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Der Kormoran ernährt sich ausschließlich von Fisch, wobei ein adultes Tier durchschnittlich etwa 500 g Nahrung pro Tag zu sich nimmt. Die starke Präsenz des Kormorans führt nicht nur zu Konflikten mit der lokalen Fischerei, sondern stellt auch ein ernstzunehmendes ökologisches Problem dar. Wenn die Überetscher Seen zufrieren, verlagert sich das Jagdgebiet des Fischjägers auf die umliegenden Fließgewässer. Äschen sind dabei aufgrund ihrer exponierten Lebensweise besonders gefährdet. Zudem erleichtert ein deckungsarmer Lebensraum, wie er in der Etsch primär vorzufinden ist, den in Gruppen jagenden Vögeln das Beutemachen enorm. Der Kormoran ist bei seinen Beutezügen längst nicht immer erfolgreich und hinterlässt mit seinem scharfen Schnabel oft tiefe Schnittwunden auf den Fischkörpern. Ein unmittelbar vom Menschen geschaffenes Problem für heimische Lebewesen betrifft aber auch die Einschleppung gebietsfremder Arten. Unsere heimischen Fische bleiben von dieser Bedrohung nicht verschont. Heute finden wir etwa 35 Fischarten und –unterarten in den Gewässern Südtirols, von denen etwa 16 als fremdstämmig einzustufen sind. Einige der Neuankömmlinge können unter Umständen durch Fraßdruck und den Kampf um natürliche Ressourcen problematisch für heimische Fischarten werden. Viele allochthone(G) Arten haben unbeabsichtigt, wie etwa durch Fehlbesatz, ihren Weg zu uns gefunden. Andere Exoten wurden aber auch aktiv als Attraktivitätsbesatz in neue Gewässer eingebracht und konnten von dort aus weitere Gewässer besiedeln. Diese Besiedelung mit fremden Arten kann unvorhersehbare Folgen für die Lebensgemeinschaft in einem Ökosystem haben. Sind alle ökologischen Nischen(G) in einem Gewässer bereits besetzt, muss ein Neuankömmling, um sich zu etablieren, eine konkurrenzschwächere Art von ihrer Planstelle verdrängen. Durch nahe Verwandtschaft zweier Arten kann es auch zu einer genetischen Vermischung der beiden kommen. Ein solcher Einfluss entsteht beispielsweise durch Zusammentreffen zwischen Bachforelle und der heimischen Marmorierten Forelle. Besatzmaßnahmen bringen schließlich eine weitere Gefährdung mit sich, denn nicht selten werden Krankheiten über diesen Weg mit verschleppt.

Abb. 14.10 Der Blaubandbärbling erobert als invasive Fischart ständig neue Gewässer.

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Fischen in suedtirol  
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