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Regelleistungsvolumen Freie Leistungen gedeckelt, um Fallwerte zu stabilisieren

Gesundheitsprämie Unsolidarisch oder gerecht? Das Problem ist der Ausgleich

Allgemeinmedizin Zuschuss für Assistenten soll auf 3.500 Euro steigen

Ab 1. Januar 2010 Neue Vergütung für die DMP Diabetes mellitus

Arzneimittel Vereinbarung 2010 DDD-Quoten eingeführt – Richtgrößen neu berechnet

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Inhalt 1

Editorial

Schwerpunkt 2

Korrekturen an den Regelleistungsvolumen: Kontingente für die freien Leistungen

Aktuell 4

Streit zwischen Haus- und Fachärzten: Schulterschluss oder Spaltpilz

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Kliniken und Praxen setzen neue Lesegeräte ein: eGK kommt – Funktionen auf dem Prüfstand

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Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich: Berufsverbände setzen auf richtiges Codieren

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Höhere Förderung von Weiterbildungsassistenten: 3.500 Euro Zuschuss für angehende Hausärzte

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H1N1-Virus immer noch aktiv: Die Massenimpfung geht weiter

Berichte 20 Was die Gesundheitsprämie bedeutet: Unsolidarisch – aber dafür gerecht? 22 Die Bilanz fällt gut aus - Hansen und Enderer freuen sich auf die Praxis: „Jetzt sind wir einfach wieder Ärzte“ 24 500 bis 700 Ärzte täglich außerhalb der Sprechstunde im Einsatz: Über 1,3 Millionen Notfälle pro Jahr 27 KV Nordrhein war einer von gut 4.300 Ausstellern: KV-Service auf der MEDICA 28 Land fördert den hausärztlichen Nachwuchs 28 Keine Gesprächspsychotherapie auf Kassenkosten 29 SAPV-Versorgung nun auch in Aachen 29 Immer weniger und immer älter

Service 30 Alle Praxisstandorte im Internet – Nutzerfreundlichkeit verbessert: Ärzte und Psychotherapeuten online besser finden 31 Praxisbörsentag in Köln: Praxisabgeber treffen Nachfolger 32 Aktuelle Fragen und Antworten an die Serviceteams: Was ist eigentlich ein Arztfall? 33 Sammeln Sie Fortbildungspunkte online

Praxisinfo 10 BKK Bundesverband kündigt Anerkennungsvereinbarung 10 Präventionsvertrag U10/U11 neue bkk 10 Novitas BKK übernimmt Rotavirus-Impfung 10 Wahltarifvertrag BKK 11 Hautkrebs-Screening unter 35 Jahre und Prävention Kinder U10/U11 11 Neue DMP-Vergütungen ab 1. Januar 2010 11 Praxisgebühr bei Vorsorgeuntersuchungen 11 Krankentransport zum Zahnarzt 12 Endgültige Fassung ICD-10-GM 2010 und OPS Version 2010 veröffentlicht 13 Zahlungsfrist bei Versicherten der Krankenversicherung der Bahn 13 Neue Adresse der DAK für Psychotherapie-Anträge 13 KVK- und Medikamentenmißbrauch

Arzneimittelinfo 14 Arzneimittelvereinbarung 2010: Richtgrößen und neue Quoten 16 Parenterale Ernährung und Zytostatika-Zubereitungen – nur eine Rezeptur pro Rezept 16 Fehlen leider oft: Pflichtangaben auf Kassenrezepten 16 Rhinologika als Kombipräparat für Kinder wieder verordnungsfähig 17 Unding des Monats: Superstar der Abzocker 18 Neue Heilmittelrichtgrößen für 2010 vereinbart – Jetzt zählt das Eintragen von Praxisbesonderheiten


Liebe Frau Kollegin, lieber Herr Kollege, letztmalig wenden wir uns von dieser Stelle an Sie. Wir tun dies heute einmal mehr mit banger Sorge um die Zukunft der ambulanten Medizin. Ja, nicht mehr und nicht weniger steht auf dem Spiel, wenn wir, ein Hausarzt und ein Facharzt, betrachten müssen, wie der Spaltpilz sein Myzel immer weiter ausbreitet. In Ökosystemen profitiert davon der Pilz, nicht aber die Lebewesen, die von ihm befallen sind. Das ist bei der Hausarzt-Facharzt-Problematik und dem unsäglichen Spaltpilz § 73b nicht anders. Aktuell werden in Deutschland sage und schreibe 1.800 Schiedsamtsverfahren vorbereitet, die dem Hausärzteverband zu „seinen“ Verträgen verhelfen sollen. Das allein ist schon eine ungeheure Ressourcen-Verschwendung. Was haben Sie und Ihre Patienten davon, dass Tausende von Euro für Sitzungsgeld und Reisekosten rausgeschmissen werden, damit die Schiedsämter zusammentreten und tagen können? Gar nichts. Doch neben der Verschwendung beinhalten die Schiedsverfahren nach § 73b auch, dass die Ressourcenverteilung im Gesundheitswesen an der Selbstverwaltung vorbei von der Politik in die eigene Hand genommen wird. Das ist der eigentliche Sündenfall des Hausarztverbandes. Ja, aber die Kolleginnen und Kollegen, die den Verträgen beitreten werden, die werden davon etwas haben. Sagen die Funktionäre des Hausärzteverbandes. Auch dieses Versprechen wird einer Überprüfung durch die Realität nicht standhalten. Erste Erfahrungen im Süden geben einen Vorgeschmack. Durch eine abenteuerliche Bereinigungsakrobatik versuchen die beteiligten Kassen, die Finanzierung der Versprechen an die Verbands-Hausärzte hinzubekommen. Letztendlich vor allem zu Lasten aller der Kolleginnen und Kollegen, die auch weiterhin im KV-System arbeiten, Hausärzte und Fachärzte.

Die Bereinigungsproblematik verschärft die innerärztlichen Verteilungskonflikte und vertieft die Gräben zwischen den Fachgruppen und Versorgungsbereichen. Versorgungspolitisch bedeutet der § 73b einen Rückschritt. Gesamtverantwortung zu übernehmen und zu tragen, das war stets unser Leitgedanke. Das ist eine wenig spektakuläre und gleichermaßen schwierige Aufgabe in einer Zeit, in der externe Gegner mit Häme die Autoaggression in unseren Reihen beobachten und der Spaltpilz innerhalb der Ärzteschaft Nahrung suchte und fand. Nach unserer festen Überzeugung gibt es langfristig keine Alternative zum engen Schulterschluss der Ärzteschaft. Wir machen es uns zu leicht, wenn wir die Ursachen für unsere heutige Lage ausschließlich in einer verfehlten Politik suchen würden. Sie liegen auch innerhalb unserer eigenen Reihen. Jeder einzelne von uns ist aufgerufen, in unserem Versorgungsalltag wieder das kollegiale Miteinander im Interesse der Patienten zu entfalten und in den Institutionen der Selbstverwaltung die Gemeinsamkeiten zu betonen. Nur so haben wir als freiberuflich tätige niedergelassene Ärztinnen und Ärzte eine Chance. Wir jedenfalls wollen es auch weiterhin praktizieren. Ihnen und Ihren Familien wünschen wir ein gesegnetes Weihnachtsfest, Gesundheit und Erfolg im Neuen Jahr. Mit freundlichen Grüßen Ihr KV-Vorstand

Dr. Leonhard Hansen

Dr. Klaus Enderer

Editorial

KVNO aktuell 12 2009

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Korrekturen an den Regelleistungsvolumen

Kontingente für die freien Leistungen Ab dem 4. Quartal 2009 sind die freien Leistungen kontigentiert. Diese Maßnahme soll die Fallwerte stabilisieren. Im 1. Halbjahr 2009 haben die Praxen in Nordrhein viel mehr freie Leistungen abgerechnet als zuvor. Dieses Mehrabrechnen führt dazu, dass die Fallwerte für die Regelleistungsvolumen (RLV) immer weiter sinken. Denn die freien Leistungen sind Bestandteil der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, unterliegen aber nicht dem RLV. Um die Fallwerte zu stabilisieren, haben Krankenkassen und KV Nordrhein die Abrechenbarkeit der freien Leistungen im 4. Quartal 2009 beschränkt. Die Verluste der Praxen begrenzt die KV Nordrhein auf 15 Prozent. Einen Antrag müssen Ärzte und Psychotherapeuten nicht stellen.

Kontingente im 4. Quartal 2009 Die Höhe der Kontingente basiert auf dem Leistungsbedarf des 4. Quartals 2008 (wenn nötig wiederum angepasst um eine mögliche Höherbewertung im EBM 2009) bewertet mit dem 2009 geltenden Orientierungspunktwert von 3,5001 Cent. Das Ergebnis hebt die KV noch um fünf Prozent an. Die freien Leistungen zieht die KV in der für das jeweilige aktuelle Abrechnungsquartal prognostizierten Höhe ab. Die übrig bleibende Geldmenge – aufgeteilt je Arztgruppe – ergibt dann das RLV-Vergütungsvolumen. Diese Summe geteilt durch die jeweilige RLV-relevante Fallzahl ergibt den arztgruppenabhängigen Fallwert.

tendenziell den Fallwert. Unterm Strich kommt dabei natürlich nicht mehr Honorar heraus.

Kontingente bleiben 2010 Die KV Nordrhein berechnet anhand des abgerechneten Leistungsbedarfs aus dem 1. Quartal 2008 (bei entsprechenden Erhöhungen angepasst um die Höherbewertung im EBM) bewertet mit dem ab 1. Januar 2010 geltenden Orientierungspunktwert in Höhe von 3,5048 Cent die einzelnen Töpfe. Zum Beispiel den Topf für die Akupunkturleistungen des fachärztlichen Versorgungsbereiches. Die im 1. Quartal 2010 aktuell abgerechneten Leistungen je Leistungs- und Versorgungsbereich stellt die KV dem jeweiligen Topf gegenüber. Drei Fälle sind möglich: Fall 1: Werden genauso viele Leistungen wie im ersten Quartal 2009 abgerechnet, so werden die Leistungen im jeweiligen Topf mit 3,5048 Cent pro Punkt bezahlt. Fall 2: Wenn eine Arztgruppe weniger freie Leistungen erbringt als 2009, so werden diese auch mit 3,5048 Cent pro Punkt bezahlt. Fall 3: Werden mehr Leistungen abgerechnet, so erfolgt eine Vergütung mit einem Punktwert unter 3,5048 Cent. Ansonsten bleiben die Regeln zur Berechnung der RLV weitgehend wie bisher bestehen. Ohne Änderungen laufen auch die Einzelleistungen weiter, die zusätzlich zu den RLV honoriert werden. Dazu gehören zum Beispiel die Präventions-Leistungen.

Ziel: Fallwerte stabilisieren Seit dem Start der Honorarreform Anfang 2009 ist die Zahl der abgerechneten freien Leistungen und das dafür ausgezahlte Honorar stark gestiegen, und zwar um etwa 14 Prozent. Wenn nun aufgrund der Kontingentierung weniger freie Leistungen aus der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung herausgerechnet werden, stabilisiert dies

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Schwerpunkt

KVNO aktuell 12 2009

Dialysesachkosten extrabudgetär Eine Verbesserung betrifft die Dialysesachkosten. Sie wurden bisher zwar zusätzlich zum RLV, aber innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung bezahlt. Ab 1. Januar 2010 zahlen die Krankenkassen die Dialysesachkosten zusätzlich zur morbiditätsbedingten Gesamtvergütung.


Im Jahr 2009 waren dies rund 170 Millionen Euro.

Was passiert noch in 2010? Vergütung ohne Mengenbegrenzung, mehr freie Leistungen oder das Herausrechnen von Leistungen aus dem RLV – all dies führt letztlich dazu, dass die Fallwerte für die RLV in den Folgequartalen immer niedriger werden. Und dies, obwohl die Werte in den meisten Fachgruppen in Nordrhein schon auf einem erschreckend niedrigen Niveau sind. So geht es offensichtlich nicht weiter. Das Problem betrifft nicht nur das Rheinland, es wird auch auf Bundesebene diskutiert. Im Laufe des Jahres 2010 will die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine dauerhafte Lösung zur Stabilisierung der RLV finden. Wenn möglich bereits ab dem 2. Quartal.

rufsausübungsgemeinschaften gibt es das Zusatzvolumen, sobald einer der Ärzte, die dort tätig sind, über eine entsprechende Qualifikation verfügt. „Wir müssen zähneknirschend auf diese Regelung hoffen, damit die Versorgung der Kranken aufrechterhalten werden kann“, sagt Dr. Leonhard Hansen, Vorsitzender der KV Nordrhein. Diese „absurden Effekte“ habe das ehemals „rote Gesundheitsministerium“ produziert. Bis Redaktionsschluss hatte der Bewertungsausschuss noch nicht über die Zusatzvolumen entschieden. Bis 21. Dezember entscheidet im Zweifel der erweiterte Bewertungsausschuss unter Vorsitz von Prof. Jürgen Wasem als unparteiischem Vorsitzenden, mit welcher Variante der Mengenbegrenzung die Praxen bis 2012 rechnen müssen.

Renaissance der Regionen Neu: Zusatzvolumen Dies dürfte das Ende der unbegrenzt mit dem Orientierungspunktwert bezahlten freien Leistungen bedeuten. Derzeitiger Diskussionsstand ist, dass die KVen den Praxen gleichzeitig mit der Bekanntgabe der RLV auch „qualifikationsgebundene Zusatzvolumen“ (QZV) zuweisen sollen. Die KBV plant, alle Leistungen durch RLV oder QZV in der Menge mit einem Wert zu begrenzen. Die Zusatzvolumen sollen alle Ärzte erhalten, die über entsprechende Qualifikationen verfügen. In Be-

Grundlegende Änderungen an der Gesamtvergütung, der Leistungsbewertung im EBM und der Honorarverteilung sind erst ab 2012 zu erwarten. Dann sollen die Kompetenzen auf regionaler Ebene wieder stärker sein, so sieht es die Koalitionsvereinbarung vor. Konkret könnte es also wieder mehr regionale Zusatzverträge geben, mehr Spielraum bei der Höhe der Gesamtvergütung und mehr Einfluss der KV Nordrhein auf die Honorarverteilung. Ausführliche Informationen zu den Regelleistungsvolumen finden Sie im Internet unter www.kvno.de 0 91203

Kontigentierte Leistungen Die angegebenen Nummern und Kapitel beziehen sich auf den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Hausärztlicher Versorgungsbereich

n Besondere Inanspruchnahme (01100 bis 01102) n Dringende Besuche (01411, 01412, 01415) n Auswertung Langzeit-EKG als Auftragsleistung

(03241 und 04241)

n Nephrologische Leistungen des Abschnitts 4.5.4 n Leistungen des Abschnitts 30.7.1 zur Versorgung

chronisch schmerztherapeutischer Patienten

n Akupunktur des Abschnitts 30.7.3 n KO-Leistungen

Fachärztlicher Versorgungsbereich

n Besondere Inanspruchnahme (01100 bis 01102) n Dringende Besuche (01411, 01412, 01415) n Ambulante praxisklinische Betreuung und

Nachsorge (01510 bis 01531)

n Leistungen der Empfängnisregelung, Sterilisa-

n n n n n n n n n n n n n

n n n n n n

tion und im Rahmen von Schwangerschaftsabbrüchen der Abschnitte 1.7.5 bis 1.7.7 Behandlung von Naevi Flammei und Hämangiomen (10320 bis 10324) Laborkonsiliarpauschale und Laborgrundpauschale (12210 und 12225) Auswertung Langzeit-EKG als Auftragsleistung (13253, 27323) Nephrologische Leistungen des Abschnitts 13.3.6 Bronchoskopie (09315, 09316, 13662 bis 13670) Gesprächs- und Betreuungsleistungen (14220, 14222, 21216, 21220, 21222) Histologie, Zytologie (19310 bis 19312, 19331) ESWL (26330) Leistungen des Abschnitts 30.7.1 zur Versorgung chronisch schmerztherapeutischer Patienten Akupunktur des Abschnitts 30.7.3 Polysomnographie (30901) MRT-Angiographie des Abschnitts 34.7 Leistungen des Kapitels 5 EBM (mit Ausnahme des Abschnitts 5.3 im Zusammenhang mit einer Leistung nach dem Katalog zu § 115b SGB V) Sonographie (33060, 33061, 33070, 33072, 33073, 33075, 33076) durch die Gefäßchirurgen Phlebologie (30500) durch Gefäßchirurgen Chirotherapie des Abschnitts 30.2 EBM durch Orthopäden Psychosomatik (35100 und 35110) Sonographie mittels Duplex-Verfahren (33070, 33071, 33075) für Neurologen und Psychiater Leistungen der Arztgruppen, die nicht dem RLV unterliegen

Schwerpunkt

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Streit zwischen Haus- und Fachärzten

Schulterschluss oder Spaltpilz Der Paragraf 73b reiĂ&#x;t die Fronten auch in Nordrhein auf. Am Ende kĂśnnten die Kassen die lachenden Dritten sein.

Es war die letzte Vertreterversammlung unter den Vorsitzenden Dr. Leonhard Hansen und Dr. Klaus Enderer. Am 5. Juni hatten sie ihre Kßndigung eingereicht, nachdem die Mehrheit der Vertreterversammlung die Position des Fßhrungsduos in Bezug auf die Ausstattung der Praxen mit neuen Lesegeräten missbilligt hatte.

KV Nordrhein vorsaĂ&#x;. Im Zentrum stand die Analyse der Honorarentwicklung.

Einzelleistungen erfolgreich ausgeweitet

Die vom Gesetzgeber vorgegebenen maximalen Steigerungsraten seien in allen Jahren realisiert worden. Gleichzeitig habe die KV Nordrhein vieles als Einzelleistungen aus dem Budget geholt: Der Anteil der EinIn seinem Bericht zur Lage zog Hansen Bilanz Ăźber die zelleistungen an der GesamtvergĂźtung stieg von 14 auf vergangenen zehn Jahre, in denen er dem Vorstand der 33 Prozent. Daran haben laut Hansen die Disease-ManageMehr Umsatz, mehr Praxen ment-Programme (DMP) den Die Tabelle zeigt, wie sich wichtige Eckdaten in der KV Nordrhein im Zeitraum zwischen 1999 entscheidenden Anteil. und 2008 entwickelt haben. Alle Fachgruppen

54,3 Mio. Fälle 55,7 Mio. Fälle Differenz: + 1,4 Mio. Fälle + 2,60 %

2,551 Milliarden â‚Ź 3,071 Milliarden â‚Ź Differenz: + 520 Millionen â‚Ź + 20,39 %

Vergleichszahlen

3.811 Fälle/Arzt 3.376 Fälle/Arzt Differenz: - 435 Fälle - 11,41 %

Anzahl Ă„rzte

Fälle

Honorar

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Aktuell

KVNO aktuell 12 2009



178.952 â‚Ź 186.026 â‚Ź Differenz: + 7.074 â‚Ź + 3,95 %

14255 Ă„rzte 16509 Ă„rzte Differenz: + 2254 Ă„rzte + 15,81 %

Quelle: KV Nordrhein



Honorar je Arzt Fälle je Arzt

46,96 â‚Ź je Fall 55,10 â‚Ź je Fall Differenz: + 8,14 â‚Ź + 17,34 %

Honorar je Fall

„Mit den DMP haben wir Vorbildliches geleistet“, sagte Hansen. Inzwischen seien fast 380.000 Typ-2-Diabetiker in Nordrhein in das DMP eingeschrieben – das sind Ăźber 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker insgesamt. Zahlreiche Parameter belegen den Erfolg der Programme: Sinkende Blutdruckwerte, eine bessere medikamentĂśse Versorgung und ein geringerer Raucheranteil tragen dazu bei, dass DMPPatienten länger leben. Die DMP sieht Hansen als „die einzigen Innovationen der vergangenen Jahre, die diese Bezeichnung verdie-


nen“. Sie seien ohne die KVen nicht zu operationalisieren gewesen.

Paragraf 73b ist wettbewerbsfeindlich Nun aber sieht der scheidende Chef die KV bedroht. Es fehle das „klare und eindeutige Bekenntnis der Politik zum KV-System“. Der Kollektivvertrag bröckele. Die wohnortnahe und flächendeckende Versorgung lasse sich nur „mit einem wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodell“ garantieren. Vor allem durch den Paragrafen 73b (hausarztzentrierte Versorgung) habe die Politik die KVen aber vom Spielfeld auf die Tribüne verbannt. „Das ist so, als würde Brasilien bei der Fußball-Weltmeisterschaft grundsätzlich ausgeschlossen“, kritisierte Hansen. Statt die existierenden konkreten Beiträge für innovative Versorgungsansätze zu erproben, habe die Politik mit dem Paragrafen 73b ein „folgenschweres Signal“ gesetzt: „Wer am lautesten brüllt, wird am Ende belohnt“. Er verschärfe die Verteilungskonflikte in der Ärzteschaft und vertiefe die Gräben. Gegen die drohende Übermacht der Kassen gibt es nach Hansens Ansicht keine Alternative zum engen Schulterschluss der Ärzteschaft. „Aber der Paragraf 73b zerreißt die Profession“, warnte Hansen.

Front statt Schulterschluss Wie schwer der Schulterschluss zwischen Allgemeinmedizinern und Fachärzten fallen dürfte, zeigte die anschließende Diskussion in der Vertreterversammlung. „Seit zwanzig Jahren hat es das KV-System nicht geschafft, gute Bedingungen für den hausärztlichen Nachwuchs zu schaffen“, kritisierte Reiner Kötzle, der Vorsitzende des Hausarzt-Ausschusses und Mitglied des Hausärzteverbands. Bei den Opthalmologen und anderen fachärztlichen Versorgerpraxen sehe es finanziell doch nicht besser aus als bei den Hausärzten, hielt Prof. Bernd Bertram dagegen. „Wir sollten keine künstlichen Fronten aufmachen“, erklärte der Vorsitzende des Berufsverbandes der Augenärzte.

Das sah der Kölner Allgemeinmediziner Dr. Guido Marx anders: „Wir wollen eigene Wege gehen.“ Und dafür hätten die Hausärzte gute Karten. „Wir sind derzeit und in Zukunft gefragter als die Spezialisten.“ Neurologe Dr. Frank Bergmann forderte Haus- und Fachärzte zur Zusammenarbeit auf. Es gebe gute Gründe, Gemeinsamkeiten zu suchen, „auch wenn das manchmal besser in getrennten Schlafzimmern als im gemeinsamen Ehebett“ funktioniere. „Auf jeden Fall kosten aber zwei Haushalte mehr als einer“, warnte der Vorsitzende des Ausschusses Fachärzte vor dem Ansinnen des Hausärzteverbandes, eine eigene Abrechnungsstruktur aufzubauen.

Verwaltungskosten sinken Die Ausgaben der KV Nordrhein belaufen sich 2010 auf 87,8 Millionen Euro. Das ist weniger als im laufenden Jahr, sodass die Verwaltungskostensätze für die meisten Ärzte und Psychotherapeuten sinken. Wer seine Abrechnung IT-unterstützt vornimmt, zahlt 2,6 Prozent, wer nicht per Diskette abrechnet muss weiterhin 3,5 Prozent zahlen. Die niedrigsten Sätze gelten für die Online-Abrechner, die die Gesamtaufstellung auch noch digital signieren: Bei ihnen beträgt der Verwaltungskostensatz 2,4 Prozent. Den Bericht zur Lage des scheidenden Vorsitzenden Dr. Leonhard Hansen finden Sie im Internet unter www.kvno.de 0 91205

Prüfsteine für die Telematikinfrastuktur Die Vertreterversammlung beschloss, sich jetzt, da sich die elektronische Gesundheitskarte im Prüfstand befinde, konstruktiv in den Diskussionsprozess einzubringen. „Innerhalb der Vertragsärzteschaft besteht ein sehr großes Interesse an einer weiteren Vernetzung und ebenso an den Möglichkeiten der elektronischen Arztkommunikation. Alle Beteiligten streben dabei aber eine Effizienz- und Qualitätsverbesserung an. Voraussetzung für eine breite Akzeptanz bei der Einführung einer Telematikinfrastruktur innerhalb der Ärzteschaft ist besonders: n keine zentrale Datenspeicherung und kein zentralisierbarer Zugriff auf die Daten n die Freiwilligkeit der Nutzung, besonders der Online-Anbindung n eine gute Funktionalität des Systems im Praxisablauf n ein nachweisbarer medizinischer Nutzen n kalkulierbare Kosten für die Anwender“ Der Vorstand der KV Nordrhein soll Maßnahmen zur Umsetzung dieser Forderungen ergreifen. Eine Arbeitsgruppe soll die Entwicklung im Bereich der Telematik begleiten.

Aktuell

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Kliniken und Praxen setzen neue Lesegeräte ein

eGK kommt – Funktionen auf dem Prüfstand Die Bundesregierung setzt den Aufbau der Telematikinfrastruktur fort. Die elektronische Gesundheitskarte soll zunächst die Versicherten-und Notfalldaten enthalten und den elektronischen Arztbrief ermöglichen.

Kassen wollen Online-Anbindung

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) kommt. Darauf verständigte sich Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler mit KBV-Vize Dr. Carl-Heinz Müller und der Chefin des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer. Mit dem Treffen läutete Rösler die im Koalitionsvertrag angekündigte „Bestandsaufnahme“ ein.

Für die Kassen wichtig ist die Entscheidung, ob es eine Online-Anbindung der Praxen geben wird. Die Prüfung samt möglicher Adressaktualisierung online bietet für sie den Anreiz, die eGK auszugeben. Nach Angaben des Dienstes heise online müssen derzeit bundesweit 15 Millionen Krankenversichertenkarten neu produziert und verschickt werden, weil sich Name oder Anschrift von Versicherten geändert haben. Das entfiele mit der Online-Anbindung.

Versicherten- und Notfalldaten zuerst „Wir gehen den Aufbau der Telematikinfrastruktur schrittweise an“, sagte Rösler. Die eGK soll demnach zunächst nur die Versicherten- und Notfalldaten enthalten. Die weiteren „medizinischen Anwendungen“ liegen so lange auf Eis, bis praxistaugliche und sichere Lösungen gefunden seien. Das betrifft vor allem das elektronische Rezept. Den elektronische Arztbrief dagegen soll die eGK rasch ermöglichen.

„Wir brauchen schnell Klarheit. Die Ärzte und Apotheker müssen verpflichtet werden, sich online anzubinden“, forderte der Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes, Thomas Ballast. Die Vertreterversammlung der KV Nordrhein pocht dagegen auf Freiwilligkeit (s. S. 5).

Ministerium, KBV und Kassen wollen noch in diesem Jahr klären, wie der weitere Ausbau der Infrastruktur organisiert wird. Dabei dürfte es vor allem um eine effektivere Organisation der gematik gehen, der mit der Einführung der eGK betrauten Betreiberorganisation.

Wie auch immer der Streit um die Online-Anbindung ausgeht: Auf der Medica betonte Norbert Paland, im Bundesgesundheitsministerium zuständig für die Telematik, dass am laufenden Basis-Rollout festgehalten werde.

Kliniken und Praxen können eGK lesen Die große Mehrheit der Kliniken und Praxen im Rheinland verfügte Anfang November über Lesegeräte, die eGK einlesen können. Bei den Krankenhäusern dürfte der Wert bis Jahresende noch steigen. Stand: 4.11.2009

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Aktuell

Krankenhäuser

10,0 %

Humanmediziner und Psychotherapeuten

13,0 %

15,0 % 90,0 %

mit neuem Lesegerät

KVNO aktuell 12 2009

Zahnärzte

85,0 %

20,0 %

bislang noch kein neues Lesegerät

67,0 % *MKT Lesegerät

Auch die Tests für die weitergehenden Anwendungen sollten fortgesetzt werden. Die Tests mit 100.000 teilnehmenden Versicherten (sogenannte 100.000er-Tests) stehen unter anderem in Essen/Bochum an.


Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich

Berufsverbände setzen auf richtiges Codieren Das Thema Right Coding ist bei den nordrheinischen Berufsverbänden angekommen. Auf einer Veranstaltung am 4. November 2009, zu der der KV-Vorstand eingeladen hatte, einigten sie sich darauf, ihre Mitglieder über das Thema zu informieren. Dr. Leonhard Hansen, Vorsitzender der KV Nordrhein, betonte, dass es nicht um eine neue bürokratische Belastung gehe, sondern um bares Geld für die Praxen in Nordrhein. „Wir möchten, dass Sie korrekte und vollständige Angaben des Gesundheitszustandes machen“. Dadurch könne der Mittelzufluss aus dem Gesundheitsfonds gesichert und der Abfluss von rheinischen Beitragsmitteln an andere Bundesländer vermieden werden.

Diagnosen: zwei Quartale und gesichert Die Diagnose eines Patienten ist nur dann im Rahmen der Ausgleichszahlungen des Gesundheitsfonds zuschlagsfähig, wenn sie in mindestens zwei verschiedenen Quartalen eines Jahres dokumentiert wurde und die Diagnosequalifizierung „G“ (= gesichert) trägt. Die Diagnose muss in den verschiedenen Quartalen nicht immer von demselben Arzt oder Psychotherapeuten gestellt werden. Auch müssen Ärzte und Psychotherapeuten die Diagnosen nicht in aufeinander folgenden Quartalen stellen.

Auf Dauerdiagnosen achten Andere häufig gemachte Fehler seien, dass trotz chronischer Erkrankung die ICD nicht als Dauerdiagnose markiert wird und beim Patientenbesuch im nächsten Quartal verloren geht. Das komme häufig infolge eines Arztwechsels vor, warnte Hansen. Genauso fatal im Hinblick auf die Zuschläge sei die Angabe des Kennzeichens „V“ (gleich Verdacht auf) oder „Z“ (gleich Zustand nach). Zuschlag auslösend seien nur Diagnosen mit dem Qualifizierungskennzeichen „G“. „Sie haben zum Beispiel einen Patienten mit Zustand nach Herzinfarkt, der im Verlauf eine anhaltende Herzinsuffienz ohne Beschwerden entwickelt“, erläuterte Hansen. „Wenn Sie im ersten Quartal den alten Myokardinfarkt (125.2) plus der Herzinsuffizienz ohne Beschwerden (150.11) dokumentieren, im zweiten Quartal aber nur den alten Myokardinfarkt, wird auch nur dieser berücksichtigt.“ Deshalb gilt: Immer alle Dauerdiagnosen dokumentieren.

HMG*

Die Top-Ten-Zuschläge

Zuschlag

HMG043 Hämophilie HMG130 Dialysestatus HMG107

5.064,71 € 4.080,55 €

Mukoviszidose

1.840,20 €

HMG004 Myeloische Leukämie

1.491,34 €

Lungenmetastasen und Metastasen der HMG008 Verdauungsorgane 1.430,56 € Metastasen sonstiger Lokalisation, KaposiHMG009 Sarkom 1.042,20 € Transplantation eines wichtigen Organs, HMG174 Status des Empfängers 923,23 € HMG001 HIV/AIDS 879,07 € Sehr schwere Stoffwechselstörungen (HypoHMG021 pituitaritismus, alpha-1-Antitrypsinmangel, 814,67 € näher bezeichnete Sphingolipidosen) HMG067 Quadriplegie, andere ausgeprägte Lähmungen 778,62 €

* Hirarchisierte MorbiditätsGruppen HMG

%-Zuschlag **

Die Top-Ten-Diagnosen

HMG080 HMG130

Diabetes ohne oder mit nicht näher bezeichneten Komplikationen Typ I Diabetes mellitus mit neurologischen / peripheren zirkulatorischen Manifestationen Herzinsuffizienz Dialysestatus

HMG091

Hypertonie

6,26%

HMG058

Depressionen und wahnhafte Störungen Osteoarthritis der Hüfte oder des Knies, Rheumatoide Arthritis und entzündliche Bindegewebserkrankungen Chonisch obstruktive Bronchitis / Emphysem (Alter > 17 Jahre), Asthma bronchiale, Status asthmaticus (Alter < 18 Jahre) Sonstige ernste bösartige Neubildungen Nierenversagen Schizophrenie Koronare Herzkrankheit / andere chronischischämische Erkrankungen des Herzens

5,97%

HMG019 HMG020 HMG016

HMG040 HMG038 HMG109 HMG013 HMG131 HMG054 HMG084

8,21% 7,48%

4,89% 4,44% 4,10% 2,88% 2,23% 2,21%

** Anteil an den gesamten Zuschlägen

Aktuell

KVNO aktuell 12 2009

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Höhere Förderung von Weiterbildungsassistenten

3.500 Euro Zuschuss für angehende Hausärzte Ab 1. Januar 2010 sollen Hausarztpraxen deutlich höhere Zuschüsse für Weiterbildungsassistenten erhalten. Die Ausbildung würde damit attraktiver. Weiterbildungsassistenten in den Praxen niedergelassener Ärzte sollen ab 1. Januar 3.500 Euro brutto monatlich erhalten. Darauf haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Krankenkassen verständigt. Ein Vertrag ist allerdings noch nicht unterzeichnet.

Kassen und KV zahlen Die Fördersumme finanzieren Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen wie bisher zu gleichen Teilen. Gefördert werden sollen wie in der Vergangenheit alle Ärztinnen und Ärzte, die im Rahmen des Initiativprogramms zur Förderung der Allgemeinmedizin eine Weiterbildung zum Hausarzt durchlaufen. Für die Tätigkeit in unterversorgten Gebieten sind Zuschläge von 250 oder 500 Euro monatlich vorgesehen. Auch in den Krankenhäusern sollen die Förderbeträge deutlich steigen.

Hilfe für angehende Allgemeinmediziner Außerdem haben sich die Verhandlungspartner darauf geeinigt, Koordinierungsstellen zu schaffen. Deren Aufgabe soll sein, die künftigen Hausärzte bei der Planung ihrer Weiterbildung zu unterstützen, die hausärztliche Weiterbildung zu fördern und zu evaluieren. Denn während die klinische Weiterbildung meist klar strukturiert ist, standen die Assistenten mit der Planung der Weiterbildung allein da. Nun sollen die Koordinierungsstellen helfen. Im Rahmen des „Initiativprogramms zur Sicherstellung der allgemeinmedizinischen Versorgung“ fördern KVen und Krankenkassen bereits seit 1999 zu gleichen Teilen die Weiterbildung des hausärztlichen Nachwuchses in den Vertragsarztpraxen. Die Fördersumme lag bislang bei bis zu 2.040 Euro je Stelle.

50 Millionen für den Nachwuchs

Infos zur Weiterbildungs-Förderung Die finanzielle Förderung von Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin können Hausärzte bei der KV Nordrhein beantragen. Informationen dazu, ein Merkblatt und den Antrag zum Herunterladen finden Sie im Internet unter www.kvno.de Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Carmen Schooldermann Telefon 0211 5970 8165 E-Mail carmen.schooldermann@kvno.de Praxen aus dem Rheinland, die einen Assistenten suchen, können im Internet-Angebot der KV Nordrhein ihr Angebot formulieren. Umgekehrt können Assistenzärzte, die eine Weiterbildungs-Stelle suchen, eine Anzeige aufgeben. Die Inserate sind kostenfrei. Tragen Sie Ihre Daten einfach online in ein Formular ein. Ausfüllen, abschicken, fertig. 0 9120 9

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Aktuell

KVNO aktuell 12 2009

Seit 1999 fördert die KV Nordrhein durchschnittlich 419 Assistenten-Stellen. Rund 25 Millionen Euro hat die KV allein in den vergangenen zehn Jahren für die Weiterbildungsassistenten gezahlt. Dazu kommen Gelder der Kassen in gleicher Höhe; insgesamt beläuft sich die Fördersumme also auf 50 Millionen Euro. „Das war und ist eine wichtige Investition in den hausärztlichen Nachwuchs, der dringend für die künftige Versorgung gebraucht wird“, betont der Vorsitzende der KV Nordrhein, Dr. Leonhard Hansen. Die Kontingente wurden in den vergangenen Jahren bundesweit nur zu gut zwei Dritteln ausgeschöpft. Dafür ist unter anderem die Höhe der Förderung im niedergelassenen Bereich verantwortlich, die bislang erheblich unter der im Krankenhaus lag. „Aus diesem Grund war die Neuregelung dringend nötig“, so Hansen.


H1N1-Virus immer noch aktiv

Die Massenimpfung geht weiter Die Zeit knappen Impfstoffes ist vorbei. Die Massenimpfung gegen die Neue Grippe läuft weiter.

Bis Ende November sind nach Angaben des PandemrixHerstellers GlaxoSmithKline rund 9,6 Millionen Dosen an die Bundesländer ausgeliefert worden. Bis zu 4,8 Millionen Deutsche sind nach Angaben des „Spiegel“ bis dato geimpft. Derweil gibt es erste Anzeichen für ein Abklingen der H1N1-Welle. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh, teilte das Robert Koch-Institut Ende November mit.

PCR-Tests zurückhaltend einsetzen Nach wie vor gilt die Vereinbarung von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, dass Ärzte PCRTests nur bei Risikopatienten einsetzen sollten und wenn die Untersuchung ergänzend zum klinischen Befund nötig erscheint. Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten nur, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind. Außerdem muss das Laborergebnis innerhalb von 24 Stunden nach Probeentnahme und spätestens 48 Stunden nach Symptombeginn vorliegen. Bedenken Sie: Die Kosten der Tests fallen ins Honorarbudget.

Steigende Resistenz gegen Neuraminidasehemmer Ärzte sollten Tamiflu (Oseltamivir) und Relenza (Zanamivir) sehr zurückhaltend verordnen, um die Resistenzbildung der Influenzaviren nicht zu fördern. Eigendiagnosen, Unterdosierungen und die prophylaktische Gabe der Neuraminidasehemmer sollten Ärzte vermeiden. Das Arzneitelegramm weist darauf hin, dass in den USA die kursierenden saisonalen H1N1-Influenzaviren schon nahezu vollständig resistent gegen Oseltamivir sind. Tamiflu und Relenza können Ärzte zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung nur bei Vorliegen von Grippesymptomen zur Therapie verordnen. Eine prophylaktische Verordnung ist ausgeschlossen.

Formular zur Abrechnung ist da Die Abrechnung der Impfungen gegen die Neue Grippe ist ganz einfach. Bitte tragen Sie im Meldebogen Ihren Namen, Praxissitz, lebenslange Arzt- und Betriebsstättennummer und die Zahl der Impfungen je Quartal oder Monat ein, Unterschrift nicht vergessen. Geben Sie die Zahl aller Impfungen an, unabhängig davon, ob Sie Kassen- oder Privatpatienten geimpft haben. Den Meldebogen können Sie Ihrer Bezirksstelle mit der Quartalsabrechnung einreichen oder faxen.

Der Meldebogen n steht zum Herunterladen auf der Homepage der KV

Nordrhein zur Verfügung n ist via Faxabruf unter der Nummer 0211 5970 7586 für die Bezirksstelle Düsseldorf und unter 0211 5970 7587 für die Bezirksstelle Köln abrufbar n ist im KVNO-Portal im Menüpunkt „Pandemie“ eingestellt. Dort können Sie die Daten auch direkt online eintragen und per Mausklick versenden, Unterschrift ist nicht nötig.

Laumann ruft Medizin-Personal zur Impfung auf Die Impfbeteiligung des medizinischen Personals ist nach Informationen des Landesgesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalen unzureichend. Da sich die Neue Grippe weiter ausbreite, sei nicht hinnehmbar, dass Risikopatienten zusätzlichen Gefährdungen in Praxen und Kliniken ausgesetzt sind, in denen sie eigentlich Hilfe suchen, kritisiert Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Die Impfung schütze nicht nur den Geimpften selbst vor einer H1N1-Infektion, sie verhindere auch die Weitergabe der Krankheit. 0 9120 9 Mehr Informationen zur Neuen Grippe finden Sie unter www.kvno.de

Aktuell

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Praxisinfo BKK Bundesverband kündigt Anerkennungsvereinbarung Mit der Einführung des Wohnortprinzips 2002 hatten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der BKK Bundesverband eine bundesweit gültige Anerkennungsvereinbarung zur Abrechnung von regionalen Sondervereinbarungen geschlossen. Nach der bis zum 31. Dezember 2009 gültigen Vereinbarung konnten für alle BKK-Versicherten Leistungen nach den nordrheinischen Sonderverträgen erbracht und abgerechnet werden, unabhängig vom Wohnort des Versicherten. Diese Vereinbarung wurde vom BKK-Bundesverband zum Jahresende gekündigt. Die Kündigung führt dazu, dass Leistungen nach den folgenden nordrheinischen Sonderverträgen nur noch für BKK-Versicherte mit Wohnsitz in Nordrhein abrechnungsfähig sind: n Strukturvertrag Ambulantes Operieren (Zentrumsn n n n n n n n n

vertrag und § 115 b) Vereinbarung über die Durchführung des Hautkrebsscreenings unter 35 Jahre Kataraktverträge der BKK Vertrag über die Kostenerstattung bei Anfragen zur Berufsunfähigkeit durch die BKK Vertrag zur Behandlung der feuchten, altersbedingten Makuladegeneration Vereinbarung zur Behandlung von netzhaut- und glaskörperchirurgischen Eingriffen Vereinbarung über zusätzliche Präventionsangebote U10/U11 Vereinbarung über die Durchführung von Reiseschutzimpfungen Vereinbarung über die spezialisierte ambulante Palliativversorgung Vereinbarung zur sozialpsychiatrischen Auffangkonzeption

Alle übrigen nordrheinischen Sonderverträge mit den Betriebskrankenkassen sind von der Kündigung nicht betroffen. Die Leistungen dieser Verträge sind nach wie vor unabhängig vom Wohnort des Versicherten abrechnungsfähig.

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Die KBV wird mit dem GKV-Spitzenverband Verhandlungen über den Abschluss einer bundesweiten Anerkennungsvereinbarung für alle Kassenarten aufnehmen. Wir werden über das Verhandlungsergebnis in KVNO aktuell berichten.

Präventionsvertrag U10/U11 neue bkk Die neue bkk hat ihre Teilnahme an dem Präventionsvertrag U10/U11 zum 31.12.2009 gekündigt. Damit können diese Leistungen ab Januar 2010 nicht mehr zu Lasten der neue bkk abgerechnet werden.

Novitas BKK übernimmt Rotavirus-Impfung Die Novitas BKK übernimmt ab 1. Dezember 2009 die Impfung gegen Rotavirus bei Kindern und Säuglingen bis zur 26. Lebenswoche. Bitte rechnen Sie diese Schutzimpfung mit der Symbolnummer 89701 ab. Die Vergütung erfolgt außerhalb des Regelleistungsvolumens mit 7,00 Euro. Den Impfstoff verordnen Sie bitte zu Lasten der Novitas BKK auf den Namen des Patienten. Zuzahlungen zum Impfstoff und die Praxisgebühr fallen nicht an. 0 91210 Alle Krankenkassen, die zusätzliche Impfleistungen bzw. Reiseschutzimpfungen übernehmen, finden Sie unter www.kvno.de im Internet.

Wahltarifvertrag BKK Der BKK Wahltarifvertrag, an dem 14 BKKen, unter anderem die Novitas BKK, beteiligt sind, wurde noch einmal ausgeweitet. Für Anästhesieleistungen nach den GOÄNummern 450 bis 498 und für Leistungen der Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie nach den Nummern 800 bis 887 gilt der 1,8-fache Steigerungssatz. Des weiteren wurden verschiedene Sachkostenpauschalen, zum Beispiel für Porto und Versandkosten und für Sachkosten, die im Rahmen von Behandlungen und Untersuchungen anfallen, vereinbart. Weitere Informationen zu diesem Vertrag, der den Patienten dieser BKKen mit Ausnahme bestimmter Leistungen eine Privatbehandlung ermöglicht, finden Sie unter www.kvno.de im Internet.


Praxisinfo Hautkrebs-Screening unter 35 Jahre und Prävention Kinder U10/U11 Die BKK Rieker Ricosta Weisser nimmt ab sofort an der Vereinbarung der Betriebskrankenkassen zum HautkrebsScreening unter 35 Jahren und am Präventionsangebot für Kinder U10/U11 teil. 0 91211 Alle teilnehmenden BKKen finden Sie unter www.kvno.de

Neue DMP-Vergütungen ab 1. Januar 2010 Ab 1. Januar 2010 werden die Vergütungen bei den Folgedokumentationen aller Disease-Management-Programme sowie die Betreuungspauschalen in den beiden Diabetesmellitus-Typ-1/Typ-2-Verträgen angepasst. Das sollte nach dem Willen der Krankenkassen schon zu einem früheren Zeitpunkt geschehen. Die KV Nordrhein hat eine Umsetzung erst zum 1. Januar vereinbaren können. Folgende neue Regelungen greifen ab Januar 2010: n Für die Folgedokumentationen in den internistischen Disease-Management-Programmen erhalten Sie 10,00 Euro, im DMP Brustkrebs gilt dies für die Folgedokumentation, die beim Arztwechsel (Symbolnummer 90505) erstellt wird.

Die Vergütungsvereinbarung ist bis Ende 2013 festgeschrieben, wenn die deutlich gesunkene Finanzierung der Disease-Management-Programme durch den Risikostrukturausgleich unverändert bleibt. Nach wie vor bieten die DMP für die teilnehmenden Ärzte gute Honorierungsmöglichkeiten zusätzlich zu den Regelleistungsvolumen. Von daher ist die Zusage der Krankenkassen, die DMP weiterzuführen, auch aus Sicht der KV Nordrhein wichtig.

Praxisgebühr bei Vorsorgeuntersuchungen Auf Wunsch des Landesgesundheitsministeriums (MAGS) weisen wir noch einmal darauf hin, dass die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen bei Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen keine Praxisgebühr auslöst. Erst wenn daneben eine kurative Behandlung erfolgt, entsteht die Verpflichtung, die Praxisgebühr zu zahlen. Die Versicherten können von der Möglichkeit Gebrauch machen, nur Vorsorgeleistungen in Anspruch zu nehmen. Es ist vorgekommen, dass Arztpraxen Vorsorgeleistungen nur in Verbindung mit kurativen Leistungen angeboten haben, wodurch auch die Praxisgebühr fällig wurde. Bei Weigerung wurde ein Arztwechsel empfohlen.

n Im DMP Diabetes mellitus Typ 2 liegen die ärzt-

lichen Betreuungspauschalen (Symbolnummern 90321 und 90310) für teilnehmende Hausärzte und Schwerpunktpraxen künftig bei 22,50 Euro. Der Betreuungskomplex für die koordinierenden Ärzte bei Typ-1-Patienten (Symbolnummer 90310A) wird mit 27,50 Euro je Quartal honoriert. Die Vergütung der Erst- und Folgedokumentationen sowie der Betreuungspauschalen beinhaltet wie bisher eine vollständige, plausible und fristgemäße Dokumentation. Sie haben Anspruch auf die DMP-Vergütung, wenn der Patient in den drei dem Einschreibequartal folgenden Quartalen im Programm verbleibt und die Kasse keine Ausschreibung vornehmen muss, weil eine Dokumentation fehlt oder nicht an die Datenstelle gesendet wurde.

Dies widerspricht dem Recht des Versicherten, nur eine Vorsorgeleistung in Anspruch zu nehmen. Dieses Recht korrespondiert mit der Pflicht des Vertragsarztes, diese auch durchzuführen, ansonsten erfüllt er nicht seine vertragsärztlichen Pflichten.

Krankentransport zum Zahnarzt Die gesetzlichen Krankenkassen können unter bestimmten Voraussetzungen auch die Kosten für eine Krankenfahrt zum Zahnarzt übernehmen. Ärzte können den Transport zum Zahnarzt verordnen, wenn die Mobilität des Patienten massiv eingeschränkt ist, er beispielsweise unter einer schweren Gehbehinderung leidet und die Notwen-

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Praxisinfo digkeit einer Behandlung durch den Zahnarzt auch durch einen Humanmediziner beurteilt werden kann. Der Krankentransport sollte auf jeden Fall vorher von der Kasse genehmigt werden. Wenn Sie den Transportschein (Muster 4) ausstellen, sollten Sie den Patienten verpflichtend darauf hinweisen, dass die Verordnung nur gilt, wenn die Kasse der Kostenübernahme zustimmt . Generell geregelt ist die Verordnung von Krankenfahren in den Krankentransport-Richtlinien, eine spezielle Regelung für Fahrten zum Zahnarzt ist dort nicht enthalten. Voraussetzung ist immer, dass die Fahrt im Zusammenhang mit einer medizinisch notwendigen Leistung steht. Liegt ein zwingender Grund nicht vor, ist die Verordnung ausgeschlossen. Das gilt zum Beispiel für Fahrten zum Abstimmen von Terminen oder Abholen von Rezepten. Gemeinsam mit den Krankenkassen hat die KV Nordrhein eine Übersicht entworfen, um die Wahl des medizinisch notwendigen und wirtschaftlichen Transportmittels für Ihre Patienten zu erleichtern. Bitte beachten Sie: Erhebliche Kosten fallen bei Krankentransportwagen (KTW) an, bei denen während der Fahrt eine medizinisch fachliche Betreuung durchgeführt wird. Dabei reicht oftmals die Verordnung eines Liegend-Taxis/Mietwagens. Die Übersicht zur Verordnung von Krankenfahrten finden Sie im Internet 0 91212 unter www.kvno.de

Endgültige Fassung ICD-10-GM 2010 und OPS Version 2010 veröffentlicht Das DIMDI hat die endgültige Fassung der ICD-10-GM Version 2010 und die OPS Version 2010 auf seinen Internetseiten veröffentlicht. In die neue ICD-10-GM-Version flossen über 40 Vorschläge aus Fachgesellschaften und von Fachleuten aus Ärzteschaft, Krankenkassen und Kliniken ein. Dazu kamen noch einmal 100 Änderungen der Weltgesundheitsorganisation. Die wichtigsten Änderungen in der Version 2010: n Verschlüsselung für die Neue Grippe (Schweinegrippe)

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n Schlüsselnummern für Blindheit und Sehbeein-

trächtigung überarbeitet und neu geordnet, Tabelle der Sehschärfe ergänzt n Appendizitis, Crohn-Krankheit und Colitis (ulcerosa) differenzierter codierbar n Neue Schlüsselnummer für den septischen Schock n Neue Schlüsselnummer für HIV-Krankheit bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett Der Kommentar im Vorspann des Systematischen Verzeichnisses erläutert wichtige Änderungen in den einzelnen Kapiteln. Alle Änderungen im Detail sind in der Aktualisierungsliste enthalten. Das Alphabetische Verzeichnis wurde an die Änderungen im Systematischen Verzeichnis angepasst. Bei der OPS Version 2010 können viele Prozeduren mit der neuen Version präziser und differenzierter verschlüsselt werden. Diese Klassifikation ist eine Grundlage für das pauschalierende Vergütungssystem der German Diagnosis Related Groups (G-DRG). Bei der OPS Version flossen rund 220 Vorschläge sowie zusätzliche Anforderungen aus der Weiterentwicklung des Entgeltsystems für Krankenhausleistungen ein. Wichtige Änderungen im Systematischen Verzeichnis: n Neue Codes für Diagnostik und Behandlung bei psychischen und psychosomatischen Störungen und Verhaltensstörungen bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen sowie für Behandlung in Einrichtungen, die im Anwendungsbereich der PsychiatriePersonalverordnung liegen n Neue Codes für die aufwendige Pflege von Patienten n Neue Codes für die intensivmedizinische Komplexbehandlung im Kindesalter n Neue Codes für die Implantation von Stents und Gefäßprothesen n Neue Codes für die Applikation zusatzentgeltpflichtiger Medikamente n Differenziertere Codierungsmöglichkeiten im Bereich der Chemotherapie n Differenziertere Codierungsmöglichkeiten für Dialyseverfahren


Praxisinfo n Spezifische Codes für NUB-Leistungen n Die Codes für Materialkombinationen bei Reposi-

tion von Fraktur und Luxation dürfen ab der OPS Version 2010 im Geltungsbereich des § 17b KHG nicht mehr verwendet werden Der Kommentar im Vorspann des Systematischen Verzeichnisses enthält eine Zusammenfassung der wichtigsten Neuerungen. Alle Änderungen im Detail finden Sie in der Aktualisierungsliste. Das Alphabetische Verzeichnis wurde an die Änderungen im Systematischen Verzeichnis angepasst. Im Internet unter www.dimdi.de finden Sie alle Dateien zum Herunter0 91213 laden

Zahlungsfrist bei Versicherten der Krankenversicherung der Bahn Bitte achten Sie bei Mitgliedern der Krankenversicherung der Bundesbahnbeamten darauf, dass bei der Behandlung im Rahmen der Kostenerstattung die vertraglich vereinbarte Zahlungsfrist von sechs Wochen berücksichtigt wird. Private Abrechnungsstellen räumen oft nur eine Zahlungsfrist von 30 Tagen ein.

Neue Adresse der DAK für Psychotherapie-Anträge

kenversicherungsnummer 954 184 043, ungültig ist. Da diese KVK von einer unbefugten Person weiterhin missbräuchlich eingesetzt wird, bittet die Regionaldirektion darum, die Karte ggf. einzubehalten und die Regionaldirektion zu verständigen. Im Internet der KV Nordrhein unter www.kvno.de, Mitglieder/Praxisinfos, finden Sie ab sofort unsere Warnungen zu Medikamenten- und Krankenversichertenkarten-Missbräuchen. Dort werden uns bekanntgewordene Fälle umgehend eingestellt. Aktuell finden Sie dort noch zwei weitere Fälle mit der Vermutung eines Medikamenten-Missbrauchs aus dem Raum Leverkusen und Köln. 0 91213

Ansprechpartner Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 13 Uhr. Serviceteam Köln Telefon 0221 7763 6666, Telefax 0221 7763 6450 E-Mail service.koeln@kvno.de Serviceteam Düsseldorf Telefon 0211 5970 8888, Telefax 0211 5970 8889 E-Mail service.duesseldorf@kvno.de KVNO

SERVICE

Wir möchten darauf hinweisen, dass die bisherige allgemeine Poststelle der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) an der Graf-Adolf-Straße in Düsseldorf zum 31. Dezember 2009 endgültig aufgelöst wird. Bitte senden Sie Briefe und Psycho- bzw. Verhaltenstherapie-Anträge nur noch an die neue zentrale Poststelle: DAK, DigiZentrum, 45099 Essen.

KVK- und Medikamentenmißbrauch Die AOK Rheinland/Hamburg, Regionaldirektion Kreis Aachen, macht darauf aufmerksam, dass die Krankenversichertenkarte der Patientin G. V., geb. 1.02.1984, Kran-

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Wenn die Hotline der Serviceteams überlastet ist, sprechen Sie bitte die Ansprechpartner der einzelnen Abteilungen direkt an. In der Servicebroschüre der KV Nordrhein finden Sie Namen, Telefonnummern und die E-MailAdressen.

Die Servicebroschüre erhalten Sie: Bezirksstelle Köln Ralf Coutelle Telefon 0221 7763 6270, Telefax 0211 7763 6266 E-Mail ralf.coutelle@kvno.de

Praxisinfo

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Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Arzneimittelvereinbarung 2010: Richtgrößen und neue Quoten Neue Quoten kommen im nächsten Jahr auf die Praxen in Nordrhein zu. Zur Steuerung der Arzneimittelausgaben gibt es wie bisher Richtgrößen. Für die Ärztinnen und Ärzte gilt 2010 wieder: Wer die individuellen Ziele erreicht, ist von Richtgrößenprüfungen befreit. Das Ausgabenvolumen beläuft sich im kommenden Jahr auf 3,28 Milliarden Euro, das sind 4,5 Prozent mehr als im Jahr 2009. Darauf haben sich KV Nordrhein und die Krankenkassen verständigt.

Richtgrößen und Quotenregelung Die Richtgrößen wurden neu berechnet. Grundlage für die Berechnung sind die Verordnungsanteile und Fallzahlen in den einzelnen Fachgruppen aus dem Jahr 2008 und das vereinbarte Richtgrößenvolumen 2010. Änderungen in den Fachgruppen spiegeln somit das Verordnungsverhalten des Vorjahres wider, beispielsweise wenn sich die Zahl der Verordnungen verändert oder die Mitbehandlung durch andere Fachärzte die Verordnungsanteile beeinflussten. Außerdem spielt die Preisentwicklung eine Rolle. Im Generikabereich sind die Preise zum Beispiel 2008 um durchschnittlich vier Prozent zurückgegangen. Diese Ersparnisse machen sich am meisten bei den Allgemeinmedizinern und den hausärztlichen Internisten bemerkbar. Preiswertere Präparate lassen die Richtgröße sinken. Bei den Me-too-Quoten gibt es keine Änderung gegenüber 2009. Jedoch gibt es nun 17 DDD-Quotenziele. Diese haben die KV und die Kassen in Nordrhein in Anlehnung an Rahmenvorgaben der Bundesebene festgelegt. Die Anteile beziehen sich auf Standarddosen (DDD).

Leitsubstanzen Zwölf der 17 Quoten beziehen sich auf Leitsubstanzen, die in einer Arzneimittelgruppe in einem bestimmten Mindestanteil verordnet werden sollten. So sollte beispielsweise in der Gruppe der Statine der Anteil von Simvastatin bei 89 Prozent liegen. Also sollten Sie bei

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neun von zehn Patienten, die mit einem Statin behandelt werden, Simvastatin verordnen.

Höchst- und Mindestquoten Zusätzlich zu den Quoten der Leitsubstanzen gibt es drei Höchst- und zwei Mindestquoten. Die Mindestquoten für generische Antibiotika und Epoetin-Biosimilars sind schon aus der bisherigen geltenden Arzneimittelvereinbarung bekannt.Neu ist die Mindestquote für Somatropin-Biosimilars. Höchstquoten gelten für die Ezetimib-haltigen Arzneimittel Inegy und Ezetrol und für GLP-1-Analoga Exenatid (Byetta) und Liraglutid (Victoza).

Befreiung von der Richtgrößenprüfung Ärzte, die die Generika-, Me-too- und alle sie betreffenden DDD-Quoten einhalten, sind von der Richtgrößenprüfung befreit. Also auch wer mehr verordnet als die Richtgröße vorsieht, braucht keine Prüfung zu fürchten, wenn er die anderen Ziele erreicht. Andererseits droht Ärzten, die ihre Richtgröße überschreiten ein Regress, wenn sie ihre Me-too-Quote überschreiten und mindestens ein DDD-Quotenziel verfehlen. Der Honorarabzug kann in diesem Fall bis zur fünf Prozent des Honorars betragen.

Neue Praxisbesonderheiten Nach wie vor gibt es Praxisbesonderheiten, die das Überschreiten der Richtgröße rechtfertigen und bei der Richtgrößenprüfung berücksichtigt werden. Zwei neue Praxisbesonderheiten kommen 2010 hinzu: n Ziconoxid (Prialt), allerdings nur dann, wenn eine zuvor durchgeführte Opioidtherapie nicht ausreicht, oder nicht vertragen wurde. n Linezolid (Zyvoxid), nur zur Fortführung einer im Krankenhaus begonnenen Linezolid-Therapie über insgesamt maximal 28 Tage. Dabei handelt es sich um Verordnungen, die die Prüfungsstelle in dem Umfang als Praxisbesonderheit anerkennt, wie sie über den Durchschnitt einer Fachgruppe hinausgehen


Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (sogenannte Praxisbesonderheiten nach Schritt 2). Die Praxisbesonderheit Voriconazol wurde für 2010 allerdings wieder gestrichen, weil sich der Umsatz in Nordrhein überproportional im Vergleich zum Bund entwickelt hat.

Vorgaben des Bundes Die Vereinbarungen in Nordrhein orientieren sich an Rahmenvorgaben, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Krankenkassen verhandelt haben. Diese Rahmenvorgabe hat der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie kritisiert. Mit den Vereinbarungen würde in die Therapiefreiheit des Arztes eingegriffen.

Richtgrößen 2010 Arztgruppe

Richtgröße 2010AV/RV* in EURO

Allgemeinmedizin und Praktische Ärzte Anästhesiologie

AV: 46,70 RV: 127,44

Augenheilkunde

AV: 5,90 RV: 13,33

Chirurgie

AV: 7,77 RV: 13,68

Gynäkologie

AV: 19,62 RV: 55,96

HNO einschl. Phoniatrie und Pädaudiologie Haut- und Geschlechtskrankheiten Innere Medizin, hausärztlich

AV: 12,56 RV: 5,89

Innere Medizin, fachärztlicheinschl. Angiologie, Endokrinologie, Gastroentereologie, Hämatologie und Internistische Onkologie, Kardiologie, Nephrologie, Pneumologie, Rheumatologie Kinderheilkunde

AV: 271,51 RV: 340,08

MKG-Chirurgie

AV: 6,14 RV: 4,43

AV: 43,26 RV: 121,04

AV: 22,11 RV: 19,12 AV: 46,70 RV: 127,44

AV: 27,80 RV: 56,23

Nervenheilkunde(Neurologie/ AV: 132,66 RV: 150,87 Psychiatrie) Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapieeinschl. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Orthopädie einschl. orthopädi- AV: 6,33 RV: 17,22 scher Rheumatologie Urologie AV: 24,37 RV: 61,27 Quelle: KVNO

„Anstatt konstruktive Vorschläge zu machen, wie das System der sozialen Krankenversicherung auf Dauer zu finanzieren ist, versucht die pharmazeutische Industrie, die Verhandlungen auf Landesebene zu sabotieren“, weist Dr. Leonhard Hansen, Vorsitzender der KV Nordrhein, die Kritik zurück. Die KV Nordrhein verfolge weiter das Ziel, die finanzielle Verantwortung für Arzneimittelverordnungen auf Kassen und die pharmazeutische Industrie zu übertragen. Im Januar erhalten Sie eine Extra-Ausgabe von KVNO aktuell zur neuen Arzneimittelvereinbarung. Ausführliche Intormationen inklusive der Vereinbarung im Wortlaut und der aktualisierten Me-too-Liste finden Sie im Internet unter www.kvno.de 0 91215

DDD-Quoten Verordnungs: Anteil (DDD)

Arzneimittelgruppe Antibiotika: Anteil Generika ACE-Hemmer: Anteil Enalapril, Lisinopril, Ramipiril ACE-Hemmer-Diuretika-Kombinationen: Anteil Enalapril, Lisinopril, Ramipiril jeweils mit Diuretikum HMG-CoA-Reduktasehemmer: Anteil Simvastatin HMG-CoA-Reduktasehemmer plus ezetimibhaltige Arzneien: Anteil ezetimibhaltiger Arzneimittel Orale Antidiabetika: Anteil Metformin oder Sulfonylharnstoffpräparate Antidiabetika exklusive Insuline: Anteil der GLP-1-Analoga Erythropoetin: Anteil Biosimilars Selektive Betablocker: Anteil Bisoprolol, Metoprolol Alpha-Rezeptorenblocker: Anteil Tamsulosin Selektive Serotonin-Rückaufnahme­Inhibitoren: Anteil Citalopram Bisphosphonate zur Osteoporosebehandlung: Anteil Alendronsäure Nicht-steroidale Antirheumatika: Anteil Diclofenac, Ibuprofen Schleifendiuretika: Anteil Furosemid Calciumantagonisten: Anteil Amlodipin, Nitrendipin Nichtselektive Monoamin-Rückaufnahme­ hemmer: Anteil Amitriptylin Somatropinhaltige Arzneimittel: Anteil biosimilarer Somatropine

≥ 95 % ≥ 95,0 % ≥ 83,0 % ≥ 89,0 % ≤ 3,5 % ≥ 90,0 % ≤ 0,7 % ≥ 30,0 % ≥ 88,0 % ≥ 80,0 % ≥ 52,0 % ≥ 78,0 % ≥ 87,0 % ≥ 53,0 % ≥ 76,0 % ≥ 34,0 % ≥ 7,5 %

Quelle: KVNO

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Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Parenterale Ernährung und Zytostatika-Zubereitungen – nur eine Rezeptur pro Rezept Bei Verordnungen von Rezepturen wie parenteraler Ernährung oder Zytostatika-Zubereitungen darf auf einem Rezept (Muster 16) nur eine Rezeptur stehen. Nur so können die Apotheken diese Verordnungen abrechnen. Bitte beachten Sie zudem: nur die Vorderseite des Vordruckes benutzen. Nur wenn der Platz auf der Vorderseite nicht ausreicht, können Sie auch die Rückseite

mitbenutzen. Derzeit stehen auf jedem dritten Rezept mehrere Rezepturen. Die Kassen haben angekündigt, ab Januar bei Verordnungen von Zytostatika-Zubereitungen und parenteraler Ernährung zu prüfen, ob sie entsprechend der Vordruckvereinbarung ausgefüllt sind, also nicht mehr als eine Rezeptur oder Zubereitung pro Rezept enthalten.

Fehlen leider oft: Pflichtangaben auf Kassenrezepten Fehlende oder unvollständige Angaben auf Kassenrezepten (Muster 16) bemängeln die Krankenkassen immer häufiger. Sie führen zu Regressen gegenüber den Apotheken. Dies betrifft besonders handschriftliche Ergänzungen und den fehlenden Namen des verordnenden Arztes - vor allem bei Verordnungen im Krankenhaus.

nur diese kleinere Packung abgeben. Es sei denn, die handschriftliche Ergänzung wurde mit Datumsangabe gegengezeichnet.

In Gemeinschaften: Verordner kennzeichen

Handschriftliche Änderungen und Ergänzungen von Verordnungen, zum Beispiel der Bezeichnung des Arzneimittels oder der verordneten Menge, bedürfen einer erneuten Arztunterschrift mit Datumsangabe. So bestimmen es die Vordruckvereinbarung und die Arzneimittelrichtlinien.

Name, Anschrift und Berufsbezeichnung der verschreibenden Person auf dem Rezept fordert die Arzneimittelverschreibungsverordnung. Bei Gemeinschaftspraxen, medizinischen Versorgungszentren und anderen arztübergreifenden Berufsausübungsgemeinschaften muss der Name des verordnenden Arztes im Vertragsarztstempel kenntlich gemacht (unterstrichen) werden. Die aufgedruckte lebenslange Arztnummer muss dem verordnenden Arzt entsprechen.

Dies gilt streng genommen auch für Präzisierungen. Beispiel: Sie bedrucken ein Rezept mit „N3“ zur Angabe der Packungsgröße und ergänzen handschriftlich 100 Stück zur Präzisierung. Wenn bei dem Arzneimittel auch eine kleinere Packung als 100 Stück als „N3“ verfügbar ist, darf der Apotheker nach Ansicht einiger Krankenkassen

In Krankenhäusern, Universitätskliniken und Notfallambulanzen fehlt der Name des verordnenden Arztes häufig im Arztstempel. Er ist dann handschriftlich und leserlich zu ergänzen, damit die Apotheke nicht regressiert werden kann oder um eine Änderung des Rezeptes bitten muss. Denn das ist für alle Beteiligten aufwendig.

Bei Ergänzungen: Unterschrift und Datum

Rhinologika als Kombipräparat für Kinder wieder verordnungsfähig Nicht verschreibungspflichtige Rhinologika in fixer Kombination mit gefäßaktiven Stoffen können weiterhin für Kinder bis zwölf Jahren und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen von zwölf bis 18 Jahren zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden. Die Einschränkung wurde

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zum 1. November gestrichen, da für die Kombinationspräparate kein höheres Gefährdungspotenzial als für die Monopräparate zu erwarten ist. Für Erwachsene können Mittel gegen Erkältungskrankheiten weiterhin nicht zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden.


Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Unding des Monats: Superstar der Abzocker Wenn Deutschland den Superstar unter den Abzockern suchen würde, dann hätte das Pharmaunternehmen ­Novartis gute Chancen auf den Sieg. „Wer hat denn eine Abzocke aktuell laufen?“, könnte eine Jury von „Deutschland sucht den Superabzocker“ in der Kandidatenrunde fragen. Da dürfte sich der Boss von Novartis Deutschland, Dr. Dirk Kosche, mit gutem Gewissen melden. Denn was Novartis mit seiner Preispolitik für das Immunsuppressivum Certican treibt, dürfte wohl als Abzocke zu bewerten sein.

Certican: Kohle mit Krebskranken Der Wirkstofff Everolimus ist unter dem Präparate-Namen Afinitor seit 15. August 2009 mit der Indikation Nierenzellkarzinom auf dem Markt. Für 90 Tabletten à zehn Milligramm liegt der Apothekenverkaufspreis bei 14.092 Euro. Die Substanz war jedoch schon seit 2004 als Immunsuppressivum bekannt – und deutlich preiswerter. Für 900 Tabletten à ein Milligramm Certican zahlte man „nur“ 12.794 Euro. Das „Problem“ löst Novartis auf unnachahmliche Weise. Der Konzern hebt den Preis von Certican Mitte Oktober um 16 Prozent auf Afinitor-Niveau an.

Der Lucentis-Coup „Ist denn bei euch früher schon was gelaufen?“, könnte eine Jury nachhaken. „Klar“, könnte Kosche schmunzelnd entgegnen. „Zum Beispiel unser Lucentis-Coup“. Das Präparat zur Behandlung der altersbedingten feuchten Makuladegeneration (AMD) bietet der Pharma-Riese seit 2007 für rund 1.300 Euro pro Dosis an, das nach seiner Wirkung in Betracht kommende Präparat Avastin der Firma Roche kostet dagegen nur 65 Euro – ist aber für die AMD-Behandlung nicht zugelassen. Das dürfte auch so bleiben. Denn Roche gehört zu einem Drittel zur Novartis-Unternehmensgruppe. Und untereinander die Preise kaputt zu machen, das geht nicht. Andere kommt teuer zu stehen, dass Novartis die Preise für seine neuen Produkte in Deutschland praktisch frei festlegen kann. Zumal wenn der Konzern wie im Herbst 2007 Verträge angreift, die Ärzten die Möglichkeit einräumen, weiter Avastin zu verordnen. Novartis will die Verordnung des

etwa 30-mal so teuren Präparats juristisch durchdrücken. „Geile Idee“, lobt dieJury. Als „asozial“ bezeichnet der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske dagegen diese Preispolitik. Schließlich winken auch die Gerichte ab. „Bei Mehrkosten von 1,4 Milliarden Euro für die gesetzliche Krankenversicherung spielt auch deren Stabilität eine große Rolle“, so das Düsseldorfer Sozialgericht. Andere kommt teuer zu stehen, dass Novartis die Preise für seine neuen Produkte in Deutschland praktisch frei festlegen kann. Zumal wenn der Konzern wie im Herbst 2007 Verträge angreift, die Ärzten die Möglichkeit einräumen, weiter Avastin zu verordnen. Novartis will die Verordnung des etwa 30-mal so teuren Präparats juristisch durchdrücken. „Geile Idee“, lobt die Jury. Als „asozial“ bezeichnet der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske dagegen diese Preispolitik. Schließlich winken auch die Gerichte ab. „Bei Mehrkosten von 1,4 Milliarden Euro für die gesetzliche Krankenversicherung spielt auch deren Stabilität eine große Rolle“, so das Düsseldorfer Sozialgericht.

Kampf in die Praxen tragen Gestern Lucentis, heute Certican. „Und wie zockt ihr morgen ab?“, fragt die neugierige Jury. Das verrät der Konzern natürlich nicht. Doch Ruhe dürfte an der Front nicht einkehren. Das zeigt der Blick zurück. So rief Dr. Peter Maag, 2007 Deutschland-Chef des Unternehmens, laut Stern zum „Straßenkampf“ in den Praxen auf. Rund 700 Referenten, Muster in Massen, als Fortbildungen in attraktivem Umfeld getarnte Vergnügungsfahrten und gut dotierte Anwendungsbeobachtungen sollten die Blutdrucksenker Exforge und Diovan im deutschen Markt platzieren. „Ich halte das Medikament (Exforge, Anm. d. Red.) für völlig überflüssig. Der Einzige, der es braucht, ist Novartis“, zitiert der Stern Prof. Peter Sawicki, den Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Die Kritik kann Novartis egal sein. Was zählt, ist der Sieg im Marketing-Krieg. Immerhin stieg der Exforge-Umsatz durch den Feldzug um 145 Prozent. Eine Jury wäre begeistert. Novartis kommt auf jeden Fall eine Runde weiter. Und wenn sie so weitermachen, haben sie gute Aussicht einmal den Titel „Superabzocker“ zu holen.

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Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Neue Heilmittelrichtgrößen für 2010 vereinbart – Jetzt zählt das Eintragen von Praxisbesonderheiten Im kommenden Jahr stehen den Ärzten in Nordrhein 404 Millionen Euro für Heilmittel-Verordnungen zur Verfügung, genauso viel wie das Ausgabenvolumen 2009. Es soll für sämtliche Verordnungen von Physio-, Ergo-, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie und Podologie reichen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen erwarten einen leichten Anstieg der Heilmittel-Umsätze auf Bundesebene. Dennoch waren die Kassen im Rheinland nicht bereit, das Budget für Heilmittel zu erhöhen. Im Gegenteil, die Kassen wollten das Volumen erneut absenken. Das zumindest hat die KV Nordrhein verhindert.

Heilmittelrichtgrößen 2010 Arztgruppe

Versichertenart

Richtgröße

Allgemeinmedizin und Praktische Ärzte Chirurgie (einschließlich Gefäß-, Plastische, Unfallund Visceralchirurgie)  HNO (einschließlich Phoniatrie und Pädaudiologie)

AV* RV

5,03 € 17,31 €

AV RV

10,69 € 16,64 €

AV RV AV RV

4,80 € 2,47 € 5,03 € 17,31 €

Innere Medizin, fachärztlich (einschließlich Angiologie, Endokrinologie, Gastroenterologie, Hämatologie und internistische Onkologie, Kardiologie, Nephrologie, Pneumologie, Rheumatologie)

AV RV

2,44 € 4,14 €

Kinderheilkunde

AV RV

18,73 € 27,11 €

Orthopädie (einschließlich orthopädischer Rheumatologie)

AV RV

24,00 € 26,05 €

Innere Medizin, hausärztlich

*AV: Allgemeinversicherte (Mitglieder und Familienversicherte)  RV: Rentenversicherte

Für Fachgruppen, die in der Tabelle nicht aufgeführt sind, wurden keine Heilmittel-Richtgrößen vereinbart. Bei den fachärztlichen Internisten mit Schwerpunktbezeichnung Rheumatologie (früher Teilgebiet „Rheumatologie“) bleibt die Richtgröße ausgesetzt.

Im nächsten Jahr können die Ärzte in Nordrhein ihren gesetzlich versicherten Patienten Heilmittel für 404 Millionen Euro verordnen.

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Änderungen gibt es bei den Richtgrößen. Die für Chirurgen und fachärztlich tätige Internisten steigen leicht. Noch sparsamer mit Heilmittelverordnungen umgehen müssen dagegen HNO-Ärzte und Kinderärzte. Die Änderungen resultieren vor allem aus „Wanderbewegungen“ der Patienten. Diese führen zu einem veränderten Morbiditätsspektrum der Patienten in den Fachgruppen. Und daran sind die Richtgrößen angepasst worden.


Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Heilmittel-Infos der KBV Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bie-

abgerechnet werden. „Davon machen leider nur wenige Praxen Gebrauch“, berichtet Dr. Manfred Eggen, beratender Arzt der KV Nordrhein. Dabei sei dies oft eine gute Möglichkeit, ein lästiges Richtgrößenverfahren zu verhindern.

tet Heilmittelinformation im Internet an. Ärzte finden hier die wichtigsten Gesetzestexte, Verord-

Verfahren verhindern, Besonderheiten eintragen

nungsvordrucke und Gerichtsurteile. Die Internet-

In den vergangenen Jahren haben die Ärzte in Nordrhein immer weniger Praxisbesonderheiten bei Heilmitteln eingetragen. Damit riskieren sie, ohne Not in Richtgrößenverfahren zu geraten. Um das zu verhindern, hat die Prüfungsstelle die Diagnosen in Form der ICD-10-Codes geprüft, um festzustellen, ob Praxen vergessen haben, die Symbolziffern anzusetzen. Wenn dies der Fall war, hat die Prüfungsstelle dies nachgeholt und die Besonderheiten bei der Vorabprüfung berücksichtigt, also die Kosten der Heilmittelverordnungen für die Praxisbesonderheiten von der gesamten Verordnungssumme abgezogen.

plattform „Verordnete Leistungen“ deckt auch die Themen Hilfsmittel, Rehabilitation und Soziotherapie mit entsprechenden Informationen ab. Umfangreiche Linksammlungen und Infos über Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Regresse bei Heilmittelverordnungen ergänzen das Angebot.

0 91219

Das Portal finden Sie unter www.verordnete-leistungen.de

Zwei neue Praxisbesonderheiten Die Liste der Praxisbesonderheiten 2010 haben Kassen und KV um zwei Punkte verlängert: n Maßnahmen der Physikalischen Therapie ohne MLD

(Symbolnummer 90984) für die ersten drei Monate nach konservativ behandelten Rupturen und Frakturen nach den ICD-10 Codes S83.53, S83.54, S42.21 bis S42.29, S12.21 bis S12.25, S22.01 bis S22.06, S32.01 bis S32.05. n Maßnahmen der Manuellen Lymphdrainage (Sym-

bolnummer 90985) für die ersten drei Monate nach konservativ behandelten Rupturen und Frakturen nach den ICD-10 Codes S83.53, S83.54, S42.21 bis S42.29.

Diesen aufwändigen Service kann die Prüfungsstelle in Zukunft nicht mehr leisten. „Die Praxen sollten also nun penibel darauf achten, bei den entsprechenden Patienten die Symbolziffern für die Praxisbesonderheiten anzusetzen“, betont Eggen. Dadurch reduzieren Praxen das Risiko erheblich, in ein Prüfverfahren zu schlittern. Dies ist nämlich zumindest lästig – im schlimmsten Fall führt dies zu einem Regress. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn er durch das Eintragen der Symbolnummern für Praxisbesonderheiten hätte vermieden werden können. 0 91219 Eine Übersicht aller Praxisbesonderheiten können Sie über den Faxabruf unter 0211 5970 7541 abrufen. Auch im Internet unter www.kvno.de

Pharmakotherapie- und Heilmittelberatung

Bitte geben Sie bei beiden Therapien den Unfalltag auf der Verordnung an. Die Erstbehandlung muss bei einem Chirurgen oder Orthopäden erfolgen.

Pharmakotherapieberatung

Die Heilmittel-Therapien in diesen Indikationsbereichen werden als Besonderheiten aus dem Heilmittelbudget herausgerechnet. Die Symbolnummern für Praxisbesonderheiten können Sie an jedem Tag des Quartals an der Stelle des Behandlungsausweises eintragen, an dem auch die Leistungen

Bei Fragen zu Prüfung und Verfahren:

Telefon 0211 5970 8111 Telefax 0211 5970 8136 E-Mail pharma@kvno.de

Qualitätssicherung Prüfwesen Telefon 0211 5970 8396 Telefax 0211 5970 9396 E-Mail margit.karls@kvno.de

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Was die Gesundheitsprämie bedeutet

Unsolidarisch – aber dafür gerecht? Gleich mit seiner Jungfernrede provozierte Gesundheitsminister Philipp Rösler heftige Attacken der Opposition. Im Zentrum der Kritik: der von der Koalition angekündigte Einstieg in eine einkommensunabhängige Prämie zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Schon 2005 hatte eine solche Prämie im Wahlprogramm der CDU eine Debatte um Solidarität und Gerechtigkeit ausgelöst. Damals wie heute erscheint eine vorurteilsfreie Bewertung der „Prämie“ fast unmöglich. Denn das Verdikt der Kritiker: „…die Sekretärin bezahlt so viel wie der Chef!“ erweist sich in aller Regel als sozialpolitisches K.-o.-Argument. Die Frage, inwieweit der Status quo für Solidarität und Gerechtigkeit sorgt, tritt zumeist in den Hintergrund. Der Kölner Wirtschaftswissenschaftler Professor Johann Eekhoff erinnerte jüngst daran, dass die Solidarität derzeit an der Beitragsbemessungsgrenze ende. Nicht die „Reichen“, sondern die Bezieher der mittleren Einkommen tragen heute in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die Hauptlast der Solidarität. Der „Chef“ zahlt weniger, als es seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht – sofern er die GKV-Solidargemeinschaft nicht längst in Richtung private Krankenversicherung verlassen hat.

Der Status quo ist ungerecht Tatsächlich erzeugt das derzeitige Finanzierungsmodell Effekte, die gerade unter dem Aspekt der Verteilungsund Belastungsgerechtigkeit kaum zu begründen sind. Etwa die Subventionierung der „Hausfrauen-Ehe“ durch die beitragsfreie Mitversicherung oder die Vernachlässigung anderer Einkunftsarten, wie Mieten und Zinserträge, bei GKV-Pflichtmitgliedern. Daher hält zum Beispiel Prof. Jürgen Wasem von der Universität Essen-Duisburg

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Hintergrund

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eine Verlagerung des sozialen Transfers in das Steuersystem zumindest für bedenkenswert. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP heißt es zum Thema GKV-Finanzierung: „Langfristig wird das bestehende Ausgleichssystem überführt in eine Ordnung mit (…) einkommensunabhängigen Arbeitnehmerbeiträgen, die sozial ausgeglichen werden.“ Außerdem soll der Arbeitgeberbeitrag festgeschrieben werden. Details regelt eine Regierungskommission.

Prämie entlastet die Mitte Je nach Modell sehen Experten die monatliche Prämie zwischen 110 und 170 Euro. Der für den Sozialausgleich benötigte Steuerzuschuss wird auf jährlich 14 bis 35 Milliarden Euro kalkuliert. Die Prämie macht das Gesundheitswesen insgesamt weder teurer noch billiger. Dagegen gäbe es bei Steuerzahlern und Versicherten sowohl Gewinner als auch Verlierer. Die Prämie entlastet die Mitte, und zwar bereits ab ca. 1.800 Euro monatliches Bruttoeinkommen. Teurer wäre der Systemwechsel für Personen mit deutlich überdurchschnittlichen Einkommen. Ihre zusätzliche Steuerlast läge höher als die Einsparung, die sie durch die (günstigere) GKV-Prämie realisieren könnten. Da die Einkommensteuer keine Bemessungsgrenze kennt, wären insbesondere die Topverdiener die Verlierer des Systems. Auch die Geringverdiener würden zunächst zur Kasse gebeten. Denn ihre Prämie läge höher als der lohnbezo-


gene GKV-Beitrag, den sie heute entrichten. Dieser Personenkreis soll jedoch durch den Sozialausgleich gezielt entlastet werden.

Achillesferse Sozialausgleich Aber gerade der Sozialausgleich ist die Achillesferse der Prämie. Er könnte bis zu einem Drittel der Versicherten zu Transferempfängern machen. Dieser Umstand könnte eine neue Verteilungsbürokratie erfordern. Vor allem aber würde er die gesellschaftliche Akzeptanz der Prämie nachhaltig schwächen. Philipp Rösler hat dies schnell erkannt. Noch bevor die Regierungskommission berufen wurde, hat er klargestellt, dass der Transfer für die sozial Schwachen kein Almosen sein darf. Daher plädiert der Minister für „einen automatischen Sozialausgleich, den niemand extra beantragen muss“. Darüber hinaus soll auch die beitragsfreie

Ehegattenversicherung im schwarz-gelben Prämienmodell Bestand haben. Anhänger der reinen ökonomischen Lehre dürften diese Zugeständnisse als Verwässerung des Prämienmodells deuten. Für andere ist der jüngste Vorstoß des Ministers schlicht ein Ausdruck politischen Realitätssinns. Denn die Front der Prämien-Kritiker reicht weit ins eigene Lager der schwarz-gelben Koalition hinein. Der Abmachung im Koalitionsvertrag zum Trotz hat Horst Seehofer die Prämie mehrfach als „tot“ bezeichnet. Vielleicht kann Philipp Rösler sie durch seine jüngsten Äußerungen wiederbeleben. Inmitten des Schlachtenlärms für und wider die Prämie ist freilich ein ursprüngliches Anliegen ihrer Erfinder in Vergessenheit geraten: mehr Generationengerechtigkeit und der Einstieg in eine Kapitaldeckung.

Stimmen zur Prämie Stefan Romberg, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag NRW Es wird bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu Veränderungen kommen müssen, weil es notwendig ist, das System zukunftssicher zu machen. Das ist ein Problem, das in der gesetzlichen Krankenversicherung jahrzehntelang nicht angegangen worden ist, die mit dem Umlageverfahren jetzt schon auf Kosten der nachfolgenden Generationen lebt. Selbst verständlich darf es nicht zu einer übermäßigen Belastung der Bürger kommen. Es ist sehr viel gerechter, den sozialen Ausgleich über Steuern zu leisten. Denn Steuern zahlt jeder Bürger, der dazu finanziell in der Lage ist. Das heißt übrigens auch: Der Privatpatient leistet auf diese Weise einen Beitrag zum sozialen Ausgleich innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung.

Heike Gebhard, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW Einkommensunabhängige Beiträge sind bekanntlich nur für Besserverdienende interessant. Das heißt, sie sind für den jeweiligen Chef, nicht aber für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Vorteil. Diese Art von Gleichmacherei, eine solche Kopfpauschale, zerstört den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Warum ein soziales System zerstören, um ein neues, unsoziales System dann sozial ausgleichen zu müssen? Eigentlich müssten wir doch alles daransetzen, unser System so weiterzuentwickeln, dass alle Versicherten, egal ob gesetzlich oder privat versichert, den gleichen Zugang zur medizinischen Versorgung erhalten. Die von CDU/CSU und FDP unterzeichnete Vereinbarung führt nicht nur zu einer Zwei-, sondern zu einer Mehrklassenmedizin. Die Zitate stammen aus der Plenardebatte des NRW-Landtags am 4.11.2009

Hintergrund

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Die Bilanz fällt gut aus - Hansen und Enderer freuen sich auf die Praxis

„Jetzt sind wir einfach wieder Ärzte“ Zum Jahreswechsel geben der Vorstandsvorsitzende Dr. Leonhard Hansen und sein Stellvertreter, Dr. Klaus Enderer, ihr Amt ab. Wir sprachen über die Erfolge und Misserfolge in dieser Zeit – und ihre Zukunft als Ärzte in der Praxis.

Was hat sich in den gut zehn Jahren bewegt? Hansen: Mit der strukturierten Versorgung von Diabetikern waren wir im Rheinland Trendsetter. Mittlerweile ist bundesweit selbstverständlich, was wir Ende der 90er Jahre angepackt haben. Auch wenn wir uns die späteren Disease-Management-Programme in manchen Punkten anders gewünscht haben: Von der Strukturierung profitieren Ärzte, Kassen und vor allem die Patienten. Den richtigen Weg haben wir auch mit der Neuorganisation des Notdienstes eingeschlagen. Inzwischen sorgen 74 Notfall-Praxen an Kliniken dafür, dass nur die Patienten in der stationären Versorgung landen, die dort auch hingehören. Mit der guten Erreichbarkeit durch die Arztrufzentrale und der einheitlichen Rufnummer ist unser Notdienst wieder zum Aushängeschild geworden. Enderer: Mit qu.no haben wir ein eigenes Qualitätsmanagement-System entwickelt, das praxisindividuell gestaltet werden kann, schnell und kostengünstig ist. Gefördert haben wir außerdem die Qualitätszirkel. Mehr als 1.300 Zirkel gibt es zurzeit in Nordrhein, die ThemenpaDr. Leonhard Hansen, geboren am 5. Juli 1950, Anfang 1979 ließ er sich als Allgemeinarzt in Alsdorf im Kreis Aachen nieder. 1997 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der KV Nordrhein gewählt; seit 2000 ist Hansen Vorstandsvorsitzender.

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Berichte

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lette reicht von A wie Aids bis Z wie Zytologie. Moderatoren und Tutoren profitieren zudem vom Dienst eQZ im KVNO-Portal.

Als „Pillen-Rebell“ sind sie einmal in der Zeitschrift „Capital“ erschienen. Wie bewerten Sie Ihr Engagement in Sachen Arzneimittel? Hansen: Wir sind das Thema in Nordrhein zum Beispiel mit der Me-too-Liste sehr offensiv angegangen. Und uns ist jahrelang gelungen, zumindest den Anstieg der Ausgaben deutlich zu bremsen – ohne dass die Versorgung qualitativ gelitten hätte. Trotz Me-too-Liste und Richtgrößen stiegen die Umsätze in den Praxen aber nicht gewaltig. Hansen: Das ist richtig. Aber ein Umsatzanstieg seit 1999 um 520 Millionen oder rund 20 Prozent − und das während permanenter Budgetierung und Kostendämpfung − ist auch nicht als schlecht zu bezeichnen. Da gleichzeitig die Zahl der Praxen erheblich gestiegen ist, bleiben indes nur fünf Prozent mehr pro Arzt. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir von einem hohen Niveau kommen. Dr. Klaus Enderer, geboren am 4. Dezember 1941, ließ sich 1984 in Köln nieder. Seit 2005 ist der Hautarzt stellvertretender Vorsitzender der KV Nordrhein. Als die Vertreterversammlung am 5. Juni 2009 die Umsetzung des Basis-Rollouts missbilligte, kündigte das Vorstandsduo.


Die Honorarreform sollte die Umsätze ankurbeln. Sie können mit dem Ergebnis kaum glücklich sein, oder? Enderer: So ist es. Die Schlechterstellung der nordrheinischen Praxen mit extrem niedrigen Regelleistungs­ volumen im Vergleich zu anderen KVen ist die größte Niederlage. Trotz intensiver Vorstellungen in Berlin hier nichts erreicht zu haben, das hat mich im Wesentlichen zum Protest in Form der Kündigung getrieben. Ist die Honorarreform das zentrale Problem? Hansen: Nein, das ist die politische Ebene. Der Weg in die Staatsmedizin mit dem Gesundheitsfonds und dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich führt zu immer mehr Bürokratie. Dies raubt unsere Motivation. Außerdem fehlt eine klare Wettbewerbsordnung. Das ist desaströs. Woran liegt das? Hansen: An der Erpressbarkeit der Politik. Der Paragraf 73b ist ein Kniefall vor dem Druck, den Hoppenthallers Hausärzte in Bayern ausgeübt haben. Und gleichzeitig ist es der Verrat am Kollektivvertrag. Denn wie soll die KV die Versorgung sicherstellen, wenn ihr die materielle Grundlage dafür entzogen wird? Die Folgen könnten fatal sein. Schließlich haben die KVen seit über 50 Jahren mit der Sicherstellung einer frei zugänglichen medizinischen Versorgung maßgeblich zum sozialen Frieden beigetragen. Der Hausärzteverband sagt, man brauche die Verträge, um endlich das Honorar der Hausärzte richtig zu steigern. Hansen: Das ist einfach nicht richtig. Wir, das heißt der Hausärzteverband und die KV zusammen, hätten in Nordrhein opulente Add-on-Verträge abschließen können. Das aber wollte der Bundesvorstand des Verbandes nicht. Der opfert die ärztliche Solidarität auf dem Altar der Verbandsinteressen. Diese Zerrissenheit schwächt die ganze Profession. Wenn Sie den Vorstandssessel räumen, glauben Sie, ein gut bestelltes Haus zu hinterlassen?

Enderer: Absolut. Wir haben die Effizienz der Verwaltung im vergangenen Jahrzehnt extrem erhöht. Denken Sie nur an die Organisationsreform, in deren Zusammenhang wir sieben Bezirksstellen auf zwei konzentriert haben. Und das lief reibungslos. Die Zahl der Mitarbeiter ist von über 1.000 auf 850 Mitarbeiter gesunken – trotz einer deutlich gestiegenen Zahl von Praxen und ständig wachsender Aufgaben. Die Qualität stimmt trotzdem. Als erste und bislang einzige KV haben wir alle Bereiche unserer Organisation zertifiziert. Aber auch wenn der Laden noch so gut läuft: Derzeit fehlt das klare Bekenntnis der Politik zum KV-System. Der Kollektivvertrag ist unsere Geschäftsgrundlage.

Meinen Sie, der bleibt erhalten? Hansen: Davon gehe ich aus. Denn wenn die Politik das Versorgungsniveau erhalten will, dann wird das ohne KV nicht gehen. Wer sonst sollte den Notdienst organisieren, die Qualität prüfen und die Sicherstellung in der Fläche gewährleisten? Schließlich lässt sich die Abrechnung – übrigens auch von Selektivverträgen – aus einer Hand einfach günstiger abwickeln als wenn sieben verschiedene Stellen das übernehmen. Mal ganz abgesehen von der Bürokratie, die das zusätzlich verursachen würde. Geben Sie alle Ämter zum Jahreswechsel ab? Hansen: Nein. Ich bleibe zum Beispiel im Gemeinsamen Bundesausschuss aktiv. Da arbeite ich weiter im Ausschuss Arzneimittel. Aber mehr als ein paar Stunden pro Woche bin ich berufspolitisch nicht aktiv. Das ist nach etlichen Jahren mit 70-Stunden-Wochen tatsächlich nur ein Nebenjob. Haben Sie Angst, nach zehn Jahren als Funktionär in die Praxis zurückzugehen? Hansen: Nein, im Gegenteil. Ich freue mich sehr. Ich war ja auch nie ganz raus, habe immer, wenn es ging, mal ein paar Stunden in der Praxis gearbeitet. Erstens, weil ich gerne Arzt bin und zweitens, weil ich als Vorstand nicht wie ein Blinder von der Farbe reden wollte. Aber ab dem kommenden Jahr bin ich wieder richtig aktiv. Mit Hausbesuchen und allem was dazugehört.

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500 bis 700 Ärzte täglich außerhalb der Sprechstunde im Einsatz

Über 1,3 Millionen Notfälle pro Jahr Die ambulante Versorgung findet rund um die Uhr statt. In Nordrhein klappt das gut. Vor ein paar Jahren noch war der Notfalldienst ein Sorgenkind. Im Rahmen eines Projekts haben Mitarbeiter der KV Nordrhein mit notdiensterfahrenen Ärztinnen und Ärzten ab 1999 Maßnahmen erarbeitet, um die Erreichbarkeit, die Organisation des Fahrdienstes und Vertretungen zu verbessern.

200.000 Fahrten im Notdienst

Ein weiteres Ziel der Gruppe: Die Trampelpfade ins Krankenhaus sperren. Dies sollte vor allem mit Hilfe zentraler Notdienstpraxen gelingen, also festen Anlaufstellen, die oft direkt am Krankenhaus angesiedelt den Marsch in den stationären Bereich verhindern. Zum Nutzen von Niedergelassenen, Kliniken und Patienten.

Die Behandlung außerhalb der Sprechstundenzeiten leisten täglich 500 Ärztinnen und Ärzte. Am Wochenende und an Feiertagen sind es sogar 700.

Etwa 200.000 Patienten verwiesen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arztrufzentrale an die Notfallpraxen oder die Ärzte, die den Notdienst von ihrer Praxis aus durchführen. Rund 200.000 Einsatzaufträge gingen direkt an den Fahrdienst.

Ein weiterer Baustein der Notfallversorgung

e Qu

Ein weiterer wichtiger Baustein der Notfallversorgung ist die Arztrufzentrale. Sie hat 2003 zunächst nur für 82 zentrale Notfallpraxen den Bereich Düsseldorf den Betrieb aufgenommen. Inzwischen gibt es 82 Notfalldienstpraxen im Rheinland, In den vergangenen zwölf Monaten vermittelte sie 74 davon befinden sich an 700.000 Patientinnen 1,3 Millionen Notdienst-Fälle Krankenhäusern. Ausschließund Patienten an den Im Jahr 2008 rechneten die Ärzte in Nordrhein lich für die Versorgung von organisierten Notfall1,3 Millionen Behandlungsfälle im Notdienst ab. Kindern und Jugendlichen dienst. In der Arzt3. Quartal 2 9 stehen 19 Notfalldienstrufzentrale sind rund 008 uartal 200 Q . 2 praxen zur Verfügung. 140 Mitarbeite341.183 278.231 21% Eine Notfalldienstrinnen und Mit26% praxis in Wuppertal arbeiter wech26% 27% betreut nur HNOselnd im Ein358.678 359.145 Notfälle. satz. lle :

KV NO

Die Patienten neh1 . Qu artal 2009 men den Notfalldienst in Nordrhein gut an. Im vergangenen Jahr haben die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mehr als 1,3 Millionen Patientinnen und Patienten nachts, feiertags und am Wochenende versorgt.

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„Wir wollen unsere Arbeit ständig verbessern“, kündigt Jutta Fundel, Geschäftsführerin der KV Nordrhein Notdienst und Bürgerberatungs GmbH an. Deswegen werden im kommenden Jahr Ärzte stichprobenartig kurz telefo-

l 20 4. Quarta


nisch befragt, ob und wie Abläufe mit der Arztrufzentrale verbessert werden könnten.

Alle Jahre wieder: Ansturm an Weihnachten Mehr als 100.000 Notfälle haben die niedergelassenen Ärzte in Nordrhein zwischen dem 24. Dezember 2008 und dem 1. Januar 2009 behandelt. Einen ähnlichen Ansturm erwartet Fundel auch in diesem Jahr: „Die Telefone in der Arztrufzentrale in Duisburg dürften keinen Augenblick stillstehen.“ Und in einigen zentralen Notdienstpraxen im Rheinland müssen die Patienten teilweise längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Angesichts des großen Patienten-Andrangs ist besonders ärgerlich, wenn Ärzte nicht zum Dienst erscheinen, ohne sich bei der Kreisstelle abgemeldet zu haben. „Wir mussten unendlich herumtelefonieren, um irgendwie Er-

satz zu beschaffen“, berichtet Dorith Schindler, die Geschäftsführerin der Notfallpraxis Düsseldorf. Die Ärzte in den Notfallpraxen dürfen die Patienten nur außerhalb der Sprechstundenzeiten behandeln. „Die Kollegen sollten einen Vertreter organisieren, wenn sie die Praxis schließen – besonders an Brückentagen, um Weihnachten und Ostern“, sagt Dr. Carsten König, Vorsitzender des Vereins „Notdienst Düsseldorfer Ärzte“. Die Arztrufzentrale ist über die Weihnachtsfeiertage bis ins neue Jahr während der Zeiten des organisierten Notfalldienstes zu erreichen. Am Montag, den 28. und am Dienstag, den 29. Dezember nimmt die Arztrufzentrale also erst um 18 Uhr ihren Dienst auf, am Mittwoch, den 30. Dezember bereits um 12 Uhr. Die Arztrufzentrale ist für Patientinnen und Patienten unter der Rufnummer 0180 50 44 100 (14 Cent/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk kann abweichen) zu erreichen.

Einsätze im Sitz- und Fahrdienst Die Tabelle zeigt die Einsätze im Sitz- und Fahrdienst, die die Arztrufzentrale in den vergangenen zwölf Monaten vermittelt hat. 35.000

Hausbesuch

Praxisbehandlung

Vermittlung*

30.000

25.000

20.000

15.000

10.000

5.000

0

Nov.08

Dez.08

Jan.09

Feb.09

Mär.09

Apr.09

Mai.09

Jun.09

*Vermittlung von Telefonnummern diensthabender Ärtzinnen und Ärzte

Jul.09

Aug.09

Sep.09

Okt.09

Quelle: KVNO

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Die Notdienst-Macher Dorith Schindler, Geschäftsführerin der Notfallpraxis Düsseldorf Hinter den Kulissen der zentralen Notfallpraxis in Düsseldorf hält Dorith Schindler die Fäden in der Hand. Über 50 Medizinische Fachangestellte (darunter zehn Vollzeitkräfte) koordiniert die Geschäftsführerin der Praxis, sorgt dafür, dass an den Wochenenden stets acht, wochentags vier Helferinnen die Ärztinnen und Ärzte unterstützen. Defekte EKG-Geräte, fehlende Verbände, Ärzte, die nicht zum Dienst erscheinen – um all die kleinen Katastrophen kümmert sich Schindler seit nunmehr 17 Jahren. „Auf dem Handy bin ich im Notfall immer erreichbar“, versichert die Düsseldorferin. Wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit: die Kostenkontrolle. „Die Abgaben der Ärzte müssen reichen, um den Betrieb zu organisieren.“ Der Betrieb, das sind knapp 90.000 Notfall-Behandlungen pro Jahr. Und der funktioniert gut.

Ronald Grüner, Notdienstkoordinator in Moers Ronald Grüner ist von zentralen Notfalldienstpraxen wie der am Krankenhaus Bethanien in Moers überzeugt. „Sie bieten einen Vorteil für alle Seiten“, sagt der Allgemeinmediziner. Als bekannte Anlaufstelle verhindern sie, dass Patienten außerhalb der Sprechstundenzeiten in die Krankenhäuser „abwandern“. Außerdem bringen sie wirtschaftliche Vorteile: Sie sorgen für höhere Fallzahlen und Umsätze, verringern die Dienstfrequenz und die Zahl der Fahrten, weil die zentralen Praxen länger geöffnet sind. „Es ist auch leichter, einen Vertreter zu finden“,

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betont Grüner. Denn die Dienste sind lukrativ und fänden in den vorbereiteten Räumen der zentralen Notfallpraxis statt. Für Grüner auch sehr wichtig: „Der Notdienst ist unsere Visitenkarte – und zentralisiert ist der Service für die Patienten einfach besser.“

Miriam Strauch, Disponentin in der Arztrufzentrale Zurzeit klingelt das Telefon in der nordrheinweiten Arztrufzentrale in Duisburg pausenlos. „Im Winter ist ein hohes Anrufaufkommen die Normalität – und jetzt kommt noch die Schweinegrippe dazu“, berichtet Strauch. Bis zu 30 Kolleginnen und Kollegen pro Schicht nehmen die Anrufe der Patienten aus ganz Nordrhein entgegen. Die Disponenten wie Strauch sind für die Bereitmeldung der diensthabenden Ärzte zuständig, vermitteln Hausbesuche an die Ärzte im Fahrdienst und stehen in Kontakt mit den Ärzten, die den Sitzdienst von ihrer eigenen Praxis aus verrichten. Sie geben Strauch durch, wann die Patienten direkt in die Praxis kommen können und wann sie unterwegs sind. „Das klappt reibungslos“, so Strauch. Den Job macht die 29-Jährige gern: „Es ist ein interessantes und abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld, und ich habe das Gefühl, helfen zu können.“


KV Nordrhein war einer von gut 4.300 Ausstellern

KV-Service auf der MEDICA Die MEDICA in Düsseldorf lockte dieses Jahr 138.000 Besucher, darunter auch Tausende niedergelassene Ärzte. Die konnten sich nicht nur über neue Medizintechnik informieren, sondern auch über Angebote der KV Nordrhein. Gut 400 Ärzte und Psychotherapeuten besuchten an den vier Messetagen den Stand der Halle 16, den sich die KV Nordrhein mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) teilte. „Viele Ärzte haben die Gelegenheit genutzt und sich aktuelle Infos samt Meldebogen zur Abrechnung der Impfungen gegen die Neue Grippe geholt“, berichtet Ulrike Giese vom Serviceteam der KV Nordrhein.

Claudia Pintaric (r.) und Jörg Husemann (l.) präsentierten das KVNO-Portal.

anstaltungsdaten online zu pflegen. Für die QZ-Teilnehmer gibt es eine Seite, auf der der Moderator wichtige Informationen bereitstellen kann, zum Beispiel neue Veranstaltungstermine, Kontaktdaten oder Literatur.

Stefan Kapferer, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (zweiter v. l.), und Bernd Zimmer (dritter v. l.), Vize-Präsident der Ärztekammer Nordrhein, informierten sich über die Online-Abrechnung.

Auf großes Interesse trafen auch der Heilberufeausweis und die Online-Abrechnung. „Fragen zu den Lesegeräten und der Software standen im Mittelpunkt“, sagt Heike Leuschner von der Abteilung IT in der Arztpraxis. Beim KVNO-Portal interessierten sich die Besucher vor allem für den Dienst „elektronische Qualitätszirkel“ (eQZ). Er ermöglicht zum Beispiel den Moderatoren, ihre Ver-

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellte unter anderem die Online-Arztbibliothek vor.

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Land fördert den hausärztlichen Nachwuchs Die Frist für die bereits im Juni angekündigte finanzielle Förderung hausärztlicher Niederlassungen und der hausärztlichen Weiterbildung in 107 Kommunen des Landes Nordrhein-Westfalen war leider sehr kurz. Das Antragsverfahren lief lediglich vom 30. November bis zum 15. Dezember 2009. Doch auch danach ist laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann „eine gestaffelte Förderung“ möglich. Die maximale Fördersumme beträgt 50.000 Euro. Antragsberechtigt sind Hausärzte, die in einer der vom Land benannten 107 Kommunen eine Praxis gründen oder übernehmen wollen. Dabei handelt es sich um Städte und Gemeinden, in denen in den kommenden Jah-

ren ein Mangel an Hausärzten zu erwarten ist. Dort ist auch die Gründung von Zweigpraxen förderfähig. Darüber hinaus fördert das Land die Stellen hausärztlicher Weiterbildungs-Assistenten mit bis zu 2.000 Euro monatlich – zusätzlich zur Förderung von Krankenkassen und KV Nordrhein. Die KV Nordrhein begrüßt die Förderinitiative der Landesregierung. „Ich hoffe, dass viele künftige Kolleginnen und Kollegen von der Förderung profitieren und trotz der knapp bemessenen Frist davon Gebrauch machen“, sagt Dr. Leonhard Hansen, Vorsitzender der KV Nordrhein. Sämtliche Antragsunterlagen und Informationen zum Verfahren sind im Internet abrufbar unter www.hausarzt.nrw.de. 0 91228

Keine Gesprächspsychotherapie auf Kassenkosten Die Gesprächspsychotherapie wird es auch künftig nicht als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geben. Nach einem letztinstanzlichen Urteil des Bundessozialgerichts muss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Gesprächspsychotherapie nicht in seine Psychotherapie-Richtlinie aufnehmen. Als „besonnen und ausgewogen (...) im Interesse der Versichertengemeinschaft lobte der Vorsitzende des G-BA, Dr Rainer Hess, die Entscheidung der Kasseler Richter. Ein anders lautendes Urteil hätte zu einem grundlegenden Umbruch der psychotherapeutischen Versorgung führen können. Dem G-BA zufolge ist eine breite Versorgungsrelevanz ein wesentliches Kriterium für die umfassende Aufnahme eines Psychotherapieverfahrens in den GKV-Leistungskatalog. „Diese konnte für die Gesprächspsychotherapie bislang nicht anhand wissenschaftlicher Belege nachgewiesen werden“, so Hess. Das Bundessozialgericht verweigerte mit seinem Urteil einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeu-

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In Kürze

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ten die Eintragung ins Arztregister. „Therapeuten, die nur für die Gesprächspsychotherapie qualifiziert sind und deshalb die Mehrzahl der Patienten nicht adäquat versorgen können, müssen nicht zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen werden“, erklärten die Richter. In einem zweiten Fall wiesen sie das Begehren einer bereits zugelassenen Psychotherapeutin ab, auch gesprächspsychotherapeutische Behandlungen abrechnen zu können. (Az. B 6 KA 45/08 und B 6 KA 11/09 R). In der Urteilsbegründung verwies der Vertragsarztsenat des BSG aber auch auf mögliche Ausnahmen hin: Der Ausschluss der Gesprächspsychotherapeuten von der Regelversorgung berühre nicht den Anspruch der Versicherten auf eine geeignete und wirtschaftliche Behandlung. Wenn sich die Behandlungsmethode im Einzelfall als besonders geeignete und gleichzeitig wirtschaftliche erweise, könnten sich Versicherte „nach vorheriger Anfrage an die Krankenkasse“ die Kosten erstatten lassen. Generell GKV-Leistung sind die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die analytische Psychotherapie und die Verhaltenstherapie.


SAPV-Versorgung nun auch in Aachen Aachen ist die dritte Region im Rheinland, in der ein Vertrag über die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) geschlossen worden. Pioniere bei der SAPV sind Mettmann und Düren (wir berichteten). Schwerstkranke und sterbenden Menschen können hier künftig auf ihren Wunsch zu Hause umfassend medizinisch und pflegerisch versorgt werden, bei Bedarf rund um die Uhr. Ziel ist, den Weg ins Krankenhaus oder in ein Hospiz oder das Sterben im Altenheim zugunsten des letzten Lebensabschnittes in der gewohnten häuslichen Umgebung zu vermeiden. Den Vertrag haben alle gesetzlichen Krankenkassen mit Ärzten, Pflegefachkräften und weiteren Beteiligten vor Ort geschlossen. Beteiligt ist auch die KV Nordrhein. Das Versorgungsgebiet des Palliative Care Teams erstreckt sich auf die Städteregion Aachen. Dazu gehören: Stadtgebiet Aachen, Herzogenrath/Kohlscheid, Würse-

len, Alsdorf, Baesweiler, Stolberg, Eschweiler/Weisweiler und Röttgen. Darüber hinaus ist das Team auch in den grenznahen Gebieten Belgiens und der Niederlande tätig. Hierbei erstreckt sich das Betreuungsgebiet insbesondere auf die Gemeinden Raeren/Hergenrath/Eupen/Kelmis in Belgien sowie Vaals und Kerkrade in den Niederlanden. In diesen Bereichen leben rund 30 000 deutschsprachige Bürger. Für die Versorgung steht in der Städteregion Aachen das Palliative Care Team „Home Care Städteregion Aachen“ bereit. Gegründet im Oktober 2003 als palliativmedizinisches Projekt, geht es auf eine Initiative niedergelassener Aachener Onkologen zurück. Das Team besteht aus elf qualifizierten Palliativ-Ärzten und rund 25 qualifizierten Palliativ-Pflegefachkräften; sie decken im Versorgungsgebiet eine Einwohnerzahl von etwa 500 000 Menschen ab. Mehr Informationen zur SAPV finden Sie unter www.kvno.de

0 91228

Immer weniger und immer älter Deutschlands Bevölkerung nimmt ab, die Einwohner werden älter, und es werden noch weniger Kinder geboren als heute. Diese Voraussage hat das Statistische Bundesamt gemacht. Seit 2003 geht die Zahl der Einwohner zurück. Diese Entwicklung wird sich nach Ansicht der Statistiker fortsetzen – und sogar verstärken.

Von je 100 Einwohnern sind*

Zahl der Einwohner in Deutschland in Millionen 1960 1950

1980 1970

2000 1990

2020 2010

2008

2040 2030

2060

2060 2050

85 Mio.

61

Prognose 1

50

80 Mio.

34

75 Mio.

Prognose 2 70 Mio.

70,12 Mio. 64,65 Mio.

65 Mio.

Annahme Prognose

1

jährliche Zuwanderung von 200 000 Personen; Geburtenrate annähernd konstant

Annahme Prognose

2

jährliche Zuwanderung von 100 000 Personen; Geburtenrate annähernd konstant

Quelle: Stat. Bundesamt

Ende 2008 lebten 82 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, 2060 werden es zwischen 65 Millionen und 70 Millionen sein. Ist heute

19

20

16

unter 20 Jahren

20 bis unter 65 Jahren

*nach Prognose 2

65 Jahre und älter

© Globus

3183

jeder fünfte Deutsche 65 Jahre und älter, wird es 2060 jeder dritte sein.

In Kürze

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Alle Praxisstandorte im Internet – Nutzerfreundlichkeit verbessert

Ärzte und Psychotherapeuten online besser finden Die Arzt- und Psychotherapeutensuche der KV Nordrhein im Internet greift auf eine neue Datenbank zu. Die Suche wurde verbessert, und User finden mehr Informationen. Aufgrund der erweiterten Möglichkeiten des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes (zum Beispiel mehrere Praxisstandorte) musste die KV nicht nur die Datenbank des Arztregisters überarbeiten, sondern auch die Onlinesuche, die auf diese Daten zugreift.

4,5 Millionen Suchen pro Jahr Das Online-Arztverzeichnis der KV Nordrhein registriert im Schnitt rund 12.500 Zugriffe pro Tag. Das sind 380.000 Klicks pro Monat, mehr als 4,5 Millionen Suchen pro Jahr. In der Datenbank sind die mehr als 18.000 Kassenärzte, Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aufgeführt, die in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln praktizieren. Interessenten können nach verschiedenen Merkmalen wie Nachname, Ort oder Fachgebiet suchen, um eine bestimmte Ärztin oder einen Psychotherapeuten zu finden. Wer möchte, kann auch das Geschlecht als Auswahlkriterium verwenden. Außer zu ärztlichen und psychotherapeutischen Qualifikationen gibt es Auskünfte über Sprechzeiten und natürlich Anschrift und Telefonnummer der Praxis. Auch Fremdsprachen-Kenntnisse, die auf Selbstauskünften beruhen, sind aufgeführt. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise ein Augenarzt finden, der Chinesisch spricht. Die Palette reicht von Albanisch über Hebräisch und Persisch bis Vietnamesisch. Nach Praxen, die für gehbehinderte Patienten und Rollstuhlfahrer zugänglich sind, kann ebenso gesucht werden wie nach Ärzten, die die Gebärdensprache beherrschen. Wer nicht weiß, wie er zur ausgewählten Praxis gelangt, hat die Möglichkeit, die Fahrplanauskunft des Verkehrsverbundes RheinRuhr oder für die Anfahrt mit dem Auto einen Routenplaner zu benutzen.

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Service

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In der neuen Suche besteht die Möglichkeit, alle Praxisstandorte einschließlich Zweigpraxen, weiteren Betriebsstätten, OP- und Dialyse-Zentren zu finden. Auch überörtliche Praxisgemeinschaften stellt die Arzt- und Psychotherapeutensuche nun dar. Außerdem ist möglich, die Teilnehmer an der Palliativversorgung in Nordrhein zu finden. Die Auswahlfelder von Fachgebiet und Zusatzbezeichnung sind im Grunde wie zuvor, nur redaktionell und grafisch überarbeitet.

Schneller zum Ergebnis Was viele User wünschten, geht nun: Die Suche können sie per Druck auf die Enter- oder Returntaste auslösen. Der lästige Klick auf den Knopf „Suche“ entfällt. Außerdem bleibt nach einer Suche das Suchformular mit allen eingetragenen Suchparametern unter den Ergebnissen erhalten. Bei einem unbefriedigenden Ergebnis kann man die Suche sofort verändern, ohne alle Daten noch einmal eingeben zu müssen.

Prüfen Sie Ihre Daten Durch die Migration in die neue Datenbank kann es vorkommen, dass einige Datensätze fehlerhaft sind. Deshalb bitten wir Sie um ihre Mitarbeit. Prüfen Sie ihre Daten in der neuen Onlinesuche. Kontrollieren Sie bitte auch, ob die Sprechzeiten noch stimmen. Sollten Fehler auffallen, so melden Sie diese bitte mit dem Online-Formular, das Sie auf der KV-Homepage finden, über das KVNO-Portal oder mit einer kurzen E-Mail an Ihr Arztregister in Köln oder Düsseldorf. 0 91230 Die Arzt- und Psychotherapeutensuche finden Sie unter www.kvno.de


Praxisbörsentag in Köln

Praxisabgeber treffen Nachfolger Zwei Praxisbörsentage gab es bereits in Düsseldorf. Der dritte fand in Köln statt. Auch hier war der Andrang groß. Rund 250 Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten kamen am Samstag, 7. November, in die Bezirksstelle Köln, um sich über Wege zur Niederlassung, die Praxisabgabe und -übernahme zu informieren.

Über 180 Inserate

Auf der Suche nach Praxisnachfolgern und -partnern einerseits, nach einem Sitz oder einer Anstellung andererseits, zog es viele Besucherinnen und Besucher zu den Pinnwänden. Dort hatten sie die Gelegenheit, Biete- oder Suche-Inserate aufzuhängen. Mehr als 180 zählten die Veranstalter an diesem Tag. Und bei mehr als der Hälfte trug sich an diesem Tag jemand zwecks Kontaktaufnahme ein. Nicht selten kam es auch direkt zum persönlichen Kontakt, bis hin zur Übergabe von Bewerbungsunterlagen. „Das freut uns natürlich besonders“, sagt Frank Bausch, Geschäftsführer der KV Nordrhein Consult. Inzwischen haben die ersten beiden Praxisbörsentage tatsächlich zu Praxisübergaben geführt.

Rund 100 Kontakte schaffte der Praxisbörsentag zwischen Ärzten und Psychotherapeuten, die einen Nachfolger, einen Sitz oder eine Anstellung suchten.

Stark gefragt waren auch die Beratungsangebote. Allen voran die Niederlassungsberater hatten gut zu tun. An

weiteren Ständen holten sich die Besucher Informationen zu rechtlichen Aspekten von Abgabe und Übernahme einer Praxis, zu Kooperationsmodellen oder zur Online-Praxisbörse.

Praxisbörsen 2010 Ihr Ansprechpartner

PLANE MVZ

STARTE KOOPERATION

BIETE PRAXISEINSTIEG

Unter

www.kv-boerse.de

finden Sie den Partner Ihres Vertrauens.

SUCHE NACHFOLGER

KV Nordrhein Consult Oliver Pellarin Tel.: 0211/5970-8127 Fax: 0211/52800-86 39 oliver.pellarin@kvno.de

Acht Vorträge griffen Themen wie Praxiswertermittlung, steuerliche Aspekte der Abgabe und Finanzierung einer Praxis auf. Im nächsten Jahr sind zwei Praxisbörsentage geplant dafür, am 12. Juni in Düsseldorf und am 13. November in Köln. 0 91231 Die Vorträge des Praxisbörsentags finden sie unter www.kvno.de

Service

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Aktuelle Fragen und Antworten an die Serviceteams

Was ist eigentlich ein Arztfall? Bei den Serviceteams der KV Nordrhein gehen pro Monat rund 7.000 Anrufe, Faxe und E-Mails ein. Im Oktober standen Fragen rund um die Neue Grippe und die Abrechnung im Mittelpunkt.

Im EBM gibt es Ausschlüsse bezogen auf den Arztfall. Was ist überhaupt ein Arztfall? Der Arztfall ist definiert als die Behandlung desselben Versicherten durch denselben an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arzt in einem Kalendervierteljahr zu Lasten derselben Krankenkasse unabhängig von der Betriebs- oder Nebenbetriebsstätte. Beispiel: Ein Patient wird in einer Berufausübungsgemeinschaft von einem Arzt behandelt. Der andere Arzt stellt im Rahmen der Urlaubsvertretung ein Wiederholungsrezept aus. Somit besteht dieser Behandlungsfall aus zwei Arztfällen. Die beiden Arztfälle sind aus den unterschiedlichen lebenslangen Arztnummern erkennbar. In dieser Konstellation ist neben der Versicherten- oder Grundpauschale auch die EBM-Nummer 01430 (Verwaltungskomplex) abrechenbar.

Wie rechne ich die Impfung gegen die Neue Grippe ab? Für diese Impfung gibt es keine Abrechnungsziffer. Die Abrechnung läuft für gesetzlich und privat versicherte Patienten über die KV Nordrhein. Für die Abrechnung verwenden Sie einen Meldebogen, mit dem Sie die Zahl Ansprechpartner Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 13 Uhr. Serviceteam Köln Telefon 0221 7763 6666, Telefax 0221 7763 6450 E-Mail service.koeln@kvno.de Serviceteam Düsseldorf Telefon 0211 5970 8888, Telefax 0211 5970 8889 E-Mail service.duesseldorf@kvno.de

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Service

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der durchgeführten Impfungen im 4. Quartal 2009 oder dem 1. Quartal 2010 angeben. Den Meldebogen können Sie aus dem KVNO-Portal heraus online versenden, von der Homepage der KV Nordrhein herunterladen oder per Fax abrufen und an Ihre Bezirksstelle senden (s. S. 9). Die Abrechnung ist monatlich oder quartalsweise möglich, ein Wechsel der Abrechnungsweise innerhalb des Quartals ist leider ausgeschlossen. Bei monatlicher Abrechnung erfolgt automatisch eine Abschlagszahlung ab einer Häufigkeit von 500 Impfungen im Monat. Ansonsten findet die Abrechnung mit der normalen Quartalsabrechnung statt. Bei quartalsweiser Abrechnung kann eine Abschlagszahlung auf die Quartalsabrechnung ab einem Gesamtvolumen von 500 Impfungen erfolgen. Dafür ist eine separate formlose Anforderung nötig. Bitte reichen Sie den Meldebogen erst nach Ablauf des Quartals ein.

Was geben wir auf der Gesamtaufstellung unter Punkt 4 als „LAG“ ein? Bitte tragen Sie unter Punkt 4 der Gesamtaufstellung die Betriebsstättennummer ihrer Laborgemeinschaft ein. Müssen Patienten Praxisgebühr zahlen, die mit einer europäischen Krankenversichertenkarte kommen? Ja. Im Rahmen des zwischenstaatlichen Sozialversicherungsabkommens (SVA)/Auslandsabkommen haben die Patienten die gleichen Rechte und Pflichten wie in Deutschland gesetzlich Krankenversicherte. Somit müssen sie die Praxisgebühr beim ersten Arzt-PatientenKontakt im Quartal zahlen. Überweisungen können ausgestellt werden.


Qualitätszirkel-Neugründungen Thema: Kinder- und Jugendpsychotherapie und -psychiatrie, Rhein-Sieg-Kreis Kontakt: Dr. Jürgen Junglas Birlinghovener Straße 39c 53757 Sankt Augustin Telefon 02241 336 061 Telefax 02241 3970 571 E-Mail: j.junglas@t-online.de Termin: nach Vereinbarung

Ort: nach Vereinbarung

Thema: OPD*-fundierte psychodynamische Supervision/ Intervision Kontakt: Dr. Frank van Well Nassestraße 32 50939 Köln Telefon 0221 8001 796 Telefax 0221 9983 513 Termin: nach Vereinbarung Ort: nach Vereinbarung *Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik

Kontakt Geschäftsstelle Qualitätszirkel Andrea Schween Telefon 0211 5970 8149 Katharina Ernst Telefon 0211 5970 8361 Telefax 0211 5970 8160 E-Mail qualitaetszirkel@kvno.de

Sammeln Sie Fortbildungspunkte online Ärzte können im Arzneimittel-Infoservice (AIS) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nun auch Fortbildungspunkte sammeln. Themen des Angebots im Internet sind Anwendungsgebiete, Nutzen und Wirksamkeit neuer Wirkstoffe. Neu im AIS-Angebot ist zudem ein Newsletter, der über aktuelle Entwicklungen auf dem Arzneimittelmarkt informiert. Die Fortbildungen bietet die KBV thematisch angelehnt an die jeweils jüngste Ausgabe des Informationsdienstes „Wirkstoff aktuell“ an. Wer die Multiple-Choice-Fragen korrekt beantwortet, erhält zwei CME-Punkte (CME: AIS bietet zudem gebündelte praxisnahe Informationen zu Arzneimitteln und deren Verordnung. Dazu gehören Hilfen beim Verordnungsmanagement, Analysen zur Ausgabenentwicklung und Hinweise zu Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Die Themenpalette reicht von A wie Aut idem bis Z wie Zoledronsäure.

Das neue Fortbildungsangebot präsentierte Wolfgang Reinert (r.) auf der Medica.

Continuing Medical Education). Wenn Sie Ihre Fortbildungsnummer angeben, übermittelt der AIS die erworbenen Punkte online an die zuständige Ärztekammer. Der

Die Rubrik „Verordnungssteuerung“ bietet einen Überblick über die gesetzlichen Vorgaben, die den Arzneimittelmarkt beeinflussen. Diese reichen von der Aut-idemRegelung über Rabattverträge bis zum Zweitmeinungsverfahren. Die Besucher der Seite können sich auch interaktiv einbringen, zum Beispiel über Online-Umfragen zu aktuellen Themen. Den AIS finden Sie unter www.arzneimittel-infoservice.de

0 91233

Qualitätszirkel

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Veranstaltungen KVNO aktuell 12 2009


Infomärkte in Düsseldorf und Köln

Auf dem Infomarkt am 6. Januar haben Sie Gelegenheit, Ihre Fragen zu Praxisübergabe oder -übernahme, Niederlassung, Honorar und Abrechnung, Verordnung von Arzneimitteln, den Verträgen oder den Einsatz von IT in der Praxis zu stellen. Für allgemeine Fragen aus dem Praxisalltag stehen die Mitarbeiter der Serviceteams Rede und Antwort. Eine Anmeldung zum Infomarkt ist nicht erforderlich.

Themenstände n n n n n n n n n n

Niederlassungsberatung der KV Nordrhein KV-Börse – Kooperationspartner und Praxisnachfolger online finden Betriebswirtschaftliche Orientierung mit dem KV-Praxis-Check Honorar und Abrechnung Verträge in Nordrhein KVNO-Portal: Online-Dienste für Praxen in Nordrhein Verordnung von Arznei- und Heilmitteln Serviceteams – Ansprechpartner bei allen Fragen aus dem Praxisalltag IT in der Praxis KOSA – Kooperationsberatung für Selbsthilfe und Ärzte

In Köln bieten wir lediglich die Themen Honorar und Abrechnung an, zudem stehen Mitarbeiter des Serviceteams zur Verfügung. Termin: Ort: und

Mittwoch, 6. Januar 2010, 15 Uhr bis 18 Uhr KV Nordrhein (Haus der Ärzteschaft), Tersteegenstraße 9, 40474 Düsseldorf KV Nordrhein, Bezirksstelle Köln, Sedanstraße 10-16, 50668 Köln

Wie geht es weiter im Gesundheitswesen?

„Nach der Wahl ist vor Reformen: Wie geht’s weiter im Gesundheitswesen?“, diese Frage steht im Mittelpunkt der ersten focus-Veranstaltung der KV Nordrhein im Jahr 2010. Wohin wird der Trend gehen: mehr Privat – mehr Staat? Die schwarz-gelbe Koalition stellt den Gesundheitsfonds auf den Prüfstand: Was bleibt? Was wird sich ändern? Gibt es eine Reform der Honorarreform für Ärzte? Termin: Mittwoch, 3. Februar 2010, 16 Uhr bis 19.30 Uhr Ort: KV Nordrhein (Haus der Ärzteschaft), Tersteegenstraße 9, 40474 Düsseldorf Zertifizierung: beantragt Anmeldung: Cognomed – Gesellschaft für Fortbildung im Gesundheitswesen Reinhardstr. 50, 10117 Berlin Telefon 030 2787 8385, Telefax 030 2787 8380, E-Mail info@cognomed.de

Marketing im Gesundheitswesen – Neue Wege?

Marketing ist für alle Beteiligten im Gesundheitswesen ein legitimes und unverzichtbares Instrument, um Waren und Leistungen bekannt zu machen. Aufgrund der unterschiedlichen Interessenlagen ist es wichtig, diese darzulegen und das Verständnis für die andere Seite zu fördern. Die KV Nordrhein und die Firmen Boehringer Ingelheim, Takeda Pharma und Novo Nordisk laden hierzu ins Haus der Ärzteschaft ein. Referenten wie Prof. Michael von Brück vom Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München werden das Thema beleuchten. Termin: Samstag, 6. Februar 2010, 11 Uhr bis 15.30 Uhr Ort: KV Nordrhein (Haus der Ärzteschaft), Tersteegenstraße 9, 40474 Düsseldorf Zertifizierung: beantragt Anmeldung: KV Nordrhein Unternehmenskommunikation Britta Schnur Telefon 0211 5970 8281, Telefax 0211 5970 8100, E-Mail britta.schnur@kvno.de

Veranstaltungen KVNO aktuell 12 2009

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Termine

16.12.2009

n 6.1.2010

KV Nordrhein Consult: „Honorarverteilung, Abrechnung, Regelleistungsvolumen“, Düsseldorf Infomarkt der KV Nordrhein, Düsseldorf und Köln

n 6.1.2010

Veranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Zusammenarbeit mit der KV Nordrhein: „Moderne Investitionsförderung für Arztpraxen“, Düsseldorf 13.1.2010 IQN-Fortbildung „Verordnungssicherheit Teil 7: Verordnung oraler Kontrazeptiva“, Düsseldorf 20. – 24.01.2010 Lehrstuhl für Naturheilkunde der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Fortbildungsveranstaltung: „Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren“, Essen 27.1.2010 IQN-Fortbildung: „Fehler und Gefahren bei der Cholezystektomie“, Düsseldorf

n 3.2.2010

focus – Zukunftsperspektiven im Gesundheitswesen: „Nach der Wahl ist vor Reformen – Wie geht’s weiter im Gesundheitswesen?“, Düsseldorf

n 6.2.2010

KV Nordrhein in Zusammenarbeit mit Böhringer Ingelheim, Novo Nordisk Pharma, Solvay Arzneimittel und Takeda Pharma: „Marketing im Gesundheitswesen“, Düsseldorf KV Nordrhein Consult: „Datenschutz und Datensicherheit in der Arztpraxis“, Düsseldorf KV Nordrhein Consult: „Boxenstopp – Coaching“, Düsseldorf IQN-Fortbildung „Verordnungssicherheit Teil 8: Anwendung von Thrombozytenaggregationshemmern“, Düsseldorf

12.2.2010 19.2.2010 24.2.2010

n 3.3.2010

3.3.2010

n 5. – 6.3.2010

6.3.2010

10. – 11.3.2010 10. - 14.3.2010

n 13.3.2010

14. - 18.3.2010

Fortbildungsveranstaltung der Tinnitus-Therapie-Zentren in Zusammenarbeit mit der KV Nordrhein „Tinnitus – Diagnostik und Therapie“, Düsseldorf Lehrstuhl für Naturheilkunde der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Fortbildungsveranstaltung: „Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren“, Essen KV Nordrhein, Fortbildungsveranstaltung für Medizinische Fachangestellte: „Richtig abrechnen – Beispiele aus der Praxis“, Köln

n 17.3.2010

Mitgliederversammlung der Kreisstelle Oberberg der KV Nordrhein, Wiehl KV Nordrhein Consult: „Betriebswirtschaftliches Basiswissen für die Arztpraxis“, Düsseldorf

24.3.2010

n 24.3.2010

KV Nordrhein, Fortbildungsveranstaltung: „Einführungsworkshop rational und rationell verordnen“, Düsseldorf

n 7.4.2010

Infomarkt der KV Nordrhein, Düsseldorf und Köln 5. IQN-Kongress: „Qualitätssicherung in ärztlicher Hand - zum Wohle der Patienten“, Düsseldorf Hartmannbund – Landesverband Nordrhein: „Landesdelegiertenversammlung 2010“, Düsseldorf IQN-Fortbildung: „Fehler und Gefahren bei der ärztlichen Betreuung von Schwangeren“, Düsseldorf IQN-Fortbildung: „Verordnungssicherheit Teil 9: Elektronische Verordnungssysteme – wann und wie nützen sie im Praxisalltag?“, Düsseldorf

17.4.2010

24.4.2010 9.6.2010

30.6.2010

Termine

KV Nordrhein, Fortbildungsveranstaltung für Mitglieder: „Brennpunkt Demenz – Praxis im Dialog“, Köln Symposium der Gesundheitsakademie BR Bonn: „Reisemedizin, Impfschutz und internationale Gesundheit“, Bonn Gesundheitskongress des Westens, Essen Lehrstuhl für Naturheilkunde der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung: Fortbildungsveranstaltung: „Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren“, Essen

n 17.3.2010

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RP-Sprechstunde, Düsseldorf KV Nordrhein Consult: „Honorarverteilung, Abrechnung, Regelleistungsvolumen“, Düsseldorf

KVNO aktuell 12 2009

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.kvno.de


Impressum KVNO aktuell

Vorschau KVNO

n Honorar:

Die Änderungen

zum 1. April 2010

Herausgeber: Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein Tersteegenstraße 9 40474 Düsseldorf

Redaktion: Ruth Bahners (verantwortlich)

n Vorgestellt:

Das Vorstandsduo

Dr. Peter Potthoff und

Frank Naundorf, Karin Hamacher

Redaktionsbeirat:

Bernd Brautmeier

Dr. Leonhard Hansen, Dr. Klaus Enderer, Ruth Bahners

Druck:

n DMP-Bericht:

Druckhaus Limbach, Köln

Satz:

aktuell 1+2 10

Der Nutzen der

BCS, Düsseldorf

Chronikerprogramme

Anschrift der Redaktion: Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein Tersteegenstraße 9 40474 Düsseldorf Telefon 0211 5970 8077

n Fusionitis:

Warum es immer

weniger Kassen gibt

Telefax 0211 5970 8100 E-Mail redaktion@kvno.de

n Service:

KVNO aktuell erscheint in zehn Ausgaben pro Jahr als Mitteilungsorgan für die Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Die KV Nordrhein hilft einen Praxis-Nachfolger zu suchen

Gesamtauflage dieser Ausgabe: 22 000

Die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichneten Beiträge geben die Meinung des Autors, aber nicht unbedingt die Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine Gewähr.

Die nächste Ausgabe von KVNO aktuell erscheint am 10. Feburar 2010 Aus aktuellem Anlass kann es zu Themenänderungen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.


KVNO aktuell 12 2009  

KVNO aktuell erscheint in zehn Ausgaben pro Jahr als Mitteilungsorgan für die Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Themen...

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