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Ebenfalls erhältlich:

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ÈIstanbul ist eine der coolsten StŠdte der WeltÇ, urteilte zuletzt das US-Magazin ÈNewsweekÇ, und wer wollte da schon widersprechen? TatsŠchlich ist die ÈSchšne am BosporusÇ, um das Mindeste zu sagen, derzeit eine der aufregendsten Metropolen Ÿberhaupt Ð und die einzige, in der man in weniger als einer DAS BERLIN BUCH

halben Stunde von Europa nach Asien fahren kann.

DAS NEW YORK BUCH

Diese NŠhe bringt es mit sich, dass der ÈClash of the CivilisationsÇ, der Zusammenprall der Kulturen, hier mehr ist als ein viel zitiertes Schlagwort. Nirgendwo sonst kann man wie in Istanbul von Stadtteil zu Stadtteil ziehen, diesseits und jenseits des Goldenen Horns und vorbei an den grandiosen Zeugnissen des UNESCO-Welterbes, mitten hinein in eine Welt wie aus Tausendundeiner Nacht und von der quicklebendig pulsierenden Gegenwart einer ziemlich geschŠftigen Kulturhauptstadt hinŸber zu den glitzernden Neubauten der am Horizont immer weiter wachsenden ÈBoomtown IstanbulÇ. Kein Wunder also, dass derzeit alle Augen auf Istanbul gerichtet DAS MÜNCHEN BUCH

sind, das sich seit einigen Jahren in einem grundlegenden

THE LONDON BOOK

Wandel beÞndet: In diesem Sinne lŠdt DAS ISTANBUL BUCH ein zu einer faszinierenden Reise durch die ÈStadt mit den drei NamenÇ Ð Byzanz, Konstantinopel, Istanbul Ð und offenbart deren ganze Vielfalt in brillanten Farbbildern und informativen Texten. Ausklappbare Panoramabilder bieten spektakulŠre Ansichten der grš§ten Highlights jener Metropole.

DAS IRLAND BUCH

DAS WIEN BUCH € (D) 24,95 / € (A) 25,70

ISBN 978-3-89944-824-5


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ZU DIESEM BUCH

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Drei Namen für eine Stadt: Byzanz, Konstantinopel,

Stadt in all ihrer Vielfalt zu lieben. Diese Vielfalt

Istanbul. Drei Namen für eine ganze Welt, die ver-

schließt auch Gegensätzliches, ja Widersprüchliches

schiedener, verwirrender, verführerischer kaum sein

mit ein. Wenn New York der »melting pot« sein will,

könnte. Verschieden, weil hier der »Clash of the Ci-

in dem unterschiedliche Kulturen, Ethnien, Lebens-

vilisations«, der »Zusammenprall der Kulturen«,

und Glaubenswege miteinander »verschmolzen«

mehr ist als ein Schlagwort, nämlich alltäglich ge-

(und dabei zum Teil auch nivelliert) werden, könnte

lebte Gegenwart; verwirrend, weil die Stadt dem Rei-

Istanbul eine Alternative sein: ein Mosaik, in dem

senden erst einmal alle Sinne betört; verführerisch,

noch das kleinste Steinchen seine Eigenheit behält

weil man bald gar nicht mehr anders kann, als diese

und doch erst als Teil des Ganzen ein Bild ergibt.


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ZU DIESEM BUCH Ohne Reibungen geht das nirgendwo: Nicht von un-

pulsierende Gegenwart einer ziemlich geschäftigen

gefähr gilt Istanbul auch als »westöstliche Diva«.

Kulturhauptstadt, über deren Dächern sich bereits

Als solche ziert sie sich manchmal, wechselt gern

die glitzernden Neubauten der »Boomtown Istan-

Ortaköy zu Füßen der Ersten Bosporusbrücke

das Gewand, verliert aber nie ihr Gesicht. So kann

bul« erheben. So rasant ging die Modernisierung in

mit dem Stadtteil S ¸is ¸li im Hintergrund: Über den

man in Istanbul von Stadtteil zu Stadtteil ziehen, dies-

den letzten Jahren voran, dass die einen bereits von

Kuppeln und Minaretten der Moscheen, den gran-

seits und jenseits des Goldenen Horns wie am Bos-

einem »Wunder sprechen und die anderen von

diosen Hinterlassenschaften des Osmanischen

porus – vorbei an den grandiosen Zeugnissen des

»Istancool«. Gemeint ist in jedem Fall die Stadt mit

Reichs und dem quicklebendigen Treiben einer

UNESCO-Welterbes führt der Weg von einer Welt

den drei Namen: Byzanz, Konstantinopel, Istanbul.

kunterbunten Gegenwart entsteht die moderne

wie aus Tausendundeiner Nacht direkt hinein die

Oder ganz schlicht: die Schöne am Bosporus.

Skyline der zukünftigen Megalopolis.

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INHALTSVERZEICHNIS

»Welch ein Glück, diese Stadt. Trägt ihre Ränder in ihrem Innersten: die Ufer des Bospo-

DIESSEITS DES GOLDENEN HORNS: ALTSTADT UND EYÜP

Hippodrom (At Meydanı)

14

Kunst (Türk ve Islam Eserleri Müzesi)

rus, dessen asiatische und europäische Küste ineinanderpassen wie die gezackten Linien eines gebrochenen Herzens in einem Tattoo.« (Kai Strittmatter)

Konstantin der Große und Konstantinopel, »Die Stadt Konstantins« Hagia Sophia (Ayasofya Müzesi)

als architektonisches Gesamtkunstwerk

68

Sokollu-Mehmet-Pas ¸a-Moschee

70

16

Sinan: »Michelangelo der Osmanen«

72

18

Kleine Hagia Sophia (Küçük-Ayasofya)

74

Yerebatan-Zisterne (Yerebatan Sarnıcı)

76

24

Cag˘alog˘lu-Hamam

78

Quadrat, Kreis, Kubus, Kugel: die Hagia Sophia Abbildung oben: Historische Altstadt

66

Museum für türkische und islamische

mit Hagia Sophia (links im Bild) und Blauer

Von der Kirche zur Moschee

26

Nuruosmaniye-Moschee

80

Moschee.

Die Mosaiken der Hagia Sophia

28

Großer Basar (Kapali Çars ¸ısı)

82

Abbildungen auf den vorigen Seiten:

Topkapı-Palast (Topkaı Sarayı)

30

Grün ist das Paradies: anatolische Teppiche

84

1

Macht und Pracht der osmanischen

Bücherbasar (Sahaflar Çars ¸i)

86

Stadt der Kuppeln und Minarette – Blick vom Süleymaniye-Komplex in Richtung Bosporus

2/3 Stadt des Glaubens und des Wandels – in der Hagia Sophia 4/5 Stadt der leiblichen Genüsse – in der Nevizade Sokak 6/7 Stadt des Handwerks und der Händler – im Großen Basar 8/9 Stadt der Feste und des Feierns – hier ein Restaurant im Sultan-Ahmet-Distrikt

Herrscher: in der Schatzkammer des Topkapı-Palastes

Traditionsreiches Handwerk: 38

Die Welt hinter dem Schleier: vom Leben im Harem

40

88 90

Universität (Üniversitesi)

92 94

Hagia Eirene (Aya Irini)

42

Süleymaniye-Moschee

Archäologisches Museum (Arkeoloji Müzesi)

44

»Schärfer als ein Schwert und dünner als

46

Rüstem-Pas ¸a-Moschee

100

Die hohe Kunst der osmanischen Miniaturmalerei

ein Haar«: die Brücke ins Jenseits

Brunnen Sultans Ahmet III.

98

Ägyptischer Basar (Mısır Çars ¸ısı)

102

48

Neue Moschee (Yeni Camii), Hünkar Kasrı

104

Blaue Moschee (Sultan Ahmet Camii)

50

Galatabrücke (Galata Köprüsü)

106

Gebet und Gebot: die Moschee im Islam

58

»Und den Fisch gibt es als Zugabe, als

Arasta-Basar (Arasta Çars ¸ısı)

60

(Sultan Ahmet III. Çes ¸mes ¸i)

Großer Palast der byzantinischen Kaiser, Mosaikenmuseum

und die Wunden der Zeit

Geschenk der Brücke«

112

Fähranleger Eminönü 62

Das traditionelle Istanbuler Holzhaus

12

Gold- und Silberschmuck Beyazit-Moschee

(Eminönü Vapor Iskelesi)

114

Mythen und Legenden: 64

Geschichte(n) rund um das Goldene Horn

116


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INHALTSVERZEICHNIS

Bahnhof Sirkeci (Sirkeci Gari)

118

Stark und dunkel: türkischer Kaffee und Tee

164

Prinzenmoschee (S ¸ehzade Mehmet Camii)

120

Nevizade Sokak

166

Valens-Aquädukt (Bozdog ˘an Kemeri)

122

»Glocken des Glücks« und andere

Eroberermoschee (Fatih Camii)

124

Brüder im Geiste: das ökumenische Patriarchat von Konstantinopel

126

Pammakaristos-Klosterkirche (Fethiye Müzesi) 128 Chora-Kirche (Kariye Müzesi)

130

Von unschätzbarem kunsthistorischem Wert:

Fatih-Sultan-Mehmed-Brücke (Fatih Sultan Mehmet Köprüsü)

Moderne Zeiten: eine Stadt im Wandel

kulinarische Köstlichkeiten

168

Çiçek-Passage (Çiçek Pasajı)

170

Eine Hotellegende als »Museumshotel«:

In den Tempeln der Markenlust: Istanbuls Shopping Malls Sariyer

Pera Palace

172

Pera-Museum

174

218 220

JENSEITS DES BOSPORUS: IM ASIATISCHEN TEIL DER STADT

222 224

226

Süßes Istanbul

176

132

Taksim-Platz (Taksim Meydanı)

178

Theodosianische Landmauer

134

Atatürk: »Ich bin die Türkei«

180

Anadolu Kavag ˘ı

228

Panorama 1453 Tarih Müzesi

136

Rahmi–M.–Koç-Museum

182

Fangfrischer Fisch vom Bosporus

230

Eyüp-Sultan-Moschee

138

Zwischen den Welten: der Bosporus

184

Beylerbeyı, Beylerbeyı-Moschee

232

Kunst- und Kulturzentrum Santralistanbul

140

Dolmabahçe-Palast

190

Beylerbeyı-Palast (Beylerbeyı Sarayı)

234

»Überall ist Aufbruch«: Big Bang in Istanbul

142

Dolmabahçe-Moschee

196

Gewürze: das Gold des Mittelalters

236

Mihrimah-Moschee (Iskele Camii)

238

die grandiose Bilderwelt der Chora-Kirche

Passion Fußball, oder:

JENSEITS DES GOLDENEN HORNS

144

vom Leben am Abgrund

198

Kız Kulesi (Mädchenturm)

240

Yildiz-Palast, Çiragan-Palast

200

Sakirin-Moschee

242

Bahnhof Haydarpas ¸a (Haydarpas ¸a Gari)

244

Hafenstadt Istanbul

246 248

Orhan Pamuk: »Mit einer Nadel einen Brunnen graben«

Karaköy (Galata), Tophane

146

Jüdisches Leben unter dem Halbmond

148

Ortaköy

204

Süreyya-Oper

Museum Istanbul Modern

150

Ortaköy-Moschee (Büyük Mecidiye Camii)

206

Die Stadt und das Meer:

Erste Bosporus Brücke (Bog ˘aziçi Köprüsü)

208

152

Istanbul Fashion Week: Minirock und

Biennale Istanbul: Sternschnuppen über dem goldenen Käfig der Kunst

Minarett

Kılıc ¸-Ali-Pas¸a-Moschee, Nusretiye-Moschee

154

Galataturm (Galata Kulesi)

156

Arnavutköy, Bebek

Nightlife in Istanbul

158

»Yali«: die traditionelle Holzvilla

Museum Galata Mevlevihanesi

160

Tünel, Istiklal Caddesi

162

am Bosporus Rumeli Hisarı

202

ein Ausflug zu den Prinzeninseln

250

Heybeliada

252

Register

254

Bildnachweis, Impressum

256

210 212 214 216

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Mit Rom und Jerusalem gehört Istanbul zu den

klärten Altstadt auf einer Halbinsel zwischen Gol-

ältesten Metropolen der Welt. Wie Rom wurde Istan-

denem Horn, Bosporus und Marmarameer. Auf der

bul der Legende nach auf sieben Hügeln erbaut, wie

Landseite im Westen, jenseits der antiken Land-

Jerusalem spielt Istanbul in der Geschichte der Welt-

mauer, findet man die Eyüp-Sultan-Moschee – nach

religionen eine bedeutende Rolle. Unvergleich aber

Mekka, Medina und Jerusalem das wichtigste Wall-

ist die Lage der von der UNESCO zum Welterbe er-

fahrtsziel türkischer Muslime.

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Blick auf die Sultan-Ahmet-Moschee: »Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen. / Zuerst weht ein leichter Wind, / Leicht bewegen sich / Die Blätter in den Bäumen. / In der Ferne, weit in der Ferne, / Pausenlos die Glocke der Wasserverkäufer …« (Orhan Veli Kanık)

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KONSTANTIN DER GROSSE UND KONSTANTINOPEL, »DIE STADT KONSTANTINS« Geboren wurde Konstantin der Große (um 275–337)

Entscheidend, auch für die christliche Legendenbil-

griechischen Kolonisten besiedelte, nach dem legen-

in Naissus, dem heutigen Nisˇ in Serbien, als Sohn

dung, wurde die Schlacht an der Milvischen Brücke

dären Byzas, der die Griechen an den Bosporus ge-

des Heerführers und späteren Kaisers Constantius I.

bei Rom im Jahr 312, als Konstantin »im Zeichen

führt haben soll, benannte Byzanz (griechisch: By-

Chlorus sowie seiner Konkubine, der später heilig

des Kreuzes« den weströmischen Kaiser Maxentius

zantion), das seit dem 1. Jahrhundert zur römischen

gesprochenen Helena. Obwohl er sich selbst erst

besiegte. Zwölf Jahre danach, 324, war er am Ziel:

Provinz Bithynien gehörte. Durch Kriege stark zer-

kurz vor seinem Tod taufen ließ, kann man ihn als

Konstantin regierte die römische Welt und führte das

stört, kam die im November 324 mit einem formalen

ersten christlichen Kaiser Roms bezeichnen, denn

dynastische Prinzip der erblichen Thronfolge ein.

Akt eingeleitete, am 11. Mai 330 mit einer offiziellen

beeinflusst von seiner Mutter sicherte er den Chris-

Auf der Suche nach einer neuen Residenz im Osten

»Weihe« abgeschlossene Übernahme der antiken

ten Religionsfreiheit zu und förderte die junge Kirche.

fiel seine Wahl auf das im 7. Jahrhundert v. Chr. von

Stadt einer Neugründung gleich.

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KONSTANTIN DER GROSSE UND KONSTANTINOPEL, »DIE STADT KONSTANTINS« Ein Mosaik aus dem 10. Jahrhundert im südlichen Vestibül der Hagia Sophia zeigt Maria mit dem Kind zwischen den Kaisern Justinian I. und Konstantin dem Großen. Justinian zu ihrer Rechten bringt ihr eine Kirche dar, die Hagia Sophia, Konstantin überreicht ihr »seine« Stadt (griechisch Konstantinupolis: »die Stadt Konstantins«). Oben: Konstantin auf einem Fresko (11. Jahrhundert) in der Felsenkirche Elmali Kilise in Göreme.

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HAGIA SOPHIA (AYASOFYA MÜZESI)

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Als Konstantin der Große die nun nach ihm be-

lerdings erst im Jahr 360, lange nach dem Tod (337)

nannte Stadt neu begründete, wurde deren ur-

Konstantins des Großen. Als diese Kirche im Jahr

sprüngliche Fläche auf das Fünffache vergrößert.

404 abbbrannte, errichtete man bis zum Jahr 415 ei-

Zudem teilte man sie nach römischem Vorbild in 14

nen Neubau: eine fünfschiffige Basilika mit westli-

Regionen ein und stattete sie unter anderem mit ei-

cher Vorhalle, die dann aber ihrerseits während des

nem Kapitol, einem Forum und einer Hauptverkehrs-

Nika-Aufstandes im Jahr 532 zerstört wurde. Da-

achse in ost-westlicher Richtung aus. Auch begann

nach beauftragte Kaiser Justinian I. die Architekten

man bald mit den Planungen für eine »große Kirche«

Anthemios von Tralleis und Isidor von Milet mit dem

(Megale Ecclesia). Geweiht werden konnte diese al-

Bau der heutigen Hagia Sophia.

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HAGIA SOPHIA (AYASOFYA MÜZESI) Die in einer Bauzeit von nur fünf Jahren und zehn Monaten (532–537) fertiggestellte Kirche der »Heiligen Weisheit« (»Hagia Sophia«) war mehr als 900 Jahre lang die Hauptkirche des oströmischen Reichs. Nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen wurde sie fast 500 Jahre lang als Moschee genutzt, bis Kemal Atatürk im Jahr 1934 ihre Umwandlung in ein Museum veranlasste.

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QUADRAT, KREIS, KUBUS, KUGEL: DIE HAGIA SOPHIA ALS ARCHITEKTONISCHES GESAMTKUNSTWERK Mit dem Bau der Hagia Sophia gelang Justinians

Welch überwältigenden Eindruck die im Jahr 537

beeindruckt, sie scheine »gar nicht auf einem fes-

Architekten Anthemios von Tralleis und Isidor von

fertiggestellte Kirche auf ihre Zeitgenossen machte,

ten Unterbau aufzusitzen, sondern an goldener

Milet eine fast schon zauberisch anmutende Ver-

in welch »unaussprechlicher Schönheit« sie sich

Kette herabhängend den Raum zu überdecken«.

wandlung von Geometrie in Architektur: Mit Qua-

darbot, belegt ein Zitat des Historikers Prokopios

Deren Statik aber bereitete anfangs Probleme: Ei-

drat und Kreis, Kubus und Kugel schufen sie einen

von Caesarea (um 500–562), der meinte, »Glanz

nem Erdbeben am 7. Mai 558 hielt die Kuppel nicht

Zentralbau, der die Formgedanken des römischen

und Harmonie der Maße schmücken sie, kein Zuviel

stand. Daraufhin verstärkte man die tragenden Pfei-

Pantheons und der frühchristlichen Basilika in sich

und kein Zuwenig ist an ihr festzuhalten, da sie

ler und erhöhte den Scheitelpunkt um sechs Meter,

vereint und schließlich auch zum Vorbild zahlrei-

prunkvoller als das Gewohnte und zuchtvoller als

sodass die Kirche am 24. Dezember 563, noch un-

cher Moscheen im Osmanischen Reich wurde.

das Maßlose ist …« Über ihre Kuppel notierte er

ter Kaiser Justinian I., neu geweiht werden konnte.

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QUADRAT, KREIS, KUBUS, KUGEL: DIE HAGIA SOPHIA ALS ARCHITEKTONISCHES GESAMTKUNSTWERK Die einstige Krönungskirche der oströmischen Kaiser dominiert eine in der Hauptachse durch zwei Halbkuppeln mit je drei Nebenkuppeln abgestützte, im Norden und Süden durch zweigeschossige Folgen von Gewölben ergänzte Hauptkuppel (Durchmesser rund 32 Meter, Scheitelhöhe rund 56 Meter). Bei der Umwandlung in eine Moschee wurden der Hagia Sophia viele Anbauten hinzugefügt, darunter vier Minarette.

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VON DER KIRCHE ZUR MOSCHEE Die ganze Pracht der Hagia Sophia erschließt sich

die größte Kirche der Christenheit. Man betritt sie

gens selbst der Eroberer: Als Sultan Mehmet II. am

erst in ihrem Inneren. So soll Kaiser Justinian I., als

von Nordwesten her über eine Vorhalle, von der neun

Abend des 29. Mai 1453 vor der Sophienkirche stand,

er während der ersten Weihe der von ihm in Auftrag

Portale in das Hauptschiff führen. Deren mittleres

soll er sich zum Zeichen der Demut eine Handvoll

gegegebenen Sophienkirche am 26. Dezember 537

und größtes war dem Kaiser vorbehalten. Im Seiten-

Erde auf den Turban gestreut haben. Dann befahl

das Mittelportal durchschritt, gesagt haben: »Preis

schiff gleich links vom Eingang steht die »schwit-

er, »das Innere vom Blut der Erschlagenen zu säu-

und Ehre sei Gott, dem Allerhöchsten, der mich für

zende Säule«, deren Marmor sich stets etwas feucht

bern, und indem er die Stirnen der siegreichen Mus-

würdig hielt, ein solches Werk zu vollenden. Salomo,

und kalt anfühlt und von deren Berührung sich

lime mit dem Duft von Ambra und Löwenaloe er-

ich habe dich übertroffen.« Rund tausend Jahre lang,

Gläubige die Linderung ihrer Leiden erhoffen. Vor

frischte, ging er zur selben Stunde daran, aus der

bis zum Neubau der Peterskirche in Rom, war dies

der Schönheit der Hagia Sophia verneigte sich übri-

Kirche eine Moschee zu machen« (Evliya Çelebi).

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VON DER KIRCHE ZUR MOSCHEE Der »schwebende« Eindruck der nur von vier Säulen getragenen Zentralkuppel entsteht durch die geschickte Anordnung von 40 Fenstern am unteren Rand der Wölbung. Die acht runden Holzschilde mit den Namen Allahs, des Propheten Mohammed und seiner beiden Enkel Hasan und Hüseyin sowie der vier ersten Kalifen Abu Bakr, Omar, Othman und Alid in arabischer Schrift wurden erst im 19. Jahrhundert angebracht.

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DIE MOSAIKEN DER HAGIA SOPHIA Leuchtende Mosaiken bedeckten einst in der Hagia

Bildprogramm. Heute spiegeln die Mosaiken auch

mit einer umfassenden Restaurierung, bei der auch

Sophia eine Fläche von rund 16000 Quadratmetern,

die wechselvolle Geschichte der Hagia Sophia. Als die

einige Mosaiken wieder zum Vorschein kamen. Seit

doch vom Ausstattungsschmuck der Entstehungs-

Kirche nach der Eroberung Konstantinopels durch

die Hagia Sophia ein Museum ist, wurden weitere

zeit blieben nur einige Fragmente nichtfigürlicher

die Osmanen in eine Moschee umgewandelt wurde,

Mosaiken freigelegt. Zuletzt entdeckte man bei einer

Dekorationen erhalten. Figürliche Darstellungen, so

entfernte man die christlichen Reliquien, baute eine

Ende 2010 abgeschlossenen Restaurierung ein min-

es diese schon vorher gab, fielen vermutlich dem ers-

Gebetsnische (Mihrab) und eine Kanzel (Minbar)

destens 700 Jahre altes, unter sechs Schichten Putz

ten Bildersturm im 8. Jahrhundert zum Opfer. Erst ab

ein, errichtete Minarette und übertünchte die meis-

verborgenes Engelsmosaik. Dabei wurde auch ein

dem 9. Jahrhundert entwickelte man ein – die Kirche

ten Mosaiken. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts

vielleicht noch aus einem der Vorgängerbauten der

als irdischen Spiegel des Himmels illustrierendes –

beauftragte Sultan Abdülmecid I. die Brüder Fossati

Hagia Sophia stammendes Taufbecken freigelegt.

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DIE MOSAIKEN DER HAGIA SOPHIA Auf den Emporen der Hagia Sophia sieht man den thronenden Christus mit der Kaiserin Zoë und ihrem dritten Gemahl, Kaiser Konstantin IX. Monamachus, sowie die Muttergottes mit dem Kind zwischen dem Kaiser Johannes II. Komnenos und der Kaiserin Irene (unten rechts). Christus zwischen Maria und Johannes dem Täufer zeigt das Deësis-Mosaik (unten links). Oben: das im Jahr 2010 freigelegte Engelsmosaik.

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TOPKAPI-PALAST (TOPKAPI SARAYI)

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Am schönsten Punkt der historischen Altstadt, dort,

das Ende des Oströmischen Reichs besiegelte. Schon

wo die von den Fluten des Goldenen Horns wie des

bald nach seiner Eroberung hatte sich der Sultan

Marmarameers umspülte Halbinsel mit ihrer Ost-

nahe der heutigen Universität einen ersten Wohn-

spitze in den Bosporus ragt, erhebt sich ein gewal-

palast errichten lassen. Erst danach wählte er den

tiger Palastkomplex, in dem rund 400 Jahre lang die

höchsten Punkt der von den griechischen Siedlern

osmanischen Sultane residierten und der heute als

um das Jahr 660 v. Chr. gegründeten antiken Akro-

Museum zu besichtigen ist. In Auftrag gegeben

polis als Ort für einen weiteren, zunächst nur als

wurde er von Sultan Mehmet II. Fatih (1432–1481), der

Verwaltungssitz gedachten Palast, der dann später

mit seiner Einnahme Konstantinopels im Jahr 1453

zum Topkapı Sarayi ausgebaut wurde.

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TOPKAPI-PALAST (TOPKAPI SARAYI) »Topkapı Sarayı« bedeutet »Kanonentor-Palast«: Seinen heutigen Namen verdankt der fast 70 Hektar große Palastkomplex einer früheren Artilleriestellung an der Spitze der Halbinsel. Bei der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen waren mehrere Kanonen im Einsatz, wobei die Kugeln der kleineren »den Verheerungen der großen den Weg bereiteten«, so der österrreichische Orientalist Joseph von Hammer-Purgstall.

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TOPKAPI-PALAST (TOPKAPI SARAYI)

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Im Kern – von dem heute allerdings kaum noch et-

Wohn- und Regierungssitz der osmanischen Sultane

was erhalten ist – entstand der Topkapı-Palast in

aus. 1541, nachdem ein Feuer den ersten Wohn-

den Jahren 1460 bis 1478. Dabei sollen auch archi-

palast Mehmets II. zerstört hatte, verlegte man auch

tektonische Einflüsse eines von Mehmets Vater,

den Harem hierher, und von nun an residierten alle

Sultan Murat II., in Edirne errichteten Palastes be-

osmanischen Sultane im Topkapı Sarayı. In den

rücksichtigt worden sein. Um das Jahr 1464 wurde

nachfolgenden Jahrhunderten wurde er dann zu ei-

eine mit 28 Türmen verstärkte Mauer rund um die

nem feudalen, um vier große Innenhöfe gruppierten

Anlage gezogen. Unter Süleyman I. (um 1494 bis

Palastkomplex mit Moscheen, Bädern, Küchen, Bib-

1566) baute man dann den Palast zum offiziellen

liotheken, Wohngebäuden und Gärten erweitert.

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TOPKAPI-PALAST (TOPKAPI SARAYI) Auch als »Gehirn« des Osmanischen Reichs wurde der Topkapı-Palast bezeichnet, weil man hier darüber entschied, was im Reich zu geschehen hatte (oben: Sultan Selim III.). Die Mitglieder des Staatsrates (Diwan) tagten in zwei golden leuchtenden, ineinander übergehenden Räumen im zweiten Palasthof (unten; unten rechts die Scha ¯ hada, das islamische Glaubensbekenntnis, als kalligrafische Zier im Versammlungssaal).

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Bis ins 19. Jahrhundert hinein nahmen die jeweili-

Die meisten der hier befindlichen Gebäude – da-

gen Herrscher des Osmanischen Reichs immer

runter ein Hospital, die Münze, eine Bäckerei sowie

wieder bauliche Veränderungen und Ergänzungen

verschiedene Werkstätten, Lagerräume und Unter-

am Palastkomplex vor, ohne aber die noch auf

künfte für Bedienstete – waren aus Holz und fielen

Mehmet II. Fatih zurückgehende Grundstruktur mit

im Lauf der Zeit Bränden zum Opfer. Deshalb

den vier durch wuchtige Mauern und prächtige Tore

macht das auch von den im Palast stationierten Jani-

voneinander getrennten Höfen anzutasten. Der erste,

tscharen, der Eliteeinheit des osmanischen Heeres,

durch das 1478 vollendete »Reichstor« (Bab-i Hüma-

als Übungsplatz genutzte Areal heute einen eher

yun) zu betretende Hof war für jeden zugänglich.

unspektakulären, parkähnlichen Eindruck.

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TOPKAPI-PALAST (TOPKAPI SARAYI) Im dritten Hof des Palastkomplexes findet man neben der Audienzhalle (oben), in der ausländische Gesandte empfangen wurden, eine Bibliothek, die Sultan Ahmet III. im Jahr 1719 errichten ließ (unten; auch der Zierbrunnen vor der Bibliothek entstand unter Sultan Ahmet III.). Im Inneren dieses kuppelüberwölbten, mit kostbaren Iznik-Fayencen ausgestatteten Marmorbaus wurden wertvolle Handschriften aufbewahrt.

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Der zweite Hof beherbergte mit den Räumen des

durch den zweiten Hof zu betretende, eine eigene

Staatsrats (Diwan) das administrative Zentrum des

abgeschlossene Baueinheit bildende Harem unter-

Osmanischen Reichs; hinzu kamen Stallungen und

gebracht. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb der

ein umfangreicher Küchentrakt. Im dritten Hof wur-

Topkapı Sarayı die – mit den Spitzen von Regierung,

den Audienzen abgehalten und die Beamten ausge-

Verwaltung und Militär sowie zahlreichen Bediens-

bildet, hier befindet sich auch die Schatzkammer. Der

teten zeitweise mehr als 5000 Menschen beschäfti-

vierte Hof mit seinen Privatgemächern und Gärten

gende – Schaltzentrale des Reichs. Erst 1853 wech-

diente ausschließlich der Entspannung des Sultans.

selte diese dann mit Sultan Abdülmecid in den neuen

An der Nordseite des Palastes wurde 1541 der heute

Dolmabahçe-Palast am europäischen Bosporusufer.

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TOPKAPI-PALAST (TOPKAPI SARAYI) Reich mit Iznik-Fayencen ausgestattet wurden im sich terrassenförmig um die Spitze der antiken Akropolis gruppierenden vierten Hof des Palastkomplexes die im 17. Jahrhundert im Auftrag von Sultan Murat IV. errichteten, nach den von ihm eroberten Städten Bagdad und Eriwan benannten Sommerpavillons Bag ˘dat Kös ¸ kü (unten) und Revan Kös ¸ kü (oben rechts) sowie der Beschneidungspavillon (Sünnet Odası) der Prinzen (oben links).

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