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Ausgabe 1-2011

GRATIS

Blaue Lupine – Sojabohne des Nordens

Heiraten 2011

Usedoms Europapromenade

Leben in Vorpommern

Ihr Journal für Wirtschaft, Politik, Kultur und Unterhaltung


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anna Mit

zum Berufsabschluss Es gibt viele Gründe, eine Ausbildung nicht abgeschlossen zu haben, aber keinen einzigen, dies nicht zu ändern. Denn ein qualifizierter Abschluss bietet berufliche Perspektiven. Das Projekt anna unterstützt und begleitet Menschen auf dem Weg zur abgeschlossenen Berufsausbildung über den Weg der modularen Nachqualifizierung. Baustein für Baustein können Sie sich in Teilzeit, berufsbegleitend oder in Vollzeit auf Ihre Abschlussprüfung vorbereiten. Der Weg, seine Ausbildung nachzuholen, ist steinig, aber lohnenswert. anna steht dabei für ANerkannte Berufsabschlüsse durch modulare NAchqualifizierung“. In Vorpommern wird das Projekt anna im Bundesprogramm „Perspektive Berufsabschluss“ vom Greifswalder BiG koordiniert, das hierzu ein Netzwerk installiert hat, in dem es die regionale Koordination übernimmt. Interessenten, die einen qualifizierten Berufsabschluss erwerben, aber auch Firmen, die Mitarbeiter beim Erwerb eines Kammerabschlusses unterstützen möchten, bekommen im BiG alle notwendigen Informationen. Zur Teilnahme am Programm können sich die unterschiedlichsten Bewerber bis hin zu Studienabbrechern bewerben. Auch hier steht das BiG in Greifswald beratend zur Seite. Zusätzliche Informationen finden sich im Internet unter der Webadresse anna.big-hgw.de Am Beginn der Maßnahme steht zunächst eine Potentialanalyse des Teilnehmers. Dabei ermittelt ein Berufscoach den jeweiligen Qualifizierungsbedarf, der von Fall zu Fall unterschiedlich ist. Aus dieser Analyse ergeben sich die einzelnen Schritte, die zum Erreichen des gewünschten Kammerabschlusses notwendig sind. Perfekte Vorausetzungen also, den gewünschten Berufsabschluss auch wirklich zu erreichen. Das Programm-Management wird bundesweit vom Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR) durchgeführt. Gefördert wird das Programm „Perspektive Berufsabschluss“ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union. Informationen gibt Dorit Wehling, Tel. 03834 549-314 BiG - Bildungszentrum in Greifswald gGmbH

Feldstraße 85 17489 Greifswald

E-Mail: big@big-hgw.de Internet: www.big-hgw.de

Staatlich anerkannte Einrichtung der Weiterbildung

Telefon 03834 549-30 Telefax 03834 500778

Finanzamt Greifswald USt.-Id Nr.: DE 199926190


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Liebe Leserin, Lieber Leser! Auf ein Neues – das ist die Devise dieser Tage. Wir hoffen, dass Sie gute Feiertage und einen angenehmen Start in das neue Jahr hatten. Hauptthema in den Medien war - wie schon im vergangenen Jahr - das „Schneechaos“, das unser Land im Griff hatte. Ein Chaos, das in früheren Jahren auch unter dem Begriff „Winter“ landauf, landab bekannt war und auf das man sich einzurichten hatte.

ßer Zahl über lange Jahre hinweg in Lubmin gut bezahlte Arbeit gefunden und eine realistischere Einschätzung der Lage als diejenigen, die ihre Aufgabe darin sehen, Katastrophenszenarien zu kultivieren und Ängste zu schüren. Das zweifelsohne für unsere Region wichtige, sensible Thema wird auf diese Weise zum Podium derer, die wohlfeilen Profit für eigene Interessen erhoffen.

Es ist an der Zeit, das der durchschaubaren Zielen dienende, populistische Aktivismus einer sachlichen, fundierten Diskussion Platz macht. Einer Diskussion, die vor allem von den Bürgern der Region geprägt werden sollte. Wir wissen, dass das Engagement für Belange der Gesellschaft Kraft und Zeit kostet. Und deswegen wünschen wir Ihnen neben Gesundheit vor allem auch Kraft und Zeit im Jahr 2011.

Genau wie auch die Bundesbahn, die sich damals dem Reisenden verpflichtet fühlte und der möglichst pünktlichen Ankunft von Zügen auch unter schwierigen Witterungsbedingungen. Es scheint, als sei der Reisende mit der Ausrichtung der Bahn auf einen möglichst profitablen Börsengang vom Kunden zum notwendigen Übel geworden. Bahn fahren erinnert derzeit eher an Abenteuerurlaub als an zuverlässige Verkehrsverbindungen.

Allen voran ein Ministerpräsident, der offensichtlich Parteiinteresse über Landesinteresse stellte. Dem Bürger

Claus Schwarz Herausgeber mit dem Team von Land&Leute

Auf ein Neues heißt es auch in den Kreisen der Castorgegner, die sich für den im Februar geplanten Transport warmlaufen. Wer sich die Mühe macht, im Internet über Denic.de und andere Möglichkeiten zu recherchieren, wer als treibende Kraft hinter den Aktionen steht, wird schnell erkennen, dass das Thema vor allem von „AktivistInnen“ aus dem Wendland und Berlin gesteuert wird. So sind die Webadressen „LubminNixda“ und „ContrAtom“ auf Eigentümer im Wendland registriert. Wer weiter recherchiert, stößt auf Strukturen, die auf regelrechtes Berufsdemonstrantentum hinweisen. Ein treffliches Musterbeispiel findet, wer bei Google nach „Holger Isabell Jänicke“ sucht. Die letzte Greifswalder „Großdemonstration“ unter reger Teilnahme von aus anderen Bundesländern angereisten Demonstranten zeigte, dass die Bürger der Region offensichtlich eine andere Einstellung zum Thema haben. Kein Wunder, haben sie doch in gro-

VORWEG! Sellering steht es selbstverständlich frei, an einer Demonstration teilzunehmen. In diesem speziellen Fall aber vielleicht doch eher ohne Bodyguard und Dienstwagen und ausnahmsweise in der zweiten Reihe. Seinem Innenminister, dessen hoheitliche Aufgabe es nun einmal ist, die Sicherung des Transports zu gewährleisten, auch wenn dies womöglich nicht seiner persönlichen Einstellung entspricht, hat er damit jedenfalls einen Bärendienst erwiesen. Wohlfeil ist es freilich auch, sich im besten Wahlkampftenor gegen einen Vorgang zu positionieren, den die eigene Partei in Regierungsverantwortung vor Jahren mitgestaltet und durchgesetzt hat. Um so mehr, als sich der Ministerpräsident des Landes jederzeit auf die Position zurückziehen kann, dass Atomrecht Sache der Bundesregierung sei und man als Land ohnehin wenig dagegen tun könne. Anstelle solcher wahltaktischen Manöver wären klare Erklärungen wünschenswert, damit der Wähler weiß, wem er seine Stimme gibt.


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Ausgabe 5-2010

Dossier: Über die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Vorpommern

GRATIS

sos – Retter üben retten

BDH-Klinik Neue Therapie-Option bei Hirnschäden

100 Jahre Friedrich Loeffler Institut

Leben in Vorpommern Ihr Journal für Wirtschaft, Politik, Kultur und Unterhaltung

GRATIS

Herbst an der Ostsee

Das benzinpreis-Rätsel

neue ausstellung im pommerschen landesmuseum

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GRATIS

Anja Mirasch Tel. 03834/ 550402 Mail: anja.mirasch@ll-aktuell.de

Im Interview Frithjof Finkbeiner

Kieshofer Moor: Nasse Enteignung

Leben in Vorpommern Ihr Journal für Wirtschaft, Politik, Kultur und Unterhaltung

Jana Heidenreich Tel: 03834/ 550610 Mail: jana.heidenreich@ll-aktuell.de

„Land&Leute“ ist das junge, dynamische Journal für ganz Vorpommern. Mit Spannung erwarten unsere Leser Monat für Monat die neueste, kostenlose Ausgabe. Hohe redaktionelle Qualität sorgt für Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die Ihrer Öffentlichkeitsarbeit das ideale Umfeld und hohe Wahrnehmung bietet. Nutzen Sie unsere Stärke für Ihre Werbung und erreichen Sie die gesellschaftlich aktiven und politisch sowie kulturell interessierten Leser in unserer Region. Unsere Mediaberaterinnen informieren Sie gern umfassend zu Werbemöglichkeiten und Anzeigenpreisen.

www.ll-aktuell.de


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Inhalt

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Vorweg

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Streiflichter

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Leinen los!

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Historischer Bootsbau

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Wie die Wellen des Meeres

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Ich bin dann mal weg

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Marketing für Backsteingotik

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Noch Tassen im Schrank

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Endspurt zum Jubiläum

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Brautmoden 2011

18

Alte pommersche Hochzeitsbräuche

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Eine runde Sache

22

Gut geplant ist halb gefeiert

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Just married

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Vorpommern wird blau

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Über Grenzen hinweg

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Deutsch-polnische Zusammenarbeit

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Zu Gast im BiG

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Landpartie des Monats

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Berthold Beitz - der stille Held

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Dringendst gesucht

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Termine

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Kommentar

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Impressum

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Supersudoku

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Streiflichter Demokratie Schulen Wie ist das Verhältnis von Medien und Demokratie zu bewerten? Wie können Medien Demokratie fördern? Diese Fragen stehen im Zentrum des Projektes Greifswalder Demokratie Schulen, das das Mehrgenerationenhaus „Bürgerhafen“ organisiert hat. Zusammen mit Vertretern unterschiedlicher Medien und dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium bot die Aktion am 08. Dezember Schülern der 9. Klassen die Möglichkeit, sich über die journalistische Arbeitswelt zu informieren. Dabei ging es ganz im Sinne des Projektes vor allem um den Themenkreis Wahrheit, Selektion und Informationsverarbeitung in lokalen Medien. Mit dabei waren auch Anja Mirasch und Henri Dörre von Land&Leute. In Gruppengesprächen klärten sie unter anderem Fragen der Jugendlichen zur Berufspraxis.

Schmuckschmiede in Greifswald Die Steinbeckerstraße zieht immer mehr Künstler und Handwerker an. Im November hat der Goldschmiede-Meister Jens Meyer in der Nr. 19 seine SchmuckSchmiede eröffnet. Handgefertigte Unikate aus Gold, Silber und Edelsteinen werden in der Schaumanufaktur hergestellt und verkauft. Den Goldschmiedemeister zog es nach vielen Jahren im Schwäbischen wieder zurück zu seinen Wurzeln nach Norddeutschland. Den Stil von Jens Meyer prägen Gold- und Silberarbeiten mit natürlichen Formen und Oberflächen. In der SchmuckSchmiede kann man diesen Schmuck nicht nur kaufen, sondern auch selbst entwerfen und herstellen. Ab dem Frühjahr bietet Jens Meyer Brautpaaren an, Ihre Trauringe ganz persönlich und einzigartig zu gestalten.

Geschenke für Genießer Mit der MV-Schlemmer-Card gibt es bereits seit einigen Jahren ein interessantes Angebot für Gourmets und Kurzurlauber. In allen der rund 140 teilnehmenden Restaurants in M-V kann der Karteninhaber je einmal essen gehen und bekommt zwei Hauptgerichte zum Preis von einem. Zusätzlich wird ihm in zahlreichen Restaurants ein 10%-iger VIP-Rabatt gewährt. Dieser Bonus kann täglich genutzt werden. Auch für Hotels und Pensionen gilt der Preisnachlass der MV-SchlemmerCard. Das bedeutet, dass etliche Häuser zwei Übernachtungen zum Preis von einer oder drei zum Preis von zweien anbieten. Ergänzt wird das durch diverse Nachlässe auf Eintrittskarten im Bereich Kultur und Freizeit, so etwa für das Piraten-OpenAir in Grevesmühlen oder das Müritzeum in Waren. Damit eignet sich die Karte ideal als Geschenk.


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Jazz im Dom St. Nikolai Einer der erfolgreichsten Jazzmusiker der Gegenwart besucht Greifswald. Im Rahmen einer Tour durch Europa gastieren der norwegische Star Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble am 10. Februar im Dom St. Nikolai. Das Künstlerkollektiv zeichnet sich seit Jahren durch die Verbindung von Tradition und Moderne aus. Mittelalterliche Polyphonien und außereuropäische Melodiken kombinieren sie mit neuzeitlichen Einflüssen und schaffen so einen ganz eigenen Stil. Garbarek selbst meint, dass seine Musik mittlerweile nur noch entfernt etwas mit Jazz zu tun habe. Selbst nach 17-jähriger Kooperation wachsen die Mitglieder der Gruppe immer noch an- und miteinander. Im Mittelpunkt der Europatour steht das Repertoire des 2010 erschienenen Albums „Officium Novum“.

100 Kilometer Geschichte Vom 18. Januar bis zum 10. April zeigt das Pommersche Landesmuseum in Greifswald eine ganz besondere Ausstellung. Während des Baus der Ostseepipeline Nord Stream wurden zahlreiche historisch wertvolle Funde gemacht. Rund 100 km der Pipeline führen durch M-V. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege dokumentierte bis in das Frühjahr 2010 unter anderem Gräberfelder und Schätze seit der Steinzeit. Über 150 Funde wurden von Archäologen und Geologen aufbereitet und können ab dem 18. Januar bestaunt werden. Begleitend werden annähernd in monatlichem Abstand in Vorträgen von Experten aus Greifswald, Schwerin und Kassel je unterschiedliche Aspekte der Pipeline bzw. der Ausstellung beleuchtet.

Pressemeldung des DMM Wer hätte vor 60 Jahren gedacht, dass sich ein kleines Stralsunder Naturkundemuseum zu einer Einrichtung von überregionaler Bedeutung entfalten würde: das Deutsche Meeresmuseum. Einen erheblichen Anteil an dieser erfreulichen Entwicklung seit 1951 haben nicht zuletzt die vielen Besucher, die dem Museum über Jahre die Treue gehalten haben. Als kleines Zeichen der Dankbarkeit erhalten Geburtstagskinder im Jubiläumsjahr 2011 an allen vier Standorten des Deutschen Meeresmuseums – im MEERESMUSEUM, OZEANEUM, NAUTINEUM und NATUREUM – an ihrem Geburtstag freien Eintritt. Als „Beweis“ ist ein Ausweisdokument vorzulegen. Also schon mal im Kalender vormerken, dass der nächste Museumsbesuch aber wirklich spätestens am Geburtstag fällig wird – und zwar nicht nur als Schlechtwettervariante.


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Leinen los!

neue Serie „altes Handwerk“

Vorpommern ist schon seit Jahrhunderten wirtschaftlich untrennbar mit der Ostsee verbunden. Sowohl Fischerei als auch Seefahrt – mitunter auch als Piraterie betrieben – hatten und haben einen kaum zu beziffernden Wert für die Region. Das Material dafür wird seit jeher in alter Handwerkstradition hergestellt. Besondere Bedeutung haben mit Blick auf den maritimen Arbeitsalltag die Seiler. Ursprünglich waren diese in erster Linie für die Landwirtschaft und die Fischerei von Bedeutung. Hier wurden eher kurze Seile nachgefragt, beispielsweise für Zugarbeiten. Auch das Spleißen wurde von den Seilern übernommen. Dem gegenüber standen die sogenannten Reepschläger, die die langen Taue für Segelschiffe herstellten. Nachweislich seit der Hansezeit sorgten sie für die teils kilometerweise benötigten Taue. Als unverzichtbare Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges im maritimen Handel genossen die Reepschläger in hohes Ansehen.

Die Umwälzungen der industriellen Revolution änderten das grundlegend. Fortan waren vor allem Dampfschiffe gefragt, da sie effizienter waren. Zudem war die Manövrierbarkeit der Segelschiffe in Kanälen – etwa dem Suez- oder dem Panamakanal – stark eingeschränkt. Der Bedarf an Schiffstauen sank stark und eine mangelhafte Umstellung der Reepschläger sorgte für den Untergang dieser Zunft. Letztlich gereichte ihnen insbesondere die erhebliche Länge der Taue zum Nachteil. Diese mussten nämlich im Freien fabriziert werden und waren damit in hohem Maße auf das Wetter angewiesen. In der Folge mussten viele Reepschläger ihr Geschäft aufgeben. Manche von ihnen wurden anschließend Seiler. Heute erinnern lediglich Straßennamen maritim-nautisch geprägter Städte an die ehemalige Nutzung. Die bekannteste Straße ist wohl die Hamburger Reeperbahn, obgleich es auch in Kiel und Eckernförde eine solche gibt. Freilich wird sie in den letztgenannten Städten

anders genutzt als die Amüsiermeile in Hamburg-St. Pauli. Ein anderes Gewerk, das der Takler, ereilte ein ähnliches Schicksal. Früher verarbeiteten diese das Tauwerk für die Segel eines Schiffes (Takelage). Mit sinkender Bedeutung der Segelschifffahrt wurde auch der Bedarf an Taklern zunehmend unwichtig. Ungleich flexibler waren hingegen die Seiler. Sie konnten das benötigte Tauwerk maschinell und überdacht , also wetterunabhängig und in den geforderten Längen kostengünstiger produzieren. In dieser Zeit der Industrialisierung wurden die Schiffe immer größer und ein neues Material – nämlich das Drahtseil – verdrängte durch die bessere Kraftaufnahme und Bruchlast das Tauwerk für Takelagen. Mit der Zeit setzte sich daher die Seilerei als dominantes Gewerk durch. Zudem vereinigte sie zunehmend alle drei Handwerksberufe auf sich. Nach 1945 gab es in MecklenburgVorpommern noch etwa 40 eigenstän-


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dige Seilereien. Aktuell ist es nur noch eine einzige. Weil es sich nicht um ein dem Selbstverständnis der DDR entsprechendes produzierendes Gewerbe handelte, wurde es nur wenig gefördert. Erschwerend kam die permanente Materialknappheit dazu. Als Reaktion darauf bestellte man mitunter deutlich mehr als man im Bewilligungszeitraum tatsächlich brauchte, um für kommende Quartale gewappnet zu sein. Kontinuierlich wurden auch die traditionellen Techniken sowie Werkstoffe erweitert. Die Seilerei Sembritzky in Greifswald etwa fertigte Fanganlagen für Kampfflugzeuge des Ostblocks aus Polyestergurtnetzen. Nach einem ähnlichen Prinzip wie die Fangseile auf Flugzeugträgern bremsten diese Netze eine Maschine ab, falls sie über die Landebahn hinaus schoss. Der Schwerpunkt lag allerdings stets bei Takler- und originären Seilerarbeiten. So steuerte die Seilerei Sembritzky beispielsweise die Seile für die Takelage der „Roald Amundsen“ bei. Für das Segelschulschiff der DDR, die „Wilhelm Pieck“ – die 1991 in „Greif“ umbenannte Gaffelrigg – stellte sie für die Erstausrüstung das Tauwerk her. Mit der Zeit gegangen sind auch

Hubseile bei Kranen, zum Betätigen von Winden in weitesten Bereichen bis hin zu Aufzugseilen in Fahrstühlen eingesetzt. Auch im architektonischen Bereich gibt es heutzutage diverse Angebote in Edelstahl für Netze und Geländerseilen in Treppenbereichen, bei Fassadenbegrünungen als Kletterhilfen für Pflanzen und als Betätigungsseile für die Lebensmittelindustrie.

und Seile jedoch werden nach wie vor in mehr oder minder traditioneller Handarbeit produziert, obschon auch hierfür mittlerweile halb- und vollautomatische Maschinen verfügbar sind. Eine besondere Stärke der klein- und mittelständischen Seilereien: die Nähe zum Kunden und die Möglichkeit auf spezielle Wünsche einzugehen. Dabei ist der Handwerkszweig in der Tat ein Beruf mit Zukunft. Die Nachfrage ist seit Jahren ungebrochen, während gleichzeitig diejenigen weniger werden, die die Seilerei noch beherrschen. Zusätzlich verdichtet sich der Konversionsprozess der Berufe dahingehend, dass immer mehr Takler- und Netzmacherarbeiten mangels Alternativen von Seilereien übernommen werden. Das Wissen geht bei den traditionellen Handwerksbetrieben daher eher in die Breite, denn in die Teife wie bei Spezialanbietern.

Trotz allem bleibt der eigenständige Beruf des Seilers bewahrt. Kleine, individuelle Mengen sind mit den modernen Maschinen der industriellen Produktion schließlich gar nicht herstellbar. Bei Längen von ein- bis zehntausend Metern sind nur Großabnehmer zu bedienen. Kürzere Taue

Das bedeutet erstklassige Ausbildungschancen auch auf längere Sicht. Wertvolle Informationen dazu hält beispielsweise der Bundesverband des Deutschen Seiler- und Netzmacherhandwerks auf seiner Internetseite bereit. Text: hed

die Materialien. Naturfasern werden kaum noch benutzt. Synthetische Fasern und Drahtseile haben sich in ihren Eigenschaften als geeigneter erwiesen. Außerdem hat es einen Wandel der Anwendungsgebiete gegeben. Das reicht von Seilen zum Ankern von Ruderbooten bis hin zu Bohrinseln und Windparks. Drahtseile werden als Bowdenzugseile für Bremsanlagen als Betätigungsseile für Fensterheber in Autos, als

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, staatliche und private Tierheime Polens zu unterstützen. Dies tun wir durch Hilfe in Form von Spenden (Futter, Decken, medizinische Artikel), Durchführung von Baumaßnahmen (z.B. Zwingerbau, Bau von Ausläufen), Kauf von guten isolierten Hundehütten, Übernahme von Kastrationskosten und Operationskosten bei Hunden mit großen Verletzungen bzw. Krankheiten. Zur Zeit werden von uns die Tierheime in Pabianice, Belchatow, Piotrkow Trybunalksi und Myszkow mit Sachspenden unterstützt. Wir unternehmen regelmäßige Fahrten in die Tierheime, um von dort nicht vermittelbare Hunde zu übernehmen, für die wir bereits private Pflege- bzw. Endstellen in Deutschland gefunden haben. Momentan sind wir noch ein kleiner Verein, gegründet im Januar 2006, getragen von engagierten Mitgliedern und einigen tatkräftigen Helfern. Wirklich etwas bewegen - und das auf Dauer - können wir nur, wenn es viele Tierfreunde gibt, die sich uns und unserem Tierschutzgedanken anschließen. Ansprechpartner finden Sie auf unserer Homepage unter

www.hundehilfe-polen.de

Spendenkonto Hundehilfe Polen e.V. Kontonummer 93130 Bankleitzahl 200 691 30 Raiffeisenbank Bad Bramstedt für Auslandsüberweisungen: BIC: GENODEF1BBR IBAN: DE 24200691300000093130 BIC: GENODEF1BBR 


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Historischer

Bootsbau Zwischen Achterwasser und dem Greifswalder Bodden liegt Wolgast. Der alte Sitz der Pommernherzöge hatte zwar nie eine nennenswerte politische Bedeutung als Hansestadt. Doch unterschlägt dies die tatsächliche Schlüsselposition im Handel und Warenverkehr einerseits sowie im Boots- und Schiffbau andererseits. Aus historischer Perspektive geht dieses traditionelle Handwerk leider zunehmend verloren.

Dabei liegt das nicht in erster Linie daran, dass es niemand mehr beherrscht. Im Gegenteil: nach wie vor werden junge Menschen auch in den althergebrachten Techniken ausgebildet. Vor einigen Jahrzehnten gab es sogar ein Überangebot gut Ausgebildeter. Jedoch steht dem eine anhaltend geringe Nachfrage traditionell gebauter Boote und Schiffe entgegen. Meist handelt es sich lediglich um Reparaturarbeiten an bereits gefertigten Schiffen. Dazu sind die bis in das 20. Jh. üblichen Holzkutter sowohl in den Anschaffungsals auch den Unterhaltskosten mit den

neuen Materialien Aluminium, Stahl oder Plastik preislich nicht mehr konkurrenzfähig. Auf lange, womöglich schon auf mittlere Sicht wird diese Bootsbauweise deshalb wohl komplett wegfallen.

und mühselige Kalfatern des Rumpfes verzichten. Die modernen Quotenregelungen und die immer höheren Auflagen machen diese Bauweise mittlerweile aber unattraktiv.

Klinkerboote vor dem Aus

Auch bei den Materialien wurde nicht unnötig gespart. Besonders geeignet sind das hochwertige Holz von Eiche für den Bootskörper und Lärche für Decksaufbauten. Abhängig von der tatsächlichen Größe des Bootes müssen dafür etwa 2 m³ Holz veranschlagt werden, wobei etwa 50-60% als Verschnitt eingerechnet werden. Schließlich ist nicht jeder Teil des Holzes gleichermaßen brauchbar. Bei einem Preis von 1.500€ pro m³ Holz erklärt sich die vergleichsweise geringe monetäre Leistungsfähigkeit traditioneller Boote. Auch die Arbeitszeit ist erwartungsgemäß vergleichsweise hoch anzusetzen. Ebenso wie beim Materialaufwand lässt sich hier kein Standardwert nennen; es kommt ganz auf die Größe des Bootes an. Die typischen Boote für den Bereich um Wolgast und Usedom sind dabei der Heuer und das Strandboot mit Längen zwischen sechs und zehn Metern. Hierfür werden etwa zwei bis drei Monate Arbeitszeit gebraucht. Das Zeesboot, das optisch ungleich auffälliger ist, war stattdessen eigentlich nur im Greifswalder Bodden, den Boddengewässern von Rügen und Darß und in der Wismarer Bucht zu finden. Auch die Reusenboote, die typisch für das Mönchgut/Rügen sind, gab es in und um Wolgast ursprünglich nicht.

Der Serienbau von Holzbooten, der heute nicht mehr betrieben wird, ist in etwa vergleichbar mit der fast schon automatisierten Fließbandproduktion moderner Automobile. Im Gegensatz

dazu ist der traditionelle Bootsbau noch echte Handarbeit. Hier gibt es ausschließlich Einzelstücke. In vergangenen Zeiten benutzten die Bootsbauer dafür nicht einmal detaillierte Baupläne, sondern nur grobe Skizzen dessen, wie das Boot später aussehen sollte. Mitunter galt diese Zeichnung schon als gültiger Vertrag. Zudem besonders kostenaufwendig ist heutzutage die Klinkerbauweise; damals jedoch galt sie als eine äußerst vorteilhafte Methode. Durch das dachziegelartige Anbringen der Planken konnte man weitgehend auf das aufwendige

Von Zeesen und Quatzen

Lange Tradition Im Vergleich mit Material- und Zeitaufwand ist die Zahl der notwendigen Arbeiter gering. Lediglich zwei Personen werden für den Bau eines Heuers benötigt. Das Biegen der Planken und Nieten beispielsweise kann nur im


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Duett bewerkstelligt werden. Selbst für Kutter mit einer Länge von 14-17 m braucht man in der Regel maximal vier Arbeitskräfte. Vor allem die Handelsaktivitäten der Familie Homeyer sorgten im 18. und 19. Jh. für einen lang anhaltenden Absatz von Schiffen. Auch die Fischerei war ein verlässlicher Abnehmer neuer Boote. Selbst nach der Umstellung auf industrielle Produktion war – etwa durch die Peene-Werft – der Absatz gesichert. Doch der traditionelle Bootsbau litt darunter. Bis dahin wurden in Wolgast kontinuierlich viele und auch große Schiffe gebaut. Wir dürfen davon ausgehen, dass seit der Besiedelung durch slawische Stämme im 7./8. Jh. ununterbrochen eine Schiff- und Bootsbautradition besteht. Das verwundert wenig. War der Ort doch jahrhundertelang das Tor zur Ostsee. Der Hafenbereich bei Stralsund versandete gelegentlich und von Greifswald aus musste man immerhin noch einige Kilometer den Ryck befahren um dann auf den Bodden zu kommen, bevor man endlich in das Baltische Meer gelangte. Von der Oder kommend passierten sämtliche Schiffe in Richtung Norden die Peenemündung und damit Wolgast, um sodann direkt in See zu stechen. Als „Autobahn des Mittelalters“ war der Peenestrom daher von essentieller strategischer Bedeutung für die Hansestadt. Erst die Schiffbarmachung der anderen beiden Odermündungen Swine (1729-1745) und Dziwna (1898-1900) machte Wolgast für die Handelsschiffahrt weniger interessant.

Zu wenig Kulturpflege Dass die traditionellen Techniken nicht gänzlich verloren gegangen sind, ist auch dem ehrenamtlichen Engagement einiger Bürger zu verdanken. So

vermittelt der Historische Schiffbauplatz e. V. in einer Dauerausstellung im Keller des Historischen Rathauses zahlreiche Informationen über die maritime Geschichte der Region. Der Verein hat für das kommende Jahr ein spannendes Projekt: den originalgetreuen Aufbau eines Kurrenkahns, einem typischen Fischerboot vom Kurischen Haff. Angewiesen ist der Verein dabei auf Spenden. Eine Förderung für den Erhalt alter Boote durch das Land ist aussichtslos. Deshalb können die Vereinsmitglieder oftmals den aufgebrauchten Wracks nur tatenlos dabei zusehen, wie sie nach und nach verrotten. Alles das, was nicht am Meeresgrund gefunden wird, gilt nämlich nicht als Bodendenkmal und kann daher auch nicht vom zuständigen Amt für Kultur- und Denkmalpflege betreut werden. Dennoch geben sich die umtriebigen Bürger, unter denen sich auch etliche handwerkliche Fachleute befinden, alle Mühe, den traditionellen Bootsbau der südlichen Ostseeregion zu dokumentieren und auf diese Weise aus der Vergangenheit zu holen. Text: hed


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Kunstvoll geschwungen wie die Wellen des Meeres: Zum traditionellen Handwerk des Rohrdachdeckers 1. Multitalent Schilfrohr Zur handwerklichen Tradition der Menschen, nicht nur entlang der Küsten von Nord- und Ostsee, gehört seit vielen Jahrhunderten die Verwendung von Schilf. Dies ist auf mehrere nutzvolle Eigenschaften des auch als Reet, Reith oder Riet bekannten Schilfrohrs zurückzuführen. Es ist ein leichtes und relativ einfach zu verarbeitendes Baumaterial mit hervorragender Isolation. Rohr zählt weiterhin zu den nachwachsenden Rohstoffen und ist zumeist ausreichend vorhanden. Ausserdem lässt sich Schilf relativ leicht ernten. Spezielle Ansprüche wie die Nutzung dieser Pflanze zur Eindeckung von Gebäuden brachten spezialisierte Handwerker wie den Rohrdachdecker hervor. Er deckt Dächer mit Rohr, übernimmt aber auch Dachreparaturen und Zimmermannsarbeiten.

Thor Heyerdahl gelang der Nachweis, dass man Schilf oder Papyrus sogar zu einem hochseetüchtigen Fahrzeug verarbeiten kann. Mit dem legendären Floss Kon-Tiki sowie dem Boot Ra II überquerte er erfolgreich den Ozean. Er bewies damit die Möglichkeit internationaler antiker Seefahrts- und Handelsrouten, u.a. zwischen afrikanischer und präkolumbianischen Kultur. Auch die Architekten postmoderner Bauprojekte schätzen die interessanten statischen Eigenschaften von Schilf. Obwohl im Winde schwankend und scheinbar leicht an den Knoten zu brechen, zeichnet sich der Schilfhalm durch hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Zug-, und Druckkräften aus. Wie die Papyruspflanze Vorlage der Säule im altägyptischen Tempelbau war, galt der Konstruktionsplan von Rohr innovativen Architekten als Vorlage zur Kreation moderner Fernsehtürme und Wolkenkratzer.

2. Seit Jahrtausenden genutzt

3. Hochgeschätztes Baumaterial

Die nutzbringenden Eigenschaften von Schilf sind dem Menschen seit langer Zeit bekannt. Vor Jahrtausenden bereits nutzte man Schilf bei Bauvorhaben und für die Seefahrt. Südamerikanische Hochkulturen, u.a. am Titicacasee, errichteten Flösse, Hütten und schwimmende Inseln aus Schilf. Ägyptische Pharaonen, die Ureinwohner der Osterinseln, der Kanaren und Sardiniens nutzten die Schilfhalme und Papyrus zum Schiffbau. Dem in Norwegen ausgebildeten Geografen, Zoologen und Anthropologen

Schon die Heilige Schrift unterstreicht durch mehrfache Bezugnahme auf das Schilf die Universalität dieser Pflanze. Man verwendete Schilf zu biblischer Zeit für Matten, Flöten, Zäune, Stöcke sowie als Schreibzubehör. Darüber hinaus wurde Rohr zur Klärung von Wasser, für die Befestigung von Deichkronen sowie für Bauprojekte eingesetzt. Die Vorteile dieses Naturmaterials zum Dachbau nutzte man nicht nur in Europa, sondern auch in Regionen Afrikas und Asiens. An der deutschen Küste künden

zahlreiche alte Fischerhäuser mit sogenannter weicher Deckung und als belüftetes Kaltdach erstellt, von der kulturellen Tradition im Umgang mit dem „Volksbaustoff“. In der Gegenwart erfreut sich ein mit Schilf gedecktes Haus zunehmender Beliebtheit. Unter einem Schilfdach zu wohnen, dies steht nicht nur als Ausdruck regionaler Verbundenheit und ökologischen Bewusstseins. Die Nutzung von Schilfhalmen zur Dachdeckung ist mit einer hervorragenden Wohnqualität verbunden, denn das Rohrdach ist atmungsaktiv, kann das Klima im Haus regulieren und erzeugt ein behagliches Wohngefühl. Weise stellt dazu der Volksmund fest, die Schilfmütze des Hauses wärmt die Hausbewohner im Winter und bringt ihnen erfrischende Kühlung bei Sommerhitze.

4. Zur Handwerkstradition Die Verarbeitung des Schilfrohrs begründete mit der Rohrdachdeckerei eine der seltensten und ältesten Handwerkstraditionen und prägte auch dessen inhaltliche Entwicklung. Dies gilt nicht nur für die Beobachtung der Materialeigenschaften von Rohr, sondern auch für die Entwicklung spezieller Arbeitswerkzeuge und die Optimierung der Technik beim Eindecken eines Schilfdachs. Man beobachtete, dass Rohr nach dem Frost besonders haltbar war, was die Lebensdauer des Rohrdachs verlängert. Zudem lassen sich die Rohrbündel beim Bau eines Schilfdachs gut mit dem Klopfbrett ordnen. Damit bearbeitet der Rohr-


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dachdecker die Struktur und Fläche eines Rohrdaches stets in individueller Weise. Seit einigen Jahren nutzen Rohrdachdeckereien nicht nur Schilf aus Deutschland, sondern auch qualitativ hochwertige Pflanzen aus Polen, Rumänien, Ungarn, Lettland, der Ukraine und der Türkei. Sogar aus China importiert man Schilf für den Bau deutscher Rohrdächer.

5. Fertigungsprozess eines Rohrdachs Ein qualitativ hochwertiges, ca. sechzig Jahre haltbares Schilfdach zu fertigen, das ist keinesfalls einfach. Dazu benötigt man Wissen, Können und viel berufliche Erfahrung. Deshalb basiert die Tätigkeit eines Rohrdachdeckers auf einem zu erlernenden Handwerk.Der Rohrdachdecker kann nicht jedes Rohr zu jeder Zeit verwenden. Sein Ausgangsmaterial sind hunderttausende ausgewachsene Schilfhalme ohne Blätter, Blüte und Wurzel nach Frosteinwirkung. Dann werden die in ein verarbeitungsfähiges Längenmass geschnittenen Halme gebündelt. Früher erfolgte dies mit Hasel- oder Weidenruten. Auf der Baustelle platziert man die Rohrbündel in mehreren Lagen auf den Dachlatten. Die erste dieser Lagen nennt man Traufschicht. Während des Dachdeckens muss der Handwerker den sicheren Halt der Bündel bewerten. Zudem prüft er die Formgebung, denn das Dach soll dem Baukörper des Hauses entsprechen; es nicht dominieren, sondern die Besonderheiten des Baus, z.B. ein Flächendach oder Gauben, unterstreichen. Zur Fixierung der Schilfrohrbündel nutzt der Rohrdachdecker Nadeln mit einem Griff sowie verschiedene Arbeitstechniken. Schliesslich lässt sich ein Rohrdach als genähtes, geschraubtes oder gebundenes Dach fertigen. Es kommt dabei auf die Herstellung einer

haltbaren Verbindung zwischen Rohr und Dachkonstruktion an. Mit dem Klopfbrett kann der Rohrdachdecker die geschichteten Rohrbündel ordnen sowie die Dachstruktur festigen. Zum Schluss erstellt der Fachmann die Giebelkappe. Dazu setzten die Rohrdachdecker in den Küstenregionen traditionell Seegras, Grassoden oder Heidekraut ein.

6. Qualitative Anforderungen Haltbarkeit und Brandschutz stellen heute besondere Anforderungen an die Fertigung eines Rohrdachs. Dazu zählt die Dachneigung von über 45Grad der effektiven Ableitung von Niederschlägen. Zudem ist der Winkel eines Rohrdachs ein wichtiges Kriterium zur Steigerung von dessen Lebensdauer. Da Rohrdächer in Deutschland ohne Regenrinne gebaut werden, besitzen sie einen Überstand von einem halben Meter, so dass abfliessendes Wasser entfernt vom Baukörper den Boden erreicht. Ausserdem soll das Rohrdach aus mehreren Schilflagen bestehen, um das Eindringen von Feuchtigkeit in das Haus zu vermeiden. Das Brandrisiko mindert ein besonders hoher Schornsteinaustritt.

7. Ästhetischer Anspruch War die Leistung eines Rohrdachdeckers noch vor einigen Jahrzehnten vor allem funktional, als oberer Bauabschluss ausgerichtet, so besitzt es heute auch eine ästhetische Komponente. Nicht selten faszinieren die geschwungenen Rohrdächer in ihrem unikaten Erscheinungsbild den Betrachter. Sie sind ein besonderes architektonisches Merkmal von Gebäuden, verkörpern die Verbindung von sinnvoller, effektiver, traditioneller und naturnaher Bauweise. Längst nicht mehr ist das Rohrdach Indiz eines

begrenzten Wohlstands. Das Rohrdachdecken gilt heute mit Recht als fachlich anspruchsvolles Handwerk auf der Basis historischer maritimer Traditionen. Es basiert auf der Nutzung der hervorragenden Eigenschaften von Schilfrohr, um einen modernen, exclusiven Wohnkomfort zu erzeugen und erstaunt durch kunstfertige - wie die Wellen des Meeres geschwungene - Dachformen. Text/Fotos: Dr. Irene Blechle


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Zahlreiche Gratulanten verabschiedeten Herrn Hans-Georg Falck

Ich bin dann mal weg.... Weit über hundert Gratulanten, darunter Greifswalds Oberbürgermeister Dr. Arthur König, hatten sich im Mercure Hotel eingefunden, um den Mann, der „Greifswalds Stadtbild entscheidend geprägt hat“, so König, in den Unruhestand zu verabschieden. Einen Begriff, mit dem Falcks Nachfolgerin im Amt des Vorstandsvorsitzenden, Frau Dr. Gudrun Jäger, die künftige Lebenssituation des Geehrten zu beschreiben. Falck habe seine ganze Kraft eingesetzt, um die Genossenschaft erfolgreich durch schwierige Zeiten zu steuern und sich für Instandhaltung und Modernisierung zu engagieren. Stets habe er dabei als erstes das Wohl der Genossenschaftsmitglieder im Auge gehabt. Besonders in den Zeiten nach der Wende, als es galt, völlig neue Strukturen zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit der WGG zu sichern, habe er sich besondere Verdienste erworben. Heute gelte das von ihm maßgeblich geprägte Vorhaben des Umbaus und der Neugestaltung des Ostseeviertels bundesweit als Vorzeigeprojekt. In seiner Dankesrede versprach Falck, auch künftig für Fragen und Ratschläge zur Verfügung zu stehen und entsprach damit einer Bitte seiner Vorredner. Umrahmt wurde die Veranstaltung von Darbietungen des Chors St. Spiritus. HansGeorg Falck selbst verabschiedete sich von seinen Gästen mit dem Klassiker der Zitate für solche Gelegenheiten: „Ich bin dann mal weg...“ Text: ces Fotos: jhe


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Marketing für Backsteingotik © Marco Barnebeck / PIXELIO

Das Kulturerbe des Ostseeraumes ist Thema eines grenzüberschreitenden Projektes innerhalb des Baltic Sea Programms der Europäischen Union. Mit Hilfe des Projektes soll eine gemeinsame Identität des Ostseeraumes gefördert werden. Um dieses Ziel zu erreichen führt der Verein „Route der Backsteingotik e. V.“ in Berlin derzeit eine Stärken-Schwäche Analyse durch und ermittelt in diesem Zusammenhang, in welchen Regionen das Kulturerbe Backsteingotik für touristische Zwecke genutzt wird und auf welche Weise dies geschieht. Sanna Martzahn, gebürtige Finnin, als Beauftragte des Vereins besuchte in diesem Zusammenhang vor einigen Wochen auch Greifswald, um sich von Christina Spierling und Cathleen Rother vom Fremdenverkehrsverein der Stadt Greifswald und Land e. V. über die zahlreichen Angebote Greifswalds in Sachen Backsteingotik informieren zu lassen. Text/Foto: ces

Noch Tassen im Schrank... heißt es derzeit in der Greifswalder Stadtinformation. Hier ist soeben die neu gestaltete 4.Auflage der Greifswald Tasse eingetroffen und wartet auf Sammler und Liebhaber feiner Keramik. In fröhlichen Farben und frischer Darstellung zeigt sie das historische Greifswalder Stadtpanorama. Sie ist nicht nur bestens als Souvenir oder Geschenk geeignet, sondern macht auf einem hübsch gedeckten Frühstückstisch eine gute Figur. Die Tasse ist ab sofort in der Touristinformation im Rathaus erhältlich und kostet 8,50 Euro. Interessenten sollten nicht zu lange warten, denn die Auflage ist limitiert.


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Zwanzig Jahre expert-Femmer Zahlreiche Gäste waren Anfang Dezember einer Einladung von Wolfgang Fenske und Klaus-Peter Klein gefolgt. Anlass war das 20. Firmenjubiläum der beiden Unternehmer, die nicht nur in der Hansestadt Stralsund für allzeit guten Ton und guten Empfang sorgen. Neben Vertretern aus Wirtschaft und Politik waren auch viele Kunden, die den Service der beiden Spezialisten seit Jahren schätzen, unter den Gästen. Für viele Besucher auch ein willkommener Anlass, die neu gestalteten Geschäftsräume zu bewundern. In hellem, freundlichen Ambiente präsentiert expert-Femmer Hochklassiges in Sachen Elektronik. Renommierte Marken wie Phillips, Loewe oder TechniSat und Metz finden sich in der großzügigen Ausstellung. Zukunftsfähige Technologie ist angesagt, denn im Bereich der Fernsehtechnik stehen in der kommenden Zeit Veränderungen an. Dazu gehört unter anderem die Abschaltung des analogen Satellitenfernsehens. „Gerade im Objektbereich, so zum Beispiel Hotels, raten wir dazu, sich rasch auf die neue Technik einzustellen. Bei der Umrüstung von Kopfstationen könnte es durchaus zu Lieferengpässen kommen“, prognostizieren Wolfgang Fenske und Klaus-Peter Klein. Größte Aufmerksamkeit widmen die beiden Inhaber dem Thema Service. Eine fachkundige, ausführliche Beratung des Kunden steht an erster Stelle. Schon in den Ausstellungsräumen kann eine Vielzahl unterschiedlichster Geräte in Form und Funktion begutachtet werden. Auf Wunsch kann sich der Kunde aber auch in den eigenen vier Wänden Vorschläge machen lassen. Der Service von expert-Femmer genießt einen guten Ruf weit über die Grenzen Stralsunds hinaus. Auf der Referenzliste finden sich bekannte Hotels, Bildungseinrichtungen und viele andere namhafte Adressen. Kompetenz, die nicht zuletzt auf der ständigen Schulung aller Mitarbeiter beruht, die so stets auf dem Stand der neuesten Entwicklung sind. Gleichzeitig findet man vor Ort die größte Reparaturwerkstatt Stralsunds, so dass im seltenen Falle eines Problems umgehend geholfen werden kann. Erstklassiger Service, das breite Angebot und die perfekte Beratung sind für Wolfgang Fenske und Klaus-Peter Klein die Basis für weitere 20 erfolgreiche Jahre expert-Femmer Stralsund.


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Endspurt zum Jubiläum 450 Jahre Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Greifswald

Die Marketinggruppe entwirft das Layout für die Einladungen zur Festveranstaltung

Ein Gebäude – vor allem eine Schule – könnte tagelang von dem Erlebten erzählen. Schade, dass das Gebäude des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums nicht sprechen kann. Um alte Geschichten auszugraben und neue zu schreiben, hat das älteste Gymnasium Greifswalds zum 450. Jubiläum eine Festwoche vom 4. April 2011 bis zum 8. April 2011 geplant. Vor den Weihnachtsferien 2010 organisierten und bereiteten die Schüler in einer Projektwoche den Inhalt für die Tage der Festwoche vor. Dafür haben sie sich in verschiedene Themengruppen aufgeteilt, um möglichst individuelle Ergebnisse zu erzielen. So gibt es zum Beispiel eine Projektgruppe, die sich mit dem Thema „Schüler unterrichten Schüler“ befasste, also damit, Unterrichtsstunden nach historischem

Muster vorzubereiten. Eine andere Projektgruppe beschäftigte sich mit der Organisation des geplanten Schulballes für die 9.-12. Klassen bzw. der Schuldisko für die 7.-8. Klassen. In ihr Aufgabengebiet fiel neben der Gestaltung der Räumlichkeiten auch der Entwurf von Plakaten und Eintrittskarten. Außerdem haben sich Gruppen für die Planung der Festwoche, des Festumzuges oder auch von Schulführungen zusammengeschlossen. Auch für den Marketing- und Werbebereich und die Beschäftigung mit Fremdsprachen oder Naturwissenschaften haben sich interessierte Schüler gefunden. Zudem gibt es eine Gruppe für die Teilnehmer an den bekannten Schulmusicals des Greifswalder Jahn-Gymnasiums. Das Team, das sich mit verschiedenen

Sportarten wie z. B. Fußball, Rudern oder Tanzen auseinandersetzt, ist auf große Begeisterung bei den Schülern gestoßen. Neben dem Planen und Einüben von Choreografien für unterschiedliche Veranstaltungen wurde zusätzlich ein Sponsorenlauf organisiert, um Geld für die Festwoche und gemeinnützige Einrichtungen zu sammeln. Auch eine neue Sportart namens Jugger wurde von den Schülern erprobt. Nun freuen sich die Schüler auf eine interessante, abwechslungsreiche und würdevolle Festwoche, die dem 450-jährigen Bestehen des FriedrichLudwig-Jahn-Gymnasiums Greifswald und seinem Motto – Bildung mit Tradition – gerecht wird. Laura Zimmermann und Henriette Neumann

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Brautmoden 2011 Wer mit der Mode gehen will, hat es nicht immer ganz leicht. Da ist es ein Glücksfall, schon im Voraus zu wissen, was demnächst angesagt sein wird. Auch mit den kommenden Brautmodetrends ist das nicht anders. Dabei hat die Brautmode 2011 viele Gesichter. Das reicht von schlicht über üppig, von extravagant bis alternativ. Doch auch das Etablierte feiert in diesem Jahr eine Rückkehr. So etwa die klassische A-Linie. Sie ist einerseits extrem figurfreundlich und andererseits der unterschiedlichen Ausschmückungen wegen sehr variabel. Auch die Spitze ist als Evergreen der Mode natürlich wieder vertreten. Edel, zart, verführerisch – alles das vereint sie in einzigartiger Weise. Immer wieder aktuell ist auch das Konzept des Pure Sense.

Schlichte Eleganz und schnörkellose Schönheit werden hier verbunden. Kombiniert mit Applikationen, die aufwendige Perlen- und Kristallmotive zeigen, entstehen bei der Brautmode 2011 unvergleichliche Effekte. Zauberhafte Blütendesigns sorgen mit ihren auffälligen Strukturen für einen bestechenden Anblick. Wer es verspielt mag, setzt in diesem Jahr auf Rüschenstufen. Die volumenreiche Optik punktet trotzdem mit einem luftig-leichtes Tragegefühl. Gut dazu passen kunstvolle Röcke mit duftig aufgebauschten Drapierungen. Für das gewisse Etwas sorgt der GlamStyle. Hier lautet das Motto: es muss glitzern und funkeln. Detailreich besetzte Corsagen werden mit festlichen Röcken getragen und erzeugen so eine umwerfende Wirkung.

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Auch für Individualisten halten die Trends des Jahres so einiges bereit. So zum Beispiel die Entdeckung der Asymmetrie. Egal ob einseitig geführte Trägervarianten oder diagonal verlaufende Fältelungen – der Mut zum Außergewöhnlichen wird ganz sicher mit bewundernden Blicken belohnt. Auch klare Kontraste können ein Highlight setzen. Das Stichwort ist hier Black and White. So entstehen interessante Gegensätze und überraschende Brüche.

Sarabande – für die Braut, die sich (was) traut... Worüber wird bei einer Hochzeit am meisten geredet? Richtig! Über das Kleid der Braut! Jede Braut ist einzigartig und möchte dies mit ihrem Kleid betonen. Der Schnitt, der Stoff, die Farben unterstreichen ihre Persönlichkeit und lassen dieses Erlebnis für Braut und Bräutigam sowie alle Gäste unvergesslich werden! Es gibt Farben, die „in“ sind. Weiß ist schlechthin DER Klassiker unter den Hochzeitskleiderfarben, gefolgt von Creme- und Champagnerfarben. Immer öfter sieht man auch Rot- und Bordeauxtöne. Aber wirklich „einzigartig“ ist dies nicht mehr. Warum also nicht in Hellgrün oder Zartlila heiraten? Oder verspielte Teerosen auf dem Korsett zu einem eleganten Rock mit Schleppe? Ein passendes Bolerojäckchen komplettiert die Robe und betont zusätzlich das Dekolleté der Braut.

Stets gilt jedoch: Ein Trend ist flüchtig. Wichtig ist, dass Sie sich gut fühlen, sich unwiderstehlich finden.

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Bei der Betrachtung der alten pommerschen Hochzeitsbräuche muss beachtet werden, dass die Liebesheirat, wie sie gegenwärtig wohl den Standard markiert, in früheren Jahrhunderten nicht die Regel war. Standesdenken und Zunftbewusstsein waren sowohl für die „gesellschaftlichen Oberschichten der Städte […] wie in den Kreisen der Handwerker vorherrschend“. So jedenfalls meint Fritz Adler in einem Aufsatz in den Baltischen Studien von 1955. Das drückt sich unter anderem darin aus, dass noch im Jahr 1800 in Stralsund gut 70% „aller Ratsfamilien miteinander versippt waren“. Ebenso verfuhren die Handwerker. Wurde fremden Gesellen die Meisterschaft bei Einheirat im Mittelalter bloß erleichtert, wurden sie im späten 16. Jh. sogar darauf verpflichtet, nur dann Meister werden zu können, wenn sie eine Meisterin oder eine Meisterstochter ehelichten. 1716 missbilligte der Stralsundische Rat zwar, was er selbst als ungeschriebenes Gesetz praktizierte. Doch war der Meisterstatus für viele Handwerker das einzig Wertvolle, das sie auf dem Wege der Heirat vererben konnten. Auch die Obrigkeit verfuhr oft nach diesem Prinzip. Ob bei der Besetzung von Pfarren oder Verwaltungsposten: stets war die Heirat der Tochter des Amtsvorgängers „erwünscht“. Schließlich ließen sich

so staatlicherseits Versorgungsleistungen für die Hinterbliebenen umgehen. Adler führt das ausbleibende Aufbegehren der Jugend auf „eine anders geartete seelische Struktur“ zurück, die das (auch wirtschaftliche) Wohl der Familie bzw. Sippe in den Vordergrund stellt. Das dient ihm als Erklärung dafür, dass über so viele Jahrhunderte offenbar schlicht nicht der Wunsch der individuellen Wahl des Ehepartners bestand. Die alten pommerschen Vokabeln für den Vollzug der Verlobung geben noch heute beredtes Zeugnis davon, dass es sich einst eher um ein Rechtsgeschäft aus wirtschaftlichen Erwägungen handelte. Begriffe wie „eestiftung“ oder

„thoslach“ stehen hier exemplarisch. Das Verlöbnis selbst musste zwingend von Zeugen beglaubigt werden, um gültig zu sein. Um heimliche Eheversprechen zu verhindern, war beispielsweise in Greifswald und Stralsund die Öffentlichkeit des Ortes vorgeschrieben. Eine Kirche oder zumindest ein „[ehrliches Haus] in Gegenwart ehrlicher Männer von beiderseits Eltern und Freundschaft“ erfüllten dies Voraussetzung. Nichtsdestotrotz war die eigentliche Handlung gänzlich privat und bedurfte keiner öffentlichen Person. Traditionell wurde für den Fortgang des Verlöbnisses teils gleich von mehreren Personen gebürgt. Reichlich eigen dürften die Pommern bei Verlöbnissen dahingehend gewe-

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sen sein, dass diese einigermaßen fest meist am Vormittag vollzogen wurden. In Stettin gab es 1631 sogar eine Verordnung, die „sogar die Zeit zwischen 12 und 1 Uhr mittags festschrieb“. Im Anschluss wurde zumeist Wein oder Bier getrunken, um den „thoslach“ zu bestätigen und dem Rechtsgeschäft so erst die eigentliche Wirksamkeit zu verleihen. Zwar ist es zudem in ganz Deutschland Brauch, in der Zwischenzeit bis zur Hochzeit Gaben auszutauschen. Doch sind diese in Pommern exakt vorgeschrieben gewesen. Der Bräutigam durfte der Braut zwei goldene Ringe schenken; einen zum Verlöbnis und einen „Truwrinck“. Die Braut ihrerseits durfte „einen güldenen Verlöbnissring“ schenken. Man war von Seiten der Obrigkeit schließlich darauf bedacht, die Geschenke und Feiern nicht allzu pompös werden zu lassen.

Im Nachhinein amüsant, aber typisch pommersch ist ein spezieller Brauch. Braut und Bräutigam schenkten im 16. und 17. Jahrhundert von Barth über Greifswald, Stralsund, Stettin bis Anklam Hemd und Schuhe. Vor allem die nächsten Verwandten der Braut und des Bräutigams wurden bedacht. In der Greifswalder Hochzeitsordnung von 1569 ist vorgesehen, dass der Bräutigam ein Paar Schuhe und ein Paar Pantoffeln schenkt. Jedoch war dieser Brauch spätestens ab dem 18. Jh. nicht mehr legal; er passte nicht zu den obrigkeitlichen Vorstellungen von Sparsamkeit. Fortan waren nur noch Strümpfe, Schuhe oder Pantoffeln als Geschenk für das Gesinde des zukünftigen Ehepartners erlaubt. An der altdeutschen und durch Luther bestätigten Vorstellung, dass die Ehe bereits mit der Verlobung als geschlossen zu betrachten war, änderte das nichts.

War der große Tag gekommen, ging es auch um die Frage der Aussteuer, in Pommern „mitgave“ oder „ingedömpt“ genannt. Sowohl die Braut als auch der Bräutigam mussten in die Ehe einige Gegenstände einbringen. Auch diese wurden gesetzlich vorgeschrieben, um der „naiven Prahl- und Prunksucht [der] Bürger“ entgegen zu wirken. Die „mitgave“ bestand dabei im Großen und Ganzen aus Kleidungsstücken, die in einer – ebenfalls genauestens reglementierten – Brautkiste Platz haben mussten. Für den übrigen Hausstand (Geschirr, Möbel etc.) sorgten die Geschenke der Gäste. Bevor die Ehe jedoch endgültig geschlossen werden konnte, musste ein weiterer Brauch vollzogen werden. Der ehemals mit einiger Wahrscheinlichkeit die Vorform des kirchlichen Aufgebotes war. Adler berichtet über den Greifswalder Bürger


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stellvertretend für wohl alle Bräutigame dazu, dass jener sich vor aller Augen auf einen „bestimmten Stein in der Stadt einige Minuten öffentlich zur Schau stellen musste“. Jedermann hatte sodann die vorerst letzte Möglichkeit, einen Einspruch zu erheben. Damit sollte verhindert werden, dass jemand die Ehe einging, obwohl noch Rechtsansprüche Dritter – womöglich einer anderen Verlobten – bestanden. Noch im späten 18. Jh. war das Sprichwort „Up‘n breeden Steen stoon“ als Umschreibung für die Trauung durchaus üblich. Ein weiterer Brauch überlebte das 16. Jh. kaum. Merkwürdig muss anmuten, dass die Braut mitunter dem Bräutigam diverse Badeuntensilien schenkte, etwa einen Bademantel (sog. „badecappe“). Der Hintergrund ist, dass sowohl die Braut als auch der Bräutigam mit

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Der Ring übt seit Jahrtausenden eine ganz außergewöhnliche Anziehungskraft auf den Menschen aus. So wurde er in Kunst und Kultur ausgiebig rezipiert – sei es als Ringparabel bei Lessing, als „Ring of Fire“ beim US-Countrysänger Johnny Cash oder als „Herr der Ringe“ bei Tolkien bzw. Jackson. Nun führte eine ausgiebige Beschäftigung mit dem Ring als solchem sicher zu weit. Besonders beschränken wollen wir uns daher auf eine kurze Betrachtung seiner als hochzeitlichem Symbolträger. Dabei bleibt eingangs festzuhalten, dass der Ring als Zeichen der ehelichen

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ausgesuchten Personen vor der Heirat in der öffentlichen Badestube badeten. Das galt wohl als Symbol der inneren Reinigung. Doch auch dieser Brauch wurde ob des Hangs zum Prunk von der Obrigkeit verboten. Ausschließlich den weiblichen Mitgliedern der Brautfamilie vorbehalten war die Besichtigung des Brautzeuges. Da es dabei aber offenbar vermehrt zu Neid und Missgunst gekommen sein muss, verbot man auch diese Sitte. Insbesondere die öffentliche Überführung des „brudtuges“ in das künftige Heim der Brautleute mit dem sog. Brautwagen sorgte anscheinend vermehrt für Befindlichkeiten. In Stralsund erließ der Rat zwar erstmals 1570 ein Verbot,

musste es allerdings 1729 erneuern. Zweifelsohne hielten sich die Bürger der Stadt einfach nicht daran. Ähnliches ist für die anderen pommerschen Städte anzunehmen. Der Polterabend schließlich ist trotz seiner Popularität in jüngerer Zeit im alten Pommern höchstwahrscheinlich gänzlich unbekannt. Zwar legte die Obrigkeit alle anderen Bräuche betreffend ein hohes Maß an Umtriebigkeit bei deren Verbot an den Tag. Doch von einer gleich gearteten Reglementierung des Polterabends ist nichts überliefert. Gerade dieser jedoch gäbe für Späße und Exzesse der städtischen Jugend ja reichlich Gelegenheit.

Gemeinschaft bereits seit der Antike bekannt ist. Die Römer und Griechen gebrauchen ihn durchaus, damals jedoch zumeist als einfachen Eisenring. Nicht zuletzt die Unerschwinglichkeit goldener Ringe für „normale“ Bürger hatte auf die Verwendung des wenig edlen Metalls sicher erheblichen Einfluss. Wohl zwischen den Kirchenvätern Tertullian und Ambrosius, also zwischen dem 3. bis 5. Jh., wird der römische Brauch grundsätzlich in die christliche Liturgie übernommen. Man tauscht die Ringe allerdings lediglich auf freiwilliger Basis.

Noch im 16. und 17. Jh. handelt es sich dabei in den unterschiedlichen regionalen Kirchenordnungen offensichtlich nicht um einen unabdingbaren Bestandteil der Eheschließung. Die meisten Dokumente stellen es dem Willen des Brautpaares, der Sitte oder dem Vermögen frei, überhaupt einen Ring zu tragen und bei der Trauung zu tauschen.

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Brautkauf statt Ringtausch In der Tat ist der Ring gerade in Deutschland nicht das vorrangige Symbol der Eheschließung. Stattdessen ist es der sog. Mundkauf. In den mittelalterlichen deutschen Städten und Dörfern ist der Kauf des Vormundsrechtes weit verbreitet, wenn auch spätestens seit der Renaissance von der Obrigkeit unerwünscht. Mit einer zuvor bestimmten Summe Geldes erwirbt der Bräutigam nämlich die Rechte an der Auserkorenen von ihrem Vater – insbesondere Züchti-

gungs- und Verkaufsrecht. In Zeiten mangelhafter Emanzipation ist das noch möglich, obgleich der Brauch bald einem Scheinkauf weicht. Vielmehr kommt der Brautpreis nun auch der Witwenversorgung der Frau zu. Durch aktives Zutun der Kirche wird er letztlich in Gänze durch den Tausch von Trauringen ersetzt. Ungleiche Traditionslinien In jedem Falle steht die pommersche Kirchenordnung exponiert, als dass sie eine der ganz wenigen ist, die den

nun obligatorischen Ringetausch von den Eheleuten selbst vornehmen lässt. Der mit Abstand überwiegende Teil der Verordnungen übereignet diese Aufgabe dem Priester. Immerhin ist es ja auch er, der die christliche Ehe schließt. Viel wichtiger ist indes das Zusammenfügen der Hände, was ausschließlich der Kirchenvertreter übernehmen kann. Darin ist lange Zeit das eigentlich wesentliche Element des Ritus‘ zu sehen. Hingegen der Ringewechsel „ist die symbolische Besiegelung des ehelichen Gelübdes, das zur That Werden des wörtlich erklärten

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mutuellen Consenses, und fällt sonach auf die subjective Seite; erst mit dem Zusammenfügen der Hände geht es an die Bestätigung, an die objective Seite“, wie es Oberkirchenrat Dr. Kliefoth 1869 für heutige Leser etwas umständlich beschreibt. Links oder rechts? Gibt es schon innerhalb der christlichen Kirche keine Einheitlichkeit des Zeremoniells, so ist die Frage, auf welcher Seite der Hand und ob überhaupt ein Ehering zu tragen sei, in den verschiedenen Kulturen erwartungsgemäß um ein Vielfaches differenzierter. Der jüdische Vermählungsritus sieht das Tragen eines goldenen Ringes lediglich während der Zeremonie und dann am rechten Ringfinger vor. Die antiken Römer und Griechen tragen ihn stattdessen am vierten Finger der linken Hand. Daher auch die Bezeichnung als Ringfinger, was eine medizinhistorische Ursache hat. Man glaubte, dass von diesem Finger eine Ader in direkter Linie zum Herzen führe. Die alternative Benennung als Goldfinger taucht unter anderem in der bereits erwähnten pommerschen Kirchenordnung auf und verweist auf das späterhin öfters gebrauchte Material. Der Islam kennt grundsätzlich keine Ringe, doch „importieren“ einige Paare die Sitte. Während die Dame einen goldenen Ring an der rechten Hand trägt, zeigt der Herr bestenfalls einen

silbernen an der linken. Auch nach holländischer Sitte wird bis weit in das 19. Jh. kein Trauring getragen. Besondere Trauringe Der Ring hält zudem in allen Kulturen sowohl in der Verarbeitung als auch in der Form in mehrerer Hinsicht als Zeichen her. Klassisch, das heißt mindestens seit der Neuzeit, ist er in der Regel aus Gold oder Silber gefertigt. Die Metalle sollen ihm als Gegenstand etwas zusätzlich Edles verleihen. Gerade in christlichem Zusammenhang wird das Gold in seiner Reinheit als Symbol der Reinheit der Ehe verstanden. Die Ringform hingegen verweist leicht einsichtig auf die unaufhörliche Liebe der Eheleute. Einen besonders kunstreichen Trauring soll der Reformator Dr. Martin Luther seiner Braut Catharina von Bora übereignet haben. Das als Doppelring konzipierte Schmuckstück trägt im Falle Luthers einen Diamanten und im Falle Catharinens einen Rubin. Beide sind ebenfalls symbolhaft zu verstehen: der Rubin in seiner Röte als Zeichen der Liebe, der Diamant in seiner Festigkeit als Zeichen der Beständigkeit und Treue. Ob die Originale noch existieren, ist nicht verbürgt, was abenteuerlichen Spekulationen Raum gelassen hat. Immer wieder tauchten in der Vergangenheit angeblich authentische Ringe auf, die allerdings allesamt den Nachweis ihrer Echtheit bis auf den heutigen Tag schuldig blieben.

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PARTYSERVICE für ihre besondere Feier Die politische Wende in Deutschland bedeutete auch für die Fleischerei Hahn in Greifswald eine Veränderung. Das seit dem Anfang der 60er Jahre geführte Familienunternehmen stieg 1989 in den Plattenservicebetrieb ein. Allerdings fing man klein an. Die hin und wieder erteilten Aufträge konnten daher von zwei Mitarbeiterinnen mühelos bewältigt werden. Mit der Zeit häuften sich die Anfragen jedoch jährlich. Daher war es unverzichtbar, diesen Geschäftsbereich weiter zu entwickeln. Regelmäßig besuchten die Mitarbeiter und Auszubildenden der Fleischerei Seminare und Lehrgänge, um ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen. So konnte der Plattenservice etabliert werden und bildete bald ein zusätzliches Standbein. Die Vielfalt dessen, was möglich ist, spricht für sich. Neben gegarten Puten oder Schwein, zahlreichen Wild- und Fischgerichten und deftigen Braten sind auch leckere Suppen im Angebot. Außerdem können frische Obstarrangements, Salate, Desserts sowie kalte Aufschnitt- und Käseplatten, belegte Brötchen und Schnittchen und vieles mehr bestellt werden. Über Geschirr, Dekoration und Getränke muss man sich zudem keine Sorgen machen – gerne gehen die freundlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf individuelle Wünsche ein und geben ihr Bestes, um beratend und empfehlend die Zufriedenheit jedes Kunden zu garantieren. Dabei spielt es im Grunde keine Rolle wie groß die Gesellschaft sein mag: jeder Kunde ist gleichermaßen wichtig, egal ob es sich um eine Feier mit vier oder gar 500 Personen handelt. Gerne stellt man auch das Catering für Hochzeitsfeiern. In jedem Falle steht das kompetente Personal in der

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bekannten guten Qualität als Partner zur Seite. Das konnten bisher mehrere Highlights beweisen. Abiturabschlussbälle mit 150 bis 450 Personen, größere Betriebsfeiern oder ein Firmenjubiläum mit 500 Gästen machten deutlich, dass nicht nur die kulinarische Exklusivität im Vordergrund steht. Auch die dekorative Gestaltung sorgt stets für optische Höhepunkte. Selbstverständlich hat an den logistischen Meisterleistungen immer das gesamte Team der Fleischerei Hahn einen Anteil. Zur Zeit tragen so 23 Mitarbeiter und zwölf Auszubildende zum Erfolg des Unternehmens bei.

Ohnehin gehört die Teamarbeit zur Firmenphilosophie. Genau darauf sind die Chefin und der Chef auch sehr stolz. Sie wissen, dass sie sich jederzeit auf ihre Mitarbeiter verlassen können und nur gemeinsam das erreicht werden konnte, wo man derzeit steht. Natürlich gebührt auch den Kunden, die der Fleischerei jahrelang die Treue gehalten haben, allen Neukunden, den Familien, Bekannten und Freunden ein großes DANKESCHÖN!

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Edle Metalle Gemeinsam ist allen Deutungen allerdings die Zuschreibung des symbolhaft Unendlichen. Mittlerweile gibt es auch mannigfaltige Designs und Materialien. Moderne Ringe sind zwar immer noch zumeist aus Gold oder Silber gefertigt. Doch hat sich seit einiger Zeit Platin als „konkurrierendes“ Metall durchgesetzt. Egal ob Weiß-,

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Gelb- oder Rotgold, ob Platin oder Silber: In jedem Falle sollten Brautpaare darauf achten, dass es verschiedene Angaben für den Umfang eines Ringes gibt. Sinnvollerweise lässt man sich daher im Voraus bei einem oder mehreren Juwelieren beraten und über die unterschiedlichen Ringmaße informieren. Ein Probetragen ist in aller Regel ohne Weiteres möglich. Text: hed; Fotos: JMG,

ut geplant ist halb gefeiert

Eine gute Planung ist das A und O einer gelungenen Hochzeit, die allen Gästen für immer in guter Erinnerung bleiben soll. Doch wo anfangen und was muss alles bedacht werden? In der Fülle der Dinge, die geregelt werden müssen, kann man leicht den Überblick verlieren. Deshalb ist es sinnvoll, sich möglichst früh – am Besten schon unmittelbar nach der Verlobung – eine Liste anzufertigen. Sie sollte die wichtigsten Punkte enthalten und die Möglichkeit zum einfachen Abhaken bieten. So sind erledigte und noch zu erledigende Aufgaben schnell und übersichtlich zu erkennen. Dabei bieten die Hochzeitsvorbereitungen bisweilen einen ersten Eindruck der Kooperationsfähigkeit beider Partner. Wer sie unbeschadet übersteht, ist mit Sicherheit reif für die Ehe.

Sag mir quando, sag mir wann... Von vorrangigem Interesse ist für frisch Verlobte sicherlich der Tag der Hochzeit. Er will wohlüberlegt sein; nicht zuletzt entscheidet er auch über die Zeit, die zur Planung zur Verfügung steht. Offensichtlich sollte der Termin nach Möglichkeit nicht in zu großer Nähe zu hohen Feiertagen stehen, wie etwa zu Weihnachten, Ostern oder an besonderen Geburtstagen in der Familie. In erster Linie tut man sich selbst keinen Gefallen, wenn wegen „Konkurrenzveranstaltungen“ deutlich weniger geladene Gäste erscheinen können. Besonders beliebt sind aufgrund der zu erwartenden guten Wetterlage natürlich die Monate Mai bis August. Aber auch Winterhochzeiten können einen ganz besonderen Reiz ausüben. Wer seinen Wunschtermin ergattern möchte, sollte sich in jedem Falle

frühzeitig beim zuständigen Standesamt anmelden. Fast schon traditionell schwierig zu bekommen sind allerdings die berüchtigten „Schnappszahlen“ 5.5. oder 11.11. Einige Termine sind indes sogar gesetzlich untersagt, so zum Beispiel der Karfreitag. Für das kommende Jahr bietet sich für leicht Vergessliche unter Umständen der 20.11.2011 an? Wichtig ist jedoch, dass die Anmeldung der Eheschließung nicht mehr als sechs Monate vor dem Heiratstermin möglich ist. Bitte das Formular ausfüllen! Hat man sich für ein Datum entschieden, bedarf es in Deutschland vorerst einer leider wenig romantischen Prozedur: der Anmeldung der Eheschließung. Ursprünglich bestand die Bestellung des Aufgebotes aus einer öffentlichen Ausrufung und jeder, der


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etwas gegen die Eheschließung einzuwenden hatte, konnte dies tun. In modernen – bürokratischen – Zeiten ist diese Sitte der amtlichen Feststellung von Ehehindernissen gewichen. In aller Regel sind dem Amt, bei dem man gemeldet ist, wenigstens eine Geburtsurkunde, der Personalausweis und eine Meldebescheinigung vorzulegen. Zusätzliche Regelungen gelten für Geschiedene, Verwitwete und für den Fall, dass einer oder beide Partner bereits Kinder haben. Gegen eine Gebühr, die von Standesamt zu Standesamt unterschiedlich ist, wird zudem das sog. Ehefähigkeitszeugnis ausgestellt. Achtung! Sollten Sie sich außerhalb der Öffnungszeiten des Standesamtes oder von einem Standesamt, in dessen Verwaltungsbereich Sie nicht gemeldet sind, heiraten wollen, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine weitere Gebühr fällig. Der richtige Ort Sobald der Termin geklärt ist, drängt sich ein zweiter wichtiger Punkt förmlich auf: wo? Persönliche Vorlieben können dabei fast uneingeschränkt in die Entscheidung einfließen. Zum Beispiel haben Mittelalterfreunde heutzutage vielfach die Möglichkeit, sich auf einer Burg trauen zu lassen. Mancher möchte vielleicht auf hoher See den Bund fürs Leben schließen. An Ausgefallenheit mangelt es seit Jahren den Wünschen einiger Paare sicher nicht. Jedoch muss auch hier bedacht werden, dass schnell zusätzliche Kosten entstehen. Gleichwohl trifft man bei der Sondierung möglicher Trauorte zumeist auf hilfsbereite, freundliche Menschen, die sich darüber freuen, dass ihre Räumlichkeiten für die Eheschließung ausgesucht wurden. Auch der Ort sollte möglichst früh feststehen. Schließlich möchte man der Festgesellschaft ja schon auf den Einladungskarten mitteilen können, wo sie sich einzufinden hat. Wenn Sie sicher sind, dass keine Ehehindernisse bestehen – vielleicht sind Sie ja schon verheiratet? – ist es durchaus hilfreich,

die „location“ schon vor der Bestellung des Aufgebotes reserviert zu haben und nur noch den genauen Termin durchzugeben. Wurde auch niemand vergessen? Der wohl schwierigste Teil der Hochzeitsvorbereitungen (abgesehen von der Wahl des Kleides bzw. des Anzuges) ist die Auswahl der zu ladenden Gäste. Wie weit man den Kreis absteckt, ist freilich jedem selbst überlassen. Einige bevorzugen eine kleine Gesellschaft, andere mögen eher den großen Auftritt. Aber auch bei den Gästen lohnt sich eine Liste, um niemanden zu vergessen. Schwierig ist die Auswahl, weil man nur zu gerne geneigt ist, lieber jemanden zusätzlich als jemanden nicht einzuladen. Trotzdem sollte mit behutsamer Strenge überlegt werden, ob diese und jene Person unbedingt eingeladen werden muss. Wahrscheinlich nimmt es Ihnen die Cousine vierten Grades nicht wirklich übel, wenn Sie sie mit Blick auf die ohnehin überschaubare Zahl der Gäste nicht einladen, sondern ihr stattdessen „bloß“ eine hübsche Danksagungskarte für die entrichteten Glückwünsche zusenden. Zweckmäßig ist es, vorab auf der Liste alle möglichen Gästen zu notieren, um dann nach und nach immer mehr Namen zu streichen. Wer mit wem? Wenn feststeht, wer geladen ist, sollte man sich über die Sitzordnung im Klaren sein, so man denn eine solche vorgeben möchte. Sinnvoll ist dann die wohlüberlegte Kombination zueinander passender Charaktere oder einander gut bekannter Gäste. In unsicheren Fällen kann man ja schon vorsichtig vorfühlen, ob irgendwelche Befindlichkeiten bestehen. Es genügt meist völlig, die Tischkarten erst wenige Wochen vor dem großen Tag zu ordern. Dass diese dann stilistisch an die Einladungskarten angepasst sind ver-

steht sich fast von selbst – es sei denn, es handelt sich um ein ungewöhnlich individualistisches Brautpaar. Unbedingt beachten sollte man bei aller Kreativität der Einladung oder des Ortes, dass die Gäste sicher wenig Lust haben, nach teils mehrstündiger Anreise noch etliche Kilometer zur Übernachtungsmöglichkeit zu fahren. Um dieses Problem zu umgehen, kann man sich als Paar schon im Voraus Hotels und Pensionen der Umgebung heraussuchen und deren Adressen in einem kleinen Beizettel mit der Einladung verschicken. So kann sich jeder Gast selbst eine geeignete Unterkunft heraussuchen. Wer in der komfortablen Lage ist, eine Lokalität mit angeschlossener Hotelerie gebucht zu haben, kann für seine Gäste ruhig schon einmal einige Zimmer reservieren lassen. Blumen Ohne Frage ist am Hochzeitstage die Braut der eigentliche Hingucker. Besondere Aufmerksamkeit wird ihr dann zuteil, wenn der Blumenschmuck umsichtig ausgewählt wurde. Längst ist beispielsweise die zweite symbolische Seite der Lilie – nämlich als Blume der Toten – verdrängt worden. Deshalb kann auch sie ohne Weiteres ihrer Schönheit wegen in den Brautstrauß aufgenommen werden. Da es sich bei den Blumen um eine sehr individuelle Geschmacksfrage handelt, lässt man sich am Besten vom Floristen des Vertrauens beraten. Zusätzlich zum Brautstrauß hat der Bräutigam üblicherweise für ein zweites Bouquet zu sorgen, ebenso für den eigenen Schmuck des Knopfloches. Bedenken Sie dabei, keine allzu intensiv duftenden Pflanzen zu nehmen, denn Sie werden sie den ganzen Tag über riechen. Aber auch beim Blumenschmuck sind Umfang und Gestaltung den je eigenen Wünschen und nicht zuletzt der je eigenen Börse überlassen. Bei besonders aufwendiger Florierung können mitunter schnell ein paar Hundert Euro zusammenkommen.


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Keine Panik! Am Ende der Planung muss man sich allen exakten Vorbereitungsschritten zum Trotz auf einen unberechenbaren Faktor einstellen: das Glück. Einerseits Glück mit dem Wetter – unerträgliche Hitze macht den schönsten Sommertermin anstrengend, kräftiger Regen erschwert jedes Foto der gesamten Hochzeitsgesellschaft. Andererseits Glück mit dem Ablauf – es kann immer einmal passieren, dass die Tischkarten dann doch erst in letzter Minute ankommen. Wichtig ist dabei stets, alles Unvorhergesehene mit möglichst großer Gelassenheit zu nehmen. Haben Sie ihre kleinen und großen Helfer ausreichend vorbereitet, nehmen die Ihnen sowieso gerne jeden unnötigen Handgriff ab. Text: hed


Just married

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Nicht immer muss es für die Hochzeitsfahrt die klassische Kutsche sein. Seit Jahren erfreuen sich auch Oldtimer großer Beliebtheit. Die nur scheinbar anachronistischen Vehikel entfalten eine ganz besondere Wirkung. Der Gingster Fahrschullehrer Uwe Bansemer vermietet schon seit 2004 zwei in eigener Arbeit restaurierte Citroën.

Schon zu Jugendzeiten waren alte Gefährte ein Hobby des Rügeners. Ursprünglich sammelte er alte DDR-Motorräder, schaffte sich dann ein Vorkriegsmotorrad an und stieg 2004 auf historische Automobile um. Zusammen mit seinem Vater restaurierte Bansemer einen Citroën AC4 (Baujahr 1929). Dabei gelang es ihm eher durch Zufall, die Limousine zu ergattern. Bis dahin stand das Auto kurz vor der luxemburgischen Grenze in einer Werkhalle hinter allerlei Arbeitsmaterial und Gerümpel. Verwandte nahe der Grenze zu Luxemburg erinnerten sich an Bansemers Spleen, als sie den Oldtimer entdeckten und gaben ihm einen Tipp. Zwar war der AC4 relativ gut erhalten, musste aber trotzdem aufwendig wiederhergerichtet werden. Dereinst gehörte er zum Fuhrpark einer luxemburgischen Spedition. Als diese Konkurs anmelden musste, wurde sie von einer deutschen Firma übernommen. Dabei ging auch der AC4 zusammen mit einigen anderen LKW als Bestandteil der Konkursmasse an das deutsche Unternehmen. Diese

konnte zwar nichts mit der Limousine anfangen, verstaute sie aber glücklicherweise nur in einem Hallenwinkel, statt sie der Verschrottung zuzuführen. Daher blieb der Wagen vergleichsweise gut erhalten. Im Jahr 2007 erfuhr Bansemer von einem französischen Bekannten in Mannheim, wo er ein weiteres Schmuckstück finden könne. Das Citroën-Cabrio B12 (Baujahr 1926) machte auf den ersten Blick auch einen ganz passablen Eindruck. Al-

lerdings entpuppte es sich nach dem Sandstrahlen fast schon als Rostlaube. „Vor allem die Bleche waren völlig durchlöchert, die Dichtungen porös und die Schläuche hinüber“, erinnert sich Bansemer. „Das war anfänglich so leider nicht erkennbar. Vielleicht hatten wir auch die rosarote Brille auf.“ Der Restaurierungsaufwand stieg damit natürlich erheblich. Seit dem Ende des Krieges hatte das Auto außerdem einen Dornröschenschlaf gehalten und war nicht mehr bewegt worden. Offenbar war es auch wenig fachgerecht geparkt worden: irgendwo auf einem Hühnerhof in der französischen

Provinz. Dabei muss es halbseitig nicht gänzlich überdacht gewesen sein, denn eine der Seiten war deutlich schwerer in Mitleidenschaft gezogen. Das wurde allerdings auch erst im Nachhinein sichtbar. Besonders reizvoll war für Bansemer und seinen Vater damals, dass es sich um ein völlig unverbautes Modell handelte. Bis 2007 hatte es niemand weder aufbereitet noch gefahren. Heute würde er sich die Kaufentscheidung wohl auch noch einmal gründlich überlegen, meint der passionierte Hobbybastler. Der Unterhalt der Fahrzeuge ist für heutige Verhältnisse auch nicht gerade ein Schnäppchen. Auf 100 km verbrauchen sowohl die Limousine als auch das Cabriolet etwa 15 Liter Superbenzin. Diesem muss zudem ein Bleiersatz beigemischt werden. Alle 1.500 bis 2.000 km ist überdies ein Ölwechsel notwendig. Zwar hält sich der Reparaturaufwand in Grenzen, doch „sind das eindeutig Bastlerautos. Irgendetwas müssen Sie immer daran machen“, stellt Bansemer klar. Besonders anspruchsvoll ist zudem die Suche nach Ersatzteilen. Die gibt es nämlich im Grunde nur noch in der französischen Provinz. Dort empfange man Fremde aber generell nicht unbedingt mit offenen Armen, wenn sie kein fehlerloses Französisch sprächen. Selbst dann sei es immer noch schwierig, an die passenden Teile heranzukommen. Ein bis zwei Mal sei er pro Jahr deshalb in Frankreich. „Vieles müssen Sie aber einfach selbst fräsen


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oder drehen,“ sagt Bansemer. Außerdem müsse man schon ziemlich autoverrückt sein, um genügend Elan für dieses Hobby aufzubringen. Vor nunmehr sechs Jahren entstand die Idee einer Vermietung der Oldtimer eher spontan auf Anregung aus dem privaten Umfeld. Schnell merkte Bansemer, dass es vor allem in den typischen Hochzeitsmonaten von Mai bis Oktober eine entsprechende Nachfrage gab. Vor der erfolgreichen Umsetzung standen jedoch komplizierte Auseinandersetzungen mit den Behörden. Um die Oldtimer auf die Straße zu bringen, waren nämlich diverse Sonder- und Ausnahmegenehmigungen einzuholen. Mittlerweile hat sich die Vermietung etabliert. „Leben könnte ich davon allerdings nicht“, gibt Bansemer zu Bedenken. Gerade weil es ein saisonal deutlich beschränktes Geschäft sei. Für seine Fahrten hat sich der Rügener extra eine Chauffeurskluft nach historischem Vorbild anfertigen lassen. So ist die Illusion des automobilen Zeitsprunges perfekt. Mit seien Wagen ist

Bansemer dabei in ganz Vorpommern unterwegs. Nicht nur auf Rügen und im Raum Stralsund, sondern auch bis nach Greifswald, Pasewalk oder Zingst bietet er seinen Service an. Bei längeren Reisen werden die Autos kurzerhand auf einen Trailer geladen. Selbstverständlich fährt der Autofan stets selbst. „Meine Versicherung würde das auch gar nicht anders mitmachen“, betont Bansemer. Doch nicht nur das. Auch mit der gewöhnungsbedürftigen Handhabung der Mobile käme man ohne längere Fahrpraxis und eine vorherige, ausgiebige Einweisung gar nicht ohne Weiteres zu Recht. Der B12 zum Beispiel hat ganz im Gegenteil zu heutigen Autos das Bremspedal auf der rechten und das Gaspedal auf der linken Seite. Das nicht synchronisierte Getriebe macht die Gangschaltung zusätzlich zu einem Abenteuer. Auch der AC4 habe so seine Tücken. Deshalb habe er sich eigens eine Vorrichtung eingebaut, mit der er den Motor zurück drehen könne, wenn der Anlasser einmal hängen bleiben sollte, erklärt Bansemer.

Für weitere Informationen zur Oldtimervermietung: Tel.: 0163-2546972 www.oldtimer-ruegen.de mail: indo@oldtimer-ruegen.de


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Vorpommern wird

BLAU In wenigen Wochen ist es wieder soweit: wenn der Raps überall im Land blüht, wird Gelb die vorherrschende Farbe auf den Feldern sein. Künftig werden weite Flächen auch in leuchtendem Blau strahlen, denn „Lupus Angustifolius“, die blaue Lupine, ist als neue Nutzpflanze auf dem Vormarsch. Sie gilt nicht zu unrecht als Sojabohne des Nordens und bietet eine ganze Reihe von Eigenschaften, die das Interesse der Biologen und Lebensmitteltechniker geweckt haben. Adipositas, also krankhaftes Übergewicht und zu hohe Cholesterinwerte sind inzwischen zu Volkskrankheiten geworden. Viele Patienten reagieren allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, wie etwa Lactose. Einschränkung oder gar völliger Verzicht auf tierisches Eiweiß ist in diesen Fällen angesagt. Lebensmittel ohne jeglichen tierischen Bestandteile gewinnen immer mehr an Bedeutung. Bislang kam zu deren Herstellung vorwiegend Soja zum Einsatz, das allerdings einige Nachteile aufweist. Zum Einen ist es nicht geschmacksneutral, lässt sich also für viele Produkte nicht verwenden, zum Anderen gerät Soja wegen gentechnischer Veränderungen ins Blickfeld der Kritiker.

Einem Verbund von Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelindustrie ist es nun gelungen, besonders gut für schmackhafte Produkte geeignete Rohstoffe aus neuen Sorten der Blauen Süßlupine zu gewinnen. Das Bestechende daran ist, dass die Pflanze anspruchslos ist und auf Böden angepflanzt werden kann, die sonst kaum für landwirtschaftliche Nutzung geeignet sind. Die Züchtung der Pflanze selbst erfolgt ausschließlich auf biologischem Weg, also ohne Einsatz von Gentechnik.

Greifenfleisch GmbH, sieht viele weitere Anwendungsmöglichkeiten. So könnte zum Beispiel in Wurstwaren ein Teil des tierischen Eiweißes durch das Pflanzliche ersetzt werden. „Damit könnten wir Wurstwaren mit deutlich geringerem Fettanteil herstellen“, so Kienast. „Ich bin mir sicher, dass viele Kunden solche Produkte gerne kaufen würden. Allerdings muss der Geschmack den Wünschen der Verbraucher entsprechen. Auch eine Knacker mit wenig oder womöglich keinem tierischen Eiweiß muss halt wie eine normale Wurst schmecken!“

Erste Versuche, die gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut durchgeführt wurden, zeigen das hohe Potential des Projektes, das inzwischen als Wachstumskern vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Im Zentrum für Lebensmitteltechnologie (ZLT) in Neubrandenburg wird inzwischen eine Pilotanlage installiert, gleichzeitig wurde bereits eine Firma zur Vermarktung des neuen Produktes, die ProLupin GmbH, gegründet. Sobald erste Versuche abgeschlossen sind und das Forschungsprojekt fortgeschritten ist, soll eine Anlage zur industriellen Gewinnung des wertvollen pflanzlichen Rohstoffs gebaut werden. Auch international hat das Projekt inzwischen Aufsehen erregt und für Nachfrage nach dem neuen pflanzlichen Eiweiß gesorgt.

Holger Gniffke, Chef des ZLT, sieht viele weitere Einsatzmöglichkeiten in der Lebensmittelindustrie. Teig- und Backwaren, aber auch viele Produkte, bei denen bislang zum Beispiel Hühnereiweiß eingesetzt wird, sind potentielle Abnehmer des neuen Produktes. „Einer der Vorzüge besteht darin, dass sich das pflanzlich gewonnene Eiweiß deutlich höher erhitzen lässt, ohne Schaden zu nehmen oder gar das Produkt zu verderben. Ein wichtiger Aspekt, wenn man zum Beispiel die Gefahren einer Salmonelleninfektion im Auge haben muss. Ein Problem von hoher Wichtigkeit für die Lebensmittelindustrie! Der Bedarf für ein solch innovatives Eiweißprodukt ist riesig“, so Gniffke.

Einsatzmöglichkeiten gibt es viele. Das pflanzliche Eiweiß lässt sich zum Beispiel in Eiscreme einsetzen. So entstehen zum Beispiel Vanille und Schokoladeneis ohne den Zusatz von Milch. Walter Kienast, Chef der Greifswalder

Wenn Vorpommern demnächst also in weiten Flächen auch blau leuchtet, ist dies ein hübscher optischer Nebeneffekt eines hochinteressanten Projektes, das wieder einmal beweist, dass auch in Vorpommern erfolgreiche Spitzenforschung betrieben wird. Text/Fotos: ces


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Vanille und Schoko: Milcheis ohne Milch

Begehrter Rohstoff: Flakes aus Lupinen-Eiweiß

Über

Grenzen hinweg Wo früher Stille herrschte, Stacheldraht und Grenzverhau jeden Kontakt unmöglich machten, herrschte Ende Oktober Betriebsamkeit. An einem sonnigen Spätherbsttag trafen sich neben Swinemündes Stadtpräsident Zmurkiewicz und Ahlbecks Bürgermeister Kottwittenborg Vertreter aus der Landespolitik und viele Gäste zum ersten Spatenstich für ein wahrhaft verbindendes Projekt: den Abschnitt der Europapromenade von Heringsdorf nach Swinemünde. Nach Fertigstellung wird dies die längste Seepromenade Europas sein, die von Bansin bis Swinemünde verläuft und etwa zwölf Kilometer lang sein wird. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel sprach von einem „europäischen Projekt“ und überreichte in diesem Zusammenhang einen Fördermittelbescheid. Insgesamt betragen die Baukosten für den 3,6 km langen Abschnitt 3,6 Millionen Euro. Beson-

deres Augenmerk wurde bei der Planung auf ökologische Aspekte gelegt; die Promenade wird ein klimaneutrales Bauwerk sein. In seinem Grußwort erinnerte Swinemündes Stadtpräsident Zmurkiewicz an das Jahr 2008, in dem er gemeinsam mit Klaus Kottwittenborg diesen Abschnitt per Fahrrad erkundete. „Das, was wir damals erträumten, wird heute endlich Wirklichkeit!“ so Zmurkiewicz. Herinsgdorfs Bürgermeister Kottwittenborg wies auf das gutnachbarschaftliche Verhältnis zu Swinenmünde hin. Swinemünde sei der logische Orientierungspunkt für Heringsdorf, was sich in der immer enger werdenden Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden zeige. Anlass für Land&Leute, den polnischen Stadtpräsidenten und Heringsdorfs Bürgermeister zu einem gemeinsamen Interview zu bitten. Text: ces


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„Alle Befürchtungen haben sich jedoch als unbegründet erwiesen. Stattdessen hat sich gezeigt, dass wir schnell und gut miteinander auskamen.“

deutsch-polnische

Zusammenarbeit Die Europäische Union hat mit Polen seit 2004 ein neues Mitglied. Die grenzüberschreitenden Kontakte bestehen allerdings schon länger. So auch zwischen dem Ostseebad Heringsdorf (bestehend aus den Seebädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin) und Swinemünde. L&L sprach mit dem Stadtpräsidenten der polnischen Stadt, Žmurkiewicz, und dem Bürgermeister des Ostseebades Heringsdorf, Kottwittenborg, unter anderem über Themen zur Verkehrs- und Wirtschaftsentwicklung beider Städte. L&L: Herr Stadtpräsident, zuerst unseren Glückwunsch zu Ihrer Wiederwahl im November! Anlass unseres Gespräches war der erste Spatenstich für die grenzüberschreitende Promenade. Haben Sie für die nächsten ein bis zwei Jahre gemeinsame Projekte geplant? Žmurkiewicz: Wie schon in der Vergangenheit werden wir auch zukünftig einige gemeinsame Projekte verwirklichen. Im kommenden Jahr können wir auf Fördergelder der EU zurückgreifen, um weitere Investitionen zu tätigen. Ich finde es vor allem sehr gut, dass wir das zusammen realisieren können.

L&L: Haben Sie bereits konkrete Projekte im Blick?

Fördergelder der Europäischen Union bekommen.

Žmurkiewicz: Ja, beispielsweise die neu zu bauende Grundschule in Heringsdorf, aber auch einige Sportstätten.

L&L: Wie beurteilen Sie das Alltagsleben unter den direkten Nachbarn?

Kottwittenborg: Es sind in der Vergangenheit gerade auch kleinere Projekte gewesen, die das Zusammenleben von Deutschen und Polen im Fokus hatten. Nehmen sie etwa die gemeinsamen Feuerwehren. Dadurch ist eine emotionale Basis geschaffen worden und es macht uns besondere Freude, gemeinsam mit unseren polnischen Freunden hier etwas zu entwickeln. Schon seit einigen Jahren funktioniert auf unterschiedlichen Ebenen die Kooperation sehr gut, was uns in die Lage versetzt, auch kurzfristig Projekte anzuschieben. Žmurkiewicz: Ein gutes Beispiel ist auch das geplante gemeinsame Rettungszentrum für die Feuerwehren und die Rettungsdienste. Auch das ist Ausdruck der gegenseitigen Unterstützung. Kottwittenborg: Das war sogar eine Idee der Feuerwehren selbst. Das war so überzeugend, dass wir dafür

Kottwittenborg: Das hat sich sehr gut entwickelt. Ich bin oft in Swinemünde unterwegs und dort hört man mittlerweile ganz selbstverständlich deutsche Gäste. Umgekehrt ist es genau so. Wenn Sie beispielsweise über die Promenade in Ahlbeck flanieren, können sie auch zahlreiche polnische Gäste hören. Das ist für mich ein Teil der Normalität. Im Kindergarten etwa haben wir auch einige polnische Kinder. Žmurkiewicz: Anfangs gab es auf beiden Seiten einige Bedenken, wie sich das Leben auf der Insel entwickeln würde, wenn die Grenzen wegfallen. Alle Befürchtungen haben sich jedoch als unbegründet erwiesen. Stattdessen hat sich gezeigt, dass wir schnell und gut miteinander auskamen. Wir wohnen schließlich auf einer gemeinsamen Insel und müssen uns schon deshalb offen gegenüber stehen. Das Usedomer Musikfestival mit Künstlern beider Länder, Kindergarten und Schulunterricht in der Sprache des Nachbarn – alles


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das macht die gute Zusammenarbeit deutlich. L&L: Einige befürchteten, dass mit der Öffnung der Grenze die Deutschen alles in Polen aufkaufen. Im Gegenteil haben wir heute etliche polnische Firmen allein im Bereich Pasewalk... Žmurkiewicz: Genau diese Erfahrung kann ich bestätigen. Es gab anfangs eine Furcht vor deutschen Investoren. Mittlerweile kaufen einige polnische Bürger Grundstücke in und um das Ostseebad Heringsdorf. L&L: Wie weit sind die Arbeiten an der festen Swinequerung gediehen? Žmurkiewicz: Dabei handelt es sich natürlich um ein wichtiges Infrastrukturprojekt, das derzeit bereits auf der staatlichen Prioritätenliste steht. Erste Analysen und Umweltverträglichkeitsprüfungen sind auch schon durchgeführt. Bisher sind zudem einige europäische Fördergelder bewilligt worden. Momentan gibt es allerdings leider keine klare Entscheidung der Regierung. Ohne Zweifel geht es jedoch um eine der wichtigsten Unternehmungen der vergangenen Jahre. Die bisherige Verbindung über die Fähren reicht auf Dauer längst nicht aus. Schon heute haben wir zu Spitzenzeiten eine erkennbare Überlastung des Fährverkehrs. Dem könnte durch eine Brücke oder einen Tunnel entgegen gewirkt werden. Ich muss und möchte mich ausdrücklich bei meinem Amtskollegen Kottwittenborg dafür bedanken, dass er das Thema Swinequerung voll unterstützt. Die Fähre ist gut und wichtig, genügt aber für den grenzüberschreitenden Verkehr nicht mehr als einzige Möglichkeit. L&L: Das Projekt ist auch wichtig für die touristische Entwicklung entlang der Ostseeküste?

Žmurkiewicz: Unbedingt. Die Stadtfähre wird jährlich mit rund 25 Mio. Euro unterhalten, spielt jedoch als Investitionshindernis eine Rolle. Für die Verbindung und Kommunikation auf den Inseln ist es unerlässlich auch eine Straßenanbindung zu haben.

Aquapark nicht wirklich. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Genauso wie die soziokulturelle Entwicklung hin zu einem Miteinander, muss es auch eine gemeinsame Verkehrsentwicklung geben, um die sozioökonomische Seite zu fördern.

L&L: In das Thema Karniner Brücke ist wieder etwas Bewegung gekommen. Welche Bedeutung hat dieses Verkehrsprojekt für Swinemünde?

Kottwittenborg: Die Karniner Brücke hat für uns eine zentrale Bedeutung. Die Verkehrsprobleme gerade im Sommer sind – denke ich – hinlänglich bekannt. Wir erhoffen uns von der Wiederbelebung der Strecke, dass verstärkt Urlauber aus der Region um Berlin nach Usedom kommen, gerade auch Wochenendurlauber.

Žmurkiewicz: Wenn wir über die Karniner Brücke sprechen, steht im Hintergrund immer die Wiederbelebung der Bahnverbindung Berlin-Usedom. Bei der touristischen Entwicklung der Insel Usedom kommt dem Thema aufgrund der verbesserten, beschleunigten Infrastruktur deshalb eine hohe Bedeutung zu. Man sollte auch bedenken, dass wir noch vor einigen Jahren nicht damit gerechnet hatten, dass Züge aus Deutschland fahrplanmäßig im Zentrum Swinemündes halten. Es war zwar ein beschwerlicher Weg, aber wir freuen uns, dass wir es geschafft haben, mit der UBB eine Alternative zum Auto zu etablieren. Aktuell versuchen wir daher das Thema Karniner Brücke zu fördern. L&L: Sehen wir es richtig, wenn wir den Eindruck haben, dass die Bahnverbindung Berlin-Usedom auch für Wirtschaft und Industrie der polnischen Seite bedeutsam ist? Žmurkiewicz: Vor einiger Zeit wurde auf Initiative von Herrn Kottwittenborg ein Treffen der Planer organisiert. Das war sehr gut, denn ich halte es für wichtig, dass wir wissen, was auf der jeweils anderen Seite aktuell geschieht. Das kann die unnötige Doppelung von Investitionen verhindern. Betrachten Sie etwa die Idee eines Aquaparks. Gleich nebenan gibt es etwas ähnliches auf der deutschen Seite; die Ostseetherme ist nicht weit. Also benötigen wir einen solchen

L&L: Derzeit ist nicht ganz abzusehen, wie sich der Flughafen Heringsdorf in Zukunft entwickeln wird. Hat die Stadt Swinemünde konkrete Ziele zum Ausbau oder einer Beteiligung? Žmurkiewicz: Wir unterstützen natürlich die Weiterentwicklung des Flughafens. Wir werben auch dafür und informieren, dass es für Touristen direkt in der Region eine solche Möglichkeit gibt. Das Chartergeschäft sehe ich zwar als stabil, doch bin ich der Meinung, dass vor allem der Privatverkehr noch ein erhebliches Potential hat. Sicher ist eine kommunale Beteiligung, ähnlich wie beim Flughafen Stettin, denkbar – dass also in der Zukunft der Flughafen Heringsdorf gemeinsam von der Gemeinde und der Stadt Swinemünde verwaltet wird. L&L: Der geplante Gashafen Swinemünde gilt als Schlüsselfaktor zur Sicherung der Energiesouveränität des polnischen Staates. Wie gehen Sie mit Kritikern, gerade aus dem Ökologiebereich, um? Žmurkiewicz: Von Anfang habe ich befürwortet, dass der Gashafen in Swinemünde gebaut wird. Das war eine gute Entscheidung der Regierung. Diese Investition wird sich in


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jedem Falle lohnen. Kritikern kann ich versichern, dass der Gashafen den Charakter der Stadt als Kurort nicht beeinflussen wird. Auch die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen höchsten internationalen Standards. Wir arbeiten dabei unter anderen mit kanadischen, französischen und deutschen Unternehmen zusammen. Kottwittenborg: Als damals die Entscheidung getroffen wurde, haben wir das zwar nicht mit ‚Hurra!‘ aufgenommen. Aber es gehört dazu, diesen nationalen Beschluss zu respektieren und nach Möglichkeiten der Kooperation zu suchen. Diese Strategie führt mit Sicherheit auch zu einem höheren Maß an beiderseitiger Akzeptanz. Žmurkiewicz: Eine vergleichbare Ökologiebewegung gibt es in Polen im Übrigen gar nicht. Es gibt Parteien, die sich des Themas annehmen. Aber ökologische Belange werden oft in die Entscheidungsfindung einbezogen, so dass es meist gar nicht erst zu Protesten kommt. Schließlich sitzen die Ökologen mit am Tisch und haben so die Beschlüsse mitzuverantworten. Auch beim Gashafen ist das so. Von Anfang an waren die Umweltorganisationen eingebunden. Wichtig dafür ist natürlich eine transparente Kommunikation. Man muss Probleme und Gefahren, aber auch Überzeugungen offen darstellen, damit Akzeptanz möglich ist.

Dorit Wehling, Matthias Lietz und Dr. Antje Mayfarth

Matthias Lietz zu Gast im BiG Am Donnerstag, den 13. Januar 2011, besuchte der Bundestagsabgeordnete Matthias Lietz (CDU) das Greifswalder BiG, um sich über die vielfältigen Angebote und Aufgaben des Bildungsträgers zu informieren. BiG Geschäftsführerin Dr. Antje Mayfarth und die Leiterin der Projektentwicklung, Dorit Wehling, stellten dem Abgeordneten unter anderem das Projekt anna vor, das Interessierte zum Erwerb von Berufsabschlüssen führt.

Vor dem Hintergrund des sich immer stärker abzeichnenden Fachkräftemangels in der Region wies Lietz auf die Bedeutung regionaler Bildungsträger hin. Auch wenn Bildung hoheitlich zuerst Ländersache sei, würde derzeit in Berlin über die Entwicklung von neuen Instrumenten, z. B. Förderprogrammen, nachgedacht, mit denen dem vielen Unternehmen drohenden Engpass entgegen gewirkt werden könne. Text/Foto: ces

L&L: Herr Stadtpräsident Žmurkiewicz, Herr Bürgermeister Kottwittenborg, wir danken Ihnen für das Gespräch! Dieses Interview führten der Herausgeber Claus E. Schwarz und der Chefredakteur Henri Dörre

Mitgliedschaft ohne Vertragsbindung Gültig bis 31.01. 2011 - ohne Verpflichtung! Gaußstraße 12, 17491 Greifswald, Telefon 03834 885841


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Landpartie des Monats

Ganz nah an der Grenze zu Mecklenburg liegt das vorpommersche Dorf Klempenow. Die geografische Randlage wird jedoch allemal durch das vielfältige Kulturangebot konterkariert. Vor allem die Arbeit des Kultur Transit 96 e. V. hat erheblichen Einfluss auf die Etablierung als kleine aber feine Anlaufstelle nicht nur für regionale Künstler gehabt. Alles begann 1991 mit der Gründung des Vereins. Die damalige B96 war namengebend. Metaphorisch galt es Kunst und Kultur in und auf das Land zu bringen. Insbesondere die Berliner Galeristin Brigitte Bayer-Grischkat war federführend. Unterstützt wurde sie von etlichen anderen Künstlern, von denen einige auch heute noch dem Verein angehören. Bis vor zwei Jahren leitete Bayer-Grischkat auch die Galerie auf Burg Klempenow, doch zog sie sich dann zurück. Damit blieb sie ihrer Maxime treu, alle zehn Jahre etwas Neues zu machen. Die Vereinsarbeit wird hauptsächlich ehrenamtlich geleistet. Daher tun auch so einige Mitglieder mehr als sie es eigentlich müssten. Die laufende Finanzierung wird indes zu einem

Teil aus Spenden und Fördergeldern bestritten. Auch Gelder der Kulturförderung von Land, Kreis und Gemeinde können genutzt werden. Ohne sie hätte die Restaurierung sicher nicht so schnell bewerkstelligt werden können. Die Burg gehört der Gemeinde und steht unter Denkmalschutz. Jegliche Maßnahmen müssen demnach mit den Behörden abgestimmt werden. „Das hat bisher aber immer sehr gut funktioniert“, meint Norbert Valtin. Der derzeitig Zuständige für Presseund Öffentlichkeitsarbeit blickt zu Recht auf eine interessante Restaurierungsgeschichte der Burg zurück. Nach wie vor ist die authentische Urzelle des Gebäudes erhalten und wird auch genutzt. Bei den Arbeiten am alten Gemäuer kam 1991 unter anderem zum Vorschein, dass das ehemalige Verlies komplett vermüllt war. Auch das undichte Dach wurde aufgearbeitet. Es konnten sogar noch alte Dachziegel entdeckt werden. Auch die ursprüngliche Wehrmauer steht noch und wurde instandgesetzt. Probleme gab es hierbei dank der guten Kooperation mit den zuständigen Behörden nicht. Vor allem die Einbindung örtlicher

Arbeitsuchender konnte den Kontakt zur Gemeinde intensivieren. „Ich bin zwar erst seit 1998 dabei, weiß aber aus Erzählungen, dass die Gründungsmitglieder anfangs schon ziemlich skeptisch beäugt wurden. Bunt gekleidete Leute, die barfuss über den Rasen laufen, waren offenbar etwas höchst Seltsames“, resümiert Valtin. „Das hat sich aber gelegt. Vor allem der enge Kontakt hat viel Akzeptanz geschaffen.“ Unter anderem mit dem angeschlossenen Café sind mittlerweile selbstständige Existenzen entstanden. Momentan trägt sich der Verein auch durch Eintrittsgelder der zahlreichen unterschiedlichen Kulturveranstaltungen und Mieteinnahmen. Außerdem kann man in Absprache mit dem Standesamt Altentreptow auch auf der Burg heiraten. So wurden hier im vergangenen Jahr 25 Ehen geschlossen. Die Mitglieder des Vereins übernehmen gerne die Vorbereitungen von der Bestuhlung über den Schmuck des Burgsaals. Von Mai bis September wird heiratswilligen Paaren daher eine interessante, außergewöhnliche Alternative geboten. Text: hed


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tierten und zurückgezogen lebenden Krupp mit dem weltoffenen, charismatischen Beitz verbanden. Beitz, stets Gentleman und höflich, zeichnete sich durch eine sehr direkte Art aus, Dinge anzusprechen. Eine Eigenschaft, die unter anderem seine Gesprächspartner in der damaligen DDR, darunter Erich Honecker, zu spüren bekamen, mit dem er ebenfalls Kontakte pflegte. Auch während der Zeit des kalten Krieges und des eisernen Vorhangs war Beitz um humanitäre Hilfe bemüht. Wenig bekannt ist zum Beispiel, dass es ihm immer wieder gelang, für Bürger der DDR die Ausreise zu erlangen, vor allem, wenn Familien getrennt waren.

Prof. Dr. hc. mult. Berthold Beitz und Prof. Dr. Rainer Westermann (2008)

Berthold Beitz –

der stille Held „Vielleicht ist dies die wichtigste Veranstaltung dieses Jahres in diesem Gebäude!“, merkte Prof. Bärbel Friedrich, Hausherrin des Krupp Kollegs an, als sie die Gäste des Abends begrüßte, die zur Präsentation und Lesung der einzigen, autorisierten Biographie über Prof. Dr. hc. mult. Berthold Beitz gekommen waren. Mit der Einrichtung des Greifswalder Krupp Kollegs habe Beitz sein tiefes Bedürfnis verwirklicht, ein Zentrum lebhafter und offener Kommunikation in seiner diesbezüglich so lange vernachlässigten Heimat zu errichten, so Prof. Dr. Friedrich weiter. Gleichzeitig übermittelte sie Grüße des 97-jährigen Beitz an die Gäste des Abends. Anschließend stellte Joachim Käppner, Verfasser der Beitz-Biographie, einige Passagen aus dem rund 600 Seiten starken Werk vor und zeichnete wichtige Stationen im Leben von Beitz, der seine Jugend in Greifswald verbrachte, nach. So auch die Jahre zwischen 1942 und 1944. Beitz, da-

mals mit knapp 30 Jahren Leiter des kriegswichtigen Betriebs „KarpathenÖl“ im polnischen Boryslaw, forderte gegen den Widerstand der SS so genannte Arbeitsjuden an. Arbeitskräfte, ohne die sein Betrieb angeblich nicht weiter produzieren könne. Immer wieder fuhr er zum Bahnhof der Kleinstadt und holte Menschen, die schon verladen waren, aus den Waggons heraus. Hunderten von ihnen rettete er auf diese Weise das Leben, ohne später je viel Aufhebens darum zu machen. Darauf angesprochen, pflegte er lediglich zu bemerken: „Man musste doch was unternehmen damals!“ Nach dem Krieg wurde Beitz zum Vertrauten und Generalbevollmächtigten von Alfried Krupp. Es entstand eine Beziehung zwischen zwei Männern, die auf den ersten Blick extrem unterschiedlich waren, so Käppner. Der entscheidende Faktor ihrer Zusammenarbeit war absolutes gegenseitiges Vertrauen und Loyalität. Es waren diese Eigenschaften, die den introver-

Als es in einem der von ihm begleitenden Fälle nicht recht voran gehen wollte, nutzte er die nächste Begegnung mit Honecker und fragte: „Sie haben in der DDR wohl gar nichts mehr zu sagen?“. Wenig später war die Sache im Sinne von Beitz erledigt. Es war diese stets höfliche aber sehr direkte Art, die es Beitz ermöglichte, mit den unterschiedlichsten Charakteren zurecht zu kommen. Auch heute noch nimmt Beitz, der als Testamentsvollstrecker Krupps noch immer die Geschäfte der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung führt, regen Anteil an der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Mit vielen Erscheinungsformen modernen Managements, so Dr. hc. Horst Dieter Marheineke, der mit ihm zusammen arbeitet, sei Beitz wenig einverstanden. Er sehe den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Gefahr und beklage den Mangel an Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen. Und so schreibt Altbundeskanzler Helmut Schmidt denn auch in seinem Vorwort zur Biographie: „Es waren keine Universitätsseminare, sondern vielmehr sein innerer Kompass, welcher ihm soziale Verantwor-


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tung auferlegt hat!“ Soziale Verantwortung und Verpflichtung gegenüber der Zukunft, von der auch Greifswald profitiert, wie Oberbürgermeister Dr. Arthur König feststellt: „Greifswald ist der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung und Herrn Prof. Dr. Beitz zu tiefem Dank verpflichtet!“ Text/Fotos: ces , Informationsdienst der Wissenschaft Autor Joachim Käppner, Dr.Thomas Berg vom Vorstand der Krupp Stiftung, OB Dr. Arthur König und Dr. hc. HorstDieter Mahrheineke im Gespräch.

Qualifizierte Mitarbeiter dringendst gesucht Woher nehmen? Eine Frage, die in den Personalabteilungen vieler Unternehmen Vorpommerns inzwischen zum drängenden Tagesthema Nummer 1 geworden ist. Schon heute lässt sich manche Stelle nicht mehr besetzen. Es droht nicht nur der Verlust von Aufträgen, auch die langfristige Existenz von Unternehmen ist gefährdet. Die demographische Entwicklung und andere Faktoren tun ihr Übriges. Keine Frage: der Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte ist die unternehmerische Herausforderung des Jahrzehnts! Was ist zu tun? Analysen, Lösungsvorschläge und Best Practice Beispiele aus der unternehmerischen Praxis sind Thema eines Symposiums, das gemeinsam von der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern und Land&Leute veranstaltet wird. Am 25. Februar 2011 um 10:30 werden dazu im Pommerschen Landesmuseum eine Reihe hochkarätiger Referenten erwartet. So werden unter anderen Staatssekretär Dr. Stephan Rudolph vom Wirtschaftsministerium in Schwerin, Dr. Jürgen Radloff von der Arbeitsagentur Stralsund, Michael Lüdeke, Geschäftsführer AKB Greifswald und der Geschäftsführer der Seetel Hotelgruppe Rolf Seelige-Steinhoff eines der brennendsten Themen der Dekade aus ihrer Sicht beleuchten. Auch Vertreter von Bildungseinrichtungen wie der Berufsfortbildungswerk GmbH (bfw) und dem Unternehmerverband Vorpommern beteiligen sich an der Diskussion. Einen Blick über die Grenzen Vorpommerns hinaus bietet Herr Werner Kotschenreuther, Vorstandsmitglied der Loewe AG, verantwortlich für Personal- und Sozialwesen. Fachkräftemangel ist für die Loewe AG ein zentrales Thema, dem mit offensiven Gegensteuern und eigens entwickelten Programmen begegnet wird. Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte – unternehmerische Herausforderung des Jahrzehnts. Termin: 25. Febraur 2011, Pommersches Landesmuseum Greifswald, Beginn 10:30 Uhr. Eine Veranstaltung der WFG Vorpommern und dem Verlag Land&Leute

Brandteichstraße 20 17489 Greifswald Tel 03834 550-604

Brandteichstraße 20 17489 Greifswald Tel 03834 550-610


Termine Januar / Februar

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Kunst und Kultur

Aktivitäten

Konzerte

20.01. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft Skulptur, Keramik, Grafik und Malerei Atelier im Dornenhaus, Ostseebad Ahrenshoop

22.01.| 10:00 Uhr Winterdeichwanderung Wanderung rund um Wolgast (ca. 13km) Thälmannplatz, Wolgast

24.01.| 17:00 Uhr Vorspiel der Streicherklassen Klassik im Konzertsaal der Musikschule Musikschule, Stralsund

20.01. INTENTIONEN Künstlerische Arbeiten aus Sammlungen Kulturhistorisches Museum, Stralsund

28.01.-30.01.| ab 10:00 Uhr X. Winterstrandkorbfest Strand, Zinnowitz

03.02.| 19:30 Uhr 3. Winterwunschkonzert Brandenburgisches Konzertorchester Eberswalde Ueckersaal, Torgelow

27.01. Tiere in der Bildenden Kunst Grafik des 18.-20. Jh. Museumsspeicher, Stralsund 30.01.| 17:00 Uhr Literarisches Kabarett div. Künstler Kulturforum „Historisches U“ Pasewalk

29. 01.-30. 01. 12. Rostocker HochzeitsMesse Öffnungszeiten: 10:00 - 18:00 Uhr HanseMesse Rostock 12.02.| 11:00 uhr 17. Usedomer Winterbadespektakel Vom Laufsteg in die Fluten

05.02.| 19:30 Uhr Operngala Die schönsten Arien, Ensembles und Chöre Großes Haus, Greifswald 10.02.| 20:00 Uhr Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble Officium Novum Dom St. Nikolai, Greifswald

09.02.| 15 bis 17 Uhr Internationales Frauencafé IkuWo, Greifswald

19.02.| 19:30 Uhr Sinfoniekonzert Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt/Oder Theater Putbus, Putbus

16.02.| 18:30 Uhr Warum den Koran übersetzen und wie? Lesung mit Prof. Dr. Hartmut Bobzin Alfried-Krupp-Kollegg, Greifswald

HochzeitsMesse 2011 Damit Ihr Hochzeitstag zu einem unvergesslichen Erlebnis wird, dürfen Sie einen Termin nicht verpassen: Die HochzeitsMesse am 29. und 30. Januar 2011 in der HanseMesse Rostock. Sie ist das Paradies für alle, die ein ganz besonderes Ereignis planen. Mit 115 Ausstellern war die HochzeitsMesse im vergangenen Jahr die bisher größte Veranstaltung dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. An diesen Erfolg wird auch im kommenden Jahr angeknüpft. Die zahlreich erwarteten Brautpaare, deren Familien und Freunde werden bei den aufwendigen Vorbereitungen für einen rundum gelungenen Anlass durch unsere fachkundigen und kreativen Aussteller unterstützt. Lassen Sie sich von der romantischen Atmosphäre inspirieren und holen Sie sich Anregungen für den schönsten Tag im Leben. Es erwartet Sie eine exklusive Auswahl an Brautkleidern und Trauringen, Blumen und Dekoration. Wir stellen Ihnen romantische Locations sowie besondere Hochzeitsfahrzeuge vor. Highlights sind die traumhaften Braut- und Festmodenschauen auf der großen Showbühne. Präsentiert werden Ihnen die aktuellen Trends der kommenden Saison. Schauen Sie vorbei und genießen Sie einen Tag voller Romantik. Foto: GINET DESIGN


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Theater Spielplan Barther Bodden Bühne Monat Februar

Spielplan Das gelbe Theater „Die Blechbüchse“ Zinnowitz Monat Februar

Donnerstag, 3.2.| 9 Uhr Dornröschen Märchen nach Grimm

Dienstag, 2.2.| 9.30 Uhr Dornröschen Märchen nach Grimm

Sonnabend, 5.2.| 19.30 Uhr Herr Puntila und sein Knecht Matti Von Bertolt Brecht

Montag, 7.2.| 9.30 Uhr Gastspiel Jens Kruse Die Schneekönigin Puppenspiel

Sonnabend, 12.2.| 19.30 Uhr Wer war noch mal Marcel Marceau? Pantomime mit Sebastian Werner und Mattes Weißbach Gastspiel Sonnabend, 19.2.| 19.30 Uhr Eine gute Partie Komödie von Stefan Vögel Sonnabend, 26.2.| 19.30 Uhr Bettgeflüster Von Martina Saefkow Es spielt das Ensemble der Barther Bodden Bühne Sonntag, 27.2.| 15 Uhr Bettgeflüster

Freitag, 11.2.| 19.30 Uhr Wer war nochmal Marcel Marceau? Pantomime mit Sebastian Werner und Mattes Weißbach

Spielplan Theater Anklam Monat Februar Donnerstag, 3.2.| 15 Uhr Pluft, das Geisterlein Kinderstück von Clara Maria Machado Freitag, 4.2.| 19 Uhr Bühne und Buffet Erwin Bröderbauer liest aus „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche Sonnabend, 12.2.| 19.30 Uhr Premiere Mein Mann, der fährt zur See Unser kleines Lachtheater

Donnerstag,17.2.| 9.30 Uhr Gastspiel Jana Sonnenberg Die kleine Seejungfrau Puppenspiel

Sonntag, 13.2.| 15.30 Uhr und 19.30 Uhr Mein Mann, der fährt zur See Unser kleines Lachtheater

Sonnabend, 19.2.| 19.30 Uhr Männerhort Komödie von Kristof Magnusson

Mittwoch, 16.2.| 19.30 Uhr Mein Mann, der fährt zur See Unser kleines Lachtheater

Sonnabend, 26.2.| 19.30 Uhr Obzöne Fabeln Von Dario Fo

Donnerstag, 17.2.| 19.30 Uhr Mein Mann, der fährt zur See Unser kleines Lachtheater

Die Hose

Freitag, 18.2.| 19.30 Uhr Mein Mann, der fährt zur See Unser kleines Lachtheater

von Carl Sternheim Eine Geschichte von lebenshungrigen Frauen, Möchtegernliebhabern und Moralaposteln.Vor fast 100 Jahren, im Februar 1911, hatte „Die Hose“ von Carl Sternheim, damals unter dem Titel „Der Riese“ im Deutschen Theater Berlin seine Uraufführung. Allerdings sollte es vier Tage zuvor noch verboten werden – aus Gründen der Sittlichkeit. Die Normen der Sittlichkeit haben sich geändert, doch ist es auch heute ein Vergnügen den scharfen Wortspielen für und gegen hausbackenen Moral zu folgen.

Sonnabend, 19.2.| 15.30 Uhr und 19.30 Uhr Mein Mann, der fährt zur See Unser kleines Lachtheater Sonntag, 20.2.| 15.30 Uhr und 19.30 Uhr Unser kleines Lachtheater


KOMMENTAR

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Klapprechner?

Impressum

Ein Kommentar von Henri Dörre

Es ist wieder einmal soweit! Die deutsche Sprache – unser schönes, gutes, altes Idiom – geht zu Grunde. Es ist dem Untergang geweiht, geht vor die Hunde, ist kaputt. Dabei ist der Eindringling längst kein Unbekannter. Verkehrsminister (sic!) Ramsauer hat selbigen durchschaut und präsentiert uns den Sprachentod in seiner hässlichsten Form: der des Anglizismus‘. Dabei scheinen die eifrigsten Kritiker der Verhunzung des Deutschen wenig begriffen zu haben. Weder die wissenschaftlich sehr gut belegten Theorien zum üblichen Spracherwerb noch die bereits vielfach untersuchte Entwicklung der Sprachen nehmen sie ausreichend zur Kenntnis. Dabei stellt schon Wilhelm von Humboldt fest, dass Sprache nicht statisch ist, sondern einer Dynamik (dύnamiς) unterliegt. Sie wandelt sich ständig. Grammatik und Laute tun dies einigermaßen gut durchschaubar, das Vokabular hingegen schlägt Haken, die manchmal rational recht unerklärlich sind. Fenster, Mauer und Spiegel würden heute sicher anders heißen, wenn sie nicht aus dem Latein in die Vorformen der deutschen Sprache übernommen worden wären. Es ist zwar spekulativ, ob es damals nennenswerte alemannische, ripuarische oder fränkische Sprachschutzströmungen gegeben hat, um die vorgenannten Benennungen abzuwehren. Als sicher kann jedoch gelten, dass wir heute durchaus wissen, was mit Fenster gemeint ist. Wie auch immer die den Lichteinfall begünstigende Aussparung der Zimmer- bzw. Hauswand bezeichnet werden mag: ein Wort ist nicht allein deshalb unverständlich, weil es einer für den Einzelnen fremden Sprache entnommen wurde. Vergessen sei auch nicht, dass es durchaus als Bringschuld eines dynamischen Sprachvermögens und Gehirns gleichermaßen betrachtet werden könnte, wenigstens mit Blick auf die Bedeutung der Wörter rege zu bleiben. Den tatsächlichen Gebrauch von Download, Karawane oder Dithyrambus kann der eifrige Sprachwahrer ja gerne unterlassen. Doch wird – aus welchen Gründen auch immer – von einigen die eigentlich leicht verständliche Grenze zwischen Kompetenz (der Befähigung) und Performanz (der Anwendung) verwischt. Wie groß mag die Zahl derer sein, die bei dem Wort „Laptop“ tatsächlich ob der Bedeutung ratlos dreinschauen? Ich behaupte, dass sie gering ist. Hierin mag ein Darwin‘sches Element der Sprachen zu sehen sein. Es setzt sich schließlich die leistungsfähigste (Sprach-)Form durch. Sobald sich der Klapprechner als zweckmäßiger erweist, stehen die Chancen gut, dass er gegen den Laptop obsiegt. Bis dahin täte einigen Sprachbewahrern etwas mehr Nominalismus gut. Haftet denn die Bezeichnung der Dinge den Dingen selbst an? Tragen sie ihren wahren Namen in sich? Man müsste doch arg staunen, dass es die Mannigfaltigkeit der Völker all die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch nicht geschafft hat, die eine richtige Sprache zu finden. Das religiöse Fundament Herrn Ramsauers Partei hat freilich einen ganz eigenen Kniff, die babylonische Sprachverwirrung zu erklären. Die Idee einer Ursprungssprache jedenfalls erscheint mittlerweile nur noch als abgeschmackter Wiedergänger längst überholter Positionen. Letztlich bricht sich eine Erkenntnis Bahn: „richtig“ ist, was verstanden wird. Und das ist wohl schon immer variabel gewesen.

Verlag Land & Leute Inh.: Heike Radtke Brandteichstrasse 20 17489 Greifswald Tel.: 03834 - 550 610 Fax.: 03834 - 550 222 E-Mail: info@ll-aktuell.de Herausgeber und V.i.S.d.P.: Claus E. Schwarz Chefredaktion: Henri Dörre (hed) Redaktion: Manuel Opitz (mo), Claus E. Schwarz (ces), freie Mitarbeiter Artwork und Layout: Lex Anzeigenberatung: Petra Gehrmann (geh) Tel.: 0177 - 893 181 4 Jana Heidenreich (jhe) Tel.: 0179 - 610 356 0 Anja Mirasch (mia) Tel.: 0151 - 581 048 00 Mindestauflage: 17.500 Exemplare Verteilung: Lesezirkel, Hausverteilung in ausgewählten, wechselnden Gebieten, Tourist-Informationen, Kurverwaltungen, Hotels, Gastronomie, Firmen und Geschäften Erscheinungsweise: 12 mal jährlich Anzeigenpreise: Preisliste 1, gültig ab 1.11.2009 Druck: ODR Rostock GmbH Mit Namen oder Kürzel gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Autors wieder. Alle Inhalte unterliegen dem Urheberrecht der jeweiligen Autoren oder des Verlages. Nachdruck,Vervielfältigung oder Wiedergabe in elektronischen Medien ohne Genehmigung des Verlages ist untersagt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen. Sie haben ein interessantes Thema? Leserpost für uns? Anregungen oder Kritik? Ab die Post an unsere Anschrift oder an die E-Mail Adresse: info@ll-aktuell.de Ausgabe 1/2011


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Supersudoku Puzzle 1 (Easy, difficulty rating 0.31)

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Die Gewinner des letzen Sudokus sind:

1.Preis Sechs-Gänge-Menü bei LeCroy: Peter und Gabriele Peters, Greifswald 2.-4. Preis: Fam. Schindler, Greifswald; Herr A. Däke, Zingst; Frau V. Wikkers, Rostock 5.-7. Preis Frau I.Theiss, Ribn.-Damgarten; Frau V. Becker, Anklam; Herr W. Junge, Stralsund

Die großen Preise für unser neues Sudoku: 1. und 2. Preis 2x 2 Eintrittskarten für das Konzert mit Jan Gabarek am 10.02.2011 3.-5. Preis je eine MV-Schlemmercard für 2011 6.-8. Preis Eintrittsgutscheine für die Bernsteintherme Zinnowitz Lösen Sie das Sudoku und addieren die Zahlen in den farbig unterlegten Feldern. Die korrekte Summe notieren Sie auf einer Postkarte und senden diese an: Verlag Land & Leute Brandteichstr. 20 17489 Greifswald Einsendeschluss ist der 4. Februar 2011. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt.


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Land und Leute Januar 2011  

Der Schwerpunkt der Januarausgabe ist das Thema Hochzeit. Zudem gibt es eine umfangreichere Betrachtung aktueller deutsch-polnischer Projekt...

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