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herzensangelegenheit Projekte von Agape international in Russland, der Mongolei und angrenzenden Ländern • September 2010

WOLGA

MUSICAL „JAKOB“

PORTRAIT

ECHO

Über 80 Teilnehmer

Neue Campleiterin

Eindrücke einer Mutter

Die russische Jugend fördern Zehntes Musical-Sommercamp für Teenies und Jugendliche Im vergangenen Juli haben Mitarbeiter unseres russischen Teams vom Zentrum Agape in Nischni Nowgorod zusammen mit zahlreichen Freiwilligen das zehnte Musical-Sommercamp mit gut achtzig Teilnehmern durchgeführt. Dieses Camp ist in manchen Aspekten mit den bei uns bekannten Adonia-Lagern vergleichbar.

Unsere russischen Freunde haben ein grosses Anliegen, in diesen MusicalCamps die kreativen Gaben der Jugendlichen in verschiedensten Bereichen zu fördern, ihnen aber auch geistlich und in ihrer Sozialkompetenz weiterzuhelfen. Dass ihnen das gut gelingt, zeigt das Echo einer Mutter (siehe Bericht auf Seite 4). 

Szenen aus dem Musical „Jakob“

Liebe Missionsfreunde Das Motto im diesjährigen Camp war „Segen“. Segen war auch das prägende Thema im Musical „Jakob“. So prägte das Motto jeden einzelnen Tag. Segen, was bedeutet er eigentlich mir? Es ist immer wieder überwältigend, mitverfolgen zu können, wie junge Menschen durch Gottes Liebe verändert werden, und das in nur sieben Tagen. Ich durfte dabei einmal mehr erleben, wie Jesus Menschen heilt, wie Gebundene frei werden und wie junge Menschen, vielleicht zum ersten Mal, Hoffnung schöpfen und für ihre Zukunft eine Perspektive bekommen. Mehr als fünfzehn Teenager haben zu Jesus gefunden, zwei andere durfte ich taufen. Der Hunger nach Gottes Wort war

gross und die Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes legte die Basis für tiefgreifende Veränderungen bei den Einzelnen. Am letzten Abend vor der Aufführung durften sich die Teenager segnen lassen. Alle wollten ihren persönlichen Segen bekommen, auch die Leiter. Mit dem empfangenen Segen gingen dann die Kinder nach einem begeisternden MusicalAuftritt zu ihren Eltern, um auch sie zu segnen!

EDITORIAL

Olga Lukmanova (Text) und Sergej Tichomirow (Musik) haben ihr zehntes Musical geschrieben, diesmal anhand der Jakob-Geschichte aus dem Alten Testament. Sie haben dies vorgängig mit den Hauptakteuren einstudiert. Im Camp selbst haben die Teenies ihre Rollen, die Lieder und die Tänze eingeübt, die Kostüme erstellt und Ende der Woche das Musical in einem Kulturpalast mit grosser Begeisterung aufgeführt. In Inputs, Kleingruppentreffen und Lobpreiszeiten kam aber auch der geistliche Aspekt nicht zu kurz.

So bin ich mit einem übervollen Herzen und grosser Dankbarkeit kurz vor meinem 65. Geburtstag nach Hause zurückgekehrt. Ich freue mich schon jetzt auf das Wiedersehen mit den Teilnehmern im Oktober. Roland Kurth, Leiter Russlandprojekte

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herzensangelegenheit WOLGA

Projekte von Agape international in Russland, der Mongolei und angrenzenden Ländern

Portrait einer jungen, engagierten Leiterin Interview mit Olga Belowa, Direktorin des Jugendcamps Malachit In diesem Interview lernen wir eine engagierte junge russische Frau kennen, die ihr Leben neben ihrem herausfordernden Job in die Förderung von Teenies und Jugendlichen investiert. Olga ist die Tochter unserer russischen Missionare Roman und Sweta Korobows, die seit neun Jahren in der Mongolei eine Gemeindeaufbauarbeit leiten. In Olga führt Gott die Segensspur ihrer Eltern weiter. Jula Zoi, eine junge Mitarbeiterin im Zentrum Agape, stellt uns die neue Campleiterin so vor: Olga ist eine Person, die verschiedenste Gaben in sich vereint: Sie strebt aufrichtig nach Wahrheit, ist fähig grössere Projekte zu leiten, ist geistig lebendig und zeichnet sich durch einen effektiven Rationalismus aus. Olga hat Pharmazie studiert und arbeitet jetzt in Beratung und Verkauf von Medikamenten an Ärzte und Apotheken. Sie lernt nebenher noch Deutsch und hat anfangs Jahr die Hauptleitung des Jugendcamps Malachit übernommen. Jula: Was hat dich zu dem gemacht, was du heute bist? Olga: Ab meinem zehnten Lebensjahr habe ich viel Zeit in der Gemeinde verbracht. Meine Eltern waren Pastoren in der Nähe von Nischni Nowgorod. In dieser Phase wurden die Grundlagen in mein Leben hineingelegt. Nochmals sehr prägend war die Zeit, als meine Eltern vor neun

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Jahren in die Mongolei umgezogen. Ich war 18 und für mein Studium in Nischni Nowgorod zurückgeblieben. Nun musste ich allein lernen, eine Beziehung mit Gott aufzubauen und sie auch zu pflegen. Und diese Woche jetzt, erstmals als verantwortliche Campleiterin, hat mich erneut verändert. Es war wie der Start in eine neue Etappe als erwachsene Person. Wie erlebst du es, als Christ in der Welt zu arbeiten? Anfänglich war es ziemlich schwer. Die Menschen in meinem Umfeld haben klare Vorstellungen, wie man leben soll, und diese unterscheiden sich stark von meinen Vorstellungen. Ich habe mich oft wie ein Mensch von einem anderen Planeten gefühlt. Ich musste mich anpassen und verändern und gleichzeitig meinen Prinzipien treu bleiben. Ich wollte auch jemand sein, der den Menschen in dieser

Welt Christus zeigt. Inzwischen ist einfacher geworden, weil ich mich verändert habe und auch meine Arbeitssituation sich ein bisschen geändert hat. Welchen Prinzipien willst du treu bleiben? Ich mag es nicht, wenn Regeln mich in einen Rahmen zwingen. Ich sehe es eher so: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist mir nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.“ Natürlich kann man sich selber sagen: ich werde nie trinken, nie rauchen, nie lügen. Aber wenn man sich das selber verspricht, dann kommt es oft so, dass man diese Versprechen bricht. Das einzige Prinzip, woran ich mich halten will, ist

Impressionen vom Musical „Jakob“ mit rund 80 Beteiligten. Die JakobGeschichte aus dem Alten Testament wurde von Olga Lukmanova in die heutige Zeit übertragen und von Sergej Tichomirow vertont.


AKTUELLES

September 2010

der Verzicht auf eine sexuelle Beziehung vor der Ehe. Ich versuche entsprechend dem zu leben, was in der Bibel geschrieben steht, und darauf zu achten, wenn der Heilige Geist mich überführt. Wie verbringst du deine Zeit mit Gott? Allein. Ich sitze allein im Dunkeln und werde mir bewusst, dass Gott da ist und mich hört. Ich erzähle ihm einfach alles, was in meinem Leben geschieht. Früher habe ich ihm mehr geschrieben, ihm Fragen gestellt und er hat mir geantwortet.

Ich habe Gott lange um die Gabe gebeten, das Herz eines Menschen zu erkennen. Wenn man das Herz kennt, kann man die Person so sehen, wie sie wirklich ist. Oft erlebe ich, wie Menschen sich mir gegenüber öffnen, und so erfahre ich, wie es ihnen wirklich geht.

Nun zu deiner neuen Aufgabe als Campleiterin. Was sind deine Ziele? Mein Ziel ist, den Teenagern und Jugendlichen zu helfen, sich selber kennenzulernen und eine ehrliche, tiefe Beziehung mit Gott aufzubauen. Dies wird ihnen später helfen, Was sind deine Hobbys? Schwierigkeiten im Leben mit Gottes Hilfe Wenn ich einmal freie Zeit habe, dann zu überwinden. Teenager haben oft Angst lese ich gerne. Z. B. Autobiographien vor Einsamkeit, sie fühlen sich schnell von Menschen, die berichten, wie sie ihre verlassen, ausgestossen, ungeliebt. Ich Beziehung mit Gott leben, sonst auch will ihnen helfen, solche Zeiten nicht Abenteuerromane. Ich wollte schon lange zu fürchten, sondern auszuhalten und in gerne Gitarrespielen lerihrem Herzen zu wissen, nen, aber auch malen und dass Gott bei ihnen ist und „Wenn die singen. Doch dafür fehlte sie liebt. Wir wollen sie Kinder sehen, mir bis jetzt die Zeit. auch ermutigen, eine Gewie wir einander meinde zu besuchen und Mit welchen Menschen mit anderen Christen Gein Liebe dienen fällt es dir leicht, Freundmeinschaft zu pflegen. und helfen, dann schaft zu pflegen? wird es das Herz Ich achte darauf, verantWas ist deine Motivation? wortungsbewusste und Warum machst du diese jedes Teenagers aufrichtige Menschen kenAufgabe? berühren.“ nen zu lernen und nicht Es gefällt mir, mit jungen solche, die unstetig von Menschen zu arbeiten. Es einem Ort zum andern springen. Men- macht mir grosse Freude, wenn ich sehe, schen, die sich einer Sache ganz hin- wie in ihren Herzen etwas zu leben begingeben und anderen dienen. Es ist gut, nt und sie anfangen, mit Gott zu leben. Freunde und Bekannte zu haben, von denen du lernen kannst, was dir selber Was ist die grösste Herausforderung fehlt. für dich?

Wir haben die unterschiedlichsten CampTeilnehmer. Ich muss mich immer wieder entscheiden, mich auf die einzelnen einzulassen, das Gute in ihnen zu sehen und sie zu lieben. Was ist das Zentrale, das Musical-Camp Malechit den Teenies bieten kann? Liebe. Die Liebe deckt wirklich alles zu. Wenn die Kinder untereinander echte Liebe erleben, wenn sie sehen, wie wir einander in Liebe dienen und helfen, dann wird es das Herz jedes Teenagers berühren. Im Camp lernen sie auch Schwierigkeiten zu überwinden, die Angst vor dem Spott abzulegen und mit Liebe zu reagieren. Von aussen gesehen liegt auf eurer Familie ein grosser Segen. Ja, das sehe ich auch so. Ich sehe das als der Verdienst meiner Eltern, die im Gehorsam mit Gott leben. Es war für viele unserer Bekannten schwer zu verstehen, als sie vor neun Jahren unsere Region verliessen und in die Mongolei umzogen. Ich musste lernen, selbständig mit Geld umzugehen, die Wohnung in Ordnung zu halten, Entscheidungen zu treffen… Damals gab es noch kein Skype (Internettelefon), nur E-Mail. Jetzt kann ich leichter anrufen, wenn ich einen Rat brauche. Wir haben eine sehr gute Beziehung. Ich sehe, wie Gott in unserer Familie wirkt und uns alle segnet, meine Eltern mit meinem kleinen Bruder Pavel in der Mongolei, meinen Bruder Kyrill, der in Moskau Bergbau studiert und mich hier in Nischni Nowgorod. 

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Projekte von Agape international in Russland, der Mongolei und angrenzenden Ländern

„Unsere Mädchen haben eine Quelle gefunden…“ Eindrücke einer Mutter Unsere Kinder hatten es immer schwer, denn beide kamen schon kränklich zu Welt. Überwinden – so würde ich den Lebensweg unserer Töchter beschreiben. Auch für uns Eltern gab es sehr viele Hürden zu überwinden. Verschiedene Bekannte haben uns auf das Kreativ-Camp für Teenager aufmerksam gemacht. Doch weil es christlich ist, hatten wir unsere Bedenken. Dieses Jahr entschieden wir uns nun, unsere Kinder dort anzumelden. Als sich Arina und Aljona auf das Camp vorbereiteten, zweifelte und freute ich mich gleichzeitig. Es war mir bewusst, dass die Kinder neue, für mich unverständliche christliche Gewohnheiten lernen werden, sich aber auch kreativ entwickeln können. Eine Explosion von reiner Energie, eine

Energie, die keine Böe aufhalten kann – das habe ich bei der Aufführung im Kulturpalast gespürt. Alle Teenies haben sich voll Begeisterung am Musical beteiligt. Mein Mann Igor hat geweint. Er hat gesehen, wie unsere Mädchen gross geworden sind und dass für sie die Zeit gekommen ist, ihrem Platz im Leben zu finden. Und das Wichtigste: unsere Mädchen haben eine Quelle gefunden, wo sie für das Leben in unserer harten russischen Wirklichkeit Kraft schöpfen können. Herzlichen Dank für Ihre Arbeit mit den Teenagern. Wir warten schon ungeduldig auf die Einladung für das Camp vom nächsten Sommer.  Anna Churina, Lehrerin für geistig behinderte Kinder

„Gott hat mir die Fähigkeit gegeben, zu musizieren und auch Musik zu komponieren. Mit dieser wunderbaren Fähigkeit ist es möglich, die Welt zu verändern. Ich erlebe, wie Musik viel schneller in die Herzen von Menschen dringt als Worte, und dabei geschehen ganz wunderbare, einmalige Dinge.“

Sergej Tichomirow, Komponist und musikalischer Leiter des Musicals

Am 25. September findet in Winterthur unser Agape-Jubiläum statt, an welchem auch einzelne Mitarbeiter aus Nischni Nowgorod zugegen sind. Wir würden uns sehr freuen, Sie bei diesem Fest zum 30-jährigen Jubiläum von Agape international begrüssen zu dürfen. Nähere Informationen und Anmeldeformular finden Sie unter www.cfc.ch, oder rufen Sie uns an unter 044 857 13 20 4

herzensangelegenheit WOLGA wird herausgegeben von Agape international verantwortlich für den Inhalt: Natascha Sobina, Standortleiterin und Peter Keller, Kommunikation

Agape international, Mission Wolga Hüeblistrasse 34, CH-8165 Oberweningen Telefon: 044 857 13 20 Fax: 044 857 13 11 Zahlungsverbindung: Campus für Christus, 8005 Zürich Postkonto: 80 –14986 – 5 Vermerk: Mission Wolga 2000/3/740013

IMPRESSUM www.agape.ch • www.agape.ru wolga@agape.ch

WA S C A M P U S F Ü R C H R I S T U S S C H W E I Z I N D E R W E LT B E W E GT

Den 98 Mitarbeitern von Agape international symbolisiert das Kreuz ihren Auftrag die Herzen der Menschen in der ganzen Welt durch Worte und Taten der Liebe zu bewegen.


Wolga 2010 September  

3. Ausgabe 2010

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