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Florenz, Pisa und Siena: diese drei. Wer sie nicht gesehen hat, kennt die Toskana nicht, und wer die Toskana nicht kennt, der sollte mindestens diese drei auf der Liste seiner dringlichsten Reiseziele stehen haben. Wobei er sich durchaus glücklich schätzen könnte: Jedem Anfang wohnt ein Zauber

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inne, heißt es – und wo könnte der Zauber größer sein als hier im urbanen Herzen der grandiosen Kulturlandschaft Toskana? Wo gibt es so viele Sehenswürdigkeiten auf so geringem Raum, wie hier? Was sich auch mit Zahlen belegen lässt: Laut UNESCO befinden sich etwa 60 Prozent der wichtigsten Kunst-

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werke der Welt in Italien, und gut die Hälfte davon findet man allein in Florenz. In Pisa wartet auf den Besucher nichts weniger als ein »Platz der Wunder«, Sienas Piazza del Campo halten viele für die schönste Piazza Italiens. Gesehen haben aber sollte man sie alle drei: Florenz, Pisa und Siena.


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ZU DIESEM BUCH Dieser Inguide bietet brillante Fotos wie ein Bildband und ist informativ wie ein Reiseführer. Zahlreiche Bilder und anschauliche Texte beschreiben Stadt für Stadt deren Highlights und vermitteln Wissenswertes über die Metropolen und ihre Bewohner. Das Kapitel »Besucher-Infos« enthält zudem viele

Insider-Tipps zu Restaurants, Hotels und Einkaufsmöglichkeiten, zu Lifestyle & Szene mit wichtigen Adressen und Hinweisen. Anschließend werden alle Top-Museen vorgestellt. Vorschläge für Stadtrundgänge mit tollen Tipps zu Shopping und Kulinarischem machen Lust, die verschiedenen Viertel

und Plätze zu entdecken. Ein detaillierter Plan zum Herausnehmen, in dem alle touristischen Highlights dieses Bandes über Ziffer und Suchfeld leicht zu finden sind, komplettiert diesen praktischen Bildreiseführer. Dieser Titel enthält zudem einen Code zum kostenlosen Download einer App.

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HIGHLIGHTS FLORENZ UND UMGEBUNG 8 Florenz: Duomo Santa Maria del Fiore – außen 10 Florenz: Duomo Santa Maria del Fiore – innen 12 Filippo Brunelleschi und die Kuppel von Santa Maria del Fiore 14 Giorgio Vasaris Kuppelfresko: das Jüngste Gericht 16 Florenz: Battistero San Giovanni 18 Die Pforte zum Paradies 20 Florenz: Piazza della Signoria 22 Florenz: Loggia dei Lanzi 24 Florenz: Palazzo Vecchio 26 Die Macht der Medici 28 Mächtige Mäzene der Kunst30 Florenz: Galleria degli Uffizi 32 Eine der »vollkommensten Schönheiten … dieser Welt« 34

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Die Kunst der Renaissance 36 Florenz: Ponte Vecchio 38 Florenz: Palazzo Pitti 40 Florenz: Palazzo Pitti – Galleria Palatina 42 Florenz: Giardino di Boboli 44 Florenz: Santo Spirito 46 Florenz: Santa Maria del Carmine 48 Zimmer mit Aussicht: Mode & Verführung 50 Florenz: Piazza della Repubblica 52 Florenz: Palazzo Strozzi 54 Florenz: Palazzo Davanzati 56 Florenz: Santa Maria Novella 58 Florenz: San Lorenzo 60 Florenz: Cappelle Medicee 62 Florenz: Mercato Centrale 64 Florenz: San Marco 66 Florenz: Galleria dell’Accademia 68 Michelangelo Buonarroti 70 Museo Nationale del Bargello 72 Florenz: Santa Croce – außen74 Florenz: Santa Croce – innen 76

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Wegbereiter der Renaissance: Giotto 78 Dante Alighieri 80 Florenz: San Miniato al Monte 82 Fiesole 84 Vinci 86 Leonardo da Vinci 88 Empoli, San Miniato 90 PISA Piazza dei Miracoli Museo dell’opera del Duomo Duomo Santa Maria Assunta Battistero Campanile Galileo Galilei Camposanto, Museo delle Sinopie Santa Maria della Spina Certosa di Pisa Borgo Stretto San Paolo a Ripa d’Arno Piazza dei Cavalieri Palazzo dell’Orologio

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INHALTSVERZEICHNIS

Hoch erhebt sich der Torre del Mangia neben dem Palazzo Pubblico über die Piazza del Campo.

SIENA 120 Sienas Stadtviertel 122 Piazza del Campo, Palazzo Pubblico 124 Fonte Gaia 126 Palio di Siena 128 Museo Civico 130 Santa Maria Assunta – außen 132 Santa Maria Assunta – innen 134 Santa Maria Assunta – Libreria Piccolomini 136 San Giovanni 138 Duomo Nuovo/Museo dell’Opera Metropolitana 140 Battistero 142 Pinacoteca Nationale 144 Ospedale di Santa Maria della Scala 146 Chianti und Brunello: edle Tropfen 148 Palazzo Salimbeni 150 Via Banchi di Sopra 152

BESUCHER INFOS KOMPAKT 154 Allgemeine Informationen 156 Florenz und Umgebung 160 Pisa 164 Siena 166 HOTELS Besondere Hotel-Tipps Top-Hotels Weitere Hotels

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RESTAURANTS Besondere Restaurant-Tipps Top-Restaurants Weitere Restaurants

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TOP-MUSEEN Florenz: Galleria degli Uffizi Florenz: Galleria dell’Accademia Siena: Museo Civico im Palazzo Pubblico

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STADTRUNDGÄNGE UND AUTOTOUR 192 Florenz 194 Siena 202 Von Grosseto nach Chiusi 206 ANHANG Register Bildnachweis Impressum

210 210 214 214

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Aus welcher Himmelsrichtung man sich Florenz auch n채hert, stets f채llt zuerst Brunelleschis Domkuppel in den Blick. Sie bestimmt das Antlitz der Stadt und sie weist dar체ber hinaus, gleicht den H체geln der Umgebung.

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FLORENZ UND UMGEBUNG Nicht nur politisch war und ist Florenz die Hauptstadt der Toskana. Ihre kunstgeschichtlich einzigartige Altstadt wurde 1982 als erster Ort der Region in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. »Der Gott,

der die Hügel von Florenz geschaffen hat, war ein Künstler«, meinte Anatole France. Von hier ausgehend verbreitete sich die auf die Antike zurückgreifende Formensprache der Renaissance und das an den Leh-

ren der klassischen Philosophen geschulte Denken des Humanismus in der Welt. Keine italienische Stadt außer Rom brachte ähnlich viele bedeutende Künstler und Literaten, Politiker und Päpste hervor.

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FLORENZ UND UMGEBUNG Der florentinische Dom zählt mit 153 Metern Länge, 38 Metern Breite und einer Außenhöhe der Kuppel von 114 Metern zu den größten Kirchen der Welt. Grundsteinlegung war im Jahr 1296, 1436 wurde der Dom geweiht. Seine neugotische Fassade aus dem 19. Jahrhundert orientiert sich am Stil

Der Dom und das auf der Westseite vorgelagerte Baptisterium harmonieren mit polychromen Marmorfassaden; der nach Entwürfen von Giotto errichtete frei stehende Campanile ist deutlich kleiner als die hohe Kuppel des Doms. Die Fassade des Erzbischöflichen Palastes wurde 1895 aus verkehrstechnischen Gründen etwa 22 Meter zurückgesetzt – erst damit erreichte die Piazza San Giovanni ihre heutige Ausdehnung.

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des von Giotto entworfenen Campanile, für den Andrea Pisano Reliefplatten aus Terrakotta gestaltete. Das Prunkstück des Baus ist die von Filippo Brunelleschi erbaute Kuppel, die mit 46 Metern Durchmesser die größte ihrer Zeit war. In ihr befinden sich von Giorgio Vasari begonnene


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FLORENZ: DUOMO SANTA MARIA DEL FIORE – AUSSENANSICHT 1 und von Federico Zuccari im Jahr 1579 vollendete Fresken, die das Jüngste Gericht darstellen. Der über 463 Stufen führende Aufstieg in die Laterne der Kuppel lohnt sich. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf den ornamentreichen Marmorboden der Kirche und über die Dächer der Stadt.

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FLORENZ UND UMGEBUNG Betritt man das Innere des in seinem Äußeren so prächtigen Doms, so stellt sich zunächst einmal Ernüchterung ein: »Ein Innenraum wie dieser, der sich durch eine konsequente, in die Renaissancezeit vorausweisende bauliche Logik auszeichnet«, schreibt der Kunsthistoriker Klaus Zimmermanns,

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»bedarf der Belebung durch Dekorationen, Zeremonien und Musik. Erst bei festlichen Anlässen zeigt er seine Großartigkeit.« Der erdige Farbton der Steine verstärkt die Kargheit des weniger durch Schmuck als durch seine gotischen Formen, durch die aufstrebenden Bögen und Pfeiler beeindrucken-


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FLORENZ: DUOMO SANTA MARIA DEL FIORE – INNENANSICHT 2 den Innenraums, in dem es gleichwohl einige Schätze zu entdecken gilt – originale Glasfenster etwa oder die Wanduhr, deren (das Prinzip der Sonnenuhr nachbildendes) Ziffernblatt mit den vier Evangelistenköpfen in den Ecken und 24 linksläufig angeordneten Ziffern Paolo Uccello 1443 malt.

Große Teile der Innenausstattung (oben ein Blick auf Langhaus und Chor) fielen einer Restaurierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Opfer – allein schon die Monumentalität des Gesamtraums aber beeindruckt

jeden. Erhalten

blieben zum Glück die Glasfenster, für die Castagno, Donatello, Ghiberti und Uccello Kartons gezeichnet hatten. Letzterer malte auch das Ziffernblatt der Wanduhr (großes Bild).

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Als Sohn eines Notars in Florenz geboren, absolvierte Filippo Brunelleschi (1377–1446) eine Ausbildung zum Goldschmied und eignete sich autodidaktisch bildhauerische und architektonische Kenntnisse an. Studienreisen nach Rom sowie eine intensive Beschäftigung mit antiken und byzanti-

Brunelleschis erster Biograf, Antonio Manetti, berichtet, dass die Gutachterkommission dessen Vorschlag für die Kuppelkonstruktion abgelehnt habe – Brunelleschi sei aber so sehr von seiner Idee überzeugt gewesen, dass man ihn aus den Sitzungen heraustragen musste »wie jemanden, der töricht argumentiert«. Auf dem Piazza del Duomo blickt Brunelleschi als Statue verewigt zu seinem monumentalen Meisterwerk empor.

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nischen Bauwerken waren die Voraussetzung für die Entwicklung eines eigenen Stils, dessen Kennzeichen strenge geometrische Formen und der weitgehende Verzicht auf dekorative Elemente sind. Wichtige Faktoren für Brunelleschis Erfolg waren seine Umsetzung mathematischer Berechnun-

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gen zur Zentralperspektive sowie Erfindungen von Gerätschaften, die einen neuen »humanistischen« Baustil technisch möglich machten. Im Jahr 1418 erhielt Brunelleschi zusammen mit Lorenzo Ghiberti den Auftrag für den Bau der Kuppel des Florentiner Doms, die dann 1434 fertigge-


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FILIPPO BRUNELLESCHI UND DIE KUPPEL VON SANTA MARIA DEL FIORE stellt werden konnte. Für diesen Bau bediente er sich der schon in der Antike entwickelten »Fischgrätentechnik« – einer Mauertechnik, die bis dahin ausschließlich auf Gebäude mit rundem Grundriss angewendet worden war und setzte sie erfolgreich für den achteckigen Altarraum ein.

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»Wenn wir vor dem Jüngsten Gericht stehen, geblendet von seiner Herrlichkeit und dem Schrecken, bewundern wir auf der einen Seite die glorifizierten Körper und auf der anderen die ewig Verdammten. Dann begreifen wir auch die Gesamtansicht, die ganz von einem einzigartigen Licht und

»In der Malerei dient die Linienzeichnung

unterschiedlichen

Zwecken, vor allem aber dem Umreißen der einzelnen Figur. Ist diese gut gezeichnet und in korrekten Proportionen wiedergegeben, werden die anschließend hinzugefügten Schatten und Lichter dafür sorgen, dass die Umrisslinien ... eine sehr große Plastizität bekommen und in bester Qualität und Perfektion gelingen.« (Giorgio Vasari, »Über die Malerei«)

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einer einzigartigen künstlerischen Logik durchflutet wird …«: Dieses Zitat von Papst Johannes Paul II. hat einen kleinen Schönheitsfehler – es meint Michelangelos Darstellung in der Sixtinischen Kapelle. Über Vasaris 1572, zwei Jahre vor seinem Tod begonnenes, von Federico Zuccari fortge-

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führtes Kuppelfresko in Florenz lautet meist der Tenor, dass Vasari sich dabei allzu deutlich an Michelangelos Vorbild orientiert habe. Und Vasari selbst schrieb über seine eigenen Werke: »Sind sie auch nicht von jener Vollkommenheit, die ich mir wünschen würde, so wird doch derjenige, der sie mit


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GIORGIO VASARIS KUPPELFRESKO: DAS JÜNGSTE GERICHT ungetrübtem Blick betrachten möchte, erkennen, dass sie von mir mit Eifer, Sorgfalt und hingebungsvoller Mühe gestaltet worden sind, und daher, wenn nicht Lob, so wenigstens Vergebung verdienen, abgesehen davon, dass ich sie nicht verbergen kann, da sie ausgestellt und zu sehen sind.«

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FLORENZ UND UMGEBUNG Gemeinsam mit dem Dom bildet das Baptisterium das geistliche Zentrum von Florenz. Letzteres ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt: Die Ursprünge der oktogonalen, dem heiligen Johannes geweihten Taufkirche San Giovanni reichen vermutlich bis ins 4. Jahrhundert zurück. Um das Jahr

Wie auf Pisas Piazza dei Miracoli stehen auch in Florenz die Hauptmonumente, Dom und Baptisterium, im Freiraum isoliert auf der Piazza del Duomo. Das Innere der Taufkirche schmücken Marmorwände und die achteckige, doppelschalige Kuppel (Durchmesser 26 Meter) bedeckt ein von byzantinischem Einfluss zeugendes Mosaik. Im Inneren befindet sich auch Donatellos Grabmal des Gegenpapstes Johannes XXIII. (gest. 1419).

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1100 wurde sie im Stil der »Protorenaissance« gestaltet und so zum Vorbild späterer Renaissancearchitektur. Ihre Kuppel ist innen vollständig mit Mosaiken aus dem 13. Jahrhundert ausgekleidet – ein Meisterwerk abendländischer Mosaikkunst mit einem acht Meter hohen Jesus als Welten-


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FLORENZ: BATTISTERO SAN GIOVANNI

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richter. Bedeutend sind auch die Portale des Battistero. Dante und seine Zeitgenosse hielten es übrigens für einen Marstempel aus der Zeit des ersten römischen Kaisers Augustus (63 v. Chr.–14 n. Chr.): ein weiterer Grund für ihre Annahme, legitime Erben des antiken Rom zu sein.

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In Florenz wurden die Gilden als »Künste« bezeichnet. Es gab »höhere Künste« (Arti maggiori, die »edlen« Berufe) und »niedere Künste« (Arti minori, die »einfachen« Handwerker). Zu den bedeutendsten Florentiner Gilden gehörte die Arte di Calimala, die Zunft der Großkaufleute. Sie investierte einen Teil

Ghibertis »Paradiestür« besteht aus zehn Bildquadraten (Originale im Dombaumuseum), die durch die Verwendung von Flachrelieftechnik den Eindruck räumlicher Tiefe hervorrufen (oben; die Details rechts und rechts oben zeigen den Empfang der Zehn Gebote und Joseph, der von seinen Brüdern verkauft wird). Michelangelo fand Ghibertis Gestaltung des Ostportals für würdig, »die Pforten des Paradieses zu schmücken«, daher der Name.

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ihres mit dem Handel von Wolle, Seide, Brokat und anderen kostbaren Stoffen aus Nordeuropa und dem Orient erworbenen Geldes für die Dekoration des Baptisteriums. Als die Kuppelmosaike fertiggestellt waren, wollte man nach dem Muster des Pisaner Doms herrliche Bronzetüren gießen lassen. Da-

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für schickte man eigens einen Florentiner Goldschmied, Piero di Jacopo, nach Pisa, um die dortigen Domtüren vermessen und zeichnen zu lassen, sowie nach Venedig, wo sich die Tradition des Erzgusses erhalten hatte, um geeignete Gießer finden. Am 22. Janauar 1330 erhielt dann zunächst Andrea Pisano


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DIE PFORTE ZUM PARADIES einen Auftrag f端r das S端dportal. F端r das Nordportal wurde 1401 ein Wettbewerb ausgeschrieben, den Lorenzo Ghiberti gegen namhafte Mitbewerber wie Brunelleschi gewann. 1424 beauftragte man Ghiberti auch mit dem Ostportal, der Porta del Paradiso, an der 28 Jahre lang gearbeitet wurde.

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FLORENZ UND UMGEBUNG Seit dem 14. Jahrhundert ist die Piazza della Signoria das politische Zentrum der Stadt: »Hier hat Florenz zwanzigmal versucht, frei zu werden, hier ist Blut geflossen für eine Verfassung, die nicht zu verwirklichen war«, notierte Stendhal im Jahr 1817. Damals wie heute fällt auf diesem Platz der Blick auf

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Statuen von Michelangelo und Donatello, auf Giambolognas Reiterstandbild Cosimos I. de’ Medici, auf Ammanatis Fontana del Nettuno, die Loggia dei Lanzi, den Palazzo Vecchio, die Galleria degli Uffizi – und heute wie damals wird sich wohl niemand der Faszination dieses Platzes entziehen können. Eine


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FLORENZ: PIAZZA DELLA SIGNORIA

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Granitscheibe im Pflaster nicht unweit vom Neptunbrunnen erinnert an den Dominikanerprior Girolamo Savonarola, der für kurze Zeit an der Spitze einer theokratischen Stadtverwaltung Florenz regiert hatte, aber im Jahr 1498 auf Geheiß von Papst Alexander VI. auf diesem Platz als Ketzer verbrannt wurde.

Die Piazza della Signoria (links) ist auch ein Ausdruck des politischen Selbstverständnisses dieser Stadt: Das Reiterstandbild Cosimos I. (1594) erinnert an den 1569 von Papst Pius V. zum Großherzog der Toskana ernannten Medici, der Neptunbrunnen (oben) an gewonnene Seeschlachten und die Hochzeit von Francesco de’ Medici mit Prinzessin Johanna von Österreich, die im Jahr 1565 der Anlass für seine Fertigstellung war.

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FLORENZ UND UMGEBUNG Von der Bedeutung der Piazza della Signoria für das politische Leben der Republik Florenz zeugt auch die Loggia dei Lanzi. Diese wurde im 14. Jahrhundert nach Entwürfen und unter der Leitung der Dombaumeister Benci di Cione und Simone di Francesco Talenti als Loggia della Signoria errichtet,

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um den Stadtoberen die Möglichkeit zu geben, von einer erhöhten steinernen Plattform aus zum Volk zu sprechen. Dass diese arkadengeschmückte Loggia an zwei Seiten hin offen konzipiert wurde, zeugt davon, dass sich die Stadtregierung nach überwundenen inneren Konflikten nun souverän genug


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FLORENZ: LOGGIA DEI LANZI

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fühlte, auch in einem ohne Verteidigungsmauern errichteten öffentlichen Gebäude Zeremonien abzuhalten. Ihren heutigen Namen erhielt die Loggia dei Lanzi erst im 16. Jahrhundert unter Cosimo I., der hier seine in Italien »Lanzichenecchi« (Landsknechte) genannte Schweizer Garde unterbrachte.

Die Maße der Loggia dei Lanzi an der Südseite der Piazza della Signoria sind genau auf die Abmessungen des Palazzo Vecchio abgestimmt. Zu den dort ohne jeden architektonischen Bezug aufgestellten Kunstwerken gehören Cellinis Bronzestatue des »Perseus« (1554) unter der linken Arkade und Giambolognas »Raub der Sabinerinnen« (1583) unter der rechten Arkade, die erste (von allen Seiten zu betrachtende) »figura serpentina«.

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FLORENZ UND UMGEBUNG Der um das Jahr 1300 von Arnolfo di Cambio gebaute Palast war das Rathaus von Florenz. Später lebte hier Cosimo I., bevor er in den Palazzo Pitti umzog. Als Zentrum der Macht wurde der »Alte Palast« (»Palazzo Vecchio«) repräsentativ ausgestattet. Der von Michelozzo gestaltete erste Hof

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(1470) imponiert durch Fresken, einen zierlichen PuttoBrunnen und prachtvolle Säulen. Im »Saal der Fünfhundert« in der ersten Etage, in dem Michelangelos »Genius des Sieges« (um 1533) aufgestellt ist, verherrlichen Bilder in der Kassettendecke die Stadtgeschichte. Darüber befinden sich


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FLORENZ: PALAZZO VECCHIO

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die Räume der Eleonora von Toledo (die Fresken ihrer Kapelle stammen von Bronzino) und der zu Empfängen genutzte Liliensaal mit Wandfresken Ghirlandaios. Im Palazzo Vecchio ist auch die Collezione Loeser ausgestellt mit Werken der toskanischen Schule vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.

Herzstück des Palazzo Vecchio (ganz oben eine Außenansicht) ist der »Saal der Fünfhundert« (links), in dem sich die politische Elite traf. Die Decke des Saals gestalteten Giorgio Vasari und seine Schule. Ein Rundgang führt durch die ebenfalls von Vasari ausgestatteten Appartements Leos X. (oben), die nach Giovanni de’ Medici (1475–1521) benannt wurden, dem späteren Papst Leo X.

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Das Ende der Auseinandersetzungen zwischen den kaisertreuen Ghibellinen (oder weißen Guelfen) und den papsttreuen (schwarzen) Guelfen führte im Jahr 1250 zur Begründung des unabhängigen Stadtstaates Florenz. Der Einfluss des Adels in der Stadt wurde gemindert, die politischen Rechte der Bür-

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ger wurden in einer Verfassung verankert. Als Regierung fungierte die »Signoria«, der ein gewählter »Gonfaloniere« vorstand. Die wirtschaftlich aufblühende Republik wurde zur dominierenden Macht in der Toskana; einzelne Geschlechter wie die Albizzi, die Rucellai und die Strozzi bestimmten de-

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ren politische Geschicke. Das Ende der Republik begann mit der Ernennung des vom Papst protegierten Cosimo de’ Medici zum »Gran Maestro« im Jahr 1434. Er begründete die bis 1765 dauernde Herrschaft des Geschlechts über Florenz. Blütezeit dieser Epoche war die Regentschaft Lorenzos des Präch-


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DIE MACHT DER MEDICI tigen (1449–1492). Seit 1569 führten die Medici-Herrscher den Titel »Großherzog der Toskana«. Aus ihrer Familie gingen bedeutende Kardinäle und sogar Päpste hervor. Nach dem Aussterben der männlichen Linie fiel das Großherzogtum Toskana schließlich an das Haus Habsburg-Lothringen.

Der Hofmaler der Medici Giorgio Vasari orientierte sich bei seinem posthumen »Idealporträt« (großes Bild) an Lorenzos Totemaske, der Maler und Porträtkünstler Agnolo Bronzino malte den Großherzog Cosimo I. um 1545 (oben).

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Über Generationen bestimmte die Familie der Medici die Geschicke von Florenz. Um ihrer enormen Macht äußerlich Ausdruck zu verleihen, ließen sie prächtige Paläste errichten und förderten die Künste. Ihren Aufstieg begründete Giovanni (1360–1429), der sein Vermögen vor allem durch Bankgeschäfte

»Tribuna«: Bernardo Buontalentis 1581 für Francesco I. de’ Medici auf achteckigem Grundriss in den Uffizien errichteter Raum erinnert nicht zufällig an ein Baptisterium (rechts). Quasi als »Heiligtum der Kunst« sollte er den bedeutendsten Kunstwerken der Sammlung vorbehalten bleiben, etwa der »Mediceischen Venus« (Bildmitte) – für Jakob Burckhardt »einer der größten Genüsse, die Italien bereiten kann«. Rechts oben: der Saal der Niobe.

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mit dem Papst vergrößern konnte. Sein Sohn Cosimo »der Alte« (1389–1464) regierte die Stadt, ohne einen offiziellen Titel anzunehmen. Er war ein glänzender Diplomat, dem Florenz nach seinem Tod den Ehrentitel »Vater des Vaterlandes« verlieh. Als Mäzen soll er insgesamt 600 000 Goldgulden

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für Kunst und Wissenschaft ausgegeben haben. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Piero für fünf Jahre seine Stellung, danach folgte der damals erst zwanzigjährige Enkel Cosimos, Lorenzo (1449–1492), genannt »il Magnifico« (»der Prächtige«). Auch er förderte die Künstler, darunter Michel-


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MÄCHTIGE MÄZENE DER KUNST angelo, erwies sich als blendender Staatsmann und trat als Dichter hervor. 1569 wurde Cosimo I. (1519–1574) Großherzog der Toskana. Er gab den Auftrag zum Bau der Uffizien, die sich unter seinem Nachfolger Francesco I. (1541 bis 1587) zum herausragenden Tempel der Kunst entwickelten.

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FLORENZ UND UMGEBUNG Im Jahr 1560 wurde auf Befehl Cosimos I. mit dem Bau eines Gebäudes begonnen, in dem alle »uffici delle magistrature«, die Büros der Stadtverwaltung, untergebracht werden sollten. Cosimos Nachfolger Francesco ließ das Obergeschoss für eine Kunstsammlung einrichten, die von seinen Nachfahren stetig

Giorgio Vasari, Bernardo Buontalenti und Alfonso Parigi d. J. errichteten hinter dem Palazzo Vecchio und der Loggia dei Lanzi eine hufeisenförmige Anlage, deren lang gestreckte Ost- und Westgalerien durch eine Südgalerie mit klassizistischer Fassade auf der Arnoseite verbunden sind. Baccio Bandinellis Marmorgruppe »Herkules tötet Cacus« (um 1533, oben) zwischen Uffizien und Loggia dei Lanzi wurde von Alessandro de’ Medici in Auftrag gegeben.

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erweitert und 1743 der Stadt vermacht wurde. Diese Sammlung genoss bald solches Ansehen, dass die langen Gänge (italiensch: »gallerie«) des Palastes zum Synonym für Kunstgalerien wurden. Heute enthält sie herausragende Werke der italienischen, niederländischen und deutschen Malerei, antike


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FLORENZ: GALLERIA DEGLI UFFIZI

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Bildwerke und Skulpturen der Neuzeit. Hervorzuheben sind Botticellis mythologische Darstellung des »Frühlings« und seine »Geburt der Venus«, Tizians »Venus von Urbino«, Caravaggios »Medusa«, Michelangelos Rundgemälde »Heilige Familie« und Leonardo da Vincis »Leda und der Schwan«.

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Inguide – Florenz  
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