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»Das schönste Ende der Welt«: Auf einem rund 270 000 Quadratkilometer großen Gebiet, das sich in Nord- und Südinsel sowie einige kleinere Inseln aufteilt, entwickelte sich in Neuseeland eine landschaftliche Vielfalt, wie man sie sonst nirgendwo auf vergleichbar geringem Raum findet: goldfarbene Strände an türkisblauen Lagunen, schroffe Fjordlandschaften und sanft gewelltes Hügelland, schneebedeckte Vulkane und von Gletschern geformte Eisskulpturen, die bis in die immergrünen Regenwälder vordringen. Diese grandiose Natur – und dazu eine faszinierende Kultur – machen Neuseeland zu etwas ganz Besonderem. Dieser Bildband aus der Reihe »Faszination Erde« zeigt die ganze Vielschichtigkeit Neuseelands in spektakulären Farbbildern – vielfach im Panoramaformat – und informativen Texten. Den umfangreichen Bildteil ergänzen speziell entwickelte Reisekarten, die über die geografischen Details hinaus ein ausführlich dargestelltes Verkehrsnetz und zahlreiche touristische Hinweise bieten. Ein abschließendes Register mit Internetadressen ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte in den Karten aufzufinden und weitere aktuelle Informationen abzurufen.

€ (D) 19,95 / € (A) 20,60

ISBN 978-3-89944-701-9

FASZINATION ERDE

FASZINATION ERDE

NEUSEELAND

NEUSEELAND

NEUSEELAND FASZINATION ERDE


Am Milford Sound: Wahrzeichen dieses engen und tiefen Fjords auf der Südinsel ist der 1692 Meter hohe Mitre Peak (Mitte). Sein Name beruht auf seiner Ähnlichkeit mit einer Bischofsmütze (engl.: »Mitre«).


FASZINATION ERDE

NeuSeelANd


Waiatiu-Wasserf채lle im Urwald des Whirinaki Forest auf der Nordinsel. F체r Botaniker ist Neuseeland eine Welt voller Wunder. Achtzig Prozent aller hier vorkommenden Baum- und Farnarten sind endemisch.


ZU DIESEM BUCH »Heute Morgen wurde ich von Vogelsang geweckt. Er kam von der Küste, von der wir kaum eine Viertelmeile entfernt sind … Es klang fast wie kleine Glocken, aber von dem hellsten Silberklang, den man sich nur vorstellen kann«, notierte Joseph Banks, der erste europäische Naturwissenschaftler in Neuseeland, am 17. Januar 1770 in sein Tagebuch an Bord von James Cooks Schiff »Endeavour«, das vor Neuseelands Südinsel ankerte.

Neuseeland blieb länger unbesiedelt als jedes andere Land in gemäßigten Klimazonen. Erst vor ungefähr 1000 Jahren landeten Polynesier an seinen stillen Küsten. Ihre Nachfahren, die Maori, stellen noch heute rund 15 Prozent der etwa vier Millionen Einwohner – ein kunterbuntes Völkergemisch, zu dem auch rund 200 000 Menschen aus Asien gehören, unter ihnen viele Hongkong-Chinesen, die vor der Rückgabe der Kronkolonie an China in Neuseeland eine neue Heimat gefunden haben. Die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen – zwei Drittel sind Weiße, überwiegend mit englischen Vorfahren – leben friedlich und weitgehend konfliktfrei miteinander in diesem faszinierenden Land. Das sichert nicht nur ein vorbildlich fairer Minderheitenschutz, der in den Gesetzen verankert ist, sondern vor allem die Grundeinstellung der Neuseeländer: pragmatisch, praktisch, gelassen und tolerant. Die Nordinsel ist kleiner, aber dichter besiedelt und bietet mit Auckland und Wellington die beiden größten und lebhaftesten Städte des Landes. Herrliche Natur findet man in Nationalparks um die Vulkane Ruapehu und Taranaki, am Fluss Whanganui und in den unberührten Urwäldern der Urewera. Die Südinsel Neuseelands ist in weiten Teilen fast menschenleer und ermöglicht Begegnungen mit einer traumhaft schönen Natur: Vor Kaikoura etwa kann man Pottwale beobachten, auf der Otago-Halbinsel kommt man dem Königsalbatros und dem seltenen Hoiho-Pinguin näher. Die atemberaubende Vielfalt an diesem »schönsten Ende der Welt« zeigen wir Ihnen zuerst in geografisch gegliederten Bildkapiteln. Der Atlasteil hilft Ihnen dabei, die jeweiligen Sehenswürdigkeiten zu finden, und das abschließende Register, das die Bildband- und Atlasseiten miteinander verknüpft, enthält die wichtigsten Internet-Adressen zur weiteren Orientierung. All das soll Ihnen dabei behilflich sein, Neuseeland in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu entdecken.


Die Southern Alps auf der Südinsel haben im 3754 Meter hohen Mount Cook (Maoriname: »Aoraki«, »Wolkendurchstoßer«) ihren höchsten Punkt, im 29 Kilometer langen Tasman Glacier den größten Gletscher.

Landschaftlich unterscheiden sich die beiden Haupt-

NORDINSEL

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inseln Neuseelands stark voneinander: Während die Nordinsel in hohem Maße von den verschiedensten vulkanischen Erscheinungen geprägt ist, wird die Südinsel von alpinen Faltengebirgen mit etlichen Dreitausendern und beeindruckenden Gletscherströmen bestimmt. Auch die klimatischen Unterschiede sind enorm: Auf der Südinsel ist das Klima in der Regel deutlich rauer und kälter als auf der Nordinsel.

NORTHLAND, AUCKLAND Cape Reinga Bay of Islands Geschichte in Bildern und Bildergeschichten Die Tattoos der Maori: blauschwarze Rangabzeichen Hokianga Harbour Waipoua Kauri Forest Muriwai Beach Karekare Beach Auckland WAIKATO, TARANAKI, MANAWATUWANGANUI, WELLINGTON Coromandel Peninsula

10 12 14 16 18 20 22 24 26 28

30 32

Neuseelands einzigartige Vogelwelt: Kiwa, Kea, Kakapo, Takahe Waitomo Caves Waikoto River, Huka Falls Lake Taupo, Wairakei Tongariro National Park Mount Ngauruhoe Mount Ruahepu Egmont National Park Wairarapa Wellington Von Nord nach Süd: auf Cooks Spuren durch stürmische Gefilde

34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54

BAY OF PLENTY, GISBORNE, HAWKE’S BAY 56 White Island 58 Bay of Plenty 60 Rotorua und Umgebung 62


INHALTSVERZEICHNIS

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Ring of Fire: Leben auf unsicherem Grund Kunst und Kultur: Andenken an die Zeit der Ahnen Te Urewera National Park und Whirinaki Forest Park Am East Cape Napier Qualitätsweine: edle Tropfen aus Neuseeland Cape Kidnappers

68 70 72 74 76

SÜDINSEL

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NELSON TASMAN, MARLBOROUGH Golden Bay Abel Tasman National Park Nelson Marlborough Sounds Picton und Marlborough Wine Trail

80 82 84 86 88 90

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WEST COAST Paparoa National Park »Pounamu« (Jade): der grüne Stein der Götter Arthur’s Pass National Park Vom ewigen Grün: die Regenwälder der Südinsel Westland National Park In Eis und Schnee: Franz Josef Glacier und Fox Glacier Mount Aspiring National Park CANTERBURY Kaikoura Christchurch Mount Cook National Park Lake Tekapo Schaf sein in Neuseeland: das Schweigen der Lämmer

92 94 96 98 100 102 104 106 108 110 112 114 116 118

OTAGO, SOUTHLAND Lake Wanaka Queenstown und Lake Wakatipu Abstürze aller Art: Outdoor-Fun und britisches Erbe Fiordland National Park Great Walks: die schönsten Wanderungen Neuseelands Moeraki Boulders Dunedin und die Otago Peninsula Catlins und Stewart Island

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Atlas Register, Webadressen

138 156

126 128 130 132 134 136


Die bedeutendste Kulturleistung der Maori ist ihre Schnitzkunst, wie sie hier im Auckland Museum zu sehen ist. Die heilige (»tapu«) Arbeit darf bis heute nur von Männern ausgeführt werden.

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Neuseeland | Nordinsel


NORDINSEL Einer polynesischen Legende zufolge hat der Halbgott Maui die Nordinsel Neuseelands aufgefischt. Daran erinnert ihr Maoriname (»Te Ika a Maui«, »der Fisch von Maui«) und ihre Form: Sie ähnelt einem Stachelrochen. Rund neunzig Prozent der etwa 800 000 Neuseeländer mit polynesischen Wurzeln leben auf der Nordinsel. Das gibt Gebieten wie Rotorua, dem winterlosen Norden und dem Ostkap ein polynesisches Gepräge.

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Das tradtionelle Versammlungshaus der Maori – hier in Waitangi – symbolisiert in seiner äußeren Form den Körper des Stammvaters. Den Innenraum schmücken geflochtene Wandpaneele und Schnitzereien.

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An Bord des America’s Cup-Seglers NZL-40 vor der 1150 Meter langen, 1959 fertig gestellten Harbour Bridge von Auckland, durch die das kaum zugängliche Northland für den Verkehr erschlossen werden konnte.


Northland Auckland

Neuseelands nördlichste Festlandsprovinz erstreckt sich vom Isthmus von Auckland 381 Kilometer nach Nordwesten. Das vulkanisch gebildete, manchmal kaum 20 Kilometer breite Hügelland hat zwei grundverschiedene Gesichter: An der Westküste läuft die Tasmansee oft mit großer Gewalt auf, im Osten schützen Halbinseln die Buchten und bieten zahlreiche Badestrände, an denen um Weihnachten der Pohutukawabaum (Metrosideros excelsa) flammend-rot blüht. Mit etwa 1,3 Millionen Menschen lebt hier ein Drittel aller Neuseeländer.

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Vor Cape Reinga (unten) mit seinem kleinen Leuchtturm vereinigen sich Tasmansee und Pazifik. Eine Straße führt von Awanui zum Kap, mit geländegängigen Fahrzeugen kann man den Rückweg auch auf der Sandpiste des Ninety Mile Beach (oben) antreten, der tatsächlich nur 64 Meilen lang ist.

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Cape Reinga

Viele Touristen und Einheimische meinen, am Cape Reinga am nördlichsten Punkt Neuseelands zu stehen – tatsächlich gebührt dieser Rang den Surville Cliffs weiter nordöstlich. Vor Cape Reinga treffen die Tasmansee und der Pazifik aufeinander. Bei gutem Wetter sind die Three Kings Islands auszumachen: Sie heißen so, weil der Holländer Abel Tasman hier am Drei-Königs-Tag im Jahr 1643 ankerte. 1902 zerschellte dort der Dampfer Elinga-

mite und ging unter – mit 43 Matrosen und einem Goldschatz, der bis heute nur in Teilen geborgen wurde. In der Spirits Bay steht ein uralter, windzerrissener Pohutukawabaum. Die Maori glauben, dass an seinen Wurzeln die Seelen der Toten ins Meer gleiten und so ihre letzte Heimreise beginnen – in ihr mythisches Ursprungsland Hawaiki, aus dem sie einst auch kamen. Denn das Leben ist für die Maori eine Reise – von Hawaiki nach Hawaiki.

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Die Bay of Islands befindet sich am 35. Breitengrad. Das verschafft den rund 150 Inseln der Bucht ein mildes Klima, warmes Wasser und Besucher aus aller Welt. Wohlhabende Neuseel채nder wie die Operndiva Kiri te Kanawa, Tochter einer Irin und eines Maori, besitzen hier Sommerh채user.

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Bay of Islands

Das alte Maori-Siedlungsgebiet um die Bay of Islands stand einst im Brennpunkt der frühen Kolonisierung Neuseelands und gilt deshalb als Wiege der Nation. Auf der schön gelegenen Waitangi-Halbinsel findet man eine nationale Gedenkstätte: 1840 unterschrieben dort MaoriHäuptlinge einen Vertrag mit Vertretern Englands. Dieser »Treaty of Waitangi« gilt als Gründungsdokument des Staates Neuseeland. In Russell entstand 1809 die erste

Siedlung der Weißen – 1840 wurde sie Neuseelands erste Hauptstadt. Die weißgestrichene Christ Church (1836) ist die älteste Kirche Neuseelands. Einschusslöcher an der Außenwand erinnern an Kämpfe zwischen Weißen und Maori (1845). Heute nützen zahlreiche Urlauber die herrlichen Buchten und Inseln für Badeferien und Segeltörns oder zum Schwimmen mit Delfinen. Sportfischer aus aller Welt machen hier gerne Jagd auf Schwertfische.

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Für Schnitzarbeiten benutzten Maori vor allem Walknochen und das weiche, rötliche Holz des Totarabaums. Die traditionellen Farben Weiß, Rot und Schwarz stellten sie her, indem sie Haifischöl mit Erde oder Asche mischten. Um die Augenpartien hervorzuheben, wurden diese mit der schillernden Schale der Pauamuschel ausgelegt.

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GESCHICHTE

IN

Polynesische Künstler haben in Neuseeland einen ganz eigenen, beeindruckenden Stil gefunden. Vor allem aus Holz und Jade schufen diese ersten neuseeländischen Siedler herausragende Kunstwerke, die zugleich in bildhafter Form Geschichten erzählen. Dazu gehört etwa der Schöpfungsmythos der Maori. Dieser beginnt mit einer engen

BILDERN

UND

Umarmung von »Ranginui«, dem Himmelsvater, und »Papatuanuku«, der Erdmutter, die so eng ist, dass die Welt dadurch in Dunkelheit gehalten wird. Erst die Kraft der Bäume (»Tane Mahuta« heißt der Gott des Waldes) trennt die beiden und schafft so für die Lebewesen Raum und Licht. Weil alles in der Welt – jeder Stein, jeder Busch, je-

BILDERGESCHICHTEN der Mensch und jedes Tier – im Ursprung von denselben Eltern abstammt (Ranginui und Papatuanuku), sind auch alle miteinander verwandt. Das hat zur Folge, dass die – oftmals in untereinander zerstrittenen Stämmen lebenden und keineswegs alle friedliebenden – Maori mit ihren »Verwandten« in der Natur besonders sorgsam umgehen. So

belegten sie etwa Fischgründe mit einem Verbot (»Rahui«), um sie zu schonen. Und sie erklärten einem Baum, den sie fällen wollten, ebenso wie einem Stück Jade, das sie aufzuheben gedachten, zunächst einmal, was nun mit ihm geschehen sollte. Kultur und Mythen der Maori sind somit auch ein Ausdruck des Respekts vor der Natur.

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Tätowierungen sind in Neuseeland wieder modern. Weiße und Maori tragen sie an Armen und Beinen, selten aber im Gesicht. Wer dort Muster zeigt, hat sie für Veranstaltungen aufgemalt. Manche Maori zeigen jedoch wieder traditionelle Gesichts- und Körpertattoos (rechts), deren Formen und Symbole jenen der Schnitzkunst gleichen. Das Herausstrecken der Zunge ist bei Tänzen üblich. Es soll böse Geister abschrecken und Furchtlosigkeit symbolisieren.

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DIE

TATTOOS

DER

Ein wesentliches Begriffspaar in der Welt der Maori ist »Mana« und »Utu« – »Ansehen« und »Vergeltung«. Wo das erste beleidigt worden ist, muss es durch das zweite wieder hergestellt werden. Mana erwirbt man durch Herkunft, guten Rat in der Versammlung, Heldenmut im Kampf. Ein sichtbarer Ausdruck des hohen Ansehens sind besonders

MAORI:

BLAUSCHWARZE

wertvolle Gegenstände – etwa ein Umhang aus seltenen Vogelfedern (wie den weißen Federn des Albino-Kiwis), ein Jadebeil. Nichts bedeutet aber mehr Mana als eine volle Gesichtstätowierung: das »Moko«. Früher durften nur die höchsten Anführer der Maori eine volle Gesichtstätowierung tragen; es war eine Ehre, die wie ein Orden ver-

RANGABZEICHEN

liehen wurde. Besonders angesehene Frauen wurden um die Lippen herum und am Kinn tätowiert. Die Krieger im Norden hatten oft noch zusätzliche Tätowierungen an Gesäß und Oberschenkeln. Die Tätowiermeister behandelte man besonders gut – immerhin musste man sich ihnen völlig ausliefern. Das Muster wurde durch tiefe, schmerzhafte

Schnitte mit einem Meißel aus Vogelknochen (»Uhi«) ausgeführt, der vorher in eine rußähnliche Substanz getaucht worden war. So entstand nicht nur ein Muster, sondern auch eine Rille – die Tätowierung wurde regelrecht eingemeißelt. In der Folge schwoll das Gesicht zu; der Tätowierte konnte tagelang nur mit einem Trichter ernährt werden.

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Die Einfahrt des tiefen Naturhafens Hokianga Harbour wird im Norden von Neuseelands größter Sanddüne begrenzt, deren Oberfläche von den kräftigen Westwinden immer wieder neu geformt wird. Die vielleicht schönsten Sandstrände des nördlichen Zipfels Neuseelands liegen hier.

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Hokianga Harbour

Der lange, schmale, tief zerklüftete Naturhafen reicht etwa 50 Kilometer weit von Westen ins Landesinnere. Er gilt als Landeplatz des ersten polynesischen Entdeckers in Neuseeland, Kupe, und hat damit rund 1000 Jahre MaoriTradition. Als erste Weiße siedelten sich Walfänger und Holzfäller hier an. An frühe christliche Missionsanstrengungen erinnert das Mangungu-Missionshaus (1838). Eine ehemalige Werft, in der Küstensegler aus Holz ge-

zimmert wurden, ist längst stillgelegt. Heute kämpft sich nur selten ein größeres Schiff über die Sandbank vor der Hafeneinfahrt. Strömungsbedingt wandert diese hin und her, was die Navigation erschwert. Im Ort Rawene stehen an der Hauptstraße Läden und Cafés auf Pfählen direkt über dem Wasser. Eine Fähre führt zu abgelegenen Dörfern am Nordufer des Hafens. Der Ort Opononi bietet einen Panoramablick auf den Hokianga Harbour.

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Die bezaubernde Atmosphäre des letzten großen Kauriwaldes in Neuseeland erschließt sich den Besuchern erst abseits des 16 Kilometer langen, asphaltierten Hauptweges. Vor allem nach Regenfällen duftet das Harz der auch Kopalfichte genannten Bäume betörend.

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Waipoua Kauri Forest

Die Kauri- oder Kopalfichte (Agathis australis) ist ein in mehr als tausend Jahren bis zu 50 Meter hoch wachsender Baum mit schmalen, blattartigen Nadeln und weißlich gelbem, sehr harzreichem Holz, dessen Stämme bis zu 15 Meter Umfang haben können. Noch vor 150 Jahren war alles Land zwischen Auckland und dem Nordkap Kauriwald. Da sich die Bäume hervorragend als Bau- und Schiffsholz eignen, das Harz (spanisch-indianisch: »co-

pal«) als Spachtelmasse und für Lacke verwendet werden kann, wurde viel gerodet – der 90 Quadratkilometer große Kauriwald von Waipoua ist der letzte Rest der alten Pracht. Die schönsten Bäume haben Namen: »Tane Mahuta«, »der Gott des Waldes«, steht am nördlichen Ende des Gebiets neben der durch den Wald führenden Straße; »Te Matua Ngahere«, »der Vater des Waldes«, ist südlich davon in etwa zwanzig Minuten zu erreichen.

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Basstölpel (Sula bassana) sind Flugakrobaten und fischen im Sturzflug. Ihre Beute erspähen sie aus bis zu 45 Metern Höhe. Wenn sie sich dann hinabstürzen, erreichen sie bis zu 100 Stundenkilometer. Den Aufprall auf dem Wasser dämpfen aufblasbare Luftpolster unter dem Federkleid.

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Muriwai Beach

Zwischen Oktober und März brüten etwa 70 000 Basstölpel auf vorgelagerten Inseln Neuseelands. Die Weibchen legen jeweils nur ein bläulich-weißes Ei; an der Brutpflege sind beide Elternvögel beteiligt. Das Territorium rund um ihr Nest verteidigen Basstölpel äußerst aggressiv. Bis der Jungvogel von der Fürsorge der Elternvögel unabhängig ist, vergehen etwa drei Monate. Die Küken müssen sich gleich bei ihrem ersten Flug bewähren: Er

führt über 2000 Kilometer bis nach Australien. Erst wenn die Jungvögel etwa vier Jahre alt sind, kehren sie nach Neuseeland zurück, um hier selbst zu brüten. Die Kolonie am Muriwai Beach an der Westküste nördlich von Auckland entstand in den letzten 100 Jahren und breitete sich sukzessive von vorgelagerten Inseln auf die Klippen des Festlandes aus. Muriwai Beach beherbergt eine von nur drei Tölpelkolonien auf dem neuseeländischen Festland.

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Karekare Beach liegt nur eine halbe Autostunde vom Zentrum Aucklands entfernt an der Westk체ste der Nordinsel. Wie die benachbarten Str채nde Piha und Muriwai Beach wird er von einer wilden Brandung dominiert und ist vor allem bei Surfern und Lebensk체nstlern sehr beliebt.

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Karekare Beach

Einer der schönsten Strände Neuseelands befindet sich in den Waitakeres, einem Waldgebiet, in dem noch vereinzelt große Kauribäume wachsen. Die Waitakeres sind zugleich die grüne Lunge von Auckland und dessen Wasserreservoir. Im Hauptort Titirangi siedeln vor allem Künstler und Alternative. Karekare Beach bietet überwachsene Klippen, die Maorihöhlen und einen dramatisch schönen Wasserfall bergen, einen weiten Strand

und einen Hain von Pohutukawabäumen. In Jane Campions vielfach preisgekröntem Film »Das Piano« landet Ada, eine unverheiratete Frau mit Kind, in der Wildnis von Karekare. Als wäre sie eine »beschädigte Ware«, wurde sie einem Siedler in Neuseeland versprochen, und das bewegende Immigrations- (und Emanzipations-) Drama nimmt seinen Lauf, als dieser Adas mitgebrachtes Piano gegen ihren Protest am Strand zurücklassen will.

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Oben von links: Das Auckland Museum bietet eine hervorragende Sammlung der Maorikunst. Alte Vulkankegel wie der Mount Eden waren zu Maorizeiten dicht besiedelt. In Kelly Tarltons Underwaterworld kommt man den Fischen ganz nah. Unten: Auckland, ÂťCity of SailsÂŤ, mit dem Sky Tower.

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Auckland

Auckland ist das kommerzielle Zentrum Neuseelands und wächst schneller als jeder andere Landesteil. Die einzige Millionenstadt Neuseelands liegt herrlich zwischen zwei Meeren und fasziniert mit ihrem modernen Großstadtleben. Im Zentrum haben 20 Jahre Bauboom fast alle historischen Gebäude durch Hochhäuser ersetzt. Der mit 328 Metern alles überragende Sky Tower bietet beste Aussichten, zwei Restaurants und abendli-

ches Farbenspiel. Fast jede Familie hat in Auckland Zugang zu einem Boot – das trug der Stadt den Namen »City of Sails«, »Stadt der Segel«, ein. Zwei Regatten des America’s Cup diente Auckland als Austragungsort und wurde von Seglern aus aller Welt mit Lob überschüttet. Wegen des besonders hohen, aus der pazifischen Inselwelt stammenden Bevölkerungsanteils bezeichnet man Auckland häufig auch als die »Hauptstadt Polynesiens«.

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Am Hafen von Wellington, an dem sich auch das Nationalmuseum Te Papa Tongarewa (Maori: »Unsere Heimat«) befindet: Neuseelands Hauptstadt ist modern, kosmopolitisch – und eine Klasse für sich.

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Die Provinz Taranaki im Westen der Nordinsel wird an drei Seiten vom Meer umschlossen. In ihrem Zentrum ragt ein Vulkan 2518 Meter hoch. Die Maori nennen ihn »Taranaki« (»pflanzenloser Gipfel«).


Waikato, Taranaki, Manawatu-Wanganui, Wellington

Die Region Waikato ist ein sanft gewellter Landblock südlich von Auckland, der im Osten die Coromandel Peninsula einschließt, im Westen an Taranaki und im Süden an den Tongariro National Park grenzt. Manawatu-Wanganui grenzt an Wellington und umfasst zwei Nationalparks: Der Wanganui National Park umgibt die bewaldeten Ufer des gleichnamigen Flusses, der Tongariro National Park umfasst die drei aktiven Vulkane im Zentrum der Nordinsel. Neuseelands Hauptstadt heißt wie die sie umgebende Region Wellington.

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Die Coromandel Peninsula (unten links: bei Manaia, großes Bild: Cathedral Cove) ist auch ein Refugium für Tiere (oben links: Kormorane). Oben rechts: Zur typischen Vegetation an Neuseelands Küsten gehören Harakeke (New Zealand Flax, links) und der buschige Cabbage Tree (rechts).

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Coromandel Peninsula

Die Coromandel Peninsula ragt wie ein Daumen gen Norden und trennt den Hauraki-Golf bzw. den Firth of Thames im Westen von der Bay of Plenty im Osten. Früher fand man hier Gold und riesige Kauribäume. Heute ist nur noch in Waihi eine Goldmine in Betrieb, die Forstwirtschaft konzentriert sich auf Kiefern. Der Highway 25 führt auf eine herrlich abwechslungsreiche Rundreise durch diese kontrastreiche Landschaft mit ihren wild-

zerklüfteten Bergen, den steilen, oft von Pflanzen überwucherten Felsklippen und den einladenden Badestränden. Faszinierend ist die so genannte Cathedral Cove – eine von der Meeresbrandung torartig ausgespülte Felsgrotte an der feinsandigen Ostküste der Halbinsel (englisch: »Peninsula«). Der nahe gelegene Hot Water Beach, an dem bei Ebbe heiße Thermalquellen aus dem Sand treten, bietet angenehm temperierte Badefreuden.

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