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Grandiose Wüstenlandschaften und bizarre Granitwelten, tosende Wasserfälle und Savannen, Weinberge, traumhafte Strände und das schönste Kap der Welt. Die »Kunstwerke« der Natur, die Vielfalt der Völker und die oft als »Arche Noah« bezeichnete Tier- und Pflanzenwelt im südlichen Afrika suchen ihresgleichen auf der Welt. Von den Dünenlandschaften Namibias reisen wir zum Okavango-Delta in Botsuana mit seiner üppigen Flora und Fauna. Vom Kruger National Park mit seinem ungeheuren Reichtum an Wildtieren sind wir unterwegs durch die schönsten Regionen Südafrikas zu den Weinbergen und Stränden bei Kapstadt. Dieser Bildband aus der Reihe »Faszination Erde« zeigt die ganze Vielschichtigkeit des südlichen Afrika in spektakulären Farbbildern – vielfach im Panoramaformat – und informativen Texten. Den umfangreichen Bildteil ergänzen speziell entwickelte Reisekarten, die über die geografischen Details hinaus ein ausführlich dargestelltes Verkehrsnetz und viele touristische Hinweise bieten. Ein abschließendes Register mit Internetadressen ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte in den Karten aufzufinden und weitere aktuelle Informationen abzurufen.

€ (D) 19,95 / € (A) 20,60

ISBN 978-3-89944-727-9

FASZINATION ERDE

FASZINATION ERDE

SÜDLICHES AFRIKA

SÜDLICHES AFRIKA

SÜDLICHES AFRIKA

FASZINATION ERDE


Die Felsen der »Zwölf Apostel« wachen über einen der exklusivsten Küstenabschnitte auf der Kaphalb­ insel. In ihrem Windschatten liegen die Nobel­Badeorte Camps Bay und Clifton. Bunt blühende Kapblumen bedecken die Hänge.


FASZINATION ERDE

SÜDLICHES AFRIKA


Der »Bogen« ist eine der vielen erstaunlichen Verwitterungsformen an der Spitzkoppe. Dieser markante Berg wird wegen seiner Form häufig »Namibias Matterhorn« genannt und gilt auch als ein anspruchsvolles Kletterterrain.


ZU DIESEM BUCH

»Ich glaube fest daran, dass Südafrika der schönste Ort auf Erden ist. Natürlich bin ich voreingenommen. Aber wenn man die Naturschönheiten von Südafrika mit der Gastfreundschaft und Kulturvielfalt unserer Einwohner verbindet und zudem beachtet, dass das Land ein Paradies für unsere Tierwelt ist, dann bin ich überzeugt …, dass wir mit einem wahrhaft wundervollen Land gesegnet worden sind.« Nelson Mandela

Nur wenige Regionen der Welt konfrontieren den Besucher mit einem so überwältigenden, unmittelbaren Naturerlebnis wie das südliche Afrika. Monumentale Landschaften wie das Dünenmeer des Sossusvlei und die urzeitlichen Felsskulpturen des Damaralandes in Namibia, die mit Seerosenteppichen bedeckten Gewässer des Okavango-Deltas in Botsuana mit ihrem schier unglaublichen Reichtum an Wildtieren, die tosenden Victoriafälle in Simbabwe, die majestätischen Gipfel der südafrikanischen Drakensberge und die archaische Schroffheit des Namaqualandes treffen ohne Umwege mitten ins Herz des Betrachters. Die Macht dieser Natur zu verstehen und mit ihr zu leben, ist eine der intensivsten Erfahrungen, die Afrika bereithält: Aug in Aug mit Elefanten, nur durch eine Zeltwand getrennt von den Stimmen der nächtlichen Savanne, im Angesicht der im Meer spielenden Wale. Erst das Verständnis der Natur vermag es, die Verbindung zu den Menschen im südlichen Afrika herzustellen: zu den Farmern, deren Leben im Rhythmus der Jahreszeiten verläuft; zu den Nomaden, die mit ihren Herden den Regenfällen folgen, zu den Buschmännern, die wie kein anderes Volk nur dank der genauen Kenntnis ihrer Umwelt überleben. Diese besondere Region präsentieren wir Ihnen in diesem Band ganz neu: Zuerst zeigen wir Ihnen die atemberaubende Vielfalt des südlichen Afrika in geografisch gegliederten Themenkapiteln. Der Atlasteil ermöglicht es, die jeweiligen Sehenswürdigkeiten und Orte schnell aufzufinden, und gibt darüber hinaus zahlreiche touristische Hinweise. Das abschließende Register, das Bildband- und Atlasseiten miteinander verknüpft, enthält wichtige Internetadressen zur weiteren Orientierung. All das soll Ihnen behilflich sein, das südliche Afrika in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu entdecken. Denn der Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela hat Recht: Dies ist der schönste Ort auf Erden.


Wasser prägt die Landschaften und das Leben der Tiere, Pflanzen und Menschen im südlichen Afrika mehr als jedes andere Element. Im Bild: Die Victoriafälle wurden zum Weltnaturerbe der UNESCO erlärt.

Das südliche Afrika überwältigt mit immer neuen Farbsymphonien: dem Orangerot der Dünen am Sossusvlei, dem zarten Grün und Weiß der Seerosen im Okavango-Delta und den warmen Erdtönen hölzerner Kultmasken. Von einem ganz besonderen, tiefen Blau ist der Himmel über den vielleicht schönsten Gebirgen, Küsten und Ebenen des Kontinents.

NAMIBIA Skeleton Coast Kaokoveld Himba Ovamboland Etosha National Park Caprivi-Zipfel Damaraland Brandberg Waterberg Herero Spitzkoppe Erongo-Berge

8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32

Wüstenelefanten Swakopmund Im Desert Express Windhoek Leben auf der Farm Namib Naukluft Park

34 36 38 40 42 44


INHALTSVERZEICHNIS

Sossusvlei Gespeist vom Nebel und vom Nachttau Lüderitz Die Nama Namibias Süden Köcherbäume Kolmanskop Fish River Canyon

46 48 50 52 54 56 58 60

BOTSUANA Okavango-Delta Chobe National Park

62 64 66

Buschleute (San): eine tausende Jahre alte Kultur Kalahari Ausflug zu den Victoriafällen

68 70 72

SÜDAFRIKA Johannesburg Pretoria

74 76 78

Ndebele Sun City Blyde River Canyon Nature Reserve Kruger National Park Die Vogelwelt Südafrikas Swasiland Hluhluwe-Umfolozi Game Park The Greater St. Lucia Wetland Park Zulu Pietermaritzburg Durban Inder in Durban Der weiße Hai Drakensberge Lesotho Kimberley, Finsch Augrabies Falls National Park Namaqualand Westküste

80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 100

Tafelberg, Zwölf Apostel Kapstadt Strandleben rund um Kapstadt Kap der Guten Hoffnung Kap-Halbinsel Wein aus Südafrika Cape L’Agulhas Karoo, Swartberge Auf der Straußenfarm Garden Route Die Flora der Kapprovinz

118 120 122 124 126 128 130 132 134 136 138

102 104 106 108 110 112 114 116

»Blue Train« und »Outeniqua Choo-Tjoe Train« Tsitsikama National Park Addo Elephant Park

140 142 144

Atlas Register, Webadressen Bildnachweis, Impressum

146 156 160


Aufmerksam nimmt die Oryx-Antilope in der Dünen-Namib Witterung auf. Was sie riecht, ist die feuchtigkeitsgeschwängerte Luftströmung vom Atlantik, deren wertvolles Nass das wüstenangepasste Tier benötigt, um zu überleben.

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Südliches Afrika | Namibia

Ein sinnliches Meer rotgoldener Dünen umschließt das Sossusvlei, in dem im namibischen Frühjahr Wasser steht. Über die regenlosen Sommermonate wird es verdunsten und eine aufgesprungene Ton-/Salzschicht zurücklassen.


NAMIBIA

Namibia ist ein Land wie kurz nach der Schöpfung: Dünen, Granithügel und Gebirge staffeln sich in gleichmäßigen Wellen bis zum Horizont; mal sanft gerundet, ruhig, mit golden schimmerndem Gras bedeckt; dann wieder stürmisch, herb; den kahlen, zackigen Fels, dorniges Buschwerk oder Köcherbäume darbietend. Die einzigartige Schönheit dieses eigenwilligen Landstrichs an der Südwestküste Afrikas speist sich vor allem daraus, dass es unendlich viel Raum gibt, eine schier endlose Weite und einen tiefen, klaren Himmel.

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Tausende von Zwergseebären drängeln sich am Cape Cross, an der namibischen »Skelettküste«. Sie verdankt ihren bizarren Namen den vielen gestrandeten Schiffen, deren Besatzung an Land der sichere Tod in der Wüste drohte.

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Skeleton Coast

An der namibischen Atlantikküste gibt es kaum Niederschläge. Der Benguela-Strom transportiert kaltes Meerwasser vom Südpolgebiet zum Äquator hin. Westwinde, die vom Meer her auf das Festland gelangen, werden abgekühlt und können deswegen nur wenig Feuchtigkeit mit sich führen. Nur die landeinwärts ziehenden Nebelbänke bringen Pflanzen und Tieren etwas Feuchtigkeit. Darum ist die Namib eine der regenärmsten Wüsten der

Welt. Seeleute, die an dieser Küste mit ihren tückischen Strömungen strandeten, hatten angesichts des Wassermangels keine Chance. Über die Leichen der Verdursteten machten sich Raubtiere – Löwen wie Hyänen – her. Der »Skeleton Coast« genannte nördliche Teil der Namib ist heute Naturschutzgebiet; Wüstenelefanten, »singende Dünen«, die Gerippe gesunkener Schiffe und die uralte Pflanze Welwitschia mirabilis sind seine Attraktionen.

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Schroffe Canyons, rätselhafte kahle Kreise inmitten von Grasflächen und die Wasserfälle des Kunene prägen die wüstenherbe Landschaft des Kaokoveld, in dem die Himba mit ihren Rindern als Nomaden leben.

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Kaokoveld

Das Kaokoveld im Nordwesten Namibias ist eine der archaischsten Regionen des gesamten südlichen Afrika. Akazien, Dornbüsche und Baobabs bilden hier die Vegetation, und nach der Regenzeit sprießt vielerorts ein goldfarbenes Gras. Den Himba, die seit Jahrhunderten mit ihren Rinderherden dem Wechsel der Jahreszeiten folgend durch diese unwegsame Gebirgslandschaft ziehen, bot das Kaokoveld stets genügend Schutz. Nun be-

drohen jedoch Pläne der namibischen Regierung, an den majestätischen Epupa-Fällen des Kunene ein Kraftwerk zu errichten, das traditionelle Leben des Nomadenvolks. Straßen würden gebaut, die heiligen Gräber der Ahnen von einem gigantischen Stausee überflutet, und viele Himba kämen als Folge dieser Ereignisse erstmals in Kontakt mit Alkohol und anderen zerstörerischen Errungenschaften der Zivilisation.

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Die Haartracht zeigt den gesellschaftlichen Status: Die Mädchen flechten sich nach vorne stehende Zöpfe. Heiratsfähigen jungen Damen hängen dünne Zöpfchen tief ins Gesicht, und eine Ehefrau rasiert sich den Haaransatz über der Stirn.

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H I M B A Um das 16. Jh. wanderten die Rinder züchtenden Himba zusammen mit anderen Gruppen des Herero-Volkes von Nordosten kommend nach Südwestafrika ein. Ob sie, wie viele glauben, im Kaokoveld blieben, während die anderen Herero weiterzogen, oder ob sie sich vor den Beutezügen der Nama in die Gebirgswildnis retteten, ist nur eine der vie-

len Fragen zur Kultur und Geschichte dieses Nomadenvolkes. Bis heute haben die meisten Himba ihren traditionellen Lebensstil bewahrt: Sie nomadisieren mit ihren Rinderherden und errichten temporäre Siedlungen mit den aus Rohrgeflecht aufgebauten, mit Lehm und Dung verputzten bienenkorbförmigen Hütten. Zu jedem Lager gehören das

nie erlöschende heilige Feuer, das eine Tochter des Häuptlings hütet, und der heilige Baum, aus dem den Legenden nach die Rinder zu den Himba gekommen sein sollen. Männer wie Frauen tragen einen Lendenschurz aus Leder und Fell und schützen ihren Körper mit einer rötlichen Paste vor Sonne, Insekten und Austrocknung. Eisen-

und Lederreifen sowie Muschelschalen bilden den einzigen Schmuck. Noch halten die meisten Himba beharrlich an den Traditionen fest, auch wenn sie in Orten wie Opuwo wie Wesen aus einer anderen Zeit wirken. Bedroht wird diese einzigartige Kultur durch Alkoholmissbrauch und die erschreckend schnelle Ausbreitung von Aids.

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Im fruchtbaren Ovamboland gedeihen Obst, Getreide und Gem端se; aus den zahllosen Fl端ssen und Wasseradern holen die Fischer reichen Fang. Auf den M辰rkten von Oshakati und Ondangwa halten die Bauern ihre verschiedenen Erzeugnisse feil.

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Ovamboland

Das ehemalige Homeland der Ovambo, Namibias zahlenmäßig größte Volksgruppe, liegt zwischen dem EtoschaNationalpark und der Grenze zu Angola. Aus dem angolanischen Hochland strömen zahlreiche Flüsse nach Süden und bewässern die an sich wüstenhafte Region. Knapp die Hälfte der namibischen Bevölkerung lebt hier eng zusammengedrängt auf rund sechs Prozent der Landesfläche. Von Holzpalisaden eingerahmte Lehmgehöfte

und bunte Märkte vermitteln in diesem Teil Namibias das Bild typisch afrikanischen Lebens. Die trostlosen Siedlungen um die Verwaltungsorte Oshakati und Ondangwa hingegen zeigen das große Problem des Ovambolandes: hohe Arbeitslosigkeit und ärmlichste Lebensbedingungen. Die meisten Männer und auch viele Frauen arbeiten auf Farmen, in Bergwerken und Industrieunternehmen Zentralnamibias.

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Die Königinnen der Tiere haben ein Kudu-Kalb gerissen und die Steppenzebras in panische Flucht gejagt. Nun sind die Löwen träge und satt, und Gazellen und Zebras haben einstweilen nichts mehr zu fürchten.

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Etosha National Park

Ein Gebiet von der Größe Hessens nur für Tiere: Der Etosha National Park gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO, weil er zahllosen Wildarten einen geschützten Lebensraum bietet: Elefanten, die nahezu ausgerottet waren, haben sich hier so vermehrt, dass sie schon fast als Plage gelten; der Bestand an Spitz- und Breitmaulnashörnern ist einer der größten in Afrika. Geparde, Löwen, Leoparden, Hyänen, Löffelhunde und Schakale finden angesichts der riesigen

Herden verschiedenster Antilopen, Gazellen, Zebras und Giraffen einen reich gedeckten Tisch. Faszinierend ist auch die Vogelwelt, angefangen bei den bizarren Marabus bis hin zu den bunten Tokos. Nach der Regenzeit finden sich sogar Flamingos ein. Von den drei komfortablen Rastlagern aus können Besucher zwischen Sonnenaufund -untergang das Reich der Tiere auf eigene Faust erkunden.

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Zahlreiche Flussarme umspannen den schmalen Landstreifen des Caprivi-Zipfels wie ein Netz. Seine Sumpfgebiete und Trockensavannen beherbergen eine vielf채ltige Tier- und Pflanzenwelt wie zum Beispiel Scharlachspinte (oben links) und Seerosen.

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Caprivi-Zipfel

Den Caprivi-Zipfel, einen zwischen 32 und 90 Kilometer breiten sowie rund 460 Kilometer nach Osten reichenden Streifen zwischen Botsuana im Süden und Angola im Norden, verdankt Namibia einem kolonialen Tauschgeschäft: Der damalige Reichskanzler Graf Leo von Caprivi überließ den Briten im Jahr 1890 Sansibar und erhielt dafür Helgoland sowie den nach ihm benannten Landkorridor, der Deutsch-Südwestafrika mit den deutschen

Kolonien im Osten verbinden sollte. Heute leben hier rund 40 000 Menschen. Der Westen ist traditionell die Heimat von Buschleuten (San), im Osten leben Angehörige verschiedener Bantustämme. Sie werden als Caprivianer bezeichnet und betreiben vorrangig Fischfang, Rinderzucht und Ackerbau. Die Landschaft ist üppig grün und wasserreich, die Tierwelt der Trockensavanne wird ergänzt durch Flusspferde, Krokodile und Sitatungas.

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Boten aus der Kinderstube der Erde sind die steinernen Orgelpfeifen oder die auf schmalem Fundament balancierenden Felsen im Damaraland. Die Damara selbst gehören zu den rätselhaftesten Völkern des gesamten südlichen Afrika.

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Damaraland

Das Damaraland gehört zu den wenigen Regionen Zentralnamibias, in der schwarze Kleinbauern das Land bestellen und Vieh züchten. Die Damara führen hier auch mehrere Touristencamps, etwa an der Spitzkoppe, und sie arbeiten hier als Guides, die Reisende zu den atemberaubenden Naturschönheiten und Felsbildern ihrer Heimat führen. Die Kräfte von Wind und Wasser brachten Formationen ans Tageslicht, die schon vor Jahrmillionen

entstanden: So sind etwa die »Orgelpfeifen« das Ergebnis einer Intrusion, bei der flüssige Lava in fremdes Gestein eindrang und erstarrte. Erosion und Abtragung feilten das umgebende Gestein ab, bis die harten Basaltsäulen zum Vorschein kamen. Die Vingerclip im Tal des Ugab ist das Relikt einer einst mächtigen, sich das Flusstal entlangziehenden Felswand. Zu ihrem Füßen liegt die Vingerklip-Lodge, eine der schönsten Lodges in Namibia.

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Zu den berühmtesten Felszeichnungen Namibias gehört der »Löwe mit dem abgeknickten Schwanz«, dessen Ende der Pfotenabdruck des Tieres ziert. Tausende weiterer Felsbilder sind in Twyfelfontein (Damaraland) erhalten.

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Brandberg

Das Gebirgsmassiv des Brandbergs im nördlichen Zentralnamibia ragt aus der Küstenebene bis über 2000 Meter Höhe auf. Hier wurden in entlegenen Höhlen zahlreiche Felsbilder der namibischen Ureinwohner entdeckt. Auf fast allen ist Jagdwild dargestellt, das früher wesentlich artenreicher gewesen sein muss als heutzutage. Abbildungen von Menschen sind hingegen selten. Eine besonders spektakuläre, etwa 3000 Jahre alte Felsmalerei

ist die »Weiße Dame« in der Tsisab-Schlucht am Brandberg. Sie zeigt einen Menschen mit weiß bemaltem Unterkörper, der Pfeil und Bogen trägt und von Jägern umgeben ist. Über die Herkunft der Künstler, die diese eindrucksvollen Felsbilder geschaffe haben, wird bis heute spekuliert. Wahrscheinlich waren sie Vorfahren der San oder »Buschmänner«, wie die nomadisierenden Jäger in Namibia immer noch genannt werden.

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Überall in Namibia trifft man auf deutsche Friedhöfe aus der Kolonialzeit. Am Waterberg fand eine der grausamsten und verlustreichsten Schlachten der Kolonialepoche in Südwestafrika statt.

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Waterberg

Der 50 Kilometer lange und bis zu 16 Kilometer breite Tafelberg im nordwestlichen Zentralnamibia ist eine imposante Landmarke und zugleich ein einzigartiges Biotop, denn in seinem porösen Gestein versickert das Regenwasser und tritt an seinen Flanken in zahlreichen Quellen hervor. Farmland am Waterberg war deshalb in der deutschen Kolonialzeit besonders begehrt. Hier begann der Aufstand der Herero mit einem Überfall auf eine Farm

und eine Polizeistation. Er endete am 10. August 1904 mit der von Generalleutnant von Trotha befehligten »Schlacht am Waterberg«, bei der die Schutztruppe die unterlegenen Herero in die Omaheke-Wüste trieb und ihnen den Rückweg versperrte. Wie viele Menschen dabei vor Hunger und Durst umkamen oder ihren Verletzungen erlagen, ist bis heute strittig. Es könnten Zehntausende gewesen sein.

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Die Kleidung der Missionarsfrauen stand angeblich Pate f端r die Tracht der Herero-Damen. Die kunstvoll gefalteten Kopft端cher sind eine Reminiszenz an den traditionellen Lebensstil: Sie symbolisieren Rinderh旦rner.

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H E R E R O Die Herero gehören zur großen afrikanischen Sprachgruppe der Bantu-Völker und bewohnen den Nordosten Namibias; einige leben auch im Kaokoveld. Als Viehzüchter führten sie ursprünglich ein nomadisches Leben und waren häufig in Konflikte mit den in Südnamibia lebenden Nama verstrickt. Nach ihrem Lebensraum sind die Herero traditionell

in drei politische Gruppen unterteilt: die Gobabis-Herero oder Mbanderu, die Herero von Okahandja oder »Maharero-Leute« sowie die Omaruru-Herero. Unter dem Einfluss der Missionare und dem Druck der deutschen Kolonialbehörden wurden die meisten sesshaft. Das ursprünglich etwa 80 000 Mitglieder zählende Volk versuchte nach der deut-

schen Landnahme zunächst, in Verhandlungen mit Gouverneur Leutwein mehr Rechte für sich zu sichern. Als dies scheiterte, rief Häuptling Samuel Maharero zum Aufstand, der in der Schlacht am Waterberg sein furchtbares Ende fand. Die meisten Herero kamen um, einigen gelang die Flucht nach Botsuana; die Kolonialverwaltung zählte ganze 15 000

Überlebende. Angesichts dieser Ereignisse mutet die an den Kolonialvorbildern orientierte Tracht der Herero seltsam an. An Festtagen wie den Ahnenfesten in Okahandja oder Omaruru zeigen sich die Frauen in farbenprächtigen Kleidern, die Männer in bizarren Fantasieuniformen. Heute sind sie die drittgrößte ethnische Gruppe Namibias.

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Der Skulpturengarten der Erosion überrascht wie hier bei der Spitzkoppe Tag für Tag mit neuen Entdeckungen: zerbrechlichen Brücken, perfekt geformten Riesenmurmeln. Östlich von der Spitzkoppe gefundene Felszeichnungen belegen die frühe Besiedlung dieses Gebietes.

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Spitzkoppe

Wie zwei Zuckerhüte ragen die Kegel der Großen (1728 m) und Kleinen Spitzkoppe (1584 m) über die Hochebene. An den beiden Inselbergen regnen sich die Wolken häufiger ab als über dem flachem Land, sodass diese Region etwas fruchtbarer ist als die umliegende Dornbuschsavanne. Zwischen Granitbrocken wächst hier beispielsweise der Botterboom, ein Verwandter unseres Mauerpfeffers, ein sukkulentes Dickblattgewächs. Und nach

Regenfällen treiben die trockenen, unscheinbaren Knollen der Ondape-Blume strahlend gelbe Blüten. Felszeichnungen, die unter anderem in der Kuhle »Bushman’s Paradise« östlich der Großen Spitzkoppe entdeckt wurden, zeigen, dass dieser Berg schon immer den hier lebenden Jägern als Lager und Ausguck diente. Von dort oben konnten sie die in der Ebene weidenden Wildherden gut beobachten.

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Das Erongo-Gebirge ist eine Fantasiewelt aus rĂśtlichem Granit und steinernen Riesenmurmeln. Felsmalereien zeigen Menschen, die mit Pfeil und Bogen Jagd auf BĂźffel und Elefanten machen.

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Erongo-Berge

Das Erongo-Gebirge ist Teil der großen Randstufe, die vom zentralnamibischen Hochland hinunterführt zur Wüste Namib. Seine bis zu 2332 Meter hohen Gipfel wirken in der rund 1000 Meter hoch gelegenen Region um Karibib zunächst recht unspektakulär. Ihr Zauber erschließt sich erst tief in den zerklüfteten Schluchten und Tälern mit ihren bizarren, eindrucksvollen Wunderwerken der Erosion: Da erhebt zum Beispiel ein Elefant sei-

nen Rüssel hoch über einer Felswand; an anderer Stelle gruppiert sich ein Kreis beratschlagender Büffel. Wie eine Fata Morgana schimmern nach der Regenzeit Seen in steinernen Kuhlen und locken Wild an ihre Ufer. Bilder an Felswänden und in Höhlen zeigen etwa auf dem Gelände der Ameib Ranch nördlich von Usakos die Gebirgswüste als eine fruchtbare Oase, in der die Menschen Antilopen, Büffeln und einem weißen Elefanten nachstellten.

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