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Warm.13 laendlemagazin.com

Nationalratswahl

Wer die Wahl hat, hat die Qual Interview

Philipp Lingg Ăźber Vorarlberg Umweltschutz

Das Bienensterben betrifft uns alle!

Tattoo Convention Susanne Wehinger (Modedesignerin) im Interview

Ich mache keine Mode, sondern textile Kunst.â&#x20AC;&#x2030;<<

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Rubrik-/Artikelname

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Impressum:

Herausgeber: Ländle Magazin, Chris Feurstein, Fluh 7 / 7, 6900 Bregenz, info@laendlemagazin.com, laendlemagazin.com Chefredaktion: Chris Feurstein & Cornelia Bachträgl Redaktion: Chris Feurstein, Cornelia Bachträgl, Maximilian Feurstein & Katharina Germann Lektorin: Sophia Immler Freie Autoren: Mag. Astrid Öster­ reicher, Andrea Bachträgl Gestaltung & Grafik: Chris Feur­ stein & Cornelia Bachträgl Coverfoto: Markus Gmeiner Starke Fotografie, markusgmeiner.com Erscheinung: 2 x jährlich Anzeigenverkauf: Chris Feurstein, c.feurstein@laendlemagazin.com Copyright: Ländle Magazin 2013 Die Aussagen der Interview­partner und der Verfasser der Gastbeiträge müssen nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion überein­ stimmen. Der Lesefreundlichkeit zu­ liebe verzichten wir auf »Gendern«. Um evtl. Diskriminierung vorzu­ beugen, beziehen sich personen- und berufsbezogene Bezeichnungen dieser Ausgabe ausdrücklich auf beide Geschlechter. © Alle Rechte, auch die zur Über­nahme von Beiträgen und Ab­bildung nach § 44 Abs. 1 und 2 des Ur­heber­recht­gesetzes, sind vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in Onlinedienste und Internet sowie

»Hüte dich vor den Gezeichneten«, haben unsere Großeltern noch gemahnt. Damals waren die »Gezeichneten« meist Knackies oder andere zwielichtige Gestalten. Heute aber sind sie z.B. gefragte Künstler oder Models und setzen weltweit Trends. Wir wollten uns mit der Kunst, die unter die Haut geht, näher beschäftigen. Deshalb dreht sich im Ländle Magazin vieles um das Thema »Tattoo«. So haben wir zum Beispiel mit Andy Haller von Fat Foogo über Klischees und »seine« Tattoo Convention gesprochen. Passend dazu war ein weiteres Highlight unser Covermodel-­ Contest, bei dem wir gemeinsam mit unserer FacebookCommunity einen Sieger wählen konnten. Und beim VeggieShooting unterstützte uns das Tattoo-Model Sandy P.Peng. Was gibt es sonst noch in diesem Heft? Wir setzten uns mit unserem Vorarlberger Dialekt auseinander, der langsam zu verschwinden droht. Philipp Lingg von HMBC konnte uns im Interview noch einige lustige Gsiberg-Vokabeln beibringen. Ach ja, du hältst im Augenblick die Ländle Magazin-Erstaus­ gabe in den Händen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Verviel­f ältigung auf Datenträgern jeglicher Art nur nach schriftlicher Genehmigung der Redaktion. Alle Foto: Matthias Dietrich (studiofasching.at)

Auskünfte ohne Gewähr. Für unver­

Chris Feurstein & Cornelia Bachträgl

langt eingesendete Texte, Fotos und Gegenstände wird keine Haftung übernommen.

Vorarlberg und me-e-eh

Cornelia Bachträgl - Chefredaktion, Gestaltung & Musik Maximilian Feurstein - Kino & TV Katharina Germann - Kolumnen & Web Chris Feurstein - Chefredaktion, Gestaltung & Anzeigenverkauf

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Inhalt

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Editorial & Impressum -3-

Musik Too Matsch – OpenAir St. Gallen -35Musikempfehlungen -40-

Cover

Scott Matthew -42-

Cover-Contest -6-

Musik-Geheimtipp -44Album-Neuerscheinungen 2013 -45-

Coverstory

Veranstaltungstipps -46-

Interview mit Andy Haller (Fat Foogo) -10Interview mit Susanne Wehinger (Van Art Graziadei) -14-

Natur Bienensterben -48Interview mit Simon Vetter (Vetterhof) -52-

Politik

Vielfalt ist schlecht? -56-

Die Qual der Wahl -18-

Veggie Day – Nachhaltige Ernährung -58-

Interview mit Mario Wieser (Piraten) -20-

Sonstige Themen Film

Unikate & Selbstgemachtes -60-

Grindhouse -22-

Interview mit Dominik Schmid

Neu im Kino -26MovieLeaks – News & Gerüchte -27-

vom HC Alpla Hard -61Einsatz fürs Frühstücksteam -64Reisetipp: Peru -66-

Rettet das Gsi

Interview mit Fotograf Jakob Kasimir -68-

Interview mit MMag. Lukas Österle -28-

Aus dem Leben einer Shopaholic -72-

Interview mit Philipp Lingg (HMBC) -32-

Online Business

40 Tage ohne Facebook -76-

Vitamin B-Mangel? -34-

Facebook-Hoaxes -80From the Blog -82-

Das Letzte -835


Coverstory

Coverfoto Die Geschichte hinter unserem

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Um unser Titelthema, die Tattoos, autentischer zu gestalten, hielten wir es für besonders wichtig, einen Covermodel-Contest auszuschreiben. Unsere einzige Bedingung war: Tätowiert sollten die Kandidaten sein. Und wenn wir von »tätowiert« sprechen, meinen wir mehr als einen Delphin auf dem Hintern. Viele Einsendungen, manche freizügiger als erwartet, erreichten die Redaktion.

Fotos: Alexa © Philipp Schilcher, Mathias © Diana Saranora, Frenzy © brennpunkte.com, Marion & Florence © Tigerlilly

Die Jury Eine qualifizierte Jury aus verschiedenen designlastigen Branchen bestimmte die fina­ len fünf Kandidaten: Coverfotograf Markus Gmeiner (markusgmeiner.com), Designerin Susanne Wehinger alias »Van Art Grazi­ adei« (van-art.at) und als Tattoo-Insider Andy Haller von Fat Foogo (fat-foogo.at). Andy organisert heuer bereits zum sechsten Mal die internationale Tattoo Convention in Bregenz. Außerdem waren Cornelia und Chris (Ländle Magazin-Chefredaktion) in der Jury tätig. Der Abstimmungsmodus Wir vereinbarten, dass die Entscheidung zu 50 % von der Jury und zu 50 % von unserer Facebook-Community getroffen werden soll. Die Jury wählte also fünf Finalisten aus, kurz darauf startete die Wahl auf Facebook. Wichtig war, dass jeder Kandidat so viele Freunde wie nur möglich mobilisiert und diese dann sein Foto »liken«. Das Feedback war enorm! Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Kandidaten und Fans fürs Mitmachen bedanken. Der Sieger beider Abstimmungen war der Betreiber der Bregenzer Bar »Lowlife« Mathias. Gewonnen hat er neben einem Tat­ too-Gutschein von Fat Foogo und Eintritts­ karten zur Tattoo-Convention auch das Fotoshooting mit dem Profi-Fotografen und Jury-Mitglied Markus Gmeiner. Welche Fotos dabei unter anderem entstan­ den sind, seht ihr auf der folgenden Doppel­ seite und natürlich auf unserem Cover. 7


Coverstory


Fotos: Markus Gmeiner

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Coverstory

Tattoo Convention

Andy Haller (39), Geschäftführer des Tattoostudios »Fat Foogo« in Bregenz, erzählt im Interview von seinen Leidenschaften, dem Tätowieren, der Tattoo Convention und was er sonst so gerne macht. Hi Andy, ihr seid vor kurzem um­ gezogen. Wie läuft's im neuen Studio? Super! Alle sind von den neuen Räumlichkeiten sehr begeistert! Und unsere Kunden finden es cool, dass sie keinen Parkplatz mehr su­ chen müssen, sondern direkt vor dem Studio parken können.

Namen gemacht, du organisierst die Internationale Tattoo Convention, die jährlich im Festspielhaus stattfindet, heuer schon zum sechsten Mal. Hät­ test du das geglaubt, als du die Erste organisiert hast?

Aber nicht nur wenn's ums Täto­ wieren selbst geht, hast du dir einen 10

Welt ist. Sauber, hell und professio­ nell! Genau das Richtige für meine Tattoo Convention. Jetzt kommen die Artisten aus der ganzen Welt und alle sind begeistert und wollen wieder kommen. Auf welche Probleme bist du bei deiner ersten Convention gestoßen? Ich musste am Anfang die Artisten und Händler dazu überreden, nach Bregenz zu kommen, weil es etwas ganz Besonderes ist. Die meisten sagten: »Ne, lieber dann bei der Zweiten oder so!« Damals hatte ich 40 Artisten. Heute sind es über 100! Und natürlich die Sponsorensuche!

Klingt super! Du tätowierst nun schon seit wie vielen Jahren? Seit 1993, also sind es schon 20 Jahre. Und noch immer mit Freude dabei? Ja, sicher, und das wird auch noch 'ne Weile so bleiben (lacht). Ich kann mir keinen besseren Beruf vorstellen und freue mich auf jeden Tag, an dem ich meine Freunde und Kunden tätowieren darf. Und sie kommen immer wieder, das ist für mich der Beweis, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Interview / Text: Chris Ferustein

Ja, eigentlich schon (lacht). Die meisten Conventions sind in ir­ gendwelchen Turn- oder Messehal­ len und da dachte ich mir, ich mach sie im Bregenzer Festspielhaus. Erstens, weil ich auch das Studio in Bregenz habe und zweitens, weil es eines der besten Häuser auf der

Das muss eine enorme organisa­ torische Leistung sein – wirfst du da nicht mal die Nerven weg? Nein, zum Glück bin sehr geduldig und habe auch seit Anfang an ein super Convention-Team im Rü­ cken. Die unterstützen mich, wo es geht und jede/r weiß was zu tun ist.


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Bei der ersten Convention sind noch alle zu mir gekommen und ich hatte an dem Wochenende ca. 400 Anrufe auf dem Handy und ja, da bin ich fast verzweifelt. Ich wusste ja selber nicht wo, wie und was – wir brachten dann aber doch alles gut über die Runden. Du hast immer auch internatio­ nale Künstler bei der Convention. Nach welchen Kriterien wählst du die Tätowierer aus? Mir ist die Qualität sehr wichtig. Es gibt leider genug Conventions, ca. 90 Prozent, bei denen es egal ist, was ein Tätowierer kann. Da kann man sich online anmelden und schon ist man dabei. Das geht bei mir nicht! Ich will wissen, was der Artist kann. Das ist auch ein Grund warum die Bregen­ zer Convention so einen guten Ruf in der Szene hat.

Fotos: Patrica Keckeis (patice.at)

Dann sind wir mal gespannt, wie es heuer sein wird. Kommen wir zu­ rück zum Tätowieren. Gibt es ein großes Konkurrenzdenken unter den Studios in Vorarlberg? Ja, leider – ich denke schon. Früher haben sich alle gekannt und man ist ab und zu mal auf ein Bierchen zu­ sammen gegangen, hat ein bisschen gefachsimpelt und einen netten Abend verbracht. Jetzt meint jeder er sei besser als der andere und ist sich gegenseitig jede Kundschaft neidig. Schade, wäre cool, man würde einmal im Monat gemütlich zusammen sitzen, sich gegenseitig helfen und Erfah­ rungen austauschen. Nur so kommt man weiter und wird besser. Seit einiger Zeit sind Tattoo-­­Serien im TV sehr beliebt. Wie hat sich das auf dein Geschäft ausgewirkt? Ich finde es super. Jetzt machen sich die Leute zu Hause schon Gedan­ ken und kommen mit einer gewis­ sen Vorstellung ins Studio, die wir 11


Coverstory

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dann natürlich versuchen umzu­ setzen. Früher hatte man ein paar Kataloge rumliegen und suchte sich irgendwas aus und ließ es dann ma­ chen. Was halt gerade »in« war.

Ich frage nicht immer nach dem »Warum«. Kann man sagen, dass Tattoos heutzutage immer eine persönliche Bedeutung haben? Wenn ja, kennst du diese immer? Ich finde es sogar wichtig, dass es was Persönliches ist. Das hat man ja auf seiner Haut und verbindet es mit seinem Leben. Ich frage nicht immer nach dem »Warum«. Hinter vielen Motiven steckt aber eine zutiefst emotionale Geschichte. Ist der Tätowierer auch irgendwie Seelen­klemptner? Ab und zu schon. Ich finde es aber cool, wenn ich so die verschiedenen Geschichten höre. Ich habe den Eindruck, dass man sich heute zuerst an Stellen tätowie­ ren lässt, die für alle sichtbar sind, wie zum Beispiel am Hals, und erst dann Bereiche, die man verdecken kann. Stimmt das? Ja, das hätten viele gerne (lacht), bei uns gibt’s das aber nicht. Wir sagen immer, zuerst wird mal dort täto­ wiert, wo man es auch verstecken kann. Auf Job- und bei Wohnungs­ suche könnte das ein Hindernis sein und es wäre ja schade, wenn es am Tattoo scheitern würde.

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Welche Körperstellen tätowierst du nicht? Gesicht, Finger, Handflächen und Fußsohlen. Abgesehen von verbotenen Moti­ ven, hast du schon Tattoos abgelehnt, weil sie hässlich waren? Yes, schon einige, aber die meisten lassen sich dann beraten und ver­ trauen mir. Von wem lässt du dich eigentlich tätowieren? Von meinen Gasttätowierern aus der ganzen Welt z.B. Robert Her­ nandez, Tommy Lee, Labo-O-Cult, Chris Pack, Tattoo Alien, Marc D. Und das Nächste macht mir der Woalle (arbeitet ebenfalls bei Fat Foogo, Anm. d. Red.) Was bereitet dir abseits vom Täto­ wieren Freude? Natürlich meine Frau und meine zwei Töchter – so 'ne kleine Familie ist der Hammer. Ab und zu auch ein bisschen anstrengend, aber wir wa­ ren doch alle gleich – immer schau­ en, wie weit man gehen darf (lacht)! Ich bin auch schon seit fast 20 Jah­ ren bei den Leiblachtaler Schalmei­ en – das ist ein cooler Haufen Jungs! Und sonst fahre ich gerne Moped und Auto. Andy, vielen Dank für das inter­ essante Gespräch, viel Erfolg bei der diesjährigen Convention. Ich sage danke!

So kannst du gewinnen:

Gehe auf die Ländle Magazin-Face­book-Seite ( /LandleMagazin) und teile das Bild von der Tattoo Convention. Viel Glück!

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Coverstory

Ich verwandle meine Leidenschaft und Ideen in greifbare Elemente.

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Susanne Wehinger Künstlerin und Lehrperson an der HTL Dornbirn van-art.at

Das Label Van Art Graziadei hat sich der skurillen Mode verschrieben. In der Tattooszene hat sich Susanne Wehinger bereits einen Namen gemacht, so veranstaltet sie zum Beispiel seit fünf Jahren eine Modenschau bei der Bregenzer Tattoo Convention. Mit uns sprach die junge Designerin über Inspirationen, neue Herausforderungen und Bradley Cooper.

Hallo Susanne! Wie geht es dir? Du steckst ja bereits mitten in den Vorbereitungen für die Tattoo Convention! Hallo ihr Lieben! Ja, die Vorbereitungen sind in vollem Gange! Mein Atelier ist quasi mein zweiter Haupt­ wohnsitz und mein Alltag wird geprägt von schlaf­ losen Nächten, aufkehrenden Zweifeln, kreativen Ergüssen und Erfolgserlebnissen ... alles ist dabei – es fordert und fördert mich!

Fotos: Dieter Hirt, Edi Vatansever

Auf der Convention wird man deine neueste Kollektion zu sehen bekommen. Verrätst du uns, was uns erwartet? Ich werde dieses Jahr zum fünften Mal meine Moden­ schau am 24. und 25. August im Rahmen der sechsten Tattoo Convention im Bregenzer Festspielhaus ver­ anstalten. Man könnte sagen, dass die Show eher eine textile Live-Kunst ist, bei der auch Theater gespielt wird und so manche Überraschungen erwartet werden dürfen. Auch die Frisuren von Christine Tschann und das Make-Up von Lee Julie sind extravagant und surreal. Es ist definitiv sehenswert für Jung und Alt – egal ob modebegeistert, tätowiert oder nicht. Wenn man offen für »Nicht-Alltägliches« ist, ist meine Show genau das Richtige! Worauf achtest du bei der Auswahl der Models für Shootings oder Modenschauen? Bei meinen Models geht es nicht darum, dass sie so dünn sind, dass ich als Catering nur Orangensaft und Wattebäusche organisieren muss, sondern um Ausdruck, Herzlichkeit und Einzigartigkeit. Sie sollen Charakter zeigen und somit das Publikum in den Bann ziehen.

Wie würdest du deine Mode beschreiben und was inspiriert dich? Van Art Graziadei ist ein Label rund um meine bunte, kreative Welt der Textilien, die veranschaulicht, dass ausgefallene Kleidung mehr Spaß macht und die Men­ schen staunen lässt. Meine Kreationen haben recht wenig mit Mode zu tun, da Mode für mich einen sehr niederen Stellen­ wert hat. Vielmehr geht es darum, den Betrachter mit textiler Kunst zu begeistern. Schließlich soll dieser den Wunsch hegen ein solches Kunstwerk tragen zu wol­ len. So sollen diese Kostüme – durch Ausleihen – für Jedermann und -frau, die den Schritt in eine skurrile Welt wagen wollen, zugänglich sein. Hat die Mode als Kunstform Platz in den Köpfen der Menschen oder ist sie nur noch Konsumgut? Selbstverständlich hat Mode als Kunstform Platz in den Köpfen. Die Menschen staunen, wundern und unterhalten sich über ein Kostüm, das beispielsweise einen Durchmesser von 4 Metern hat oder gar von Kopf bis Fuß verschlossen ist. Das passiert bei einem alltäglichen Outfit eines Textilgroßhandels nicht so rasch. Es ist sicherlich nicht einfach, sich in der Modewelt einen Namen zu machen. Was tust du, um in der Szene bekannter zu werden? Nein, das ist nicht leicht, da es viele außerordentlich talentierte Künstler gibt. Das Einzige, was ich mache, ist meine Leidenschaft und Ideen in greifbare Elemen­ te zu verwandeln. Wenn jemand eines meiner Kostü­ me sieht, staunt und jemand anderem davon erzählt, dann hab ich schon viel erreicht.

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Coverstory

Meine Familie und Freunde sind stets Teil jedes Kunstwerks. Worauf bist du besonders stolz? Ich bin stolz darauf, dass mir durch meine textilen Gebilde schon einige Türen geöffnet wurden und stets Fortschritte erkennbar sind! So durfte ich zum Beispiel 2011 eine Modenschau beim 30-jährigen Jubiläum von Swarovski Triesen ausrichten. Wie reagieren deine Familie und Freunde auf deine ausgefallenen Kreationen? Sie sind kritisch, ehrlich und immer wieder zu begeistern. Meine Familie und Freun­ de sind stets Teil jedes Kunstwerks, da sie einerseits meine Inspiration und andererseits eine große Hilfe beim Verwirklichen meiner Entwürfe und Träume sind.

Bradley Cooper? Das würden wir jetzt gerne genauer wissen! Ohne Worte (grinst)! Hand aufs Herz – würdest du deine Outfits selbst tragen? Klar würde ich meine Kostüme selbst tragen, aber nur für Fotoshootings! Einzelne Ele­ mente aus den Kostümen wie z.B. Korsetts, Blusen oder Röcke würde ich tatsächlich auch bei besonderen Events tragen und dies mit großer Freude! Susanne, vielen Dank für das Interview! Viel Erfolg bei der Convention und alles Gute für die Zukunft! Ich sag danke! Es ist mir eine Ehre, in eurer Erstausgabe vertreten zu sein!

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Fotos: Dieter Hirt, (2) Matthias Schwaighofer, Lars Wieser, Edi Vatansever, Jens Burger, Photögraphy.com

Gibt es einen Star, den du gerne einkleiden würdest? Bradley Cooper würde ich sehr gerne treffen und einkleiden – ich befürchte aber, dass er schreiend davonlaufen würde (lacht). Zu meinen Kostümen würden am besten Björk oder Lady Gaga passen – für die beiden wäre sicherlich was in meiner Kollektion dabei!


r t e b ilien ion

Fam erz & Tradit mit H

Hirschen Hohenems

Gutbürgerliche Küche, große Portionen und gepflegte Zimmer, dafür ist der Gasthof Hirschen in der Marktstrasse 56 bekannt. 2011 hat Senior Peter Hacker das Unternehmen an seine Tochter Nathalie und ihren Gatten Sebastian übertragen. Das junge Paar hat seit dem viel frischen Wind in den Gasthof gebracht. Trotzdem halten sie die Tradition des Familienbetriebs aufrecht. Im schönsten Biergarten Vorarlbergs werden im Sommer bei Schönwetter immer mittwochs Dämmerschoppen mit Live-Musik veranstaltet. Mit seiner Vielseitigkeit, der hervorragenden Küche und der lockeren Atmosphäre hat sich das Gasthaus schon lange Gas t hofEin Besuch - Pension bals Kultlokal e i r t etabliert! lohnt sich! e b ien

FamHiel rz & Tradition mit

Hirschen Hohenems

Die Pension bietet 30 Betten, mit Dusche und WC, Parkplätze direkt beim Haus, und WLAN im ganzen Areal. Auch Hunde sind 2011 hat Senior Peter Hacker das Unternehmen an seine Tochter Nathalie und ihren Gatten Sebastian übertragen. Das junge Paar hat seit dem viel frischen Wind in den Gasthof gebracht. herzlich wil kommen! Trotzdem halten sie die Tradition des Familienbetriebs aufrecht.

Gutbürgerliche Küche, große Portionen und gepflegte Zimmer, dafür ist der Gasthof Hirschen in der Marktstrasse 56 bekannt.

Im schönsten Biergarten Vorarlbergs werden im Sommer bei Schönwetter immer mittwochs Dämmerschoppen mit Live-Musik veranstaltet. Mit seiner Vielseitigkeit, der hervorragenden Küche und der lockeren Atmosphäre hat sich das Gasthaus schon lange als Kultlokal etabliert! Ein Besuch lohnt sich!

Unsere Öffnungzeiten:

Mo - Fr: 10:00 - 14:00 & 16:30 - 24:00 Uhr Samstag: 16:30 - 24:00 Uhr, Sonn- und Feiertag Ruhetag

Die Pension bietet 30 Betten, mit Dusche und WC, Parkplätze direkt beim Haus, und WLAN im ganzen Areal. Auch Hunde sind herzlich willkommen! Unsere Öffnungzeiten:

Pension-Gasthof Hirschen, Marktstraße 56, 6845 Hohenems, Austria Marktstraße 56, 6845 Hohenems, T. +43Pension-Gasthof (0)5576 723 45,Hirschen, E. gasthof.hi rschen@utanet.at, www.pensioAustria n-hirschen.at T. +43 (0)5576 723 45, E. gasthof.hirschen@utanet.at, www.pension-hirschen.at Mo - Fr: 10:00 - 14:00 & 16:30 - 24:00 Uhr Samstag: 16:30 - 24:00 Uhr, Sonn- und Feiertag Ruhetag


Politik

»Wenn Wahlen

etwas ändern würden, dann wären sie verboten.« Text: Chris Feurstein

Diese Aussage wird dem deutschen Schriftsteller Kurt Tucholsky zugeschrieben und wirkt auf den ersten Blick erschütternd wahr. Für ganz so schlimm halte ich es nicht, aber man bekommt immer öfter das Gefühl, dass der regelmäßige Urnengang ziemlich für die Katz' ist. Was wird nicht wieder alles versprochen, das Buget über­stra­paziert und salbungsvolle Reden werden geschwungen. Im Endeffekt kommt immer das Gleiche dabei raus: Höhere Steuern für Otto-Normalverbraucher, kleine und mittlere Unternehmen dürfen auch mehr bezahlen. Viel Geld fließt dorthin, wo es eigentlich nicht sein sollte. Es läuft immer gleich ab: Die Menschen beschweren sich und wählen dann trotzdem wieder dieselbe Partei – in der Hoffnung, dass diesmal alles besser wird. Ein kurzer Blick auf unsere Parteienlandschaft lässt jedoch nichts Gutes erahnen. Wir wollten im Zuge der Nationalratswahlen auch mit allen Kandidaten ein schriftliches Interview führen – also ein überschaubarer Aufwand. Was soll ich sagen, wir feierten schon größere Erfolge ...

Schwarz

Da haben wir die EU-hörige ÖVP. Um etwas polemisch zu sein, formuliere ich's mal so: Würde die EU sagen »Spring!« würde die ÖVP fragen »Wie hoch?«. Will ich wirklich eine Partei in der Regierung, die alles, was von Brüssel kommt, als »alternativlos« betrachtet? Hin und wieder gibt man sich zwar nach außen hin kritisch, ist dann aber doch ziemlich schnell wieder auf Linie, da Österreich ja eine Vorbildfunktion hat. Versteh mich nicht falsch, ich bin sicher kein EU-Gegner, aber auch nicht »blauäugig«. Sagen wir so, mein Enthusiasmus ist schon längst verflogen. Apropos, da waren ja noch die Bienen (siehe Seite 48). Erst aufgrund des in der Bevölkerung wachsenden Unmuts über das Verhalten unseres Umweltministers, wurde die ÖVP dann doch zum Bienenfreund. Leider wurde seitens der ÖVP unsere Interviewanfrage abgelehnt.

Rot

Die SPÖ hält's mit der EU ähnlich wie die ÖVP. Wenn die SPÖ endlich mal doch gegen etwas ist, dann ist sie das meist nicht lange. Als Regierungsspitze haben wir 18

unseren »Schweige-« - bzw. »Grinsekanzler«, der äu­ ßerst selten in Erscheinung tritt. Wenn er es dann doch tut und zum Wahlvolk spricht, werde ich das Gefühl nicht los, ein Kindergartenonkel will einer Gruppe Fünfjähriger eine Geschichte erzählen. Klar sollen Politker einfache Worte verwenden, aber das, was der Kanzler da macht, ist schon fast unverschämt. Wenn ich an Herrn Fayman denke, fällt mir immer die Inseratenaffäre ein, in der er gerne vor dem Untersu­ chungsausschuss ausgesagt hätte, aber dann einfach nicht durfte. Blöd. Und sich für seine Facebook-Seite Freunde zu kaufen, ist für die PR-Abteilung eines Spit­ zenpolitikers auch nicht der schlaueste Schachzug. Ich wärme alten Kaffee auf? Unbedingt, denn der Wähler vergisst leider viel zu schnell. Auf unsere Inter­ viewanfrage erhielten wir keine Antwort.

Blau

Wer sich selbst immer erfolgreich ins Gespräch bringt ist die FPÖ, natürlich nicht immer positiv. Einige Foren-Mitglieder behaupten immer, »die FPÖ macht das genial«, da können die anderen Parteien noch was lernen. Nun ja, so genial ist es nun auch wieder nicht,


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wenn man regelmässig mit extremen Aussetzern aufwartet. Damit holt sich die Partei keinen einzigen Wähler z.B. vom Team-Stronach zurück. Ich frage mich sowieso, gibt es bei der FPÖ keine Verhaltensre­ geln, die sagen: »Poste kein offensichtlich rassistisches Zeug«? Im eigenen Interesse der Partei wäre dies lang­ sam mal notwendig. Auf unsere Interviewanfrage bekamen wir die schnell­ ste Zusage von der FPÖ, auf die Beantwortung der Fragen warten wir leider immer noch. Die müssen wohl noch einen HC-Comic aus dem Boden stampfen. Falls sich das Interview mit HC Strache doch noch ergibt, werden wir es in unserem Blog veröffentlichen.

umgehend ein »Fuck you« ausgerichtet. Auch nicht gerade die feine englische Art. Lustig, es war wahrscheinlich das erste Mal, dass ein Großteil der Bevölkerung den Aussagen eines Grünen-Politikers zustimmt. Herr Dönmez musste sich dann natürlich entschuldigen und sagen, dass ihm alles furchtbar leid tue. Eine Diksussion über »was darf man noch sagen« war vorprogrammiert. Die Grünen scheinen ein Problem damit zu haben, sich eindeutig zwischen dem Tolerieren anderer Kulturen und der Ablehnung konservativen Gedankenguts, wie dem politischen Islam, zu positionieren. Da geben sie sich lieber als die Aufdecker-Partei mit Aussicht auf Protestwähler.

Orange

Keine Antwort auf unsere Interviewanfrage.

Der kurzzeitige Höhenflug des BZÖ ist vorbei, nun scheint Ernüchterung eingetreten zu sein. Spitzen­ kandidat Bucher marschiert mit Buttons auf dem Sakko quer durchs Land und kämpft um jeden Wähler. Es ist jedoch schon absehbar wohin die Reise geht. Ich glaube nicht, dass das BZÖ nach der Wahl noch im Parlament sitzt. Wofür auch – kein Mensch weiß aus dem Steg­reif, für welche Werte die »Orangen« einstehen. Etwas liberaler als die »Blauen« sollen sie sein – das sieht man ja an den zahlreichen Korruptionsfallen. Die Interviewanfrage wurde ebenfalls umgehend be­ antwortet. Auch hier warten wir noch auf die Beant­ wortung unserer Fragen.

DAs Team

Da ich gerade das Thema »Werte« gestreift habe, fällt mir natürlich umgehend der Politik-Quereinsteiger Frank Stronach ein. Beim »Team Stronach für Öster­ reich« – unfassbar dämlicher Parteinahme – findet sich auch gleich der Großteil des BZÖs wieder. Auffangbe­ cken für Gescheiterte oder Sesselkleber? Es macht den Anschein, aber das hoffe ich nicht, denn die Grundsätze von Stronachs Partei sind sehr ansprechend, gerade für einen Politikverdrossenen, wie ich einer bin. Bis jetzt ist es leider eine One-Man-Show mit einem Protago­ nisten, der nicht mehr den frischesten Eindruck macht. Interview? Ja klar! Nur Antworten gibt's keine ...

Grün

Ganz frisch scheinen die Grünen auch nicht mehr zu sein. Man denke an den Fall Efgani Dönmez, der in FPÖ-Rhetorik den Pro-Erdogan-Demonstranten ein One-Way-Ticket in die Türkei nahe legte. Dem Grünen wird dann via Twitter vom Parteikollegen Georg Prack

die neuen

Neben dem Team Stronach dürfen wir uns über eine weitere neue Partei freuen, nämlich über die NEOS. Diese wollen sich als äußerst liberal positionieren, sind aber trotzdem ausgesprochen Pro-EU aufgestellt. Da die EU aber eher sozialistische Züge aufweist, hätte mich interessiert, wie das gehen sollen. Leider haben wir bis zum Redaktionsschluss auch von den NEOS keine Antworten bekommen.

piraten

Bei den letzten Wahlen in Deutschland wurden die Piraten gehypt, davon konnten die österreichischen Piraten bis jetzt nicht wirklich profitieren – viel­ leicht im Bereich der Parteineuzugänge. Das Thema »Piraten« ist wieder aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Wenn man sich (gefühlt) nur auf ein Thema versteift, kann das schon mal passieren. Wir haben auch die Piraten-Partei um ein Interview gebeten, bei ihnen hat es geklappt. Das einzige poli­ tische Interview in diesem Magazin mit dem Piraten Mario Wieser findst du auf der nächsten Doppelseite.

Wer die wahl hat, hat die Qual

So ein Rundumschlag vor der Wahl tut gut – allein schon um sich nochmals vor Augen zu halten, wer sich da zur Wahl stellt. Hätten wir diese Typen zu unserer Schulzeit zum Klassensprecher gewählt? Ich wage es zu bezweifeln. Ok, das sagt jetzt wirklich nichts darüber aus, ob jemand eine gute Leistung bringt oder nicht. Trotz alledem werde ich natürlich von meinem Wahl­ recht Gebrauch machen, auch wenn ich es so handhabe, dass das geringste Übel ein Kreuzchen bekommt. 19


Politik

PiRATEN, AhOI! Die Piratenpartei möchte bei den kommenden Wahlen den Sprung in den Nationalrat schaffen. Spitzenkandidat ist der 26-jährige Mario »Romario« Wieser aus Oberösterreich. Wir haben mit ihm über die politischen Vorstellungen seiner Partei gesprochen. Interview / Text : Chris Feurstein

Hallo Herr Wieser, es freut uns sehr, dass Sie sich für das Interview Zeit nehmen. Erzählen Sie uns doch etwas über sich. Bitte, gerne. Ich stehe als Kandidat der Piratenpartei voll hinter unseren Forderungen nach einer neuen Art der Politik mit voller Nachvollziehbarkeit und Mitbestimmung, dem Schutz der Bürger- und Menschenrechte und einer Zukunft, die so gestaltet ist, dass mehr Chancen für alle durch soziale Absicherung und freie Bildung gewährleistet sind. Nun, der große Hype um die Piraten ist vorüber, medial ist es mittlerweile etwas still geworden. Was tun Sie, um die potenziellen Wähler wieder auf Ihre Partei aufmerksam zu machen? Der große Hype kommt erst. Erfahrungen anderer europäischer Piratenparteien zeigen, dass durch wichtige Wahlen auch mit starken Mitgliederanstiegen zu rechnen ist. Weiters werden unsere Themen mit jedem Jahr wichtiger und wichtiger: Die Welt hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert – wir sind die einzigen, die diesen Wandel in die Politik ein­ bringen wollen.

Politik geht durch Transparenz und direkte Mitbestimmung besser! Was sind die aktuellen Themenschwerpunkte der Piraten? Erstens, Politik geht besser durch Transparenz und direkte Mitbestimmung. Zweitens wollen wir Netzpolitik und Grundrechte thematisieren, beispielsweise den Überwachungsstaat verhindern und Privatsphäre schützen. Drittens müssen Chancengleichheit und Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden – durch einen Mindestlohn und Steuerentlastung von Einkommen aus Arbeit. Sie favorisieren ein »bedingungsloses Grundeinkommen« (BGE), erklären Sie uns das bitte kurz: Das BGE ist eine Revolution des Sozialsystems. Das Geld, das jetzt schon ohnedies in den Sozialbereich fließt, wird zu einem großen Teil auf alle Staatsbürger aufgeteilt. Diese Umstel­ lung soll allen Menschen freie Entfaltung ermöglichen, sie sozial absichern und gleichzeitig unnötige Verwaltung massiv einsparen, um das Sozialbudget dem eigentlichen Verwen­ dungszweck zukommen zu lassen. Gibt es dabei keine Einschränkungen? Kann ich mir das BGE auch z.B. in die Türkei überweisen lassen, oder wenn ich nicht arbeiten möchte, kann ich dauerhaft daheim bleiben? In unserem Vorschlag sind alle rechtmäßig in Österreich lebenden Menschen zum Bezug

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des BGE berechtigt. Dies ließe sich natürlich durch eine Einführung des BGE auf europäischer Ebene noch ausbauen. Wie der Name schon sagt, ist der Bezug des BGE »bedingungslos« - das heißt, diverse Nachweise oder Anträge, wie etwa bei Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe, sind explizit nicht nötig. Was sagt ihr zu dem aktuellen Skandal in Sachen Facebook und Geheim­ dienste? Es war doch zu erwarten, dass dort jemand mitliest oder nicht? Ein »wir haben es immer schon gesagt« bringt uns hier nicht weiter. Jetzt muss ein starker Datenschutz für ganz Europa beschlossen werden und nicht nur die Interessen der Konzerne in den Gesetzgebungsprozess einfließen. Wir haben daher weltweit mit anderen Piratenparteien die Initiative AntiPRISM.eu ins Leben gerufen. Auch europaweite Demonst­ rationen und Aktionen sind bereits in Planung.

Was?!

Anti-PRISM Petition: Unterstütze die Petition für mehr Datensicherheit, Schutz von »Whistleblowern«, für die Freiheit des Internets und dem Schutz der Privatsphäre. Weiters fordert die Peti­ tion eine genaue Untersu­ chung der Vorgänge unter »PRISM« und es gilt, ein »europäisches PRISM« zu verhindern. Hier kannst du unter­ zeichnen:

Erklären Sie uns bitte die Anti-PRISM-Petition. Aufdecker sollen geschützt und die bisherigen Vorgänge aufgeklärt werden. Die europäische Datenschutzreform muss den Interessen der Bür­ gern, anstatt denen, der Konzerne dienen. Ein internationales Abkommen soll die unterzeichnenden Staaten zum Schutz der Privatsphäre verpflich­ ten. Und anstatt Überwachungssoftware mit EU-Mitteln zu fördern, soll das Geld in die Entwicklung von Datenschutz-Software fließen. Brauchen wir mehr Überwachung, um mehr Sicherheit zu erlagen? Was wäre eure Lösung? Überwachung schafft keine Sicherheit. Keine Überwachungskamera hat jemals ein Verbrechen verhindert – sie helfen bestenfalls im Nachhinein bei der Suche nach den Tatverdächtigen. Effektive Verbrechensverhin­ derung kann nur die Polizei übernehmen, indem sie durch persönliche Präsenz Prävention betreibt. Darüber hinaus müssen die Ursachen von Verbrechen bekämpft werden, nicht bloß die Symptome. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung steht der EU kritisch gegenüber. Wie steht ihr zur EU in Sachen Datenschutz oder Demokratiedefizite? Die aktuellen Strukturen der EU sind sehr anfällig für Lobbyismus. Hier ist Transparenz das erste wirkungsvolle Mittel gegen Korruption. Diese Voraussetzung muss auf jeden Fall erfüllt werden, um darauf aufbauend mehr Mitbestimmung zu ermöglichen. Ohne diese Reformen wird die EU nur weiter dazu dienen, die Interessen einiger weniger zu vertreten – und das Projekt droht daran zu scheitern.

Bild: Piratenpartei

Und zum Euro? Eine gemeinsame Währungsunion ohne eine gemeinsame Wirtschafts­ union war leider eine Schnapsidee. Wir fordern alle Länder Europas dazu auf, auf demokratischem Wege eine gemeinsame Wirtschaftsunion zu gründen und die Eurozone so international wettbewerbsfähig zu machen, ohne durch großflächige Kürzungen den Sozialstaat zu ruinieren. Herr Wieser, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen viel Erfolg bei den Nationalratswahlen 2013! Vielen Dank!

Antiprism.eu

Auf ihrer Website defi­ nieren sich die Piraten als sozialliberale Bürgerrechtspartei, die sich basis­demokratisch orga­ nisiert. Die Partei ist in mehreren Ländern ver­ treten – in Deutschland und ein paar anderen Ländern unter der Farbe »Orange«. Diese ist ja in Österreich bereits vom BZÖ besetzt. Weitere Infos über die Piraten findest du hier:

piratenpartei.at 21


Film

Grindhouse ist ein Kino, das keine Mainstream-Hollywoodfilme zeigt, sondern Billigproduktionen (B-Movies oder gar Exploitationfilme). 22


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Text: Maximilian Feurstein

Exploitation-Filme haben nicht das Budget, um große Stars zu engagieren, die die Zuschauer in die Kinos lo­ cken. Deswegen müssen diese Film mit anderen The­ men punkten, um für den Zuschauer interessant zu sein. Diese waren hauptsächlich Gewalt und Sex. Man sah in diesen Kinos Filme, die sich Hollywood nicht zu produzieren traute. Grindhouse ermöglichte es auch ethnischen Minder­ heiten ihre Filme zu zeigen. Es wurden demnach vie­ le Blaxploitation-Filme (Black Community) gedreht. Rassismus war zu dieser Zeit allgegenwärtig und auch in Hollywood wurden dunkelhäutige Menschen nicht gerade bevorzugt behandelt. Meist wurden sie nur in Nebenrollen, oder als Schurken besetzt. Blaxploitati­ on-Filme wurden von Dunkelhäutigen gedreht, in de­ nen sie auch die Hauptrollen spielten. Bekanntestes Beispiel – Shaft. Im Trailer wird mit dem Slogan geworben: »Shaft – hotter than Bond, cooler than Bullit. Rated �R�. If you wanna see it, ask your Mama.« Dasselbe gilt für mexikanische, also Mexploitati­ on-Filme. Beliebt waren außerdem Drugsploitation und Motorradgangfilme.

Doppelverstellung & fehlende Szenen

Diese Kinos waren ein Phänomen im Amerika der 30er – 80er Jahre. Erst als auch im Mainstream-Hol­ lywood das Thema »Gewalt« die Zuseher in die Ki­ nos lockte, verschwanden diese Filme und damit auch die Grindhouse-Kinos. Eine weitere Besonderheit der Grindhouse-Filme war, dass diese oft als Doppelvor­ stellungen zu sehen waren. Man konnte also für ein Kinoticket, gleich zwei Filme hintereinander sehen. Heute werden bei einem Kinofilm tausende Filmkopi­ en produziert und an die verschiedenenen Kinos über­ geben. Von Grindhouse-Streifen gab es im Normalfall fünf Kopien, was zur Folge hatte, dass ein Film nicht zeitgleich in mehreren Staaten lief. Das Zelluloid wur­ de zum Beispiel zuerst in Los Angeles in den Projektor gespannt und danach in Richtung San Francisco wei­ tergegeben. Dadurch wurden die Filmrollen beschä­ digt oder verschmutzt, wodurch die typischen Kratzer

auf den Filmen entstanden. Manchmal fehlten ganze Szenen komplett. Dies waren vor allem Sexszenen, weil die Filmvorführer sie aus dem Film herausschnit­ ten und die Filmschnipsel mit nach Hause nahmen. Um den Film besser verkaufen zu können, wurden Filmplakate entworfen, denen der Film nicht im An­ satz gerecht werden konnte. Frei nach dem Motto »Der Film wird zwar keine Zuschauer in die Kinos locken, das Plakat aber schon.« Oft wurde zuerst ein reißerisches Plakat entworfen und auf dieser Basis dann der eigentliche Film aufge­ baut. Dasselbe gilt für die Filmtitel. Was Grindhouse besonders macht ist es, dass man nicht weiß, was einen erwartet. Der Kreativität und den absurden Ideen sind keine Grenzen gesetzt – Absonderlichkeiten wie Zombie-Nazis sind keine Ausnahme!

Tarantino & Rodriguez

2007 erlebte Grindhouse ein Revival. Quentin Taran­ tino lud seinen guten Freund Robert Rodriguez in sein Privatkino ein, um ein Grindhousefilme Double-Fea­ ture zu zeigen, wie üblich mit Trailern und allem drum und dran. Rodriguez schlug vor, ebenfalls ein Grind­ house-Double-Feature zur drehen. Er selbst würde bei dem ersten und Tarantino bei dem zweiten Film die Regie führen. Passend dazu sollten fiktive Trailer ge­ dreht werden. Bei diesen Trailern sollten dann jeweils andere Regisseure das Kommando übernehmen. Rodriguez drehte den Zombie-Film »Planet Terror« und Tarantino den Slasher-Movie »Death Proof«. In Amerika liefen wie geplant beide Streifen hinterein­ ander. Da viele Besucher nicht wussten, dass es sich bei Grindhouse um ein Double-Feature handelte, verließ der Großteil das Kino, ohne »Death Proof« überhaupt gesehen zu haben. Das Grindhouse-Projekt blieb von den Einspielergeb­ nissen weit hinter den Erwartungen zurück. Deswe­ gen entschlossen sich die Produzenten die Filme in Europa einzeln zu zeigen. Dazu wurden geschnittene Szenen wieder eingefügt, sodass beide Filme ca. 20 Mi­ nuten länger waren, als ursprünglich geplant. Auch die 23


Film

fiktiven Trailer wurden entfernt, mit der Ausnahme von »Machete«, der vor »Planet Terror« lief. Erst später wurde auf DVD und Blu-Ray die ursprüng­ liche Grindhouse-Version als Double-Feature veröf­ fentlicht. Und auch hier war man konsequent, es ist nicht möglich zwischen den beiden Filmen auszuwäh­ len. Möchte man nur »Death Proof« ansehen, muss über das Kapitelmenü dorthin navigiert werden. Der Film beginnt mit einem alten Altersbeschränkungs­ hinweis, der direkt aus Tarantino’s Filmesammlung stammt.

Robert Rodriguez – Planet Terror

Auch bei »Planet Terror« wird mit Klischees gespielt. Der Titel allein soll schon darstellen, dass zuviel ver­ sprochen wird. »Planet Terror« ist nicht irgendein Pla­ net, sondern ganz einfach die Erde. Wie bereits beschrieben, konnten sich die damaligen Grindhouse-Produktionen keine großen Stars leisten, weshalb sie eine reißerische Idee brauchten, um den Film zu verkaufen. In diesem Fall wird die Haupt­ protagonistin mit einem Maschinengewehr als Bein­ prothese ausgerüstet, um das Genre entsprechend zu ehren. Natürlich sind in Robert Rodriguez Grind­ house-Homage einige Stars an Bord, wie etwa Bruce Willis, Rose McGowan oder Quentin Tarantino in ei­ nem Kurzauftritt. In »Planet Terror« findet man auch einen Hinweis auf den darauf folgenden Film »Death Proof«. So wird im Radio vom Tod der Moderatorin Jungle Julia berichtet. Nach dem Ende von »Planet Terror« folgen wieder ei­ nige fiktive Trailer.

Quentin Tarantino – Death Proof

Bei den Grindhouse Doublefeatures war es üblich, dass beide Filme aus denselben Genres kamen, in diesem Fall des Horrorfilms. Allerdings handelte es sich meis­ tens um unterschiedliche Subgenres. »Planet Terror« ist ein Monster-Horrorfilm, »Death Proof« hingegen ein Slasher­f ilm, bei dem der Mörder anstatt eines Mes­ sers, ein Auto verwendet. Kurt Russel übernimmt in »Death Proof« die Rolle des Killer. Seine Figur ist Stuntman und erwähnt in einer 24

Szene, dass heute fast alle Autocrashs nur noch mit CGI (computeranimierte Effekte) gedreht werden. Diese leht Tarantino we­ hement ab. Laut eigener Aussage habe er, seit »Ter­ minator II«, keine guten Verfolgungsjagden mehr gese­ hen. Deshalb sind alle Unfälle und Verfolgungsjagden in »Death Proof« echt. Die Schauspieler fuhren tat­ sächlich mit 110 bis 160 km/h durch die Straßen, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum eine der Hauptrollen mit der Stuntfrau Zoe Bell besetzt wurde.

Machete

»Machete« ist der erste fiktive Trailer der im Double­ feature gezeigt wird. Danny Trejo ist Star dieses Me­ xploitationfilms. Rodriguez meinte, dass wenn Danny Trejo nach »Desperado« ein mexikanischer Actionheld geworden wäre, er vermutlich in so einem Film mitge­ spielt hätte. Tatsächlich hat Rodriguez einen Teil des Drehbuchs für »Machete« kurz nach den Dreharbeiten zu »Desperado« geschrieben, die Idee dann allerdings zur Seite gelegt. Die Handlung ist simpel – Machete wird in eine Falle gelockt und nimmt Rache. Der Name der Figur stammt aus dem Film »Spy Kids«, ebenfalls von Robert Rodri­ guez, den Danny Trejo verkörpert. Außerdem ist »Ma­ chete« eine Anspielung auf den Film »Desperado«, in­ dem Trejo einen Attentäter spielt, der seine Ziele mit Wurfmessern zur Strecke bringt. Der Trailer kam beim Publikum so gut an, dass dieser tatsächlich verfilmt wurde. Zu den Darstellern gehören Danny Trejo, Robert De­ Niro, Lindsay Lohan, Don Johnson, Jessica Alba, Mi­ chelle Rodriguez und Steven Seagal. Im Film sind viele Fehler eingebaut, um das Gefühl ei­ ner Low-Budget-Produktion zu vermitteln. So werden auch ganz bewusst mit einem Revolver, dessen Maga­ zin sechs Patronen fasst, sieben Schüsse abgefeuert. In der Szene in der Tom Savini seinen Finger verliert,


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biegt er ihn einfach so ab, dass es aussieht, als ob er fehlen würde. In einem bestimmten Winkel kann man dies allerdings erkennen. Die Forsetzung »Machete Kills« ist bereits abgedreht und der dritte Teil »Machete Kills Again ...in Space!« wurde angekündigt.

Black Dynamite

Michel Jai White schrieb das Drehbuch und ist Haupt­ darsteller. White hatte die Idee zu dem Film schon vor ein paar Jahren, hat sich dann im »Black Dynami­ te«-Outfit fotografieren lassen, den Trailer dazu ge­ dreht und ist damit zu verschiedenen Filmstudios ge­ gangen und konnte schließlich das Projekt finanzieren. Ein Drehbuch gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Bilder: Planet Terror © Robert Rodriguez, Black Dynamite © Filmverleih

Würde man es nicht besser wissen, könnte man wirk­ lich meinen, dass der Film in den 70ern gedreht wur­ de. Das Bild ist grobkörnig und auf alt gemacht. Die Musik und auch die Kameraführung wirken authen­ tisch. Es handelt sich um einen Blaxploitation-Film mit Kung-Fu-Elementen. Die Handlung könnte direkt aus einem Steven Seagal-Film stammen, die immer mit folgender Phrase beginnen: »Der Ex-CIA-Agent ...«. Mehr muss zur Handlung nicht gesagt werden. Auch hier wurden wieder bewusst Filmfehler eingebaut – jedoch mehr als Gag, wie z.B. ein Mikrofon das von oben ins Bild ragt und Black Dynamite nach oben schauen lässt oder ein Schauspieler wird äußerst auf­ fällig durch seinen Stuntman ersetzt.

Grindhouse Klassiker

Im Laufe der Zeit haben sich einige Grindhouse-Fil­ me angesammelt die Beachtung verdient hatten. Wir haben einige brutale und skurrile Filmtipps für dich zusammengesucht. Cannibal Holocaust Wir befinden uns im Kanibalen-Genre – die Prota­ gonisten reisen an den Amazonas um eine vermisste Dokumentarfilm-Crew zu finden. Es sollte klar sein, worauf das hinausläuft.

Shogun Assassin Wir befinden uns in Japan. Ein Samurai rächt sich für den Tod seiner Frau. Der Zuseher darf sich auf durch­ choreographierte Schwertkämpfe freuen. The Big Doll House Das harte Leben hinter Gittern. Schauplatz ist ein Frauen­gefängnis. Blutige Kämpfe in der Dusche, Sex und Foltersessions, die im Auftrag der sadistischen Lei­ tung durchgeführt werden. Mit Pam Gier. Master of the Flying Guillotine Hongkong-Kino der extraklasse. Der Film beinhaltet Duelle der verschiednen Kampfstile und einen blinden Meister mit einer fliegenden Guillotine als Waffe. I Spit on Your Grave erzählt die Geschichte einer Frau, die vergewaltigt wur­ de und sich daraufhin an ihren Peinigern rächt. Nach heutigem Standard sind diese Filme ehender unfreiwillig komisch, anstatt schockierend. Dennoch geht von ihnen ein gewisser Reiz aus und Kultfaktor haben sie dank Tarantino & co. sowieso. Wir hoffen, dass wir uns künftig über weitere Homma­ gen an das Grindhouse-Kino freuen dürfen. Die Kriti­ ken dazu würden wir auf jeden Fall gerne schreiben.

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Kinovorschau Text: Maximilian Feurstein

Kick-Ass 2

Die Fortsetzung um den Real-Life Superhelden. Bösewicht Red Mist sinnt nach dem Tod seines Va­ ter nach Rache an Kick Ass. Diesmal wird der Held von weiteren Super­ helden, wie Jim Carrey als Cl. Stars and Stripes, unterstützt. Start: August 2013

This is the End

Während einer Hausparty bei James Franco startet plötzlich die Apokaylp­ se. Eine irre Komödie, in der alle Schauspieler sich selbst spielen. Mit dabei: James Franco, Jonah Hill, Seth Rogen, Rihanna, Emma Watson, Chan­ ning Tatum, Paul Rudd, Backstreet Boys. Start: August 2013

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RIPD

The World's End

Der dritte Teil der Blood and Ice Cream Trilogie (nach Shawn of the Dead und Hot Fuzz). Ein paar Jugendfreunde wollen das schaffen, was sie in Teen­ agerzeiten nicht erreicht haben: Eine Bar-Tour durch 12 Pubs – in jedem Pub wollen sie ein Glas Bier trinken. Doch plötz­ lich passieren mit den Einwohnern des Dorfes unheimliche Dinge. Start: September 2013

Jeff Bridges und Ryan Reynolds kämpfen als un­ tote Polizisten gegen das Böse. Der Trailer erinnert stark an Men in Black und sieht nach verdammt viel Spaß aus. Start: September 2013

The Counselor

Der neue Film von Ridley Scott mit dem Drehbuch von Cormac McCarthy (No Country for Old Men). Über die Handlung ist wenig bekannt, aber der Trailer lässt Großes erwarten. Cast: Michael Fassbender, Brad Pitt, Javier Bardem, Cameron Diaz, Penelope Cruz. Start: Ende 2013

Don Jon

Joseph Gordon-Levitts Regiedebut, bei dem er auch selbst die Hauptrolle übernimmt. Es geht um einen Pornosüchtigen, der sich in eine Frau (Scarlett Johanson) verliebt und von ihr beim Frönen seines Hobbys erwischt wird ... Start: November 2013

Kino und me-e-eh

Fotos: Kickass 2 / The World's End / RIPD © Universal Studios, Elysium © Sony Pictures, Don Jon © Relativity Media, The Counselor © 20th Century Fox, This is the End © Columbia Pictures

Film


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MovieLeaks 1 | Ryan Reynolds ist nicht mehr beim Highlander-Remake dabei.

Somit habe ich jegliches Interesse am Film verloren. Das Projekt sollte am besten gleich ganz einge­ stampft werden. 2 | Robert Downey Jr. ist in Avengers 2 und 3 zu sehen, aber voraus­ sichtlich nicht in Iron Man 4.

3 | William Fichter ist »Shredder« in Teenage Mutant Ninja Turtles. Er ist kein schlechter Schauspieler, aber passt für mich nicht in einen coolen Turtles-Film. Außerdem ist »Shredder« Japaner. 4 | Independence Day Forever ohne Will Smith. Auch bei diesem Projekt habe ich kein gutes Gefühl. Wenn Smith mal seinen Sohn zu Hause lässt, hätte ich ihn gern in diesem Film gesehen, aber Smith ist leider zu teuer. Bill Pullman und Jeff Gold­ blum sind wieder dabei, die sind ja nicht so teuer. Braucht es hier wirklich eine Fortsetzung?

5 | Mel Gibson soll einen Bösewicht in The Expendables 3 spielen. Steven Seagal steht ebenfalls für eine Rolle in Verhandlungen. Ganz klar ist das weit unter Gib­ son’s Niveau und dennoch will ich ihn als Bösewicht sehen. Wenn dann noch Seagal dazu kommt, wäre die Sache perfekt. 6 | Die Gremlins sollen ein Remake bekommen. Bitte nicht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Charme der alten Filme heute noch funktionie­ ren wird. Manche Klassiker sollten einfach nicht neu verfilmt werden.

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Finde ich gut, da Iron Man bei den Avengers fehlen würde und er zumindest in diesen Filmen nicht durch einen anderen Schauspieler ersetzt werden sollte. Iron Man 4 ist überflüssig, der dritte Teil hat eigentlich das Ende der Trilogie markiert.

Kinonews & Gerüchte Text: Maximilian Feurstein

Maria-Theresienstraße 32, Lustenau www.kopierecke.at | kopierecke@vol.at Tel.: +43 5577 87902 Öffnungszeiten: Mo - Fr 08.00 – 12.00 Uhr und 14.00 – 18.00 Uhr 27


Rettet das Gsi

Einer aktuellen Umfrage zur Folge ist der Vorarlberger Dialekt ernst haft in Gefahr. Das Bewusstsein da für steigt zwar bei der jüngeren Generation wieder, trotzdem werden viele Wörter heutzutage einfach nicht mehr verwendet. Interview / Text: Katharina Germann / Cornelia Bachträgl

Eines der wichtigsten Wörter unserer Dialektes, das Gsi, wird im alltägli­ chen Sprachgebrauch tatsächlich immer seltener gesprochen. Man »war« am Vortag eher weg, als dass man »furt gsi« ist. Diesem Trend möchte das Ländle Magazin entgegen steuern und ruft deshalb alle dazu auf, unserer Facebook-Seite »Rettet das Gsi« ( /RettetdasGsi) beizutreten. Wir haben mit dem Dialekt-Experten MMag. Lukas Österle aus Wolfurt über die Sprache der Vorarlberger gesprochen. Der 27-Jährige hat gerade seine Diplomarbeit zu diesem Thema abgeschlossen und kann uns genau sagen, wie es um unseren Dialekt wirklich steht.

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RETTET DAS GSI MMag. Lukas Österle, Magister der Philosophie, Studium der Germanistik, Studium der Medienpädagogik

Hallo Lukas, vielen Dank, dass du dir für das Ländle Magazin Zeit nimmst. Sehr gerne. Um den Vorarlberger Dialekt zu retten, ist mir keine Minute zu schade! (lacht) Wie bist du auf die Idee gekommen, das Thema »Generationenvergleich in der dialektalen Lexik der Marktgemeinde Wolfurt« als Inhalt deiner Diplomarbeit zu verwenden? Der Vorarlberger Dialekt hat mich schon immer inte­ ressiert! Mir ist dann mehr und mehr aufgefallen, dass ich und andere Studenten und Schüler immer öfter eine Mischform zwischen Dialekt und Hochdeutsch sprechen. Diesem Phänomen wollte ich genauer nach­ gehen und so entschloss ich mich für dieses Thema.

Bild: privat

Was hältst du allgemein vom Vorarlberger Dialekt? Ist es ein Nachteil, dass uns viele nicht verstehen, oder macht es uns zu etwas Besonderem, das wir uns behalten sollten? Meiner Meinung nach macht es uns zu etwas Be­ sonderem, vor allem innerhalb von Österreich. Die Sprache in der Schweiz und im deutschen Raum bis ins französische Elsaß ist ja teilweise sehr ähnlich. Allgemein ist der Vorarlberger Dialekt für uns aber identitätsstiftend und darf keinesfalls verloren gehen! Unsere Sprache ist durch die vielen verschiedenen Dialekte und Einflüsse recht komplex. Wie bist du an das Thema herangegangen? Da so eine Arbeit für ganz Vorarlberg den Rahmen

einer Diplomarbeit sprengen würde, musste ich mich auf den Dialekt in Wolfurt beschränken. Dann habe ich mit Hilfe der »Heimat Wolfurt« und durch Mundpropaganda 50 typische Lexeme (Anm. d. Red.: in diesem Fall »Begriffe«) herausgesucht und diese dann in Interviews mit Hilfe von Bildern abgefragt. Die allgemeine Einstellung der Wolfurter zum Dia­ lekt habe ich mit zwölf Fragen in einem Fragebogen herausgefiltert. Wie haben deine Interviewpartner auf deine Fragen reagiert? Ist den Wolfurtern bewusst, dass unser Dialekt etwas Besonderes ist? Besonders die älteren Interviewpartner waren begeistert von der Thematik. Aber auch die mittlere Generation war gerne dabei und ist sich durchaus der Besonderheit des Dialektes bewusst, obwohl sie die Ausdrücke oft nicht mehr aktiv verwenden. Bei den jüngsten Teilnehmern musste ich teilweise etwas Überredungskunst aufbringen, aber am Ende waren auch sie gerne und mit Eifer bei der Sache dabei. In deiner Arbeit schreibst du, dass viele Dialektwörter aussterben und von der jungen Generation nicht mehr verwendet werden. Warum ist das so? Könnte dies in weiterer Folge zu einem »Tod« des Vorarlberger Dialektes führen? Viele Lexeme sterben aus, weil das Ding an sich ver­ schwindet – vor allem im Bereich der Landwirtschaft. Ein weiterer Grund für das Verschwinden ist auch, 29


Rettet das Gsi

Es wäre schade, wenn wir Gsiberger irgendwann zu War-Bergern werden!

dass die mittlere Generation die Lexeme zwar kennt, diese jedoch nicht mehr aktiv verwendet, was es für die Jugendlichen unmöglich macht, diese Dialekt-Aus­ drücke noch zu kennen. Warum ist das Bewusstsein für den Dialekt bei unse­ rer jüngsten Generation wieder gestiegen? Ist die Angst des »Aussterbens« tatsächlich präsent? Ich glaube nicht, dass es etwas mit Angst zu tun hat. Meiner Meinung nach sind sich die jungen Leute heute einfach wieder mehr bewusst, was wir an unse­ rem Dialekt haben. Natürlich spielen auch die Social Networks und Smartphones eine tragende Rolle, da dabei meistens aufgrund der Kürze im Dialekt kom­ muniziert wird! In deiner Arbeit schreibst du auch über den Sprachge­ brauch an Schulen. Ist es deiner Meinung nach sinnvoll, dass man in der Schule Hochdeutsch lernt und spricht, oder sollte der Dialekt mehr gefördert werden? Aus meiner Sicht wäre ein gesundes Mittelmaß per­ fekt. In der heutigen Berufswelt ist es sehr wichtig, dass die Hochsprache beherrscht wird. Man könnte aber zum Beispiel in Nebenfächern im Dialekt unter­ richten und in den Hauptfächern auf Hochdeutsch. Dies würde dazu führen, dass Kinder und Jugendliche beides lernen. Aufgrund deiner ersten Diplomarbeit mit dem Titel »Medienkompetenzvermittlung durch Online-Angebote für Kinder im Spannungsfeld von Theorie und Praxis« bist du ja quasi ein Experte im Umgang mit unseren Jüngsten. Wie sollte Kindern der Dialekt näher gebracht werden? In erster Linie muss das Bewusstsein der Eltern für den Dialekt gesteigert werden. Denn nur so wird es den Kindern und Jugendlichen möglich sein, den Dia­ lekt auch in Zukunft zu lernen und aktiv anzuwenden.

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Der Trend des mehrsprachigen Aufziehens macht auch vor Familien in Vorarlberg nicht Halt. Wie wichtig ist es, dass Kindern auch der Dialekt beigebracht wird? Ich bin der Meinung, dass sich Eltern nicht zu sehr darauf versteifen sollten, dem Kind mehrere Sprachen beizubringen. Wenn es sich aber einfach lösen lässt, ist es sicher kein Nachteil. Ich finde, dass jeder Vorarlber­ ger den Dialekt beherrschen sollte, bevor er überhaupt mit der Hochsprache oder einer Fremdsprache in Verbindung kommt. Unser Dialekt gehört zu unserer Identität und das soll auch in Zukunft so bleiben. Da­ rauf sollte, trotz möglicher zweisprachiger Erziehung, nicht vergessen werden. Wie wir schon erwähnt haben, werden viele ältere Vorarlberger Begriffe nicht mehr so oft verwendet. Wie steht es mit unserem geliebten »Gsi«? Ist dieses tatsächlich in Gefahr oder übertreiben wir da? Ich denke, dass das »Gsi« schon in Gefahr ist. Ob­ wohl es in den letzten Jahren gerade durch verschie­ dene Dialekt-Bands und –Veranstaltungen mit dem Bewusstsein für den Dialekt und somit auch für das »Gsi« wieder aufwärts geht. Seit meiner Arbeit achte ich auch selbst wieder darauf, das »Gsi« vermehrt zu verwenden und andere darauf hinzuweisen. Auf unserer Facebook-Seite möchten wir so viele Vor­ arlberger wie möglich mobilisieren, an unserer Rettungs­ aktion teilzunehmen. Wirst du die Seite liken und warum sollten das auch andere tun? Auf jeden Fall werde ich euch unterstützen, da ich es eine super Aktion von euch finde. Das »Gsi« und der Dialekt gehören zu Vorarlberg und zu unserer Iden­ tität. Jedem Vorarlberger sollte viel am Dialekt liegen und somit sollte auch jeder eure Seite liken. Es wäre schade, wenn aus Gsi-Bergern War-Berger werden. Vielen Dank für das Interview!


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Huurabürzl

„Huurabürzl« kommt aus dem Bregenzerwälder Dialekt und wird auch heute noch von vielen Wäldern verwendet. Im Vorarlberger Unterland ist dieser Ausdruck allerdings weniger bekannt. Das Wort huura steht oft für »sehr«. Abgeleitet vom hochdeutschen Wort »horrend«, bedeutet es auch in unserem Dialektbegriff »unhaltbar«, »immens«, »exzessiv«. Bürzl leitet sich einerseits vom Verb »purzeln« ab, andererseits auch vom Wort »Bürzel«, was »Steiß« bedeutet. Als Bürzel wird die gesamte Rückenpartie eines Vogels bezeichnet, was sich auch in unserem Ausgangswort spiegelt. Zusammenfassend bedeutet »Huurabürzl« also auf Hochdeutsch: Purzelbaum.

Gruammat Heiba

Der Begriff »Gruammat Heiba« stammt aus der zweitkleinsten Gemeinde Vorarl­ bergs: Warth (ca. 160 Einwohner). Der erste Bestandteil von »Gruammat« wird etymologisch zunächst auf »grün« be­ zogen, vielleicht weil zunehmend auch anderes Grünfutter wie Nachsaaten gemäht wurde, geht aber auf einen gemeingermanischen Stamm *grō- »wachsen« zurück, der sowohl »grün« und »Gras« zugrunde liegt, wie auch dem Englischen »grain« für »Getreide«. Der zweite Bestandteil bedeutet ganz einfach »Mahd«, also das Mä­ hen einer Wiese. Zusammengesetzt und wörtlich übersetzt bedeutet »Gruammat« also »grüne Mahd«. Das zweite Wort »Heiba« bedeutet ganz einfach und kurz gesagt »heuen« und ist auch heute in Vorarlberg und weiten Teilen Süddeutschlands gebräuchlich. „Gruammat Heiba« ist auf Hochdeutsch also: das Heuen der zweiten Mahd.

Goggumêrê

Der lateinische Name unseres gesuchten Wortes lautet »Cucumis sativus«. Zu uns gelangt ist »Goggumêrê« vermutlich über Frankreich, England und die USA. Wäh­ rend der Besatzungszeit brachten Soldaten aus diesen Ländern mehrere Begriffe in den deutschsprachigen Raum, darunter auch dieses. Das französische Wort ist »concombre«, der englische Begriff lautet »cucumber«. Goggumêrê heißt auf Hochdeutsch also: Gurke. MMag. Lukas Österle: »Bei meiner Arbeit über den Dialekt in Wolfurt wurde auch der Ausdruck ‚Goggumêrê‘ auf dessen Bekanntheitsgrad und die Verwendung hin untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass das Lexem hauptsächlich den ältesten Wolfurtern und den Leuten in der Jahrgangsgruppe 1957 bis 1967 bekannt war. Nur mehr gut ein Drittel der jüngsten Generation konnte etwas mit dem Ausdruck anfangen. Bei der Frage nach der Verwendung zeigte sich auch der Grund für diesen Abwärtstrend: Während die älteste Generation den Dialekt-Ausdruck bis auf we­ nige Ausnahmen noch aktiv verwendet, sinkt die Zahl bei der nächsten Generation bereits auf unter 20 Prozent. Das wiederum führt dazu, dass die jungen Wolfurter den Ausdruck großteils nicht mehr kennen und nicht mehr aktiv verwenden. Dieser Trend lässt sich aus meiner Sicht auf die meisten Gebiete Vorarlbergs umlegen.« Weitere Begriffe auf laendlemagazin.com

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Rettet das Gsi

Vorarlberg bedeutet für mich

Hoamat. Philipp Lingg von HMBC im Interview Interview / Text: Cornelia Bachträgl

»Vo Mellau bis ge Schoppernau« ist nicht nur ein großer Hit, das Lied trägt auch viel zur Völkerverständigung bei. Es gibt kaum jemanden, der nicht »... d’Füaß himmor weh tau« mitsingt. Wir haben mit Philipp Lingg, dem 29-jährigen Vollblutmusiker und Frontman von HMBC, über Sprachbarrieren, Songtexte und Heimat gesprochen. 32


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Hallo Philipp, vielen Dank, dass du dir für uns Zeit nimmst. Gratulation zum Bachelor! Wie geht es dir? Es geht mir gut, danke der Nachfrage. Ja, der Bakk han i itz im Sakk. Zum Glück. Du wohnst schon lange in Wien, um zu studieren. Wirst du dort bleiben? Das kann man so auf die Schnelle nicht beantwor­ ten. Ich weiß nur, dass ich für meinen zweiten Abschluss die nächsten eineinhalb Jahre noch in Wien sein werde.

Bild: Adolf Bereuter

Welche Bedeutung hat Vorarlberg für dich? Vorarlberg bedeutet für mich Hoamat – der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Da trifft man Familie und Freunde. Menschen, die man gerne wieder sieht, wenn man dort ver­ weilt. Vorarlberg ist ein wichtiger Bezugspunkt in meinem Leben. Viele Vorarlberger Stu­ denten legen in Wien ihren Dialekt ab, weil sie sonst keiner versteht. Welche Er­ fahrungen hast du mit ös­ terreichischen Sprachbar­ rieren gemacht? Dialekt ablegen geht gar nicht!!! Es gibt in Wien so viele Vorarlberger In­ seln, wo man seinen Dia­ lekt ausleben/aufbessern kann. Klar muss man sich dem Rest der Österreicher, die nicht vorarlbergerisch sprechen, anpassen, aber das Gute daran ist, dass wir eigentlich alle anderen

Dialekte Österreichs gut verstehen können. Also kann man nur sprachlich dazulernen.

Und welche sind deine Lieblingsdialektwörter? Estimiro, ned lug lau, körig und grüsele.

Hast du das Gefühl, dass sich die Sprachkultur im Ländle verändert? Verlieren wir unseren Dialekt früher oder später – oder entwi­ ckelt er sich nur weiter? Die Sprachkultur – Kul­ tur, im Allgemeinen – verändert sich andauernd. Das ist doch das Spannen­

Eure Band, der holstuo­ narmusigbigbandclub, hat ja sogar ein Album mit dem Titel »Grüsele live« ... Dar­ auf findet sich auch der Hit »Vo Mello bis ge Schoppor­ nou«. Jeder singt bei diesem Lied mit – egal ob man den Text versteht oder nicht. Habt ihr damit gerechnet,

Ich persönlich glaube nicht, dass wir unseren Dialekt verlieren, wir sind viel zu stolz darauf, ihn auszuleben. de daran. Ich persönlich glaube nicht, dass wir unseren Dialekt verlieren – dafür sind wir viel zu stolz darauf, ihn auszule­ ben. Mit ihm bekommen wir erst die eigentliche Identität. Es gibt so viele verschiedene Dialekte in Vorarlberg auf so engem Raum, ich glaube, da wäre der Dialekt schon lan­ ge verschwunden, wenn nicht unsere Vorfahren so hart für ihn gekämpft hätten.

dass man mit einem Song auf gsibergerisch fernab von Vorarlberg Erfolg ha­ ben kann? Nein, ich persönlich hab nicht damit gerechnet – wie denn auch? As ischt grüsele schöa, dass as pas­ siert ischt.

Auf der Facebookseite Rettet das Gsi ( /Rettet­ dasGsi) werden regelmäßig »vergessene« Wörter aus dem Vorarlberger Dialekt gepostet. Fallen dir Begrif­ fe ein, die du zwar kennst, aber nicht aktiv verwendest, weil sie veraltet sind? Selbherr – eingebildet oder arrogant, Kamisol – eine Weste, karresioro – um die Hand anhalten.

Eure Band hat heu­ er beim 1. Schoppernauer Open Air ihr 10-jähriges Bestehen gefeiert. Wie hat damals eigentlich alles an­ gefangen? Mit einem Auftritt, einer Wurst, einem Bier und natürlich viel Musik.

Welche Wörter aus dem Ländle lernt ihr den Menschen, denen ihr auf Tour begegnet? Gadoladolällar, Gegagogabölla und grüsele!

Sprache ist euch am liebsten? Das kann man so pauschal nicht sagen. Zur Zeit fin­ de ich es spannend, die verschiedenen Sprachen mit unserem Dialekt zu vermischen. Ich sehe das Ganze eher als eine Fusi­ on der Konsonanten, Vo­ kalen und Diphthongen. Verschiedene Sprachen zu verbinden, ist im Moment das, was mich beim Text schreiben am meisten in­ teressiert. Würdet ihr eure Mund­ art-Texte auch übersetzt aufnehmen, um vielleicht international noch erfolg­ reicher zu werden? Zur Zeit gerade nicht. Besonders beein­ druc­ kend an euren Konzerten finde ich die volkstümliche Interpretation von Pop­ songs und die Modernisie­ rung von Volksliedern. Was macht euch mehr Spaß? Es hat beides seinen Reiz. Mit Coverversionen zu arbeiten ist ein lustiges Unterfangen und trägt zur Findung von neuen Ar­ rangementelementen bei. Wie wäre es mit einem Abschlusssatz im Dialekt? Hinds fria mitanand und gloubond ned alls, was man arzellt.

Ihr singt im Dialekt, ein wenig auf hochdeutsch und auch auf englisch – welche 33


Business

Vitamin B-Mangel? In der Berufswelt wird auf Vitamin B geschworen. Schnell haftet dem Ganzen jedoch der negative Beigeschmack von Vetternwirtschaft an. Trotzdem sind Beziehungen und Netzwerke wichtiger den je. Aufgrund der andauerenden Korruptionsaffären unserer werten Herrn und Frauen Politiker ist das »Networking« etwas in Verruf geraten, obwohl es eine wichtige Basis für beruflichen Erfolg darstellt. Natürlich werden in der Politik nur Gefälligkeiten ausgetauscht und Interessen bedient – für die dann aber meist der Steuerzahler gerade stehen muss. Im Berufs- aber auch im Privat­ leben zahlen sich umfassende Netzwerke gerade in Krisen­ zeiten aus. Millionen Men­ schen treten verschiedensten Netzwerken, Clubs und Vereinen bei, um in irgend­ einer Form Vorteile aus ihren Kontakten zu ziehen. Gerade für junge Selbstständige ist es wichtig, viele Entscheidungsträger in kurzer Zeit kennen zu lernen, um evtl. gemeinsame Projekte zu verwirklichen – hierfür sind Netzwerke besonders hilfreich. Denn eines hat sich trotz unseren digitalen Fortschritten nicht geändert: die persönliche Bekanntschaft ist wesentlich erfolgsversprechender als der Kontakt per E-Mail. Wer also glaubt ein Unternehmen nur per digitaler Kontakte führen zu können, wird sich täuschen – auch im Ländle. Man kennt sich Netzwerke sind extrem wichtig, und zwar für Einzel­ personen sowie für Unternehmen. Wer ein Teil davon ist, lernt leichter Menschen kennen, die einen fördern, unterstützen oder auf neue Ideen bringen. Für viele führt »Networking« zum entscheidenden Vitamin B, um die eigene Karriere zu fördern. Es gibt viele Arten von Vereinigungen, die nützlich sind – eine davon ist die Vorarlberger Plattform isikauf.at. Die Ländle-Konsumentenplattform isikauf.at zeigt den Kunden schnell und ohne unnöti­ ge Umwege, welche Angebote oder Dienstleistungen 34

aktuell angeboten werden. Aber auch Unternehmern bietet isikauf.at die Möglichkeit, von einander zu profitieren. Wo bisher nur der eigene Kundenkreis angesprochen wurde, werden auf isikauf.at viele Kon­ sumenten miteinander verknüpft. Außerdem bietet die Website ihren Mitgliedern die Möglichkeit, schnell und kostengünstig Werbung zu schalten. KMU's haben oft nicht das Werbebudget, um kontinuierlich Printwer­ bung zu kaufen – dies ist meist großen Unterneh­ men vorbehalten. isikauf. at kann auch von kleinund mittel­ständischen Unternehmen als Werbe­ plattform genutzt werden, um aktuelle Angebote, neue Produkte oder besondere An­ lässe zu präsentieren. Natürlich ist dies als eine Ergänzung zu den eigenen Werbeaktivitäten zu sehen. Vorteilskarte Registrierte Unternehmen können sich gegenseitig Vorteile bei Geschäftsabschlüssen einräumen. Weil jeder aus dieser Zusammenarbeit profitiert, wird die Community gestärkt. Zusätzlich gibt es für den Endkonsument die isikauf.at-Vorteilskarte gratis. Weist man die Vorteilskarte bei einem teilnehmenden Betrieb vor, wird dem Inhaber sofort der jeweilige Bonus gewährt. Daraus ergibt sich eine unkompli­ zierte Win-win-Situation zwischen den Unterneh­ mern und deren Kunden – und der Konsum im Raum Vorarlberg wird gestärkt. Kostenlos anmelden Mitglied werden bei isikauf.at ist einfach und geht schnell: Die Registration und das Profil sind kosten­ los. Nach dem Freischalten kann angegeben werden, welche Vorteile man anderen isikauf.at-Mitgliedern einräumen möchte. So schnell wird man Teil eines erfolgreichen Netzwerks.


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Too Matsch Schlammschlacht beim OpenAir St. Gallen Text: Cornelia Bachtr채gl

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Musik

Das OpenAir St. Gallen ist eines der ältesten und größten Open Air-Musikfestivals der Schweiz. Es findet seit seiner Gründung im Jahr 1977 ununterbrochen statt. Wegen seiner einzigartigen Lage im Naturschutzgebiet Sittertobel der Stadt St. Gallen gilt das Open Air als eines der schönsten Europas. Außerdem loben Besucher immer wieder die hervorragende Atmosphäre, Stimmung und Sauberkeit. Als fast einziges Open Air der Welt hat St. Gallen keine Abtrennung von Camping- und Bühnengelände und ist umgeben von Wäldern und einem Fluss. Um dem Publikum möglichst viel Freiheitsgefühl zu bieten, verzichtet der Veranstalter auf ein Grillverbot. Mitglieder verschiedener weltbekannten Bands (z.B. Red Hot Chilli Peppers, Bryan Adams, R.E.M.), die bereits in St. Gallen aufgetreten sind, bezeichneten das Open Air und dessen Stimmung als »unbeschreiblich« und »genial«.

Das OpenAir St. Gallen 2013

Das diesjährige Festival war schon im Februar ausverkauft, obwohl noch nicht allzu viele Bands bekannt waren. Das zeigt, dass das OpenAir St. Gallen nicht nur wegen der auftretenden Musiker heiß begehrt ist. Viele haben sich über das Programm gefreut, einige waren aber etwas enttäuscht über die Headliner. So mussten sich die St. Galler-Festivalbesucher 2013 mit we­ nigen großen und international erfolgreichen Bands wie Biffy Clyro oder Kings of Leon zufrieden geben, während die Line­ ups der letzten Jahre nur so vor weltweit bekannten Musikgrö­ ßen strotzten: The National, Gossip, Die Toten Hosen, Incubus, Paul Kalkbrenner, Mumford & Sons, Florence & The Machine, Linkin Park, The Strokes, Queens of the Stone Age u.v.m. Um den vielen Besuchern – 2012 waren es 110.000 Eintrit­ te – eine bessere Netzabdeckung bieten zu können, wenn sie ihren Facebook-Status updaten, Bilder ins Internet stellen oder SMS verschicken wollten, wurde der Empfang mit 4G/LTE im Sitter ­tobel verstärkt.

Das Wetter am OpenAir St. Gallen konnte leider auch nicht an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen: 2012 war es so heiß, dass von den Veranstaltern extra Erfrischungsduschen installiert wurden – 2013 war es von Natur aus frisch und nass. In den Tagen vor dem Festival hatte es schon so stark geregnet, dass der Boden am Gelände bereits durchnässt und weich war. Der Dauerregen am Festivalsamstag verursachte vor der Sitter­ bühne so tiefe Pfützen, dass man stellenweise knietief im Wasser stand. Als Gegenmaßnah­ me musste in der Nacht auf Sonntag Wasser abgepumpt werden. Der Matsch war es auch, der das Wechseln zwischen den beiden Bühnen erschwerte – so war es uns logistisch leider nicht möglich, alle von uns präferierten Bands zu sehen. Die Auftritte waren durchwegs souverän. Der Sonntag war – nicht nur wegen des guten Wetters – der beste Festivaltag. Die letzten drei Acts auf der Sitterbühne waren genial: The Lu­ mineers und Parov Stelar brachten das ganze Publikum zum Tanzen und Die Ärzte sorgten mit lustigen Sprüchen und schrägen Covers ihrer eigenen Songs für grandiose Stimmung.

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Musik

Das neue Bezahlsystem

2013 konnte man zum ersten Mal auf dem gesamten Gelände nur noch via Chip bezahlen. Dieser war am Eintrittsband befestigt und konnte einfach an fixen und mobilen Cashpoints via Kredit- oder Bankomatkarte aufgeladen werden. Um sich gegen Diebstahl oder Verlust zu versichern, gab es auch die Möglichkeit, sein Bän­ del personalisieren zu lassen. Wir hatten auf Facebook extra nachgefragt, ob das mit einem österreichischen Führerschein funktioniert und uns wurde dies zugesichert. Als wir das Band registrieren lassen wollten, teilte man uns mit, dass es nicht ginge, weil auf dem Führerschein der benötigte Strichcode fehle. Die Helden von St. Gallen

Besonders positiv hervorzuheben ist die Sauberkeit des Festivals. So ge­ nannte »Trash Heroes« werden extra zum Aufräumen engagiert. So glich der lange Weg zum Eingang während des Eröffnungstages einer riesi­ gen Müllhalde: überall lagen Pavillons, Grills, Zeltplanen, Bierflaschen, Dosen, ... In der Nacht auf Freitag wurde bereits alles – so gut es bei dem schlechten Wetter überhaupt möglich war – aufgeräumt. Auch auf dem Gelände sah man morgens nur noch vereinzelt Abfall herumliegen, denn das meiste sammeln die fleißigen Helfer schon in aller Herrgottsfrüh auf. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass die Müllberge von Jahr zu Jahr größer werden, was vor allem an der steigenden Besucherzahl liegen mag. Das Dilemma mit den Zeltplätzen

Am Donnerstag während des Anstehens hörte man immer wieder Fes­ tivalgäste sagen, dass sie zumindest auf einen Zeltplatz auf einer geraden Wiese hoffen. Auch wir hatten in den letzten Jahren eine Extraportion Glück, noch eine kleine Lücke zwischen den bereits belegten Flächen zu finden. Dieses Jahr wollten wir nichts riskieren und fuhren früher los. Auf sieben Stunden Schlange stehen, wechselhaftes und kühles Wetter folgte leider Ernüchterung: Es gab keinen halbwegs guten Platz mehr – auch auf den schrägen Wiesen waren nur noch vereinzelte Zeltplätze frei. Wider­ willig schlugen wir unser Lager daher mitten auf einem Weg auf – in der Hoffnung, am nächsten Tag nicht von der Security verscheucht zu werden. Die Zukunft von St. Gallen

Es werden immer mehr Stimmen laut, dass zu viele Festivalbesucher zugelassen werden. Gerüchte besagen sogar, dass die Veranstalter nur deshalb so viele Helfer zulassen, weil sie dadurch mehr Platz für offizi­ elle Besucher hätten. Angeblich besetzen auch die Helfer – die früher als OpenAir-Besucher ins Gelände dürfen – für ihre Freunde so viele Zeltplätze, dass nach dem Öffnen der Tore kaum noch freies Gelände übrig sei. Die Veranstalter des OpenAir St. Gallen sollten unbedingt auf die Beschwerden reagieren und etwas an der zu­ gelassenen Besucherzahl ändern. Oder sie stellen strengere Zeltplatzregeln auf, denn viele OpenAir-Fans bauen sich und ihren Freunden ganze Zelt- und Pavillonstädte. Jeder Besucher, der ein Mehrtagesticket kauft, sollte einen garantierten Zeltplatz haben – extreme Schräglagen ausgeschlossen. Das Bargeldlose Bezahlen auf dem Gelände macht sich auf jeden Fall bezahlt, man sollte sich aber auch als Öster­ reicher registrieren lassen können. Und warum man sich jedes Mal aus- und wieder einchecken muss, ist nicht wirklich nachvollziehbar ... 38


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Musik

The National 2010 empfahl mir eine Freundin die amerikanische Band »The National«, bestehend aus dem Sänger Matt Berninger und zwei Brüderpaaren: Aaron (Gitarre Bass, Piano) und Bryce Dessner (Gitarre), sowie Scott (Bass, Gitarre) und Bryan Devendorf (Schlagzeug). Ihr fünftes Album »High Violet« wurde von Kriti­ kern gefeiert und hat sich weltweit über 600.000-mal verkauft. Mir persönlich hat das Album, bis auf ein paar Lieder, nicht wirklich zugesagt, da ich es eher als schwer und träge empfinde. 2011 sah ich die Indie-Rock-Band auf dem Open Air St. Gallen – und es war um mich geschehen. Das Konzert war eines der besten, die ich je gesehen hatte! Überhaupt ist »The National« für ihre Live-Auftritte bekannt. Der etwas verwirrt wirkende Frontman Matt Berninger war in Plauderstimmung und gab sich extrem publikumsnah. Wieder zuhause angekommen, nahm ich das Album sofort wieder mit ins Auto und hörte es auf und ab. Nach 22 Monaten auf Tour zu »High Violet« kam die Band nach Hause und beschloss eine Pause einzule­ gen. Doch Gitarrist Aaron Dessner arbeitete bald an neuen Songs – seine Songskizzen inspirierten schnell auch die anderen Bandmitglieder. Matt: »In den letz­ ten zehn Jahren waren wir immer hinter etwas her und wollten etwas beweisen. Dabei ging es darum, unsere eigene Unsicherheit zu widerlegen. Ich denke, nach der langen Tour zu High Violet waren wir nun endlich an einem Punkt angelangt. Wir konnten uns jetzt entspannen – nicht bezogen auf unseren eigenen Anspruch, aber wir mussten unsere Identität nicht 40

länger beweisen.« Aaron ergänzt: »Auf der einen Seite sind die neuen Songs die bisher komplexes­ ten, aber auf der anderen auch die schlichtesten und menschlichsten. Es fühlt sich einfach an, als hätten wir unsere gemeinsame Chemie gefunden.« Matt lud 2010 seinen jüngeren Bruder ein, sie ein Jahr auf Tour zu begleiten. In dieser Zeit entstand der Film »Mista­ ken for Strangers – A Year on Tour with my Brothers Band". Der Dokumentar­f ilm wird von Kritikern hoch gelobt, so schreibt z.B. Pitchfork: »The funniest, most meta music movie since Spinal Tap.« Trouble Will Find Me Die erste Singleauskoppelung »Demons« gefiel mir ausgezeichnet, deshalb fieberte ich dem Erscheinungs­ termin entgegen. Da die CD ins Büro geliefert wurde, lief sie während der Arbeitszeit nur als Hintergrund­ musik. Und da war sie wieder, diese Schwere ... Zuhause spielte ich die Songs auf mein Handy und ging mit »The National« joggen. Die Schwere verflog – wenn auch nicht gänzlich. Um sicher zu gehen, hörte ich das Album zuhause zwei Mal mit Kopfhörern durch und hab nur deshalb aufgehört dem Barriton des Sängers zu lauschen, weil mir die Ohren von den Stöpseln schmerzten. Meine Anspieltipps 1: I Should Live in Salt 2: Demons 4: Fireproof 7: This Is The Last Time 11: Humiliation

Foto: The National

Im Mai veröffentlichten »The National« ihr sechstes Album. Es ist noch trauriger, etwas kitschiger und mindestens genauso eingängig wie »High Violet".

Texte: Cornelia Bachträgl


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Queens of the Stone A ge Die Männer aus Kalifornien lassen's wieder krachen! Das ursprünglich für Anfang 2012 angekündigte Album »Like Clockwork« erschien am 31. Mai. Nachdem sich die Band »Kyoss« wegen Unstimmigkei­ ten auflöste und sich Josh Homme als Aushilfsmusiker durchschlug, merkte er bald, dass er nur mit einer eige­ nen Band wirklich glücklich werden konnte. Deshalb gründete er 1996 gemeinsam mit einem weiteren ehemaligen »Kyoss«-Mitglied die Band »Gamma Ray«. Der Name wurde aber schon von einer deutschen Musikgruppe verwendet, weswegen sie schlussendlich bei »Queens of the Stone Age« landeten. 1998 erschien das auf 3000 Kopien beschränkte Debüt­ album »Queens of the Stone Age«, auf dem Homme Gitarre und Bass alleine einspielte. Das Album wurde von Presse und Fans begeistert aufgenommen, was den Queens of the Stone Age eine zweijährige Tournee rund um die Welt ermöglichte. Im Jahr 2000 erschien das zweite Album »Rated R« mit der erfolgreichen Single »Feel Good Hit of the Summer« (in Kooperation mit Rob Halford von »Judas Priest«): Der Text des Songs besteht ausschließlich aus einer Aufzählung von Drogen. Auf dem dritten Studioalbum »Songs for the Deaf« findet sich eines der wohl bekanntesten QOTSASongs: »No One Knows«. Auf dieser Platte spielten Ex-»Nirvana«-Drummer und »Foo Fighters«-Kopf Dave Grohl Schlagzeug.

Foto: Queens of the Stone Age

Das vierte Album »Lullabies to Paralyze« erschien 2005. Auf »Era Vulgaris«, dem fünften Album (2007), setzte die Band die Tradition der vielen Gastauftritte fort und arbeitete mit Trent Reznor (»Nine Inch Nails«) und Julian Casablancas (»The Strokes«) zusammen. Like Clockwork Josh Homme holte seinen guten Freund Grohl für »Like Clockwork« zurück ins Boot. Doch er hat noch einen weiteren großen Musiker engagiert: Sir Elton John spielt im Song »Fairweather Friends« das Piano.

Der Sound des Einstiegssong »Keep your Eyes peeled« ist sehr schwer, etwas bluesig und durchaus QOTSA­ typisch. Mit dem zweiten Track »I sat by the Ocean« setzt die Band auf leichtere und beschwingte Musik, die sofort ins Ohr geht. Insgesamt wird auf »Like Clockwork« dieser Sound fortgesetzt. Das Album ist vollgepackt mit Mitsingliedern und so­ mit der perfekte Begleiter für den Sommer. Da unsere Redaktion QOTSA 2011 bereits live in St. Gallen er­ lebt hat und die Jungs von »Queens of the Stone Age« im November nach München, werden wir auf jeden Fall wieder begeistert dabei sein!

Meine Anspieltipps 2: I sat by the Ocean 4: If I had a Tail 5: My God is the Sun 8: Smooth Sailing

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Musik

Scott Matthew loves without a reason Text: Cornelia Bachträgl

Ursprünglich sollte das poolbar-Konzert von Scott Matthew am 20. Juli in der großen Halle stattfinden, damit die DJs im Wohnzimmer das Konzert nicht überblendeten. Da das Wetter aber so schön war, wurden die DJs spontan vom Pool auf die Terrasse verfrachtet und Scott Matthew konnte sein Konzert im Pool und somit vor einer intimeren Runde spielen. Prinz Grizzley Der sympathische Singer/Songwriter Christoph Comper (Sänger der Vorarlberger Indierocker »Gol­ den Reef«) ist in keine Schublade zu stecken: Er spielt bluesigen Country-Synthie-Pop-Rock. Seine vielsei­ tige One Man-Show war der Support-Act von Scott Matthew im Pool. Der Mann mit der charismatischen Stimme überrascht den einen oder anderen (und vorab nicht informierten) Zuhörer im Publikum durch seinen vorarlbergerischen Dialekt. Am Ende des Konzertes jammte er noch ein wenig mit sich selbst und wirkt mit seinem Loop-Gerät fast schon wie ein kleiner Junge, der in sein neues Spielzeug vertieft ist. Wir hoffen, noch mehr von »Prinz Grizzley« sehen und hören zu dürfen! Scott Matthew In Queensland in Australien aufgewachsen, machte der bärtige Sänger dort auch seine ersten Banderfahrungen. Er brach sein Musikstudium aber bald ab, weil er seine 42

Zeit nicht länger in Radiostationen vergeuden wollte, zog nach Sydney und gründete dort die Punk-Pop-Band »Nicotine«. Gleichzeitig arbeitete er im Kostümfundus der Australian Opera Company und entdeckte – inspi­ riert durch die Opernsänger – die Ausdruckskraft seiner Stimme. Wenig später folgte er einem Freund nach Amerika und lebt seitdem in New York. Kürzlich brachte der Australier ein Album voller Coversongs heraus. »Die Herausforderung liegt darin«, erklärt er, »die eigene vorgefasste Meinung darüber zu vergessen, was diese Songs eigentlich bedeuten.« Lichtscheu, redselig und tiefsinnig Scott Matthew eröffnete das Konzert mit einer Inter­ pretation von »To love somebody« der »Bee Gees«. Das aber erst, nachdem er den Techniker bat, dass Licht zu dämpfen, da er im Scheinwerferlicht immer so alt aussehe: »Less light please. Maybe ... dark?« Während des gesamten Konzertes spielte er aus­ schließlich Stücke anderer Musiker wie Elvis Costello, Neil Young oder »Joy Division«. Zwischen den Songs plaudert der gerne mit Antony Hegarty verglichene Sänger munter drauf los. So erzählt er von einem Konzert in einer Wiener Buchhandlung, bei dem das Publikum spontan zu Whitney Houstons Song »Dan­ ce with somebody« mitsang. Die poolbar-Gäste ließen sich nicht lange bitten und stimmten beim Refrain mit ein. Danach war Scott so glücklich, dass sogar das Licht etwas stärker aufgedreht werden durfte. Weiters


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erklärte er, dass es ihm viel leichter fällt, fremde anstatt seiner eigenen Songs zu spielen: »Playing covers makes me more self-confident.« Der lichtscheue Wahl-New Yorker berichtete von einem Auftritt in Berlin, bei dem viel Zeit zwischen dem Soundcheck und dem Konzert lag. Diese nutzten er und sein Gitarrist, um ein paar neue Coversongs auszuprobie­ ren, einer davon: Nick Caves »Into my Arms«. In der poolbar performten die Beiden das Lied zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.

Foto: © Michael Mann

Wer schon einmal auf einem Konzert von Scott Matthew war, weiß, dass er früher bei Zugaben gerne ebendiese Coversongs spielte – diesmal war es umge­ kehrt: Die dritte Zugabe war gleichzeitig sein erster eigener Song. Die Zahl der Zugaben überragte beinahe die Zahl der regulären Songs, da Matthew zwei Mal zurück auf die Bühne kam – und sogar das Licht durfte immer greller werden! Ist man anfangs noch etwas verstört von seinen Hand­ bewegungen, begreift man bald, Scott Matthew lässt sich in absolut seiner Musik fallen! Er lächelt, weint und lechzt auf der Bühne nach Liebe. Bei dem Stück »Love will tear us apart« von »Joy Division« fiel plötz­ lich die Gitarre seines Freundes aus und Scott weigerte

sich zu-­ erst, das Lied nach Behebung des Problems weiter­ zuspielen: »Oh no! I’ve been so into it!« Doch dann scheint es ihm selbst auch ein Anliegen gewesen zu sein, das Lied weiterzusingen. Eines der letzten Lieder war »Do you really want to hurt me?« von »Culture Club«. Der androgyn anmu­ tende Sänger bekam das Handy seines Freundes: »I’m not texting somebody, I don’t know all the lines, so he gave me the lyrics!« Der Song wirkt wie eine Zusam­ menfassung des gesamten Konzertes. »This is my favorite line«, sagte er schnell noch, bevor er »This boy loves without a Reason« singt. Selten ist es bei einem Konzert so leise, dass man aneinander klackende Eiswürfel an der Bar als Lärm empfindet. Scott Matthew hat sein Publikum komplett in seinen Bann gezogen. 43


Musik

Wild Beasts Unser Geheimtipp:

Texte: Cornelia Bachträgl

Der Beginn einer großen Liebe Im Jahre 2010 habe ich die britische Band eher zufällig entdeckt – und verliebte mich sehr schnell unsterblich in ihre Musik. Ich kaufte sofort beide bis dahin veröf­ fentlichten Alben und ging innerhalb eines Monats auf zwei Konzerte. Ihre Lieder begleiteten mich mehrere Monate lang.

Smother Ein paar Tage vor dem offiziellen Release posteten die »Wild Beasts« auf Facebook einen Link zu einem Album-Stream. Ich habe es ein erstes Mal angehört, ein zweites Mal, ein drittes, viertes, fünftes Mal ... ich bekam nicht genug davon. »Smother« lief fortan den ganzen Tag. Die Lieder »Bed of Nails« (I would lie anywhere with you, any old bed of nails would do.) und »Reach A Bit Further« (I was angry and brash as a bull, you were devastatingly beautiful.) haben es mir besonders angetan. Allerdings ist jeder einzelne Song auf Smother in dem Moment, in dem ich es höre, mein Lieblingslied. Und so sollte ein Album auch sein: Vollgepackt mit Lieblingssongs. Die gesangliche Symbiose der beiden Leadsänger Hay­ den Thorpe (Falsett) und Tom Fleming (Tenor) hat auf diesem Album Perfektion erreicht. Mit Augenzwin­

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kern bezeichnen sich die »Wild Beasts« als Boyband – und irgendwie passt dieses »Boygroup thing« auch. Für »Smother« haben sich die »Wild Beasts« zusätzlich weibliche Verstärkung geholt: Katie Harkin ist eine langjährige Freundin der Band und unterstützt die »Wild Beasts« live als Backgroundsängerin und auf dem Keyboard. Neues Album Anfang 2014 Die Band aus Kendal tourt durch die ganze Welt, um dann vor einem kleinen Publikum zu spielen. Doch diese intime Atmosphäre macht »Wild Beasts«-Kon­ zerte zu etwas Besonderem: Überall haben sie eine Hand voll eingefleischter Fans, die Freunde mitbringen. Derzeit sind die vier Briten wieder im Studio zu Album Nr. 4. Es soll im Frühjahr des nächsten Jahres erschei­ nen. Ich hoffe, es wird wieder ein »Never Ending Ohr­ wurm«. Gleichzeitig bange ich um den Geheim­tippStatus – und wünsche mir ganz egoistisch, dass sie nie den großen Durchbruch schaffen werden. Dann kann ich auch weiterhin mit dem Schlagzeuger Chris Talbot nach den Konzerten ein Bierchen trinken gehen.

Foto: Domino Records

Als ich während ihrer Studioaufnahmen zum dritten Album in einem Interview las, dass die »Wild Beasts« verstärkt Synthesizer verwenden, war ich besorgt. Ich vergötterte die beiden Vorgängeralben »Limbo, Panto« und »Two Dancers«, weil sie für mich so �echt� waren. Im Mai 2011 reisten eine Freundin und ich zum Donaufestival in Krems, wo die Beasts ihr allererstes Konzert nach ihrem Studioaufenthalt gaben. Und was ich da zu hören bekam war grandios. Danach fieberte ich dem Erscheinen des Albums nur noch mit positi­ ven Gefühlen entgegen.


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We can hardly wait for ... Viele großartige Bands beglücken uns noch in diesem Jahr mit neuen Alben. Wir haben ein paar Gusto­stückerln für euch rausgesucht:

Arcade Fire

HAIM

Die britische Band hat mit dem 2010 erschienenen Album »The Suburbs« unzählige Awards gewonnen: Grammy, Juno Award, Brit Award, Polaris Music Prize usw. Die Erwartungen auf das im September ange­ kündigte Album sind dementsprechend groß.

BBC sagt den drei Schwestern aus L.A. für 2013 den großen Druchbruch voraus, am OpenAir St. Gallen waren die Pop-Rock-Band schon längst keine Unbe­ kannten mehr. Das Debütalbum soll ab September erhältlich sein.

Beck

MGMT

Der amerikanische Musiker hat für Ende 2013 sogar zwei neue Alben angekündigt: ein Akustik- und ein Studioalbum. Das letzte Studioalbum »Modern Guilt« brachte Beck 2008 heraus, 2012 stellte er die Musik­ welt auf den Kopf und veröffentlichte das Album »Song Reader« rein als Notenblätter.

Beyonce

Das letzte Album (»4«) der R'n'B- und Soulsängerin erschien 2011. Gerüchte besagen, dass sie auf ihrer Tour bemerkte, dass die neuen Songs nicht so gut an­ kommen. Deshalb wird das Album offenbar komplett überarbeitet und erscheint wohl erst im November.

Black Keys

Der Erscheinungstermin für das verflixte zweite Al­ bum steht noch nicht fest, angepeilt wird der Herbst. Drummer Carney: »After recording we hopefully take a few months off to do normal things like go to bed early, wake up early, walk the dog, that kind of stuff. We’ll probably be back on the road starting next fall.«

Franz Ferdinand

Der langersehnte Nachfolger des 2009 erschienenen Albums »Tonight: Franz Ferdinand« wird den Titel »Right Thoughts, Right Words, Right Action« tragen. Frontman Alex Kapranos beschreibt die Platte so: »The Intellect vs. The Soul, played out by some dumb band.« Eigenes Urteil möglich ab: August 2013

Der Song »Kids« aus dem Album »Congratulations« hielt sich in Österreich 42 Wochen lang in den Charts. Nach vielen Gerüchten wurde nun bestätigt, dass das nächste, selbstbetitelte Album im September erschei­ nen wird. Wer die Band live sehen möchte, sollte sich Karten für den 5. Oktober im Kesselhaus in München sichern.

morrisey

Der ehemalige The Smiths-Sänger ist deprimiert: Er hat schon genug Songs für ein Album aufgenom­ men – findet aber kein Label. Amanda Palmer (ehem. »Dresden Dolls«) hat ihm geraten, es wie sie das Album über Crowd-Funding zu finanzieren. Der Erschei­ nungstermin steht daher leider noch in den Sternen.

justin timberlake

Der amerikanische Sänger hat erst im März diesen Jahres sein Album »The 20/20 Experience« veröffent­ licht. Nun will er bereits im September einen zweiten Teil mit zehn neuen Songs veröffentlichen. Kurz darauf wird er wieder auf Tour gehen.

Tees Ulmann

Der Tomte-Sänger, Autor und Labelchef scheint auf Dauer-Tour zu sein und hat es trotzdem geschafft, zwischendurch ins Studio zu gehen. Er bringt im August sein zweites Soloalbum heraus. Live zu hören am 3. November in München (Muffathalle). 45


Musik

Musik für Scharlatane, Tänzer & Tabarin

Tris »TraumFrauen« (A)

Camillocromo (I)

Mittwoch, 14. August Kammgarn Hard, ab 21 Uhr Eintritt: € 20,- / erm. € 17,-

Donnerstag. 15. August Kammgarn Hard, ab 21 Uhr Eintritt: € 20,- / erm. € 17,-

Samstag, 17. August Kammgarn Hard, ab 21 Uhr Eintritt: € 20,- / erm. € 17,-

Von gutem Bourbon angetriebe­ ner Delta Blues Rock. »The Delta Saints« machen Musik zwischen New Orleans Blues und »The Black Keys«-Rock. Jung und unangepasst produzieren die fünf Musiker aus Nashville Lie­ der, die sich den dunklen Seiten des Lebens widmen. Sie spielen Blu­ esrock mit unüberhörbaren Folk­ einflüssen, voll mit stampfenden Rhythmen, satten Gitarren und quietschenden Mundharmonikas. Daneben integriert das Quintett auch Stampfen und Klatschen in seine Songs und macht seine Mu­ sik damit quasi »körperlich erfahr­ bar« – und selbst wenn neben den vorwiegend eigenen Titeln auch Coverversionen von James Brown, Otis Redding oder gar den »Be­ atles« gespielt werden, klingt das nach Voodoo, Sümpfen, Alligato­ ren und anderem wilden Zeugs! Moskitoschutz nicht vergessen.

Alle Freunde von Tris dürfen sich freuen. Sie sind wieder da, die drei besten Freundinnen aus dem Wes­ ten: unverändert, aber verbreitert. Die wunderbar schrägen Damen Agnes, Herta und Waltraud tänzeln und trällern sich erneut durch ein buntes Potpourri aus Melodien, die ins Ohr gehen, das Herz erwärmen und die Lachmuskeln stärken. Eigentlich sind ja alle drei bereits auf dem Höhepunkt angelangt: ih­ rer Karriere, ihrer Freundschaft, ihres Daseins, ihres Frauseins. Dennoch stellt sich ihnen die Fra­ ge, wie viel von ihren Träumen in Erfüllung gegangen ist. Sind sie be­ reits endgültig auf dem Boden der Realität angelangt? Oder darf frau den Kopf in die Wolken stecken und (weiter-)träumen – jede auf ihre Art? Und so träumt Agnes von der Reinkarnation, Herta von den größten Bühnen der Welt und Waltraud vom Traumpartner. Werden die Damen im Land der Träume enden? Oder doch im Land der Schäume? Eines wird am Ende des Abends je­ denfalls klar sein: Es ist nie zu spät!

»Musik für Scharlatane, Tänzer und Tabarin« – Eine verrückte Truppe oder doch schlaue Spinner? Musiker oder Scharlatane? Dieses Dilemma verwirrt Kritiker auf der ganzen Welt. Ein verlockendes und ansteckendes Phänomen namens »Camillocromo« breitet sich über­ all aus. Ohne sich definieren oder etikettieren zu lassen, versteht es »Camillocromo« das Publikum zu begeistern und es einen unvergess­ lichen Abend lang zum Lachen zu bringen. Swing, Tango, Walzer, BalkanSounds, all diese Stile werden in den bizarren Köpfen der Musiker vermischt und mit einem Beat ge­ paart, der zum Tanzen zwingt. »Ca­ millocromo« fesselt das Publikum, trägt es weg in eine imaginäre Welt, mit halsbrecherischen Attraktio­ nen, in einen komischen Rausch, in ein Varieté der alten Zeit.

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Infos und Kartenvorverkauf: T +43 (0)5574 82731 kammgarn@hard.at, foen-x.com

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Delta Saints (USA)

Fotos: Delta Saints © Marijke Debussere, Tris © Heinz Hanuschka, © Camillocromo

Die Harder Kulturwerkstatt »Kammgarn« bietet im Rahmen des Foen-X-Festivals einige kulturelle Leckerbissen. Diese drei stehen in den kommenden Wochen auf dem Plan:


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Noch mehr Musik

Needle Rock Show mit Stahlzeit

Die Songauswahl bei »Stahlzeit« beinhaltet ausschließlich die High­ lights aus allen bisher erschienenen »Rammstein«–Alben. Neben dem Rammsteintypischen Bombastsound werden auch sämt­ liche Showelemente zum verwech­ seln ähnlich, in Szene gesetzt. Auch die von einem »Rammstein«-Kon­ zert nicht weg zu denkende Pyround Feuershow wird bei Stahlzeit, selbstverständlich kompromisslos, von professionellen Pyrotechnikern äußerst spektakulär und atembe­ raubend umgesetzt. Gepaart mit der verblüffenden Ähnlichkeit in Aussehen, Stimme und Performance, wurde Stahlzeit in kürzester Zeit zur besten und er­ folgreichsten»Rammstein«-Tribu­ teband und begeistert seither Fans und die Fachpresse in ganz Europa.

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Fotos: Stahlzeit - © Stephan Schatz

Samstag, 24. August Bregenz, Werkstattbühne, ab 21 Uhr Preis: € 18,-

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The ROCKABILLY BOMBARDMENT Hohenems, Event Center, ab 18 Uhr Preis: Einzelpreis: € 27,50 2-Tagespass: € 49,50 Das Rockabilly Bombardment war­ tet zum 10-jährigen Jubiläum mit einem extrem starken und sehr USA-lastigen Programm auf. Mit einer der letzten großen noch lebenden Legenden, Jack Scott (USA), ist ein überragender Head­ liner am Start. Er war in den 1950er und 1960er Jahren zeitweise öfters in den Charts vertreten als alle vergleichbaren Künstler (abgese­ hen von Elvis und den Beatles). Seit Hit »The Way I Walk« wur­ de unzählige Male gecovert z.B. von den Cramps). The Honeybees (USA) bestechen durch ihre her­ vorragenden Harmony Vocals und zählen seit über 10 Jahren zu einem festen Bestandteil der Rockabilly und R'n'B-Szene. »Kim Lenz & her Jaguars« (USA) wurden schon vom Rolling Stone-Magazin hochge­ lobt, und die wilde Rothaarige wird so manchen nicht nur mit ihrer Musik verzaubern. Aber auch die

britischen Inseln sind mit der Kult­ band »Matchbox« (UK) prominent vertreten. Jeder kennt Ihre Hits wie »Rockabilly Rebel«, »Buzz Buzz a diddle it«. Mit Pep Torres und der Bob Ryan-Roadshow sind zwei weitere hervorragende USA stäm­ mige Bands am Start. Daneben gibt es wieder einiges an jungem Talent zu bewundern, unbedingt zu er­ wähnen sind vor allem die »Rhythm Chiefs« aus Holland mit dem un­ glaublich talentierten Dusty Ciggaar an der Gitarre. Insgesamt treten zehn Bands an zwei Tagen auf, dazu noch zwei Burlesque Shows auf höchstem Niveau. Auch bei den DJs und der charmanten Mo­ deration sind in diesem Jahr die USA vertreten.

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Infos und Kartenvorverkauf: Musikladen Kartenbüro T +43 (0)5522 41000 oder info@musikladen.at

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Natur

Das Bienen­sterben betrifft uns alle! Text: Andrea Karoline Bachträgl

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Bienen leiden unter industrieller Landwirtschaft »Ja, den Bienen geht es schlecht!« sagte Gerti Amplatz, Biobäuerin und Imkerin in der Nähe von Gleisdorf (Oststeiermark) gleich am Anfang unseres letzten Energiestammtisches. Es werden immer weniger, die Sterberate im letzten Jahr ist extrem hoch gewesen. Die Bienen leiden unter den gleichen Umständen wie wir, sie vertragen die Spritz-, Beiz- und Düngemittel nicht und verlieren dadurch auch die Orientierung im Flug. Sie leiden an der schlechten Luft, den Handy­ strahlen und am vergifteten Wasser, das sie vor allem durch die Aufnahme des Morgentaues von den Pflan­ zen aufnehmen. Sie leiden unter Stress, weil sie kaum mehr blühende Sommerwiesen und somit weniger Blütennahrung finden und die Flugstrecken zu lang werden. Ihr natürliches Verhalten ist gestört, sie wer­ den anfälliger für Krankheiten und für die Varroamil­ be, die mittlerweile jeder Imker in Österreich kennt. Die Herausforderung »Bio-Honig« Die steirische Imkerin Gerti Amplatz erzeugt ihren Bio-Honig mit ihren Bienenvölkern in Niederöster­ reich. Die dort vorhandenen Bioäcker sind größer als bei uns und bieten ein sicheres Umfeld in der Größe der Bienen-Flugstrecken. Früher hatte fast jeder Bau­ ernhof seine eigenen Bienenstöcke und es wurde keine Chemie verwendet! Heute darf man auf natürlichen (unbewirtschafteten) Standorten wegen der »Stech­ gefahr« von Wanderern oder Bikern keine Bienen­ kästen mehr aufstellen. Und wenn, dann muss man dafür Miete zahlen. Das finde ich absurd – Bienen und Wildinsekten nutzen jedem, der etwas anbaut.

Foto: foto-MAXL.at

Damit der Honig giftfrei bleibt, sperren Imker als Vor­ sichtsmaßnahme ihre Bienenvölker, während Bauern ihr Land spritzen, ein. Aber wie lange schaffen sie das noch? Deshalb fordern ImkerInnen auch in Zukunft immer von Bauern darüber informiert zu werden, was, wann, wo gespritzt wird. Bienen sind mehr als nur Honiglieferanten Honigbienen, die von Imkern umsorgt und gehegt werden, geht es vergleichsweise gut. Schlechter steht es um Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insek­ ten. Sie haben kaum noch natürliche Behausungen und finden zu wenig Nahrung. Von uns unbemerkt, be­ stäuben sie viel mehr Pflanzen als unsere Honig­bienen. 49


Natur

Andrea Karoline Bachträgl, Dipl.- Päd. für Ernährung Organisatorin des Gesundheits- und Energiestammtisches Thannhausen energiestammtisch.at

70% der Gemüse- und Obstsorten müssen durch Insekten befruchtet werden. Ohne diesen Arbeitsgang könnten viele Bauern keine Früchte mehr ernten und verkaufen. Eine Bestäubung von Hand, wie in China, wäre notwendig.

Sind Gifte im Honig nachweisbar? Unser Honig ist mehr als ein Lebensmittel. Er gehört, wie die bestäubenden Insekten, geschützt. Doch das scheint dem Umweltministerium egal zu sein. Dort werden stattdessen die Monokulturen der Maisbauern geschützt! Wie viel Gift können wir und die Umwelt noch vertragen? Die engagierten Imker, die ich bei meinem Energiestammtisch kennenlernte, wünschen sich ein unabhängiges Labor, das den Umweltorga­ nisationen glauben schenkt und das Vorhandensein von Giftstoffen im Honig prüft. Die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) macht das nicht. Ich finde es interessant, wie hier wieder der Kopf in den Sand gesteckt wird! Wofür haben wir Prüfstellen und die Politik? Sie betreiben Lobbyismus, das finde ich gefährlich! Wir müssen jetzt agieren, der Honig ist ein Heilmittel und soll natürlich bleiben. 50

Leben im Einklang mit der Natur: Eine Utopie? Die Landwirtschaft braucht die Bienen und die Bienen die Bauern. Die Bauern brauchen uns und wir Kon­ sumenten die Landwirtschaft. Die logische Folgerung ist: Gäbe es mehr Bio-Landwirtschaft, ginge es den Bienen, den Bauern und somit uns allen besser. Dies steht aber marktwirtschaftlichen und unternehmeri­ schen Interessen im Weg. Dabei könnte es die Regierung so einfach regeln: mit dem Verbot aller Unkrautvertilgungsmitteln in den Bau- und Supermärkten, einem Verbot der gefährli­ chen Chemikalien in der Landwirtschaft und Kampa­ gnen für die Biolandwirtschaft. Was kann ich beitragen? Pflanze Blumen, lass Brennnessel stehen, denn sie sind wertvolle Nahrung für viele Schmetterlingsraupen. StellInsektenhotels auf, Vogelnistkästen und saubere Wassergefäße/Miniteiche. Mach aus deinem Garten einen Bio-Garten und verzichte generell auf Insektenund Unkrautgifte. Kaufe Pflanzenraritäten und trag somit zur Artenvielfalt bei! Weitere Infos gibt es im Arche Noah­ Netzwerk. Mit Petitionen weisen Umweltorganisationen auf diese Notwendigkeiten hin. Unterschreib diese und infor­ miere deine Freunde und Bekannte über den Bedarf einer umfassenden Biolandwirtschaft.

Foto: privat

Viele Bauern haben die prekäre Situation immer noch nicht erkannt. Auch im Doku-Film »More than Honey« wird auf die Gefahren der Monokulturen und auf den Ausfall der natürlichen Bestäubung durch Bienen/Insekten hingewiesen. In diesem Film werden Ackerflächen und marode Bienenvölker in Ameri­ ka und China gezeigt. Der Zuseher glaubt vielleicht beruhigt: »Bei uns ist das doch anders«, aber Europas Ackerflächen sind zu 90% zu Wüsten degradiert. Die Humusschicht ist durch die intensive Landwirtschaft ausgelaugt. Ohne Saatgutbeizung und Kunstdünger wächst fast nichts mehr. Aber wo landen diese Gifte? Am Ende der Nahrungskette stehen wir!


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10 Tipps

wie Du Bienen helfen kannst gesehen auf umstellung.info

1. Kauf regionalen Honig Damit stärkst du einerseits die Imker vor Ort, die sich selbst für beste Bedingungen für die Bienen einsetzen, andererseits erteilst du damit dem, oft fast schon industri­ ell hergestellten, Supermarkthonig eine Absage. Wenn du keinen Imker in deiner Nähe findest, kauf wenigstens österreichischen Bio-Honig. Dieser wird auch oft auf Bauernmärkten angeboten. 2. Kauf Gemüse beim

Biobauern aus der Region Bienen brauchen Artenvielfalt und vertragen Insektizide und Pestizide schlecht. Daher solltest du dein Ge­ müse am besten beim Biobauern aus der Region kaufen, der auf chemi­ sche Mittel weitgehend verzichtet und damit einerseits die Bienen nicht direkt schädigt und anderer­ seits für mehr Artenvielfalt sorgt.

3. Gib Bienen zu trinken Im Sommer brauchen Bienen genau wie Menschen Wasser. Und auch wenn du keinen Garten hast, kannst du den Bienen helfen, ihren Durst zu stellen. Stell einfach ein flaches Schälchen mit Wasser (z.B. eine Vogeltränke) auf deinen Balkon. Leg flache Steine hinein, die etwas hinausragen. So können die Bienen leichter ans Wasser kommen. Stell die Schale neben einen Blumenkasten oder im Gar­ ten zwischen blühende Pflanzen. Übrigens, das Wasser muss nicht klar bleiben – durch den »Dreck« nehmen die Bienen auch Nährstoffe auf.

4. Der bienenfreundliche

Kräuterblumenkasten Der hat Platz im kleinsten Garten, auf dem Balkon oder gar draußen auf der Fensterbank. Außerdem lohnt er sich doppelt: du hilfst nicht nur den Bienen, sondern hast auch immer frische Kräuter zur Hand. Wichtig: Lass einen Teil der Kräuter immer so weit wachsen, dass diese Blüten bilden. Geeignete Kräuter sind z.B. Zitronenmelisse, Salbei, Lavendel, Schnittlauch, Basilikum, Thymian oder Minze. Tipp: Pflanze Kapuzinerkresse dazwischen. Diese mögen nicht nur die Bienen, die Blüten lassen sich auch in der Küche – z.B. im Salat – verwenden. Hast du einen großen Garten, leg ein Kräuterbeet an.

5. Bienenfreundliche Pflanzen, Bäume und Sträucher Wenn du einen eigenen Garten hast, setze generell bienenfreundli­ che Pflanzen ein. Dazu gehören: die meisten Obstbäume (Apfel, Birne, Quitte, Sauerkirsche), viele andere Obstsorten (Erdbeere, Brombeere, Johannisbeere), generell Kräuter und etliche Gemüse (Zucchini, Fenchel), Zierblumen (Sonnenblu­ me, Narzissen, Königskerze, Mohn, Krokusse, Margeriten, Rosen) und viele Gehölze (Kastanie, Haselnuss oder Trompetenbaum). Grundsätz­ lich sind einheimische Arten besser. Das kommt auch anderen Tieren zugute und die Pflanzen sind besser an die hiesigen Witterungsbedin­ gungen angepasst, so dass du länger Freude daran haben wirst.

6. Natürliche Ecken

Sorge in deinem Garten für Ecken, in denen wachsen darf, was wächst. Sehr schön ist es, z.B. Inseln oder Randbereiche des Rasens mit Wild­ blumen bewachsen zu lassen. Oder du funktionierst deinen Rasen oder Teile davon zu einer Blumenwiese um. Hier gibt es spezielle BlumenWiesen-Rasen­mischungen.

7. Sorge für Vielfalt

Auch wenn du keinen eigenen Garten hast, kannst du für Vielfalt sorgen. Schenk Freunden bienen­ freundliche Pflanzen zum Ein­ topfen (z.B. ein Rosenbäumchen), statt einem Blumenstrauß, säe auf Brachflächen Wildblumen aus (Seedbombs), sprich den Biobauern deines Vertrauens an, ob er am Rande seines Feldes für Wildblu­ men sorgt, sprich deine Gemeinde an, initiiere einen Blütengarten in der Schule, ...

8. Verzichte selbst auf Pflanzenschutzmittel Viele Pestizide und Insektizide schädigen Bienen.

9. Stell ein Bienenhaus auf Keine Angst – ein Bienenhaus ist so klein wie ein Nistkasten für Vögel. Damit hilfst du Wildbienen – und anderen nützlichen Insekten – zu überleben. Hänge es in eine Ecke deines Gartens – auch auf dem Balkon hat es Platz. Übrigens: Die Wildbienensorten, die sich hier ansiedeln, stechen nicht. 10. Erzähl es weiter! 51


Natur

Die Familie Vetter bewirtschaftet schon seit über 300 Jahren Lustenauer Boden. Als die damals 12-jährige Renate (die älteste Schwester von Hubert) jedes Mal brennende Ausschläge bekam, wenn sie ihre heiß geliebten – gespritzten – Erdbeeren aus dem eigenen Garten aß, schlugen Alfons und Mathilde Vetter, die Eltern von Hubert Vetter, in den 70ern einen alternativen Weg der Landwirtschaft ein. So wurde der Vetterhof in Westösterreich Vorreiter im Biolandbau. Seit dem Jahre 1987 ist der Bauernhof ein anerkannter Biobetrieb und wirtschaftet nach den Richtlinien des Verbandes »Bio Austria«.

Doch Nachhaltigkeit endet nicht am Hof! Deshalb hat sich die Familie Vetter entschieden, die Gemüsekiste ab Mai 2013 selbst zu verkaufen – um durch den direkten Kundenkontakt einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Wir haben mit dem Juniorchef, Simon Vetter, über die Motivation seiner Familie, modernes Marketing und die Gemüsekiste gesprochen. Interview / Text: Cornelia Bachträgl

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Foto: Vetterhof

Intensive Landwirtschaft bringt große Risiken für Umwelt und Mensch mit sich, Beispiele sind der hohe Rückgang der Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen, die Belastung der Lebensmittel mit Schadstoffen, erhöhte Nitratgehalte im Trinkwasser und zunehmende Bodenerosion. Diesen Entwicklungen steht die biologische Landwirtschaft mit ihrer naturnahen Produktionsweise als Alternative gegenüber. Dabei wird die Natur geschont und besonders hochwertige Lebensmittel erhalten.


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Hallo Simon. Wie geht es dir? Gut! Danke der Nachfrage. Im Sommer können wir unserer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: der Produktion hochwertigster Lebensmittel. Euer Hof hat seit November 2012 eine Website im Blog-Stil. Und seit gut einem Jahr seid ihr auf Facebook vertreten: Gratulation, ihr macht das hervorragend! Wer von euch kümmert sich um die Befüllung? Vielen Dank für die Blumen! Ich mache das mit Unterstützung meiner fünf kreativen Geschwister. Es macht uns Spaß und Freude, die Menschen über unser Hofleben auf dem Laufenden zu halten und manchmal vielleicht auch – ohne erhobenen Zeigefinger – aktu­ elle Probleme in der Landwirtschaft aufzuzeigen. Es freut uns natürlich sehr, wenn uns das zusätzlich in unterhaltender Weise gelingt. Ja, so war zum Beispiel der Brief von Meister Lampe, den ihr zu Ostern gepostet habt, köstlich. Woher nehmt ihr die Ideen für solch kreatives Marketing? Hier müssen wir euch leider enttäuschen. Dieser Brief ist nicht »auf unserem Mist gewachsen« und wir wol­ len uns auch nicht »mit fremden Federn schmücken« – dafür zeichnet sich allein der Osterhase verantwort­ lich, dem wir an dieser Stelle nochmal herzlich für seine netten Zeilen danken möchten. Seit April kann man die Gemüsekiste direkt bei euch bestellen. Warum habt ihr eure Zusammenarbeit mit der Ländle Gemüsekiste beendet? Es war uns nicht mehr möglich den direkten Kunden­ kontakt so zu pflegen, wie wir das für richtig und wichtig halten. Wir möchten kein anonymes Gemüse für anonyme Menschen produzieren, deshalb nehmen wir den Vertrieb wieder selber in die Hand. Wir möchten wissen, für wen wir um 05:30 Uhr am Feld draußen stehen und frisches Gemüse ernten. An kalten verregneten Tagen braucht man diese Form der Motivation. Wie könnt ihr garantieren, dass das gelieferte Gemüse ausschließlich von eurem Hof kommt, wenn zum Beispiel Meister Lampe euren Lauch anknabbert oder die Nach­ frage größer ist, als erwartet? Alles Gemüse, das man in der Gemüsekiste findet, kommt grundsätzlich von unserem Hof. Manchmal kommt es vor, dass eine Kultur nicht so wächst, wie wir uns das erhofft haben. Dann beziehen wir diese von anderen Biobetrieben aus der Region. Weil wir aber schon etwas von unserem Handwerk verstehen

und das Wetter meist auf unserer Seite haben, kommt das sehr, sehr selten vor. Wodurch unterscheidet sich euer Angebot vom Gemüse aus der Supermarkt-Bioabteilung? Durch Regionalität, Frische, Vielfalt, Saisonalität und Transparenz. Unsere Tomaten z.B. werden direkt bei uns am Hof angebaut und zwar dann, wenn sie Saison haben. Weil wir Tomaten so gerne haben, gibt’s bei uns nicht die üblichen zwei bis drei, sondern 35 ver­ schiedene Sorten. Davon kann sich jeder Kunde gerne selber ein Bild machen. Interessierten KundInnen zeigen wir gerne unsere Felder und Ställe. Angenommen man mag zum Beispiel keine Rote Beete – könnt ihr bei der Befüllung der Gemüsekiste auf persönliche Vorlieben Rücksicht nehmen? Der Inhalt der Gemüsekiste wird nicht nur von uns bestimmt, sondern ist stark von der Vegetation und der Witterung vorgegeben. Bei uns kommt nur das, was gerade Saison hat, in die Kiste. Wenn jemand etwas einmal überhaupt nicht mag, kann er es doch einfach Nachbarn, Freunden oder Arbeitskollegen schenken. Wenn wir beim Kistenpacken keine »Extra­ würste« berücksichtigen müssen, können wir auch einen guten Preis ermöglichen. Liefert ihr auf Anfrage auch andere Produkte mit? Eier oder Fleisch zum Beispiel. Wir bieten auch Fleisch von unseren Rindern, Hüh­ nern und Schweinen an. Das gibt es allerdings nur bei uns im Hofladen. Viele Kunden wollen sehen, wie die Tiere bei uns gehalten werden und uns ist es ein Anliegen, unseren Kunden auch die lebenden Tiere zu zeigen. Nur so entwickelt sich ein Bewusstsein für den Wert der Produkte. Kann man mit der Gemüsekiste pausieren, wenn man auf Urlaub ist oder im Sommer Gemüse aus dem eigenen Garten konsumiert? Natürlich, man kann die Kiste ganz bequem formlos und auch kurzfristig vorübergehend abbestellen. Noch einfacher ist es allerdings, man schenkt sie einfach dem netten jungen Herrn, der während des Urlaubs auf die Blumen Acht gibt oder der Frau Nachbarin, die die Katze füttert. Die freuen sich ganz bestimmt darüber und wir können auch besser planen, wie viel Gemüse wir anbauen müssen. Ihr arbeitet aktuell an einem Kochbuch. Kann man euch Rezepte zuschicken? 53


Natur

Simon Vetter, Juniorchef

Oh! Ich werde gleich unser Rezeptearchiv durchfors­ ten! Man spürt bei euch ganz deutlich, dass ihr es mit dem biologischem Anbau sehr ernst nehmt und nicht nur einem Trend nachjagt. Woher kommt diese tiefe Überzeugung? Ich bin damit aufgewachsen und kann es mir anders eigentlich gar nicht vorstellen. Meine Eltern haben unseren Betrieb schon vor fast 30 Jahren auf Bio umgestellt. Damals galten Biobauern noch als richtige Freaks und wurden zum Teil auch angefeindet und belächelt. Das hat sich glücklicherweise geändert.

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Legt man euch von öffentlicher Seite her Steine in den Weg oder fühlt ihr euch von Bund, Land und EU gut unterstützt? Die aktuelle Agrarpolitik ist meiner Meinung nach ein geistiges Relikt aus den 80er Jahren. Das sieht man z.B. an den Prinzipien, nach denen im landwirtschaft­ lichen Bereich öffentliche Gelder verteilt werden. In der öffentlichen Diskussion wird das Bild vom zwei­ felsohne hart arbeitenden Bergbauern gezeichnet – in der Realität jedoch landet ein Großteil der Fördermit­ tel bei Herstellern von Energy-Drinks. Herzlichen Dank für das Interview! Viel Erfolg für die Zukunft! Vielen Dank auch von unserer Seite für euer Interesse an unserem Betrieb. Die wachsende Begeisterung der Bevölkerung an unserer Art Landwirtschaft zu betrei­ ben, stärkt uns den Rücken und lässt uns positiv in die Zukunft blicken.

Foto: Vetterhof

An einem Kochbuch im eigentlichen Sinne arbeiten wir derzeit noch nicht, allerdings an einer Online-Re­ zeptesammlung. Außerdem legen wir den Kisten jeweils zwei passende Rezepte in Papierform bei, aus denen unsere KundInnen dann natürlich gerne ein Kochbuch basteln können. Es wäre supertoll, wenn ihr uns dabei mit eurer Kreativität und Kochkunst unterstützen wollt!


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Natur

V   ielfalt ist schlecht? Wer in den letzten Monaten die Nachrichten verfolgt hat, dem ist nicht entgangen, dass derzeit auf EU-Ebene eine neue Saatgutverordnung ausgearbeitet wird. Der Verein Arche Noah, der sich seit den 1990er Jahren um die Erhaltung bäuerlicher Kulturpflanzen bemüht, hat die geplante Verordnung gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Global 2000 mittels Pressekonferenz und Petition öffentlich bekannt gemacht.

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Tauschen verboten?

Abhängigkeit gewünscht?

Alternativwege vorhanden?

Der Spielraum für die Weitergabe von Saat- und Pflanzgut ist bereits jetzt eng und soll durch die neue EU-Verordnung noch weiter be­ schnitten werden. Die Arche Noah beobachtet seit ihrer Gründung, dass die Schrauben immer enger gedreht werden. So ist z.B. nicht einsichtig, warum die neue Verord­ nung den Tausch von Saatgut zwi­ schen Privatgärtnern zwar erlaubt, jedoch strengen bürokratischen Auflagen unterwirft, sobald für das Saatgut eine Aufwandsentschädi­ gung von ein paar Euro genommen wird.

Eine grundsätzliche Frage, die sich in diesem Zusammenhang für die Zukunft von Landwirtschaft und Gartenbau stellt, ist jene nach Au­ tonomie bzw. Abhängigkeit.

Die Basis für diesen alternativen Weg erhalten und vermehren Saat­ gutinitiativen wie die Arche Noah auf materieller Ebene – Sortenviel­ falt, als auch auf ideeller Ebene – gärtnerisches und zunehmend auch politisches Wissen. Der Verein setzt dabei auf eine Kombination aus alten und neuen Formen, wie das Sortenhandbuch als »Herz« der Arche Noah deutlich macht.

Laut der Welternährungsorga­ nisation FAO sind seit dem Jahr 1900 bereits 75% der Kulturpflan­ zensorten ausgestorben, vor allem weil statt den bäuerlichen Sorten moderne Hochertragssorten ange­ baut wurden. Doch auch gesetzlich errichtete künstliche Barrieren wie die neue EU-Verordnung tra­ gen das ihrige dazu bei, dass die landwirtschaftliche Biodiversität – trotz gegenteiliger politischer Ziel­ setzungen – weiter abnimmt.

Saatgut selbst zu vermehren, es an eigene (Standort-)Bedürfnisse anzupassen und mit anderen zu tauschen bedeutet auch ein Stück Unabhängigkeit. Zum einen muss Saatgut dann nicht jedes Jahr zu­ gekauft werden, sondern kann mit den am Hof vorhandenen Ressour­ cen produziert werden. Zum ande­ ren passen sich Pflanzen über meh­ rere Jahre des Anbaus immer besser an die Standortbedingungen (Bo­ den, Klima) an, und die genetische Breite samenfester Sorten gibt den Pflanzen Widerstandsfähigkeit ge­ gen Krankheiten und Schädlingen. So kann an chemischen »Pflan­ zenschutzmitteln« gespart werden, wofür sich Mutter Erde tausendmal bedankt. Land bewirtschaften im Einklang mit der Natur, wie es Bio-Höfe seit Jahrzehnten vormachen, bietet eine echte Alternative zum herkömmli­ chen Entwicklungsmodell, das auf Vergrößerung und Intensivierung der Betriebe und auf Exporte setzt. Doch diese lebendige Alternative ist multinationalen Agrarkonzer­ nen, die gleichzeitig Saatgut und dazugehörige Pestizide verkaufen, ein Dorn im Auge.

Ein Netzwerk aus einigen hundert Mitgliedern des Vereins führt da­ mit die lange Tradition von bäu­ erlicher Saatgutvermehrung und -tausch fort. Gleichzeitig schlagen diese leidenschaftlichen Gärtner und Bauern innovative Wege ein, um Bewährtes in die heutige Zeit hinüber zu retten, wie den Saatgut­ tausch mittels Sortenhandbuch und internetbasierter Datenbank. Für Bürger gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, diesen Weg zu un­ terstützen.

Der aktuelle Vorstoß hin zu einer EU-Saatgutverordnung kann als ein Versuch gedeutet werden, alter­ native Wege an den Rand zu drän­ gen, anstatt sie zu verallgemeinern.

freievielfalt.at Text: Mag.a Astrid Österreicher, Verein Arche Noah 57


Natur

Don n e

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Veg g ie ist

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in


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W

as 2009 in Gent (Belgien) begann und in kürzester Zeit viele Weltstädte eroberte, hält nun auch in Vorarlberg Einzug. Der sogenannte »Veggie Day« soll der Tag der vegetari­ schen Ernährung werden und somit lediglich einmal in der Woche, am Donnerstag, auf Fleischkonsum verzichtet werden. Künftig soll der vegetarische Donnerstag, in der Gastronomie, aber auch in öffentlichen Einrichtungen Platz finden. Hintergrund für einen fleischfreien Tag in der Woche sind neben gesundheitlichen und mora­ lischen Gründen vor allem auch ökologische Aspekte. Fleischkonsum zieht einen Rattenschwanz an Probl­ men mit sich: Der Import von 600.000 Tonnen Soja­ schrot, die jährlich als Viehfutter benötigt werden, die Abholzung des Regenwaldes für Futterflächen, die Grundwasserbelastung durch Dünger und die In­ tensivierung der Tierhaltung sind nur einige Punkte, denen unser täglicher Fleischkonsum gegenüber steht. Aufgrund unserer Essgewohnheiten betrifft dies bei vielen alle drei Mahlzeiten am Tag.

Bewusstsein schaffen

Fotos: Sabrina Schneider (tigerlilyphotography.at), Model: Sandy P.Peng (sandyppeng.com), Helga Spiss

Der Veggie Day soll das Fleisch essen nicht verbieten, sondern die pflanzliche Ernährung in den Vorder­ grund stellen und zu bewusstem Konsum aufrufen. An diesem einen Tag in der Woche soll in öffentlichen Einrichtungen ganz bewusst vegetarisch gegessen werden und in der Gastronomie auf die vegetarischen Gerichte explizit hingewiesen werden. Die Kunden sollen wissen, dass es fleischfreie Alternativen gibt. In Dornbirn hat sich die »Initiative Bürgerstiftung Vorarlberg« um Helga Spiss über die letzten Monate sehr intensiv um den Veggie Day bemüht und konnte einige Gastronomen und Einrichtungen für den vege­ tarischen Donnerstag gewinnen. »Wir freuen uns über das Interesse aus der Gastrono­ mie, es ist eine wichtige Sache«, erklärt Helga Spiss. »Leider sind noch zu wenige Wirte mit an Bord. Die meisten haben sowieso vegetarische Speisen auf ihren Karten und müssten diese am Donnerstag speziell bewerben. Hier liegt unsere Hauptaufgabe« Weniger Fleisch zu essen, bedeutet weniger Massen­ tierhaltung in viel zu kleinen Käfigen und Ställen, mehr artgerechte Aufzucht statt Tierquälerei und weniger verbaute Landschaft. Die Vorteil des Veggie Days liegen auf der Hand: Die Umsetzung kostet kaum etwas und es kann sofort damit begonnen werden.

Helga Spiss, Initiative Bürgerstiftung Vorarlberg: Ein fixer Tag in der Wo­ che ist wichtig, damit sich der Veggie Day in den Köpfen verankert. Es geht auch nicht um Verbote, sondern darum ein Umdenken zu bewir­ ken. Das ist am nach­ haltigsten für Umwelt, Mensch und Tier.

Sandy P. Peng, Intern. Tattoo-Model und Tierrechts-Aktivistin: Vegetarische Küche ist sehr lecker, abwechs­ lungsreich und gesund, eine Wohltat für den Körper. Außerdem wer­ den weder Tiere noch Umwelt ausgebeutet, ich kann mit reinem Gewis­ sen genießen! Ein Veg­ gie-Day als Fixpunkt in der Woche ist eine tolle Idee, um das Bewusstsein dafür in der Gesellschaft zu stärken!

Aktiv werden Eine Idee ist eine gute Sache, doch es braucht Men­ schen, die dahinter stehen und sie umsetzen. Aktuell wäre es wichtig, die Bekanntheit des »Veggie Days« zu steigern. Hierfür hat die Initiative Bürger­ stiftung Vorarlberg schon vielseitiges Infomaterial für Interessierte vorbereitet. Mit Flyern, Plakaten bis hin zur Minibroschüre kann Helga Spiess dienen. Es fehlt lediglich an engagierten Teamplayern, die für den Veggie Day aktiv werden. Du möchtest dich engagieren? Dann melde dich bei Helga Spiss unter: info@buergerstiftung.at

buergerstiftung.at 59


Unikate, Selbstgemachtes & Besonderheiten mit Herz

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Einzigartig und selbstgemacht »Als Floristin kann ich meine Kreativität voll ausle­ ben. Ich bin aber auch eine Sammlerin von besonde­ ren Gegenständen mit Geschichte«, erzählt Martina. Deshalb ist sie oft auf Flohmärkten unterwegs, auf der Suche nach besonderen Stücken, die sie für Ihre Deko­ kreationen neu arrangieren kann.

Umzug nach Schwarzach Anfang September wird Martina mit ihrem Geschäft nach Schwarzach (Am Dorfplatz 3) umziehen. »Das Tolle an meinem neuen Geschäft ist, dass es sich dabei um eine alte Villa handelt. Das passt gut zu mir und gibt meinen Kreationen ein ideales Zuhause«, schwärmt Martina.

»Dinge von der Stange finde ich langweilig, deshalb möchte ich meinen Kunden Produkte bieten, die nicht jeder hat.« So führt »Flora« neben Blumen und ver­ schiedenen Dekoartikeln auch Handmade-Produkte von ausgewählten Kreativen im Umkreis, wie z.B. selbstgemachte Seifen oder Marmeladen.

Wer also auf der Suche nach etwas Besonderem ist, sollte die sympathische Unternehmerin besuchen, momentan noch in Dornbirn und ab September in Schwarzach. Wir werden auf jeden Fall vorbeischauen.

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blumen-flora.at

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Schon beim Betreten des Lokals fallen dem Besu­ cher die liebevoll und mit großer Sorgfalt arrangier­ ten Kompositionen auf. Die Auswahl an besonderen Wohnaccessoires und der nostaligischen Ladendeko sind ein Hingucker. Man bekommt das Gefühl mitten in einem Schöner Wohnen-Magazin zu stehen.

Fotos: Markus Gmeiner (markusgmeiner.com)

twas versteckt findet sich in der Dornbirner Eisengasse >>Flora, Blumen & Dekor <<, das Geschäft von Floristin Martina Köb. Sie bietet ihren Kunden neben Pflanzen- und Blumenarrangements auch viele Dekoschätze.


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Unsere Fans

verbreiten

Gansehaut pur Der österreichische Handball-Meister heißt in diesem Jahr »HC Alpla Hard«. Wir haben uns mit dem aufstrebenden Handball-Talent Dominik Schmid über Sport, Zukunftspläne und seine spärliche Freizeit unterhalten. Interview: Chris Feurstein, Text: Chris Feurstein / Fabian Frühstück

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Sport

Dominik Schmid Handballspieler beim HC Alpla Hard hchard.at

Hallo Dominik, erst mal: Gratu­ lation zum Meistertitel! Wo und wie lange wurde denn gefeiert? Vielen Dank für die Glückwünsche! Nach der Siegerehrung haben wir in der Halle mit Familie, Freunden und Fans ausgiebig gefeiert. An­ schließend ist die Mannschaft zu unserem Masseur nach Hause ge­ fahren und hat dort bis in die frü­ hen Morgenstunden weiter gefeiert. Am Freitag lud uns unser Verein

inkl. Begleitung zum Abendessen ein und sonntags fand die offizielle Meisterfeier in der Sporthalle am See statt. So eine Handball-Saison hat sicher einiges zu bieten. Was waren deine persönlichen Highlights und Lowlights in diesem Jahr? Eines der größten Highlights war si­ cherlich das letzte Finalspiel in Hard vor ausverkaufter Halle. Die Stim­ mung war fantastisch und unsere tollen Fans verbreiteten Gänsehaut pur. Daneben waren die Champions League Qualifikation in Norwegen und die Europacup-Spiele wichtige Erfahrungen für mich. Als Lowlight fällt mir das verlorene Cup-Finale in Krems ein. Das gehört leider auch dazu. Was sind für dich die Motivation und der 62

Reiz, die diesen Sport ausmachen? Schneller, toller Mannschaftssport mit vielen taktischen Spielzügen und natürlich unsere großartige Fan-Familie. Die beiden Vorarlberger Clubs sind sehr erfolgreich, hast du eine Idee wo­ ran das liegt? An der sehr guten Vereinsführung und den bestens ausgebildeten Ju­ gendtrainern. Junge Talente werden

sehr gefördert und bekommen auch die Chance in der ersten Mann­ schaft zu spielen. Es wird den Fans nicht nur ein Spiel geboten, sondern ein Handball-Event, das Jung und Alt begeistert. Nach dem Motto: »Spannendes Spiel, nette Leute und tolle Unterhaltung«. Du bist derzeit einer der Hand­ ball-Newcomer und Hoffnungen aus Vorarlberg. Wie siehst du das selbst und wie gehst du mit diesem Druck um, der dir auch ab und zu von den Medien auferlegt wird? Ich denke, dass ich eine gute Saison hinter mir habe und auch dem Team zum Erfolg helfen konnte. Mit dem Druck der Medien kann ich mittler­ weile gut umgehen. Es freut mich immer, wenn meine Leistung und die der Mannschaft in den Sportbe­ richten positiv erwähnt wird.

Wie oft trainiert ihr in der Wo­ che und wie viele Abende gehen für Handball drauf? Wir trainieren 7 bis 8-mal in der Woche. Jeden Abend und zwei bis

drei Mal in der Woche am Vormit­ tag – hier steht meistens Krafttrai­ ning auf dem Programm. Neben deinem Job als Handballer studierst du auch noch. Wie gut lässt sich das Studium mit dem Sport ver­ einbaren? Für mich war es immer wichtig, neben dem Sport ein zweites Stand­ bein zu haben. Handballsport ist ein hartes Geschäft und eine Verlet­ zung kann dich sehr schnell zurück­ werfen. Beim Alpla HC Hard habe ich die Möglichkeit Studium und Sport unter einen Hut zu bringen. Die Lehrveranstaltungen an der Universität in Liechtenstein sind meistens tagsüber und das Training am Abend. Natürlich kann ich nicht jede Lehrveranstaltung besuchen, dadurch steht zusätzliches Lernen zu Hause auf dem Programm.


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Das hört sich nach viel Zeit an. Was machst du in deiner raren Frei­ zeit sonst noch? Die Freizeit verbringe ich mit mei­ ner Freundin und meinen Freun­ den. Wenn ich dann mal Zeit finde, spiele ich auch gerne Tennis. Gibt es Angebote aus dem Ausland für dich? Kommt das überhaupt in Frage oder wirst du dem Ländle im­ mer sportlich erhalten bleiben? Konkrete Angebote aus dem Aus­ land gibt es noch nicht. Sicherlich möchte ich einmal den Sprung ins Ausland wagen. In Hard passt mo­ mentan alles, wir können uns in­ ternational präsentieren und haben beste Trainingsbedingungen. Wenn ich ins Ausland wechsle, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Aber wenn ein gutes Angebot aus der ersten Liga in Deutschland kommt, welche als stärkste Liga der

Welt angesehen wird, werde ich den Weg ins Ausland wagen. Was sind deine sportlichen Ziele für die nahe Zukunft? Ein großes Ziel ist die Champions League-Qualifikation im Septem­ ber. Es wäre ein großer Traum von mir einmal in der Champions League zu spielen. Dort triffst du auf Top-Mannschaften und kannst dich mit diesen Spielern messen. Zusätzlich kann ich mich durch gute Leistungen auf internationa­ ler Bühne auf andere Vereine auf­ merksam machen. Auch in der ös­ terreichischen Nationalmannschaft möchte ich mich gut präsentieren. Wie lange hattest du trainingsfrei bis die Vorbereitung für die Saison 2013/14 wieder startet? Für mich war die Saison nach der gewonnenen Meisterschaft noch

www.lotterien.at

nicht ganz fertig. Ich hatte noch zwei wichtige Spiele mit der Ös­ terreichischen Nationalmannschaft (EM-Qualifikation). Danach hatte ich vier Wochen Urlaub und nun sind wir schon bei den Vorberei­ tung für die Saison 2013/14. Zum Schluss: Welchen Ratschlag würdest du einem jungen, motivier­ ten Handballer mit auf den Weg ge­ ben, der auch Profi werden möchte? Viel hartes Training und eine gute Ausbildung für die Zukunft. Dominik, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die kommende Saison. Gerne und vielen Dank!

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Rubrik-/Artikelname

Text: Katharina Germann / Cornelia Bachträgl

Einsatzort:

Café Caramel Klostergasse 2, 6850 Dornbirn, +43 5572 372256, cafecaramel.cc Letztes Jahr haben wir das Frühstücksteam ge­ gründet. Entstanden ist die Idee bei einem unserer regelmäßig stattfindenden Frühstücke. Unser erster Frühstücksteam-Ausflug im Bezirk Dornbirn fand im hübschen Café Caramel statt. Unsere Chefredakteurin war vorher schon ein paar Mal mit einer Freundin dort – allerdings meistens samstagnachmittags. Da sie die vielen selbst gemachten Kuchen bestens in Erinne­ rung hatte, wollten wir in diesem Café das Frühstück ausprobieren. Es war ein schöner, sonniger, aber denoch etwas frischer Sonntagvormittag. Toll, dass es draußen viele Decken gibt, die den Gästen frei zur Verfügung stehen. Überhaupt ist es hier sehr gemütlich und hübsch gestaltet. Einzig die großen Werbe-Sonnenschirme stören das Bild.

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Maximilian stört sich an der geringen Auswahl an süßem Gebäck (keine Nuss- oder Schokocroissants) – lässt sich aber durch die Auswahl an Mini-Törtchen schnell besänftigen. Außerdem gibt es hier seiner Meinung nach den besten Kaffee aller bisherigen Frühstücksteam-Ausflüge. Die verschiedenen Kaffeezubereitungen (Toppings & Co) überzeugen uns alle. Katharina und Cornelia sind zudem auf Anhieb von der Zubereitung und Deko­ ration der servierten Speisen begeistert – hier wird mit Liebe zum Detail gearbeitet! Auch die Frische der Produkte und der sensationell cremige Joghurt ist unbedingt positiv hervorzuheben. Das Café Caramel bekommt die Gesamtnote »2« für das Frühstück. Wir können es guten Gewissens weiterempfehlen! Details zur Bewertung findest du auf unserer Website unter »Frühstücksteam«.


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Hotel Schwärzler Landstraße 9, 6900 Bregenz, +43 5574 4990, schwaerzler.s-hotels.com Am heutigen Volksbefragungstag entschied sich das Frühstücksteam für eine kleine Stärkung nach den aufregenden Strapazen des Kreuz­ chenmachens. Diese Entscheidung wurde recht spontan getroffen, also hatten wir keinen Tisch reserviert. Wir beka­ men dennoch sofort einen schönen Platz direkt am Fenster und zur Be­ grüßung gleich ein Gläschen Sekt. Die Atmosphäre im Allgemeinen war zwar nicht unangenehm, ein bisschen Musik hätte das Ganze aber ein wenig gemütlicher wirken lassen. Die Präsentation des Frühstücks­ buffets hat uns allen gefallen. Die Speisen waren sichtbar frisch und hübsch präsentiert. Die Auswahl ließ nur sehr wenige Wünsche offen – lediglich die Vielfalt an sü­ ßem Gebäck wurde von einigen bei

uns im Team ein wenig bemängelt. Ansonsten gab es eine große Aus­ wahl an Broten (Jourgebäck, Voll­ kornbrot, Semmeln, Croissants), Wurst- und Käsespezialitäten aus der Region, selbst gemachten Aufstrichen (Basilikum-, Curry-, Kräuteraufstrich und Liptauer) und hausgemachten Marmeladen (Erdbeere, Marille, Himbeere und Kiwi-Mango). Des Weiteren wurde frisch aufgeschnittenes Gemüse und Obst angeboten. Die Auswahl an warmen Speisen, wie z.B. Rührei, Speck oder Riebel ließ keine Wünsche mehr offen! Einzig das als weich gekochtes Ei titulierte Hühnerprodukt war eher als hartgekocht zu bezeichnen. Da weich gekochte Eier wegen der Salmonellengefahr umstritten sind, könnte man das Schildchen entfer­ nen/abändern.

Die Getränke waren alle im absolut angemessenen Preis von 15,00 € inbegriffen: Eine große Vielfalt an Säften, Kaffees und Teesorten. Das Hotel Schwärzler arbeitet mit Bauern aus der Umgebung zusam­ men und verwendet vorrangig re­ gionale Produkte: Bio-Joghurt von Bruno Metzler aus Alberschwende, Käsespezialitäten aus dem Bre­ genzerwald, Ländle Äpfel vom Michelehof in Hard, sowie frisches Bodenseeobst und –gemüse von Familie Grisenti aus Bregenz. Unsere Gesamtnote für das Früh­ stück im Hotel Schwärzler ist eine »1-«. Wir können es auf jeden Fall weiterempfehlen! Die Bewertungs­ details sind auf unserer Website unter »Frühstücksteam«.

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Reisetipp

PERU Mit Geiger Reisen auf den Spuren der Inkas

Geiger Reisen führt dich in einem zweiwöchigen Trip quer durch Peru. Die Entdeckerreise umfasst eine Vielzahl an interessanten Stationen. Begleitet wirst du dabei von Hedwig und Roland Geiger.

In Vizcachani wird zur »Tea-Time« geladen, um den Coca-Tee, das ty­ pische Getränk der Anden, zu pro­ bieren. Danach geht es durch das »Altipla­ no« in Richtung Puno. Seen, Vicu­ na- und Alpaka-Herden ziehen in durchschnittlich 4.500 m Höhe an dir vorüber. In der Nähe von Juliaca besuchst du eine Bauernfamilie und 66

Es folgt die Besichtigung des Vira­ cocha-Tempels und »Andahuaylil­ las« mit seiner barocken Kirche, die als eine der architektonischen Schätze Cuzcos gilt. Die Überreste des königlichen Hauses von »Tupac Inca Yupan­ qui« warten in Chinchero auf dich. Danach fährst du nach Ollantay­ tambo, um den Sonnentempel und die Terrasse der »10 Nischen« zu besichtigen. Dann fogt der Höhe­ punkt der Andenwelt: Die sagenumwobene Inka-Zita­ della Machu Picchu, liegt inmitten mächtiger Berge. Die einzigartige Lage und das architektonische Ge­

nie machen Machu Picchu zu einem wahren Wunderwerk. »Cuzco«, die Hauptstadt der Inka. Während einer Rundfahrt siehst du den Sonnentempel, die Kathedrale, die Festung »Sacsayhuaman« und das Amphitheater von Kenko. Auch die »rote« Festung Puca Pucara und Tambomachay mit seinen einzigarti­ gen Aquädukten dürfen nicht fehlen. Zu Abschluss folgt der Flug nach Lima. Bei der Rundfahrt durch die peruanische Hauptstadt besichtigst du die historischen und modernen Teile der Stadt. Geführte Rundreise »PERU« Reisetermin: 18.4. – 1.5.2014 Preis p.P.: € 3.089,Geiger Reisen, Büros: 6923 Lauterach, Hofsteigstrasse 2a, T 05574 42225 /6890 Lustenau, Maria Theresienstr. 44, T05577 88775 Weiter Infos unter:

www.geiger-reisen.at

Foto: Geiger Reisen

Dies ist aber nur eine der vielen Sta­ tionen auf der geführten GEBECO Erlebnis-Entdeckerreise. Es stehen Aufenthalte in ein­ drucksvollen Hochebenen auf dem Plan, wie z.B. der Aussichtspunkt »Cruz del Condor«, wo man den mächtigsten Vogel der Anden, den Kondor, bei seinem Flug beobach­ ten kann.

erhälst einen Einblick in das harte Leben der Hochlandbewohner. An­ schließend erfolgt die Besichtigung der Grabtürme von Sillustani in der Nähe des Umayo-Sees. Weiter geht es mit dem Boot über den imposanten Titicaca-See. Es wir die Halbinsel Capachica angesteu­ ert, dort lebt die Volksgruppe der »Quechua«, diese folgen noch immer alten Traditionen und Gesetzen.

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Die Tour beginnt mit der Ankunft in Arequipa. Die in 2.300 Höhen­ metern gelegene Stadt ist von vier erloschenen Vulkanen umgeben und gilt als koloniale Perle Südpe­ rus. Zu Erleben gibt es neben dem belebten Markt mit vielen Ständen, die koloniale Altstadt.


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Kunst

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Der Vorarlberger Jakob Kasimir entdeckte seine Liebe zur Kunst schon in jungen Jahren. Er malte, zeichnete, gab Führungen und machte Video­ projekte für das Kunsthaus Bregenz. Heute beschäftigt er sich mit Grafik­ design, Animation und Videokunst – doch seine große Leidenschaft ist die Foto­grafie. Deshalb verschlug es den jungen Künstler nach Berlin, er stu­ diert dort Fotografie am Lette-Verein. Mit uns hat der talentierte Nach­ wuchsfotograf über Inspiration, Berlin und seine Zukunft gesprochen – und verschwendete dabei keine Worte.

Interview / Text: Cornelia Bachträgl 69


Fotos: Jakob Kasimir

Kunst

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Fotos: Jakob Kasimir

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Hallo Jakob! Vielen Dank, dass du dir fürs uns Zeit nimmst! Thanks for having me. Wo bist du gerade? Ich bin gerade im Badezimmer. Du hast schon sehr früh deine Liebe zur Kunst ent­ deckt. Kannst du dich an dein erstes prägendes Erlebnis erinnern? Welches war das? Meine Begegnung mit dem Künstler Uwe Jäntsch. Warum hast du dich 2009 entschieden, ein Jahr in Amerika zu leben? Ich wollte schon immer nach Amerika. Außerdem wäre ich fast in Englisch durchgefallen. Das ist mal ein guter Grund. Du bist seit dem letztem Jahr in Berlin, um Fotografie zu studieren. Wolltest du unbedingt in eine kreative Großstadt oder war die Schule der Grund für deine Wohnsitzwahl? Grund dafür war beides – Schule und Großstadt. Berlin gilt als Künstlerstadt. Spürst du einen Konkurrenzkampf oder sind die Künstler in der Hauptstadt wie eine große Familie? Bis jetzt spüre ich nothing. Hast du vor, irgendwann wieder nach Vorarlberg zurück zu kommen? Nope! Auf einigen Bildern auf Facebook sieht man dich mit einer Kette mit großem Kreuzanhänger. Hat Religion für dich einen hohen Stellenwert? Nein – ich bin nicht religiös.

Wer oder was inspiriert dich? Frauen. Wer modelt für dich: Freunde, Zufallsbekanntschaften oder echte Models? Only Friends. Wen hättest du gerne mal vor deiner Linse? Jessie Andrews (Anm. d. Redaktion: amerikanischer Pornostar) Ja, warum eingentlich nicht. Kannst du von deiner Kunst leben? Noch nicht. Viele deiner Arbeiten wirken verstörend. Provozierst du so gerne? Als Künstler mache ich die Sachen, die mich gerade beschäftigen – ob das dann verstörend wirkt oder provoziert, kann ich nicht wirklich beachten. Aber trotzdem entsteht dabei ein Botschaft. Wem würdest du gerne mal die Meinung sagen? Nobody. I like being misunderstood. Verrätst du uns etwas über dein nächstes Projekt? Hochzeitsfantasien eines Bräutigams. Vielen Dank für deine Zeit! You are welcome.

jakobkasimir.com

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Kolumne

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Text: Cornelia Bachtr채gl

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Kolumne

Ja, ich bekenne mich zu meiner Sucht: Ich bin eine Shopaholic! Wobei ich das Wort »Sucht« schon etwas übertrieben finde. Madame belohnt sich einfach gerne mit schöner Kleidung! Leider quillt mein Schrank in regelmäßigen Abständen über – deshalb sortiere ich ein- bis zweimal jährlich die Klamotten, die ich schon länger nicht mehr getragen habe, aus. Oder gekauft und nie angezogen habe. Ja, das passiert mir öfters ... Der Wandel Auf dem Radiosender meines Vertrauens hörte ich von einer jungen Frau, die ein Jahr lang auf shoppen verzichtet hatte. Wollte sie trotzdem etwas Neues haben, musste sie es sich nähen. Sie war anfangs nicht sehr geschickt, nach einem Jahr hatte sie das Nähen aber beinahe perfektioniert. Diese Geschichte ließ mich nicht mehr los. Zum Jahreswechsel beschloss ich: Das kann ich auch! Ich testete mich immer schon gerne auf meine »Belastbarkeit«. Deshalb verzichte ich auch während der Fastenzeit auf Süßes. Warum also sollte ich diese 12 Monate ohne meine Leidenschaft nicht auch meistern? *räusper* Jänner Vorbereitet hatte ich mich auf mei­ nen guten Neujahrsvorsatz nicht, ich stornierte aber immer wieder mal einen unnötigen Newsletter. Wozu um alles in der Welt sollte ich darüber informiert sein, dass der wunderschöne, kurkumagelbe, kuschelige Strickpullover, in den ich mich vor Weihnachten schon verliebt hatte, ihn mir aber nicht leisten konnte/wollte, jetzt um 75% runtergesetzt wurde? Natürlich könnte jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren, deshalb legte ich mir ein paar Ausnahmen zurecht: • Ich nehme so stark ab, dass ich in meine aktuelle Kleidung nicht mehr passe. > Go Shopping! • Ich fahre auf Urlaub (ein paar 74

Souvenirs müssen sein). > Go Shopping! • Ich brauche etwas WIRKLICH (demnächst eine neue Jogging­ hose). > Go Shopping! Der Besuch eines echten Ge­ schäftes wäre mir nie in den Sinn gekommen – viel zu riskant! Wenn ich also – notgedrungener Weise – doch etwas kaufen müsste, gestat­ tete ich mir das nur online! Februar Die Jogginghose ist hin! Da Fräulein Shopaholic ihren Vorsatz natürlich einhalten wollte, machte sie sich vorsichtshalber online auf die Suche nach einem würdigen Ersatz für ihre durchaus strapa­ zierte Schlabberhose. Die Hose war mittlerweile bestimmt 6 Jahre alt – ein gutes Alter für einen wohlver­ dienten Ruhestand. Da ich mit meiner Hose sehr zufrieden war, wollte ich so eine oder zumindest eine so ähnliche im H&M-Onlineshop bestellen. Leider konnte ich dort nicht einmal eine passende Kategorie für Joggingho­ sen finden: Es gab weder eine unter Sport, noch unter Nachtwäsche. Dafür fand ich etwas viel besseres: Die Home-Linie von H&M. In unserer Umgebung gibt es keinen Store mit dieser Abteilung, deshalb betrat ich fast schon etwas aufgeregt den Home-Bereich des H&M-Onlineshops. Naja, was soll ich sagen? Sie haben nicht die größ­ te Auswahl, dennoch konnten mich ein paar Produkte überzeugen. Ich

wollte schon lange neue Bezüge für unsere Polster am Wohnzim­ mersofa kaufen. Und die Spitzen­ tischdecke rief förmlich nach mir! Ok, die Kerzen und Geschirrtücher hätten jetzt nicht unbedingt sein müssen, aber wenn ich schon mal was bestelle ... Ich bin stolz auf mich – ich habe einen weiteren Monat geschafft, ohne mir unnötige Klamotten zu kaufen. Und die Jogginghose hält bestimmt noch ein Weilchen! März Wie konnte mir das nur passieren? Ich hatte alle meine ShoppingNewsletter abbestellt und warf jeden Versandkatalog sofort unge­ lesen in den Müll. Und jetzt das! Nichtsahnend und etwas gelang­ weilt blätterte ich eine Zeitung durch, was sprang mich da plötz­ lich förmlich an? Das Werbeblatt eines Schuhfachhandels! Ich bin mir relativ sicher, dass es mein Freund war, der gesagt hat, ich müsse mir das jetzt unbedingt anschauen – Shopping-Verzicht hin oder her! Ich widersetze mich meinem Schatz nur sehr ungern, deshalb leistete ich artig Folge. Fast schaffte ich es, den Prospekt ohne Folgen bis zum Ende durchzublättern, da entdeckte ich auf der vorletzten Seite rechts oben korallenrote Sneakers mit braunen Lederbän­ dern. Welche Frau braucht solche Schuhe nicht? Ganz ehrlich? Eben. Aber was sollte ich machen? Ich durfte sie nicht kaufen! Nieder­ geschlagen ob der verfahrenen Situation, erzählte ich meiner Schwiegermutter von meinem Pro­ blem, da fragt sie mich, ob ich denn Shopping-Geschenke annehmen


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durfte? Natürlich! Das ist die Lö­ sung! Dass ich da nicht selbst drauf gekommen war ... Zum Glück stand Ostern vor der Tür! Da fällt mir ein, ich hab immer noch keine Jogginghose ... April Es ist ein völliges Disaster! Ich habe tatsächlich die von mir begehr­ ten Schuhe zu Ostern geschenkt bekommen – leider waren sie mir zu klein. Um sie mir in einer Nummer größer zu kaufen, fuhr ich nach Dornbirn – nur leider war meine Elefantenfußschuhgröße in dieser Filiale schon ausverkauft. Freundlicherweise ließ man mir den Schuh daraufhin von Feldkirch nach Bregenz liefern und meine Schuhe ersetzte man mir durch einen Gutschein. Als ich den Anruf erhielt, dass meine Traumschuhe endlich in Bregenz angekommen waren, hetz­ te ich sofort ins Schuhfachgeschäft, um sie zu probieren. Um Himmels Willen, sie waren zu groß! Viel zu groß! Wer hat denn solche Elefan­ tenfüße?! Unglaublich. Zu allem Übel riss beim Anprobieren auch noch das Schuhband – als ich mich bei der Verkäuferin dafür entschul­ digte, antwortete sie: »Macht nix, das passiert ständig! Deshalb ist ja ein zweites Paar Schuhbänder inklusive.« Da war ich dann fast sogar ein bisschen froh, dass mir die Schuhe nicht passten. Achja: Seit kurzem bin ich stolze Besitzerin einer Jogginghose!

Mai Wenn man mit zwei Freundinnen ein Wochenende in München ver­ bringt und sich keine Klamotten kaufen darf, sollte man jeden Laden meiden. Doch so einfach machte ich es mir nicht! Jedes Geschäft, das meinen Freundinnen als betretungswürdig erschien, wurde besucht. Auch ich bummelte durch diese Läden, stöberte ein biss­ chen oder suchte nach passender Kleidung für meine Freundinnen. So verhalf ich einer der beiden zum perfektesten Blazer überhaupt. Zumindest behauptete sie das. Natürlich hatte auch ich so meine schwachen Momente. Aber wer würde an einem Tuch mit handge­ zeichneten Moustaches emotions­ los vorbeigehen? Ansonsten hielt ich vorbildlich allem, was Stoff und Farbe hatte, stand. Doch irgendwie schaffte ich es trotzdem, meine Karte glühen zu lassen. Was ich mir gekauft habe? Nur wirklich dringend notwendige Dinge: ein Paar Schuhe, mein erstes Marken-Make-Up, eine Kette und einen Malkreisel! Ich bin stolz auf mich! Juni Hoch lebe das Ländle Magazin! Und das OpenAir St. Gallen! Dank dieser beiden Erfindungen durfte ich offiziell und legal shoppen gehen! Natürlich wäre es für mich auch kein Problem gewesen, nicht einkaufen zu gehen, da ich von meinem exzessiven Shoppingver­ halten ja quasi schon geheilt bin ...

Bei der letzten Redaktionssitzung hatten wir die Idee, uns Shirts fürs OpenAir St. Gallen zu machen. Der Star unserer Shirts: unsere Logo-Ziege »Ziehgfried«. Wir hat­ ten sofort so viele Entwürfe, dass jeder von uns mit zwei Oberteilen ausgestattet werden konnte. Da ich außer ein paar alter, lottriger Oberteile praktisch nichts mehr anzuziehen habe, musste ich mir leider neue kaufen: ein T-Shirt und ein Trägerleibchen. Als sie aus der Druckerei kamen, musste man zugeben: Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen! Wir hörten auf dem Festival oft, wie sich andere gegenseitig unsere Shirts vorlasen. Und weil wir die Motive selbst so gelungen fanden, verzierten wir auch noch ein paar Buttons damit und verteilten sie auf dem OpenAir. Die Resonanz war großartig! Beim Gestalten der Shirts fand ich heraus, dass es mindestens genauso viel Spaß macht, Kleidung zu ver­ schönern, wie sie zu kaufen. Eine wichtige Erkenntnis auf meinem Weg zur Heilung! Jetzt muss ich mir nur noch abgewöhnen, im Spar nach einer Umkleidekabine zu suchen, um zu sehen, ob mir tomatenrot besser steht als brokkoligrün ...

T-Shirt-Bestellungen unter: info@laendlemagain.com

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Ich habe ein Experiment gewagt: 40 Tage ohne Facebook, genau genommen sogar 47 Tage. Die Pseudo-Fastenregel, dass Sonntage ausgenommen sind, habe ich natürlich nicht angewendet. »Wenn schon, denn schon«, sagte ich mir. Doch wie ist diese seltsame Idee eigentlich entstanden?

Der Anfang Bei einer unserer Redaktionssitzungen sprachen wir über zukünftige Artikel. Natürlich kam auch die be­ vorstehende Fastenzeit zur Sprache. Als dann jemand vorschlug, einer von uns könnte 40 Tage lang auf Face­ book verzichten, riss ich meine Klappe ziemlich weit auf: »Also das wäre für mich keine allzu große Strafe ... ich bin nicht so facebooksüchtig wie manch andere bei uns im Team.« Und das war der Ursprung allen Übels: Ich wurde dazu verdammt, die Herausforderung anzu­ nehmen.

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Kurz noch ganz zuversichtlich, wurde ich nach weni­ gen Minuten bereits nervös. Als ich darüber nachdach­ te, wie oft ich denn nun tatsächlich in diesem sozialen Netzwerk herumstöbere, wurde mir bewusst, dass das gar so nicht selten ist wie, ursprünglich angenommen. Ab dieser besagten Redaktionssitzung kreisten mei­ ne Gedanken ständig um das Experiment. Ich konnte selbst kaum glauben, wie sehr es mich beschäftigte! Aber es ist ja allgemein bekannt: Man möchte immer das haben, was man nicht haben kann. Dem zur Folge WOLLTE ICH MICH AUF FACEBOOK EINLOGGEN – WANN IMMER ICH WILL!!!!!!!!


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Der Sinn Eigentlich wollte ich beweisen (wenn auch nur mir selbst), dass ich nicht »süchtig« nach Facebook bin. Experimente, die im Fernseher ständig laufen, bei de­ nen jemand auf sein Smartphone oder auch nur auf Facebook verzichten musste, belächelte ich immer nur. Ich dachte: »Wie kann man denn nur so abhängig von einem digitalen Medium sein?« Doch ich befürchtete, auch ich bin es. Wieso machte mich die Aussicht auf die nächsten Wochen denn sonst so nervös? Die Weltbevölkerung beträgt der­ zeit über 7,1 Mrd. Menschen. Fa­ cebook hat über 1 Mrd. Mitglieder – 2,8 Mio. davon sind Österreicher. Das Motto des sozialen Netzwerks: »Facebook – eine offene und ver­ netzte Welt.« Das Mitteilungsbedürfnis vieler Menschen ist enorm. Rein theo­ retisch könnte man über 1 Mrd. Menschen mitteilen, was man in dieser Minute gerade macht. Auch wenn man nicht ganz so narzis­ stisch veranlagt ist, ist es mit den ganzen Privatsphäreneinstellungen recht schwierig, selbst zu entschei­ den, wer was von einem sehen oder lesen darf. Die Welt wird zwar vernetzt, aber, wie in dem Motto ge­ sagt, auch immer offener, was nicht nur Positives mit sich bringt. Zum Glück muss ich mich jetzt 47 Tage lang nicht mit solchen Problemen beschäftigen! Die Herausforderung Ich nutzte die letzten Stunden mit Facebook und in­ formierte meine Freunde – ob es sie interessierte oder nicht – dass ich die nächsten 40 Tage nicht auf Facebook anzutreffen sein würde. Der schwierigste Schritt vor dem Schlafen gehen war das Löschen meiner Facebook-App ... Am Morgen des nächsten Tages wachte ich auf und dachte natürlich sofort daran. Noch war es ein Klacks ... es waren ja erst ein paar Minuten. Ich kaufte mir ein kleines Buch, in das ich – als Ab­ lenkung und als Zeitvertreib – alles notierte, was mir durch den Kopf ging. Ich war wirklich froh über das

Büchlein, denn nachdem ich am ersten Morgen meine Mails gecheckt und auf Instagram und Twitter gesurft hatte, brauchte ich eine Beschäftigung. Also schrieb ich meine erste Statusmeldung in mein neues »Facebook«. Auf Anraten einer Freundin hin habe ich mir das App »Pinterest« heruntergeladen, da es ein toller Zeitver­ treib und somit ein guter Facebook-Ersatz wäre. Wie erwartet, musste ich mich bei dieser App registrieren – leider ging das nur über Facebook. Erst nach längerer Suche fand ich klein gedruckt, ganz am Ende der Seite, den Link, über über den ich mich via Emailadres­ se registrieren konnte. Smartpho­ ne-Besitzer ohne Facebook-Account haben’s heutzutage wirklich nicht leicht ... Während ich im Büro saß, war der Facebook-Verzicht natürlich leicht zu bewältigen. Schwieriger war es nach Feierabend. Umso mehr hat es mich gefreut, dass meine Freundin Connie mich mit einem FacebookSMS-News-Abo auf den neuesten Stand brachte. Nach ein paar Tagen fing Facebook an mir E-mails zu senden: »Katha­ rina, Sie haben ungelesene Benach­ richtigungen ...« Ich bin außerordentlich stolz auf mich, diese Emails ungelesen gelöscht zu haben. Was mir danach aber durch den Kopf ging: Wird ein Facebook-Account eigentlich nach einer bestimmten Zeit gelöscht, wenn der Nutzer inaktiv ist und nicht einmal seine Mails checkt? Die Reaktionen Meine Freunde hatten natürlich großen Spaß damit, mich aufzuziehen. Sie fanden es köstlich amüsant, dass ich kurzzeitig nicht im sozialen Netzwerk vertreten war: »Die Termine schicke ich euch dann über Face­ book, passt das, Kathi?«, »Schau dir das mal auf Face­ book an, Kathi!« Als ich eines Morgens im Halbschlaf auch noch träum­ te, dass die Face­book-App in Zukunft 2,39 € kosten würde, musste ich wohl total übergeschnappt sein. Dass unsere gesamte Redaktion während der Fastenzeit auch noch auf Süßigkeiten verzichtete, machte das Ganze für mich natürlich nicht leichter. Weit und breit war kei­ 77


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ne Nervennahrung für mich in Sicht. Bei der nächsten Redaktionssitzung war Süßigkeitenessen vor Süßigkei­ tenfastenden eine kleine Genug­tuung für mich. Die Entspannung Ich hatte nach der ersten Umstellung keine große Mühe mehr, mich mit meinem Schicksal abzufinden. Nach fast zwei Wochen ohne Facebook merkte ich, dass ich sogar ziemlich entspannt damit umging. Nach einer weiteren Woche ging es mir blendend. Ehr­ lich gesagt beruhigte es mich innerlich sogar, nicht noch auf einem weiteren Portal nachschauen zu müs­ sen, ob mir irgendwer irgendwelche wichtigen oder weniger wichtigen Nachrichten zukommen ließ. Ich habe ein Telefon mit SMS-Funktion, bin auf Whats­ App zu finden, habe eine private Emailadresse, eine geschäftliche und eine Ländle Magazin-Emailadresse und habe einen festen Wohnsitz, der sogar noch über Festnetzanschluss verfügt. Die Menschen in meinem Umfeld haben also mehr als genügend Möglichkeiten mich zu kontaktieren. Es ist mir natürlich bewusst, dass Facebook den meisten Menschen nicht dazu dient, wichtige Informationen mit ihren Liebsten auszutauschen, sondern eher als Be­ schäftigung für banale Lustigkeiten und Kurzinfos. Die einzige Person, die ich kenne, für die Facebook wirk­ lich nützlich und bereichernd ist, ist meine Mum. Da sie in Irland aufgewachsen und zur Schule gegangen ist und in England studiert hat, sind nur wenige Personen aus ihrem früheren Umfeld in ihrer direkten Nachbar­ schaft. Facebook ermöglicht es ihr, mit vielen früheren Freunden, Schul- und Studienkollegen wieder Kontakt aufzunehmen und an ihrem heutigen Leben teilzuhaben. Diese Möglichkeit finde ich toll und auf jeden Fall eine Bereicherung für manche. Für die meisten Menschen in meinem Umfeld, wie auch für mich, ist Facebook aber eine reine Beschäftigung, die nur wenig mit dem Finden alter Freunde zu tun hat. Natürlich ist man mit ehemaligen Schulkollegen be­ freundet und auch mit Menschen, die man nicht jeden Tag sieht – aber entsteht dadurch eine festere Bindung, nur weil ich weiß, wann XY was isst und wie es aus­ sieht? Wohl kaum ... Die Ablenkungen Was mir aber natürlich dabei geholfen hat, dass ich nicht jede Minute an Facebook denke, sind viele ver­ 78

schiedene Alternativen. Da ich (zum Glück!!!) nicht auf mein iPhone verzichtet habe, war es noch immer mein ständiger Begleiter. Wer mich bisher noch nicht für verrückt hielt, tut es spätestens jetzt: Ich hatte ein virtuelles Haustier. Besser gesagt vier: Pauli, Janosch, Spikey und Nachzügler Tim. Sie waren zwar relativ pflegeleicht, aber um ihnen eine unbeschwerte Kind­ heit zu ermöglichen, musste ich natürlich arbeiten gehen. Das Spiel »Nominator« in der App »Bonzii« ermöglichte es mir, Kiwis zu verdienen, mit denen ich dann Futter für meine Tierchen kaufen konnte. Dieses Spiel hatte einen enormen Suchtfaktor – ich hätte also gar keine Zeit mehr für Facebook gehabt!

Was mich aber doch recht neugierig machte, waren die ganzen Facebook-Mails, die ich bekommen hatte. Ich hat­ te den Großteil dieser Mails zwar deaktiviert, manche er­ reichten aber trotzdem mein Postfach. Ich bekam in einer Woche viermal eine Mail, die mich darauf aufmerksam machte, dass einer meiner Freunde bereits darauf war­ tete, dass ich mir seinen Beitrag auf meiner Pinnwand ansehe. Auch bekam ich sieben Freundschaftsanfragen und hatte keine Ahnung, wer da mit mir befreundet sein wollte. Die Lust nachzusehen, was dort alles so passierte, war nach wie vor vorhanden. Ich war also von meiner »Facebooksucht« noch nicht geheilt. Vorerst genoss ich


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allerdings noch mein Privileg, eine Kontaktmöglichkeit weniger zu besitzen – zumindest versuchte ich mir dar­ aus resultiernde Vorteile einzureden. 1 Nachricht, 2 Anstupser, 6 Veranstaltungseinladungen, 7 Freundschaftsanfragen und 196 Fotomarkierungen – so lautete das Resumée nach 32 Tagen Facebook-Ver­ zicht. Dass mich diese Information neugierig machte, ist wohl verständlich. 196 Fotos schwirrten auf Facebook herum, auf denen ich zu sehen war, aber keine Ahnung hatte, wie sie aussahen. Diese Info machte es um einiges schwieriger, der Versuchung zu widerstehen. Facebook versuchte mich nach wie vor mit allen Mit­ teln zurückzuholen. Noch nie habe ich so oft Mails mit Neuigkeiten in meinem Posteingang gefunden. Face­ book teilte mir im 2-Tages-Rhythmus mit, dass ich neue Nachrichten hatte, schlug mir Menschen vor, die ich eventuell kennen könnte, ließ mich wissen, wie viele Anstupser, Fotomarkierungen etc. auf mich warteten, und dass ich in diversen Berichten und Mitteilungen markiert wurde. Die Funktion »Mails ausschalten« schien also wenig zu bringen, wenn man Facebook ein­ fach so für eine Zeit den Rücken kehrte. Es wirkte fast ein bisschen verzweifelt, wie Facebook mich auf kei­ nen Fall verlieren und zurück gewinnen wollte – sehr schmeichelhaft! Die Radiosendung Am Karfreitag war ich bei Antenne Vorarlberg zu ei­ nem Interview eingeladen. Isabella Canaval moderierte das Antenne Frühstücksradio, in dem ich als Studiogast eingeladen war. Wir hatten einen sehr entspannten und schönen Vormittag und tauschten unsere Fasten­ zeit-Erfahrungen aus (Isabella verzichtete 47 Tage lang auf Süßigkeiten). Das Ende Selbstverständlich war ich am Morgen des Ostersonn­ tag sofort wieder auf Facebook. Es dauerte seine Zeit bis ich alle Benachrichtigungen durchgecheckt hatte ... Ich will hier natürlich nicht die besserwissende Klug­ scheißerin spielen. Ich mag Facebook und verbringe dort gerne Zeit. Es ist interessant zu sehen, was die Menschen, die man kennt, so machen und was ihnen aktuell gefällt. Man findet ja auch eine Vielzahl an neu­ en Ideen für Ausflüge, Urlaubsvorschläge, Anregungen für Bastelaktivitäten, Buchvorstellungen, Filmempfeh­ lungen etc.

Das Verzichten auf Facebook veränderte meinen Tages­ ablauf nicht merklich und auch meine Freunde waren noch immer für mich da. Es ist dennoch angenehm, wieder jederzeit nach Neuigkeiten sehen zu können, ich werde aber trotzdem versuchen meinen Face­ book-Konsum ein wenig einzuschränken. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung gemacht und vor allem auch durchgehalten habe – wovon ich anfangs selbst nicht 100%ig überzeugt war. 79


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We dislike:

Facebook-Hoaxes* Text: Katharina Germann / Chris Feurstein

*engl. für Jux, Scherz; auch Schwindel

Auf einem Video wird gezeigt, wie ein Mann einen Hund vom Dach eines Gebäudes in die Tiefe wirft. Das Tier schlägt am Boden auf und verendet qualvoll. Die grausame Szene wird auf Facebook verbreitet – mit der Bitte, es weiter zu teilen, um die Tierquäler zu finden. Natürlich ist die Community aufgebraucht und fordert ein »Köpfe­ rollen« der Verantwortlichen. Was viele aber nicht wissen, dies ist in den meisten Fällen bereits passiert und die Verantwortlichen verurteilt. Das Internet vergisst nichts und diese zum Teil schon sehr alten Beiträge machen als »Kettenbriefe« immer wieder die Runde. Aber auf Facebook tummeln sich noch viele weitere Uralt- und Falschmeldungen, sogenannte »Hoax«.

»Tipp für alle Handybesitzer«

»Ich widerspreche den neuen AGB's«

Diese Meldung kennst du bestimmt. Die Polizeiins­ pektion Kindberg informiert Handybesitzer, wie sie ihr Handy im Fall eines Diebstahls sperren lassen können.

Im November 2012 war ein Post groß in Mode: Es ging darum, dass man Facebook die kommerzielle Nutzung der Fotos der User untersagt. Dies habe das Unter­ nehmen mit der Änderung der AGBs im Juni 2012 angeblich zugesichert. Der Text, der als Schutz davor via Status gepostet werden sollte, war meist dieser: »Aufgrund der neuen AGBs in Facebook widerspreche ich hiermit der kommerziellen Nutzung meiner persönlichen Daten (Texte, Fotos, persönliche Bilder, persönliche Daten) gemäß BDSG. Das Copyright meiner Profilbilder liegt ausschließlich bei mir. Die kommerzielle Nutzung bedarf meiner schriftlichen Zustimmung.«

Das bringt zwar das Handy nicht zurück, aber immer­ hin kann der Täter nichts mehr damit anfangen. Folgt man der im Schreiben angebenen Vorgangsweise, erhält man die sogenannte IMEI-Nummer (Interna­ tional Mobile Equipment Identity). Grundsätzlich ist es keine schlechte Idee, sich diese zu notieren, es gibt aber kaum Netzbetreiber, die eine IMEI-Sper­ rung durchführen. Hinzu kommt, dass die erwähnte IMEI-Nummer auf vielen aktuellen Geräten mit etwas Hintergrund­w issen geändert werden kann. Das ist zwar nicht erlaubt, würde aber eine eventuell einge­ setzte hardwareseitige Sperrung aushebeln. Die IMEI-Nummer findet man übrigens, anders als in der Meldung behauptet, in den Vertragsunterlagen oder auf der Innenseite des Handy unterm Akku. 80

Das ist zwar nett formuliert, aber aus folgenden Grün­ den leider total sinnlos: 1. Die Änderung der Facebook-AGBs hatte nichts mit dieser Thematik zu tun. 2. Auf Facebook gilt, was in deren AGBs steht. Nur durch den Post eines Textes, indem widersprochen wird, ändert sich leider gar nichts. Die einzige Mög­ lichkeit, die der Nutzer hat, ist, sich von Facebook abzumelden. 3. Facebook muss sich die Rechte an hochgeladenen Bilder zusichern, damit das Unternehmen sie über­ haupt darstellen darf. Das Urheberrecht für selbst erstellte Inhalte bleibt allerdings immer beim Autor, das kann dir Facebook natürlich nicht wegnehmen. Diese Meldung feierte vor kurzen in leichter veränder­ ter Form ihr Comeback. Also, bitte nicht teilen.


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»Gratis Smartphones« Wer würde zu einem kostenlosen iPhone nein sagen? Natürlich (fast) niemand. Auf Facebook existieren unzählige Seiten, die scheinbar fehlerhaft verpackte Produkte an Facebook-User verlosen. An der Verlosung teilzunehmen ist – laut Betreiber solcher Seiten – ganz einfach: Fan der Seite werden, das Foto liken, den Bei­ trag teilen. Doch wer steckt dahinter und was will man damit bezweckt werden? Wer genau hinter diesen ominösen Seiten steckt, ist leider nicht bekannt. Fakt ist jedoch, dass Apple, Sam­ sung, Sony etc. nichts damit zu tun haben. Sprecher der Unternehmen streiten einen Zusammenhang zu diesen Seiten vehement ab, es handle sich um keine offiziellen Seiten dieser Firmen. Facebook löscht mittlerweile sol­ che Seiten zwar, allerdings werden täglich neue Seiten erstellt und die Fangemeinde wächst weiter. Manche dieser Seiten haben mittlerweile ihre Besitzer schon gewechselt und sind zu eher weniger lustigen »Nur zum Spaß«-Seiten geworden. Andere haben noch immer ihre werbewirksamen Aufrufe zur Teilnahme an den Gewinnspielen gespeichert. Die Intention der Betreiber ist ebenfalls nicht klar. Ent­ weder ist es die Gier nach Likes oder der Plan, weitere Schäden anzurichten. Sicher ist jedoch, dass die Erstel­ ler der Seite durch die vielen Likes, Kommentare und Teilnehmer eine beträchtliche Reichweite aufbauen. Da solche Seiten tausende Fans generieren, könnten sie später über eBay verkauft werden. Die Betreiber könn­ ten aber auch im Sinn haben, einen schädlichen Link zu verbreiten, über den man Opfer von Trojanern, Malware oder Phishing werden könnte.

»Unterwasserkamera sucht ihren Besitzer« Zum Schluss noch etwas erfreuliches, um zu bewei­ sen, dass es nicht nur nervige Hoax-Meldungen auf Facebook gibt. Du hast sicher bereits, den Post gesehen, in dem be­ schrieben wird, dass beim Tauchen ein Unterwasser­ kamera gefunden wurde. Dort war einen SD-Karte mit Urlaubsfotos drin. Eines dieser Fotos wird dann abgebildet und es wird gefragt, ob wer diese Personen kennt. Auf einer finnischen Website war zu lesen, dass die Suche innerhalb von 17 Stunden erfolgreich war und die Besitzer ihre Kamera samt SD-Karte wieder in den Händen halten.

Sollte man bereits an diesen fragwürdigen Fake-Ge­ winnspielen per Klick auf »Gefällt mir« teilgenom­ men haben, ist es ratsam den entsprechenden Eintrag wieder zu entfernen. Wurde das Bild oder die Seite geteilt, lässt sich das über die eigene Chronik wieder rückgängig machen. Des Weiteren kann mit einem Klick auf den Einstel­ lungsbutton rechts oben beim jeweiligen »Angebot« die Seite bei Facebook gemeldet werden, damit diese betrügerischen Inhalte schnellstmöglich wieder aus dem Verkehr gezogen werden.

Also, Ende gut alles Gut und kein Grund diese Status­ meldung weiterhin zu teilen, sonst suchen wir in 10 Jahren immer noch nach den Besitzern.

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Blog

From the Blog ~ ~ Auf laendlemagazin.com kritisieren wir regelmässig Kinofilme, DVD-Neuerscheinungen oder Klassiker die wir zur Allgemein­bildung zählen. Das Gesehene wird knallhart mit Zuhilfenahme des »Movie Onion-Bewer­ tungssystems« in Augenschein genommen. Warum es gerade die Movie Onions sind? Wir wissen es nicht mehr, mache Dinge gehen schnell in den ge­ wohnten Sprachgebrauch über und sind dann einfach da. Vielleicht weil wir uns dabei nicht allzu ernst neh­ men, und es sicher die ein oder andere Kritik gibt, die nicht massentauglich ist. Sei es drum.

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Was aber seit einiger Zeit fixer und ernst­zu­nehmen­ der Bestandteil jeder Kritik ist: unsere selbstgestalte­ ten Filmposter im Grind­house-Look. Es gibt auch hier keinen besonderen Grund, warum wir diese Poster ma­ chen – vielleicht nur, weil wir Filme lieben. Es haben sich bereits einige angesammelt, darum hier ein Auszug unserer »Kunstwerke« der letzten Monate. Übrigens: Falls du mal eine unserer Kritiken liest, halte Ausschau nach den von uns mit großer Sorgfalt plat­ zierten »Eastereggs«.


Foto: Matthias Dietrich (studiofasching.at)

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Cornelia Bachtr채gl - Chefredaktion, Gestaltung & Musik Maximilian Feurstein - Kino & TV Katharina Germann - Kolumnen & Web Chris Feurstein - Chefredaktion, Gestaltung & Anzeigenverkauf 83


B’sundrig.

Wenn man geliebt wird für das, was man gerne tut. Der LieblingsMarkt der Vorarlberger *

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Vorarlberg kauft regionale Produkte am liebsten bei Sutterlüty. Für dieses Vertrauen möchten wir uns herzlich bei unseren Kundinnen und Kunden bedanken.

Freiburger Hütte im Lechquellengebirge am Fuße der Roten Wand

(Repräsentative Befragung der Vlbg. Bevölkerung 16-70 Jahre, market Institut 2012)


Ländle Magazin - Warm.13