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Südtirol und die Dolomiten – ein Inbegriff für größtmögliche Vielfalt auf engstem Raum. Zwischen der vergletscherten Ortlergruppe und den bizarren Felstürmen der Dolomiten werden drei Sprachen und unzählige Dialekte gesprochen. Hier bewegt sich von jeher der Hauptverkehr zwischen Deutschland und Italien. Einheimische, Künstler und Touristen aus aller Welt erschlossen und bewahren ein Land, dessen Reichtum an Naturschönheiten derart überwältigend ist, dass so manchem Reisenden die brillanten Details im schillernden Ganzen zu entgehen drohen. Der Inspiration vor Ort sind kaum Grenzen gesetzt. Dieser Bildband aus der Reihe »Faszination Erde« zeigt die ganze Vielschichtigkeit Südtirols und der Dolomiten in spektakulären Farbbildern – vielfach im Panoramaformat – und informativen Texten. Den umfangreichen Bildteil ergänzen speziell entwickelte Reisekarten, die über die geografischen Details hinaus ein ausführlich dargestelltes Verkehrsnetz und viele touristische Hinweise bieten. Ein abschließendes Register mit Internetadressen ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte in den Karten aufzufinden und weitere aktuelle Informationen abzurufen.

€ (D) 19,95 / € (A) 20,60

ISBN 978-3-89944-714-9

FASZINATION ERDE

SÜDTIROL / DOLOMITEN

FASZINATION ERDE

FASZINATION ERDE


Vielfalt auf engstem Raum: schroffe Felsen über grüner Flora, sonnige Täler unter eisigen Höhen, raue Naturgewalten kontra milde Berglüfte. Südtirol und die Sextener Dolomiten – Inbegriff der Natur!


FASZINATION ERDE

SÜDTIROL / DOLOMITEN


Für den wohlhabenden Klerus schufen Künstler in den Tälern Südtirols ab der ersten Jahrtausendwende wertvolle Kulturdenkmäler. Eine besondere Preziose ist der Kreuzgang der Brixner Münsteranlage.


ZU DIESEM BUCH

»Man geht in die Berge, um frei zu sein, um alle Ketten von sich abzuschütteln, die uns das Zusammenleben mit anderen Menschen aufdrängt, um nicht jede zwei Schritte in Zwänge und Verbote zu stolpern. Man geht in die Berge, auch um sich veralteten Regeln zu entziehen, um sich ein für alle Mal auszutoben und neue Energien zu speichern …« Tito Piaz, genannt »Teufel der Dolomiten« (1879–1948)

Die Dolomiten sind mehr als Südtirol, und Südtirol ist mehr als nur die Dolomiten. Schroffe Felszacken, steile Wände und alpine Matten – die landschaftliche Vielfalt der Dolomiten beginnt im Friulanischen, brilliert bei Sexten und in Ladinien und endet triumphierend mit der westlich des Etschtals gelegenen Brentagruppe. Die Dolomiten erstrecken sich also weit über die heutige Autonome Provinz Südtirol – Bozen hinaus und liegen zum Teil auf dem Territorium der Provinzen Trentino, Belluno, Pordenone und Udine. In den Tälern Südtirols laden warme Seen zum Baden ein, reifen in erstaunlich mildem Klima Trauben, Kirschen und Kakis, locken Kastanienbäume mit schattigen Rastplätzen. Im April leuchten und duften die Apfelbaumblüten so herrlich, wie die Früchte daraus im Herbst schmecken und auf den Obstmärkten feilgeboten werden. Südtirol, diese wundervolle Welt südlich des Alpenhauptkamms, besteht aber nicht nur aus hart erkämpften Gipfeln und schönen Bergen. Hier leben Menschen, die am Schnittpunkt dreier Sprachen – Deutsch, Ladinisch, Italienisch – und entlang der niedrigsten Alpenübergänge bedeutende kunsthistorische Schätze geschaffen haben, die jahrzehntelang gegen politische Unterdrückung kämpften – nachdem das vorwiegend deutschsprachige Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg an Italien gefallen war –, um schließlich friedlich Pasta und Pizza gemeinsam mit Knödel und Kaminwurz auf die Speisekarten zu setzen. Die hiesigen Wintersportler gehören zu den besten der Welt, und Südtiroler – man denke an Luis Trenker oder Reinhold Messner – haben auch Bergsteiger- und Bergfilmgeschichte geschrieben. In den Städten wird an dreisprachigen Universitäten gelehrt und in Museen gestaunt – etwa über den wohl berühmtesten Südtiroler, »Ötzi«, im Südtiroler Archäologiemuseum Bozen. Ein erstes Staunen, ein Erkennen der vielen Dimensionen und Gesichter dieser Region möchten die folgenden Seiten mit großformatigen Bildern und informativen Texten vermitteln. Auf die Bildkapitel folgen Atlasseiten und Register für eine weiterführende Orientierung. Viel Spaß beim Entdecken!


Ein eindrucksvolles Panorama bieten die Felsspitzen und -pyramiden von Paternkofel und Drei Zinnen. Wo sich im Ersten Weltkrieg Soldaten erbittert bekämpften, tummeln sich heute die Klettersportler.

Tropischen Meeren, tektonischen Verschiebungen, den Eiszeiten und anderen Formen von Erosion verdanken wir die Vielfalt Südtirols und der Dolomiten. Ohne das stete Näherrücken Afrikas und das damit verbundene gleichmäßige Anheben des Teils der Erdkruste, auf dem die Dolomiten sich in warmen Ozeanen voller Leben aufgebaut hatten, ohne Gletscherbewegungen und Wassererosion würde es Ortler, Etschtal und Sextner Sonnenuhr nicht geben. Welche Schätze wären uns dadurch entgangen!

VINSCHGAU, BURGGRAFENAMT Reschensee, Burgeis, Mals, Stift Marienberg Glurns, Schluderns, Churburg Laas, Kortsch, Schlanders Latsch, Schloss Goldrain, Kastelbell Nationalpark Stilfser Joch Suldental, Ortler Martelltal Naturns, Burg Juval Schnalstal Ötzi Texelgebirge Dorf und Burg Tirol Meran Meran – Kuren und Promenieren Schenna Passeiertal Lana, Tisens, Prissian, Schloss Lebenberg

10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42

Ultental Südtiroler Wein

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WIPPTAL, EISACKTAL Pflerschtal, Ridnauntal, Pfitscher Tal Sterzing Schloss Wolfsthurn Kloster Neustift Brixen: Altstadt und Dom Brixner Kreuzgang Brixen: Hofburg, Diözesanmuseum Klausen, Kloster Säben, Trostburg

50 52 54 56 58 60 62 64

BOZEN, WESTLICHE DOLOMITEN Ritten, Salten, Jenesien Bozen Garten Eden im Etschtal Südtiroler Weinstraße

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INHALTSVERZEICHNIS

Sarntal, Sarntaler Alpen Villnösstal Naturpark Puez-Geisler Grödnertal, Grödnerjoch Langkofel Große Dolomitenstraße Sellagruppe Brenta Kastelruth, Seis, Seiser Alm, Schlern Südtirols deftige Delikatessen Rosengarten Karersee, Latemar PUSTERTAL Bruneck, Reischach, Olang Ahrntal, Tauferer Tal Naturpark Riesenfernergruppe, Antholzer Tal, Gsieser Tal

76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98

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Toblach, Innichen Gadertal, Rautal Naturpark Fanes-Sennes-Prags Blühende Berge Naturpark Sextener Dolomiten, Sextental Tierwelt der Dolomiten Drei Zinnen Dolomitenkrieg Elferkogel, Zwölferkogel, Fischleintal Wilde Jagd in den Dolomiten

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TRENTINER, BELLUNESER, FRIAULER DOLOMITEN Fleimstal 130 Marmolada 132 Naturpark Paneveggio, Pale di San Martino 134 Passo di Giau, Croda di Lago, Lago Fedara 136 Val Fiorentina, Monte Pelmo 138 Val di Zoldo, Monte Civetta 140

Belluno, Naturpark Belluneser Dolomiten Passo di Falzarego, Lagazuoi, Tofane, Cinque Torri Bergwandern für Schwindelfreie Monte Cristallo, Passo delle Tre Croci, Lago di Misurina, Cortina d’Ampezzo Mit und ohne Seil über dem Abgrund Gruppo del Sorapiss, Gruppo delle Marmarole, Valle di Cadore Karnische Dolomiten Canale di Gorto, Val Pesarina, Sauris Naturpark Friauler Dolomiten

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Atlas Register, Internetadressen Bildnachweis, Impressum

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Über Meran und die Etschtalsümpfe hinweg genossen die Grafen von Tirol das Licht des Südens. Ihr Geschlecht gab dem »Land an der Etsch« den Namen. Auch wenn ihr territoriales Erbe unterdessen ge-

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teilt ist, sind die Burgen der Grafen geblieben. Von der Burg Tirol aus genießt man die Aussicht auf das Meraner Becken (großes Bild). Eine burgähnliche Villa ziert das Ufer des Reschensees (kleines Bild).


VINSCHGAU, BURGGRAFENAMT

Die Hänge gegenüber dem höchsten Berg der Ostalpen, dem Ortler, sind so steil, dass es fast kein Halten gibt. Und dennoch haften die Bergbauernhöfe wie Schwalbennester an den Abhängen. Darunter fließt jung und munter die Etsch, der zweitlängste Fluss Italiens, durchs Tal und an Meran vorbei weiter gen Süden. Von dort kommend bauten einst die Römer ihre Via Claudia Augusta den Fluss entlang über den Reschen nach Augsburg. Klöster, Kirchen und Burganlagen erinnern noch heute an die vergangenen Zeiten.

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Kirchen, Kunst und Heiligenfiguren prägen die Wege des leichtesten Alpenübergangs (Bildleiste oben). Markant ragt der Kirchturm des 1950 gefluteten Dörfleins Graun (kleines Bild unten) aus dem Reschensee. Barock im großen Format: Stift Marienberg (großes Bild).

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Reschensee, Burgeis, Mals, Stift Marienberg

Wenn der berüchtigte Vinschger Wind besonders stark über den Reschenpass und die Malser Haide bläst, inspiriert das die Obervinschgauer zu einem Schmunzeln. Die erheiternde Begründung dafür kann nur vom Vinschger in rauem Vinschger Dialekt angegeben, soll hier aber nicht schriftlich wiedergegeben werden. Nur so viel: Weil das Gesagte derb ist, wird danach um Vergebung gebeten. Dazu bieten sich die romanischen Kirchen von

Mals, dem Hauptort, und Burgeis an oder, erhabener oben am Berghang, die Krypta der Abtei Marienberg. Von hier aus übten die Priester einst ihren Einfluss über das rätische Tal aus. Von der Höhe herab kann man heute noch einen einzigartigen Landstrich überblicken: von der Etschquelle am Pass über den Reschenstausee und die Malser Haide das Haupttal hinab nach Meran bis hinauf zu den weiß funkelnden Gletschern des Ortler.

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Der Handel erlaubte den Kleinstädtern von Glurns einen bescheidenen Wohlstand (Bilder oben). Die politische Macht aber blieb in den Händen des Klerus vom Stift Marienberg und des Adels der Familie von Trapp. Ihr gehört die Churburg über Schluderns (untere Bildleiste, oben), wo vor

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allem die Rüstkammer (großes Bild) und die Burgloggia (Bild ganz unten) sehenswert sind. Die weltweit größte private Waffenkammer könnte mit ihrer umfangreichen Sammlung an Schwertern sowie anderen Hieb- und Stichwaffen annähernd eine ganze Burgbesatzung ausrüsten.

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Glurns, Schluderns, Churburg

Im Jahr 1519 machten die Stadtherren von Glurns ihren Mäusen den Prozess. Anklage und Verteidigung hatten das Wort, dann mussten einer Überlieferung zufolge die Nager aus den mittelalterlichen Stadtmauern »in freiem Geleit« in die Schludernser Leitn hinüberziehen. In Schluderns war man darüber nicht erfreut, doch gegen die Bürger von Glurns und die über dem Ort ansässigen Herren der Churburg hatten die Bauern nichts zu sagen.

Die Macht von Glurns wurzelte im Salzhandel, dessen Wege entlang der Etsch gen Norden über den Reschenpass und gen Westen in die Schweiz führten. Mit den Mäusen fanden sich die Schludernser mittlerweile ab. Sind die Glurnser auf ihr Städtchen mit Lauben und den herbstlichen »Seala-Markt«, den Seelenmarkt, stolz, so sind es die Dörfler auf ihre Burg, die sich seit über 500 Jahren in Händen der Adelsfamilie Trapp befindet.

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Insbesondere im 19. Jahrhundert wurde der Laaser Marmor von mehreren Architekten und Steinbildhauern bevorzugt verwendet. Heute gibt es in Laas neben dem Marmorwerk nur noch zwei marmorverarbeitende Betriebe sowie zwei Bildhauer (kleine Bilder). Ohne Agrarsubventionen

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wären auch viele Bergbauern abgewandert. In steilsten Hanglagen züchten sie vor allem Kühe. Gesund ist deren Milch und Fleisch allemal, aber in diesen Extremlagen bis zu 1800 Meter Meereshöhe auch teuer. Freier Blick auf das Ortlermassiv hat eben seinen Preis (Bild rechts).

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Laas, Kortsch, Schlanders

Vor wenigen Jahren im Sommer beglückten die Gastbetriebe im Mittelvinschgau ihre Urlauber mit einer Sonnengarantie: Weniger als zwei Tage Regen pro Woche oder Geld zurück! Die Aktion wurde nach verregneten Monaten abgesetzt, doch der trocken-karge Sonnenberg steht weiterhin in malerischem Kontrast zur bewaldeten Südseite des Haupttals, welches zu den vergletscherten Spitzen der Ortlergruppe hochführt. Wenn im Frühjahr

um Kortsch und den Hauptort Schlanders die Blüte von Apfel- und Marillenbäumen das von riesigen Murenkegeln geprägte Landschaftsbild bereichert, kann nur noch Gold brillieren: das Weiße Gold von Laas, der Laaser Marmor. Der weltberühmte Marmor – für viele Künstler auch der schönste der Welt – ist allerorten anzutreffen. Die Steinmetzschule von Laas ist weit über die Landesgrenze hinaus bekannt.

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Stolze Burgen, voller Wein, Tracht und Tradition – so präsentiert sich der mittlere Vinschgau. Schloss Goldrain (großes Bild) und Kastelbell (kleines Bild oben) erinnern wie viele andere Burgen entlang der wichtigen Fernstraßen an adelige Machtverhältnisse. Auf das damit verbundene

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gute und reichhaltige Leben verweisen die üppigen Rebanlagen, die Erntedankfeste mit zeremoniellen Tänzen (kleines Bild unten rechts) und der allerorten anzutreffende Sinn für Kunst: Altarfigur von Bildhauer Jörg Lederer in der Spitalkirche von Latsch (kleines Bild unten links).

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Latsch, Schloss Goldrain, Kastelbell

Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. Davon wissen die Kastelbeller ein Lied zu singen. In den Dörfern steht, was auf Ausbaustrecken dazwischen rast. Dass früher Verkehr gleich Geld war, vermittelt die Dauerausstellung »Via Claudia Augusta« im Schloss Kastelbell. Alle paar Kilometer galt es im Mittelalter entlang der einstmaligen römischen Hauptstraße Zoll zu zahlen – damit Adel und Klerus sich Schlösser bauen konnten. Ein weiteres

steht westlich von Latsch inmitten von Obst- und Rebanlagen, Schloss Goldrain. Wer in diesem architektonischen Kleinod ein Sommernachtkonzert genießt, wird dieses hoffentlich mit einem Gläschen Weißwein vom benachbarten Vezzan ausklingen lassen. Ausgenüchtert bleibt die Wahl: eine Rafting-Tour auf der hier bei Latsch wilden Etsch oder der von Jörg Lederer in der Spitalkirche errichtete Flügelaltar – Spätgotisches vom Feinsten.

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Der Nationalpark Stilfser Joch gehört zu den wildesten Flecken in Italien. Die Natur darf hier nach Lust und Laune gedeihen und ziert sich mit entsprechenden Namen: Frühlingskuhschelle, Kugelhauswurz, Gletscherhahnenfuss und Alpenklee (Bildleiste oben von links). Die Landschaft hat

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viele Gesichter: Blockfichtenwald (großes Bild), Wasserfälle im Rabbital (Bild links) oder Gletscherschliffe (Bildleiste unten rechts). Die Tierwelt bleibt weitestgehend ungestört, einzig die Stilfser-Joch-Passstraße führt teils recht nahe an diese noch gesunde Wildnis heran.

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Nationalpark Stilfser Joch

Steinböcke springen von Stein zu Stein, Gämsen grasen, Murmeltiere pfeifen, Bäche rauschen, Gletscher funkeln, Alpenrosen leuchten: Willkommen in einem der größten Naturparks Europas, dem 134 600 Hektar umfassenden und bereits 1935 gegründeten Nationalpark Stilfser Joch. Der Adler, sein Wahrzeichen, kreist hier über vier Provinzen, von denen eine Südtirol ist. Aus der zweiten Provinz, dem Trentino, wanderte der Bär wieder

ein, und wegen der von ihm erlegten Schafe fluchen die Hirten auch in den Provinzen von Sondrio und Brescia. Von den 650 Meter hoch gelegenen Talböden im Vinschgau bis auf den Gipfel des Ortlers (3905 m) weist der Park alle alpinen Klimazonen auf. Und weil er an andere große Naturparks angrenzt, wird sich hoffentlich bald ein weiterer ehemaliger Bewohner wieder einfinden: der Wolf. Die Jagd ist im Park jedoch verboten.

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Das Dreigestirn über dem Suldental heißt Königsspitze, Zebrù und Ortler (Bildleiste oben von links). Der höchste Berg der Ostalpen, der Ortler (3905 m), wird meist über seine vergletscherte Nordseite bestiegen (großes Bild). Eindrucksvoller ist es über den Hintergrat.

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Suldental, Ortler

Klaustrophobisch darf man in Sulden nicht veranlagt sein, sonst drückt der laut Sage schlafende Riese des Ortlers (3905 m) aufs Gemüt und ängstigt die Menschenmengen im Tal. War der Weiler Sulden (1905 m) vor 50 Jahren noch Heimat weniger bäuerlicher Großfamilien, so verfügt die Skihochburg heute über 2000 Gästebetten, nimmt mit Freude Tagestouristen auf und beherbergt eines von Reinhold Messners fünf Berg-

museen sowie seine Yakherde. In den Ort zu Füßen des höchsten Bergs der Ostalpen kommen die Besucher wegen der schneesicheren Lage, wegen der schier endlosen Wanderwege oder wegen der grandiosen Kulisse, gebildet von insgesamt 70 Dreitausendern und über 100 Gletschern. Über diese stapfte 1804 der Passeirer Josef Pichler als Erster auf den Gipfel von König Ortler, über den 113 Jahre später die höchste Front Europas verlief.

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Im hintersten Martelltal sammelt der Zufrittstausee das Gletscherwasser der Ortlergruppe (kleines Bild oben). Auf seiner Wasseroberfläche spiegeln sich einige wenige der mehr als 100 Dreitausender, von denen 25 höher als 3500 Meter sind. Der Monte Cevedale (mit Schneespitze auf allen

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drei Bildern) gilt als höchster Skitourenberg der Ortlergruppe, weil er bei guten Verhältnissen mit Skiern bis zum Gipfel bestiegen werden kann. Die Aufstiege sind nur mäßig schwierig, führen jedoch alle über Gletscher und erfordern deshalb Erfahrung und Vorsicht.

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Martelltal

Eingerahmt von den hohen Bergspitzen der westlichen Ortlergruppe, hat das Martelltal wie kaum ein anderes Tal Südtirols seinen ländlichen Charakter bewahrt. Unterhalb des Zufrittstausees und des einst umkämpften Cevedale-Gletschers leben gerade mal 900 Einwohner, die sich heute teilweise auf den Gemüseanbau spezialisiert haben. 50 Bauern produzieren hier auf den höchstgelegenen Erdbeeranbaugebieten Europas bis

auf 1800 Meter Meereshöhe 900 Tonnen Erdbeeren jährlich. Wenn Italiens Erdbeersaison vorbei ist, werden die Bergerdbeeren hier erst reif und erzielen dann gute Preise. Im Winter, wenn die Erdbeerfelder unter einer dicken Schneedecke ruhen, heißt das Tal immer mehr Skitourengeher willkommen. Die Dreitausender links und rechts locken dann mit herrlichen Pulverschneefahrten oder im Frühjahr zum Firngenuss.

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Am Eingang des Schnalstals gelegen, vereint Naturns Kunst und Natur in Reinhold Messners Bergmuseum auf Schloss Juval (Bilder oben). Unten im Tal zählen in der Prokuluskirche frühmittelalterliche Fresken zu den ältesten im deutschsprachigen Kulturraum (7.–11. Jahrhundert).

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Naturns, Burg Juval

Umgeben von den ältesten Fresken im deutschen Sprachraum, Ruinen historischer Siedlungsstätten, Schlössern und Burgen, wird Kultur in Naturns zum Erlebnis. Die Fresken von St. Prokulus zählen zu den bedeutendsten vorkarolingischen Kunstschätzen in Mitteleuropa. Oberhalb des Orts zeigt sich das Zusammenspiel von Kultur und Natur: Der erfolgreichste Bergsteiger aller Zeiten ist dort Burgherr geworden:

»Die Natur der Berge und Kulturgut aus der ganzen Welt bewahren und pflegen«, umreißt Reinhold Messner die Vision, die auf dem geschichtsträchtigen Hügel Juval Wirklichkeit geworden ist und Schloss Juval selbst im burgenreichsten Fleckchen Europas eine Sonderstellung verleiht. Glückliche Fügung: Juval liegt direkt am Eingang des Schnalstals, mitten im Lebensraum der über 5000 Jahre alten Gletschermumie »Ötzi.«

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Nach altem Brauch werden zweimal jährlich, im Juni und September, Tausende von Schafen vom Vinschgau 44 Kilometer und 3200 Höhenmeter weit durch das Schnalstal über den Ötztaler Hauptkamm zu den Sommerweidegebieten im Venter Tal in Nordtirol getrieben.

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Schnalstal

Seit dem Fundjahr 1991 ist das Schnalstal vom Ötzi nicht zu trennen. Aber dieses steile und meisterschlossene Tal des Vinschgau ist mehr als nur »ArcheoParc Schnals«, ein großes Museum mit Freigelände, das den Lebensraum des Mannes aus dem Eis vorstellt. Am Talende, hinter den hochgelegenen (1953 m) Kornhöfen von Kurzras, direkt an der Waldgrenze, befinden sich die Schnalstaler Gletscherbahnen, das erste Sommer-

gletscherskigebiet Südtirols. Etwas tiefer ist der riesige Vernagtstausee angelegt worden, als Energiespender, aber auch als Bedrohung für Lieb und Leib talabwärts. Er sammelt alles Wasser, das von den Ötztaler Alpen als der größten Massenerhebung der Ostalpen hier zu Tal fließt – und früher über ein ausgeklügeltes Waalsystem an Schloss Juval am Talausgang vorbei weit in den trockenen Vinschgau geleitet wurde.

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3400 Jahre v. Chr. verschied ein alter Mann höheren sozialen Ranges am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen. Am 19. September 1991 wurde die Mumie im schmelzenden Gletschereis aufgefunden (Bild rechts). So viel zu den Fakten. Der Fund war eine Sensation, ein kleines Denkmal ziert die

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Fundstelle (großes Bild). Österreich und Italien wollten ihn haben, aber wegen der Autonomiebestimmungen Südtirols liegt er nun im neuen Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen (Bildreihe unten). Und hier kann der Steinzeitmann nun von allen Seiten begutachtet werden.

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Ö T Z I Über 5300 Jahre lag ein rund 40-jährige, bewaffneter Mann unbeachtet unterm Eis der Ötztaler Alpen im hintersten Winkel des Schnalstals. Bis zum 19. September 1991, als infolge des Gletscherrückzugs Wanderer seine eisige Ruhe störten. Durch Eispickel zerhackt, auf das kleinste Bakterium im Darm studiert und schlussendlich

den Schaulustigen im Bozner Archäologiemuseum tiefgekühlt entblößt präsentiert – das konnte nur in einem Fluch des Mannes vom Hauslabjoch enden: Bisher starben sieben Menschen, die mit ihm, dem Ötzi, zu tun hatten. Unter ihnen sein deutscher Entdecker Helmut Simon und der Wissenschaftler Konrad Spindler. Doch Forscher

kennen keine Furcht, weshalb die Eismumie weiterhin Jahr für Jahr unter die Lupe genommen wird. Zusammen mit den bis zu 300 000 Museumsbesuchern jährlich glauben wir inzwischen zu wissen, dass der Steinzeitmann auf der Flucht war, vermutlich am Tag zuvor am Eingang des Schnalstales umherstreifte und wahrscheinlich

hoch angesehen war. Pfeile mit Feuersteinspitzen, ein Bogen aus Eschenholz, eine wertvolle Kupferaxt, Kleider und Schuhe aus Bärenhaut, Hirschleder und Ziegenfell, Verletzungen und Tätowierungen sowie der Zustand der Zähne liefern viele Informationen und geben Anlass zu weiteren Spekulationen.

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Lodner, Texelspitze, Tschigat sind die klingenden Namen der Texelgruppe, in deren Tälern sich farbige Wälder und leuchtende Seen verstecken (Bilder unten) – genauso wie die Bergziegen, die am saftigen Gras reißen. Ein Kennenlernen gibt es nur zu Fuß, über zahlreiche Steige.

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Texelgebirge

Spricht man vom größten Naturpark Südtirols, so ist von »Wasser und Licht« die Rede. Es ist der Kontrast zwischen den trockenen, sonnendurchfluteten Lärchenwäldern im Süden und Westen und den schattigen Fichtenwälder im niederschlagsreicheren Norden und Osten, der die Texelgruppe kennzeichnet. Doch genauso machen die strahlend blauen Seen und der wolkenlose Himmel die Vielfalt des Naturparadieses aus. Oder der

formenreiche Gegensatz zwischen der submediterranen Talstufe um Meran (200 m) und der Hochgebirgsregion um Roteck (3337 m) und Hohe Weiße (3318 m). Erleben kann man dies alles am besten entlang des Meraner Höhenwegs. Allein mit Lust und Laune ausgestattet mag es fast schon genügen, um die wenigen Höhenunterschiede entlang von Wasserwaalen und alpinen Steigen zu bezwingen – und zu genießen.

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Über Meran und dem Etschtal thront in einmaliger Lage Schloss Tirol (großes Bild). Eine erste Burganlage wurde dort vor 1100 errichtet, ihre Bedeutung erhielt sie erst mit dem Vater und Namensgeber Tirols im 13. Jahrhundert, mit Graf Meinhard II. von Tirol. Der Blick über die einst

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versumpften Talböden und das ferne Überetsch gen Süden begeistert. Kunsthistorisch interessant sind die Fresken der Burgkapelle (Bild rechts oben) und die romanischen Portale mit üppigen plastischen Figuren in Marmor, die Fabelwesen, religiöse Motive und Ornamente zeigen.

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Dorf und Burg Tirol

Die Namen Süd- und Nordtirol kennt fast jeder, den Ursprung des Namens dagegen fast niemand. Nach dem Überfall auf einen Botenzug zum Papst wurde der Sitz der mächtigen Grafen von Hocheppan vom Kaiser vernichtet und damit der Weg zur Macht für die Grafen von Vinschgau geebnet. Diese hatten vor dem 11. Jahrhundert in der Nähe von Dorf Tirol, der ältesten Siedlung im Land an der Etsch, Schloss Tirol errichtet und Mitte des

12. Jahrhunderts auch den Namen übernommen. Im 13. Jahrhundert wurde während der Blütezeit des Adelsgeschlechts Tirol unter Meinhard II. geeint. Das unterhalb der Burg liegende Meran wurde dabei Hauptstadt. 1420 ging das gesamte Gebiet in den Besitz der Habsburger über. Heute ist Schloss Tirol Sitz des Südtiroler Landesmuseums für Kultur- und Landesgeschichte und mit Dorf Tirol ein wahrer Besuchermagnet.

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