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Bei einem Spaziergang durch diese Stadt wird einem ihr mythischer Begründer Romulus ebenso präsent wie die Kaiser des Römischen Reichs oder die Päpste, die zur Zeit der Renaissance und des Barock in der Hauptstadt der Christenheit auch als weltliche Herrscher residierten. Rom führt einem

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wie keine andere Stätte die Entwicklung der europäischen Kultur vor Augen. Dabei hat diese Stadt nichts Museales an sich. Im Schatten der alten Monumente wird gelebt, auf eine mitreißende, »vitale« Weise. Hier gibt es Restaurants, Bars, Theater, von geschäftigem Treiben erfüllte Plätze. Im Naturell

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der Römer verschmelzen südländische Lebhaftigkeit und Lässigkeit; die Atmosphäre in dieser Stadt ist stimulierend und entspannend, man wird angeregt und kann sich doch auch treiben lassen. Oder wie Goethe sagte: »Hier trägt einen der Strom fort, sobald man nur das Schifflein bestiegen hat.«


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ZU DIESEM BUCH »Inguide Rom« bietet brillante Fotos wie ein Bildband und ist informativ wie ein Reiseführer. Zahlreiche Bilder und anschauliche Texte beschreiben Stadtteil für Stadtteil alle Sehenswürdigkeiten und vermitteln Wissenswertes über die Metropole und ihre Bewohner, über Kunst und Kultur, über Alltäg-

liches und Besonderes. Das Kapitel »Rom kompakt« enthält Insider-Tipps zu Restaurants, Hotels und Einkaufsmöglichkeiten, zu Lifestyle & Szene sowie wichtige Adressen und Hinweise. Im folgenden Kapitel werden alle Top-Museen ausführlich in Text und Bild vorgestellt. Vorschläge für Stadt-

rundgänge mit tollen Tipps zu Shopping und Kulinarischem machen Lust, die verschiedenen Stadtviertel und Plätze Roms zu entdecken. Ein detaillierter Stadtplan zum Herausnehmen, in dem alle touristischen Highlights über Ziffer und Suchfeld leicht zu finden sind, komplettiert den Bildreiseführer.

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CENTRO STORICO 8 Piazza del Popolo 10 Ara Pacis Augustae 12 Piazza di Spagna 14 Villa Medici 16 Shopping – Alta Moda & Co. 18 Piazza Colonna 20 Die römischen Brunnen 22 Fontana di Trevi 24 Hauptstadt der Republik 26 Palazzo Barberini 28 Santa Maria sopra Minerva 30 Piazza della Rotonda 32 Pantheon 34 Die römische Götterwelt 36 Palazzo Madama 38 Piazza Navona 40 San Luigi dei Francesi 42 Campo de’ Fiori 44 Streifzüge durch die 46 römische Nacht Piazza Farnese 48 Unterwegs in Rom 50 Il Ghetto 52 Il Gesú 54 Monumento Nazionale a 56 Vittorio Emanuele II

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DAS ANTIKE ERBE 58 Romulus und Remus 60 Campidoglio 62 Musei Capitolini 64 Forum Romanum 66 Vom Antiken Tempel zum 68 christlichen Sakralbau Julius Caesar 70 Foro di Augusto 72 Foro di Traiano, 74 Colonna di Traiano Nero und der Brand Roms 76 Colosseo 78 Arco di Constantino 80 Palatino 82 Largo di Torre Argentina 84 Teatro di Marcello 86 Forum Boarium, 88 Santa Maria in Cosmedin Circo Massimo 90 Panem et Circenses – 92 Brot und Spiele Terme di Caracalla 94 Mura Aureliane 96 Via Appia Antica 98 DER VATIKAN Das Papsttum

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Die Entwicklung des Kirchenstaates Piazza San Pietro Papst Julius II. Donato Bramante San Pietro in Vaticano San Pietro in Vaticano: L’ Altare Papale San Pietro in Vaticano: Sacre Grotte Vaticane Michelangelo Cappella Sistina Musei Vaticani Raffael Biblioteca Apostilica Vaticana Schweizergarde Castel Sant’ Angelo San Paolo fuori le Mura Santa Maria Maggiore San Giovanni in Laterano, Scala Santa

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TESTACCIO, TRASTEVERE & CO. Villa Giulia, Museo Nationale Etrusco di Villa Giulia

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INHALTSVERZEICHNIS

Links: Der Tiber war jahrtausendelang eine wichtige Verkehrsader, die Rom mit seinem Hafen in Ostia verband. Vorige Seiten: das einst für alle Götter Rom errichtete Pantheon und die als Mausoleum erbaute Engelsburg (Castel Sant’Angelo).

Villa Borghese, Museo e 142 Galleria Borghese San Lorenzo fuori le Mura, 144 Campo Verano Il Tevere 146 Das »andere« Rom 148 Piazza di Santa Maria in 150 Trastevere, Santa Maria in Trastevere Santa Cecilia in Trastevere 152 In den Katakomben 154 von Rom Gianicolo 156 Villa Farnesina 158 Monte Aventino 160 Testaccio 162 E.U.R. – Esposizione 164 Universale di Roma Cinecittà – Traumfabrik 166 Rom DIE RÖMISCHE CAMPAGNA UND DAS MEER Die Etrusker Cerveteri, Tarquinia Lago di Bracciano, Trevignano Romano

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Ostia Castel Gandolfo, Colli Albani Frascati Tivoli: Villa d’Este Tivoli: Hadrians Villa

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ROM KOMPAKT Centro Storico Das Antike Erbe Der Vatikan Testtaccio, Trastevere & Co. Die Campagna und das Meer

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Im Tiberknie und jenseits des Tibers Östliche Innenstadt

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ANHANG Register Bildnachweis Impressum

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TOP-MUSEEN 212 Vatikanische Museen 214 Galleria Borghese 218 Galleria Nazionale 222 d’Arte Antica Museo Nazionale Romano 226 Kapitolinische Museen 230 STADTRUNDGÄNGE Antikes Stadtzentrum und Aventin Nördliche Innenstadt

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Tagsüber wird am Campo de’ Fiori, dem »Blumenfeld«, der bekannteste Wochenmarkt der Stadt abgehalten, nachts wandelt sich der vom Denkmal Giardano Brunos bewachte Platz zu einem beliebten Szenetreff.

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CENTRO STORICO Auf einem der »sieben Hügel« Roms, dem etwa 50 Meter hohen Palatin, lag die Keimzelle für die spätere Millionenstadt, die schon in der Antike ihre Bedeutung für die damals bekannte Welt hatte. Die Hügel

wurden in der Eisenzeit besiedelt, später erschloss man die Senke dazwischen, und im Lauf der Jahrhunderte füllte sich das »Knie«, das der Tiber hier bildet, mit immer mehr Gebäuden und mit immer mehr Menschen.

Bis heute gilt das Centro Storico, das historische Zentrum zwischen Piazza del Popolo, Spanischer Treppe, Piazza Venezia und Tiberknie, als Herz der Stadt, die sich einst stolz »caput mundi« nannte, »Hauptstadt der Welt«.

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CENTRO STORICO Wer sich früher von Norden her der Stadt näherte, fand über die Piazza del Popolo Eingang. So wie dieser mehrfach umgebaute »Platz des Volkes« sich heute darbietet, ist er ein Werk des Architekten Giuseppe Valadier, dessen Anliegen es war, Rom zu »öffnen«. Als er im Jahr 1816 mit der Umgestaltung der

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Piazza begann, ließ er die rund 1500 Jahre alte Porta ebenso bestehen wie die beiden Zwillingskirchen aus dem 17. Jahrhundert, Santa Maria in Montesanto und Santa Maria dei Miracoli, die im Süden den Eingang zur Via del Corso flankieren. Da links und rechts von dieser die Via del Babuino und


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PIAZZA DEL POPOLO

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die Via di Ripetta jeweils in einem schrägen Winkel weiter ins Herz der Altstadt hineinführen, nennt der Volksmund die Anlage »Il Tridente« (»Dreizack«): Wie die Zacken dieser alten Gladiatorenwaffe streben die drei Straßen auseinander. Im Osten führt eine Freitreppe zum Pincio-Hügel empor.

An der Südseite der Piazza del Popolo erheben sich die barocken »Zwillingskirchen« Santa Maria in Montesanto und Santa Maria dei Miracoli (auf der großen Abbildung rechts im Bild; oben und ganz oben zwei Innenaufnahmen). Nicht zufällig gleichen sie einer pompösen Theaterkulisse: Carlo Rainaldi, der sie im Auftrag Alexanders VII. errichtet hat, wollte mit der Symmetrie ihres Anblicks auch die vom Norden her Anreisenden beeindrucken.

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CENTRO STORICO Die Via di Ripetta führt von der Piazza del Popolo zum Tiber. An ihr liegen heute zwei Baudenkmäler, die an Augustus, den ersten »Kaiser«, erinnern: die ihm gewidmete Ara Pacis und das von ihm selbst entworfene Mausoleum. Der Friedensaltar, den der Senat im Jahr 9 v. Chr. erbauen ließ, da Augustus die

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Bürgerkriegszeit beendet hatte, stand früher auf dem Marsfeld. Das Monument wurde aus mehreren, in verschiedenen Museen aufbewahrten Bruchstücken rekonstruiert und im Jahr 1938 am heutigen Standort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit dem Jahr 2006 wird der Altar von einem


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ARA PACIS AUGUSTAE

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Glasbau geschützt. Das Grabmal des Kaisers erinnert an etruskische Erdhügelgräber. Die zylindrische Steinkonstruktion, die Grabkammern für den Herrscher und Familienangehörige barg, war vermutlich oben mit Erde gefüllt, mit Zypressen bepflanzt und von einer Bronzestatue des Toten gekrönt.

Zehn Stufen führen zum gewaltigen Sockel des Friedensaltars empor, in dessen Mitte erst der eigentliche Altar steht (links). Er ist mit meisterlich gestalteten Reliefs aus Carrara-Marmor verziert. Neben den Eingangstüren sieht man allegorische Szenen, an der Nord- und der Südwand eine Prozession mit Mitgliedern der kaiserlichen Familie in hierarchischer Reihenfolge (oben).

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CENTRO STORICO An der Via del Babuino, dem linken Zacken des »Tridente«, liegt die Piazza di Spagna – so genannt, weil im 17. Jahrhundert der spanische Botschafter beim Heiligen Stuhl hier seine Residenz hatte. Für junge Römer soll diese Gegend nachts nicht ungefährlich gewesen sein: Angeblich verschwand dort man-

Offiziell heißt die Spanische Treppe »Scalinata della Trinità dei Monti« – nach der französischen Nationalkirche, zu der sie hinaufführt (oben). In die Fontana della Barcaccia zu ihren Füßen setzte der bedeutende Barockbaumeister Bernini eine halb verfallene Barke (rechts). Rechts oben: Ein Grieche eröffnete im Jahr 1760 das Caffè Greco.

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cher spurlos – zum Dienst in der spanischen Armee gepresst. Der volkstümliche Name »Spanische Treppe« für den 1723 bis 1726 von Francesco de Sanctis erbauten Aufgang, der den Platz mit der höher gelegenen Kirche SS. Trinità dei Monti verbindet, ist insofern irreführend, als ein französischer Kardinal


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PIAZZA DI SPAGNA

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den Bau angeregt hatte: Mitten in Rom sollte diese Freitreppe einst von der Größe des Königs von Frankreich künden. Mehrere Päpste weigerten sich daher zunächst, ihre Zustimmung zu geben. Das Caffè Greco ganz in der Nähe ist seit rund 250 Jahren ein bei Literaten beliebtes Café.

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CENTRO STORICO Die sehr schön auf dem PincioHügel über der Piazza di Spagna gelegene Villa wurde im 16. Jahrhundert zunächst von Nanni di Baccio Bigio auf den Überresten der antiken Villa des Lucius Licinius Lucullus errichtet und dann von Annibale Lippi im Auftrag des Kardinals Giovanni Ricci ausgebaut. Benannt ist das

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im Stil eines römischen Landsitzes gestaltete Anwesen nach Kardinal Ferdinando de’ Medici, der es im Jahr 1576 für seine antike Sammlung erwarb. Drei Jahre lang, von 1630 bis 1633, war Galileo Galilei auf Anordnung des Heiligen Offiziums in der Villa Medici inhaftiert. 1803 verlegte Napoleon I. den Sitz


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VILLA MEDICI

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einer im Jahr 1666 unter Ludwig XIV. gegründeten französischen Akademie in Rom, die bis dahin im Palazzo Salviati am Corso ihren Sitz gehabt hatte, in die Villa Medici. Seitdem dient sie jungen Stipendiaten – bildenden Künstlern vor allem und Musikern – als Arbeitsstätte und Unterkunft.

Die zum Garten hin zeigende Fassade der Villa ist mit antiken Funden reich dekoriert (links). Bei der Restaurierung des »studiolo« – Ferdinando de’ Medicis Studierzimmer – wurden schöne Deckenfresken entdeckt (oben). Von der Terrasse hat man einen guten Blick über die Stadt (ganz oben). Er reicht bis zur Engelsburg, von der aus Königin Christine von Schweden eine bis heute im Brunnen der Villa zu sehende Kanonenkugel abgefeuert haben soll.

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Ausgesprochene Nobelmeilen für Shoppingliebhaber sind die Via Condotti, die Via Borgognona und ein Teil der Via del Babuino; hier trifft man große Namen wie Versace, Gucci, Prada, Armani, Valentino und Laura Biagiotti. Fendi eröffnete einen Flagshipstore in der Via Borgognona in einer

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Villa aus dem 15. Jahrhundert: Dort werden die Kreationen der Edelschneiderin wie Kunstwerke in einer Galerie ausgestellt. Prunkstück der Einrichtung ist ein neun Meter langer Lüster aus kostbarem Muranoglas im silberfarbenen Treppenhaus. Der Luxusjuwelier Bulgari hat seine Niederlassung am Ein-

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gang der Via Condotti. Außer Schmuck findet man dort auch Handtaschen und andere Accessoires. Auf der Via del Corso befindet sich eine Filiale der Kaufhauskette Rinascente, die auch gehobenere Ansprüche befriedigt. Der traditionsreiche Musikverlag Ricordi hat ebenfalls hier einen »Mediastore«.


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SHOPPING – ALTA MODA & CO. Nicht ganz so exklusiv, aber einen Besuch wert sind die Läden in der Via Nazionale, der Via del Tritone und der Via Cola di Rienzo. In der Via del Corso hat man sich auf »young fashion« spezialisiert. Antiquitätenliebhaber sollten es nicht versäumen, einmal über die Via del Babuino zu schlendern.

Von A wie Armani bis Z wie Zegna, von B wie Biblos e Babile bis V wie Valentino – das Alphabet der Modefürsten kennt in Rom jedes Kind. Nicht umsonst ist italienische Mode ein Hauptexportartikel des Landes, und natürlich gibt es auch ihre in den Shoppingmeilen der Stadt zum Teil wie Kunstobjekte präsentierten Schöpfungen nicht umsonst – leider.

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CENTRO STORICO Wie bei ihrem Vorbild, der Colonna di Traiano, schildert auch die Colonna di Marco Aurelio, die fast 30 Meter (mit Basis und Kapitell sogar 42 Meter) hohe Ehrensäule für den Kaiser Marc Aurel, kriegerische Ereignisse: Ein sich um die Säule windendes, aus 29 Carrara-Marmortrommeln gebildetes Reliefband

Im Inneren der in der Mitte der Piazza Colonna stehenden Colonna di Marco Aurelio (rechts oben) führt eine Treppe hinauf zur Spitze der Ehrensäule. Eine Inschrift am – im Jahr 1838 für den deutschen Bankier Karl Wedekind errichteten – Palazzo Wedekind erinnert daran, dass hier die Tageszeitung »Il Tempo« ihren Sitz hat. Bemerkenswert sind die 16 aus dem antiken Veji stammenden ionischen Säulen des Portikus (rechts).

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zeigt Szenen aus den siegreichen Feldzügen des Kaisers gegen die Markomannen und Sarmaten. Ursprünglich krönte die Ende des 2. Jahrhunderts errichtete Säule ein Standbild des Kaisers, das aber im 16. Jahrhundert durch Domenico Fontanas Bronzestatue des Apostels Paulus ersetzt wurde. Vor


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PIAZZA COLONNA

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der Säule steht ein von Giacomo della Porta entworfener Brunnen; die Nordfront des nach der Säule benannten Platzes nimmt der Palazzo Chigi ein – ein 1562 von Giacomo della Porta begonnener, von Carlo Maderno vollendeter Bau, der heute Sitz des römischen Ministerpräsidenten ist.

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In Rom gibt es an fast jeder Straßenecke, auf beinahe jedem größeren oder kleineren Platz einen Brunnen – alles in allem müssen es viele Tausend sein, die das Auge erfreuen. Und nicht nur das: An den einfachsten von ihnen, die nur aus einem gebogenen metallenen Ausflussrohr und meistens einem

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kleinen Auffangbecken darunter bestehen, kann der Vorüberkommende seinen Durst stillen. Die Römer nennen sie wegen des nasenförmigen Rohres »Nasoni« (Großnasen). Die großen und künstlerisch bedeutenden Brunnen sind ein indirektes Erbe der Antike. Sie wurden nämlich am Ort der

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ehemals den Wassergeistern geweihten Heiligtümer (Nymphäen) angelegt – im Altertum befanden die sich gerade dort, wo die Aquädukte endeten, die das Trinkwasser aus vielen Hundert Kilometer entfernten Gebirgen in die Stadt transportierten. Drei von ihnen sind bis heute noch immer intakt, und


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DIE RÖMISCHEN BRUNNEN sie speisen auch nach wie vor die Brunnen, die die Päpste dort errichten ließen, wo sich einst die heidnischen Nymphäen befanden: Die Aqua Virgo versorgt den Trevi- und die Aqua Claudia den Mosesbrunnen; die Aqua Augusta endet in den Wasserfällen bei der Villa Aldobrandini.

Auch unter den römischen Brunnen gibt es »Stars«: Die unbestrittene Nummer eins ist die Fontana di Trevi, dicht gefolgt von der Fontana dei Quattro Fiumi (links Berninis den Flussgott Ganges darstellende Figur des Vierströmebrunnens) auf der Piazza Navona und den Brunnen auf der Piazza della Rotonda (oben). Schöne Skulpturen und Mosaiken schmücken aber auch viele der weniger bekannten Brunnen (oben) am Straßenrand.

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CENTRO STORICO Roms größter und bekanntester Brunnen ist die ab 1732 nach Entwürfen von Nicola Salvi für die bereits seit dem Altertum existierende Acqua Virgo vor dem Palazzo Poli angelegte Fontana di Trevi. Der Name »Trevi« bezieht sich wohl auf einen aus dem 15. Jahrhundert stammenden, deutlich be-

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scheideneren Vorläuferbrunnen, der am Schnittpunkt dreier Wege (»tre vie«) lag. Pläne, den alten Brunnen durch einen neuen zu ersetzen, gab es schon länger, aber erst als Papst Clemens XII., der den von Salvi gewonnenen Wettbewerb für die Gestaltung des neuen Brunnens ausgeschrieben hatte, sich entgegen


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FONTANA DI TREVI

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der Proteste des Herzogs von Poli dazu entschied, die gesamte Fassade des Herzogspalastes als Schauwand zu nutzen, konnte der rund 26 Meter hohe Brunnen über die ganze Längsseite des Platzes errichtet werden. Schon vor der Fertigstellung im Jahr 1762 wurde der Brunnen 1744 eingeweiht.

Herzog Poli war wenig begeistert davon, dass die Rückseite seines kurz zuvor errichteten Palastes als Schauwand (links) für die Fontana di Trevi genutzt werden sollte. Der Brunnen beherrscht die gesamte Piazza Trevi (ganz oben). Die von Pietro Bracci nach 1759 geschaffene zentrale Figurengruppe (oben) zeigt das »Königreich des Ozeans«. Traditionell wirft man zum Abschied Münzen in den Brunnen, um sich die Rückkehr zu sichern.

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Italien ist eine junge Republik: Am 2. Juni 1946 entschied sich eine knappe Mehrheit der Einwohner des Landes für die Abschaffung der Monarchie. Die Kirche hatte sich für ihre Beibehaltung ausgesprochen; alles andere sei ein gefährliches Wagnis. Umberto II., der letzte König von Italien, ging ins Exil. Zur

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Unterbringung der verschiedenen Gremien und Organe des jungen Staates schuf man in Rom – auch aus konservatorischen Gründen – keine neuen Gebäude, sondern wählte dafür mehrere jahrhundertealte »Palazzi« aus. Zum Sitz des neuen »ersten Mannes«, des Präsidenten der Republik, wurde

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der Quirinalspalast bestimmt. Dieser im 16. Jahrhundert als päpstliche Sommerresidenz errichtete, im Jahr 1870 zur Residenz der Könige umgewandelte Palast ist das größte Renaissancegebäude seiner Art auf der Welt. Im Palazzo Chigi residieren heute der Ministerpräsident und sein Stab, im Palazzo


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HAUPTSTADT DER REPUBLIK Montecitorio tagt die Abgeordnetenkammer. Der Senat hat seinen Sitz im Palazzo Madama. Obgleich die Politiker manchmal über die antiquierten Verhältnisse in diesen alten Prunkpalästen klagen, so fühlen sie sich darin doch mehrheitlich – auch die Sozialisten und Kommunisten – recht wohl.

Der meist kurz »Quirinale« genannte Palazzo del Quirinale (ganz oben eine Gesamtansicht, oben eine Palastwache, links die Sala degli Ambasciatori) dient heute als Präsidentenpalast. Er steht auf dem Quirinal – einem der sieben legendären Hügel Roms – und ist nur am Sonntagvormittag öffentlich zugänglich.

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CENTRO STORICO Maffeo Barberini entstammte einer einflussreichen Florentiner Kaufmannsfamilie. In seiner Amtszeit als Papst Urban VIII. (1623–1644) hatte er das Glück, auf das Genie der beiden bedeutendsten Architekten des Barock zurückgreifen zu können: Borromini und Bernini. Schon bald nach der Papstwahl

»Triumph der Göttlichen Vorsehung« heißt das Papst Urban VIII. und seine Familie verherrlichende Deckengemälde von Pietro da Cortona, das den zwei Stockwerke hohen »Gran Salone« des Palazzo Barberini ziert (rechts). Die drei Bienen sind eine Anspielung auf das Familienwappen der Barberini. Heute beherbergt der Palast (oben Borrominis spiralförmiges Treppenhaus) einen Teil der Galleria Nazionale d’Arte Antica (rechts oben).

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entschloss er sich, seiner Familie einen prachtvollen Palast errichten zu lassen. Zunächst unter der Leitung des Architekten Carlo Maderno entstand an der Via delle Quattro Fontane ein Palast, der kunsthistorisch auch deshalb bemerkenswert ist, weil sein Grundriss nicht mehr der bis dahin in der Stadt


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PALAZZO BARBERINI

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üblichen wehrhaft geschlossenen Quaderform folgte: Mit seinem Mittelbau und den beiden vorspringenden Seitenflügeln glich er eher einer großen ländlichen Villa. Nach Madernos Tod 1629 wurde der Bau von Bernini weitergeführt; Borromini war zuvor schon Madernos wichtigster Mitarbeiter gewesen.

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CENTRO STORICO Diese Kirche wurde unter Nikolaus III. (Papst 1277–1280) über einem damals irrtümlich der Minerva – der römischen Göttin der Weisheit – zugeschriebenen Tempel errichtet; daher auch ihr Name. Tatsächlich steht die von den beiden Dominikanermönchen Fra Sisto Fiorentino und Fra Ristoro da

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Campi begonnene und im Jahr 1370 vollendete Marienkirche – die einzige gotische Kirche Roms –, auf den Überresten eines antiken Isis-Heiligtums; was zwar ein Zufall, aber insofern bemerkenswert ist, als die christliche Marienverehrung im altägyptischen Isiskult einen ikonografischen (Darstellung


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SANTA MARIA SOPRA MINERVA

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der Mutter mit dem Kind) Vorläufer hat. Kennzeichnend für die zunächst in der Renaissance, später im Barock umgestaltete, im 19. Jahrhundert »regotisierte« Kirche ist ein Stilmix, der ihre Besichtigung zu einem abwechslungsreichen Gang durch die italienische Kunstgeschichte werden lässt.

Santa Maria sopra Minerva ist eine auf einem T-förmigen Grundriss errichtete dreischiffige, kreuzrippengewölbte Basilika. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Gewölbe ausgemalt und die Pfeiler mit Marmornachbildungen verkleidet (links). Unter dem Hochaltar ruhen die Gebeine der heiligen Katharina von Siena (ganz oben). Vor dem linken Chorpfeiler steht Michelangelos berühmter »Auferstandener Christus« (oben).

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CENTRO STORICO An der westlich von der Via del Corso gelegenen Piazza della Rotonda ragt einer der eindrucksvollsten und besterhaltenen Bauten aus antiker Zeit auf: das Pantheon, nach dessen italienischer Bezeichnung »La Rotonda« der Platz auch benannt ist. Der frei stehende Zentralbau mit seinem kreis-

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runden Grundriss, der mächtigen Kuppel und der Giebelvorhalle bestimmt das Gesicht des Platzes seit mehr als 1800 Jahren. Auf dem Brunnen davor steht ein im Jahr 1578 von Giacomo della Porta entworfener Barockbrunnen, auf dessen Sockel im Jahr 1711 ein in einem nahegelegenen Isis-Heiligtum,


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PIAZZA DELLA ROTONDA

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bei der Kirche Sant’Ignazio di Loyola ausgegrabener Obelisk gestellt wurde. Delfinmotive und das Wappen von Clemens XI. (Papst 1700–1721) schmücken den Sockel des Brunnens. Vor allem im Sommer ist dies einer der beliebtesten Treffpunkte der Römerinnen und Römer im Herzen des Centro Storico.

Rund um die »Rotonda«, wie die Römer die Piazza della Rotonda nennen, ist immer etwas los (links und ganz oben; oben ein Blick vom Giebelfeld des Pantheons auf den Brunnen mit dem Obelisken). In den Cafés und Restaurants bedienen Ober die Gäste bis spät in die Nacht, und wer das Glück hat, dort einen Platz zu ergattern, kann Römerinnen beim waghalsigen Stöckeln über das Kopfsteinpflaster bewundern und vieles andere mehr …

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Inguide - Rom