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HANDWERK: BAU HAUS 3/15

DIE INFORMATION DES KURSZENTRUMS BALLENBERG


Handwerk 3/2015

DAS KURSZENTRUM BALLENBERG WÄCHST UND BAUT

Bild: Bauart Architekten und Planer AG

2

Ein Kubus, 16,50 Meter lang, 7,50 Meter breit und rund 10 Meter hoch, soll westlich des bestehenden Kurszentrums errichtet werden. Grosszügige Fensterfronten werden – auf jedem der drei Stockwerke von einer anderen Seite – viel Licht in die Räume einströmen lassen.


DAS KURSZENTRUM BALLENBERG WÄCHST UND BAUT Wir bauen weitere Kursräume. Auf unser 20-JahrJubiläum 2016 erstellen wir einen Erweiterungsbau. Namhafte Sponsoren und private Geldgeber unterstützen unser Vorhaben. Nachhaltiges Bauen ist uns ebenso ein Anliegen wie traditionelles Handwerk in Kombination mit neuen Formen.

ausbau sollen historische Baumaterialien wie Lehm und Kalk und die entsprechenden Bautechniken nachhaltig neu und somit wegweisend interpretiert werden. Das Erdgeschoss wird einen Werkstat-

Shop Werkhof

traum etwa für Schmiede-, Keramik- und Baukurse beherbergen. Das erste Obergeschoss wird als Kursraum zum Beispiel

bestehendes Kursgebäude

für textiles Gestalten dienen. Im zweiten Obergeschoss werden mit sehr viel einheiWer in der Freizeit drechseln, schmieden oder weben lernen will, weiss seit dem-

20-Jahr-Jubiläum im Herbst 2016 voll-

mischem Holz vier Schlafzimmer für Kurs-

endet sein.

leiterinnen und Kursleiter eingerichtet.

Museumseingang West

Erweiterungsbau

nächst 20 Jahren, wo das möglich ist: bei

Die Pläne für den Erweiterungsbau

Wir freuen uns sehr auf die zusätzli-

uns im Kurszentrum Ballenberg. Seit der

des Kurszentrums stammen von Bauart

chen Räume: Dank dem Erweiterungsbau

Eröffnung 1996 haben wir rund 30’000

Architekten und Planer AG, Bern. Ihre

können wir der stetig steigenden Nachfrage

Interessierte aus der ganzen Schweiz im

ursprüngliche Projektskizze ist aus einem

+ 9.65 unser Kursangerecht werden und auch

Kurszentrum aus- und weitergebildet. Pro

geschlossenen Architektur-Wettbewerb

gebot, das kontinuierlich gewachsen ist,

Jahr werden es immer mehr, die, losgelöst

hervorgegangen, den wir 2014 durchge-

nochmals ausweiten. Für die Standortge-

vom Alltag, kreativ werden und traditionel-

führt haben.

meinde Hofstetten ist der Neubau eben-

sowie von etlichen Privatpersonen grosszü-

les, teils seltenes Handwerk in neue For-

+ 6.60

Adminis­tration Freilicht­museum

Der Erweiterungsbau ist als kubischer

falls wichtig: «Das Kurszentrum ist – wie

gig unterstützt: Sie machen unser Projekt

Körper mit einer Länge von 16,50 Meter,

das Freilichtmuseum – ein wirtschaftlicher

möglich und realisierbar. Zurzeit führen

Das Statthalteramt Interlaken hat die

einer Breite von 7,50 Meter und einer Höhe

und touristischer Faktor für unser Dorf»,

wir das Fundraising weiter, um den derzeit

Errichtung unseres Erweiterungsbaus am

von rund 10 Meter geplant. Die tragende

so Paul Fuchs, der Gemeindepräsident von + 3.30

noch offenen Restbetrag zu decken.

21. September 2015 bewilligt. Nach Aus-

Betonkonstruktion, die vor Ort fugenlos

Hofstetten.

schreibung und Vergabe der Arbeiten soll

gegossen werden soll, folgt einfachen,

In unserem Vorhaben werden wir von

der Spatenstich im Spätwinter 2016 er-

nachvollziehbaren Prinzipien und spannt

der Stiftung Kunst und Handwerk, von der

folgen. Verlaufen die Arbeiten nach Plan, Arbeitsbereich

so den Bogen auf zwischen traditioneller

0.00 Ernst-Göhner-Stiftung ±und von der Kul-

wird der Erweiterungsbau zu unserem

und zeitgenössischer Baukultur. Im Innen-

turstiftung der Gebäudeversicherung Bern

mensprachen überführen.

Westfassade

Südfassade + 9.65 + 9.65

+ 6.60 + 6.60

+ 3.30 + 3.30

± 0.00 ± 0.00

Arbeitsbereich

Ostfassade

Westfassade Ostfassade

Südfassade

Arbeitsbereich

Westfassade

Südfassade Nordfassade

Westfassade

+ 9.65

Massstab 1:100 Bauart Architekten und Planer AG Laupenstrasse 20 | 3008 Bern

Fassaden

0

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Der Erweiterungsbau wird westlich des bestehenden Kursgebäudes errichtet. Neben den privaten Geldgebern engagieren sich die Stiftung Kunst und Handwerk, die Ernst Göhner Stiftung, die GVB Kulturstiftung und die SGG.


INHALT Das Kurszentrum Ballenberg wächst und baut

2

Walter Gropius: Das Manifest

5

Bei Max Hächler zu Besuch

6

Neuer Bildungsgang Sattlerei 8 Neuer Bildungsgang Polsterei 9 7 Fragen an: Annette Knoblauch und Peter Flück

11

Die Schere

12

Generationenkurse 2016

14

VORWÄRTS ODER ZURÜCK?

So freuen wir uns, dass zahlreiche

Wenn wir ans Bauen von neuen

private und institutionelle Sponsoren

Werkstätten denken, lohnt es sich, einen

und Geldgeberinnen uns vertrauen, das

Blick zurückzuwerfen – vor fast 100 Jah-

Handwerk und die Vermittlung von Kön-

Aufgefallen:

ren schuf Walter Gropius in Weimar das

nen auch in Zukunft stärken und uns in

25 Kurse in vier Jahren

staatliche Bauhaus und verfasste das be-

der Finanzierung des Erweiterungsbaus

merkenswerte Manifest: Seine Botschaft

unterstützen.

Aus dem Archiv: Die Obstverwertung

16 18

Gourmetfraktion, Säumerhaus, Alpenrose und Dorfladen

20

Handwerk im Freilichtmuseum Ballenberg

22

damals: Zurück in die Werkstatt – Archi-

2016 sind wir hier beim Freilichtmu-

tekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen

seum Ballenberg bereits zwanzig Jahre

zum Handwerk zurück.

unterwegs!

Wir fassen den Kreis noch weiter: Wir

Kurz oder lang? Wir blicken auf eine

sind überzeugt, dass Handwerk zur allge-

reiche und glückliche Zeit zurück. Vieles,

meinen Bildung gehört – dass Handwerk

das wir uns erdacht haben, hat sich gut

Handwerk 3/2015 Bau Haus

die Würze im Alltag ist, dass etwas selber

entwickeln können, wir haben unsere An-

zu können ganz entscheidend ist für das

gebote stets ausbauen können, und wir

Herausgeber: Kurszentrum Ballenberg CH-3858 Hofstetten Telefon 033 952 80 40 www.ballenbergkurse.ch info@ballenbergkurse.ch

eigene Selbstverständnis und Weiterkom-

freuen uns weiterzubauen!

men. Wissen kann kommuniziert werden,

Herzlich

Druck: Thomann Druck, Brienz Layout: Thomas Küng Auflage: 2’500 3 Ausgaben jährlich Abo Inland Fr. 38.– Abo Ausland Fr. 48.– Bilder: Die Bilder in diesem Heft sind, wo nicht anders vermerkt, von Nina Mann.

Können muss geübt werden: Auch Entwicklung und Innovation kann man zwar denken, aber erst im ­Machen werden sie greifbar. Wir meinen also: Vorwärts in die Werkstatt, vorwärts zum Handwerk! Was gemacht ist, ist Tatsache (lat. Factum), ist Wirklichkeit. Handwerk ist dem Material, dem richtigen Umgang mit den Materialien verpflichtet und blufft nicht.

Adrian Knüsel, Leiter


DAS ZIEL ALLER BILDNERISCHEN TÄTIGKEIT IST DER BAU. Bau Haus – so der Titel dieser Ausgabe unseres Magazins «Handwerk» – lehnt sich ganz frech an das Bauhaus an. Sprachlich und inhaltlich. Die weltberühmte Schule, vor fast 100 Jahren gegründet, vereinte Kunst und Kunsthandwerk. Das tun wir im Kurszentrum auch. Und Walter Gropius rief in seinem Gründungs-Manifest auf, «die zeichnende und malende Welt» wieder zu einer bauenden zu machen. Das tun wir im Kurszentrum jetzt ebenfalls: mit unserem Erweiterungsbau zum 20-Jahr-Jubiläum 2016.

Durch die Zusammenlegung der bis

stehen sie in selbstgenügsamer Eigenheit,

Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle

1915 von Henry van de Velde geleiteten

aus der sie erst wieder erlöst werden kön-

müssen zum Handwerk zurück! Denn

Grossherzoglich-Sächsischen Kunstgewer-

nen durch bewusstes Mit- und Ineinan-

es gibt keine «Kunst von Beruf». Es gibt

beschule mit der Grossherzoglich-Sächsi-

derwirken aller Werkleute untereinander.

keinen

schen Kunstschule schuf Walter Gropius

Architekten, Maler und Bildhauer müssen

dem Künstler und dem Handwerker. Der

1919 in Weimar das Staatliche Bauhaus.

die vielgliedrige Gestalt des Baues in seiner

Künstler ist eine Steigerung des Handwer-

Unmittelbar nach seinem Amtsantritt als

Gesamtheit und in seinen Teilen wieder

kers. Gnade des Himmels lässt in seltenen

Bauhaus-Direktor liess er ein vierseitiges

kennen und begreifen lernen, dann wer-

Lichtmomenten, die jenseits seines Wol-

Flugblatt drucken. Es trug auf der Vorder-

den sich von selbst ihre Werke wieder mit

lens stehen, unbewusst Kunst aus dem

seite Lyonel Feiningers Holzschnitt «Ka-

architektonischem Geiste füllen, den sie in

Werk seiner Hand erblühen, die Grundlage

thedrale» und enthielt sowohl das Grün-

der Salonkunst verloren.

des Werkmässigen aber ist unerlässlich für

dungs-Manifest als auch ein detailliertes

Die alten Kunstschulen vermochten

Lehrprogramm. Darin verkündete Gropius

diese Einheit nicht zu erzeugen, wie sollten

jeden Künstler. Dort ist der Urquell des

das primäre Ziel seiner Schule: Architek-

sie auch, da Kunst nicht lehrbar ist. Sie

Bilden wir also eine neue Zunft der

tur, Bildhauerei und Malerei sollten zum

müssen wieder in der Werkstatt aufgehen.

Handwerker ohne die klassentrennende

Handwerk zurückgeführt werden. Der

Diese nur zeichnende und malende Welt

Anmassung, die eine hochmütige Mauer

Name Bauhaus wurde in Anlehnung an

der Musterzeichner und Kunstgewerbler

zwischen Handwerkern und Künstlern

die Bauhütten der mittelalterlichen Kathe-

muss endlich wieder eine bauende wer-

errichten wollte! Wollen, erdenken, er-

dralen gewählt, in denen Kunst und Hand-

den. Wenn der junge Mensch, der Liebe zur

schaffen wir gemeinsam den neuen Bau

werk miteinander zum Gemeinschaftswerk

bildnerischen Tätigkeit in sich verspürt,

der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein

des Grossen Baus verschmolzen.

wieder wie einst seine Bahn damit beginnt,

wird: Architektur und Plastik und Malerei,

ein Handwerk zu erlernen, so bleibt der

der aus Millionen Händen der Handwerker

«Das Endziel aller bildnerischen Tätig-

unproduktive «Künstler» künftig nicht

einst gen Himmel steigen wird als kristal-

keit ist der Bau! Ihn zu schmücken war

mehr zu unvollkommener Kunstübung

lenes Sinnbild eines neuen kommenden

einst die vornehmste Aufgabe der bilden-

verdammt, denn seine Fertigkeit bleibt

Glaubens.»

den Künste, sie waren unablösliche Be-

nun dem Handwerk erhalten, wo er Vor-

standteile der grossen Baukunst. Heute

treffliches zu leisten vermag.

schöpferischen Gestaltens.

Quelle: www.bauhaus-online.de

WALTER GROPIUS: DAS MANIFEST

Handwerk 3/2015

zwischen

5

Wesensunterschied


6

Handwerk 3/2015


FAST EIN WINTERMÄRCHEN … Nach Pfäffikon steigt die Strasse nach Hermatswil steil an, das besiedelte Gebiet liegt rasch hinter uns, wir fahren aufs Land … Alles liegt unter einem dicken weis­sen Polster – magisch wird jedes Geräusch gedämpft und es schneit ununterbrochen weiter. Mitten in der weissen Weite weist uns warm das Licht aus Max Hächlers Werkstatt den Weg. Unscheinbar unter den schwer hängenden Ästen einer Baumgruppe geduckt, Wohnhaus und Werkstatt, Max Hächler und CO, Sattlerei und Polsterei. Max empfängt uns in einem Pfäffikon, Sattler und ­ T apezierer in

warm und fast quadratisch. Zwei Kurs-

dritter Generation. Der Grossvater war

teilnehmende sind zu Besuch und vollen-

ursprünglich Bauer, hat aber schon sehr

den unter Max’s Anleitung und Begleitung

viele Sattlerarbeiten ausgeführt.

das im Kurszentrum begonnene und nicht

Max Hächler leitet seit 2010 die Polster­

ganz vollendete eigene Projekt. Die Seiten-

kurse (Einführung und eigenes Projekt

lehnen des Sofas werden überzogen. Für

sowie Generationenkurse) und die Kurse

Max ist es selbstverständlich dass sein Rat

für Sattlerei im Kurszentrum Ballenberg,

und Beistand auch nach dem Kurs in An-

betreibt zusammen mit einer Angestellten

spruch genommen werden kann.

eine eigene Werkstatt für Innendekoration,

Max Hächler hat 2015 über 50 Tage

bildet eine Lehrtochter aus, unterrichtete

für das Kurszentrum Kurse geleitet, und

an der Berufsschule für Hörgeschädigte

hält damit den Rekord unter den Kurslei-

in Zürich, ist Vater von vier erwachsenen

tenden. Mit den neuen Angeboten könnten

Kindern und Fussballtrainer der 3. Aktiv-

es 2016 noch mehr werden … Max lacht, ja

Mannschaft des FC Pfäffikon. Zudem singt

er schätzt den Kontakt mit den Kursteil-

er im Männerchor Pfäffikon und unterrich-

nehmenden sehr. «Ich gebe mein Können

tet in Zug am GIBZ (Gewerblich-industri-

gerne weiter!»

elles Bildungszentrum Zug) Materialkunde

Besuch bei Max Hächler, mit Nina Mann,

für Einrichtungsgestalterinnen.

Dezember 2014, Adrian Knüsel 2015

Ein Blick in die Werkstatt, neben zahlreichen Werkzeugen, Barometer und Zeitzeuge Guisan.

BEI MAX HÄCHLER ZU BESUCH

Handwerk 3/2015

MAX HÄCHLER,

lover. Der Werkstattraum ist freundlich,

7

für ihn typischen blauen Waffelmusterpul-


BILDUNGSGANG SATTLEREI Der Sattlerei Bildungsgang gibt Einblick in die fachgerechte Verarbeitung von Leder mit Schwerpunkt auf Taschen, Mappen, Rucksäcken, Riemen, Etuis, aber auch auf Zügel und Zaumzeug. Das Kurszentrum Ballenberg bietet neu den Bildungsgang Sattlerei an, der auf 3 Modulen aufgebaut ist.

ZIELSETZUNGEN Die Teilnehmenden - lernen die Grundlagen der Materialien kennen - befassen sich mit den unterschied­ lichen Arbeitstechniken - setzen sich mit Stilkunde auseinander - entwickeln eigene Projekte - dokumentieren Ihre Arbeit und die Ent-

Handwerk 3/2015

wicklung während des Bildungsganges

ZIELGRUPPE Der Bildungsgang richtet sich an interessierte Personen, denen eine vertiefte Weiterbildung wichtig ist und die bereit sind, sich über einen längeren Zeitraum

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mit den verschiedensten Aspekten und gestalterischen Prozessen im entsprechenden Thema auseinanderzusetzen. Der Bildungsgang richtet sich auch an interessierte Laien und Amateure, und eignet sich als Weiterbildung für Personen aus den Bereichen Lehrtätigkeit, Sozialpädagogik und Freizeitanimation.

VORAUSSETZUNGEN Bereitschaft, sich auf eine lebendige Auseinandersetzung mit Materialien, Techniken und Gestaltungsprozessen einzulassen. Eigenverantwortlichkeit und selbstständige Arbeitsweise.

NEUER BILDUNGSGANG SATTLEREI


Handwerk 3/2015 9

NEUER BILDUNGSGANG POLSTEREI


BILDUNGSGANG POLSTEREI Das Handwerk der Polsterei gibt ­Einblick in die Verarbeitung der verschiedensten Materialien: Gurten, Stahlfedern, Schnüre, Rosshaar, ­ Kokosfasern, Jute­ gewebe, Baumwolltuch, B ­ezugsstoffe, Kunstleder und Leder! Und immer das Wohlergehen das bequeme und ästhetische Sitzen im Fokus. Das Kurszentrum Ballenberg bietet neu den Bildungsgang Polsterei an, der auf 4 Modulen aufgebaut ist. Pro Kalenderjahr

Die Bildungsgänge stehen allen offen, mit oder ohne Vorkenntnisse. Die Module sind aufbauend konzipiert, und sind in ihrer Reihenfolge zu besuchen.

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Handwerk 3/2015

werden 2 Module angeboten.

Detailinformationen zu Preis, Zeitrahmen und Arbeitsaufwand finden Sie auf unserer Homepage: www.ballenbergkurse.ch

Die Bilder auf den vorangehenden Seiten und hier sind in Einführungskursen Sattlerei und Polsterei entstanden.


2 Was haben Sie kürzlich selber gemacht oder repariert? 3 Was interessiert Sie besonders im Zusammenhang mit den Tätigkeiten des Kurszentrums Ballenberg? 4 Wenn Sie sich morgen eine neue Fähigkeit wünschen könnten, welche wäre das? 5 Träumen Sie von etwas Bestimmten, das Sie schon lange gerne machen wollten? Warum tun Sie es nicht? 6 Welchen Gegenstand aus ihrer Haushaltung würden sie auf die berühmte einsame Insel mitnehmen, und warum? 7 Wofür sind Sie in ihrem Leben am meisten dankbar?

ANNETTE KNOBLAUCH 1 In unserer Familie wurde der Begriff «selber machen» tagtäglich gelebt: Kleider und Vorhänge, ja sogar Zelte hat unsere Mutter genäht, alle Zimmer im Haus bekamen über die Jahre von ihr einen neuen Anstrich. Die Gartengestaltung, Reparaturen aller Art und Körbe flechten waren die Welt unseres Vaters. Im Sommer und Herbst ging es um die Gemüse – und Obstverwertung, Süssmost pressen und Konfitüre einkochen. Früh habe ich gelernt, dass es möglich ist, vieles selber herzustellen. Schon als Kind probierte ich Verschiedenes aus und seither begleitet mich die Freude am Handarbeiten stetig. 2 Für eine Hochzeit habe ich mir meine Garderobe genäht. Zurzeit bin ich daran, Taschen zu kreieren und einen Pullover zu stricken. Ich habe immer verschiedene Arbeiten gleichzeitig «am Laufen»; je nach Lust und Laune konzentriere ich mich auf das eine oder das andere. 3 Seit einem Hutmacherkurs im Jahre 2007 und meinem ersten Filzkurs im Jahre 2008 hat mich der «Ballenbergvirus» gepackt. Meine Interessen drehen sich vor allem um die Materialien Wolle, Stoff, Leder und Papier. Immer wieder kehre ich ins Kurszentrum zurück, da ich die gute und anregende Atmosphäre im und ums Haus sehr schätze. Es ist wunderbar, von den kompetenten Kursleiterinnen und Kursleitern, die ihr Handwerk mit Herzblut vermitteln, zu lernen. Nach einem Kurs gehe ich jeweils erfüllt nach Hause, voller Motivation und Energie, weiter kreativ tätig zu sein. Annette Knoblauch. *1959, Primarlehrerin und Familienfrau; drei erwachsene Kinder. Kursteilnehmerin in einem der ersten Bildungsgänge Filz, und aktuell Teilnehmerin im ersten Bildungsgang Papier.

In den Jahren 2009 – 2012 habe ich den Filzbildungsgang absolviert. 2014 besuchte ich die Schuhmacherwoche und aktuell habe ich diesen Herbst den neu angebotenen Papierbildungsgang begonnen. 4 Gut zeichnen können – damit ich meine vielen Ideen aufs Blatt bringen könnte. So müssten sie nicht mehr in meinem Kopf herumwirbeln. 5 Gerne würde ich zusammen mit gleichgesinnten Menschen ein schönes Lokal mieten, in dem es möglich ist, verschiedene Kurse anzubieten, Ausstellungen und Konzerte zu organisieren. Es sollte ein Treffpunkt für den kreativen Austausch sein. Ich tue es (noch) nicht, weil mir aktuell die Zeit, das passende Lokal und das nötige Kleingeld fehlen. 6 Ein gutes Sackmesser mit verschiedenen Klingen. So könnte ich andere Werkzeuge selber herstellen. Beispielsweise ist mir vor vielen Jahren auf dem Weg auf eine Alp im Rucksack eine Stricknadel zerbrochen. Dank eines Sackmessers konnte ich mir eine Stricknadel Nr. 6 schnitzen.

7 Ich bin sehr dankbar für meine gute Gesundheit; sie hilft mir, meine vielen Ideen umzusetzen. Gleichzeitig bin ich glücklich, in einem wohlwollenden, interessierten Umfeld (Familie, Freundeskreis) zu leben. Der Austausch mit anderen kreativen Menschen ist für mich sehr wichtig und inspirierend und treibt mich in meinem «Handwerken» weiter an.

PETER FLÜCK 1 Ich bin gelernter Sanitärmonteur und schätze die praktische Arbeit immer sehr. Zudem habe ich viele Lehrlinge ausgebildet und unterrichtete während über 20 Jahren an verschiedenen Schulen von der Lehrlings- bis zur Meisterstufe. 2 Die Garagenwände in unserer Garage gestrichen (aber nur innen :-). Die Wasserfassung für die Wasserversorgung Axalp an Tschingelfeld mit Schaufel und Pickel von Steinen und Geröll befreit. 3 Die sehr vielfältigen Angebote in den verschiedensten Berufen. 4 Dass ich Helikopter fliegen kann. 5 Mehr Zeit haben um Sport zu treiben. Weil ich sonst all meinen beruflichen Verpflichtungen zur Zeit nicht gerecht werden kann. 6 Kein Gegenstand, dafür meine Partnerin! 7 Dass ich jeden Morgen gesund aufstehen kann, um mit positiven Gedanken an all meine Lieben den neuen Tag in Angriff zu nehmen.

Peter Flück. *1957, Dipl. Sanitärplaner, dipl. Berufsschullehrer und Energieberater Gebäude. Grossrat, Regionspräsident, Stiftungspräsident einer Pensionskasse, Verwaltungsrat Zentralbahn, Stiftungspräsident Ballenberg Freilichtmuseum der Schweiz. Ich lebe zusammen mit meiner Partnerin in Interlaken, habe grosse Freude an meinen zwei erwachsenen Söhnen mit ihren Frauen und den vier Grosskindern.

7 FRAGEN AN ANNETTE KNOBLAUCH UND PETER FLÜCK

Handwerk 3/2015

Sie zum Handwerk?

11

1 Welchen Bezug haben


12

Handwerk 3/2015


DIE SCHERE

oder List gehandhabt oder geführt. Sche-

der göttlichen Hebamme, die die Geburt

werkzeuge symbolisieren sie die Fähigkeit

Ein Werkzeug der Verwundung, Kas-

ren reflektieren jedoch auch die dunkels-

des Einzelnen begleitet und den Nabel vom

des Bewusstseins, zu begrenzen, zu glie-

tration und Gewalt. Scheren sind für die

ten Mysterien des Urweiblichen. Scheren

pleromantischen Mutterleib trennt, oder

dern, freizusetzten und «bis ins Innerste

Arbeit so unterschiedlicher Berufsgruppen

bestehen aus zwei scharfen Klingen, die

von Kali, der Hindu-Göttin von Zeit, Mate-

vorzudringen» (EoR 2:237). Doch Scheren

wie Näher, Ärzte, Schlachter, Kosmetiker,

sich öffnen und schliessen können, und

rie und Zerstörung. Scheren, wie chinesi-

deuten auch an, dass das bewusste L ­ eben

Künstler, Handwerker und Landschafts-

verweisen so auf den trennenden Rachen

sche mit einer Feder zwischen den Griffen,

selbst anfällig dafür ist, beschnitten zu

gärtner

Bedeutung.

des Todes oder die langen Schnäbel von

die das Öffnen und Schliessen beeinflusst,

werden.

Scheren schneiden Überschüssiges weg,

Seevögeln, die sich ihre Beute aus den

wurden erstmals in der Bronzezeit entwi-

kreieren aus Rohmaterial etwas Neues,

Tiefen schnappen. Mit einer Schere zer-

ckelt, während Gelenkscheren in römi-

trennen, um ein Ding vom anderen zu

schneidet Atropos, die dritte der griechi-

scher Zeit aufkommen. Wie auch immer

lösen. Mythisch wird diese Schneidekraft

schen Schicksalsgöttinnen, den Faden des

sie benutzt werden, Scheren sind Symbole

oft von überirdischen Zwecken, Weisheit

Lebens. Scheren sind auch das Emblem

der Transformation. Wie andere Schneide-

Baird, Merrily C. Symbols of Japan, New York, 2001, Das Buch der Symbole, Betrachtungen zu archetypischen Bildern, Taschen 2011

Handwerk 3/2015

erheblicher

13

von

17 Scheren aus privater Sammlung


GENERATIONENKURSE 2016 Suchen Sie eine spezielle Idee für ein aussergewöhnliches Wochenende? Oder das etwas andere Weihnachtsgeschenk? Wieder bietet das Kurszentrum Ballen­berg Generationenkurse an. Eltern, Grosseltern, Götti und Gotten, Tanten und Onkel haben die einmalige Möglichkeit, gemeinsam mit Kindern und ­Jugendlichen handwerkliche Techniken zu erlernen, sich im Umgang mit verschiedenen Materialien zu üben und ­Gestaltungsideen zu entwickeln. Die Generationenkurse werden unterstützt durch das Bundesamt für Kultur, die Familien-Vontobel-Stiftung und die Ernst Göhner Stiftung. Detailinfo und Anmeldung: www.ballenbergkurse.ch 2 Kurstage CHF 300.– für eine erwachsene Person und ein Kind/­Jugendliche inklusive Verpflegung SA und SO, 16.01. bis 17.01.2016 Parfum (1 Tag) Buchbinden Druckwerkstatt auf Papier Farbkasten Polstern – Rosshaarsitzkissen Werkzeugkiste in Holz SA und SO, 11.06. bis 12.06.2016 Schmieden (1 Tag), Buchbinden Camera Obscura Drechseln Druckwerkstatt auf Papier Farbkasten Polstern – Rosshaarsitzkissen Raku – Schalen brennen im Holzofen Werkzeug­kiste in Holz SA und SO, 17.09. bis 18.09.2016 Schmieden (1 Tag) Parfum (1 Tag) Buchbinden Drechseln Druckwerkstatt auf Papier Farbkasten Schreinern – Hocker Holzschnitzen – Schale Polstern – Rosshaarsitzkissen Tambourin

Bilder aus den Generationenkursen 2015 Beachten Sie, dass wir an den drei Wochenenden im 2016 unterschiedliche Themen anbieten.

GENERATIONENKURSE 2016


Handwerk 3/2015 16 aus: «Etymologisches Wörterbuch des Deutschen», 4. Auflage, 1999, Deutscher Taschenbuch Verlag

AUS DEM ARCHIV: DIE OBSTVERWERTUNG


Handwerk 3/2015 17 aus: «Der Heimatwerkbote – Ratgeber für die handwerkliche Selbsthilfe» Winter 1962/63, 11. Jahrgang, No. 3


Taglöhnerhäuschen (Baujahr

weise einen Kurs des WWF betreffend Er-

1860) am Rande der Hochebene des Belp­

satz bestehender Elektroheizung durch

bergs gelegen, sollte renoviert und in Stand

Solar­ panels. Dies war für die Lage des

gesetzt werden. Inge Schütz hatte das Haus

Hauses nicht günstig, da ich nur 4 m2 Süd-

von ihrer Tante erworben, die altershalber

Ostdachfläche zur Verfügung hatte. Dies

das Haus nicht mehr halten konnte. Für

genügte meines Erachtens nicht. Ich habe

Inge Schütz, ursprünglich in der Finanzwirt-

mich dann für eine Luft Wärme Pumpe ent-

schaft tätig, war bald klar: sie musste sich

schieden und die Heizverteilung mittels Leh-

kundig machen, um Entscheidungsgrundla-

meingebetteter Wandheizung realisiert. Hier

gen zu erarbeiten, und um Sachkompetenz

kamen dann die Kurse des Kurszentrums

gegenüber den Planern und Handwerkern

geleitet von Ralph Künzler, Lehmbau, Kalk-

zu haben. Sie erzählt:

putz und ­Tadelakt zur Anwendung.

18

Handwerk 3/2015

Das

«Beim Besuch des Ballenbergs habe

Bei der Sanierung war mir wichtig, dass

ich das Haus Matten ein paar Mal be-

die Fachwerkkonstruktion keinen Schaden

sucht. Dieses ist natürlich viel grösser

nimmt. Es gibt naturgemäss viele Kältebrü-

als meins und ist sehr schön ausgebaut.

cken, welche nicht eliminiert werden können

Ein zusätzlicher Anbau war bei mir nicht

sodass ich darauf geschaut habe, eine diffu-

möglich, ich hatte verschiedene archi-

sionsoffene Dämmung zu installieren. Diese

tektonische Lösungen, aber diese hät-

besteht nun aus 8 cm dicken Schafwolleplat-

ten das Bauvolumen zu stark gestört.

ten, darauf Pavatex- und die Lehmplatten

Ich habe zuerst die Kurse besucht, welche

mit der Heizverteilung. Innen Lehmputz und

für den Umbau relevant waren: Beispiels-

Aussen habe ich die alte Dispersionsfarbe


abgeschliffen, die schadhaften Stellen wurden mit Kalkputz, verstärkt mit Kuhhaar, wieder renoviert. Tadelakt habe ich auch in den beiden Badezimmern angewendet. Der Innenausbau wurde von einer professionellen Holzbaufirma ausgeführt. Ich habe darauf geachtet, dass ich die alte, original Holztäferung und den alten ­Boden wieder verwenden konnte. Mit dem Boden hat der Zimmermann Wandverkleidungen gemacht und mit dem Täfer (konnte wegen der Wandheizung nicht an der Wand angebracht werden) haben wir die Deckenverkleidung vom Entrée ergänzt.

Belastungen etwas abschätzen konnte, und das Gelernte habe ich zur Kontrolle des Schlafplatzes eingesetzt. Die Kurse, Sense, Dengelstock und Wetzstein, Gärtnern und Kompostieren, Weidenbau (der Weidenkorb steht jetzt unter der Linde), Natursteinmauern sowie Klopfsteinpflaster habe ich ­besucht, damit ich bei der Planung des Gartens weiss, welche Elemente ich einsetzen soll und was ich selber machen könnte. Beim Umbau des Gartens (Nagelfluh) kamen dann so viele Natursteine zum Vorschein, dass ich eine breite Natursteintreppe habe anfertigen lassen. Weidengebilde hatten aber keinen Platz und auch das Kopfsteinpflaster habe ich dann durch Schieferplatten ersetzt. Die Sense kommt wohl nicht gross zum Einsatz, da ich mich nur für ein N ­ aturgartenbord entschieden habe und nicht den ganzen Rasen als Naturwiese wachsen lasse. Es ist eben manchmal schwierig, alles vorauszusehen was gefällt und was nicht…» «Besucher und Nachbarn finden, dass der Umbau super gut gelungen ist. Mein Ziel war es, das Haus so ökologisch, energe-

lich zu renovieren, damit es mindestens nochmals 150 Jahre hält. Aber es sollte auch einen modernen Lebensstil ermöglichen und pflegeleicht sein. Das Haus meines Nachbarn (Muserhüsli) ist 1861 gebaut worden und neben beiden Häusern stehen noch je eine imposante Linde.  Handwerk 3/2015

essierte mich, damit ich die geomantischen

Übrigens durchs Polstern konnte ich mein modernes, altes (1988) Edra Sofa neu mit Kuhhäuten überziehen und aus 2 alten Leuchtern machte ich nach dem Kronleuchterkurs einen Neuen. Zur Hausbiographie: Mein Onkel hat

19

Der Pendelkurs mit Bernard Verdet inter-

das Haus 1970 gekauft. Es hatte 2 Zimmer und eine Küche sowie eine Aussentoilette. Der obere Stock war traditionsgemäss ein Heuboden und es gab einen kleinen Geissenstall. Dieser Geissenstall ist heute ­ die Küche und das obere Geschoss hat mein Onkel ausgebaut und jetzt ist es der private Teil mit Schlafzimmer und Aufenthaltsraum. Ich habe sämtliche Fenster durch moderne 3 Fachverglasungen ersetzt.

Inge Schütz vor dem Fachwerk, das mit traditionellem Kalkputz frisch ausgefacht wurde. Wenn man genau hinschaut, sieht man die Kuhhaare die zur besseren Festigkeit dem Putz beigemischt wurden. Im Innern wurde wo immer möglich, das alte Holz wiederverwendet. Hinter der Badewanne Tadelakt (wasserfester, geseifter Kalkputz). Im Garten Zeugen der Kurse «Beton Giessen» und «Face to Face», Holzbildhauerei.

tisch vertretbar und so naturnah wie mög-

AUFGEFALLEN: 25 KURSE IN 4 JAHREN


Der «Kopf» Mark Schlup und links der gelernte Koch Dimitri Schlup, unten das blaue Liefer-Dreirad von Piaggio. Rechts: Mark Schlup und André Ryter vor dem Dorfladen: «Wenn der gelbe Sonnenschirm offen ist, ist auch der Laden bedient». Einblick in den neu gestalteten Laden, und ein Blick in die Gaststube der Alpenrose. Grosses Bild rechts: das zweite, gelbe Dreirad wurde fürs Störkochen und fürs Catering in eine faltbare Küche umgebaut, Mark in Aktion …

EIN NAME, DREI STANDORTE, VIER BETRIEBE Mark Schlup ist zweifellos der Kopf des Unternehmens das in den letzten zwei Jahren von einer schon fast stürmischen

20

Handwerk 3/2015

Entwicklung berichten kann.

im Sommer 2015 auch noch den Dorfladen zu übernehmen. Die Gemeinde Hofstetten stellt ein neues Lokal für den Dorfladen günstig zur Verfügung. Neue Öffnungszeiten, ein neues Konzept und die Verbindung mit der Küche in

Von vorn: Mark beschloss im Herbst

der Alpenrose sind aussichtsreich. Alles

2014 sein Engagement für terra vecchia

geht schnell, die Dorfbevölkerung und die

aufzugeben und «noch einmal etwas eige-

Kursteilnehmenden schätzen den neuen

nes anzufangen» wie er verschmitzt sagt.

Service und mit André Ryter ist auch

Unkompliziert individuell einfach ver -

schon der dritte Mann gefunden, der im

ständlich sollte es sein – Kochen in der

Laden steht, freundlich lachend und noch

Alpenrose, Catering für Anlässe Geburts-

etwas ungelenk die Preise in die Kasse

tage, Feste – Spezialitäten aus dem Pie-

tippt, nach dem Vollrahm sucht, die fri-

mont, wohin noch Beziehungen von frühe-

schen Feigen empfiehlt, den Einkauf zu

ren Lebensabschnitten bestehen.

einem angenehmen Erlebnis macht.

Das einfache Konzept zeigt Erfolg – es

Wir vom Kurzentrum danken für diese

gibt was es gibt – die Kunden werden be-

für uns vitalen Dienstleistungen, die Effi-

handelt wie Gäste die zu Besuch kommen.

zienz und Unkompliziertheit, die Freund-

Der zweite Mann: Nach rund einem

lichkeit und Verbundenheit. Kurse für

halben Jahr kehrt Sohn Dimitri, gelernter

Handwerk leben auch, und nicht zuletzt

Koch mit Berufserfahrung nach Hofstetten

von guter kulinarischer Betreuung.

zurück. Der Vater Mark stellt sich etwas in den Hintergrund, ist froh um Ablösung und findet Zeit neue Projekte zu erarbei-

mehr:

ten, den Ausbau seiner beiden Dreiradkü-

www.saeumerhaus.ch

chen voranzutreiben und überraschend,

www.gourmetfraktion.ch

GOURMETFRAKTION, SÄUMERHAUS, ALPENROSE UND DORFLADEN


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Handwerk 3/2015


Handwerk 3/2015 22

HANDWERK IM FREILICHTMUSEUM BALLENBERG


Wer liebt ihn nicht, den Duft frisch gewaschener Wäsche? Bis weit ins 20. Jahr-

dungsgeistes. Sie haben massgeblich zur

hundert war Waschen Knochenarbeit pur.

technischen Entwicklung in der Schweiz

Immer wieder mussten die Waschfrauen

beigetragen. Um den Wert dieser Kultur-

Wasser aufkochen und in verschiedene Zu-

güter, sowohl zu erhalten, als auch zu

ber schöpfen. Mithilfe von Buchenasche

offenbaren, findet jährlich der Schweizer

und Seife spülten sie Russ und Schweiss

Mühlentag statt, an dem sich auch das

aus Kleidern und Stoffen. Wie sie hartnä-

Freilichtmuseum beteiligt. Am Sonntag,

ckige Flecken entfernt haben? Beobachten

7. Mai 2016 sind die Ballenberg-Mühlen

Sie die schweisstreibende Arbeit an den

voll im Einsatz. Die Leinsamenstampfe,

Waschtagen im Ballenberg, Freilichtmu-

die wasserbetriebene Sägerei, wie die bei-

seum der Schweiz. Vom 26. bis 28. August

den Walliser Mühlen aus Naters und Töbel

2016 bilden unsere «Wöschwiiber» ab, wie

laufen auf Hochtouren. Zahlreiche Gäste

man früher gewaschen und Seife herge-

sind jeweils Zeugen dieser spannenden

stellt hat.

Vorführungen.

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Mühlen sind eindrückliches und eindeutiges Zeugnis des menschlichen Erfin-

Handwerk 3/2015

HANDWERK IM FREILICHTMUSEUM BALLENBERG Ballenberg, wo Handwerk demonstriert, ja zelebriert wird. Sei es in der Gelände­kammer Tessin, östliches Mittelland oder Berner Mittelland; überall im Freilichtmuseum werden nationale und internationale Gäste Zeugen der Faszination Handwerkskunst. Zahlreiche Veranstaltungen gewähren Einblick in die Themen Mühlen, Seide, Waschen und Leinen. Rar gewordene Handwerke werden 1:1 präsentiert.

Brächete – vom Flachs zum Leinen,

Werden Sie Teil der Seidenraupentage,

das ist das Thema der Handwerks-Veran-

vom 22. bis 24. Juli 2016. Erleben Sie live,

staltung vom 15. bis 16. Oktober 2016.

wie sich die Raupen an den Blättern des

­Erleben Sie hautnah mit, wie im Ballen-

Maulbeerbaums satt essen, um dann den

berg aus Flachs feines Leinen wird. Dazu

kostbaren Seidenfaden zu spinnen. Der

sind mehrere Schritte nötig. Es wird gerif-

schimmernde Glanz und der weiche Fall

felt, geröstet, gebrochen, gehächelt, ver-

der Seide sind legendär. Auch die Schwei-

sponnen und verwoben. Spinnen Sie mit

zer Wirtschaft profitierte einige Jahrzehnte

uns, vom Faden bis zur guten Leinenwä-

von der Faszination des Stoffes, den man

sche, Sie werden begeistert sein.

einst mit Gold aufwog. Im Haus aus Novaz-

Ballenberg, ein lebendiges Museum.

zano erleben auch Sie den geheimnisvollen

Weitere Infos zu den Veranstaltungen auf

Weg von der Raupe bis zum Tuch.

www.ballenberg.ch. Bilder: zVg


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GUT GEPOLSTERT INS 2016!

Kurszentrum Ballenberg Handwerk 3/2015  
Kurszentrum Ballenberg Handwerk 3/2015  
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