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SICHER LEBEN

Im Kampfsportzentrum Henri Charlet gibt es als Herbstangebot Schnupperkurse für Menschen ab 40 Jahren. Foto: Veranstalter

So schützt man sich gegen Übergriffe Selbstschutz: Verhalten bei Gewalt in der Öffentlichkeit / Ratschläge zur Selbstverteidigung

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s gibt kein Patentrezept dafür, wie man sich in bedrohlichen Situationen richtig verhält. Jede Begebenheit ist anders und muss individuell bewertet werden. Die nachfolgend gegebenen Verhaltenstipps dienen daher lediglich als Anhaltspunkte. Selbstschutz beginnt bereits mit dem ersten Eindruck, den man auf ein Gegenüber macht. Mimik, Gestik, Körperhaltung sowie die Stimme spielen dabei eine Rolle. Ein sicheres Auftreten kann man lernen. Kurse zum Selbstschutz sind daher ein Klassiker, auch bei der Volkshochschule in Lahr. Sie bietet seit vielen Jahren Kurse in Lahr und in den Außenstellen Meißenheim, Friesenheim, KappelGrafenhausen, Ettenheim und Seelbach. In den vergangenen fünf Jahren haben mehr als 100 Jungen und Mädchen allein an dem Kurs »Selbstsicher – ein Selbstschutzkurs für Kinder« teilgenommen. Dieser Kurs mit der ehemaligen Polizistin Katrin Kupferschmidt findet in jedem Semester in Lahr statt. Einen neuen Impuls haben Selbstschutz-Kurse seit 2015 durch das Projekt »Sicherheit im Quadrat« erhalten. Das ist eine Kooperation zwischen der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt Lahr, dem Referat Prävention des Polizeipräsidiums Offenburg und dem Polizeirevier Lahr. Vorträge und Trainings zu Themen wie Internetbetrug, Einbruchschutz oder Zivilcourage richten sich an Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Dazu gehört auch der Kurs »Sicherheit für Frauen«, in denen sich schon viele Teilnehmerinnen Grundlagen zur Selbstverteidigung erworben haben. Einen Schritt weiter führt der Kurs zur Zivilcourage. Dort geht es darum, auch anderen in

bedrohlichen Situationen beizustehen. Der Workshop ist im vergangenen Jahr gut angekommen und soll im Frühjahr 2018 wiederholt werden. »Auch die Polizei bietet auf Nachfrage Selbstbehauptungskurse im Rahmen der Gewaltprävention an«, sagt Susanne Steudten, Leiterin des Referats Prävention beim Polizeipräsidium Offenburg. »Alles, was Personen Sicherheit gibt und in Gefahrensituationen automatisiert abgerufen werden kann, ist von Vorteil. Es gibt zahlreiche Vereine oder Studios, die entsprechende Kurse anbieten.« Das Ziel sei es, eine Sensibilität für gefährliche Situationen zu vermitteln: Was kann ich machen, um nicht Opfer zu werden, wie trete ich in entsprechenden Situationen selbstbewusst auf und wie helfe ich anderen, ohne mich selbst zu gefährden.

Kooperation zwischen Stadt Lahr und Polizei Die Polizei rät in bedrohlich wirkenden Situationen zu folgendem Verhalten: n Versuchen Sie, solche Situationen zu vermeiden. Wer ein ungutes Gefühl hat, macht besser einen großen Bogen um bedrohlich wirkende Personen. Gerade bei größeren Ansammlungen sollte man darauf achten. In derartigen Situationen ist es hilfreich, nicht allein, sondern in einer Gruppe unterwegs zu sein. n Verlassen Sie die Situation, so schnell es geht. Lassen Sie sich nicht provozieren und vermeiden Sie Diskussionen. Beleidigen sie den Angreifer nicht. Begeben Sie sich in eine sichere Umgebung, zum Beispiel in die Nähe anderer Menschen.

Machen Sie auf sich aufmerksam. Rufen sie laut um Hilfe und sprechen sie einzelne Passanten gezielt an. n Siezen Sie den Angreifer. So demonstrieren Sie Distanz und zeigen Außenstehenden, dass es sich nicht um eine private Angelegenheit handelt. n Wehren Sie sich. Falls es trotz aller Vorsicht zu einem Übergriff kommt, wehren Sie sich. Verzichten Sie aber auf Abwehrwaffen wie Pfeffersprays oder ähnliches. Deren Einsatz kann leicht zur Gefahr für Sie selbst werden. Zudem könnte sich dadurch die Aggressivität und Gewaltbereitschaft des Angreifers noch steigern. n Beobachten Sie genau. Prägen Sie sich Merkmale des Täters ein. Auffälligkeiten wie Tätowierungen helfen der Polizei später bei den Ermittlungen. Merken Sie sich beispielsweise Größe oder Kleidung des Angreifers. Wenn es möglich ist, machen Sie mit dem Smartphone Foto- oder Filmaufnahmen. n Rufen Sie die Polizei. Fall es die Situation erlaubt, rufen Sie über 110 die Polizei. Sie haben ebenso die Möglichkeit, einen Notruf per SMS abzusetzen. Schicken Sie eine SMS an 01522/1 80 71 10. Geben Sie dabei unbedingt an, warum und wo Sie Hilfe benötigen. Damit Sie die Polizei schnellstmöglich finden kann. n Erstatten Sie Anzeige. Nur durch das Erstatten einer Anzeige können weitere Taten verhindert werden. Nach traumatisierenden Situationen können sie Opferberatungsstellen dabei unterstützen, das Geschehen zu verarbeiten. n

WEITERE INFORMATIONEN: u www.polizeiberatung.de n

Von Wolfgang Achnitz


SICHER LEBEN

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Ausgewogene Ernährung ist wichtig Interview: Matthias Geiger vom Fitnessstudio »Active Plus 30« klärt über Trainingsfehler auf

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er sich das Ziel setzt, abzunehmen, der kann viele Fehler machen. Das gilt nicht nur für die Ernährung, sondern auch beim Sport. Matthias Geiger leitet in Friesenheim das Fitnessstudio »Active 30 plus«. Wir sprachen mit ihm darüber, auf was Sporteinsteiger besonders achten sollten. Es heißt, eine ausgewogene Ernährung sei mindestens genauso wichtig wie regelmäßiger Sport. Wie ist das Verhältnis tatsächlich? Eine ausgewogene Ernährung sollte grundsätzlich bevorzugt werden. Gerade in der Kombination Abnehmen und Sport ist es besonders wichtig, gesunde Lebensmittel zu konsumieren. Ich würde sagen, dass beim Ziel der Gewichtsreduktion das Verhältnis bei 60 Prozent Ernährung und 40 Prozent sportlicher Aktivität liegen sollte. Auf dem Markt finden sich Präparate, wie Eiweißpulver, L-Carnitin oder Zuckerersatzstoffe. Welche davon können ohne Bedenken eingenommen werden? Zunächst sollte man auf die Qualität der Produkte achten. Letztendlich kommt es auf die Dosierung an. »Viel hilft viel« ist nicht immer die beste Vorgehensweise bei Nahrungsergänzungsmitteln. Das Training dazu muss ebenfalls passen. Wie sollte man am besten beginnen, wenn man abnehmen möchte? Am besten beginnt man damit, eine Stoffwechsel- und Ernährungsanalyse bei einem Experten durchführen zu lassen, die einem Aufschluss darüber gibt, wie viele Kalorien eigentlich zugeführt werden. Darauf lässt sich dann ein adäquates Ernährungs- und Bewegungsprogramm aufbauen, das auf die jeweilige Person individuell abgestimmt ist. Es gibt die Trainingstypen Ausdauer, Kraft und die Kombination aus beidem. Welche Übungen eignen sich gerade für Anfänger am besten? Ideal ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining. Dafür haben wir in unserem Fitnessstudio speziell ein chipkartengesteuertes Zirkeltrainingssystem. Es bietet eine leichte Handhabung, da sich alle Geräte automatisch auf die Körpermaße einstellen. Trotzdem ist das Training sehr effektiv, da immer für eine bestimmte Dauer mit einem vorher festgelegten Gewicht oder einer definierten Herzfrequenz trainiert werden muss. Was sind die schlimmsten Anfängerfehler bei Sport-Einsteigern? Mit Übermotivation geht meist einher, zuviel auf einmal zu wollen. Falscher Ehrgeiz hat aber noch niemandem beim Aufbau des gewünschten Körpers geholfen. Einseitiges Training ist unvorteilhaft, da nur bestimmte Muskelgruppen profitieren, während der Rest im Ausgangszustand verweilt. Man darf auch keine unbegründete Angst davor haben, den Körper durch Krafttraining zu belasten. n

Die Fragen stellte Thomas Kroll

Qualifizierte Trainer sind für Carmen Herbst und Matthias Geiger eine Voraussetzung für ein gutes Fitness-Studio. Foto: Bohnert-Seidel

Für Diabetiker wichtig Tipp: Ernährungsbroschüre für Diabetesberater und -assistenten

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rüher galten für Diabetiker in Sachen Ernährung alle möglichen Besonderheiten. Heute raten Experten vor allem zu einer ausgewogenen, vielseitigen Ernährung, erläutert der Verband der Diabetes-Beratungsund Schulungsberufe in Deutschland (VDBD). Wichtig sei unter anderem die Wahl der richtigen Kohlenhydrate, teilen Experten in der neuen Broschüre »Diabetes und Ernährung« mit. Diese steht auch auf der Internetseite des Verbands unter »Publikationen« zum Download zur Verfügung (www.vdbd.de). Erstellt wurde sie von der »Arbeitsgemeinschaft Wissenschaft«. Gedacht ist sie für Diabetesberater und Diabe-

tesassisten gedacht, die keinen ernährungsfachlichen Hintergrund haben, oder für Ernährungsfachkräfte, die ihr Wissen auffrischen möchten. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit vollwertigen Kohlenhydraten – zum Beispiel aus Vollkornprodukten – ist demnach gut für den Blutzuckerspiegel. Für Diabetiker ist es besonders wichtig, gesund zu essen, weil sich die Ernährung direkt auf ihren Blutzuckerspiegel auswirkt. Typ-2-Diabetiker können ihre Erkrankung häufig allein mit einer Ernährungsumstellung und Bewegung in den Griff bekommen. n

Von Teresa Nauber


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SICHER LEBEN

Existenzgrundlage ist zu versichern Versicherungsschutz: Schadensfällen sollte man vorbeugen, doch nicht jede Versicherung ist sinnvoll

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elche Versicherungen braucht man eigentlich wirklich? »Jeder sollte sich ganz seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend versichern« – diesen Satz hört man von allen Seiten, wenn es um die Frage geht, welche Versicherungen denn jeder haben sollte und auf welche man verzichten kann. Doch welche allgemeinen Empfehlungen können die Fachleute geben? Was braucht man auf jeden Fall, was macht nur unter bestimmten Bedingungen Sinn und worauf kann man selbst nach Meinung von Versicherungsmaklern besser verzichten? Die »Lahrer Zeitung« gibt einen Überblick.

Policen auf individuelle Bedürfnisse abstimmen Auf die Frage, welche Versicherungen man braucht, haben Holger Udo Knöller, der Generalagent der Barmenia-Versicherung in Lahr, und seine Kollegin Cornelia Waidmann eine ganz überzeugende Argumentation parat: »Zunächst ist es wichtig, das existenziell Notwendige zu versichern, damit man im Schadensfall nicht auf die sozialen Sicherungssysteme angewiesen ist«, sagt Knöller. Die Barmenia orientiere sich bei ihren Kundengesprächen daher an der sogenannten »Bedürfnispyramide« des amerikanischen Psychologen Abraham Masow. Der 1970 gestorbene Sozialwissenschaftler habe in seinen Arbeiten zwischen »niedrigeren« und »höheren« Bedürfnissen des Menschen unterschieden und diese in Form einer Pyramide angeordnet. Die Basis bilden die existenziellen Bedürfnisse des Menschen – Gesundheit, Nahrung, Kleidung, Schlaf oder Sexualität. In der Pyramide nach oben folgen Sicherheitsbedürfnisse wie Einkommen, Recht, Ordnung und der Schutz vor Gefahren sowie soziale Belange. Bedürfnisse der individuellen Selbstverwirklichung finden sich an der Spitze. »Analog dazu bieten die Versicherungsgesellschaften ihre Policen an«, erläutert Knöller am Beispiel der Barmenia: n Der existenziellen Absicherung dienen die grundlegenden Policen der Unfall-, Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherung. Auch Arbeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen gehören dazu. n Dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen wird durch Altersvorsorge Rechnung getragen – nach dem »Prinzip der drei Säulen« gesetzlich, betrieblich und/ oder privat. Dazu zählen alle privaten Rentenversicherungen (Riester, Rürup) aber auch die klassische Risikolebensversicherung. n Auch die Gesundheitsvorsorge fällt in diesen Bereich. Vor allem aber sichert sie soziale Bedürfnisse wie eine rasche Gesundung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ab: durch Ansprüche auf privatärztliche Behandlung, Pflegekosten-

Der Generalagent der Barmenia Versicherungen in Lahr, Holger Knöller, berät Versicherungsnehmer auf sehr anschauliche Art und Weise. Foto: Achnitz und Zahnzusatzversicherungen sowie das Recht auf freie Krankenhauswahl oder bessere Unterbringung und Verpflegung gegenüber den gesetzlichen Leistungen.

Versicherungsschutz den Lebensphasen anpassen

D Der individuellen Lebenssituation angepasst sind weitere Versicherungen. Dazu gehört alles rund um den Bereich Eigentum, wie Hausbesitz oder Kraftfahrzeug: das Bausparen und andere Finanzierungsverträge, Hausratversicherungen, Kaskoversicherungen für das Auto oder für Gebäude und so weiter. n Reinen Luxus zu versichern, gehört hingegen ganz oben in die gedachte Pyramide: Wertsachen wie Kunstgegenstände, Gemälde, Schmuck oder neuerdings das Handy. Gepäck- oder Reiserücktrittsversicherungen seien meist unnötig, sagt der Experte, und gehören zu dem, was man dann abschließen sollte, wenn man es sich leisten kann und wenn das persönlin

che Sicherheitsbedürfnis groß ist. Alles, was neben den elementaren Bedürfnissen versichert werden kann, verändert sich in manchen Lebensphasen. Wenn man Wohnort oder Arbeitsplatz wechselt, wenn man heiratet, Kinder kriegt oder sich scheiden lässt, wenn man sich selbstständig macht: »Dann jeweils sollte man den Versicherungsschutz überdenken und ihn gegebenenfalls anpassen«, rät Versicherungsfachwirt Michael Isele aus Lahr. Das spart unnötige Ausgaben für nicht mehr gebrauchte Policen. Für unsere Region empfiehlt er über das Genannte hinaus eine Hausratversicherung mit Schutz gegen Elementarschäden und für Hausbesitzer eine Gebäudeversicherung mit Elementarschadenschutz. »Zur besseren Verständlichkeit bei den Verbrauchern soll diese Gefahr zukünftig ›Naturgefahrenschutz‹ heißen«, sagt Isele. Diese Versicherungen greifen beispielsweise bei Erdbeben, Waldbränden, Überschwemmung oder ähnlichen Naturkatastrophen. n

Von Wolfgang Achnitz


Sich selbst schützen Kampfsport: Beim »Krav Maga« geht es um Selbstbewusstsein und Deeskalation

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ines der ersten Trainingszentren in Deutschland für die immer beliebter werdende Selbstverteidigungstechnik »Krav Maga« eröffnete bereits 2001 in Offenburg. 2014 wurde das Traininigscenter unter der Leitung von Wolfgang Braunhofer, Denis Trömel und Kathy Krocker neu ausgerichtet und wird seither unter dem Namen »Krav Maga Self Defense Fighting Skills« eigenständig weitergeführt. Kunden aus der gesamten Ortenau finden sich dort, um in den verschiedenen Kursen, die dort angeboten werden. Bei »Krav Maga« (hebräisch für Kontaktkampf) handelt es sich um sehr spezielle Schlag-, Tritt-, Griff- und Hebeltechniken, die sich auch für den Bodenkampf eignen. »Krav Maga« basiert auf natürlichen Reflexen und bedarf keiner besonderen Voraussetzung. Auch untrainierte Menschen erreichen auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit ein hohes Niveau in der Selbstverteidigung. Dabei spielen Alter und Geschlecht keine Rolle. Der Schwerpunkt liegt darin, dass man vor allem unter Stress richtig reagiert, von der Gefahr

nicht überfordert ist und sich so individuell aus bedrohlichen Situationen befreien kann. Aus diesem Grund werden im »Krav Maga« jedem die richtige Taktik und die damit verbundene Technik gelehrt. Der Zweck aller Trainingsanstrengungen ist, sich gegen jede Art von Angriffen effektiv verteidigen zu können. Die Straße kennt keine Regeln, daher spielt taktisches Verhalten eine wichtige Rolle. Denn dieses entscheidet, ob man überhaupt angegriffen wird oder wie weit man im Vorfeld gefährlichen Situationen aus dem Weg gehen beziehungsweise sie deeskalieren kann. Sollte man dennoch in die Lage geraten, sich verteidigen zu müssen, ist es entscheidend, die richtigen Mittel zur jeweils richtigen Zeit einzusetzen. Zum Angebot des Trainingscenters gehören unter anderem: dreimal wöchentlich Training (wechselnde Schwerpunkte, Stressbewältigung, Boxen, Kraft-, Ausdauer-, Konditions- und Gruppentraining. Für die intensivere Ausbildung finden Seminare statt. n

Von Wolfgang Achnitz

www.galerie-ortenau.de


n Sicher Leben

Dunkle Jahreszeit: So sichern Sie Ihr Zuhause Prävention: Neu gestalteter Internetauftritt der Polizei bietet Informationen über effektiven Einbruchschutz

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Ein aufgebrochenes Fenster, durchwühlte Schubladen, zerbrochene Vasen und Fußabdrücke – so finden manche Menschen ihre Wohnung bei der Heimkehr vor. Foto: Polizei

ie Tage werden kürzer, es wird wieder früher dunkel. Für Einbrecher ergeben sich damit mehr gute Gelegenheiten, unbehelligt zu Werke zu gehen. Die Polizei informiert die Bevölkerung daher zu dieser Jahreszeit verstärkt zum Thema Einbruchschutz. Es gibt bundesweit wieder zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen im Rahmen der Einbruchschutzkampagne KEinbruch. Zudem wurde die Kampagnenwebsite neu gestaltet und bietet noch übersichtlicher umfassende Informationen zu geeigneter Sicherungstechnik und den von der Polizei empfohlenen Verhaltensmaßnahmen. Der Internetauftritt wurde überarbeitet und den heutigen Webstandards angepasst, so dass die Seite jetzt auch auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets optimal angezeigt wird. »Mit diesem Design und barrierefreien Elementen wollen wir das Thema Einbruchschutz für

die Bürger noch attraktiver darstellen und sie dafür sensibilisieren, in geprüfte und zertifizierte Sicherungstechnik zu investieren«, so Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Viele unterschätzen das Risiko, ins Visier von Einbrechern zu geraten. Der Einbruchreport der Deutschen Versicherer belegt, dass jeder Zweite dem Irrtum unterliegt, bei ihm sei nichts zu holen. Jeder Vierte glaubt, seine Wohnung sei ausreichend geschützt. Durch richtiges Verhalten und die richtige Sicherungstechnik können jedoch viele Einbrüche verhindert werden. So erhalten die Besucher der Kampagnenwebsite www.k-einbruch.de produktneutrale Tipps zur Sicherung von Fenstern und Türen oder des Grundstücks, zu einfachen Verhaltensmaßnahmen sowie Informationen zu Förderung. n

www.polizei-beratung.de

Zahl der Wohnungseinbrüche steigt Interview: Ralf Kaufmann von der Polizei Offenburg spricht über die Entwicklung in der Ortenau

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ie Kriminalstatistik der Polizei besagt, dass die Zahl der Einbrüche in Deutschland abnimmt (151 265 gegenüber 167 136 Fällen im Vorjahr) – nicht jedoch in der Ortenau. Wir sprachen mit Ralf Kaufmann vom Polizeipräsidium Offenburg, Referat Prävention, über diese Entwicklung. Wie haben sich die Einbruchszahlen im Ortenaukreis entwickelt? 2016 stehen in unserer Statistik für den Ortenaukreis 515 Fälle gegenüber 457 im Vorjahr. Das bedeutet einen Anstieg von 58 Wohnungseinbruchdiebstählen und somit eine Steigerung von 12,7 Prozent.

Wo sind in der Ortenau »Brennpunkte« vorzufinden, das heißt, Orte, in denen überdurchschnittlich häufig eingebrochen wird? Grundsätzlich ist das Tatgeschehen breit gefächert. Besonders gefährdet sind je-

Im Gespräch mit Ralf Kaufmann, Polizeipräsidium Offenburg

Wie steht der Ortenaukreis, gemessen am Land Baden-Württemberg, da? Im Land Baden-Württemberg war 2016 ein Rückgang an Wohnungseinbruchdiebstählen von insgesamt 9,5 Prozent zu verzeichnen. Dieser Trend war im Ortenaukreis letztes Jahr gegenläufig. Woran liegt es, dass sich die Zahlen negativ entwickelt haben? Die strategisch günstige Lage mit der Rheinschiene, der A 5 und der Nähe zu Frankreich mit mehreren Grenzübergängen im Dienstbezirk sind sicherlich einige der Faktoren, die diese Entwicklung begünstigt haben.

doch Objekte in Ortsrandlage und solche mit schlechter Einsehbarkeit. Kommen die Täter aus der Region oder handelt es sich um Auswärtige?

Beim Großteil der ermittelten Täter handelt es sich um organisierte Banden aus Osteuropa. Darüber hinaus konnte einem ebenfalls aus Osteuropa stammenden Einzeltäter nachträglich eine größere Tatserie nachgewiesen werden. Was bringt am meisten, um sich vor Einbrechern zu schützen? Ein Täter sollte durch mechanische Einrichtungen gehindert werden, schnell in ein Objekt eindringen zu können. Wird der Aufwand zu groß, steigt das Entdeckungsrisiko und die Chancen sind hoch, dass ein Versuch abgebrochen wird. Im Übrigen sind in den letzten Jahren nahezu die Hälfte aller Wohnungseinbruchdiebstähle an Sicherungstechnik oder aufmerksamer Nachbarschaft gescheitert. Was kosten Sicherungsmaßnahmen wie Türen- oder Fenstersicherungen beispielhaft? Für eine normgerechte Nachrüstung, beispielsweise eines Fensters, muss man durchschnittlich etwa 300 Euro investieren. Das kommt aber auch wesentlich auf die Voraussetzungen an, die das vorhandene Fenster bereits bietet. In jedem Fall sollte man sich einen Kostenvoranschlag eines geschulten »Nachrüsters« einholen. n

Die Fragen stellte Thomas Kroll.


SICHER LEBEN

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Einbrecher haben es oft viel zu leicht Kriminalität: Das Risiko, Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden, kann verringert werden / Präventionsstelle der Offenburger Polizei gibt Mietern und Hausbesitzern Tipps

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inbruchsdiebstähle haben gerade in der Ortenau vergangenes Jahr gegen den Trend deutlich zugenommen. Viele Bürger machen es den Eindringlingen noch immer viel zu leicht, in Wohnräume zu gelangen. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich am besten schützen kann. Klaus-Dieter Strauß, Kriminalhauptkommissar beim Referat Prävention, weiß, dass viele Menschen beim Verlassen des Hauses einige einfache Regeln missachten, die vermeintlichen Gaunern das Leben schwer machen können. »Nach unseren Erfahrungen suchen Einbrecher immer erst die schwächsten Stellen am Haus, um einzudringen«, erklärt Strauß. Leider werde es den Tätern immer noch sehr einfach gemacht. In etwa 80 Prozent aller Fälle brechen sie ebenerdige Fenster oder Türen auf, oft auf Terrassen und Balkonen. Häufig geschieht dies an der Gebäuderückseite.

Wohnungsschlüssel niemals außerhalb der Wohnung deponieren In nur etwa 30 Prozent der Fälle dringen Täter an der Gebäudevorderseite ein. Hierbei werde häufig ein Schraubendreher verwendet, den die Täter unauffällig in der Hosentasche dabei haben. Handelsübliche Fenster ohne Sicherungstechnik lassen sich damit in wenigen Sekunden öffnen. Studien zufolge sei bei Einbruchsdelikten trotz aller Präventionsmaßnahmen der Polizei immer noch ein erstaunlich großer Anteil der Fenster oder Fenstertüren gekippt gewesen und habe Einbrechern so den Zutritt ermöglicht. »Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster«, erklärt Strauß. Um unerwünschten Überraschungen vorzubeugen, sei es empfehlenswert, alle Fenster komplett zu schließen. Doch auch die Wohnungseingangstür ist für Verbrecher ein beliebter Weg. Sie sollte immer zweimal abgeschlossen und nicht einfach nur ins Schloss fallen gelassen werden. Schlüssel sollten zudem niemals außerhalb der Wohnung hinterlegt werden: »Einbrecher kennen jedes Versteck«, warnt die Polizei Baden-Württemberg in ihren Aufklärungsmedien. Durch Nachrüstung möglicher Eingänge oder die Erweiterung mit Sicherungstechnik könne einem Einbrecher das Eindringen erschwert werden. Er benötige so mehr Zeit und stärkere Werkzeuge, was ihn oft dazu veranlasse, unverrichteter Dinge wieder abzuziehen und nach einem anderen, nicht so gut gesicherten Objekt Ausschau zu halten. Es gibt zwar eine große Anzahl einbruchshemmender Fabrikate. Die Polizei empfiehlt jedoch ausschließlich die Ver-

Terrassentüren sind ein sehr beliebter Weg, um in ein fremdes Haus zu gelangen – besonders, wenn sie nicht zusätzlich gesichert sind. Die Polizei empfiehlt, Eingänge und auch Fenster nachzurüsten oder mit moderner Sicherungstechnik zu erweitern. Foto: Polizeiliche Kriminalprävention wendung geprüfter Produkte. Entsprechende Herstellerverzeichnisse gibt es beispielsweise auf den Internetseiten der Polizei unter www.polizei-beratung.de und unter www.k-einbruch.de.

Ein Haus sollte auch bei längerer Abwesenheit immer bewohnt aussehen Ebenfalls hilfreich sind zusätzliche Alarmanlagen: Mechanische Sicherungen, die sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, stehen an erster Stelle. Sie können dem Täter einen bestimmten Widerstand entgegensetzen und einen Einbruch unter Umständen verhindern. Zusätzlich eingebaute Einbruchmeldeanlagen (EMA) bieten darüber hinaus eine Meldewirkung. Dadurch erhöht sich das Risiko für den Einbrecher, entdeckt zu werden, wesentlich. Zudem verhindert die Alarmanlage

die Gefahr, beim nach Hause kommen einem Einbrecher in die Arme zu laufen. Am besten ist es, die mechanische Sicherungstechnik mit der elektronischen Überwachung zu kombinieren. Grundsätzlich sollte auch ein Überfallalarm ausgelöst werden können. Und wie suchen sich die Ganoven ihre Objekte aus? In den Sommermonaten schauen die Täter oft nach Häusern, an denen alle Rollläden geschlossen sind, verrät Strauß von der Präventionsstelle der Polizei. Daher sollte das Wohnhaus auch bei längerer Abwesenheit immer bewohnt aussehen. Morgens sollten die Rollläden hoch-, abends wieder heruntergefahren werden. Weiterhin sollte jeden Tag der Briefkasten geleert werden. An diesem Punkt zahle sich Nachbarschaftshilfe wirklich aus, so Strauß. Dazu sei es von Vorteil, vorher Telefonnummern auszutauschen, unter denen man sich im Notfall erreichen kann. Von Thomas Kroll


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SICHER LEBEN

Experte gibt Tipps für sicheres Surfen Computer: Opfer von Internetkriminalität zu werden, ist nicht längst mehr unwahrscheinlich / Täter verschlüsseln Daten und erpressen dafür Lösegeld

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nline-Shopping, Online-Banking, soziale Medien und vieles mehr – das Internet ist zum festen Bestandteil unseres Alltags geworden. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema Datensicherheit zu befassen. Sebastian Biedermann ist selbstständiger Berater für IT-Sicherheit und hält bei der VHS Lahr Vorträge zum Thema Kriminalität im Internet . Er findet, dass die Menschen im Umgang mit ihren Daten im Internet leichtsinniger geworden sind. Dass kontinuierlich Informationen geteilt werden, sei zur Normalität geworden. »Wer nicht mitmacht, ist schnell isoliert«, sagt der Experte. So sei es heutzutage kaum denkbar, Kontakte ohne WhatsApp zu halten.

Das Problem »Das Problem mit den Daten im Internet ist, dass wir, sobald wir sie hochgeladen haben, nicht mehr die Kontrolle darüber haben«, erklärt Biedermann. Trotz aller Versprechen der Internetfirmen: Datenbanken können gehackt werden, Mitarbeiter können Fehler machen oder Gesetze in Grauzonen verschwimmen. »Jeder sollte sich mit dem Thema Datensicherheit befassen und damit, welche Maßnahmen man ergreifen kann, um sich zu schützen«, findet Biedermann. Deshalb solle man sich überlegen, was man über das Internet mitteilen möchte. Dabei hilft die Fragestellung, ob man damit leben könnte, wenn diese Infos anderen Nutzern ohne die eigene Zustimmung zugänglich wären. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Internetkriminalität zu werden, sollten auch Privatpersonen nicht unterschätzen. Durch die vollständige Automatisierung von Angriffen und die steigende Menge an Schadsoftware sei die Wahrscheinlichkeit zum Ziel zu werden, deutlich gewachsen.

Computer-Experte Sebastian Biedermann aus Lahr kennt die Gefahren, die für Privatenutzer im Internet lauern. Foto: Kroll Doch was genau ist unter Internetkriminalität zu verstehen? Der Experte gliedert die kriminellen Akteure im Netz in drei Kategorien. Der erste Typ möchte Geld verdienen, indem er Rechner mit Schadsoftware infiziert. So greifen die Kriminellen Zugangsdaten zum Online-Banking ab und können sich dann selbst Geld überweisen. Eine zweite Variante ist, dass Daten verschlüsselt werden, um Lösegeld zu erpressen. Dieser Typ ist für Privatnutzer der gefährlichste. Es gibt jedoch auch politisch motivierte Angreifer, die häufig im Rahmen von Industriespionage arbeiten. Der dritte Typ ist der »Insider«, der Zugänge zu Systemen besitzt und deshalb große Firmenschäden anrichten kann.

Die Expertentipps

Im Internet muss sich jeder selbst schützen. Auf professionelle Hilfe sollte man zurückgreifen. Foto: dpa

Unsicherheit herrscht oft auch dann, wenn Nutzer ihre Daten richtig absichern wollen. Biedermann hat für solche Vorhaben einige wertvolle Tipps parat: n Keine Datensicherung in der Cloud: »Es gibt einfach zu viele Unklarheiten und keine Garantien«, findet der Experte. Stattdessen rät er, Daten regelmäßig auf einem externen Datenträger zu speichern, der sich verschlüsseln oder sicher wegschließen lässt. n Eine gute Antiviren-Software: Diese Software müsse heutzutage mehr können als das bloße Detektieren von bereits bekannter Schadsoftware. »Es gibt ausgefeilte Software-Produkte, die auch sicherheitsrelevante Anomalien im Betriebssystem erkennen. So kann bislang unbekannte Schadsoftware erkannt werden, die auf neuen Strategien basiert«, erklärt Biedermann.

n Website vor dem Login prüfen: Bevor sich Nutzer einloggen, sollten sie die Adresse der Website im Browser überprüfen und auch darauf achten, dass diese mit »https« beginnt. Das bedeutet, dass die Website verschlüsselt ist. n Verschiedene, komplexe Passwörter verwenden: Um die Übersicht zu behalten empfiehlt Biedermann einen sogenannten »Passwort-Manager«, eine kostenlose Software, die Passwörter generiert und verschlüsselt abspeichert. n Software aktuell halten: Updates für den Browser und das Betriebssystem sollten zeitnah installiert werden.

Der Ernstfall Und was kann man noch tun, wenn alle Vorsichtsmaßnahmen doch nichts gebracht haben und der Computer infiziert ist? Dann rät Biedermann in jedem Fall davon ab, Lösegeld zu bezahlen. »Die Vergangenheit hat gezeigt, dass verschlüsselte Daten nach einer Weile wieder entschlüsselt werden können«, so Biedermann. Doch nicht immer sind Angriffe so einfach zu erkennen: Nutzer sollten auf ungewöhnliche Aktivitäten auf dem Computer achten, wie auf unbekannte Fenster, die Infos abfragen, oder ein inaktiver Virenscanner, der sich aus nicht ersichtlichen Gründen nicht mehr verwenden lässt. In einem solchen Fall ist die richtige Maßnahme aufwendig, aber gründlich. Biedermann rät, das System neu zu installieren und alle verfügbaren Updates mit einzuspielen. n

Von Alena Ehrlich


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Eltern aufgepasst! Computer: Kinder nicht unbeaufsichtigt surfen lassen / Eltern tragen die Verantwortung

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uch Kinder surfen heutzutage im Netz und sind bereits im Grundschulalter oft besser informiert als ihre Eltern. Der Experte rät zur Vorsicht und zu frühzeitiger Sensibilisierung. Denn wie Erwachsene können auch Kinder die Problematik

Kinder surfen bei Facebook häufig ohne jede Aufsicht. Foto: dpa

durchaus verstehen. Biedermeier rät zu dem einfachen Nachdenken über »Was-wäre-wenn«-Beispiele. Zum Beispiel: »Was wäre, wenn jemand das Smartphone stiehlt und damit Zugriff auf alle Daten darauf bekommt?« Oder: »Was wäre, wenn jemand das Passwort zum sozialen Netzwerk errät und Zugriff auf alle Nachrichten bekommt?« Auch wenn es die Hersteller versprechen: Oft sind Filter, die Kinder und Jugendliche automatisiert vor negativen Inhalten im Internet schützen sollen, nicht zufriedenstellend. Besonders für kleine Kinder rät Biedermann, dass Eltern schrittweise nur einzelne Angebote im Internet freischalten und den Rest komplett blocken. Hierfür stellen viele Browser leicht zu handhabende Funktionen zur Verfügung. Mit zunehmendem Alter kann man den Spielraum erweitern. n

Von Alena Ehrlich


n SICHER LEBEN

Gemeinsam mit Erwachsenen sollten Kinder das richtige Verhalten im Straßenverkehr einüben, sodass sie ein Gefühl für Gefahrensituationen bekommen. Foto: Polizei

Richtiges Verhalten im Straßenverkehr Verkehrssicherheit: Wenn Kinder zu viel herumgefahren werden, fehlen ihnen wichtige Erfahrungen / Den Schulweg gemeinsam zu gehen, ist ein guter Anfang

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er Straßenverkehr birgt viele Gefahren – besonders für Kinder, die noch nicht gelernt haben, brisante Situationen richtig einzuschätzen. Doch wie lässt sich richtiges Verhalten im Straßenverkehr am besten und vor allem sicher trainieren. Der Straßenverkehr ist sicherlich nicht kindgerecht und vor allem kein Schonraum«, sagt Hans Peter Huber vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Offenburg. Dort befasst er sich unter anderem mit dem Thema Verkehrssicherheit. Vielmehr sei der Straßenverkehr ein komplexes System, das ohne Regeln nicht funktioniere. Oft ist die Sorge um das Wohl der Kinder so groß, dass Eltern ihren Nachwuchs lieber selbst mit dem Auto in den Kindergarten, zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten fahren. Dies bringt aber auch Probleme mit sich. »Die von den Eltern verursachten Verkehrssituationen vor solchen Einrichtungen sind beim Bringen oder Abholen der Kinder oft haarsträubend«, berichtet Huber. Mangelhaft sei häufig auch die Sicherung der Kinder im Fahrzeug. »Hier wäre ein wenig mehr Obhut angebracht«, findet der Experte.

Kinder können Wege nur mit Training bewältigen Hinzu komme, dass diese Kinder richtiges Verhalten im Straßenverkehr nicht ausreichend üben. »Überbehüteten Kindern fehlen Erfahrungen, die sie brauchen, um ihre Wege zum Beispiel zur Schule zu bewältigen. Man nimmt ihnen

die Chance, das in der Theorie Erlernte auch praktisch umzusetzen und Problemlösungsstrategien zu entwickeln«, erklärt Huber. Diese Selbstständigkeit sei zum Beispiel bei schlechten Witterungsverhältnissen, Dunkelheit oder auch bei zugeparkten Gehwegen besonders wichtig. In der Statistik des Polizeipräsidiums Offenburg wurden im Jahr 2016 innerhalb des Ortenaukreises 166 Verkehrsunfälle registriert, an denen Kinder bis 13 Jahre beteiligt waren. Zwar kam im vergangenen Jahr keines der Kinder bei einem der Unfälle im Landkreis zu Tode, jedoch wurden 22 schwer verletzt und 90 erlitten leichte Blessuren. »Nachdenklich stimmt die Zahl, dass 54 der verletzten Kinder Beifahrer in einem Auto waren«, findet Huber. Dass ein Kind in der Lage ist, seine Wege im Straßenverkehr sicher zu bewältigen, ist nur mit einem längerfristigen und aktiven Training möglich. »Verkehrsgerechtes Verhalten fällt nicht vom Himmel«, betont Huber. Doch wie können Eltern zum richtigen Verhalten ihrer Kinder im Straßenverkehr beitragen? Wie viel Eigenverantwortung können sie dem Kind zuzutrauen? »Je nach Alter bringen Kinder unterschiedliche geistige und körperliche Voraussetzungen mit«, erklärt Huber. Ein Dreijähriger könne mit einiger Übung gerade mal ein herannahendes von einem stehenden Auto unterscheiden. Das reich natürlich nicht zur Einschätzung einer Gefahr. Geschwindigkeiten können Kindergartenkinder in der Regel sogar überhaupt nicht einschätzen und auch ihr Sichtfeld ist eingeschränkt. Vielen Eltern sind diese naturgegebenen Defizite gar nicht bewusst.

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass Kinder für alle Arten von Sinnesreizen sehr empfänglich sind und sich deshalb besonders leicht ablenken lassen. Das herannahende Auto rückt dann plötzlich in den Hintergrund und wird gar nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen.

Lernen durch Beobachtung und Nachahmung Auf jeden Fall nicht unterschätzen sollten Erwachsene ihre Vorbildfunktion. Die einfachen Regeln des Straßenverkehrs sind nämlich schon für Kindergartenkinder nachvollziehbar. »Das eigentliche Problem für Kinder sind daher die Erwachsenen, die die Regeln den eigenen Bedürfnissen anpassen«, sagt Huber. Wenn Erwachsene etwa bei Rotlicht die Straße überqueren, weil sie es eilig haben, oder sich nicht angurten, lernen die Kinder durch ihre Beobachtungen, dass sie sich nicht unbedingt an die Regeln halten müssen. So übernehmen sie das Verhalten der Erwachsenen und bringen sich damit selbst in Gefahr. Es bleibt immer ein kleines Dilemma: »Einerseits wollen und müssen Kinder selbstständig ihren Weg gehen, andererseits sind sie weit weg von einem verlässlichen Gefahrenbewusstsein«, sagt Huber. Ihnen Training und Übung vorzuenthalten sei für dieses Problem jedoch nicht die richtige Lösung. n

Von Alena Ehrlich


SICHER LEBEN

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Kinder und Jugendliche lernen spielerisch von den Profis Training: Polizei und Verkehrswacht haben viele Angebote zum Trainieren schwieriger Situationen

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m richtiges Verhalten im Straßenverkehr in einem sicheren Umfeld zu lernen und zu üben, gibt es auch in der Ortenau spezielle Angebote für Kinder. Der Klassiker ist die Jugendverkehrsschule für Viertklässler. Diese wird bundesweit flächendeckend in Kooperation mit Schulen, Kommunen und Verkehrswacht durch die Polizei organisiert und angeboten. Kinder lernen dort direkt von den Experten der Verkehrswacht und der Polizei, wie sie sich als Fußgänger und Fahrradfahrer im Straßenverkehr richtig verhalten. Neben der Bedeutung von Verkehrsschildern lernen sie, wie man mit dem Fahrrad richtig abbiegt und sich vorausschauend und rücksichtsvoll verhält. Am Ende steht dann eine Fahrradprüfung. In der Ortenau werden jedes Jahr rund 4000 Grundschüler mit dieser Aktion erreicht. Für fünfte Klassen bietet die Polizei ein Schulbustraining an. Dabei werden die Schülern auch für die Gefahren durch tote Winkel und die Nutzung von Smartphones im Straßenverkehr sensibilisiert. Die Radhelmkampagne »Schütz dein Bestes« richtet sich vor allem an sechste Klassen und soll das freiwillige Tragen von Fahrradhelmen fördern. Doch auch jüngere Kinder werden erreicht: Das Referat Prävention beim Polizeipräsidium Offenburg bietet zum Beispiel an den Kinder-

Kinder lernen in Hausach bei Profis, wie sie sich mit dem Fahrrad sicher im Straßenverkehr bewegen. Foto: Kornfeld gärten im Landkreis flächendeckend ein Verkehrstraining für Vorschulkinder an. Polizeibeamte üben dann vor Ort mit den Kindern das Überqueren von Straßen und das richtige Verhalten auf dem Fahrrad sowie im Auto. Nebenbei geben sie den Kindern außerdem spielerische Ver-

haltenstipps für den öffentlichen Raum. Der Spaß kommt dabei auch nicht zu kurz: Die Kinder dürfen zwischendurch in einem echten Polizeiauto sitzen und auch mal das Blaulicht einschalten. n

Von Alena Ehrlich

Kindern ein Vorbild sein

Schulweg: Erstklässler anfangs auf ihrem Schulweg begleiten und richtiges Verhalten stets vormachen

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ans Peter Huber vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Offenburg hat für Eltern schulpflichtiger Kinder einige Tipps parat. »Eine gute Sache ist es, wenn Eltern den Schulweg anfangs mit den Kindern gemeinsam gehen und dabei gefährliche Stellen mit ihnen besprechen«, so der Experte. Beim praktischen Training sollten die Eltern den Kindern helfen, eine positive Einstellung zu dem komplexen Thema Verkehrssicherheit zu gewinnen. Auf keinen Fall sollten Vater oder Mutter die Angst vor einer unangenehmen Situation schüren. »Angst lähmt die Kleinen«, erklärt Huber. »Verhaltensratschläge müssen das Kind positiv bestärken. Übung, Routine und Lob steigern die Aufmerksamkeit und auch auch das Selbstbewusstsein der Kinder. Und dieses Vertrauen in die eigenen Kompetenzen brauchen Kinder später, um auch allein sicher ans Ziel zu kommen.«

Nach einiger Zeit sei es hilfreich, wenn die Kinder nicht allein, sondern in Gruppen unterwegs sind. So werden sie zum Beispiel von Autofahrern besser wahrgenommen. Darüber hinaus schafft die Gemeinschaft in der Gruppe Sicherheit bei der Bewältigung kleinerer Probleme, wie ein Sturz eines Kindes auf dem Schulweg. Die Broschüre »Weil Kinder keine Bremse haben« kann für Eltern zusätzlich eine hervorragende Unterstützung bei der Verkehrserziehung der Kinder sein. Neben etlichen Tipps zum Training mit den Kindern zeigt die Broschüre auch anschaulich auf, in welchen Entwicklungsstufen sich Kinder in welchem Alter befinden. Die Broschüre für die Eltern künftige Verkehrsteilnehmer kann kostenlos im Internet unter www.gibacht-im-verkehr.de heruntergeladen werden. n Von Alena Ehrlich

Impressum »Sicher leben« ist eine Sonderveröffentlichung des Verlags der Lahrer Zeitung GmbH Verlag und Herausgeber Lahrer Zeitung GmbH Kreuzstraße 9, 77933 Lahr Geschäftsführung und Anzeigenleitung Ulrike Lambart Redaktion Jörg Braun (V.i.S.d.P.), Wolfgang Achnitz Druck Druckzentrum Südwest GmbH Villingen-Schwenningen Erscheinungstermin 18. November 2017


Sicher leben 2017  
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