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Handwerk: Informationsorgan des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk

2 / 2000 Stiftung Heimatwerkschule Ballenberg Ein Gemeinschaftswerk des Schweizerischen Freilichtmuseums Ballenberg und der Heimatwerke der Schweiz


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Editorial Kurszentrum aktuell Disentis: Das Kloster als Hüter von Kulturgut Seedorf: Wo Paramente handgewoben werden Freiburg i. Ü.: Restaurieren kostbarer Bücher www.kloster-melchtal.ch Cazis: Keramikkunst im Kloster Fischingen: Restaurierungen der Klosterschreinerei St. Urban: Backsteinexperiment Jakobsbad: Heilmittel aus dem Kloster Haarschmuck, Freilichtmuseum Ballenberg Aus dem Heimatwerk

Herausgeber Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk Postfach, 3855 Brienz Telefon 033 - 952 80 40 Fax 033 - 952 80 49 http://www.kurszentrum-ballenberg.ch E-Mail: info@kurszentrum-ballenberg.ch Redaktion Ursina Arn-Grischott Druck Gisler Druck AG 6460 Altdorf Jahresabonnement Inland Fr. 24.–, Ausland Fr. 32.– 3200 Abonnemente Erscheint 3-mal pro Jahr Ausgabe 3/2000 Redaktionsschluss 1. Oktober 2000 Erscheint am 15. November 2000 Bestellkarte auf der 3. Umschlagseite Insertionstarif ⁄4 Seite Fr. 150.– 1 ⁄2 Seite Fr. 300.– 1 ⁄1 Seite Fr. 600.– 1


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In klösterlicher Stille ...

Vor 25 Jahren widmete die Zeitschrift «Schweizer Kunsthandwerk» des Heimatwerkes eine ganze Nummer dem Thema Kunsthandwerk in Schweizer Klöstern. Es hat uns interessiert, wie sich die Handwerkskunst hinter Klostermauern ein Vierteljahrhundert später darstellt. Kunst und Handwerk gehörten zu jeder Klosterkultur, heute allerdings oft eingeschränkt, wenn junge Klosterleute fehlen. An erster Stelle stehen kirchliche Aufgaben und Pflichten, dann die Pflege der alten oder kranken Klosterleute, die Hauswirtschaft, Gästebetreuung und der Klostergarten. Auch im Kloster gilt heute die Ausübung einer gestalterischen Tätigkeit und die Beschäftigung mit Handarbeit nicht mehr als Selbstverständlichkeit. Es gibt aber noch Klöster, in welchen eine handwerkliche oder künstlerische Tätigkeit gepflegt wird, zum Teil sogar als Erwerbszweig. Einige dieser HandwerkerInnen und KünstlerInnen haben wir in diesem Heft porträtiert. Jedes Kloster besitzt einen Fundus an Kunstgegenständen und auch an schlichten, formschönen Alltagsgegenständen. Vor allem die älteren Klöster zeigen eine reiche Handwerkskultur in der Innenausstattung ihrer Wohnräume und der kloster-eigenen Kapellen und Kirchen. Die Klöster verstehen sich auch als Hüter und Erhalter dieser Kultur.

Die Öffnung der Klöster für weltliche Gäste ist auffallend oft anzutreffen – Kloster auf Zeit, Orte der Stille und Besinnung. Dies bietet auch die Möglichkeit, in einer beeindruckenden Umgebung, welche immer Geschichte ausstrahlt, zu leben: sich an der Pforte mittels handgeschmiedetem Glockenzug anzumelden, schwere eichene Türen aufzustossen, über alte Ziegelböden oder einmalig schöne Parkettböden zu gehen, ein kostbares altes Buch in die Hände zu nehmen oder eine alte Häkelspitze anfassen zu dürfen. Was bei unseren Besuchen erstaunt hat, ist die Zuversicht und Zufriedenheit der Klosterleute – kein Aufschrei oder aggressives Werben, um junge Leute fürs Klosterleben zu gewinnen. Im Kloster zählt die Berufung, jetzt und hier, was danach kommt, weiss man nicht, wird sich ergeben. – Etliche Klöster sind im Internet anzutreffen, auch wenn z. B. schon lange keine junge Schwester mehr eingetreten ist, auch ältere Klosterleute sind mit der Elektronik vertraut. Der Klosteralltag mit seinem strengen Rhythmus von Gebet, Meditation und Arbeit ist für künstlerische und gestalterische Tätigkeit ein gutes Umfeld – er ermöglicht eine Konzentration auf die Arbeit ohne jegliche Ablenkung. Die Werke sind denn auch entsprechend aussagekräftig, echt und dicht. ■ Ursina Arn-Grischott Handwerk 2/2000 1


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Kurszentrum aktuell Keramikbiennale 2000 – mit unseren Meisterkursen ausser Haus ! Zeitgenössische Keramik, Gestaltung im spannenden Grenzbereich des Kunsthandwerks und der angewandten Kunst, von Teller und Tasse bis zu vielschichtigen Objekten und grossräumigen Installationen sind vom 16. Juli bis 13. August an der Keramikbiennale der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Keramik in Luzern zu sehen. Ausstellungsorte sind die Kulturräume des Hotels Löwengraben, ehemals Untersuchungsgefängnis und die Kornschütte des Luzerner Rathauses. Neben der jurierten Ausstellung der Schweizer Keramik warten die Organisatoren mit verschiedenen Spezialveranstaltungen auf: British Ceramics zeigt neun Exponentinnen der zeitgenössischen Britischen Keramik, der Berner Töpfermeisterverband zeigt Arbeiten der Mitglieder, die Pro Keramik Zentralschweiz und die Schweizer Keramikfachschulen sowie die Schau der Schweizer Altmeister runden das ambiziöse Programm ab. Das Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk organisiert zwei Wochenenden «ausser Haus» mit den Keramikern Felicity Aylieff, Takeshi Yasuda, John Colbeck und Sasha Wardell. Nutzen Sie diese aussergewöhnlichen Möglichkeiten, Gestaltern zu begegnen, die bereits einen Weg gegangen sind, und sich in der komplexen und schwierigen Gestalterszene positionieren konnten. Jetzt anmelden: Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk, Postfach, 3855 Brienz, Tel. 033-952 80 40, Fax 952 80 49, E-Mail: info@kurszentrum-ballenberg.

Masterclass Felicity Aylieff und Takeshi Yasuda: ■ Felicity Aylieff: *1954, 1972–1977 Bath Academy of Art (BA), 1978 Goldsmiths College (Post Graduate), 1993–1996 Royal College of Art London (M Phil). At present full time lecturer at Bath Academy of Art (BA Ceramics), Crafts Council Index of selected Makers. Zahlreiche Auszeichnungen und Werke in privaten und öffentlichen Sammlungen. Das Thema ihrer Arbeiten ist die Farbe in der Masse: Sie zeigt uns anhand von Demonstrationen und illustrierten Vorträgen ihre Arbeitsphilosophie, ihre Arbeit, die sich auf farbige und eingefärbte Massen konzentriert, und diese auf verschiedene Weisen verarbeitet. Das Mischen von farbigen Massen, das Beimischen von verschiedenen auch «fremden» Materialien, das Verarbeiten im Handaufbau, auf der

Scheibe und in Gipsformen werden Teil der interessanten und ungewöhnlichen Begegnung sein. Felicity Aylieff verbindet eine höchst eigenwillige Formensprache mit unerwarteten Materialkombinationen und feinster Detailverarbeitung. Neben Vorträgen und Demonstrationen werden zahlreiche Materialproben und Werkstücke zu einem inspirierenden Austausch führen. ■ Takeshi Yasuda: Der Japaner Takeshi ist der Lebenspartner von Felicity, Professor of Applied Arts University of Ulster, Tutor in Ceramics and Glass am Royal College of Art in London. Seine Arbeit verbindet routiniertes Können mit fernöstlicher Spontanität und Direktheit. Die vorwiegend gedrehten und glasierten Arbeiten sind Ausdruck von Lebendigkeit und Frische, kombiniert mit einer fast unheimlichen Kontrolle und Meisterschaft. Yasuda ist es gelungen, ohne seine Wurzeln zu leugnen, eine zeitgenössische und eigenständige Formsprache im traditionellen Kanon zu finden. Seine Werke finden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit. Wir freuen uns, im ersten Workshop dieses hochkarätige Paar vorstellen zu können. 22./23. Juli 2000: Samstag, 10.00–18.00 Uhr, Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr, Ort: Hochschule für Gestaltung, Rössligasse 12, Luzern, Teilnahme Fr. 150.– pro Wochenende für ASK-Mitglieder, Fr. 250.– für Nichtmitglieder. Anmelden beim Kurszentrum.

Masterclass John Colbeck und Sasha Wardell ■ John Colbeck: Keramiker, Lehrer und Buchautor ist in der Schweiz kein Unbekannter mehr. Er hat bereits einige Kurse und Impulsveranstaltungen geleitet und war auch externes Jurymitglied der ASK Keramikbiennale. Colbeck zeigt an diesem Wochenende in einem reich bebilderten Vortrag seine Auffassung von Dekoration und Oberflächengestaltung. Ein weiteres Referat wird seine Entwicklung und seine Arbeit illustrieren. Demonstrationen und Diskussionen werden zum regen Austausch beitragen. ■ Sasha Wardell: Die Giesstechnik wurde in der Industrie allzu oft schlecht und ohne formale Ansprüche verwendet. Sasha Wardell kombiniert dank ihrer vielseitigen Ausbildung technische und formal ästhetische Aspekte in optimaler Weise. In Slipcasting (Ceramic Handbooks) führt sie vor, was Giesstechnik vermag und wo die Vorzüge dieses Verfahrens liegen können. Die Studioarbeit von Sasha Wardell ist geprägt von Erfahrung und Ausbildung in Handwerk 2/2000 2


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Industriedesign. Bone China in Gipsformen gegossen reproduziert und variationsreich abgewandelt fasziniert durch seine einzigartige transluzente und sehr hart gebrannte Qualität. Illustrierte Referate und Demonstrationen. Alle Workshops werden übersetzt. 29./30. Juli 2000: Samstag, 10.00–18.00 Uhr, Sonntag, 10.00 –17.00 Uhr, Ort: Hochschule für Gestaltung, Rössligasse 12, Luzern, Teilnahme Fr. 150.– pro Wochenende für ASK-Mitglieder, Fr. 250.– für Nichtmitglieder.

Drechslersymposium Wie bekommt das Holz die gute Form? Nach dem ersten erfolgreichen Drechslersymposium im letzten Jahr laden wir auch dieses Jahr zur Auseinandersetzung mit den technischen und gestalterischen Möglichkeiten im Drechslerhandwerk. Die Tagung vom 2. und 3. September 2000 wird in Zusammenarbeit mit der Bernischen Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung angeboten. Verlangen Sie das Detailprogramm bei uns im Kurszentrum!

Secrets of Fire ! Unter dem Titel Secrets of Fire bieten wir am Wochenende des 21. und 22. Oktobers Spezialkurse und Events rund ums Feuer an. Am Samstagabend Demonstration mit Peter Gagstätter Schmied: «Damaszenerstahl und seine Geheimnisse». Gemeinsames Nachtessen, mit Spezialitäten rund ums Feuer. Freie Teilnahme am Samstagabend. ■ Keramik: Magdalene Odundo. Geboren in Kenya kam Magdalene Odundo als ausgebildete Grafikerin nach England, um ursprünglich Wirtschaft zu studieren. Sie fand nach einer Begegnung mit der Keramiksammlung des Fitzwilliam Museum in Cambridge ans Farnham College of Art, wo sie das BA in Keramik und anschliessend das MA am Royal College of Art erwarb. Obwohl ihre Arbeit durch verschiedene Kulturen und Tätigkeiten beeinflusst ist, ist die ursprüngliche Kraft der Afrikanischen Tradition in ihrer Keramik untrüglich spürbar. Die handgebauten Gefässe von Magdalene Odundo sind eine immer währende Suche nach Einfachheit und Perfektion der Form. Der Workshop umfasst ein illustriertes Referat zur Entwicklung der Arbeit, Einflüsse und Orientierung, Demonstrationen und Brennen am Samstagabend. Preis Fr. 400.– Der Workshop mit Magdalene Odundo wird unterstützt durch die Bernische Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung (Die ersten 10 Anmeldungen aus dem Kanton Bern zahlen die Hälfte). ■ Glas: Tom Rowney. Rowney hat seine Ausbildung an der Canberra School of Art unter Klaus Moje und Steven Procter 1996 abgeschlossen. Er arbeitet in Robert Wynne’s Glasblasstudio in Sydney, wo er Kleinserien und Spezialaufträge bläst. Seine eigene Arbeit folgt der venezianischen Tradition, beeinflusst durch eine Weiterbildung bei Lino Tagliapietra an der Pilchuck School bei Seattle. Tom Rowney arbeitet im Hot Shop von Creative Glass und ist erstmals zu Gast im Kurszentrum Ballenberg Heimatwerk. Tom Rowney wird assistiert von Sandra Hafner-Giorgio. Murrini und Glasblasen: Heisses Glas und seine Gestaltungsmöglichkeiten am Glory Hole. Schmelzen und Blasen von Glas unter fachkundiger Anleitung. Teilnehmerzahl beschränkt. Wir danken Creative Glass für die Zusammenarbeit. Fr. 550.–, max. 8 Teilnehmende pro Workshop.

Poliertes Gefäss von Magdalena Odundo, 33 x 25 cm. Handwerk 2/2000 3


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Klosterschätze Das Kloster Disentis

Das Kloster als Hüter von Kulturgut

Im Vorderrheintal, wo der Lukmanierpass in die Oberalproute einmündet, liegt das älteste Benediktinerkloster nördlich der Alpen, das ohne Unterbrechung bis heute besteht – das Kloster Disentis. Der imposante barocke Bau mit den zwei Türmen prägt das Bild der Landschaft. Das Kloster Disentis wurde um 700 durch den fränkischen Mönch Sigisbert und den Räter Placidus gegründet. Nebst dem Kloster und der Benediktinerabtei ist die Klosterschule sehr bekannt, die älteste Mittelschule Graubündens mit gegenwärtig 220 Schülern, vorwiegend aus Graubünden. Die meisten Klöster hatten eine Kunstsammlung oder eine Kunstkammer, wie man sie damals nannte. Es fehlen genaue Angaben, über welche Schätze das Kloster Disentis vor dem Brand durch die Franzosen anno 1799 verfügte. Archiv und Bibliothek wurden damals zerstört, Kunstschätze als Kriegskontribution eingezogen. Die kostbare Kristallsammlung von Pater Placi a Spescha ging nach Paris. Das Kloster Disentis verfügt heute über ein aussergewöhnlich schönes Klostermuseum mit einer kulturhistorischen und naturhistorischen Sammlung. In der naturgeschichtlichen Ausstellung sind bedeutende Kristalle und Mineralien der einheimischen Strahler sowie Verarbeitung und Verwendung des Specksteins zu sehen. Auch einheimische Fauna wird gezeigt. Dass das Museum auch über einen sehenswerten kulturhistorischen Trakt verfügt, ist das persönliche Verdienst von Pater Notker Curti (1880–1948). Diesem Ausstellungsteil habe ich meine spezielle Aufmerksamkeit gewidmet. Er zeigt sakrale Kunstwerke, aber auch Volkskunst und christliches Brauchtum. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Textilien, Kostbarkeiten aus dem 14.–19. Jahrhundert.

Als Disentiser Konventuale trug Pater Notker die kulturhistorische Sammlung des Klosters zusammen und wurde deren erster Konservator. Er veröffentlichte im Laufe seines Lebens eine Vielzahl an Beiträgen für verschiedenste Fachzeitschriften. Die Verdienste des weitherum geschätzten Kunsthistorikers und Volkskundlers ehrte die Universität Fribourg anno 1944 mit der Verleihung des Ehrendoktors. Schon in ganz jungen Jahren hat Pater Notker mit seiner Sammeltätigkeit begonnen: «Grümpel sammeln» hiess der Fachausdruck der Mitbrüder! Auch das kleinste Ding ist in irgend einer Beziehung wertvoll und aufschlussreich. Nichts tat Pater Notker als wertlos ab, sei es nur eine rostige Handkette, eine simple Holzkuh, ein wächsernes Jesuskind oder ein papierener Primizkranz. Nicht dass ihm der Dreschflegel lieber gewesen wäre als die romanische Madonna, welche er bei einem Streifzug durchs Lugnez im Beinhaus von Surcasti fand – eines der wertvollsten Stücke der Sammlung. Aber er schloss nichts von seinem Verstehen aus. Wichtig war dem Sammler nicht, ob das Objekt gefällt, sondern ob der Gegenstand eine Idee, einen Brauch oder eine Arbeitsweise seiner Zeit aufschlüsselt. Dieses bäuerische Kulturgut ist im Estrich des Klosters archiviert, registriert nach Fundorten und Verwendungszweck. Da liegen schön aufgereiht Druckmodel, Webschiffchen, alpines Milchgeschirr, da hängen reihenweise Talglichter und schöne handgeschmiedete Grabkreuze – alles gut gesichert gegen die Unachtsamkeit und das Desinteresse nachkommender Generationen und gerettet vor dem Feuer oder dem Verrosten abseits in einem Tobel.

1 Ausschnitt aus Vorstecker, Weissstickerei 2 Macramé 3 Ausschnitt aus Velum, Verkündigung, Filé, Borde Schrägfilet 4 Mousseline, Applikation und Stickerei 5 Nadelspitze mit Klöppelband in Tüllgrund 6 Nadelspitze

Ein Pater als Sammler und Kenner von Textilien Die Leidenschaft des Sammlers Pater Notker galt den Textilien, wo er sich auch grosse Fachkompetenz erwarb. Er schrieb: «Es dürfte eigentümlich scheinen, dass ich mich besonders mit Textilien beschäftige, da dies Fach uns meistens fern liegt und leider den meisten Geistlichen nicht viel Sorge bereitet. Und doch ist es ein interessanter Kulturzweig, wo eine schöne Summe von Können in technischer und künstlerischer Hinsicht und eine noch grössere Summe von Fleiss und Ausdauer sich einem geradezu aufdrängt. Nur schade, dass der künstlerische Teil, d. h. meistens das Muster, nicht immer gleichen Schritt hält mit Handwerk 2/2000 5


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der technischen Fertigkeit. Es war so ziemlich die letzte Stunde, solche Sachen zu sammeln, bevor die letzten Reste, wie so manch interessantes Stück früher, ins Osterfeuer oder zum Lumpenhändler wanderten. Das Gesetz gegen Verunehrung von Kirchengewändern hat in seiner strengen Auslegung hier viel geschadet, weil man glaubte, alles verbrennen zu müssen, was der Kirche direkt nicht mehr diente. Trotzdem war noch manch gutes Stück in einer verborgenen Ecke, zuhinterst in einer Schublade oder als unterstes Altartuch verborgen. Es gehörte oft nicht nur Lust und Liebe und Spürsinn, sondern auch Glück dazu, etwas Interessantes zu finden. So bin ich denn oft den Kirchen und Kapellen nachgewandert im Oberland und Oberhalbstein und habe so eine schöne Sammlung zusammengebracht, mit Repräsentanten vom 12. Jahrhundert bis heute.»

«Was nicht schön ist, kann nicht fromm sein» Ich hatte das Glück, diese Textilsammlung nicht nur durch die ausgestellten Exemplare des Museums kennen zu lernen, sondern auch ins Magazin Einsicht zu erhalten, wo fein säuberlich in Schachteln, Schubladen oder an Bügeln die textilen Kostbarkeiten aufbewahrt und registriert sind. Frau Letizia Berther-Caviezel, seit sechzehn Jahren mit der Restauration der textilen Sammlung betraut, hat mir vieles gezeigt und erklärt. Sie hat die textilen Schätze von Pater Notker gehoben, gereinigt, von jahrzehnte- und jahrhundertealten Staubschichten befreit. Und das Zeugnis von vorwiegend fraulichem textilem Schaffen ist riesig und reich – Webereien, Nähspitzen, Filetspitzen, Klöppelarbeiten, Seidenstickereien, Applikationsarbeiten, Model-Stoffdrucke in Schwarz und Farbe. Bei meinem Besuch in ihrem Atelier war sie am Restaurieren eines Fastentuches. Mit viel Sorgfalt und Fachwissen werden die schadhaften Stellen fixiert, eine anstrengende Arbeit unter der Lupe! Die kleinen quadratischen Pallen, welche zum Abdecken des Messkelches Verwendung finden, sind immer mit vielen liebevollen Details fantasiereich und aufwändig bestickt, oft in Reliefstickerei mit Seiden-, Gold- und Silberfäden, oft mit Pailletten verziert. Es sind Kostbarkeiten, welche staunen machen und verstummen lassen. Von dem etwas grösseren Tuch, dem Velum, gibt es in der Sammlung eine riesige Vielfalt an textilen Kunstwerken. Ein Messgewand in Leder aus der barocken Epoche, welches eben in der Ausstellung hängt, ist mir als Sonderheit aufgefallen: Es ist in Leder gearbeitet, in der

sogenannten Bassgeigenform, mit eingestanztem Webmuster, farbig bemalt und bedruckt. Gerollt unter dem Arm trug der Pfarrer das Gewand auf die Alp, um dort damit die Messe zu lesen. Aus einiger Distanz täuscht das bedruckte Leder ein reich verziertes Gewebe vor. Eine wunderbare Decke aus dem 14. Jahrhundert in Leinenstickerei, Doppeldurchbruchtechnik, fand Pater Notker seinerzeit als Stopfmaterial eines Kissens ... Letizia Berther hat ihr einen Ehrenplatz in der Ausstellung gegeben. Ein besonderes Ausstellungsstück ist eine sogenannte «Schweizerdecke», datiert 1575, Baumwollstickerei auf Leinen. Durch die Vielfalt der Sticharten wirken die Figuren und Motive besonders lebendig. Die asymmetrische Gestaltung der archaisch anmutenden Zeichen und Symbole sprechen den heutigen Betrachter an. Die Vorstecker, vorwiegend in Nadelmalerei, welche vorne als Einsatz zur Tracht getragen wurden, zeugen von unterschiedlichem Reichtum, zur Schau gestelltem Prunk – und natürlich wieder von überaus grossem textilem Können. Die Vitrine mit dem religiösen Hausschmuck, von der Geburt über die Hochzeit zum Tod, ist sehr beeindruckend. Wieviel Kulturgut ist uns abhanden gekommen! Oder besser gefragt – durch welche Kultur wird unser heutiges Leben geprägt – was ist unsere Hinterlassenschaft? Die Hochzeitskronen scheinen mir unbeschreiblich verspielt, lustig, fantasievoll, fast skurril, gefertigt aus Pailletten, Papier, Haar, Stoff, feinem Draht oder was die Künstlerin eben zur Verfügung hatte. Ein echter Gegenstand angewandter Kunst! Im Magazin stapeln sich Schachteln mit gereinigten, registrierten Textilien, deren Anschrift auf die Inhalte weisen: Hauben, Schlappen, Mieder, Trachtenkronen, Jesus- und Marienkleider, Baldachin für Prozession, Skapuliere, farbige Webmuster, ... die Aufzählung ginge noch weiter. Die Möglichkeiten textiler Gestaltung scheinen hier in ihrer Vielfalt und Unbegrenztheit gesammelt zu sein. Ein reiches Vermächtnis, dem Sorge getragen wird. ■ Ursina Arn-Grischott

1 Druckstöcke in der Sammlung 2 Romanische Madonna, um 1160 3 Schmiedeeiserne Grabkreuze, wie sie auch heute noch für jeden Pater angefertigt werden. 4 Sargtuch, Druck Handwerk 2/2000 7


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Paramente weben Seedorf: Wo Paramente handgewoben werden «In unserem Kloster wurde schon immer auch auf textilem Gebiet gearbeitet. Feinste Paramentenstickereien, kunstvolle Klöppel-, Frivolité-, Filet- und Häkelspitzen zeugen von früherem Können. Für Trachten wurde gewebt und gestickt. Vom Flachsanbau bis zum Leinenstoff, von der Schafhaltung zur Wolle und bis zur fertigen Kutte (Ordenskleid) kannten unsere Klostervorfahren alle Arbeiten.» Seit jeher war es eine Aufgabe der Klöster, das Parament zu schaffen. Im Benediktinerinnenkloster St. Lazarus in Seedorf UR wird auch heute noch gewebt. Sr. Rita, Gestalterin, Weberin, Geschäftsfrau in den Verhandlungen mit den Auftragsgebern lebt und arbeitet seit 34 Jahren im Kloster. 1964 wurde die jetzige Paramentenwerkstatt als neuer Arbeitszweig von Sr. Maria gegründet. Sie und noch zwei weitere Mitschwestern hatten Paramentikerin, d. h. Handweberin als Beruf erlernt. Sr. Rita wurde durch sie in die Weberei eingeführt. Damals arbeiteten noch bis zu zehn Klosterfrauen in der Weberei und Schneiderei, heute ist Sr. Rita allein ... Dies stimmt sie ein wenig wehmütig – was geschieht nach ihrer Zeit? Kundenaufträge hat es mehr als genug, aber vom spärlichen jungen Nachwuchs wurde bis jetzt keine Schwester für diese Arbeit eingesetzt. Sieben Webstühle stehen im Atelier; die zwei grossen sind mit Seidenketten für liturgische Gewänder bespannt, die kleinen für Stolas. Aber für Sr. Rita ist das Heute und Jetzt wichtig, für sie war das Klosterleben Berufung, das Gestalten kirchlicher Textilien ein wichtiger Teil ihrer Arbeit im Ausdruck der Verherrlichung Gottes. Dem Parament ist das gleiche Ziel gesetzt wie den Zeremonien, nämlich Herz und Sinn des Menschen auf das Göttliche zu wenden. Paramente sind die für die christliche Liturgie benützten Gewänder, Altardecken, Tücher zum Abdecken von Gefässen und Geräten der Kirche. Die Ausstrahlung der wunderbar wallenden Seidengewänder ist denn auch atemberaubend. Sr. Rita führt mir einige vor; sie schillern in leuchtenden Farben, erzeugen interessante Changeant-Effekte. Für die Stoffe wird fast ausschliesslich Haspelseide im Schuss verwendet, was einen hohen Glanz erzeugt, oft in sehr subtilen Farbabstufungen. Da gibt es Farbspiele von heller, leuchtend gelber Mitte des Gewandes nach aussen zu orange und rot, gewoben

mit unzähligen unterschiedlich farbigen Schussfäden. Kostbares Gewebe, edle Schnittform und die entsprechende Konfektion – das meiste von Hand genäht – sollen das liturgische Gewand vom profanen Kleid abheben. Dies braucht Konzentration und Kontinuität. Da die Höhe des Gewandes die Webbreite darstellt, wird derselbe Farbablauf einmal gespiegelt abgewoben, dann dasselbe für die Rückseite wiederholt. Vier Meter Stoff, bis zu 190 cm Webbreite, werden für ein Messgewand benötigt. Nach Möglichkeit webt Sr. Rita den Stoff für eine Kasel, Pluviale oder Dalmatik innerhalb einer Woche, damit sie «den Faden nicht verliert», wie man hier im besten Sinne des Wortes sagen kann.

Fünfzig Kilo Seide verweben ... 1986 hatte Sr. Rita die schöne Aufgabe, einen neuen Festornat für Einsiedeln weben zu können mit 3 gotischen Kaseln, 3 Pluvialen (Mänteln), 2 Dalmatiken, dazugehörigen Tuniken und Stolas. Eine grossartige Arbeit entstand, sie kreierte einen einmaligen Stoff in dicht fallender Seide mit raffiniert eingewobenen Bogenornamenten. Insgesamt benötigte das Werk beinahe fünfzig Kilo Seide ...! Und die Inspiration? Der Rhythmus von Gebet, Betrachtung und Arbeit gibt immer wieder Kraft, die Arbeitsräume in der Klausur erlauben ein konzentriertes Arbeiten, was notwendig ist bei der kurzen Arbeitszeit von viereinhalb bis fünf Stunden pro Tag. Ebenso viel Zeit ist den kontemplativen Benediktinerinnen fürs Gotteslob geschenkt: Siebenmal am Tag findet sich die Gemeinschaft zum Chorgebet und Gesang zusammen. «Dem Gottesdienst darf nichts vorgezogen werden», sagte der Ordensgründer, der heilige Benedikt. Beten und arbeiten in gesundem, ausgewogenen Rhythmus erfüllt das Leben der Benediktinerinnen und macht es reich.

Farbkanon bestimmt Anregungen zur Farbgestaltung der Gewänder und formalen Gestaltung der Stolas gibt es auch immer wieder von Seiten der Kunden. Die Auftraggeber sind oft junge Priester, Pfarreien oder Klöster, welche ihre Vorstellungen und Wünsche einbringen. Nicht immer sind die Ideen umsetzbar, aber es ist offensichtlich, dass die Handwerk 2/2000 8


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Textilgestalterin immer einen Weg findet, welcher zu einem persönlich gestalteten Unikat führt. Die zeitgemäss gestalteten Stolas sind eine besondere Spezialität von Sr. Rita: Sie sind meistens in Seide gewoben, als Band in Ketteffekt mit Unter- und Obergewebe, das Motiv als Schusseffekt in Brochiertechnik. Der aus dem 12. Jahrhundert stammende Farbkanon hat auch heute noch seine Gültigkeit und ist wegweisend in der Farbgestaltung der liturgischen Gewänder: Violett – Sinnbild der Bussgesinnung. Advent und Fastenzeit. Im Violett schimmert ein leises Ahnen von Hoffnung, Erlösung, Auferstehung. Weiss und Gold – sind Ausdruck der Freude, des Sieges, des immer währenden Jubels, also die Farbe des Festes. Rot – verkündet das Pfingstfest, auch Zeichen für das Blut der Märtyrer. Grün – hat etwas Ruhendes, Ausgeglichenes, das Hoffen für die Ewigkeit, eingesetzt an den festlosen Sonn- und Werktagen des Kirchenjahres. Schwarz oder dunkelgrau – die Farbe für die Totenliturgie, seit einiger Zeit ist auch violett möglich. Dazu Sr. Rita: Ich gehe meinen eigenen Weg. Der Tod ist Durchgang zum Leben. Das versuche ich in Farbe auszudrücken – ein tiefes Dunkelrot gemischt

mit Schwarz und Gold. Liturgen wie Mitfeiernde fühlen sich angesprochen davon.

Neue Formen finden Auch hinter Klostermauern, in der Abgeschiedenheit der Klausur ist der Geist der Zeit sichtbar: Die Dessins der Stolas zeigen in gut lesbarer Handschrift eine neue gestalterische Entwicklung auf. Der Wandel in der heutigen Gestaltung wird sichtbar in der symbolischen Darstellung vom Kreuz, der Offenbarung und Auferstehung. Alte Symbolsprache überzeugt in neuer Form. Fast bedaure ich, dass nur wenige Menschen die Möglichkeit haben, diese prachtvollen handgewobenen Gewänder aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. Sie strahlen eine meditative Ruhe und Schönheit aus. Ich denke mir, dass es kaum möglich ist, ausserhalb der klösterlichen Stille solche Werke zu schaffen. ■ Ursina Arn-Grischott

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Schriften restaurieren

Die Bibliotherapeutische Werkstatt im Franziskaner kloster Freiburg i. Ü. Im Franziskanerkloster im Herzen von Freiburg gibt es im dritten Stock eine Tür mit der Überschrift «Bibliotherapeutische Werkstatt». Ein passendes Bild mit mittelalterlichen Archivalien ziert die Tür, hinter der es einige Geheimnisse zu lüften gilt. Es ist Samstag, kein offizieller Arbeitstag. Pater Otho Raymann empfängt mich deshalb in schwarzem Habit, in Kutte mit weisser Kordel, zum Gespräch. Als Franziskaner arbeitet er in der Seelsorge, werktags jedoch liebend gerne als Buchrestaurator in seinem Atelier. Es geht dort um menschliche Geschichten, hier um das Schicksal alter Codices und Urkunden aller Art. In gleichsam geduldiger Arbeit werden Mensch und Buch wiederhergestellt. Das im Jahre 1256 gegründete Franziskanerkloster birgt eine noch am ursprünglichen Ort aufbewahrte Handschriftensammlung mit rund 90 mittelalterlichen Bänden und etwa 130 Inkunabeln sowie einigen Frühdrucken. Die Bibliothek wurde zwar über Jahre etwas vernachlässigt, aber die Bücher sind gut

erhalten – kein Pilz- oder Käferbefall –, da die klimatischen Verhältnisse in den Räumlichkeiten optimal waren und immer noch sind. Dennoch weisen viele Codices nach wie vor mechanische Schäden auf. Vom Bestand der spätmittelalterlichen Klosterbibliothek konnte Pater Otho bis heute etwa 20% restaurieren. Seine Arbeit ist gefragt und an Aufträgen mangelt es nicht. Angefangen hat alles mit ein paar zerfledderten Buchrücken, die auf Pater Otho einen nachhaltigen Eindruck machten. Nach dem Studium der Theologie und Mediävistik – somit auch Kodikologie – erstaunt es nicht, dass er sich bald einmal der Renovation der kleinen Bibliothek angenommen hat. Damals hat Pater Otho unter anderem die altehrwürdigen grünen, schwarzen und weissen «Bodenplättli», welche die Besucher immer wieder erfreuen, zurechtrücken lassen. Im Mittelalter waren die Codices auf Pulten ausgelegt und angekettet, wie es für sogenannte Kettenbände üblich war in einer «bibliotheca publica», die – wie sie für Freiburg angenommen werden darf – aussenstehenden Gelehrten und Gebildeten zur Verfügung stand. Die mittelalterlichen Bände stehen heute offen im Regal und dürfen dem Zweck entsprechend konsultiert werden. Es gilt zwar bei der Buchrestauration Handwerk 2/2000 10


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den Codex als archäologischen Informationsträger zu bewahren, aber man muss ein Buch wieder anfassen können. Folglich werden sie auch heute im Sinne der Nutzbarkeit restauriert. Jedoch nicht in diesem Ausmass, wie man das früher oft praktiziert hat. Pater Otho hat sich sein Wissen um die Kunst der Buchrestauration in einer zweijährigen Ausbildung (1977–79) im römischen «Istituto centrale per la patalogia del libro» angeeignet, dazu kommt die über zwanzigjährige Berufserfahrung, die ihn zum echten Könner auszeichnet. Zu Beginn war es vor allem die Kantonsbibliothek in Freiburg, die ihre Werke dem Franziskaner anvertraut hat. Doch auch Kredite währen nicht ewig und so breitete sich der Kreis der Kunden auf die ganze Schweiz aus. Die Archive in Schwyz, das des Bistums Basel, in Solothurn und im Wallis gehörten unter andern dazu. Aber auch Private bringen ihre Erbstücke wie Familienbibeln und Ehebücher, Urkunden oder Stiche vorbei. Dies in der Hoffnung auf eine optimale Restauration zu einem vernünftigen Preis. Sie werden nicht enttäuscht, zumal Pater Otho als Ordensmann kein «Geschäftlimacher» ist. Abgesehen davon, muss er ja auch nicht davon leben, wie er so schön sagt. Sein Atelier konnte er im ehemaligen Schlafsaal des Knabeninternates einrichten. Die beiden kleinen Handwerk 2/2000 11


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Bäder machten dem Labor Platz. Man hat nicht viel verändert, ein paar Wände und die Badewannen mussten weichen, während die gelben Plättli noch immer von alten Zeiten zeugen. Mit einer Investition von fünfzigtausend Franken konnte es losgehen. Es ist das einzige klösterliche Atelier dieser Art in der Schweiz. Andere Klöster, zum Beispiel Einsiedeln, besitzen heute noch eine Buchbinderei. Im Fanziskanerkloster in Freiburg war diese nur Mitte des 15. Jh. bis Ende des 16. Jh. in Betrieb. Später über nahmen Laien aus der Stadt dieses Metier.

Vom Papier zur Papierrestauration In einem ausführlichen Rundgang durch die Atelierräume erklärt mir Pater Otho jedes Instrument und einige Arbeitsvorgänge. Ich staune über die weissen und braunen Lederrollen an der Wand. Das verschieden vorbehandelte Konfektionsleder ist für Bucheinbände gedacht. Schafleder ist am billigsten, Ziegenleder am besten und Schweinsleder dafür robust. Wir reden über die Papierherstellung und seine Veränderung im Lauf der Jahrhunderte. Mittelalterliches Papier bestand aus Lumpencellulose und wurde mit Gelatine oder Hautleim planiert. Somit war das Papier wenig säurehaltig und relativ gut haltbar. Papier enthielt, besonders seit der Renaissance, meist verschiedene schädliche Verunreinigungen, wie Metalle (z. B. aus den Nägeln der Stampfwerke), Lignin sowie neuartige Leimsorten. Je mehr man das Papier mit Blättern, Rinde und Stroh oder mit Holzschliff versetzte, desto brüchiger wurde es. Als man im 19. Jh. die Harzleimung erfunden hat, wurde der Leim direkt dem Papierbrei beigemischt. Der nun darin enthaltene Schwefel spaltet wie Lignin Säure ab. Eine doppelte Belastung für das Papier also. Hinzu kommen die natürlichen Feinde aus der Tierwelt wie Mäuse, Holzwürmer, Speckkäfer oder Silberfischli. Langsam erfahre ich, was bei der Papierrestauration alles getan wird. Mit dem Trockenschwamm wird die Papierseite abgerieben. Unter dem Mikroskop werden kleine Verschmutzungen mit dem Skalpell entfernt. Mit dem Säuremessgerät wird der Säuregehalt auf der Papieroberfläche festgestellt. Je nach Messwert wird das Papier mit Leitungswasser oder mit alkalischer Pufferlösung (Carbonat) aufbereitetem Wasser gewaschen. Bei «Tintenfrass» allerdings geht die Tintensäureproduktion im Papier weiter, was folglich ein Problem darstellt.

Auf dem sogenannten «Absaugtisch» wird das Papier mit Luft von unten her flach gesogen. Ist ein Eingriff mit Flüssigkeit nötig, wird diese auf ein Fliessblatt gezogen. Vergilbungen in Papier werden zum Beispiel mit einem in Natriumborhydrid getauchten Pinsel bearbeitet. Stockflecken werden mit Chlorbleiche respektive Wasserstoffperoxid weggezaubert. Man kann ein Papier auch für kurze Zeit in ein Chlorbad legen, um die Vergilbungen zu bekämpfen. Es muss danach neutralisiert und gut gewässert werden. Bei Papierlöchern gibt es mehrere Methoden. Entweder wird Papier angesetzt, dubliert oder angegossen. Beim Ansetzen wird Japanpapier in verschiedenen Dicken (Kuranai 9 g, Tengujo 12 g, Kanashi 35 g, Shiohara 40 g usw.) an die Kante des beschädigten Stückes geklebt. Zum Dublieren zieht man hauchdünnes Japanpapier über die ganze Seite. Es bleibt allerdings ein feiner, weisser Dunst sichtbar. Beim Angiessen wird von Hand flüssige Papierfiber (angesetzte Cellulose) in die Lücken angegossen. Bei grossen Mengen kommt die selbstgebaute «Angiessmaschine» zum Einsatz. Hier geht es im Prinzip um die Umkehrung des Papierschöpfens. Die Suspension saugt sich dort an, wo kein Papier ist. Die angegossenen Seiten, werden schliesslich zwischen Filzen getrocknet.

Ein gewöhnlicher Arbeitstag oder wie man Pergament restauriert Es ist Montag. Pater Otho begrüsst mich in Jeans und Hemd und stellt mich seiner Praktikantin Jacqueline Aebischer vor, die am offenen Fenster sitzt und gerade eine Pergamenturkunde reinigt. Das Radio – DRS 3 – versteht sich, wird etwas zurückgedreht. Ich beobachte, stelle Fragen und mache Fotos. Dabei geniesse ich die friedliche Atmosphäre in diesem hellen Atelier hoch über der Saane. Draussen beginnt es zu gewittern. Es ist etwas zu warm im Raum, aber das feuchtwarme Klima bekommt dem Pergament. Im Moment werden die letzten der etwa 300 Pergamentrollen der heutigen Gemeinde Corbières (FR) in Angriff genommen. Die ältesten Stücke sind um die Mitte des 14. Jahrhunderts, die jüngsten erst im 17. Jahrhundert entstanden. Es handelt sich inhaltlich um Stiftungen an die Pfarrei, Testamentarische Vergabungen, Vermächtnisse, Verträge, Landkäufe. Die in Kartonkisten zwischengelagerten Pergamentrollen werden zuerst mit Wasser und Alkohol befeuchtet und zwischen Fliessblättern provisorisch Handwerk 2/2000 12


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geglättet. Bleibt das Pergament einmal flach auf dem Tisch liegen, wird es zuerst vermessen. Mit einem Gummischwamm wird es abgerieben und vom grössten Schmutz – Staub, Pilze, Schweissflecken – befreit. In einem zweiten Schritt wird das Pergament beidseitig mit einem Naturschwamm und einem Gemisch von Leitungswasser und Ethylalkohol gereinigt – destilliertes Wasser wäre zu aggressiv. Man muss natürlich darauf achten, dass sich dabei die Tinte – zum Beispiel aus Vitriol Galläpfeln oder Dornen – nicht auflöst. Hartnäckige Flickstellen werden in feuchtem Zustand in die richtige Lage gebracht. Das Pergament ist nun relativ elastisch und strapazierfähig. Die Urkunde liegt jetzt im Nebenraum auf dem Absaugtisch (auch Trocknungstisch). Stücke aus Rinderblinddarm, die mit Alkohol und Zederholzöl behandelt worden sind, werden von hinten mit Hautleim über die Löcher geklebt. Schliesslich muss das Pergament noch trocknen und vorsichtig gepresst werden. Presst man zu nass, wird die Rinderhaut durchsichtig. Pater Otho ist gerade dabei, mit Wachs ein Siegel zu fixieren, das heisst er gibt den Pergamentrollen noch den letzten Schliff. Das Gewitter ist vorbei, ich bedanke mich bei den beiden recht herzlich und freue mich auf ein Wiedersehen! ■ Sara Hofmann

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www.kloster-melchtal.ch

Gegen die Gewalt Gitter und Mauern setzt die Gewalt in die Landschaft, um Gärten vor blühenden Blumen wirksam zu schützen. Zeit für den passiven Widerstand – Gedanken, die kein Nagel festhält, schicken wir über Schranken hinweg. Solche Saat muss aufgehen, wenn Tauwetter kommt. aus: Sein Kreuzweg, unsere Kreuzwege. Bronzeplastiken von Chantal Hug Gedichte von Romano Cuonz

Klosterfrau und freischaffende Künstlerin «Bevor Sie zu uns auf Besuch kommen, schauen Sie sich doch unsere website an, dann sind Sie schon ein wenig informiert!» Ich war mehr als überrascht und musste meine offensichtlich antiquierte Vorstellung vom Leben hinter Klostermauern neu überdenken ... Und die Web-Seite des Benediktinerinnenklosters St. Niklaus von Flüe in Melchtal bietet vielfältige Informationen, Links auf alle Seiten! Man erfährt etwas über die Schwesterngemeinschaft, über Spiritualität, Aufgaben der Klostergemeinschaft sind beschrieben, Angebote aus dem Klosterladen werden angepriesen, Kloster auf Zeit steht im Gästeangebot und auch für Nachwuchs im Kloster wird geworben – wenn auch sehr verhalten. Mein Besuch gilt vor allem Schwester Chantal Hug, seit vierzig Jahren im Kloster, als Künstlerin bekannt. Das curriculum vitae von Sr. Chantal liest sich wie irgend ein interessanter Lebensweg einer intellektuellen künstlerisch begabten Frau, ausser, dass sie mit dreiundzwanzig Jahren ins Benediktinerinnenkloster eingetreten ist: Primarlehrerin, Sekundarlehrerin am Institut Melchtal, Unterricht an Handwerk 2/2000 14


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der Internatsschule, Besuch von Kursen an der Schule für Gestaltung Luzern, berufsbegleitendes Studium der Theologie, Kurse bei Bruder Xaver Ruckstuhl im Kloster Engelberg, Studien der Aquarell- und Ölmalerei, seit zwanzig Jahren vermehrtes bildhauerisches Arbeiten. Die Liste der Auftragsarbeiten, welche Sr. Chantal zu «Kunst am Bau» in den letzten fünfundzwanzig Jahren geschaffen hat, ist imposant. Auftraggeber sind Kirchen und unterschiedliche Institutionen. Von 1975 bis 1985 sind die Auftragswerke vor allem grossformatige Batikbilder, später sind es ausschliesslich bildhauerische Arbeiten in Bronze für Kirchen, Kapellen oder Grabsteine. Seit 1970 hat Sr. Chantal ihre Aquarelle, Ölbilder und Skulpturen auch in vielen Gruppen- und Einzelausstellungen der Öffentlichkeit gezeigt.

Refugium zum Arbeiten Im ehemaligen grossen Hühnerstall neben dem Schulund Klostergebäude hat sich Sr. Chantal zum plastischen Arbeiten eingerichtet – ein Blick in dieses Atelier zeigt die Vielfältigkeit ihrer Arbeit: Sie skizziert, modelliert in Ton, arbeitet am Gipsmodell oder in Wachs. Auf kleinem Raum sind die unterschiedlichen Arbeitsplätze optimal eingerichtet – diese Umgebung lockt mich geradezu, ein Stück Lehm zu formen ... Wandreliefs in Gips, wahrscheinlich Modelle, hängen an den Wänden, Figuren in Wachs und Ton stehen herum, Porträts von Bekannten und Freunden stehen aufgereiht auf Tablaren. Also nicht ausschliesslich sakrale

Vor fünf Jahren hat Sr. Chantal an der Volkshochschule Zürich einen Vortrag zu «Klosterkunst – Benediktinisches Kunstschaffen», gehalten. In der Folge lesen Sie kurze Auszüge daraus:

Kunst und Benediktusregel «In der Benediktusregel lässt sich unter den Stichwörtern ‚Kunst‘, ‚Kunsthandwerk‘ oder gar ‚Klosterkunst‘ nichts finden. In freier Übersetzung ist allerdings von der ‚geistlichen Kunst und deren Werkzeuge‘ die Rede. Hier handelt es sich aber um das eigentliche Lebensprogramm eines Mönchs, der die Nachfolge Christi konsequent lebt. Das eigentliche Handwerk war eine Selbstverständlichkeit für alle Mönche, da die Gemeinschaft von ihrer Hände Arbeit leben sollte. Kunsthandwerk und Kunst bedeuten einen Luxus gegenüber dem einfachen Handwerk, das wie gesagt, dem notwendigen Lebensunterhalt dient. Wenn man aber davon ausgeht, dass in

Kunst? Nein, das muss nicht sein, auch wenn die Auftraggeber vorwiegend aus kirchlichen Kreisen stammen. Ein sehr beeindruckendes Werk von Sr. Chantal, ein Kreuzweg in Bronze, hängt in der St. Martinskirche in Thun und ist in einem sehr schönen Bildband festgehalten. Romano Cuonz, ein langjähriger Freund von Sr. Chantal, hat prägnante Texte, welche unter die Haut gehen, dazu verfasst.

Aquarellieren im Sommer, Ölmalen im Winter Im Schulgebäude des Klosters, welches kürzlich als Betrieb verpachtet wurde, haben die Klosterfrauen noch ein Stockwerk für ihre eigenen Aktivitäten behalten: Unterkünfte für Ferienlager, Zimmer für günstige Familienferien oder auch Klosterbesuche auf Zeit werden dort angeboten. Die langen Korridore sind mit zahlreichen Aquarellen von Sr. Chantal geschmückt. Es sind leuchtende Blumenbilder, abstrakte Bilder, inspiriert von biblischen und weltlichen Texten. Im Arbeitsraum, wo Sr. Chantal schreibt, skizziert, aquarelliert, liegt ein kleines Büchlein aufgeschlagen auf dem Tisch. Der Eintrag ist vom Tag meines Besuches, ein Text von Hans Günter Saul, illustriert mit einem kleinen Aquarell – ein festgehaltener Gedanke für ein späteres Bild? Letzter Gedanke: «Geborgen – eingehüllt in Nacht – wie heimgeholt – Allein – mit mir vor dir – und nichts und niemand zwischen uns.» ■ Ursina Arn-Grischott

benediktinischen Klöstern von jeher Kunst geschaffen wurde, so stellt sich die Frage, ob Kunst, die im Kloster entsteht, schon deshalb Klosterkunst ist. Damit wäre nur der Entstehungsort angedeutet. Das wäre zu wenig, denn es ist ja auch nicht alles christlich, was in der christlichen Kirche geschieht. Interessanter ist die Frage, ob die monastische Lebensweise das Kunstwerk nicht doch entscheidend präge, so wie ich behaupte, dass klösterliches Leben den Künstler nicht weniger prägt als den einfachen Handwerker. Wenn nun das Kunstschaffen im Kloster Ausdruck der benediktischen Lebenshaltung ist, dann wird die Kunst, die so entsteht, die Spuren ihrer Herkunft zeigen müssen. Aber nicht so, dass man einfach sagen könnte: Dieses Werk ist Klosterkunst. Wenn sich monastische Kunst also nicht eindeutig definieren lässt, so sei mir ein Versuch gestattet, sie negativ abzugrenzen: Sie kann nicht reine Spielerei sein, Handwerk 2/2000 15


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nicht ‚art pour art‘, nicht Zeitvertreib; das würde zu stark gegen Benedikts Regeln verstossen. Klosterkunst im Sinne der Regel ist aber auch nicht einfach ‚fromme‘ Kunst, kein künstlerisches Frömmeln. Benedikt würde da ganz nüchtern sagen: Herz und Stimme (Ausdruck) mögen im Einklang sein. Monastische Kunst braucht nicht unbedingt christliche Kunst zu sein, die sich auf biblische Themen beschränkt. Mönche haben in der Vergangenheit viele Bücher der antiken Heiden kunstvoll kopiert und verschönert. Sie respektierten den Text, mit dem sie inhaltlich nicht immer einverstanden waren. Sofern Klosterkunst religiöse Kunst ist, braucht man die Religiosität nicht unbedingt im Thema zu suchen, sondern vielmehr in der Art und Weise, wie ein Thema dargestellt wird. Religiös kann ein Kunstwerk schon deshalb sein, weil es in sich ein ‚Mehr‘ vermuten lässt, eine Tiefe, die nicht gemessen, ein Geheimnis, das nur erahnt werden kann.

Meine Inspirationen In meinem Kunstschaffen fühle ich mich also nicht verpflichtet, ausschliesslich christliche oder religiöse Themen zu gestalten. So sind denn 1994 eine ganze Reihe von Kleinkinderplastiken und einige abstrakte, gespachtelte Ölbilder entstanden. Was mich täglich umgibt, bewegt, herausfordert, das fand Niederschlag in den Werken: der Rhythmus des Kirchenjahres in den stets gleichen Zyklen Geburt, Leben, Leiden, Tod und Auferstehung Christi. Daraus entwickelten sich Themen wie: eigene Menschwerdung, Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und mit dem Sterben lieber Menschen. Weitere Themen – wie sollte es im Kloster anders sein als in der Welt ausserhalb? – sind die Auseinandersetzung mit menschlichen Beziehungen, glücklichen und weniger geglückten. Bilder entstehen bisweilen aus intensiven Gesprächen oder aus der Lektüre. Und die Probleme unserer Zeit und unserer Gesellschaft? Selbstverständlich leide auch ich an der sozialen Ungerechtigkeit, an Krieg, Hunger und Diskriminierung in der Welt. Auch in meinen Bildern finden zerstörerische Machtstrukturen und Disharmonien im menschlichen Zusammenleben ihren Niederschlag. Dass wir innerhalb des Klosters viel Zeit zum Gebet, zum Meditieren, zum stillen Nachdenken haben, beeinflusst ganz bestimmt die monastische Kunst. Die Stille und das Schweigen können fruchtbarer Boden sein für künstlerische Ideen.» ■ Sr. Chantal Hug

Stationen auf dem Kreuzweg von Schwester Caritas.

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Keramikkunst

Keramikkunst im Kloster «Ferien und Erholung im Gästehaus des Dominikanerinnenklosters Cazis» – wir laden Sie ein. Die Bereitschaft der Klöster, sich zu öffnen und Interessierten ein Umfeld der Stille und Reflexion anzubieten, ist vielerorts anzutreffen. Heute leben vierundfünfzig Schwestern in der Dominikanerinnengemeinschaft des Klosters Cazis, einem stattlichen Kloster in Mittelbünden. Nebst seiner kirchlichen Funktion ist das Kloster weitherum bekannt durch seine Haushaltschule, neuerdings auch weiterführendes zehntes Schuljahr. In diesem Schulgebäude sind die zwei Keramikateliers von Sr. Caritas. Bevor sie mit zwanzig Jahren ins Kloster eintrat, bildete Sie sich an der Keramikfachklasse in Bern zur Keramikerin aus. Seither hat sie beinahe vierzig Jahre in der Klostergemeinschaft gelebt und mitgewirkt, immer in vielerlei Funktionen, heute aber ganz freigestellt für ihre keramische Kunst.

Lebens-Form ... «Wer die Dinge Christi malen will, muss mit Christus leben». Dieser Leitsatz von Giovanni da Fiesole aus dem fünfzehnten Jahrhundert hängt als Begrüssung an der Türe zum Atelier von Sr. Caritas.

Die Tonfiguren, welche eben in Arbeit sind, wirken sehr ansprechend in ihren schlichten Formen. Eine Gruppe steht im Brennofen und wartet auf das härtende Feuer! Ein neu zu erforschendes Gebiet ist der sog. «paperclay» (Papierton), leichte, luftige Keramik, bei welcher der cellulosische Stoff, welcher dem Ton beigemischt wird, ausbrennt und Lücken oder Löcher hinterlässt. Eine eigenwillige Keramik, welche wahrscheinlich auch für die Keramikerin voller Überraschungen ist. Unterschiedliche Materialien und mögliche Techniken scheinen Sr. Caritas sehr zu interessieren: da stehen Ballen mit unterschiedlichem Ton, Gips, Styropor, Wachs. Eine bevorzugte Arbeitsweise ist der Aufbau mit Wachs auf grob behauenem Styropor als Träger. Dies ergibt das Modell für eine sogenannte «verlorene Form», das Endprodukt ist dann der Bronzeguss. Auf den Gestellen warten Töpfe zum Brennen, Arbeiten einer jungen talentierten Mitschwester. Es ist motivierend, dass in diesem Kloster auch junge Frauen der Gemeinschaft angehören und in diesem Fall interessiert sind, in der keramischen Werkstätte mitzuarbeiten. Im Dachgeschoss des Klosters ist der Ausstellungsraum mit keramischer Kunst von Sr. Caritas – kleinere und grössere Wandreliefs, stehende und liegende Figuren, Krippen mit Figuren in Ton. Oft sind dies Auftragsarbeiten; wenn die Zeit reicht, kann Sr. Caritas aber auch ganz frei schöpferisch tätig sein und mit ihren Unikaten bei Ausstellungen mitmachen. Besonders befriedigend muss es sein, wenn man seine eigene nächste Umgebung mitgestalten kann. Die Klosterkapelle, wo die Schwestern sich mehr mals täglich zum Stundengebet und zur Besinnung treffen, ist fast ausschliesslich von Sr. Caritas gestaltet. Kleine Keramiktafeln mit dem Kreuzweg zieren die Wände. Ein sehr eigenwillig gestalteter Tabernakel aus Bronze in Form eines Fisches mit einer drehbaren Stele, unterschiedlich bebildert, kann je nach Kirchenfest neu zusammengestellt werden. Das Netz mit kleinen Fischen in Bronze, welches über dem Lesepult hängt, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich und regt gleichzeitg an zu eigenen Gedanken. In diesem Moment erklingen von der Empore sphärische Harfentöne, eine Mitschwester ist am Üben – ein Raum und Ort, welcher wahrhaftig zur Besinnung und Meditation ruft! ■ Ursina Arn-Grischott

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Restaurieren

Fischingen: Von Geist und Seele alter Handwerkskunst Schon das Auftauchen des Kirchturms hinter dem Dorf lässt die Grösse des Klosters Fischingen erahnen. Der Bus kehrt direkt vor dem Kloster und wir stehen vor dem sehr gepflegten Eingang der Klosteranlage. Für das «hölzige Auge» noch beeindruckender ist der nussbaumige Haupteingang und lässt eine handwerklich und kunsthandwerklich spannende Begegnung erwarten – der Grund unseres Besuches. Zuerst empfängt uns entlang den Wänden eines langen Ganges eine Ausstellung von Ciro (Roberto Cipollone). Ehemals hölzige und eiserne Gebrauchsgegenstände erhielten eine neue Gestalt als Kunst. Die Zeit reicht nur für einen ersten Blick, schon kommt uns ein junger Mann entgegen. Aufgrund der Kleidung zweifellos Bruder Leo, der Schreiner des Klosters, dessen Person und Arbeit als Restaurator uns interessiert. Der offene, herzliche Empfang lässt uns schnell ins Gespräch kommen. Er gehört zu den acht Brüdern und Patres des Klosters Fischingen, was uns etwas überrascht erstaunen lässt. Nicht dass wir uns eine Gemeinschaft in dieser Grösse nicht sehr gut vorstellen könnten, doch die riesigen Gebäude könnten gewiss fünfzig Menschen ein Dach bieten.

Vom verbotenen Kloster zum gastfreundlichen Bildungshaus Das Rätsel ist schnell gelöst. Wie auch in anderen Kantonen, z. B. Aargau (1841), wurden 1848 im Kanton Thurgau die Klöster aufgehoben. Der 1803 aus der Untertanenschaft entlassene, junge Kanton war zwar frei, aber ebenso arm. Die Enteignung mag nebst anderen Gründen sicher ein gesuchter Zustupf in die Staatskasse gewesen sein. So begann für das 1138 gegründete Kloster mit einer Jacquard-Weberei die erste, weltlich geprägte Zeit. Doch bald schon formierten sich interessierte Leute zu einem Verein, welcher die Klosteranlage wieder der ursprünglichen Bestimmung zurückgeben wollte. Bereits 1879 erwarb der Verein St. Iddazell das Kloster und führte darin ein Waisenhaus. Der Verein blieb bis heute Besitzer und beherbergt in dieser Klosteranlage nebst der Klosterschreinerei ein Realschulinternat, das Sonderschulheim Chilberg, ein Bildungshaus, sowie die Klostergemeinschaft – die «Quelle» des Klosters: Sie wurde am 28. August 1977 von einer kleinen Benediktinergemeinschaft wieder errichtet und ist für die gastfreundliche Ausstrahlung des Fischinger Bildungszentrums verantwortlich. Diese Vielfalt ermöglicht es den acht Mönchen, externen und interHandwerk 2/2000 18


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nen Arbeiten nachzugehen. Von der Mönchsgemeinschaft ist Bruder Leo als einziger in der Schreinerei tätig. Er ist wie die anderen Schreiner und Lehrlinge vom Verein St. Iddazell angestellt. Bei den klosterinternen Arbeiten ist er vor allem für den Blumengarten und als Vorsänger verantwortlich.

Von Knochenleim und Schellack Die Arbeiten sind vielfältig: von Bau- und Möbelschreinerei bis zur Spezialisierung für Restaurierungen und Oberflächenbehandlungen. Letztere beide sind die Spezialität von Bruder Leo, was sich am feinsten Schleifstaub auf dem Rücken seines Hellihansen bestätigen lässt. Der gelernte Technische Modellbauer (Möbelschreiner wollte er als Jugendlicher nicht werden) erwarb sich seit 14 Jahren in der Klosterschreinerei und fachlichen Weiterbildungen das notwendige Wissen und vor allem die Erfahrung, die es für das Restaurieren alter Möbel, Intarsien und alten Oberflächenbehandlungen bedarf. So braucht es nicht wenig Erfahrung, um die richtige Mischung für den Haut- oder Knochenleim herzustellen – eine Notwendigkeit, denn nur dieser lässt sich mit dem alten Leim des zu restaurierenden Gegenstandes wieder verbinden. Sehr eindrucksvoll

zeigt sich das in der Abtskapelle, wo der ganze Boden demontiert und mit Ergänzungen wieder neu als Parkett aus massiven Holzpuzzlen (5–7 mm dicken) verleimt wurde, so dass man fast nur barfuss traut, das Schmuckstück zu betreten. Oder bei zahlreichen Türen, deren Füllungen und Türrahmen das Handwerk zur Kunst werden lässt. Uns fällt dabei auf, dass die Bildmotive weltliche Personen und Szenen darstellen, z. B. am Eingang zur Hauskapelle oder Bibliothek. Die Verwendung des Haut- oder Knochenleims hat noch weitere Vorteile, wie beispielsweise seine braune Färbung. Sollte der Leim irgendwo unerwünscht sichtbar werden, stört das im Gegensatz zum Weissleim kaum. Die Herausforderung beim Restaurieren von Intarsien besteht darin, den gleichen Ton der Holzfarbe wieder zu finden – möglichst ohne Beize zu verwenden. Dies wäre ein Fremdstoff neben der ursprünglichen, natürlichen Holzfarbe. Beschädigte Teile müssen sorgfältig losgetrennt und gereinigt werden. Kann das Holzteil nicht selber wiederverwendet werden oder fehlt es gar, muss ein gleiches Teil hergestellt werden. Dabei ist eine hohe Präzision notwendig, denn jedes Nachschleifen nimmt den seidenen Glanz, der einem handgehobelten Stück Holz eigen ist. Da es früher die sehr dünnen Messerfurniere nicht gab, muss meist aus Handwerk 2/2000 19


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Zeitdimensionen als wir es häufig im alltäglichen Stress gewohnt sind. Besonders interessant sind für Bruder Leo Aufträge, wo jeder Jahrring des Holzes achtungsvoll bearbeitet werden kann. Dann kann die Liebe des Kunst-/Handwerkers der Seele des Holzes begegnen, die beste Gewähr für eine gute Restaurierung. In der privatwirtschaftlich geführten Klosterschreinerei ist das allerdings nicht immer möglich. Sachzwänge gilt es zu akzeptieren, wenn AuftraggeberInnen einen zu engen Kostenrahmen vorgeben. Und manchmal wird der Zwiespalt geschaffen, eine Arbeit auszuführen, die kaum verrechnet werden kann, aber der Gegenstand sie verlangt. Diesen Spielraum entscheidet Bruder Leo nach Möglichkeit zugunsten des Gegenstandes.

Ursprüngliche Absicht herausspüren

einem massiven Holz 2–3 mm starke «alte» Furniere geschnitten werden. Bei der Oberflächenbehandlung werden antike und moderne Verfahren verwendet, je nach Gegenstand und Wunsch der Kunden. Die ausgestellten Möbel zeigen, dass eine Vorliebe für die Verwendung von Ölen und Wachsen besteht, oder wie die zahlreichen, renovierten Türen der Gästezimmer belegen, mit dem antiken Verfahren des Schellackes. Den Schellack gibt es in verschiedenen Arten und Farbigkeiten, welche je nach Wunsch ein Stück Holz in einen rötlichen oder gelblichen Ton hinziehen lässt. Dabei wird der Schellack (in Form von Plättchen) in Sprit aufgelöst und mit Polierballen aufgetragen, bis der richtige Glanz entsteht. Geschieht dies zu nass, wird die vorher aufgetragene Schicht bereits wieder aufgerissen und der gesuchte Glanz ist wieder weg. Erfahrung zählt da wie Gold.

Dem Jahrring des Nuss- und Kirschbaumes begegnen Bei den verwendeten Holzarten sticht die Verwendung von Fichte als Weichholz sowie Nussbaum und Kirschbaum als Harthölzer ins Auge, vor allem letztere zwei ein Genuss für unzählige Generationen. Die Arbeit mit massivem Holz ist eine Arbeit in anderen

Auf die Frage, ob mehr die Spezialisierung der Klosterschreinerei seine Arbeit oder ob eher er den Ruf dieser Qualitätsarbeiten geprägt hat, meint Bruder Leo, es brauche wohl beides, gewichtiger seien sicher die Gegebenheiten, die er hier vorfinde, als seine Person. Diese bescheidene Antwort bleibt die einzige Aussage unseres Besuches, die wir ihm nicht ganz glauben wollen. Sicher braucht es beides – sein Bestreben jedoch, das Wesen eines alten Gegenstandes in seiner Tiefe zu erfassen, lässt keine Zweifel offen, dass die langjährige Erfahrung und Auseinandersetzung von Bruder Leo mit alten handwerklichen Techniken die Qualität der Restaurationsarbeiten bestimmt. So ist es für ihn eine der wichtigsten Bedingungen jeder Restaurierung, die ursprüngliche Idee des Handwerkers oder der Handwerkerin zu erahnen und zu spüren, welche Absicht jeweils hinter einer Arbeit und seines Gegenstandes steht. Nur so könne es gelingen, das Wesen eines beschädigten oder alternden Gegenstandes zu erhalten und sogar zu neuem Leben zu erwecken. In der Klosterschreinerei soll nicht einfach ein altes Möbel zu einem neuen geändert werden. Die Patina, welche durch alten Schmutz und Kratzer geprägt ist, darf sich sehen lassen, ja muss erhalten bleiben. Wer etwas in der Klosterschreinerei restaurieren lässt, kann die Gewissheit haben, dass dies nicht nur mit viel Erfahrung und Fachwissen, sondern vor allem mit viel Liebe ausgeführt wird. ■ Gina und Urs Chiara

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Backsteine quader waren grösser als anderswo. Das Backsteinmaterial selbst trat in der Architektur St. Urbans nur an den Ziergliedern zu Tage (Wandöffnungen, Dienste, Rippen, Gesimse und bei Boden- und Grabplatten). Die Wände waren offenbar verputzt und an einigen Stellen mit aufgemalter Backsteinquadrierung verziert. Besondere Erwähnung verdienen die Stempelverzierungen auf den St.-Urban-Backsteinen, die mit kunstreich geschnitzten Holzmodeln den noch ungebrannten Steinen aufgedrückt wurden. Es sind über 100 verschiedene Motive bekannt. Die St.-UrbanBacksteine waren damals beliebt und wurden in weitem Umkreis verschenkt oder verkauft.

Backsteinexperiment St. Urban Die Schweiz ist ein traditionelles Hausteingebiet. Dass sich im 13. Jahrhundert in diesem Umfeld ein blühendes Zentrum der Backsteinkultur entwickelte, erstaunt immer wieder und war in den letzten 130 Jahren mehrmals Gegenstand der Forschung. Es waren die Mönche des Zisterzienserklosters St. Urban, welche diese erfolgreiche und weit ausstrahlende Ziegelhütte betrieben. Sie begannen ihren Kirchenbau zwar in Haustein, für Gliederungselemente vorwiegend in Tuff und für dekorative Werkstücke (Kapitelle) in Kalkstein vom Neuenburgersee. Ab 1230 stellten sie jedoch auf Backstein um. Vielleicht hat Abt Ulrich dazu angeregt, der den Backstein um 1210 beim Bau der Zähringerburg seiner Heimatstadt Burgdorf kennen lernte, oder auch die Backsteinbauten des Elsass’ und des Breisgaus, wo das Mutterkloster Lützel beheimatet war und St. Urban Ländereien besass. Schliesslich dürften die vertieften Kenntnisse auch über die jährliche Äbteversammlung in Cîteaux vermittelt worden sein. Formal gesehen ist die Backsteinkultur von St. Urban jedoch eine innovative Eigenleistung. Die Mönche haben ihre Architektur nicht wie in den grossen Backsteinzentren Oberitaliens oder Norddeutschlands über die raffinierte Kombination von kleinen Quadern und wenigen Formsteinen erzielt, sondern sie haben die Hausteinformen regelrecht in das Lehmmaterial übersetzt. Sie produzierten mittels unten offenen Rahmen riesige Formsteine; mittlerweile sind über 200 Typen bekannt. Kostbare Werkstücke schnitten sie mit Messern aus dem lederharten Lehmquader heraus. Selbst die Backstein-

Oben: Die mittelalterliche Klosteranlage St. Urban von Nordwesten in einem Aquarell von 1630. Unten: St. Urban-Backstein mit Kehle und zwei Taustäben.

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Durch das Experimentieren lernen Der Frage, wie die grossen Backsteine überhaupt hergestellt wurden, hat sich Christine Maurer in einer Stuttgarter Dissertation angenommen. Dazu entwickelte sie zusammen mit der Stiftung ZiegeleiMuseum in Cham und dem Institut für Mineralogie und Petrographie der Universität Freiburg i. Ü. ein experimentalarchäologisches Programm und fand die materielle Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds, der Ziegelindustrie und der Verwaltung des ehemaligen Klosters St. Urban. Maurer untersuchte die mittelalterlichen Backsteine auf Herstellungsspuren, während die Geologin Sophie Wolf das Rohmaterial und die Magerung analysierte und in der Lehmgrube bei St. Urban das geeignete Material aufspürte. Mit Dutzenden von Helfern wurden 1997 grosse Rohlinge geformt und in einem nach mittelalterlichen Vorbildern selbst gebauten Ofen unter der kundigen Leitung von Ing. Holger Bönisch gebrannt. Das Resultat darf sich sehen lassen: Die neuen Steine entsprechen optisch und haptisch ihren Vorbildern. Die Geologin konnte bestätigen, dass auch Matrix der gebrannten Steine vergleichbar ist. Ein weiteres, erstaunliches Ergebnis der Studie bezeugt, dass die Ziegelei St. Urban und ihre Toch-

Oben: Fragment einer Grabplatte mit Modeldrucken und Inschrift Länge 41cm Breite 21cm Unten: Brennexperimente in St. Urban

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terwerkstätten in den befreundeten Klöstern Frienisberg BE, Fraubrunnen BE und Beromünster LU zwar führend waren, aber im 13. Jahrhundert mit weiteren, unabhängigen Produktionszentren im Mittelland und am Oberrhein zu rechnen ist.

Museum pflegt Handwerk Dieses Backsteinexperiment in St. Urban war nur eine der Aktivitäten der Stiftung Ziegelei-Museum Cham. Die Stiftung wurde 1982 gegründet mit dem Ziel, eine vom Abbruch bedrohte Handziegelei der Nachwelt zu erhalten. Seither hat sie sich zu einem schweizerischen Dokumentationszentrum für Ziegelkeramik und Ziegeleiwesen entwickelt. Ihre Öffentlichkeitsarbeit hat drei Schwerpunkte: Erstens wird mit Kursen und Führungen das Zieglerhandwerk praktisch vorgestellt, bei denen man auch selber Hand anlegen darf. Zweitens stellt sie für Forscher und andere Interessierte eine umfangreiche Studiensammlung und eine facettenreiche Fachbibliothek zur Verfügung; ausserdem werden ab und zu Ausstellungen gestaltet. Drittens betreibt sie selber aktiv Forschung auf dem Gebiet der historischen Ziegelkultur und stellt anderen Forschern mit der Jahreszeitschrift «Ziegelei-Museum» ein Publikationsorgan zur Verfügung. ■ Dr. Jürg Goll, Geschäftsleiter

der Stiftung Ziegelei-Museum Cham

■ Das Ziegelei-Museum kann nach Anmeldung besucht werden: Stiftung Ziegelei-Museum, Riedstrasse 9, Postfach 5343, CH-6330 Cham, Tel. 041 741 36 24, Fax 041 740 01 55, E-Mail: zmm@dplanet.ch, Internet: swissbrick.ch/museum Weiterführende Literatur: ■ ZIEGELEI-MUSEUM, 11. und 15. Bericht der Stiftung Ziegelei-Museum, Cham 1994 und 1998. – Blütezeit und Nachleben der Klosterziegelei St. Urban sowie Berichte über das Backsteinexperiment und die Tagung über Ziegelöfen in St. Urban 1997. ■ Jürg Goll, St. Urban: Baugeschichte und Baugestalt des mittelalterlichen Klosters, Diss., Luzern 1994 (Archäologische Schriften Luzern, 4). – Archäologische und kunstgeschichtliche Dissertation über die Ausgrabungsergebnisse, die Rekonstruktion des mittelalterlichen Klosters und ihre kunsthistorische Einordnung. ■ Christine Maurer, Die Backsteinwerkstücke des Zisterzienserklosters St. Urban: Kunstgeschichtliche Untersuchung zu Produktion und Formgebung einer mittelalterlichen Ziegelei, Mikrofiches, Diss., Stuttgart 1999. ■ Sophie Wolf, The bricks from St. Urban: analytical and technical investigations on Cistercian bricks in Switzerland, Diss., Freiburg 1999.

Zeichnungen: Bei Grabplatten wurden Schriften und bildliche Darstellungen im ungebrannten Zustand kräftig und zügig mit dem Messer eingeschnitten. Handwerk 2/2000 23


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Kräuter, heilen

Eine klösterliche Produktionsstätte Auf einer abwechslungsreichen Bahnfahrt über Berg und Tal gelange ich an den Fuss des Kronbergs, nach Jakobsbad, Appenzell Innerrhoden. Es ist Heuwetter, auf den verstreuten Höfen sind die Bauern am Mähen und Zetteln. Nebst der Landwirtschaft wird offensichtlich auch auf den Tourismus gesetzt, wie die Bergbahn, Skiliftanlagen und Bobbahn deutlich machen. Inmitten dieser Landschaft, etwas für sich allein, steht das Kapuzinerinnenkloster «Leiden Christi», ein geschlossenes Kloster ohne Nebenoder Aussenstellen. Das Kloster hat eine jüngere Geschichte; es wurde erst 1851 von der Bauerntochter Sr. Johanna Rosa Bättig gegründet. Schwester Dorothea, eine kleine, quirlige Frau empfängt mich; sie ist hauptsächlich in der Klosterapotheke tätig. Nebst Landwirtschaft und grossem Garten zur Selbstversorgung bedeutet die Apotheke für die Klostergemeinschaft ein finanzieller Lebensnerv.

Schwester Dorothea führt mich durch die Klosterapotheke. Der Raum für die Kunden ist sehr klein, aber dahinter erstrecken sich, durch Gänge und Treppen verbunden, Lagerräume, Produktionsräume, der Verpackungsbereich und ein modernes Büro. Die Apotheke wird von den beiden Verantwortlichen, Schwester Dorothea und der fachkundigen Frau Ursula Oxendine, zusammen mit anderen Ordensschwestern und einer weltlichen Mitarbeiterin, betrieben. Damit die Arbeit für alle interessant ist, wechseln sie sich bei den verschiedenen Arbeiten ab – eine echte Arbeitsgemeinschaft! Damit alles seine Richtigkeit hat – wie bei andern Apotheken – untersteht natürlich auch die Klosterapotheke den Heilmittelgesetzen von Bund und Kanton und wird regelmässig von einem beauftragten Apotheker kontrolliert. Die Kundschaft kommt persönlich vorbei; nach Bedarf werden die Heilmittel per Post nachgeliefert. Auf diese Weise kommen die Leute in den Genuss einer persönlichen, kompetenten Beratung und Anteilnahme. Das Eingehen auf die einzelnen ratsuchenden Personen mit ihren individuellen Problemen und Bedürfnissen ist den Schwestern ein besonderes Anliegen.

Heilmittel nach alten Rezepturen Das Angebot ist gross – ein Blick ins Handbüchlein «Unsere Heilmittel» zeigt uns eine vielfältige Palette – gegen – oder besser – für alles scheint ein Kräutlein gewachsen zu sein: Da hat es Aufbau- und Stärkungsmittel, Kraftessenzen, Schnupfentropfen, Bachblüten-Schlaftropfen für Kinder, Wund- und Heilsalben, Zahnchügeli für Kleinkinder, Nervensalbe, Herz- und Kreislauftropfen, S-Kapseln speziell für den gestressten Mann, Medizinaltees und noch vieles mehr! Handwerk 2/2000 24


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Viele Produkte werden angekauft. Die Klosterapotheke hat sich auf die Herstellung von Salben konzentriert, welche zum Teil nach alten, den heutigen Erkenntnissen angepassten Rezepturen hergestellt werden. In grossen Behältern werden Kräuter mit Feinsprit zu Tinkturen angesetzt. Nach ungefähr zwei Wochen werden die Kräuter abgepresst. Diese Tinktur wird dann, zusammen mit pflanzlichen Fetten und Wachs, zu Salben und Crèmen weiterverarbeitet. Meine romantische Klostervorstellung sah einen riesigen Kräutergarten vor sich, wo die meisten verwendeten Heilkräuter hinter Klostermauern selber angebaut werden. Dem ist nicht so. Auch eine Klostergemeinschaft muss heute bei der Produkteherstellung wirtschaftlich denken und ist in ein Preis-Leistungs-Verhältnis eingebunden. Die meisten Kräuter werden daher angekauft, vorwiegend aus biologischem Anbau. Diese Pflanzen sind dann bereits auf Schadstoffe und den jeweiligen Gehalt von ätherischen Ölen geprüft. Die Kräuterteemischungen werden nach Klosterrezepten gemischt angekauft und im Kloster abgepackt. Eine geheimnisumwobene Spezialität und wohl das bekannteste Produkt des Klosters ist der AngelikaLikör. Er ist magenstärkend, wirkt wärmend und entkrampfend. Liebhaber meinen, sie könnten nach einem Gläschen Angelika besser schlafen. Angelika (Engelwurz) ist ein Doldenblütengewächs, eine bis zu zwei Meter hohe Riesenkerbel, in der Farbe beige-rötlich. Grundprinzip der Herstellung ist die Destillation. Weitere Zutaten sind Bergamotte und Anis. Mehr über «Angelika» geben die Schwestern nicht preis! Schwester Dorothea verabschiedet sich, um sich einem Kunden zu widmen. Im Besucherzimmer bringt mir Frau Mutter Mirjam auf liebenswürdige Weise den Klosteralltag näher.

Bete und arbeite Das Kloster «Leiden Christi» ist ein Anbetungskloster. Es ist ihre Aufgabe, vor allem die Anliegen der Kirche, aber auch alle Sorgen und Nöte, die ihnen anvertraut werden, vor Gott zu tragen. So erfährt das beschauliche Leben Erfüllung und Fruchtbarkeit. Für Frauen, welche sich im religiösen Leben vertiefen möchten, besteht auch die Möglichkeit, eine Zeit lang in der klösterlichen Gemeinschaft mitzuleben. Das Kloster wird heute von dreizehn Schwestern unterschiedlichen Alters bewohnt. Dankbar sind die Schwestern über einen Neueintritt in diesem Jahr. Der Klosteralltag beginnt kurz nach fünf Uhr morgens, um zehn vor sechs ist die Laudes, ein Chorgebet. Es folgen die heilige Messe, gelesen von einem Pater aus dem Kapuzinerkloster Appenzell, dann eine Betrachtung und die Hore Terz. Um halb acht wird stillschweigend gefrühstückt, um acht Uhr gehen alle an ihre Arbeit, sei es in der Apotheke, bei der Betreuung der Kranken und Alten, Selbstversorgung im Garten, Arbeiten in der Küche, der Näherei oder in der Verwaltung. Auch für genügend Zeit für Weiterbildung ist gesorgt. Zwanzig vor zwölf ist Mittagsgebet und stille Besinnung, dann das Mittagessen. Danach folgt das stille persönliche Dankgebet und eine Mittagspause mit Zeit zum Spazieren, Schlafen, Lesen, Malen oder was jede Schwester an eigenen Liebhabereien pflegt. Viertel vor zwei wird die Arbeit wieder aufgenommen bis zur Vesper mit Chorgebet und stiller Betrachtung um fünf Uhr. Dem gemeinsamen stillen Abendessen folgt das Complet, das Nachtgebet. Nächtliches Stillschweigen ist angesagt, im Winter ab halb neun, im Sommer ab neun Uhr. ■ Gina Chiara

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Haar. Kloster. Ballenberg. Von abgeschnittenen Haupthaaren und deren Ver wendung – Kunsthandwerk hinter Klostermauern Beachtet man in vielen Bauernhäusern flüchtig die reichverzierten Erinnerungsbilder an die lieben Verstorbenen, so nimmt man vielleicht die bereits leicht vergilbte Fotografie und die ungemein vielfältigen Verzierungen, welche das Bild umrahmen, wahr. Aus der Nähe betrachtet entdeckt man, wie fragil und zierlich diese Schmuckwerke verarbeitet sind. Die meisten Betrachterinnen und Betrachter solcher Kunstwerke müssen aber erst darauf hingewiesen werden, dass die Blumen, Herzchen, Schleifchen, Blätter und andere Winzigkeiten nicht aus feinstem Drahtgeflecht oder Garn hergestellt wurden, sondern aus Haaren bestehen, gewöhnlich aus den Haaren der Verstorbenen. Dieser Sachverhalt bewirkt ein kurzes Zurückschaudern, um dann das Bild erneut und mit gesteigertem Interesse, weil plötzlich mit gruseliger Anziehungskraft behaftet, zu betrachten.

Das Bild Das Freilichtmuseum Ballenberg durfte diverse Haarbilder als Schenkungen annehmen. Unter anderem das Totenandenken an Kaspar und Theresia Bosshard (Abbildung 2), einem Ehepaar aus dem Kanton Zug, welches 1978 im Abstand von zwei Tagen (an einer Grippe?) verstorben ist: Im Hintergrund des Glaskastens wurde den Toten je ein Denkmal aufgezeichnet, in welchen die Namen und die Lebensdaten eingeschrieben sind: Links das «Denkmal des unvergesslichen Sohnes Kasp. Bosshard. geb. den 14. April 1845. gest. den 7. Mai 1878», rechts dasjenige der «unvergesslichen Tochter Theresia Bossard. geb. den 15. November 1844. gest. den 9. April 1878.» Die Monumente sind mit dem GlaubeLiebe-Hoffnung-Motiv in Form von Herz, Kreuz und Anker sowie dem Zeichen der Trauer, dem Trauerflor, bereichert. Um die Denkmäler schliesslich ranken sich Bäume und Sträucher, hergestellt aus Haaren, höchstwahrscheinlich aus denjenigen der Verstorbenen. Ein weiteres Haarbild (Abbildung 1), ebenfalls ein Totenandenken als Glaskasten mit arrangierten Trauergegenständen, erinnert an Johann Georg Strassman, welcher am 24. April 1878 im zarten

Abbildung 1

Alter von drei Jahren verstarb. Auch ihm ist ein Denkmal gesetzt, es ist aber plastisch, ebenfalls mit den Lebensdaten versehen und einem Segensspruch angereichert. Links befindet sich eine Art vorgedruckter (aber nicht ausgefüllter) Totenschein, daneben ein kleiner Engel, vermutlich aus Gips, und getrocknete und künstliche Blumen. In der Mitte nun rankt sich der Baum mit den hellblonden Haaren des verstorbenen Knaben.

Das Symbol Seit Menschengedenken haftet dem Haupthaar Bedeutungen und Zeichen an, welche zu den mannigfaltigsten Interpretationen einladen. Haare als Symbolträger sind uns aus Märchen, Sagen und Legenden, aus dem weiten Feld des «Aberglaubens», aber auch aus dem gesellschaftlichen Alltag bis in unsere Zeit bekannt. So gelten Haare als Sitz des Lebens, der Seele und der Kraft. Schert z. B. eine Frau einem Manne die Haare, so beraubt sie ihn seiner Potenz, seiner Männlichkeit und dementsprechend seiner Macht. Dies gilt natürlich auch umgekehrt. Freiwillig sich die Haare selbst schneiden oder schneiden lassen, um sich in die Obhut, respektive Gewalt eines Höhern zu begeben (dem man die abgeschnittenen Haare weiht), ist bereits bei den alten Griechen bekannt und auch heute noch gebräuchlich, indem sich z. B. die Nonne und der Mönch Maria oder Christus weiht. Haarbilder, wie auch anderer Haarschmuck, waren vielfach eine Auftragsarbeit für Klosterfrauen. Häufig verwendeten sie Handwerk 2/2000 26


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Informationen und weiterführende Literatur Gitta Hassler: Kostbares aus Menschenhaar. Zur Bedeutung, Geschichte und Technik von Haarschmuck. In: Die Lust am Feld Festschrift Paul Hugger. 1995. S. 21–31.

Emilie Swoboda: Kostbarkeiten aus menschlichen Haaren. Museumsbrief 69. St. Gallen, 1992.

Haare – Obsession und Kunst. Katalog zur Ausstellung vom 7. bis 21. März 2000 im Museum Bellerive Zürich.

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. von Hanns BächtoldStäubli. 10 Bde. Nachdruck 1987.

Abbildung 2 Fotografien: FLM

das Material ihrer Novizinnen, die beim Ablegen der Gelübde ihre Haarpracht opfern mussten. In stundenlanger Arbeit an diesen reliefartigen Blumen, Blättern und Verzierungen übten sich die Nonnen gleichsam in Fleiss, Demut und Kunstfertigkeit.

Die Tradition Weit verbreitet dürfte das Aufbewahren der ersten Locke des Kindes sein, wobei nach dem Handbuch des deutschen Aberglaubens in der Schweiz das Tragen erster Haare eines Kindes in einer Kapsel als Amulett verbreitet war. Es schütze das Kind vor todbringenden Kugeln, sollte es als Erwachsener jemals in den Krieg ziehen müssen. Und im Emmental lebte der Glaube, «in den drei höchsten Namen abgeschnittenes» Kinderhaar beschütze denjenigen, der es bei sich trägt, vor jeglicher Gefahr. Vom Amulett mit Schutzfunktion ist es schliesslich nicht mehr weit zur Verwendung von abgeschnittenen oder ausgefallenen Haaren als Schmuck. In unseren Breitenkreisen lässt sich v. a. aus dem 19. Jahrhundert Freundschafts-, Trauer- und Trachtenschmuck belegen. Viele Zöpfe fielen dem Modetrend während des Klassizismus, besonders des Bieder meier bzw. der viktorianischen Zeit zum Opfer, als die Verwertung von Haaren für Uhrenbänder, Broschen, Arm- und Fingerringe, Ketten, Ohrhänger, Gestecke und Gemälde «hip» war. Vor allem die empfindsame Goethe-Zeit brachte einen regelrechten Freundschafts- und Erinnerungskult hervor,

so dass Haararbeiten als Ausdruck von Liebe und Freundschaft Hochkonjunktur verzeichneten. In der Schweiz ist Trachtenschmuck aus Menschen- und Tierhaaren aus dem Emmental, besonders aber aus Appenzell Innerrhoden bekannt. Freundschaftsschmuck als Liebes- und Treuepfand war allgemein sehr verbreitet. So liess z. B. die Braut eine Uhrenkette aus ihren Haaren verarbeiten, um diese ihrem Bräutigam zu schenken und dadurch die symbolische Verbindung zu festigen. Der eingangs erwähnte Trauerschmuck – besonders verbreitet als Wandbild oder Schaukasten – der an die Toten erinnern soll, wurde noch bis in die 1930er Jahre hergestellt. Die Überreste von Toten in Schmuck zu verarbeiten, hat etwas morbides und reliquienhaftes und doch bezeugt dieses Sich-erinnern-wollen Freundschaft und Liebe über den Tod hinaus. Im Handbuch des deutschen Aberglaubens erscheinen mehrere Einträge unter dem Begriff «Haar», welche davor warnen, den Toten die Haare abzuschneiden. Wer Haare zum Andenken aufbewahren möchte, der soll sie dem Lebenden abschneiden, auch wenn er in den letzten Zügen liege. Um missliche Umstände vorzubeugen, wurden auch häufig die Haare der Familienmitglieder bereits im Vor feld gesammelt, um dann bei gegebenem Anlass das Material verarbeiten zu können. ■ Gabriela Niederberger

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Aus dem Heimatwerk

Filiale Luzern

Sinkstill

Während der festlichen Vorweihnachtszeit, am 4. Dezember 1999, eröffneten wir das helle, attraktive Verkaufsgeschäft im «Panorama» in Luzern. Falls Sie während der Woche keine Zeit finden oder das Bourbaki-Museum besuchen möchten, sind wir auch am Sonntag für Sie da. Das aufgestellte, fachkundige Verkaufsteam freut sich, Sie in Luzern begrüssen zu dürfen.

Sinkstill spendet ein helles, blendfreies Licht. Infolge des Auftriebes bleibt die Kerzenflamme immer hinter der Milchglasblende. Ihren ganz besonderen Reiz entfaltet Sinkstill bei Dunkelheit: Dank einer geheimnisvollen Lichtprojektion scheint der Kerzenkörper von innen her zu leuchten.

Ausstellungskalender Bis 8. Juli ■ Lichter Zauber für eine Sommernacht Andreas Schneider Rennweg 14, Zürich

Pfeffer, Salz und Muskat ! Die extra für unser Sortiment neu entwickelten Mühlen überzeugen durch eine gerade, klare Form. Die Kombination des warmen Holzes mit dem technischen Chromstahl ist eine gelungene Verbindung. In verschiedenen Holzarten erhältlich!

Frische, leuchtende Keramik 26. August bis 23. September ■ Textil Hanna Ast Schneidergasse 2, Basel

Eine Brise leuchtender Frische verleiht die Künstlerin Aline Ruckstuhl ihren Gebrauchsgegenständen. Die Intensität der Farben entsteht durch die weisse Engobe, die zuerst auf den Töpferton aufgetragen wird. Die Formen sind mal ganz schlicht und reduziert, mal üppig und reich appliziert. Die Farben und Formen der Vasen, Schalen und Kerzenständer sind frei kombinierbar und ergeben ein harmonisches Ganzes. ■ Erika Mathis-Brassel und Team

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Schweizer Heimatwerk unsere Geschäftsstellen Zürich: Hauptsitz: Rudolf Brun-Brücke, 8001 Zürich Telefon 01- 217 83 17 Bahnhofstrasse 2, 8001 Zürich Hauptbahnhof, 8001 Zürich Rennweg 14, 8001 Zürich Transithalle A, 8058 Zürich-Flughafen Transithalle B, 8058 Zürich-Flughafen Internet http://www.heimatwerk.ch E-Mail: info@heimatwerk.ch

Aarau: Graben 16, 5000 Aarau Telefon 062-822 34 89 Basel: Schneidergasse 2, 4051 Basel Telefon 061- 261 91 78 Genf: Flughafen, Transit, 1215 Genf Telefon 022 - 788 33 00 St. Gallen: Hinterlauben 10, 9000 St. Gallen Telefon 071 - 222 38 04 Wallisellen: Einkaufszentrum Glatt, 8301 Glattzentrum Telefon 01 - 830 12 36 Luzern: Panorama, Löwenplatz 11, 6004 Luzern Telefon 041 - 410 01 88

Bestellkarte Kursinformationen

«Handwerk»

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Vereinigung der Gönner ■ Ich will GönnerIn werden

Freilichtmuseum Ballenberg ■ Veranstaltungsprogramm

Schweizer Heimatwerk ■ Kundenmagazin

Ich bin interessiert an Informationen über


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Demnächst: edition b! Mit einer limitierten Auflage von je 50 gestalterisch hochwertigen Objekten will die Gönnervereinigung des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk neue Freundinnen und Freunde, Gönner und Sammler finden. Für die erste Ausgabe der edition b hat die Gönnervereinigung unter dem Präsidium der Berner Ständerätin Christine Beerli ein hochkarätiges Duo beauftragt. Gisela Widmer, Drechslerin, und Adrian Knüsel, Keramiker und Leiter des Kurszentrums Ballenberg Heimatwerk, haben je eine Schale entworfen. Die beiden mehrfach ausgezeichneten Gestalterpersönlichkeiten setzen mit ihren einmaligen Objekten zwischen Gebrauchsgegenstand und Kleinskulptur die Philosophie des Kurszentrums perfekt um: Erfahrung und Innovation im Handwerk und sensibler Umgang mit dem Material – gestalterisch hervorragend umgesetzt. Mit der edition b geht es übrigens wie mit den Schweizer Kirschen: es het, solangs het. Mehr darüber bei uns im Kurszentrum und als Kunstkarten beigelegt im nächsten Handwerk ...

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