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christ sein

Einer macht den Unterschied รœber gewรถhnliche Menschen, die aussergewรถhnliche Dinge tun von Bill Wilson


„Denkst du wirklich ganz tief innen drin, dass eine einzige Person einen Unterschied machen kann ...”

4. Mose 17 » Ich möchte an dieser Stelle von einer besonderen Begebenheit berichten. Es ist Zeit in diesem neuen Jahr für Europa. Ich hoffe, dass einige von euch über ihr Leben, so wie sie es im Moment leben, hinausschauen und sehen, dass es wirklich möglich ist, dass eine einzelne Person in dieser Welt einen Unterschied machen kann. Ein Pastor fragte mich einmal: „Denkst du wirklich ganz tief innen drin, dass eine einzige Person einen Unterschied machen kann in diesem Ding, das wir Christentum nennen? Oder ist das nur etwas, was Leute wie du zu Leuten wie uns sagen, damit wir etwas machen? Wenn eine Person wirklich einen Unterschied machen kann, warum gibt es dann nicht mehr Leute, die es wirklich machen?“ Ich sah diesen Pastor an. Ich wusste, er war am Kämpfen. Ich sagte ihm etwas, was ich nur selten antworte, weil ich es hasse, wenn andere Leute so antworten: „Ich komme auf dich zurück bezüglich dieser Frage.“ Und ich ging zurück nach New York und konnte diese Frage nicht mehr vergessen. Ich lehre das Alte Testament an der Universität, schon seit Jahren. Ich habe mich vorbereitet. Du kannst eine Geschichte zehn Mal lesen. Aber wenn du sie dann noch einmal liest, ist plötzlich etwas anders. Ich war im 4. Mose und las und sagte: Das ist es, hier ist die Antwort auf die Frage des Pastors! Ich habe ihn angerufen und wir haben etwa eine Stunde miteinander gesprochen. Aus diesem Gespräch heraus ist die heutige Botschaft entstanden. Ich möchte euch auf eine andere Seite des Lebens mitnehmen.

Die Kinder von Israel haben sich wieder mal beschwert. Sie haben ständig über Gott geklagt. Und über die Leiterschaft. Sie waren wütend auf Mose und Aaron, weil diese versuchten, eine gewisse Geistlichkeit in den Leuten zu wecken, aber sie waren nicht bereit. Es war eine kleine Revolution. Im 17. Kapitel kommt es zum Höhepunkt. Gott sah die Lage und sagte: „Okay, gut. Ihr mögt die Leiterschaft nicht, die ich euch gegeben habe? Dann werde ich euch alle umbringen.“ Darum mag ich Gott. Weil er es duldet und duldet und duldet; aber eines Tages duldet er es nicht mehr. Die Bibel sagt, dass in diesem Moment 14’700 Leute tot umfielen. Ich weiss nicht, wie ich das euch erklären soll. Bevor diese Tsunami-Katastrophe in Asien passiert ist, war es sehr schwierig, das nachzuvollziehen, was ich gerade gesagt habe. Mose und Aaron haben diese Leute sterben sehen. Doch jetzt nimmt diese Geschichte eine Wendung. Mose dreht sich zu Aaron um und sagt: „Tu etwas!“ Seht ihr, das ist die Dringlichkeit, die bewirkt etwas. Die Dringlichkeit fordert eine Reaktion. Darum hüten sich die Leute vor dringlichen Situationen, denn sie fordern eine Reaktion. Aaron nimmt die Weihrauchpfanne und läuft zum Altar, wo das Feuer ist, und holt etwas von diesem Feuer heraus. Er rannte mit der Pfanne zu den Sterbenden. 4. Mose 17, 13: „Und er stand zwischen den Lebenden und den Toten. Und dort, wo er stand, hörte der Tod auf.“

Wer macht den Unterschied? Kann eine Person wirklich einen Unterschied machen? Es sieht so aus, oder?! Ein Mann rennt zu einem Altar, er holt Feuer und rennt hinaus, dorthin, wo all die Leute sterben. Und es heisst: Dort wo er stand, hörte der Tod auf. Interessant. Wenn es für eine Person möglich ist, einen Unterschied zu machen, dann ist doch die Frage: Welche Art von Leuten machen wirklich einen Unterschied? An der Geschichte fiel mir etwas auf. Aron und das Feuer waren das Einzige, was zwischen den

Bill Wilson, Gründer und Vorsitzender von Metro Ministries International

Toten und den Lebenden war. Die Denomination, die Gruppe und die Leiterschaft reichten nicht aus. Ein Mann rannte zum Altar, holte Feuer und ging einfach. Wer macht so etwas? Wir haben eine stark besuchte Sonntagsschule in der Bronx von New York. Es ist ein schwieriger Ort wegen der Gewalt, und es passieren immer wieder schlimme Dinge. Da waren zwei kleine Kinder, die in diese Sonntagsschule kamen. Das Mädchen war sieben und ihr Bruder fünf Jahre alt. Sie waren nicht geistig behindert, sie waren nur langsam. Sie kamen treu jede Woche, ihre Mutter brachte sie. Eines Tages tauchten sie nicht mehr auf. Sobald die Sonntagsschule aus war, gingen die Mitarbeiterinnen zur Wohnung der Kinder und klopften an. Keine Antwort. Sie konnten das Fernsehen in der Wohnung hören, aber niemand öffnete. Sie gingen zur nächsten Türe und fragten nach. Niemand wusste etwas. Die Frauen hämmerten an die Wohnungstür. Während sie da standen, rochen sie etwas Seltsames. Sie riefen die Polizei, die die Türe aufbrach. Die Mutter lag tot im Wohnungsflur. Ihre Kehle war durchgeschnitten, und sie war bereits eine Woche tot. Daher der Geruch. Die beiden kleinen Kinder sassen auf der Couch und sahen fern. Sie wussten gar nicht, was da vor sich ging. Die Mitarbeiterinnen warteten sieben Stunden vor der Wohnung, weil die Polizei ihnen keinen Einlass gewährte. Sie wollten diesen Kindern helfen. Die Kinder hatten angefangen zu schreien und wurden hysterisch. Sie hatten alles Essbare in der Wohnung aufgegessen. Als die Frauen hineingingen, hatte das siebenjährige Mädchen die Kornflakes-Schachtel genommen und war dabei, sie zu essen. Die Frauen holten ihnen etwas zu Essen. Etwa zwei

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„ ... dort wo sie standen, hat es einen Unterschied gemacht ...”

Wochen später bekam ich einen Anruf vom zuständigen Polizisten. „Ich habe mit einem meiner Männern gesprochen, die an diesem Tag die Türe eingetreten haben. Er hat mir von zwei Mitarbeiterinnen von Ihnen erzählt, die da sieben Stunden gewartet haben. In bin seit 18 Jahren Polizist und habe so etwas noch nie gesehen. Ich weiss immer noch nicht ganz genau, was Ihre Leute machen. Aber im Namen der Polizei von New York City möchte ich Ihnen sagen: Machen Sie weiter!“

Jede von ihnen ein Niemand - und doch… Weil es so aussieht, als ob es einen Unterschied macht. Ich war ja gar nicht dort. Die beiden Mitarbeiterinnen wird man nie im christlichen Fernsehen sehen. Sie sind nicht fernsehtauglich. Eine dieser Frauen kann kaum sprechen, und Unterhaltungen sind ihr peinlich. Aber sie kann gut mit Kindern umgehen. Ihre Freundin ist sehr arm. Sie hat nur ein Kleid. Sie sind ein Niemand. Doch an diesem Tag standen diese beiden Frauen buchstäblich zwischen den Lebenden und den Toten. Und dort, wo sie standen, hat es einen Unterschied gemacht. Normale Menschen, gewöhnliche Menschen. Aron war der unpassendste Mensch, um das zu tun. Er war 100 Jahre alt, als das passierte. Und was sagte Moses: „Renne zum Altar, renne!“ Aron rennt nirgendwo mehr hin, es ist unmöglich! Vers 12: „Du kannst nicht rennen Aron, du bist zu alt, es ist unmöglich.“ Aber er rannte. Ist das nicht erstaunlich? Und ermutigend?

Ich kann das nicht…

Bill Wilson an der EXPLO 2004 in Basel

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„Du siehst die offene Tür, aber du willst nicht hindurchgehen und du weisst nicht, was du machen sollst, wenn du hindurch gehst.”

Habt ihr euch schon mal so gefühlt, als ob ihr irgendwie nicht reinpasst? Ihr passt nicht dazu? Du siehst die offene Tür, aber du willst nicht hindurchgehen und du weisst nicht, was du machen sollst, wenn du hindurch gehst? Du denkst: „Ich kann das nicht machen, ich bin nicht ausgebildet.“ Ich verstehe das, ich fühlte mich früher auch so. Aron rannte zum Altar und holte Feuer. Die Leute sagten: „Du kannst keine Bücher schreiben, Bill Wilson. Du hast lauter schlechte Noten gehabt im Abschlussjahr der Bibelschule.“ Ich weiss, es war ein schlechtes Jahr, es war einfach ein schlechtes Jahr! Aber mein Buch ist jetzt ein Bestseller in 25 Sprachen auf der ganzen Welt. Ich bin in der Bibelschule durchgefallen, und jetzt lehre ich dort... Aron tat einfach das, was er tun musste. Er war nahe genug an der Dringlichkeit, vergesst das nicht. Als meine Mutter mich 1961 an der Strassenecke verlassen hatte, sass ich drei Tage lang an dieser Strassenecke. Sie kam nie zurück. Der Mann, der mich von der Strasse holte, war ein Techniker, der in einer Werkstatt in Florida arbeitete - ein Niemand. Aber eines Tages sah er einen verlassenen kleinen Jungen an der Ecke sitzen. Ich bin froh, dass er nicht darüber beten musste, was er tun sollte. Was gab es denn da zu beten? Wir hatten eine Frau in unserer Erwachsenengemeinde in New York. Sie gab ihr Leben Jesus. Sie kam aus Puerto Rico und sprach nur Spanisch. Durch den Übersetzer hat sie zu mir gesprochen und sagte: „Pastor, ich möchte etwas für Gott tun. Ich schulde ihm etwas. Was auch immer du sagst, ich werde es machen.“ „Ich weiss nicht, was du machen kannst mit der Sprachbarriere, das ist ein Problem. Nun, wir haben 50 Busse, mit denen wir die Kinder abholen. Fahre jede Woche einen anderen Bus und sage den Kindern, dass du sie liebst.“ Ich wusste nicht, was ich ihr sonst sagen sollte. Ich habe sowieso nicht gedacht, dass sie das machen würde. Darum habe ich es wieder vergessen.


INFOBOX Das Mögliche tun Sie hat es gemacht. Sie lernte auf Englisch zu sagen: „Ich liebe dich, Jesus liebt dich.“ Das war alles, was sie sagen konnte. So suchte sie jede Woche das dreckigste und ärmste Kind in diesem Sonntagsschulbus und sie flüsterte ihm den ganzen Weg hin und zurück zu: „Ich liebe dich, Jesus liebt dich.“ Sie hatte das monatelang getan und schliesslich kam sie zu mir und sagte: „Ich möchte nicht mehr den Bus wechseln. Ich möchte bei diesem Bus bleiben.“ Da war ein kleiner sechsjähriger Junge, der ihre Aufmerksamkeit gewonnen hatte. Er sass immer mit dem Kopf nach unten und sprach nie auch nur ein Wort. Wir wussten nicht ob er überhaupt reden konnte. Drei Monate lang fuhr sie diesen Bus und hatte diesen kleinen Jungen auf ihrem Schoss. „Ich liebe dich, Jesus liebt dich.“ Das Kind sagte nie ein Wort. Zwei Wochen vor Weihnachten, es war ein ganz normaler Tag, hielt der Bus vor dem Gebäude an, wo das Kind wohnte. Ein letztes Mal lehnte sie sich zu ihm hinüber und sagte: „Ich liebe dich, Jesus liebt dich.“ Normalerweise sprang er von ihrem Schoss auf und rannte los. Aber an diesem Tag war es anders. Er stand auf und kam ganz nah an sie heran und hat mit seinen Händen ihr Gesicht genommen und versuchte zu sagen: „I, ii… ichh lii, llliiiebe d… dich …auch.“ Es war um 14:30 Uhr an einem Samstagnachmittag. Abends um 18:30 Uhr fanden sie den kleinen Jungen tot in einem Müllsack unter der Feuerleiter des Gebäudes. An diesem Nachmittag hat die Mutter den Jungen mit einem Baseballschläger zu Tode geschlagen, ihn in einen Abfallsack gepackt und weggeschmissen. Aber eines der letzten Worte, die dieser kleine Junge hörte, bevor er starb, kam von einer Lady, die nicht einmal Englisch konnte: „Ich liebe dich, Jesus liebt dich.“

Bill Wilson ist der Gründer und Vorsitzender von Metro Ministries International Metro Ministries ist die grösste Sonntagsschule in Amerika und erreicht jede Woche zehntausende von Kindern mit einer Botschaft der Hoffnung. Ihr Ziel ist, Kinder aus dem Getto-Leben in Drogen, Gewalt und Missbrauch zu retten. Wilson entwickelte ein Studienkonzept, das heute weltweit verwendet wird. Wilsons einzigartige Strategie, Kinder zu erreichen, etablierte sich in mehreren Städten in den USA und rund um die Welt, von Nordirland bis Malaysia und von Peru bis zu den Philippinen. www.metroministries.org

„I, ii… ichh lii, llliiiebe d… dich …auch ...“ Da war eine Frau, die war ein Niemand und die sah diesen kleinen Jungen, den niemand haben wollte. Sie hat einen Unterschied gemacht. Welche Art von Leuten macht das? Gewöhnliche Menschen wie du und ich! Gewöhnliche Menschen, die aussergewöhnliche Dinge tun. Sie rennen zu einem Altar und holen Feuer und dann gehen sie einfach los.

Bist du bereit? Er rannte zum Altar und er holte Feuer und er stand zwischen den Toten und den Lebendigen. Was für Menschen machen so etwas? Einfach Leute, die die Not sehen. Dann wird die Not zum Ruf. Wer hätte jemals gedacht, dass der kleine arme Junge mit den Löchern in seinen Hosen, der so stark stotterte, dass er nicht richtig reden konnte, eines Tages erwachsen und zum Pastor der grössten Sonntagsschule der Vereinigten Staaten werden würde. Lustig, nicht? Ein Mann sah den kleinen Jungen, den keiner wollte, und er sagte: „Ich kümmere mich um ihn, ich schicke ihn zu einem Jugendcamp.“ Dort hörte er die Geschichte von Jesus zum ersten Mal. Ich habe gerade ein Flugzeug in Kuala Lumpur stehen. Wir haben es gestern gechartert. Es wurde mit Material für Sri Lanka beladen. Manchmal schauen mich meine Mitarbeiter an, als ob ich verrückt wäre. „Du kannst das nicht immer machen. Denkst du, dass du dort einen Unterschied machen kannst, Bill Wilson?“ Ich denke schon!

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Referat, das Bill Wilson an der EXPLO 04 in Basel hielt. Das vollständige Referat gibt es auf Audio-Kassette, CD-ROM oder DVD: Plenum 8 – Abendplenum: „Unsere Gesellschaft mit dem Evangelium prägen“ mit Peter Wenz, Bill Wilson und Sabine Ball. http://www.medienshop.ch/shop_ explo04.htm oder Telefon: +41 62 771 72 38

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