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Mallorca Zu nahezu jeder Jahreszeit lohnt sich eine Reise nach Mallorca: Im Frühjahr tauchen die Mandelbäume die Landschaft in ein Blütenmeer, im Hochsommer locken die weißen Sandstrände und die versteckten Badebuchten mit ihrem glasklaren Wasser, im Herbst wird gewandert oder geradelt, und sogar im Winter herrschen angenehme Temperaturen. Mit 300 Sonnentagen im Jahr ist es kein Wunder, dass die Mittelmeerinsel so viel besucht wird. Doch Mallorca besitzt nicht nur wunderschöne, zum Teil naturbelassene Strände, sondern auch verschlafene kleine Orte mit blumengeschmückten Gässchen und urige Fischerdörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Viel Natur bieten das Tramuntana-Gebirge und die rauen Küstenregionen im Westen und im Norden. In der Inselmitte und in den Bergen warten alte Klöster und Kirchen sowie spannende Tropfsteinhöhlen darauf, entdeckt zu werden. Und die Metropole Palma bietet ein reiches Kulturprogramm und jede Menge Ausgehmöglichkeiten. Wie unglaublich vielfältig so ein kleines Fleckchen Erde wie Mallorca sein kann, ist erstaunlich. »Reise nach Mallorca« lädt dazu ein, dem Facettenreichtum der Insel nachzuspüren.

€ (D) 19,95 / € (A) 20,60

ISBN 978-3-95504-597-5

www.kunth-verlag.de

Mallorca


Eine äußerst kurvenreiche Strecke führt zum Leuchtturm am Cap Formentor. Der Turm markiert die nördlichste Spitze der Insel.


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ZU DIESEM BUCH

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or beinahe 200 Jahren hielten sich die französische Schriftstellerin George Sand und der Komponist Frédéric Chopin eine Weile auf Mallorca auf. In ihrem ansonsten eher negativen Reisebericht »Ein Winter auf Mallorca« (1839) hat Sand dann doch einige lobende Worte parat und beschreibt Mallorca als »grüne Schweiz unter kalabrischem Himmel«. Die Naturschönheit und das abgeschiedene, ruhige Leben auf der Baleareninsel zog dann im 19. und 20. Jahrhundert ganze Künstlerscharen an; in Deià zum Beispiel siedelten sich u. a. Pablo Picasso, Ava Gardner, Robert Graves oder Andrew Lloyd Webber an. Von der einstigen Beschaulichkeit ist an vielen Orten aber kaum mehr etwas übrig, zu viele Touristen – seien es Individualreisende, Radfahrer oder Strand- und Partyurlauber – bevölkern Mallorca das ganze Jahr über. Schließlich ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Doch wer sich fernab der üblichen Pfade bewegt, der bekommt doch noch erstaunlich viel vom typisch mallorquinischen Leben zu spüren. Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine bildgewaltige Rundreise durch die Baleareninsel. Die ganze Vielseitigkeit Mallorcas – paradiesische Strände, raue Küsten, hügeliges, grünes, von Olivenhainen und Pinien durchzogenes Hinterland, bunte Märkte, rauschende Feste, quirlige Kleinstädte und verträumte Fischerdörfchen mit viel Tradition. Die gotische Kathedrale von Palma de Mallorca ist eines der markantesten Bauwerke der Hauptstadt.

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Inhaltsverzeichnis

Palma de Mallorca Plaça Major Plaça del Mercat Mercat de l’Olivar Märkte und Delikatessen Palmas Restaurants Fundació la Caixa Modernisme Stadtrundgang: Modernisme-Bauten Teatre Principal Ajuntament (Rathaus) Palmas Stadtpaläste Die schönsten Innenhöfe Palau de l’Almudaina Museu del Palau de l’Almudaina Fundació Bartolomé March Grüne Oase: S’Hort del Rei Convent de Sant Francesc Banys Àrabs Casa Museu J. Torrents Lladó Kathedrale Sa Seu Semana Santa Ostern in Palma Museu Es Baluard Plaça Llotja & Sa Llotja Parc de la Mar Hafen & Marina

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Palma Aquarium Nightlife Die Besten Bars Castell de Bellver Fundació Pilar i Joan Miró Joan Miró

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Mallorcas Westen

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Portals Nous & Portals Vells Bendinat Port Adriano Peguera Cala Fornells Die schönsten Strände des Südwestens Andratx Kunstmuseen Port d’Andratx Bars und Restaurants Sant Elm Sa Dragonera Tauchen Die Besten Tauch-Spots Galilea & Calvià Wandern in Calvià Mandelblüte Estellencs & Banyalbufar

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Valldemossa Kartäuserkloster Frédéric Chopin Port de Valldemossa Monestir de Miramar & Son Marroig Deià Restaurants Raixa & Jardins d’Alfàbia Bunyola Orient Alaró & Puig d’Alaró Ausflug zum Castell d’Alaró Oliven Sóller Der »Rote Blitz« Port de Sóller Wochenmärkte Biniaraix Fornalutx Santa Maria del Camí Inca Shopping in Inca

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Mallorcas Norden

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Puig Major Embassaments de Cúber & Gorg Blau Wandertouren in der Umgebung

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Inhaltsverzeichnis

Santuari de Lluc Die Schwarze Madonna Cala Tuent Sa Calobra & Torrent de Pareis Pollença Einkaufen in Pollença Santuari de la Mare de Déu del Puig Spuren erster Siedlungen Cala Sant Vicenç Port de Pollença Mallorcas Feste Península de Formentor Talaia d’Albercutx Cap de Formentor Abstecher: Cala Pi de la Posada Alcúdia Port d’Alcúdia Altstadt Abstecher: Necròpolis de Son Real Golf Golfplätze auf Mallorca Península La Victória Fundación Yannick y Ben Jakober Naturschutzgebiet s’Albufera Mallorcas Höhlen Sa Pobla

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Mallorcas Zentrum

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Mallorcas Weine Weingüter Sineu Ensaïmadas Petra Els Calderers Landhotels & Agroturismo Die Schönsten Landhotels und Fincas Montuïri Algaida Windmühlen Porreres Aprikosenanbau in Porreres Puig de Randa und seine Klöster Santuari de Nostra Senyora de Cura

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Mallorcas Osten

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Colònia de Sant Pere & Cap Farrutx Betlem & Ermita de Betlem Capdepera Cala Rajada Artà Unternehmungen rund um Artà

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Cala Millor Porto Cristo Manacor Perlen

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Mallorcas Süden

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Llucmajor Felanitx Portocolom Cala Mondragó Parc Natural de Mondragó Santanyí Cala d’Or Cala Figuera Cala Santanyí & Cala s’Amonia Portopetro Traumstrände des Südens Salinas de Llevant Ses Salines Abstecher: »Botanicactus«

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Stadt- und Übersichtskarten

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Register Bildnachweis/Impressum

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PALMA DE MALLORCA

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chlicht »La Ciutat«, »die Stadt«, nennen die Mallorquiner ihre Hauptstadt. Das unbestrittene Zentrum des internationalen Fremdenverkehrs der Inselgruppe erstreckt sich am Ende der Bucht von Palma an der Südwestküste. Mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern ist Palma de Mallorca eine der schönsten Städte Spaniens. Überragt wird er von der mächtigen gotischen Kathedrale La Seu, einem der prunkvollsten Kirchenbauten der Welt. Daneben gibt es noch 30 weitere Kirchen, z. B. Sant Francesc mit dem längsten Kreuzgang Europas. Sehenswerte weltliche Bauten sind der Palau de l’Almudaina (13. Jahrhundert) und die spätgotische Seehandelsbörse Sa Llotja (15. Jahrhundert) sowie Reste der maurischen Banys Àrabs – nicht zu vergessen die 72 ehemaligen Stadtpaläste! Auf 140 Meter Höhe dominiert das Castell de Bellver (14. Jahrhundert) die Bucht von Palma. Flanieren, einkaufen und sich amüsieren kann man beispielsweise entlang des von Platanen gesäumten Passeig des Born und rund um die malerischen Plaça Major, Plaça Cort und Plaça Weyler mit schönen Jugendstilfassaden wie dem Teatro Principal, dem Gran Hotel und dem Museu d’Art Espanyol Contemporani. Die Kathedrale ist einer der wohl markantesten Bauten der Stadt. Ein Blickfang ist besonders das Rosettenfenster: die größte gotische Fensterrose der Welt.

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Palma de Mallorca

PLAÇA MAJOR

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itten im Gassengewirr der Vila de Dalt, der Oberstadt, öffnet sich dem Stadtbummler plötzlich die von Arkaden und gelben Häuserfassaden gesäumte Plaça. In ihrer heutigen Form wurde sie erst 1823 angelegt, nach Abriss des Klosters Sant Felip Neri und des Inquisitionsgerichts, das hier seit dem 16. Jahrhundert getagt hatte. Das »Wohnzimmer der Stadt« ist zu jeder Tageszeit mit quirligem Leben erfüllt. Hier kann man etwas trinken und Händler, Akrobaten, Musiker und Pantomimen beobachten, wie sie die Geldbörsen der Touristen um ein paar Euro zu erleichtern suchen. Jeden Montag, Freitag und Samstag findet hier ein schöner Kunsthandwerkermarkt statt. Außerdem gibt es hier zahllose Geschäfte. Und auch die vielen Cafés und Restaurants rund um den Platz haben ihre Tische und Stühle aufgestellt. Die Plaça Major wirkt mit ihrer geschlossenen Kulisse von terrakottafarbenen Häusern wie ein Ballsaal unter freiem Himmel.

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Palma de Mallorca

PLAÇA DEL MERCAT

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n vielen Stellen lässt sich heute noch die Geschichte der Stadt Palma wie an Jahresringen ablesen. So folgen die Gässchen der alten Stadt im Viertel Sa Portella immer noch den maurischen Straßenzügen. Fast alle Kirchen haben ehemalige Moscheen verdrängt. An der Plaça del Mercat, wo heute einmal in der Woche Markt abgehalten wird, wurden schon in der Maurenzeit Waren feilgeboten. Besonders auffällig sind zwei Häuser im lupenreinen Stil des Modernisme: Gegenüber vom prachtvollen Gran Hotel liegen Can Casasayas und die Pensió La Menorquina, zwei Gebäude aus den Jahren 1808 und 1809, erbaut nach Plänen von Francisco Roca Simó. Die wellenförmigen Fassaden der oberen Stockwerke und die offenen Erdgeschosse scheinen die zwei spiegelbildlich einander gegenüberstehenden Häuser in eine fließend-dynamische Bewegung zu versetzen. Im Zentrum von Palma werden zahlreiche Gebäude von aufwendig verzierten Fassaden geschmückt.

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Palma de Mallorca

MERCAT DE L’OLIVAR

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n Palma gibt es drei große Markthallen, die bekannteste ist der Mercat de l‘Olivar an der gleichnamigen Plaça. Im Untergeschoss der Haupthalle befindet sich eine unübersehbare Zahl von Ständen mit Obst und Gemüse meist einheimischer Herkunft. Dazu kommen Stände mit einer riesigen Auswahl an gesalzenen, karamellisierten oder naturbelassenen Mandeln und Nüssen. Und nicht zu vergessen: Fisch- und Wurstwaren. Wer vom Umherwandern müde ist, kann in einer der Stehbars auf einen »Café sólo« (starker schwarzer Kaffee), einen »Café con leche« (Milchkaffee), ein Bier oder einen Sherry mit Tapas einkehren. Zur Auswahl stehen zudem Kutteln, in Teig gebackene Tintenfische oder »Pa amb oli« (Bauernbrot mit Olivenöl, Knoblauch und Tomate). Und niemals fehlen die »Ensaïmadas« – luftige spiralförmige Hefekrapfen. Der Mercat de l’Olivar hat einen Vorbau, in dem ein Fischmarkt untergebracht ist (großes Bild). Auch allerlei Obst und Gemüse wird auf dem Markt verkauft.

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MÄRKTE UND DELIKATESSEN Flohmarkt Alte Möbel, Hausrat, Antiquitäten und Kunstgegenstände findet man hier. Samstags, Avinguda Gabriel Alomar i Villalonga

Mercat de Santa Catalina Zwischen Plaça del Progrés und Avinguda de l‘Argentina liegt dieser schöne Markt. Mo–Sa, Plaça de la Navegació Mercat de Pere Garau Schnäppchenjäger aufgepasst! In der Markthalle findet man günstige Angebote. Mo–Sa, Plaça Pere Garau Sobrasada – Colmado Santo Domingo Das Delikatessengeschäft ist spezialisiert auf »Sobrasada«, luftgetrocknete Rohwurst. Carrer de Sant Domingo, 1 Mallorca Delicatessen Mateu Pons Verschiedenste Leckereien kann man hier genüsslich verkosten. Plaça del Marquès del Palmer, 7 Colmado la Montaña Schinken, Käse und Wein vom Feinsten! Carrer de Jaume II, 27

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RESTAURANTS Forn de Sant Joan In der ehemaligen Bäckerei in der Llotja kann man heute auf drei Stockwerken in elegantem Ambiente edel speisen. Wem die Gerichte zu teuer sind, der kann auch einfach nur an der Cocktailbar ein paar leckere Tapas essen. Carrer de Sant Joan, 4 www.forndesantjoan.com Patrón Lunares Nach dem Großvater, der Fischer war, ist dieses Szenelokal in Santa Catalina benannt. Man speist hervorragende Fisch- und Fleischgerichte in tollem Ambiente. Carrer de la Fàbrica, 30 www.patronlunares.com Ombu Direkt an der Plaça de la Reina liegt diese recht teure, aber sehr zu empfehlende Tapas- und Cocktailbar. Passeig del Born, 5–7 ombupalma.com Casa Maruka Authentisches Restaurant, in dem man gemütlich unter Einheimischen speist. Hier gibt es typisch mallorquinische Küche mit bodenständigen Gerichten und vorzüglichem frischem Fisch. Carrer de la Reina Maria Cristina, 7 www.casamaruka.com La Mirona Leicht zu übersehen ist dieses kleine, aber äußerst feine Restaurant in der Altstadt von Palma. Aus regionalen Zutaten zaubert Chef Pedro ganz wunderbare Gerichte. Carrer de Sant Jaume, 21

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Palma de Mallorca

PALMAS RESTAURANTS

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einer Lage am Meer zu verdanken hat Palma die exzellenten Fischgerichte, die es überall in der Stadt zu genießen gibt. Direkt am Hafen schmecken sie in maritimer Atmosphäre natürlich am besten; entlang der Küste vor Palma reihen sich unzählige Restaurants, die frischesten Fisch und Meeresfrüchte auf der Karte haben, wie z. B. das Casa Fernando in der Ciutat Jardí oder Ola del Mar und Sa Roqueta in Portixol. Daneben sind die in nahezu jeder Bar angebotenen Tapas ein Muss: Vor allem in den angesagten Vierteln La Lonja und Santa Catalina, aber auch in der Altstadt reiht sich ein Gourmet-Restaurant an das andere; auch authentische Bars und Kneipen laden zu gutem Wein oder erfrischendem Bier und kleinen Snacks ein. Zu den besten Adressen zählen u. a. Tast Club, Quadrat, Nuru, Adrián Quetglas und Marc Fosh. Auf vielen Stadtplätzen (links oben: Plaça d’En Coll) haben sich Restaurants niedergelassen. Oben: Juan José Nieto, Besitzer der Tapas-Bar La Cueva im La Lonja-Viertel

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Palma de Mallorca

FUNDACIÓ LA CAIXA

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as ehemalige Gran Hotel wurde 1986 von der spanischen Bank »la Caixa« gekauft und in jahrelanger Arbeit mit großem Aufwand renoviert. Während man die Modernisme-Fassade mit ihren in Stein gehauenen Pflanzen, Ranken und Tieren, ihren bleiverglasten Fenstern und verspielten Balkons bis ins Detail restaurierte, wurden die Hotelzimmer in großzügige Ausstellungsräume verwandelt. Heute ist das Hotel ein ambitioniertes Kulturzentrum, in dessen Erdgeschoss sich eine Buchhandlung und die elegante Bar »El Café« befinden. Das Gran Hotel wurde von Lluís Domènech i Montaner, einem Schüler Gaudís, erbaut und 1903 eröffnet. 30 Jahre lang logierte hier alles, was Rang und Namen hatte. Doch von den Einbußen während des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs erholte sich das Hotel nie. In dem schönen Jugendstilgebäude der Fundació la Caixa finden in den unteren Räumen Ausstellungen, Konzerte und Lesungen statt.

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Palma de Mallorca

MODERNISME

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ie Öl auf dem Wasser breitete sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein neuer Kunst- und Architekturstil in Europa aus – der Jugendstil, in Katalonien »Modernisme« genannt. Inspiriert von der industriellen Revolution versuchten Künstler und Architekten, der beginnenden Moderne einen angemessenen Stil zu verleihen. Bis etwa 1920 prägte er den Alltag mit seinem Design für Gebäude, Mobiliar, Gebrauchsgegenstände wie Besteck und Geschirr, Buchgestaltung und Werbung. In Katalonien gibt es rund 2000 Modernisme-Bauten, davon zahlreiche auf Mallorca, hauptsächlich beeinflusst vom exzentrischen Antoni Gaudí. In Palma leitete dieser ab 1904 die Restaurierung der Kathedrale. Das Stadtbild von Palma aber prägten sein Freund Lluís Domènech i Montaner und dessen Schüler. Domènech i Montaner baute 1903 das Gran Hotel an der Plaça de Weyler in Palma – das erste Luxushotel der Stadt. Großes Bild: Haus in der Carrer Sant Miguel; oben: Fassade eines Wohnhauses

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STADTRUNDGANG: MODERNISME-BAUTEN Gran Hotel Das wohl bekannteste Jugendstilgebäude ist das von Lluís Domènec i Montaner geplante Haus, das heute als Fundació la Caixa Kunstausstellungen zeigt. Plaça de Weyler, 3 Can Casasayas & Pensió Menorquina Diese beiden Gebäude an der Plaça del Mercat zeichnet eine besondere Symmetrie aus. Plaça del Mercat, 13–14 Paraires-Gebäude Der Mallorquiner Francesc Roca i Simó war stark von der Sezession in Wien beeinflusst und verarbeitete gekonnt die Materialien Glas, Stein und Schmiedeeisen. Carrer dels Paraires, 27 Can Roca Keramik wurde an der Fassade dieses Wohnhauses kunstvoll verarbeitet. Carrer de Sant Nicolau, 36 Can Corbella Das Mehrfamilienhaus ist ein wichtiges Beispiel des Modernisme-Stils. Besonders ist auch hier die Holzfassade. Plaça de Cort, 6 Can Forteza-Rey Der Kunstschmied Lluís Forteza-Rey zeigt sich hier vor allem von Gaudí beeinflusst. Plaça del Marquès del Palmer, 1

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Palma de Mallorca

TEATRE PRINCIPAL

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ie Einwohner von Palma waren schon immer theaterverrückt. Zwischen 1811 und 1814 verzeichnet der Spielplan Aufführungen von über 300 Werken. Und seit 1833 gelangten auch die wichtigsten Werke der Opernliteratur zur Aufführung. Das musikbegeisterte Publikum singt bis heute die beliebtesten Arien gerne lauthals mit, was eine Primadonna wie Montserrat Caballé nie irritiert hat. Nach zweimaliger Zerstörung und nachfolgendem Wiederaufbau konnte der Neubau des Theaters im Jahr 1860 eingeweiht werden. Im Laufe der Zeit wurden innen wie außen am Theatergebäude Renovierungen und Umbauten vorgenommen, zuletzt 2001 bis

2007. Auf dem Programm findet sich heute eine bunte Mischung hochkarätiger Werke –Theater, Oper, Zarzuela (Musiktheater) und Tanz aus der ganzen Welt. Das Teatre Principal gilt als Kleinod der Spielstätten Spaniens; es versetzt selbst Kenner immer wieder ins Staunen.

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Golden und karminrot zeigt sich der renovierte Saal. Die eher schlichte Fassade des Theaterbaus lässt nicht erahnen, was sich innen für ein Schatz verbirgt: Die Aufführungen hier zählen zu den besten des Landes.


Palma de Mallorca

AJUNTAMENT (RATHAUS)

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itten auf der Plaça Cort vor dem Rathaus steht ein knorriger Olivenbaum, dessen Alter auf mehr als 700 Jahre geschätzt wird. Er ist eines der Wahrzeichen der Stadt Palma und dient vor allem im Sommer als Schattenspender. Das Rathaus selbst stammt aus dem 17. Jahrhundert und erinnert sehr an das von Florenz, ist die Fassade doch unverkennbar im Stil des italienischen Barock erbaut. Das Dachgesims wird von fünf weiblichen und männlichen Figuren getragen, die ein einfacher Schiffszimmermann geschnitzt haben soll. Sehenswert an der Fassade ist außerdem eine Uhr aus dem Jahr 1863, die die Einheimischen auch »En Figuera«

nennen, und der Balkon. Seit 1931 steht das Rathaus unter Denkmalschutz. Im Inneren sind heute die Stadtbibliothek sowie ein Geschichtsarchiv untergebracht. Wer in der Adventszeit in Palma ist, sollte sich unbedingt die große Weihnachtskrippe in der Eingangshalle des Rathauses ansehen. Ansonsten genießt man das rege Treiben auf dem Platz vor dem Haus, denn dort ist zu nahezu jeder Tageszeit etwas geboten. Das Inselparlament tagt heute übrigens im sogenannten Antic Círculo Mallorquín, dem ehemaligen Kasino. Das bedeutet jedoch nicht, dass die mallorquinischen Politiker hier dem Glücksspiel frönen – das Gebäude diente in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lediglich als nobler Treffpunkt der politischen und wirtschaftlichen Elite von Palma. Erst nach Francisco Francos Tod wurden die Balearen mit der Hauptstadt Palma im Jahr 1983 eine von Spanien unabhängige Autonome Gemeinschaft.

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Das Parlament der Balearen, deren größte Insel Mallorca ist, hat seinen Sitz in der Stadt Palma. Der Olivenbaum vor dem Gebäude soll bereits 700 Jahre alt sein. Großes Bild: Treppenaufgang im Rathaus von Palma


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PALMAS STADTPALÄSTE

DIE SCHÖNSTEN INNENHÖFE Die romantischen Patios sind meist nur an Fronleichnam für Besucher geöffnet. Ansonsten gibt es besondere Stadttouren zu den Oasen inmitten der Altstadt. www.mallorcarutes.es Cal Marquès del Palmer (Can Catlar) Dieser Palast besitzt einen der ältesten Innenhöfe Palmas. Carrer del Sol, 7 Casal Solleric Das im 18. Jahrhundert erbaute Haus vereint verschiedene architektonische Stile, vor allem der Innenhof zeigt mittelalterliche Architektur. Beeindruckend ist die Kaisertreppe. Passeig del Born, 27

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allorquinische Adlige und reiche Bürger bauten in Palmas Blütezeit (14./15. Jahrhundert) aus Angst vor Piratenüberfällen wehrhafte Stadtpaläste. Zur Straße hin gab es wenige, möglichst weit oben liegende Fenster; massive Holztore verriegelten den Eingang zu den Innenhöfen. Mindestens 25 Reiter sollten, so verlangte es ein königlicher Erlass, in einem solchen Patio Platz finden, und durch das Portal mussten zwei voll gerüstete Ritter nebeneinander reiten können. Als die Zeiten später weniger unsicher waren, begannen die Besitzer, ihre Paläste im Renaissance- bzw. Barockstil umzubauen. Hier machte man Musik, hier spielte sich das gesellschaftliche Leben ab. Und sie waren auch Schauobjekt der Macht der jeweiligen Familien, von denen die bedeutendsten in der Umgebung der Kathedrale wohnten. Die Schlichtheit und Schönheit der Patios finden Bewunderung in Werken von Schriftstellern und Chronisten.

Palau Vivot Dieses Haus wurde im 18. Jahrhundert vom Marquis von Vivot bewohnt. Sein Patio zählt zu den schönsten der Stadt. Carrer de Can Savellà Can Oms Seit Mitte des 17. Jahrhunderts gehört dieser Palast der Familie Doms, deren Wappen noch heute den Balkon zieren. Carrer de l’Almudaina, 7 Can Bordils Das Gebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert und gehörte der Familie Sureda. Im 19. und 20. Jahrhundert renovierte man es nach Plänen des Architekten Miquel Vicens. Das Städtische Archiv (Archivo Municipal) von Palma ist nun dort untergebracht. Carrer de l’Almudaina, 9

Rechte Seite: Innenhof im Renaissancestil im Palau Vivot (17. Jahrhundert)

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Palma de Mallorca

auf Mallorca befindet. Außerdem sehenswert sind ein gotischer Salon, der auch heute noch für Empfänge genutzt wird, und die kleine Kapelle Santa Ana. Die romanische Fassade ist eines der seltenen Beispiele dieses Architekturstils auf der Insel. Aus den Fenstern des Palastes hat man einen herrlichen Blick auf den Königsgarten mit Skulpturen, unter anderem des katalanischen Künstlers Joan Miró.

PALAU DE L’ALMUDAINA

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er Almudaina-Palast liegt strategisch hervorragend hoch über der Bucht von Palma, und alle, die sich seit der Steinzeit auf Mallorca niederließen, bauten an derselben prominenten Stelle. Und immer schon siedelten geistliche und weltliche Macht gern in enger Nachbarschaft – als die Mauren im Jahr 903 Mallorca eroberten, bauten sie die bereits vorhandene Festung um und nannten sie »AI Mudaina« (Arabisch für »Zitadelle«). Gegenüber errichteten sie eine Moschee. Von der Festung blieb nur die schroffe Außenmauer zum Meer erhalten, der Rest wurde

nach der Reconquista im Jahr 1229 zur königlichen Residenz ausgebaut. Dem Palast genau gegenüber wurde die Kathedrale errichtet. Bis heute wird er als königliche Residenz genutzt, König Felipe VI. empfängt hier seine offiziellen Gäste, wenn er sich in seinem Urlaubsdomizil

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Unmittelbar gegenüber der Kathedrale Sa Seu liegt der 20 000 Quadratmeter große Palau de l’Almudaina. Vier Türme zieren die Fassade, besonders auffällig ist der Torre de l’Àngel aus dem Jahr 1117 mit einem Engel an der Spitze. Eine steinerne Freitreppe führt zwischen den Bauten hinauf. Der kleine Platz dazwischen wird durch eine monumentale Kreuzskulptur bestimmt (kleines Bild).


Palma de Mallorca

MUSEU DEL PALAU DE L’ALMUDAINA

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ngesichts dieser Architektur fällt es nicht schwer, sich ins Mittelalter zurückzuversetzen. Es ist, als könne man immer noch den fröhlichen Lärm eines Ritterturniers im Waffenhof (Patio de Armas) hören, dem zentralen Versammlungsort im königlichen Palast, in dem auch heute noch militärische Zeremonien stattfinden. Der Palau del Senyor Rei im Südflügel war dem König vorbehalten, die Gemahlin mit Kindern und Hofstaat residierte im Palau de la Senyora Regina an der Westseite. Dazwischen liegen die Banys Àrabs, die prachtvollen ara-

bischen Bäder, die bis ins 15. Jahrhundert hinein genutzt wurden. Im Amtszimmer, dem ehemaligen Schlafzimmer, kapitulierte der maurische Emir 1229 vor König Jakob I. Die Außengalerie ist vom Südflügel aus zugänglich, sie bietet einen tollen Rundblick über Hafen und Stadt.

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Der frisch restaurierte Salón Major (oben links) mit seinen gewaltigen Dimensionen beeindruckt seine Besucher noch heute. Von der Wohnkultur vergangener Zeiten legen kostbare Möbel und Wandteppiche ein beredtes Zeugnis ab.


Palma de Mallorca

FUNDACIÓ BARTOLOMÉ MARCH

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n den 1940er-Jahren ließ der mallorquinische Milliardär Joan March (1880–1962) in unmittelbarer Nähe des Parlaments zwischen Carrer del Conquistador und Kathedrale einen prunkvollen Palast errichten – als triumphale Geste den alteingesessenen Adelsfamilien gegenüber, die den Emporkömmling gern von oben herab behandelten, weil die Herkunft seines immensen Vermögens anrüchig schien. Heute hat die Funda ció March im Stadtpalast ihren Sitz. Das Gebäude beherbergt ein Museum, einen Hörsaal und eine Bibliothek mit rund 60 000 Bänden und 2000 Manuskripten. Es zeigt Wechselausstellungen und eine Dauerausstellung mit historischen Krippenfiguren, Gemälden von Salvador Dalí und zeitgenössischen Skulpturen, unter anderem mit Werken von Moore, Chillida, Berrocal und Alfaro. Der Bildhauer Xavier Corberó schuf diese Kugel-Assemblage (oben), Henry Moore die zwei weißen Skulpturen am Eingang (Bildleiste rechts).

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GRÜNE OASE: S’HORT DEL REI

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’Hort del Rei – »der Garten des Königs«: Diese Anlage gilt als kleine Oase mit mediterranen und arabischen Elementen. Zypressen, Akazien, Zwergpalmen und Orangenbäume spenden in den Sommermonaten angenehmen Schatten. Man kann die hübsch angelegten Wege entlangspazieren und kommt dabei an einer Reihe von Springbrunnen vorbei. Im Jahr 1960 gab es ein städtebauliches Projekt zur Wiederherstellung der Umgebung des AlmudainaPalastes; dabei wurde auch der ehemalige Garten König Jakobs II. (14. Jahrhundert) komplett neu angelegt. Der mallorquinische Architekt Gabriel Alomar bekam den Auftrag zur Neugestaltung. Viel hat der neue Königsgarten freilich nicht mehr mit der einstigen Anlage gemein, erholen kann man sich hier dennoch königlich. Durch den Königsgarten mit seinen plätschernden Springbrunnen und schönen Laubengängen hatte man einst Zugang zum Almudaina-Palast. Den Garten zieren heute u. a. moderne Statuen.

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Reise nach Mallorca  

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