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Ebenfalls erhŠltlich:

Ebenfalls erhŠltlich:

ÈParis ist immer noch dieses monstršse Wunderwerk, jene Staunen machende Versammlung von Bewegungen, Maschinen und Gedanken, die Stadt der hunderttausend Romane, das Haupt der WeltÇ: Balzacs Erkenntnis hat bis heute nichts an ihrer GŸltigkeit verloren. Die Stadt wurde in Liedern besungen, ist DAS BERLIN BUCH

stimmungsvolle Kulisse fŸr unzŠhlige Filme und Romane, Zen-

DAS NEW YORK BUCH

trum des franzšsischen Chansons und fŸr viele auch heute noch die ÈStadt der LiebeÇ. Oft handelt es sich dabei um Liebe auf den ersten Blick: Ob beim CafŽ cr•me oder beim Pastis in einem Stra§encafŽ im quirligen Quartier Latin, beim ŸberwŠltigenden Panoramablick von SacrŽ-CÏur, bei einer romantischen Schifffahrt auf der Seine, beim entspannten Bummel im Jardin du Luxembourg oder gar vor einem der bedeutenden Kunstwerke in den Museen Ð kaum jemand wird sich dem Charme dieser Metropole entziehen kšnnen. DAS PARIS BUCH lŠdt zu einer faszinierenden Reise durch diese Stadt ein und offenbart ihre ganze Vielfalt in brillanten Farbbildern und informativen Texten. Ausklappbare Panoramabilder DAS M†NCHEN BUCH

bieten spektakulŠre Ansichten jener Metropole, die als Zentrum

THE LONDON BOOK

von Kultur, Geist und Savoir-vivre seit jeher auch viele KŸnstler und Gelehrte, Abenteurer und Lebenshungrige anlockt. Seite um Seite eršffnen sich dem Betrachter neue Blicke auf die Highlights der Stadt, die laut Hemingway Èein Fest fŸrs LebenÇ bedeutet.

DAS IRLAND BUCH

DAS WIEN BUCH € (D) 24,95 / € (A) 25,70

ISBN 978-3-89944-630-2


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ZU DIESEM BUCH

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Wohl kaum eine andere Stadt ist häufiger in Liedern

Jardin des Tuileries, die prachtvollen Brücken und

besungen worden, diente öfter als Kulisse für Filme,

natürlich der Eiffelturm laden zu unvergesslichen

Romane oder Theaterstücke als die französische

Spaziergängen ein und machen Geschichte und

Hauptstadt: Paris, die Lichterstadt, die Stadt der

Tradition lebendig. Die Meisterwerke des Louvre

Liebe. Im historischen Zentrum von Frankreichs

bringen nicht nur Kenner zum Schwärmen, Centre

Hauptstadt ist das Ufer der Seine zwischen Pont de

Pompidou ist ein Magnet inmitten einer regen

Sully und Pont d’Iéna mit seinen grandiosen Bau-

Kulturszene, im Musée Orsay ist eine weltberühmte

werken Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Impressionistensammlung zu bestaunen und im

Notre-Dame auf der Île de la Cité, der Louvre und

Musée Rodin faszinieren die beeindruckenden


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ZU DIESEM BUCH Skulpturen des Bildhauers Auguste Rodin. Elegante

von der es heißt, dass kein Punkt in Paris weiter als

Plätze, ausladende Boulevards aber auch romanti-

500 Meter von einer ihrer Stationen entfernt liege.

sche Stadtviertel wie das Marais oder das traditions-

Paris gilt als die französischste aller französischen

Von der Keimzelle der Siedlung auf der Île de la

reiche Universitätsviertel Quartier Latin bilden die

Städte. Zugleich ist sie aber auch die internationalste

Cité wuchs die Stadt an der Seine zu einem

Pole in einem politischen, wirtschaftlichen und kul-

aller französischen Städte – nicht nur wegen der

riesigen urbanen Gebilde heran: »Provinz bleibt

turellen Mittelpunkt, der nach wie vor wächst und

vielen Besucher, die Jahr für Jahr hierher kommen,

Provinz, sie macht sich lächerlich, wenn sie Paris

sich ausdehnt. Und doch: Noch immer lassen sich

sondern weil Paris als Zentrum von Kultur, Geist und

nachäffen möchte«, meinte Honoré de Balzac.

die einzelnen Viertel gut zu Fuß erkunden. Wenn die

Lebensart seit jeher auch viele Künstler, Gelehrte

Schon zu seiner Zeit schlug hier im Herzen

Füße vom vielen Laufen müde sind, hilft die Métro,

und Lebenshungrige aus aller Welt anlockt.

Frankreichs der Puls der »Grande Nation«.

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INHALT

»Kein Mensch untersteht sich, eine feste Ansicht von Leben, Liebe oder Literatur zu hegen, ehe er

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in Paris gewesen ist …« (Djuna Barnes)

Île Saint-Louis, Île de la Cité

16

Der Fluss, die Göttin und ihre

Das Geheimnis der Mona Lisa

66

Jardin des Tuileries

68

Musée des Arts Décoratifs

70

Rue de Rivoli

72

Palais Royal

74

(Strand-)Liebhaber

18

Métro: Ein Ausflug in die Pariser Unterwelt

76

Abbildungen auf den vorigen Seiten:

Notre-Dame de Paris

20

Banque de France, Place des Victoires

78

1

Victor Hugo und »Der Glöckner von

Abbildung oben: an der Place Georges Pompidou Star im Louvre: »die« Mona Lisa

Bibliothéque Nationale de France:

Notre-Dame«

22

4/5 Rue Edouard Quenu im Quartier Latin

Sainte-Chapelle

24

6/7 Rue Norvins am Montmartre mit Blick

Conciergerie Hôtel de Ville Marais

2/3 Der »Star« der Stadt: Eiffelturm

auf Sacré-Cœur 8/9 La Defénse: aufstrebende Neubauten und Mitterrands Kubus (Grande Arche)

80 82

26

Place Vendôme

84

28

»Diamonds are a girl’s best friend«

86

30

La Madeleine

88

Fauchon

90 92

Die heimliche Hauptstadt der europäischen Juden

32

Opéra Garnier

Adelspaläste im Marais

34

Napoleon III., Baron Haussmann und

Place de la Bastille

36

»Von Geburt an frei«: Die Französische

12

Site Richelieu Palais de la Bourse/Palais Brongniart

die Neugestaltung von Paris

94

Printemps

96 98

Revolution

38

Galeries Lafayette

Opéra Bastille

40

Pariser Passagen: »Wohnzimmer

Amélie und all die anderen: Paris im Film

42

Place des Vosges

44

Faubourg Saint-Honoré

102

Der (Sternen-)Himmel über Paris

46

Très chic: Pariser Mode

104

Musée Picasso

48

Palais de l’Élysée

106

Musee des Arts et Métiers

50

Grand Palais

108

Centre Pompidou

52

Petit Palais

110

Forum des Halles

54

Pont Alexandre III

112

Saint-Eustache

56

Place de la Concorde

114

Le Louvre

58

Avenue des Champs-Elysées,

Meisterwerke des Musée du Louvre

64

für Flaneure«

Arc de Triomphe

100

120


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INHALT

Palais de Chaillot, Jardins du Trocadéro

122

de la Ville de Paris (MAM)

RIVE GAUCHE

Der Zeit weit voraus: »Das impressionistische Auge«

Palais de Tokyo/Musée d’Art Moderne 124

126

Bibliotheque nationale de France: 168

Palais Bourbon

170

Musée Rodin

172

Hôtel und Dôme des Invalides

174

»Kaiser der Franzosen«: Napoleon Bonaparte

Site François Mitterrand

220

Große Pläne für eine große Stadt: »Le Grand Paris«

222

ÎLE-DE-FRANCE

224

176

Jardin des Plantes

128

Muséum National d’Histoire Naturelle

130

Eiffelturm

178

Cathédrale Saint-Denis

226

Institut du Monde Arabe, Mosqueé de Paris

132

Auf der Höhe der Zeit: Gustave Eiffel

184

Chantilly

228

École Militaire

186

Malmaison

230

134

Musée du Quai Branly

188

Ludwig XIV.: »Der Sonnenkönig«

232

136

Die Pariser Weltausstellungen

190

Prototyp der absolutistischen Residenz:

Île des Cygnes

192

Mythos Sorbonne: Über 750 Jahre europäische Geistesgeschichte Panthéon

Literaturinsel im Quartier Latin: Shakespeare and Company

138

Château de Versailles Parc de Versailles

AUSSERHALB DES ZENTRUMS

194

234 240

André Le Nôtre und der

Palais du Luxembourg

144

Jardin du Luxembourg

146

Saint-Sulpice

148

Bois de Boulogne

196

Bois de Vincennes, Château de Vincennes

244

Alles, was das Herz begehrt: Pariser Märkte

150

Die Pariser Bahnhöfe

198

Disneyland Resort Paris

246

Cimetière Montparnasse

152

»Jardin à la française«

242

La Défense

200

Château de Vaux-le-Vicomte

248

Mythos Montmartre

202

Château und Parc de Fontainebleau

250

154

Sacré-Cœur

204

Kunstmäzen und Kriegsherr: Franz I.

252

Eine Frage der Weltanschauung: Le Bistro

156

Henri de Toulouse-Lautrec: Chronist

Boulevard Saint-Germain-des-Prés

158

206

Register

254

Bildnachweis, Impressum

256

Das »andere« Paar: Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre

Chanson d’Amour: Die Seele zum Klingen bringen

160

Das Institut de France und die »Unsterblichen« Musée d’Orsay

Sehnsüchten

208

Saint-Ouen

210

162

Canal Saint-Martin

212

164

Cimetière du Père-Lachaise

214

Edith Piaf: »Der Spatz von Paris«

216

Parc de la Villette

218

Wegbereiter der Moderne: Paul Gauguin, Vincent van Gogh

der Pariser Gesellschaft Von Szenegängern, Szenevierteln,

166

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Zwei Seineinseln, Île de la Cité und Île Saint-Louis,

regierten auch die Könige hier – heute hat sich die

bilden den historischen Kern von Paris. Hier siedel-

Staatsgewalt an die Rive Droite, das rechte (nörd-

ten bereits um das Jahr 300 v. Chr. die keltischen

liche) Seineufer verlagert, wo im Élysée-Palast der

Parisii, auch die Römer ließen sich hier nieder. MIt

Präsident der Französischen Republik Hof hält und

dem Bau von Notre-Dame wurde die Île de la Cité

wo an den Champs-Elysées viele Nobelboutiquen

zum Zentrum der geistlichen Macht. Im Mittelalter

von der Kaufkraft der illustren Anwohner zeugen.

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Hier schweift der Blick vom Centre Pompidou über das abendlich erleuchtete Stadtzentrum und das östliche Ende der Île de la Cité, die über die im Jahr 1614 angelegte Brücke Pont SaintLouis mit der kleineren Seineinsel Île SaintLouis verbunden ist.

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ÎLE SAINT-LOUIS, ÎLE DE LA CITÉ

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Ursprünglich waren es drei Inseln, die im Herzen

tel de Lauzun verfasste der Dichter Charles Baude-

des heutigen Paris in den Fluten der Seine lagen.

laire sein erstmals im Jahr 1857 erschienenes lyri-

1614 wurden die Île aux Vaches und die Île Notre-

sches Hauptwerk »Les Fleurs du Mal« (Blumen des

Dame miteinander verbunden, 1726 gab man ihnen

Bösen). Auch im 20. und im 21. Jahrhundert hatte

den Namen Saint-Louis. Während die Île de la Cité

und hat die Île Saint-Louis noch prominente Be-

mit bedeutenden Monumenten großer Geschichte

wohner, etwa den ehemaligen Präsidenten Georges

lockt, kommen Besucher auf die Île Saint-Louis,

Pompidou (1911–1974), den Schauspieler Jean-

um durch stille Straßen vorbei an Adelspalästen

Claude Brialy (1933–2007) oder den 1934 gebore-

des 17. und 18. Jahrhunderts zu bummeln. Im Hô-

nen Chansonnier Georges Moustaki.

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ÎLE SAINT-LOUIS, ÎLE DE LA CITÉ Wunderschön ist der Blick auf die Spitze der Île Saint-Louis: Im Hintergrund links erstreckt sich die Île de la Cité mit der Kathedrale Notre-Dame (oberes großes Bild). Über das Westende der Île de la Cité zieht sich der Pont Neuf, die älteste Brücke von Paris (darunter). Links: Kleine Läden und Bistros bestimmen das Bild der Gassen auf der Île Saint-Louis, die erst seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts bebaut wurde.

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DER FLUSS, DIE GÖTTIN UND IHRE (STRAND-)LIEBHABER Die Seine entspringt nordwestlich von Dijon in Bur-

Besitz der Seinequellen sind, war sie ein wichtiger

seiner Träne schwimmt, / so lange, bis es Kurs

gund und mündet in einem von drei langen Brücken

Verkehrs- und Transportweg. Noch heute ziert ein

nimmt auf den fernen Schleier, / der uns die Welt ver-

überspannten Delta bei Le Havre in den Ärmel-

Schiff das Stadtwappen. Der zugehörige Spruch

hüllt, wo jedes Du ein Ast ist, / an dem ich hänge als

kanal. Alles in allem misst sie 776 Kilometer und ist

lautet: »Fluctuat, nec mergitur« – »es schwankt,

ein Blatt, das schweigt und schwebt.« 1991 erklärte

damit – nach der Loire – das zweitlängste fließende

aber geht nicht unter«. Daran dachte wohl auch

die UNESCO das Seineufer von Paris zum Welterbe.

Gewässer der französischen Republik. Seit jeher

Paul Celan, als er die folgenden Zeilen schrieb:

In den Sommermonaten schüttet man Sand auf und

hatte die Seine eine besondere Bedeutung: Die Gal-

»Paris, das Schifflein, liegt im Glas vor Anker: / so

erfreut sich am »Strandleben« mitten in der Stadt.

lo-Romanen verehrten sie gar als »Dea Sequana«,

halt ich mit dir Tafel, trink dir zu. / Ich trink so lang,

Es gibt sogar Pläne, die vielbefahrenen Uferstraßen

als Seinegöttin. Für die Stadtväter, die bis heute im

bis dir mein Herz erdunkelt, / so lange, bis Paris auf

ganzjährig zu einer Fußgängerzone zu machen.

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DER FLUSS, DIE GÖTTIN UND IHRE (STRAND-)LIEBHABER Wie ein Schiff liegt die Île de la Cité mit der Kathedrale Notre-Dame im Fluss. Ein besonders schöner Blick auf die Apsis an der Ostseite der Kirche bietet sich vom Quai d’Orléans auf der Île SaintLouis (links). Unten: Der Quai des Orfèvres, der Kai der Goldschmiede, war im 17. und 18. Jahrhundert das Zentrum der Pariser Juweliere. Er führt zum Pont St-Michel, der seit dem Jahr 1857 eine ältere, 1378 errichtete Brücke ersetzt.

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NOTRE-DAME DE PARIS

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Notre-Dame, oder genauer gesagt der Vorplatz der

und Portal des Jüngsten Gerichtes – erheben sich

Kathedrale, bildet nicht nur das Zentrum von Paris,

die Figuren der Königsgalerie, allesamt Nach-

sondern von ganz Frankreich: Hier liegt jener

bildungen, da die Originale während der Revolution

»Kilomètre zéro«, von dem aus alle Entfernungen

im Wortsinn geköpft wurden; einige Originale fin-

im Land gemessen werden. Die Westfassade des

den sich heute im Musée de Cluny. Der zum Teil

1345 vollendeten gotischen Bauwerks (Grundstein-

im 18. Jahrhundert umgestaltete Innenraum be-

legung unter Bischof Maurice de Sully im Jahr

sticht durch feierliche Atmosphäre, die verstärkt

1163) fasziniert durch ihren Skulpturenreichtum.

zur Geltung kommt, wenn die Klänge der Orgel bei

Über den drei Portalen – Jungfrauen-, Annenportal

Gottesdiensten oder Konzerten erschallen.

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NOTRE-DAME DE PARIS Vom Seineufer aus gesehen dominiert die vom Geist der Gotik inspirierte Kathedrale die Cité. Im Zentrum des Chorraumes befindet sich, durch halbrunde Marmorstufen erhöht, der Hauptaltar mit der von Nicolas Coustou (1658–1733) geschaffenen Pietà. Die überaus kunstvoll gearbeitete Fensterrose an der Nordseite (links mit der Muttergottes im Zentrum) ist rund fünf Meter hoch und hat einen Durchmesser von fast 13 Metern.

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VICTOR HUGO UND »DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME« Victor Hugo (1802–1885) setzte der mittelalterlichen

tischen Architektur, von der sich Hugo begeistert

Kaiser krönte, auf die Flucht begeben. Deren erste

Stadt in seinem Roman »Notre-Dame de Paris«

zeigte. »Wer als Dichter geboren wird, der wird zum

Station war Brüssel, gefolgt von der Kanalinsel Jer-

(1831) ein bedeutendes Denkmal. Erst in der Über-

Architekten«, verkündete er, der als Sohn eines

sey und ab 1855 bis zu seiner Rückkehr nach Paris

setzung bekam das auch mehrfach erfolgreich ver-

Generals schon früh weit herum kam und teilweise

1871 von der Insel Guernsey. Im Alter durfte er

filmte und für die Bühne bearbeitete Buch den Titel

in Italien und Spanien aufwuchs. Zeit seines Lebens

dann aber noch einmal aktiv in die Politik eingrei-

»Der Glöckner von Notre-Dame«. Dabei spielt das

war er ein politischer Mensch, der sich keineswegs

fen: 1876 wurde er in den Senat gewählt. Victor Hu-

traurige Schicksal des buckligen Glöckners Quasi-

scheute, Missstände anzuprangern. So musste er

go schrieb auch viele Gedichte und erfolgreiche

modo im Roman selbst keineswegs die Hauptrolle.

sich im Jahr 1851 nach dem Staatsstreich von Louis

Theaterstücke. Sein Stück »Le roi s’amuse« (1832)

Dessen zentrales Motiv ist vielmehr ein Lob der go-

Napoléon Bonaparte, der sich als Napoleon III. zum

diente als Vorlage für Verdis Oper »Rigoletto«.

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VICTOR HUGO UND »DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME« Welche Verehrung Victor Hugo noch heute in Frankreich entgegengebracht wird, sieht man daran, dass seine Wohnung an der Place des Vosges ein Museum ist (unten). Dort bekommt man einen guten Eindruck vom Lebensstil des Dichters, der in der Rue de Clichy 21 auch einen literarischen Salon unterhielt (links ein kolorierter Stich aus dem Jahr 1875). Dort traf sich damals die intellektuelle Elite der Stadt.

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SAINTE-CHAPELLE

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König Ludwig IX. (1214–1270) ließ die »heilige

der sich ein 76 Meter hoher Turm erhebt, sind die

Kapelle« zwischen den Jahren 1245 und 1248 in nur

ältesten von Paris. Von den 1134, eine Fläche von

33 Monaten auf dem Gelände seiner Residenz als

618 Quadratmetern bedeckenden Szenen sind noch

Aufbewahrungsort für kostbare byzantinische Reli-

720 original erhalten; die übrigen zerstörten Brände

quien erbauen. Diese waren im oberen, ausschließ-

im 17. und 18. Jahrhundert. Das durch sie ein-

lich dem König vorbehaltenen Teil der Kapelle

fallende Sonnenlicht lässt die 14, jeweils 22 Meter

untergebracht, während der untere Teil von den am

hohen gotischen Pfeiler aufgleißen, die in der Ober-

Hof Beschäftigten besucht wurde. Die Glasfenster

kapelle in ein als blauer Sternenhimmel gestalte-

der 33 Meter langen, 17 Meter hohen Kirche, über

tes Kreuzrippengewölbe emporstreben.

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SAINTE-CHAPELLE Wie kaum ein anderes Gotteshaus in Frankreich fasziniert die hochgotische Sainte-Chapelle mit irisierenden Lichtspielen, wenn die Sonnenstrahlen durch die hohen Maßwerkfenster und die imposante Fensterrose in das Kircheninnere fallen (unten). Der Raumeindruck beider Teilkirchen unterscheidet sich sehr – die Unterkirche (links) ist deutlich niedriger und wegen der kleineren Fenster auch dunkler als die Oberkirche.

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CONCIERGERIE

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Wie die Sainte-Chapelle zählte auch die Concier-

Namen des Monarchen die Gerichtsbarkeit ausübte.

gerie zum Königspalast der Kapetinger. Philipp IV.

Darum diente sie schon während des Mittelalters

(1268–1314, genannt der Schöne) ließ das aus drei

als Gefängnis. Als »Vorkammer zur Guillotine« er-

Hallen bestehende Gebäude um 1300 im Stil der

langte sie in der Revolutionszeit traurige Berühmt-

Hochgotik errichten. Ende des 14. Jahrhunderts

heit: Marie Antoinette, Danton und Robespierre

wurde an einem seiner drei Rundtürme, dem Tour

wurden in der Salle des Girondins (der ehemaligen

de l’Horloge, die erste öffentliche Uhr in Paris an-

Kapelle) inhaftiert, in der Salle des Gens d’Armes

gebracht. Die Conciergerie war Amtssitz des »Con-

(dem ehemaligen Speisesaal) zum Tode verurteilt

cierge«, des königlichen Palastverwalters, der im

und über die Rue de Paris zum Schafott geführt.

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CONCIERGERIE An der Westspitze der Île de la Cité, direkt hinter den wuchtigen Brückenbögen des Pont Neuf, erstreckt sich das Ufer des Quai de l’Horloge. Dieser erhielt seinen Namen von dem imposanten Eckturm der Conciergerie mit der ersten öffentlichen Uhr der Stadt. Hier befindet sich heute der Eingang in das zum Museum umgewandelte Gebäude, das auch als Aufführungsort für klassische Konzerte genutzt wird.

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HÔTEL DE VILLE

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Das Hôtel de Ville, das Rathaus von Paris, ist in seiner

Delacroix, den Historiker und Schriftsteller Jules

heutigen Form ein von den Architekten Théodore

Michelet, den Schauspieler François-Joseph Talma,

Ballu und Edouard Deperthes im Stil der Neo-Re-

den Bildhauer Jean-Baptiste Pigalle, den Schöpfer

naissance entworfener Bau des späten 19. Jahr-

der Gärten von Versailles André Le Nôtre und den

hunderts, dessen Vorgängerbau, ein Renaissance-

Kardinal Richelieu. Seit 1977 residiert der Bürger-

palast, während des Aufstands der Kommune 1871

meister von Paris hier – zuvor wurde die Stadt wie

zerstört wurde. Die Fassade des heutigen Rathau-

alle anderen Départements von einem Präfekten

ses zieren 146 Statuen. Diese stellen bedeutende

geführt; nur die einzelnen Pariser Arrondisse-

Pariser Persönlichkeiten dar wie den Maler Eugène

ments hatten einen eigenen Bürgermeister.

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HÔTEL DE VILLE Auf dem Platz vor dem reich verzierten Rathaus fanden jahrhundertelang Hinrichtungen statt – auch François Ravaillac, der Mörder von König Heinrich IV., wurde 1610 hier gevierteilt. Die von Antonin Idrac gestaltete Reiterstatue an der Südseite erinnert an Étienne Marcel, der im Mittelalter eine erste bürgerliche Revolte gegen den König anführte und seit der Französischen Revolution als Nationalheld gefeiert wird.

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MARAIS

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Eine der ältesten Straßen von Paris ist die heutige

Adeligen; daraufhin siedelten sich im östlich von

Rue Saint-Antoine. Angelegt wurde sie bereits in

Beaubourg zwischen der Place de la République

römischer Zeit, leicht erhöht in sumpfigem (»Ma-

und der Place de la Bastille gelegenen Marais

rais«) Gebiet, um sie vor einem Hochwasser zu

viele Handwerker an. Dass es heute zu den

schützen. Im 13. Jahrhundert siedelten sich Mön-

begehrtesten Stadtvierteln zählt, mit vielen De-

che und Templer an, die das umliegende Land tro-

signerläden, Galerien, Märkten und Restaurants,

ckenlegten, urbar machten und bebauten. Später

ist auch ein Verdienst des Schriftstellers André

errichtete sich der Adel hier prächtige Stadt-

Malraux, der Anfang der 1960er-Jahre als

paläste. Die Französische Revolution vertrieb die

Kultusminister dessen Sanierung veranlasste.

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MARAIS Von den alten Rosensträuchern, nach denen die Rue des Rosiers benannt wurde, ist heute zwar nichts mehr zu sehen, aber mit seinen kleinen, gepflasterten Gassen und Plätzen, den kleinen Buchhandlungen und koscheren Restaurants wirkt das Marais trotzdem so, als sei die Zeit hier vor etwa 100 Jahren stehen geblieben. Auch viele Künstler und Lebenskünstler haben sich inzwischen in diesem Viertel angesiedelt.

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DIE HEIMLICHE HAUPTSTADT DER EUROPÄISCHEN JUDEN Von den rund 800 000 Mitgliedern, welche die jüdi-

die Rue des Rosiers mit ihren vielen Seitenstraßen.

lage und Buchhandlungen sowie das im 17. Jahr-

sche Gemeinde Frankreichs heute zählt, lebt fast die

Im Marais findet man auch die Agudath-Hakehilot-

hundert errichtete Hôtel Saint-Aignan. Dieses be-

Hälfte in Paris. Schon seit dem 13. Jahrhundert zog

Synagoge (oder: Synagoge der Rue Pavée), die der

herbergt heute ein Museum für jüdische Kunst und

die Seinemetropole Juden an – zunächst Sephardim

mit einer jüdischen Malerin verheiratete Jugendstil-

Geschichte, das auch Werke von Modigliani und Cha-

(Nachfahren der bis zu ihrer Vertreibung 1492 und

architekt Hector Guimard ab 1913 gestaltete. Wäh-

gall zeigt. Die größte Synagoge von Paris steht aber

1531 in Spanien und Portugal lebenden Juden),

rend der deutschen Besatzung wurde sie nieder-

nicht im Marais, sondern an der Rue de la Victoire im

später Aschkenasim (ost- und mitteleuropäische

gebrannt, nach dem Krieg als Kulturdenkmal wie-

9. Arrondissement: 1874 eingeweiht, finden unter

Juden). Das Herz des jüdischen Paris pocht im

deraufgebaut. In ihrer Nähe finden sich koschere

dem hohen Gewölbe der neoromanischen »Grande

»Pletzl« – so heißt auf Jiddisch das Viertel rund um

Restaurants und Lebensmittelläden, jüdische Ver-

Synagogue de Paris« knapp 2000 Gläubige Platz.

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DIE HEIMLICHE HAUPTSTADT DER EUROPÄISCHEN JUDEN Während des Gottesdienstes erstrahlt das Innere der »Synagoge der Rue Notre-Dame-de-Nazareth« in hellem Glanz. 1852 eingeweiht, ist sie heute die älteste noch erhaltene Synagoge von Paris. Ein wichtiges Ereignis im Leben gläubiger Juden ist die Bar-Mitzwa-Zeremonie (hebräisch »Bar Mitzwa«: »Sohn des Gebotes«): ein Passageritus, bei dem Jungen (meist am Sabbat nach dem 13. Geburtstag) religionsmündig werden (links).

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