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Der kleinste Kontinent und doch das flächenmäßig sechstgrößte Land der Erde. Australien beeindruckt durch seine Gegensätze und seine Vielfalt: endlose Wüsten und Salzseen, mächtige Inselberge und bizarre Gebirgsformationen, tropischer Regenwald im Norden und Wintersportgebiete im Süden, kilometerlange Traumstrände und das größte Korallenriff der Erde. Lebhafte, moderne Metropolen kontrastieren mit der endlosen Weite des Outback, glitzernde Skylines mit den Heiligtümern der Aborigines. Hinzu kommen eine faszinierende Flora und Fauna, die es dank der isolierten geografischen Lage nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Dieser Bildband aus der Reihe »Faszination Erde« zeigt die ganze Vielschichtigkeit Australiens in spektakulären Farbbildern – vielfach im Panoramaformat – und informativen Texten. Den umfangreichen Bildteil ergänzen speziell entwickelte Reisekarten, die über die geografischen Details hinaus ein ausführlich dargestelltes Verkehrsnetz und viele touristische Hinweise bieten. Ein abschließendes Register mit Internetadressen ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte in den Karten aufzufinden und weitere aktuelle Informationen abzurufen.

€ (D) 19,95 / € (A) 20,60

ISBN 978-3-89944-713-2

FASZINATION ERDE

FASZINATION ERDE

AUSTRALIEN

AUSTRALIEN

AUSTRALIEN FASZINATION ERDE


Australiens rotes Herz: Das üppige Wachstum an seiner Basis und die regennassen Felsen des Uluru (Ayers Rock) täuschen: Der Monolith und heilige Berg der AnanguAborigines liegt inmitten einer kargen Halbwüste mit extremen

Temperaturen und äußerst seltenen Niederschlägen (200 mm im Jahresmittel). Der wenige Regen sammelt sich auf der zerklüfteten Oberfläche des Arkose-Sandsteinmassivs, dessen rote Farbe auf seinen hohen Eisengehalt hindeutet.


FASZINATION ERDE

AUSTRAliEN


Ein Clownfisch versteckt sich in den nesselnden Tentakeln einer Seeanemone am Great Barrier Reef. Das größte und mit mehr als 2000 Kilometern längste Korallenriffsystem der Erde formt den Lebensraum von mehr als 1500 Fischarten. Es besteht

aus fast 3000 Einzelriffen und Koralleninseln – ein Organismus, der nur dann lebensfähig ist, wenn die zu Abertausenden das Riff bildenden Polypen mit den in ihrem Zellgewebe eingelagerten Algen eine Symbiose eingehen.


ZU DIESEM BUCH

Das Outback umfasst etwa sieben Millionen Quadratkilometer und damit einen Großteil des Kontinents – der Rest beträgt weniger als eine Million Quadratkilometer. Es ist aber nicht nur ein geografischer Begriff, sondern ein Seelenzustand: »Wenn es etwas typisch Australisches gibt, das uns identifiziert, als Individuum und als Ganzes ..., dann ist es die undefinierte Weite, weltweit bekannt als das Outback«, schrieb der Journalist Paul Myers.

Geologisch gesehen gehört Australien zu den ältesten Landmassen der Erde: Seit 50 Millionen Jahren schleift und feilt die Erosion am Land. Endlose Savannen, riesige Wüsten, gleißende Salzseen und uralte Rumpfgebirge formen aride und semiaride Landschaften, das Outback. Der nach der Antarktis trockenste Kontinent umfasst aber mehr als Wüste und Savanne. An der Ostküste zieht sich über 2000 Kilometer das Great Barrier Reef entlang, ein lebendes Wunderwerk und eines der größten, vielseitigsten Ökosysteme der Erde. Dort, wo die Great Dividing Range die Feuchtigkeit vom Meer abbremst und kondensieren lässt, wachsen Regenwälder – je nach Breitengrad und Höhenlage von tropisch bis kühl temperiert. Im Südosten des Kontinents fällt jedes Jahr Schnee. Noch weiter im Süden, in Tasmanien, sind die Wiesen oft grün und saftig, das Klima ist gemäßigt und mit dem in Mitteleuropa zu vergleichen. Flora und Fauna Australiens bilden das Erbe des einstigen Superkontinents Gondwana, von dessen Resten sich Australien vor rund 50 Millionen Jahren loslöste. Seitdem driftet der Kontinent als gigantische Insel Richtung Norden – ohne Kontakt zum Rest der Welt und damit ohne Einflüsse von Außen. Die atemberaubende Vielfalt des Inselkontinents zeigen wir Ihnen zuerst in geografisch gegliederten Bildkapiteln. Der Atlasteil hilft Ihnen dabei, die jeweiligen Sehenswürdigkeiten zu finden, und das abschließende Register, das die Bildbandund Atlasseiten miteinander verknüpft, enthält die wichtigsten Internetadressen zur weiteren Orientierung. All das soll Ihnen behilflich sein, Australien in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu entdecken.


Palmwedel hängen über dem glasklaren Wasser des Wanggoolba Creek im Inneren der als UNESCOWeltnaturerbe geschützten Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt.

»In meiner Kindheit hörte ich das Wort ›Australien‹ nie,

NORTHERN TERRITORY

ohne dass ich an die Eukalyptusdämpfe des Inhalier-

Darwin, Kakadu National Park

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apparats und an ein endloses, von Schafen bevölkertes

Traumpfade – die Welt ins Dasein singen

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rotes Land denken musste … Von meiner Großtante

Arnhem Land

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Windjana Gorge National Park

38

Ruth wusste ich außerdem, dass Australien das Land

Krokodile: »Salties« und »Freshies«

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Wolfe Creek Meteorite National Park

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war, wo die Menschen mit dem Kopf nach unten gin-

Litchfield National Park,

Karijini National Park

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Ningaloo Reef Marine Park, Shark Bay

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gen. Ein Loch, von England geradeaus durch die Erde gebohrt, würde unter ihren Füßen aufplatzen. ›Warum fallen sie nicht um?‹ fragte ich. ›Schwerkraft‹, flüsterte sie.« Bruce Chatwin, »Traumpfade«

Nitmiluk National Park

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West MacDonnel Ranges, Kings Canyon,

Kimberly Coast

34

Rodeos: starke Männer – und Frauen! – braucht das Land

36

Perth

46

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Leeuwin-Naturaliste National Park

48

Uluru und Kata Tjuta National Park

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Auf Schienen kreuz und quer durch Australien

50

Aborigines: ursprüngliches Leben in Australien

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Simpson Desert National Park

26

SOUTH AUSTRALIA

52

Kängurus und andere Beuteltiere

28

Chamers Pillar

Coober Pedy

54

Cattle Drive

56

WESTERN AUSTRALIA

30

Lake Eyre

58

Purnululu National Park

32

Flinders Ranges National Park

60


INHALTSVERZEICHNIS

Eyre Peninsula

62

NEW SOUTH WALES

90

TASMANIEN

118

Adelaide

64

Byron Bay

92

Flinders Island

120

Kangaroo Island

66

Die Regenwälder der Ostküste

94

Tasmaniens Ostküste

122

Sydney

96

Tasmanian Wilderness World Heritage Area

124

Cradle Mountain – Lake St. Clair

QUEENSLAND

68

Boodjamulla (Lawn Hill) National Park

70

Great Barrier Reef

72

Blue Mountains

100

Korallenriffe: ein Wunder der Natur

74

Koala: das australische Symboltier

102

AUSTRALIENS FERNE INSELN

128

Wet Tropics National Park

76

South Coast

104

Cocos (Keeling) Islands

130

Hinchinbrook Island National Park

78

White Cliffs

106

Lord Howe Islands

132

Whitsunday Islands

80

Mungo National Park

108

Heron Island

82

Fraser Island

84

VICTORIA

110

Atlas

134

Brisbane

86

Melbourne

112

Register, Webadressen

154

Gold Coast, Surfer’s Paradise

88

Grampians National Park, Mount Buffalo

114

Great Ocean Road

116

Fröhlich und bunt: Sydneys Gay and Lesbian Mardi Gras

98

National Park

126


Der Mond leuchtet 端ber den Devils Marbles. Die Ansammlung gewaltiger Granitkugeln liegt in der Devils Marbles Conservation Reserve etwa 104 Kilometer s端dlich der Stadt Tennant Creek. Die Devils Marbles

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Australien | Northern Territory

oder Karlukarlu werden von den lokalen Aborigines als die Eier der mystischen Regenbogenschlange angesehen, die f端r viele Ureinwohner am Anfang ihrer Sch旦pfungsgeschichte steht.


NORTHERN TERRITORY

Wüstenhafte Hitze im ariden »Red Centre«, sturzbachartige Monsun-Regenfälle im tropischen »Top End« verhinderten lange die Besiedlung des insgesamt 1 346 200 Quadratkilometer großen Northern Territory, in dem auch heute nur etwa 200 000 Menschen leben. Ein Viertel davon sind Aborigines, die anders als die weißen Städter in Darwin und Alice Springs auf eine mindestens 40 000 Jahre alte Geschichte zurückblicken können – auf Traumpfaden unterwegs zu den Manifestationen einer beseelten Natur.

Northern Territory | Australien

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Darwin, die Hauptstadt des Northern Territory, ist Ausgangspunkt einer grandiosen Reise zu den Wundern der Natur – etwa zum Kakadu National Park, wo mangrovengesäumte Gezeitenbäche bei Ebbe in den Schlammflächen der Küstenregion auffällige Muster bilden.

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Australien | Northern Territory


Darwin, Kakadu National Park

1839 nannte der Kapitän J. C. Wickham den gerade entdeckten Naturhafen zu Ehren des Naturforschers Charles Darwin Port Darwin. Der eigentliche Ort entstand erst 30 Jahre später, nachdem rund 200 Kilometer südlich, bei Pine Creek, Gold gefunden wurde. Die Cullen Bay Marina (obere Reihe) mit zahlreichen Restaurants und Shops gehört zu den neueren Attraktionen der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde und im

Dezember 1974 eine verheerende Naturkatastrophe, den mit mehr als 260 Stundenkilometern wütenden Hurrikan Tracy überstehen musste. Von Darwin aus gibt es organisierte Touren in den Kakadu National Park, der nach dem Gagadju-Stamm der noch heute hier lebenden Aborigines benannt und UNESCO-Weltnatur- sowie -kulturerbe ist. Weltweites Aufsehen erregten Mitte des 20. Jahrhunderts die Funde etwa 30 000 Jahre alter Steinwerkzeuge.

Northern Territory | Australien

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Auffallend an den Felsbildern der Aborigines im Kakadu National Park (rechts: der Nourlangie Rock) ist der so genannte »Röntgenstil«, mit dem nicht nur der sichtbare Körper, sondern auch Teile des Skeletts und der Organe dargestellt werden. Sie zeugen von den Legenden und Mythen der Traumzeit. So zeigt etwa die Figur

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Australien | Northern Territory

auf dem großen Bild oben rechts »Namarrkun«, den »Lightning Man«. Er trägt einen Blitz über seinen Schultern und erzeugt Donner in den Wolken mit Steinbeilen, die an seinen Knien, Ellbogen und am Kopf befestigt sind. Das Bild ist ein Ausschnitt des letzten großen Felsgemäldes, das im Jahr 1964 im Kakadu gefertigt wurde.


T R A U M P F A D E

D I E

W E LT

I N S

Als die Erde noch kahl war und leer, zogen die Schöpferischen Ahnen der Aborigines durch das Land und träumten in der Nacht von den Abenteuern des nächsten Tages. Indem sie ihre Träume in die Tat umsetzten, schufen sie alle Erscheinungen des Lebens als bis heute gültigen Ausdruck der ursprünglichen Schöpfungskraft. Für die

Aborigines ist das Leben ein langer metaphorischer Fluss oder Bewusstseinsstrom – die sichtbare Welt wird nicht getrennt betrachtet von der unsichtbaren, der Zugang zur äußeren Welt der Dinge entspricht dem zur inneren des Ichs. In den Geschichten der Traumzeit bewahren sie sich das Bild einer ganzheitlichen Welt – sie auszubeuten

D A S E I N

S I N G E N

hieße sich selbst auszubeuten. Deshalb soll ihr Land so unberührt bleiben wie in der Traumzeit, als ihre Ahnen die Welt ins Dasein sangen: Für jeden Stamm gibt es einen universalen Vater, mit dem sie in ihren Träumen verbunden sind. Auf ihrer Reise durch das Land streuten die mythischen Vorfahren eine Spur von Wörtern oder Noten aus –

»Traumpfade« oder »Songlines«, die als unsichtbare Linien den gesamten Kontinent durchziehen und wie eine Partitur gelesen werden konnten. Wer das Lied seiner Ahnen kannte, fand immer seinen Weg, und solange er sich daran hielt, fand er auch immer Menschen, die seinen Traum teilten, die in Wirklichkeit seine Brüder waren.

Northern Territory | Australien

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Der Aborigine Guruman vom Saltwater Volk am Cape Arnhem. Die Aborigines glauben an eine beseelte Natur: Bruce Chatwin beschrieb sie als ein Volk, »das auf leichten Füßen über die Erde schritt; und je weniger sie der Erde wegnahmen, umso weniger mussten sie ihr zurückgeben«.

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Australien | Northern Territory


Arnhem Land

Das Arnhem Land umfasst praktisch die gesamte Ostspitze des Northern Territory und bildet mit seinen rund 97 000 Quadratkilometern Fläche Australiens größte Aboriginal Reserve. Innerhalb des Reservats, das nur mit einer Genehmigung der Ureinwohner besucht werden darf, findet man eine Region von überwältigender Schönheit und Vielfalt. Nirgendwo sonst in Australien blieb die Kultur der Aborigines so intakt wie hier. Das

Reservat wurde im Jahr 1931 etabliert; mit dem Aboriginal Land Rights Act aus dem Jahr 1976 können die Aborigines wieder selbst über ihr Land bestimmen. Dadurch konnte die tropische Wildnis dieser Region nahezu unbeschädigt erhalten bleiben. Gefährdet wird diese Region heute nicht mehr durch Gewehre und europäische Krankheiten, sondern durch Alkohol und andere Drogen sowie durch die Verlockungen der westlichen Zivilisation.

Northern Territory | Australien

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»Saltie« schnappt nach allem, was seinen Weg kreuzt. Es beißt blitzschnell zu, dreht sich um die eigene Längsachse, reißt das Opfer zu Boden und zieht es ins Wasser zur »Todesrolle«: In wilden Pirouetten rotiert das Krokodil mit seinem unglücklichen Opfer, bis dieses ertrinkt oder – von Bissen auseinandergerissen – verblutet.

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Australien | Northern Territory


K R O K O D I L E : Das Leisten- (wegen der Doppelreihe leistenartig angeordneter Höcker auf der Oberseite seiner langen Schnauze) oder Salzwasserkrokodil (Crocodylus porosus) ist nicht nur das größte heute lebende Reptil, sondern auch die – neben dem in Afrika beheimateten Nilkrokodil – aggressivste, am meisten gefürchtete Panzerechse der Erde.

» S A LT I E S «

U N D

Während der Regenzeit dringen die Tiere bis weit ins Landesinnere vor – Vorsicht ist also nicht nur an Küstengewässern, sondern auch an Flüssen und Wasserlöchern geboten. Seit den 1980er-Jahren sind die urzeitlichen Reptilien geschützt; seither stieg ihre Zahl stark an. Sie erreichen regelmäßig eine Länge von fünf, gelegentlich bis zu sieben Metern

» F R E S H I E S «

und sind wahre Hungerkünstler: Vom körpereigenen Fett zehrend, können sie den Stoffwechsel so stark senken, dass das Herz nur noch dreimal in der Minute schlägt. So kommen die in Australien auch »saltie« genannten Tiere monatelang ohne Futter aus, sind dann aber immer noch kräftig genug, explosionsartig anzugreifen. Das Süßwas-

serkrokodil (Crocodylus johnsoni), in Australien auch »freshie« genannt, ist im tropischen Norden, vor allem im Bereich des McKinley River im Northern Territory beheimatet. Mit seiner langen Schnauze kann es bis zu drei Meter lang werden; die Tiere gelten aber als sehr scheu, und Angriffe auf Menschen sind bislang nicht bekannt.

Northern Territory | Australien

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Die Katherine Gorge (rechts) gehört zu den Hauptattraktionen im Nitmiluk National Park. Im Litchfield National Park recken die »magnetischen« Termitenhügel ihre Schmalseite der Sonne entgegen, in den Felsbecken der Wangi Falls darf gebadet werden.

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Australien | Northern Territory


Litchfield National Park, Nitmiluk National Park

Litchfield: Auf einer Fläche von insgesamt 65 700 Quadratkilometern stürzen Wasserfälle aus dem Sandsteintableau der Tabletoprange in Schluchten mit natürlichen Badepools, findet man tropische Regenwaldareale, offenen Eukalyptuswald und »magnetische« Termitenhügel, die wie Stelen aus dem ebenen Boden ragen und deren akkurate Nord-Südausrichtung Grund dafür ist, dass nur ihre Schmalseite das gleißende Mittagslicht »anzieht«.

Nitmiluk: Der rund 1800 Quadtratkilometer große Nationalpark lockt mit einem überwältigend schönen Flussund Schluchtensystem, dessen rotbraune Felswände einen auffälligen Kontrast bilden zu den grünen Palmfarnen und Eukalyptenrinden. Am besten erkundet man den Park vom Wasser aus. Seit dem Jahr 1988 gehört er wieder den Jawoyn, den Nachfahren der einst in diesem Gebiet ansässigen Ureinwohner.

Northern Territory | Australien

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Von Alice Springs aus zu den Wundern der Natur: Der etwa 250 Kilometer lange Larapinta Trail (rechte Seite oben mit dem Todd River) führt durch die West MacDonnell Ranges (rechte Seite unten) bis auf den 1380 Meter hohen Mount Sounder, größtenteils als Wildnispfad. Die Felsabstürze im

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Australien | Northern Territory

Kings Canyon (oben links) verwitterten in Millionen Jahren. Das üppig blühende Grün der Schlucht weiß auch der Kakadu (oben rechts) zu schätzen. Das Kängurujunge wurde in der Gegend um Chambers Pillar aufgenommen, ebenso der auffällig erodierte Felsendom (rechte Seite Mitte).


West MacDonnell Ranges, Kings Canyon, Chambers Pillar

Alice Springs ist mit seinen etwa 25 000 Einwohnern das einzige städtische Zentrum in der geografischen Mitte des Kontinents. Bruce Chatwin erlebte die Stadt als ein »Netz verbrannter Wege, wo Männer in langen weißen Socken unaufhörlich in Landcruiser einstiegen oder aus Landcruisern ausstiegen«. Tatsächlich eignet sie sich vornehmlich als Ausgangspunkt für Touren ins Herzen des Roten Zentrums: Die MacDonell Ranges westlich und öst-

lich der Stadt mit ihren 300 bis 900 Millionen Jahre alten Bergketten gehört zu den ältesten Gebirgen der Welt, der Kings Canyon im Watarrka National Park mit seinen 100 bis 200 Meter tief abstürzenden Klippen ist eine wichtige Kultstätte der hier seit mindestens 20 000 Jahren lebenden Luritja-Aborigines, und Chambers Pillar, ein ungefähr 50 Meter hoch aufragender Felsendom, wacht über der Ebene.

Northern Territory | Australien

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Die Spitze des Sandsteinbergs: 348 Meter hoch ragt der hier im Sonnenlicht glitzernde Uluru aus der Ebene hervor – der größte Teil liegt unter der Oberfläche verborgen. In der Sprache der Aborigines bedeutet Uluru »schattiger Platz« (Bilder unten).

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Australien | Northern Territory

Oben und rechts: Kata Tjuta – »viele Köpfe« werden die Kuppeln der Olgas genannt. Ursprünglich waren sie vermutlich ein einziges Felsmassiv, das durch Verwitterung und Erosion geformt wurde und – wie der Uluru – unaufhörlich weiter geformt wird.


Uluru und Kata Tjuta National Park

In einer ausgedehnten kargen Trockensavanne liegt der Uluru und Kata Tjuta National Park. Die roten Felsen wurden im Oktober 1873 von den beiden Forschern William Gosse und Ernest Giles fast gleichzeitig entdeckt und nach Henry Ayers, dem damaligen Premierminister Südaustraliens (zu dem seinerzeit auch das Northern Territory gehörte), Ayers Rock genannt. Ihre Entwicklungsgeschichte begann vor rund 570 Millionen Jahren und ist mit

der erdgeschichtlichen Entstehung des australischen Festlandes verbunden. Die sehr widerstandsfähigen Felsen verwitterten im Gegensatz zu den sie umgebenden Gesteinsmassen nur langsam und ragen heute als gewaltige versteinerte Zeugen des Erdaltertums aus der Ebene hervor. Trotz der unwirtlichen Umgebung leben hier schon seit tausenden Jahren die Anangu. Für die Aborigines ist dies der Treffpunkt ihrer Vorfahren in der Traumzeit.

Northern Territory | Australien

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Dunkles Kapitel: Seit dem Jahr 1816 durften Aborigines entsprechend der »Proclamation of Native Outlawry« ungestraft getötet werden; bis 1961 hatten die »schwarzen Australier« kein Wahlrecht, und in einem besonders grausamen Versuch der Assimilierung trennten Regierung und Kirche bis zum Jahr 1970 Tausende von Kindern von ihren Eltern und brachten sie bei Pflegefamilien oder in Missionsstätten unter. Alle diese Maßnahmen trafen ein nomadisierendes Volk,

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Australien | Northern Territory

das daran glaubte, dass die Erde dem Menschen das Leben schenkt, seine Nahrung gibt, seine Sprache und Intelligenz, und dass die Erde ihn wieder zurücknimmt, wenn er stirbt. Eines Menschen eigenes Land galt als heilige Ikone, die unversehrt bleiben musste. Die Aborigines schlachteten nicht, weder Tiere noch Menschen, und wenn sie der Erde für ihre Geschenke danken wollten, ritzten sie sich den Unterarm auf und ließen ihr Blut auf den Boden tropfen.


A B O R I G I N E S :

U R S P R Ü N G L I C H E S

Zwar bedienten sich die weißen Invasoren einer eindeutigen Sprache – »ab origine« bedeutet »vom Ursprung«. Gleichwohl dauerte es mehr als 200 Jahre, bis der oberste Gerichtshof Australiens befand, der Fünfte Kontinent sei keine »terra nullius«, kein Niemandsland gewesen, als er im Auftrag der britischen Krone in Besitz genommen

wurde. Dabei kamen die Vorfahren der Aborigines schon vor etwa 50 000 Jahren aus dem südlichen Asien, vielleicht von den indonesischen Inseln, über damals noch existente Landbrücken oder einfach zu überwindende Wasserstraßen in das bis ins Mittelalter hinein rätselhafte »Terra Australis Incognita« – jenes sagenumwobene, durch

L E B E N

I N

Feuergürtel und gefahrvolles Meer von der damals bekannten Welt getrennte Südland, das die antiken Griechen schon aus symmetrischen Gründen für notwendig hielten: als Gegengewicht zur nördlichen Erdhälfte. Während die Aborigines sich als Teil ihrer natürlichen Umgebung betrachteten, ging es den weißen Siedlern darum, das Land zu

A U S T R A L I E N besitzen. Dieser Grundkonflikt schwelt trotz Wiedergutmachungsversuchen des australischen Staates bis heute: Seit 1913 haben Aborigines das Recht auf die Rückforderung ihres eigenen Landes, aber noch im Jahr 1999 wurde eine Verfassungs-Präambel abgelehnt, die sie als erstes Volk Australiens anerkennen sollte.

Northern Territory | Australien

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In der Simpson Desert gibt es Schlangen, Geckos und Kragenechsen – drachenähnliche Wesen, die bei Erregung ihren Hautkragen abspreizen. Die hauptsächlich Ameisen fressenden urzeitlichen Dornteufelchen lassen den Morgentau durch kleine Hautfurchen in ihr Maul fließen.

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Australien | Northern Territory


Simpson Desert National Park

Große rostrote Sanddünen, die sich bis zu 300 Kilometer nach Nordwesten ziehen und in der aufgehenden Sonne wie im Abendlicht aufzuglühen scheinen, kennzeichnen den Simpson Desert National Park, eines der letzten Wildnisgebiete der Erde, das erst im Jahr 1929 von der Luft aus kartografiert werden konnte. Vierundvierzig Jahre später, 1973, wagte man die erste Durchquerung ohne Fahrzeug, weitere vier Jahre danach gelang es der Schriftstel-

lerin Robin Davidson, von Südaustralien aus auf dem Kamel den Oodnadatta Track zu finden, eine mehr als 615 Kilometer lange Outbackstrecke, die nach dem winzigen Nest Oodnadatta am Südwestrand der Simpson Desert benannt wurde, dessen Name in der Sprache der Aborigines »Blüte des Gidgee-Mulgastrauchs« bedeutet. Der Track verläuft zwischen Marree, etwa 700 Kilometer nördlich von Adelaide, und dem Stuart Highway nahe Marla.

Northern Territory | Australien

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Vor hüpfenden – und boxenden – Kängurus wird gewarnt. Das Rote Riesenkänguru (unten links) wiegt bis zu 90 Kilogramm und wird bis zu 1,60 Meter groß. Wallabys (kleines Bild Mitte) gehören mit einer Größe von etwa 80 Zentimeter zu den kleineren Känguruarten, ebenso das Baumkänguru (Mitte unten).

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Australien | Northern Territory


K Ä N G U R U S

U N D

Die Entwicklungsgeschichte der australischen Beuteltiere reicht bis zu 150 Millionen Jahre zurück, als Australien durch das Auseinanderbrechen des Urkontinents Gondwana isoliert wurde, sodass sich die Beuteltiere anders als in Asien und Südamerika ohne Konkurrenz zu den plazentalen Säugetieren ungestört entwickeln konnten. Am bekann-

A N D E R E

B E U T E LT I E R E

testen sind der Koala und das Riesenkänguru. Daneben entstanden insgesamt rund 250 weitere Arten, die die unterschiedlichsten ökologischen Nischen besetzten und beinahe alle denkbaren Lebensformen entwickelten: Es gibt Fleisch- und Pflanzenfresser, Baum- und Bodenbewohner, Gräber, Gleitflieger, gepanzerte und weichhäutige

Formen. Allen gemeinsam ist das Fortpflanzungsmuster: Im Gegensatz zu den plazentalen Säugetieren, deren Embryonen stets von einer Plazenta ernährt werden und fertig entwickelt zur Welt kommen, werden Beuteltiere fast immer als völlig hilflose Embryonen geboren, die so lange im Beutel der Mutter heranwachsen, bis sie außerhalb

dieses Schutzraumes überleben können.Auch die Größenunterschiede sind erheblich – von wenigen Zentimetern Körperlänge bei den Beutelmäusen bis zu 1,70 Metern beim Grauen und Roten Riesenkänguru. Zu dieser vielfältigen Gruppe gehören auch kletternde Baumkängurus, Wallabys, Hasen- und Rattenkängurus sowie die Filander.

Northern Territory | Australien

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Perth ist eine lebendige, sonnenverwöhnte Großstadt am Swan River, ideal für die Kombination von City-Life und Outbacktouren in das grandiose Hinterland.

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Australien | Western Australia

Nördlich von Perth liegt der Nambung National Park mit seinen rätselhaften Kalksteinsäulen, den Pinnacles. Sie liegen in einer fast nackten Sandebene.


WESTERN AUSTRALIA

Wenn Europäer nach Australien reisen, landen sie meist in Sydney und besuchen die Ostküste. Westaustralien lassen sie erst einmal links liegen, obwohl dieser größte Bundesstaat fast ein Drittel des gesamten australischen Kontinents einnimmt. Die Hauptstadt Perth liegt isoliert. Nach Sydney ist es weiter als nach Singapur. 1,8 Millionen Einwohner hat Westaustralien, 1,3 Millionen davon drängeln sich in Perth, dem Tor zum »Goldenen Westen«. Damit hat Westaustralien eines im Überfluss: unberührte, menschenleere Natur.

Western Australia | Australien

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Der Purnululu National Park gilt als Weltnaturerbe der UNESCO. Hier gibt es unter anderem rund 130 Vogelarten. Sie konzentrieren sich an den Wasserläufen und Pools, die von groĂ&#x;en Palmen (Livistona australis) gesäumt werden.

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Australien | Western Australia


Purnululu National Park

»Purnululu« bedeutet in der Sprache der hier lebenden Kija-Aborigines Sandstein. Der europäische Name, Bungle Bungle, leitet sich vermutlich von der Bezeichnung eines Grases ab, das Bundle Bundle heißt. In den vergangenen 20 Millionen Jahren entstanden durch die abtragende Wirkung des Wassers zahlreiche bienenkorbartige Kegelberge. Sie sind regelmäßig waagrecht gebändert. Die dunkleren Streifen treten auf weicheren Gesteinen auf, die Wasser

hindurchtreten lassen. Dadurch wachsen an der Oberfläche Blaugrüne Algen, die für die dunkle Färbung verantwortlich sind. Die härteren Schichten dazwischen zeigen außen eine orangefarbene Tönung, die durch Eisen und Mangan zustande kommt. Der Farbton dieser Streifen ändert sich übrigens im Lauf der Jahreszeiten. Zwischen den kegelförmigen Felsen liegen Schluchten mit Wasserläufen und Pools sowie üppiger Vegetation.

Western Australia | Australien

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Faszination Erde - Australien  

Faszination Erde - Australien

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