Issuu on Google+


Typisch für die Bayerischen Voralpen sind schroffe, isoliert aus den grünen Tälern aufragende Felszinnen. In den Wänden des Blankensteins (1786 m) im Mangfallgebirge kann man öfter Kletterer beobachten.


F A S Z I N A T I O N

D E U T S C H L A N D

OBERBAYERN


Alphornspieler am Ufer des Eibsees vor der grandiosen Kulisse des an der รถsterreichischen Grenze gelegenen Wettersteingebirges, aus dem die Zugspitze als hรถchster Berg in Deutschland emporragt.


ZU DIESEM BUCH

»Um 5 Uhr früh fuhr ich von München weg. Der Weg geht an der Isar hin … Nun ging mir die neue Welt auf, ich näherte mich den Gebürgen, sie wurden freyer von Wolcken. Benediktbeuern liegt köstlich! … Dann kommt man zum Kochel See … dann zum Walchen See … Wie ich den ersten beschneiten Gipfel sah, griff ich nach dem Hute, doch war es mir unbegreiflich schon so nahe an den Schneebergen zu seyn.« Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Als Hannibal mit seinem Heer die Alpen überquert hatte, soll er seinen Männern den Befehl gegeben haben, »Fußkranke links austreten«: So sei Oberbayern entstanden, sagt eine Anekdote, und in einem russischen Lexikon steht unter »Bayern« angeblich: »Diebisches Bergvolk in den deutschen Alpen.« Hohn und Spott wie diesem begegnen die Oberbayern selbst allerdings ganz gelassen. Denn sie wissen, dass das immer auch ein bisschen mit Neid zu tun hat: auf ein Land, das auf einer Fläche von gerade mal 17 530 Quadratkilometer vereint, was sich anderswo nur selten auf so engem Raum konzentriert – eine abwechslungsreiche Paradies-Landschaft, die mit ihren Bergen, Wäldern, Flüssen und Seen immer wieder zu entzücken vermag; auf eine Bevölkerung, die Tradition und Fortschritt klug miteinander zu verbinden weiß; und auf die bayerische Hauptstadt als unvergleichliches kulturelles Zentrum. München ist viel mehr als das oft zitierte Millionendorf: eine Weltstadt mit ganz eigenem Charme, irgendwo angesiedelt zwischen italienischer Lässigkeit und Pariser Chichi. Und München steht auch als »rote Enklave« mitten im CSU-regierten Land in gar keinem Widerspruch zum restlichen Oberbayern. Denn genau das macht Oberbayern doch aus: die harmonische Vereinigung vieler Widersprüche. Diese außergewöhnliche Region präsentieren wir Ihnen in diesem Bildband ganz neu: Zunächst zeigen wir Ihnen Oberbayerns atemberaubende Vielfalt in geografisch gegliederten Bildkapiteln. Der anschließende Atlasteil ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte aufzufinden, und gibt darüber hinaus zahlreiche touristische Hinweise. Das abschließende Register, das Bild- und Atlasseiten miteinander verknüpft, enthält zur weiteren Orientierung zudem Internetadressen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. All das soll Ihnen helfen, die vielfältigen Zentren Oberbayerns neu zu entdecken.


Blütenpracht an einem Bauernhaus in der Nähe von Bad Tölz: Haus und Hof mit üppigem Blumenschmuck zu zieren, ist eine verhältnismäßig junge Tradition – früher hatten die Bauern schlicht keine Zeit dazu.


INHALT Landschaftlich gliedert sich Oberbayern in die bayerischen Kalkalpen, das Alpenvorland mit seinen Moränenlandschaften und Schotterebenen sowie in das tertiäre Hügelland zwischen Amper und Donau. Die ersten Bayern waren romanisierte Kelten, die von den Deutschen »Welschen« genannt wurden. Endgültig durch germanische Stämme besiedelt wurde Bayern ab dem Ende der Völkerwanderungszeit (6. Jahrhundert n. Chr.).

München und der Norden

8

Fünfseenland

38

Pfaffenwinkel, Werdenfelser Land

56

Zwischen Loisach und Inn

98

Der Chiemgau

110

Berchtesgadener Land, Rupertiwinkel 126

Atlas

142

Internetadressen mit Register

156


Die Bayerische Staatsoper am MaxJoseph-Platz: »Wie könnte man von München sprechen, ohne zu erklären, dass diese Stadt gleichsam ein deutsches Himmelreich ist?« (Thomas Wolfe)

8

Oberbayern | München und der Norden

»München leuchtet«: Mit diesen Worten beginnt Thomas Manns Novelle »Gladius Dei«, und bis heute ist diesem Befund nichts hinzuzufügen – schon gar nicht beim nächtlichen Blick über das Herz der Stadt.


MÜNCHEN UND DER NORDEN

München vereint südliches Savoir-vivre, königliche Gelassenheit und fortschrittliches Denken zu einem lebensfrohen Konglomerat samt Biergärten und Liegewiesen im Englischen Garten. Die im Jahr 1158 bei der Siedlung Munichen (»bei den Mönchen«) gegründete Stadt verdankt ihren Aufstieg Napoleon, der München 1806 zur Hauptstadt Bayerns machte. König Ludwig I. etablierte baulichen Glanz an der Isar, sein Sohn Maximilian II. das Schöngeistige. So entwickelte sich München zur Kunststadt – und zur »nördlichsten Stadt Italiens«.

München und der Norden | Oberbayern

9


Blicke vom Glockenspiel, auf den Fischbrunnen und die Mariensäule (unten). Rechte Seite, von oben: Münchner Kindl, Schäfflertanz am und Gewölbegang im Neuen Rathaus. Oben: Überragt wird das Zentrum von der spätgotischen Frauenkirche mit ihren charakteristischen Hauben.

10

Oberbayern | München und der Norden


Marienplatz

Zweimal am Tag kann man das Herz von München schlagen hören, genau um elf und um zwölf Uhr. Dann versammeln sich Touristen auf dem Marienplatz und bewundern das Glockenspiel im Turmerker des um das Jahr 1900 errichteten Neuen Rathauses. Die Figuren stellen die Hochzeit des Herzogs von Bayern, Wilhelm V., mit Renata von Lothringen im Jahr 1568 dar. Der Höhepunkt des Spiels ist der Tanz der Schäffler – eine bis heute lebendige Tradi-

tion, die auf die Pestepidemie im Jahr 1517 zurückgeht. Wilhelms Sohn, Kurfürst Maximilian I., stiftete 1638 die Mariensäule auf der Mitte des Platzes. Von dort gelangt man bequem zu Münchens ältester Kirche (St. Peter aus dem späten 13. Jahrhundert) und auch zur prominentesten, dem Liebfrauendom (1468–1488). Dessen spätgotische, mit Zwiebelkappen bekrönte Türme sind ein Unikum in der Kunstgeschichte – und ein Wahrzeichen der Stadt.

München und der Norden | Oberbayern

11


Edel, gut und teuer: »Viktualien«, also Lebensmittel, gibt es am Viktualienmarkt überreichlich. Außerdem laden ein Biergarten und diverse Stände zur »Brotzeit« ein. Oben: Höhepunkt des Münchner Faschings ist der »Tanz der Marktfrauen« auf dem Viktualienmarkt.

12

Oberbayern | München und der Norden


Viktualienmarkt

Der Viktualienmarkt liegt unweit des Marienplatzes, wo sich ursprünglich bis ins frühe 19. Jahrhundert die Händler und Marktschreier tummelten. Liebhaber des Kulinarischen schätzen den Platz unterhalb des Petersbergls als Feinkostparadies, lassen sich betören von den köstlichen Düften der exquisiten Waren. Nach dem Einkauf nehmen sie Platz im Biergarten neben einem der Brunnen, deren Bronzefiguren an die Münchner Komiker-Legenden Karl

Valentin, Liesl Karlstadt und Weiß Ferdl erinnern. Nur wenige Schritte von dort entfernt steht seit dem Jahr 2005 wieder die 1932 teilweise abgebrannte Markthalle, die »Schrannenhalle«. Heute dient der Glasbau als ein modernes Event-Areal, in dem sich Gastronomen, Handwerksbetriebe und Kulturveranstalter präsentieren. Am Faschingsdienstag markiert der »Tanz der Marktfrauen« einen Höhepunkt des Münchner Faschings.

München und der Norden | Oberbayern

13


Einkaufsparadies München: Alles, was Rang und (Marken-)Namen hat, ist hier zu haben – etwa in den Passagen der Fünf Höfe (großes Bild und linke Seite), in der Residenzstraße (oben) oder in der Maximilianstraße (rechte Seite). Luxus-Sightseeing gehört zum München-Bummel dazu.

14

Oberbayern | München und der Norden


S H O P P I N G :

A K T U E L L E

München ist ein Shopping-Paradies: Bisweilen kommen selbst enthusiastische München-Fans ins Staunen, wenn geschmacksverwöhnte Mailänder oder Florentiner die Edelstores stürmen, bevor sie sich dem Massenrausch auf dem Oktoberfest hingeben. Klassische Shopping-Meilen sind die Maximilianstraße mit Maximilianhöfen,

T R E N D S

Residenz- und Theatinerstraße sowie die Fünf Höfe zwischen Kardinal-Faulhaber- und Theatinerstraße. Hier finden Fashion Victims, was sie so brauchen, um einigermaßen stylish durchs Leben zu wandeln: die aktuellen Trends von Armani, Dolce & Gabbana, Prada, Tommy Hilfiger, Max Mara, Gucci, Escada, maßgefertigte Herrenmode von Dietl, hand-

U N D

R A R I T Ä T E N

genähte Schuhe von Ed Meier und edelste Damenmode bei »Theresa«. Traditionelle Trachtenmode (sowie internationale Labels) findet man bei der klassischsten Adresse Münchens: Lodenfrey in der Maffeistraße. Des Weiteren lockt am Marienplatz das »Kaufhaus der Sinne« – Ludwig Beck am Rathauseck – unter anderem mit einem

bemerkenswerten Sortiment an Jazz- und Klassik-CDs; zudem bieten die »Hautnah«Boutiquen dieses zentral gelegenen Hauses eine schier unendliche Fülle an Edel-Kosmetika. Sammler klassischer CDs finden in der »Zauberflöte« in der Falkenturmstraße auch Raritäten – eine erholsame Pause beim Powershopping, bis die Kreditkarten glühen.

München und der Norden | Oberbayern

15


Die berühmteste Bierburg der Welt steht seit 400 Jahren hier am Platzl gegenüber dem alten Orlandohaus (großes Bild). Vor rund 100 Jahren wurde in dem – bis 1828 als Hofschenke dienenden – Gebäude noch Bier gebraut, heute finden hier täglich bis zu 3000 Menschen Platz.

16

Oberbayern | München und der Norden


Hofbräuhaus

Für die Besucher aus aller Welt, die Tag für Tag ins Hofbräuhaus strömen, ist dieses Wirtshaus der Inbegriff deutscher Gemütlichkeit: ein Symbol, das sich durchaus mit dem Pariser Eiffelturm oder dem Kolosseum in Rom vergleichen lässt – spätestens, seit es eine Kopie des Neorenaissance-Baus am Platzl in Las Vegas gibt. Der bis heute ungebrochene Hofbräuhaus-Kult hat seinen Ursprung im Jahr 1589, als Herzog Wilhelm V. ein Bräuhaus zur Versor-

gung von Hof und Gesinde errichten ließ. Ludwig I. erlaubte 1828 den Ausschank zu Billigpreisen, damit sich auch das Militär und die arbeitende Klasse an dem »gesunden Trunk« labe. Der berühmteste Stammgast ist ein Engel: Alois Hingerl, die Hauptfigur von Ludwig Thomas »Ein Münchner im Himmel« (1911), fand hier seinen Seelenfrieden und lässt die bayerische Staatsregierung bis heute auf göttliche Eingebung warten.

München und der Norden | Oberbayern

17


Sechs Großbrauereien gibt es in München: Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner (oben links/ rechts und großes Bild) sowie Spaten (oben Mitte). Zum Oktoberfest werden geschmückte Rösser vor die Fassfuhrwerke gespannt. Der Hopfen zum Bierbrauen kommt aus der Hallertau (links).

18

Oberbayern | München und der Norden


HOPFEN

UND

MALZ: GOTT

»Grünes Gold« nennen die Bayern jene Pflanze, die dem Bier seinen typisch bitteren Geschmack verleiht. Rund 85 Prozent des deutschen Hopfens werden in der Hallertau angebaut, einem 17 800 Hektar großen Gebiet, das sich von Schrobenhausen über Pfaffenhofen fast bis nach Kelheim zieht. Bis zum Ersten Weltkrieg, als die Ernte

E R H A LT ’ S

noch manuell durch sogenannte Hopfenzupfer erfolgte, wanden sich die Triebe um einfache Holzstangen; heute ranken sie sich um Drahtgerüste. Die Kunst des Bierbrauens selbst, bei der Getreide zuerst in eine weiche Masse (Malz) und danach in ein zucker- und stärkehaltiges flüssiges Gemisch (Maische) umgewandelt sowie mit Hefe zu

Alkohol vergoren wird, war bereits im alten Ägypten bekannt. In Bayern galt es früher als Grundnahrungsmittel wie Brot; allerdings wurde damals beim Bierbrauen zum Teil mit den seltsamsten Beigaben experimentiert. Deshalb verkündete Herzog Georg (der Reiche) von Bayern-Landshut: »… die Bierbrauer und andere sollen auch

nichts zum Bier gebrauchen, denn allein Malz, Hopfen und Wasser …, bey Vermeidung von Strafe an Leib und Gut.« 1516 wurde dieses Reinheitsgebot – eines der ältesten Lebensmittelgesetze der Welt – auf ganz Bayern ausgedehnt, und bis heute sind zum Bierbrauen nur Wasser, Hopfen und Getreide zugelassen, sonst nichts.

München und der Norden | Oberbayern

19


Das 1568 bis 1571 errichtete Antiquarium (unten und oben rechts) ist mit einer Länge von 66 Metern der größte Renaissance-Saal nördlich der Alpen. Erbaut wurde er für eine Sammlung antiker Skulpturen, daher der Name. Oben Mitte das Cuvilliés-Theater, links davon die Kapelle der Residenz.

20

Oberbayern | München und der Norden


Residenz

Die Residenz ist das historische Machtzentrum Münchens. Hier regierten Bayerns Herzöge, Kurfürsten und Könige. Das Stadtschloss wurde im 16. Jahrhundert anstelle der Neuveste (seit 1385) gebaut, die den Alten Hof als herzöglichen Sitz abgelöst hatte. Von 1568 bis 1619 entstand ein Renaissance-Gebäudekomplex, der später in den Stilen des Barock, Rokoko und Klassizismus erweitert wurde. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg

besteht die Residenz heute aus zehn Höfen und 130 Räumen. Die Allerheiligen-Hofkirche sowie das Alte Residenztheater (Cuvilliés-Theater), ein herrlicher RokokoBau, gehören ebenfalls dazu. Die Residenz dient heute als Museumssitz (u. a. Porzellan-, Silber- und Schatzkammer im Königsbau, Miniaturenkabinett, Staatliche Münzsammlung, Sammlung Ägyptischer Kunst) sowie als Repräsentationsbau für festliche Anlässe und Empfänge.

München und der Norden | Oberbayern

21


Die Kunststadt M端nchen vereint das Rokoko der Br端der Asam mit Alten und Neuen Meistern in den Pinakotheken, dem Lenbachhaus oder der Villa Stuck, ehrt die Antike in der Glyptothek ebenso wie die Naturwissenschaften im Deutschen Museum und bietet t辰glich Musik, Tanz, Theater.

22

Oberbayern | M端nchen und der Norden


STADT DER MUSEN UND MUSEEN Es begann mit König Ludwig I. und seiner Idee, die Untertanen an die Kunst heranzuführen – und wurde irgendwann zum Selbstläufer: München entwickelte sich zur Kunststadt, die noch lange nicht genug hat von neuen Museen, Galerien und Ausstellungsbetrieben. So präsentiert die von Stephan Braunfels entworfene Pinakothek der

Moderne neben der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts auch Design, Grafik und Architektur. Unweit davon soll das Museum Brandhorst den vorläufigen Schlusspunkt eines Museumsquartiers setzen, in dem man zu Fuß eine Reise durch die Kunstgeschichte unternehmen kann. Auf dem Königsplatz, wo sich Ludwig I. sein »Isar-Athen« errich-

tete, steht die Glyptothek mit einer Sammlung antiker Plastik. Von dort geht es weiter zu den Gemälden aus dem Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert (Alte Pinakothek) und zur Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne (Neue Pinakothek und Lenbachhaus; letzteres mit Schwerpunkt Blauer Reiter). Etwas abseits liegen das aus der

NS-Zeit stammende Haus der Kunst, das Wechselausstellungen und Münchens Nobeldisko P 1 beherbergt, sowie die (Jugendstil-)Villa Stuck, das ehemalige Wohnhaus des Malerfürsten Franz von Stuck. Musikliebhaber schätzen die Philharmonie wie die Staatsoper, Theaterliebhaber die Kammerspiele und das Residenztheater (»Resi«).

München und der Norden | Oberbayern

23


Die perfekte Welle: am Eisbach beim Haus der Kunst. Danach geht es vielleicht zur Entspannung in einen Biergarten (ganz unten: am Chinesischen Turm), oder man gĂśnnt sich am Monopteros (unten) einen stimmungsvollen Blick Ăźber den Englischen Garten und die Stadt.

24

Oberbayern | MĂźnchen und der Norden


Englischer Garten

Mit einer 417 Hektar großen Fläche ist der Englische Garten einer der weiträumigsten Stadtparks der Welt: ein Naturidyll mitten in München, das der Kurfürst Karl Theodor durch den Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig von Sckell im Jahr 1789 nach englischem Vorbild anlegen ließ (daher die Bezeichnung »Englischer Garten«). Ursprünglich ausschließlich Militärs zur Erholung vorbehalten, öffnete die Grünanlage 1792 ihre Pforten

für die Öffentlichkeit. Seither bevölkern die Münchner zahlreich die Wege und Wiesen, die sich entlang der Isar durch die Stadt ziehen. Beliebt sind auch die Biergärten am Seehaus und am Chinesischen Turm. In den lauen Hochsommernächten werden Lagerfeuer-Partys auf den Kiesbänken des Flussufers veranstaltet. Und seit ein neues Klärwerk das Isarwasser reinigt, kann man im Fluss von April bis September sogar bedenkenlos baden.

München und der Norden | Oberbayern

25


Ein Gruppenrausch für Millionen: Das Münchner Oktoberfest ist die größte Party der Welt. Täglich kommen bis zu 500 000 Gäste auf die »Wiesn« – eine Großstadt in der Großstadt mit Bierzelten (für ca. 10 000 Menschen), Musik, modernen und nostalgischen Fahrgeschäften: 16 Tage Ausnahmezustand.

26

Oberbayern | München und der Norden


D A S

G R Ö S S T E

Ach ja, war das früher unkompliziert auf dem Oktoberfest. Man ging in ein Bierzelt, machte die Bedienung auf sich aufmerksam, bestellte gegen Sofortkasse ein Bier, später vielleicht noch eins und noch eins. »Sitzen, winken, zahlen, trinken«, so brachte es ein Münchner Reporter auf den Nenner. Heutzutage ist der Münchner Ausnahmezu-

V O L K S F E S T

D E R

stand nicht nur das größte Volksfest der Welt mit dem größten Bierausstoß (sechs bis sieben Millionen Liter in 16 Tagen) und dem größten Menschenandrang (um die sechs Millionen), sondern das absolute Mega-Event der Wiesn-Society. Dabei hat alles so harmlos angefangen: mit einem Pferderennen, das Kronprinz Ludwig anläss-

W E LT

lich seiner Hochzeit mit Prinzessin Therese 1810 veranstaltete. Aus diesem Event wurde eine Tradition, die die Stadt bis heute zelebriert. Auch wenn es den meisten Besuchern vor allem um die Steigerung ihres Bierkonsums zu gehen scheint – der wahre WiesnFan liebt eher die gemütvollen Attraktionen wie Lebkuchenherz- und Steckerlfisch-Buden

oder die Krinoline – ein historisches Karussell, dessen Drehungen eine Blaskapelle begleitet. Genauso wichtig sind die Rituale rund um das Fest: der Einzug der Wiesnwirte, der Anstich des ersten Fasses durch den Bürgermeister – und die Frage, welcher Musiktitel es in diesem Jahr zum Wiesn-Hit bringen wird.

München und der Norden | Oberbayern

27


Rund 700 Meter misst die barocke Front von Schloss Nymphenburg. Oben, von links: Steinerner Saal und Marstallmuseum im Schloss, Spiegelsaal in der Amalienburg. Unten, von links: die KÜnigin Marie von Bayern, die Hofdame Katharina Botsaris und die Tänzerin Lola Montez.

28

Oberbayern | MĂźnchen und der Norden


Schloss Nymphenburg

Wo der Märchenkönig Ludwig II. geboren wurde: Die ab 1664 als Geschenk des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern an seine Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen errichtete Sommerresidenz des Hofes der Wittelsbacher beherbergt neben zahlreichen Prachtsälen die galante Schönheitengalerie, eine weltberühmte Ausstellung von Nymphenburger Porzellan sowie das Marstallmuseum, die bedeutendste Sammlung königlicher und kurfürst-

licher Kutschen, Wagen, Schlitten und Geschirre der Welt. Die Rondellbebauung vor dem Haupttrakt mit seinem imposanten »Steinernen Saal« galt zu ihrer Zeit als eine architektonische Sensation. Hinter der majestätischen Front des Schlosses, zu dem auch ein ausgeklügeltes Kanalsystem gehört, erstreckt sich ein schöner, rund drei Quadratkilometer großer Park mit Gewächshäusern sowie Baden-, Pagoden- und Amalienburg.

München und der Norden | Oberbayern

29


Die Stars des FC Bayern werden von ihren Anhängern in Rot frenetisch gefeiert – viele Jahre lang im Olympiastadion mit seiner legendären Zeltdachkonstruktion, nun in der Allianz-Arena für 69 900 Zuschauer, die ihre erste Bewährungsprobe bei der Fußball-WM 2006 hatte.

30

Oberbayern | München und der Norden


FC

BAY E R N

MÜNCHEN: FUSSBALL

Elf Freunde müsst ihr sein? Nach einem Streit mit der Vereinsführung des MTV 1879 München verließen elf Fußballspieler ihren Verein und gründeten am 27. Februar 1900 in der Schwabinger Gaststätte Gisela den FC Bayern München. Damit begann eine unglaubliche Erfolgsgeschichte: Mit mehr als 132 000 Mitgliedern gehört der FC Bayern

München heute nach Benfica Lissabon, Manchester United, dem FC Barcelona und Arsenal London zu den mitgliederstärksten Sportvereinen der Welt. Auf der Habenseite stehen 20 deutsche Meisterschaften; 13-mal wurde der FC Bayern deutscher Pokalsieger, viermal gewann er in der Champions League. Zudem sind die Bayern der mit Ab-

REGIERT

D I E W E LT

stand reichste Verein der Bundesliga. Das schafft auch Neider. Selbst in München teilen sich die Fans in zwei Lager: FC Bayern München und TSV 1860 München – das ist der krasseste Kontrast der Stadt. 20 000 Mitglieder, eine deutsche Meisterschaft (1966), Teilnehmer im (verlorenen) Europapokal-Finale von 1965: Mehr können die

»Löwen« nicht aufweisen. Trotzdem fühlen sie sich, was Herz, Leidenschaft und Treue anbelangt, dem sogenannten »FC Hollywood« haushoch überlegen. Von einem Untergang mit fliegenden weiß-blauen Fahnen wollen sie nichts wissen, eher von einer Götterdämmerung. Die aber hätte wohl eher einen roten Himmel.

München und der Norden | Oberbayern

31


Das Neue Schloss Schleißheim (oben) ist ein prächtiger Barockbau mit einer bemerkenswerten Gemäldegalerie (großes Bild), in der Meisterwerke der europäischen Barockmalerei präsentiert werden. Unten links: Schloss Lustheim wurde früher als Jagdschloss genutzt.

32

Oberbayern | München und der Norden


Schloss Schleißheim, Schloss Lustheim

Eine der bedeutendsten barocken Schlossanlagen in Deutschland steht in Oberschleißheim im Landkreis München. In einem großen Park befinden sich das Alte Schloss Schleißheim, das Neue Schloss Schleißheim sowie Schloss Lustheim – eine weitläufige Anlage als Sommerresidenz der bayerischen Herrscher. Herzog Maximilian I. ließ das Alte Schloss 1616 bis 1623 in »italienischer Manier« bauen, die Wand- und Decken-

gemälde stammen von Peter Candid. Das Neue Schloss entstand im Auftrag von Kurfürst Max Emanuel zwischen 1701 und 1726 nach Plänen des Italieners Enrico Zuccalli. Das Treppenhaus, der Weiße Saal sowie die Paradezimmer des Kurfürstenpaares sind die Prunkstücke der Anlage. Schloss Lustheim entstand ab 1685 als Jagdschloss der Kurfürsten. Es steht auf einer künstlichen Insel und beherbergt heute ein Porzellanmuseum.

München und der Norden | Oberbayern

33


Faszination Deutschland - Oberbayern