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kuba Als Hurrikan wird ein tropischer Wirbelsturm bezeichnet, wenn er mindestens 118 km/h erreicht und sich im Atlantik, im Nordpazifik östlich der Datumsgrenze oder im Südpazifik östlich von 160° O entwickelt. Das Wort Hurrikan kommt gleich wie das Wort Orkan vermutlich aus den Maya-Sprachen und bedeutet „Gott des Windes“. Hurrikane können durch die mechanische Gewalt des Windes selbst und durch herumfliegende Gegenstände, durch die sehr starken und lange anhaltenden Niederschläge und durch Sturmfluten grosse Zerstörung anrichten. Der Hurrikan Ike wütete am 8. September 2008 über Kuba, mit Windgeschwindigkeiten bis zu 230 km/h.

Der nächste Hurrikan kommt bestimmt Angesichts regelmässiger Naturkatastrophen nicht aufgeben Im hurrikangeschüttelten Kuba weiss man zwischen Juni und November nie, wann und wo der nächste Hurrikan wüten wird. Trotz Unsicherheit, Gefahren und Ängsten, die Pastoren und Missionare vor Ort sind entschlossen, hier zu bleiben. Im Jahr 2008 wurde Kuba gleich von drei aussergewöhnlich starken Wirbelstürmen heimgesucht. Zuerst Gustav gegen Ende August, eine Woche später Ike und Anfang November Paloma. Das Resultat: Über 500‘000 Familien ohne Dach über dem Kopf, hunderte von Kilometer Stromleitungen am Boden und abertausende Hektaren Agrarland zerstört.

Leben in der Notunterkunft Von Arnoldos und Daisys Hauskirche, ganz nahe an der Nordküste von Holguín, blieb nach dem Wirbelsturm nur noch der Zementboden übrig. Als Baumaterial für ihre Notunterkunft dienen die zerfetzten alten Bretter vom früheren Haus. Die behelfsmässige Behausung bietet links genug Platz für zwei Betten und rechts für Kirchbänke.

 oben: Man sieht noch den Betonboden, wo früher die Hauskirche vom Pastorenehepaar Amelia und Victor gestanden hatte. Heute steht vorne ein behelfsmässiger Gottesdienstraum und hinten ist als Provisorium ein kleines Wohnhäuschen mit einem Schlafzimmer und einer kleinen Stube. links: Im Innern des Provisoriums von Pastor Arnoldo und seiner Frau Daisy. Links der Wohnraum mit zwei Betten, rechts die Kirchenbänke für die Gottesdienste. Die Küche ist in einem kleinen Anbau ausserhalb des Gebäudes.

Amelia hat den Gottesdienstraum gestrichen und dekoriert, damit er trotz allem wohnlich und einladend wirkt und sich die Menschen wohlfühlen.

Die Familie hat Glück gehabt. Der Staat subventionierte ihnen einen Teil des Wiederaufbaus des Wohnhauses. Und Agape international hilft bei den fehlenden 700 Franken mit. Und wenn vor dem Wiederaufbau der nächste Hurrikan kommt und nochmals Haus mitsamt Hausrat zerstört? „Der Herr verschone uns!“, ruft Daisy abwehrend. Doch sie beruhigt sich schnell: „So oder so. Wir sind an diesen Ort berufen. Die Schäden und Lasten werden nie grösser sein, als dass Gott uns nicht helfen könnte.“

„Wir haben hier eine Aufgabe zu erfüllen“ Wegen der geografischen Lage sind die Gebiete ganz im Westen Kubas besonders hurrikangefährdet. Hinzu kommt, dass unter Klimaforschern wegen der Erderwärmung allgemein eine Zunahme der Umweltkatastrophen angenommen wird. „Geografisch gesehen sind wir verurteilt“, bestätigt die Pastorin Regla auf der 2‘400 km2 grossen Isla de la Juventud (‚Insel der Jugend’). Sie wohnt mit ihrem erwachsenen Sohn in einer kleinen Hauskirche, wo der Hurrikan Türen und Fenster aus ihren Angeln und Rahmen riss. „Ich konnte mit eigenen Augen zusehen, wie der Kühlschrank von einer Windböe erfasst und aus dem Haus gezerrt wurde. Es war schrecklich.“ Regla richtet sich auf, als ob sie die Erinnerungen abschütteln möchte. „Ich stamme aus Matanzas, einem von den Hurrikanen eher verschonten Gebiet. Nach dem Sturm war mein erster Gedanke, heim zu gehen. Doch wir haben hier eine Aufgabe zu erfüllen. Wir können nicht einfach alles stehen und liegen lassen, nur weil Schwierigkeiten auftauchen!“

Nehmen, wie es kommt Ich bin beeindruckt von diesen und vielen anderen Pastoren, die uns auf unseren Besuchen ihr Schicksal, aber auch ihre Wiederaufbaupläne erzählen. Keiner denkt ans Aufgeben und Wegziehen. Wir selber leben in Havanna und sind bisher von den schweren Hurrikanen verschont geblieben. Letztes Jahr, als Ike über Kuba fegte, wurde Havanna kaum getroffen (bei dem schlechten Zustand der meisten Häuser wäre das auch verheerend gewesen). In den betroffenen Gebieten aber fiel der Strom fiel aus, was bedeutete, dass die Kühlschränke nicht funktionierten. Kochen konnte man auch nicht. Die Wasserpumpen liefen nicht, und damit gab es auch kein fliessendes Wasser. Und auf den Märkten gab es wochenlang kaum frisches Gemüse oder Früchte zu kaufen. Letzteres bekamen auch wir in der Hauptstadt arg zu spüren. Für die schweren Notfälle haben wir einen Wasserfilter und einen kleinen Lebensmittelvorrat an Nahrungsmitteln, die auch im feucht-warmen Kuba nicht so leicht verderben. Wenn wir in der Hurrikan-Saison unsere Besuchsreisen in die verschiedenen Landesteile planen, verfolgen wir die Nachrichten sehr genau, um allenfalls kurzfristig ausweichen zu können. Wir können also unseren kleinen Beitrag leisten, uns zu schützen, aber im Grossen und Ganzen müssen wir es wie alle Kubaner einfach nehmen, wie es kommt. Nicole Metzler Domínguez Standortleiterin Kuba

Infobox Im Spätsommer und Herbst 2008 sind drei schwere Wirbelstürme (Hurrikane) über Kuba gefegt und haben über 500‘000 Häuser zerstört und viele Menschen obdachlos gemacht. Agape international hilft den Gemeinden und Pastoren beim Wiederaufbau der kleinen Wohnhäuser, die auch als Gottesdienstraum dienen. Weitere Projekte in Kuba: · Förderung von Gemeindegründungen · Junge Menschen zu Leitern ausbilden · Evangelistisches Material erstellen · Kinderprogramme unterstützen · Pastoren finanziell unterstützen



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