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taxe per巽ue - Economy-C

Zeitschrift f端r S端dtiroler in der Welt 39100 Bozen/Italy

Februar 2014



Arno Kompatscher

Foto: www.landtag-bz.org

S端dtirols neuer Landeshauptmann


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Thema

H&W | Februar 2014

9000 Tage im Amt

Landeshauptmann Luis Durnwalder ist seit 9. Jänner nicht mehr im Amt n Über 9000 Tage im Amt, rund 1200 Landesregierungs-Sitzungen hinter sich ... Landeshauptmann Luis Durnwalder hat am 8. Jänner nach 25 Jahren im Amt seine letzte Landesregierungssitzung geleitet, seine letzte "Montagspressekonferenz" gegeben und sich bei den Journalisten für die Zusammenarbeit bedankt.

Nicht weniger als zehn Beschlüsse hat Durnwalder nach der letzten seiner rund 1200 Landesregierungssitzungen als Landeshauptmann im Rahmen der letzten Pressekonferenz vorgestellt, ein Zeichen dafür, dass es für ihn in erster Linie eine Sitzung wie jede andere war: „Mich haben sehr viele Leute gefragt, wie es mir heute denn gehe, sogar die Amtskollegen aus Innsbruck und Trient haben mich angerufen um zu fragen, ob es sich irgendwie besonders anfühle“, so Durnwalder im prall gefüllten Pressesaal der Landesregierung. Nein, besonders habe es sich nicht angefühlt, er habe schließlich lange genug Zeit gehabt, sich von seiner Aufgabe zu verabschieden, erklärte der Noch-Landeshauptmann.

25 Jahre Landeshauptmann In kurzen Worten rekapitulierte Durnwalder seine 25 Jahre als Landeshauptmann: „Ich bilde mir - bei aller Bescheidenheit - ein, sehr viel bewegt zu haben und ich habe eine gute Zeit gehabt“, so der Landeshauptmann, dessen ausdrücklicher Dank an die Regierungskollegen ging: „Wir haben immer sehr gut zusammengearbeitet, auch wenn nach außen vielleicht der Eindruck vermittelt worden ist, dass nur einer regiert“, so Durnwalder. Es

Der Vorstand der Südtiroler in der Welt und des Gesamtverbandes der Südtiroler in Österreich statteten kurz vor Weihnachten dem noch amtierenden Landeshauptmann Luis Durnwalder einen Abschiedsbesuch ab, um sich für die gute Zusammenarbeit in den vielen Jahren zu bedanken. Das Wohl der Südtiroler Heimatfernen lag dem Landeshauptmann stets am Herzen.

brauche einen „Leitwolf“, der die Richtung vorgebe, „aber wir haben gemeinsam Höhen und Tiefen, gute und schlechte Zeiten durchgemacht und sehr viel vorangebracht.“

110.000 Landesregierungsbeschlüsse

Stefan Wallisch, beim scheidenden Landeshauptmann. Als Andenken gab's die Ausgaben der drei damals in Südtirol erscheinenden Tageszeitungen vom 18. März 1989, dem Tag nach der Wahl Durnwalders zum Landeshauptmann. Überreicht wurden die Zeitungen von den drei Chefredakteuren Toni Ebner (Dolomiten), Al-

Geschätzte 110.000 Beschlüsse sind in seiner Amtszeit gefasst worden, fast alle davon einstimmig und sehr viele erklärt in der traditionellen Montagspressekonferenz im Pressesaal der Landesregierung. „Ich habe rund 1200 dieser Pressekonferenzen gegeben und möchte die heutige letzte nutzen, um mich für die Zusammenarbeit zu bedanken“, so der Landeshauptmann. Es sei notwendig, dass die Arbeit der Landesregierung den Bürgern erläutert werde, den Medien komme dabei eine zentrale Rolle zu, so Durnwalder.

Vom 17. März 1989 bis 9. Jänner 2014 Im Namen der Journalisten bedankte sich der Chef der Journalistengewerkschaft,

Landeshauptmann Luis Durnwalder bei seiner letzten Sitzung der Landesregierung im Palais Widmann in Bozen.


H&W | Februar 2014

Entwicklung waren Luis Durnwalder stets ein Herzensanliegen, ob bei der Streitbeilegung, bei den zähen Verhandlungen um neue Zuständigkeiten oder bei der Festigung der Europaregion Tirol“, erklärte SVP-Obmann Richard Theiner. Der scheidende Landeshauptmann habe sein Amt mit einem unermüdlichen Einsatz ausgeübt und stets Wert auf den direkten Kontakt mit der Bevölkerung Dolomiten-Chefredakteur Toni Ebner und LH Durnwalder sowie Bodenständigkeit gelegt. blicken auf die Ausgabe der „Dolomiten", die zum Amts„Luis Durnwalder hatte für jede antritt von Durnwalder erschienen ist.  Foto: Thomas Ohnewein. Bürgerin und jeden Bürger ein offenes Ohr und war stets von frühmorgens bis spätabends für unser Land berto Faustini (Alto Adige) sowie Toni unterwegs“, so Theiner. Visentini (Il Mattino).

Dank der SVP

Modernes, selbstbewusstes Land

SVP-Obmann Richard Theiner dankte dem scheidenden Landeshauptmann Luis Durnwalder im Namen der Südtiroler Volkspartei für seinen jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz für das Land und seine Menschen. „Südtirol steht so gut da wie noch nie“, betonte Parteiobmann Theiner. „Das ist auch die Bilanz von 25 Jahren Landeshauptmann Luis Durnwalder.“

In den vergangenen 25 Jahren habe Landeshauptmann Luis Durnwalder die Autonomie mit Leben gefüllt und die Grundvoraussetzungen für das wirtschaftliche und kulturelle Fortkommen des Landes unter Einbezug aller Sprachgruppen geschaffen. „Südtirol steht heute gut da dank zahlreicher weitsichtiger Schritte, die unter der Federführung von Luis Durnwalder gemeinsam mit seinen Mitstreitern in den Gemeinden, in den Bezirken und im Land in den vergangenen Jahrzehnten unternommen worden sind“, so Theiner. „Unser Land hat sich zu einer modernen und selbstbewussten Region in Europa entwickelt.“ <

Einsatz für Autonomie Luis Durnwalder hat zehn Jahre lang als Landesrat und 25 Jahre lang als Landeshauptmann die Geschichte Südtirols geprägt. „Die Autonomie und ihre zukünftige

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Thema

Inhalt T h e ma 9000 Tage im Amt

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Süd t i r o l ak t u e ll

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Kurzmeldungen Regierungsabkommen, Gemeindenpräsident Erlebniskaufhaus, Filmförderung, Seilbahnen RAI Südtirol, Forschungspreis, Buchvorstellung Gemeinwohlbilanz Grenzpendlertagung

E X P ERTE N

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Experten antworten Franzensfeste, Bletterbach, Wipptal

intern Hessen, Treff.Heimat

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Tirolerbund, Innsbruck, Florenz Albstadt, München NRW, Kalender

H e i mat und w e l t

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Martin Niklas Wieser

impressum

Heimat & Welt Herausgeber und Eigentümer: Südtiroler in der Welt Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Hans Gamper Schriftleitung: Ingeburg Gurndin Redaktion: Stephan Raffeiner alle: 39100 Bozen, Pfarrplatz 31, Postf. 463 Tel. (0039) 0471 309176 Fax (0039) 0471 982867 Internet: www.kvw.org/suedtiroler-welt E-Mail: suedtiroler-welt@kvw.org Eingetragen beim Landesgericht Bozen unter 7/72 Druck: Lanarepro Ges.m.b.H., I-39011 Lana Ausgaben: „Heimat & Welt” erscheint monatlich (insgesamt 11mal jährlich) Bei Unzustellbarkeit zurück an: Arbeitsstelle für Südtiroler in der Welt, 39100 Bozen, Pfarrplatz 31, Postf. 463 Redaktionsschluss: Am 15. des Monats Bankverbindungen: Südtirol und Italien: Südtiroler Sparkasse Waltherplatz, 39100 Bozen IBAN IT68A 06045 11601 000000371000 BIC CRBZIT2B001 Mitfinanziert von der Autonomen Provinz Bozen, Präsidium, Amt für Kabinettsangelegenheiten, Bereich Heimatferne

So viele Journalisten wie noch verfolgten die 1185. und letzte Landesregierungs-Pressekonferenz von LH Luis Durnwalder.  Foto: Thomas Ohnewein.

AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL

PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

PROVINZIA AUTONOMA DE BULSAN - SÜDTIROL


Süd t i r o l A k t u e ll

H&W | Februar 2014

definitiv die Übertragung der primären Gesetzgebungs- und Verwaltungskompetenz auf das Land Südtirol in den Bereichen Lokalfinanzen und Gemeindesteuern unter Dach und Fach gebracht. Die Neuerungen sind mit 1. Jänner 2014 in Kraft getreten. <

n politik

den Bau beaufsichtigen. Die geplante Erschließung der Alm hat in den vergangen Jahren zu heftigen Diskussionen in Südtirol geführt. <

n tourismus

Abgeordneter Daniel Alfreider

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Kurz notiert

Meldungen aus Südtirol n Wirtschaft Megapleite ZH Nach der Hoppe-Schließung im Passeiertal nun der nächste Schock für Südtirols Wirtschaft: Das Landesgericht Bozen hat kurz vor Neujahr den Antrag auf das Ausgleichsverfahren des Pusterer Bauriesen ZH (Fusion von Zimmerhofer AG und der Firma Hobag) nicht angenommen. Gleichzeitig wurde das Konkursverfahren eröffnet. Es handelt sich um den größten Konkursfall der Südtiroler Geschichte. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf insgesamt 110 Millionen Euro. In eine finanzielle Schief-

Trauriger Neujahrsbeginn für die Betroffenen der ZH-Pleite.

lage gereit ZH bereits im Jahr 2012. Von den ehemals 130 Mitarbeitern wurden bereits gut die Hälfte in den vergangenen Jahren entlassen; für die verbliebenen 60 Mitarbeiter war dies ein schwarzer Neujahrsbeginn. Sie werden wohl in die Ausgleichskasse überstellt.  <

n Politik Primäre Kompetenz für Lokalfinanzen Mit der Genehmigung des Stabilitätsgesetzes im italienischen Senat wurde kurz vor Weihnachten ein lange gehegtes autonomiepolitisches Ziel für Südtirol erreicht: nach jahrelangem Stillstand wurde nun

Bozen meistgebuchtes Reiseziel an Weihnachten Freude bei den Tourismustreibenden in der Landeshauptstadt: Bei den italienischen Weihnachtsurlaubern 2013 war Bozen besonders beliebt. Das geht aus einer Analyse des Reiseinformationsportals „trivago“ hervor. „trivago“ vergleicht über eine Metasuche verschiedenste Buchungssysteme und die Angebote verschiedener Hotels. Viele Italiener blieben angesichts der Krise in der Advendtszeit zuhause oder verreisten primär im eigenen Land. Laut dem Online-Reiseportal „trivago” verzeichnete dabei Bozen am meisten Buchungen, obwohl es die teuerste Destination Italiens ist. Während in Bozen ein Zimmer durchschnittlich 137 Euro kostet, zahlt man Venedig 117 Euro, in Mailand 109 Euro, in Rom 95 Euro, so „trivago“. < Der Christkindlmarkt in Bozen lockte auch 2013 wieder viele BesucherInnnen an.

Erster Ladiner in der Sechser- und Zwölfer-Kommission

n kultur Kalender 2014

Die Regierung in Rom hat die Staatsvertreter in der Sechserund Zwölfer-Kommission neu ernannt. Mit dem Kammerabgeordneten Daniel Alfreider (SVP) ist erstmals in der Geschichte Südtirols ein Ladiner Mitglied in der Sechser- und Zwölfer-Kommission. Mit der Neu-Einsetzung der Autonomiekommission wird nun ein konkreter Weg bereitet, um die restlichen für Südtirol entscheidenden Punkte umzusetzen: denn es geht noch um wesentliche Durchführungsbestimmungen zur Übernahme der Verwaltungskompetenzen des Nationalparks Stilfser Joch, der Agenturen für Einnahmen, Vermögen und Zoll sowie des Verwaltungspersonals bei Gericht. <

n umwelt Antersasc: Almzufahrt wird gebaut Die Landesregierung hat dem Bau des Erschließungsweges auf die Antersasc-Alm zugestimmt, doch unter der Einhaltung von genauen Auflagen: die Breite des Weges ist auf höchstens 2,5 Meter begrenzt und der Weg darf nur vom Bauern selbst befahren werden. Außerdem wird die Forstabteilung

Das Büro der Europaregion „Tirol-Südtirol-Trentino” hat erstmals einen Kalender herausgebracht. Mit 48 beeindruckenden Bildern des Salurner Fotografen Albert Ceolan gibt der Kalender im DIN A3-Format einen Überblick über die Vielfalt an Brauchtum, Kultur und Landschaft der Europaregion. Der Wand-Kalender ist kostenlos im Büro der Europaregion und im Palais Widmann in Bozen erhältlich.  <

n Politik Neuwahlen in der Gemeinde Schluderns In der Gemeinde Schluderns kommt es am 4. Mai 2014 zu Neuwahlen. Dieser Schritt wurde notwendig, nachdem die Mehrheit der Gemeinderäte ihr Mandat niedergelegt hatte und die Beschlussfähigkeit nicht mehr gegeben war. Das ist bitter für den lange amtierenden Bürgermeister Erwin Wegmann (SVP); er muss den Hut nehmen. Als kommissarischer Verwalter wurde von der Landesregierung Anton Patscheider ernannt. <


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Südtirol aktuell

Wunsch nach mehr Sicherheit 42. Grenzpendlertagung im Vinschgau n Viele Interessierte sind Anfang Jänner zur 42. Grenzpendlertagung ins Kulturhaus von Schluderns gekommen. Die wichtigsten Themen waren: Ansprüche auf Arbeitslosengeld, Wohnsitzverlegung in die Schweiz, Steuerfragen und die Problematik rund um die Frage des Status „Grenzpendler“.

Josef Trafojer, Sprecher der Grenzpendler

Dank der guten Wirtschaftslage in der benachbarten Schweiz pendeln nach wie vor viele Obervinschger zur ihrer Arbeit über die Grenze nach Graubünden. Jedes Jahr lädt der KVW Bezirk Vinschgau und die Arbeitsstelle „Südtiroler in der Welt“ zu einer Informationstagung in Bezug auf Fragen und Probleme der Grenzpendler. Vorherrschendes Thema bei der 42. Ausgabe war die rechtlichsteuerliche Behandlung der Pendler und in diesem Zusammenhang wiederum die Frage nach der Definition eines Grenzpendlers aus Italienischer und Schweizer Sicht. Der Vorsitzende der „Südtiroler in der Welt“, Erich Achmüller, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte u.a. Landesrat Richard Theiner, Rom-Abgeordneten Albrecht Plangger, die designierte Landesrätin und Vorstandsmitglied der „Südtiroler in der Welt“ Waltraud

Oben: Gut besucht war die Grenzpendlertagung in Schluderns. Links: v.l. Roland Pircher, Andreas Tappeiner, Albrecht Plangger.

Deeg, den Landtagsabgeordneten Josef Noggler, den Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Vinschgau Andreas Tappeiner und den KVW Landesvorsitzenden Werner Steiner. „Ohne die Arbeitsmöglichkeiten in der Schweiz wäre es schwierig“, sagte Richard Thei­ ner in seinen Grußworten und sprach dabei auch die Schließung des Hoppe-Werks im Passeiertal an. „Es geht darum Perspektiven für junge Menschen zu schaffen“, sagte er weiter. Theiner dankte dem KVW für das GrenzpendlerForum und wünschte allen Anwesenden einen sicheren Arbeitsplatz im Jahr 2014. Paul Schwendener vom Kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe & Arbeit informierte über das Gesuch um Arbeitslosengeld: anspruchsberechtigt sind Personen, die in der Schweiz arbeiten und wohnen. Entscheidend ist eine vorangegangene zwölf-monatige Beitragszeit in der Schweiz oder auch in Italien. Roland Pircher vom Patronat KVW-ACLI in Mals wies darauf hin sofort nach Arbeitsende sich in die Arbeitslosenliste in Südtirol eintragen zu lassen, auch nach einem nur kurzen Arbeitsaufenthalt (z.B. ein Jahr) in der Schweiz oder in Österreich. Josef Trafoier, Sprecher der Grenzpendler, machte auf die Voraussetzungen und Konsequenzen einer Wohnsitzverle-

gung in die Schweiz aufmerksam. Er sagte, dass nur unter gewissen Voraussetzungen der Wohnsitz in die Schweiz verlegt werden kann: als Arbeiter mit dem Status Grenzpendler, als Kurzaufenthalter (saisonal), als Jahresansässiger und als sog. Niedergelassener. Wer den Wohnsitz von Italien in die Schweiz verlegt, muss sich ins AIRE-Register der Südtiroler Gemeinde eintragen lassen. Weiters muss er sich in der Schweiz selbst krankenversichern, das Auto umschreiben lassen bzw. den Pass oder etwaige Studienbeihilfen in der Schweiz beantragen. Bei Änderung des ständigen Wohnsitzes kann auch der IMU-Freibetrag nicht mehr abgezogen werden. Eine Wohnsitzverlegung birgt demnach Vor- und Nachteile, so Trafoier. Auf rechtlich-politischer Ebene gäbe es Vieles zu tun, so der Tenor bei der Veranstaltung. Es geht um den Sachverhalt „Status Grenzpendler und italienisches Steuerrecht“ sowie eine mögliche Anhebung der Steuerfreigrenze in Italien und die Angleichung von den Gesetzen Italiens mit jenen der Schweiz. Hier hofft man auf ein neues bilaterales Abkommen zwischen den beiden Ländern. Als Fortschritt in Rom bewertet der Abgeordnete Albrecht Plangger, dass der Steuerfreibetrag nun dauerhaft auf 6.700 Euro festgeschrieben wurde.

Bisher variierte dieser Betrag von Jahr zu Jahr. Ziel muss es sein, diesen Freibetrag weiter anzuheben, so Plangger. Er ist bemüht Kräfte, insbesondere im Tessin, zu bündeln und die Grenzpendler-Thematik in Rom weiter voranzubringen. Immer wieder wurde von den Betroffenen in Bezug auf die Steuerproblematik die Forderung nach „Klarheit“ laut: eine unmissverständliche Gesetzeslage auf beiden Seiten (Schweiz und Italien) und vor allem Rechtssicherheit. Erich Achmüller nahm Bezug auf das Schreiben der Agentur für Einnahmen: Demnach gelten laut italienischer Steuergesetzgebung jene Personen als Grenzpendler, die täglich pendeln, deren Wohnsitzgemeinde nicht mehr als 20 km von der Schweizer Grenze entfernt ist und die in einem der drei benachbarten Schweizer Kantone arbeiten. Abschließend präsentierten Elisabeth Spergser vom Amt für Kabinettsangelegenheiten und Andreas Tappeiner (Präsident der Bezirksgemeinschaft Vinschgau) die Verwendung der Mittel aus dem Steuerausgleich der Grenzgemeinden: Es sind dies insgesamt 338.968 Euro (Jahr 2011), welche für Baumaßnahmen und ordentliche Instandhaltungsarbeiten der Verkehrsinfrastruktur verwendet werden. > Stephan Raffeiner


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intern

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Törggelen der Südtiroler Südtiroler in Albstadt n Anfang November waren die Südtiroler von Albstadt und Umgebung zum Törggelen eingeladen. Dieser Termin zu einer lockeren und leckeren Zusammenkunft wird sehr gerne von unseren Mitgliedern angenommen.

Als die ersten Gäste gegen 17 Uhr eintrafen, waren die Vorbereitungen schon in vollem Gange. Die Tische waren herbstlichen geschmückt und eingedeckt, in der Küche waren die fleißigen Helferinnen bereits in voller Aktion. Als Peter mit den Schälrippchen und dem leckeren Kraut eintraf, und die ersten Teller mit Gerstensuppe auf den Tisch kamen, wurde die lustige Unterhaltung eine zeitlang durch eine

genießerische Stille unterbrochen. Als die Teller leer waren, ging es zum zweiten Gang mit Knödel, Kraut und Rippchen über, wo sich die meisten noch einen Nachschub holten. Für den vollgegessenen Bauch

brauchte man dann natürlich ein Verdauungsschnäpsle, bevor die gerösteten Keschtn in Angriff genommen werden konnten, welche die Männer der zweiten Generation in der Eiseskälte zubereiteten.

Zu einem Törggelen gehören natürlich auch Käse und Trauben, welche ebenfalls aufgetischt wurden. Die dritte Generation, die dieses Mal zahlreich vertreten war, hatte genügend Platz im großen Saal, wo sie sich austoben konnten, so dass die Erwachsenen sich nicht immer um sie kümmern mussten. Da Martin nie ohne seine Zieh­ orgel unterwegs ist, und diese eingestimmt war, wurde gesungen und getanzt, bis es Zeit wurde, die Heimfahrt anzutreten. Das Resümee der Anwesenden war, dass dies wieder einmal ein schönes und gemütliches Beisammensein gewesen sei. <

Weihnachtsfeier mit viel Musik Südtiroler in München n Zu ihrer Premiere ist Elisabeth Spergser zu einem aufschlussreichen Referat nach München bekommen. Sie sprach über die Entwicklungs- und Förderhilfe des Landes seit 1982.

Wohl ein Großteil der Anwesenden war überrascht, in welch stattlichem Umfang dies geschieht, egal ob in Afrika, Süd- und Lateinamerika, aber selbstverständlich auch in Europa, derzeit z.B. in Sardinien

und in den Abruzzen. Detailgetreu erläuterte die Referentin die Vorgehensweise zur Antragstellung, um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen für Infrastruktur, Ernährungsmöglichkeiten, Umweltverantwortung, vor allem aber die Armut zu bekämpfen (Hilfe zur Selbsthilfe), den Minderheitenschutz zu gewähren und für eine friedliche Konfliktlösung Sorge zu tragen. Den hochinteressanten Ausführungen schloss sich die Weihnachtsfeier mit viel Musik an.

Elisabeth Spergser (links stehend) beim Referat.

Besonders die Beiträge der „Zeller Mad'ln“ wurden mit großem Beifall bedacht. Monsignore Erwin Hausladen verband seine berührenden Weihnachtsworte mit dem Thema

Heimat im doppelten Sinn. Der Dank des Vorsitzenden Gerhard Sapelza galt sämtlichen Mitwirkenden und „Jahreshelfern“ für ihren unermüdlichen Einsatz.  > eja

Zwei Säulen des Vereins mit Gerhard Sapelza: Marianne Schmidt (links) - Leiterin des Singkreises und Helene Larcher (rechts) - Organisatorin der Wanderungen des Vereins und Mithelferin bei diversen Veranstaltungen.


H&W | Februar 2014

Nikolausfeier in Köln Südtiroler in Nordrhein-Westfalen n Selbstverständlich hat er auch dieses Jahr wieder den Weg zu den Südtirolern nach Köln gefunden – wenn auch laut eigenen Angaben erst auf Umwegen - und natürlich hatte er wieder Geschenke für die Kinder dabei. Die Rede ist – wie könnte es Anfang Dezember anders sein – vom Nikolaus.

30 Erwachsene und fünf Kinder warteten ungeduldig auf das Erscheinen des Mannes mit dem weißen Bart. Dann war es endlich soweit und die Kinder wurden für ihr Ausharren belohnt. Der Nikolaus fand lobenswerte Worte für alle, hatte aber auch einige Kleinigkeiten zu bemängeln. Hingebungsvoll und voller Achtung lauschten besonders die Kleinsten dem Mann mit der tiefen Stimme und nahmen mit leuchtenden Augen ihre Geschenke in Empfang. Bevor er dann seinen Weg fortsetzte, äußerte er sich anerkennend über die Vereinsveranstaltungen des vergangenen Jahres. Er hob die Frühlingswanderung durchs Neandertal, das Sommerfest an der Sieg und den Seniorenausflug zum Kloster Maria Laach hervor. Nicht zuletzt habe man sich aber im Himmel über die Wallfahrt nach Bruchhausen gefreut. Der Nikolaus ermahnte alle, auch weiterhin in ihren Anstrengungen nicht nachzulassen und zahlreich an den Veranstaltungen teilzunehmen. Damit danke man dem Vorstand für seine Arbeit und spreche ihm seine

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intern

Anerkennung aus. Der Nikolaus durfte schon einen Blick in die Zukunft werfen und konnte den anwesenden Mitgliedern ein attraktives Programm für das Jahr 2014 versprechen. Zum Schluss lüftete er noch ein streng gehütetes Geheimnis. Auf die Frage eines kleinen Jungen, woher der Nikolaus denn all die vielen Informationen habe, wies letzterer auf das himmlische Spähprogramm hin – mit den allseits bekannten Buchstaben: NSA – Nikolaus sieht alles. > Egon Santer

Vereinskalender 

März 2014

1. März Südtiroler im Rhein-Neckar-Raum

Kegelabend

6. März Südtiroler in Niedersachsen Südtiroler in Steyr Südtiroler in Tirol

Vortrag Hans Kammerlander Fasching-Hoangart Jahreshauptversammlung in Landeck

7. März Südtiroler in Augsburg Gesamtverband der Südtiroler in Österreich Südtiroler in Linz

Monatstreffen im Vereinsraum GVS-Jahreshauptversammlung mit Neuwahl Hoangart

8. März Arbeitsstelle „Südtiroler in der Welt“ Südtiroler in Wels

Vollversammlung Hoangart

15. März Südtiroler in Nürnberg Südtiroler in Feldkirch Südtiroler in Vorarlberg Südtiroler in Tirol

Josefifeier Jahreshauptversammlung – 40-jähriges Bestandsjubiläum Bezirk Feldkirch/Bludenz Jahreshauptversammlung in Feldkirch Jahreshauptversammlung Landesverband und Verein Innsbruck

20. März Südtiroler in Steyr Südtiroler in Hessen

Hoangart Besichtigung Druckmuseum Darmstadt - Teil 2

22. März Südtiroler in Augsburg Südtiroler in Vorarlberg Südtiroler in Dornbirn Südtiroler in Liechtenstein Südtiroler in Tirol Südtiroler in Tirol

Schmankerlküche Jahreshauptversammlung in Dornbirn Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen Vatertagsfeier im Vereinslokal Jahreshauptversammlung in Kitzbühel Gitschler-Winterwanderung in Innsbruck

23. März Südtiroler in Stuttgart Südtiroler in Albstadt Südtiroler im Engadin

Preiswatten Preiswatten in Stuttgart Schlittelplausch in Savognin

26. März Südtiroler in Stuttgart

Spielenachmittag

30. März Südtiroler in Albstadt Südtiroler in Albstadt

Familientag Generalversammlung

2. Südtirol-Treffen in den Niederlanden Samstag, den 12. April 2014 in Leidschendam – nordöstlich von Den Haag Nach dem großen Erfolg des ersten Südtiroler Treffens in Den Haag 2008 laden die „Südtiroler in der Welt“ erneut alle in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg lebenden Südtiroler herzlich zu einem Südtirolertag ein. Als bekannter Südtiroler vor Ort hat uns Cuno Tarfusser, Vizepräsident am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, seine Teilnahme zugesagt. Er wird über sich und seine Tätigkeit am Strafgerichtshof berichten. Wir freuen uns alle Südtiroler mit Angehörigen aus den Niederlanden sowie den angrenzenden Nachbarländern begrüßen zu dürfen. Information und Anmeldung bei „Südtiroler in der Welt“: Tel. 0039 0471 309176 oder suedtiroler-welt@kvw.org


Herkunft soll man wertschätzen Martin Niklas Wieser, Modedesigner in Berlin n Martin Niklas Wieser stammt aus St. Jakob in Pfitsch und ist dort auf einem alleinstehenden Hof aufgewachsen. Heute ist er der Modedesigner in Berlin. Der Beruf des Modedesigners ist für ihn knallharte Arbeit, die Spaß macht. Was hat Sie dazu bewogen ins Ausland zu gehen?

Wieser: Ich habe mit 17 ein Auslandsstipendium der Provinz für einen einjährigen Aufenthalt in Dublin, Irland erhalten. Dort habe ich dann auch zwei Jahre später die irische Matura bestanden. Was hat sie bewogen im Ausland zu bleiben? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Wieser: Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht. Vor allem mit einer anderen Sprache konfrontiert zu werden und

völlig auf mich alleine gestellt zu sein hat sehr viel von mir abverlangt, mich jedoch auch geprägt und geformt. Was hat sich in Südtirol (seit Ihrem Weggang) verändert?

Wieser: Ich denke Veränderungen in Südtirol passieren relativ schleichend, sie sickern langsam durch, was durchaus auch seine Vorteile hat. Ich denke Südtirol hat eine tiefgreifende Beziehung zu seiner Vergangenheit, seiner Tradition. Allgemein zieht ein gewisser Wohlstand in Südtirol ein, welcher das Land nachhaltig verändert. Fühlen Sie sich noch als Südtiroler?

Wieser: Ich sehe mich als Europäer, und auch Südtirol ist in seiner Dreisprachigkeit ein durchaus europäisches Model. Man sollte seine Herkunft nicht überbewerten, jedoch aber durchaus wertschätzen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft Südtirols?

Wieser: Sicherlich eine Öffnung hin zu neuen Ideen und auch politisch. Ich denke es ist wichtig in eine moderne Gesellschaft und Infrastruktur zu investieren um von einem wachsenden Europa profitieren zu können.<

steckbrief

Martin Niklas Wieser

Falls unzustellbar bitte zurück an:

Für Österreich: Gesamtverband der Südtiroler in Österreich

Für Deutschland:

Zeughausgasse 8

Verband der Südtiroler Vereine

A-6020 Innsbruck

in der Bundesrepublik Deutschland

-

geboren am 7.6.1986, Sterzing - Gemeinde Pftisch Studium Industriedesign Selbstständiger Designer in Berlin, Deutschland Ledig www.martinniklaswieser.com

c/o Caritasverband Köln

Für die Schweiz:

Stolzestraße 1a

Südtiroler Verein Zürich und Umgebung

D-50674 Köln

c/o Arthur Altstätter Auhaldenstrasse 26 CH-8427 Rorbas

Poste Italiane spa - Versand im Postabonnement - G.D. Nr. 353/2004 • Erscheint monatlich • (konv. in Ges. Nr. 46 vom 27.2.2004) Art. 1, Abs. 2, DCB Bozen

PortrÄt


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