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LONDON

Folgende Titel sind bereits im Kunth Verlag erschienen:

SHANGHAI 2 ISBN 978-3-89944-557-2

Horst Zielske (*1946) Daniel Zielske (*1972)

BERLIN ISBN 978-3-89944-556-5

sind gemeinsam im Bereich der angewandten Fotografie tätig. Sie veröffentlichten mehr als 25 Bücher. Berühmt sind sie für ihre fotografischen Stadtportraits. Fotoessays zu New York, Las Vegas, Berlin, Venedig, Dresden, Paris sind in nationalen und internationalen Magazinen publiziert worden. Wie Landschaftsmaler fassen Vater und Sohn die urbanen Strukturen auf. Spielen mit dem Licht und inszenieren das Kulissenhafte großer Städte. Seit 1999 beschäftigen sie sich vornehmlich mit Kunstfotografie. Es entstanden größere Werkreihen unter anderem zu den Themen Megalopolis Shanghai, German Symphony, Coastline, Modern Turner, Qatar Project, Berlin und New York. Gewürdigt wurden ihre Arbeiten über Shanghai in Ausstellungen in Deutschland und den USA. Ihre Bilder befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen. Weitere Infos und Bilder unter www.zielske.de

Horst Zielske (*1946) and Daniel Zielske (*1972) work together in the area of applied photography and have published more than 25 books. They are particularly famous for their photographic city portraits, and their photographic essays on New York, Las Vegas, Berlin, Venice, Dresden, and Paris have been published in German and international magazines. Like landscape painters, father and son capture urban structures, play with light and stage-manage the settings of the big cities.

NEW YORK CITY ISBN 978-3-89944-886-3

Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf: www.kunth-verlag.de

London beherrscht wie kaum eine andere Metropole die Verbindung von Geschichte und Moderne: Während in den engen Gassen der Stadt noch immer der Geist von Charles Dickens zugegen zu sein scheint, schrauben sich im Bankenviertel auffällige Wolkenkratzer in die Höhe. Der trutzige Tower wacht heute nicht mehr über mittelalterliche Schurken, sondern über das architektonisch eindrucksvolle Rathaus am gegenüberliegenden Ufer der Themse.

Diese Gegensätze einzufangen und das Miteinander von Neuzeit und Historie aufzuzeigen, ist dem fotografischen Vater-Sohn-Gespann Horst und Daniel Zielske perfekt gelungen. Jeder Ort, jede Perspektive, jede noch so unverhoffte Ansicht zeigen das feinsinnige Gespür der beiden Fotografen für diese geschichtsträchtige und zugleich so fortschrittliche Stadt. London erwacht in ihren Bildern zu einem bemerkenswerten Kosmos der Kontraste.

Like few other metropolises, London successfully marries history and modernity. The spirit of Charles Dickens still seems to be everywhere in the city’s narrow lanes, yet in the banking district, flamboyant skyscrapers soar into the sky. Today, the formidable Tower no longer keeps watch over medieval villains but over the architecturally impressive town hall on the opposite bank of the Thames. The father-and-son team of photographers, Horst and

Daniel Zielske, have managed to perfectly capture these contrasts, clearly demonstrating the togetherness of the past and the present. Every place, every perspective, every entirely unexpected view demonstrates the sensitivity and empathy these two photographers have for this city, which is steeped in history and at the same time so forwardlooking. Their images make London come alive as a remarkable universe of contrasts.

Since 1999, the Zielskes have been occupied mainly with photographic art, creating several larger series of works on the topics of Shanghai Megalopolis, German Symphony, Coastline, Modern Turner, Qatar Project, Berlin and New York, among others.

E (D) 68,00 / E (A) 70,00 ISBN 978-3-89944-987-7

Their work on Shanghai was exhibited in Germany and the United States, and their images can be found in private and public collections. Additional information and photographs on www.zielske.de

H. & D. ZIELSKE


H. & D. ZIELSKE

LONDON


StraSSenbilder London ist von keinem Bramante erbaut. Die Anziehungskraft, die es ausübt, beruht zum wenigsten auf architektonischen Vorzügen. Und doch, während die Feder es niederschreibt, werden wir uns schon der Unhaltbarkeit dieser Behauptung bewußt. Ist doch London der Inbegriff aller Widersprüche; kein Tadel, den man ausspräche, dem sich nicht flugs ein Lob entgegensetzen ließe. Freilich sind die meisten Häuser engbrüstig und von langweiliger Eintönigkeit, die Fassaden selbst der Paläste ohne allen Schmuck und vom Rauch vieler Schornsteine geschwärzt. Aber lebt es und bebt es nicht in diesen Straßen von Tausenden und Abertausenden geschäftig sich drängenden Menschen; sind all die unzähligen Häuser nicht nur die Fassung für das Juwel, das beständig in allen Farben glitzert und schimmert, für die tausendfach verschiedenen Äußerungen des menschlichen Lebens? Hat nicht in diesem Hause Hogarth und in jenem Carlyle gewohnt? Dieser gepflasterte Hof, spielte er nicht eine Rolle in einem unvergeßlichen Roman, jenes Haus, düster und unscheinbar wie es aussieht, bewohnte es nicht einer der Helden in »Vanity fair«? Und so auf Schritt und Tritt. Diesen Baum im Garten von Gray’s Inn – eine Catalpa – hat Bacon gepflanzt; auf dem hölzernen Turm in jenem Hause beim Leicester Square stellte Isaac Newton seine astronomischen Beobachtungen an. »Sir«, so sagte Dr. Johnson, als er mit Boswell in der Mitre-Taverne, nahe bei Temple Bar, saß, »Sir, das Glück, in London zu leben, können nur die sich vorstellen, die darin weilten. Ich nehme keinen Anstand zu behaupten, daß es mehr Wissen und mehr Wissenschaft im Umkreise von zehn Meilen von dem Platz, auf dem wir sitzen, gibt als im ganzen übrigen Königreich.« Zu allen Zeiten hat es die Talente nach London gezogen: mit ihrem eigenen Ruhm haben sie geholfen, den der Stadt zu vergrößern. Jahrhunderte ist es, daß emsige Federn das Lob von London zu Papier bringen; Geschichtsschreiber wie Stow, Dichter wie Lamb, Schriftsteller wie Dickens und Thackeray. Das Papier, auf dem sie schrieben, ist längst vergilbt, aber die Gedanken; die es enthielt, haben ein Zaubergewand der Romantik und der Geschichte um London gesponnen – dauernder als Erz.

Tönen reiner Gotik in den Kapellen und Kreuzgängen der Westminsterabtei. Wie labt sich das Auge an dem Immergrün der Squares; das sind Plätze, an denen sich das Viereck der Häuser um einen in der Mitte liegenden Garten gruppiert. Der Garten ist vergittert, und zwischen den Eisenstäben schimmert der sanfte Rasenteppich hervor; prächtige alte Bäume, zumeist Ahorn und Linde, breiten ihre mächtigen Kronen aus, und Rotkehlchen hüpfen sorglos in der Einfriedung umher. Und dann die herrlichen Parks, welche ihre Rasenteppiche über Tausende von Morgen ausbreiten und die über alle Himmelsgegenden der Stadt zerstreut sind.

Wie Aladins Lampe ergießt die Leuchte ihres Geistes ein Zauberlicht über diese einzige Stadt; so daß selbst das Häßliche schön und das Monotone interessant erscheint. Selbst das englische Klima mit seinen mancherlei Überraschungen, mit seinem Nebel, seinem Schmutz, seiner Nässe, kann den, der sich auf sein London recht versteht, nicht irre machen. Wenn es regnet, trösten wir uns mit Swift und seinem anmutigen Gedicht, das er für den »Tatler« geschrieben, und was kümmern uns dann noch die Güsse, die ohne Unterlaß auf uns herniedertropfen?

Der Text stammt aus dem »Londoner Skizzenbuch« von A. Rutari, das 1906 im Verlag von H. A. Ludwig Degener in Leipzig erschien. An die Stelle der ursprünglich elf zeitgenössischen »Vollbilder« der Originalausgabe sind nun die Farbfotografien von H. & D. Zielske getreten, die zeigen, wie das alte London heute eine Symbiose mit dem Geist des 21. Jahrhunderts eingeht.

Doch auch an Schönem fehlt es nicht, das jene mitempfinden können, welche nicht das Beste zum wahren Genuß von London mitbringen – die Kenntnis englischer Geschichte und Literatur. Der majestätische Anblick des Parlamentsgebäudes, das wie ein stolzer Schwan sein Bild im Themsestrome spiegelt, muß jeden fesseln, und wie klingt es und singt es in den köstlichsten

Der Himmel, der es wahrlich mit London nicht am besten meint – und es hat wohl noch keinen gegeben, der das Londoner Wetter gepriesen hätte, und sei er der Enthusiastischste – der Himmel trägt doch das Seinige bei, London zu verschönern. Das Spiel der Wolken, der feuchte Dunst, selbst an heiteren Tagen, der wie ein Schleier über der Stadt schwebt, zaubert hundert verschiedene Beleuchtungen hervor, zarte Schimmer, die ein Malerauge entzücken und ihr Teil dazu beigetragen haben mögen, daß die Engländer es just in der Aquarellmalerei soweit gebracht haben. Denn London ist malerisch. Der Boden senkt sich und hebt sich und verschönert dadurch manche Straßenzüge, die sonst langweilig wirken möchten. Malerisch ist der Anblick selbst mancher Läden in den Straßen, so vor allem die der Fleischer, Wildbret- und Fischhändler, deren Ware appetitlich auf marmornen Tischen ausgebreitet liegt. Silbern glänzt der Salm in solchen Auslagen und führt die Phantasie hinauf zu den klaren Seen des schottischen Hochlands, wo er gefangen wurde, und zurück zu den alten Niederländern, Meistern des Stillebens, die oft mit liebevollem Pinsel genau solche Dinge festgehalten haben. So ist einem Spaziergänger alles möglich in London, nur nicht, sich zu langweilen.


Street SceneS London was not built by Bramante. Its special appeal is not really based on architectural jewels. And yet, even as we pen these words, we are aware how untenable such an assertion must be. London is, after all, the epitome of all contradictions. There is no reprimand to be voiced that might not in a trice be countered by praise. Certainly, most of the houses are narrow-chested and of a dreary monotony, the façades even of the palaces without any adornments and blackened by the smoke of numerous chimneys. But are its streets not alive and vibrant with thousands upon thousands of people busily pressing forward? Are not all its countless houses merely the mounting for the jewel that forever glitters and shimmers in all the colours, the expressions of human life in its thousandfold variations? Was not this the house where once lived Hogarth and that the one of Carlyle? These cobbled mews, did they not figure in an unforgettable novel? And that house, gloomy and unprepossessing at first glance, was it not the home of one of the characters in »Vanity Fair«? And so it continues at every turn. This tree in Gray’s Inn Gardens – a catalpa – was planted by Bacon. From the wooden tower of that house on Leicester Square, Isaac Newton conducted his astronomical observations. “Sir”, Dr. Johnson said to Boswell as they sat in the Mitre Tavern, near Temple Bar, “Sir, the happiness of London is not to be conceived but by those who have been in it. I will venture to say, there is more learning and science within the circumference of ten miles from where we now sit, than in all the rest of the kingdom.” At all times London has attracted those with a talent, and with their own repute they have helped to further the glory of the city. For centuries, eager quills have brought to paper London’s praise – historiographers like Stow, poets like Lamb, writers like Dickens and Thackeray. The paper on which they wrote has long since yellowed, but the ideas it held have woven a magic cloak of romanticism and history around London – more durable than gold.

the evergreen of the squares, the central green gardens fringed by rectangular lines of houses. The garden is fenced, and the smooth carpet of lawn shimmers through between the iron bars. Magnificent mature trees, mostly sycamore and lime, spread their mighty crowns, and red robins hop around inside the enclosure without a care in the world. And then there are the superb parks spreading their carpets of grass across thousands of acres, which are scattered over the four corners of the city.

Like Aladdin’s lamp, their luminary minds have spread a magic light over this unique city, making even the ugly seem beautiful and the monotonous interesting. Even the English climate with its manifold surprises, with its fog, its dirt, its wetness, cannot bother those who really feel for their London. If it rains we find solace in Swift and the charming poem he wrote for the »Tatler«, and of what concern to us, then, are the downpours that rain on us without intermission?

The text was taken from the »London Sketchbook« by A. Rutari, published in 1906 by H. A. Ludwig Degener in Leipzig. H. & D. Zielske’s colour photographs now appear in the place of the eleven contemporary “frames” of the original edition. They show how the London of old today forms a symbiotic relationship with the spirit of the 21st century.

Yet it does not lack in beauty; and even those will concur who are not best equipped – with a knowledge of British history and literature – for a true appreciation of London. The majestic sight of the Houses of Parliament, its image mirrored in the waters of the Thames like that of a proud swan, must seem captivating to everyone. And how the chapels and cloisters of Westminster Abbey ring and sing in the most exquisite tones of the pure Gothic. How the eye regales itself on

The sky, which certainly is not too kind to London – probably, as yet, not a single person, not even the most enthusiastic, has praised the weather in London – the sky nevertheless contributes to making London beautiful. The play of the clouds, the drizzly mists that drift like a veil across the city even on fair-weather days, conjure up hundreds of different illuminations, subtle sheens that enchant the eye of the artist and may have contributed their part to the fact that the British have so excelled in watercolour painting in particular. For London is picturesque. The ground raises and lowers itself, thus beautifying some streets that otherwise might have seemed dull. Picturesque is even the sight of some stores in these streets, particularly the butchers, the game purveyors and fishmongers whose goods are appetizingly laid out on marble slabs. The salmon shimmers silvery in such displays and whisks the imagination up to the clear lakes of the Scottish Highlands where it was caught, and back to the Old Dutch Masters of still-lives, who often lovingly captured exactly such things with their brush. Thus, for someone who walks through London, anything is possible, aside from feeling bored.


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River Thames IV 路 London 路 2013


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Tower Bridge 路 London 路 2013


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Corner of Bermondsey Street and Tooley Street 路 London 路 2013


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Bank of England 路 London 路 2013


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Lloyd’s of London · London · 2013


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Leadenhall Market 路 London 路 2013


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Trafalgar Square I 路 London 路 2013


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Trafalgar Square II 路 London 路 2013


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Piccadilly Circus 路 London 路 2013


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Coaches, Great Windmill Street, Soho 路 London 路 2013


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Apollo Theatre Stage Door, Soho 路 London 路 2013


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The Mousetrap, St Martin’s Theatre · London · 2013


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Chinatown 路 London 路 2013


32

River Thames III 路 London 路 2013


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