“ aufmerksam und verloste zwei Trekkingräder. Hoch her ging es auf der großen Veranstaltungsbühne. Hier tanzten die jungen Mädchen der HipHop-Gruppe des Sommerprojektes Schönwalde II zu modernen Beats Breakdance. Für einiges Aufsehen sorgte „Ali der Rapper”, der dem Publikum mit Texten gegen Gewalt und Kriminalität einheizte und viel Applaus erhielt. Entspannter wur-


33

de es dann mit einer Initiative des Stadtjugendrings. Die Mitarbeiter hatten im Vorfeld des Präventionstages einen Literaturworkshop angeboten, dessen Ergebnisse auf der großen Bühne präsentiert wurden. Dabei trugen die Schüler ihre kreativen Geschichten und Gedichte vor.

setzte mit Songs von den Simple Minds, Depeche Mode und U2 den Schlusspunkt eines Tages, der mittlerweile allerdings nichts mehr mit Prävention gemein hatte.

Dabels und die Polizeimöwe Clara eröffnen den Präventionstag 4731: Dembski beim MediationSpiel

Text und Fotos: mo 4147: Dembski,

Mit von der Partie war auch Ulf Dembski, Senator für Jugend, Soziales, Bildung, Kultur und öffentliche Ordnung. Er eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit Hans-Jürgen Dabels, dem Vorsitzenden des Präventionsvereins Greifswald, und der Polizeimöwe Clara. Anschließend ließ er es sich nicht nehmen, eine Runde über den Marktplatz zu drehen, sich von den Kindern über Konfliktlösung aufklären zu lassen und gemeinsam mit Dabels am Mediationsspiel teilzunehmen. „Ich halte Prävention für sehr wichtig”, sagte Dembski. „Die Beteiligung wird von Jahr zu Jahr größer und es ist deutlich zu sehen, wie die Schüler mit Eifer dabei sind. Das Besondere an dieser Veranstaltung ist, dass sie sich keinen Vortrag anhören, sondern selber aktiv sind und ihre Ideen umsetzen.” Dadurch würden die Schüler die Leitgedanken des Präventionstages mit nach Hause nehmen. Zufrieden zeigte sich auch Dr. Christine Dembski, die Koordinatorin des Präventionstages. „Die Idee dieses Tages ist es, denjenigen, die Präventionsarbeit leisten, eine öffentliche Plattform zu bieten und die Öffentlichkeit auf solche Projekte aufmerksam zu machen.” Über die vielfältigen Angebote sei diese Idee sehr gut umgesetzt worden. Am Abend fand schließlich ein Generationenwechsel auf dem Marktplatz statt: Die Schüler gingen nach Hause, stattdessen kamen Eltern und Großeltern, um der Coverband „Mind2Mode“ zu lauschen. Sie sorgte stundenlang für ausgelassene Stimmung auf dem Marktplatz und

Senator Dembski, Dabels und die Polizeimöwe Clara bei der Eröffnung


34

Globale Probleme – lokale Lösungen

Greifswalder Klimatage Da sitzen drei auf einem Floß. Weil es ihnen kalt ist, machen sie ein Feuer. Das geht gut. Denn sie haben ja viel Holz „dabei“. Stück für Stück sägen sie ab, haben es warm und singen „So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage...“ Mit spitzer Feder hat der Karikaturist Jupp Wolter damit eine existentielle Herausforderung der Menschheit auf Papier gebracht – unseren Umgang mit Ressourcen. Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn Nachhaltigkeit heißt, rechtzeitig nachdenken und handeln. Wir dürfen den Ast, auf dem wir sitzen, nicht absägen. Obwohl wir wissen, dass der Klimawandel unsere Erde bedroht und dass die natürlichen Rohstoffe endlich sind, werden trotz vieler guter Ansätze bestehende Potenziale zur Energieeinsparung immer noch nicht hinreichend genutzt. Dabei müsste doch eigentlich eine einfache Regel gelten: Schlage nicht mehr Holz, als nachwächst. Und pflanze neue Bäume, damit auch deine Kinder und Enkel Holz haben. Nachhaltigkeit ist die Leitidee für unsere Zukunft: eine wirtschaftlich, ökologisch und sozial intakte Welt hinterlassen, so dass den nachkommenden Generationen die gleichen Möglichkeiten gegeben werden, wie wir sie heute haben – und zwar in Frieden und Freiheit. Wichtige politische Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung wie z. B. die Ziele zur Verminderung des Energieverbrauchs oder des Verkehrs lassen sich ohne das Engagement und die Mitwirkung jedes Einzelnen nicht mit Leben erfüllen. Dabei ist wichtig, nicht auf andere zu zeigen, sondern in seinem Umfeld selbst etwas zu tun: Global denken – lokal handeln!

Es gibt überzeugende Gründe für ökologisch gebotene Verbrauchsreduzierungen: Ökonomische Gründe der Sparsamkeit z. B. oder den Sättigungsgrad, der uns in eine postmaterialistische Gesellschaft führen müsste und schließlich die ungleiche Verteilung weltweit: 20% der Menschen verbrauchen 80% der Ressourcen. Doch von all diesen Notwendigkeiten ist bislang nicht oder noch zu wenig zu merken. Die egoistischste Gesellschaft ist offensichtlich die postmaterialistische. Dazu kommt, dass Umweltfragen komplex, kompliziert, emotional besetzt (Ängste -!-) und damit aus ganz unterschiedlichen Interessen instrumentalisierbar sind. „Richtiges“ Denken und Handeln können aber in einer pluralistischen Demokratie nicht per Befehl in Art einer Ökodiktatur verordnet werden – von niemandem. Vielmehr muss in langfristig angelegter Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit dafür geworben werden, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger eine eigene Meinung bilden und sich dann auch entsprechend verhalten. In diesem Sinn haben die Akteure des Klimaschutzbündnisses der Hanse- und Universitätsstadt Greifwald (Stadtverwaltung, Universität, Klinikum, Stadtwerke, WVG, WGG und Technologie Zentrum Vorpommern) für die Zeit vom 05. Oktober bis zum 08. Oktober 2010 ein breit gefächertes Angebot für ganz unterschiedliche Zielgruppen komponiert: Vier attraktive Bausteine, die bereits jetzt weit über die Klimatage ausstrahlen (weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten zu den einzelnen Bausteinen unter www.klimaschutzgreifswald.blogspot.com). Neben dem Erfahrungsaustausch mit nationalen Teilnehmern strebt Greifswald mit dem durch die Eu-ropäische Union geförderten

„TwinTownClimate“-Projekt natürlich auch die vertiefte Kooperation mit seinen Partnerstädten an. Den Auftakt der Klimatage bildet am 05. Oktober eine kreative Schülerakademie in Zusammenarbeit mit der bundesweiten Initiative „Plant for the planet“, die damit erstmals in Mecklenburg-Vorpommern agiert. Getreu ihrem Motto „Weltweit Millionen Bäume“ werden die Schülerinnen und Schüler als Höhepunkt einige Bäume auch in Greifswald pflanzen und ihre Ergebnisse des Tages den Erwachsenen am Abend öffentlich im Alfried-KruppWissenschaftskolleg präsentieren. Die Impulse dieses spannenden Tages sollen die jungen Klimabotschafter anschließend in die Schulen der Stadt tragen. Interessante Informationen zu dieser Initiative gibt es unter „Plant for the planet in Greifswald“. Alle Bürgerinnen und Bürger sind dann am Abend des 05. Oktober in das Krupp-Wissenschaftskolleg zu einem Festvortrag eingeladen: „Leben im 21. Jahrhundert – welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern?“. Referent ist Frithjof Finkbeiner, selbst ehemaliger Unternehmer, heute Mitglied des Club of Rome und Koordinator der Global Marshall Plan Initiative, deren Ziel eine „Welt in Balance“ ist. Das erfordert eine bessere Gestaltung der Globalisierung und der weltökonomischen Prozesse: eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft. Der Eintritt zu dieser Abendveranstaltung ist frei. Oberbürgermeister König wird am 06. Oktober im Rathaus offiziell die 2. kommunale Klimakonferenz eröffnen, Staatssekretär Möller aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus ein Grußwort der Landesregierung überbringen.


35

In Vorträgen und Workshops stellen anschließend renommierte Wissenschaftler Ansätze und Instrumente zur Senkung des CO2-Ausstoßes vor, während Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft realistische Möglichkeiten der Umsetzung solcher Maßnahmen diskutieren. Im Mittelpunkt stehen Methoden zur CO2-Bilanzierung für Kommunen, das Potenzial der Minderung von Emissionen durch Gebäudesanierung, bei der Wärme- und Energieversorgung sowie im Verkehr. Dabei wird besonderer Wert auf eine nachhaltige Planung und die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in den Klimaschutzprozess gelegt. Am 08. Oktober treffen sich die Vertreter Greifswalds und der Partnerstädte, um die Schwerpunkte der künftigen Zusammenarbeit festzulegen. Den Abschluss der Klimatage bildet der 2. Greifswalder Klimaaktionstag. Ab 14.00 Uhr gibt es ein buntes Programm aus Musik, Film, Theater und eine Vielzahl von Infoständen. Beste Gelegenheit, sich allein oder mit anderen auf dem Marktplatz zum Thema Klimaschutz

auf unterhaltsame Weise schlau zu machen und sich auszutauschen. Zugegeben: Als Gründungsmitglied eines europaweiten Bündnisses engagierter Städte und mit dem Klimaschutzbündnis Greifswald 2020 hat sich die Stadt ambitionierte Ziele gesetzt (Reduktion der CO2-Emissionen bis 2020 um 14% im Vergleich zum Jahr 2005). Die vier Bausteine der Greifswalder Klimatage bieten eine gute Möglichkeit zur Information.

ren lassen. Es geht nicht um rückwärtsgewandten Verzicht, sondern um eine gemeinsame Zukunftsfähigkeit. Nachhaltige Entwicklung und wirtschaftliche Prosperität schließen sich nicht aus, sondern passen sehr gut zusammen und ergänzen sich sogar. Diese spannende Idee muss nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch im Alltag Chefsache werden und damit raus aus der Nische, rein in das Zentrum strategischer Überlegungen!

Dabei müssen Herausforderungen richtig dimensioniert (weder übernoch untertrieben) werden, es darf weder pessimistischer Fatalismus, noch optimistischer Leichtsinn entstehen. Probleme müssen einfach und verständlich geschildert, rational aufbereitet und verbreitet werden. Es ist nötig, Umweltaspekte als Querschnittsthemen in anderen Politikfeldern zu installieren. Die Breite der Umweltpolitik muss zunehmen, nicht die Schärfe.

Bleibt zu hoffen, dass die Ansätze der Greifswalder Klimatage keine Eintagsfliegen sind, sondern im Sinn des zukunftsweisenden Leitbildes der Stadt konsequent fortgeführt werden. Warum können inhaltliche „Anstöße“ dieser oder ähnlicher Art eigentlich nicht über das Jahr verteilt für eine notwendige Verankerung des Themas in möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen sorgen? Die eingangs geschilderten Menschen auf dem Floß werden uns nicht mehr loslassen.

Ganz entscheidend wird es aber darauf ankommen, das bisherige Kommunikationsdefizit zu lösen: Umwelt- und Klimaschutz sind vitale Herausforderungen, die sich sehr gut in ein modernes Leben integrie-


36

Solidarität und Selbstverwaltung:

Genossenschaftliches Wohnen in Greifswald L&L im Gespräch mit Frau Dr. Gudrun Jäger, Vorstand Mitgliederwesen der Wohnungsbau-Genossenschaft Greifswald eG (WGG), und HansGeorg Falck, Vorstandsvorsitzender. L&L: Frau Dr. Jäger und Herr Falck, Sie sind in einer Genossenschaft tätig. Was bedeutet genossenschaftliches Wohnen überhaupt? Dr. Jäger: Wohnen in einer Genossenschaft heißt Wohnen in einer Solidargemeinschaft, die sich durch Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung auszeichnet. Hier wird Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Jedes Mitglied kann sich einbringen. Das Besondere ist, dass eine Genossenschaft nicht auf Gewinnmaximierung hinarbeitet. Die Mitglieder sind Miteigentümer. Das eingesetzte Kapital dient ausschließlich der Unterhaltung des Unternehmens und dem Zweck der Mitgliederförderung. L&L: Die WGG hat vor rund zehn Jahren ein Strategiepapier erarbeitet, das den Zeitraum von 1999 bis 2010 abdeckt. Sind die Ziele erreicht worden? Hans-Georg Falck und Dr. Gudrun Jäger, WGG

Falck: Wir haben unsere Ziele nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Das gilt sowohl für die Bestandssanierungen als auch für die Realisierung von Neubauten. Ermöglicht wurde dies durch eine Stärkung unserer wirtschaftlichen Kraft, die mit der zügigen Reduzierung von Leerständen zusammenhängt. L&L: Gibt es ein neues gleichartiges Konzept? Falck: Ja, wir diskutieren gerade über eine Aktualisierung des Strategiepapiers und nehmen eine Neubewertung der einzelnen Standorte von der Fleischervorstadt bis zum Ostseeviertel vor. Dabei wird untersucht, ob die Bestände den aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen Rechnung tragen oder aber ob Veränderungen nötig sind. So erarbeiten wir ein neues Konzept, das einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren abdeckt. L&L: Und wie gelangen die Bedürfnisse der Mitglieder zum Vorstand der WGG? Dr. Jäger: Um gezielt auf die Wünsche von Mitgliedern eingehen zu

können, ist ein intensiver Kontakt notwendig. Aus diesem Grund werden die Mitglieder regelmäßig befragt, so dass uns ein aktuelles Meinungsbild vorliegt. L&L: Der Jurist Hermann SchulzeDelitzsch meinte im 19. Jh.: „Mehrere kleine Kräfte vereint, bilden eine große, und was man nicht allein durchsetzen kann, dazu soll man sich mit anderen verbinden.” Ein Ausspruch, der programmatisch für die Wohnungsbaugenossenschaften auch in Greifswald ist? Dr. Jäger: Ja, das ist auch heute noch so. Falck: Je größer eine Solidargemeinschaft ist, desto besser entwickelt sich die Position dieser Gemeinschaft. Wenn gute Ideen und Konzepte zustande kommen, findet sie Zuspruch und wird schließlich ein wesentlicher Faktor im regionalen Bereich, wie die WGG einen darstellt. L&L: Die „Platte“ ist mitunter als Brutstätte sozialer Brennpunkte verrufen. Ein hoher Leerstand hat zu Beginn der 1990er Jahre anfangs auch in Greifswald zu einer prekären Wohnsituation geführt. Mit welchen Maßnahmen begegnete und begegnet die WGG diesem Problem? Falck: Der Ruf der „Platte” ist viel schlechter, als es in der Realität der Fall war und ist. Tatsächlich standen teilweise zwischen 12 und 15 Prozent der Plattenbauwohnungen leer. Dieses Problem konnten wir mit zügigen und umfassenden Sanierungen sowie Rückbauten lösen. Insgesamt haben wir seit 1990 rund 295 Millionen Euro investiert.


37


38

Dr. Jäger: Die „Platte” wird häufig mit Verwahrlosung oder Ungepflegtheit der Häuser und des Wohnumfeldes verbunden. Aber dies haben wir zu keinem Zeitpunkt zugelassen. Von daher sind soziale Brennpunkte keineswegs grundsätzlich auf die Bauweise zurückzuführen. L&L: Die WGG versteht sich auch als Dienstleister in sozialen Belangen. In welcher Form und in welchem Umfang wird sie diesem Anspruch gerecht? Falck: Wir bieten eine ganze Reihe von Dienstleistungsangeboten. Wir stellen als eines der wenigen Unternehmen eigene Betriebshandwerker und können so Missstände schnell und effizient beseitigen. Unser Hausmeistersystem ist nicht nur umfangreich, sondern bietet auch eine Besonderheit: Hier spricht Mitglied zu Mitglied. Dr. Jäger: Außerdem haben wir qualifizierte Sozialarbeiter eingestellt. Sie ermöglichen eine professionelle Konfliktlösung und Lebensberatung, zum Beispiel wenn es um Mietschulden geht. Zudem unterstützen wir den Nachbarschaftshilfeverein als Hauptsponsor. Er fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und stärkt Nachbarschaften. Daneben kommt es uns darauf an, eine generationenübergreifende Kommunikation innerhalb der Genossenschaft zu gewährleisten. L&L: Während ihres 115-jährigen Bestehens hat die Genossenschaft das Wilhelminische Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die DDR, die BRD sowie zwei Weltkriege und die Wiedervereinigung miterlebt. In jedem der Systeme musste sie geeignete Anpassungsstrategien entwickeln. Wie viel hat sie angesichts dessen gegenwärtig noch mit dem ursprünglichen Spar- und Bauverein gemein? Falck: Die Genossenschaft fußt auf dem Solidaritätsgedanken, heute

wie vor 115 Jahren. Dieser Anspruch konnte stets erfüllt werden, da der jeweilige gesetzliche Spielraum – selbst wenn er noch so klein war – stets ausgenutzt wurde. Dabei hat die Idee der Selbstverwaltung die Genossenschaft zusammengehalten. Das ist natürlich auch auf das Geschick des jeweils handelnden Vorstandes zurückzuführen. Dr. Jäger: Auch die Organisation der Wohnungsbaugenossenschaft ist nahezu unverändert. Nach wie vor treten Mitglieder in Vertreterversammlung, Vorstand und Aufsichtsrat zusammen. Die WGG lebt weiterhin von der Mitgliedschaft. Gegenwärtig haben wir rund 7.600 Mitglieder – bei knapp 7.000 Wohnungen. L&L: Laut verschiedener Studien zur demografischen Entwicklung wird die Bevölkerungszahl in Greifswald bis 2030 stabil bleiben oder steigen. Wie stellt sich die WGG für die Zukunft auf? Falck: Wir verlassen uns bei unseren Planungen nicht nur auf die Prognosen, zumal diese sehr unterschiedliche Vorhersagen treffen. Unsere Arbeitsgruppe „Stadtumbau“ befasst sich ausführlich mit möglichen Zukunftsszenarien der Bevölkerungsentwicklung. Der entscheidende Faktor bleibt dabei die Universität. Derzeit gehen wir davon aus, dass sich die Bevölkerungszahl stabilisiert. Aus diesem Grund ist kein weiterer Rückbau geplant. Neubauten konzentrieren sich zielgerichtet auf Familien, Senioren und Studierende. Gleichzeitig prüfen wir, welche Wohneinheiten weiter modernisiert werden. Insgesamt sehen wir uns auf einer guten Grundlage, variabel und zügig auf neue Entwicklungen und Anforderungen reagieren zu können. L&L: Welche Ziele hat sich die WGG in Bezug auf ihre Mitglieder und Mieten gesetzt?

Dr. Jäger: Wir wollen uns weiterhin an der Gemeinschaft als Ganzes orientieren, nicht nur an ihrer Spitze. Das heißt, dass wir Angebote an alle Bevölkerungsschichten unterbreiten. Falck: Die Höhe der Miete unserer Wohnungen liegt unter dem Durchschnitt. Derzeit beträgt die Nettokaltmiete in Greifswald durchschnittlich 4,60 Euro pro Quadratmeter, bei unseren Wohnungen dagegen 4,38 Euro. Unsere Mieter profitieren also davon, dass wir nicht gewinnmaximierend eingestellt sind und das wird auch in Zukunft der Fall sein: Die Mitglieder stehen im Mittelpunkt. L&L: Frau Dr. Jäger, Herr Falck, wir danken für das Gespräch! Interview: mo, ces; Foto: ces


39

Feierlicher Empfang

Erstsemester in Stralsund Gespannt und erwartungsvoll ruhen Hunderte Paare Augen junger Gesichter auf Prof. Dr.-Ing. Joachim Venghaus, Rektor der Fachhochschule Stralsund, der am Altar der St. Marienkirche hinter einem Rednerpult steht. Für sie alle beginnt ein neuer Lebensabschnitt und eine neue Bewährungsprobe: das Studium. „Wir heißen Sie herzlich in unserer wunderschönen Hansestadt willkommen“, empfängt Venghaus die neuen Studierenden des kommenden Studienjahres. Dabei sitzt vor ihm nur die letzte Auswahl aus einer Flut von Bewerbern. Fast 2.700 Bewerbungen hatte die Fachhochschule zu prüfen, so groß war der Andrang noch nie. Allerdings konnten nur 727 Studienplätze vergeben werden, schließlich soll die Qualität nicht leiden. Ganz besonders freut sich Venghaus über die steigende Anzahl von Bewerbern aus anderen Bundesländern. Die Zahl von Kommilitonen aus Mecklenburg-Vorpommern lag erstmals unter 50 Prozent „Wir können eine Trendwende feststellen: Bewerbungen aus 15 Bundesländern zeugen von einer Vergrößerung unseres Wirkungskreises“, so der Rektor. Auch Studierende aus Ländern wie Polen, Russland, China oder Argentinien nehmen in Stralsund ihr Studium auf. Verantwortlich dafür seien insbesondere die moderne Ausstattung sowie überaus engagierte Professoren und Mitarbeiter. Einen weiteren Grund für den Bewerberboom sieht Udo Michallik, Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur von MV, in den hervorragenden Ranking-Ergebnissen der Fachhochschule. Insbesondere der Studiengang Maschinenbau gehört zur nationalen Spitzengruppe, z. B. was die außerordentlich gute Be-

treuung der Studierenden angeht. Michallik ist überzeugt: „Die FH Stralsund ist eine leistungsstarke und innovative Bildungseinrichtung, an der optimale Studienbedingungen herrschen.“ Als Ziel gibt er die Profilierung aller Hochschulen im Land vor. MV müsse sich zu einem Wissenschafts- und Technologiestandort sowie zu einem studentischen Einwanderungsland entwickeln. Neben der Begrüßung der neuen Studierenden fand auch eine Verabschiedung statt: Die Absolventen, die ihr Studium bereits hinter sich gebracht haben, erhielten ihre Diplom-, Bachelor-, und Masterurkunden. Außerdem wurden Auszeichnungen für herausragende Leistungen vergeben. Großen Applaus erhielt die Greifswalderin Jana Hölzel, die ihr BWL-Studium mit 1,0 abschloss und dafür den Studienpreis der Stadt Stralsund erhielt. „Der Arbeitsmarkt wartet auf Sie“, sagt Venghaus und wünscht allen viel Erfolg: „Unsere Absolventen schicken wir in die Welt auf ihren Weg.“ Nach dem Festakt konnten sich die Erstsemester auf dem Begegnungsmarkt ein Bild über ihren künftigen Wohn- und Lebensort machen. Hier wurden Stadtpläne verteilt, über Freizeitaktivitäten in Stralsund informiert oder Studienberatung geboten. Besonders heiß umkämpft war der Stand mit dem Freibier, als Hingucker des Tages stellte sich jedoch das „Baltic Racing Team“ inklusive Rennwagen heraus. „Bis auf den Motor konstruieren wir den gesamten Wagen selbst“, erklärt Dominik (27) stolz. Jedes Jahr tritt die Mannschaft an nationalen und internationalen Wettbewerben an. Die „Erstis“ scheinen mit dem Stralsunder Aufgebot jedenfalls zufrieden zu sein. „Die Stadt macht einen sympathischen ersten Eindruck“,

findet Nils (21). Er zog von Stade in der Nähe von Hamburg nach Stralsund, um den Wirren einer Massenuniversität zu entgehen. Auch von den Räumlichkeiten der Hochschule ist er nach einer ersten Besichttigungstour angetan. „Hier werde ich mich ganz bestimmt schnell zu Hause fühlen“, ist Nils optimistisch. Ähnlich positiv eingestellt zeigt sich Sonja (20). Sie kommt aus Bayern, war niemals vorher in der Hansestadt und will nun auf Entdeckungsreise gehen. „Verlaufen werde ich mich mit Sicherheit nicht“, sagt sie mit dem Stadtplan in der Hand. „Ich hoffe, dass ich schnell Freunde finde.“ Für sie hält, wie für alle anderen, Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow ein weiteres optimistisches Grußwort parat. „Ich bin sicher, Sie werden sich hier wohlfühlen“, sagt er und verweist auf das vielfältige Freizeitangebot Stralsunds. „Vom Meeresmuseum bis zum Ozeanum – es gibt viel zu entdecken in der Hansestadt.“ Text: mo


40

Neu in Stralsund: EnergieKompetenz vor Ort! Seit Anfang September hat der Handelshof Vorpommern in Stralsund ein ganz besonderes Angebot: das neu eröffnete Energie-KompetenzZentrum in der Stralsunder Chaussee 1 ist eröffnet. Viele Bauherren und Hausbesitzer sind angesichts der vielfältigen und zum Teil widersprüchlichen Informationen zum Thema Energieeffizienz verunsichert. Welche Technik ist richtig für das eigene Vorhaben? Welche Vorschriften müssen eingehalten werden? Welche Möglichkeiten zur Energieeinsparung gibt es? Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei das Thema „erneuerbare Energien“. Gerade sie stellen umweltfreundliche und vor allen Dingen zukunftssichere Alternativen zu herkömmlichen Energieträgern dar. Auf alle diese Fragen gibt es im Handelshof Energie-KompetenzZentrum ausführliche Antworten. Gemeinsam mit vielen namhaften Markenherstellern, deren Geräte in den großzügigen Ausstellungsräumen zum Teil in Funktion begutachtet werden können, geben die Fachberater vom Handelshof Hilfestellung bei der Lösung der unterschiedlichsten Probleme. Geboten wird ein „Rundum-Sorglos-Paket“, das alle Stufen von der umfassenden Fachberatung, Planungsunterstützung, Angebotserstellung, Information zu Förderprogrammen und Finanzierungen bis hin zur Vermittlung von kompetenten Handwerksfirmen umfasst. Im Betrieb gezeigt werden zum Beispiel Holzvergaserkessel, Pelletkessel mit Silo und Förderanlage, ein 1000l-Pufferspeicher mit Solarunterstützung oder ein Kaminofen mit Pelletbefeuerung. Ferner reicht das Informationsangebot über Ölbrennwertkessel, Erdwärmepumpen und

viele andere Techniken bis hin zum Blockheizkraftwerk. Selbstverständlich werden alle Mitarbeiter des Handelshof Energie-KompetenzZentrums ständig geschult und sind so jeweils auf dem neuesten Stand. Es lohnt sich also auf alle Fälle, ein Gespräch mit den kompetenten Fachberatern zu führen. Geöffnet ist das Handelshof EnergieKompetenz-Zentrum montags bis freitags von 6:30 bis 18:00 Uhr und samstags von 7:30 bis 12:30 Uhr. Beratungstermine lassen sich unter der Telefonnummer 03831-443690 vereinbaren.


Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft & Tourismus geht an den Start Unter der Federführung von Land&Leute hat sich die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Tourismus formiert. Neben interessierten Touristikern sind auch Teilnehmer aus der Wirtschaft an Bord. Ziel der Aktivitäten ist es, Projekte und Maßnahmen zu entwickeln, die für ein besseres Miteinander von Wirtschaft und Tourismus wirken. So könnte zum Beispiel ein an Gäste der Region gerichtetes Angebot von Besuchen interessanter Unternehmen einen Beitrag dazu leisten. Zweck der Arbeitsgemeinschaft ist die Förderung und Stärkung der Kommunikation zwischen

regionalen und überregionalen Vertretern von Unternehmen, Initiativen und touristischen Organisationen. Damit soll gezeigt werden, dass Vorpommern weit mehr als ein reines Urlaubsland ist. Vorpommern definiert sich so auch als Region, in der wissenschaftliche und technische Entwicklungsarbeit von Weltrang stattfindet. Neben den lokalen Aspekten werden auch grenzüberschreitende Themen, vornehmlich mit unseren polnischen Nachbarn, aber auch im baltischen Raum bearbeitet. Auf diese Weise soll durch koordinierte Aktionen ver-

sucht werden, besonders im europäischen Raum das Interesse an Vorpommern als Tourismusund Wirtschaftsregion gleichermaßen zu wecken und damit die Imagedefizite vor allem in diesem Bereich ein Stück weit zu entschärfen. Wer Interesse an der Arbeitsgemeinschaft und ihren Aktivitäten hat, möge sich an die Redaktion von Land&Leute wenden. Mitstreiter für ein besseres Miteinander sind willkommen. Weitere Informationen unter 03834-550 610 oder redaktion@ ll-aktuell.de


44

Oktober g8.10.

ab 19.00 Uhr Chormusik der Romantik Pommersches Landesmuseum, Greifswald g9.10.

ab 19.00 Uhr Französische Lebenslust Musik und Buffet Back und Brauscheune, Krummenhagen g 09.10.10 Orpheus und Eurydike Theater Vorpommern, Stralsund g9.10.

ab 20.00 Uhr Unpluggedsession Nr. 3 Live our Friendship Flemming & The Gang Disaree, Klimberry Clark Kontorkeller, Greifswald g 11.10.2010 ab 21 Uhr TresenLesen Anke Neubauer liest Texte von Sybille Berg Koeppenhaus - Literaturzentrum

g11.10.10 bis 14.10.10

Friedrich Loeffler (1852 - 1915) Herausragender Wissenschaftler und Greifswalder Ehrenbürger Rathauskeller am Markt, Greifswald g13.10.

ab 20.00 Uhr Markttreiben Mönchguter HerbstMuseumsmarkt Kurverwaltung, Ostseebad Göhren g13.10.2010

g 14.10. und 21.10.

Bob Ross Kurse Haus des Gastes Kurverwaltung Binz 01766-1074494 g 15.10.

ab 20:00 Uhr Zerbombt, Stück von Sarah Kane Theater Vorpommern, Greifswald g15.10.

ab 20.00 Uhr Vincente Patitz / Gitarre St. Spiritus, Greifswald

Eine zweigeteilte Ausstellung von Ulrike Peters. Mit den Titeln „Das Schöne liegt oft so nah“ und „Die Entstehung einer zweiten Leidenschaft“ BioTechnikum, Greifswald

g 15.10 ab 19 Uhr.

g 14.10.2010 ab 15:00 Uhr

Kulinarische Wochen Barth, Zingst, Wustrow u. a.

Klaviermusik (Improvisationen) zur Unterhaltung und zum Entspannen mit Barbara Ullrich. Klaviermusik in der SchwalBe, Labyrinth

Hörnerschall und wilde Hatz mit Frank Saß, Direktor d. Museums Burg Stargard Burg Klempenow g 15.10 bis 15.11.10

g25.09. bis 16.10.10.

Usedomer Musikfestival „Lettland durch Musik zur Welt gebracht” und 200. Geburtstag Chopins


45

g 16.10.10 ab 19.30 Uhr Männerhort Komödie von Kristof Magnusson Theater „Die Blechbüchse“, Zinnowitz g16.10

ab 21 Uhr Lesung: Danko Rabrenovič & Konzert: Trovači (Düsseldorf/ Ex-YU) IKuWo Greifswald

g 17.10.

Blues Brunch Gut Behnkenhagen, Reservierungen erbeten

g17.10.

ab 10.00 Uhr Vortrag Dr. Regine Kötzschke: „Paris und die Normandie und auf den Spuren von Claude Monet“ Haus der Begegnungen, Greifswald

g bis 17.10.10

Sonderausstellung: Adliges Fräulein „Haute Couture“ Soft-Art, Ausstellung der Textilkünstlerin Stefanie Alraune Siebert Vineta-Museum, Barth

g19. 10. ab 9.30 Uhr

Hase und Igel Märchen von Peter Ensikat nach Grimm Theater „Die Blechbüchse“, Zinnowitz g 21.10.10 Veranstaltung zum Dichter Miguel Hernandez & Film über spanischen Bürgerkrieg IKuWo Greifswald g22.10.

Modetage „USEDOM BALTIC FASHION GUESTS“ Ostseebad Heringsdorf g 22.10 .

Klein Jasedower Filmtage Stadtinformation, Wolgast g24.10.10 ab 16 Uhr

Familienkonzert mit Gerhard Schöne Wenn Franticek niest Theater „Die Blechbüchse“, Zinnowitz

gbis 31.10.

von 10-18 Uhr Tierpark Ueckermünde g bis 31.10. Ausstellung „Runges Einfluss auf die Expressionisten” Museum, Wolgast

g bis 02.01.2011 „Angekommen – Archäologische Schätze aus der Region um Stralsund und Greifswald” Kulturhistorisches Museum, Stralsund g 31.10. bis 03.11.

„Gastro Messe Rostock“ HanseMesse, Rostock g bis 31.10.

Exponate aus dem Westkaschubischen Museum Bytow Bergen auf Rügen g bis 30.11.

Führung durch die ehemals geplante KDF-Anlage Prora


46

Sinfonie in Blau-Weiss Ein Kommentar von Henri Dörre O‘zapft is! Seit nunmehr 200 Jahren findet am Ende des Septembers die Wiesn statt. Hier gibt sich nicht nur der Einheimische einer Vielzahl irdischer Genüsse hin. Das geht von Haxn über Brezn bis hin zum Märzen, dem eigens für das Volksfest gebrauten Bier. Die Wiesn ist dabei ein konstanter Publikumsmagnet, dessen Attraktivität offenbar nicht einmal durch die stetig steigenden Preise für die Maß geschmälert werden kann. Die Umsätze innerhalb der vergleichsweise kurzen Zeit erklimmen schwindelerregende Höhen und sichern dem eigenwilligen Völkchen die monetäre Gewissheit, ein Kulturgut geschaffen zu haben. Australier, Italiener, Iren, Japaner – aus aller Herren Länder reisen Feierwillige in die Landeshauptstadt Bayerns, um dort echtes deutsches Traditionsgut zu bestaunen. Bayern als Ausbund deutscher Werte und Geselligkeit. In Bayern ist die Welt halt noch in Ordnung. Der Oberprimaner hat noch Respekt vor dem Herrn Lehrer, die schwarz-weiß gefleckten Vorzeigekühe grasen friedlich auf satt grünen Almen und die Leit‘ hoidn no zamma. Nicht so im sozial desorientierten, wirtschaftlich zerrütteten Mecklenburg-Vorpommern. Heuschrecken verheeren das Land, hohe Kultur kennt man nur aus dem Fernsehen und die allgemeine Verrohung bricht sich Bahn. Da ist es kein Wunder, dass man auch ganz gern etwas vom Leberkäs abbekommen möchte. Flugs wird also das bajuwarische Happening importiert. Neubrandenburg, Güstrow und Orte, von deren Existenz außerhalb derselben bisher wohl kaum jemand wusste, befleißigen sich, den Menschen wieder etwas Freude in ihr Leben zu bringen. Nur allzu verständlich ist es daher, dass schon lange vor dem Termin der übermäßige Alkoholkonsum geübt wird. Wahrscheinlich das gesamte restliche Jahr über fiebern die gramgebeugten Mecklenburger und Vorpommern zudem einem Kramund Flohmarkt entgegen. So etwas kennt man hier ja nicht. Dieses Zerrbild drängt sich auf, nimmt man nur die offensive Bewerbung der scheinbar wichtigsten Termine wahr. Das Engagement der Planer und Umsetzer in allen Ehren: Natürlich ist es schön, wenn der Bevölkerung große Feste geboten werden. Dröges Spießertum und puritanische Weltabgewandtheit scheinen für den Großteil der Menschen glücklicherweise kein sonderlich attraktiver Lebensweg zu sein. Doch lahmes Veranstaltungstrittbrettfahrertum zeugt nicht gerade von sprühendem Witz. Warum muss die Wiesn geradezu zwanghaft imitiert werden? Ist es schon ein Fall sarrazinscher Integrationsverweigerung, sich dem traditionalistischen Entervorhaben zu versperren? Die Krachlederne mag um diese Jahreszeit in Bayern witterungstechnisch noch vertretbar sein, im Norden Deutschlands ist sie es in den meisten Fällen ganz sicher nicht. Als Beitrag zum Umweltschutz kann zudem die oft notwendige Beheizung der heimischen Festzelte definitiv auch nicht gelten. Mecklenburg und Vorpommern haben im Herbst viele interessante Veranstaltungen in der Hinterhand. Die werden in der Tat auch genutzt, wie der diesjährige bereits 17. Appelmarkt auf Burg Klempenow zeigt. Allerdings haben sie längst keine vergleichbare Reputation. Daran müsste gearbeitet werden, denn wer das Ambiente der Wiesn schätzt, fährt nach München. Die Schmalspurvariante im Nordosten dürfte Touristen nur mäßig locken. Vielmehr sind sie in der Mehrzahl wohl an regionalen Besonderheiten interessiert. Bei Urlaubern sitzt das Geld immer etwas lockerer und sicher sind sie auch bereit, für hochwertige, liebevoll gestaltete und vor allem authentische Produkte die Wirtschaftskraft mittel- und kleinständischer Unternehmer zu unterstützen. Nur braucht es dafür weniger den scheelen Blick nach Süden, sondern die Besinnung auf eigene vorhandene Potentiale.

impressum Verlag Land & Leute Inh.: Heike Radtke Brandteichstrasse 20 17489 Greifswald Tel.: 03834 - 550610 Fax.: 03834 - 550222 mail: info@ll-aktuell.de Herausgeber und V.i.S.d.P.: Claus E. Schwarz Land & Leute, Büro Stralsund c/o Hansedruck Medien GmbH Heilgeiststraße 2-3 18439 Stralsund Chefredaktion: Henri Dörre (hed) Redaktion: Manuel Opitz (mo), Claus E. Schwarz (ces), freie Mitarbeiter Gastautor: Horst Neumann Artwork und Layout: Claudia Berger (cld) Repräsentanz Greifswald: Jana Heidenreich (jhe) Tel.: 0179 - 6103560 Mindestauflage: 20.000 Exemplare Verteilung: Lesezirkel, Hausverteilung in ausgewählten, wechselnden Gebieten, TouristInformationen, Kurverwaltungen, Hotels, Gastronomie, Firmen und Geschäften Erscheinungsweise: 12 mal jährlich Anzeigenpreise: Preisliste 1, gültig ab 1.11.2009 Anzeigen: C. Berger / anzeigen@ll-aktuell.de Druck: Rügendruck GmbH, Circus 13 18581 Putbus / Insel Rügen Mit Namen oder Kürzel gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Autors wieder. Alle Inhalte unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Autoren oder des Verlages. Nachdruck, Vervielfältigung oder Wiedergabe in elektronischen Medien ohne Genehmigung des Verlages ist untersagt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen. Sie haben ein interessantes Thema? Leserpost für uns? Anregungen oder Kritik? Ab die Post an unsere Anschrift oder an die E-Mail Adresse: info@ll-aktuell.de Ausgabe 9 / 2010



Land und Leute September 2010