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Israel, Land der Begegnungen, Land der Gegensätze, »Gelobtes Land«, »Heiliges Land«: Als Schauplatz dreier Weltreligionen bietet der Staat zwischen Mittelmeer und Rotem Meer unzählige Kulturschätze. Dazu gehören Tempelruinen und Stadtanlagen aus jüdischer und römischer Zeit, frühchristliche und byzantinische Kirchen sowie Stätten aus der Epoche der Kreuzfahrer. Neben Jerusalem zählen vor allem Bethlehem – der Geburtsort Jesu –, seine Heimatstadt Nazareth und die Region um den See Genezareth zu den heiligen Stätten des Christentums. Für die Juden ist Israel das »Land der Verheißung«, das Gott Moses und dem ganzen Volk Israel gemäß der Thora während der 40-jährigen Wanderung über den Sinai als neue Heimat versprochen hat. Und der Jerusalemer Felsendom ist eines der Hauptheiligtümer des Islam. Trotz all der Geschichte, die hier so lebendig ist, trotz all der aktuellen politischen Konflikte: Israel präsentiert sich weltoffen, multikulturell und aufgeschlossen – besonders in der heimlichen Hauptstadt Tel Aviv, in der die kreative Szene begeistert. Und auch die Natur zeigt sich zwischen Jordan und dem Hochland von Galiläa einladend, während der Negev und das Tote Meer zu abenteuerlichen Touren locken. Der Bildband entführt mit herausragenden Fotografien in ein widersprüchliches, hoffnungsvolles Land, das ebenso schrille wie leise Töne anschlägt, in dem frischer Geist durch alte Mauern weht und das auf engstem Raum mit einer außergewöhnlichen Vielfalt seiner Landschaften und Kulturen beeindruckt.

€ (D) 34,95 / € (A) 36,00

ISBN 978-3-95504-696-5

www.kunth-verlag.de

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ZU DIESEM BUCH Sonnige Küste, palmengesäumte Strände, tren-

oder den Ruinen von Shivta auch, und doch ist

dige Städte – Israel vereint als Land viele Urlaubs-

Urlaub im Heiligen Land so viel mehr als das. Wer

träume in sich. Dennoch bleibt es ein Reiseziel wie

sich nach Israel aufmacht, wird auch immer mit

kein zweites. Es ist eben nicht nur das Tauchen im

der Geschichte des jüdischen Volkes konfrontiert

Roten Meer, das Flanieren am Strand von Tel Aviv

und Tage erleben, die verändern und tief im Inne-

oder das Wandern in der Wüste Negev, was dieses

ren berühren. Denn der Holocaust, der der Grün-

Land ausmacht. Reisende erleben mehr als nur

dung des Staates Israel unmittelbar vorausging,

Badeurlaub oder Touren zu historischen Stätten.

liegt wie ein Mahnmal auf dem Staat und erinnert

Das bietet Israel zwar mit dem Toten Meer, Haifa

daran, alles zu tun, um derartige Menschenver-

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ZU DIESEM BUCH achtung nie wieder aufkeimen zu lassen. Israel zu

che im Westjordanland eng mit dem Nachdenken

besuchen heißt auch, sich mit der Geschichte der

über aktuelle politische Konflikte zwischen Paläs-

großen Weltreligionen zu beschäftigen. Wer reist

tinensern und Israeli, aber auch zwischen Musli-

schon ins Land, ohne Jerusalem, ohne Bethlehem

men, Juden und Christen verbunden. So haben die

gesehen zu haben? Tiefe Gläubigkeit prägt diese

Worte der einstigen israelischen Ministerpräsi-

Stätten, die auch Urlauber dazu einladen, einen

dentin Golda Meir noch immer Aktualität: »Ich

Israel, Land der Begegnungen: Das alte

Moment innezuhalten. Doch leider bedeutet Reli-

glaube, für alle Menschen in der Welt ist es das

Hafenviertel Jaffa kontrastiert hier gekonnt mit

gion bis heute auch Auseinandersetzung, und so

Wichtigste im Leben, den Mut zu großen Träumen

den modernen Wolkenkratzern der Innenstadt

ist das Pilgern zu Orten wie etwa der Geburtskir-

aufzubringen.«

von Tel Aviv.

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INHALT

IM NORDEN

16

hinweg geht der Blick zum Felsendom.

Agaman Ha Hula

18

S. 4/5: Tel Aviv ist die Party-Hauptstadt des

Safed

20

mit rund 75 000 Einwohnern. Das Panorama

Landes, man feiert ausgelassen an den

Kreuzfahrerburg Montfort

22

wird von der Kuppel der Verkündigungsbasili-

Stadtstränden.

Yehiam-Festung

22

ka beherrscht.

S. 6/7: Die Festung Masada thront am Rand

Grotten von Rosh haNikra

24

des Toten Meeres auf einem Felsen und ist ein

Akko

26

Oben: Zu Zeiten von Christi Geburt war Naza-

Bilder auf den vorherigen Seiten:

reth, aus dem Maria und Josef stammten, ein

S. 2/3: Über die Jerusalemer Klagemauer

unbedeutendes Dorf. Heute ist die Stadt in Galiläa die größte arabische Siedlung Israels

wichtiges Zeugnis jüdischer Geschichte.

Ahmed-al-Jazzar-Moschee

28

S. 8/9: Auf der Sperranlage, die durch

Zitadelle

30

Bethlehem führt, prangen die Konterfeis

Festival für Alternatives Theater

32

zweier palästinensischer Frauen, die zu

Hammam El-Basha

34

Symbolen des Widerstands wurden: Die

Nazareth

36

Krankenschwester Razan al-Najjar wurde im

Verkündigungskirche

38

Gazastreifen erschossen, die Teenagerin Ahed

Josefskirche

40

Tamimi saß für acht Monate im Gefängnis. Für

Das Christentum

42

das Porträt Letzterer wurde der italienische

See Genezareth

44

Streetart-Künstler Jorit Agoch ebenfalls inhaftiert.

Kirche am Berg der Seligpreisung Synagoge von Chammat Tiberias

46 48

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INHALT

Sepphoris

48

Nationalpark Gan Hashlosha

50

RUND UM HAIFA

Beit She’an

50

Nationalpark Karmelgebirge

Israels süße Schätze: Medjoul-Datteln

52

Stätten der menschlichen Evolution

Tel Megiddo

54

GOLANHÖHEN

56

im Karmelgebirge

70 72 74

WESTJORDANLAND

98

Herodium

100

Jericho

102

Hisham-Palast

104

Bet She’arim

76

Caesarea Maritima

78

Haifa

80

Judäische Wüste

Heilige Stätten der Bahai

82

Berg Sodom

112

Bethlehem Geburtskirche Jesu Christi

106 108 110

Hermon

58

Hängende Gärten der Bahai

88

Jeeptour durch die Judäische Wüste

112

Caesarea Philippi

60

HaMoshava HaGermanit

90

Kloster Mar Saba

114

Naturreservat Banyas

63

Wadi Nisnas

90

Totes Meer

116

Naturschutzgebiet Gamla

63

Strände

92

Qumran-Höhlen

120

Festung Nimrod

64

Karmeliterkloster Stella Maris

94

Festung Masada

122

Trekking in den Golanhöhen

66

Leben im Kibbuz

126

Jahrtausendealte Tradition: der Weinanbau

Biblische Siedlungen Megiddo, Hazor und Beerscheba

96

68

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INHALT

Oben: 25 Kilometer nördlich der Stadt Eilat am

ZENTRUM UND TEL AVIV

128

Roten Meer liegt der Nationalpark Tinma mit

Die Staatsgründung Israels

168

Jaffa

170

seinen zinnoberroten Felsen, die zum Teil eine

Netanya

130

Häfen

172

bizarre Gestalt angenommen haben.

Beit Yanai

132

Kirche St. Peter

174

Herzlia

134

Apollonia-Arsuf Tel Aviv

Cholon

176

136 138

JERUSALEM

178

Die »Weiße Stadt«

144

Rothschild Boulevard

148

Neve Tzedek

150

Altstadt und Stadtmauern

180

Tel Avivs Nachtleben

152

Christliches Viertel

182

Florentin

154

Grabeskirche

184

Azrieli

156

Erlöserkirche

186

Habima-Platz und Habima-Theater

158

King David Street

188

Muristan

189 190

Ausflug für die Sinne: die Märkte der Stadt

160

Armenisches Viertel

Oper

162

Davidszitadelle

192

Museum of Art

164

Festival of Lights

194

Große Synagoge

166

Muslimisches Viertel

196

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INHALT

Basare und Märkte

198

Mahane-Yehuda-Markt

234

Arava-Wüste

260

Al-Aqsa-Moschee

200

Avshalom-Höhle

236

Nationalpark Timna

262

Damaskustor

202

Nationalpark Red Canyon

264

Das Judentum

205

Eilat

266

Der Islam

205

IM SÜDEN

238

Tauchen und Schnorcheln im Roten Meer

268

Via Dolorosa

206

Osterprozessionen

208

Ashdod

240

Tempelberg und Felsendom

210

Grabhöhlen in Maresha und Bet Guvrin

242

Jüdisches Viertel

216

Be’er Sheva

244

Register

270

Hurva-Platz und Hurva-Synagoge

218

Mamshit

246

Bildnachweis, Impressum

272

Klagemauer

220

Shivta

247

Me’a Sche’arim

222

Naturreservat En Gedi

248

Ölberg

225

Negev

Berg Zion

225

Nationalpark Ramon

252

Nahon Museum of Italian Jewish Art

226

Tiere im Negev

254

Nationalpark En Avdat

256

Yad Vashem

228

Essen und Trinken in Jerusalem

230

Bible Lands Museum

232

Israel Museum

233

250

Weihrauchstraße und Wüstenstädte im Negev Mit dem Mountainbike durch Israel

256 258

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IM NORDEN

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Israel vereint so unterschiedliche Landschaften wie

ist und vom ausgeprägten Krater des erloschenen

kaum ein anderes Land der Welt. Im Norden erhebt

Bental dominiert wird. Zwischen dem Jordantal mit

sich das stets schneebedeckte Hermongebirge, das

seinem subtropischen Klima und dem Mittelmeer

jenseits der syrischen Grenze auf über 2800 Meter

liegt das fruchtbare Bergland von Galiläa. Der Jor-

ansteigt. Südlich geht der Hermon in das Hochpla-

dan, der auch den See Genezareth durchfließt, ist

teau des Golan über, der vulkanischen Ursprungs

mit 251 Kilometern der längste Fluss Israels.

IM NORDEN

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Safed beherbergt seit den frühen 1940er-Jahren eine lebendige Kunstszene. Zunächst in verlassenen Häusern und Moscheen untergebracht, haben heute viele Künstler ihre Galerien und Ateliers im alten jüdischen Viertel der Stadt angesiedelt.

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AGAMON HA HULA Die weitläufige Sumpflandschaft von Agamon Ha

18

Kilometer langer Rundweg durch das einzigartige

Hula entstand vor rund 20 000 Jahren, als von

Ökosystem, das an einer der bedeutendsten Migra-

den Golanhöhen herabströmende Lavamassen den

tionsrouten für Zugvögel liegt: ein Paradies für

Jordan im südlichen Huletal aufstauten. Nach

Ornithologen. Durch die im Wind wogenden Papy-

einer wechselhaften Geschichte zwischen frucht-

rusdickichte und Feuchtwiesen streifen Biber und

barem Ackerland und erneuter Versumpfung sie-

Wildkatzen. Schildkröten haben hier ihr Habitat,

delte Ibrahim Pascha im 19. Jahrhundert ägypti-

vor allem jedoch Sumpfvögel, Kraniche, Pelikane

sche Bauern an, die hier Papyrus anpflanzten und

und Komorane, die Besuchern ganzjährig ein

Wasserbüffel züchteten. Heute führt ein rund zehn

atemberaubendes Naturschauspiel bieten.

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AGAMON HA HULA Seit einem Renaturierungsprojekt im Jahr 1994 bietet der Nationalpark für Besucher die Möglichkeit, entweder auf Fahrrädern oder zu Fuß die überaus artenreiche Flora und Fauna mit Pelikanen (links) und Wasserschildkröten (großes Bild) zu entdecken. Auch nachts lässt sich die Natur beobachten, dank geführter Touren durch den Park – inklusive Sonnenaufgang und dem Erwachen der Vogelstimmen.

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SAFED

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Safed – neben Jerusalem, Hebron und Tiberias eine

interessierte Besucher an. Hier druckte ab 1563 die

der vier heiligen Städten des Talmud – galt im 16.

erste Buchpresse des Nahen Ostens; 1578 wurde

Jahrhundert als Stadt der Mystiker und Kabbalis-

das erste Buch in hebräischer Sprache fertigge-

ten, als geistiges und religiöses Zentrum der Juden.

stellt. Safed entwickelte neben einer sehr lebendi-

Im Norden Galiläas, pittoresk auf bis zu 1000 Meter

gen Künstlerszene auch die aus dem aschkenasi-

Höhe über dem See Genezareth gelegen, zieht die

schen Judentum stammenden Volksmusiktradition

Altstadt mit dem Charme ihrer verwinkelten Gas-

Klezmer, zu deutsch »Gefäß des Liedes«. Eine eher

sen, gesäumt von ockerfarbenen Häusern und den

instrumentale Musik, die zwar auf religiösen Tradi-

Kuppeln zahlreicher Synagogen, besonders kunst-

tionen fußt, jedoch ein weltliches Musikgenre ist.

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SAFED Über die Stadt verteilt entdeckt man immer wieder kleine Synagogen, die meisten von ihnen liegen im alten Jüdischen Viertel (alle Bilder unten). In diesem belebten Teil der Stadt kann man an unzähligen kleinen Ständen von Schmuck und Kunstgegenständen bis hin zu religiöser jüdischer Literatur und anderen rituellen und sakralen Sammelobjekten alles erwerben (Bildleiste oben).

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KREUZFAHRERBURG MONTFORT Unweit der libanesischen Grenze thront die Kreuz-

gig zur Verteidigung von Akko, der damaligen

tige, halbrunde Bastion anschließender Turm bie-

fahrerburg Montfort – im Arabischen Qal’at Qurein

Hauptstadt des Kreuzfahrer-Königreichs Jerusa-

tet eine grandiose Aussicht auf umliegende Berge

– wie ein Adlerhorst auf einem Vorsprung im

lem, ausbaute. Nach zweimaliger Belagerung

und das Wadi Qurein.

schwarzen Fels über dem Tal Nahal Keziv. Im 12.

durch Mamelucken unter Sultan Baibars verließen

Jahrhundert vom Franzosen Graf Joscelin de Cour-

die Deutschritter Montfort im Jahr 1271 endgültig.

Die Ruine der Kreuzfahrerburg ist durch eine

tenay inmitten seiner ertragreichen Güter erbaut,

Die Burganlage wurde nie wieder bewohnt. Noch

kurze Wanderung erreichbar und bietet eine

wechselte die Burg mehrmals ihren Besitzer,

heute sind ihre großartigen neugotischen Bauten

atemberaubende Aussicht auf die umliegenden

bevor der Deutschritterorden sie ab 1229 großzü-

zum Teil gut erhalten. Ein im Westen an eine mäch-

Berge und Wälder.

Nahe der Küstenstadt Nahariya, wo sich bereits

ten von Akko errichtet – im Jahr 1265 von Sultan

datsherrschaft

im Altertum ein phönizischer Hafen befand, liegt

Baibars weitestgehend zerstört wurde, erfüllte

Unterschlupf für die Kibuzzniks im israelischen

der Kibbuz Yehiam. 1946 gegründet, benannt nach

sie – ungleich dem nahen Monfort – ihre Verteidi-

Unabhängigkeitskrieg von 1948/49.

Yehi’am Weiz, dem Führer der zionistischen

gungsfunktion bis in die jüngste Vergangenheit:

Haganah-Bewegung, umgeben von einem Natio-

Unter dem Beduinenscheich Daher el-Omar im

Die einzelnen Mauern lassen sich gut in die

nalpark, in dessen Zentrum sich die Kreuzfahrer-

18. Jahrhundert erneut befestigt, diente Judin als

verschiedenen Epochen gliedern. Aus welcher

burg Castellum Judin befindet. Obschon die Burg

Stützpunkt im Kampf gegen die Türken, war 1936

Zeit sie stammen, erkennt man leicht an der

– 1192 vom Templerorden als sichernder Vorpos-

im arabischen Aufstand gegen die britische Man-

unterschiedlichen Größe der Bauquader.

YEHIAM-FESTUNG

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Gerichtssitz

und

schützender

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KREUZFAHRERBURG MONTFORT

YEHIAM-FESTUNG

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GROTTEN VON ROSH HANIKRA

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An der Grenze zum Libanon fällt ein weiß leuchten-

nach Sonnenstand und Bewegung im Wasser ent-

der Kreidefels steil zum Meer ab: Dort, am Rosh

steht hier ein leuchtendes Farbspiel, das mit den

haNikra, dem »Höhlenkopf«, hat das Meer im Laufe

teils pastelligen, dunklen oder von grünen Al-

von Jahrtausenden nicht nur die Küstenlinie bizarr

gen überzogenen Felswänden reizvoll kontrastiert.

geformt, sondern auch Grotten aus den weichen

Karawanen, Armeen, jeder, der den Küstenweg von

Kreideschichten gewaschen. Das etwa 200 Meter

Syrien nach Palästina wählte, musste die natürliche

lange Höhlensystem lässt sich heute einfach über

Sperre des Rosh haNikra überwinden. Alexander

Laufstege erkunden, wobei die halb offenen Grotten

der Große ließ darum Stufen in den Fels schlagen,

immer wieder Ausblicke auf das Meer bieten. Je

die seither als »Leiter von Tyros« bekannt sind.

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GROTTEN VON ROSH HANIKRA Die Höhlen wurden hauptsächlich durch die imposanten weißen Kalksteinfelsen und die bezaubernden türkisfarbenen Meeresgrotten berühmt, weswegen eine Seilbahn nun den Tunnelrundgang mit dem Parkplatz verbindet. Die gesamte Region ist seit den 1960er-Jahren aufgrund der hier vorkommenden Fische, Meeresschildkröten, seltener Robbenarten und Seeanemonen ein Naturschutzgebiet.

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AKKO

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Die Stadt Akko, auch Akkon genannt und im Norden

zu einer gigantischen Festung aus, die Napoleon

Israels an der MittelmeerkĂźste gelegen, war die

einst 61 Tage vergeblich belagerte. Die Altstadt von

letzte Bastion der Kreuzfahrer im Heiligen Land.

Akko, ein Musterbeispiel islamischer Stadtplanung,

Doch auch nach dem Fall von Akko 1291 erlebte die

beherbergt das Hospitaliterviertel mit der Zitadelle

Stadt eine wechselhafte Geschichte. In den folgen-

aus der Kreuzfahrerzeit, zahlreiche Moscheen wie

den Jahrhunderten herrschten hier Mamelucken,

die Ahmed-al-Jazzar-Moschee, die Karawanserei

Umayyaden, Beduinen und Osmanen. Mit wuchtigen

Khan al-Umdan und Bauten aus osmanischer Zeit,

Mauern sicherten im 18. Jahrhundert die Osmanen

die zum Teil direkt auf der darunterliegenden

die stolze Metropole. Sie bauten die Kreuzritterburg

Kreuzfahrerstadt errichtet wurden.

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AKKO 1104 eroberte der Kreuzritter Balduin I. das viel umkämpfte Akko. Die am Mittelmeer an der Bucht von Haifa gelegene Stadt war nach dem Fall Jerusalems im Jahr 1191 für ein Jahrhundert lang Hauptsitz des Kreuzfahrerreichs. Bilder unten: Der alte türkische Basar entstand unter der Herrschaft von Ahmed al-Jazzar (1775 bis 1801). Wie früher sind hier wieder Läden eingezogen, die Kunsthandwerk verkaufen.

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AKKO: AHMED-AL-JAZZAR-MOSCHE

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Gläubige, die den sprichwörtlichen »Bart des Pro-

durch ihre Größe. Noch immer beherrscht sie die

pheten« kennenlernen wollen, werden in der

Silhouette der Stadt, obwohl sie schon im Jahr

Ahmed-al-Jazzar-Moschee von Akko fündig: Kurz

1781 unter dem damaligen osmanischen Gouver-

vor seinem Tod soll sich Mohammed den Bart

neur von Akko erbaut wurde, als größte Moschee

rasiert und die Haare unter seinen Anhängern

Israels außerhalb von Jerusalem. Einst leuchtete

verteilt haben. Eines dieser Barthaare liegt hier

ihre Kuppel weithin sichtbar silberweiß. Das

und wird alljährlich am 27. Tag des Ramadan,

brachte ihr den Beinamen »Weiße Moschee« ein.

dem Tag des Fastenbrechens, den Gläubigen

Später ist ihre Kuppel im typischen Grün bemalt

gezeigt. Die Moschee beeindruckt jedoch auch

worden, der Farbe des Islam.

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AKKO: AHMED-AL-JAZZAR-MOSCHE Die Ahmed-al-Jazzar-Moschee mit ihrem schlanken Minarett und der wunderbaren Kuppel (links) entstand im 18. Jahrhundert im türkischen Rokokostil auf den Fundamenten einer alten Kreuzfahrerkirche. Ihren Namen verdankt sie dem osmanischen Gouverneur Cezzâr Ahmed Pascha (um 1722–1804), der Akko gegen Napoleon verteidigte. An die Moschee schließt sich ein türkisches Bad an.

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AKKO: ZITADELLE

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Akko erlangte vor allem als Hauptstadt des Kreuz-

beeindruckenden Komplex aus. Noch immer sind

fahrerreiches Berühmtheit. 1104 eroberten die

Archäologen damit beschäftigt, Teile der Anlage

Christen die Stadt, rund 80 Jahre später fiel sie

freizulegen. Zu besichtigen sind die Kommandatur

zurück an die Muslime, ehe die Kreuzritter sie 1191

mit ihren Rittersälen sowie der Geheimtunnel der

nach zweijähriger Belagerung wieder einnehmen

Templer. Die Festungsmauer ist teilweise begeh-

konnten. Immerhin 100 Jahre hielten sie die Stadt,

bar. Als beeindruckendster Rittersaal gilt das in den

und genau in diese Zeit fällt der Bau der Zitadelle.

1960er-Jahren freigelegte Refektorium mit seinem

Der Ritterorden der Hospitaliter, der sich um die

Spitzbogengewölbe, das den Übergang zwischen

Versorgung der Kranken kümmerte, baute diesen

romanischer und gotischer Bauweise markiert.

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AKKO: ZITADELLE Der zentrale Hof der Zitadelle hat eine Größe von 1200 Quadratmetern (links). Heute kann man zahlreiche Rittersäle erkunden (Bilder unten). So diente dem Ritterorden etwa die sogenannte Krypta des heiligen Johannes mit ihrem gotischen Gewölbe als Refektorium, als Speisesaal. Im »Zuckergefäße-Saal« wurde eine Zisterne ausgehoben, und der gigantische Pfeilersaal hat eine Größe von 1300 Quadratmetern.

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Israel  

Der Bildband entführt mit herausragenden Fotografien in ein widersprüchliches, hoffnungsvolles Land, das ebenso schrille wie leise Töne ansc...

Israel  

Der Bildband entführt mit herausragenden Fotografien in ein widersprüchliches, hoffnungsvolles Land, das ebenso schrille wie leise Töne ansc...

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