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Ausgabe B4 | KI

PERSPEKTIVE

ERLEBEN

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GENIESSEN

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GESTALTEN


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MEINE HEIMAT

Liebe Leserin, lieber Leser, was macht die Ortenau und den Schwarzwald als Heimat eigentlich so besonders? Von Eindrücken eines Neubürgers, der die Region schnell lieben lernt

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nd? Wie ist es so, in der neuen Heimat? So lautet die meistgestellte Frage in meiner alten Heimat, im Hegau und am Bodensee, einer tollen Region im Südbadischen. Und doch stellt man als Neubürger nach gut 100 Tagen in der Ortenau und im Kinzigtal so einige Besonderheiten fest, die diesen Landstrich in Baden-Württemberg einzigartig machen. Markantester Punkt: die Temperaturen. In der Ortenau und im Kinzigtal ist es nahezu immer einen »Kittel wärmer« als andernorts auf der Wetterkarte. Buchstäblich hautnah zu erspüren, nun in der wärmsten Ecke Deutschlands zu leben, das stimmt wirklich froh und heiter. Dann die Landschaft, mit ihren faszinierenden Wechseln. Das flache Rheintal mit oftmals endlos scheinendem Raum und freier Weite – und reichlich Platz für Gedanken. Es mündet in die sanften Vorberge, am Fuße des Schwarzwaldes, dieser gesegneten Landschaft mit ihren Tälern und Höhen und den stolzen historischen Städten im Kinzigtal. Kein Wunder, dass Abertausende Urlauber ihre persönliche Heimat in den kostbarsten Wochen des Jahres mit diesem Landstrich eintauschen und sich hier erholen.

Jörg Braun, Redaktionsleiter Gemütlicher sei es in der Ortenau, die Menschen genussvoller und nicht so hektisch, berichten Einheimische und Kenner der Region. Sie haben recht. Nicht immer, aber öfter als in anderen Landstrichen nehmen sich die Menschen hier Zeit zum Genießen. Morgens um elf im Café, da darf es zur Tasse Kaffee auch schon mal ein Glas Sekt sein. Lebensart à

la Ortenau – und kein Einzelfall, sondern vielfach zu beobachten, wenn man etwa durch die Lahrer Altstadt läuft. Hetzen lässt sich der Menschenschlag hier auch nicht gerne. Wehe, man hat nur wenig Zeit und will in der Metzgerei rasch einen »Fleischkäswecken« kaufen. Das kann mitunter dauern, obwohl an der Theke nur eine Kundin vor einem steht. Bedienung und Kundschaft sind sich einig, sich nicht vom eiligen Zeitgenossen drängeln zu lassen. Keine Chance. Man verlässt die Metzgerei dann mit einem Weck und der halben Lebensgeschichte der Kundin vor einem. Hat auch was. Heimat ist bekanntlich da, wo man gerne ist. Und auch, wo man gerne isst. Zum Beispiel das heimische Nationalgericht Wurstsalat mit Bibbeliskäs‘ und Brägele. Das schafft es sofort in der Liste der Lieblingsgerichte weit, weit nach vorne. Kein Wurstsalat, nirgendwo, schmeckt besser als hier. Naja, ehrlicherweise nicht alles in der neuen Heimat macht glücklich. Wer von der BodenseeAutobahn A 81 kommt, lernt hier im Rheintal sehr schnell, was eine echte Autobahn ist. Lastwagen-Kolonnen ohne Ende, bis zum Horizont reihen sich die Brummis. Das nervt mitunter mächtig. Vor allem, wenn der versprochene Ausbau der A 5 noch Jahrzehnte auf sich warten lässt. Doch die vielen Laster zeigen auch: Die Region brummt wirtschaftlich heftig. Jetzt werden sogar schon die ungelernten Arbeitskräfte knapp, berichten Industrieunternehmen und Handwerksbetriebe. Das zeigt: Dieser Region geht es so gut wie kaum einer anderen im Lande. All‘ dies sind ganz subjektive Eindrücke einer neuen Heimat. Unsere Redaktion hat nun noch viel mehr Menschen dazu befragt, wie sie hier ihre ganz persönliche Heimat erleben. Die Porträts und Geschichten auf den folgenden Seiten dieser Beilage blättern das Leben von ganz unterschiedlichen Menschen und ihren Themen unserer Region auf. Sie wollen Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, Lust auf unsere Heimat machen. Dabei viel Vergnügen!

Herrliche Heimat: Blick auf Hausach mit der Stadtkirche St. Mauritius und das Kinzigtal Foto: Archiv

Publikation Meine Heimat Lahrer Zeitung, Schwarzwälder Bote Kinzigtal, Kinzigtal Kurier 8. April / 12. April 2017 Verlag und Herausgeber Lahrer Zeitung GmbH Kreuzstraße 9, 77933 Lahr Telefon 07821/27 83-0 Geschäftsführung Ulrike Lambart Anzeigenleitung Ulrike Lambart

Redaktion Jörg Braun (V.i.S.d.P.) Titelseite Gestaltung: Natascha Rachel Fotos: Stadt Haslach, Gräff Druck Druckzentrum Südwest GmbH Villingen-Schwenningen


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Imkern ist auch Knochenarbeit Für die Landwirtschaft und den Obstanbau sind Bienen unverzichtbare Helfer. Erhard Krämer kümmert sich um sie seit mehr als 40 Jahren

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s ist die Liebe zur Natur und zu den Bienen, die den Hofstetter Erhard Krämer seit mehr als 40 Jahren zum Imker machen. Für die Landwirtschaft und den Obstanbau sind Bienen unverzichtbare Helfer: Etwa 80 Prozent der Obstbäume werden von Bienen bestäubt. »Ohne Bienen wäre kein Leben möglich«, betont Erhard Krämer und verweist auf berechnete Szenarien und das riesige Land China, wo Obstplantagen aufgrund des Bienenmangels mitunter heute schon per Hand bestäubt werden müssten. »Früher war die Imkerei für mich eine große Abwechslung zur täglichen Arbeit, denn die Ruhe ist das Wichtigste im Umgang mit den Bienen«, erzählt Krämer. Die Bienenvölker seien heute weniger aggressiv als in seinen frühen Imkerjahren, aber Hektik passe nicht zur Imkerei. »Angst darf man keine haben«, betont der Imker, der im Sommer grundsätzlich in T-Shirt und kurzer Hose arbeitet. Der Aufenthalt in der Natur sei als Erholungsfaktor nicht zu unterschätzen, auch wenn der Umgang mit den Bienenvölkern mitunter echte Knochenarbeit

Ruhe ist das Wichtigste im Umgang mit Bienen. Der Hofstetter Erhard Krämer ist Imker aus Leidenschaft. Fotos: privat sei. »Ein Volk wiegt in der Hochsaison 80 bis 90 Kilogramm«, rechnet der Hofstetter. Ein Transport der Bienenkästen sei entsprechend anstrengend, außerdem werden die Bienenkästen vom Frühling bis in den Herbst regelmäßig gewogen. Die kalten Wintermonate werden zum Anfertigen der notwendigen Rahmen für

80 bis 90 Kilogramm wiegt ein Bienenvolk in der Hochsaison. Die Kästen müssen regelmäßig gewogen werden.

die Bienenkästen genutzt, auf denen die Insekten später ihre Waben bauen. Dafür wird das Wachs alter Waben eingeschmolzen und daraus in Formen neue Wachsplatten gegossen. »So weiß ich, was im Wachs drin ist – beziehungsweise dass eben nichts anderes als reines Wachs drin ist«, erklärt Erhard Krämer. Im Herbst wurden die Bienenkästen in die Rheinebene gefahren, wo sie jetzt im Frühling in den gelb blühenden Raps fliegen. Mitte Mai werden sie dort wieder abgeholt und in die dunklen Tannen gestellt. »Für die Bienen sind Pollen das tägliche Brot, ohne Blüten geht gar nichts«, erläutert der Imker. Die Honigernte sei dabei von Jahr zu Jahr verschieden, in manchen Jahren habe man eben nur die Arbeit und nutze den wenigen Honig zur Eigenfütterung der Bienen. Bei den Kunden sei nach wie vor dunkler Tannenhonig am meisten gefragt. Blütenhonig gebe es sehr wenig, weil außer dem Löwenzahn aufgrund des frühen Mähens nicht mehr viele Blumen blühen würden. Deshalb betont Krämer: »Jeder Kleingärtner kann mit einer kleinen Blumenecke in seinem Garten einen wertvollen Beitrag für die Bienen und die Natur leisten.« n

Christine Störr


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Das Lahrer Autohaus Hartmann ist seit 1976 Mercedes-Benz-Vertragshändler. BLICKPUNKT UNTERNEHMEN

Im Zeichen des Sterns Die Heimat von Mercedes-Benz in Lahr ist das Autohaus Hartmann. Es ist der einzige Vertragshändler der Premium-Marke zwischen Emmendingen und Offenburg. 6000 Kunden werden betreut, weshalb Geschäftsführer Alexander Hartmann betont: »Wir halten die Wirtschaft in der Region mobil.« Denn viele Unternehmen in Lahr und Umgebung haben ein Fahrzeug von Mercedes-Benz in ihrem Fuhrpark – sei es ein Pkw, ein Vito oder ein Sprinter. Um die Standzeit und somit die Ausfallzeit des Kundenfahrzeugs so gering wie möglich zu halten, wird das Autohaus Hartmann im Industriegebiet West dreimal am Tag mit Ersatzteilen beliefert. »Wie eine Apotheke«, zieht Alexander Hartmann (auf dem Foto vorne rechts) einen anschaulichen Vergleich. Zum umfassenden Service gehört für ihn auch, immer für die Kunden da zu sein. »Wir haben immer geöffnet – auch samstags, an Weihnachten und an Silvester«, er-

klärt der Firmenchef. Für die Qualität bürgen derweil unter anderem zehn Kfz-Meister – eine sehr hohe Quote. Die Firma ist obendrein in Qualitätsmanagement zertifiziert und lässt die Arbeitsprozesse jährlich von der Dekra prüfen. Da verwundert es nicht, dass das Autohaus schon mehrere Preise errungen hat. Besonders stolz ist der Geschäftsführer auf die Auszeichnung beim Lahrer Kundenspiegel, als der Mercedes-Benz-Händler in allen befragten Kategorien – Freundlichkeit, Arbeitsqualität sowie Preis-Leistungs-Verhältnis – unter den teilnehmenden Autohäusern jeweils Platz eins belegte und damit klarer Branchensieger wurde. Auch wenn das 1976 gegründete Autohaus Hartmann ein regional verbundenes Unternehmen ist, vollzieht sich der Gebrauchtwagenverkauf internationaler denn je. Ob nach Skandinavien, Nordafrika oder Fernost, über das Internet werden weltweit Abnehmer erreicht. »In den vergangenen vier Jahren haben wir in 30 verschiedene Länder Autos verkauft«, nennt Hartmann eine imposante Zahl. Deshalb hat

er 2015, als 1,5 Millionen Euro in den Standort investiert wurden, auch einen speziell ausgeleuchteten Raum zur Erstellung professioneller Fahrzeugbilder erstellen lassen. Bei den Gebrauchtwagen verkauft das Autohaus Hartmann neuerdings das gesamte Segment von Mercedes-Benz in Eigenregie: Ab 1. Mai sind auch gebrauchte Transporter in Lahr zu haben. Neue Mercedes-Benz-Transporter und Lkw werden in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner S&G in Offenburg vertrieben. Für alle Fahrzeuge, also Pkw, Transporter sowie Lkw, übernimmt das Autohaus Wartung und Service sowie Scheiben- und Unfallreparatur. Von der Ausbildung bis in den Ruhestand, das ist beim Autohaus Hartmann nicht ungewöhnlich. »Viele Mitarbeiter sind bereits Jahrzehnte bei uns«, erzählt Alexander Hartmann und führt hierfür das familiär geprägte Klima in dem Lahrer Traditionsunternehmen an. Eine Bezeichnung, die das Autohaus mit Inhalten füllt: So ist die Firma auch Mitglied in der Lahrer Werbegemeinschaft. mabu

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Foto: Buschert

gFakten n Beschäftigte

50 Mitarbeiter, davon sind zehn Kraftfahrzeug-Meister.

n Ausbildung

In der Regel sechs Azubis, aufgeteilt in Pkw- und Lkw-Mechatroniker sowie im kaufmännischen Bereich.

n Präsenz

Einziger Mercedes-Benz-Vertragshändler zwischen Emmendingen und Offenburg. 6000 Kunden mit mehr als 8000 Fahrzeugen werden betreut, davon etwas mehr als 6000 Pkw und rund 2000 Nutzfahrzeuge.

n Tradition

Das Autohaus Hartmann hat vergangenes Jahr sein 40-jähriges Bestehen gefeiert.

Kontakt ) Hartmann GmbH & Co. KG Gottlieb-Daimler-Straße 6 77933 Lahr @ www.hartmann-lahr.de & 07821/58 07 0


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Auf dem Sommerhaldenhof in Haslach stehen bei Klaus Duffner Vorderwälder, seit er denken kann. Bereits sein Vater züchtete die Rasse. Foto: Reinhard

»Sie passen sich den Gegebenheiten an« Vorderwälder Rinder sind für den Schwarzwald typisch / Auf der Liste der gefährdeten Nutztiere

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otgesagte leben länger, heißt es. Aber das allein ist wohl nicht der Grund, warum auf vielen Schwarzwaldhöfen und den dazugehörigen, oftmals steilen Weiden immer noch Vorderwälder zu finden sind. Die für den Schwarzwald typische Rasse steht auf der Liste der gefährdeten Nutztierrassen und wurde vor allem in den 70er- und 80er-Jahren durch Hochleistungskühe verdrängt. Doch mittlerweile sind sie wieder auf den Vormarsch. Warum? Landwirt Klaus Duffner kennt die Gründe. Auf seinem Hof in Haslach leben Vorderwälder »seit ich denken kann«, wie er sagt. Bereits sein Vater züchtete die kleinen und robusten Rinder. 50 Kühe und einen Zuchtbullen besitzt er, zusammen mit den Kälbern und Jungtieren nennt er 120 Tiere sein Eigen. Viele seiner Vorderwälder sind preisgekrönt. »Vorderwälder sind nicht so schwer wie andere Rinder. Sie wiegen nur zwischen 600 und 700 Kilogramm«, nennt er einen Grund für die wieder zunehmende Beliebtheit der Tiere. Der Schwarzwald birgt nämlich ganz besondere landwirtschaftliche Herausforderungen und da wurden schon immer Kühe benötigt, die dem angepasst sind: Kühe, die leichter sind, verursachen im steilen Schwarzwald beispielsweise nicht so viele Trittschäden. Abgesehen davon kommen die Tiere, die weniger Kilos mit sich herumschleppen, besser die Hänge hoch. »Eine 800-Kilo-Kuh rennt eben nicht mal schnell den Buckel hoch, die steht dann nur unten und brüllt, weil sie nicht hochkommt«, fasst Duffner zusammen. Doch das Vorderwälder Rind hat noch weitere Vorteile. Es ist besonders robust, oder wie es Duffner ausdrückt: »Sie passen sich den Gegebenheiten an, wenn irgend etwas ist, wirft sie das nicht gleich aus der Bahn und sie brauchen

nicht viel. Trotzdem bringen sie eine gute Leistung.« »Leistung« bedeutet bei dieser Rasse nicht nur, dass eine Kuh pro Jahr etwa 7000 Liter Milch gibt. Das ist im Vergleich zu einer Hochleistungsmilchkuh, die bis zu 10 000 Liter pro Jahr produzieren kann, gar nicht mal so viel. Die Schwarzwaldkühe sind sogenannte Zweinutzungsrinder, das heißt, sie wurden sowohl für die Milch- als auch für die Fleischproduktion gezüchtet. Diese Vielseitigkeit bei gleichzeitiger Anspruchslosigkeit machte sie und die noch etwas kleineren Hinterwälder bei den Schwarzwaldbauern äußerst beliebt. Beide Rassen, die auch als »Wäldervieh« bekannt sind, wurden bereits 1544 das erste Mal erwähnt und wurden über die Jahrhunderte immer besser an den Schwarzwald angepasst. Das Endergebnis ist ein vitales, langlebiges Rind mit einem klaren Fundament und guten Klauen. Das sind neben Gangwerk,

falt ein. Für Vorderwälderzüchter bedeutet das konkret, dass jedes ins Zuchtbuch eingetragene Rind mit 100 Euro gefördert wird. Auch wenn Vorder- und Hinterwälder immer noch auf der Liste der bedrohten Nutztierrassen stehen: »Im Moment braucht man sich keine Sorgen zu machen«, so Duffner. Dass das so bleibt, dafür leisten er und sein Zuchtbulle »Ragpiras« ihren Beitrag. Den Namen hat der Landwirt nicht ausgesucht, sondern die Rinderunion Baden-Württemberg (RBW). Die geht bei der Taufe nach einem Schema vor. So setzt sich der Name des Bullen aus dem seines Vaters »Ragos« und dem seines Großvaters »Piras« zusammen. Kühe bekommen im Übrigen einen Namen, der mit dem gleichen Buchstaben anfängt wie der ihrer Mutter. Nicht jeder Züchter besitzt einen Bullen, aber Duffner will seinen nicht missen, denn ein männliches Tier im Stall stehen zu haben, bietet Vorteile: »Da sehe ich bei den Kühen gleich, wenn sie gedeckt oder besamt werDie Rasse zeichnet sich durch ihre den können«, erklärt er. Er sagt nicht ohne Grund »oder«, denn seine Kühe erleben soVielseitigkeit bei gleichzeitiger wohl den Natursprung als auch die künstliche Besamung, und das »etwa im VerhältAnspruchslosigkeit aus nis 50 zu 50«. Lange wird Ragpiras allerdings nicht bei ihm bleiben, denn irgendLeistung und Melkbarkeit auch die Kennzeiwann werden seine Töchter alt genug sein, um chen, auf die die Richter bei Zuchtschauen achgedeckt zu werden. Nach zwei bis zweieinhalb ten, wie Duffner erklärt. Dass immer mehr VorJahren muss er gehen. Bis dahin bringen andere derwälder in die Zuchtbücher eingetragen werZüchter ihre Kühe zu Duffner, auch welche aus den, liegt nicht nur daran, dass die Landwirte dem Kinzigtal. Er schätzt, dass es hier etwa 100 erkannt haben, dass diese Rasse im SchwarzMitgliedsbetriebe und 1400 Vorderwälder Kühe wald einfach am besten zurecht kommt. gibt. Und er hofft, dass das auch so bleibt. »GeAuch die Politik hat mit dem Förderprorade im Sinne der Offenhaltung sollte man ein gramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierpaar Vorderwälder im Ort haben«, findet er. wohl, kurz »Fakt«, einen Beitrag geleistet. Dien Charlotte Reinhard ses setzt sich auch für den Erhalt der Artenviel-


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Leidenschaft und Spaß: Hubert Schultis ist in seiner Haslacher Werkstatt voll in seinem Element. Fotos: Kleinberger

Vom Koch zum Maskenschnitzer Rund 4200 Masken für mehr als 50 Narrenzünfte hat der Haslacher Hubert Schultis bislang gefertigt. Langweilig wird das für ihn auch nach 36 Jahren nicht

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as Schnitzen habe ich mir selbst beigebracht«, sagt Hubert Schultis und lächelt. Er sitzt an diesem Vormittag in seiner Werkstatt, die direkt an der Haslacher Ortsdurchfahrt der B 33 liegt. In seinem Geschäft bietet er Schnitzarbeiten aller Art an – sein Metier sind jedoch die Masken, die er für zahlreiche Narrenzünfte fertigt. Seit 36 Jahren übt er den Beruf aus. Für mehr als 50 Zünfte zwischen Einsiedeln in der Schweiz und dem Raum Pforzheim hat Schultis mittlerweile Masken entworfen. Geschnitzt hat er bislang 4200, schätzt der gebürtige Haslacher. Keine von ihnen habe er von seinem Vater übernommen. »Ich habe die alle selbst erarbeitet.« Der Kontakt zu den Zünften habe immer per Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert. Seine Masken »sind das, was besonders Spaß macht« am Beruf.

Das Geschäft mit klassischen Schnitzarbeiten aber ist ebenso wichtig: »Keins geht ohne das andere.« Die Fischerbacher Waldsteinhexe sei die Erste gewesen, die er entwarf. Seine Lieblingsmaske ist allerdings die »Hexe Wackelzahn«, berichtet Schultis und macht auf eine Besonderheit aufmerksam: Der Zahn, der der Figur ihren Namen gibt, ist tatsächlich beweglich. Diese Maske sei auch für ihn persönlich etwas Besonderes. Es war die 3000., die er angefertigt hat – im Jahr 2001 für seine Enkelin. Mit acht Jahren habe er angefangen, zu schnitzen, berichtet der 63-Jährige. Sein Vater habe den Beruf in einer Firma für Kuckucksuhren ausgeübt – »das war reine Akkordarbeit, etwas völlig anderes, als ich jetzt mache«. In die Fußstapfen seines Vaters trat der Haslacher zunächst

Die Liebe zum Detail macht’s aus – auch bei den Holzmasken. Schultis arbeitet derzeit an einem neuen Entwurf für eine Lahrer Zunft.

nicht: Er fand keine Lehrstelle im Beruf und wurde Koch. »Fünf Jahre vor der Rente hat mein Vater sich dann selbstständig gemacht und ich habe das Geschäft schließlich übernommen«, blickt der Spätberufene zurück. »Das war eine Entscheidung vom einen auf den anderen Tag.« Einen Nachfolger hat er jedoch nicht. Ausbildungsplätze sind dünn gesät, und da er keinen Meisterbrief hat, darf er selbst nicht ausbilden. »Ich schnitze einfach, so lange ich kann«, bekennt Schultis. Langweilig wird ihm die Arbeit indes nicht. Beim Werkstattbesuch wird klar, dass Schultis das Handwerk mit Herzblut und Leidenschaft ausführt. Aktuell arbeitet er an einer neuen Maske, die er für die Bruchwaldhexen Lahr-Mietersheim entworfen hat. Das Holz für seine Arbeiten bezieht Schultis ausschließlich aus der Umgebung. Er lässt es im November bei abnehmendem Mond schlagen. Er habe mal gelesen, dass es zu dieser Zeit nicht so arg im Saft stehe wie beispielsweise im Frühjahr. Für die Masken muss es dann drei bis vier Jahre lagern. Im Gegensatz zu den massiven Figuren werden die Masken ausgehöhlt, weshalb die Trockenzeit kürzer ist. Das Holz für Figuren lagert in der Regel etwa sechs Jahre. Gibt es irgendetwas, was Schultis nicht schnitzen würde? »Aktuell bekomme ich viele Anfragen zu gruseligen Masken, die eher in Richtung Perchten gehen sollen«, berichtet er. »Das gehört aber nicht hierher. Die Fasent sollte Spaß machen. Eine Hexe darf böse schauen, aber nicht so, dass sie furchterregend ist und den Kindern Angst macht.« n

Lisa Kleinberger


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Gewerkelt wird derzeit noch ordentlich am Alten Rathaus. Das Team Alexander Kern (von links), Christel Weber, Susan Deschler und Björn Krugielka freut sich auf die Eröffnung. Foto: Kleinberger

Nahversorgung im ländlichen Raum ist viel mehr als nur Einkaufen Bei Dorfläden ist die soziale Komponente wichtig. Das zeigt ein Beispiel aus Welschensteinach

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as tun, wenn die Geschäfte des täglichen Bedarfs den Ort verlassen? Diese Frage stellte sich im Jahr 2015 in Welschensteinach. Denn mit der Schließung des »Lädele« gab es im Ort keinen Nahversorger mehr. Und auch vorher war die Situation nicht unbedingt vorteilhaft. »Eigentlich hatten wir damals schon weniger als die Grundversorgung. Es gab zum Leben das Nötigste«, erinnert sich Christel Weber an das Lädele. Sie ist Teil des vierköpfigen Dorfladen-Teams, das sich in den vergangenen Jahren zusammengefunden hat. Das Ziel war klar: wieder einen Nahversorger in Welschensteinach anzusiedeln, nachdem das Lädele, die Gemeinde und die Sparkasse den Ort verlassen hatten. In einer Ortschaftsratssitzung sei es um die Frage gegangen, wer sich darum kümmern

könnte. »Und Ortsvorsteher Erich Maier sagte dann einfach: ›Alex, machst du das?‹«, erinnert sich Alexander Kern. Ein wenig überfahren sei seine einzige Antwort gewesen: »Sicher nicht allein.« Björn Krugielka hakt beim Gespräch ein: »Ich saß damals neben ihm und sagte spontan, dann mache ich mit.« Das Projekt Dorfladen für Welschensteinach war geboren. Der Plan sei zunächst gewesen, dass die zwei Ortschaftsratsmitglieder lediglich ein Konzept erstellen. »Das ist gescheitert«, sagen Kern und Krugielka gute zwei Jahre später und lachen. Denn aus dem Konzept, einen regional geprägten Nahversorger, der gleichzeitig auch ein Treffpunkt für die Menschen im Ort sein sollte, ist so etwas wie ein Selbstläufer geworden. Nachdem die zwei Männer ein Grundgerüst entwickelt hatten, besuchten sie einige Mitbürger, die Interesse bekun-

Märkte beleben den Ort und sorgen für Gemeinschaft. Foto: privat

det hatten. So kam Susan Deschler ins Team. Wohnhaft in Steinach, setzt sie sich vor allem aufgrund der sozialen Komponente für den Dorfladen ein. »Da wird nicht nur eingekauft, das ist ein sozialer Treffpunkt.« Mit Günter Thiem hat sich inzwischen ein Investor gefunden, der den Dorfladen betreiben wird. »Wir sind der sechste und kleinste regionale Anbieter, mit dem Thiem arbeitet«, erklärt Kern. Der Laden wird also kommerziell betrieben – das Team will einen gemeinnützigen Verein gründen, der sich auf die soziale Komponente verlagert. Denn dass diese in Welschensteinach immens wichtig ist und von den Anwohnern angenommen wird, zeigen die Dorfmärkte, die das Team in regelmäßigen Abständen veranstaltet. Diese finden vor dem Alten Rathaus statt, in dem der Dorfladen bald seinen Platz finden soll. Regionale Beschicker bieten dort ihre Waren an. Zwar sind die Märkte ein »Vorlauf« für den Dorfladen, aber das Team will sie weiterführen, auch wenn der Laden eröffnet ist. Denn sie sind mittlerweile eine etablierte Größe in Welschensteinach. »Es ist eine Bereicherung für das Dorfleben«, freut sich Deschler. Sie stehen zudem meist unter Mottos, wodurch sie für die Anwohner einen »Eventcharakter« bekommen. In den Fokus seiner Arbeit rückt das Team zudem nun die Einrichtung eines Dorfladentaxis, das die Kunden fahren soll. Auch ein Generationentreff und Jugend- und Altenförderung sind angedacht. n Lisa Kleinberger


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Wie Sepp Herberger nach Wolfach kam Besuch des ersten deutschen Weltmeistertrainers ist ein Höhepunkt in der fast 100-jährigen Vereinsgeschichte des FC / Vorsitzender Peter Buchholz: »Stadion ist Heimat auf Zeit«

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eter Buchholz ist eng mit dem FC Wolfach verbunden. Der Fußballverein feiert in drei Jahren sein 100-jähriges Bestehen. Für die geplante Jubiläums-Chronik ist der Verein derzeit dabei, alte Fotodokumente zu archivieren. Darin kommt auch der Weltmeistertrainer von 1954, Sepp Herberger, vor, wie Buchholz im Interview erzählt. Herr Buchholz, wie würden Sie die FC-Familie beschreiben? Es gibt teilweise wirklich Freundschaften zwischen den Spielern, dem Vorstand und Vereinsmitgliedern. Da sind Männer dabei, die teilweise von Anfang an dabei waren und dem Verein immer die Treue gehalten haben. Es gibt aber auch eine hohe Fluktuation. Bei 550 Mitgliedern kennt man auch nicht jeden. Aber beim harten Kern, da kann man schon sagen, dass sie dem FC Wolfach stark verbunden sind. Familie sollte für mich manchmal noch viel weitergehen, aber das ist Wunschdenken und auch schwer umzusetzen. Welche Rolle hat der Fußball für die Wolfacher seit dem 19. November 1920 eingenommen? Wir sind einer der ältesten Vereine im Kinzigtal. Damals gab es nur diesen einen Fußballverein in der kleinen Stadt Wolfach, die dann aber durch Gastarbeiter gewachsen ist. Ursprünglich hatten sogar die Fußballbegeisterten aus Oberwolfach mit den Wolfacher Fußballern eine Mannschaft gebildet und es zu Glanzzeiten in die zweite Amateurliga geschafft. Für heutige Verhältnisse wäre das ein Traum, wenn wir dort wieder hinkämen. Derzeit bewegen wir uns in der »Kellerliga«. Wunsch wäre es jedoch, die Treppe wenigstens ein bisschen nach oben zu kommen. Dann haben wir unseren sportlichen

»Der FC Wolfach ist für mich ein großes Stück Lebensinhalt.« Peter Buchholz Frieden im Kinzigtal wieder geschlossen. Seit 1973/74 spielen und engagieren Sie sich für den FC Wolfach. Was bedeutet Ihnen der Verein? Der FC Wolfach ist für mich ein großes Stück Lebensinhalt. Ich kann es jetzt nicht in Prozent fassen, aber der Verein und auch die vielen Kameraden, die ich über die mehr als 40 Jahre kennenlernen durfte, haben mich schon sehr geprägt. Fußball ist mein Leben, das kann ich, ohne rot zu werden, sagen. Allerdings fällt es manchmal auch schwer, wenn man an die vielen Erfolge zurückdenkt und sich dann ertappt, wie man in schönen Erinnerungen schwelgt, als der Fußball in Wolfach noch hunderte von Zuschauern sonntags elektrisiert und bewegt hat. Da das Leben aber jetzt und heute stattfindet, hoffe ich, dass sich gerade im Hinblick auf das Jubiläum Helfer finden, die uns bei den ehrgeizigen Plänen unterstützen und für eine weitere

Vereine bieten Freizeit und die Möglichkeit, sich an einem zentralen Ort regelmäßig zu treffen, betont FC-Vorsitzender Peter Buchholz. Foto: Steitz positive Außendarstellung des Traditionsvereins sorgen. Ich bin mir sicher, dass sich dann auch über kurz oder lang die sportlichen Erfolge wieder einstellen. Wie ist es dem FC gelungen, Sepp Herberger nach Wolfach zu locken? Der geniale Schachzug ist dem damaligen FCVorstand Siegbert Reiser gelungen. In zwei Briefen an Jacob Faißt, der als ehemaliger Spieler der FC-Aktivenmannschaft inzwischen Direktor der Rüchling-Werke in Ludwigshafen war, sowie an den Oberregierungsdirektor Max Hämmerle, als ehemaliger Bürger der Stadt Wolfach und damaliger Sportdezernent im Regierungspräsidium Karlsruhe, konnte Herberger für einen Besuch in Wolfach gewonnen werden. Aus dem Vereinsarchiv geht hervor, dass an den Besuch außer Reiser als Verhandlungsgenie niemand geglaubt hatte. Stattdessen sorgte die Einladung bei manchem nur für Kopfschütteln. Doch Herberger kam mit der Gattin und der erste deutsche Weltmeistertrainer trug sich ins goldene Buch der Stadt ein. Außerdem überließ der Macher des Wunders von Bern seine Manschettenknöpfe dem damaligen Wolfacher Bürgermeister Arthur Martin. Herberger unterstrich dabei, diese zu einem späteren Zeitpunkt einem besonders verdienten FC-Mitglied zukommen zu lassen.

Wer hat die Manschettenknöpfe jetzt? Unser Ehrenmitglied Karl Lickert hat diese beim 75-jährigen Jubiläum überreicht bekommen. Er hat schon Anfragen vom DFB aus Frankfurt erhalten, ob er die Manschettenknöpfe abgeben würde. Der ideelle Wert ist natürlich enorm und nicht zu schätzen. Aber die Manschettenknöpfe geben wir nicht mehr her. Sie sind jetzt bei Karl Lickert, und er hat uns schon versprochen, dass wir sie für den FC Wolfach wieder bekommen. Inwiefern bedeutet der FC Wolfach denn auch ein Stück weit Heimat für seine Mitglieder? Davon bin ich überzeugt. Klar stehen Familie, Kinder und der Beruf an erster Stelle, doch dann kommt bei mir und vielen FClern schon gleich der Fußball. Der Verein bietet Freizeit und die Möglichkeit, sich an einem zentralen Ort regelmäßig zu treffen. Heimat ist aber auch, wenn die Spiele der Kinder und Erwachsenen ausgetragen werden. Das Stadion wird dabei zur Heimat auf Zeit, und die Fans und Fußballanhänger kommen da am Wochenende, Woche für Woche, trinken gemütlich ihr Bier, essen ihre obligatorische Stadionwurst und sagen: »Das ist meine Heimat.« n

Die Fragen stellte Melanie Steitz.


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Auf den Pferden auszureiten, ist vor allem bei Mädchen beliebt. Zunächst werden aber die Tiere gestriegelt und gebürstet und der Stall ausgemistet. Foto: privat

Ein Paradies für Ferienkinder Maria und Christian Wöhrle betreiben den Gutacher Hinterschlauchbauernhof / Zu manchen Gästen haben sie im Laufe der Jahre eine fast schon familiäre Verbindung aufgebaut

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aria und Christian Wöhrle haben in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum als Vermieter von Ferienwohnungen auf dem Gutacher Hinterschlauchbauernhof. Während den anreisenden Eltern in erster Linie die Ruhe und Erholung in den Ferien wichtig sind, stehen bei den Kindern meistens die Tiere und das Aktivsein im Vordergrund. Gerade für Kinder ist der Hinterschlauchbauernhof an der Gutacher Rothalde ein richtiggehendes Paradies – hier wird Heimat für sie erlebbar. Zum einen gibt es sehr viel Platz, um in aller Ruhe in der Natur zu spielen, zum anderen gibt es viele Tiere, um die man sich kümmern kann. Da sind zum Beispiel Pferd Gara und Pony Susi, mit denen die Ferienkinder reiten dürfen. Bevor es aber auf den Sattel und ins Gelände geht, werden die Tiere gestriegelt und gebürstet, die Hufe ausgekratzt und der Stall ausgemistet. »Gerade bei den Mädchen ist das natürlich sehr beliebt«, sagt Christian Wöhrle und lacht. Die Jungs würden gerne richtig mitanpacken und die Kühe füttern oder mal eine Runde auf dem Schlepper mitfahren. Bis im vergangenen Jahr wurde auf dem Hinterschlauchbauernhof die Milchviehhaltung groß geschrieben. Da war das morgendliche und abendliche Melken ein besonderes Highlight. Jetzt wurde auf Mutterkuhhaltung umgestellt und die Ferienkinder können die Kälbchen beobachten. »Es ist und war schon immer etwas Besonderes, wenn ein Kälbchen auf dem

Christian und Maria Wöhrle vermieten seit 25 Jahren Ferienwohnungen. Foto: Störr Hof zur Welt kam«, erzählt Maria Wöhrle. Da seien die Kinder immer besonders gespannt. Und wenn sie dann noch den Namen des Kalbs aussuchen dürften oder es gar nach einem der Kinder benannt werde, sei die Verbindung be-

sonders groß. »Wir hatten einen Gast, der seine Erholung bei der Mithilfe am Bau des neuen Stalls fand«, blickt Maria Wöhrle zurück. Andere wiederum wirken gerne auf den Erdbeeroder Heidelbeerfeldern mit, deren Ernte im hofeigenen Laden verkauft wird. Und die Ferienkinder dürfen im Erdbeerfeld nicht nur nach Belieben naschen, sondern auch das Familiendessert selbst pflücken. Das Erstaunliche an den Erzählungen der Vermieter sind aber die Herkunftsorte und -länder ihrer Gäste. Neben Brasilien, Chile, Ungarn, Rumänien oder Schweden sind es in erster Linie Gäste aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarländern, die ihre Erholung an der Gutacher Rothalde suchen. Und war der argentinische Botschafter mit seiner Familie auch der hochrangigste Besuch der Familie Wöhrle, sind es gerade Familien aus relativ naher Umgebung wie Freiburg, Offenburg, Karlsruhe oder Stuttgart, die ihre Ferien hier verbringen. Im Laufe der Jahre haben sich viele fast schon familiäre Verbindungen zwischen den Vermietern und ihren Gästen aufgebaut, die Gästebücher der vergangenen 25 Jahre sprechen eine eindeutige Sprache. Die zahmen Katzen mit ihren Jungtieren und die Kaninchen tragen ihren Teil zu gelingenden Ferien bei. »Die Kinder verbringen mitunter den ganzen Nachmittag mit dem Spielen und Schmusen der Katzen«, weiß Christian Wöhrle aus Erfahrung. n

Christine Störr


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Elfriede und Martin Moser vor dem Jocklisbauernhof

Foto: Störr

Kirschtorte kommt immer gut an Vom Brot bis zur Torte: Familie Moser vom Jocklisbauernhof in Gutach steht für heimische Spezialitäten / Freitags wird mit Kindern gebacken

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amilie Moser vom Jocklisbauernhof gehört zu den ältesten Zimmervermietern Gutachs. Nicht etwa, weil Elfriede und Martin Moser in die Jahre gekommen wären, bereits 1920 wurden die ersten Gäste in dem Hof beherbergt. »Unsere Gäste schätzen in erster Linie die Vielfalt in der Region und die heimischen Spezialitäten«, erzählt Martin Moser. Von Singapur über Malaysia bis nach Indien reichen die Herkunftsländer der Erholungssuchenden, obwohl die Stammgäste eher aus den Niederlanden, Köln oder Mannheim anreisen. Allen gemeinsam kommt die Gastfreundschaft in der Familie Moser zugute, bei der freitags Brot gebacken und zu besonderen Anlässen Schwarzwälder Kirschtorte serviert wird. »Die Kinder unserer Gäste helfen besonders gerne mit«, betont Martin Moser und erzählt vom wöchentlichen Backtag. »Jedes Kind bekommt eine eigene Portion Teig, genau abgewogen, damit sich niemand ungerecht behandelt fühlt.« Mitunter gehe es recht wuselig in der Backstube zu, aber mit wenigen Regeln und viel Erfahrung sei der Backtag für alle eine große Bereicherung. Die Zusammensetzung des Mehls mache die Besonderheit des Brots vom Jocklisbauernhof aus, das nicht nur bei den Feriengästen hoch im Kurs steht. Eingekauft werde regional, so weit das möglich ist. »Wir wollen damit unseren Beitrag zum Erhalt der Hei-

mat leisten und das auch unseren Feriengästen weitergeben«, so Elfriede Moser. Ihre Spezialität ist das Backen der Schwarzwälder Kirschtorte, für die sie im Laufe der Jahre ein eigenes Rezept entwickelt hat. Den Lesern des »Schwarzwälder Boten« verrät sie, dass eines ihrer Geheimnisse im Trennen der Eier liegt. »Das lässt den Biskuit-Teig besonders luftig werden.« Wie viele Schwarzwälder Kirschtorten sie in den vergangenen 40 Jahren gebacken hat, lässt sich nicht genau beziffern. Für die Gutacher Vereine backt sie die Torten im Ehrenamt. »Wenn zum Beispiel ein Stammgast Geburtstag hat oder

Das Brot vom Jocklisbauernhof – hier ein älteres Bild von Elfriede Moser – steht nicht nur bei den Feriengästen hoch im Kurs. Foto: privat

wenn eine Kurgast-Ehrung ansteht, dann gehört eine Schwarzwälder Kirschtorte zur Feier des Tages einfach dazu«, erzählt Elfriede Moser. Das sei für ausländische wie heimische Gäste immer wieder etwas ganz Besonderes. Und dann gebe es natürlich auch innerhalb der Familien ihrer drei Kinder immer wieder Anlässe, bei denen die Torte aufgetischt wird. Auf Nachfrage versichern Elfriede und Martin Moser lachend: »Ja, auch nach den ungezählten Jahren, Festen und Feiern schmeckt ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte immer noch.« n Christine Störr


Kinder 10 Festival Jahre

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im Stadtpark Lahr

Sonntag, 16. Juli 10.30 - 17.00 Uhr Kinder bis 12 Jahre sind frei! Eintritt 2,50 Euro

Jede Menge Action, tolle Mitmachund Bastelaktionen, Picknickwiese, Bewirtung und vieles mehr. präsentiert von und


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MEINE HEIMAT

Breites Wissen über Natur vermitteln Der Hornberger Waldlehrpfad Hasenbauernhof ist ein besonderer außerschulischer Lernort und bietet zudem schöne Augenblicke in der heimatlichen Natur

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er Wald wird heute nur noch als Ganzes betrachtet. Mountainbiker nutzen ihn genauso wie Wanderer und Jogger. Auch wirtschaftlich ist er interessant: Gutes Holz bringt gutes Geld. Kaum jemand weiß aber, dass Wälder komplexe Ökosysteme sind. Und noch etwas ist laut Karin Pätzold aus Hornberg erschreckend: »Die Jugend kennt keine Bäume mehr.« Diese Feststellung hat die Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie schon im Jahr 2014 gemacht. Da hatte sie eine Waldrallye mit einer sechsten Schulklasse organisiert. »Die Wissenslücken der heutigen jungen Generation sind erschreckend. Kaum einer der Schüler wusste, wie unsere heimischen Bäume heißen oder welche Tiere in unseren Wäldern leben«, stellte sie ernüchternd fest. Deshalb hat sie gemeinsam mit Hans Hildbrand vom Hasenhof den »Waldlehrpfad Hasenhof« im Frombachtal ins Leben gerufen. Das ist ein Waldbereich, der wirtschaftlich nicht mehr genutzt wird. Er zeigt die unterschiedlichsten Lebensbereiche der heimischen Tierund Pflanzenwelt des Waldes. Beim Rundgang vermitteln Informationstafeln auch die verschiedenen Zusammenhänge in diesem Naturhaushalt. »Hier sollen die Besucher erfahren, welche Bäume in unseren heimischen Wäldern stehen, welche Tiere hier leben und sie sollen die Funktion der Pilze und ihre Bedeutung in der Natur erfahren«, sagt Pätzold. Eine große Vielfalt ist in jedem Bereich vorhanden mit

Der Eingang zum Waldlehrpfad: Auf Info- und Schautafeln werden die einzelnen Stationen der Einrichtung vorgestellt. Fotos: Schabel/privat Wald- und Holz-Zustand in unterschiedlichen Phasen und hier lassen sich auch Bestandspflege und die Waldwirtschaft insgesamt auf interessante und lehrreiche Weise darstellen. »Wir haben beispielsweise einen Abschnitt, in dem Totholz liegt, und dieser Bereich bedeutet Leben für die Insekten«, er-

Spiel und Spaß: Die Besucher – hier eine Schulklasse – lernen direkt in der Natur.

läutert Karin Pätzold. Beliebt ist das Waldklassenzimmer, bestehend aus drei Bänken und einem Schaukasten mit vielen informationen zu Tieren, Pflanzen, Bäumen und Pilzen. Es wurde von Schülern der Realschule Wolfach gebaut. Durch die Unterstützung von einheimischen Sponsoren und der Hornberger Bürgerstiftung konnte der Waldlehrpfad immer wieder erweitert werden. Weitere Infotafeln sollen besipielsweise an Bäumen angebracht werden. In Vorbereitung ist auch ein kleiner Krötenteich. »Das Gebiet ist wegen der vielen Biotope und auch aus Sicht der Pilze schließlich noch ein hoch interessantes Exkursionsgebiet für die Spezialistenkurse, die unsere Pilzlehrschau anbietet«, sagt Pätzold. Der Besucher des Waldlehrpfads soll aber auch erfahren, dass Wälder nach den Ozeanen die wichtigste Einflussgrößen des globalen Klimas und die wichtigsten Sauerstoffproduzenten sind. Inzwischen haben viele Schulklassen und Besuchergruppen des »Heu-Hotels« auf dem Hasenbau-

ernhof diese Einrichtung besichtigt. Darüber freut sich Pätzold: »Es ist uns ein großes Anliegen, gerade die junge Generation noch mehr für die Natur zu begeistern und ihnen ein breites Wissen zu vermitteln«, sagt sie. n Eckhard Gräff

Alte Zeiten: Tafeln informieren auch über früher.


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Sehr viel Herzblut bei ihren Führungen Rosemarie Götz vom Hornberger Stadtmuseum nimmt sich Zeit für ihre Besucher

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s klingt immer etwas verstaubt und altbacken, wenn die Rede von einem Museum ist. Auch das Hornberger Stadtmuseum ist davon auf den ersten Blick nicht gefeit. Und es erlebt – wie vergleichbare Einrichtungen – auch nicht den großen Ansturm. »Diejenigen Besucher jedoch, die uns jährlich besuchen, haben wirkliches Interesse an der Geschichte unserer Stadt und des Gutachtals, verweilen lange bei uns und stellen auch viele Fragen«, sagt Rosemarie Götz. Die Vorsitzende des Fördervereins Stadtmuseum nimmt sich gerne Zeit, um die vielen Schätze aus ihrer Heimat den meist auswärtigen Besuchern zu zeigen. Der Betrachter kann beispielsweise vor der lebensgroßen Puppe stehenbleiben, die das alte Kostüm aus dem Schauspiel »Hornberger Schießen« trägt. Er lässt einen Blick darüber schweifen und geht dann weiter. Genau das will Rosemarie Götz aber nicht: »Ich möchte den Gast durch die Historie unserer Heimat begleiten und erzähle ihm Hintergrundgeschichten über unsere Ausstellungsstücke.« Sie will durch ihre Erzählung die Kostümpuppe lebendig werden lassen. »Der Gast soll merken, das ist eine spannende Sache und nicht einfach ein altes Kostüm«, sagt Götz. Dass sehr viel Herzblut in ihren Führungen steckt, wird jedem, der ihr zuhört, sehr schnell bewusst. So beispielsweise bei den Bildern von Hornberger Hobbykünstlern im ersten Raum. Die Werke von Wilhelm Wurzel, einem ehemaligen Hornberger Lehrer, haben es ihr angetan. Aber auch zu dem reichhaltig verzierten Steingutgeschirr aus der Produktion der früheren Hornberger Steingutfabrik in den Vitrinen des nächsten Raums weiß

Hornberg um 1600: Die Vitrine mit Stadt, altem Schloss und Stadtmauern – ein Werk des Künstlers Armin Gotthans – ist einer der Lieblingsplätze von Rosemarie Götz. Fotos: Gräff Götz Geschichten zu erzählen. Von »Steingut weiß« über Blau bis hin zum Schwarzdruck lassen sich die verschiedenen Herstellungstechniken sehr anschaulich verfolgen. Rosemarie Götz zeigt auf eine Kaffeekanne: »Sehen Sie den unsteten Musterverlauf«, fragt sie und fügt erklärend hinzu: »Der Künstler war hier noch in der Übungsphase.« Der Holzschnitzkunst von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum

Das Hornberger Schießen: Natürlich darf auch diese Geschichte im Heimatmuseum nicht fehlen. Alte Kostüme, Gegenstände und Schautafeln mit den Darstellern der ersten Stunde des Schauspiels und des Hornberger Dichters Erwin Leisinger sind ausgestellt.

Ersten Weltkrieg ist ein weiterer Raum gewidmet. »Dies war in Hornberg ein bedeutender Erwerbszweig im Wirtschaftsleben unserer Stadt«, erklärt Götz. Brauchtum, Trachten, Tafeln, die Arbeit in der Landwirtschaft: Alles hat im Stadtmuseum seinen Platz gefunden. In einem besonderen Raum des Museums ist das Arbeitszimmer des in Hornberg geborenen Wilhelm Hausenstein eingerichtet. »Das alles gehört zur Außenstelle des Literaturmuseums in Marbach«, sagt Götz: »Vieles, was der Besucher hier sieht, sind

Das Museum wurde von einer Gemeinschaft engagierter Bürger in jahrelanger Arbeit geschaffen daher nur Leihgaben, manche Exponate gehören aber auch der Stadt.« Das Stadtmuseum Hornberg wurde von einer Gemeinschaft engagierter Bürger um Wolfgang Neuß in jahrelanger Arbeit geschaffen, so dass es am 6. Juni 1998 eröffnet werden konnte. Die Gründung des Fördervereins war bereits 1988. Im Lauf der Jahre kamen neue Räume dazu, so dass das Museum in seiner heutigen Form am 5. August 2000 eröffnet wurde. Rosemarie Götz und ihr Museumsteam sind für ihre Besucher das ganze Jahr über an jedem ersten Sonntag im Monat in der Zeit von 14 bis 17 Uhr da. Bei großen Veranstaltungen in der Stadt hat das Museum ebenfalls geöffnet. n

Eckhard Gräff


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Regionalität spielt in der globalisierten Welt eine immer geringere Rolle, sagt Gerhard Henninger. Der ehemalige Chef des Bauernverbands lebt in Ettenheim. Foto: BLHV

Immer weniger Heimat-Genuss Landwirtschaftsexperte Gerhard Henninger sieht regionale Produkte auch in der Ortenau in Gefahr

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ur Heimat gehört für viele Menschen in der Ortenau auch das Leben von und mit der Natur und ihren Produkten, die Landwirte und Winzer erzeugen. Doch die Region wandelt sich. Und mit ihr auch die landwirtschaftlichen Betriebe. Immer mehr Boden geht unwiederbringlich verloren, wird zu Bauland für Wohnungen, Fabriken oder Straßen. Einer, der diese Entwicklung sehr kritisch sieht, ist Gerhard Henninger, der frühere Chef des Bauernverbands BLHV in Freiburg, der in Ettenheim lebt und sich heute um Unternehmensberatung für Bauern kümmert. »Regionalität spielt in der globalisierten Welt eine immer geringere Rolle«, beklagt der Landwirtschaftsfachmann, der seit mehr als 40 Jahren für den BLHV tätig ist. Wettbewerbsfähigkeit spiele »in allen Bereichen die erste Geige«. Nutztier-

haltung sei in vielen Dörfern längst nicht mehr zu finden. Die Folge: Vielerorts könne der Kunde schon gar nicht mehr nach heimischen Produkten Ausschau halten, denn es gebe in der Region hergestellte Wurst, Fleisch, Käse und Milch schlicht nicht mehr vor Ort. Dennoch könne der Konsument heutzutage landwirtschaftliche Lebensmittel in allen Variationen und zu günstigen Preisen kaufen. Aber eben nicht aus der Heimat, sondern aus anderen europäischen Ländern oder gar aus noch weiter entfernteren Ecken der Erde. Bei den Konsumenten sei festzustellen, dass immer mehr Käufer immer weniger Wert auf regionale Herkunft ihrer Lebensmittel legen würden, beobachtet der Ettenheimer. Kritisch sieht Gerhard Henninger auch die Qualitätsanforderungen des Handels für Lebensmittel. Die seien über-

In der Ortenau nimmt der Platz für Äcker und Rebland immer weiter ab, gefressen von neuen Straßen, Fabriken und Häusern. Landwirtschaftsfachmann Gerhard Henninger warnt vor den langfristigen Folgen dieser Entwicklung. Foto: Braun

trieben, »denn nicht alle Früchte wachsen verpackungskonform», moniert er. Eine Vernichtung von landwirtschaftlichen Lebensmitteln wie heutzutage sei »vor 50 Jahren noch schlicht undenkbar gewesen«. Buchstäblich eng wird es für den Bauernstand auch, weil immer weniger Fläche für Äcker, Rebland und Weiden zur Verfügung stehe. Zum einen fresse Straßen- und Wohnungs- und Industriebau kostbares Land, zum anderen müssen wegen gesetzlicher Ausgleichsmaßnahmen für derlei Projekte zusätzliche Flächen hergegeben werden. In Baden-Württemberg falle umgerechnet 35 Hektar Fläche weg – jede Woche. Das sei so viel, wie ein durchschnittlicher Landwirt bewirtschafte, weiß Henninger. »Unter diesen Vorzeichen müssen wir uns als Verbraucher die Frage stellen, wo in 30 oder 50 Jahren unsere Lebensmittel herkommen.« Und in welche Abhängigkeit unsere Gesellschaft bei der Lebensmittelversorgung gerate. Skurrile Züge zeige die Lebensmittelversorgung heute schon. »Wie kann es sein, dass ein Liter Milch für den Verbraucher billiger ist als ein Liter Mineralwasser?«, fragt Gerhard Henninger kritisch. Die Milchmenge einer Kuh könne nicht einfach beliebig von einem Tag auf den anderen der veränderten Nachfrage angepasst werden. Er ruft deshalb die Ortenauer auf, beim Einkaufen von Genuss- und Lebensmitteln an die Region zu denken. »Denn so kann jeder einen Beitrag zum Erhalt unserer Landschaft und der landwirtschaftlich und weinbaulich genutzten Flächen beitragen.« n

Jörg Braun


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»Von oben ist es bei uns nie langweilig« Robin Hoffmeister erklärt, was den Reiz unserer Heimat für einen Piloten ausmacht, warum er lieber fliegt als zu wandern, und wieso sich der Mensch manchmal etwas zurücknehmen sollte

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er viel in der Welt unterwegs ist, sagt man, freut sich immer wieder auf zu Hause. Das sieht auch Hobby-Pilot Robin Hoffmeister so. Der Vorsitzende der Fliegergruppe Lahr-Ettenheim kennt viele Landschaften auf diesem Planeten aus der Vogelflugperspektive. Doch die Fliegerei über der Heimat ist immer wieder das schönste Erlebnis, wie er im Interview verrät. Herr Hoffmeister, seit wann bewegen Sie sich in der dritten Dimension? Seit 1994 bin ich Pilot in der Fliegergruppe Lahr-Ettenheim. Der Flugplatz Altdorf ist meine fliegerische Heimat. Das Segelfliegen war der Anfang. Es ging weiter mit Segelkunstflug und Motorsegeln, später habe ich die Motorflug- und Ultraleichtberechtigung erworben. Zudem versuche ich als Fluglehrer, Menschen dafür zu begeistern, ab und zu mal unsere Heimat aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Sie selbst zieht es aber immer wieder in die weite Welt. Welche Länder und Regionen haben Sie sich schon von oben angesehen? In Namibia habe ich mich auf einem Sportflugplatz für Segelflieger um die technische Instandhaltung gekümmert. Da kommt man natürlich schon einige Male in die Luft, etwa bei der Überführung einer Motorflugschleppmaschine nach Südafrika. Auch in Australien traf ich auf geniale Flugbedingungen. Zudem ist es durchaus möglich an weniger exotischen Orten, beispielsweise in Frankreich im Loiretal oder in den Seealpen, tolle Flüge zu absolvieren. Und wie bewahrt man sich bei der vielen Reiserei den Blick für die Schönheit der Heimat rund um den Flugplatz in Altdorf? Man hat von oben einen anderen Blick auf die Landschaft und kann ständig neue Dinge entdecken. Obwohl ich schon so lange zwischen Rheintal und Schwarzwald fliege, fallen mir immer wieder neue Besonderheiten auf. So habe ich die kleine Burgruine Kürnberg bei Bleichheim erst auf einem Flug mit einem Flugschüler entdeckt, als wir bei schwacher Thermik lange über den Hügeln gekreist sind. Wenn man im Doppelsitzer unterwegs ist, dann hat man dank der Arbeitsteilung im Cockpit etwas mehr Zeit für die Beobachtung. Was macht den Reiz der hiesigen Region für einen Piloten aus? Vom Altdorfer Flugplatz aus kann man direkt in den Schwarzwald einfliegen. Wir Mit den Augen Flieger wissen genau, eines Piloten: wo sich die Thermik Robin Hoffmeister je nach Sonne und geht seit 1994 Wind gut entwickelt. regelmäßig in die Von dort aus geht es Luft. Foto: privat dann zu unserer Luft-

Die Stadt von oben: Auch am Himmel über Lahr sind die Hobby-Piloten der Fliegergruppe oft unterwegs. Foto: Fliegergruppe Lahr-Ettenheim rennstrecke über den gesamten Schwarzwald. Mit seiner Ausdehnung über fast 200 Kilometern von Nord nach Süd findet man dort schnell Aufwind, die hohe Fluggeschwindigkeiten im motorlosen Flug ermöglichen. Gibt es im Schwarzwald und der Oberrheinebene Orte, die von oben betrachtet besonders schön sind? Oder anders gefragt: Gibt es Orte, die erst aus der Luft ihre ganze Schönheit offenbaren? Auf jeden Fall – es ist wirklich spannend, wie sich der Alt-Rhein durch die Landschaft schlängelt. Wenn man im direkten Vergleich daneben den begradigten, schiffbaren Rhein sieht, merkt man erst so richtig, welchen Einfluss wir Menschen auf unsere Landschaft haben. Besonders schön finde ich auch die Schwarzenbachtalsperre bei Forbach. Das Wasser schimmert an manchen Tage aus der Luft türkis-blau wie in der Karibik. Der Schwarzwald ist eines der reizvollsten Wandergebiete Deutschlands. Warum setzen Sie sich lieber ins Cockpit statt die Wanderstiefel zu schnüren – wird ein Meer aus Baumkronen nicht irgendwann langweilig? Die Baumkronen bieten hervorragende Thermik für Segelflieger. Nein, von oben ist es bei uns nie langweilig. Was für den Wanderer im

Hochsommer eine kühle Waldluft bedeutet, ist für Segelflieger die Grundlage für gute Aufwinde. Außerdem ist es aus der Luft gar nicht monoton. Weiße Wolken am blauen Himmel und darunter die Schatten am Boden sind ein prächtiges Farbenspiel. Imposant sind manchmal die Gewitteraufreihungen, die wir – natürlich mit viel Respekt vor der Naturgewalt – manchmal nutzen, um mehr als 100 Kilometer einfach geradeaus zu fliegen, ohne merklich Höhe zu verlieren. Mit dem Blick eines Piloten: Sehen Sie in der Region irgendwo Veränderungsbedarf? Ich denke, wir sollten die Natur möglichst so belassen, wie sie ist, und nur dort eingreifen, wo es wirklich nötig ist. Am Beispiel der RheintalAuen sieht man ja, was der Mensch beeinflussen kann – nicht immer zum Guten. Die Weinbauregionen der Ortenau oder im Kaiserstuhl sind sehr beeindruckend, belegen aber auch, wie ganze Landschaften durch Menschen verändert werden. Uns Segelfliegern wären natürlich viele kurz gemähte Wiesen lieb, damit wir im Notfall sicher landen können, falls es mal nicht bis zum Flugplatz Altdorf reichen sollte. Aber das sage ich mit einem Augenzwinkern – bisher sind noch alle Landungen gut verlaufen. n

Die Fragen stellte Felix Bender.


www.galerie-ortenau.de


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»Tired of Heimat« (Stencil auf Holz) zeigt das typische Schwarzwaldmädel in der üblichen Pose, aber mit ganz und gar untypischen Accessoires. Foto: Ziro

Heimat als Marketing-Etikett Urbanart-Künstler Ziro liebt seine Heimat, blickt aber skeptisch auf deren Vermarktung

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as Thema Heimat wird im Schwarzwald seit einigen Jahren erfolgreich zu Werbezwecken benutzt. Das Konzept geht auf: Der Tourismus in der Region boomt. Neben den Traditionen von Bollenhut, Kirschtorte und Schinken gibt es jetzt Whisky, Gin und Kunst aus dem Schwarzwald. Die Kuckucksuhren sind nicht mehr nur braun, sondern auch schwarz lackiert oder rosa. Wie sieht der junge Ortenauer Urbanart-Künstler Ziro diesen Trend? Wir haben ihn dazu befragt, wie er auf seine Heimat blickt und was er von der Vermarktung des Themas Heimat in Kommerz und Kunst hält.

tappe ich mich bei dem Gefühl, diese Gegend und ihre Schönheit nicht ausreichend zu würdigen. Zugleich ist es natürlich reiner Zufall, dass ich in dieser schönen Region Deutschlands geboren bin. Und so bin ich in einem weiteren Sinne dankbar dafür, in einer intakten Demokratie geboren zu sein, die mir die Freiheit und die Sicherheit gibt, beispielsweise meine Kunst so zu gestalten, wie ich das möchte, ohne Repressalien befürchten zu müssen.

Was bedeutet Heimat für Sie persönlich? Ich denke, Heimat ist etwas sehr Individuelles. Für mich sind es meine Familie, die nähere Umgebung, in der ich aufgewachsen bin. Alles, was mich als Individuum geprägt hat und zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Ich kann daher nur schwer nachvollziehen, dass Heimat für so viele plötzlich Bollenhut und Kuckucksuhr bedeutet, obwohl sie beispielsweise im Rheintal entlang der B 3 aufgewachsen sind. Wie würden Sie die Stadt Offenburg beschreiben? Zurzeit lebe ich in Offenburg. Die Stadt trägt ihre Schönheit bestimmt nicht vor sich her, sondern man muss sie erkunden und erleben, um sie lieb zu gewinnen. Sollte man hier doch mal etwas vermissen, liegt Offenburg ja geradezu ideal, um in der Ferne sein Glück zu suchen.

Ziro arbeitet mit Farben aus der Spraydose. Foto: privat Was verbindet Sie mit der Ortenau und dem Schwarzwald? Ich bin in der Ortenau geboren und aufgewachsen und habe den Schwarzwald als geliebtes Naherholungsziel direkt vor der Haustür. Oft er-

Was halten Sie vom Thema Heimat als Marketing-Instrument und in der Kunstszene? Ich denke, dass die ganze Thematik stark überstrapaziert ist. Wenn zum Beispiel schon die kleine Dorfbrauerei in der Rheinebene auf die Idee kommt, auf den Trend »Schwarzwald als Heimat« aufzuspringen, sollte es auch der letzte Werbefachmann realisiert haben: Ohne wirklichen regionalen und historischen Bezug sind die Themen Heimat und Schwarzwald schon heute nicht mehr glaubwürdig. Vielleicht wäre ein etwas verantwortungsvollerer Umgang mit der Tradition hilfreich, um Künstler, Urlaubsregionen und auch Marken zu schützen, die einen echten Bezug zum Thema Schwarzwald haben. In einigen Bildern, etwa in dem Werk »Tired of Heimat«, setze ich mich deshalb sehr kritisch mit genau diesem inflationären Gebrauch des Heimat-Motivs in der Kunstszene und zu Werbezwecken auseinander. Wenn das Thema verbraucht ist, geht ein Stück Geschichte mit unter. n

Die Fragen stellte Wolfgang Achnitz.


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Hochprozentige »Vollkommenheit« Schwanauer Schnapsbrenner Lutz Weide gibt regionalem Obst die besondere Note

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it dem Hauskauf in der Südstraße 1 in Ottenheim fing alles an. »Vor 35 Jahren übernahm ich das Haus. Der Vorbesitzer war der letzte Baumwart in der Gegend und besaß einen weiten Streuobstwiesengürtel«, erinnert sich Lutz Weide. Mit der Hausübernahme vermachte der Landwirt Weide auch eine seiner Streuobstwiesen. »Ich habe angefangen, Apfelsorten, die vom Aussterben bedroht waren – wie Champagnerrenette und Winterrambur – zu züchten«, erzählt der staatlich geprüfte Brenner und Baumwart. Aus den Ernten habe er Apfelsaft hergestellt. »Irgendwann gab es so viel Apfelsaft, dass eine weitere Verwertung her musste.« So kam Lutz Weide zur Obstbrennerei. Die Maische – das Gemisch aus feinen Obststücken und ausfließendem Most – brachte Weide zunächst zu Brennern in der Umgebung. Dort wurden die Spirituosen vollendet. Nach und nach übernahm er weitere Streuobstwiesen mit Früchten wie Birnen, Kirschen und Zwetschgen. »Mir kitzelten die Finger. Ich wollte auch das Endprodukt der Brennerei selbst herstellen können«, sagt Weide. Im Jahr 1999 bot sich die erste Gelegenheit dazu. »Bei meinem Nachbarn drohte das Brennrecht zu verfallen. Ich wurde gefragt, ob ich die Destillieranlage nicht nutzen wolle«, erzählt Weide. Der erste Versuch sei »natürlich Weltklasse« gewesen, witzelt er. Abgesehen von seinen Brüdern, die von ihm dazu verdonnert worden waren, habe dieses »Gebräu« niemand getrunken. Mit der Zeit zweifelte der Ottenheimer daran, ohne Hilfe von »grausam« zu »schmackhaft« zu kommen. So beschloss er 2007, eine Ausbildung zum Brenner zu machen.

»Bei meinen Bränden verwende ich ausschließlich Obst aus der Region.« Lutz Weide Nachdem Weide das Handwerk auf professioneller Basis beherrschte, probierte er sich weiter aus – mit Erfolg: Seine Schnäpse verhalfen ihm zur Auszeichnung als Edelbrandsommelier und zum »Doktortitel unter den Brennern«, dem »Wine & Spirit Education Trust«-Zertifikat (Level 2). Es wird vom weltweit führenden Anbieter von Qualifikationen im Bereich Weine und Spirituosen verliehen, erklärt Weide stolz. Doch damit nicht genug: Vergangenes Jahr belegte er bei den »Baden best Spirits«, ausgetragen vom Verband Badischer Klein- und Obstbrenner, den elften Rang – mehr als 400 Betriebe nahmen an dieser Prämierung teil. »Die Erfolge und der wachsende Bekanntheitsgrad bestärkten mich ungemein. Dennoch fühlte ich mich mit mei-

Lutz Weide absolvierte vor zehn Jahren eine Ausbildung zum Brenner. Seit Kurzem stellt er auch Gins her. Foto: Bode nen Erzeugnissen noch unvollständig«, berichtet Weide. Im selben Jahr brachte ihn sein Sohn auf die Idee zur Ginbrennerei. »Da ich schon immer experimentierfreudig war, probierte ich es einfach aus.« Weide arbeitet dabei mit einer speziellen Siebtechnik. »Ich gebe die Aromen bei meiner Ginherstellung schon während der Destillation hinzu. Der Sieb sorgt dafür, dass die Aromen durch Dampf stärker ausgelöst werden, als wenn man sie erst hinterher in den Alkohol hinzu gibt«, so der Experte. »Diese Methode gibt dem Brand seine Vollkommenheit«, fügt er hinzu.

»South Street« titelt Weide die Brände, die mit dieser Siebmethode hergestellt werden. Neben den Gins »South Street No. 1« und »South Street Plum« gehören auch zwei Schnäpse aus Anis und Kümmel zu dieser Reihe dazu. »Die Namensgebung ist ganz einfach zu erklären: Übersetzt ist es mein Wohnort«, erklärt Weide – die Südstraße in Ottenheim. Mit der Reihe gewann er beim »World Spirit Award 2017« in Österreich einmal Gold und viermal Silber. »Jetzt bin ich da, wo ich immer ankommen wollte«, sagt Weide. n

Nadine Goltz


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Schwarzwälder mit Heimatsinn: Hansy Vogt möchte nirgends anders leben als hier. Foto: privat

»Meine grüne Oase des Glücks!« Warum dem Schwarzwald-Botschafter und Tausendsassa Hansy Vogt Heimat so wichtig ist und warum er nirgends anders als hier leben möchte

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einer repräsentiert den Schwarzwald munterer als der Entertainer, Comedian, Showmaster und Musiker Hansy Vogt. Er erklärt im Interview mit unserer Redaktion, was er so am Schwarzwald liebt. Herr Vogt, was ist für Sie Heimat? Heimat ist für mich Ursprung. Da, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Bei Ihnen ist das der Hochschwarzwald. Ja, der Feldberg, das ist für mich Heimat. Und der ganze Schwarzwald, diese grüne Oase des Glücks, ist meine Heimat. Ist die Heimat immer da, wo man geboren ist? Ja, das glaube ich. Es gibt ja Menschen, die den Drang spüren, die ganze Welt zu bereisen und einen Unruhezustand in sich zu fühlen. Das habe ich gar nicht. Ich fühle mich hier im Schwarzwald pudelwohl. Was gibt es nur im Schwarzwald? Da gibt es natürlich die Klischees. Die wurden vor vielen Jahren noch belächelt, aber heute werden sie ganz bewusst eingesetzt, um für den Schwarzwald zu werben. Wir haben den Bollenhut, die Kuckucksuhr und die Schwarzwälder Kirschtorte. Und nicht zu vergessen den Schwarzwälder Schinken. Außerdem ist für den Schwarzwald natürlich die Mentalität seiner Menschen prägend. Wie sind denn die Schwarzwälder so? Sie sind zurückhaltender, da gibt es keinen Kölschen Frohsinn. Wir Schwarzwälder warten eher mal ab. Aber trotzdem sind wir gesellig und haben auch Humor. Und dann sind wir natürlich natur- und heimatverbunden.

Können Sie sich vorstellen, auch irgendwo anders zu leben? Eine andere Heimat zu haben? Nein. Weil hier alle leben, die mir wichtig sind. Meine Frau Petra, mit der ich bald 25 Jahre verheiratet bin und die mir den Rücken freihält, meine beiden Kinder, meine Freunde, mein persönliches und mein künstlerisches Umfeld. Das ist für mich perfekt. Ettenheim, wo Sie wohnen, ist nun aber kein wirklich klassischer, typischer SchwarzwaldOrt und vom Feldberg eine starke Stunde Fahrt entfernt. Stimmt. Ettenheim zählt für mich zum mittleren Schwarzwald. Wie kamen Sie gerade auf Ettenheim? Per Zufall. Vom Feldberg zog ich zunächst nach Freiburg, wegen des Südwestrundfunks. Dann haben wir uns einen passenden Wohnort gesucht, der auch für die Familie passte. So kamen wir ins Barockstädtchen Ettenheim. Das ist für meinen Beruf ein idealer Wohnort. Man ist schnell auf der Autobahn und der Europa-Park liegt gleich nebenan, das ist für mich als Künstler praktisch. Wie oft sind Sie noch auf dem Feldberg? Ganz oft. Ich habe dort noch ein Ferienhaus, wo wir regelmäßig die Winter- und Sommerferien verbringen. Dort gleich nebenan lebt auch meine Mutter, da gibt es also einen engen Bezug. Kann man Ihr Ferienhaus auch privat buchen, also Ferien bei Hansy Vogt? (lacht) Ja. Das Haus ist sogar relativ ausgebucht. Ich habe so auch einen direkten Draht zum Thema Tourismus, was für mich als Schwarzwald-Botschafter wichtig ist. Beim Thema

Urlaub und Urlauber im Schwarzwald kenne ich mich deshalb hautnah aus. Das hilft mir bei vielen Terminen, die ich als Schwarzwald-Botschafter habe. Was macht ein Tourismus-Botschafter für den Schwarzwald? Er repräsentiert die Region. Als Künstler bin ich ja nicht nur in Baden-Württemberg unterwegs, sondern im ganzen Bundesgebiet. 150 Mal im Jahr stehe ich irgendwo auf der Bühne und mache Lust auf Schwarzwald. Ob das beim großen Fest der Kastelruther Spatzen ist, wie dieses Jahr im Oktober, wo ich vor 50 000 Menschen moderiere, ob das auf meiner Tournee ist oder im Fernsehen, wo ich öfters eingeladen bin. Dabei mache ich als Moderator für den gesamten Schwarzwald Werbung, und nicht nur für einen Teil, einen einzelnen Abschnitt. Ich kooperiere da eng mit den Tourismus-Verbänden. n

Die Fragen stellte Jörg Braun.

Neues Hansy-Vogt-Buch gratis Anfang Mai erscheint das neue Buch von Hansy Vogt »Wo die Stunde schlägt – Mit Hansy Vogt unterwegs auf der Deutschen Uhrenstraße« (Silberburg-Verlag, 19,90 Euro). Die »Lahrer Zeitung« verlost insgesamt zehn Bücher. Wer eines gewinnen möchte, schreibt eine Mail an gewinnspiel@lahrer-zeitung.de oder schickt eine Postkarte an Lahrer Zeitung GmbH, Kreuzstraße 9, 77933 Lahr. Kennwort ist jeweils »Hansy Vogt«. Einsendeschluss ist am 29. April 2017. Die Gewinner werden veröffentlicht. Viel Glück!


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MEINE HEIMAT

Ein süßes Stückchen Mahlberg Weit über die Grenzen der Stadt hinaus hat sich der »Mohlburger Buggl« aus dem Hause Friedrich einen Namen gemacht / Das Rezept ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis

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as ist der »Mohlburger Buggl«? Ein übrig gebliebenes erodiertes Stümmelchen eines längst erloschenen Vulkans? Die frühere Heimstätte von Kelten und Römern? Oder vielleicht doch eine ganz spezielle Torte? Alles stimmt! Der Berg hat eine Jahrtausende lange Geschichte vorzuweisen. Die Bäckerei Friedrich würdigt sie mit einem Produkt, das seinesgleichen sucht. Halbkugelförmig ist die Torte gestaltet, beim Aufschneiden finden sich viele Schichtungen. Auf einem Boden mit Schokoladen-Biskuit türmen drei Etagen Obst, gekrönt von dekorativen BiskuitRouladenscheibchen und Aprikosenmarmelade, dazwischen eine spezielle Creme. Diese Köstlichkeit geht schon seit 45 Jahren mit einem unveränderten Geheimrezept über die Theke. Das hatten einst Elfriede und Willi Friedrich erfunden, die Eltern der heutigen Chefin Simone Friedrich-Schulz, die die Bäckerei mit ihrem Mann Heinrich führt. Damals, erinnert sich FriedrichSchulz, sei ihren Eltern aufgefallen, dass man die international bekannte halbkugelförmige »Mailänder Torte« geschmacklich gründlich umgestalten könne. So wurde die Schichtung alternativ mit Sauerkirschen, Bananen, Pfirsichen und ohne Sahne neu aufgebaut und durch eine Rum-Creme mit einem ganz anderen Duft versehen. Der Legende nach soll in

Liebevolle Handarbeit: Chefin Simone Friedrich-Schulz (vorne) und Auszubildende Jenni Stöber bei der Endfertigung des »Mohlburger Buggl« Foto: Masson

»Verschickt wird der Buggl nicht.« Simone Friedrich-Schulz der damaligen »Dachklause« von Willi Friedrich der spätnächtliche Entschluss gefallen sein: »Das nenne mer jetz Mohlburger Buggl!« Der hat seitdem längst nicht nur das Städtchen erobert. Mittlerweile wird die Torte von Feinschmeckern zwischen Offenburg und dem Kaiserstuhl persönlich abgeholt, sogar Kunden aus der Schweiz und Österreich sind dabei. Denn: Versenden ließe sich die frische Torte nur tiefgefrostet, sagt Friedrich-Schulz. Das wolle man den guten Stücken nun wirklich nicht antun und widerspricht der Konditorinnen-Ehre der Inhaberin. So bleibt der süß-aromatische »Mohlburger Buggl« der Renner an der Ladentheke, ob ganz oder in wohlgerundeten Einzelschnittchen. Bis zu 35 Torten verlassen wöchentlich den Laden, oft kommen weitere hinzu bei Festen und Feiern. Dazu lässt sich der auch umgestalten, zu Zahlen beispielsweise für Geburtstage, so

gar nicht mehr »bugglig« dann. Um 4.30 Uhr beginnt täglich die Produktion in der Konditorenstube, mit zahlreichen halbrunden Kesseln. Aufschichten der »Innereien« ist mühsame Handarbeit. Dazu kommt, da lacht FriedrichSchulz, ein abschließendes Streicheln samt Geheimspruch über die Formen. Das genaue Rezept bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, wenn auch Mahlberger ab und an schon mal ein paar Tipps aus erster Hand erhalten. Trotzdem: Der Buggl dürfte unerreicht bleiben. Wenn mal Ex-

tra-Wochenendschichten angesagt sind, machen gelegentlich auch die Auszubildenden Jenni Stöber und Selina Karle mit – und zwar gerne. Denn sie haben das Friedrich’sche Konditoren-Geheimnis des Buggls erfahren dürfen und behalten es stolz für sich. Dass die dazugehörige Spezial-Creme ohne Milch und Butter auskommt und deshalb laktosefrei ist, das hat sich allerdings schon längst herumgesprochen. n

Michael Masson


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MEINE HEIMAT / AUSFLUGSZIELE

Es gibt viel zu entdecken Familien können in der Region jede Menge Spaß haben – nicht nur unter freiem Himmel, sondern auch und gerade in Museen

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en Schwarzwald erleben, wie er früher einmal war, das geht im Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach. In sechs voll eingerichteten Eindachhöfen sowie zahlreichen Nebengebäuden kann man entdecken, wie in den vergangenen 400 Jahren gewohnt, gelebt und gearbeitet wurde. Wer die Gruppenangebote wahrnimmt, begibt sich gemeinsam auf eine spannende Reise durch die Schwarzwälder Kulturgeschichte. Dabei können die Besucher beispielsweise bei einer traditionellen Handwerkspräsentation den Handwerkern über die Schulter schauen, sich vorführen lassen, wie eine Schwarzwälder Kirschtorte entsteht oder selbst einmal Butter schlagen und auf frischem Bauernbrot verkosten. In der ersten Saisonhälfte steht im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof die »Heimat« im Mittelpunkt. Dabei wird thematisiert, was der Einzelne mit Heimat verbindet, beispielsweise Sprache, Kunst oder Musik, und wie sich Heimat im Lauf der Zeit verändert. Museen haftet mitunter ein ödes Bild an. Dabei tragen die zahlreichen Mitmachmuseen in unserer Region in Wirklichkeit dazu bei, dass Familien nicht nur unter freiem Himmel jede Menge Spaß haben können. So können im interaktiven Museum für Mineralien und Mathematik in Oberwolfach, kurz MiMa, kleine Forscher die Mineralien aus dem Schwarzwald in unterschiedlichsten Farben und Formen bestaunen und die Mathe-

Die »Heimat« steht im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in der ersten Saisonhälfte im Mittelpunkt. Foto: Museum matik der Kristalle selbst erforschen. Auch Bergbauwerkzeuge und ein Modell der Grubenanlage Clara, die sich ebenfalls in Oberwolfach befindet, sind ausgestellt. Auf der Halde der Grube Clara in Wolfach-Kirnbach dürfen kleine Sammler mit Hammer und Meißel sogar selbst nach glitzernden Mineralien suchen. Einblicke in den Bergbau im Kinzigtal geben auch das Besucherbergwerk Segen Gottes in Haslach und das Hausacher Freilichtmuseum Erzpoche. Wer kennt sie nicht – Hahn und Henne? Zell am Harmersbach

wird in erster Linie mit der Zeller Keramik in Verbindung gebracht. Im Keramikmuseum gibt es nicht nur einen Werksverkauf des weltberühmten Dekors, es wird auch täglich ein Keramikmalen angeboten. Im Glasblasen können sich Besucher derweil in der Dorotheenhütte in Wolfach versuchen. Dort kann man auch eintauchen in rund 2000 Jahre faszinierende Glasgeschichte. Erwähnt sei noch das Puppen- und Spielzeugmuseum in Nordrach. Und hinter der Grenze lockt das »Le Vaisseau« in Straßburg. mabu


MEINE HEIMAT / AUSFLUGSZIELE

Zuhause, wo andere Urlaub machen Die Landschaft im Schwarzwald ist bereits eine Attraktion für sich

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ber den Kinzigtäler sagt man, dass er dort lebt, wo andere Urlaub machen. Einer der Vorzüge der Region ist zweifelsohne die Landschaft. Dies wird einem oftmals erst bewusst, wenn man die Umgebung zu Fuß erkundet. Themenwege wie der Hornberger-Schießen-Weg, der Abenteuerpfad in Hausach, der Wald- und Erlebnispfad Bächlewald in Haslach oder abseits des Kinzigtals etwa der historische Bettelweg in Dörlinbach erfreuen sich vor allem bei Familien großer Beliebtheit. Eine schöne Rundwanderung verspricht auch der mit dem Qualitätssiegel

»Wanderbares Deutschland» prämierte Geroldsecker Qualitätsweg, der mehrere Wanderwege miteinander kombiniert. Auch an attraktiven Freizeitmöglichkeiten für einen interessanten Frühlings- oder Ferienausflug mangelt es vor der Haustür nicht. So geht es etwa im »Schwarzwaldbob« auf der Sommerrodelbahn in Gutach rasant bergab. Ganz leicht lässt sich Naturerleben und Freizeitspaß obendrein mit Genuss kombinieren. Eine kulinarische Entdeckungsreise durch die hiesigen Restaurants und Gaststätten sollte man jedenfalls mit einplamabu nen.

Einer der Vorzüge der Region ist zweifelsohne die Landschaft. Foto: Stadt Lahr

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