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HANDWERK: KURS 2016 2/15

DIE INFORMATION DES KURSZENTRUMS BALLENBERG


NANDO, DU FEHLST Mit Nando Crivelli verlieren wir einen Handwerk 2/2015

treuen Wegbegleiter. Du hast es verstanden, die Schönheit der Natur, die du über alles liebtest, in deinen Messern sichtbar und spürbar zu machen.

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Nando Crivelli *1963 Verunfallt beim Gleitschirmfliegen Sonntag, 12. Juli 2015 Bild: zVg

Damast ist wie das Leben, vielschichtig und verwunden. Damast-Klingen selbst zu schmieden, ist wie am Leben arbeiten und im Wandel bleiben.


INHALT

ICH ABONNIERE DIE ZEITSCHRIFT HANDWERK

Neuer Bildungsgang Hutmacherei 2

Name/Vorname:

Vom Kursteilnehmer zum Kursleiter

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Aus dem Archiv: Der Dengelstock

8 PLZ/Ort:

Kurs 2016, die Übersicht zum herausnehmen!

10 Tel:

7 Fragen an:

schaft der Reise: «Die Reise gleicht einem

Die nicht alltägliche Spendenaktion für das Kurszentrum Ballenberg:

Spiel; es ist immer Verlust und Gewinn

Schenken Sie sich ein Pfünderli Brot.

dabei, und meist von der unerwarteten

Der Holzbildhauer und Kursleiter Rochus

Seite.» Stefan Zweig bemerkte zum gleichen

Lussi hat für sie geformt und «gebacken» –

Thema: «Denn nur da wo wir mit Ärger,

täglich frisch, 500 gr Brot für Sie.

Unannehmlichkeiten, Irrtum uns einen

Mit dem Beitrag von CHF 500.– sind

Eindruck erkaufen, bleibt die Erinnerung

Sie mit dabei. Die Brote sind nummeriert

besonders leuchtkräftig und stark.»

und signiert. Sie werden stolze Besitzerin­

Mir scheint, wir machen ­ ähnliche E rfahrungen ­

beim

handwerklichen

Lernen: wir erleben den Widerstand, die ­ Widerspenstigkeit des Materials, erleben ­ den richtigen Einsatz zweckmässiger Mittel, Fehler, Scheitern, die Werkzeuge, die rich­ tige Handhabe, das Üben, die Annäherung zum Können, das Gelingen, das Machen und selber. Ist es abwegig, das Kurspro­ gramm mit Reiseplänen zu vergleichen? Wir haben den Fahrplan 2016 zusam­ mengestellt. Wir laden Sie ein: Planen, Auswählen, Anmelden, Einsteigen, Mitreisen, Weitergehen: Kurs 2016, Willkommen.

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Der Hammer

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Aufgefallen: Kursbesuch mit Folgen ...

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Freilichtmuseum Ballenberg

Jahresabo Fr. 38.–

Mit Räf und Schusterhammer

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Jenni, eine Erfolgsgeschichte

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Jahresabo Ausland Fr. 48.– Kursprogramm 2016 Bitte senden Sie mir das Kursprogramm 2016. Bildungsgänge Bitte schicken Sie mir Informationen zum Bildungsgang:

nen und Besitzer eines Unikats, täglich für Sie frisch. Wir danken herzlich, und freuen uns!

Mail:

Ja, ich will Gönnerin/Gönner werden.

Handwerk 2/2015 Kurs 2016 Herausgeber: Kurszentrum Ballenberg CH-3858 Hofstetten Telefon 033 952 80 40 www.ballenbergkurse.ch info@ballenbergkurse.ch

Bitte senden Sie mir Unterlagen und Einzahlungsschein. Mit einem Betrag ab Fr. 90.– werden Sie Gönnerin oder Gönner des Kurszentrums Ballenberg. Sie erhalten dreimal jährlich unsere Hauszeitung Handwerk gratis. Bitte schicken Sie mir ein Pfünderli Brot von Rochus Lussi zu CHF 500.–

Druck: Thomann Druck, Brienz Layout: Thomas Küng Auflage: 2’500 3 Ausgaben jährlich Abo Inland Fr. 38.– Abo Ausland Fr. 48.– Bilder: Die Bilder in diesem Heft sind, wo nicht anders vermerkt, von Nina Mann.

Adrian Knüsel, Leiter Kurszentrum Ballenberg Bitte herausschneiden und einsenden

Handwerk 2/2015

Johann W. Goethe bemerkte zur Eigen­

NICHT BROT ALLEIN … WAS GÖNNER KÖNNEN!

Franz Kälin und Noémi Speiser

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KURS 2016, REISEN ODER GEREIST WERDEN?

Adresse:


NEUER BILDUNGSGANG HUTMACHEREI

KURSZENTRUM BALLENBERG MUSEUMSSTRASSE 131B 3858 HOFSTETTEN

frankieren

Bitte


Mit Nadja Abgottspon und Verena

HÜTE, DU MEINE GÜTE

Philipp ist es gelungen, zwei ausgewie­ ­

Die begleiten mich schon eine ganze

sene Modistinnen für den Bildungsgang

Weile! Die Faszination und Begeisterung

­Hutmacherei/Modisterei zu finden.

für den Hut startete vor etwas mehr als

Der Bildungsgang führt in das viel­

15 Jahren mit dem Kauf meines ersten

seitige Handwerk der Modistin ein. Die

Sommerhuts. Dieser begleitete mich durch

Teilnehmenden lernen, aus verschie­

mein Studium zur Querflötenlehrerin und

densten Materialien Hüte und Mützen in

er war auch nicht lange alleine in meiner

­unterschiedlichsten Formen zu entwerfen,

Garderobe. Meine Leidenschaft, mit den

zu planen und herzustellen.

Händen kreativ arbeiten zu können und die

Der erste Bildungsgang startet mit

Vorliebe für den Hut, brachten mich zu mei­

­Modul 1, DI 29. März bis SO 3. April 2016,

ner Zweitausbildung als Modistin in Basel.

und umfasst 4 Module. Verlangen Sie das

Seit 5 Jahren fertige ich jegliche Art

Detailprogramm: www.ballenbergkurse.ch

von Kopfbedeckung in meinem eigenen

Die beiden Kursleiterinnen stellen sich hier mit je zwei kurzen Texten vor.

Atelier in Interlaken nach Mass an. Da bediene ich Kundschaft aus der na­ hen Umgebung, der weitläufigen Schweiz und manch ein Hut fand schon durch seine Käuferin den Weg ins ferne Ausland. Was mich immer wieder aufs Neue vielfalt, mit welcher ich arbeiten kann: von Filz über Stroh, Stoff und Pelz, Federn, Blüten, Knöpfe, Perlen ... Die Verarbeitungstechniken könnten unterschiedlicher nicht sein: von feinster

Handwerk 2/2015

­begeistert und fasziniert, ist die Material­

Zieharbeit kommt alles vor. Eine Zange ge­ hört zu meinem Werkzeugsortiment wie die

NADJA ABGOTTSPON

Bild: zVg

Holzformen und das Dampfgerät. An 2 – 3 Tageskursen an der Berufs­

Nach dem Musikstudium an der

fachschule Basel oder dem Kurszentrum

Hochschule der Künste Bern folgte eine

Ballenberg gebe ich meine Begeisterung

Zweitausbildung zur Modistin in Basel bei

für die Kopfbedeckung gerne weiter.

­CHAPEAUX Maria Hiepler.

Mit dem Bildungsgang ­Hutmacherei/

Seit Juni 2010: eigens Hutatelier in

Modisterei haben Sie die Möglichkeit

­Interlaken – HUT!NADJA

­intensiver einzutauchen in ein Handwerk,

Nadja ist in beiden Bereichen

welches sehr vielseitig ist! In vier Kurs­

erfolgreich tätig.

wochen, verteilt auf zwei Jahre, können

Kontakt:

Sie sich mit den verschiedenen Materialien

078 720 18 02

und Formen auseinandersetzten. Mützen

info@hutnadja.ch

wie Hüte werden zunehmend wieder wich­ tiger und beliebter! Sie haben eine lange, bewegte Geschichte hinter sich und wer weiss, was da noch alles auf die Kopf­ bedeckung ­zukommen mag.

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und genauer Näharbeit bis hin zu kräftiger


EIN HUT TUT GUT Mit keinem anderen Kleidungsstück kann man die Individualität der Trägerin oder des Trägers besser hervorheben als mit einem Hut oder einer Mütze. Er schützt vor der Sonne, er wärmt im Winter, er schmückt am Fest, er macht Freude. Das

Handwerk

der

Modistin

ist

vielseitig, detailverliebt, wunderbar. Die ­ Vielfalt der Materialien wie Stroh, Filz, Leder und Textilien machen das Werken abwechslungsreich. Die Herausforderung, das passende Material zur richtigen Form, die richtige Form zur passenden Person zu finden ist spannend. Im Kurs wird man Schritt für Schritt ans Handwerk heran­

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Handwerk 2/2015

geführt.

VERENA PHILIPP

Bild: zVg

Verena Philipp lernte als Zweitausbil­ dung Modistin in Basel. Nach Lehr- und Wanderjahren ist sie seit 2008 selbststän­ dige Hutmacherin mit eigenem Atelier in Chur. Zweimal im Jahr entsteht eine Kollektion. Die meisten Hüte fertigt sie ­ aber nach Mass und Kundenwunsch. Sie ist in der Lehrerweiterbildung tätig und ist Erwachsenenbildnerin SVEB1. Verena Philipp, Modistin Gürtelstrasse 39, CH-7000 Chur Tel. 081 250 69 55, info@kopfform.ch


aus verschiedensten Bogenhölzern. Neben

­intensive Kursleitertätigkeit Bogenbau (ab

Niklaus Maurer entstandene Lücke hat er

gangen ist Gian-Luca Bernasconi in Bern

dem Interesse fürs Holz aber wuchs das

2005 auch im Kurszentrum Ballenberg).

so fliessend füllen können. Gian-Luca ist

Bümpliz. Nach dem Gymi hat er sich,

Interesse fürs Schmieden. 2004 ­ belegte

Da diese Kurse sofort sehr beliebt waren,

ein begabter Vermittler, mit einem ausge­

wie er selbst sagt, für lange Zeit an der

Gian-Luca seinen ersten Schmiedekurs

konnte das Arbeitspensum (auswertiger

sprochenen Flair, seine Begeisterung und

Uni eingeschrieben und mehr oder weni­

mit Niklaus Maurer im Kurszentrum Bal­

Brotjob) auf 60 % reduziert werden. In der

sein Können weiterzugeben.

ger engagiert die Fächer Geschichte und

lenberg, resp. in der alten Schmiede von

«eigenen» Schmiedewerkstatt folgte eine

Neben der Kurstätigkeit arbeitet er

Politikwissenschaften belegt. Neben dem

Bümpliz im Freilichtmuseum Ballenberg.

konzentrierte Zeit des Übens und Tüftelns

im Auftrag u.a. für Museen und hat sich

Studium in verschiedenen Jobs gearbeitet,

Es folgten der Damastkurs und die Be­

im Bereich Klingenschmieden, Damast

­autodidaktisch die fachgerechte Verarbei­

landete er nach Abbruch des Studiums in

geisterung fürs Schmieden war so gross,

und allgemeinen Schmiedearbeiten. Ab

tung von Leder zu Köchern und Messer­

der Logistikbranche.

dass er die Gelegenheit packte, und 2006

2014 übernimmt Gian Luca Bernasconi

scheiden angeeignet.

Das wahre Interesse lag aber im Nach­

in die alte Schmiede in Schliern am Rand

sukzessive Schmiedeeinführungskurse,

Im Jahr 2015 schliesslich wagt Gian

bau von historischem Gerät. So entstanden

der Stadt Bern zog; Werkstatt im Parterre

Damastschmieden und leitet einzelne Mo­

Luca den Schritt in die Selbständigkeit,

bereits in den späten Neunziger Jahren

und über der Werkstatt die Schmiedewoh­

dule des neu gestarteten Bildungsganges

als «selbständig Erwerbsloser», wie er zwin­

die ersten traditionell hergestellten Bögen

nung. Fast gleichzeitig startete er eine

Schmieden. Die durch den Rückzug von

kernd bemerkt.

Gian-Luca Bernasconi, *9. 10. 1968, Bogenbauer, Damastschmied, Messermacher und mehr. 15 Jahre praktische Erfahrung oder die berühmten 10’000 Stunden Üben.

Bilder unterste Reihe: zVg

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Handwerk 2/2015

Aufgewachsen und zur Schule ge­

KURSE MIT GIAN-LUCA BERNASCONI BOGENBAU: Einen funktionstüchtigen Holzbogen sowie dazu passen­ de Pfeile bauen und eine grundlegende Einführung in die Handhabung ­dieses faszinierenden Geräts. (Beginn 14.00 Uhr) 2,5 Kurstage: CHF 490.–, Material ca. CHF 60.– FR bis SO, 08.04. bis 10.04.2016, FR bis SO, 05.08. bis 07.08.2016 FR bis SO, 07.10. bis 09.10.2016 SCHMIEDEN- DAMASZENERSTAHL: Der Damaszenerstahl ist durch seine feine Musterung und unübertroffene Elastizität legendär. Eine Wei­ terbildung im Feuerschweissen. Grundkenntnisse erwünscht. Kleingrup­ pe, max. 4 Teilnehmer! 5 Kurstage: CHF 1500.–, Material inklusive MO bis FR, 17.10. bis 21.10.2016 SCHMIEDEN: Einführung in die Schmiedetechnik in der alten Schmiede Bümpliz im Freilichtmuseum Ballenberg. 5 Kurstage: CHF 950.–, Material inklusive DI bis SA, 29.03. bis 02.04.2016, DI bis SA, 17.05. bis 21.05.2016 MO bis FR, 27.06. bis 01.07.2016

VOM KURSTEILNEHMER ZUM KURSLEITER


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Handwerk 2/2015


Handwerk 1/2015 8 aus: «Etymologisches Wörterbuch des Deutschen», 4. Auflage, 1999, Deutscher Taschenbuch Verlag

AUS DEM ARCHIV: DER DENGELSTOCK


Handwerk 2/2015 9 aus: «Der Heimatwerkbote – Ratgeber für die handwerkliche Selbsthilfe» Winter 1962/63, 11. Jahrgang, No. 2


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Handwerk 2/2015

Suchen Sie eine spezielle Idee für ein aussergewöhnliches Wochenende? Oder das etwas andere Weihnachtsgeschenk? Wieder bietet das Kurszentrum Ballen­ berg Generationenkurse an. Eltern, Grosseltern, Götti und Gotten, Tanten und Onkel haben die einmalige Möglichkeit, gemeinsam mit Kindern und ­Jugendlichen handwerkliche Techniken zu erlernen, sich im Umgang mit verschiedenen Materialien zu üben und ­Gestaltungsideen zu entwickeln. Die Generationenkurse werden unterstützt durch das Bundesamt für Kultur, die Familien-Vontobel-Stiftung und die Ernst Göhner Stiftung. Detailinfo und Anmeldung: www.ballenbergkurse.ch

GENERATIONENKURSE 2016

2 Kurstage CHF 300.– für eine erwachsene Person und ein Kind/­Jugendliche inklusive Verpflegung SA und SO, 16.01. bis 17.01.2016 Parfum (1 Tag), Buchbinden, Druckwerkstatt auf Papier, Farb­ kasten, Polstern – Rosshaarsitzkissen, Werkzeugkiste in Holz SA und SO, 11.06. bis 12.06.2016 Schmieden (1 Tag), Buchbinden, Camera Obscura, Drechseln, Druckwerkstatt auf Papier, Farbkasten, Polstern – Rosshaar­ sitzkissen, Raku – Schalen brennen im Holzofen, Werkzeug­ kiste in Holz SA und SO, 17.09. bis 18.09.2016 Schmieden (1 Tag), Parfum (1 Tag), Buchbinden, Drechseln, Druckwerkstatt auf Papier, Farbkasten, Schreinern – Hocker, Holzschnitzen, Polstern – Rosshaarsitzkissen, Tambourin

JANUAR 2016 16.01. – 17.01. Generationenkurse 25.01. – 29.01. Schneeschuhbau

Generationen Specials

FEBRUAR 2016 05.02. 05.02. 06.02 06.02. – 07.02. 08.02. – 11.02. 11.02. – 13.02. 11.02. – 13.02. 12.02. – 14.02. 13.02. – 14.02. 13.02. – 14.02. 15.02. – 18.02. 15.02. – 19.02. 15.02. – 19.02. 19.02. – 21.02. 19.02. – 21.02. 20.02. 20.02. 20.02. – 21.02. 20.02. – 21.02. 22.02. – 27.02. 25.02. – 28.02. 26.02. – 28.02. 27.02. – 28.02. 27.02. – 28.02.

Weben – die (süsse) Waffelbindung Filz – Schnuppern Schuhe – Schib-Schib-Schlupfschuhe Filz – Strukturen- und Oberflächengestaltung Polstern Einführung Drechseln Nassholz Schuhmacherkurs + 15.02. – 19.02. Buchbinden – Einführung Meine Brille + 05.03. – 06.03. Glasrecycling Buchbinden – alte Bücher restaurieren Drechseln Einführung Weben Fortsetzung Fellnähen (14.00 Uhr) Filz – Reichtum der Rohwolle Stroh zu Gold spinnen Polstern – eigenes Projekt + 14.03. – 18.03. Schärfen und Richten von Handwerkzeugen Klöppeln Fortsetzung Polsterei Bildungsgang Kurs 1, Modul 1/4 Schlittenbau – Davoser Schlitten Filz Winterstiefel + 10.03. – 12.03. (14.00 Uhr) Glasperlen Steinkugel schleifen

Textil Textil Leder Textil Holz Holz Leder Druck + Papier Specials Glas + Keramik Druck + Papier Holz Textil Leder Textil Flechten Holz Metall Textil Bildungsgang Holz Specials Glas + Keramik Stein

MÄRZ 2016 04.03. 04.03. – 06.03. 05.03. 05.03. 05.03. – 06.03. 05.03. – 06.03. 07.03. – 09.03. 07.03. – 11.03. 07.03. – 18.03. 11.03. 11.03. – 13.03 12.03. – 13.03. 12.03. – 13.03. 12.03. – 13.03. 19.03. – 20.03. 29.03. – 31.03. 29.03. – 02.04. 29.03. – 03.04. 29.03. – 02.04. 29.03. – 02.04. 29.03. – 02.04.

Weben – Tüechli & Co. Schwingengeflecht – Rahmenkorb (14.00 Uhr) Drechseln – Grosse Kugel Weben – Handwebstoffe Bienenkörbe flechten Seiltuch knüpfen Schuhe – leicht gemacht Korbflechten mit Weiden Weben Bildungsgang Kurs 5, Modul 1/6 Naturnahe Bienenhaltung Einführung Nähen – eigenes Jupes-Modell (17.00 Uhr) Pendel und Wünschelrute Kreatives Nähen, Flicken für EinsteigerInnen Hüte für den Sommer Überflug 1 Glasblasen Drechseln Einführung Hutmacherei Bildungsgang Kurs 1, Modul 1/4 Schreinern Einführung Schmieden Einführung Filz Grundkurs

Textil Flechten Holz Textil Land + Wirtschaft Land + Wirtschaft Leder Flechten Bildungsgang Land + Wirtschaft Textil Specials Textil Textil Specials Glas + Keramik Holz Bildungsgang Holz Metall Textil

APRIL 2016 Bild aus dem Generationenkurs 2015, Schreinern – dein Hocker – mobil, stabil und einmalig, beachten Sie die neuen Daten: die ersten Generationenkurse sind bereits im Januar 2016! Jetzt planen und Schenken …

02.04. 02.04. – 03.04. 04.04. – 08.04. 04.04. – 08.04. 04.04. – 08.04. 08.04. – 10.04. 08.04. – 10.04. 09.04. 09.04. 09.04. – 10.04. 09.04. – 10.04. 15.04. – 17.04. 16.04.

Baumschneiden – Baumpflege Schachtel allerlei Korbflechten mit Weiden II Sattlerei – Ledertasche Holzbildhauen Bogenbau (14.00 Uhr) Kleiderträume Bienenkörbe flechten Fortsetzung Flachsanbau + 6 weitere Daten Weben – Stulpen auf dem Schulwebrahmen Flechtwerk aus Papier Holzschnitzen – Bauernhoftiere (17.00 Uhr) Flechten mit Pferdehaar

KURS 2016, DIE ÜBERSICHT ZUM HERAUSNEHMEN!

Land + Wirtschaft Druck + Papier Flechten Leder Holz Holz Textil Land + Wirtschaft Land + Wirtschaft Textil Druck + Papier Holz Flechten


Holz Metall Land + Wirtschaft Flechten Land + Wirtschaft Land + Wirtschaft

Schuhe – Sandalen und Flip Flops Nähen – Kleider verändern Gürtel mit gegossener Schnalle Schmucke Güsse im Schleudergussverfahren Sticken – Gestickte Skizzen Fundholz Skulpturen Schmieden Bildungsgang Kurs 4, Modul 1/7 Pflasterung Traditionell Weidenzaun flechten Schmieden Einführung Schmuckkurs (17.00 Uhr) Weben – Armband auf dem Schulwebrahmen Weben – Fotos zu neuen Bildern verweben Feuerschale schweissen Tabakpfeiffenbau (17.00 Uhr) Solaranlage Wanderstock Express Parfum – Düfte Kumihimo – Japanisches Gürtelflechten Filz Bildungsgang Kurs 17, Modul 1/6

Leder Textil Metall Metall Textil Holz Bildungsgang Bau Flechten Metall Metall Textil Textil Metall Holz Bau Holz Land + Wirtschaft Textil Bildungsgang

Land + Wirtschaft Bau Metall Land + Wirtschaft Specials

MAI 2016 06.05. – 07.05. 06.05. – 07.05. 06.05. – 08.05. 06.05. – 08.05. 06.05. – 08.05. 06.05. – 08.05. 09.05. – 14.05. 17.05. – 19.05. 17.05. – 20.05. 17.05. – 21.05. 20.05. – 22.05. 20.05. 21.05. – 22.05. 21.05. – 22.05. 27.05. – 29.05. 28.05. 28.05. 28.05 28.05. – 29.05. 30.05. – 03.06.

JUNI 2016 03.06. – 04.06. 04.06. 04.06. 04.06. 05.06. 11.06. – 12.06. 17.06. – 18.06. 17.06. – 19.06. 17.06. – 19.06. 17.06. – 19.06. 18.06. 24.06. – 25.06. 25.06. 25.06. 25.06. – 26.06. 25.06. – 26.06. 25.06. – 26.06. 27.06. – 01.07.

von A-Z von Hand genäht + 17.06. – 18.06. Fotografie für HandwerkerInnen Preisgestaltung Sense, Dengelstock und Wetzstein Ein Sonntag mit Christa de Carouge Generationenkurse Drechseln – Grosse Salatschüssel Schmieden – Beil Steinzeugglasuren selber finden Glanzstücke – Einblick in das Vergolden Mausen – Feldmausen Sattlerei – Ledergürtel Wurst Workshop Kräuter- und Heilpflanzen 1300° sind möglich Sashiko – Traditionelle Japanische Stickerei Steinring aus einheimischen Steinen Schmieden Einführung

Textil Specials Specials Land + Wirtschaft Specials Generationen Holz Metall Glas + Keramik Metall Land + Wirtschaft Leder Land + Wirtschaft Land + Wirtschaft Glas + Keramik Textil Stein Metall

Rosshaarmatratze Druckwerkstatt auf Papier (17.00 Uhr) Scherenschnitt (17.00 Uhr) Schweizer Holzschuh Betongiessen in Gipsformen + 09.07. Sticken – Gestickt Geflickt Holzschnitt und Holzdruck Schuhe – einfache Leistenschuhe Trockenmauerbau Stein – Silberschmuck Schweissen – Löten – Autogen Alphornbau

Specials Druck + Papier Druck + Papier Holz Bau Textil Holz Leder Bau Metall Metall Specials

JULI 2016 01.07. – 03.07 01.07. – 03.07. 01.07. – 03.07. 02.07. – 03.07. 02.07. – 03.07. 02.07. – 03.07. 04.07. – 07.07 04.07. – 07.07. 04.07. – 08.07. 04.07. – 08.07. 04.07. – 08.07. 04.07. – 09.07.

07.07. – 08.07 09.07. 09.07. 09.07. – 10.07. 09.07. – 10.07. 11.07. – 15.07. 11.07. – 15.07. 11.07. – 15.07. 11.07. – 15.07. 11.07. – 15.07. 15.07. – 17.07. 16.07. 16.07. – 17.07. 16.07. – 17.07. 16.07. – 23.07. 18.07. – 22.07. 18.07. – 22.07. 18.07. – 22.07. 18.07. – 22.07.

Lehm – Lehmbau Stroh zu Gold spinnen Filz Schnuppern Lehm – Lehmputze Bronzeguss + 16.07. – 17.07. Sattlerei Bildungsgang Kurs 1, Modul 1/3 Schmuck – mit unkonventionellen Materialien Korbflechten mit Weiden Drechseln Einführung Bewegte Figuren – poetische Maschinen Klotzbeute – eine Einführung (17.00 Uhr) Schuhe – Schib-Schib-Schlupfschuhe Pendel und Wünschelrute – Fortsetzung Rennofen – eine Reise in die Vergangenheit Gold- und Silbergiessen Fliegen/Schweben Steinbildhauerei Keramik Bildungsgang Kurs 2, Modul 1/6 Drehen auf der Töpferscheibe

Bau Flechten Textil Bau Metall Bildungsgang Metall Flechten Holz Specials Land + Wirtschaft Leder Specials Metall Metall Specials Stein Bildungsgang Glas + Keramik

AUGUST 2016 02.08. – 04.08. 02.08. – 06.08. 05.08. – 07.08. 05.08. – 06.08. 06.08. 06.08. – 07.08. 08.08. – 10.08. 08.08. – 11.08. 08.08. – 11.08. 08.08. – 11.08. 11.08. – 14.08. 18.08. – 19.08. 19.08. 19.08. – 21.08. 19.08. – 21.08. 20.08. 20.08.– 21.08. 20.08. – 21.08. 25.08. – 27.08. 26.08. – 28.08. 26.08. – 28.08. 27.08. 27.08. 27.08. – 28.08. 27.08. – 28.08. 29.08. – 31.08.

Schmieden Silberlöffel Raku Variationen Bogenbau (14.00 Uhr) Feinlederarbeiten – Portemonnaie (14.00 Uhr) Flechten mit Pferdehaar Flechten – Kugel Mauern Hochbeet oder Sichtschutzwand Polstern Einführung Keramik mit Gipsformen Filz Sommer – 8 x Filz der Extraklasse Kalk – Grundkurs Kronleuchter + 03.10. – 06.10. Verwandlung für alte Möbel Duftwerkstatt Schmieden Schnupperkurs Bumerang – eine traditionelle Wurfwaffe Kalk – Edle Oberflächen Schuhmacherkurs + 29.08. – 02.09. Hut Tut Gut Fundholz Skulpturen Flechten mit Pferdehaar – Fortsetzung Ernte konservieren Sticken – freie Ausdrucksstickerei Wanderstock Erlebnis Mauerwerk Historisch

Metall Glas + Keramik Holz Leder Flechten Flechten Bau Flechten Holz Glas/Keramik Textil Bau Specials Holz Land + Wirtschaft Metall Holz Bau Leder Textil Holz Flechten Land + Wirtschaft Textil Holz Bau

SEPTEMBER 2016 03.09. – 04.09. 03.09. – 31.10. 09.09. 09.09. – 11.09. 09.09. – 11.09. 09.09. – 11.09. 10.09. 10.09. 10.09. 10.09. 12.09. – 16.09. 12.09. – 16.09. 16.09. 17.09. – 18.09. 24.09. 24.09. 24.09 24.09. – 25.09. 24.09. – 25.09. 26.09. – 29.09.

Überflug 2 Prix Jumelles, Ausstellung der Nominierten Extensive Honigimkerei Klöppeln (17.00 Uhr) Tabakpfeiffenbau (17.00 Uhr) Trachtennähkurs + 03.10. – 05.10. Lehmofenbau + 24.09. Stroh zu Gold spinnen – Fortsetzung Schuhe – Tabedrillos Kräuter- und Heilpflanzen Porzellan bemalen Schreinern Einführung Polstern – eigenes Projekt + 10.10. – 14.10. Generationenkurse Wurst Workshop Seilerei Parfum – Düfte Schriftbilder – Buchstabenbilder Filochieren Heilkräfte der Natur

Specials Land + Wirtschaft Textil Holz Textil Bau Flechten Leder Land + Wirtschaft Glas + Keramik Holz Holz Generationen Land + Wirtschaft Specials Land + Wirtschaft Druck + Papier Textil Land + Wirtschaft

26.09. – 30.09. 26.09. – 01.10. 30.09. – 02.10. 30.09. – 02.10.

Figürliches Modellieren Alphornbau Spinnen (17.00 Uhr) Filz – Handspielfiguren

Specials Specials Textil Textil

OKTOBER 2016 01.10. 01.10. – 02.10. 03.10. – 05.10. 03.10. – 06.10. 03.10. – 07.10. 03.10. – 07.10. 07.10. – 09.10. 07.10. – 09.10. 07.10. – 09.10. 08.10. 08.10. 08.10. – 09.10. 10.10. – 14.10. 10.10. – 14.10. 10.10. – 14.10. 10.10. – 14.10. 14.10. – 16.10. 15.10. – 16.10. 15.10. – 16.10. 17.10. – 19.10. 17.10. – 21.10. 21.10. – 23.10. 21.10. – 23.10. 21.10. – 23.10. 22.10. 22.10. – 23.10. 24.10. – 28.10. 24.10. – 28.10.

Messer und Scheren schleifen Werkzeugstiele – Reparatur Glasblasen Schlittenbau – Davoser Schlitten Drechseln Einführung Schmieden Einführung Druckwerkstatt auf Papier (17.00 Uhr) Bogenbau (14.00 Uhr) Alphorn spielend lernen (17.00 Uhr) Salben Weben – Bindungen – eine zweite Chance Filz Konzept Holzbildhauen – hin zur menschlichen Figur Weben Einführung Buntmetall überall Fellnähen – Gilet aus Kaninchen- oder Fuchsfell Buchbinden – eigene Projekte Wanderstock Erlebnis Glasrecycling Pflasterung Traditionell Schmieden Damaszenerstahl Holzschnitzen Bauernhoftiere (17.00 Uhr) Nähen – in die Hosen (17.00 Uhr) Fundholz Skulpturen Schmieden Schnupperkurs Kumihimo – Japanisches Gürtelflechten Japanische Stickerei Schmieden Einführung

NOVEMBER 2016 03.11. – 05.11. 03.11. – 05.11. 04.11. – 06.11. 04.11. – 06.11. 05.11. 05.11. 05.11. – 06.11. 07.11. – 11.11. 11.11. 11.11. – 13.11. 12.11. 12.11. 12.11. – 13.11. 12.11. – 13.11. 12.11. – 13.11. 16.11. – 18.11. 18.11. – 19.11. 18.11. – 19.11. 18.11. – 19.11. 19.11. – 20.11. 19.11. – 20.11. 19.11. – 20.11. 25.11. 26.11. 26.11. – 27.11. 26.11. – 27.11. 26.11. – 27.11. 26.11. – 27.11.

Drechseln Nassholz Schuhmacherkurs + 07.11. – 11.11. Fellnähen (14.00 Uhr) Klöppeln – Schmuck entwerfen (17.00 Uhr) Fotogramm Preisgestaltung Sattlerei – Reparatur Joncgeflecht – Achteckgeflecht Weben – Zetteln Handholzerei Stricken – die grosse Masche Wollduvet – Gute Nacht Stickhappening Stroh – rund um Weihnachten Pendel und Wünschelrute Möbel reparieren, auffrischen, restaurieren Schuhe Bildungsgang Kurs 4, Modul 1/5 Dachschindeln Drechseln – Kugel Intensiv Recycling Plastik Buchbinden – Klebstofffreie Einbandtechniken Schreinern Einführung + 25.11. – 27.11. Filz – Slow Felt Fotografie für HandwerkerInnen Papier – Festliches Handgeschöpft Glasblasen – rund um Weihnachten Filz – Mehrfach – Tasche, Beutel, Objekte Flachsspinnen

Metall Land + Wirtschaft Glas + Keramik Holz Holz Metall Druck + Papier Holz Specials Land + Wirtschaft Textil Textil Holz Textil Metall Leder Druck + Papier Holz Glas + Keramik Bau Metall Holz Textil Holz Metall Textil Textil Metall Handwerk 2/2015

Polstern – eigenes Projekt + 17.05. – 21.05. Schmieden Schnupperkurs Kräuter- und Heilpflanzen Stroh – Hut knüpfen + 30.04. – 01.05. Weidenrutenbau, Lebende Bauwerke Gärtnern und Kompostieren + 3 weitere Daten Ausstellung Bildungsgänge: Schuhe und Weben Salben Lehmofenbau + 28.05. Messer und Scheren schleifen Veredeln von Obstbäumen Gürtelschnalle geschmiedet und Ledergürtel

Holz Leder Leder Textil Specials Specials Leder Flechten Textil Land + Wirtschaft Textil Textil Textil Flechten Specials Holz Bildungsgang Bau Holz Specials Druck + Papier Holz Textil Specials Druck + Papier Glas + Keramik Textil Textil 11

16.04. 16.04. 16.04. 16.04. – 17.04. 16.04. – 17.04. 22.04. 23.04. – 24.04. 29.04. 30.04. 30.04. 30.04. 30.04. – 01.05.

DEZEMBER 2016 02.12. – 03.12. Fleischverarbeitung (16.00 Uhr) 03.12. – 04.12. Überflug 3 09.12. – 10.12. Fleischverarbeitung (16.00 Uhr)

Land + Wirtschaft Specials Land + Wirtschaft


1 Welchen Bezug haben Sie zum Handwerk? 2 Was haben Sie kürzlich selber gemacht oder repariert? 3 Was interessiert Sie besonders im Zusammenhang mit den Tätigkeiten des Kurszentrums Ballenberg? 4 Wenn Sie sich morgen eine neue Fähigkeit wünschen könnten, welche wäre das? 5 Träumen Sie von etwas Bestimmten, das Sie schon lange gerne machen wollten? Warum tun Sie es nicht? 6 Welchen Gegenstand aus ihrer Haushaltung würden sie auf

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Handwerk 2/2015

die berühmte einsame Insel mitnehmen, und warum? 7 Wofür sind Sie in ihrem Leben am meisten dankbar?

FRANZ KÄLIN

NOÉMI SPEISER

1 Ich stamme aus einer Handwerker­ familie. Handwerk füllt einen grossen Teil meines Lebens aus. Durch meine beruf­ liche Tätigkeit dreht sich sehr viel um

1 In meiner Familie galt als selbstverständ­ lich, dass nach der Matur die Universität kommt. Mir aber, als einem wenn auch nicht gerade schwarzen, so doch e ­twas

Handwerk und Vermittlung.

abwegigen – sagen wir: bunten Schäflein, erlaubte man, den Vorkurs an der Kunst­ gewerbeschule in Zürich zu absolvieren. Das wurde ein totales Fiasko. Also begann ich eine Lehre als Handweberin. Höchlich erleichtert habe ich das Schiffli mit sol­ cher Energie geschossen, dass sich als bald zwei «Tennis-Ellenbogen» samt einer Depression entwickelten und ich aufhören musste. Während der langwierigen ­ Heilung habe ich auch die Universität mit ­Sicherheit als nichts für mich erkannt. Ich wollte ein Handwerk, und ganz gewiss ein «fädiges» betreiben; so wendete ich mich ernsthaft dem Sticken zu. Währendem gelang mir zwar doch noch ein Diplöm­ chen in Handweben, aber bald habe ich den Tritt-Webstuhl verlassen und mich, neben dem Bildweben und Sticken, einigen damals kaum beachteten, oder noch gar nicht entdeckten und nirgends gelehrten Flechttechniken zugewendet.

2 Durch unseren Werkstattumzug habe ich eine intensive Zeit mit Abbauen, Ein­ bauen, Umbauen sowie kreative pragmati­ sche Lösungen suchen hinter mir. 3 Ich finde die Konzentration von Hand­ werksspezialisten im Kurszentrum ­einmalig und sehr bereichernd. Der Aus­ tausch dürfte noch intensiver sein. 4 Gitarre spielen auf einem guten musika­ lischen und technischen Niveau. 5 Ich könnte mir gut vorstellen, meine Fähigkeiten auch in anderen Kulturen zu vermitteln. Ich kann gut warten, bis es so weit ist ... 6 Sowohl im Beruf wie auch im Privaten ist das Messer das wichtigste Werkzeug. Aus dem Haushalt würde ich ein handge­ schmiedetes Messer von Thomas Lampert mitnehmen. Ich liebe die rohe Form. 7 Ich bedanke mich jeden Tag für die unzähligen Geschenke, die mir zufallen – seien es Begegnungen oder Begebenheiten oder einfach, dass ich jeden Tag aufstehen kann, gesund bin und gerne zur Arbeit gehe. Ein riesiges Glück ist es für mich, in Brienz und Meiringen leben zu dürfen. Sozialpädagoge HFS, dipl. Schuhmachermeister mit langjähriger Erfahrung als Kursleiter. 2006 erster Preisträger des Prix Jumelles für die Vermittlung von Handwerk; langjähriger Leiter einer Tagesstätte für psychisch beeinträchtigte Menschen bei den Universitären Psychiatrischen Diensten in Bern. Seit 2005 eigene Werkstatt «Zwickmühle» in Brienz. Kontakt: zwickmuehle@bluewin.ch

7 FRAGEN AN FRANZ KÄLIN UND NOÉMI SPEISER

2 Repariert habe ich kürzlich wieder ein­ mal ein vor vierzig/fünfzig Jahren selber ausgedachtes und genähtes Kleid. Es wurde nur wenig meiner Figur, und über­ haupt nicht der modernen Mode ange­ passt. 3 Am Kurszentrum ...? Dass jeder Teilneh­ mende, ob mehr oder weniger geschickt, dort mit einem echten Handwerker in Kon­ takt kommt und erlebt, wie ein solcher seine ureigenen Geräte und sein Arbeits­ material in die Finger nimmt und hand­ habt. 4 Velofahren: das hat zwar nichts mit Handwerk zu tun. 5 Ich finde keine Antwort auf diese Frage. Es scheint, dass ich alles, von dem ich träumte, verwirklicht – oder, wenn es sich nicht machen liess, darauf verzichtet habe. Manches allerdings, was sich unmöglich mit noch Wichtigerem vereinbaren liess, hege ich dauernd in Träumen; man kann ja in der Realität nicht zwei Leben zugleich führen. 6 Für mich heisst es wohl eher: ins Al­ tersheim mitnehmen – und ich antworte: ein kleines Etui mit einem Minimum an Näh-Utensilien, das ich mir vor 70 Jah­ ren angefertigt habe. Den Stoffdruck von Gocken Jobs in Dalarna habe ich von meinen ersten textilen Erkundungen aus Schweden mitgebracht. Zu vorderst ein Büchlein voll Top-Quality Nadeln mit per­ Noémi Speiser *1926, Textilgestalterin, Expertin und Lehrerin von «primären» stoffbildenden Techniken einerseits und Stickerei andrerseits.


*»Logik: Lehre von den Formen und Gesetzen des folgerichtigen Denkes. Reasonig conducted by strict principles.» Es wird nämlich heute der Ausdruck Logik ganz oberflächlich missbraucht – etwa wie «Logisch dass du frierst bei dieser Kälte.»

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7 Für was bin ich am meisten dankbar: Dass ich von Kind auf, und dann bis zur Matur an der berühmten «Kanti» Aarau, humanistische Werte mitbekommen habe. Unter diesen am wichtigsten ist mir das logische Denken – unentbehrlich, wenn man dermassen komplexe Techniken un­ tersucht, entschlüsselt und als Lehrstoff aufbereitet. Ich ende mit einem schönen Erlebnis:­ Am Ende meiner Einführung einer recht vertrackten Technik rief eine junge Frau freudestrahlend: «Ist jetzt DAS LOGIK?» – Ja gewiss – «Mein Mann sagt immer, Frauen verstehen keine Logik – aber DAS habe ich verstanden!» Nun ja: eben WEIL ...*

Handwerk 2/2015

fekt geschmiedeten Oerchen von jeder er­ denklichen Form und eine Reihe Gufen mit bunten Glasköpfen, vorwiegend ro­ ter; bewickelte Fadensternchen; ein mit petit-point verziertes Metermässchen; ein Schächteli voller Häftlein und Knöpfe, wo­ runter noch echte Perlmütterchen; das seit Kindheit geliebte Storchschnäbeli; das für mich unentbehrliche sogenannte «Auf­ trennerli»; und endlich ein rudimentärer «Seidenzopf». Solche Zöpfe aus wohl mehr als 20 Farben waren früher zu kaufen – so wunderbar, dass sie einem Gentleman als Krawatte wohl angestanden hätten. Da konnte man Nädling für Nädling von der jeweils gewünschten Farbe ausziehen, wobei der Zopf langsam zerfallen ist. Ich habe jetzt die unordentlichen Reste neu gezöpfelt; echte Seidenfäden zwischen den Fingern und in den Handflächen ... heut­ zutage kaum mehr erlebbar.


FÜR MACHOS KEINE GNADE

mern im Kopf» oder auf eine absichtsvolle

ten Werkzeuge, ursprünglich ebenso Waffe

Ausarbeitung (im Englischen hammering

wie Werkzeug, wie ein Stein, der geschleu­

out) deuten, nicht nur einer materiellen

dert oder mit kraftvollem Schwung nach

Konstruktion, sondern in einem gebühren­

unten geschlagen wurde. Vermutlich führ­

den Prozess und in künstlerischer Form

ten der Klang des pochenden Hammers

auch geistiger Konstrukte.

und seine Fähigkeit, Dinge in kleine Stü­

Baird, Merrily C. Symbols of Japan, New York, 2001, Das Buch der Symbole, Betrachtungen zu archetypischen Bildern, Taschen 2011

cke schlagen zu können, dazu, dass er mit krachendem Donner und Blitzen assoziiert wurde, die die wassertragenden Wolken auseinanderrissen und das Gefängnis auf­ brachen, das die Sonne eingesperrt hielt, die aber auch Zerstörung anrichteten. Doch der Hammer wurde zum Werkzeug, das «den Nagel auf den Kopf trifft», Dinge genau an ihren Platz bringt und mythische Handwerker und Erbauer der kosmischen Ordnung symbolisiert. Der Chinese P’an-ku benutzte Ham­ Handwerk 2/2015

mer und Meissel, um das Firmament

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Hammer kann auf ein blosses «Häm­

Der Hammer ist eines unserer frühes­

zu meisseln; anspruchsvolle Menschen­ g estalteten ­

dagegen

die

Strukturen

­unserer Zivilisation. Der Hammer gehört nicht nur zu den Reichen des Himmlischen und des Menschlichen, sondern auch zu den ru­ ssigen Eingeweiden der Erde, zum vulka­ nischen Feuer und seiner Schmiede, die auf das dämonische kreative Zentrum der Psyche anspielen. Mit Hammer und Am­ boss haben göttliche Schmiede, wie der verkrüppelte Hephaistos, wundersame Waffen, Werkzeuge und Goldschmuck für Helden und Gottheiten geschaffen und dem menschlichen Bewusstsein die Mys­ terien der metallurgischen Transmutation offenbart. Wie andere Werkzeuge kann der Hammer die Macht des gewaltsamen Im­ pulses wie auch von Imagination und ziel­ gerichtetem Willen symbolisieren.

DER HAMMER


«Megyn Kelly, TV Journalistin, hat den amerikanischen Präsidentschaftsanwärter Donald Trump öffentlich demontiert. Er ist nicht der erste mächtige Mann, der ihr in den Hammer läuft.»

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Handwerk 2/2015

Hintergrund und Meinungen, NZZ am Sonntag, 16. August 2015, von Andreas Mink, New York

«Wenn man als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.» Quelle und Jahr nicht zu ermitteln, aus Das Lesikon, Juli Gudehus


Christian Felber hat im November 2012 den Schindelmacherkurs im Kurszentrum Ballenberg besucht. Begeistert vom Einblick in dieses Handwerk reifte ein Plan: Das Dach des 200 Jahre alten Bauern­hauses in Habkern sollte mit selbst­ gemachten Schindeln eingedeckt werden. Unerwartet gab es aber Widerstand: die GVB (Gebäudeversicherung) lehnte das Begehren ab. Schindeldächer könnten in der Nähe anderer Gebäude nicht bewilligt werden. Dank seiner Überzeugungskraft, Christian Felber reiste an den Hauptsitz der Versicherung und erklärte sein Vor­ haben, wurde die Dachdeckung mit den eigenhändig vorbereiteten Brettschindeln bewilligt. Lediglich im Unterdach war eine Gipsplatte (F 30) einzubringen. Die Vorbereitungszeit und die Manu­ faktur der rund 7000 Brettschindeln dau­ erte fast ein Jahr. Mit dem lokalen Zimmer­ Handwerk 2/2015

meister Hans Zenger wurden die Bäume vom Hardergrat in Habkern (schattseitig gewachsen) ausgesucht. «Hier im Berner Oberland habe ich grossartige, engagierte und sehr gute Handwerker gefunden, die

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mich in der Umsetzung umsichtig unter­ stützten», so Felber. «Hans Zenger ist in fünfter Generation Zimmermann. Ohne sein Wissen und Können wäre das Schin­ deldach nicht entstanden.» Der heisse Sommer 2015 war dann für das Schindellegen ideal, und es gelang auch, Helferinnen und Helfer zu organisie­ ren, die sich für das Projekt auf dem Dach einsetzten. Immer dabei war Ehefrau Dorli Felber, die die schönsten Fugenbilder beim Legen erreichte. «Der Kurs im Ballenberg hat uns zu einem starken Dach verholfen» so Felber.

AUFGEFALLEN: KURSBESUCH MIT FOLGEN …


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Handwerk 2/2015


MIT RÄF UND SCHUSTERHAMMER Das Schulprogramm «Auf den S ­ puren des Handwerks» vermittelt Jugendlichen einen Einblick in die Welt der Störschuhmacher, die bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Land unterwegs waren. Was klopft da beim Bauernhof aus Villars-Bramard? Wer dem Geräusch ­ nachgeht, kommt über eine steile Treppe eines kleinen Nebengebäudes auf eine ge­ räumige Laube. Dort ist eine ganze Klasse versammelt und sieht andächtig zu, wie ei­ ner von ihnen auf einem kleinen Beschlag­ stock Nägel in die Sohlen von Schwyzer Holzschuhen einschlägt – Profil und gleich­ zeitig Schutz gegen Abnutzung. Ausserdem untersuchen die Jugendlichen, worin sich alte, abgenutzte Schuhmodelle von heu­ tigen unterscheiden. Schon nur die Idee, Handwerk 2/2015

Schuhe zu «flicken», mutet heute seltsam an, wenn man sich die Turnschuhe der Jugendlichen ansieht. Zu Beginn des Programms weiss die Gruppe noch nicht, welches Handwerk

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näher betrachtet wird. Gleich bei der ers­ ten Station erwartet die Jugendlichen ein eigenartiger hölzerner Gegenstand. Sie mutmassen, wozu dieser gedient haben könnte. «Ein Rucksack», bemerkt ein gu­ ter Beobachter, dem die ledernen Träger aufgefallen sind. Wie zieht man den denn an? Der Junge nimmt das Traggerät auf den Rücken. Die Lehrerin verrät, dass es sich um ein »Räf» handelt. Und wie fühlt es sich mit Ladung an? Eine alte, hölzerne Kiste mit ledernen Deckelscharnieren wird mit einer langen Schnur darauf festgebun­ den. Um das Gewicht aufzufangen, muss sich der Träger nun nach vorne beugen. Er spürt am eigenen Leib, warum man nicht

FREILICHTMUSEUM BALLENBERG

nur das hölzerne Traggerät, sondern auch eine lieblose, grobe Frau ein «Räf» nennt.


Strecke zum Werkraum im Haus aus Uess­

Störhandwerk das Motiv des Umherziehens

den Ausdruck für grobe Männer, obwohl

Kiste aus. Zweiergruppen untersuchen die

lingen wie in einem alten Jugendbuch ab­

von Bauernhof zu Bauernhof. Lebens- und

solche vielleicht häufiger waren? Beim

Werkzeuge und erörtern ihren Zweck. Erst

gebildet barfuss, die Schuhe in der Hand,

Arbeitsbedingungen des Schuhmachers

«starken» Geschlecht war Unflätigsein sehr

als die hölzernen Leisten und die Leder­

denn Fussbekleidungen waren teuer und

werden möglichst differenziert gezeigt und

wohl akzeptiert, da wurden die Sanften

stücke zum Vorschein kommen, ist allen

mussten so weit als möglich geschont wer­

erfahrbar gemacht. Man durchstreift die

und Stillen gehänselt. Unterwegs wechseln

klar, dass es sich um die Ausrüstung eines

den. Am Zielort angekommen, haben sie

Knechtenkammer, trägt das Räf auf dem Rü­

sich die Jugendlichen beim Tragen ab und

wandernden Schuhmachers handeln muss.

die Gelegenheit, selber ein kleines Objekt

cken, streckt die Füsse in zu grosse, harte

rätseln, was in der Kiste sein könnte und

Bis etwa 1930 zogen viele Handwerker von

aus Leder herzustellen. Begeistert schnei­

Holzschuhe und man spürt auch Kälte und

weshalb wohl manche Handwerker derarti­

Bauernhof zu Bauernhof, z.B. auch Metzger,

den sie Lederriemen, längen sie ab, stan­

spitze Steine unter den nackten Sohlen.

ges Gepäck in der Gegend herum getragen

Weberinnen und Weber, Näherinnen und

zen Löcher, setzen den Verschlusskopf ein

Die vermittelten Informationen und

haben. Die Neugierde wächst, doch vorerst

Schneider. Man nannte sie Störhandwerker.

und punzieren schliesslich Motive ihrer

Erfahrungen bleiben zwangsläufig bruch­

schaut sich die Gruppe den eindrückli­

Auf dem Weg zum Bauernhof aus Vil­

Wahl aufs eingeweichte Material. Selbst

stückhaft, sind aber eindrücklich und dif­

lars-Bramard können weitere Jugendliche

wer vorher eher Mühe hatte, sich zu kon­

ferenzieren die Vorstellung von der «guten

Dieses stattliche Gebäude verrät mit

abwechselnd das Räf tragen, um gewisser­

zentrieren oder sich nur zurückhaltend

alten Zeit». Im besten Fall motivieren sie

seinen Räumlichkeiten und seinem Um­

massen als Störschuhmacher die Last auf

beteiligte, ist hier ganz und gar dabei. Das

die Jugendlichen zu weiterer Auseinander­

schwung, was der Bauer alles produziert

dem eigenen Rücken, aber auch die eigene

wunderliche Schneidgerät aus Messing,

setzung mit der Vergangenheit. Sie wecken

hat. Aus den Stallungen kamen Milch­

Leistungsfähigkeit zu fühlen. Und dort

die Fortschritte bei der Lederbearbeitung,

die Lust am eigenen Tun und verschaffen

produkte, Fleisch und Leder, die Dresch­

geht’s also ans Beschlagen der Schuhe.

die Funktion des Schraubverschlusskop­

das Erfolgserlebnis, selber mit einfachen

tenne diente dem Ackerbau. Gärten und

Auch die Lebensbedingungen der Stör­

fes und nicht zuletzt die Freude auf das

Mitteln etwas hergestellt zu haben.

Obstbäume lieferten die lebenswichtigen

handwerker, ihr geringer sozialer Status,

selbst gemachte Accessoire, ein Armband

Vitamine. Trotz hohem Selbstversorgungs­

ihr kleiner Lohn, ergänzt durch Kost und

mit Verzierungen, motivieren ungemein.

grad konnten die Bauern nicht alles sel­

einfache Unterkunft beim Auftraggeber,

Am Programmende äussern die jungen

tig, einen Keim von Interesse und Selbst­

ber herstellen, was sie brauchten. Es ge­

lassen sich an diesem Ort anschaulich the­

Leute und die Lehrkräfte, was ihnen gefallen

vertrauen zu wecken. Wer weiss, vielleicht

nügt, sich in der Küche umzuschauen: Mit

matisieren, befindet sich die Gruppe doch

hat. Besonders schätzen sie die Abwechs­

lernt die eine oder der andere der Jugend­

Leichtigkeit ordnen die Mädchen und Jun­

direkt über dem ehemaligen Schweinestall

lung zwischen Wandern, Zuhören, Selber-

lichen später im Kurszentrum Ballenberg,

gen den verschiedenen Gegenständen den

vor einer ungeheizten Knechtenkammer.

Entdecken und Eigenaktivitäten sowie die

von Grund auf selber einen Lederschuh oder

chen Bauernhof aus Ostermundigen an.

Wenn handwerkliche Traditionen auch in Zukunft noch leben sollen, ist es wich­

passenden Handwerkernamen zu: Töpfer,

Besonders fühlbar werden die Folgen

Konzentration auf den Themenbereich

einen Schweizer Holzschuh herzustellen.

Schmied, Glasbläser, Schreiner, Maurer,

von Geldknappheit, wenn die Jugendli­

Schuhe und Leder. Das Programm «Auf den

Stefan Seiler, Kulturvermittler im

Zimmermann, Korbflechter und Seiler.

chen nun weitergehen. Sie bewältigen die

Spuren des Handwerks» übernimmt vom

­Freilichtmuseum Ballenberg

Bilder: Sarah Michel

Handwerk 2/2015

Anschliessend packt die Gruppe die

19

Weshalb gibt es wohl keinen entsprechen­


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Handwerk 2/2015

Um ein klassisches Edelweisshemd in Grösse M zu produzieren, verbraucht eine geübte Schneiderin ca. 1,7 ­Meter Stoff. Dieser wird in etwa 70 Minuten vom Stoffballen zum fertigen Hemd, bestehend aus 30 Teilen, verarbeitet.

SCHRITT FÜR SCHRITT ZUM KLASSISCHEN EDELWEISSHEMD 30 Teile zu erstellen und Schritt für Schritt zu einem original Edelweisshemd zusammenzufügen ist eine Routinearbeit im Atelier in Meiringen. Der Stoff, exklusiv für das Märithüsli im Alpenraum gewo­ ben, stellt natürlich die Grundlage für die

Davon hatten Therese und Alfred Jenni

Arbeit. Um einen Stoff zu produzieren, der

1978, als das Freilichtmuseum Ballenberg

den hohen Qualitätsanforderungen ent­

erstmals seine Tore öffnete, natürlich noch

spricht, kommt garngefärbter Doppelzwirn

keine Ahnung. In einer kleinen Baracke,

zum Einsatz. Der gewobene Stoff, jeweils

beim Osteingang des Museums, eröffne­

1000 Meter pro Farbe, wird anschliessend

ten Sie einen kleinen Laden. Dort wurden

durch verschiedene Ausrüstungsverfahren

Eintrittskarten, Kaffee und Souvenirs ver­

veredelt. Dadurch erhält der Stoff den an­

kauft. Es muss wohl an der heimatlichen

genehmen Tragekomfort, welcher von den

Stimmung im Museum gelegen haben,

Trägern so geschätzt wird. Nach einer ein­

dass Jennis in dieser Zeit immer wieder

gehenden Qualitätsprüfung werden Stoff­

nach Edelweisshemden gefragt wurden,

ballen à 60 Meter gerollt, eine handliche

denn nach typischer Schweizer Bekleidung

Grösse für den Zuschnitt im Atelier.

bestand zu dieser Zeit kaum Nachfrage.

Dort ist Präzisionsarbeit gefragt. Die

«Wir wussten selber nicht genau, was

Schnittmuster werden mit Schneiderkreide

Edelweisshemden eigentlich sind. Wir

auf den Stoff aufgetragen, welcher auf

konnten nirgends einen Anbieter finden.

dem Zuschnitttisch ausgelegt wird. Bis 60

Schlussendlich fanden wir eine Weberei,

Stofflagen können übereinander gelegt und

welche den Stoff noch produzierte, kauf­

zusammen geschnitten werden, wobei der

ten einen Ballen Stoff und stellten eine

Stoff haargenau gleich liegen muss, damit

Schneiderin ein.»

das Muster von der ersten bis zur letzten

Eine gute Idee, wie sich heraus­

Lage gleich geschnitten wird. Der Verlauf

stellte. Durch den gezielten Ausbau des

des Stoffmusters spielt auch beim Auf­

Sortiments mit neuen Schnittmustern und

tragen der Kreide eine wichtige Rolle: das

Farbvariationen wurden die klassischen

Edelweiss soll im Kragen oder bei der vor­

Schweizerhemden einer breiten Kund­

deren Mitte genauestens passen. Je nach

schaft zugänglich gemacht und damit

Anzahl der Stofflagen werden im Zuschnitt

auch ein stückweit Schweizer Tradition

verschiedene Werkzeuge benutzt: bei weni­

in die Gegenwart gerettet. Die Hemden

gen Stofflagen eignet sich eine Schere, ab

werden auch heute noch in ihrer Schnei­

mehreren kommt eine elektrische Rund­

derwerkstatt in Meiringen produziert, wo

schere zum Einsatz. Da diese bei vielen La­

auf Bestellung auch Spezialanfertigungen

gen durch die Rundung zu wenig genau ist,

hergestellt werden können.

können ein gerades «Stichmesser» und eine Bandsäge zum Einsatz kommen.

JENNI, EINE ERFOLGSGESCHICHTE


Um die danach folgenden Näharbeiten zu erleichtern, ist eine gute Vorbereitung zwingend. Die verschiedenen Teile werden an den Nahträndern umgebügelt, Kragen­ einlagen durch die Kragenpresse mit dem Stoff verbunden. Erst danach kommen die einzelnen Teile in die Näherei. Mit schnellen Industriemaschinen werden durch Steppnähte die verschie­ denen Teile zusammengenäht. Overlock­ maschinen kommen zum Einsatz, um Vor­ der- und Rückenteil zusammenzunähen. So nimmt das Hemd langsam Form an, bis zum Abschluss der Näharbeiten mit Saumnähten die letzten Stiche gesetzt ­werden. Anschliessend werden mit einer spezi­ ellen Maschine die Knopflöcher geschnit­ ten und sogleich vernäht. Auch hier ist äusserste Präzision gefragt: die anschlies­ send am Hemd angenähten Knöpfe sollen Handwerk 2/2015

ja dem genau gleichen Abstand entspre­ chen. Mit dem anschliessenden Annähen der Knöpfe ist das Hemd fast fertig. Wie bei vielen handwerklichen Tätigkeiten folgt der Finish: das Hemd wird gebügelt, abste­

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hende Fäden entfernt, das Hemd gefaltet. Obwohl in Meiringen mit einer Näh­ strasse gearbeitet werden kann, ist die Schneiderei auch heute mehr Atelier als Fabrik. Dies führt dazu, dass die Arbeit vielseitig ist. Im Sinne der Familie, die den heutigen Familienbetrieb zu fünft führen und noch lange ihre beliebten Jenni-Hem­ den produzieren wollen. Ganz nach dem Grundsatz: robust, traditionell und doch modern. Märithüsli AG, Familie Jenni Lenggasse 4, 3860 Meiringen 033 972 11 22, www.maerithuesli.ch

Bilder: zVg


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Handwerk 2/2015

Kurszentrum Ballenberg Handwerk 2/2015  
Kurszentrum Ballenberg Handwerk 2/2015  
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