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Die Hurtigruten-Kreuzfahrt zählt zu den schönsten Seereisen der Erde. Von der Weltkulturerbe-Stadt Bergen folgen die Luxusliner und Postschiffe der vom Golfstrom erwärmten Westküste Norwegens mit Blick auf Fjorde und Gletscher in die Krönungsstadt Trondheim und erreichen am Polarkreis das Land der Mitternachtssonne mit der Lofoten-Inselgruppe und dem Trollfjord. Zwölf unvergessliche Tage dauert die 5200 Kilometer lange Schiffsreise von Bergen nach Kirkenes und zurück, die sich mit zahlreichen Ausflügen kombinieren lässt, wie etwa einer Busfahrt vom Geirangerfjord in die Jugendstilstadt Ålesund. Dieser Bildband aus der Reihe »Faszination Erde« zeigt die ganze Vielschichtigkeit der Hurtigruten-Kreuzfahrt einschließlich der attraktivsten Abstecher in spektakulären Farbbildern und informativen Texten. Den umfangreichen Bildteil ergänzen eigens entwickelte Reisekarten, die über die geografischen Details hinaus ein ausführlich dargestelltes Verkehrsnetz und viele touristische Hinweise bieten. Ein abschließendes Register ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte in den Karten aufzufinden und über ausgewählte Internet-Adressen weitere aktuelle Informationen abzurufen.

€ (D) 19,95 / € (A) 20,60

ISBN 978-3-89944-717-0

FASZINATION ERDE

FASZINATION ERDE

HURTIGRUTEN

HURTIGRUTEN

HURTIGRUTEN FASZINATION ERDE


Die Hurtigruten auf der maritimen Reichsstraße 1 längs der Küste zählt zu den schönsten Seereisen der Erde. Hier steuert das Hurtig­ ruten­Schiff MS Polarlys den Lofotenarchipel an.


FASZINATION ERDE

HURTIGRUTEN


Ă…lesunds Hausberg Aksla bietet einen wunderbaren Blick Ăźber die Jugendstilstadt, die im Sommer wegen des Abstechers in den Geirangerfjord von den HurtigrutenSchiffen zweimal angelaufen wird.


ZU DIESEM BUCH

»So fuhren wir denn [...] längs der norwegischen Küste nach Norden. Welch herrliches Land! Ich möchte wissen, ob es in der ganzen Welt ein Fahrwasser gibt wie hier. Unvergesslich sind diese Morgenstunden, wenn die Natur aus ihrem Schlummer erwacht, das Nebelheim weiß und silberglänzend auf den Bergen liegt, deren Gipfel wie Meeresinseln darüber emporragen!« Fridtjof Nansen, Fram over Polhavet (In Nacht und Eis)

Fjorde, Mitternachtssonne, ewiges Eis: Die Hurtigruten von der Weltkulturerbe-Stadt Bergen längs der zerklüfteten norwegischen Westküste, durch die Lofoteninselgruppe und am Nordkap vorbei nach Kirkenes an der Barentssee zählt zu den schönsten Schiffsreisen der Erde. Im Jahr 1893 wurde die »Schnellroute« als Fracht- und Postdienst gegründet, heute werden die Reisen mit den luxuriösen Schiffen meist als Kreuzfahrten angeboten – zwölf unvergessliche Tage dauert die hin und zurück 5200 Kilometer lange Reise, auf der an Mittsommer die Sonne nördlich des Polarkreises nicht untergeht. Am 2. Juli 1893 startete der erfahrene Kapitän Richard With aus Tromsø mit der DS Vesteraalen von Trondheim nach Hammerfest zur ersten Hurtigruten-Fahrt. 1898 folgte die Südverbindung nach Bergen, seit 1914 ist Kirkenes an der Barentssee der nördliche Wendepunkt. Die Hurtigruten nutzt die vom Golfstrom erwärmte, meist eisfreie See im Küstenbereich als ganzjährig befahrbare Verbindung zwischen West-, Mittelund Nordnorwegen. Im Winter bildete die Hurtigruten lange Zeit das Rückgrat der norwegischen Verkehrsinfrastruktur, da das Landesinnere bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kaum durch Straßen und Eisenbahnen erschlossen war: Während die wenigen Straßen im Winter unpassierbar waren, steuerten die für ihre Erfahrung und Zuverlässigkeit berühmten HurtigrutenKapitäne ihre »Postschiffe« auch durch Winterstürme und brachten Passagiere und Fracht pünktlich ans Ziel. 1962 benutzten fast 600 000 Passagiere die Postschiffe, 1988 waren es weniger als die Hälfte – die Ära der alten Postschiffe war vorbei, dafür begann das Zeitalter des Genussreisens: Bis 2002 hatte sich die Zahl der Passagiere dank neuer, komfortabler Schiffe wieder mehr als verdoppelt. Die großartige Vielfalt der Hurtigruten zeigen wir Ihnen zuerst in geografisch gegliederten Bildkapiteln. Der Atlasteil gibt Informationen über die Lage der Orte und Sehenswürdigkeiten. Das abschließende Register verknüpft die Bildbandund Atlasseiten miteinander und enthält Internetadressen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. All dies möge Ihnen helfen, die Hurtigruten in ihrer ganzen Schönheit zu entdecken.


Das einem Segelschiff nachempfundene »Rica Seilet Hotel« (rechts) prägt die Silhouette der Hurtigruten- und »Rosenstadt« Molde am Romsdalsfjord, in dessen Klima die nördlichsten Rosen der Welt blühen.

Die Erlebniswelten der Hurtigruten reichen vom UNESCO-Weltkulturerbe-Hafen in der Hansestadt Bergen bis zu den Orkas im Vestfjord zwischen der Lofotenwand und der Helgelandküste, von der Jugendstilstadt Ålesund bis zur Krönungsstadt Trondheim und zur Eismeerkapitale Tromsø. Im Sommer fahren die Hurtigruten-Kreuzfahrtschiffe durch den Geirangerfjord, der als UNESCO-Weltnaturerbe zu den schönsten Landschaften der Erde zählt, und wenden im schmalen Trollfjord am Fuß bis zu 1000 Meter hoher Felswände.

KREUZFAHRT UNTER DER MITTERNACHTSSONNE An Bord Die Flotte der Post- und Frachtschiffe Nord- und südgehende Route VON BERGEN BIS ÅLESUND Bergen Bergen: Hanseviertel Bryggen Bergen: Fischmarkt Gamle Bergen Edvard Grieg Fantoft Stabkirche Sognefjord, Aurlandsfjord, Nærøyfjord, Stabkirche in Urnes Florø, Måløy Jostedalsbreen Runde

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Ålesund Fischfang vor Norwegen

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VON ÅLESUND BIS BODØ Geirangerfjord Geiranger, Dalsnibba, Trollstigen Molde am Romsdalsfjord Kristiansund Grip Trondheim: Altstadt Trondheim: Kathedrale Küstenlandschaften des nördlichen Trøndelag, Rørvik Torghatten Brønnøysund Vega-Archipel Eiderenten Sieben Schwestern

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INHALTSVERZEICHNIS

Polarkreis Svartisen Meløy Seeadler Bodø Saltstraumen VON BODØ BIS TROMSØ Vestfjord Orcas – den Heringen hinterher Vestvågøy Stamsund Flakstadøya, Nusfjord Moskenesøya: Hamnøy Moskenesøya: Sakrisøy Moskenesøya: Reine Austvågøy: Kabelvåg Austvågøy: Svolvær

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Austvågøy: Henningsvær Jahrhundertealte Tradition: Klipp- und Stockfisch Raftsund, Trollfjord Hadselfjord, Hadseløya Sortland, Langøya, Hinnøya Andøya, Andenes Pottwale – Giganten der Meere Harstad, Trondenes Trolle – kleine Geisterwesen Senja »Weiße Nächte« unter der Mitternachtssonne Tromsø

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VON TROMSØ BIS KIRKENES Skjervøy Alta

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Hammerfest Polarlicht: Feenschleier und göttliche Zeichen Nordkap Nordkinn Rentiere – Wanderer im hohen Norden Barentssee Walrosse – arktische Riesen Varangerfjord Varanger-Halbinsel: Paradies der Vögel Kirkenes

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Atlas Praktische Reiseinfos Register, Webadressen Bildnachweis, Impressum

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Die im Jahr 1997 in Dienst gestellte MS Nordnorge ist seit 1924 bereits das vierte HurtigrutenSchiff, das nach dem nördlichsten Landesteil Norwegens benannt ist, der Region unter der Mitternachts-

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Hurtigruten | Kreuzfahrt

sonne (großes Bild). Das kleine Bild zeigt das moderne Postschiff kurz vor Svolvær, mit ca. 4000 Einwohnern die größte Stadt auf der Inselgruppe der Lofoten nördlich des Polarkreises.


KREUZFAHRT UNTER DER MITTERNACHTSSONNE

Am lohnendsten ist die Hurtigruten-Reise in der Mittsommerzeit, wenn nördlich des Polarkreises die Nacht zum Tag wird und die Schiffe in den Trollfjord einfahren. In der Nordland-Hauptstadt Bodø ist die Mitternachtssonne vom 4. Juni bis zum 8. Juli zu erleben, am Nordkap vom 13. Mai bis zum 29. Juli. Auch die vergleichsweise preiswerte Winterreise hat ihren unvergleichlichen Zauber: Dann wehen Polarlichter über den Himmel, an Bord sind nur wenige Menschen, und die Hafenorte erstrahlen im Lichterglanz der Polarnacht.

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Der Name der MS Polarlys bezieht sich auf die Aurora borealis; dem »Nordlicht« nachempfunden ist die Decke eines der Salons, in dem die Kombination aus Mahagoni und poliertem Messing dominiert (Bild unten links). Die Innenausstattung der MS Nordkapp (unten rechts)

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Hurtigruten | Kreuzfahrt

wurde von dem Künstler Karl Erik Harr mitgestaltet, seine Küstengemälde machen das Schiff zur schwimmenden Galerie. Büfett an Bord der MS Kong Harald (oben links), Blick aus dem Speisesaal (oben rechts), Doppelbettkabine der MS Finnmarken (kleines Bild unten).


An Bord

Gediegener Komfort, künstlerisch ambitionierte Innenausstattung und unverwechselbarer Charakter zeichnen die Hurtigruten-Schiffe der neuen Generation aus. Suiten, Wellnessbereiche, Tanzflächen und elegante Gesellschaftsräume gehören ebenso zum Standard wie die über der Bugspitze gelegenen Panoramasalons, deren Fensterfronten sich auf den Schwesterschiffen MS Trollfjord und MS Midtnatsol über zwei Decks erstrecken.

Die MS Finnmarken, deren Innenausstattung sich am Art déco orientiert, verfügt über Swimming- und Whirlpool an Deck sowie über ein Backdeck, das bis zur Bugspitze für Passagiere begehbar ist. Das Nordlicht und der nordische Sternenhimmel waren die Inspirationsquellen der Künstler und Dekorateure auf der MS Nordlys, Kronen und Lilien prägen die dekorativen Elemente der nach Norwegens König Harald V. benannten MS Kong Harald.

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Die 138,5 Meter lange MS Finnmarken (2002) verfügt über zwei Außenwhirlpools und einen beheizten Meerwasser-Außenswimmingpool (großes Bild). Die 87,4 Meter lange MS Lofoten (rechts oben, Baujahr 1964, im Hafen von Bodø) hat die klassische Postschiffatmosphäre für 410 Passa-

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giere bewahrt. 135,47 Meter misst die MS Trollfjord (rechts Mitte, bei der Einfahrt in den Hafen von Stamsund); sie gehört ebenso wie die 123 Meter lange MS Polarlys (1996, rechts unten, am Kai von Svolvær) der »neuen«, luxuriösen Generation der Hurtigruten-Schiffe an.


Die Flotte der Postund Frachtschiffe

Im Sommer verkehren die Hurtigruten-Schiffe der ab 1993 gebauten neuen Generation. Sie wurde für den Kreuzfahrtverkehr konzipiert und bietet einen Komfort, von dem die »Nachkriegsflotte« weit entfernt war. Der Erfolg der »Neuen« hat zum Bau noch luxuriöserer und größerer Schiffe geführt: Die neue MS Finnmarken (2002) hat acht Decks für 1000 Passagiere, die Schwesterschiffe MS Trollfjord und MS Midtnatsol (2002) haben

neun Decks und ca. 650 Betten in gut 300 Kabinen. Von der vergleichsweise spartanisch ausgestatteten Nachkriegsflotte werden im Winter weiterhin die MS Nordstjernen (1956) und die MS Lofoten (1964) eingesetzt, während die alte MS Finnmarken derzeit als Museumsschiff im Hurtigruten-Museum in Stokmarknes auf den Vesterålen liegt. Die Schiffe der mittleren Generation haben die Hurtigruten inzwischen alle verlassen.

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Die Hurtigruten gilt als sicherste Schifffahrtslinie der Welt. Jede Crew führt alle elf Tage während der Liegezeit in Honningsvåg Seerettungsübungen mit verschiedenen Szenarien durch, auch die Passagiere nehmen dann wie hier auf der MS Kong Harald (kleines Bild oben)

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Hurtigruten | Kreuzfahrt

an Sicherheitsübungen teil. Die Navigationsgeräte (rechte Seite oben) und die 9000 Kilowatt starken Maschinen (rechte Seite unten) der MS Kong Harald erlauben Präzisionsmanöver wie das Wenden im schmalen Trollfjord auf dem Lofotenarchipel (unten links).


Nord- und südgehende Route

Jeden Abend um 20 Uhr sticht eines der HurtigrutenSchiffe in Bergen in See und durchfährt den Hjeltefjord, durch den schon die Wikinger zu den Shetlandinseln aufbrachen. Sechseinhalb Tage dauert die im Sommer 2920 Kilometer lange Fahrt ins nordnorwegische Kirkenes an der Grenze zu Russland. Die Häfen, die während der Nordfahrt im Dunkeln liegen, werden während der Südfahrt bei Tage angesteuert, damit die Passagiere bei

Hin- und Rückfahrt keine der spektakulären Küstenlandschaften verpassen. In kleinen Häfen legen die Schiffe für die Zeit des Be- und Entladens an, in größeren Städten reicht die Liegezeit zum Teil für mehrstündige Ausflüge an Land. Im Sommer fahren die Schiffe auf der nordgehenden Route in den Geirangerfjord und auf der südgehenden in den Trollfjord. Diese beiden spektakulären Fjorde werden im Winter ausgespart.

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Neben den modernen Anlagen des 21. Jahrhunderts am HurtigrutenTerminal in Bergen erinnern die auf Pfählen im Wasser stehenden Holzhäuser (großes Bild) an die Anfangszeit der Postschifffahrtslinie.

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Hurtigruten | Von Bergen bis Ålesund

In der ersten Nacht läuft das Schiff Florø, Måløy und Torvik an und erreicht am Morgen die Jugendstilstadt Ålesund (kleines Bild), von der aus im Sommer der Abstecher in den Geirangerfjord erfolgt.


VON BERGEN BIS ÅLESUND

Jeden Abend startet ein Schiff der Hurtigruten in Bergen und durchfährt die Inselwelt im Bereich von Sogne- und Nordfjord an der spektakulären Westküste Norwegens. Die Schiffe folgen etwa der Route, die der Polarforscher Fridtjof Nansen im Sommer 1893 mit der »Fram« befuhr. In seinem Expeditionsbericht »In Nacht und Eis« (1897) heißt es über die Abfahrt: »Nordwärts die Röte des verschwindenden Tages, hinter uns der Mond groß und rund über den Bergen. Vorn ragten Alden und Kinn wie ein Märchenland aus der See …«

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Der Aussichtsberg Fløyen bietet einen spektakulären Blick auf Bergen (großes Bild). Er ist vom Stadtzentrum aus, vor dessen Geschäfte Trolle zum Kauf laden (kleines Bild), mit der Fløibahn erreichbar. Sie fährt im Sommerhalbjahr von morgens bis mitternachts in sechs Minuten zur

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320 Meter hoch gelegenen Bergstation. Am Panoramarestaurant strahlen Wanderwege aller Schwierigkeitsgrade in die umliegenden Höhen aus mit überwältigenden Ausblicken auf die Berge sowie die Stadt mit den umgebenden Schären, Inseln und Fjorden.

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Bergen

Bergen ist das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum Westnorwegens und mit 250 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes nach Oslo. Die durch einen Inselgürtel vor der offenen See geschützte Hafen- und Universitätsstadt war bis zur Eröffnung der Bergenbahn 1909 von London aus rascher erreichbar als von Oslo: Über Schiffsrouten stand Bergen in jahrhundertelangem wirtschaftlichem und kulturellem Austausch insbeson-

dere mit England und Deutschland. Der alte Hansehafen »Bryggen« am Naturhafen Vågen steht als Welterbe unter dem Schutz der UNESCO. Die Geburtsstadt des Komponisten Edvard Grieg zieht auch als Festspielstadt Zehntausende von Besuchern an, die Ende Mai, Anfang Juni Opern und klassischen Konzerten in der Grieghalle lauschen oder Ballett- und Theateraufführungen im Nationaltheater »Den Nationale Scene« ansehen.

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Das Hanseatische Museum (oben) im historischen Kaufmannshaus »Finnegård« dokumentiert die Zeit der Hanse, deren Kontor in Bergen 1343 erstmals erwähnt wird. Am Hafen (unten links) entstanden die meist aus Holz erbauten Speicher- und Wohnhäuser (oben rechts) längs

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schmaler Gassen (unten rechts); einige Häuser zeigen bis heute die Embleme von Handelshäusern (Mitte rechts). Ab 1500 begann der Niedergang der Hanse, die sich weiter auf den Warentransport konzentrierte, während das Geschäft mit Banken und Kolonien mehr Erfolg versprach.

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Bergen: Hanseviertel Bryggen

Das historische Hanseviertel Bryggen an der natürlichen Hafenbucht Vågen in Bergen steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Benannt ist es nach den »Brücken«, dem Ensemble aus Kais zum Be- und Entladen der Schiffe sowie Speichern, Lagerhallen und Wohnhäusern der Kaufleute, Handwerker und Bediensteten. Die bunte Kulisse der Holzhäuser wurde nach Brandkatastrophen rekonstruiert, wie sie im ausgehenden Mit-

telalter aussah. Im Hafen liegen die hochbordigen Hansekoggen, mit denen die Waren zwischen den Hansestädten Deutschlands, Englands, Flanderns und des Baltikums verschifft wurden. Wichtigste Importe waren Getreide, Mehl, Malz, Bier und Salz, Hauptexportartikel Stockfisch, Tran und Häute. Um 1400 gab es in Bergen 300 von Deutschen bewohnte Häuser, die Hanse kontrollierte den Handel an der norwegischen Westküste.

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Der Markt am alten Hafen in Bergen lockt mit einer bunten Vielfalt an Obst, Gemüse, Meeresfrüchten und Fischen wie Garnelen, Muscheln und Krabben (großes Bild). Auch lokale Fischer bieten ihre Waren an (kleines Bild unten). Die Preise sind in der Regel gesalzen (Bild oben links), die Verkäufer an den Ständen meist mehrsprachige Überredungskünstler, die die norwegischen Namen der Fische zur Verkaufsförderung gern ins Deutsche übersetzen.

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B E R G E N :

F I S C H M A R K T

Der Marktplatz »Torget« am historischen Hansehafen Bryggen in Bergen ist der farbenprächtigste und berühmteste Fischmarkt Skandinaviens und das touristische Herz der Hansestadt. Hier gibt es frischen Fisch, Krebse, Krabben, Fischbrötchen, Elch- und Rentiersalami sowie Blumen, Saisongemüse, Kunsthandwerk und Souve-

nirs. Die Stände haben im Sommerhalbjahr täglich ab sieben Uhr morgens zwölf Stunden lang geöffnet, am Rand des Marktplatzes befinden sich Restaurants und Cafés sowie die Talstation der Standseilbahn zum Aussichtsberg Fløyen, sodass man den berühmten Markt nach kurzer Zeit auch aus der Vogelperspektive betrachten kann.

Fisch wird in zahlreichen Zubereitungen angeboten, die im deutschsprachigen Raum unbekannt sind, wie Fischpudding (fiskepudding) mit Krabbensoße, Fischklöße (fiskeboller), Heringspfannkuchen (sildepannekaker), Heringsfrikadellen (sildekaker) oder Fischauflauf (fiskegrateng). Pochierter Kabeljau (avkokt torsk) fehlt auf

keiner Speisekarte, Prinzenfisch (prinsefisk) ist Kabeljaufilet mit Hummerfleisch, Spargel und Blätterteiggebäck. Der Fantasie bei der Zubereitung sind kaum Grenzen gesetzt, was auch für die Schaltiere gilt: Garnelen (reker), Hummer (hummer), Taschenkrebse (krabber), Miesmuscheln (blåskjell) und Flusskrebs (ferskevannskreps).

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Bergen wurde oft von Bränden heimgesucht, weshalb in der Stadt selbst nur wenige der für das alte Bergen typischen Holzhäuser erhalten sind (kleines Bild oben). Viel von der Bausubstanz des alten Bergen wurde nach Sandviken transportiert und im Freilichtmuseum »Gamle Bergen«

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wieder errichtet (alle anderen Bilder). Vor allem nach den Stadtbränden von 1902 und 1916 wurden in Bergen rund um die Vågenbucht mehr und mehr Steinhäuser errichtet. Der Großbrand von 1916 vernichtete über 600 Holzhäuser, 20 000 Menschen wurden obdachlos.

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Gamle Bergen

Gamle Bergen ist ein Freilichtmuseum mit etwa 50 Holzhäusern aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert, die in Sandviken, vier Kilometer nördlich des Zentrums von Bergen, wieder aufgebaut wurden. In diesem »Alt-Bergen« wurden alte Kopfsteinpflaster-Straßenzüge rekonstruiert mit meist ein- bis zweigeschossigen, ziegelsteingedeckten Holzhäusern, in denen wie in alter Zeit Bäckerei, Friseur, Zahnarzt, Schuster oder die Schule

untergebracht sind. Das 1949 eröffnete Freilichtmuseum, heute Teil des Stadtmuseums, macht auch soziale Unterschiede sichtbar. Die Besucher können sehen, wie arme Fischer mit ihren Familien und wie wohlhabende Kaufmannsfamilien lebten. Errichtet wurde das Museum auf dem Gebiet des ehemaligen Vergnügungsviertels Elsero, in dem es auch mehrere Reeperbahnen, Betriebe zum Verdrillen von Schiffstauen, gab.

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1885 übersiedelten Edvard Grieg (oben rechts) und seine Frau Nina auf das Gut Troldhaugen (oben links) bei Bergen. Der reich ausgestattete »Trollhügel« ist seit 1928 Museum (oben Mitte und unten links) und enthält auch Notenmanuskripte des Komponisten (unten rechts).

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E D VA R D

G R I E G

Edvard Grieg, Norwegens bedeutendster Komponist, wurde 1843 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns und Diplomaten sowie einer Musikerin in der Hafenstadt Bergen geboren († 1907, Bergen). Er setzte die volkstümlichen musikalischen Eigenheiten seines Landes in romantische Klangwelten um und machte sie mit seinen

ungemein plastischen Stimmungsschilderungen international bekannt. Melodik und Rhythmik seiner Werke sind von norwegischen Bauerntänzen wie dem von einer Fiedel begleiteten Halling inspiriert. Zugleich beeinflussten Griegs kühne Harmonik und dynamische Kontraste den Impressionismus. Sein Ziel beschrieb er so: »Mir

geht es darum, die norwegische Natur, das Leben des norwegischen Volkes, die norwegische Geschichte und die norwegische Volksdichtung in Musik zu fassen.« Sein Klavierkonzert a-moll erlebte 1868 in Kopenhagen eine triumphale Uraufführung und ist bis heute eines der meistgespielten Konzerte für Klavier und Orchester. Mit sei-

ner kongenialen Bühnenmusik von 1876 trug Grieg wesentlich zum Welterfolg von Henrik Ibsens Versdrama »Peer Gynt« bei, »Solveigs Sang«, gesungen mit Klavierbegleitung, war einer der ersten großen internationalen Hits. Die beiden Peer-Gynt-Suiten (1888/91) zählen zu den bekanntesten Orchesterstücken der romantischen Musik.

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Das mehrstufige Steildach der Fantoft Stabkirche ist wie im Mittelalter mit wetterfest imprägnierten Holzschindeln gedeckt, Drachenköpfe an den Giebeln sollen als wikingerzeitliches Abwehrgetier die Mächte der Hölle fernhalten (großes Bild links und kleines Bild oben). Zur

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Innenausstattung gehören mittelalterliche Schnitzereien (unten rechts), die beim Wiederaufbau der Kirche ebenso wie nahezu alle Einrichtungsgegenstände originalgetreu nachgebildet wurden. Die Detailtreue reichte bis zur ausschließlichen Verwendung hölzerner Nägel.

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Fantoft Stabkirche

Die Fantoft Stabkirche im ländlich geprägten Stadtteil Fana in Bergen ist der Nachbau einer Stabkirche, die um 1150 in Fortun am Sognefjord errichtet worden war. Als das mittelalterliche Gotteshaus im ausgehenden 19. Jahrhundert wie viele andere Stabkirchen an seinem ursprünglichen Standort abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden sollte, kaufte Konsul Fredrik G. Gade die Holzkirche, ließ sie zerlegen, nach Bergen ver-

schiffen und 1883 auf seinem Grundstück auf Fantoft wieder aufbauen. Fehlende Teile wurden nach dem Vorbild der Stabkirche von Borgund ergänzt. Während einer Serie von Kirchenbrandstiftungen durch Mitglieder der Satanistenszene wurde 1992 auch die Fantoft Stabkirche niedergebrannt. Seit der Vollendung des Wiederaufbaus 1997 ist die Fantoft Stabkirche wieder eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten von Bergen.

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Aurlandsfjord und Nærøyfjord (unten links und rechts) sind Seitenarme des Sognefjords, an deren felsige Hänge sich nur wenige Siedlungen (rechte Seite oben) schmiegen. Die Stabkirche in Urnes von ca. 1130 (oben links) zählt mit ihren mittelalterlichen Schnitzereien (oben Mitte) und reichen Innenausstattung (oben rechts) zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Sognefjord, Aurlandsfjord, Nærøyfjord, Stabkirche in Urnes

Der Sognefjord ist mit 204 Kilometern Europas längster Fjord und mit bis zu 1308 Metern der tiefste der Erde. Ziel der internationalen Kreuzfahrtschiffe, die diese tief in die Bergwelt eingeschnittene natürliche Wasserstraße befahren, und der Hurtigruten-Schiffe im Sommer ist der an einer Stelle nur 250 Meter schmale Seitenarm Nærøyfjord in Aurland. Er wird flankiert von bis zu 1800 Meter hohen Felswänden und wurde 2005 wegen seiner land-

schaftlichen Schönheit in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen. Die als UNESCO-Weltkulturerbe ausgewiesene Stabkirche von Urnes am inneren Ende des Sognefjords steht in unmittelbarer Nachbarschaft der höchsten Berge Skandinaviens. Die zwölfmastige Stabkirche von Borgund befindet sich am Fuß der imposanten Bergkulisse in den Wiesen des Lærdal, dem vom Sognefjord Richtung Fillefjell führenden Tal.

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Leuchtturm Stabben Fyr (kleines Bild oben) bei Florø, der zwischen den Ausmündungen von Sogne- und Nordfjord gelegenen westlichsten Stadt Norwegens; ihr Hafen ist der erste Hurtigruten-Anleger ab Bergen. Der Leuchttum Kråkenes Fyr an der Nordwestspitze der Insel Vågsøy steht an

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der angeblich stürmischsten Stelle Norwegens (großes Bild). An der Westküste der Insel hat die See bizarre Felsformationen aus dem EklogitGestein gewaschen, darunter das Naturdenkmal »Kannesteinen« (kleines Bild unten), einen Pilzfelsen in der Bucht Kvalheimsvika bei Oppedal.

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Florø, Måløy

Florø, der erste Hurtigruten-Anleger nördlich von Bergen, ist Norwegens westlichste Stadt. Der zwischen den Ausmündungen von Sogne- und Nordfjord gelegene 10 000Seelen-Ort wurde 1860 gegründet wegen seiner reichen Heringsfanggründe und führt das »Silber des Meeres« auch im Wappen. Der nächste Hurtigruten-Hafen ist Måløy in der Inselgemeinde Vågsøy an der Mündung des Nordfjords. Wie in Florø sind die meisten Einwohner im

Fischfang tätig oder auf der Werft beschäftigt, Måløy zählt neben Ålesund und Tromsø zu den größten Fischereigemeinden Norwegens. Eine Besonderheit ist die 1224 Meter lange Måløy-Brücke über den Ulvesund: Bei bestimmten Windstärken erklingt ein »hohes C«. Måløy ist der westliche Endpunkt der Reichsstraße 15 am Nordufer des Nordfjords und längs des bis zu 514 Meter tiefen Hornindalsvatn, Europas tiefstem Binnensee.

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Faszination Erde - Hurtigruten  

Faszination Erde - Hurtigruten