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JÄNNER 2015

www.kunstinvestor.at

Rekordauktionen und Spitzenpreise. Auktionshäuser erzielen RekordergebnisseEvelyn Loschy:Zerreisprobe- Adel Abdesseme:Die Soldaten- MAK zeigt EOOSJasper Johns: REGRETS- be INVESTOR als Geld & Anlage-Special


6 | KUNST.INVESTOR Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Heute halten Sie die aktuelle Ausgabe des Magazins KUNSTINVESTOR in „Händen“. Innovativ, exklusiv und stets mit dem richtigen Riecher für aktuelle Entwicklungen informieren wir Sie rund um alle wichtigen Themen, die nationalen und internationalen Kunstmärkte betreffend. Kunst ist ein interessantes Thema und unbestritten die schönste Beimischung für Ihr Investmentportfolio- inspirierend, nicht allein in ideeller Hinsicht. Besonders in Zeiten, da Bullen auf sich warten lassen und Renditen an der Nulllinie kratzen, etablieren sich Kunstwerke als stabile, vor allem aber als rentable Assets. Eine Tatsache, der sich selbst hartgesottene Aktionäre nicht entziehen können. Mehr noch: Dieser Boom ist noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen. Bilder, Antiquitäten und andere Sammelobjekte nehmen im Rahmen der Veranstaltungen einen immer höheren Stellenwert ein. Jährlich werden bis zu 30 Milliarden US-Dollar in Kunst investiert. Weil es bei allen Dingen des Lebens immer

auf den richtigen Mix ankommt, wollen wir Sie nicht nur mit fundierten Hintergrundberichten, präzise recherchierten Topstorys, wichtigen Nachrichten und aktuellen Interviews begeistern. Zusätzlich wollen wir dieses Magazin auch mit dem Sonderteil Geld & Anlage-Investor, „be INVESTOR“- ein Styria BörseExpress-Medienprodukt- als moderne Plattform zum Austausch wichtiger Investitionsinformationen anbieten. Die aktuelle Ausgabe des be INVESTOR widmet sich dem Thema; Öl- das schwarze Gold als Investmentchance?

Lesen Sie den aktuellen KUNSTINVESTOR, wo Sie sich ein aktuelles Bild über den Kunstmarkt verschaffen können- eine wirklich gute Investition. Viel Spaß Wünscht Ihnen Michael Ruben Minassian Chefredakteur & Herausgeber

IMPRESSUM: Medieneigentümer, Chefredakteur & Herausgeber: Michael Ruben Minassian. Mail: michael.minassian@kunstinvestor.at , Telefon: +43 1/ 236 53.1312 Verlagsadresse: MN Online & Content GmbH, 1110 Wien, Brehmstrasse 10/4.OG, Geschäftsführung: Markus Bauer, ATU 65091955, FN 330453k, Tel: +43 1/ 91920- 9045, Fax: + 43 1/29 81 298, Website:www.kunstinvestor.at, Cover-Foto : © Jasper Johns/ © Bildrecht, Vienna, 2014, Photo: © Jerry Thompson, Belvedere Wien


8 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

© im Kinsky, Jan Brueghel d. Ä., Blumenstrauß in Tonvase, 1607/1608, Öl auf Holz, 56 x 42 cm


9 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

© im Kinsky, Maria Lassnig (1919 – 2014), Brettl vorm Kopf, 1967, Öl auf Leinwand, 100,5 × 115,5

Top Qualität sorgte für entfesselte Gebote

Die 103. Kunstauktion im Kinsky war ein Erfolg: ein Erfolg für die Kunst, deren Einzigartigkeit und Seltenheit in hohem Maße gewürdigt wurde! Rekord- und Spitzenpreise führten zu einem Gesamtergebnis von € 10,5 Mio, das bisher höchste in der Geschichte des Auktionshauses im Kinsky! Das Top-Ergebnis und gleichzeitig den weltweit höchsten je für ein Blumenbild Jan Brueghels d. Ä. erzielte Preis lieferte ein zauberhaftes Blumenbouqet in Tonvase dieses großen flämischen Meisters, das nach mehrfachen Bietergeboten am Telefon für € 1,850.000/ € 2,191.500 nun an einen europäischen Sammler geht! Dieser neue Weltrekordpreis für eines der ersten Blumenbilder der Kunstgeschichte bestätigt die Wettbewerbsfähigkeit unseres Hauses im internationalen Vergleich und bestärkt den Kunstmarktplatz Österreich! Die Seltenheit am Markt, der sehr gute Erhaltungszustand, die Reife der Ausführung und die bedeutende Rolle in der Geschichte der Kunst bilden die hervorragende Kombination, die diesen Sensationspreis ermöglicht

hat! Den ersten neuen Rekordpreis für Maria Lassnig wurde auf der Auktion der ZEITGENOSSEN erzielt, die zu einem Fest der im Sommer verstorbenen Künstlerin wurde: Schriftliche Gebote, Telefon- und Saalbieter rangen um ihre beiden Zwiesprachen, am Ende erfolgte für das „Brettl vor dem Kopf“ ein neuer Rekordpreis für ein Bild dieser Jahre und dieser Größe: € 330.000 / € 450.700!! (Bemerkung am Rande: Der letzte Rekord lag bei € 230.000/ € 287.000, ebenso im Kinsky erzielt!) Ebenso ein Höchstpreis gemessen am Bildmaß erzielte die „Gegenüberstellung“: nach dem Zuschlag von € 180.000 / € 247.500 kann sich der erfolgreiche Sammler nun eingehender dem Body awareness Dialog widmen.


10 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

© im Kinsky, Alphons Walde

Neue Wert-Standards wurden am 2. Auktionstag auch für die ANTIQUITÄTEN gesetzt: Zweifellos stellte die kleine, doch aus reinem Gold glänzende Kanne aus dem Reich der Mitte eine wahre Rarität am Kunstmarkt dar, der sensationelle Zuschlag bei € 300.000 / € 378.000, das Zehnfache des Ausgangspreises, begeisterte aber zweifellos! Ein unglaublicher Rekord verzeichnete aber auch die Bernsteinfarbene Warzenflasche des 18. Jhd., mit € 33.000 / € 41.600 ein absoluter Spitzenpreis! Die KLASSISCHE MODERNE wiederum konnte nicht nur fast 90% des Angebotes zu hervorragenden Preisen verkaufen, die Sparte machte v.a. mit Top-Zuschlägen Furore: wenn bei Alfons Walde tief verwurzelte, gesunde Männlichkeit an einem blendend weißen Wintertag seine Stärke zeigt, dann klettern die Preise eben in neue Höhen: Bis € 220.000/ € 277.000 für den (kleinen) Sonntag und noch weiter

bis € 270.000 / € 340.000 für den Bauernsonntag! JUGENDSTIL & MODERNES DESIGN erreichte einmal mehr für einen Jüngling aus Marmor von George Minne den beachtlichen Preis von € 75.000 / € 94.500, für einen Palmblätter-Spiegel von Dagobert Peche € 55.000 / € 69.300 und für die zauberhafte Brosche von Otto Prutscher € 35.000 / € 44.100. In der Sparte 19. JAHRHUNDERT wetterten die Bieter um Rudolf von Alts malerisch intensive Ansicht der Ruine Weitenegg an der Donau (€ 32.000 / € 40.320) und um das nächtliche Schauspiel des belgischen Malers Petrus van Schendel bis € 38.000 / € 47.800. Das liebliche Waldblumenbild von Marie Egner war nicht unter € 28.000 / € 31.600 und Olga Wiesinger-Florians Zyklamen nicht unter € 38.000 / € 42.900 zu haben. Nächste Auktion: 27.Jänner 2015 Kostbarkeiten, 24. März 2015: Zeitgenössische Kunst. (Foto: im Kinsky)


11 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Alfons Walde (1891 – 1958), Schifahrer am Horn, um 1925, Tempera auf Papier, 12 x 10 cm (Passepartout), SP € 25.000 – 50.000


12 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Johann Josef Endletzberger (1779 – 1856), „Tempel des Glückes“, Wien um 1825, Collage mit Goldpapier, 8 x 9,5 cm SP € 500 – 1.000

104. Kinsky-Auktion – „KOSTBARKEITEN“ zu feinen Preisen 27. Jänner: Alte Meister, 19. Jahrhundert, Antiquitäten, Jugendstil 28. Jänner: Klassische Moderne, Zeitgenossen Im Neuen Jahr ladet das Auktionshaus im Kinsky gleich zu Beginn zu seiner alljährlichen Auktion der feinen KOSTBARKEITEN ein. Knapp 1.000 Objekte bieten zu moderaten Preisen ab € 500 - € 30.000 ein weites Spektrum an schönen, seltenen und originellen Objekten, die Sammlungen ergänzen oder zum Sammeln verlocken lassen. Eine Rarität für Liebhaber besonderer Stücke bietet das Konvolut an Wiener Grußkartenbillets, die zur Zeit des Wiener Kongresses bis um 1840 in Wien von größter Beliebtheit waren. Die herausragende Künstlerpersönlichkeit war Johann Joseph Endletzberger, der als gelernter Graveur diese

zarten Geschenke anlässlich von Höflichkeitsbesuchen in kunstvolle und exquisite Collagen aus Papier, Gold, Perlmutt, Stroh oder auch Gras verwandelte. Manche hatten auch Ziehlaschen, mit denen sich versteckte Motive hervorholen ließen. Versehen mit einem sinnigen Spruch dienten diese Billets zweifellos als beredte Überbringer zarter Gefühle. Ihr hoher Preis führte letztlich zu einer offiziellen Untersagung des Kaisers, damit diese kunstvollen Grüße nicht den Ruin der Überbringer bedeuteten. Heute können sie geradezu wohlfeil ab € 250 erworben werden.


13 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Johann Josef Endletzberger (1779 – 1856), „Wiener Kunstbillet“, Wien um 1825, Collage mit Goldpapier, 8 x 9,5 cm SP € 500 – 1.000

Weit länger hielt sich der Brauch, Tabakdosen bei sich zu tragen, die ähnlich aufwendig mit Schildpatt oder mit Miniaturen verziert wurden. Aus dem Besitz des berühmten Wiener Sammlers Richard Steiskal-Paur stammt die gebotene Auswahl. Umfangreich ist weiters das Angebot an Keramiken der Wiener Werkstätte und Metallobjekte aus der Werkstätte Karl und Franz Hagenauer. Liebhaber der Zeichnung und der spontanen oft weit intimeren Niederschrift eines Künstlers werden sowohl im Zeitraum der Klassischen Moderne wie bei den Zeitgenossen fündig werden.

Skizzen aus England in Kohle von Oskar Kokoschka (Houses of Parliament I und II) und Rudolf Wacker oder Bilder in Tempera und Gouache von Alfons Walde. Dessen Schifahrer, Almütten oder das pikante „Liebesspiel mit Peitsche“ werden fraglos großes Interesse erregen. Arbeiten von Bruno Gironcoli, Oswald Oberhuber, Siegfried Anzinger, Paul Flora u.v.m. erlauben ein optisches Stöbern durch die Entwicklung der österreichischen Avantgarde.(Foto: © im Kinsky)


14 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Johann Josef Endletzberger (1779 – 1856), „Duftendem Kranz“, Wien um 1825, Collage mit Goldpapier und Perlmutt, 8 x 6,4 cm SP € 500 – 1.000


15 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Surreale Welten und politische Karikatur ZEITGENÖSSISCHE KUNST - 24. März 2015 Die Märzauktion für Zeitgenössische Kunst kann mit zwei bedeutenden Sammlungen aufwarten: dem Nachlass von Helmut Leherb und einem Konvolut von 289 Karikaturen des österreichischen Meisterzeichners Paul Flora. Helmut Leherb (1933-1997) war ein ungewöhnlicher, vielseitiger Künstler, ein präziser Zeichner und Maler, aber auch einer der ersten, surrealistischen Installationskünstler. Eine besondere Auswahl dieser Gruppen präsentiert der Nachlass mit Graphiken, Ölbildern und, als kleine Sensation, mit Skulpturen, bestehend aus mit Vögeln und Perlen bestickten Modellpuppen, Blumentöpfen aus Keramikköpfen oder Tische auf Händen und Füßen. Dieses umfangreiche Konvolut wird nun erstmals zum Verkauf angeboten und bringt das Werk dieser schillernden Künstlerpersönlichkeit seit langem wieder auf dem Markt. Die Preise rangieren zwischen € 3.000 und € 27.000. Leherb gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Phantastischen Realisten, löste sich aber davon und sah sich selbst als einzigen Surrealisten Österreichs. Seine Karriere begann in Paris, wo er mit seiner Frau, der Malerin Lotte Profohs in den 1960er und 1970er Jahren lebte und die skurril, surrealistische Kunstavantgarde kennenlernte. Früh war er international erfolgreich, in Österreich sorgte er u.a. für einen der ersten Kunstskandale, nachdem seine Einladung zur Biennale in Venedig 1964 kurzfristig abgesagt wurde. Nach seiner Rückkehr nach Österreich sorgte er vor allem mit monumentalen Wandkeramiken, wie jene in der ehemaligen Wirtschaftsuniversität in Wien, für Aufsehen.

Mit spitzem Bleistift und noch schärferer Pointe verstand es Paul Flora (1922 – 2009) wie kein anderer, das allzu Menschliche und die politischen Untiefen im Besonderen zu Papier zu bringen. Legendär sind seine Karikaturen, die er zwischen 1957 und 1964 für die Hamburger ZEIT und für die Tiroler Tageszeitung wöchentlich veröffentlicht hatte. Die Originalzeichnungen in Bleistift und teilweise Tusche für die Redaktion der Tiroler Tageszeitung aus den Jahren 1958 – 1964 werden nun aus einer Sammlung angeboten und in Positionen von je rund 15 Stück zum Schätzpreis ab € 3.000 bzw. 5.000 angeboten. Die Themen rufen die politisch spannenden Zeiten des Kalten Krieges hervor, mit den Auseinandersetzungen vor der Teilung Berlins, den Nahostkonflikt und als bis heute bleibende Konstante die Querelen der rotschwarzen Koalition. Die originalen Zeichnungen werden erstmals am Kunstmarkt angeboten und ergänzen mit ihren humorvollen wie geistreichen statements das Werk dieses bedeutenden Zeichners. Aus dem internationalem Spektrum ragen Mischtechniken von Franz West (je € 10.000 – 20.000), ein in leuchtendes Blau getränkte Bildskulptur auf Gummibasis von Rudolf Stingel (€ 25.000 – 50.000), sowie ein hervorragende Arbeit von 1974 des erst 2012 verstorbenen, abstrakten Expressionisten Paul Jenkins („Phenomena Saladin’s Robe; € 15.000 – 30.000) hervor. Noch nie am Markt war bisher der Entwurf für „Figur II“ aus dem Jahr 1961 von Fritz Wotruba. Angeboten wird noch dazu eine der nur zweimal ausgeführten Künstlergüsse (€ 25.000 – 50.000). (Foto: Auktionshaus im Kinsky) Download-Online Katalog(klicke hier)


16 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Helmut Leherb, Kattowitzer Madonna, Öl auf Leinwand, 93 x 64 cm, Schätzpreis € 20.000 – 40.000


17 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Abbildung 1 Helmut Leherb (1933-1997), Le roi c’est moi, Öl auf Leinwand, 101 x 75 cm, Schätzpreis € 20.000 – 40.000


18 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Rudolf Stingel, Ohne Titel, 1994, Mischtechnik, 33,5 x 23,5 cm, Schätzpreis € 25.000 -50.000


19 | KUNST.INVESTOR Auktionshaus Kinsky

Paul Jenkins, Phenomena Saladin’s Robe, 1974, Acryl auf Leinwand, 152 x 136 cm Schätzpreis € 15.000 -30.000


22 | KUNST.INVESTOR Artcurial

Foto: © ARTCURIAL

ARTCURIAL erzielt Rekordergebnisse für PANERAI Führendes französisches Auktionshaus erzielte weltweites Rekordergebnis von 125.800 Euro für eine PANERAI RADIOMIR EGIZIANO.

Nach Ausstellungen in Mailand, Genf und Paris auktionierte ARTCURIAL in Paris seltene Zeitmesser des italienischen Traditionsherstellers PANERAI. Bei der „PANERAI ONLY“ Auktion im Pariser Stammhaus des führenden französischen Auktionsunternehmens wechselten über 60 Uhren den Besitzer, wodurch ein Gesamtumsatz von 1.014.010 Euro realisiert wurde. Dem Kaufpreis nach gemessen, stammen über 50 Prozent der Käufer aus Asien. Den Höchstpreis erzielte eine seltene, für die ägyptische Marine hergestellte, PANERAI RADIOMIR EGIZIANO aus dem Jahr 1956, die um 125.800 Euro nach Asien verkauft wurde. Es ist die höchste Summe, die für dieses Modell je bei öffentlichen Auktionen bezahlt wurde – und somit Weltrekord. Einen zweiten Weltrekord zahlte ein

europäischer Sammler für eine PANERAI RADIOMIR PAM00021 mit 103.500 Euro, die das 30. einer auf 60 Stück limitierten Auflage aus dem Jahr 1997 ist. Zwei weitere Modelle wurden im sechsstelligen Bereich auktioniert: Eine ROLEX POUR PANERAI LUMINOR um 101.000 Euro und eine ROLEX POUR PANERAI MARINA MILITARE um ebenfalls 101.000 Euro. „PANERAI spricht ein Klientel an, das ein besonderes Gespür und Feinsinn für die seltenen Raritäten der Florentiner Uhrenmanufaktur hat. Seltene VintageModelle sorgen für hohes internationales Interesse, wie die ‚PANERAI ONLY’ Auktion mit zwei Weltrekorden wieder eindrucksvoll bewiesen hat“, betont ARTCURIAL Wien-Direktorin Caroline Messensee.


23 | KUNST.INVESTOR Artcurial

ARTCURIAL überholt Christie’s 2002 gegründetes Auktionshaus baut seine Marktführerschaft in Frankreich aus. Mit 192 Millionen Euro Jahresumsatz liegt ARTCURIAL vor dem Traditionshaus Christie’s.

In der nur zwölfjährigen Geschichte des französischen Auktionshauses gelingt es ARTCURIAL, sich am Heimatmarkt vor Christie’s zu positionieren. Mit einem Rekordumsatz von 192 Millionen Euro ist ARTCURIAL unangefochtener Marktführer in Frankreich. Ron Arad schreibt dazu im renommierten Wall Street Journal: „ARTCURIAL leistet hervorragende Recherchearbeit und bietet einzigartige Auktionen geschlossener oder privater Sammlungen.“ Seit September 2014 ist ARTCURIAL auch mit einer Dependance in Wien vertreten. „Das Ergebnis ist ein Meilenstein in unserer erfolgreichen Expansionsstrategie und unterstreicht unsere Position als erste Adresse für hochwertige Sammlerstücke und anspruchsvolle Kunst“, kommentiert Direktorin Caroline Messensee. Zuletzt machte ARTCURIAL mit dem Sensationsfund der 60 Automobile umfassenden Sammlung Baillon auf sich aufmerksam, die im Rahmen der Retromobile am 6. Februar 2015 in Paris auktioniert werden wird. Im Vergleich zum Vorjahr kann ARTCURIAL seinen Umsatz um acht Prozent steigern, womit das Auktionshaus den Spitzenplatz in Frankreich einnimmt. Das Umsatzwachstum der letzten drei Jahre

liegt sogar bei 50 Prozent. 75 Prozent aller Verkäufe über 50.000 Euro erfolgen an internationale Kunden. 2014 kamen insgesamt 50 Privatsammlungen unter den Hammer und 80 Verkäufe erfolgten an bekannte Museen im In- und Ausland. 14 Lots erzielten Auktionsergebnisse von je über einer Million Euro. In Summe konnten 44 Weltrekorde erzielt werden. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 ist ARTCURIAL das führende international agierende Auktionshaus Frankreichs. Das Unternehmen verfügt über 25 Fachabteilungen und erzielte 2014 einen Gesamtumsatz von 192 Millionen Euro. Das Umsatzwachstum der letzten drei Jahre liegt bei über 50 Prozent und 75 aller Verkäufe erfolgen an internationale Kunden. ARTCURIAL ist europäischer Marktführer bei Comics, orientalischer Kunst und Automobil-Sammlerstücken sowie in Frankreich und Monaco für Schmuck, Juwelen und Uhren. Neben Paris ist ARTCURIAL mit Niederlassungen in Wien, Brüssel und Mailand sowie China vertreten. Ausgewählte Highlights werden zudem in Wanderausstellungen in den vereinigten Staaten und Asien präsentiert.


26 | KUNST.INVESTOR Dorotheum

Maria Lassnig, "Der Wald", erzielter Preis â‚Ź 491.000,- (WELTREKORD)


27 | KUNST.INVESTOR Dorotheum

REKORDAUKTIONEN UND SPITZENPREISE Auktionsrückblick 2014: Dorotheum mit starken Zeitgenossen

Zahlreiche Weltrekorde und einige beste Auktionen der Geschichte des Hauses kennzeichneten das Auktionsjahr 2014 im Dorotheum. An erster Stelle der Top-Ergebnisse steht das monumentale Gemälde „Der Narrenhandel“ des flämischen Altmeister-Malers Frans Verbeeck. 3.035.000 Euro bedeuten Weltrekord für ein Werk des Künstlers und einen der höchsten Preise, die je in Österreich bei Auktionen erzielt wurden. Die Auktion „Zeitgenössische Kunst“ im November war mit über 14 Millionen Euro Umsatz die beste in der Geschichte des Dorotheum. Robert Indianas Skulpturenserie NUMBERS ONE through ZERO erreichte hervorragende 969.419 Euro. 2014 war auch das Jahr höchst erfolgreicher Versteigerungen von Arbeiten von Lucio Fontana: So wurde mit 1.079.300 Euro für „Concetto Spaziale“ in Gelb-Schwarz von 1957 ein Rekord für ein Bild dieser Periode erzielt. „Zone Riflesse“, ein Bild des italienischen Avantgardisten Paolo Scheggi, erreichte im Mai mit 573.300 Euro einen Weltrekordpreis. Die November-Auktion wurde zudem zu einem fulminanten Erfolg für das Werk Maria Lassnigs: Den Weltrekordpreis von 491.000 Euro erreichte ihr Gemälde „Der Wald“ von 1985, mit 417.800 Euro war ein Stillleben mit rotem Selbstporträt erfolgreich. 295.800 Euro für ein 1961 entstandenes Stahlbeton-Zement-Eisenbild von Giuseppe Uncini stellt ebenfalls einen Weltrekordpreis für eine Arbeit dieses Künstlers. Regen Zuspruch fanden auch Werke der Klassischen Moderne. Ein „Sitzender Akt“ von Egon Schiele erreichte hervorragende 405.600 Euro,

Alexander Archipenkos 1913 entstandene KopfSkulptur 283.600 Euro, Tullio Cralis futuristisches Ölbild „Medicante e Tabarin“ den Weltrekordpreis von 146.700 Euro. Solide Ergebnisse verzeichneten auch die Sparten Gemälde des 19. Jahrhunderts – inklusive Weltrekordpreis von 149.400 Euro für ein Werk von Adolf Kosarek – , Jugendstil und Design. Besonders starke Nachfrage gab es 2014 für die Sparten antikes (russisches) Silber, Juwelen, Armbanduhren, Münzen und Medaillen bzw. Orden. Die asiatische Kunst debütierte im Juni mit der Versteigerung eines seltenen Sets von acht Lapislazuli-Tafeln aus der Qing-Dynastie, die für 268.700 Euro den Besitzer wechselten. Das höchste Einzelergebnis in der Geschichte der Kaiserhaus-Auktionen wurde heuer erzielt: 134.500 Euro bewilligte ein Saalbieter für einen Reithut Kaiserin Elisabeths, welcher auch von ihrer Lieblingstochter, Erzherzogin Marie Valerie, stammen könnte. Das beste Gesamtergebnis des Dorotheum bis dato gab es auch bei der Sparte „Klassische Fahrzeuge“ im Oktober. Dabei wechselte der Ferrari 1972 Dino 246 GT für 330.000 Euro den Besitzer. Großen Publikumsandrang verzeichneten die neuen Räumlichkeiten der im Kunstviertel Mayfair gelegenen DorotheumRepräsentanz in London, wo im Oktober Höhepunkte der Altmeister-Auktion sowie der Pittura Oggetto ausgestellt wurden. Martin Böhm „Das erweiterte Angebot für Gegenwartskunst bewährt sich bestens und wird weiter ausgebaut“, so DorotheumGeschäftsführer Martin Böhm. (Foto: Dorotheum)


28 | KUNST.INVESTOR Dorotheum

Franz Verbeeck (Mechelen um 1510 – 1570), Der Narrenhandel, Öl/Leinwand, 135 x 188 cm, eerzielter Preis € 3.035.000

Egon Schiele (1890-1918), Sitzender Akt, 1917, schwarze Kreide auf Papier, 29,5 x 46 cm, erzielter Preis € 405.600


29 | KUNST.INVESTOR Dorotheum

Martin Kippenberge, "Fred the Frog",erzielter Preis â‚Ź 873.000


30 | KUNST.INVESTOR Galerie Michaela Stock


31 | KUNST.INVESTOR Galerie Michaela Stock

EVELYN LOSCHY | ZERREISSPROBE In ihrer ersten Einzelausstellung in Wien zeigt die junge Künstlerin Evelyn Loschy einen Ausschnitt aus ihrem bisherigen Schaffen. Im Fokus steht der Mensch in seinem Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlichem Anspruch und körperlich-seelischer Möglichkeit. Die „Zerreißprobe“ zwischen diesen Polen gewinnt in den präsentierten Werken einen spielerischen Charakter. Loschy löst die tragenden Elemente der jeweiligen Szenerie - seien es Schaukelstühle, Blasebälge, BHs der Großmutter oder Filmausschnitte - aus dem Kontext, um im Laufe des künstlerischen Aktes eine neue Dynamik zu inszenieren. In dem einen oder anderen Fall vermag

dieser, vom ursprünglichen Druck zu befreien und eine neue Ordnung herzustellen. Dass das Spiel auch bitterer Ernst ist, lässt die Bildsprache der Künstlerin außer Zweifel. Loschy arbeitet mit einer Vielzahl an Materialien und Methoden, von Video, Fotografie, Land Art und ortsspezifischen Interventionen bis hin zu kinetischen, (auto)destruktiven Skulpturen, die in den letzten Jahren den Schwerpunkt ihres Schaffens darstellen. Die kinetische Skulptur IS IT ME bildet daher auch einen wesentlichen Teil der Ausstellung. Sie zeigt einen eisernen Schaukelstuhl, der mithilfe eines Motors permanent in Bewegung versetzt wird.


32 | KUNST.INVESTOR Galerie Michaela Stock

Zwei Blasebälge an den Hinterkufen des Stuhls werden dadurch ebenfalls aktiviert und hauchen einer menschlichen Gestalt, die auf dem Schaukelstuhl sitzt, Luft/Leben ein. Durch ein Ventil am Herzen und eines am Kopf wird Sauerstoff in die aufblasbare Puppe gepumpt und ihr auch wieder entzogen – Körper und Maschine, Herz und Kopf formen ein Perpetuum mobile. ME AND MY SELVES zeigt ein Found FootageVideo basierend auf der Verfilmung des Romans „Die Geierwally“ von 1921. Loschy verwendet nur jene Ausschnitte des Originalfilms, in denen die Protagonistin allein im Bild zu sehen ist. Durch die unterschiedlichen Stimmungen, Kostüme sowie

Hintergrundkulissen entstehen aus dieser einen Figur mehrere Variationen ihres Selbst. ME AND MY SELVES lässt diese unterschiedlichen Facetten miteinander kommunizieren und erzählt so eine Geschichte über Widerstand, innere Zerrissenheit und den Kampf um Macht und Unterliegen. ENTKOPPELUNG, ein Stop-Motion-Video, zeigt die Künstlerin in Aktion mit den BHs ihrer Großmutter – ein Spiel wie ein Kampf, eine Entkoppelung von eingerosteten Denkschemata, die mittels des Sounds einer mechanischen Schreibmaschine codiert hörbar sind. Ausstellungsdauer bis 7.3.2015 (Foto: © Galerie Michaela Stock, Evelyn Loschy)


34 | KUNST.INVESTOR Galerie Christine König

ADEL ABDESSEME Die Soldaten

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung hat im vergangenen Jahr weltweit 20 bewaffnete Auseinandersetzungen gezählt, die man als Kriege einstufte. Dazu kommen, eine Stufe darunter, 415 Konflikte, die teilweise als hochgewaltsam bewertet wurden. Viele dieser Kampfhandlungen sind, auch was die allgemeine Wahrnehmung betrifft, so weit entfernt, dass sie das Bewußtsein des Westens gar nicht erreichen, etwa in der zentralafrikanischen Republik, in Myanmar oder in entlegenen Regionen Indiens. Doch die andauernden Kämpfe in der Ostukraine zeigen, dass der Krieg auch aus dem Wirkungsbereich der sogenannten hochzivilisierten Staaten der EU keineswegs für immer verschwunden ist. Das Schlagwort vom "Ende der Geschichte", das Francis Fukuyama nach dem Ende des Kalten Krieges geprägt hat, wurde längst als Trugbild entlarvt. Geschichte wird gemacht, es geht voran - aber eben nicht mehr unter

den übersichtlichen Bedingungen eines Gleichgewichts des Schreckens, sondern als unvorhersehbares terroristisches Attentat oder als spontane Volkserhebung in autokratischen Regimen. Der exilalgerische Künstler Adel Abdessemed, der seine künstlerische Agenda einmal mit den Worten "handeln, widerstehen und schaffen mit der Absicht, die Welt zu verändern" beschrieben hat, trägt der Ubiquität des Krieges in zeitgenössischen Lebens- und Medienwelten in der Serie "Soldaten" Rechnung. Seine mit dickem Strich grob schraffierten Kohlezeichnungen von Kämpferkörpern in voller Ausrüstung, mal mit der Schusswaffe im Anschlag, dann wiederum relaxed auf den nächsten Einsatz wartend oder gemächlich voranschreitend, sind weniger individuelle Typologien als archetypische Erscheinungen, abgezogen vom Film oder von photojournalistischen Bildern, die der


36 | KUNST.INVESTOR Galerie Christine König

Künstler durch den Zugriff seiner Hand gleichermaßen appropriiert und abstrahiert hat. In Abdessemeds "Soldaten" hat das Mal du Siècle einer Epoche, in der Kriege privatisiert werden und das Gewaltmonopol des Staates erodiert, gewissermaßen ein visuelles Emblem gefunden. "Soldaten, Soldaten sind schöne Burschen" singt Marie in Wozzeck und man darf vielleicht darauf hinweisen, dass im Subtext der Zeichnungen ein erotisches Tremblement mitzittert, wenn man an jene fetischistische Leidenschaft denkt, die von Männern in Uniform häufig ausgelöst wird. Abdessemeds Zeichnungen, die jeweils nur einen Soldaten im Combat Dress zeigen, siedeln sich in einem Bereich zwischen Erinnerung und Halluzination an. Herausgelöst aus dem narrativen Kontext, in dem sie ursprünglich ihre

visuelle Kraft entfaltet haben, werden sie zu künstlerischen Platzhaltern einer hypostasierten Vorstellung von Shock and Awe, deren traumatische Afterwirkungen die meisten nicht aus dem eigenen Erleben, sondern einem in Kriegszeiten besonders massiven Medien-Impact schöpfen. Adel Abdessemeds "Soldaten" verkörpern Gewalt, jenseits einer wie auch immer gearteten Logik des Ausnahmezustandes, im buchstäblichen Sinne des Wortes: Nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Chiffre für einen ekstatischen Überschuss der Kräfte, der sich im Zeichen der Kunst / in der künstlerischen Zeichnung als fundamentalontologische Disposition manifestiert: The Horror, the Horror! Text: Thomas Miessgang(Foto: Galerie Christine König)


38 | KUNST.INVESTOR MAK

EOOS, Lichtlüfter für bulthaup b2, 2010, mit Dreibeintopf, Oberitalien/Tirol, ca. 15. Jh. © MAK/Nathan Murrell


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EOOS

EOOS (v. l. n. r.): Martin Bergmann, Harald Gruendl und Gernot Bohmann, Porträt, 2014 © Udo Titz

Das von EOOS im Jahr 2014 gestaltete MAK DESIGN LABOR bildet den Rahmen für einen Ausstellungsparcours, der die vielschichtige Entwurfspraxis der Studiogründer Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl veranschaulicht. Interventionen in allen Laborbereichen und zahlreiche Produkt- und Raumentwürfe spüren ihrer konsequent reduzierten, zwischen Archaik und Hightech verorteten Designsprache nach. Als sich Bergmann Bohmann und Gruendl im Jahr 1988 beim Studium an der heutigen Universität für angewandte Kunst Wien kennenlernten, lautete ihr erklärtes Ziel, nicht Starkarrieren wie etwa jener von Philippe Starck nachzueifern, sondern kreative Synergien gezielt als Trio zu nutzen. „Wie eine Rockband arbeiten“ wollten die drei Designer, deren Interaktion zum Dynamo für ein erfolgreiches Langzeitprojekt wurde. EOOS steht für Design jenseits beliebiger Massenware oder modischen Luxusguts, für Objekte und Konzepte, angereichert mit genuinen Werten. KonsumentInnen werden als autarke Wesen verstanden, die ihre Umwelt auch im Zeitalter der Digitalen Moderne unbewusst nach archaischen Mustern nutzen. Ihr 1995 gegründetes Studio nannten Bergmann, Bohmann und Gruendl bewusst EOOS, nach einem der Zugpferde des in Ovids poetischem MeisterwerkMetamorphosen am Firmament rasenden Sonnenwagens. EOOS zählt mit über 130 internationalen Designpreisen, darunter der renommierte Industrie-Designpreis Compasso d’Oro für

Unter dem Titel EOOS zeigt das MAK anlässlich des 20-jährigen Bestehens die erste große Werkschau des gleichnamigen österreichischen Designstudios und gibt Einblick in dessen poetisch-analytischen Entwurfsprozess.

das mit Matteo Grassi entwickelte Sitzsystem Kube (2004), zu den weltweit erfolgreichsten Designstudios. Besonderen Wert legen die Designer von EOOS auf eine Vielzahl technischer Patente, die verdeutlichen, dass sich das Studio nicht mit Standardlösungen zufrieden gibt. „Zwischen verbrennen und verloren gehen spielt sich alles ab“, beschreiben sie ihr Entwurfspathos, das teilweise langjährige Kunden wie Alessi, Armani, adidas, bulthaup, Dedon, Duravit, Lamy, Hermann Miller, Keilhauer, Walter Knoll oder Zumtobel schätzen. Für EOOS ist die „Poetische Analyse“ das Originäre an ihrem Designansatz, worunter sie keine Ideologie verstehen, sondern ein Werkzeug für den Entwurf. „Rituale, intuitive Bilder und Geschichten dienen als Ausgangspunkt oder Referenz für unsere Arbeits- und Denkweise“, so EOOS. Der auf jeden Auftrag abgestimmte theoretisch-philosophische Diskurs ist ihnen im Designprozess ebenso wichtig wie der funktional-ergonomische, materialtechnologische und formalästhetische Feinschliff. Patent und Poesie verbindet etwa das im Auftrag des italienischen DesignFabrikanten und Weinliebhabers Alberto Alessi entworfene asymmetrische Universal-WeinglasAlberto’s Vineyard (2009), aus dem sich rote und weiße Weinsorten unter Berücksichtigung unterschiedlicher geschmacklicher Entfaltungen gleichermaßen trinken lassen. MAK DESIGN LABOR- Ausstellungsdauer: 17. Mai 2015( Foto: MAK)


40 | KUNST.INVESTOR Belvedere

Foto: „Johns at work on Regrets“ ©John Lund


41 | KUNST.INVESTOR Belvedere

JASPER JOHNS: REGRETS Mit Jasper Johns: Regrets präsentiert das Obere Belvedere vom 13. Jänner bis 26. April 2015 nicht nur einen der bedeutendsten und vielseitigsten USamerikanischen Künstler, sondern zeigt erstmals eine Zusammenschau seiner neuesten Arbeiten, die in den vergangenen eineinhalb Jahren entstanden sind. Die Besucher haben damit die außergewöhnliche Gelegenheit, eine der wichtigsten Serien im zeitgenössischen Werk von Jasper Johns zu sehen. Präsentiert werden rund 30 Werke, darunter zwei Gemälde, Zeichnungen und Drucke. Beide zur Serie gehörigen Gemälde tragen den Titel Regrets. Die Idee dazu kam von einem Stempel, den der Künstler vor rund fünf Jahren produzierte, um mittels Aufdruck rasch den Strom der Anfragen und Einladungen, die ihn erreichten, abzulehnen. Als Siebdruck vergrößert ist der Schriftzug nun in der rechten oberen Bildecke zu sehen, wo er gleichsam als Signatur des Künstlers wie als Werktitel dient. Im Juni 2012 entdeckt Jasper Johns ein altes Foto des Künstlers Lucian Freud in einem Auktionskatalog, das als Teil einer Serie von dem britischen Fotografen John Deakin 1964 aufgenommen wurde. Der junge Maler Freud sitzt darauf auf einem Bett und hält die rechte Hand in einer Geste der Müdigkeit und Verzweiflung vor seine Stirn. Jasper

Johns ließ sich nicht nur von der Szenerie inspirieren, sondern auch von den Schäden, die die Fotografie selbst im Laufe der Jahre erlitten hatte. In den folgenden Monaten wurde das Foto zum Ausgangspunkt seiner Regrets-Serie. Darin führte er das Bild durch eine Folge von Kombinationen mit einer Vielzahl von Medien und Techniken. Jasper Johns bearbeite das Foto von Lucian Freud in einer Abfolge von Cross-Media-Permutationen, inklusive kleinformatiger Bleistiftskizzen, eines Sets von vier Tinte-auf-Plastik-Zeichnungen und zweier Drucke. Jedes Werk wird in Gegenüberstellung mit einer Auswahl von Entwürfen bzw. Erstversionen präsentiert. Johns bezog allerdings nicht nur das Foto von Lucian Freud (das oft als gespiegeltes Bild vorkommt) in seine Arbeit ein, sondern auch die materiellen Eigenschaften des originalen Schwarz-Weiß-Drucks, den Freud im Zuge seiner Studioarbeit stark beschädigt hatte. Der Verlust des Originalfotos spielt innerhalb der Serie ebenfalls eine zentrale Rolle, wenn dadurch eine dominante dunkle Form in der Mitte des Bildes kreiert wird. Diese Ausstellung basiert auf dem Originalkonzept des Museum of Modern Art, New York. (Foto: Belvedere, © Jasper Johns/ © Bildrecht, Vienna, 2014, Photo: © Jerry Thompson)


42 | KUNST.INVESTOR Belvedere


43 | KUNST.INVESTOR Belvedere


44 | KUNST.INVESTOR Kunsthaus Bregenz

Photo: Achim Kukulies, Düsseldorf, © Rosemarie Trockel, Bildrecht, Wien 2014, Courtesy Sprüth Magers

Rosemarie Trockel Rosemarie Trockel (geb. 1952) zählt international zu den bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation. Erste und nachhaltige Aufmerksamkeit erzielte sie in den 1980er Jahren mit Leinwandbildern, für die sie weder Pinsel noch Farbe benutzte, sondern die im Allgemeinen der Frau zugeordnete Fertigkeit des Strickens. So entstanden die heute legendären Strickbilder, bei denen sie zum Beispiel das Piktogramm für Wolle, den Playboy-Bunny oder Hammer und Sichel als institutionsreflektierende, feministische und politische Symbole verwendete. Von nicht geringerer kunsthistorischer Bedeutung sind ihre sogenannten Herdplattenarbeiten, die ebenfalls als Kommentare auf die Kunstgeschichte gedeutete werden könnten, etwa auf die in erster Linie von Männern dominierte Minimal Art. Dabei gelingt es Rosemarie Trockel in ihrer nunmehr über 30-jährigen Karriere immer wieder, mit neuen Werkkomplexen zu überraschen und sich nicht auf ein Medium oder ein Themenfeld reduzieren zu lassen. Für das Kunsthaus

Bregenz wird die Künstlerin eine Ausstellung entwickeln, die sich größtenteils aus neuen Arbeiten zusammensetzt. Neben ihren Posterund Collagearbeiten, die sie installativ präsentiert, wird sie vor allem speziell auf die Architektur des Baus von Peter Zumthor eingehende Werke schaffen. Im Zuge ihrer Vorbereitung interessiert sich Rosemarie Trockel besonders für die lokalen Handwerkstechniken des Bregenzerwaldes und nicht zuletzt für die traditionellen Trachten und deren besondere Art der Stoffverarbeitung. Auch aufgrund ihrer Auseinandersetzung mit diesen Themen verspricht die Bregenzer Präsentation — nach mehr als zwanzig Jahren die erste große Einzelausstellung von Rosemarie Trockel in Österreich — einige Überraschungen und neue Blicke auf das Werk dieser so bekannten Künstlerin. Ausstellungsdauer bis 6. April 2015 (Foto: Kunsthaus Bregenz)


45 | KUNST.INVESTOR Kunsthaus Bregenz

1978 Foto: Alfred Hablützel © Trix und Robert Haussmann, Lehrstück II, Störung der Form durch die Funktion

Trix & Robert Haussmann

Für den Auftakt des Jahresprogramms der KUB Arena sind die Züricher Architekten und Designer Trix und Robert Haussmann zu einer Ausstellung eingeladen. Seit der Gründung der »Allgemeinen Entwurfsanstalt« im Jahr 1967 arbeiten sie als Duo zusammen und hinterfragen in kritisch-ironischer Weise kanonisierte Lehren der Architekturgeschichte. Abseits des modernistischen Diktums »form follows function« folgen ihre verspielten Entwürfe einem kritischen Manierismus, der es ihnen erlaubt, Störungen zu erzeugen, Altes und Neues zu verschränken sowie mit Täuschungen, Mehrdeutigkeiten, Widersprüchen und dem Zufalls-

moment zu arbeiten. Ihre Da Capo Bar in Zürich, die Kronenhalle oder auch ihre Umgestaltung von Teilen des Züricher Hauptbahnhofes sind mittlerweile legendär. Die von ihnen entworfenen Möbel — wie Spiegelsessel, eine in Schubladensegmente aufklappbare kannelierte Säule oder Schrank-Skylines — zählen zu den wichtigsten Design-Ikonen der Schweizer Postmoderne. Für die KUB Arena entwickeln sie im Dialog mit der Architektur von Peter Zumthor eine neue ortspezifische Arbeit, die ungeahnte Räume und Perspektiven eröffnet. Ausstellungsdauer bis 6. April 2015 (Foto: Kunsthaus Bregenz)


46 | KUNST.INVESTOR Vienna Contemporary

Wiens internationale Kunstmesse ab 2015 in der Marx Halle

Unter neuem Namen und an neuem Ort veranstaltet die VF Betriebsgesellschaft mbH vom 24. bis 27. September 2015 die viennacontemporary, Wiens internationale Kunstmesse an der Schnittstelle zwischen Ost und West in der Marx Halle, Karl-FarkasGasse 19, 1030 Wien. Das unveränderte Team der VF Betriebsgesellschaft mbH, angeführt von der künstlerischen Leiterin Christina Steinbrecher-Pfandt und dem Geschäftsführer Renger van den Heuvel, garantiert die Kontinuität und steht wie schon in den letzten Jahren für die hohe Qualität des Messeprogramms und des Services für Galerien, KunstsammlerInnen, VertreterInnen von Kunstinstitutionen, BesucherInnen und VIP-Gästen. Mit dem neuen Namen und dem neuen Veranstaltungsort setzt der Betreiber der Kunstmesse, die VF Betriebsgesellschaft mbH, ein Zeichen für die Weiterentwicklung der internationalen Messe für zeitgenössische Kunst und für die Bedeutung des

Kunst-Marktplatzes Wien. Auch im Jahr 2015 wird die viennacontemporary ein umfangreiches Zusatzprogramm mit kuratierten Ausstellungsbereichen, Sonderausstellungen und einem mit internationalen ExpertInnen und KunstsammlerInnen besetzten Diskussionsprogramm bieten. Gemeinsam mit weiteren Ausstellungen und Veranstaltungen in der Stadt präsentiert die internationale Kunstmesse das Beste, das Wien an zeitgenössischer Kunst zu bieten hat. Mit dem Wechsel in die Marx Halle ist es möglich, bereits jetzt die Messetermine für die Jahre 2016 und 2017 zu fixieren und damit den Galerien und Kunstinstitutionen eine bessere Planung ihrer Teilnahme an der viennacontemporary zu ermöglichen. Die erste Ausgabe der viennacontemporary ist ein bedeutenden Schritt für die Stärkung Wiens als internationaler Marktplatz für zeitgenössische Kunst und als Ort des Austauschs und der Vernetzung der unterschiedlichen Kunstszenen der östlichen und westlichen Hemisphäre.


47 | KUNST.INVESTOR Art Cologne

ART COLOGNE 2015 Höchste Qualität in allen Angebotssegmenten

Die Teilnehmer der 49. ART COLOGNE stehen fest: Vom 16. bis 19. April 2015 zeigen rund 200 Galerien und Kunsthändler aus 23 Ländern Sammlern und Kunstliebhabern aus aller Welt einen hochkarätigen Überblick progressiver Kunst aus den prägenden Epochen der Klassischen Moderne, der Nachkriegskunst und der Zeitgenössischen Kunst. Im Sektor NEW CONTEMPORARIES bieten 29 Galerien, die nicht älter als zehn Jahre sind, spannende Positionen junger Künstler. Der 2014 neu etablierte Sektor COLLABORATIONS, der gemeinsam von der

ART COLOGNE und der New Yorker New Art Dealers Alliance (NADA) organisiert wird, verzeichnet in diesem Jahr 32 Teilnehmer, die an 22 Ständen ihre Interpretationen des Themas ‚Kollaboration‘ präsentieren. Die neue Hallenstruktur der ART COLOGNE mit drei thematisch eingeteilten Ebenen in Halle 11 der Koelnmesse sorgt für bessere Orientierung und ermöglicht den teilnehmenden Galerien ihre jeweiligen Stärken bestens auszuspielen.(Foto: Art Cologne)

Neben einem breiten Feld von Ausstellern, die bereits in den letzten Jahren dabei waren, sind folgende Galerien nach einer Pause nach Köln zurückgekehrt oder zum ersten Mal bei der ART COLOGNE vertreten: Aanant & Zoo (Berlin), acb (Budapest), Andriesse Eyck (Amsterdam), Anhava (Helsinki), Artelier Contemporary (Graz), bitforms (New York), BLAIN|SOUTHERN (Berlin), Borzo (Amsterdam), Massimo de Carlo (Milano), Chert (Berlin), Crone (Berlin), Döbele (Dresden), DUVE (Berlin), Ellis King (Dublin), Estonian Contemporary Art Development Center (Tallinn), Johannes Faber (Vienna), FAGGIONATO (London), Future Gallery (Berlin), Gmurzynska (Zurich/St. Moritz/Zug), Greene Exhibitions (Los Angeles), Hales (London), Hardhitta (Cologne), Jarmuschek + Partner (Berlin), Jeanrochdard (Paris), Niels Borch Jensen (Copenhagen), Kisterem (Budapest), Eleni Koroneou (Athens), Susanna Kulli (Zurich), Javier López (Madrid), Mai 36 (Zurich), Gio Marconi (Milano), Daniel Marzona (Berlin), Mayoral Galeria d'Art (Barcelona), Meyer Kainer (Vienna), OHWOW (Los Angeles), Priska Pasquer (Cologne), Pearl Lam (Shanghai), Giorgio Persano (Torino), Philipp Pflug Contemporary (Frankfurt), Berthold Pott (Cologne), Rawson Projects (New York), Repetto (London), Richard Saltoun (London), Karsten Schubert (London), SETAREH (Düsseldorf), Jacky Strenz (Frankfurt), Union (London), Valentien (Stuttgart), Vintage (Budapest), edith wahlandt (Stuttgart), Nicolai Wallner (Copenhagen), Whitestone (Tokyo)


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KUNSTINVESTOR Nr. 1, Ausgabe:Jänner 2015  

KUNSTINVESTOR Kunst.als.Kapitalanlage Ausgabe.Jaenner.2015 Chefredakteur.&.Herausgeber Michael.Ruben.Minassian

KUNSTINVESTOR Nr. 1, Ausgabe:Jänner 2015  

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