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Mehr Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden Gerätesport: Matthias Geiger empfiehlt Anamnese vor dem Start / Auf Person abgestimmter Trainingsplan

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Carmen Herbst und Matthias Geiger betreiben in Friesenheim das FitnessStudio »Active 30 plus«. Foto: cbs

raft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination – das sind die Grundpfeiler für ein gesundheitsbewusstes Training. Um mehr Kraft zum Beispiel in der Rückenmuskulatur zu erhalten, gibt es in Fitness-Studios bestimmte Geräte, an denen man gezielt trainieren kann, ansonsten stehen auch Geräte und Übungen für ein funktionelles Krafttraining zur Verfügung, erklärt Matthias Geiger, der das »Active 30 plus« in Friesenheim betreibt. An Fahrrad- und Ruderergometern, Laufbändern und Crosstrainern lässt sich die Ausdauer verbessern. Und zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination bieten Fitness-Studios unterschiedlichste Kurse an. Als positive Auswirkungen auf die Gesundheit nennt Geiger die Linderung von Rücken- oder sonstigen Gelenkbeschwerden, die Verbesserung der Leistungsfähigkeit sowie die Steigerung des

Wohlbefindens, der Vitalität und nicht zuletzt der Lebensfreude. Wer ernsthaft etwas für seine Gesundheit oder gegen seine Gelenk- oder anderweitigen Probleme unternehmen möchte, sollte auf jeden Fall vor dem ersten Training eine Anamnese durchführen lassen, rät Geiger. »In den meisten FitnessStudios wird das von qualifizierten Trainern übernommen.« Daraufhin werde ein auf die Person und deren Ziele abgestimmter Trainingsplan erarbeitet. Ein Trend gehe zu Angeboten, die mit wenig Zeit- und einem geringen Bewegungsaufwand durchzuführen sind. »Meiner Meinung nach sollte ein Training indes nicht nur der körperlichen Ertüchtigung dienen, sondern auch zum Ausgleich zu Beruf und Alltag genutzt werden, in denen es ja immer schneller und hektischer zugeht«, findet Geiger. n

von Matthias Buschert

Branche spricht neue Zielgruppen an Interview: Wahl des richtigen Fitness-Studios ist individuelle Entscheidung / Übungen auch fürs Büro

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as Gerätetraining ist für viele Menschen jedweden Alters wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Wir sprachen darüber mit Fabian Baumgart, Regionalgeschäftsführer der Krankenversicherung Barmer aus Lahr. Herr Baumgart, Thema Gerätetraining, da hat sich doch einiges gewandelt. Mucki-Bude, das war früher, oder? In den Fitness-Studios stehen immer noch die gute alte Hantelbank und die Beinpresse zum Muskelaufbau. Aber natürlich hat sich die Branche weiterentwickelt. Trainingsgeräte wie die Power Plate oder zur Elektromuskelstimulation – Stichwort EMS – kannte vor 20 Jahren niemand. Damit spricht die Branche auch ganz neue Zielgruppen an. Vielfach gibt es heute Chipkarten und computergesteuerte Geräte – heißt das, dass es keine Betreuung mehr braucht? Keineswegs. Wenn Ihnen auf dem Laufband die Puste ausgeht und Ihnen niemand gezeigt hat, wo die Stopp-Taste ist, dann ist das schlecht. Spaß beiseite. Zum einen muss man schlicht wissen, wie die Geräte funktionieren, und es ist wichtig, dass die Übungen korrekt ausgeführt werden, um den gewünschten Trainingseffekt

zu erzielen und Verletzungen zu vermeiden. Deshalb ersetzen die neuen Trainingsgeräte keineswegs das Wissen und das geschulte Auge eines erfahrenen, qualifizierten Trainers. Und wie oft sollte an Geräten trainiert werden? Wenn man mit dem eigenen Körpergewicht oder an Geräten trainiert, dann sind drei bis vier Einheiten pro Woche von 45 bis 60 Minuten Länge optimal. Gerätetraining zuhause – geht das auch? Natürlich geht das, und dafür benötigt man noch nicht einmal eine teure Ausstattung. Man kann auch einen Stuhl oder Schreibtisch als Trainingsgerät nutzen, etwa um Liegestütz durchzuführen oder mit den sogenannten Dips die obere Rü-

Im Gespräch mit

Fabian Baumgart ckenmuskulatur, Brustmuskulatur und Armstrecker zu trainieren. Auf unserer Webseite zeigen wir in Videos, wie die Übungen korrekt ausgeführt werden. Sol-

che Übungen sind auch bestens geeignet, um Bewegung in den Büroalltag zu bringen, denn wir sitzen nachweislich viel zu viel. Premium-Clubs auf der einen, BilligStudios auf der anderen Seite. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Das ist eine Sache von Angebot und Nachfrage. Wie die Entwicklung auf diesem Markt weitergehen wird, vermag ich aber nicht einzuschätzen. Die Wahl des richtigen Fitness-Studios: Was passt zu wem? Können Sie Entscheidungshilfen geben? Krankenkassen dürfen den Besuch eines Fitness-Studios nicht bezuschussen. Deshalb kann ich hier nicht wirklich eine Hilfestellung geben. Grundsätzlich ist die Wahl des richtigen Studios eine individuelle Entscheidung. Die einen legen Wert auf ein umfangreiches Kursangebot, anderen ist ein gut ausgestatteter Gerätepark wichtiger. Worauf aber jeder achten kann, ist, ob das Fitnessstudio das Prüfsiegel des Tüv Rheinland trägt. Dieser überprüft unter anderem die Anzahl und Qualifikation der eingesetzten Trainer und die Sicherheit der Sportgeräte. n

Die Fragen stellte Matthias Buschert.


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Es muss nicht Mallorca sein Outdoor: Schwarzwaldvereine möchten die Menschen anregen, etwas zu unternehmen / Auch Jüngere gehen gerne wandern

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ie Natur genießen, sich bewegen, vom Alltag abschalten: Wandern gehört zu den liebsten Freizeitaktivitäten der Deutschen. Sein verstaubtes Image hat der Outdoor-Sport längst abgeschüttelt, Wandern liegt nach wie vor im Trend – bei Jung und Alt. Auch Eberhard Stulz stellt fest: »Wandern ist in den vergangenen Jahren immer attraktiver geworden.« Der Ehrenvorsitzende des Lahrer Schwarzwaldvereins findet es besonders erfreulich, dass das Wandern-Wollen auch auf Jüngere sowie auf Familien mit Kindern übergegangen ist. Dass sich im Schwarzwaldverein nur Senioren treffen, über dieses Vorurteil kann Stulz nur müde lächeln. Vielmehr sei »der alte Schwarzwaldverein jung geblieben«, verweist er auf das mehr als 140-jährige Bestehen der Ortsgruppe Lahr. In dieser Zeit habe sich der Verein vielen Wandlungen unterzogen. Das wird auch im aktuellen Jahresprogramm deutlich. Dieses enthält mehr als 80 Wanderangebote mit unterschiedlichsten Themen – von Wandern mit Kindern über Touren mit Hunden bis hin zu Fernwanderungen. Auch Mountainbiker kommen auf ihre Kosten.

Natur und Heimat: Ortsgruppen bringen beides näher »Jetzt wohne ich schon so lange hier, aber ich habe gar nicht gewusst, dass ...«: Sätze wie diese hat Eberhard Stulz in seiner Funktion als Wanderführer zuhauf gehört. Etwa, dass die Schutter auf dem Hünersedel entspringt. Der Schwarzwaldverein bietet hierzu eine Tour von der Quelle bis zur Mündung der Schutter in Neumühl. Es brauche jedenfalls keine Wanderwoche auf Mallorca, betont Stulz, in der Region gebe es so viel zu entdecken. »Die mit Löwenzahn übersäten Wiesen im Schuttertal, da geht einem doch das Herz auf.« Voraussetzung ist aber, der Heimat mit offenen Augen zu begegnen. Die Intention des Vereins ist es deshalb auch, die Menschen sensibel zu machen, wieder nach rechts und links zu schauen. »Das Navi ist eine tolle Sache«, erläutert Stulz, der 14 Jahre lang Vorsitzender der Ortsgruppe Lahr war, »aber wir verlieren den Sinn, sich persönlich mit dem zu beschäftigen, was entlang der Wegstrecke zu sehen ist«. Und das sei »unwahrscheinlich viel«. Natur und Heimat erleben, das sind die Hauptgründe fürs Wandern. Die rund 230 Ortsgruppen des Schwarzwaldvereins bringen beides näher und geben sich viel Mühe, der Bevölkerung etwas Besonderes anzubieten. Stulz nennt beispielhaft die vielen Qualitätswege, die geschaffen und

Beim Wandern in der Region gibt es viel zu entdecken, betont Eberhard Stulz (vorne rechts) von der Lahrer Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins. Foto: Archiv von einer Kommission des deutschen Wanderverbands zertifiziert worden sind. »Das erfordert viel ehrenamtliche Arbeit, getragen von dem Willen, die Menschen hinterm Ofen vorzulocken.« Dass dies gelingt, beweist der Zulauf bei den geführten Wanderungen der Schwarzwaldvereine. Die Ortsgruppen übernehmen auch die Unterhaltung/Beschilderung der Wanderwege – ehrenamtliche Arbeit, die jedem Wanderer zugute kommt.

Eine geführte Wanderung bietet sich als ein »bequemer Einstieg« an Neuestes »Lockmittel« der Ortsgruppe Lahr ist der Wickertsheimer Weg. Über den Weg, eine Initiative von Eberhard Stulz, hat Lahr seinen Heimatmaler wiederentdeckt. »Wir möchten die Menschen anregen, etwas zu unternehmen«, erklärt Stulz. »Dann kommen sie allein auf den Geschmack.« Unbestritten sind auch die Auswirkungen des Wanderns auf die Gesundheit. Es trainiert den ganzen Körper und vor allem das Herz-Kreislauf-System.

»Egal, wie anstrengend es war, ich habe mich nach einer Wanderung immer wohl und gesund gefühlt«, betont Stulz. Der heute 79-Jährige konnte sich übrigens anfangs gar nicht vorstellen, in einer Gruppe zu wandern. Bis er vor rund 40 Jahren zum Schwarzwaldverein gekommen ist. »Dort habe ich festgestellt, dass Wandern in der Gruppe sehr bereichernd sein kann.« Eine Erfahrung von Stulz ist, dass »die Leute geführt werden wollen, sie trauen sich nicht, etwas selbst zu organisieren.« Deshalb sei eine geführte Wanderung des Schwarzwaldvereins ein »bequemer Einstieg« ins Wandern. Oftmals öffne sich dann die Perspektive: »Das war nicht das letzte Mal, dass ich das gemacht habe.« In der Gruppe, so Stulz, lernt man Wandern als Erlebnis kennen und sammelt auch Erfahrungen, was die Ausrüstung und die eigene Leistungsfähigkeit angeht. Viel Trinken, wenig Essen und einen möglichst leichten Rucksack sind grundlegende Tipps des Experten. Vernünftig sei es, mit Stöcken zu wandern, da dies die Gelenke entlaste. von Matthias Buschert


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»Das E-Bike ist das Rad der Zukunft« Technik: Kein Ende des Booms ins Sicht / Längere Fahrten ohne größere Anstrengung

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er Trend ist ungebrochen – und er wird auch so schnell nicht abnehmen. Wenn es nach Markus Kollmer von Kollmer Bikes in Lahr geht, dann wird in absehbarer Zeit das E-Bike dasjenige sein, was wir als Fahrrad bezeichnen. »Es wird zwar das herkömmliche Rad nicht verdrängen, aber es wird der Hauptmarkt«, blickt Kollmer voraus. Für ihn steht fest: »Das E-Bike ist das Rad der Zukunft.« Warum, liegt für ihn auf der Hand: Der »Stromer« schaffe nur Vorteile, Nachteile fallen ihm keine ein. Mit einem E-Bike müsse man Touren nicht eingrenzen, selbst größere Fahrten seien dadurch möglich – ohne sein Belastungslimit zu überschreiten. »Fahrradfahren wird so noch schöner«, schlussfolgert Kollmer, der davon ausgeht, dass auch immer mehr Pendler auf das motorisierte Fahrzeug umsteigen werden. Für sie das E-Bike ideal, um Bewegung auf einfache Art in den Alltag zu integrieren. Wie sich der Boom bei den Händlern niederschlägt, verdeutlicht Hans-Jürgen Willert, Inhaber von DerBiker24 in Friesenheim: »Jedes zweite verkaufte Rad hat heute einen Motor.« Die Steigerung der EBike-Verkaufszahlen beträgt bei ihm jedes Jahr 10 bis 20 Prozent. Hauptsächlich sind es City-Räder, die er an eine vornehmlich ältere Zielgruppe

absetzt. »45 aufwärts« nennt Willert das klassische Alter zum Einstieg in die EPower. Schließlich sei das motorisierte Rad eine Riesen-Erleichterung, die zu mehr Bewegung animiere: »Statt fünf Kilometer mit einem herkömmlichen Rad fahren Sie mit einem E-Bike 20 bis 30 Kilometer«, betont Willert.

Kaum noch ein Segment ohne Motor

Die Technik entwickelt sich derweil rasant. »Der Fortschritt allein in den vergangenen Jahren ist enorm«, erklärt Bernhard Schmidt vom Haslacher Fachgeschäft Schmidt Bike Shop. Es gibt kaum ein Fahrradsegment, das noch ohne Motor auskommt. Die Bandbreite reicht von komfortabel auf der Straße über sportlich im Gelände mit Mountain-E-Bikes bis hin zum Lastentransport, erläutert Schmidt: »Für jeden Geschmack und Anlass gibt es das passende Rad.« Technisch gesehen, werde der E-Bike-Markt mächtig in Bewegung bleiben. »Im schnellen Takt kommen neue Produkte und Innovationen auf den Markt«, sagt Schmidt. Angesichts dieser Dynamik gelte es, den Überblick zu bewahren. Und für diesen sorgt am besten der Fachhändler. n

von Matthias Buschert

Das E-Bike gilt als ideal, um Bewegung auf einfache Art in den Alltag zu integrieren. Foto: pd-f

Kleidung sollte leicht und funktionell sein

Impressum

Ausrüstung: Kompetente Beratung öffnet Augen / Richtiger Schuh das A und O

»Wir bewegen« ist eine Sonderveröffentlichung des Verlags der Lahrer Zeitung GmbH

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s muss nicht gleich die Profi-Ausstattung sein, aber beim Einstieg in den Sport sollte man gewisse Empfehlungen, was die Kleidung angeht, beachten. »Leicht und funktionell« soll sie sein, sagt Björn Mann, Sportfachverkäufer im Sport Service Lahr. Atmungsaktive Funktionskleidung sorgt nach seinen Angaben für ein trockenes, angenehmes Gefühl, indem die Nässe von innen nach außen abtransportiert wird. Mann empfiehlt den Zwiebel-Look – »damit ich auch eine Schicht ausziehen kann, wenn ich anfange zu schwitzen«. Wahre Alleskönner sind heute moderne Jacken: »Die Wanderjacke kann ich auch zum Radfahren oder Bummeln anziehen«, verweist Mann auf die neue Multifunktionalität. Unabdingbar: ein gutes Schuhwerk, abgestimmt auf das Einsatzgebiet. Im hochalpinen Bereich ist, so Mann, ein festerer Wanderschuh etwa notwendiger als

im Schwarzwald. Auch beim Profil gebe es Unterschiede. Die richtigen Wandersocken wiederum sorgen für die korrekte Passform und verhindern nasse Füße. Als Trend nennen er sowie Richard Kienzler von Sport Sandhas in Haslach Merino-Wolle, eine natürliche Alternative zu synthetischem Material. »Ob Regenoder Soft-Shell-Jacke, eine Jacke kann deutlich mehr, wenn ich in das Material investiere«, verweist Kienzler auf Qualitätsware. Manche Preise mögen zunächst abschrecken, der Kunde sehe sie aber nach einer kompetenten Beratung mit anderen Augen. Hierzu zählt für ihn etwa eine Laufanalyse, um den richtigen Laufschuh herauszufinden. Denn, betont Kienzler: »Je mehr ich mich in einer Sportart bewege, desto wichtiger ist die richtige Ausrüstung.» n

von Matthias Buschert

Verlag und Herausgeber Lahrer Zeitung GmbH Kreuzstraße 9, 77933 Lahr Geschäftsführung und Anzeigenleitung Ulrike Lambart Redaktion Jörg Braun, (V.i.S.d.P.), Matthias Buschert Druck Druckzentrum Südwest GmbH Villingen-Schwenningen Erscheinungstermin 10. Juni 2017


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Keine Zeit zum Toben: Der Bewegungsmangel fängt bereits im Kindesalter an. Die Folgen sind motorische Defizite und gesundheitliche Einschränkungen. Foto: AOK-Mediendienst

»Unser Körper muss gefordert werden – sonst baut er immer mehr ab« Interview: Dominik Hertlein verdeutlicht, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist und wie man sie in den Alltag integriert

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ominik Hertlein betreut das AOK-Rückenstudio in Lahr und ist im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement und in nichtbetrieblichen Lebenswelten wie Schulen und Vereinen tätig, auch im Kinzigtal. Im Interview verdeutlicht der Sportwissenschaftler, wie wichtig Bewegung für die Gesundheit ist und wie man sie in den Alltag integriert. Herr Hertlein, körperliche Aktivität kommt im Alltag vieler Menschen häufig zu kurz. Welche Auswirkungen hat der Bewegungsmangel? Der menschliche Körper passt sich an regelmäßige Belastungen an, im positiven wie im negativen Sinne. Der Alltag hat uns oft fest im Griff, sodass wir uns weniger für uns bewegen, sondern vielmehr, um andere Ziele zu verfolgen. Hierbei

Im Gespräch mit

Dominik Hertlein verfällt man unbewusst in eine Schonhaltung, da der Körper dann Energie spart oder Schmerzen aus dem Weg geht. Degenerative Veränderungen machen sich aber bemerkbar. Bei dem einen früher, bei den anderen später. Je nach Ausprägung eben. Die Folge: Beschwerden, Verspannungen oder auch Schmerzen verhindern weitere Aktivitäten, die Belastbarkeit sinkt. Je nachdem, wo die eigenen Schwachstellen sind, sind Gelenkstruktu-

ren (wie etwa Wirbelsäule, Hüfte oder Knie), Blutkreislauf (zum Beispiel Herzprobleme, Arteriosklerose, Bluthochdruck) oder auch der Stoffwechsel (Übergewicht, Diabetes) betroffen – nicht selten auch in Kombination. Lässt sich dies auch bei den Kindern schon feststellen? Motorische Grundlagen sind heute leider nicht mehr selbstverständlich. Waren die Kinder früher draußen zum Toben und Spielen, so verbringen sie heute deutlich mehr Zeit mit Computerspielen oder Fernsehen. Kein Wunder also, dass schon einfache Gleichgewichtsübungen wie auf einem Bein stehen oder einen Purzelbaum schlagen den Kleinen schwer fällt. Es ist auch zunehmend erkennbar, dass immer mehr junge Menschen an Verschleißerscheinungen leiden. Was sind die Gründe hierfür? Wie kann man beim Nachwuchs gegensteuern? Technische Neuerungen vereinfachen das Leben zunehmend. Unser Körper muss gefordert werden, sonst baut er immer mehr ab. Einfacher und bequemer fühlt sich für den Moment zwar gut an – diese Unterbelastung ist aber auf Dauer genauso ungesund wie Überlastung. Auch häufiges Sitzen stellt eine hohe Belastung dar, wofür unser Körper, im speziellen der der Kinder, nicht gemacht ist. Kindgerechter wäre ein Lebensraum, der viel Abwechslung bietet und Dynamik in den Alltag bringt. So kann sich der kindliche oder jugendliche Körper physisch und psychisch besser entfalten.

Wie fit sind unsere Kinder im Vergleich zu vorherigen Generationen? Im Vergleich zu früher haben die Kinder heute viel mehr Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten. Das Überangebot ist oft der Grund dafür, dass sich Kinder heute nicht mehr länger einer Sache widmen und sich somit körperliche Fähigkeiten aneignen und festigen. War es früher noch angesagt, in Bäumen zu klettern, so hat das heute seinen Reiz verloren. Das wird, wenn überhaupt, im eigenen Garten mal noch probiert, dann hat sich das aber auch schon erledigt. Finden Kinder aber eine Aktivität besonders reizvoll, dann sind sie darin meist auch ziemlich fit. Und wie kann ich als Erwachsener mehr Bewegung in meinen Alltag bringen? Wenn ich weiß, wie ich funktioniere oder ticke, kann ich meinen Alltag positiv beeinflussen. Ich kann meine Aktivitäten ja steuern. Hierzu bedarf es eines sensiblen Körpergefühls, eines achtsamen Auges und einer Schatzkiste voller Lösungsansätze. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Ich nehme die Treppe statt den Aufzug, ich fahre mit dem Rad zur Arbeit, ich mache kleine Besorgungen mit dem Rad oder zu Fuß. Und im Büro kann man das fortsetzen. Ich stehe zum Telefonieren auf, schreibe meinem Kollegen im Nachbarbüro mal eben keine E-Mail, sondern gehe einfach rüber. Erfolgversprechend und vor allem nachhaltig wird es, wenn der Spaß sich dazu gesellt und dieses Verhalten allmählich zur Gewohnheit wird. n

Die Fragen stellte Matthias Buschert.


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Ein Kletterturm als Magnet Outdoor: 300 neue Mitglieder seit Inbetriebnahme der Anlage vor zwei Jahren: Der Lahrer Alpenverein verzeichnet einen satten Zuwachs / An Trainingsabenden »ist richtig was los«

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n seinem 111. Vereinsjahr verzeichnet der Deutsche Alpenverein – Sektion Lahr rund 1230 Mitglieder. Für einen satten Zuwachs hat in den vergangenen beiden Jahren der Kletterturm auf dem Landesgartenschau-Gelände gesorgt. Seit Inbetriebnahme des Turms sind 300 neue Mitglieder dazugestoßen. »Der Turm hat eine große Anziehungskraft«, sagt Vorsitzender Norbert Klein, der sich auch überzeugt zeigt, dass das Wachstum weitergehen wird. »Die 1500er-Grenze werden wir relativ leicht überschreiten.« Schließlich verfügt der Alpenverein seit dem 1. Mai 2015 mit dem Kletterturm über eine wahre Attraktion – eine Attraktion, die obendrein auch im kommenden Jahr der Landesgartenschau (LGS) zugute kommt. Auch aus diesem Grund hatte die Stadtverwaltung den Standort im LGSBürgerpark, der später einmal ein Sportpark sein soll, dem Verein empfohlen. Dieser war auf der Suche nach einem Grundstück, nachdem eine Mitgliederbefragung zuvor ergeben hatte, dass ein Kletterturm realisiert werden soll. Dass für dieses 400 000 Euro teure Vorhaben genügend finanzielle Mittel bereit standen, lag auch an der zuvor erfolglosen Suche nach einer Vereinshütte, die man eigentlich hatte kaufen wollen, nachdem der Lahrer Sektion 1999 der Pachtvertrag einer Hütte im Pitztal in Österreich gekündigt worden war. »Mit viel Eigenleistung, Zuschüssen vom Deutschen Alpenverein, dem Badischen Sportbund und der Stadt Lahr sowie Spenden konnten wir den Turm finanzieren, ohne Schulden zu machen«, freut sich Klein. Dank der Anlage können die Kletterer nun im Sommer heimatnah trainieren (im Winter steht die Kletterhalle in Offenburg zur Verfügung), zudem

»Der Turm hat eine große Anziehungskraft.« Norbert Klein wird Interessierten der Einstieg in die Sportart erleichtert. Ein weiterer positiver Aspekt ist das Vereinsleben, das nun in gemeinsamen Trainingsabenden zur Geltung kommt. Während man in der Regel in Kleingruppen auf Touren geht, kommen an Trainingsabenden am Turm rund 30 Kletterer zusammen. »Da ist richtig was los«, betont Klein. 17 Meter hoch, 550 Quadratmeter Kletterfläche und etwa 45 Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden, das sind die Eckdaten des Kletterturms, der seit seiner Eröffnung stark in Beschlag genommen wird – von Vereinsmitgliedern, von Familien sowie auch von Schülern. Elf Schulen und Einrichtungen nutzen

Beliebter Freizeitspaß: Klettern am Turm des Lahrer Alpenvereins. Foto: Breuer

den Turm selbstständig für Kletteraktivitäten. Die Kletterberechtigung erhalten Anfänger über einen entsprechenden Kurs. Dafür muss man nicht einmal Mitglied sein. Auch Schnupperkurse zum Ausprobieren bietet der Alpenverein an. Weiterführende Kurse wie Klettern im Gebirge, Eistouren oder der alpine Basis-Kurs vermitteln anschließend das Rüstzeug, um alleine oder mit Freunden in die Berge gehen zu können. Aktuell trainieren etwa 20 Jugendliche regelmäßig am Turm. Im Sommer gibt es für sie auch Trainingscamps in den Alpen. »So lernen die Jugendlichen auch große Klettergärten kennen«, erklärt Klein. Intensiv klettern auch die Kinder aus der sogenannten Familiengruppe des Alpenvereins. Diese besteht derzeit aus etwa 20 jungen Familien mit Kindern zwischen fünf und zehn Jahren. Die Gruppenleiter Markus Palinkas und Matthias Sum halten hier obendrein ein familiengerechtes Angebot bereit, vom Grillen am Lagerfeuer bis zur Besichtigung einer

Falknerei nach einer gemeinsamen Wanderung. Viele Touren auf Klettersteigen oder auch Angebote zum alpinen Klettern mit Seilschaften finden sich im Jahresprogramm des Alpenvereins. Darüber hinaus unternimmt die Sektion auch Wanderungen im Mittelgebirge und in den Alpen sowie Hochgebirgstouren, auch kombiniert aus Fels und Eis. Besonders stolz ist Klein, dass das aktuelle Programm mit vielen Viertausendern bestückt ist. Obendrein werden im Winter auch Schneeschuhund Skitouren angeboten. Dennoch gibt es viele, so die Erfahrung des Vorsitzenden, die einfach nur am Turm klettern wollen, sei es als Freizeitspaß oder auch als besondere Art des Krafttrainings. Nicht zuletzt, so Klein, fördert das Klettern über entsprechende Erfolgserlebnisse auch das Selbstbewusstsein: »Man fühlt sich bestätigt, wenn man eine Schwierigkeit aus eigener Kraft bewältigt hat.« n

von Matthias Buschert


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»Sportvereine haben nicht ausgedient« Interview: Vor allem Eltern schätzen die Vorteile / Es fehlt den Clubs aber an jungen Erwachsenen und Übungsleitern

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er TV Lahr zählt zu den ältesten Turnvereinen in Baden-Württemberg und ist der größte Sport anbietende Verein in Lahr mit nahezu 2000 Mitgliedern. In seiner langen Geschichte seit 1846 war er vielen gesellschaftlichen und sportlichen Strömungen unterworfen. Wie sich der Vereinssport heute darstellt, darüber hat unsere Zeitung mit Jürgen Kattinger, der dem fünfköpfigen geschäftsführenden Vorstand angehört, gesprochen. Herr Kattinger, provokante These: Vereine sind heute nicht mehr attraktiv genug – richtig oder falsch? Falsch! Vereine sind nach wie vor attraktiv, müssen aber mit ihrem Angebot und in ihrer Außendarstellung mit der Zeit gehen. In unserer Gesellschaft ist eine starke Individualisierung feststellbar. Man bindet sich nicht mehr so gerne an einen Verein und feste Übungs- beziehungsweise Trainingszeiten. Dennoch haben Vereine nicht ausgedient, denn hier findet man mehr als nur – wie in unserem Fall – Sport. Gemeinschaft, Kameradschaft, Anerkennung, Hilfsbereitschaft, Teamgeist und anderes mehr sind Attribute eines Vereinslebens. In Zeiten zunehmender Konsumentenhaltung sind Vereine besonders wichtig in unserer Gesellschaft, sie schaffen Bindung zwischen Menschen und sind so etwas wie der soziale »Kitt« unserer Gesellschaft. Vereinsbeiträge sind vergleichsweise günstig, und beim TV Lahr als Mehrspartenverein kann man mit einem Beitrag vieles ausprobieren. Es wird aber immer schwieriger, Kinder und Jugendliche für den Vereinssport zu begeistern, oder? Bei Kindern trifft dies nicht zu. Eltern schätzen die Vorteile von Vereinen – nicht nur in monetärer Hinsicht. Sie wissen ihre Kinder gut aufgehoben und gut betreut. Im Wissen, dass Bewegung wichtig ist, schicken viele Eltern ihre Kinder zum TV Lahr und machen oft auch selbst mit (Eltern-Kind-Turnen). Bei Jugendlichen wird es schwieriger: hohe schulische Belastung, große Angebotsvielfalt für Freizeitbeschäftigung und sicher nicht zuletzt auch die intensive Nutzung sozialer Medien, Computerspiele und ähnliches. Daher fehlen auch die jungen Erwachsenen. Mit steigendem Gesundheitsbewusstsein im Alter nehmen die Zahlen aber wieder zu.

Jürgen Kattinger gehört beim TV Lahr dem geschäftsführenden Vorstand an. Foto: Rothmann

Und was wird getan, um die Jugendlichen zu halten? Wir bieten nicht nur Sport, sondern auch gemeinsame Aktivitäten an. Es gibt einen eigenen Jugendvorstand, der sich um die Belange der Kinder und Jugendlichen kümmert und zum

Fechten ist eine der Sportarten des TV Lahr. Kämpfen muss der Verein aber auch um Mitglieder und Übungsleiter. Foto: Rothmann Beispiel Ausflüge organisiert. Wir versuchen die Jugendlichen in die Trainingsarbeit einzubinden und zahlen die Ausbildung zum Sportassistenten und fördern die Trainerausbildung. Wir versuchen im Wettkampfsport möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an Wettkämpfen zu ermöglichen, ebenso wie die Einbindung in Mannschaften. Unsere Jugendlichen nehmen an Turnfesten und Auftritten des TV Lahr wie die Bühnenschau, Gala des Sports oder bei Veranstaltungen in unserer Stadt teil. Dabei bräuchten Kinder und Jugendliche heutzutage doch mehr Bewegung in ihrem Alltag? Diese Feststellung ist zutreffend. Oft fehlt leider aber auch schon das Vorbild in der eigenen Familie, da sich auch die Eltern zu wenig bewegen. Wir hatten auch schon spezielle Angebote für Kinder mit Adipositas. Die Nachfrage war jedoch gering. Wie lassen sich Erwachsene in Sportvereine lotsen und nicht etwa in Fitness-Studios? Wir sehen Fitness-Studios nicht so sehr als Konkurrenz, wie oftmals angenommen wird. Beide Angebote haben ihre Vor- und Nachteile. Bezüglich der Vorteile der Vereine verweise ich auf die Antwort der Eingangsfrage. Im TV Lahr finden sie viele traditionelle Sportarten, die sie im Fitness-Studio nicht ausüben können. Andererseits kann der Verein aber auch nicht alles anbieten. Fitness-Studios haben eine Ausstattung, die ganz gezieltes Training ermöglicht. Viele unserer Mitglieder gehen auch ins Fitness-

Studio und trainieren dort zusätzlich. Wer ins Fitness-Studio geht, kann sich leicht auch noch einen Vereinsbeitrag leisten. Die Vereine müssen aber nicht nur um Mitglieder kämpfen, auch Ehrenamtliche lassen sich nicht mehr so leicht finden. Dies ist zutreffend. Wir würden gerne unser Angebot ausweiten, oft scheitert es jedoch an fehlenden Übungsleitern. Dies ist ein vielschichtiges Problem, das auch die Sportverbände mit Sorge sehen. Bei jüngeren Menschen ist es oft ein zeitliches Problem. Ausbildung oder die Schule lassen wenig Freiräume. Das achtjäh-

Im Gespräch mit

Jürgen Kattinger rige Gymnasium hat die Situation nicht leichter gemacht. Die Tätigkeit als Übungsleiter oder Trainer wird zudem zunehmend nicht als Ehrenamt wahrgenommen, sondern auch mit finanziellen Erwartungen verknüpft. Private Anbieter wie Fitness-Studios, aber auch öffentliche Bildungsträger können da mehr bieten als Vereine. Eine Rolle spielt aber auch die demografische Entwicklung: Weniger junge Übungsleiter und Trainer stehen einer immer größer werdenden Gruppe von Senioren gegenüber, für die wir gerne mehr anbieten würden. n

Die Fragen stellte Matthias Buschert.


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Der TV Haslach bietet ein Angebot für die Breite an. Derzeit hat der Verein 350 Kinder unter seinen Fittichen. Foto: Störr

120 Stunden Training pro Woche Vereinssport: Bedeutung über die Bewegung hinaus / Soziales Miteinander wird gelebt

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n Zeiten zunehmenden Bewegungsmangels bei gleichzeitiger Individualisierung der Gesellschaft kommt dem Vereinssport eine große Bedeutung zu. Stellvertretend für die Vereine des Kinzigtals gewährt der Vorsitzende des TV Haslach Einblick und spricht über die künftigen Herausforderungen. »Über die Vereine wird viel abgewickelt«, betont Christopher Ast. »Über die Bewegung hinaus wird das soziale Miteinander gelebt und es werden Werte vermittelt.« Ein Stückweit werde eine Erziehungsfunktion übernommen, die Gesellschaft wäre ohne funktionierende Vereine sozial stark geschwächt. »Kein kommerzieller Anbieter könnte das leisten«, ist Ast überzeugt. Für den TV Haslach heißt das konkret, etwa 350 Kinder mit einem entsprechend großen Bedarf an Übungsleitern zu trainieren. Über alle Abteilungen hinweg sind ständig etwa 60 Trainer im Einsatz, dazu kommen die Übungsleiter für saisonale Angebote. Dabei sei es je nach Sportart unterschiedlich schwierig, geeignete Übungsleiter zu finden. »Der wichtigste Weg ist das organische Wachsen aus den eigenen Mitgliedern. Dafür schauen wir

bei den Sportlern bereits in jungen Jahren, wer die Qualitäten zum Übungsleiter mitbringt«, erklärt Ast. Für alle, die sich im Verein engagieren wollen, gibt es mit dem Ausbildungsverantwortlichen Erich Diemer einen zentralen Ansprechpartner – laut Ast »eine Schlüsselstelle in unserem Verein«. Diemer kennt alle Fortbildungsprogramme und entscheidet, wer einen Lehrgang absolviert.

Für Kinder, die dabei nicht den leistungsorientierten Sport anstreben, gelte es, adäquate Angebote zu schaffen. Beim Tanzen hat der TV Haslach beispielsweise die erste wettkampffreie Gruppe gebildet, auch beim Trendsport Klettern funktioniere das altersübergreifende Miteinander hervorragend. »Wir bieten während einer Woche etwa 120 Stunden unterschiedlicher Trainingsangebote«, rechnet der Vorsitzende vor, »es gibt ein Christopher Ast: »Die Gesellschaft Angebot für die Breite«. Das Konzept werde immer wäre ohne funktionierende Vereine eigene wieder auf den Prüfstand gestellt, für innovative Imitatiosozial stark geschwächt.« nen sei man durchaus offen. Denn es sei das eine, die Kinder Beginnend mit den Jüngsten im Elin den Sport und den Wettkampf zu betern-Kind-Turnen bestehe die große Aufkommen. Das andere sei jedoch die Zeit gabe darin, die jeweils geeignete sportlinach den Wettkampfjahren. Hier müsse che Richtung zu finden. »Man muss die ein Verein wie der TV Haslach ProgramKinder heute frühzeitig an den Sport krieme für die Freizeitgestaltung und den Gegen und Grundlagen schaffen. Die Devise sundheitssport anbieten. Dafür wird laut heißt fördern und fordern in der PrägeAst an einem Mix aus festen Trainingszeizeit, der Teamgedanke ist entscheidend«, ten und einem flexiblen Kurssystem geweiß Ast aus Erfahrung. arbeitet. Schließlich verbringt der Nachwuchs n von Christine Störr beim Sport seine Freizeit mit Freunden.


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Andreas Amann bestritt zuletzt einen Ultralauf auf den Philippinen. Foto: privat

Mehr Eiweiß, weniger Kohlehydrate Ernährung: Der Ettenheimer Ultraläufer Andreas Amann trainiert oft mit leerem Magen / Empfehlungen der Industrie hält er für überzogen

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on Sylt nach Garmisch-Partenkirchen einmal quer durch Deutschland. Was nach einem interessanten touristischen Angebot klingt, legt Andreas Amann diesen Sommer zu Fuß zurück – in 19 Etappen über 1300 Kilometer. Wobei jede Tagesetappe des Deutschland-Laufs über eine Distanz von mindestens 60 Kilometern verläuft. Zum Vergleich: Ein Marathon endet nach 42,195 Kilometern – für Amann ein idealer Trainingslauf. »Allzu viele Etappenläufe in dieser Dimension gibt es nicht. Klar, dass ich dabei sein werde«, sagt der Ultraläufer. Erst mit 35 Jahren hat der Ettenheimer mit dem Laufsport begonnen. Über einen befreundeten Läufer fand er in die Szene, seinen ersten Marathon absolvierte Amann in Berlin. »Damals habe ich viele Fehler gemacht«, erinnert sich der 51-Jährige, trainingsmethodisch wie auch ernährungstechnisch. Richtig Gedanken über seine Ernährung hat sich Amann nach seinem ersten Deutschland-Lauf im Jahr 2005 gemacht. Zehn Prozent Gewicht hatte er während des Lauf-Events verloren,

von idealen 65 Kilogramm beim Start ging es auf 58 Kilo runter. Grundsätzlich ist der Mensch ein Allesesser, verweist Amann auf die Evolution. Das gelte auch für ihn. Bewusst gestaltet er seine Ernährung aber eiweißlastiger. Um mehr Eiweiß zu gewinnen, bieten sich Lebensmittelkombinationen an, etwa Kartoffel und Ei, Milch und Getreide

Empfehlungen zum Essen und Trinken während des Wettkampfs hält Amann für überzogen. Mitunter habe man im Ziel mehr Flüssigkeit in sich als vor dem Start. »Unsere Ur-Vorfahren in der Steinzeit haben es auch hinbekommen, ständig unterwegs zu sein, ohne permanent etwas zu sich zu nehmen«, zieht der Ultraläufer des LV Ettenheim einen Vergleich. Er empfiehlt, bei langen, langsamen Läufen auszutesten, mit mögAuf Erstellung von Essensplänen lichst wenig auszukommen – »ein Selbstversuch, was verzichtet Andreas Amann: »Das quasi der Körper alles leisten kann«. Amann trainiert etwa sehr oft wäre mir zu umständlich«. mit leerem Magen. Ohne Frühstück zwei, drei Stunden zu lauoder Milch und Kartoffeln. Und die Kohfen, falle am Anfang zwar sehr schwer, lenhydrate hat er im Blick: »Kohlenhydrader Körper lerne aber, auf seine Fettreserte werden zu Fetten umgebaut, wenn sie ven zurückzugreifen. nicht verbraucht werden.« Auf EssenspläAls Belastung für den Magen hat der ne verzichtet Amann: »Das wäre mir zu Lauf-Profi Zucker ausgemacht, der dem umständlich.« Körper etwa über Cola oder ElektrolytgeDie Ernährung sei heute ein größeres tränke zugeführt wird. Er verdünnt desThema als zu Beginn seiner Lauf-Karriehalb bei seinen Rennen Cola mit Wasser. re, stellt der Ettenheimer fest. Er führt n von Matthias Buschert dies auch auf die Industrie zurück. Deren


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Raus aus der Komfortzone Interview: Um nachhaltig abzunehmen, bedarf es einer Kombination aus Ernährung und Bewegung

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ine nachhaltige Gewichtsabnahme funktioniert nur in Kombination aus Ernährung und Bewegung. Das sagt die Lahrer AOK-Ernährungsberaterin Heike Neumann. Im Interview gibt sie wertvolle Tipps. Frau Neumann, bevor ich mit dem Sport anfange, mache ich schnell noch eine Diät – ein guter Ansatz? Der Schritt, sich für Bewegung aufzuraffen und zu begeistern, ist schon mal ein guter Anfang, schnell noch eine CrashDiät einzubringen, halte ich aber absolut nicht für sinnvoll. Diäten, die kurzfristig durchgeführt werden, sind meist nicht von langfristigem Erfolg gekrönt und durch häufig sehr einseitige Ernährungsmuster auch nicht gesund. Dem meist schnellen Gewichtsverlust folgt dann auch meist genauso schnell der Jojo-Effekt. Wer sich wirklich für eine gesündere Lebensweise entscheidet, sollte sich bewusst Ziele setzen, die auch dauerhaft umgesetzt werden können. Wie sieht für Übergewichtige der ideale Einstieg in den Sport aus? Hat man ein paar Pfunde zu viel auf der Waage, eignen sich am besten gelenkschonende Sportarten. Egal ob Schwimmen, Walken, Radfahren oder ein Standard-Tanzkurs: Ein perfekter Einstieg sind die Sportarten, die Spaß machen und nicht als zusätzliches Pflichtprogramm im Tagesablauf durchgeführt werden müssen. Auch ein Spaziergang an der frischen Luft kann ein guter Start in ein gesünderes Leben sein. Wer sich täglich mindestens 30 Minuten bewegt, hat den Anfang schon mal geschafft. Es gilt der Grundsatz: Wer mehr verbraucht, als er zu sich nimmt, nimmt ab. Aber das ist doch leichter gesagt als getan? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Essgewohnheiten schleichen sich schneller ein als man denkt. Aus seiner Komfortzone auszubrechen, ist daher gefühlt oft mit großem Aufwand verbunden. Deshalb sollte man sich bewusst werden, mit welchen Mahlzeiten im Alltag die überschüssige Energie aufgenommen wird. An diesen Stellschrauben sollte dann gedreht werden. Abnehmen heißt nicht zwangsläufig bloß Verzicht, sondern auch gesündere AlHeike Neumann, ternativen zu Ernährungsberafinden, um Katerin bei der AOK lorien einzuspaSüdlicher Oberren. Kurbeln Sie rhein in Lahr. dann durch BeFoto: AOK wegung zusätz-

lich den Stoffwechsel an, fällt es leichter, mehr Energie zu verbrennen als aufzunehmen. Deshalb gilt für mich: Eine Gewichtsabnahme funktioniert nur in Kombination aus Ernährung und Bewegung. Wie nehme ich nachhaltig ab? Was ist ein realistisches Ziel? Wer täglich circa 500 Kcal einspart, nimmt innerhalb von vier Wochen ein bis zwei Kilogramm des Körpergewichts ab. Viele denken dann, es sei viel zu wenig für diesen Zeitraum. Tatsächlich aber ist eine langsamere Gewichtsreduktion deutlich effektiver und nachhaltiger als eine zu rasche Gewichtsabnahme. Eine stetige, aber geringe Gewichtsabnahme kann helfen, dass der befürchtete Jojo-Effekt ausbleibt. Schließlich möchten Sie ja langfristig etwas für Ihr Wohlbefinden tun. Was sind allgemein die typischen Ernährungs-Baustellen? Zu den klassischen »Baustellen« zählen heute nicht mehr nur der zu hohe Konsum von Süßigkeiten und Chips, wie häufig vermutet wird. Oft sind es die vielen kleinen Zwischenmahlzeiten, die uns täglich begleiten. Die Menge ist dabei entscheidend. Wer häufig nur Kleinigkeiten zwischendurch isst, die augenscheinlich gar nicht ins Gewicht fallen, hat leider zu befürchten, dass dies letztlich doch für eine Gewichtszunahme sorgt. Auch Fast Food und vor allem gesüßte Getränke sind unbewusste Energielieferanten. Wer

Im Gespräch mit

Heike Neumann statt Saftschorlen und Limonade Wasser trinkt oder in Kaffee und Tee auf den Zucker verzichtet, hat meist schon viel gewonnen. Dies könnte zum Beispiel ein erstes Ziel sein. Auch Obst, welches viele gute Inhaltsstoffe enthält, sollte nicht im Übermaß verzehrt werden. Auch darin ist viel (Frucht-) Zucker enthalten. Auch hier gilt, ein Zuviel bewirkt ein Zuviel auf der Waage. Gesund und ausgewogen soll eine Ernährung sein – was heißt das konkret? Hier zählen die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Essen Sie abwechslungsreich und bevorzugen Sie pflanzliche Lebensmittel. Vollkornprodukte sind in der täglichen Ernährung ein absolutes Muss. Je dunkler das Brot, desto besser. Auch Vollkornreis und -nudeln sind empfehlenswert, ohne die Kartoffeln zu vernachlässigen. Dazu mindestens drei Portionen Gemüse und maximal zwei Portionen Obst täglich. Eine Portion entspricht einer Handvoll. Milch und Milchprodukte sollen täglich, Fisch ein- bis zweimal die Woche und Fleisch und Eier

Zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehört jeden Tag Obst und Gemüse. Foto: AOK-Mediendienst nur in Maßen verzehrt werden. Allgemein sollte man die Zufuhr von Fett und fetthaltigen Lebensmitteln im Auge behalten, um Herz-Kreislauferkrankungen und Übergewicht vorzubeugen. Auch Zucker und Salz können den Körper belasten: Würzen Sie lieber mit Kräutern. Verwenden Sie zudem schonende Garverfahren. Und: Trinken nicht vergessen. 1,5 bis zwei Liter pro Tag. Ebenso wichtig dabei: Lassen Sie sich Zeit und genießen Sie das Essen. Über ein bewusstes Wahrnehmen der Mahlzeit stellt sich eine bessere Sensibilität für das Hunger-Satt-Gefühl ein und unnötige Zwischenmahlzeiten können vermieden werden. Heimliche Dickmacher, die ich nicht ahne – gibt es so was? Versteckte Fette sind häufig in Fertigprodukten zu finden. Hier lohnt sich generell ein Blick auf die Zutatenliste der Produkte. Es gilt: Je weiter vorne eine Zutat in der Zutatenliste benannt wird, desto höher ist deren prozentualer Anteil im Produkt. Reihen sich Zucker und Fett also ganz vorne ein, halten Sie von diesen Produkten lieber Abstand. Wer seine Speisen selber frisch zubereitet, weiß was drin steckt und ist deshalb vor gemeinen Fettfallen eher gefeit. Und was halten Sie von Nahrungsergänzungsmitteln? Bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung sind normalerweise keine Nahrungsergänzungsmittel notwendig. Wer vielseitig und abwechslungsreich isst und sich aus allen Lebensmittelgruppen bedient, braucht, wenn er gesund ist, keine zusätzlichen Produkte. n

Die Fragen stellte Matthias Buschert.


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