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MAGAZIN 2 · MAI 2014 CHF 6.–

CINDY SHERMAN Untitled Horrors 20 MENSCHENBILDER Sommerwerkstatt DIE FACKELN DES PROMETHEUS Johann Heinrich Füssli und Javier Téllez 34 ERWEITERUNG Das Neue Kunsthaus beschäftigt die Gerichte 10

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EDITORIAL

KunsthausErweiterung: Rekurs Liebe Leserinnen, liebe Leser, vermutlich haben Sie von den jüngsten Entwicklungen rund um die KunsthausErweiterung gehört. Sie erinnern sich: Unser Bauprojekt und der Gestaltungsplan wurden von den Zürcher Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern in einer Volksabstimmung im November 2012 angenommen. Es wurde kein Rekurs eingelegt. Das Projekt stand unmittelbar vor der Realisierungsphase. Auch das Fundraising der Kunstgesellschaft ist überaus erfolgreich, sodass rund 75 Millionen Franken private Mittel zugesichert sind! Die Zusammenarbeit mit Sir David Chipperfield, der jüngst mit dem renommierten Praemium Imperiale des japanischen Kaiserhauses geehrt wurde, wie auch mit seinem engagierten Architektenteam Chipperfield Architects Berlin verläuft ausgezeichnet. Inzwischen arbeiten mehr als hundert Personen am Projekt. Die Vorbereitungen für den Baubeginn liefen auf vollen Touren (der Spatenstich war für Dezember 2013 vorgesehen, die Grundsteinlegung für den Frühsommer), als im Mai 2013 eine in Luzern ansässige Stiftung Archicultura Widerspruch gegen den Bauentscheid einlegte. Die Stiftung Archicultura wurde vom zuständigen Baurekursgericht als nicht beschwerdeberechtigt eingestuft und der Rekurs abgewiesen. Die Stiftung zog die Klage weiter. Die nächsthöhere Instanz, das kantonale Verwaltungsgericht, widerrief im Dezember das Urteil. Die Bauherrschaft (die sogenannte Einfache Gesellschaft Kunsthaus Erweiterung) fasste nach juristischer Prüfung den Beschluss, das Urteil nicht ans Bundesgericht weiterzuziehen. Nun muss das Baurekursgericht erneut und diesmal in der Sache entscheiden. Für den Fall, dass sich das Verfahren über mehrere Instanzen zieht, ist mit einer Verzögerung des Baubeginns für viele Monate zu rechnen. Vergaben können nicht oder nur eingeschränkt stattfinden. Das gesamte Projektteam, die Projektleitung und alle Fachplaner müssen für längere Zeit pausieren. Die Realisierung der Kunsthaus-Erweiterung muss in diesem Frühjahr bis auf Weiteres unterbrochen werden. Alle, die als exzellentes Team mit grossem Elan und Sachverstand an der KunsthausErweiterung arbeiten, bedauern diese Entwicklung sehr. Zugleich sind alle Beteiligten zuversichtlich, dass das Projekt in absehbarer Zeit wieder gemeinsam und kraftvoll angeschoben und dann zügig realisiert wird! Unsere erfolgreiche Arbeit an den Ausstellungen und Sammlungspräsentationen ist von dieser Situation nicht unmittelbar berührt: Freuen Sie sich mit uns auf ein aufregendes Jahr mit Cindy Sherman, Egon Schiele, Jenny Saville und vielen anderen; auf neue Perspektiven in der Sammlung und ein reichhaltiges Programm. Wir freuen uns auf Ihren Besuch im Kunsthaus! Ihr Christoph Becker

Illustration: Kaja Paradiek

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GUT ZU WISSEN

SUBJEKT DER BEGIERDE

Aus Verbundenheit

KULTURNEWS Residenzen mit Pro Helvetia Die Verbindungsbüros von Pro Helvetia in Ägypten, Indien, China und Südafrika unter­stützen Atelier- und Recherche-Aufenthalte. Bewerben können sich Schweizer Künstler­­innen und Künstler sowie Kulturschaffende aus den Bereichen Visuelle Künste, Musik, Literatur, Theater und Tanz. Im Gegenzug ermöglicht Pro Helvetia Kunst- und Kultur­­schaffenden aus den oben genannten Re­­gionen Aufenthalte in der Schweiz. www.prohelvetia.ch/residenzen Zurich Art Space Guide

Foto © Caroline Minjolle

Wir suchen Mitglieder der Zürcher Kunstgesellschaft, die uns schon mehr als zwanzig Jahre die Treue halten! Seit Mitte der neunziger Jahre führen wir eine Statistik über die Dauer der Mitgliedschaften. Warum das in früheren Zeiten nicht festgehalten wurde, wissen die Götter. Wir ahnen, dass es viele langjährige Mitglieder in der Kunstgesellschaft gibt, bei denen wir uns gerne einmal bedanken möchten für ihre Treue, ihr Vertrauen und ihre stete Neugier aufs Kunsthaus. Und deshalb unsere Bitte: Wenn Sie seit mehr als zwanzig Jahren Mitglied der Zürcher Kunstgesellschaft sind, freuen wir uns über eine kurze Rückmeldung direkt an unser Mitgliedersekretariat, Frau Carin Cornioley, cc@kunsthaus.ch, Telefon 044 253 84 16. Vielen Dank zum Voraus – wir freuen uns sehr über Ihre Mitteilung!

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Der Zurich Art Space Guide ist ein kosten­loses Faltblatt, welches nichtkommerzielle, unabhängige Ausstellungsräume und -projekte auflistet. Die Kunstszene Zürich soll damit besser wahrnehmbar und zugäng­licher werden. Der Guide liegt an vielen Orten auf und wird zwei Mal jähr­lich aktualisiert. Die nächste Ausgabe erscheint im August. www.artspaceguide.ch Portal für Filmfreunde Filmfreunde finden unter www.451.ch ein Portal mit vielen nützlichen Infos. Schauspieler, Komparsen und Crewmitglieder erstellen online ein Profil, ein Kalender gibt Auskunft über die anstehenden Filmfestivals und sogar Filme kann man sich anschauen. Infos zu Kursen und Workshops, News zu Kinoevents u.v.a.m. runden das Angebot ab. «Frühling lässt sein blaues Band … ... wieder flattern durch die Lüfte…». So be­ginnt Eduard Mörikes bekanntes Früh­jahrs­gedicht, das von Aufbruch, Hoffnung und Freude auf das jährlich wiederkehrende Leben kündet. Das Kunstmuseum Olten zelebriert mit seiner Ausstellung den Früh­ling als Fest der Farbe, des Lichts und der Jugend. 30 Schweizer Kunst­ museen und Sammlungen präsentieren Werke, die mit dem Thema des Frühlings, aber auch mit dem Kunstmuseum Olten in Zusammenhang stehen. Noch bis zum 25. Mai. www.kunstmuseumolten.ch


GUT ZU WISSEN

BIBLIOTHEK

Kunstszene Zürich 1910 bis 1940 Als 1910 das Kunsthaus Zürich eröffnete, gab es in der Stadt nicht viele Orte, an denen Kunst ausgestellt wurde. Ausser dem Helmhaus, wo regelmässig Schweizer Kunst gezeigt wurde, bot insbesondere der Kunstsalon Wolfsberg ab 1911 attraktive Ausstellungen mit Künstlern wie Paul Gauguin, Edouard Vallet und Cuno Amiet. Ebenfalls seit 1911 existierte die Galerie Neupert in der Bahnhofstrasse, in der vor allem Schweizer Kunst zu sehen war. Gustave und Léon Bollag eröffneten 1912 am Utoquai 29 – 31 den Salon Bollag und führten auch Kunstauktionen durch. Die Moderne Galerie in der Bahnhofstrasse 39 stellte im April 1914 Ölgemälde Picassos aus und im Mai desselben Jahres Gemälde von André Derain. Ab den zwanziger Jahren stieg die Zahl der Galerien in Zürich. 1919 eröffnete die Galerie Bernheim-Jeune aus Paris eine Filiale an der Bahnhofstrasse 42 mit einer Ausstellung französischer Malerei. Der Kunstsalon Rembrandt in der Kirchgasse 4 zeigte im Juli desselben Jahres eine von Herwarth Walden zusammengestellte Ausstellung mit Künstlern des «Sturm». An der Bahnhofstrasse 66 gab es ab 1924 die Galerie Aktuaryus mit Ausstellungen zu Ernst Ludwig Kirchner, Cuno Amiet und der Künstlergruppe «Rot-Blau». In der Bibliothek des Kunsthauses sind von fast allen Galerien Ausstellungskataloge überliefert, die heute sehr selten sind. Eine ergiebige Quelle ist auch die Pressedokumentation, welche die Zürcher Kunstgesellschaft von 1895 bis 1942 geführt hat. Da die in grosse Bände eingeklebten Artikel durch Namensregister erschlossen sind, findet man hier leicht zeitgenössische Informationen zur Kunstszene in Zürich, der Schweiz und Deutschland.

SHOPPING

Exklusiv expressiv!

Foto: Lena Huber

Das letzte Wochenende der wunderschönen Ausstellung «Von Matisse zum Blauen Reiter. Expressionismus in Deutschland und Frankreich» steht vor der Tür. Bei dieser Farbenpracht konnten auch wir aus dem Vollen schöpfen! Zum einen haben wir eine grosse Auswahl an Kunstpostkarten der gezeigten Gemälde drucken lassen, zum andern konnten wir eine Fülle von schönen und nützlichen Dingen für Sie produzieren. Bei uns finden Sie Praktisches für den Haushalt: schöne Serviertabletts, Tassen und passende Untersetzer. Exklusive Accessoires für sie und ihn: ein Seidenfoulard, Taschenspiegel, Schlüssel­­anhänger und hübsche Döschen mit Klapp­deckel. Darüber hinaus haben wir Puzzles, Notiz­büchlein, Magnete, Magnet-Sets, Drucke und Buchzeichen anfertigen lassen. Bei sämtlichen Artikeln ist die Anzahl beschränkt. Sie sehen also: ein letzter Besuch der Ausstellung lohnt sich. Ebenso lohnt sich der anschliessende Abstecher in den Museums-Shop!

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AUSSTELLUNGEN

Untitled Horrors

Cindy Sherman 6. Juni – 14. September 2014, Kuratorin: Mirjam Varadinis

Das erste Mal in Zürich zu sehen: Die grosse europäische Überblicksausstellung der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Bedrohliche und Groteske in Shermans Schaffen – die «Untitled Horrors».

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1  Cindy Sherman Untitled #129, 1983 Chromogener Farbabzug, 89,7 × 59,3 cm Louisiana Museum of Modern Art, Humblebæk, Denmark Donation: The New Carlsberg Foundation 2  Cindy Sherman Untitled #146, 1985 Chromogener Farbabzug, 184,2 × 125,4 cm Skarstedt Gallery, New York

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AUSSTELLUNGEN

3 Cindy Sherman Untitled #93, 1981 Chromogener Farbabzug, 61 × 121,9 cm Astrup Fearnley Collection, Oslo

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AUSSTELLUNGEN

Cindy Sherman (*1954) blickt auf eine lange und eindrückliche Karriere zurück. Sie gehört zu den wichtigsten Fotokünstlerinnen und ihre Arbeiten sind in bedeutenden Museen und Sammlungen vertreten. In Zürich wurde das Werk der Amerikanerin bisher allerdings noch nie umfassend gezeigt. Daher haben sich das Kunsthaus Zürich, das Astrup Fearnley Museum in Oslo und das Moderna Museet in Stockholm zusammengetan und organisieren nun gemeinsam die umfangreiche Retrospektive «Cindy Sherman – Untitled Horrors».

Nach der vor zwei Jahren am MoMA New York gestarteten Amerika-Tour der Künstlerin ist «Cindy Sherman – Untitled Horrors» die grosse europäische Überblicksausstellung, die auf Wunsch der Künstlerin nur an drei Stationen zu sehen sein wird – und das Kunsthaus Zürich ist eine davon.

Über 100 Werke Alle Schlüsselwerke aus den verschiedenen Schaffensperioden von Cindy Sherman sind in der Ausstellung zu sehen. Die Präsentation folgt keiner linear-

chronologischen Hängung, sondern eröffnet mit unerwarteten Kombinationen einen frischen Blick auf das Schaffen dieser wichtigen Künstlerin: Ikonische Arbeiten aus der Frühphase, wie die berühmte «Untitled Film Stills»-Serie, die an Standbilder des italienischen Neorealismus sowie an den amerikanischen Film Noir erinnern, treffen auf spätere Fotografien der «Hollywood/Hampton Types» (2000 – 2002), oder die «Clowns» (2003 – 2004) auf die «Sex Pictures»Serie (1992). Diese Gegenüberstellungen zeigen, wie die Künstlerin über viele Jahre hinweg mit einer beeindruckenden Konsistenz grundlegende Fragen der menschlichen Existenz thematisiert und dabei formal immer wieder neue Wege beschreitet.

Das Bedrohliche im Zentrum von «Untitled Horrors» Im Mittelpunkt der gemeinsam mit der Künstlerin zusammengestellten Ausstellung steht das Bedrohliche und Groteske in Shermans Schaffen – daher auch der Titel «Untitled Horrors». Dieser verweist einerseits auf die inhaltliche Ausrichtung der Schau, spielt andererseits aber auch mit der Tatsache, dass Cindy Sherman ihre Fotos immer mit «Untitled» bezeichnet. Die Künstlerin lässt die Lesart der Bilder offen und lädt stattdessen die Betrachter ein, die in den Bildern angelegten Geschichten selber zu entwickeln und sich einen Titel auszudenken.

Selten gezeigte Frühwerke Bereits 1975 entstanden Cindy Shermans erste Werke. Diese noch vor den berühmten «Untitled Film Stills» (1977 – 1980) entstandenen Fotografien produzierte die Künstlerin bei sich zu Hause mit Selbstauslöser und thematisierte darin bereits die für ihr Schaffen zentralen Themen von Identität und Rollenspiel. Eine Auswahl dieser frühen, bisher nur selten gezeigten Werke wird in der Ausstellung «Cindy Sherman – Untitled Horrors» ebenso zu sehen sein wie die neusten, monumentalen Arbeiten, die ganze Wände bedecken. Unterstützt von Swiss Re – Partner für zeitgenössische Kunst.

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AUSSTELLUNGEN

4  Cindy Sherman Cover Girls (Vogue), 1976 (Detail) Silbergelatineabzug, 26,7 x 20,3 cm 5 Cindy Sherman Untitled #549-C, 2010  Pigmentdruck auf PhotoTex, selbstklebender Stoff, variable Grösse 6 Cindy Sherman Untitled #153, 1985 Chromogener Farbabzug, 170,8 × 125,7 cm

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AUSSTELLUNGEN

7  Cindy Sherman Untitled #216, 1989 Chromogener Farbabzug, 221,3 x 142,5 cm Astrup Fearnley Collection, Oslo 8  Cindy Sherman Untitled #188, 1889 Chromogener Farbabzug, 110,5 x 166,4 cm The Museum of Modern Art, New York. Gift of the Dannheisser Foundation 9  Cindy Sherman Untitled #420, 2004 Chromogener Farbabzug (2-teilig), je 182,4 × 115,8 cm Astrup Fearnley Collection, Oslo Alle Werke: © Cindy Sherman Courtesy the artist and Metro Pictures, New York

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AUSSTELLUNGEN

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Untitled Horrors auch als Buch

Die App zur Ausstellung

Wie die Präsentation der Werke in der Aus­stellung, geht auch die Publikation neue Wege. Sie ist kein klassischer Katalog mit kunsthistorischen Texten. Stattdessen wurden Künstler und Schriftsteller aus Europa und den USA eingeladen, von Cindy Shermans Kunst ausgehend Texte zu schreiben, die das Werk in Beziehung zu Literatur, Musik, Schauspiel und Film stellen. Miranda July (Künstlerin, Schauspielerin), Lars Norén (Dramatiker, Lyriker), Sara Stridsberg (Journalistin), Sjón (Musik-Texter, Künstler) sowie die Schriftsteller Sibylle Berg, Karl Ove Knausgård und Kathy Acker sind mit Beiträgen in der Publikation vertreten.

Shermans Bildsprache lässt niemanden unberührt. Gerade heute, in Zeiten von Internet und Selfies, sind die in Cindy Shermans Schaffen zentralen Themen wie Identität, Selbstporträt und das Ins­zenieren von (Geschlechter)-Rollen von grosser Aktualität. Wir haben uns daher entschieden, eigens zur Ausstellung eine App zu entwickeln. Diese lädt die Besucher ein, aktiv zu werden und in der Tradition von Cindy Sherman selbst in verschiedene Rollen zu schlüpfen und sich zu fotografieren.

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KUNSTVERMITTLUNG

Sommerwerkstatt

Menschenbilder 12. Mai – 28. September 2014, Leitung: Sibyl Kraft

Foto © Caroline Minjolle

en r m a ti o n A ll e In fo in e n m r e T , en z u In h a lt S ie n e n fi n d e u n d Z e it ammr g o r c k te n P u r d e g im o n li n e : h e ft u n d .c h s n th a u s w w w.k u

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Kunstwerke stellen Menschen dar. Sie zeigen wie sie aussahen, welche Kleider sie trugen, was sie machten, und manchmal meint man sogar zu spüren, was sie dachten und fühlten. In Führungen und Gesprächen begegnen Sie in Porträts, Genre- und Historienbildern, Skulpturen und Fotografien dem Menschenbild von einzelnen Künstlern oder auch einer ganzen Epoche. Wir diskutieren Fragen zum idealen Menschen und zur Identität, zu Schönheit und Aus-

druck oder zur Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Unsere Ateliers sind offen für gestalterische Experimente: Malen und zeichnen, kleben und formen oder ein neues Bild von sich entwerfen, Geschichten erzählen und hören, tanzen und Bilder in Bewegung setzen oder sich inszenieren, Theater spielen und fotografieren.


KUNSTVERMITTLUNG

FÜR ALLE GENERATIONEN

GIM – Generationen im Museum Geschichtenwald: Erzählungen von einst und jetzt Wollen Sie einmal etwas Besonderes erleben? Bringen Sie Ihre Nachbarin, Ihren Göttibueb, eine Freundin oder Ihren Lehrmeister mit. Einzige Bedingung: Er oder sie sollte 15 Jahre älter oder jünger als Sie sein. Zusammen werden Sie Werke aus der Sammlung kennen lernen, Geschichten erzählen, verschiedene Ansichten erleben und sich bei einer kulinarischen Überraschung austauschen. Mit Eveline Schüep FAMILIEN MIT KINDERN AB 5 JAHREN Gross und Klein beschäftigen sich mit Kunstwerken und lassen sich zu eigenem Gestalten anregen 25.5: Hallo, Kinder! 29.6: Mensch, mal dich! 27.7: S  ommerzeit – Badezeit – Zeit für Kunst! 31.8: Inszenierter Schnappschuss 28.9: Mensch, mal dich!

FÜR KINDER UND JUGENDLICHE AB 3 JAHREN IN ERWACHSENEN­ BEGLEITUNG Mit dem Körper malen Kunst anschauen und staunen. Malen mit Händen und Füssen! AB 5 JAHREN Malatelier am Sonntag Die Eltern haben frei, während die Kinder sich mit Kunstwerken auseinander­ setzen und im Atelier selber malen. Mit dem Körper malen Kunst anschauen und staunen. Malen mit Händen und Füssen! Familiengeschichten Wir lernen auf den Bildern Kinder und ihre Eltern kennen und gestalten dann im Atelier unser eigenes Familienbild.

FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

Menschen, Wasser und Wellen Wo würdest du am liebsten baden? Male es auf einem eigenen Bild. Sprechende Bilder Wir erfinden und erzählen Geschichten zu Bildern und erschaffen im Atelier ein eigenes Menschenbild. 7 – 12 JAHRE Augen – Blicke Gesichtsausdrücke verraten die Ge­ danken und Gefühle einer Person. Wir formen uns mit Masken einen neuen Gesichtsausdruck. Kleider machen Leute Mit welchen Kleidern würdest du dich auf einem Bild zeigen? Bilder anschauen und malend eigene Kreationen erfinden. Können Bilder sprechen? Wir schauen uns die Menschen auf den Bildern ganz genau an und erfinden ihre Geschichten. Dann malst du dein eigenes sprechendes Bild. Modespaziergang durch die Jahrhunderte In der Sammlung einen Modespaziergang machen und anschliessend im Malatelier selber kreativ sein. Inszenierter Schnappschuss Wir schauen genau hin und setzen uns mit Kostümen, Hüten, Schminke und Requisiten selber in Szene. Schau dich um! Schau in den Spiegel: Das bist du! Verkleide, male und fotografiere dich! Der geheimnisvolle Koffer Wir schlüpfen in Kleider und Rollen, erfinden und spielen Geschichten. Die Hunderternote tanzend entdecken Steif und starr gehen oder sich weich und wabbelig bewegen: Tanzworkshop zu Alberto Giacometti mit Christiane Loch und Silvano Mozzini, Carambole tanz & theater.

Unterwegs Wir begegnen Menschen in Gärten, in den Bergen, am Wasser. In welcher Landschaft möchtest du dich zeigen? 10 – 14 JAHRE Figuren in Bewegung Eine Skulptur im Raum: Wir füllen die Gestalt mit Gefühlen, bewegen uns, skizzieren, tasten und modellieren. Dann suchen wir passende Musik zu den Kunstwerken und zu unserer eigenen Körper-Bewegung. Porträts und Selbstporträts – wie Maler sich und andere sehen. Wir entdecken, lassen uns anregen und malen dann unser eigenes Porträt in voller Grösse. Flash Mob: Kleider machen Menschen Aus weichem Papier formen wir verrückte, vornehme oder modische, aber immer tragbare Hüte und Kleider. An der Langen Nacht der Museen präsentiert ihr eure Kreationen und Outfits in einer kleinen Performance. Als Experten leitet ihr die Kunsthausbesucher beim Hüte entwerfen an und animiert sie an eurem Flash Mob mitzumachen.

FÜR ERWACHSENE KUNSTGESPRÄCHE  ine geschichtliche Reihe E In einer Reihe von Kunstgesprächen nehmen wir das sich wandelnde Bild des Menschen in den Blick. Vom Mittel­alter bis ins 20. Jahrhundert gehen wir der Frage nach, welches Menschen- und Weltbild sich uns in der Kunst zeigt. Diesseits und Jenseits Das Menschenbild des Mittelalters Genuss und Vergänglichkeit Barockes aus Zürich, Paris und den Niederlanden

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KUNSTVERMITTLUNG

FÜR ERWACHSENE

Vernunft und Gefühl Kunst des 18. Jahrhunderts Fin de siècle Giovanni Segantini und Edvard Munch

Sex and Crime: Erotik und Gewalt in der Kunst Von den Alten Meistern bis zu Cindy Sherman POETISCHE RUNDGÄNGE

Gründerzeit Kunst im jungen Bundesstaat Die 1960er und 1970er Jahre Pop Art: Kunst nach dem 2. Weltkrieg KUNSTGESPRÄCHE MIT GÄSTEN  er Angst ins Angesicht schauen: D Das Unheimliche in den Bildern Cindy Shermans Wie der Titel «Untitled Horrors» ver­spricht, sind die Fotografien Cindy Shermans Schauplatz schwer zu be­ schreibender Schrecken. Ein Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Johannes Binotto über das Unheimliche, in we­lchem sich die Unterscheidung von Echtheit und Künstlichkeit aufzulösen beginnt. Hülle und Fülle Was macht den Menschen aus? Wie verhalten sich Hülle bzw. Körper und Fülle bzw. Geist zueinander? Die Theologin Christina Aus der Au tritt in einen Dialog mit ausgewählten Kunstwerken und macht sich Gedanken über äussere und innere Menschenwerte. THEMATISCHE KUNSTGESPRÄCHE  ie Haut als Leinwand – Das Bild als D Fenster in fremde Welten Inszenierung und Selbstinszenierung bei Jeff Wall und Cindy Sherman Das Märchen von Gut und Bös Literarische Märchen in der Auseinander­setzung mit Werken von Cindy Sherman Künstlerin, Mäzenin, Muse oder Model(l) Frauenrollen in der Kunst – und was Kunst für diese Frauen bedeutet

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W  er bin ich? Das Ich und der Mensch im Fokus «  O Mensch, gieb acht...» Der Mensch: Aufweckendes und Unerwartetes in Bildern, Lyrik und Poesie. WORKSHOPS #  beimirläufts – Titled Selfies In Selbstporträts mit dem Smartphone kreieren wir unser alltägliches Ich. An­­hand der Bilder von Cindy Sherman dis­kutieren wir Fragen zur Identität, Persön­lichkeit und Selbstdarstellung. Wir fotografieren für die Selfies unseren erwünschten Gemütszustand und ex­ perimentieren mit der für die Ausstellung «Untitled Horrors» entwickelten App. Smartphone mitbringen! K  örper, Gesten, Spuren Nehmen Sie Bildnisse mit den Augen wahr, die mit dem Herzen sehen und üben Sie sich im intuitiven zeichnerischen Ausdruck. D  ie Kunst einen Menschen mit Strichen und Linien abzubilden Ausgehend von Originalzeichnungen in der grafischen Sammlung, lassen wir uns anregen, mit zeichnerischen Darstellungsmöglichkeiten zu experimentieren. P  orträt Am ersten Abend wird Marisa G. für Sie Modell sitzen. Die Zeichnungen sind das Material, das Sie nach einem gemeinsamen Rundgang durch die Sammlung weiter verfeinern oder verfremden werden. Am zweiten Abend beschäftigen Sie sich mit dem Thema Selbstporträt. Die Empfindung des Moments – Ferdinand Hodler getanzt Der Künstler liess sich von den zu seiner

Zeit neuen, ausdrucksstarken Tanzstilen zu seinen Bildern anregen. Umgekehrt wollen wir seine Themen und Ideen wie Parallelismus, Symbolismus und Eurythmie in die Bewegung und den Tanz einbringen. Tanzworkshop mit Christiane Loch und Silvano Mozzini, Carambole tanz & theater. Menschsein: Ideal fatal? Was wäre, wenn wir für einmal Prometheus spielen könnten? Wie sähe der perfekte Mensch aus? Wir diskutieren und gestalten den idealen Menschen. Skulpturen: Frauen und Männer bei Rodin, Brancusi, Maillol, Marini, Segal Modellierung der Oberfläche zeichnerisch erfassen, Bewegungen skizzieren, inszenieren und fotografieren. Menschen und Landschaft Menschen, Landschaft, Licht und Schatten – Bildbetrachtung und Gestalten der eigenen Bildideen zu diesem Thema.

GRUPPEN MIT BESONDEREN BEDÜRFNISSEN Wir bieten Ihnen eine Führung an, die auf Sie zugeschnitten ist, mit oder ohne gestalterisches Arbeiten im Atelier. Termine nach Absprache.

FÜR SCHULEN Von der Spielgruppe bis zur Berufsschule: Zum Thema Menschenbilder haben wir für alle Klassen etwas im Programm. www.kunsthaus.ch/de/kunstvermittlung/ schulen/schulklassen/

PROGRAMM UND ANMELDUNG Das gedruckte Programm bestellen, Informationen und Anmeldungen: kunstvermittlung@kunsthaus.ch oder telefonisch unter 044 253 84 84.


AUSSTELLUNGEN

Johann Heinrich Füssli Herakles erlegt den Adler des Prometheus, 1781–1785 Öl auf Leinwand, 63,6 x 76 cm Kunsthaus Zürich, Schenkung Gustav Zumsteg 1998

Johann Heinrich Füssli Entwurfszeichnung zum Gemälde «Herakles erlegt den Adler des Prometheus», 1781 Feder in Braun, über Grafit, laviert und aquarelliert, auf Papier, 29,8 x 39 cm Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung

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AUSSTELLUNGEN

Johann Heinrich Füssli und Javier Téllez

Die Fackeln des Prometheus 20. Juni – 12. Oktober 2014, Kuratoren: Bernhard von Waldkirch und Mirjam Varadinis

Im Rahmen der Festspiele Zürich 2014, die der mythologischen Gestalt des Prometheus gewidmet sind, zeigt das Kunsthaus Zürich anhand von zwei künstlerischen Positionen, wie zwischen 1770 und heute der PrometheusMythos adaptiert und neu interpretiert wurde.

Der gefesselte Prometheus, dessen Ikonografie in die griechische Antike zurückreicht, wurde bei Johann Heinrich Füssli (1741–1825) zur Identifikationsfigur des modernen Künstlers schlechthin. Ausgehend von einer anatomischen Spielerei, den sogenannten «Fünf-Punkte-Zeichnungen», in welchen die Positionen von Kopf, Händen und Füssen durch fünf willkürlich gesetzte Punkte auf einem Blatt Papier vorgegeben waren, entwickelte Füssli seinen subjektiven und hochexpressiven Figurenstil. Mit seinen Skizzen und Gemälden appellierte Füssli an die grenzenlose Schöpferkraft des modernen Menschen, verschwieg aber auch nicht die Gefahren, die mit dem Emanzipationsschub einhergingen. Im Mythos wird Prometheus für seinen Feuerraub bestraft. An einen Felsen des Kaukasus geschmiedet, wird ihm vom Adler des

Zeus täglich die Leber aus dem Leib gehackt. Erst nach vielen Generationen darf Herakles ihn befreien. Als weitere Strafe schickten die Götter Pandora auf die Welt, die den Menschen Unheil bringen sollte.

führen, entzündete man das Feuer ausgerechnet mit einer Prometheus-Fackel. Bis heute erinnert das Olympische Feuer, das von Athen aus über den ganzen Planeten gereicht wird, an die befreiende Tat des antiken Helden.

Prometheus-Feuer entzündet Prometheus wurde in der ganzen antiken Welt verehrt. Man bewunderte seine Tatkraft, durch die er rohe Gewalt und angestammte Macht in die Schranken wies. Diese Botschaft ist auch heute wieder hochaktuell. Einmal entzündet, lässt sich das Prometheus-Feuer kaum mehr unter Kontrolle bringen. Europa brauchte mehr als ein Jahrhundert, bis es die ungestüme Dynamik der industriellen Revolution zu bändigen und nutzbringend anzuwenden verstand. Als man im antiken Griechenland beschloss, die Olympischen Spiele zu Ehren des Zeus alle vier Jahre durchzu-

Arische Ideale und «entartete» Kunst Im 19. und 20. Jahrhundert haben sich Künstler wie Gustave Moreau, Arnold Böcklin, Max Klinger, Constantin Brancusi, Jacques Lipchitz, Barnett Newman und Tim Rollins von den Licht- und Schattenseiten der Prometheus-Sage inspirieren lassen. Eine der eindrücklichsten Arbeiten der Gegenwartskunst zu diesem Themen-Komplex entstand 2011. Wir zeigen sie in der raumfüllenden Film-Installation «Rotations (Prometheus and Zwitter)» von Javier Téllez (*1969), sozusagen als Fenster auf die Ausstellung, die Mirjam 27


AUSSTELLUNGEN Johann Heinrich Füssli Zwei Männerakte, 1770 – 1778 (Fünf-Punkte-Zeichnung) Kohle auf Papier, 26,9 x 15,7/18,8 cm Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung

Javier Téllez Rotations (Prometheus and Zwitter), 2011 Film-Installation mit zwei 35mm-FilmProjektionen, Farbfilm, ohne Ton, 7 Min. Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zürich, Foto: Thomas Strub © Javier Téllez

Varadinis dem venezolanischen ShootingStar im Herbst im Kunsthaus einrichten wird. Téllez‘ Arbeit «Rotations» handelt von zwei Skulpturen, die in entgegengesetzter Richtung rotieren: auf der einen Seite die Grossplastik «Prometheus» von 1937, die der NS-Künstler Arno Breker (1900–1991) für das Propagandaministerium in Berlin geschaffen hatte; auf der anderen das fragile Werk eines Art Brut-Künstlers namens Karl Genzel (eigentlich Karl Brendel, 1871–1925) mit dem Titel «Zwitter» aus dem Jahr 1920. Genzel gehörte zu jenen Künstlern, die Prinzhorn in seinem berühmten Buch «Bildnerei der Geisteskranken» (1922) ausführlich besprochen hatte. In seiner Anstaltszelle wechselten bei Genzel masslose Produktivität, Wutanfälle, halluzinatorische Erlebnisse und Freiheitsbegehren mit Tatenlosigkeit und 28

Resignation. «Prometheus» und «Zwitter» wurden im Jahr 1937 in den beiden wohl umstrittensten Ausstellungen des 20. Jahrhunderts in München gezeigt: Brekers überlebensgrosser Akt warb für die arischen Ideale der Nazi-Ideologie in der «Grossen Deutschen Kunstausstellung», während Karl Genzels kleine Holzskulptur mit den überdimensionierten Genitalien in der Ausstellung «Entartete Kunst» als Beispiel für die Pathologisierung der europäischen Avant-Garden herhalten musste. Die Wirkungsgeschichte des antiken Schöpfungsmythos, seine bedrohliche Dynamik und die erweckten Hoffnungen werden in dieser Ausstellung auf engstem Raum in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit vor Augen geführt. Unterstützt durch die Festspiele Zürich


AUSSTELLUNGEN Johann Heinrich Füssli Akt eines Gefesselten, 1770 – 1771 (Fünf-Punkte-Zeichnung) Bleistift, Feder in Braun, grau laviert auf Papier, 14 x 20,5 cm Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung

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AUSSTELLUNGEN

Konzert: «Mit Originalität gestempelt» Carl Philipp Emanuel Bach zum 300. Geburtstag Sonntag, 22. Juni, 15 Uhr, Hodlersaal Die international anerkannte Cembalistin Preethi de Silva trägt einige der bekanntesten Stücke aus Carl Philipp Emanuel Bachs «Klaviersonaten, freien Fantasien und Rondos» auf dem Hammerflügel vor. Als Einführung spricht Frau de Silva über die Verbindungen zwischen Bachs Musik und Beethovens Prometheus-Kompositionen. Davor rezitiert der Schauspieler Christian Dieterle (Berlin) Goethes Gedicht «Prometheus».

Publikation Zur Ausstellung erscheint eine Publikation auf Deutsch und Englisch mit Beiträgen von Bernhard von Waldkirch und Mirjam Varadinis (Verlag Scheidegger & Spiess).

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Festspiele Zürich 2014 Die Ausstellung «Die Fackeln des Prometheus» ist der Beitrag des Kunsthauses zu den Festspielen Zürich 2014. Vom 13. Juni bis 13. Juli stehen die Festspiele unter dem Motto «Prometheus – Entfesselung der Kräfte» und laden ihr Publikum ein, den Mythos des Feuerbringers und Kulturstifters der Menschheit neu zu entdecken. Künstlerisches Herzstück des reichhaltigen, spartenübergreifenden Programms ist Luigi Nonos selten aufgeführtes, epochemachendes Werk «Prometeo – Tragedia dell‘ascolto» in der Tonhalle Zürich. Erstmals wird auch ein Programm für Schulklassen angeboten, die «Junge Festspiele Zürich». Mit dabei sind Schauspielhaus, Kunsthaus und Tonhalle. Das Programm der Festspiele Zürich: www.festspiele-zuerich.ch

Johann Heinrich Füssli Prometheus, 1770 – 1771 (Männerakt auf fünf gegebenen Punkten) Feder in Braun, stellenweise über Bleistift, graubraun laviert, auf Papier, 15 x 22,2 cm Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett


ERWEITERUNG

Illustration: Kaja Paradiek

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ERWEITERUNG

Das Neue Kunsthaus beschäftigt die Gerichte

Inhaltliche und rechtliche Fragen in der Verhandlung

Nach Redaktionsschluss der ersten Ausgabe des Magazins 2014 hat das Verwaltungsgericht am 12. Dezember 2013 die Frage, ob die Stiftung Archicultura berechtigt sei, einen Rekurs gegen die Baubewilligung der Kunsthaus-Erweiterung einzureichen, bejaht. Der Bauherrin – die Einfache Gesellschaft Kunsthaus Erweiterung (EGKE), in der sich die Zürcher Kunstgesellschaft, die Stadt Zürich und die Stiftung Zürcher Kunsthaus zusammengeschlossen haben – standen zwei Möglichkeiten offen: gegen diesen Entscheid vor das Bundesgericht zu ziehen oder ihn zu akzeptieren. Weil das Bundesgericht das Urteil der Vorinstanz nur auf Willkür prüfen, in der inhaltlichen Sache aber nichts entscheiden würde, akzeptierte die EGKE das Urteil.

Somit konnte der zweite Teil des Verfahrens eröffnet werden – die Beschäftigung mit den inhaltlichen und rechtlichen Argumenten, auf denen die Archicultura ihre Forderung stützt, die Baubewilligung aufzuheben. Das Baurekurs-Gericht hat neben der EGKE die Bausektion der Stadt Zürich sowie die Baudirektion Kanton Zürich eingeladen, hierzu Stellung zu nehmen. Ende März, bei Redaktionsschluss dieses Magazins, stand ein Urteil noch aus. Was bedeutet dies für die Projektarbeit? Rund 100 Personen sind schon lange am Neuen Kunsthaus aktiv beteiligt, darunter Akustiker, Klimatechniker, SignaletikPlaner, Statiker, Landschaftsarchitekten, Gastronomie-Berater, die Bauherrenvertretung, Fundraiser, die Feuerpolizei und David Chipperfield Architects. Sie werden

begonnene Arbeiten bis Ende Mai 2014 abschliessen und die Dossiers zur späteren, möglichst schnellen Wiederaufnahme vorbereiten. Wer von diesen mit viel Wissen ausgestatteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Auftragnehmerinnen und -nehmern nach einem Abzug wieder für dieses Projekt zur Verfügung stehen kann, ist offen. Die Dauer der Verzögerung und die daraus entstehenden Mehrkosten hängen vom weiteren juristischen Verfahren ab. Auf www.kunsthaus.ch informiert die Bauherrschaft zeitnah über die in naher Zukunft zu erwartenden Gerichtsentscheide.

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SCHICKE®S GLOSSE

Von der Zahnstellung zum Wickeltisch

Cyril Schicker entdeckt den Wickeltisch auf dem Herren-WC

Kunst ist Ironie und Ironie hat Überbiss. Speziell am Sonntag. Montagsmaler ist erst morgen. Die Kirchenglocken läuten vermehrt, Glasflaschen dürfen nicht entsorgt werden, der Arbeitsblues hockt penetrant-summend im Ohr und der Lieblingsbäcker hat auch noch geschlossen. Ein bisschen Kater hier, ein wenig Langeweile dort – da fällt selbst der allseits beliebte «Tatort» als Höhepunkt des Tages in sich zusammen. Doch was tun, wenn’s brennt? Fingernägel kauen und hoffen, dass der Tag bald vorüber ist? Sich kafkaesk auf den Rücken legen und verloren die Decke angucken? Auf Ferienportalen dem nächsten Urlaub entgegenfiebern? Gesalzene Nüsse in den mehr oder minder vorhandenen Bart stopfen und sich vornehmen, jetzt aber wirklich ein FitnessAbo zu lösen? Ja, der Sonntag hat es in sich. Doch bevor man seine Stirn zu stark in Sorgenfalten legt und aus der Hüfte geschossen einen Nachbarschaftsstreit vom Zaun bricht: Es gibt eine Alternative. Es ist nicht einmal eine Alternative, viel mehr ist es ein buntgemischter, zweimalfein duftender Blumenstrauss voller Möglichkeiten. Erschwinglich, erstaunlich, erlebnisreich und empathisch – Kunst. Vergessen Sie dabei den Überbiss, überlegen Sie sich lieber, wann Sie das letzte Mal Kunst erlebt haben. Ob an Kunst interessiert, ob sakrosankt im Wissen darüber, ob kunst-aversiv... Jeder einzelne von Ihnen wird seine wahre Freude daran haben. Jedweder Couleur. Denn es gilt, sich aus Vorstellungen, Überheblichkeiten, Gepflogenheiten herauszuschälen und frisch-frei Eindrücke zu sammeln. Kunst ist eben nicht nur ironisch, nein, Kunst(-haus) ist es auch, in der Männertoilette einen Wickeltisch vorzufinden.

Grosser Andrang: Mehr als 1 500    Gäste besuchten die Ausstellung und den Shop.

 ie Kooperationspartnerinnen aus dem Montreal Museum of Fine Arts: D Nathalie Bondil, Direktorin (links) und Anne Grace, Kuratorin, mit Tobia Bezzola, Direktor Museum Folkwang, Essen.

Cyril Schicker schickt sich an, Ihnen schicke Schicker-Grüsse zu schicke(-r)n.

Fotos © Caroline Minjolle

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CLICK

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Gibt zu   schauen und z u reden: ein intellektueller Blockbuster.

ERÖFFNUNG «VON MATISSE ZUM BLAUEN REITER» 6. Februar 2014

Christoph Becker.

Ihre erste Eröffnungsrede am Kunsthaus: Kuratorin Cathérine Hug.

 anke! Die grosszügigen Leihgeber, D darunter Gabrielle und Werner Merzbacher, zuvorderst in der ersten Reihe.

 imothy Benson, Spiritus Rector der Ausstellung vom Kooperationspartner LACMA, T und Cathérine Hug.

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SERVICE

Hier finden Sie eine Auswahl an Führungen, Veranstaltungen und Workshops. Das ganze Programm unter www.kunsthaus.ch

AUSSTELLUNGSÜBERSICHT 6. Juni –14. September Cindy Sherman. Untitled Horrors Grosser Ausstellungssaal Vernissage 5. Juni, 19 Uhr 20. Juni –12. Oktober D  ie Fackeln des Prometheus J. H. Füssli und Javier Téllez Kabinett bis 11. Mai Von Matisse zum Blauen Reiter. Expressionismus in Deutschland und Frankreich Grosser Ausstellungssaal bis 25. Mai Alberto Giacometti. Zeichnungen und Aquarelle Kabinett SAMMLUNGS-ACCROCHAGEN bis 6. Juli Antoine Bourdelle. Sappho EG Müllerbau www.kunsthaus.ch/de/ausstellungen/ aktuell

FÜHRUNGEN AUSSTELLUNGEN Cindy Sherman. Untitled Horrors* Mittwochs 18 Uhr und sonntags 11 Uhr D  ie Fackeln des Prometheus Sa 5. Juli, 11 Uhr; Do 4. September, 18 Uhr

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FÜHRUNGEN Von Matisse zum Blauen Reiter. Expressionismus in Deutschland und Frankreich* Mittwochs und donnerstags 18 Uhr, freitags 15 Uhr, sonntags 11 Uhr Vernetzt mit der Sammlung: Samstags 15 Uhr

16.8.: Ferdinand Hodlers Frauen 23.8.: Das Gesicht des 20. Jahrhunderts 30.8.: Pablo Picasso

Alberto Giacometti. Zeichnungen und Aquarelle So 18. Mai, 13 Uhr

www.kunsthaus.ch/de/kunstvermittlung/veranstaltungskalender

Antoine Bourdelle. Sappho Sa 31. Mai, 11 Uhr; Do 26. Juni, 18 Uhr * Mit elektronischem FM-Gruppenführungssystem. Speziell auch für Personen mit Hörminderungen geeignet. Billett CHF 6.– / 4.– Mitglieder. Bitte an der Kasse lösen. Teilnehmerzahl beschränkt! Geräteausgabe 10 Minuten vor Beginn. SAMMLUNG Samstags 15 Uhr Die Samstagsführungen beschäftigen sich anhand von ausgewählten Kunstwerken mit dem Menschenbild von ein­zelnen Künstlern und Epochen. 17.5.: M  arino Marini und Matisse, der Bildhauer 24.5.: D  as Bild der Frau in der Belle Epoque 31.5.: Helden 14.6.: G  eorg Baselitz 21.6.: J  ean Dubuffet 28.6.: Selbstbildnisse 05.7.: Francis Bacon 12.7.: V  on Rodin bis Segal 19.7.: P  orträts von Edvard Munch 26.7.: K  örper: versehrt – unversehrt 09.8.: A  lbert von Keller

Änderungen vorbehalten. Freie Gruppen und Schulklassen nur nach Voranmeldung.

WWW

VERANSTALTUNGEN Sonntag, 22. Juni Konzert: «Mit Originalität gestempelt». Carl Philipp Emanuel Bach zum 300. Geburtstag Die international anerkannte Cembalistin Preethi de Silva trägt Stücke aus Carl Philipp Emanuel Bachs «Klaviersonaten, freien Fantasien und Rondos» auf dem Hammerflügel vor. Als Einführung spricht Preethi de Silva über die Verbindungen zwischen Bachs Musik und Beethovens PrometheusKompositionen. Davor rezitiert der Schauspieler Christian Dieterle (Berlin) Goethes Gedicht «Prometheus». 15 Uhr, Kunsthaus Zürich, Hodler-Saal Eintritt im Ausstellungsticket inbegriffen

WERKSTATT FÜR ALLE GENERATIONEN Sommerwerkstatt «Menschenbilder» Siehe Seiten 20 – 22

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SERVICE

WERKSTATT GIM – Generationen im Museum Geschichtenwald: Erzählungen von einst und jetzt Wollen Sie einmal etwas Besonderes erleben? Bringen Sie Ihre Nachbarin, Ihren Göttibueb, eine Freundin oder Ihren Lehrmeister mit. Einzige Bedingung: Er oder sie sollte 15 Jahre älter oder jünger als Sie sein. Zusammen werden Sie auf unterhaltsame Art Werke aus der Sammlung kennen lernen, Geschichten erzählen, verschiedene Ansichten erleben und sich bei einer kulinarischen Überraschung austauschen. Mit Eveline Schüep Sa 17. Mai, 10.30 – 12.30 Uhr CHF 20.– pro Zweiergruppe Familienworkshops am Sonntag Hallo, Kinder! Wir lernen auf den Bildern Kinder und ihre Eltern kennen und gestalten unser eigenes Familienbild So 25. Mai, 10.30 –12.30 Uhr; Kinder ab 5 Jahren Mit Madeleine Witzig Erwachsene CHF 10.– / Kinder und Jugendliche CHF 5.– / Familienpreis CHF 25.– AB 5 JAHREN Malatelier am Sonntag Die Eltern haben frei, während die Kinder sich spielerisch mit Kunstwerken auseinandersetzen und im Atelier selber malen und gestalten. Sonntags 10.30 –12 Uhr 18.5. / 1.6. / 8.6. / 15.6. / 22.6. / 6.7. / 13.7. / 20.7. / 3.8. / 10.8. / 17.8. / 24.8. CHF 12.– FÜR ERWACHSENE Kunstgespräche Eine geschichtliche Reihe In einer Reihe von Kunstgesprächen nehmen wir das sich wandelnde Bild des Menschen in den Blick. Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert gehen wir der Frage nach, welches Menschen- und Weltbild sich uns in der Kunst zeigt. CHF 30.– / Mitglieder CHF 15.–

Diesseits und Jenseits Auf den meist sakralen Kunstwerken des Mittelalters sind zwar viele Menschen zu sehen, meist allerdings Heilige und biblische Gestalten. Welches Bild des Menschen steckt dahinter? Mit Sibyl Kraft Do 22. Mai, 18.15 –19.45 Uhr Genuss und Vergänglichkeit Barockes aus Zürich, Paris und den Niederlanden: Sinnliche, perfekt gemalte Oberflächen geben Aussehen und Ansehen wieder. Inszenierung und Prunk am Hofe des Sonnen­ königs zeitgleich mit dem Porträt einer Malerin aus dem sittenstrengen Zürich: die Unterschiede könnten kaum grösser sein. Mit Catherine Brandeis Do 12. Juni, 18.15 –19.45 Uhr Weitere Folgen der Reihe im Programm der Sommerwerkstatt Kunstgespräche mit Gästen CHF 30.– / Mitglieder CHF 15.– Der Angst ins Angesicht schauen: Das Unheimliche in den Bildern Cindy Shermans Wie der Titel «Untitled Horrors» verspricht, sind die Fotografien Cindy Shermans Schauplatz schwer zu beschreibender Schrecken. Ihre Bilder von lädierten Körpern, grausigen Maskeraden und abgründigen Film­ szenerien zeigen ein Unheimliches, in welchem sich die Unterscheidung von Echtheit und Künstlichkeit auf­ zulösen beginnt. Im Gespräch werden wir versuchen, den unnennbaren Horror auf den Bildern Cindy Shermans genauer in den Blick zu nehmen. Mit Dr. Johannes Binotto, Kulturwissenschaftler, Mitarbeiter des Englischen Seminars der Universität Zürich und Autor des Buches «TAT/ ORT. Das Unheimliche und sein Raum in der Kultur». Moderation: Eveline Schüep Do 10. Juli, 18.15 –19.45 Uhr

Weitere Veranstaltungen zur Aus­ stellung «Cindy Sherman» im Programm der Sommerwerkstatt. Für alle Veranstaltungen Anmeldung erforderlich: 044 253 84 84 www.kunsthaus.ch/de/kunstver­ mittlung

INFORMATIONEN Museum Heimplatz 1, 8001 Zürich Eintrittskasse 044 253 85 43 Fr – So / Di 10 –18 Uhr Mi /Do 10 – 20 Uhr Auffahrt 29. Mai 10 –18 Uhr Pfingsten 7. – 9. Juni 10 –18 Uhr 1. August 10 –18 Uhr Direktion, Verwaltung und Grafische Sammlung Tel. 044 253 84 84, Fax 044 253 84 33 info@kunsthaus.ch Grafische Sammlung Studiensaal Mo – Fr nach Voranmeldung Tel. 044 253 85 36 / 39 Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm Tel. 044 253 84 97 (Ansage) Bibliothek Rämistrasse 45, 8001 Zürich Tel. 044 253 85 31, Fax 044 253 86 51 Ausleihe Tel. 044 253 85 32 Mo – Fr 13 –18 Uhr Auffahrt 28. Mai 13 –16 Uhr, 29. Mai geschlossen Pfingsten 7. – 9. Juni geschlossen Sommerferien: 21. Juli – 17. August www.kunsthaus.ch/bibliothek

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VORSCHAU

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IMPRESSUM Offizielles Magazin für Mitglieder des Vereins Zürcher Kunstgesellschaft Herausgeber Zürcher Kunstgesellschaft Postfach, 8024 Zürich www.kunsthaus.ch © Kunsthaus Zürich Abdruck erwünscht mit Quellenangabe Redaktion Kristin Steiner Gesamtverantwortung Björn Quellenberg Auflage Druckauflage 17’300 WEMF/SW-beglaubigt 16’942 erscheint 4-mal jährlich Bezug In der Jahresmitgliedschaft enthalten, Verkaufspreis am Kunsthaus-Shop CHF 6.–

Jenny Saville, Stare, 2004 / 05, The Broad Art Foundation, Santa Monica, © 2014 ProLitteris, Zürich

Egon Schiele, Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter, 1912, Leopold Museum, Wien

Egon Schiele – Jenny Saville Das Werk Egon Schieles (1890 –1918), das in seiner ausgeprägten Form in knapp einem Jahrzehnt entstanden ist, wird den grossformatigen Gemälden und Zeichnungen der 1970 geborenen britischen Künstlerin Jenny Saville gegenübergestellt. Es wird eine offene Begegnung zweier «Jungstars» angestrebt, die trotz grosser zeitlicher Distanz und bei aller malerischen Unterschiedlichkeit beharrlich der Körperlichkeit und dem Selbstbildnis eine eindringliche Leiblichkeit abgewinnen, die in eine hoch konzentrierte Malerei übersetzt wird. Schieles meist kleinformatige Selbstbildnisse steigern sich durch Pose, pointierte Untersicht und malerischen Duktus zu einer geballten Bildkraft, die in nichts den gigantischen Formaten Savilles nachsteht. Gerade im frappanten Unterschied der Bildformate liegt auch die visuelle Herausforderung dieser Präsentation zweier malerischer Positionen, die trotz scheinbarer Expressivität bis in den kleinsten Pinselhieb durchdacht sind. Mehr dazu im nächsten Magazin vom 18. August.

Alle Informationen im Überblick: www.kunsthaus.ch 46

Gestaltung Crafft Kommunikation AG Hohlstrasse 201, 8004 Zürich www.crafft.ch Inserate Publicitas Publimag AG Mürtschenstrasse 39, 8010 Zürich Telefon 044 250 31 31 Fax 044 250 31 32 service.zh@publimag.com www.publimag.ch Druck Schellenberg Druck AG Schützenhausstrasse 5, 8330 Pfäffikon www.schellenbergdruck.ch

ISSN 1421-315X

Titelbild Cindy Sherman, Untitled #458, 2007 / 08 Chromogener Farbabzug, 195 x 147 cm Astrup Fearnley Collection, Oslo © Cindy Sherman

Kh magazin 2 2014  

Kunsthaus Magazin 2/2014

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