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Jugendcamp Malachit Der musikalische Leiter

Die Camp-Leiterin

Ich liebe Kinder. Darum haben meine Frau und ich fünf Kinder. Und ich liebe die Musik. Darum wurde ich Musiker und Lobpreisleiter in unserer Gemeinde und leitete eine Rock-Band. Mit Besorgnis beobachtete ich, wie viele Kinder und Jugendliche irgendwie den Boden unter den Füssen verloren und in eine düstere Zukunft ohne Hoffnung gingen. Darum war ich begeistert von der Idee, ein Camp für Jugendliche zu machen, das ihnen hilft, ihr Potential zu erkennen und eine positive Perspektive für die Zukunft zu erhalten.

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Sommercamps gibt es sehr viele in Russland, unseres sollte anders werden. Wir nannten unsere christlichen Kreativ-Jugendcamps „Malachit“ in Anlehnung an den in allen Grüntönen schillernden Schmuckstein. Seit 2002 haben wir schon 7 Sommer- und 4 Wintercamps durchgeführt. Jedes Camp hatte sein eigenes Programm, Thema und ein selber komponiertes Musical. In nur einer Woche erarbeiten die Teenager ein ganzes Musical und führen es am Ende mit hoher Qualität vor. Daneben gibt es ein geistliches Programm, das den Jugendlichen hilft, Jesus besser kennen zu lernen, und grundlegende christliche Werte anzunehmen. Sie erkennen ihre Identität, was ihnen Halt gibt. Einige entscheiden sich für Jesus und lassen sich direkt im Camp taufen. In der Zwischenzeit haben Kirchgemeinden aus anderen Gegenden Russlands die Idee übernommen. Sie sandten eine Gruppe ihrer Jugendleiter in eines unserer Camps und führen nun ihre eigenen Camps mit den gleichen Grundlagen durch. Ich freue mich zu sehen, wie junge Erwachsene, die zu alt für die Teilnahme sind, begeistert, selbstlos und engagiert im Leiterteam mithelfen. Ich habe sie über ein paar Jahre beobachten und ihre Entwicklung mitverfolgen können. Und ich sehe, wie sie wachsen. Das begeistert mich. Dafür setze ich mich ein. Sergej Tichomirow Musikalischer Leiter, Komponist und Texter

Ich studierte Deutsch an der linguistischen Universität in Nischni Nowgorod. 1994 wurde ich angefragt, ob ich in einem Sommercamp von Agape international übersetzen würde. Obwohl ich von Kindheit an wusste, dass es Gott gibt, hatte ich keine lebendige Beziehung zu ihm. Beim Übersetzen der Referate und teilweise auch persönlicher Gespräche erkannte ich, was es heisst, Gott persönlich zu kennen und seine Liebe und Vergebung zu erfahren. Ich merkte, dass es das war, wonach ich mich innerlich so sehr gesehnt hatte, und nahm Jesus bewusst in mein Leben auf. Als ich mit dem Studium fertig war, ging ich als Übersetzerin mit einem Team von Missionaren aus dem Glaubenszentrum Bad Gandersheim (Deutschland) in den Kaukasus. Sie haben dort eine Gemeinde und eine Bibelschule gegründet. Diese acht Jahre im Kaukasus waren für mich eine intensive Jüngerschaftsschule. Ich lernte mich und meine Gaben besser kennen und erhielt viel Ermutigung. 2003 kehrte ich nach Nischni Nowgorod zurück und wurde Mitarbeiterin im Zentrum Agape. Meine Aufgaben sind die Jugendförderung, Übersetzungsarbeiten und die Vorbereitung und Durchführung der Jugend-Camps. Es ist ein grosses Vorrecht aber auch eine grosse Verantwortung für mich, in die jüngere Generation der Kirch-Gemeinden von Nischni Nowgorod und ausserhalb zu investieren. Es ist auch eine grosse Freude zu sehen, wie die Teenager Gottes Liebe, Annahme und Berührung im Camp erleben und wie sie Gottes Orientierungspunkte für ihr Leben bekommen. Wir verbringen nur eine Woche im Jahr zusammen mit diesen Jugendlichen, aber diese Woche ist so intensiv und prägt Jahr für Jahr das ganze Leben von 100 Teenagern. Vor 14 Jahren begegnete mir Gott in so einem Camp und jetzt hat er mir Camps für Teenager anvertraut. So schliesst sich der Kreis. Olga Salina, 32 Mitarbeiterin im Zentrum Agape

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Roland Kurth hat gerade diesen Jungen getauft und betet nun für ihn.

Eine Teilnehmerin

Ein Teilnehmer Ein Vaterloser findet Heilung Fest im Islam

Es ist erstaunlich, wie ein gemeinsames Ziel Menschen vereinigen kann. Dieses gemeinsame Ziel ist ein Musical. Jede Person kann sich dabei entfalten! Es ist gewaltig, wie Gott Talente in Menschen offenbart! Dabei entfalten sie sich wie Blumen. Und jede Blume ist etwas besonders, einzigartiges und wunderschönes. Und wenn am Anfang alle wie geschlossene Knospen aussehen, so ist am Schluss das ganze Camp wie ein herrlicher Blumenstrauss aufgegangener Blumen. Jeder fühlt sich am Schluss wie in einer grossen Familie! Jede Person ist ein unentbehrliches Mitglied dieser einzigartigen Königsfamilie, wir alle sind kleine Königskinder. Das ist ein grosses Privileg.

Trotz all dem befolgte ich weiterhin die Regeln des Islams, betete fünfmal am Tag, ging jeden Freitag in die Moschee, hatte die Koranschule abgeschlossen und war im Islam verwurzelt. Anfang 2002, ich war leicht betrunken an einer Familienfeier, hörte ich das erste Mal von Jesus, war aber nicht sonderlich interessiert. Doch Maxim und Larissa, ein junges Pärchen, bemühten sich auch in den folgenden Wochen um mich und versuchten mir Jesus nahezubringen. Durch sie fand ich eine neue Arbeitsstelle, an der ich tatsächlich über vier Jahre ohne Probleme blieb.

Jesus füllt die Leere

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Und das wichtigste ist, dass wir in nur fünf Tagen mit Gottes Hilfe ein Meisterstück schaffen – das Musical! Es scheint unrealistisch zu sein, in dieser Zeit etwas zu erreichen, aber die Teilnehmer schaffen es, alle Texte, alle Bewegungen zu lernen und ihre Stimmen aufzunehmen. In diesen fünf Tagen werden junge Leute, die einander früher nie gesehen haben, zu Freunden! Preist den Herrn für diese Möglichkeit!!! Oft ist dieses Camp die einzige Möglichkeit der zwischengemeindlichen Gemeinschaft. Und das ist sehr wertvoll! Nach den fünf Tagen fällt es sehr schwer zu akzeptieren, dass das Camp zu Ende ist. Am liebsten würden wir weiter zusammen bleiben und noch mehr gemeinsam unternehmen. Es ist erstaunlich, wie Gott in kurzer Zeit so eine grosse Arbeit an den Herzen von so vielen jungen Menschen tut, und das nicht nur bei den Teilnehmern sondern auch bei den Leitern. Tanja Tichomirow, 19

Ich bin in Nischni Nowgorod in eine muslimische Familie geboren worden. Ich war erst 18 Monate alt, als sich meine Eltern scheiden liessen, und ich wuchs bei meiner Mutter und Grossmutter auf. Mir fehlte mein Vater, seine Liebe und Fürsorge, ich wurde deswegen auch immer wieder angegriffen und verletzt. Als Folge davon war ich ein sehr schwieriger Junge. Bei der Schulabschlussfeier hielt der Direktor eine feierliche Rede. Vor allen Mitschülern und ihren Eltern nannte er mich als schlechtestes Beispiel, weil ich nur von meiner Mutter erzogen worden war. Ich war so wütend, dass ich vor der versammelten Schule auf ihn losging und ihn schlug.

Heroin und Alkohol Anschliessend studierte ich an der Hochschule „Wasserbau“, wo ich zum ersten Mal Heroin probierte. Bald wurde ich davon abhängig, ohne mir dessen bewusst zu sein. Bis jetzt bleibt es für mich ein Rätsel, wie ich den Hochschulabschluss schaffte. In den nächsten drei Jahren hatte ich fünf Arbeitsstellen. Jede Stelle wurde mir wegen Ungehorsams und Trinksucht gekündigt. Danach blieb mein Leben einfach stehen. Die Enttäuschungen folgten mir nach, auf Schritt und Tritt. Es schien mir, dass alle sich von mir abgewendet haben.

2005 besuchte ich einen Alphalive-Kurs und nahm Jesus Christus als meinen Herrn und Retter an. Ich besuchte nun regelmässig die Gottesdienste in der Gemeinde und die Jugendgruppe. Langsam begann sich mein Leben wieder aufzurichten, auch wenn es immer wieder Rückschläge und Abstürze gab. Jeden Sommer konnte ich am Jugendcamp Malachit teilnehmen. Hier erlebte ich durch die Leiter eine beispiellose Annahme, Bereitschaft zum Vergeben und vorbehaltlose Liebe. Ich kann heute sagen, dass sich durch die Liebe Jesu und die gelebte Liebe dieser christlichen Leiter mein Leben von Grund auf verändert hat. Ich versöhnte mich mit meinem Vater. Ich bat den Schuldirektor um Vergebung für mein Verhalten in der Schule. Ich wurde frei von den Drogen.

Fähig, Liebe weiterzugeben Der Hauptpastor der Vineyard Gemeinde in Nischni Nowgorod bot mir einen Gemeindedienst als Co-Pastor an, den ich bis heute ausführe. Ich geniesse es, die Bibel zu lesen und zu beten, und ich helfe gerne anderen Menschen, die die Liebe Gottes noch nicht so erfahren haben. Und nun habe ich einen besonderen Glaubensschritt gewagt. Im Oktober 2008 habe ich Larissa, die Frau meines leider verstorbenen Freundes Maxim, mit ihrer Tochter geheiratet. Dies ist nur möglich, weil ich gelernt habe, was Liebe ist. Mischa Maximkin, 32

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