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park

Leben Arbeit Freude

Foto | Christoph Lepka

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Inhalt: 01: Editorial Schwerpunkt

Zusammen arbeiten

04: Interview

Evolutionär statt revolutionär

06: Reportage

Ausstieg aus dem Hamsterrad

08: Interview

Wie viel genügt für ein gutes Leben?

11: Nachgefragt

Projekt „Mehr Lebensqualität“

Zusammen

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arbeiten Co-Working entstand als Antwort auf eine räumliche und beruf liche Not und wurde zur Tugend des gemeinsamen Tuns, unabhängig von Arbeitgebern und der Nachfrage des Big Business. Inzwischen ist das Modell eine Lösung für Selbstständige und Kleinstunternehmen. Die Grenze zur Selbstausbeutung ist f ließend.

Liebe Leserin, lieber Leser!

IMPRESSUM: „park“erscheint als Verlagsbeilage der Wiener Zeitung. | Medieneigentumer und Herausgeber: Wiener Zeitung GmbH, Media Quarter Marx 3.3, Maria-Jacobi-Gasse 1, 1030 Wien, Tel.: 01/20699-0, Geschäftsführung: Mag. Karl Schiessl | Marketing Wiener Zeitung GmbH: Wolfgang Renner | „park“ erscheint in Kooperation mit Wiener Zeitung GmbH und Konnex Communities, www.konnex.cc | Konzept und Redaktion: Stefan Leitl-Sidl, Martin Lengauer, Cathren Landsgesell, Michael Pöll | AutorInnen dieser Ausgabe: Martin Lengauer, Gabriele Rabl, Cathren Landsgesell, Hans-Peter Waldbauer, Verena Brandtner, Marianne Schulze | Lektorat: Claudia Spirk, Willibald Pöll | Grafisches Konzept und Layout: Christoph Lepka, www.christophlepka.at | Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, Druck- und Verlagsgesellschaft mbH, Gutenbergstraße 12, A-3100 St. Pölten | Die Offenlegung gemäß § 25 MedienG ist unter www. wienerzeitung.at/impressum ständig abruf bar.

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Man darf nicht zu viel nachdenken, dann kann man vermutlich die gegenwärtige Krise recht gut meistern. Irgendwann wird’s ja wohl wieder bergauf gehen, auf den bekannten Pfaden von Wachstum, Konsum und Kredit. Also bitte nicht grübeln, warum mit öffentlichem Geld ein Finanzsystem gestützt werden muss, das mehr auf einem komplexen Wettsystem auf baut als auf der Servicierung von Sparern und Unternehmern. Und keinesfalls überlegen, auf wessen Kosten die bunt-glänzenden Nespresso-Tabs, die günstige Sommerkollektion von H&M und die neuesten Gadgets von Apple gehen. Das verdirbt einem nur die Freude und man kann ohnehin nichts ändern … Sorry, aber wir schaffen das nicht! Weder das Ausblenden noch das Nichts-dagegen-Tun. Deswegen haben wir die Gelegenheit genutzt, gemeinsam mit der Wiener Zeitung ein neues Medium auf die grüne Wiese zu stellen. Der eine oder die andere wird sich vielleicht ansprechen und ermutigen lassen, in manchen Lebensbereichen Ignoranz oder Resignation hinter sich zu lassen. park soll ein Medium dafür sein, hinzuschauen auf das Groteske und hinzuschauen auf die zahllosen Möglichkeiten und Versuche, es besser zu machen, im Kleinen wie im Großen, als Einzelner wie in Gemeinschaft. Unser erster Schwerpunkt „Coworking“ bringt die freiwillig gemeinschaftliche Qualität wieder ins Arbeitsleben zurück. Wir berichten über verschiedene Modelle des gemeinsam mit- und nebeneinander Arbeitens, die derzeit auf der ganzen Welt aus dem Boden sprießen. Und erzählen Cathren Landsgesell im Interview unsere eigenen Erfahrungen als Coworking-Space-Betreiber. So wie Coworking-Spaces Gärten der Fokussierung, der Inspiration und des Lernens für Selbstständige und Unternehmer sind, so sind Parks die Gemeinschaftsgärten der Gesellschaft, kultivierte Natur, Lebensräume und Sozialräume, der ökonomischen Verwertung entzogen, Refugien, Treffpunkte und Inspirationsquellen. Wir laden Sie zum Spaziergang ein. Stefan Leitner-Sidl Michael Pöll

Am Anfang der Coworking Spaces steht eine Utopie: „Ich stelle mir einen neuen Kult nomadisierender Hacker vor, die von einer Stadt zur nächsten reisen und auf der Suche nach Koffein, einer guten Arbeitsumgebung und einem Platz für ihre Schlafsäcke Häuser und Büros in temporären Besitz nehmen“, schreibt Chris Messina 2005 in seinem Blog factoryjoe.com. Messina ist 24, selbst Hacker (im Sinne der guten Web 2.0-Open-Source-Kultur) und stellt sich vor, wie aus den temporären Meet-ups neue Verbindungen zwischen Menschen und neue Produkte entstehen, die von allen geschaffen werden, aber niemandem gehören. Die Utopie vom geteilten Ort und gemeinsamen Tun und einer auf diese Weise verbesserten Welt (oder zumindest besseren Computerprogrammen) führt zu den ersten Coworking Spaces der USA, dem citizen space und the hat factory, die Chris Messina und Tara Hunt – Unternehmerin und Gründerin von Buyosphere.com – 2006 in San Francisco gründen. „Wir hatten diese Idee des ‚Citizen of the Internet‘, jemand, der durch ein Netzwerk mit allem und jedem vernetzt ist und eigentlich überall arbeiten kann“, sagt Messina im Gespräch mit park. „Es war uns klar, dass die Social Web Community Orte brauchte, um sich zu vernetzen. Es ging dabei nie um Geld, sondern darum, Leute zusammen zu bringen und durch das Internet zu verbinden. Wir haben auch gezeigt, dass man sogar in San Francisco einen solchen Ort relativ günstig schaffen kann.“ Die Social Web-Community macht den Schritt ins „wirkliche Leben“. Ein Freund, Brad Neuberg, Co-Programmierer von gmail und Mozilla, gibt dem Tun einen Namen: Coworking und Coworking Spaces. Messina verbreitet die Idee in der Community, eine ganze Coworking Bewegung entsteht. Heute gibt es weltweit 1.700 Coworking Spaces, etwa 700 Coworking Spaces in den USA, ebenso etwa 700 in Europa, davon 17 in Österreich. Was Messina nicht weiß: Bereits 2002 entstand der womöglich weltweit erste Coworking Space in Wien, die Schraubenfabrik. Sie trifft die Bedürfnisse immer zahlreicher werdender Freelancer, sodass die Gründer, Stefan Leitner-Sidl und Michael Pöll, 2004 und 2007 zwei weitere Coworking Spaces folgen lassen, die Hutfabrik und den

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… CoWorking Spaces in Wien

CoWorking Space in Salzburg

Konnex Communities:

COWORKINGSPACE

www.schraubenfabrik.at

www.coworkingsalzburg.com

www.rochuspark.at www.hutfabrik.com

CoWorking Space in Kärnten

Sektor 5:

Hafen 11

www.sektor5.at

www.hafen11.at

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Rochuspark. Soeben wurde auch im kleineren Salzburg von der PR-Managerin Romy Sigl mehr oder minder im Alleingang Coworking Salzburg gegründet, mit Platz für insgesamt 36 CoworkerInnen. Was hat es also auf sich mit dem gemeinsamen Arbeiten? Sind Coworking Spaces die Avantgarde neuer Arbeitsformen? Coworking ist ein globales Phänomen, zumindest in den urbanen Zentren dieser Welt, und zieht nicht nur die Geeks des Web 2.0 an, sondern PR-Fachleute, JournalistInnen, „konventionelle“ ProgrammiererInnen, WerbetexterInnen, LebensberaterInnen, WebdesignerInnen, Fotograf Innen, ArchitektInnen – gebildete, kreative und meist jüngere Menschen, die sich in herkömmliche Arbeitsverhältnisse nicht fügen möchten oder nicht können, weil es diese Normalarbeitsverhältnisse nicht mehr gibt: „Ich war gerade in New York, dort sieht man wohl am deutlichsten, dass Coworking nicht nur boomt, weil es lustig ist, sondern weil alle outgesourct werden. Es bleibt den Leuten nichts anderes übrig, als zu coworken“, sagt Antje Mayer, Journalistin und Coworkerin in der Schraubenfabrik. 2002, als die Schraubenfabrik entsteht, ist die dot. com-Blase gerade geplatzt. Das Kapital wendet sich anderen Veranlagungen zu und zieht sich auch aus der Kreativwirtschaft zurück, Guerilla Marketing ersetzt die großen Kampagnen, das Kaffeehaus das durchgestylte Loft, zugleich ist das Internet zum ersten Mal, wenn auch noch teuer und vergleichsweise langsam, für viele zugänglich und verbreitet sich rasant. Computer und Programme werden allmählich günstiger. „Das war der Sieg der Kreativen“, sagt Mayer. „Die Produktionsmittel gehörten jetzt uns.“ Mit den Produktionsmitteln gründen die Kreativen Unternehmen. Zwischen 240.464 und 276.000 Ein-Personen-Unternehmen (WKO und Statistik Austria sind sich nicht ganz einig) gibt es heute in Österreich, die meisten davon zählt die Wirtschaftskammer Österreich im Bereich „Information und Consulting“. Über die Hälfte der CoworkerInnen weltweit sind Freelancer ohne Angestellte. Um 2002 sind die Mieten noch günstig, während heute, wie Mayer sagt, der zweite Wiener Gemeindebezirk, wo sich die Schraubenfabrik befindet, „gar nicht mehr inseriert wird, Geschäftslokale dort sind nicht bezahlbar“. Aber die jungen UnternehmerInnen kommen mitbedingt durch die Vorschriften von Basel II (1999) nicht mehr so leicht an Kredite für Computer, Büros oder Möbel, denn ihre Produkte sind immateriell, sie verkaufen symbolische Werte, Dienstleistungen, ihr Kapital ist ihr Wissen und Können – nichts, das Garantien abgäbe. Auf die klassischen Institutionen der fordistischen Wirtschaft können die neuen KreativarbeiterInnen nicht zählen. In den USA, wo es viele der Absicherungen der europäischen Sozialstaaten nie gab, ohnedies nicht. „Es gab eine kritische Masse an Leuten, die Coworking brauchten und auch die Netzwerktechnologie, um sie alle miteinander zu verbinden“, berichtet Chris Messina. „Wir brauchten nur noch den Ort, wo wir unsere Laptops auf bauen konnten und dabei sicher sein, dass sie nicht gestohlen werden.“ Was sind das für Orte, an denen man sich vernetzen kann und die Laptops nicht gestohlen werden? 2006 haben die Berliner Journalisten Holm Friebe und Sascha Lobo sich bereits an die Historisierung des Phänomens „digitale Bohème“ gemacht und herausgefunden: „Die digitale Bohème sucht sich ihre Quartiere, wie es ihr passt, oft in Form einer erratischen Suchbewegung“. In dieser Erzäh-

Fotos | Cloed Potter, Peter M. Mayr, Markus Nelson, Ferdinand Gschwandtner, Romy Sigl

Eine Auswahl von


Anfänglich stand der Raum als solcher im Mittelpunkt, als neutral verstandener Platz, an dem eine Person arbeiten konnte, die entweder über kein Büro verfügte oder keine Lust mehr hatte, isoliert zu Hause vor sich hin zu werkeln. Es handelte sich dabei also entweder um Wissensarbeiter mit geringen finanziellen Ressourcen oder um Freelancer, die schon lange beruflich tätig waren. Aufgrund dieses

lung landen die digital bohemians bei ihrer Suche nach dem „dritten Ort“ (neben dem Zuhause und der Arbeit) zunächst in den Kaffeehäusern bzw. in den USA, in Ermangelung intakter Innenstädte und Kaffeehäuser bei Starbucks: „Menschen sitzen mit ihren Laptops ganztägig im Café und nennen es Arbeit“, schreiben Friebe und Lobo begeistert. Was die Sofas von Starbucks so anziehend macht, ist die Mischung aus Privatheit und Öffentlichkeit, die auch den Coworking Spaces eigen ist. Für Romy Sigl ist die Erklärung einfach: „Kreative brauchen andere Menschen um sich herum.“ Im eigenen Zuhause kann man sich vielleicht gut konzentrieren, aber es fehlen der soziale Kontakt und, wichtiger noch, das professionelle Netzwerk. „Bis auf das erste halbe Jahr, wo ich von meinem Wohnzimmer aus gearbeitet habe, habe ich immer in Bürogemeinschaften mit anderen Grafikern und Designern gearbeitet. Alle hatten immer das Problem, dass es schwierig ist, allein zu arbeiten.“ Karin Beinsteiner ist Designerin mit Schwerpunkt Markenstrategie und seit 2008 im Rochuspark. Für sie ist Coworking schlechthin „das Modell“. Seit kurzem hat sie ihren Arbeitsplatz im großen Raum des Rochuspark, auf der Galerie. „Die Energie in dem Raum ist inspirierend. Man lebt das Netzwerk viel intensiver. Wenn es laut wird, beschwert man sich oder setzt die Kopf hörer auf.“ Viele Coworking Spaces sind in ehemaligen Werkstätten, die das geeignete Umfeld mitbringen. Der Rochuspark war früher eine Schmiede, die Schraubenfabrik eine Schraubenfabrik und in der Hutfabrik wurden, ja, Hüte gemacht. Die großen Räume, die Ästhetik des Zufälligen und Künstlerischen, die Coworking Spaces ausstrahlen, sind symbolisches Kapital für die CoworkerInnen: „Wenn du im Prekariat überleben willst, musst du dich von der kostspieligen, protzigen Präsentationskultur der 1990er Jahre lösen“, sagt Mayer. „Coworking Spaces helfen dir, den Mangel an Repräsentativität eines Ein-Personen-Unternehmens auszugleichen oder abzufedern. Die Kunden kommen ja gern und schauen sich das an. Der große Raum gehört zwar nicht dir allein, aber dafür repräsentieren alle, die dort arbeiten, dein Unternehmen, sie ersetzen, was in den großen Agenturen der Empfangsdesk ist. Das braucht man alles nicht mehr.“ „Stop working, start creating“, heißt es bei Sektor 5 auf einer Postkarte, die man in einem Imagefilm sehen kann. Wo Arbeit war, soll Kreativität werden – eine schöne Vorstellung, zumal als Imperativ. Der Freiburger Soziologe Ulrich Bröckling hat die gesellschaftlichen Diskurse in Medien, Politik und Wirtschaft zu Unternehmertum und Kreativität untersucht. Er beobachtet, wie in den letzten zehn Jahren Selbstverantwortung, Flexibilität und eben Kreativität von einem Versprechen zu einer Drohung werden: „Der Sog zieht immer noch in die Richtung Individualität, Entrepreneurship, Freiheit, aber mit einer anderen Färbung. Hieß früher ‚Wenn du unternehmerisch bist, wirst du schnell reich‘, so heißt es jetzt ‚Wenn Du nicht unternehmerisch bist, bist du ganz schnell draußen‘.“ Coworking Spaces sind, bei allen Low-BudgetLösungen und dem Flair des Improvisierten, „Unternehmerzentren“. Fragt man Messina, was wichtig ist, so steht die

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„Arbeitsatmosphäre“ an erster Stelle – erst dann kommen die Vernetzung und der freie Fluss der Ideen. „Man braucht eigenständig denkende Menschen, solche, die wie Designer analysieren und Dinge untersuchen können, man braucht aber auch Entrepreneurs“, sagt er. „Wir haben alle Unternehmergeist. Jeder hier weiß, dass man manchmal in den sauren Apfel beißen muss“, meint Karin Beinsteiner. Von Selbstdisziplin hält sie persönlich „sehr viel“: „Sie bewahrt einen davor, sich selbst leid zu tun, denn man hat es ja so gewollt.“ Das unternehmerische Denken haben die CoworkerInnen verinnerlicht. Antje Mayer, Journalistin, findet bereits den Begriff Work-Life-Balance „dämlich“, denn: „die Arbeit muss das Leben sein und das Leben die Arbeit. Als Mutter von zwei Kindern kann ich nur sagen, dass es nichts Schöneres gibt, als wenn alles ineinander f ließt.“ Ein anderes Leben als

Romy Sigl

Die Sicherheiten sind geschwunden. Coworking Spaces geben ein bisschen davon wieder zurück – als Dienstleistung. Chriss Messina

„dieses selbstbestimmte“ kann sie sich „nicht vorstellen“. Coworking Spaces scheinen viel vom finanziellen und sozialen Druck auf die „kreative Klasse“ abzumildern. Ulrich Bröckling hegt zwar den Verdacht, dass viele der wirklich prekär, am Rande des Existenz-Minimums Arbeitenden, einen normalen Angestelltenjob vorziehen würden. Für CoworkerInnen gilt das nicht oder weniger. Der Widerpart zum Angestellten ist unter ihnen nicht mehr der „Arbeitslose und Gelegenheitsarbeiter“, wie der FAZ-Redakteur Mark Siemons einmal schrieb, sondern der (oder die) freie Kreative, die es geschafft hat. „Auch Leute, die angestellt sind, können morgen die Kündigung am Tisch haben“, wie Karin Beinsteiner sagt. Die Sicherheiten sind geschwunden. Coworking Spaces geben ein bisschen davon wieder zurück – als Dienstleistung. In den Worten von Antje Mayer: „Ich genieße es sehr, dass das Ganze keine basisdemokratische Angelegenheit ist. Wenn etwas nicht funktioniert, will ich mich beschweren können. Den unternehmerischen Zugang finde ich sehr befreiend.“ Was wird aus den Coworking Spaces einmal werden? Chris Messina glaubt an ihre subversive Kraft: „Menschen, die in Coworking Spaces gearbeitet haben, sprechen von der Gemeinschaft, die sie dort als eine einzigartige Kraft erfahren haben“.

Karin Beinsteiner

Antje Mayer

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Evolutionär Foto | Christoph Lepka

statt revolutionär

Michael Pöll und Stefan Leitner-Sidl haben ihren ersten Coworking Space eher zufällig gegründet. Inzwischen betreiben sie drei davon und überlegen, ob Coworking nicht die Keimzelle einer neuen Wirtschaftsform sein könnte. Ein Gespräch über Geschirrspüler und politisches Handeln. park: Ihr habt 2002 mit der „Schraubenfabrik“ den ersten Coworking Space in Wien gegründet. Was habt ihr gemacht, bevor ihr auf diese Idee gekommen seid? Mike Pöll: Ich hatte kurz vor der Gründung mein Studium als Wirtschaftspädagoge abgeschlossen und als Lehrer gearbeitet. Ich wollte ursprünglich gemeinsam mit Stefan ein Marktforschungsunternehmen gründen. Stefan Leitner-Sidl: Damals war unsere Intension nur, dass wir selbst einen möglichst günstigen Arbeitsraum finden. Wir haben zuerst ja nicht einmal gewusst, dass das, was wir machen wollen, Coworking heißt.

Wir haben das Risiko bewusst in Kauf genommen, weil wir das Gefühl hatten, dass es einen Bedarf für eine Art gemeinsames Arbeiten gibt. Wie seid ihr auf die Schraubenfabrik gestoßen? Mike: Ein Freund hat uns damals den Tipp gegeben, dass in einer ehemaligen Schraubenfabrik eine Etage frei sei. Das war immer noch zu viel Fläche für uns beide, aber wir haben trotzdem den Mietvertrag abgeschlossen. Unser Ziel war es, ein cooles Büro in einem Fabriksloft zu schaffen und es mit anderen Leuten zu teilen. Stefan: Wir haben das Risiko bewusst in Kauf genommen, weil wir das Gefühl hatten, dass es einen Bedarf für eine Art gemeinsames Arbeiten gibt und die Idee angenommen werden könnte.

Langsam setzt si ch aber ein ande res Modell durch, mehr einem sozi in dem der Raum alen Unternehm des Co-Workings en ähnelt, mittels gemeinsam genu viel de ssen Netzwerke tzt wird. Währen entstehen und W d im ersten Fall werden, sich am issen die NutzerInnen Markt zu behaup dabei unterstütz ten und erfolgre zweiten Fall, so t ic h zu sein, ermög lidarisch zusamm licht man ihnen enzuwirken, eine erlaubt dieses zw im Community zu bi eite Modell den lden. Meines Erac Einzelnen länger besser zu gestal ht ens fristig auch, ihre ten. Im ersten M Beziehung zum M odell hingegen, nehmen die Wisse arkt in dem es nur um nsarbeiter diejen das Geschäft ge igen, die neben ih als Konkurrenten ht , nen ihren Büropl wahr. Sie schaff atz haben, weite en es also nicht, befreien, auch w rh in si ch mental aus de enn sie Seite an r Isolation zu Seite mit andere n arbeiten.

Was habt ihr investiert? Mike: Relativ wenig. Unsere Ersparnisse haben wir allerdings aufgebraucht. Stefan: Wir haben das eigenhändig eingerichtet, haben eine Kaffeebar, einen Wuzzler und Couchen reingestellt und die Terrasse begehbar gemacht – das war für den Anfang alles. Und dann sind wir an die Öffentlichkeit gegangen: Schaut, man kann sich bei uns in ein cooles Büro einmieten, mit einem moderaten All-Inclusive-Paket. Das hat funktioniert? Wie habt ihr das dann konkret beworben? Stefan: Eigentlich recht wenig. Wir haben versucht, das Projekt über die Leute, die wir kennen, bekannt zu machen. Martin Lengauer, der einer der ersten Mieter war und jetzt immer noch in der Schraubenfabrik ist, hat für uns PR gemacht. Es gab dann immer wieder Beiträge in Zeitungen und sogar im Fernsehen. Mike: Auf die ersten Zeitungsartikel hin haben sich gleich zwanzig Leute gemeldet. Es hat sich sehr schnell herumgesprochen. Das hat uns nochmal bestätigt, dass wir mit unserem Gefühl richtig lagen. Inzwischen habt ihr drei Standorte: die Schraubenfabrik, den Rochuspark und die Hutfabrik. Wie ist die Fluktuation an diesen Orten, wie lang bleiben die MieterInnen im Durchschnitt? Stefan: Das ist von Standort zu Standort unterschiedlich. Vielleicht werden insgesamt betrachtet alle zehn Jahre die MieterInnen einmal komplett ausgetauscht. In der Schraubenfabrik sind immer noch zwanzig Prozent alte MieterInnen, die von den ersten zwei Jahren an dabei sind. Ich denke, wie stark die Fluktuation ist, hängt sehr stark davon ab, ob eine lebendige Community mit einer sozialen Dynamik entstehen kann. Dafür braucht man eine gewisse Größe, so etwa ab zwanzig Personen aufwärts, die sich austauschen und miteinander kooperieren können. Ihr versteht euch als „Community Manager“. Was heißt das? Stefan: Dass für uns als Coworking-Space-Betreiber nicht die Immobilie im Vordergrund steht, sondern die


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Leute und die Gemeinschaft. Es ist sehr wichtig, dass die Atmosphäre stimmt, dass gemeinsam mit anderen was passiert. Dafür sehen wir uns verantwortlich. Mike: Community Building ist das Wichtigste an Coworking Spaces und das, was am meisten in seiner Bedeutung unterschätzt wird. Was bedeutet Community Building in eurem Fall? Mike: Es beginnt eigentlich schon bei der Auswahl der MieterInnen, die letztlich wir alleine treffen. Wir führen ausführliche Gespräche und kennen daher die Leute sehr gut, wir wissen, was sie machen und was sie interessiert. Wir versuchen immer, ein möglichst gutes Matching in die Coworking Spaces hinzubekommen. Das Wichtige ist, dass man Unterschiede zu nutzen weiß. Das ist z. B. Teil des Community Managements. Wir können Leute miteinander bekannt machen, ihnen helfen, Netzwerke zu bilden. Das geht an einem Ort wie dem Rochuspark ganz informell, man holt Leute zu Besprechungen dazu oder geht zu den Leuten und stellt sie einander vor. Stefan: Ohne diese Gruppenorientierung wäre es reine Immobilienentwicklung oder reines Facility Management. Wir wollen deshalb auch nicht mehr wachsen. Es wäre dann für uns beide nicht mehr verwaltbar. Man muss sich kontinuierlich kümmern – gerade die sozialen Dinge erfordern viel Zeit und Aufmerksamkeit. Gibt es interne Kritik an eurem täglichen Tun? Mike: Manchmal kommt, dass wir arrogant sind, weil wir nicht jede/n nehmen. Die meisten sind jedoch froh, dass wir diese heikle Aufgabe der Selektion übernehmen. Wir wählen ja aus, wer letztlich nebeneinander und vielleicht mal zusammen arbeitet. Ansonsten beschränkt sich die Kritik auf nicht ausgeräumte Geschirrspüler, wobei das aber nicht unsere Aufgabe ist, oder fehlendes Toilettenpapier. Und es gibt auch Leute, die anfangs glauben, wir haben eine Basisdemokratie und lassen alle über alles entscheiden. Woran orientiert ihr euch bei der Auswahl der Leute? Mike: Es ist eigentlich nur unser Gefühl, denn das Wichtigste ist, dass die Chemie stimmt. Wir haben inzwischen ein gutes Gespür dafür, wer bei uns reinpasst. Der Ort ist austauschbar, es sind letztlich die Leute, die die Atmosphäre bestimmen.

„Beziehungen sind für uns kein Mittel zum Zweck, um ein Geschäft zu machen.“

Stefan: Die Auswahl ist auch Teil des Deals: Wir bürgen dafür, dass die Leute in Ordnung sind, und wir sind nette Hosts, die das nicht als 08/15 Job machen, sondern mit Herzblut und Engagement. Coworking wird vor allem von Männern genutzt. Habt ihr eine Erklärung? Mike: Wir arbeiten daran und mein Eindruck ist, dass die Frauen auf holen. Das Verhältnis über alle drei Spaces ist mittlerweile etwa 70 zu 30 Prozent für die Männer. Vielleicht liegt es auch an den Branchen oder generell am Thema Selbstständigkeit. Ihr verbringt viel Zeit hier, der Umgangston ist locker. Wie funktioniert bei euch die Abgrenzung von Privatheit und Arbeit oder braucht ihr das nicht? Stefan: Ich wohne woanders, ich fahre am Abend nach Hause. Für mich stellt sich die Frage nicht so sehr wie für Mike, der ja seine Wohnung im selben Haus hat wie den Coworking Space. Mike: Mit fällt es eher schwer, mich abzugrenzen, wobei ich auch nicht weiß, ob ich mich abgrenzen will. Viele meiner Kunden sind ja auch meine Freunde.

Trotzdem sind es Kunden? Mike: Ja, natürlich, es ist eine Dienstleistung. Aber ich finde dieses Ineinanderf ließen nicht schlimm. Den klassischen 9 to 5 Bürojob wollte ich ja eh nie. Mir macht es Spaß, so wie es ist. Wir arbeiten hier zusammen, und wir feiern zusammen.

Stefan Leitner-Sidl und Michael Pöll gründeten und betreiben die Coworking-Spaces Schraubenfabrik, Hutfabrik und Rochuspark, die unter dem gemeinsamen Label Konnex Communities firmieren. Insgesamt beherbergen

Coworking Spaces sind auch zum Networking da. Die Coworker sollen voneinander profitieren. Seht ihr die Gefahr, dass soziale Beziehungen auf diese Weise ökonomisiert werden? Mike: Nicht zwingend. Das kommt darauf an, wie man damit umgeht.

die drei Spaces rund 100 Fix-MieterInnen, vor allem Selbstständige und Kleinstunternehmen aus den Creative Industries. www.schraubenfabrik.at www.hutfabrik.com

Stefan: Ich sehe die Gefahr auch nicht, das hat aber auch mit unserem Konzept zu tun: Es kommt bei uns nicht auf Einzelne an. Das heißt, wir müssen nicht jede/n persönlich hofieren, damit er oder sie möglichst lange Kunde bleibt. Die Räume tragen sich alle selbst im Sinne eines sozialen Systems. Beziehungen sind für uns kein Mittel zum Zweck um ein Geschäft zu machen. Es geht uns eher darum, langfristige und authentische Beziehungen hinzubekommen, die nebenbei auch ökonomische Austauschverhältnisse ermöglichen können, aber nicht müssen. Wir verkaufen im Grunde Gemeinschaft. Die meisten Coworker, auch weltweit, arbeiten in „kreativen Berufen“, sind Werbedesigner, Grafiker, PR-Fachleute oder Berater, nicht zu vergessen die vielen IT-Firmen. Sind Coworking Spaces nur was für eine bestimmte Art von Tätigkeit? Stefan: Coworking wird sicher aufgrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in den nächsten Jahren häufiger werden, weil ja auch die Arbeitsverhältnisse immer f lexibler und leider manchmal auch prekärer werden. Es werden auch mehr Angestellte solche Coworking Spaces nutzen. Coworking ist ja nur ein Phänomen dieser neuen Arbeitswelt. Unsere Vision ist, daraus noch mehr zu machen: Orte, an denen man auch andere Ressourcen teilt und gemeinsam nutzt, z.B. Peer-to-Peer Carsharing oder Lebensmittel-Kooperativen. Das kann dann auch für andere Wirtschaftszweige als die klassischen Kreativbereiche interessant werden. Könntet ihr inzwischen von den drei Standorten allein leben? Mike: Wir zahlen jetzt noch Kredite zurück, zahlen Steuern und haben laufende Fixkosten. Aber wir können mittlerweile bescheiden davon leben. Stefan: Ich schätze, dass wir zu den vielleicht zehn Prozent Coworking Spaces auf der Welt gehören, die auch ökonomisch gut funktionieren. Wir haben beide ja auch noch jeweils andere Jobs bzw. Unternehmen und somit konnten wir den Coworking Standorten Zeit geben, sich zu entwickeln. Viele GründerInnen unterschätzen den Aufwand und überschätzen die Erträge, sie sind dann zu dritt oder zu sechst und hoffen, dass sie alle sofort davon leben können. Das geht aber meist nicht. Wir haben das Glück gehabt, dass wir am Anfang alternative Jobs hatten, die zwar Geld brachten, aber nicht zeitaufwändig waren. Die Coworking Spaces haben in den ersten sechs Jahren vielleicht zwanzig Prozent unseres Einkommens gebracht. Wir mussten uns diese Aufbauphase auch leisten können. Was ist mit der politischen Handlungsfähigkeit dieser Systeme, sind das dann Parallelgesellschaften, eine Reihe von exklusiven Klubs? Stefan: Diese neuen, kleinen, kollektiven und kollaborativen Systeme arbeiten teilweise an den alten, verkrusteten Systemen vorbei, weil die Leute merken, dass da von innen nichts mehr zu bewegen ist. Wenn sich solche Initiativen, die sich z. B. mit Themen wie Energieautarkie, Ernährungssouveränität, alternative Schulen oder neue Arbeit beschäftigen, professionalisieren und vernetzen, wird das eines Tages ins Regelsystem übergehen und das alte wird langsam auslaufen. Es wird wohl eher evolutionär als revolutionär ablaufen. Interview Cathren Landsgesell

www.rochuspark.at


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Au sst ieg

aus dem Hamsterrad „Früher war ich jeden Frühling frisch verliebt “, erzählt Yannis Kelmenidis in illustrer Könn en Rä Runde an einem lauen Maiabend im Gastgarten. Als junger griechischer Student in Wien Zusa sei ihm dieses wiederkehrende, freudige Ereignis jedoch rasch abhanden gekommen. „Du mmen ume des Co-W schlu auch musst dies und das machen, um fristgerecht Prüfungen ablegen oder Seminarplätze ergator ss n habe icht wün es werde kings zu tern zu können“, hätten ihn Studienkollegen und Professoren ermahnt. Nach dem Studium n sc O n ging es dann direkt in den 40-Stunden-Arbeitsalltag in einer Apotheke. Zum Glück hatte er ob es ihre eige henswer ? Ich glau rten des t. Po nen F p b s o e i c l sich noch während der Studienzeit in eine hübsche Studentin verliebt, die er heiratete, denn i h n t li ic i o um f u reie B m Parte rmen, un tische Org ht, und e schen die nächsten Jahre „ sperrte ich morgens als erster die Apotheke auf und ging als letzter, ien d s ew an und n da blieb mir nicht viel Zeit für meine Familie. Ich fiel abends geschafft ins Bett.“ Seinem ach e egungen alten un das sollt isatione wäre Schut n e auc ntste d u n n Chef teilte er nach sechs Jahren mit, er wolle seine Arbeitszeit auf 30 Stunden reduzieren, d e z u h a der n es und d hen natü ndere A en Stils h so bleib was schließlich zur Kündigung führte. Inzwischen ist er seit vielen Jahren in einer anderen kt en e r e a Apotheke angestellt, geht nachmittags um vier Uhr nach Hause und freut sich, für die heute ist d uen Arbe r Interess lich auch ionsform ndelt od , ie O it e er e schon erwachsenen Söhne ein präsenter Vater gewesen zu sein. Das geringere Einkommen unse Freelanc sformen. nvertret rganisati n. Nach r Ver ung i onen ers U D a wegen der reduzierten Arbeitsstunden habe ihm nie Sorgen bereitet: „Ich fahre ein altes Auto s e m kl n Maila des in se Berei lbsts ion in de assische – mir fehlt nichts zum Lebensglück.“ nd v c h n USA Beisp tänd erbun ie ig Ar den i beite , mit der l st. nder „Früher war ich jeden Frühling frisch verliebt“ in

„Neue Arbeit“ nach Frithjof Bergmann in ottensheim www.neuearbeit.ottensheim.at verein „United Creations“, Begleiter auf dem Weg zu Selbstermächtigung und Freiheit. www.unitedcreations.org Andy Holzer gibt seine erfahrungen als blinder Bergsteiger bei vorträgen an die Sehenden weiter. www.andyholzer.com thomas Andreas Beck, Coach und Berater für utopische Realisierungsprojekte. www.utopischerealisierungen.com Sustainable europe Research, think-tank zur nachhaltigen entwicklung www.seri.at

Variantenreiches Arbeitsleben Die „Mischarbeit“ könnte ein probates gesellschaftliches Modell sein, meint Ines Omann, Lebensqualitätsforscherin im SERI – Sustainable Europe Research Institute, wenn es um vielfältiges Tun im Erwerbsleben geht. „Politische Ablehnung, vor allem wegen der damit einhergehenden Forderung nach der Grundsicherung, hat Unternehmen bislang eher verschreckt, das Konzept auszuprobieren“, fügt Omann hinzu. Neben der bezahlten Erwerbsarbeit, ob in Voll-, Teilzeit oder in Selbstständigkeit fokussiert die Mischarbeit auf drei weitere Tätigkeitsfelder, die je nach Bedarf in abwechselnder oder paralleler Folge ausgeübt werden: Die Versorgungsarbeit etwa für die Pf lege von Angehörigen, die Eigenarbeit im eigenen Haushalt und die Gemeinschaftsarbeit im Sinne von ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Gesellschaft. „Das Grundkonzept der Mischarbeit zielt auf die Bedürfnisbefriedigung von gegenwärtigen und zukünftigen Generationen ab. Menschen haben das grundlegende Bedürfnis auf sinnvolle Tätigkeiten für sich und andere, bei ausreichender Grundversorgung und gesellschaftlicher Teilhabe“, erklärt Omann. Eine ähnliche Strategie verfolgt der amerikanische Philosoph Frithjof Bergmann mit seinem Konzept der „Neuen Arbeit“. Die Grundformel dazu lautet: Ein Drittel Erwerbsarbeit, die eine finanzielle Basis schaffen soll für Dinge, die nicht durch Netzwerke oder in Eigenarbeit hergestellt werden können. Ein weiteres Arbeitsdrittel dient der Selbstversorgung im Zusammenspiel mit schlauem Konsum. Und ein weiteres Drittel soll durch eine Tätigkeit bestimmt sein, die der Mensch wirklich will und demnach mit den eigenen Träumen, Begabungen und Wünschen einhergeht. Im oberösterreichischen Ottensheim schenken engagierte Bürger den beiden Dritteln außerhalb der Erwerbsarbeit ihre Aufmerksamkeit: „Im Wesentlichen versuchen Gruppen von bis zu fünf Personen durch ihr Zusammenkommen, miteinander diskutieren und experimentieren zu konkreten Projekten zu gelangen, woraus Produkte generiert werden sollen“, berichtet Knut Berndorfer, einer der Initiatoren von „Neue Arbeit Ottensheim“. Es gehe einerseits darum, Bewusstsein zu schaffen, für welche Dinge man derzeit mit Geld bezahlen müsse und andererseits, wie man mithilfe der Gruppe Selbstermächtigter werden könne und welche Arbeit man wirklich von Herzen tun wolle. Denn die Krux im derzeitigen Wirtschaftssystem sei, dass „die Erwerbsarbeit wenig Raum für Entfaltung bietet, um ein Leben führen zu können,

Fotos: privat

Ines Omann

1 Name von der Redaktion geändert.

Auf der Suche nach Arbeits- und Lebensmodellen, die zu mehr Freude, Zufriedenheit und Selbstermächtigung führen.


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Thomas Beck

David Marek

das sich wirklich lohnt.“ Durch das Diskutieren und Ausprobieren neuer Produkte und Tätigkeiten in der Gemeinschaft würde bei den Teilnehmern des experimentellen Neue Arbeit-Projektes eine innere Transformation passieren, die in Folge zu mehr Freude und Zufriedenheit führe, ist Berndorfer überzeugt. Seit März dieses Jahres werden im Alten Amtshaus in Ottensheim die Ideen der Neuen Arbeit im Rahmen von „Otelo“ – Offenes Technologie Labor erprobt. Zur Zeit werden technische und kreative Aktivitäten wie eine Fahrradwerkstätte, ein Kost-Nix-Laden und demnächst ein eigener Radiosender sowie der Betrieb eines 3-D-Druckers umgesetzt. Pioniere des Wandels Für David Marek, Psychologe und Mitbegründer des Wiener Vereins „United Creations“, steht die individuelle Transformation in direkter Wechselwirkung mit der gesellschaftlichen. Diesem Gedanken folgend, gründete er mit einer Gruppe Gleichgesinnter eine Initiative, „in der Menschen für sich und andere Orte schaffen, die es ermöglichen, der inneren Motivation und Inspiration zu folgen und wo den Interessen und Talenten entsprechend Raum gegeben wird“, informiert Marek. Erste Projekte sind die „Kulturwandel Werkstadt“, die sich als Ort der Begegnung und des Wissensaustauschs versteht sowie das „Sprungbrett Aspern“, wo mit nachhaltigen Methoden an Ökodorf-Varianten experimentiert wird, dessen Erfahrungen in Kürze in einer ersten „GaZelle“, einem Zentrum für erfahrungsorientiertes Lernen und Leben eingebracht werden. In der Seestadt Aspern, einem neuen Stadtteil im Norden Wiens, wird bereits auf 4500 m2 Zwischennutzungsf läche seit dem Vorjahr gemeinschaftlich an prototypisch und innovativen Bau- und Lebensformen geforscht und gearbeitet. Stichwort Lernen: Die notwendigen Fähigkeiten erlernen, um aus dem vermeintlichen Hamsterrad aussteigen zu können, will Thomas Beck, Coach und Berater im Netzwerk „Utopische Realisierungen“, als erste und wichtigste Maßnahme verstehen. Fähigkeiten wie Urvertrauen, Entschiedenheit und die Förderung von Talenten müssten in den Schulen und Familien verankert sein, damit gesellschaftsrelevante Arbeits- und Lebensmodelle Realität würden. „Wir brauchen Menschen, die an ihre Talente glauben und erkennen, ich bin selbstermächtigt.“ Um in den Zustand von Freude und Zufriedenheit zu gelangen, müsse man sich ehrlich die Frage stellen: „Will ich mich und mein Lebenskonzept wirklich ändern?“, regt Beck zur Selbstref lexion zwischen Tun und Wollen an. Zwei große Szenarien führen

Andy Holzer

seiner Meinung nach zur Veränderungsbereitschaft: Einerseits die tiefe Krise, wo der Schmerz größer ist, als die Angst vor der Veränderung. Andererseits das Verlieben in etwas visionär Neues – die Erkenntnis, dass es anders gehen kann, gepaart mit dem Willen und der Fähigkeit es zu tun. Quadratischer Einheitsbrei Andy Holzer stieg nach 26 Jahren aus seinem sicheren Brotberuf als Heilmasseur im Krankenhaus aus, weil „ich bemerkt habe, dass andere mein Leben in der Hand haben, Politiker, Manager, der Staat und noch viele andere“, erzählt der Osttiroler, der inzwischen als blinder Bergsteiger, Buchautor und Vortragender den Sehenden die Augen öffnet. „Ich bin für gepf legte Abhängigkeit, nur möchte ich mir aussuchen, von wem ich mich abhängig mache“, meint Holzer und verweist darauf, dass schließlich jeder Mensch Werkzeug für sich und andere sein kann. Um aus dem Hamsterrad aussteigen zu können, müsse man wissen, wie das eigene Werkzeug funktioniere, wofür man es einsetzen wolle und in welchem Umfeld es eine gute Ergänzung darstelle. „Wenn du das, was du kannst, an deine Umgebung anpasst, dann hast du freudige Tätigkeitsfelder ohne Ende“, ermutigt Holzer, „ich habe meine Blindheit zum Werkzeug umfunktioniert und daraus Kapital geschlagen.“

„Wenn du das, was du kannst, an deine Umgebung anpasst, dann hast du freudige Tätigkeitsfelder ohne Ende“, ermutigt Holzer, „ich habe meine Blindheit zum Werkzeug umfunktioniert und daraus Kapital geschlagen.“ Die heutige Arbeitswelt versuche, Menschen in Quadrate zu zwängen, um die Masse besser verwalten zu können. „Aber kein Mensch ist eckig oder geradlinig, darum kann sich niemand im System Quadrat entfalten und wohlfühlen.“ Jeder sollte sich auf seine individuelle Reise begeben, um herauszufinden, wo und wie er einen Beitrag in der Gesellschaft leisten könne. „Für mich war das Risiko größer, meine wertvollen Ressourcen verlodern zu lassen, als wenn ich selbst das Ruder in die Hand nehme und dorthin steuere, wo mich mein Wille hinführt“, berichtet Holzer nach dreijähriger Selbstständigkeit. Um neue Pfade im Leben gehen zu können, müsse man mit Geisteskraft und cleveren Gedanken Barrieren überwinden und verstehen, dass die Tiefgänge im Leben die strategisch Interessantesten seien. Gabriele Rabl


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Leoben. AdveRtoRIAL

Eine Stadt geht voran!

Fühlst du dich angesprochen, dann melde dich bei uns! Wir freuen uns auf deine Ideen! projectmanagement@leoben.at tel: 03842/4062-375

Leoben hat sich entschlossen, nicht tatenlos zuzusehen und die nötigen Akzente zu setzen, um einerseits die Stadt nachhaltig in der Region zu positionieren und andererseits, der Jugend Perspektiven zu bieten. Durch Partizipationsprozesse will sie direkt von den Jugendlichen wissen, was sie bewegt und was sie brauchen, um ihre Talente zu entfalten und was die Stadt beitragen kann, damit sie sich in ihrer Heimat wohlfühlen. „Es haben sich neue Lebensstile etabliert und damit einhergehend auch neue Arbeitsformen und -strukturen entwickelt, die wir versuchen in die Stadtentwicklung zu integrieren, damit es uns gelingt, eine attraktive Stadt für die Jugend zu generieren. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es uns ein besonderes Anliegen, Partner zu finden, Kooperationen zu schaffen und uns an Netzwerken zu beteiligen, die unsere Vision teilen“, sagt Leobens Stadtamtsdirektor Dr. Wolfgang Domian.

www.facebook.com/Leoben.Kreativ

Neues System „Co-Working-Space“ In Bezug auf neue Arbeitsformen ist die Stadt besonders vom zukunftsträchtigen System der „Co-Working-Spaces“ überzeugt. Leoben verfolgt daher das Ziel, auch im länd-

lichen Umfeld den aktuellen Bedürfnissen neuer Arbeitsstile gerecht zu werden und Arbeitsgemeinschaften, wie in Co-Working-Spaces zu ermöglichen und zu fördern. „Nicht zuletzt aufgrund der neuen Bedürfnisse und Lebensstile der Jugend, die nicht mehr in streng hierarchischen und starren Strukturen gefangen sein wollen und eine ausgewogene Life-Work-Balance in den Vordergrund stellen, ist es an der Zeit umzudenken, sondern auch aufgrund demographischer Veränderungen und Prozesse“, so Domian. Zeitliche und räumliche Flexibilität gewinnen in Hinblick auf Pf lege und Betreuung sowohl von Kindern als auch der steigenden Zahl älterer Menschen immer mehr an Bedeutung. Die Stadt ist überzeugt, dass Co-Working-Spaces eine optimale Ausgangsposition für diese Veränderungsprozesse sind und stellt die nötigen Strukturen und Hilfestellungen für den Auf bau von Co-Working-Spaces bereit. „Wir sind außerdem auf der Suche nach jungen, dynamischen Menschen, die Freude daran haben, die Welt zu verändern; Ideologen und Masterminds, die gemeinsam mit uns etwas bewegen wollen. Wir bieten ihnen eine Bühne, um gemeinsam Projekte in der Stadt und Region umzusetzen“, sagt Domian.

Foto: Freisinger

Besonders klein- und mittelgroße Städte in Europa sind von der Abwanderung junger Menschen und der Überalterung der Bevölkerung betroffen. Das Ungleichgewicht der Altersstruktur und die Konzentration der Potenziale auf die Ballungszentren bringen besondere Herausforderungen für Städte wie Leoben.


Zur Zeit zeigt sie gerade ihre Arbeit eines unverwirklichten Patents im ACF NY

Claudia Märzendorfer ist bildende Künstlerin in Wien, studierte bei Bruno Gironcoli, ist in mehreren öffentlichen Sammlungen vertreten und Mitglied der Wiener Secession. Sie erhielt ein Staatsstipendium für bildende Künste 2010, ihr Werkverzeichnis wurde 2012 als eines der schönsten Bücher Österreichs ausgezeichnet, sie ist in den Praterateliers tätig aufzufinden.

Möbel aus Eis/ als er das Messer in die Sonne warf /2009 Claudia Märzendorfer

Seite 8-9: Foto: © 2012 Gerald Y.Plattner, ARTV.at

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Arbeiten - wo die Zukunft beginnt. AdveRtoRIAL

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In aspern Seestadt wächst ein pulsierendes, urbanes Zentrum, vielfältig, offen für Neues und Zukunftsweisendes. Die Stadt des 21. Jahrhunderts. Ein Ort, der zum Schaffen einlädt, an dem entstehen kann und darf. Was nach Vision klingt, ist in aspern Seestadt gelebte Realität. Park hat nachgefragt, welche Möglichkeiten aspern Seestadt jungen Unternehmungen aufzeigen und bieten kann. Dr. Alexander Kopecek, Vorstand der Wien 3420 Aspern Development AG, weiß die Antwort.

Foto: wien3420

park: Was zieht innovative Unternehmerinnen und Unternehmer nach aspern Seestadt? Alexander Kopecek: Es ist der fast unbegrenzte Möglichkeitsraum. Noch ist vieles im Entstehen, das Projekt ist lebendig. Das bedeutet, dass man sich aktiv einbringen und entwickeln kann. Ein Freiraum, der befruchtet, zum Mitmachen einlädt und Innovation ermöglicht. park: Innovation verlangt nach Ressourcen. Was ist vorhanden? Alexander Kopecek: In aspern Seestadt befindet sich mit dem Technologiezentrum aspern IQ ein Innovationsinkubator erster Güte. Unternehmen wie research TUb sind hier ansässig und agieren an der Schnittstelle zwischen Innovation und neuer Arbeitswelt. Immer mehr Unternehmen siedeln sich an. Der Fokus ist stark auf Technologie und Nachhaltigkeit gerichtet. Beispielsweise hat Holz bei uns als Baustoff einen ganz großen Stellenwert. Namhafte Architekten verwirklichen auf dieser Basis in der Seestadt zukunftsweisende Bauprojekte. Wir verstehen uns als Smart City und leben das auch. Will ich als Unternehmen nachhaltig agieren, dann ist das der Ort, an den ich will und der am glaubwürdigsten ist – in ganz Wien. park: Was ist das Spezielle an aspern Seestadt? Alexander Kopecek: Es gibt hier kein vorgefertigtes Korsett. Der mögliche Spielraum ist ein großer. Man muss nur tun. Zudem haben wir mit unseren Shareholdern Erste Bank und Wirtschaftsagentur Wien zwei große Player an Bord, die für Unternehmen per se interessante Optionen aufzeigen können. Es gibt hier eine Menge an Unterstüt-

zungspotenzial, sowohl im Know How als auch in Finanzierungsfragen. Wie etwa good.bee, ein Unternehmen der ERSTE Stiftung und Erste Group, das auf Mikro-Banking sowie Social Enterprise Finance spezialisiert ist. Oder mingo, das Service für Unternehmensgründung, ein Förderinstrument der Wirtschaftsagentur Wien. Ebenso wie die Kreativagentur departure oder zit, deren Pendant im Technologiebereich. aspern Seestadt ist ein weites Möglichkeitsfeld, das allen Interessierten offen steht, die den Schritt in die Zukunft gemeinsam mit uns gehen wollen. Und es versteht sich von selbst, dass wir auf diesem Weg einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen wollen. park: Ist Work-Life-Balance ein Thema? Alexander Kopecek: Absolut! Denn in aspern Seestadt gibt es vom Börsegang bis zur Yogastunde alles. Will heißen, dass sich Lebens- und Arbeitswelt ergänzen, nebeneinander stehen und bestehen. Ob Baugruppe, Betrieb oder Büroanbindung. Und neben all der urbanen Geschäftigkeit bietet gerade die unmittelbare Nähe zu einem der schönsten Naherholungsgebiete Wiens – dem Nationalpark Donauauen – einen natürlichen Rückzugsort. Eine Spritztour mit dem aspern E-Bike rein ins grüne Wild der Großstadt ist ohne erwähnenswerten Zeitaufwand möglich. Ist das nicht das ideale Arbeitsumfeld? Zur Mittagspause kurz an den See oder an die Donau. Gleichzeitig garantiert die perfekte Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ein schnelles Erreichen des Stadtzentrums. In knapp einer halben Stunde ist man ab Oktober 2013 von der City in der Seestadt. Aktuell sind es überschaubare 40 Minuten mit U2 und Bus. aspern Seestadt ist gelebte Work-Life-Balance.

Dr. Alexander Kopecek vorstand der Wien 3420 Aspern development AG

der Gartenpolylog wurde 2010 eingeladen den

Mit dem Projekt Greenlab können wir in aspern

Seestadtgarten zu bespielen. veranstaltungen im

Seestadt die erfolgreiche Kooperation von space-

Garten wie das wienXtra-Ferienspiel, Garten-

lab und zwoPK fortsetzen und damit arbeitslosen

sprechstunden mit expertInnen und ähnliches

Jugendlichen Perspektiven zum Arbeitsmarkt

mehr begleiten seither die Gemeinschafts-

bzw. in Qualifizierung und Ausbildung bieten.

gärtnerInnen vor ort. Christoph Trauner, spacelab & Helge Schier, zwoPK

Fotos: wien3420 | DadaX

Yara Coca & David Stanzel, gartenpolylog

Wir experimentieren im „Sprungbrett Aspern“

Im Rahmen des F&e Projektes Pro Green City

in der Seestadt mit der partizipativen Realisie-

machen wir die vielfältigen effekte von vertikalen

rung experimenteller Architektur, um Know-

Grünwandsystemen auf Lebensqualität und Sicher-

How für nachhaltige Lebensraumentwicklung

heit messbar. die Messstationen befinden sich an

aufzubauen.

unterschiedlichen orten in europa. In aspern Seestadt haben wir das optimale Setting gefunden

Florian Bauernfeind, United Creations

unsere hydrip® Bewässerung auf voll bepflanzten Häusern von Grünwand anzuwenden. Stefan Glaser, Hydrip & Doris Schnepf, Grünwand


12·park·01|2012

Wieviel genügt

für ein gutes Leben? Der Soziologe Hubert Eichmann beobachtet die österreichische Kreativwirtschaft seit ihren Entstehungsjahren. Im Gespräch mit park durchleuchtet er den Typus des/der Kreativen, analysiert die Stärken und Probleme der kollaborativen Ökonomie und skizziert das Berufsbild Community-Management. KollWi.at – Geschichten aus der Kreativwirtschaft Für kleinere oder einpersonenunternehmen in der Kreativwirtschaft sind Kollaborationen eine wichtige Basis für längerfristigen erfolg. ob im Coworking-Space, über das beruf liche Netzwerk oder private Kontakte, eine Form der Zusammenarbeit ist meist schnell gefunden. ob allerdings eine Koopera-

park: Was war der Anlass, sich wissenschaftlich mit der Kreativwirtschaft zu befassen? Hubert Eichmann: Nach dem Platzen der DotcomBlase Anfang der 2000er Jahre haben Wirtschaft, Politik und Medien nach dem nächsten großen Ding gesucht. Ihre Hoffnungen ruhten auf den Kreativen, sowohl jene in Organisationen, als auch Selbstständige. Weil aber Firmen nicht mehr als ein notwendiges Quantum an Kreativität haben wollen, lagern sie diese aus und es kommt zu einer Schwemme an Selbstständigen in so genannten kreativen Businesses. Diese Veränderungen der Arbeitswelten waren für uns der Anlass, das Thema zu fokussieren.

Tätigkeiten als Designer, Fotograf, Videoproduzent etc. geht es stark darum, wie man seine Arbeitswelt nicht bzw. nicht mehr haben will. Darin liegt ein für die Zukunft wichtiger Aspekt. Denn, egal ob man inner- oder außerhalb der Kreativbranche arbeitet, Attribute wie Nonkonformismus und der Wille, althergebrachte Strukturen zu hinterfragen, werden immer wichtiger, wenn das klassische Wirtschaftsmodell zerbröselt. Außerdem helfen klassische Eigenschaften von Selbstständigkeit: Kooperationsbereitschaft, Flexibilität, Offenheit und die Bereitschaft, immer wieder etwas Neues anzufangen. Und: auf die Schnauze fallen und wieder aufstehen können ist definitiv eine Kernkompetenz.

Können wir mit einer Begriffsklärung beginnen? Was ist Kreativwirtschaft? Keine einfache Frage. Einerseits gibt es amtliche Statistiken und Kreativwirtschaftsberichte, die zwecks Vergleichbarkeit von Ländern europaweit standardisiert sind und die gleichen Branchen einschließen. Andererseits: Kreativität ist ja auch eine Frage der Selbstzuordnung. Menschen in tendenziell weniger kreativen Branchen haben ein viel größeres Bedürfnis, für kreativ gehalten zu werden, als zum Beispiel Künstler, die dieses Attribut eher ablehnen. Außerdem ist Kreativität weniger eine Eigenschaft von Branchen als von Personen. Es gibt kreative Bauern oder Angestellte bei Hofer, während in der Werbebranche auch die eine oder andere unkreative Null sitzt.

Das ist aber ein Minderheitenprogramm. Es wird natürlich auch in zwanzig Jahren nicht so sein, dass sechzig Prozent der Erwerbsbevölkerung kreative Menschen sein werden. Welche Wirtschaft soll die denn beschäftigen? Seit mindestens zwanzig Jahren dominiert unsere Gesellschaft eine Art Monotheismus, eine fixe Vorstellung davon, wie Wirtschaft zu organisieren ist: möglichst effizient, immer mehr vom Gleichen, Wachstumsorientierung usw. Wir brauchen aber einen neuen Polytheismus, um herauszufinden, welche ökonomischen Spielarten besser

Wie kam es dann zur Konjunktur des Begriffes Kreativwirtschaft? Der Begriff ist eine österreichische Notlösung, um etwas zu fassen, was als „creative industries“ aus dem angloamerikanischen Bereich gekommen ist. Zum Beispiel durch Theoretiker wie Richard Florida oder durch Tony Blair, der Englands Wirtschaft mithilfe der Kreativen retten wollte, weil es dort ja außer der Finanzwirtschaft kaum mehr beschäftigungswirksame Industrie gab. In Österreich wurde „creative industries“ zum Kampf begriff. Weil man vergaß, „industries“ korrekt als „Branchen“ zu übersetzen, spitzte sich die Debatte sofort auf den Antagonismus zwischen kreativem Schaffen und industrielle Verwertung zu. 2003 haben wir dann den Begriff Kreativwirtschaft durchgesetzt, der heute von der kreativen Wirtschaft abgelöst wurde.

funktionieren und welche nicht. Orientierung könnten Begriffe wie Sustainability, Resilienz und Suffizienz geben, die die Kreativwirtschaft zumindest in Ansätzen bereits verwirklicht. Auf gut Deutsch: ein nachhaltiges Wirtschaften, das sich schnell an verändernde Rahmenbedingungen anpasst bzw. negative Entwicklungen abfedert. Ein Wirtschaften, das nicht am Fetisch der Gewinnmaximierung, sondern an der Frage orientiert ist, welche Erträge für ein gutes Leben genügen.

tion wirklich für alle Beteiligten gewinnbringend ausfällt, ist keineswegs selbstverständlich. Auf www.KollWi.at erzählen vertreter der Kollaborativen (Kreativ-)Wirtschaft ehrlich und ausführlich, welche erfolge oder Probleme die Zusammenarbeit mit Partnern, Kunden oder Kollegen mit sich bringen kann. Was hat sich in der Praxis bewährt, worauf kommt es in einer Kooperation konkret an, welche Strategien sollte man verfolgen, welche Fehler vermeiden? themen wie Netzwerke, beruf licher

Viele Exponenten bringen den Mut auf, gegen den Strom zu schwimmen.

Werdegang, Akquisition und betriebswirtschaftliche Basics kommen ebenso zur Sprache wie Fragen zu Beruf und Familie, Work-Life-Balance, Lebensstandard und Gesundheit. Storytelling als Modus der Wissensvermittlung KollWi entstand aus einem Projekt des unabhängigen Forschungsinstituts FoRBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt): Um den „Umgang mit Ambivalenzen in der Kreativwirtschaft“ zu erforschen, interviewte ein 10-köpfiges team rund um Initiator Hubert eichmann etwa 100 vertreterInnen der Kreativwirtschaft. Zur vermittlung der gewonnenen erkenntnisse entschied man sich gegen ausufernde Berichte oder Leitlinien, sondern setzte auf die Wirkung von Geschichten, die es nun unter www.KollWi.at nachzulesen gibt.

Wie soll jemand, der in der Kreativwirtschaft tätig ist, seinen Eltern oder der Großmutter erklären, was er da tut? Falls es Sie tröstet, mir ist es auch nicht gelungen, meinen Eltern zu erklären, was ich als Soziologe mache. Für die Kreativwirtschaft typisch ist ein gewisser Abgrenzungsbedarf. Die Anderen, das sind die, die für Geld alles machen, nicht authentisch handeln, Leistungen ohne Spirit produzieren, keinen Sinn für Ästhetik haben, es sich in Bürokratien und Hierarchien bequem eingerichtet haben. Abgesehen von

Und das kann und soll die Kreativwirtschaft leisten? Letztlich geht’s doch auch in dieser Branche ums Geldverdienen, auch Kreative kriegen den Hals nicht voll. Nicht unbedingt. Viele Exponenten der Branche bringen den Mut auf, gegen den Strom zu schwimmen. Es braucht eine gewisse Willenskraft, um Nein sagen zu können. „Nein, ich will nicht weiter wachsen, denn ich weiß, was damit alles verbunden ist. Ich will einfach mein Ding durchziehen und nicht der Organisator fixer Abläufe in einer großen Organisation werden.“ Kreativwirtschaft passiert eben in Bereichen, die nicht standardisierbar sind, sondern Manufakturcharakter haben. Klingt ja ganz nett. Aber was sind die Schattenseiten? Die sind eine unmittelbare Folge der Sonnenseiten. Bei-


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dr. Hubert eichmann, Jahrgang 1969, aufgewachsen im Südburgenland. Nach der HAKMatura Studium der Soziologie. 1995 – 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für soziale Innovation. Seit 2003 bei FoRBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, www.forba.at), einem außeruniversitären Arbeitsforschungsinstitut in Wien, wo er seit 2006 teamleiter für „Nachhaltige Arbeits- und Lebenswelten“ – und damit verantwortlich für seine und die Auslastung von ein bis zwei Mitarbeitern ist. Hubert eichmann über sich selbst: „Ich habe meine wissenschaftliche Karriere als Jugendforscher begonnen, beschäftige mich derzeit mit der eigenen und der Selbstständigkeit anderer. enden werde ich wohl als Gerontologe“.

spiele gefällig? Menschen in der kreativen Wirtschaft gelten als originell, unkonventionell, ideenreich. Der Pferdefuß: sie fangen viel an, bringen wenig zu Ende, haben viel im Kopf, stellen kaum etwas auf die Beine. Divergentes Denken, Nonkonformismus, Intuition und Assoziationsfähigkeit – super. Aber zu viel davon bremsen jedes Projekt. Die Schattenseiten von Empfindsamkeit, Neugier und Offenheit heißen Divenhaftigkeit, Wehleidigkeit. Das Streben nach Autonomie schlägt oft in Einzelkämpfertum und mangelnde Kommunikationskultur um. Wer im antiökonomischen Affekt verhaftet bleibt, wird halt nicht sehr weit kommen und in Selbstmitleid enden. Angenommen, Politiker würden Sie um Rat fragen, was sie für die Menschen in der Kreativbranche tun sollen. Wozu würden Sie ihnen raten? Das Interesse an unserer Forschungsarbeit ist nicht sehr groß. Auch weil weder die Wirtschaftskammer noch die Arbeiterkammer sich der wirklich kleinen Selbstständigen annehmen. Wir bräuchten eine Art Selbstständigenkammer, nicht nur für die Kreativwirtschaft, sondern für alle, die als freie Dienstnehmer, Werkvertragsnehmer und EPUs weder klassische Arbeitnehmer noch Arbeitgeber sind. Das wäre aber nur die institutionelle Makroebene. Es lohnt aber ein präziser Blick auf die Mikroebene des selbstständigen Handelns. Dort liegen die eigentlichen Lösungsansätze, die dann aber jeweils von den Akteuren zu finden sind und nicht paternalistisch vom Staat oder irgendjemandem vorgegeben werden. Ich empfehle Politikern und Interessenvertretern, vor allem aber den Exponenten der Kreativwirtschaft selbst, sich unsere Geschichtensammlung auf www.KollWi.at (siehe Kasten) anzuschauen. Wir haben dort unsere empirische Beforschung der Szene in ein journalistisches Format gebracht, die einzelnen Interviews lassen sich nach unterschiedlichen Themen abrufen und als Anleitung für das eigene Handeln nutzen. Was sind die zentralen Ergebnisse Ihrer Forschungstätigkeit? Im Kern dreht sich alles um die Schwierigkeiten der Kollaboration, sei es mit Partnern oder mit Auftraggebern und Kunden. Das spiegelt sich in ganz einfachen Fragen wider: Wie ticke ich für jemanden Außenstehenden, wie viel Nähe

hält man überhaupt aus? An solchen Problemen scheitern sehr viele. Oder das Thema Arbeitsorganisation. Es klingelt laut, wenn jemand sagt, bei uns machen alle alles – das geht mit Sicherheit schief. Oder: warum zerbrechen Teams just dann, wenn endlich der Rubel rollt? Weil Konf likte auf brechen, die schon zuvor virulent waren – in der Regel werfen die inhaltlich und sozial Kompetenteren dann die weniger Kompetenten hinaus. Weitere Themen: Vertrauen versus Vertrag, Schutz eigener Ideen etc. Ein Klassiker auch folgende Situation: Junger unerfahrener Kreativer trifft auf unerfahrenen Kunden. Ein Jungdesigner macht dem Jungwinzer kreative Vorschläge, ohne die kommunikativen Abläufe im Weingut zu kennen. Der Jungwinzer versteht wenig von Briefing. Da kommt es unausweichlich zum Crash. Themenwechsel: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Co-Working-Szene in den vergangenen Jahren? Welche Ratschläge würden Sie Gründern und Betreibern von CoWorking-Spaces mitgeben? Wäre ich ein Unternehmertyp, würde ich eine Art „Schraubenfabrik“ für Wissenschafter nachbauen. In unserer Branche gibt es ebenfalls viele Selbstständige, freie Lektoren etc., die meist nur vage irgendwo angedockt sich schwer tun, an Lehr- und Forschungsaufträge zu kommen. Die müssten doch hoch interessiert an Co-Working sein. Bestehenden Co-Working-Spaces rate ich, über die Klientel der Kreativwirtschaft hinaus zu denken und die unter einem Dach beheimateten Professionen stärker zu durchmischen. Die klassischen Co-Worker könnten besser verdienen, wenn auch Leute wie ich, oder, noch besser, ein paar Innovationsmanager von Siemens in ihren Spaces sitzen. Das entspräche auch dem Sinn der verschiedenen Förderprogramme: Menschen aus der Kreativwirtschaft mit klassischen Unternehmen zusammen zu bringen. Taugt die Co-Working-Szene als Modell aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen? Stellen wir die Frage doch in einen größeren Kontext. Vor zwanzig bis dreißig Jahren hatten wir etwa folgende Situation [schiebt vier Bierkapseln am Tisch eng zusammen]. Heute hat sich längst alles auseinander entwickelt [schiebt

die Bierkapseln in unterschiedliche Richtungen] – die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen und Lebenswelten wird immer schwieriger. Da braucht es eine Fortentwicklung dessen, was in urbanen Co-Working-Spaces „Hausmasta“ genannt wird. Die Manager und Organisatoren des kollaborativen Arbeitens könnten sich weiterentwickeln zu Community-Managern. Ihre Aufgabe wäre es, Menschen aus verschiedenen Kontexten zusammenzubringen. Wie könnte dieser Job konkret ausschauen? Nehmen wir vier Biobauern aus dem Weinviertel, die nach Abnehmern ihrer Ware in Wien suchen. Der CommunityManager findet für sie die geeigneten Menschen. Z. B. einen Gemeindebau, dessen Erdgeschoßlokale leer stehen und zweimal pro Woche belebt werden. 3.000 potentielle Kunden! Auch im Gemeindebau gibt es Leute, die lieber auf Qualität und Nachhaltigkeit als auf Massenkonsum und Supermarktangebot setzen. Oder umgekehrt: ein Community-Manager findet Landgemeinden, die sich zusammentun, um Architekten, Raumplaner und andere Kreativschaffende aus den Metropolen rauszulocken. CommunityManagement oder Social Design sind ein Geschäftsmodell der Zukunft. Interview: Martin Lengauer & Michael Pöll Mitarbeit: tim Meindl & eva Neumeier

e, die ere Aufgab d n a e in e denen der en haben ß g e ä g m in e h g s ls g a rkin muss des Co-Wo zt werden t e s e g m Die Räume u n r ren Muste nach ande nsformen. io t a is n a g r O politischen


AdveRtoRIAL

Der Mikrokredit vom BMASK

Sich fördern lassen! Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) fördert Unternehmensgründungen durch das Projekt „Der Mikrokredit“, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern oder die Erweiterung eines kleinen Unternehmens zu finanzieren – auch wenn Eigenkapital und Sicherheiten fehlen. Projektleiter Mag. Claus Dostal von ÖSB Consulting beantwortet für park oft gestellte Fragen.

Der Mikrokredit Kostenlose Info-Hotline: 0800-800 807 e-Mail: dermikrokredit@oesb.at Website: www.dermikrokredit.at

park: Welches Ziel verfolgt das BMASK mit diesem Projekt? Das BMASK hat das Ziel mit dieser Förderungsmaßnahme Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei richtet sich „Der Mikrokredit“ an Personen, die eine gute Gründungsidee haben, jedoch keine banküblichen Sicherheiten um ihr Projekt zu finanzieren. Auch bereits Selbstständige können unter bestimmten Voraussetzungen einen Antrag stellen.

Facebook: www.facebook.com/ dermikrokredit.at

Wer sind die Projektpartner? An dem Projekt sind neben dem BMASK folgende Institutionen beteiligt: Die Austria Wirtschafts Service GmbH, die Erste Bank Gruppe, sowie die Sparkassen, alle Landesregierungen, die Wienerstädtische Versicherung und CARE Österreich.

„durch ‚der Mikrokredit‘ können Unternehmen erfolgreich werden, die sonst nicht verwirklicht werden könnten.“ Claus dostal ist Projektleiter für „der

Welche Rolle spielt dabei die ÖSB Consulting? Die ÖSB Consulting unterstützt die AntragstellerInnen bei der Erarbeitung eines Antrags. D.h. unsere BeraterInnen stehen via Telefon und E-Mail für Interessentinnen und Interessenten zur Verfügung. Außerdem übernehmen wir die Koordination zwischen Kundinnen und Kunden, den teilnehmenden Instituten und dem BMASK.

Mikrokredit“ bei ÖSB

Wo kann ein Antrag gestellt werden? Der Antrag kann online auf www.dermikrokredit.at gestellt derInnen. werden. Diese Plattform kann - nach erfolgter kostenloser Registrierung - auch zur Erstellung eines Geschäftskonzepts verwendet werden. Zudem wird betriebswirtschaftliches KnowUR_TOMBECK_WIENERZTG_297x210mm_4c_05-06-2012_RZ_A4 05.06.12 21:37 Seite 1

how zur Verfügung gestellt und es werden Tipps gegeben, worauf bei einer Gründung zu achten ist. Wer ist die Zielgruppe und wie sind die Konditionen? Es können pro Person maximal 12.500 Euro beantragt werden. Antragsberechtigt sind Einzelunternehmen oder Personengesellschaften. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, der Zinssatz ist fix bei derzeit 4,05 Prozent. Die Rückzahlung erfolgt quartalsweise, immer an jedem 1. eines Quartals. Bei den ersten beiden Zahlungen werden nur die Zinsen fällig. Die Tilgung beginnt mit der dritten Rate. Was sind die größten Hürden für GründerInnen? Das Wichtigste ist eine gute Planung. GründerInnen sind Expertinnen und Experten in ihrem Fachgebiet, beim Erstellen eines Geschäftskonzepts haben sie aber oft wenig Erfahrung. Das ist ein nicht zu unterschätzender Stolperstein. Nur, wer sich mit den Finanzen detailliert befasst, weiß, ob letztlich auch genügend Umsatz zum Gelingen der Geschäftsidee möglich wäre. Die Frage, wie die ersten Umsätze lukriert werden sollen, ist ebenso essentiell. Professionelles Marketing ist dabei unabdingbar.

Consulting und berät Unternehmensgrün-

Was macht Ihnen bei der Arbeit besonders große Freude? Zu sehen, wenn Projekte erfolgreich sind, die sonst keine Möglichkeit auf eine Verwirklichung erhalten hätten.

Utopische Realisierungen Wir glauben daran, dass in jedem Problem die innovative Lösung enthalten ist. Wir begleiten Sie und Ihre Unternehmung in schwierigen Entwicklungsphasen, ungen Konflikten, Krisen und sogar in der r e i s i l h e Re a Be c k c s i p o Ut reas e n .c o m d g n n u A r s e i Katastrophe. Alles in die größte Kraft – Thoma erealis h c s i p o t u b e c k@ 35 13 18 – 19 6 / 3 6 3 5 . 4 e 6 engass im Sinne einer ganzheitlichen Führung, T +4 3 . 6 d n i L | enna H u b Vi ien 1 0 70 W der Verwirklichung von Träumen und einer Wirtschaft der Freude. Wir schaffen es: begegnen, verstehen, lösen, tun.


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Projekt: Foto | Stefan Leitner-Sidl

Mehr Lebensqualität

verena Brandtner, 34 ist PR-Beraterin, lebt in Wien und Niederösterreich

Foto | privat

m Hans-Peter Waldbauer, 43

Foto | Stefan Leitner-Sidl

ist Sozialpädagoge und lebt in Wien.

Marianne Schulze, 37 Menschenrechtskonsulentin und lebt in Wien.

Der Au t und is or: Sergio B t seit o 30 Ja logna, 1937 tätig. h re E i Arbeit r beschäfti n als selbs n Triest ge b gt sich sform tstän en. Au diger oren, lebt i der M s e i t l B n f a ittels chicht Deutsch er ngem theo erater im B Mailand en. Th ereich r esen z schienen ist etisch mit den n Logistik ur neu sein B eu u en Sel bststä ch „Die Zer en st ndigke it“ (20 örung 05). park hat drei Personen gefragt, was ihnen für ihre

Lebensqualität fehlte, was sie änderten und wie es ihnen nun damit geht.

Ziemlich schnell nach Studienabschluss habe ich mich als PR-Beraterin selbstständig gemacht. Wahrscheinlich zu schnell, denn ich hatte noch nicht genug ausprobiert. Daher entschloss ich mich nach einiger Zeit, ein attraktives Angebot in einer Organisation anzunehmen. Ein paar Dienstverträge in sehr guten und aussichtsreichen Positionen. Später war mir jedoch klar: Mit dem starren Anstellungssystem werde ich – trotz interessanter Aufgabengebiete - nicht glücklich: Täglich von 9-5 arbeiten zu müssen, auch wenn mir mal andere Zeiten besser gepasst hätten, war nicht meines. Die vielen geleisteten Mehrstunden, die nicht entsprechend gewürdigt wurden, nahmen mir die Freude an der Arbeit und die Zeit für das, was man in der Anstellungswelt „Freizeit“ nennt. Interne Probleme und Befindlichkeiten sowie ineffiziente Strukturen zehrten auf Dauer an meinen Nerven. Vor lauter „wichtigen Kleinigkeiten“ kam ich kaum zu meinen eigentlichen Aufgaben. In Summe war das ziemlich aufreibend. Mit der negativen Energie, die ich rumschleppte, hätte man ein Kraftwerk betreiben können!

Daher entschloss ich mich, wieder selbstständig zu arbeiten.

Nach mehr als sieben Jahren in der Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung kam die Idee einer beruf lichen Auszeit in Form einer Bildungskarenz. Von Juni 2011 bis April 2012 war ich die meiste Zeit zu Hause und besuchte ausgewählte Lehrveranstaltungen an der Uni Wien. Diese Auszeit entwickelte sich rasch zu einer Nachdenk-Zeit. Themen, die mich schon in meinen SoziologieStudienzeiten interessierten, gewannen für mich wieder an Aktualität: Die Folgen der Globalisierung, ungerechte Arbeits- und Lebensbedingungen, Produktionsbedingungen von Lebensmitteln, die Wirtschafts- und Finanzkrise. Im Gegensatz zu meinen Ansätzen aus der Studienzeit (die PolitikerInnen müssen was ändern!, die „da oben“ sind schuld!, es braucht die Weltrevolution!), beschloss ich, diesmal bei mir selbst anzufangen. Ich wollte mehr darauf achten, was ich wirklich brauche und wie und wo ich es besorge. Und die Qualität dessen, was mir am Nächsten ist, von Essen, das ich in mich aufnehme und Kleidung, die ich auf meiner Haut trage, war für mich dabei von besonderer Bedeutung.

So meldete ich mich heuer für eine Parzelle in einem Selbsterntegarten an.

Bis in meine Studienzeit hinein habe ich regelmäßig Klavierunterricht genommen, nach dem Auslandssemester war die Klavierlehrerin jedoch nicht mehr auffindbar und ich habe hin und wieder selber „geklimpert.“ Das war ok, aber nicht wirklich so wie früher, als die Musik ein wichtiger Faktor in meinem Leben war, ein mentaler Ausgleich für die Kopfarbeit. Bei einem Konzert habe ich ein Stück, das ich selbst ein Mal gespielt hatte, gehört und habe mich am nächsten Tag hingesetzt und es sehr enthusiastisch versucht – um kläglich zu scheitern. Gleichzeitig ist mir klar geworden, wie sehr mir das regelmäßige Spielen abging. Dank Internet habe ich meine ehemalige Lehrerin gesucht und innerhalb kurzer Zeit gefunden.

Darauf hin entschloss ich mich, wieder regelmäßig Klavierstunden zu nehmen.

Anstatt mich weiter zu ärgern habe ich diese Kraft und Energie in meinen Beruf als PR-Beraterin investiert. Das Ergebnis ist, dass ich heute, gefühlt weniger arbeite als in meiner Zeit als Angestellte. Ich kann mir große freie Zeiten und kleine Auszeiten für andere Aktivitäten nehmen, bin mit meiner Arbeit und meinem Einkommen sehr zufrieden und in Summe ein viel ausgeglichenerer Mensch. Auch die Personen um mich herum sind ziemlich dankbar dafür. Klar bringt die Selbstständigkeit viele Unsicherheiten mit sich. Aber die Freiheit und Flexibilität, die ich gewonnen habe, machen die Unsicherheit mehr als wett – zumal die Sicherheit einer Anstellung schnell in Abhängigkeit umschlagen kann. Das Beste an meiner Selbstbestimmtheit: Wenn der Kopf nicht die ganze Zeit durch Ärger blockiert ist, wird der Blick wieder klar und man sieht, was alles möglich ist.

Das hat sich in mehrfacher Hinsicht positiv auf mich und meine Familie ausgewirkt. Die zwei kleineren unserer vier Kinder haben eifrig beim „Garteln“ geholfen, es war für uns familiäre Qualitätszeit. Die Großen bemerkten spätestens beim Essen, dass „unser“ Biogemüse wirklich gut schmeckt. Die Arbeit im Selbsterntegarten hat mich im wahrsten Sinn geerdet, was sich im Familienleben und sogar im Berufsleben immer wieder bemerkbar machte. Meine Frau und die Kinder haben mich unterstützt, niemand hat das „Garteln“ und die Energien, die ich und die anderen hineingesteckt haben, je in Frage gestellt. Somit bin ich mit dem Ergebnis rundum zufrieden. Ich verbringe jetzt viele Stunden auf den 80 m², die für eine Saison lang mir und zwei Freunden „gehören“. Sie zählen zu der stressfreiesten Zeit in den letzten Jahren. Alles ist unter freiem Himmel, An- und Abfahrt mit den Öffis reichen schon zum „Runterkommen“. Am nachhaltigsten haben sich jedoch meine Essgewohnheiten verändert. Ich esse kaum noch Fleisch, was für mich an ein kleines Wunder grenzt! Mein persönliches Ziel für die nächsten Jahre ist: Weniger Büroarbeit – mehr Gartenarbeit.

Es ist für mich der totale Luxus und gleichzeitig eine persönliche Notwendigkeit. Der Luxus, am helllichten Vormittag, wenn man „produktiv“ sein sollte, die Noten aufzuschlagen und Bach vierstimmig vom Blatt zu spielen, die Notwendigkeit, die mentale Balance zu halten bzw. fallweise wieder herzustellen. Natürlich geht es auch um ein Stück Freiheit, das meine Selbstständigkeit ermöglicht – in jedem Wortsinn „abschalten“ zu können und das mitten am Tag. Berufsbedingt schreibe ich sehr viel, zum Glück habe ich mir damit nie schwer getan. Regelmäßig Klavier zu spielen, macht’s aber eindeutig um vieles leichter. Vor kniff ligen Terminen schiebe ich öfter eine Klavierstunde ein, ganz bewusst, weil alles, was nach sechs Kreuzvorzeichen und dann vielleicht noch fünf Doppelkreuzen kommt, kann nur undramatisch eb. sein. inger (g

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