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Charlotte Ueckert Gedichte

Nördlich von Rom Klaus Raasch Fotografien

edition klaus raasch · hamburg


Dunkles etruskerland der schöne Name Basalt schluckt das Blau des Lichtes in Grau verwandelt fest geworden umrahmt er jedes Tor beschwert Tisch und Bänke in jedem Garten vor jedem Haus nur in den Museen leuchtet der Tuffo hell


Aus einer stadt der kleinen träume wechseln ins Königsbad den Quellen der Sage nach zweihundert Meter näher am Himmel zurückgelassen die Morgennebel der Ebene die Schwierigkeiten zu geben weil alles schon da ist was Dichter brauchen Gleich zweimal hausten hier geborene Poeten am Grat in den Wundresten gebrochener Erde schlummert das große Beben Das Schlimme so hofft man geschieht nie zweimal am selben Ort Die Bäume hochgewachsene Lärchen angepflanzt Palmen und hier ist die Pinie kein schmerzender Scherenschnitt am Horizont kein ausgesetztes Sehnsuchtsziel auf einer Höhe mit wolkigen Kastellen hier streichelt sie mit ihrem hellen Grün das Dunkel


I n paradiso jubelt der Vorbesitzer und bewundert das Haus das er verkauft hat stürzt sich hoch in die Neustadt läßt mir seine Flügel bei jedem Besuch kommen mehr Berge in Sicht


Mittags geh ich den Weg der Tiere Südsonne hellt auf ihre Käfige am Steilhang ich bewundere Gockel spreche mit Katzen und darf dem mageren Hund nicht zu lang in die Augen schauen mit jedem Muskel am Gitter wagt er nicht über den der Hunde hier einsperrt ihnen die Stimme nimmt klagen unter einem freundlichen Himmel


Auf dem dach ein notdürftig verstecktes Ei Täublein grau wie Blei Mütterchen stopft dich bis du schaffst zu flattern auf dem Dach zu spazieren doch soviel Mütterchen lockt du fliegst nicht Alle anderen setzen sich neben dich fliegen hoch auf Kommando du fliegst nicht Hockst auf dem Dach Hungrig Eines Tages läßt du dich einfach vom Rand fallen sollten die Flügel sich öffnen eine Weile dich tragen


Am ersten bedeckten tag nach Monaten nur mit Durst geschieht ein Erwachen die Puppe öffnet sich Schutzlos stehen Fenster und du gehst ohne Hut nackte Schultern schwimmen noch in warmer Luft das Herz klopft vorsichtig alle Taten ab die zu geschehen haben noch auf Probe und so schwebend daß du‘s aushalten kannst nichts zu tun Das ist der Tag an dem du in einem Wattekästchen geborgen als kostbares Schmuckstück


Viel zu leicht ist es an die Wiedergeburt zu glauben wir sind viele Auswärtige hier Nachfahren der Barbaren die es in den Hinterwald von Rom zieht Zu Hause zuviel müssen wir hier erneuern mit Bauern fahren wir aus den befestigten Dörfern keck über Land und zählen die Häuser ihrer Vorfahren: hier die americani dort jemand aus Olanda Svizzeri allerorten und die Tedeschi seit tausendfünfhundert Jahren auf demselben Weg Goten Vandalen Goethe und Hamburgerin Wie leicht ist es in einer ausgetretenen Spur sich neu erfinden


Im spiegel von seen haben einst Gรถtter die Augen von oben getaucht wie wir sie jetzt schweifen lassen auf der Suche nach einem Spiegel Bild das mehr zeigt als eigene Bewunderung

Nördlich von Rom  

Gedichte von Charlotte Ueckert mit Fotografien von Klaus Raasch

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