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ETTENHEIM

Samstag, 10. August 2019

Kurier Seite 6

Bewegten sich auf dem Hochseil so sicher, als liefen sie auf dem Boden: die Himmelsakrobaten.

Fotos: Göpfert

30 Jahre Circus Paletti – und immer noch beeindruckend

Vorstellung | 60 Artisten treten an der Ettenheimer Heimschule St. Landolin auf

Meister am DIabolo: Jodia alias Joschua Sprang

Schattentheater, Einrad, Akrobatik, Jonglage, Trapez, Clownerie, Zauberei, Feuershow und Luftartistik – nur einige der Attraktionen, die die Besucher beim Circus Paletti erwarten. Das ist auch im 30. Jahr des Bestehen des Zirkus’ nichts anders. n

Legten einen starken Auftritt hin: Die »High Out Girls« zeigten als Cheerleader verkleidet Leiterakrobatik.

Von Julia Göpfert

Ettenheim. »Zum 30. Geburtstag in der Heimatstadt aufzutreten, das ist schon etwas ganz Besonderes«, erklärt der Direktor des Circus Paletti, Stefan Fehrenbach, gegenüber der Lahrer Zeitung. Der Amateur-Zirkus durfte sich gleich an seinem diesjährigen Premierenabend in Ettenheim über ein Rekord-Publikum freuen. 450 Menschen waren gekommen, um sich die Darbietungen anzusehen. »Das ist eine echt beeindruckende Zahl«, sagt Fehrenbach.

Echt beeindruckend war aber auch das Programm, das die »Paletti«-Familie bot. Als eine der Ersten traten die Saltinis auf. Ihre Gruppe ist seit Anfang an dabei, zwei der Damen sogar von der allerersten Vorstellung an. Temporeiche Sprünge, Flick-Flacks und Saltos beherrschen sie immer noch perfekt. Nicht ganz so lange – seit 25 Jahren – findet Anke Jedanowski alias Circolar jedes Jahr aus dem hohen Norden ihren Weg in die Ortenau. Sie ist die Meisterin der Devilsticks. Ebenfalls viel Geschick im Werfen und Auffangen von Gegenständen zeigten »Jodia« mit dem Diabola und auch mit der »Gentleman«-Jonglage mit Hut und Bällen sowie das Duo »SpinAround« mit ihren Leuchtdiabolos. »Supercalifragilisticexpialigetisch« wurde es mit Katrin Wilhelm als Mary Poppins. Sie legte wieder einen gewohnt starken Auftritt hin und und bekam viel Applaus

für die Figuren, die sie bei ihrer rhythmischen Sportgymnastik darbot. Als Cheerleader begeisterten die »High Out Girls«, ihre Figuren an der Leiter beeindruckten das Publikum. Ebenfalls temporeich unterwegs waren »The Greatest Showgirls« in Sachen Tanzakrobatik, mit einem Herrn in ihrer Mitte. Diese Disziplin beherrschten auch die Paletti Dance Crew sowie »Black Magic«, die zudem aufeinanderstehend kunstvolle Figuren bildeten. Egal, ob an Ringen, am Trapez, an der Vertikalstange oder auf dem Hochseil – auch die Luftakrobatik begeisterte das Publikum wieder einmal – nicht zu vergessen, die Nummer der »verflixte Hut«, die mit dem Fahrrad auf dem Hochseil dargeboten wurde. Für ein im wahrsten Sinne feuriges Finale sorgte schließlich die Gruppe »Illumino«. BILDERGALERIE: u www.lahrer-zeitung.de

INFO

Kein Jahr gleich Der Circus Paletti tritt jedes Jahr an einem anderen Ort auf. Dabei müssen sich nicht nur die Helfer hinter den Kulissen jedes Jahr auf eine neue Situation einstellen, sondern auch die Akteure – jedes Jahr gibt es Choreografien- und Kostümwechsel. »Natürlich sind viele Zirkusdisziplinen immer wieder dabei. Die Einradfahrer etwa fahren immer Einrad, die Hochseilartisten sind immer auf dem Hochseil, aber das Thema ihrer Aufführungen muss jedes Jahr ein anderes sein«, erklärt Direktor Stefan Fehrenbach. So bleibe jedes Jahr beim Circus Paletti für die Zuschauer einzigartig. Zudem wird es am dritten Advent dieses Jahr noch einen Weihnachtszirkus in Ettenheim geben. »Da probieren wir mal etwas ganz Neues aus«, macht Fehrenbach neugierig.

Spannender Blick hinter die Kulissen

Auftritt | Nicht nur die Nummern müssen sitzen / 2020 schon im Blick Ettenheim (jg). »Das ist das Herz des Zirkus’«, erklärt Paletti-Direktor Stefan Fehrenbach, als er in der Pause am Premierenabend in Ettenheim einen kurzen Blick hinter die Zirkusarena gewährt. In dem Requisitenzelt, das sich direkt an die Kulissen anschließt, liegt alles, was die Artisten für ihre Vorstellung brauchen. Es gibt den Ehrenkodex, dass niemand etwas anfasst, was ihm nicht gehört, sodass jeder für die Show seine Sachen dort wiederfindet, wo er sie zuvor abgelegt hat.

Hinter den Kulissen herrscht, aber keine Hektik. Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Helfer verstauen nicht mehr benötigte Requisiten, Techniker sorgen für die ideale Beleuchtung, ein paar Artisten ziehen sich im Kleiderzelt um oder lassen sich schminken. Neben dem Eingang in die Arena hängt eine Tafel, auf der steht, wann wer seinen Einsatz hat. Die Regisseure sorgen dafür, dass jeder rechtzeitig bereit ist. »Das sind meistens die Angehörigen der Artisten. Irgendje-

Hinter der Zirkusbühne muss auch mal kräftig angepackt werden. Die Zuschauer bekommen davon kaum etwas mit.

mand hilft und unterstützt uns immer«, sagt Fehrenbach. Cordula Schultheiß oder Anke Jedanowski haben da schon langjährige Routine. Sabine Schindler hingegen ist

»

Natürlich haben wir Lampenfieber.« Zirkus-Direktor Stefan Fehrenbach dieses Jahr zum ersten Mal für »Paletti« im Einsatz. Sie hat schon für den Circus Monti oder Knie die Choreografien erstellt hat und »mit ihren Ideen noch mal einiges aus den Nummern rausgeholt«, berichtet Fehrenbach. So viele wie vor dem Publikum stehen, so viele sind im Hintergrund im Einsatz. Insgesamt sind es gut 120 Leute, die für den Zirkus ehrenamtlich im Einsatz sind und sich meist extra freigenommen haben. Und sie alle wohnen für während der Show-Zeit in Wohnwagen oder Zelten zusammen in der Nähe der Zirkusarena. »Es ist ein Wahnsinnsgefühl für zehn Tage so

eng zusammen zu sein«, erklärt Fehrenbach. Traditionell ist der Zirkus jedes Jahr für vier Tage in der Nähe seiner Heimatstadt Ettenheim und davor für drei weitere Tage etwas weiter weg. Dieses Jahr war der Circus Paletti in Forchheim, bevor es an die Heimschule in Ettenheim ging; einen Tag länger als üblich bleibt er dort, weil es das 30. Jahr des Zirkus-Bestehens ist. Alles muss für diese Zeit gut organisiert sein: Das Wohnwagen- und Zeltaufstellen, Anschlüsse für Wasser oder das Sammeln des Abwassers. Auch die Tiere, die in der Arena auftreten, wollen untergebracht und versorgt werden. »Ich bin jedes Jahr aufs Neue erstaunt, wenn ich sehe, wie viele Autos und Lkws an unseren Veranstaltungsorten ankommen und im Einsatz sind«, sagt Fehrenbach. Eine Riesenlogistik, die entsprechenden (Vor-)Aufwand bei der Organisation erfordere. »Wir wissen jetzt schon, wo wir nächstes Jahr auftreten«, verrät Fehrenbach – nämlich

Letzte Besprechung vor dem großen Auftritt: Zirkus-Direktor Stefan Fehrenbach (rechts) klärt mit seinem Sohn letzte Details für ihre Nummer »Scheffes und Schulze« ab. Fotos: Göpfert in Ringsheim und Biederbach, wohin der dortige Bürgermeister den Zirkus extra eingeladen hat. Diert. Amateur-Artisten und -Künstler beginnen etwa ein halbes Jahr vor den Auftritten zu proben. Haben sie Lampenfieber? »Natürlich«, erklärt Fehrenbach, der zusammen mit seinen Söhnen als Clown für Lacher sorgen

soll. Auch er kennt das Kribbeln vor dem Auftritt. »Besonders heute, wo es der erste Abend in Ettenheim, der Heimatstadt des Zikus’ ist.« Was er dagegen macht? »Einfach den Auftritt absolvieren und davon ausgehen, dass es dann von selbst weggeht«, erklärt er lachend. An diesem Abend klappt es, die Zuschauer sind begeistert.

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Wochenzeitung Kurier 10.08.2019  

Der neue Kurier hat folgende Themen: - Schlossfestspiele Schmieheim - Tutschfelden: Marktkaffee in der Heimatstube - Ettenheim: Kindergarten...

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