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MUSEEN UND BIBLIOTHEKEN IN DEUTSCHLAND H. & D. Zielske

TEMPEL DER KUNST KATHEDRALEN DES WISSENS

H. & D. Zielske

TEMPEL DER KUNST KATHE DRALEN DES WISSENS


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Ausstellungsraum »Zettel« in der GRIMMWELT Kassel.

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Zu diesem Buch Ob Ptolemaios I. ahnte, was er mit der Gründung des Museion und der angeschlossenen Bibliothek von Alexandria auslösen würde? War ihm bewusst, dass sein »Musentempel« im 3. Jahrhundert v. Chr. den Grundstein legte für sämtliche Museen der Welt? Seine Idee der Ansammlung von Schriftrollen, dem Anhäufen von Wissen an einem Ort gipfelte Tausende Generationen später in interaktiven Wissensvermittlungshäusern, errichtet von den namhaftesten Architekten unserer Zeit. Museen und Bibliotheken als Horte der Hochkultur und als Wissensspeicher führten lange ein symbiotisches Dasein, die Trennung wurde erst mit dem Aufkommen der Kunstkammern adliger Mäzene vollzogen. Und es sollte bis ins ausgehende 17. Jahrhundert dauern, da ein erstes öffentliches Museum auf deutschem Boden entstand.

und-Wilhelm-Grimm-Zentrum in Berlin sind Stein gewordene Traumschlösser für Bibliophile und Architekturfans gleichermaßen.

Noch immer zählen Museen in vielen Städten zu den Hauptanziehungspunkten für Besucher. Ja, viele Touristen besuchen erst Orte aufgrund prestigeträchtiger Ausstellungshäuser. Die Faszination kann dabei von der Sammlung ausgehen, von haushohen Dinosaurierskeletten ebenso wie von Gemälden Alter Meister, von Automobilprototypen bis zu virtuellen Welten in modernen Science Centern. Oft ist es auch die Architektur, die begeistert: Schinkels Ehrfurcht gebietende Gebäudekunst auf der Berliner Museumsinsel ebenso wie die richtungsweisenden Bauten der Sammlung NRW in Düsseldorf.

Ungewöhnlich ist aber auch das Zweiergespann, das die Fotos gestaltet. Denn die Bilder dieses Bandes stammen von Horst und Daniel Zielske, entstanden aus der Zusammenarbeit von Vater und Sohn. Die beiden Wahl-Göttinger haben sich längst einen Namen gemacht und sind preisgekrönte Fotografen, deren Bildsprache eine Art magischen Realismus schafft. Ende der 1990er-Jahre arbeiteten sie an Bildbänden über die Britischen Inseln und Deutschland auf dem Weg in das 21. Jahrhundert. Während dieser Zeit fotografierten sie auch unzählige Museen und Bibliotheken, und so reifte der Wunsch, zu diesem Thema einen großen Bildband zu veröffentlichen. Die Fotografien zu diesem Buch entstanden in den Jahren 2016 bis 2018, es ist bereits der sechste Kunstbildband der beiden, der im Kunth Verlag erscheint.

Und Bibliotheken? Der Geruch alter Ledereinbände, das Knarzen von Holzdielen und das Blätterrascheln emsiger Studenten, gedämpftes Licht und eine oftmals nahezu geheiligte Stille – das eint ehrwürdige Klosterbibliotheken und moderne Universitätssammlungen in derselben Weise. In den barocken Abteien des Landes stehen Jahrhunderte Kulturgeschichte vereint in kunstvoll geschnitzten Regalen, präsentiert in prunkvollen Räumen, die Jorge Luis Borges’ Worten »Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt« Nachdruck verleihen. Puristische Neubauten wie die Stadtbibliothek in Stuttgart oder das Jacob-

In einem Band wie diesem kommt vieles zusammen: Bibliotheken als Orte des Wissens und der Wissenschaften, Museen als Bewahrer von Geschichte und Kunst – und Architektur, als Zeichen dafür, was möglich ist, wenn ausgetretene Wege verlassen werden. Einzigartig und fesselnd zugleich wird das vorliegende Buch aber letztlich erst durch die Kunst der Fotografie. Wenn zwei außergewöhnliche Könner ihres Fachs die Perspektiven auf teils Altbekanntes selbst wählen dürfen, meist übersehene Details betonen oder mit dem Licht spielen, entstehen Bilder, die selbst Kunst sind.

»Wir sind gemeinsam ein Auge«, sagt Daniel Zielske: »Deshalb ist es egal, wer am Ende auf den Auslöser drückt.« Es ist nicht erstaunlich, dass ob dieser Harmonie so brillante Fotos entstehen wie in diesem Band. Tauchen Sie deshalb ein, in die beeindruckende Welt der Museen und Bibliotheken, immer begleitet von der Kunst zweier Fotografen von Weltklasse.

Für Sandra

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Gabriel Cornelius von Max ließ 1889 »Affen als Kunstrichter« auftreten, Neue Pinakothek München.


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Die Leseterrassen bilden das HerzstĂźck des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums in Berlin.


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Mitten im Farbrausch: Barlachs »Der singende Mann« und Jawlenskys »Turandot II«, Sprengel Museum Hannover.


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Lichtdurchflutet und wohlgeordnet wirkt der Galeriesaal der Neuen Stadtbibliothek Stuttgart.


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Zentraleinheit der Rechenanlage UNIVAC 1 Factronic von 1956, Deutsches Museum MĂźnchen.


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Dieser Saal der SUB GÜttingen trägt den Namen des ehemaligen Direktors Christian Gottlob Heyne.


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In der Nass-Sammlung des Berliner Naturkundemuseums sind etwa eine Million Tiere in Alkohol konserviert.


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In Leder gebundene Bände der Bibliothek des Cusanusstifts in Bernkastel-Kues.


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Vincent van Goghs Signatur auf seinem Gemälde »Sonnenblumen« von 1888, Neue Pinakothek München.


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Blick in den historischen Bibliothekssaal der SUB Gรถttingen in der ehemaligen Paulinerkirche.

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Inhaltsverzeichnis Hamburg Hamburger Kunsthalle Hannover Sprengel Museum Technische Informationsbibliothek (TIB) Braunschweig Staatliches Naturhistorisches Museum, 3Landesmuseen Wolfenbüttel Herzog August Bibliothek Göttingen Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Berlin Alte Nationalgalerie Bode-Museum Neues Museum Museum für Naturkunde Staatsbibliothek, Haus Potsdamer Straße Jacob-und-Wilhelm-Zentrum Cottbus Universitätsbibliothek Cottbus-Senftenberg

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36 44

Mühlhausen Stadtbibliothek Weimar Herzogin Anna Amalia Bibliothek

52

Düsseldorf Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 Grabbeplatz Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21 Ständehaus

66 70 74 80 92 96

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102

Halle (Saale) Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB)

110

Leipzig Deutsche Nationalbibliothek Universitätsbibliothek

116 122

130 138 144

Kassel GRIMMWELT Xylothek von Carl Schildbach im Ottoneum Frankfurt am Main Deutsche Nationalbibliothek Deutsches Architekturmuseum Senckenberg Naturmuseum Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Städel Museum MMK Museum für Moderne Kunst Maria Laach Klosterbibliothek im Benediktinerkloster Marbach am Neckar Deutsches Literaturarchiv Schiller-Nationalmuseum im Deutschen Literaturarchiv Stuttgart Staatsgalerie Stadtbibliothek am Mailänder Platz Mercedes-Benz-Museum

256

Ulm Bibliothek im Kloster Wiblingen

262

Bad Schussenried Klosterbibliothek

266

Waldsassen Stiftsbibliothek Kloster Waldsassen

270

Metten Barockbibliothek der Benediktinerabtei

278

150

152

160 164

60 Köln Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Neresheim Alte Bibliothek der Benediktinerabtei 148

46

Dessau Bauhaus

Dresden Gemäldegalerie Alte Meister Historisches Grünes Gewölbe Sächsische Landesbibliothek – Staatsund Universitätsbibliothek (SLUB)

Görlitz Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften

166

172 178

München Deutsches Museum Alte Pinakothek Neue Pinakothek Pinakothek der Moderne Städtische Galerie im Lenbachhaus Glyptothek Bayerische Staatsbibliothek Juristische Bibliothek der Münchner Stadtbibliothek

282 290 296 304 308 318 326 330

184 190 192

Ottobeuren Alte Bibliothek der Benediktinerabtei

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204 212

Adressen & Impressum

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Hamburger Kunsthalle Den Grundstock für das Museum legte der 1817 gegründete Hamburger Kunstverein, der ab 1850 jedem »anständig Gekleideten« die Besichtigung seiner Sammlung gestattete. Der große Publikumserfolg machte den Bau einer eigenen Kunsthalle notwendig, der 1869 fertiggestellt wurde. Alfred Lichtwark, der legendäre erste Direktor, machte das Museum zu einem der bedeutendsten des Landes. Heute bietet es einen Überblick über die europäische Malerei vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Schätze der Kunsthalle sind die niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts, die Landschaftsmalereien der deutschen Romantik, die französischen Impressionisten, die Werke der klassischen Moderne und der expressionistischen Vertreter der »Brücke« sowie der Wegbereiter der abstrakten Kunst. Darüber hinaus besitzt das Museum ein 100 000 Blätter umfassendes Kupferstichkabinett. Mit der in einem markanten Kubus untergebrachten Galerie der Gegenwart wurde die Kunsthalle 1997 um eine Sammlung zeitgenössischer Werke erweitert, die sich der modernen Kunst ab 1960 widmet.

Caspar David Friedrich, »Der Wanderer über dem Nebelmeer«, um 1818.

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Édouard Manet löste mit seiner halb bekleideten »Nana« 1877 einen Skandal aus.

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Das Treppenhaus des klassizistischen GrĂźndungsbaus, der originalgetreu wiederhergestellt wurde.


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Der ÂťGrabower AltarÂŤ wurde Ende des 14. Jahrhunderts von Meister Bertram von Minden geschaffen.


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Arktische Naturgewalt zeigt Caspar David Friedrich in seinem Meisterwerk ÂťDas EismeerÂŤ, 1823/24.


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Tempel der Kunst  

Kathedralen des Wissens Ob barocke Kunstkammern, Kuriositätenkabinette, detailreiche Naturkundesammlungen oder moderne Wissenstempel – Musee...

Tempel der Kunst  

Kathedralen des Wissens Ob barocke Kunstkammern, Kuriositätenkabinette, detailreiche Naturkundesammlungen oder moderne Wissenstempel – Musee...