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Sie ist zwar klein und lediglich ein Binnenmeer, doch die Naturschönheiten an ihren Ufern und die kulturelle Vielfalt ihrer Anrainer machen die Ostsee zu einem großen Erlebnis. Wer einmal den Sonnenaufgang an Rügens Küste oder die »Weißen Nächte« in St. Petersburg erlebt hat, wird Sehnsucht nach mehr bekommen. Das sommerliche Vergnügen an den endlosen Sandstränden in Polen, Schweden oder den Baltischen Staaten ist nur ein Höhepunkt von vielen. Auf relativ engem Raum mischen sich unberührte Landschaften mit dem Charme pulsierender Städte: eine Region, bestimmt durch spannende Kontraste. Dieser Bildband aus der Reihe »Faszination Erde« zeigt die ganze Vielschichtigkeit der gesamten Ostseeregion in spektakulären Farbbildern – vielfach im Panoramaformat – und informativen Texten. Den umfangreichen Bildteil ergänzen speziell entwickelte Reisekarten, die über die geografischen Details hinaus ein ausführlich dargestelltes Verkehrsnetz und viele touristische Hinweise bieten. Ein abschließendes Register mit Internetadressen ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte in den Karten aufzufinden und weitere aktuelle Informationen abzurufen.

€ (D) 19,95 / € (A) 20,60

ISBN 978-3-89944-722-4

FASZINATION ERDE

FASZINATION ERDE

DIE OSTSEE

DIE OSTSEE

DIE OSTSEE FASZINATION ERDE


Im Mittelalter stieg die von D채nen gegr체ndete Stadt Tallinn an der Ostsee zu einem Zentrum der Hanse auf. Von der einstigen Bl체tezeit zeugen noch viele Kaufmannsh채user und Kirchen.


FASZINATION ERDE

DIE OSTSEE


Holzhausidylle mit Bootssteg – ein schönes Klischee des Ostseeraums, das oft zutrifft. Darüber hinaus halten die Länder rund um das nordeuropäische Binnenmeer aber so manche Überraschung bereit.


ZU DIESEM BUCH

»... dieses zärtliche und träumerische Spielen mit dem weichen Sande, der nicht beschmutzt, dieses mühe- und schmerzlose Schweifen und Sichverlieren der Augen über die grüne und blaue Unendlichkeit hin, von welcher, frei und ohne Hindernis, mit sanftem Sausen ein starker, frisch, wild und herrlich duftender Hauch daherkam …« Thomas Mann, aus Die Buddenbrooks

Wer nur ein Stück der Ostseeküste kennt, der kennt sie noch lange nicht ganz. Mit Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Deutschland hat das kleine Binnenmeer relativ viele Anrainer. Entsprechend abwechslungsreich sind die Impressionen, die einem Küstenreisenden in den Sinn kommen. Doch »die« Ostseeküste hat auch Gemeinsamkeiten: Zum einen ist es die jüngere Erdgeschichte mit der letzten Eiszeit, zum anderen ist es der Bund der Hanse. Der Eiszeit ist es zu verdanken, dass die Ostsee mit ihrer faszinierenden Küste überhaupt existiert. Vor rund 12 000 Jahren begannen die abschmelzenden Gletscher, den Hohlraum der späteren Ostsee mit ihrem Wasser aufzufüllen. An den Rändern entwickelten sich die typischen Küstenformen, wie sie heute noch bestaunt werden können: das Kliff der dänischen Insel Møn und die Kreidefelsen von Rügen, die Schären vor Stockholm, das zu Litauen und Russland zählende Kuhrische Haff und die Kieler Förde. Die Landschaften und die Ostsee selbst werden von Vögeln, Fischen und anderen Tieren belebt, von denen einige nur hier die für sie passende Nische gefunden haben. Auch der Mensch hat seit Jahrtausenden Spuren hinterlassen. Der an der Ostseeküste gefundene Bernstein gelangte bereits in der Antike bis in den hintersten Winkel des Römischen Reichs. Für die Wikinger war die Ostsee ebenso selbstverständlicher Handelsweg, wie sie es später für die mittelalterlichen Kaufleute der Hanse wurde. Diesen unermesslichen Reichtum der Geschichte und Kultur gilt es zu entdecken. Dabei finden sich in jedem Land Kleinode, so die Holzhäuser im schwedischen Gammelstad oder das an Kopernikus erinnernde polnische Frombork. An der Ostseeküste liegen aber auch pulsierende Metropolen, allen voran St. Petersburg, Riga, Kopenhagen und Stockholm. Schon der kurze Blick auf einige der Höhepunkte der Region macht deutlich: Die Ostsee ist mehr als nur eine große »Badewanne« für Erholungssuchende. Ein einzelnes Leben reicht nicht aus, um auch die letzte Facette des Edelsteins namens Ostseeküste zu entdecken.


Gletscher der letzten Eiszeit haben die Küstenlandschaften der Ostsee geschaffen. Wer die spröde Kargheit mancher Landschaft erlebt hat, wird ihr im Zweifel ewig verfallen bleiben.

DÄNEMARK Fünen, Ærø, Langeland Hans Christian Andersen Schloss Egeskov Dänemarks Brücken Kopenhagen: Hafen Kopenhagen: Amalienborg, Frederikskirche Kopenhagen: Rosenborg Kopenhagen: Christiansborg, Börse, Nikolajkiche Kopenhagen: Rathaus, Glyptothek, Tivoli Seeland: Frederiksborg Seeland: Kronborg Seeland: Roskilde Møn Bornholm SCHWEDEN Malmö, Lund Blekinge Karl XI. von Schweden

10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36

40 42 44

Kalmar Öland Gotland: Visby Gotland: Raukar Stockholm: Gamla Stan Stockholm: Königspalast, Parlament, Rathaus Stockholm: Vasamuseum Stockholm: Schärengarten Schloss Drottningholm Strängnäs, Mariefred, Schloss Gripsholm Uppsala Höga Kusten Ostseefische Gammelstad

46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72

FINNLAND Finnische Westküste Rauma Turku Turku-Archipel

76 78 80 82

Åland Helsinki: Dom, Senatsplatz Jean Sibelius Helsinki: Uspenski-Kathedrale RUSSLAND/ST. PETERSBURG Winterpalast, Eremitage Newskiprospekt, Kasaner Kathedrale Admiralität, Isaak-Kathedrale Festung Peter und Paul Peter der Große Akademien Alexander Puschkin Oktoberrevolution Smolny-Kloster Lomonossow Peterhof, Weiße Nächte Zarskoje Selo Bernsteinzimmer Katharina die Große Pawlowsk

84 86 88 90

94 96 98 100 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122


INHALTSVERZEICHNIS

ESTLAND, LETTLAND, LITAUEN, RUSSLAND Tallinn Lahemaa-Nationalpark, Soomaa-Nationalpark Pärnu Saaremaa Riga Riga: Jugendstil Schloss Rundales Kurland Klaipėda Kurische Nehrung Bernstein Kaliningrad

128 130 132 134 136 138 140 142 144 146 148

POLEN Park Krajobrazowy Mierzeja Wiślana Frombork Nikolaus Kopernikus Danzig (Gdańsk) Danzig: Rechtstadt

152 154 156 158 160

126

Danzig: Hafen Marienburg Gdingen, Zoppot Słowiński Nationalpark Stettin (Szczecin) DEUTSCHLAND Usedom: Naturpark, Schloss Mellenthin Usedoms Kaiserbäder Peenemünde Kap Arkona Rügen: Nationalpark Jasmund Rügen: Binz, Sellin, Baabe Rügen: Biosphärenreservat Ostrügen Fischfang in der Ostsee Hiddensee Stralsund Bunte Häuser, bunte Gärten Vorpommersche Boddenlandschaft Hansestadt Rostock Hanse Sail

162 164 166 168 170

174 176 178 180 182 184 186 188 190 192 194 196 198 200

Bad Doberan Wismar, Poel Die Hanse Schwerin Hansestadt Lübeck: Holstentor, Altstadt Hansestadt Lübeck: Trave, Alter Hafen Lübecker Bucht, Travemünde Fehmarn Holsteinische Schweiz, Plön Kiel Kieler Woche Nord-Ostsee-Kanal Schleswig Flensburg, Glücksburg Wikinger

202 204 206 208 210 212 214 216 218 220 222 224 226 228 230

Atlas Register, Webadressen Bildnachweis, Impressum

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Das kleine Dänemark ist das Land der großen Gegensätze: Mit Kopenhagen bietet es Stadtleben pur, so im Neuen Hafen »Nyhavn«, der sich im Laufe der Zeit zu einem quirligen Geschäfts- und Besucher-

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magnet entwickelt hat (großes Bild). Es lassen sich aber auch viele stille Winkel in den weiten Landschaften entdecken, beispielsweise auf der beliebten Insel Bornholm (kleines Bild).


DÄNEMARK

Der kleinste Anrainerstaat der Ostsee kann mit einer der größten Metropolen der Region aufwarten: Kopenhagen mit seiner Altstadt am Wasser. Doch nicht allein die Hauptstadt ist es, die Besucher aus aller Welt anzieht. Kulturbeflissene wissen ebenso den Dom von Roskilde, die Festung Kronborg oder Schloss Egeskov zu schätzen. Außerdem sucht die Vielfalt der Inselwelt mit ihren Naturschönheiten ihresgleichen. Erkundet werden kann sie dank zahlreicher Fähren und Brücken, über die Dänemark Kontakt zu den Nachbarn hält.

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Fast schon nicht mehr von dieser hektischen Welt scheint das Leben auf manchen dänischen Inseln zu sein. Auf dem kleinen Æerø sieht es aus wie in vergangenen Tagen, so in der »Märchenstadt« Ærøskøbing (großes Bild). Auch die Ortschaften im östlich gelegenen Langeland

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stehen dem in nichts nach (kleines Bild oben). Der große Nachbar Fünen wartet mit kleinstädtischem Flair und einem Leben inmitten der Natur auf. Dazu gehören Stockrosen, Blumenwiesen vor idyllischen Häusern sowie Gänse und Getreidefelder (Bilder rechts).


Fünen, Ærø, Langeland

Hans Christian Andersen bezeichnete seine Heimatinsel Fünen im 19. Jahrhundert als den »Garten Dänemarks«. Bis heute bestimmen weite Getreide- und Zuckerrübenfelder, bunte Obstgärten und friedlich weidende Kühe das Bild der nach Seeland zweitgrößten Insel Dänemarks. Zwischen den Feldern und Gärten erheben sich über 120 alte Herrenhäuser und Schlösser. Auch auf Ærø reihen sich schmucke Dörfer mit reetgedeckten Fach-

werkhäusern aneinander. Nur über Fähren ist die kleine Insel im Süden von Fünen zu erreichen. Zur Nachbarinsel Langeland gelangt man einfach über eine Brücke; die Insel ist schlicht nach ihrer Form benannt. Mit seinen zehn alten Mühlen und dem Mühlenmuseum im Tranekær Slot gilt Langeland zudem als Mühleninsel, entsprechend wartet der Hauptort Rudkøbing mit einer restaurierten Stadtmühle als Wahrzeichen auf.

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In der Altstadt von Odense erinnert das Hans-Christian-Andersen-Haus an das Leben und Werk des großen Dichters (kleines Bild und großes Bild rechts). Aus seiner Feder stammen so bekannte Märchen wie »Die kleine Meerjungfrau« und »Däumelinchen« (große Bilder).

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H A N S

C H R I S T I A N

»Mein Leben ist ein schönes Märchen, so reich und glücklich«, verkündete Hans Christian Andersen (1805–1875) in seiner Autobiografie. Doch so glücklich war das Leben des wohl bekanntesten Dichters und Schriftstellers Dänemarks nicht immer. Von seiner Kindheit in einer armen Odenser Schuhmacherfamilie bis zu seinem Leben

A N D E R S E N

als gefeierter und an König- und Fürstenhöfen gern gesehener Künstler durchschritt er einen wahren Dornenpfad. Hans Christian Andersen war gerade elf Jahre alt, als sein Vater starb. Drei Jahre später verließ er seine alkoholkranke Mutter und zog nach Kopenhagen, »um dort berühmt zu werden«. Schauspieler oder Sänger wollte er

werden und das am Königlichen Theater. Der schlaksige Junge kam über eine Statistenrolle nie hinaus. Doch fand er mit Jonas Collin, dem Finanzchef des Theaters, einen Gönner, der ihm Schulbildung und Studium ermöglichte. Damit war zumindest der Grundstein für die Karriere des talentierten Mannes gelegt. Rund 190 Märchen verfasste

Andersen im Laufe seines Lebens, zahlreiche Romane, Reisebücher und Gedichte. Sogar Libretti für Opern und Singspiele entsprangen seiner eifrigen Feder. Bis heute ziehen vor allem Andersens Märchen wie »Das hässliche Entlein«, »Des Kaisers neue Kleider« oder »Die Prinzessin auf der Erbse« Kinder aus aller Welt in ihren Bann.

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Die Türen von Schloss Egeskov stehen allen Besuchern offen, die neugierig auf die Schätze hinter den Mauern sind (kleines Bild). Im Gebäude sind Sammlungen untergebracht, die für jeden Geschmack etwas bereithalten. Von den Eichen, die das Fundament bilden und dem

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Schloss seinen Namen gaben, ahnen die meisten Gäste nichts. Sie zeigen sich fasziniert von der Anlage, die seit über 400 Jahren inmitten einer Wasserfläche trutzt (großes Bild). Wer wieder ins Freie gelangt, kann sich in der romantisch verwunschenen Gartenanlage entspannen.


Schloss Egeskov

Fünfzehn Jahre brauchte der Brite Sir Nevile Wilkinson, um dem Wunsch seiner Tochter entsprechend ein Puppenhaus für die Elfen zu errichten, die diese im Garten gesehen hatte. Der zimmergroße »Palast Titanias« ist rund einhundert Jahre alt und wird in einem nicht minder märchenhaften Gebäude im Süden der Insel Fünen ausgestellt: Schloss Egeskov zählt zu Europas am besten erhaltenen Wasserburgen. Ein ganzer Eichenwald – ein

»Egeskov« – soll verbaut worden sein, um mitten in einem See das Fundament der 1554 vollendeten Schlossanlage zu errichten. Seit 1967 birgt sie mehrere Museen. Die Sammlungen reichen von Oldtimern über Pferdewagen, einem Kaufmannsladen bis hin zu historischen Puppen. Der Schlosspark gilt als der schönste Garten Dänemarks, in dem Hunderte verschiedene Fuchsienarten wachsen. Einige Hecken sind rund 270 Jahre alt.

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Seit Menschengedenken konnte der Blick ungehindert durch den Øresund schweifen. Seit dem Jahr 2000 sind diese Zeiten vorbei. Die Betrachter mussten sich daran gewöhnen, dass sich die Øresund-Brücke vor den Horizont geschoben hat (großes Bild). Neben dem Giganten zeigt sich

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Dänemark noch reich an anderen Brücken: Zwei Jahre älter ist die Storebælt-Brücke zwischen Fünen und Seeland, die Lillebelt-Brücke überspannt den Kleinen Belt (unten, von rechts nach links). Die FarøBrücke verknüpft Seeland mit dem südlichen Falster (Bild oben).


D Ä N E M A R K S Für ein Land wie Dänemark, das aus über 400 Inseln besteht, sind Brücken ein wahrer Segen der Technik. Den größten Brückengiganten bildet die knapp 16 Kilometer lange Øresund-Verbindung, die seit 2000 das dänische Kopenhagen mit dem schwedischen Malmö verbindet. Die Konstruktion besteht aus einem vier Kilometer langen

B R Ü C K E N Tunnel, einer künstlichen Insel sowie der rund acht Kilometer langen Øresund-Brücke mit vierspurigem Autoverkehr. Kernstück ist die fast 1100 Meter lange Hochbrücke über den Øresund. Die nicht minder beeindruckende Konstruktion der StorebæltBrücke überwindet seit 1998 den Großen Belt zwischen Fünen und Seeland. Auch

hier bildet eine Hängebrücke das Herzstück, zwei jeweils drei Kilometer lange und 85 Zentimeter dicke Tragseile geben der »Königin der Brücken« ihren Halt. Zwischen den Pylonen spannen sich stolze 1624 Meter Fahrbahn bis zu 65 Meter hoch über die Wasserstraße, sodass auch die größten Schiffe mühelos passieren können.

Das jüngste Brückenprojekt befindet sich noch in der Planung: Die 19 Kilometer lange Fehmarnbelt-Brücke soll in Zukunft die dänische Insel Lolland mit der deutschen Insel Fehmarn verbinden. Das Bauwerk mit seinen 281 Meter hohen Brückenpfeilern soll einmal die längste Brücke Europas und die siebtlängste der Welt werden.

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Seit 1913 ziert die Uferpromenade von Kopenhagen das Werk des Künstlers Edvard Eriksen: »Die Kleine Meerjungfrau« (großes Bild). Die Statue ist ebenso beliebt wie ein abendlicher Bummel in den erleuchteten Gassen des Neuen Hafens (kleine Bilder). Andererseits scheint sie auch Feinde und Neider anzuziehen, denn schon oft musste das Fräulein von Farb- und Schlagangriffen befreit werden.

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Kopenhagen: Hafen

Paris gibt mit dem bombastischen Eiffelturm an, Rom ist seit Jahrhunderten stolz auf das bullige Kolosseum, Kopenhagen genügen 1,25 Meter Bronze als weltberühmtes Wahrzeichen: »Die kleine Meerjungfrau« nach einem Märchen von Hans Christian Andersen. Wohl kaum eine andere Skulptur bildet ein derart beliebtes Fotomodell wie »Lille Havfrue«. Einen Katzensprung entfernt öffnet sich der Øresund, die umgeben-

den Straßenzüge leben von der Atmosphäre des Hafens. Vom Hauptwasserarm Inderhavnen zweigt das Hafenbecken »Nyhavn« (Neuer Hafen) ab, das im Zentrum eines quirligen Viertels liegt. Am Wasser ziehen bunte Giebel die Blicke auf sich und erinnern an die Zeit, in denen Hans Christian Andersen dort lebte. Heute tummeln sich in den Gassen zahlreiche Restaurants und zu Rundfahrten einladende Ausflugsschiffe.

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Die wuchtige Kuppel der Frederikskirche stellt Schloss Amalienborg in den Schatten. Wenn nachts die Besucherströme versiegt sind und die Straßen Ruhe ausstrahlen, entfaltet sich die Klarheit der Architektur in besonderem Maße (großes Bild). An den Ecken des

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Schlossplatzes stehen die Palais Levetzau, Brockdorff, Moltke und Schack. Das Zentrum der Anlage wird von der Reiterstatue Frederiks V. markiert (kleines Bild). Der Monarch regierte als König von Dänemark und Norwegen von 1746 bis zu seinem Tod 20 Jahre später.


Kopenhagen: Amalienborg, Frederikskirche

Nur einen Steinwurf von der »Kleinen Meerjungfrau« entfernt liegt im Süden Schloss Amalienborg, eine der Residenzen von Dänemarks Königin Margarethe II. Der Gebäudekomplex aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist kein typisches Schloss. Er besteht vielmehr aus vier Palais, die sich um einen achteckigen Platz gruppieren. Die prunkvoll geschmückten Fassaden gelten als Höhepunkt des dänischen Barocks. Besucher sollten auf die

Flagge achten: Ist sie gehisst, ist die Königin zugegen. Um zwölf Uhr kann der beeindruckende Wachwechsel der Garden mit ihren großen Fellmützen bestaunt werden. Überragt wird die Szenerie von der Frederikskirche, die von 1740 bis 1894 errichtet wurde und wegen ihres Baumaterials auch Marmorkirche genannt wird. Als Vorbild diente der Petersdom in Rom, entsprechend zählt die 45 Meter hohe Kuppel zu den größten Europas.

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Schloss Rosenborg ist eine besondere Perle der Renaissance und bereichert Kopenhagens Architektur bereits seit rund 400 Jahren (Bild rechts). Erst seit etwas über 150 Jahren kann sich auch das gemeine Publikum vom Inneren der ehemaligen Residenz inspirieren lassen. Jeder der prachtvollen Räume zeigt sich den Ansprüchen eines an überbordenden Luxus gewöhnten Königs würdig (Bilder unten).

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Kopenhagen: Rosenborg

Auf der Karte von Kopenhagens Innenstadt fällt eine große, fast quadratische Grünfläche ins Auge: der streng geometrisch angelegte Park von Schloss Rosenborg. Das Gebäude selbst ließ sich König Christian IV. ab 1606 als Sommersitz errichten, die Bauzeit nahm rund zwei Jahrzehnte in Anspruch. Das Ergebnis kann sich bis heute sehen lassen, Schloss Rosenborg gilt als herausragendes Beispiel der niederländischen Renaissancearchitektur.

Als saisonale Residenz wurde es recht schnell ausrangiert, um 1710 empfand es der Urenkel des Erbauers, König Frederik IV., als nicht mehr zeitgemäß. Statt des Königs beherbergte Schloss Rosenberg nun die königlichen Sammlungen. Für das allgemeine Publikum wurden die Türen jedoch erst 1838 geöffnet. Als größter Schatz gelten heute die Kronjuwelen, mit denen sich seit 1746 die regierende Königin schmücken durfte.

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Für einen Kirchenmann ist die Reiterstatue von Bischof Absalon am Højbro Plads im Schatten der Nikolajkirche recht kriegerisch ausgefallen (großes Bild). Ganz in der Nähe liegt die Börse mit ihrem markanten Turm, direkt benachbart die Christiansborg, dessen Inneres von der Pracht vergangener Zeiten zeugt (kleine Bilder, von links nach rechts).

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Kopenhagen: Christiansborg, Börse, Nikolajkirche

Die Spuren der dänischen Geschichte und Politik können Besucher am besten vor Schloss Christiansborg auf der innerstädtischen Insel Slotsholmen aufzuspüren. Das Gebäude stammt zwar erst vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Die zahlreichen Vorgängerbauten reichen jedoch bis ins 12. Jahrhundert zurück, als Erzbischof Absalon mit einem Kloster die Keimzelle der Stadt schuf. Heute residieren das Parlament, der Oberste Gerichtshof und

der Premierminister in Schloss Christiansborg. An der benachbarten Börse werden keine Wertpapiere mehr gehandelt. Der Renaissancebau fällt durch einen Turm aus ineinander verdrehten Drachenschwänzen auf. Auch die nördlich liegende Nikolajkirche dient nicht mehr ihrer ursprünglichen Bestimmung. Seit 1957 ist sie ein Zentrum für Liebhaber zeitgenössischer Kunst, die sich an den Wechselausstellungen der Kunsthalle erfreuen.

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Kopenhagen bietet seinen Einwohnern eine Einrichtung, die von vielen Gästen mit neidvollen Blicken betrachtet wird: Der Freizeitpark Tivoli garantiert Kirmesvergnügen über das ganze Jahr – am Eingang beäugt von einer Statue des Nationaldichters Hans Christian Andersen

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(Bilder unten). Liebhaber der Stille lassen ihre Seele dagegen hinter den beschützenden Mauern der nahe gelegenen »Ny-Carlsberg«-Glyptothek baumeln. Nur einen Steinwurf entfernt: das rund ein Jahrhundert alte Rathaus mit Drachenbrunnen (kleine Bilder, von rechts).


Kopenhagen: Rathaus, Glyptothek, Tivoli

Das Herz der Stadtpolitik schlägt in Kopenhagens Rathaus, das an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbaut wurde. Wer den Überblick über das Programm seiner Stadtbesichtigung behalten möchte, sollte den Weg auf den Turm nicht scheuen. Mit seinen 106 Metern ist er der höchste Turm des Landes. Von dort oben fällt der Blick auf den benachbarten Tivoli: Der Freizeit- und Vergnügungspark wurde 1843 eröffnet und gehört

damit zu den ältesten Einrichtungen seiner Art. Auf Achterbahnen und Karussells sowie in Restaurants und Theatern vergnügen sich Jung und Alt auf dem Gelände, auf dem sich auch ein See befindet. Ruhigere Gemüter finden ihr Vergnügen eher in der »Ny-Carlsberg«-Glyptothek, die durch eine Straße vom Tivoli getrennt liegt. Die 1888 gestiftete Sammlung des Museums bietet heute antike wie moderne Skulpturen.

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Die Backsteinfassade des Wasserschlosses Frederiksborg ist mit allegorischen Figuren geschmückt, von denen Neptun mit seinem Dreizack besonders auffällt (großes Bild). Außen am Gebäude dominieren Türme (kleines Bild links), innen präsentiert das Nationalhistorische Museum in prunkvollen Sälen seine reichhaltigen Sammlungen (kleines Bild rechts).

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Seeland: Frederiksborg

Anfang des 17. Jahrhunderts erbaute König Christian IV. in Hillerød auf Seeland ein prächtiges Wasserschloss. Der dabei verwendete Stil mit Dreiecksgiebeln und roten Backsteinmauern wird bis heute als »Christian-IV.Stil« bezeichnet. Die Anlage erstreckt sich über drei Inseln im Frederiksborgsee, das dreiflügelige Hauptschloss thront auf der nördlichsten Insel. Zwischen 1660 und 1849 ließen sich alle dänischen Herrscher unter

dem Sternengewölbe der Schlosskapelle salben. Bis heute birgt die Kapelle die Wappenschilde der Träger des höchsten dänischen Ordens, des Elefantenordens. Auch die Träger des Dannebrogordens wurden hier verewigt. Nach einem Brand im Jahr 1859 finanzierte der dänische Industrielle Jacob Christian Jacobsen den Wiederaufbau des Schlosses und errichtete dort 1878 das erste Nationalhistorische Museum Dänemarks.

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So leicht, wie Schiffe heute die Festung Kronborg passieren, hatten es die Segler aus vergangenen Jahrhunderten nicht (kleines Bild). Bei der Einfahrt in den Øresund hatten sie Tribut zu zollen. Angesichts der dicken Mauern des Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert

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(großes Bild) kann Dänemarks Nationalheld Holger Danske getrost den Schlaf des Gerechten schlafen. 1907 schuf der Bildhauer Hans Peder Pedersen-Dan seine entsprechende Bronzeskulptur, die in Helsingør steht. Eine Version aus Gips befindet sich in der Festung (rechts).


Seeland: Kronborg

Auf einer Landzunge im Nordosten von Seeland erhebt sich weithin sichtbar die Festung Kronborg. Seit dem 15. Jahrhundert wurde von hier aus die Einfahrt in den Øresund bewacht und der berüchtigte Sundzoll erhoben. Unter König Frederik II. entstand im 16. Jahrhundert das heutige vierflügelige Renaissancegebäude. Ein Jahrhundert darauf wurde die Anlage zur stärksten Festung ihrer Zeit ausgebaut und diente als Gefängnis

und Kaserne. Seine weltweite Berühmtheit verdankt das Schloss William Shakespeare, der um 1600 seine Tragödiengestalt Hamlet auf Kronborg ansiedelte. Auch der skandinavische Held Holger Danske fand hier seine Heimat, der Sage nach soll er aus seinem tiefen Schlaf erwachen, wenn das dänische Königreich ernsthaft bedroht wird. Um dem vorzubeugen, steht seit 2000 das Schloss auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

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Auch wenn Roskilde wegen eines Konzertspektakels alljährlich von Rockfans heimgesucht wird, bleibt der Hauptanziehungspunkt der Dom der Stadt (kleines Bild). Er war Vorbild für die zahlreiche Backsteinkirchen, die später entlang der Ostseeküste entstanden. Das karge

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Äußere des Gotteshauses und die weiße Gestaltung des Mittelschiffs (links) stehen im Gegensatz zum überbordenden Schmuck der Kapelle von Christian IV., der von 1588 bis 1648 regierte. Die Särge befinden sich allerdings erst seit 1866 in der Kapelle (große Bilder).


Seeland: Roskilde

Nicht weniger als 38 dänische Königinnen und Könige haben im roten Backsteindom von Roskilde ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der Bau der größten Kirche Dänemarks begann 1170 im romanischen Stil, 1280 wurde er im gotischen Stil vollendet. Die beiden Westtürme stammen aus dem 14. Jahrhundert; ihre schlanken, mit Kupfer verkleideten Helme aus dem 17. Jahrhundert. Gleich mehrmals musste das Gotteshaus um weitere Mauso-

leen vergrößert werden. Weitaus ältere Kunstwerke hat der flache Fjord von Roskilde freigegeben: Bereits 1962 fand man hier fünf Wikingerschiffe aus dem 11. Jahrhundert, denen mit dem Wikingerschiffsmuseum ein würdiger Raum geschaffen wurde. In den 1990er-Jahren entdeckten Archäologen weitere Schiffswracks. Berühmt ist die Stadt der Könige und Wikinger im Ausland jedoch vor allem durch ihr jährlich stattfindendes Rockfestival.

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