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Bildung

Schule und Arbeitswelt kooperieren

Arno Pertl

Wirtschaftskrise und steigende Jugendarbeitslosigkeit machen sie besonders notwendig: die Zusammenarbeit zwischen Schule und Arbeitswelt. In Bozen wurde im Juni eine neue Rahmenvereinbarung „Schule-Arbeitswelt“ unterzeichnet. Johanna Wörndle

E

s sei die vorrangige Aufgabe der Bildungseinrichtungen, erklärt Bildungslandesrätin Sabina Kasslatter Mur, jungen Menschen das nötige Rüstzeug für ein Bestehen im wirtschaftlichen Wettbewerb mitzugeben, damit sich deren Wunsch nach einer sinnstiftenden Arbeit mit einer angemessenen Entlohnung verwirklichen könne. „In Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrisen ist der Dialog zwischen Bildungswelt und Unternehmertum besonders wichtig“, so die Landesrätin. Dass Schule kein in sich abgeschlossener Lernraum sei, sondern von ihren Beziehungen nach außen lebe, betont auch Schulamtsleiter Peter Höllrigl. Er verweist auf die immer komplexere Arbeitswelt und die neuen Fähigkeiten, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt seien. „Die Schulabsolventen müssen flexibel und sehr gut ausgebildet sein. Viele sprechen von der neuen Generation Y, von jungen Menschen, die breit ausgebildet sind, über Allgemeinbildung wie Spezialwissen verfügen, die bereit sind, sich ein Leben lang zu bilden und die Chancen zu nutzen, die ihnen der Arbeitsmarkt bietet“, so der Schulamtsleiter. In dieselbe Kerbe schlägt Handelskammerpräsident Michl Ebner in Vertretung von Südtirols 57.000 Un-

LR Kasslatter Mur (r.) sowie die Verantwortlichen der deutschen Schule, der Handelskammer, der Wirtschaftsverbände und der Berufskammern bei der Tagung „Schule-Arbeitswelt“ ternehmungen und tausend Genossenschaften. Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule sei umso wichtiger, je länger die kritische Wirtschaftlage andauere. „Krise bedeutet auch Chance“, so Ebner, der die Jugendlichen dazu aufrief, „teilzunehmen, hinzuschauen und zu lernen“.

Beispiel Übungsfirmen Die neue Vereinbarung „Zusammenarbeit Schule - Arbeitswelt“ ersetzt nach den Worten von Schul­ inspektorin Eva Brunnbauer ein erstes Kooperationsabkommen, das das Deutsche Schulamt mit der Handelskammer Bozen und einer Reihe von Wirtschaftsverbänden und Kammern bereits 2006 abgeschlossen hatte. Der Impuls für die Neuauflage kommt von einem Beschluss der Landesregierung, der allen Schülern der Gymnasien und Fachoberschulen im Laufe der fünf Jahre Oberschule ein zweiwöchiges Praktikum ermöglicht. Lehrpersonen können aber bereits heute selbstverständlich auf die Angebote des Netzwerkes „Schule-

Arbeitswelt“ zurückgreifen, wozu Fachvorträge, Fachunterricht, Projektbegleitung, Betriebserkundungen, Bewerbungstraining und vieles andere mehr zählen. Unterzeichnet wurde die neue Vereinbarung von Schulamtsleiter Peter Höllrigl, Handelskammerpräsident Ebner und den Vorsitzenden von 19 Verbänden, Körperschaften und Berufskammern. Als Paradebeispiel der Zusammenarbeit zwischen Schule und Arbeitswelt gelten die Übungsfirmen, von denen an Südtirols Wirtschaftsfachoberschulen 50 existieren, die intensive Geschäftsbeziehungen mit anderen Übungsfirmen des Landes und Europas pflegen. Die Qualität der Arbeit der Übungsfirmen wird jährlich nach der österreichischen Übungsfirmenzertifizierung ONR 42000 bewertet. In diesem Jahr haben sich 19 der 50 Südtiroler Übungsfirmen dieser anspruchsvollen Evaluation unterzogen. Alle 19 Übungsfirmen bestanden das Prüfungsverfahren und erhielten aus den Händen von Schulamtsleiter Höllrigl das Zertifikat „Qualitätsmarke Übungsfirma 2013“.  Das Land Südtirol | Juli-August 2013

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DAS Land Südtirol  

Monatszeitschrift der Südtiroler Landesregierung (7-8/2013)