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MAGAZIN 1 · JANUAR 2014 CHF 6.–

EXPRESSIONISMUS Von Matisse zum Blauen Reiter 22 ALBERTO GIACOMETTI Zeichnungen und Aquarelle 33 TAG DER OFFENEN TÜR Bring a friend 31 NEUES AUS DER SAMMLUNG Werkbegegnungen

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EDITORIAL

2014 – Auftakt ins neue Jahr Liebe Mitglieder der Zürcher Kunstgesellschaft, Mehr als 300'000 Besucherinnen und Besucher haben im vergangenen Jahr das Kunsthaus besucht, und wir freuen uns sehr über die positive Resonanz auf unsere Arbeit! Vielen Dank, dass Sie auch dieses Jahr wieder dabei sind. Ein erstes Highlight in unserem Ausstellungsprogramm erwartet Sie: Expressionismus und Fauvismus sind die beiden grundlegenden Kunstrichtungen am Beginn der Moderne, und erstmals in der Schweiz können Sie in einer zu­sammen mit dem Los Angeles County Museum of Art vorbereiteten Ausstellung die Wechselbeziehung der beiden Richtungen anhand von Meisterwerken der Epoche besichtigen. Ab dem 7. Februar im Bührlesaal. Grosse Aktivität auch hinter den Kulissen: In diesem Jahr werden wir die bereits digitalisierte Sammlung in eine moderne Museumssoftware einbringen, die viele Arbeitsabläufe einfacher und schneller machen wird, ein gut vorbereitetes Mammutprojekt, das grossen finanziellen und personellen Einsatz erfordert. Derweil klettern mutige Handwerker auf das schöne, aber riesige (und gelegentlich undichte) Dach des historischen Moserbaus, das einer sanften, aber gründlichen Renovierung bedarf. Die Stiftung Zürcher Kunsthaus, verantwortlich für unsere Liegenschaften am Heimplatz, wird diese Sanierung koordinierend begleiten. Verschönerung allerorten: Auch das Magazin vor Ihnen hat ein kleines Facelifting erhalten und wir hoffen, dass Sie die Neuerungen als angenehm und hilfreich empfinden. Im nächsten Heft kommt dann noch eine neue Kolumne samt Gastautor dazu. Der Gewinner der «Bilderwahl!» steht fest: Es ist «Strand von Ostende» (um 1915) von James Ensor. Wir freuen uns auf das Projekt. Und kennen Sie eigentlich unseren Newsletter? Einfach abonnieren, und Sie sind auch zwischendurch auf dem Laufenden. Wenn alles gut geht, können wir schon bald die Grundsteinlegung für die KunsthausErweiterung von David Chipperfield feiern, dessen Projekt bis in die Einzelheiten fertig geplant ist und nun vor der Realisierung steht. Es hat, wie Sie den Berichten entnommen haben, trotz der positiven Volksabstimmung eine Verzögerung durch eine Einsprache gegeben, deren juristische Bearbeitung einige Zeit in Anspruch genommen hat, aber es geht weiter: Das Kunsthaus ist gut vorbereitet auf den nächsten Schritt in die Zukunft. Der erste Spatenstich ist eigentlich ganz einfach… Ihnen allen danke ich im Namen aller Kolleginnen und Kollegen am Kunsthaus dafür, dass Sie uns als Mitglieder der Kunstgesellschaft zur Seite stehen. Und ein besonders herzlicher Dank allen, die durch kleine, grössere und ganz grosse Spenden dem Fundraising nicht nur einen kräftigen Schub gegeben haben, sondern ihre Solidarität tatkräftig unter Beweis stellen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch im Kunsthaus! Mit herzlichem Gruss, Ihr Christoph Becker

Der geheime Spatenstich Keinen QR-Reader? Hier geht’s direkt zum Ort des Geschehens: www.kunsthaus.ch/spatenstich

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GUT ZU WISSEN

OBJEKT DER BEGIERDE

KULTURNEWS Premiere: Giacometti trifft Bernini Christian Klemm, Vizedirektor der Alberto Giacometti-Stiftung, betreut ein Projekt der Galleria Borghese in Rom. Zum ersten Mal treffen Skulpturen von Gian Lorenzo Bernini (1598 –1680), dem bedeutendsten Bildhauer des italienischen Barock, auf die modernen Plastiken von Alberto Giacometti (1901–1966). www.galleriaborghese.it Roswitha Haftmann-Preis

Egon Schiele, Selbstbildnis mit Lampionfrüchten, 1912 Leopold Museum, Wien

Egon Schiele, Bildnis Wally Neuzil, 1912 Leopold Museum, Wien

Ein schönes Paar Der grösste Wunsch für unsere Ausstellung «Egon Schiele – Jenny Saville», die ab Oktober 2014 im Kunsthaus Zürich zu sehen sein wird, ist denkbar einfach: kein Egon Schiele ohne die Wally Neuzil! Bevorzugtes Modell, Geliebte und Lebensgefährtin in den Jahren 1911 bis 1915, hat Schiele sie und sich selbst in einem wunderbaren Doppelporträt von 1912 festgehalten. Man ist geneigt, von einem Ehepaar-Diptychon zu sprechen, um die altdeutsche Tradition dieses Bildnis-Typus in Erinnerung zu rufen. Während Schiele in kritischer Selbstbefragung, den Kopf leicht ins Profil gedreht, vom Betrachter weg nach hinten in den Bildraum lehnt, ist uns Wally in zärtlicher Pose zugewendet. Schön, die klar gesetzten Umrisslinien mit den diagonal aufeinander zulaufenden Schulterpartien. Wir hoffen, beide Bildnisse durch das Entgegenkommen des Leopold Museums und die Grosszügigkeit der Familie Leopold als Paar in Zürich zeigen zu können. 1915 wird Schiele die bürgerliche Edith Harms als «gute Partie» heiraten und die Beziehung zu Wally, der er noch eine inakzeptable Ménage-à-trois vorgeschlagen haben soll, abrupt beenden. Die dramatische Trennung wird im symbolistisch überhöhten Gemälde «Tod und Mädchen», einem Hauptwerk von Schiele, das vom Museum Belvedere nach Zürich verliehen wird und auf dessen definitive Ausfuhrgenehmigung wir hoffen, eindrücklich festgehalten. Also diesmal eigentlich zwei Objekte der Begierde, die wir Ihnen vorstellen wollen. Drücken Sie uns die Daumen!

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Die Konzept-Künstlerin Rosemarie Trockel erhält den höchstdotierten europäischen Kunstpreis. Mit einem Sonderpreis wird der Foto- und Filmkünstler Robert Frank ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 14. Mai im Kunsthaus Zürich statt. www.roswithahaftmann-stiftung.com Galerie für «Netzkunst» Die virtuelle Galerie Neverland Space bietet digital arbeitenden Künstlern eine Heimat. Sie stellt laufend neue, speziell für das Inter­net geschaffene und bisher nicht ge­zeigte Werke aus. Die Kunsterfahrung eines Werkes online kostet den Besucher mindestens CHF 2.-. Höhere Beiträge sind willkommen. Die Hälfte davon fliesst direkt an den Künstler und in neue Produktionen. www.neverlandspace.com Kurzes Glück vor dem grossen Krieg Eine breite Einbettung und Darstellung der Geschichte zwischen 1910 und 1914 bietet das Landesmuseum Zürich vom 28. März bis 13. Juli mit seiner Ausstellung «1900 –1914. Das kurze Glück vor dem Grossen Krieg». Die Prä­sentation vereint Handschriften, Filme, Fotografien, technische Appara­turen, Tonaufzeichnungen und Werke von Picasso, Hodler, Schiele, Klimt, Kirchner u.a. www.nationalmuseum.ch


GUT ZU WISSEN

SHOPPING

KULTURNEWS

Für die Kunst entflammt

Frühlingsweihe Mit dem Projekt «Sacré 101 – An Exhibition Based on The Rite of Spring» verfolgt das Migros Museum für Gegenwartskunst vom 15. Februar bis 11. Mai sein Interesse an der Wechselwirkung von Tanz und bildender Kunst anhand eines der wichtigsten Schlüs­selwerke des 20. Jahrhunderts, «Le Sacre du Printemps», welches 1913 in Paris uraufgeführt wurde. Nebst einer Auswahl von Tanzdokumentationen wird die Mehr­zahl der eingeladenen Künstler speziell für die Ausstellung neue Werke schaffen, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Ballett, seinem Kontext und seiner Historie auseinandersetzen. www.migrosmuseum.ch Classic meets electronic

Kunsthaus-Streichhölzer CHF 4.80 / Mitglieder CHF 3.65

Was gibt es schöneres, als in dieser dunklen, kalten Jahreszeit eine Kerze, Laterne oder gar ein Cheminéefeuer anzuzünden? Genau dies mit kunstvoll verpackten Streichhölzern zu tun! Bei uns im Museums-Shop finden Sie ab sofort zwei hübsche, runde Streichholzschachteln mit Motiven von Rudolf Koller und – wie passend zum Objekt! – von Robert Zünd aus unserer Sammlung. Unsere Streichhölzer werden in Europa produziert und enthalten weder Schwefel noch Schwermetalle. Auf Ihren nächsten Besuch – Mittwoch und Donnerstag sogar bis 20 Uhr – freuen sich die «Shopmaker».

Junge Klassik-Fans sind nicht zu alt für Till Eulenspiegels lustige Streiche. Am 14. März um 22 Uhr wird Richard Strauss‘ op. 28 im Rahmen der Tonhalle late aufgeführt. Auch Mozarts Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur steht auf dem Programm. Mit Gidon Kremer hat Chefdirigent David Zinman einen der ganz grossen Violinisten an Bord genommen. Diese Besetzung ist superb. Gespannt sein darf man auf die anschliessende Party mit elektronischer Musik. Infos und Vorverkauf: www.tonhalle-orchester.ch Wer hat’s gewusst? Die richtigen Antworten zum KunsthausQuiz im Magazin 4/2013 lauten: • D  ie Abteilung «Kunstvermittlung» umfasst 19 Mitarbeitende • 2  014 wird ein Teil unserer Sammlung nach Japan reisen • D  as Kunsthaus-Magazin ist für CHF 6.- am Shop erhältlich • D  as jüngste Werk aus der Auswahl für die Bilderwahl 2014 ist «Summer» von Silvia Gertsch Wir gratulieren den beiden Gewinnern herzlich. Sie wurden persönlich von uns benachrichtigt und freuen sich über den Shop-Gutschein im Wert von CHF 60.-.

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Expressionismus in Deutschland und Frankreich

Von Matisse zum Blauen Reiter 7. Februar – 11. Mai 2014, Kuratorin: Cathérine Hug

Ist der Expressionismus eine ausschliesslich deutsche Erfindung? Arbeiten von Schmidt-Rottluff, Kirchner, Pechstein, Kandinsky u.a. stehen Meisterwerken von Cézanne, Gauguin, Matisse und Delaunay gegenüber und lassen erkennen: diese weit verbreitete Ansicht bedarf der Korrektur.

«Expressionismus» wird heute gemeinhin als deutsche Bewegung verstanden, ungeachtet der Tatsache, dass er sich am Anfang des 20. Jahrhunderts aus einer lebhaften Auseinandersetzung von deutschen Künstlern mit der Klassischen Moderne in Frankreich entwickelte und dass die aktuelle französische Kunst in Deutschland präsent war. «Van Gogh traf moderne Kunst wie ein Blitzschlag», schrieb ein deutscher Beobachter über den Einfluss des Malers auf die deutschen Künstler zu einer Zeit, als diese bereits Seurat, Signac und die Postimpressionisten rezipierten. Es folgten Cézanne, Gauguin und Matisse. Mit wahren Farbexplosionen reagierten die Künstler der «Brücke» und des «Blauen Reiters» auf die Werke der französischen Neo- und Postimpressionisten. Nicht mehr die Umwelt wie beim Im-

pressionismus und Divisionismus, sondern die inneren Empfindungen und Befindlichkeiten der Künstler finden ihren formalen Ausdruck und ihre kraftvolle, energiegeladene Sprache in der Kunst. Im eher groben Duktus widerspiegeln sich die Ängste, aber auch Hoffnungen einer äusserst produktiven und bewegten Zeit um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg. Unverkennbar ist der grosse Einfluss, den Vereinigungen wie die «Berliner Secession» oder der «Sonderbund» in Köln, die «Brücke» in Dresden und der «Blaue Reiter» in München, aber auch Galeristen, Kunsthändler und philanthropische Sammler wie Bruno und Paul Cassirer, Heinrich Thannhauser, Herwarth Walden, Harry Graf Kessler und Karl Ernst Osthaus auf das Kunstgeschehen hatten. Progressive Museumsdirektoren wie Gustav Pauli

oder auch Hugo von Tschudi bestückten ihre Sammlungen mit Meisterwerken des Impressionismus, des Postimpressionismus und des Fauvismus. Ihr Vorgehen erregte öffentliches Aufsehen, erhielt Beifall, führte aber auch zu Zerwürfnissen wie beim Bremer Künstlerstreit von 1911.

Kunst als Teil einer kulturellen Evolution An der verstärkten Wahrnehmung französischer Kunst der Avantgarde in Deutschland hat die Kunstkritik einen wichtigen Anteil, insbesondere Julius Meier-Graefe, Kunsthistoriker und Herausgeber der Kulturzeitschrift «Pan», mit seiner mehrbändigen Analyse «Entwickelungsgeschichte der modernen Kunst». In dieser 1904 erschienenen und den «Brücke»-Künstlern Fritz Bleyl, 11


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«Der Geist formt, nicht das Auge, Phantasie und Eingebung stehen am Anfang jeder künstlerischen Arbeit und sind ein Geheimnis und Rätsel» Ernst Ludwig Kirchner

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1  Marianne Werefkin, Der rote Baum, 1910 Tempera auf Papier auf Karton, 75,5 x 56,5 cm Ascona, Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale d’Arte Moderna 2  Paul Gauguin, La Mère de l’artiste, um 1893 Öl auf Leinwand, 41 x 33 cm Staatsgalerie Stuttgart 3

Robert Delaunay, Les Fenêtres sur la ville (1ère partie, 1ers contrastes simultanés), 1912 Öl auf Leinwand, 53 x 207 cm Museum Folkwang, Essen

4 Ernst Ludwig Kirchner, Plakat zur GauguinAusstellung in der Galerie Arnold in Dresden, 1910, Holzschnitt, 85 x 59 cm Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden 5  Henri Matisse, Barbizon, 1908 Öl auf Leinwand, 73 x 60 cm Kunsthaus Zürich, © Succession H. Matisse / 2014 ProLitteris, Zürich

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Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff bestens bekannten Untersuchung zeichnete Meier-Graefe die Entwicklung der französischen Kunst von Ingres und Daumier über den Impressionismus bis zur deutschen, skandinavischen und britischen Kunst nach, wobei er Paris zur Quelle der Moderne erklärte. Bemerkenswert und nach wie vor von höchster Aktualität ist dabei, dass statt sich dem Personenkult hinzugeben, um seine Kunstgeschichte zu konstruieren, Meier-Graefe die Kunst als Teil einer kulturellen Evolution samt einer Geschichte des Sehens nachzeichnet und Nationalismen als Verständnisgrundlage ablehnt. Meier-Graefes «Entwickelungsgeschichte der modernen Kunst», Hugo von Tschudis Ankäufe französischer Kunst, zuerst als Direktor der Berliner Nationalgalerie und dann der Münchner Neuen Pinakothek, legten in Deutschland den Grundstock einer modernen Ästhetik im Wirkkreis der Künstler von Monet bis van Gogh. Die Verbreitung der impressionistischen Ästhetik sollte eine Richtungsänderung in der deutschen Kunst herbeiführen, weg von allegorischen und mythologischen Inhalten hin zu einer Konzentration auf das Seherlebnis und die materiellen Eigenschaften der Form. Eine zweite Gruppe, die wesentlich zur Verbreitung französischer Kunst der Avantgarde in Deutschland beigetragen hat und gleichzeitig grosse Unterstützung der zeitgenössischen Kunstproduktion vor Ort leistete, waren Galeristen und Kunsthändler. So eröffneten die Cousins Bruno und Paul Cassirer 1898 ihren gleichnamigen Kunstsalon in Berlin, woraus bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 zahlreiche Initiativen zur Förderung und Vermittlung (Ausstellungsorte, Verkaufsstätten, Zeitschriften und Verlage) progressiver Kunst ergriffen wurden. Und was die Vermittlung und Verbreitung der in Deutschland selbst entstandenen expressionistischen Kunst betrifft, müssen insbesondere Herwarth Waldens Galerie Der Sturm in Berlin, die Galerie Arnold 14

und der Kunstsalon Richter in Dresden sowie die Moderne Galerie von Heinrich Thannhauser in München genannt werden, deren herausragende Leistung diese Ausstellung aufzeigt.

Notizen eines Malers Zeitgleich setzten Periodika wie die seit 1902 von Bruno Cassirer herausgegebene Zeitschrift «Kunst und Künstler», Herwarth Waldens Wochenschrift «Der Sturm» (1910–1932), oder auch Franz Pfemferts Kulturzeitung «Die Aktion» (1911–1932) in der permanenten Ausei-

«Jedes Kunstwerk ist Kind seiner Zeit, oft ist es Mutter unserer Gefühle. So bringt jede Kulturperiode eine eigene Kunst zustande» Wassily Kandinsky nandersetzung um moderne Kunst richtungsweisende Akzente für die Emanzipation progressiver deutscher Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die nachhaltigsten, weil heute nach wie vor sichtbaren formalen Anregungen kamen aber zweifellos von den Künstlern selbst – von ihren Bildern und Druckgrafiken und wie sie darüber sprachen. Ein besonders wichtiger Impuls, der von Matisse ausging, ergab sich mit der Übersetzung seines wegweisenden Textes «Notes d’un peintre», der ursprünglich 1908 in «La Grande Revue» erschienen war und ein Jahr später in deutscher Übersetzung unter dem Titel «Notizen eines Malers» in Bruno Cassirers bereits erwähnter Zeitschrift «Kunst und Künstler» vorlag. Frappant für deutsche Leser der Zeit war die Betonung des

Subjektiven und dessen Verhältnis zur Gesamtkomposition: «Was ich vor allem zu erreichen suche, ist der Ausdruck […]. Der Ausdruck steckt für mich nicht etwa in der Leidenschaft, die auf einem Gesicht losbricht oder sich durch eine heftige Bewegung kundgibt. Er ist vielmehr in der ganzen Anordnung meines Bildes: der Raum, den die Körper einnehmen, die leeren Partien um sie, die Proportionen: dies alles hat seinen Teil daran. Die Komposition ist die Kunst, in dekorativer Weise die verschiedenen Elemente anzuordnen, über die der Maler verfügt, um seine Gefühle auszudrücken.» Die gegenseitige Vermittlungsleistung von Künstlern konnte dabei sehr vielfältige Formen annehmen, und so gestaltete Ernst Ludwig Kirchner 1910 beispielsweise das Plakat für eine Ausstellung von Paul Gauguin bei der Galerie Arnold in Dresden, wo eindeutig Gauguins Bild «Die Mutter des Künstlers» (um 1893) zitiert wird (Abb. 2 u. 4).

Rezeption jenseits der Kunstberichterstattung Manche Ereignisse sind belegt. Die meisten aber schlecht dokumentiert, wie beispielsweise die Paris-Aufenthalte von Max Pechstein im Jahr 1908, während derer er Kees van Dongen begegnete und selbst im Salon des Indépendants ausstellte. In den Vorbereitungsarbeiten dieser Ausstellung ist es daher eine ehrgeizige Bestrebung gewesen, Bilder zu identifizieren und als Leihgaben zu gewinnen, die das Ergebnis solcher Zusammentreffen waren. Nach mehrjährigen Nachforschungen von Timothy Benson und Frauke Josenhans am Los Angeles County Musem of Art konnte die Ausstellungs- und Provenienzgeschichte einzelner Werke präzise nachgezeichnet werden. Eine repräsentative Auswahl dieser Fälle ist jetzt in der Ausstellung versammelt. Sie zeigen, wie bedeutend die Rezeptionsgeschichte jenseits der Kunstberichterstattung war. Gleichzeitig ist heute belegt, dass unter den Expressionisten die Künstler russischer Herkunft – Alexej Jawlensky, Marianne


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«Wovon wir weg mussten, war uns klar – wohin wir kommen würden, stand allerdings weniger fest» Erich Heckel

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6  August Macke, Landschaft mit Kühen und Kamel, 1914, Öl auf Leinwand, 47 x 54 cm Kunsthaus Zürich 7 Karl Schmidt-Rottluff, Gartenstrasse frühmorgens, 1906, Öl auf Karton, 71,5 x 71 cm Kunstsammlungen Chemnitz, Leihgabe aus Privatbesitz, © 2014 ProLitteris, Zürich 8  Alexej Jawlensky, Landschaft, um 1911 Tempera auf braunem Papier auf Karton, 54 x 50 cm, Sammlung Stedelijk Museum, Amsterdam 9 Franz Marc, Steiniger Weg (Gebirge / Landschaft), 1911 (übermalt 1912) Öl auf Leinwand, 130,8 x 101 cm San Francisco Museum of Modern Art, Geschenk des Women’s Board and Friends of the Museum 10 Wassily Kandinsky, Fragment zu Komposition II, 1910, Öl auf Karton, 57 x 47,5 cm, Merzbacher Kunststiftung, © 2014 ProLitteris, Zürich 11 Ernst Ludwig Kirchner, Strasse, Berlin, 1913 Öl auf Leinwand, 120,6 x 91,1 cm The Museum of Modern Art, New York, erworben 1939 12

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Kees van Dongen, Modjesko, chanteur soprano, 1908, Öl auf Leinwand, 100 x 81,3 cm The Museum of Modern Art, New York, Geschenk von Mr. und Mrs. Peter A. Rübel, 1955, © 2014 ProLitteris, Zürich


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Ausstellungskonzept

Werefkin und Wassily Kandinsky als Gründer des «Blauen Reiters» – die intensivsten Kontakte zur französischen Kunstszene pflegten. Ab 1905 stellten sie Werke im Salon des Indépendants und im Salon d’Automne aus. Es wäre allerdings ein Fehler und würde dem realen Sachverhalt nicht gerecht, von einer rein unilinearen künstlerischen Einflussnahme zu sprechen, die allein von Frankreich Richtung Deutschland ging. So rezipierte Kandinsky zwar Meier-Graefe, aber statt dessen Theorie einfach zu reproduzieren, führte Kandinsky sie – auch im Widerspruch

«Und ständig suche ich meine Form, damit ich das, was ich empfinde, in Farbe ausdrücken kann» Alexej Jawlensky gegen gewisse Punkte – noch weiter als Meier-Graefe, um schliesslich zu einer epochalen theoretischen Grundlage der abstrakten Kunst zu gelangen. So war Kandinskys Auffassung vom Ursprung der Kunst jene, dass der «Geist» eine Seele bewohne, dann immer mehr Seelen, bis er einen «innerlichen Drang» oder eine innere «Notwendigkeit» erzeuge (Wassily Kandinsky, «Über die Formfrage», in: «Der Blaue Reiter», München 1912). Wo Meier-Graefe auf eine einzige moderne Ästhetik setzte, gewährte Kandinsky Raum für eine Vielfalt gleichberechtigter Formen und Stile. Ob ein Motiv harmonisch oder disharmonisch, roh oder subtil ausfällt, spiele keine Rolle, solange es den geistigen Gehalt eines Werks vermittle (Wassily Kandinsky, «Über das Geistige in der Kunst», München 1911/12).

Internationale Bewegung mit sozialem Austausch In ihrer Gesamtheit tragen diese Ausstellung und der wissenschaftliche Begleitband dazu bei, den Expressionismus als eine vielgestaltige internationale Bewegung mit einem eminent wichtigen sozialen Austausch zwischen Paris, Berlin, München, Köln, Dresden, Bremen und Hagen zu verstehen, dem der Erste Weltkrieg ein frühes, dramatisches Ende setzte. Die Konsequenzen wogen schwer. Von den Verbrechen gegen die Künstler und die Kunst des Expressionismus in den darauf folgenden Jahrzehnten bleibt noch vieles aufzuarbeiten. Der Internationalismus und künstlerische Austausch, welcher um 1890 bis 1914 von den französischen Vertretern der «Fauves» sowie den Künstlern der «Brücke» und des «Blauen Reiters» vorgelebt worden ist – jenseits der Nation und regionale Eigenheiten produktiv machend – ist eine Vision, die mit der deutsch-französischen Erbfeindschaft (1870–1963) auf tragische Weise wiederholt erstickt worden ist. Vor dem aktuellen Hintergrund der gestiegenen Mobilität, der virtuellen Vernetzung und eines politisch geeinten Europas gewinnt die Idee des Kosmopolitismus wieder mehr Anhänger. Mehr denn je stossen Künstler, die grenzüberschreitend arbeiten, auf Interesse. Sie erhalten Aufträge und Auszeichnungen über Landesgrenzen hinweg. Ihre Vorreiter, die Expressionisten in Deutschland und Frankreich, haben diese späte Anerkennung ebenfalls verdient. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Los Angeles County Museum of Art (LACMA) und dem Musée des beauxarts de Montréal, wo sie anschliessend gezeigt wird. Unterstützt durch die Credit Suisse – Partner des Kunsthaus Zürich sowie durch die Truus und Gerrit van Riemsdijk Stiftung und die Ernst von Siemens Kunststiftung.

Die Ausstellung rückt die Verhältnisse ins richtige Licht. Sie zeigt, dass der Expressionismus eine im Geiste des Kosmopolitismus entstandene Bewegung ist, die von produktivem Austausch geprägt war. Zu den über 100 Meisterwerken von 37 Künstlerinnen und Künstlern werden neue Forschungsergebnisse präsentiert. Zusammen mit Timothy O. Benson, dem am Robert Gore Rifkind Center für Studien auf dem Gebiet des deutschen Expressionismus tätigen Kurator des Los Angeles County Museum of Art, ist es dem Kunsthaus Zürich gelungen, Gemälde, Grafiken und Archivalien zusammenzutragen, die zur damaligen Zeit in wichtigen Ausstellungen und Sammlungen vertreten oder von deutschen Künstlern in Paris eingehend studiert worden waren. Diesen Werken werden «Pendants» gegenübergestellt, in denen die Wirkung der «Vorbilder» deutlich erkennbar ist. Ein Bereich mit historischen Materialien – Drucksachen wie Quellentexte, Ephemera und Archivalien, Fotografien und Pressestimmen – ermöglicht zudem einen Einblick in die wissenschaftliche Herangehensweise dieser Ausstellung.

Begleitprogramm Ein umfangreiches Begleitprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – in Kooperation u.a. mit dem Literaturhaus Zürich – ermöglicht einen vertieften Zugang zur Ausstellung. Mehr Informationen ab Mitte Januar auf www.kunsthaus.ch.

Künstler Cuno Amiet, Georges Braque, Heinrich Campendonk, Paul Cézanne, Henri Edmond Cross, Robert Delaunay, André Derain, Kees van Dongen, Raoul Dufy, Adolf Erbslöh, Lyonel Feininger, Othon Friesz, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Erich Heckel, Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Maximilien Luce, August Macke, Henri Manguin, Franz Marc, Albert Marquet, Henri Matisse, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Emil Nolde, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Henri Rousseau, Karl SchmidtRottluff, Paul Signac, Félix Vallotton, Maurice de Vlaminck, Edouard Vuillard, Marianne Werefkin.

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Zeichnungen und Aquarelle

Alberto Giacometti 28. Februar – 25. Mai 2014, Gastkuratorin: Monique Meyer

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«Man muss sich allein und ausschliesslich an das Zeichnen halten. Wenn man das Zeichnen ein wenig beherrschen würde, dann würde alles andere möglich. Die Zeichnung ist die Grundlage von allem.» Bereits der 12-jährige Alberto Giacometti (1901–1966) erkannte die für ihn so wichtige Tätigkeit, die ihn zeitlebens beschäftigen sollte. Das Zeichnen stellte für den Künstler ein essentielles Mittel dar, die Realität adäquat wahrzunehmen und mit ihr umzugehen. Das grosse zeichnerische Œuvre Giacomettis ist hinlänglich bekannt, jedoch befanden sich bis vor zwei Jahren noch Zeichnungen und Aquarelle im Besitz des Bruders Bruno (1907–2012), die grösstenteils bisher nicht öffentlich gezeigt wurden oder überhaupt nicht bekannt waren. Ein grosses Ensemble an 94 Papierarbeiten ist nach dem Tod von Bruno Giacometti als Legat ins Kunsthaus gekommen. Dieses umfasst neben zahlreichen Gemälden und Arbeiten auf Papier des Vaters Giovanni auch Gemälde, Skulpturen und

Papierwerke des Bruders Alberto, denen die Kabinett-Ausstellung gewidmet ist. Der grösste Teil hiervon sind Zeichnungen in Bleistift und Feder, daneben gibt es jeweils einige in Kugelschreiber, Farbstift und Lithokreide sowie sechs Aquarelle und ein Pastell.

Intim, familiär, überraschend

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1 A  lberto Giacometti, Selbstbildnis mit blauer Baskenmütze, 1916, Aquarell über Bleistift auf Papier, 30,8 x 23,9 cm, Kunsthaus Zürich, Legat Bruno Giacometti 2012 2 A  lberto Giacometti, Bruno spielt Violine, um 1924  / 25, Bleistift auf Papier, 48,5 x 32,5 cm Kunsthaus Zürich, Legat Bruno Giacometti 2012 3 A  lberto Giacometti, Drei Köpfe (Dürer und Michelangelo), Kopien nach einem Porträt von Michelangelo und dem Münchner Selbstporträt von Dürer, um 1917 / 18 Feder in Blau auf Papier, 25,6 x 34,1 cm Kunsthaus Zürich, Legat Bruno Giacometti 2012

Dieses intime und familiäre Zeichnungskonvolut von Alberto Giacometti hebt ein weiteres Mal die grundlegende Bedeutung der Zeichnung in seinem Œuvre hervor. Es repräsentiert seine ganze Schaffenszeit, von den frühen Jahren in Stampa bis in die Pariser Zeit. Auf den ersten Blick erscheint diese Ansammlung von zeichnerischen Werken vielleicht etwas disparat, da nicht alle Schaffensphasen gleich stark vertreten 23


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4 A  lberto Giacometti, Vier grosse Frauen und ein Kopf, um 1960 Bleistift auf Papier, 49,9 x 35,4 cm Kunsthaus Zürich, Legat Bruno Giacometti 2012 5 A  lberto Giacometti, Ställe in Capolago, 1915 Aquarell über Bleistift auf Papier, 22,8 x 28,9 cm Kunsthaus Zürich, Legat Bruno Giacometti 2012 6 A  lberto Giacometti, Selbstporträt, 1918 Feder in Braun auf Papier, 37,6 x 25,4 cm Kunsthaus Zürich, Legat Bruno Giacometti 2012 A  lle Werke Alberto Giacomettis: © Succession Alberto Giacometti / 2014, ProLitteris, Zürich

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sind, jedoch können auf den zweiten Blick die wichtigen Pfeiler in Giacomettis Entwicklung durchaus ausgemacht werden. Vor allem Werke aus der Jugendzeit sind gut vertreten, besonders überraschen hier einige Aquarelle durch ihre frohe Farbgestaltung und Unbeschwertheit. Es sind darunter Landschaften im Bergell und um Maloja sowie ein auf 1916 datiertes Selbstporträt mit blauer Baskenmütze. In diese frühe Zeit fallen auch die ersten Skizzen und Kopien nach Vorlagen alter Meister wie Dürer, Holbein und Mantegna, aber auch nach seinem Vater Giovanni und Ferdinand Hodler, welcher der Pate von Bruno Giacometti war. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Bildkanon der Kunstgeschichte war stets ein wichtiger Aspekt in Albertos Schaffen. 1965 äusserte sich der Künstler dazu wie folgt: «Seit meinen ersten Begegnungen mit Reproduktionen, das heisst von frühester Kindheit an, hatte ich den spontanen Drang, alles zu kopieren, was mir am besten gefiel, und diese Kopierlust hat mich eigentlich nie mehr verlassen.» Die einfühlsamen Porträts von Familienmitgliedern und besonders das Selbst-

bildnis in Feder von 1918, in dem er sich offenkundig in akademischer Pose als Künstler und bedeutende Persönlichkeit darstellt, sind bemerkenswert reife Zeichnungen und lassen seine Meisterschaft bereits erkennen. «Ich war überzeugt, die Sache so sicher zu beherrschen, dass ich genau das wiedergeben konnte, was ich wollte […]. Ich bewunderte mich selbst, ich glaubte, dass mir alles möglich sei mit diesem wunderbaren Mittel: dem Zeichnen; dass ich überhaupt alles nachzeichnen könnte und dass ich es so gut verstünde wie niemand sonst», meinte Giacometti später zu seiner frühen Begabung, die ihm innerhalb der Familie eine Sonderstellung einbrachte. Er hielt unentwegt seine Umgebung, die ihm vertrauten Räume fest, er zeichnete die Mutter bei der Hausarbeit, die bei der Mahlzeit versammelte Familie oder wie der Vater das jüngste Kind Bruno porträtierte. Albertos Interesse am schöpferischen Gestalten wurde vom Vater, dessen Arbeiten ihn genauso inspirierten und prägten wie die Reproduktionen der Gemälde, die er in Büchern im Atelier entdeckte, stets gefördert und unterstützt.

Akte, Porträts, Objektstudien 6

In den 1920er Jahren, besonders in der Pariser Akademiezeit, folgten diverse – vor allem weibliche – Aktstudien, die ganz allgemein in Albertos zeichnerischem Œuvre einen Schwerpunkt bilden. Bald durch dichte Linien, bald durch wenige zarte Striche gelingen ihm bereits plastische Körper, die aufzeigen, wie Giacometti die Auseinandersetzung mit Dimensionen und Proportionen einer im Raum stehenden Figur sucht. Mit Kopien und Skizzen nach byzantinischen und romanischen Plastiken und Fresken, die teilweise gleichzeitig wie die bekannten Kopien nach ägyptischen Bildwerken entstanden sind, fand Giacometti eine Wirklichkeitsnähe, wie er sie in der modernen Kunst nicht mehr zu sehen glaubte. In der präsentierten Zeichnungsgruppe befinden sich aus den 1930er Jahren

weitere Kopien, nach Gemälden von Matisse und Derain, später nach Poussin und abermals Dürer. Ab 1930 weilte Albertos Bruder Diego in Paris und arbeitete mit diesem zusammen. Aus dieser Zeit, in der Diego Alberto immerzu Modell sass, stammen drei kantige, stilisierte Porträts. Mehr Zeichnungen aus den 1930er und 1940er Jahren sind hier leider nicht erhalten. Erst die 1950er und 1960er Jahre sind wieder besser dokumentiert. In Skizzen mit Motiven aus Stampa und Maloja, die ebenso in Gemälden verarbeitet wurden, versucht Giacometti, das Wesentliche einer Landschaft freizulegen und ihre elementaren Strukturen sowie das Raumgefüge durch das zeichnerische Mittel der Linie zu ergründen. Ferner beschäftigte sich Giacometti mit Objektstudien und Atelieransichten.

Figur im Raum In einer aussergewöhnlichen Figurenstudie von 1960, «Vier grosse Frauen und ein Kopf», kommt Giacomettis Auffassung der Proportionen, die sich in seinen filigranen Skulpturen dieser Zeit ebenfalls manifestiert, zum Ausdruck. Die Ausführung der Striche, die von einer zur anderen Frauenfigur variiert, deutet auf die unterschiedliche Erscheinung der Figuren im Raum hin. Einige Skizzen, welche auf kleinen Blättchen oder Buchseiten wohl spontan entstanden sind, zeigen, dass Giacometti immer und auf nahezu jede ihm verfügbare Unterlage zeichnete. Die Zeichnung war für Giacometti ein unverzichtbares Instrument für sein künstlerisches Schaffen, sei es als Mittel zur Erkenntnis seiner Umwelt oder als Basis für seine Gemälde und Skulpturen. Unterstützt durch die Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung.

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SAMMLUNG

Antoine Bourdelles Bronzeskulptur und die französische Plastik

Sappho 21. März – 6. Juli 2014

Wie im August 2013 berichtet, wurde ein bedeutendes Sammlungswerk des französischen Bildhauers Antoine Bourdelle (1861-1929), die Bronzeskulptur «Sappho», einer aufwändigen Restaurierung unterzogen. Jetzt wird das Werk im Kontext mit anderen präsentiert.

Der aus Südwestfrankreich stammende Bildhauer Antoine Bourdelle bildet mit Auguste Rodin und Aristide Maillol das Dreigestirn der frühmodernen französischen Plastik. Von intimen, kleinformatigen Arbeiten bis zu grossen öffentlichen Auftragsarbeiten hat Bourdelle, der bereits zu Lebzeiten weltweite Anerkennung erfuhr, alle Formate gepflegt. Sein Hauptthema ist die beseelte, bis in die kleinsten Details der Form kraftvoll durchgestaltete menschliche Figur, häufig dargestellt in mythologischen Kontexten. Letzteres gilt teilweise auch für die drei schönen Bronzen im Kunsthaus Zürich: «Apollon (Masque)» von 1900, eine Darstellung des Gesichtes von Apoll, dem griechischen Gott der Musik und der Dichtkunst, sodann «Beethoven» von 1902, eine Porträtbüste des grossen Komponisten – und schliesslich «Sappho» von 1887/1925.

Überlebensgrosse Dichterin der Antike Bei «Sappho» handelt es sich um eine monumentale Darstellung der gleichnamigen grössten Dichterin der Antike (spätes 7. bis frühes 6. Jh. v. Chr.). Auf einer kleinen Erhöhung kauernd, trägt sie eine grosse 28

Henri Laurens, La grande musicienne, 1938 Bronze, 195 x 145 x 95 cm Kunsthaus Zürich, Geschenk der Erben Franz Meyer, 1962, © 2014 ProLitteris, Zürich

Lyra bei sich. Vom hochgereckten grossen rechten Zeh bis zur nach oben gehaltenen rechten Hand ist ihre ganze Gestalt von einer starken Spannung erfüllt, die sich auch in den Falten ihres Kleides manifestiert. Sappho hat den Kopf gebeugt. Ihre rechte Hand verbindet sich darüber mit der Form des Instrumentes, vielleicht zählt die Dichterin gerade, tief versunken, das Versmass eines Gedichtes ab. Sapphos grosses Thema ist die Liebe – und die Verehrung für die Liebesgöttin Aphrodite. Bourdelle beschäftigte sich mehrere Male mit seiner Sappho-Komposition. Eine erste Fassung, nur 28 cm gross, entstand 1887. 1924 realisierte Bourdelle eine Bronze von 70 cm Höhe. Im Jahr darauf dann die in sieben Güssen existierende monumentale Bronze. Das im Kunsthaus aufbewahrte überlebensgrosse Exemplar stammt von 1925. Dieses Werk ist für die Zeit ab der Eröffnung des Erweiterungsbaus für eine Platzierung im Garten der Künste hinter dem Chipperfield-Bau im Gespräch.

Bedeutender Bestand an Plastiken Die Restaurierung von Bourdelles Werk folgt auf die von Plastiken Maillols im da-


SAMMLUNG

Antoine Bourdelle, Sappho, 1887 / 1925 Bronze, 207 x 100 x 145 cm, Kunsthaus Zürich, Geschenk Alexis Rudier Restauriert mit Unterstützung der Stiftung BNP Paribas Schweiz

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SAMMLUNG

vorliegenden Jahr. Nun steht der bedeutende Kunsthaus-Bestand an französischen oder in Frankreich entstandenen Plastiken der frühen und reifen Moderne wieder vollzählig und in gutem Zustand zur Verfügung. In der Ausstellung wird Bourdelles Werk mit anderen Hauptwerken dieser umfangreichen Gruppe zusammen präsentiert. Interessant ist ein Blick auf die Entwicklung dieses Bestandes von europäischer Bedeutung und die Phasen seiner Erwerbung. Die erste Erwerbung einer Plastik eines massgeblichen französischen Meisters der Moderne bzw. frühen Moderne galt 1910 Auguste Rodins Gips-Fassung von «La prière» – einer stehenden weiblichen Figur, 1909 in für Rodin kennzeichnender Weise als Torso gestaltet. Das Werk wurde direkt vom Künstler erworben. In den Jahren 1925–31 kamen dann vier Bronzeplastiken von Aristide Maillol ins Kunsthaus, darun-

ter 1925 die von 1910 stammende «Jeunesse» und 1931 die monumentale «Vénus au collier». Im Jahre 1935 folgte dann ein weiterer Rodin, die liegende Bronze-Figur «Le martyre» – ein Ankauf der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde – die heute im MonetSeerosensaal ausgestellt ist. Das gleiche Jahr brachte den Eingang einer nun dezidiert modernen Skulptur, Henri Laurens‘ kleine Terrakotta «Femme assise au bras levé» von 1930. Im Jahr 1944 erfolgte der bis anhin wohl radikalste Ankauf, Pablo Picassos kubistische «Tête de femme (Fernande)» von 1909. Das Jahr 1946 brachte den Eingang von zwei ersten Werken von Germaine Richier. Die Jahre 1948/49 waren dann ganz von Rodin geprägt, von dem gleich fünf Werke Eingang fanden, darunter im «Skulpturenjahr» 1949 eine Einzelfigur der «Bürger von Calais», die provokative «Iris, messagère

Auguste Rodin, Femme accroupie, 1882 Bronze, 96 x 73 x 60 cm, Kunsthaus Zürich, Sammlung Werner und Nelly Bär

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des dieux» von 1890 / 91 und vor allem das monumentale «Höllentor» von 1880–1917, in dem Rodins ganzes Schaffen gipfelt. Im gleichen Jahr tauchte in Gestalt des subtilen Werkes «Apollon (Masque)» erstmals auch Antoine Bourdelle im Kunsthaus auf. Die 1950er Jahre brachten vier bedeutende Figurenplastiken: 1951 Richiers «Pomona», 1954 ein erstes Hauptwerk Alberto Giacomettis (die Bronze «L'homme qui chavire» von 1950), 1957 dann die bereits 1951 vom Giesser Alexis Rudier als Geschenk bestimmte «Sappho» Bourdelles, 1959 schliesslich ein besonders wichtiger Rodin, «L’âge d’airain», ein frühes Hauptwerk von 1875 / 76.

Höhepunkte ab 1960 Von ganz besonderem Gewicht war im Jahr darauf die Erwerbung von Henri Matisse‘ kapitalen vier «Rückenakten» aus den Jahren 1909, 1913, 1916 / 17 und 1930. Diese vier Werke gehören zu den mit Abstand bedeutendsten Werken der Plastik der Moderne überhaupt und wurden mit Beiträgen des Kantons und des Vereins Zürcher Kunstfreunde VZK von der Tochter des Künstlers erworben. Matisse war übrigens (wie zeitweilig auch Alberto Giacometti) ein Schüler Bourdelles. 1961 gelangte als Geschenk der Erben Franz Meyer Henri Laurens' monumentale «La grande musicienne» ans Kunsthaus (s. Abb.). 1967 kam dann ein erstes Geschenk von Nelly Bär aus der Sammlung Werner und Nelly Bär ans Haus, der monumentale posthume Guss von Maillols «Monument à Cézanne», der aktuell wieder im Foyer des 1. Stockes im Moserbau bewundert werden kann. Im Folgejahr folgte ein ganzes Konvolut an grossherzigen Schenkungen aus dieser Sammlung, darunter Rodins «Femme accroupie» und sein «Balzac», Bourdelles «Beethoven», ein früher Kopf von Picasso sowie zwei bedeutende kleinere Plastiken von Matisse. Insgesamt konnte so über die Jahre ein grossartiger Bestand zusammengetragen werden, der sich seitdem weiter entwickelt hat und von dem jetzt mit Bourdelles «Sappho» ein weiteres Hauptwerk wieder präsentiert werden kann.


SAMMLUNG

Vom Barock bis ins 21. Jahrhundert

Werkbegegnungen Neuhängungen in der Sammlung erlauben es, immer wieder neue Schwerpunkte zu setzen. Dabei entstehen interessante Begegnungen.

Im Erdgeschoss des Müllerbaus ist eine spannende Begegnung von Sammlungswerken aus der Zeit des Barock mit neueren und neuesten Arbeiten zu sehen. Dabei ergeben sich interessante Schwerpunkte: Erwähnt sei eine faszinierende Darstellung der Entwicklung des weiblichen Aktes vom Barock bis zum Spätwerk Picassos und der Pop Art, wobei zwei spezielle temporäre Leihgaben von privat zu bewundern sind: eine Aquarell-Version von Edouard Manets berühmter «Olympia» sowie eine Kopie des Gemäldes von der Hand Paul Gauguins. Zwei andere Werkgruppen in der Accrochage kreisen um das Thema von Fülle und Verfall, wobei in zwei Konstellationen eine Skulptur von Urs Fischer und ein Video von Natalie Djurberg auf barocke Werke treffen. Ebenfalls berücksichtigt wird die Thematisierung von Landschaft bzw. Natur bei den Alten Niederländern und bei Dieter Roth.

Lee Ufan, With Winds (1990) / Isa Genzken, TV (1986) Installationsansicht Kunsthaus Zürich

Alberto Giacomettis Atelierbild «Trois têtes en plâtre» von 1949 aufeinander. Thema ist hier die Präsenz des Raumes und dessen Besetzung durch dargestellte Figuren (Bacon), Kunstwerke (Giacometti) oder (bei Nauman) den Betrachter.

Giacometti & Co. Verbindungen auf Zeit Solche Werkbegegnungen, die als temporäre Massnahmen gedacht sind, erlauben es, Verbindungen zwischen verschiedenen Epochen und Äusserungen der Kunst wahrnehmbar zu machen. In dieser Weise gedacht ist auch die Installation dreier Werke in einem kleinen Raum im 1. Stock des Müllerbaus. Dort treffen Francis Bacons grosses Triptychon «Three Studies of the Male Back» (1970), Bruce Naumans «Model for Outdoor Piece» (1976) und

Veränderungen gibt es auch im Bereich Alberto Giacometti. Aufgrund einer Entsendung einiger wichtiger Werke an eine Ausstellung in Rom, wurde in den Sälen im Erdgeschoss des Moserbaus einiges umgestellt. Weiterhin sind dort aber neben den Werken Albertos auch Arbeiten anderer Künstler zu sehen, namentlich von Giovanni Giacometti, Georges Braque, René Magritte, Giorgio de Chirico, Joan Miró, Francis Bacon und Jackson Pollock. Ziel ist es, Albertos Schaffen nicht isoliert,

sondern jeweils im Kontext mit Werken anderer Künstler zu zeigen, von denen Giacometti manche gekannt hat. Zusätzlich wird in einem der Giacometti-Säle zur Feier von Ernst Scheideggers 90. Geburtstag eine kleine Accrochage mit ausgewählten Fotografien des grossen Fotografen und Filmers zu Alberto Giacometti gezeigt. Die Werke wurden von der Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv zur Verfügung gestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei Aufnahmen von Alberto bei der Arbeit in Paris und im Bergell. Diese Präsentation – die auch drei der weniger bekannten Farbfotografien Scheideggers zu Alberto enthält, erinnert uns daran, wie sehr Scheideggers Fotos unsere Wahrnehmung von Person und Schaffen Alberto Giacomettis bis heute prägen.

Erster Auftritt eines Neuankaufs Sehenswert ist zudem der erste Auftritt eines 2013 erfolgten Ankaufs: Es handelt sich um eine Skulptur der deutschen Künstlerin Isa Genzken mit dem Titel «TV» von 1986. Sie besteht aus einem BetonElement, das auf einem Eisengestell platziert ist. Das Werk steht derzeit zwischen Gemälden Lee Ufans und Mark Rothkos an exponierter Stelle im ersten Stock des Müllerbaus und setzt dort einen ganz neuen Akzent. «TV» der erhebenden Art!

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VERANSTALTUNG

Tag der offenen Tür

Pop-Up-Führungen, PoetryJazz, Vintage-Swing Samstag, 12. April von 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei

Jeder Winkel des Kunsthauses ist belebt. Und dafür sorgen nicht nur die KunsthausMitarbeiter, sondern auch diejenigen, die das Kunsthaus besuchen. Beispielsweise die Mitglieder der Kinder- und Jugendclubs. In einer Ausstellung zeigen Mädchen und Jungen, was sie mit Fantasie, Gestaltungskraft und handwerklichem Geschick während ihrer Clubnachmittage an eigenen Arbeiten geschaffen haben.

Foto: King Pepe und Herwig Ursin

Jazz-Poetry Studenten der Zürcher Hochschule der Künste zeigen sich von der Sammlung inspiriert. Michel Spahr an der Gitarre gibt zusammen mit dem Schlagzeuger Hannes Prisi den Ton an, während sein Bruder Livio Prisi, Schauspiel-Student, gemeinsam mit Dominik Muheim, Slam Poet aus Basel, Stimme und Körper einsetzt. Das eigens für den Tag der offenen Tür geschaffene Repertoire von Texten und Kompositionen fasst die Gegenwartskunst ebenso ins Auge wie die Schweizer Kunst und Werke der französischen Impressionisten.

Vintage-Swing In einer Zweierformation tritt Simon Hari alias King Pepe auf. Der freischaffen-

de Musiker und Komponist aus Bern hat die berndeutsche Liedermacherei aufgemischt. Die Single «Büssi» war sein erstes Lebenszeichen. 2013 ging er mit «Der gesunde Menschenverstand» dem Jazz der wilden 20er Jahre an den Kragen. Sein Begleiter, Pianist Herwig Ursin, hat den Anschlag überlebt. Was die beiden für das Kunsthaus komponieren bleibt geheim.

Tinkturen, Farb- und Klebstoffen wahre Wunder bewirkt werden. In der Bibliothek, dem Hort der Hefte, Bücher, Videos und Archivalien an der Rämistrasse, der Montag bis Freitag öffentlich zugänglich ist, können Sie mit etwas Glück am 12. April sogar auf «lebende» Texte stossen. Diese und weitere Programmpunkte finden Sie ab Mitte März online aufgeschaltet.

Pop-Up-Allerlei

Wir freuen uns auf Sie!

Sicher ist, das Kunsthaus setzt den Trend: Nach dem Pop-Up-Store in der Eingangshalle sind jetzt Pop-Up-Führungen geplant. Angeregt von Monika Leonhardt bietet eine Handvoll Kunstvermittlerinnen, was sich viele Besucher wünschen: ohne Anmeldung, ganz spontan an einer Führung teilnehmen, die vom Dialog zwischen Betrachtern und Bild, zwischen Kunsthistorikerinnen und Besuchenden lebt und die so lange dauert, wie es die Anwesenden interessiert.

Sehen, hören, selber tun Die Tür des Malateliers steht kleinen und grossen Gästen ebenso offen wie diejenige des Restaurierungsateliers – wo mit chirurgischen Instrumenten, besonderen

Ein Kulturengagement der Credit Suisse – Partner des Kunsthaus Zürich

Werden Sie Türöffner! Inspirieren Sie Freunde, Nachbarn und Bekannte, die das Kunsthaus noch nicht kennen. Am 12. April können sie es gratis besuchen. Kommen Sie mit und geniessen Sie den Tag gemeinsam! Mit szenischer Musik, neuen Führungsformaten und Blicken hinter die Kulissen erleben Sie auch als Mitglied das Kunsthaus von seiner überraschenden Seite.

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ANDERNORTS

Einladung angenommen

«0 Performance – The Fragile Beauty of Crisis» Mirjam Varadinis hat für die 5. Moskau Biennale ein Spezialprojekt realisiert. Hier schildert die Kunsthaus-Kuratorin ihre neu gewonnenen Eindrücke: Nichtstun macht Arbeit.

Biennalen sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Während es ursprünglich nur die altehrwürdige Venedig-Biennale gab, werden inzwischen überall auf der Welt solche Grossveranstaltungen organisiert: von São Paolo bis Gwangju und von Berlin bis Sydney. Eine dieser neueren Biennalen wurde vor zehn Jahren in Moskau gegründet und fand dieses Jahr zum fünften Mal statt. Die bisherigen Kuratoren dieser Biennale sind bekannte Namen aus der Kunstwelt. Bei einer der ersten Ausgaben waren u.a. Hans-Ulrich Obrist, Daniel Birnbaum und Rosa Martinez mit dabei, danach Jean-Hubert Martin oder Peter Weibel. Als mich Joseph Backstein, Mitbegründer und künstlerischer Direktor der Moskau-Biennale einlud, für die Biennale 2013 ein grosses «Special-Project» zu kuratieren, war das 34

daher ein grosses Zeichen der Anerkennung. Gerne nahm ich die Herausforderung an. Ich war davor noch nie in Moskau oder Russland gewesen, hatte mich in den letzten Jahren aber intensiv mit dem osteuropäischen Raum auseinandergesetzt und mit vielen Künstlern aus diesem Gebiet zusammengearbeitet. Ich war also gespannt, mehr über Moskau und Russland zu erfahren – insbesondere, weil wir dieses Land ja meist nur aus Negativ-Schlagzeilen in den Medien kennen.

Turbo-Kapitalismus und kommunistische Vergangenheit

Ausstellungsansicht mit Stefan Burgers «Sprung ins Leere unter Begutachtung einer Expertenkommission» (2006)

Als ich zum ersten Mal nach Moskau fuhr, um mir die Ausstellungsräume anzuschauen und mir einen Eindruck der Stadt zu verschaffen, hatte ich das Gefühl, eine Zeitreise zu machen – und zwar gleichzeitig in die Zukunft und in die Vergan-


ANDERNORTS

genheit. Einerseits war ich mitten drin im neuen Turbo-Kapitalismus, andererseits sind auch die Spuren der kommunistischen Vergangenheit noch genauso präsent. Für mein Biennale-Projekt wollte ich etwas machen, das diesem Kontext Rechnung trägt.

Null-Performance in der Krise Seit längerem beschäftige ich mich mit dem Thema Performance. Für Moskau beschloss ich, eine Reflexion des Begriffs «Performance», der sowohl in der ökonomischen wie auch künstlerischen Sprache auftaucht, als Ausgangspunkt für die Ausstellung zu nehmen. Dabei interessierte mich gerade der Moment des «Nichtstun» und der «Nicht-Produktion». Heute stehen wir alle unter ständigem Druck, unsere Leistung bzw. eben zu neudeutsch unsere Performance zu steigern. Zeit ist eines der rarsten und kostbarsten Güter geworden. Nichts zu tun gehört sich nicht. Gleichzeitig durchleben wir eine der heftigsten ökonomischen Krisen seit Jahren, die dazu führt, dass viele Menschen zum Nichtstun gezwungen werden. Das Projekt «0 Performance – The Fragile Beauty of Crisis» beleuchtete diese beiden Aspekte einer Null-Performance und vereinigte Künstler, die einerseits die Konsequenzen der Krise thematisieren und andererseits einen bewussten Bruch mit dem ständigen Produktionswahn vorschlagen. Die beiden Facetten des Themas waren wie eine Erzählung in zwei Kapiteln angelegt, was der architektonischen Grundstruktur des Ausstellungsraumes entsprach. Die insgesamt 1200 m2 Ausstellungsfläche – also in etwa die Grösse des Bührlesaales im Kunsthaus – waren nämlich in zwei getrennte, aber miteinander verbundene Räume aufgeteilt.

Der Andrang der Presse ist gross. Mirjam Varadinis führt mit Simultanübersetzer durch die Ausstellung.

In Aktion: Die Performance des schwedischen Duos Goldin + Senneby.

– eine wichtige Forderung gerade in der heutigen Zeit, wo Künstler unter ständigem Produktionsdruck stehen. Im Dialog mit Mladen Stilinovic' Manifest waren Werke von Roman Ondák, San Keller, Ahmet Ögüt, Trisha Brown, Stefan Burger, Fischli/Weiss, Katerina Šedá, Ksenia Sorokina, Nedko Solakov, Pilvi Takala, Arturo Hernandez Alcazar, Muchomory, Chto Delat, Bas Jan Ader, Collective Actions u.a. zu sehen. Insgesamt waren 26 Künstlerinnen und Künstler mit dabei, die aus West- und Osteuropa, Russland und aus den USA stammen.

Eine Re-Inszenierung von Mladen Stilinovic‘ Werk von 1976 «Work Cannot not Exist»

Lob der Faulheit Eines der zentralen Werke der Ausstellung war Mladen Stilinovic' Manifest «Praise of Laziness». Dieses schrieb der in Belgrad geborene und heute in Zagreb lebende Künstler 1993. Er verglich darin die Lebens- und Produktionsweise der Künstler aus Ost und West und postulierte, dass Momente des Nichtstuns und der Faulheit grundlegende Bedingungen für das Schaffen von Kunst sind

San Keller im Gespräch mit dem russischen Kritiker Valentin Diaconov anlässlich der Performance «Do Not»

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SANIERUNG & ERWEITERUNG

Kapellensanierung Im Frühjahr 2014 werden die Glasdächer über dem von Karl Moser 1910 erbauten Teil des Kunsthauses saniert. Die originale Unterkonstruktion aus Streben und Trägern wurde noch nie erneuert.

Der Eingriff bleibt auf den historischen Bestand von «Moser I» beschränkt. Das Glasdach auf dem von den Gebrüdern Pfister in den 1950er Jahren errichteten Gebäudeteil, in dem der Bührlesaal liegt, wurde von 2002 bis 2003 komplett saniert. Anlässlich der im letzten Winter erfolgten Fassadensanierung des Müllerbaus (eingeweiht 1976) sind dort das Flachdach erneuert sowie die Scheddach-Oberlichter neu eingefasst und abgedichtet worden.

Status Quo der Kunsthaus-Erweiterung

Foto: Lena Huber

Während zweier Jahre hat die Stiftung Zürcher Kunsthaus, die für die Erhaltung der Liegenschaften des Kunsthauses verantwortlich ist, in Absprache mit der Denkmalpflege des Kantons Zürich nach der bestmöglichen Lösung gesucht, um die Feuchtigkeitsschäden im Dachraum des ersten Baus von Karl Moser («Moser I») zu beheben. Bei einer Testöffnung bestätigte sich, dass ein Drittel der alten Sprossen korrodiert und in ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Ursachen sind Kondensatbildung und eindringendes Regenwasser. Ziel der Sanierung ist es, die bewährte100jährige Konstruktion zu erhalten und die Eingriffe so gering als möglich zu halten. Die Streben und Träger, die die Glasplatten tragen, werden Stück für Stück ausgebaut, im Werk eines Metallbetriebes gereinigt und neu galvanisiert oder ersetzt, soweit sie die statischen Anforderungen nicht mehr erfüllen. Holzeinlagen in den Sprossen werden durch Metallprofile ersetzt, Draht-Glasscheiben demontiert, auf dem Kunsthaus-Gelände gereinigt und wieder

eingebaut. Die geplanten Massnahmen sollen neben der Behebung der Schäden künftig das Eindringen von Wasser und die Bildung von Kondenswasser reduzieren.

Sammlung bleibt offen Für den Museumsbesucher ändert sich wenig. Neben dem Haupteingang wird im Februar ein Baustellenumschlagplatz eingerichtet. Die Arbeiten auf dem Dach dauern voraussichtlich von April bis Juli. Der Zugang ins Kunsthaus und in die Oberlichtsäle bleibt gewährleistet. Allerdings werden dort die innen liegenden Lamellenstoren geschlossen, zum Schutz der ebenfalls gläsernen Zwischendecke und um unerwünschte «Schattenspiele» – verursacht durch dort tätige Handwerker – zu vermeiden. In dieser Zeit werden die französische Kunst, der Expressionismus und die Kunst um 1900 im gleichmässigen Kunstlicht, wie an Herbst- und Winterabenden, zu sehen sein.

Bei Redaktionsschluss Ende November war noch nicht bekannt, wie das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich auf die Beschwerde der Stiftung Archicultura reagiert. Die Stiftung mit Sitz in Luzern will erreichen, dass ihr die Legitimation zur Einreichung eines Rekurses gegen die Baubewilligung der Kunsthaus-Erweiterung doch noch zuerkannt wird. Auch wenn der Baustart wegen der hängigen Beschwerde gegen die Baubewilligung nicht wie geplant Anfang Dezember 2013 stattfinden konnte: die «Ränder» des Heimplatzes gerieten in Bewegung. Fernwärmeleitungen, die quer unter dem Baugrund verlaufen und der Wolfbach – ein von der Erweiterung unabhängiges Projekt des Tiefbauamts – sind umgelegt worden. Die Arbeiten für die Baugrube (Tiefbau) sind ausgeschrieben und andere Aufträge, wie beispielsweise die Erdwärmesonden, stehen – mit Rücktrittsklauseln, falls die Baubewilligung (bedingt durch den Rekurs) nicht in angemessener Frist rechtskräftig wird – vor der Vergabe.

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CLICK

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Madonna, Madonna, Madonna. Keine ist wie die andere.

 erd Woll, G Autorin der Werkverzeichnisse von Edvard Munch, erläutert ihre Arbeit.

B  ewundernd  und bewundert:   Damen zu Zeiten Edvard Munchs und heute.  it Munchs Gemälden zuhause M aufgewachsen: Regula Luchsinger, Stiftungsrätin Herbert Eugen Esche-Stiftung.

M  adeleine Blum-Rihs, vormals Unternehmerin, und Rosemarie Primault, vormals Sekretärin von Max Frisch.

EDVARD MUNCH. 150 GRAFISCHE MEISTERWERKE Vernissage, 3. Oktober

 obia Bezzola, T Direktor Museum Folkwang, mit Katja Schenker, Künstlerin und Mitglied der Programmkommission, und Kuratorin Cathérine Hug (rechts).

T  homas Hauff, Botschafter Norwegens in Bern, Gerd Woll, Christoph Becker, Ben Frija, Galerist.

A  uf der Bühne: Sydney Fuchs, Wilhelm Wartmann, Christoph Becker (v.l.n.r.).

 Trägerin des Schweizer Filmpreises 2013: Sibylle Brunner.

Julia Schmausser, Swiss Re, Monique Spaeti, Kunsthaus, Andreas Schwarz, Neumarkt 17, Martina Hladik, Farrow & Ball.

Fotos © Caroline Minjolle

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SERVICE

Hier finden Sie eine Auswahl an Führungen, Veranstaltungen und Workshops. Das ganze Programm unter www.kunsthaus.ch

AUSSTELLUNGSÜBERSICHT 7. Februar – 11. Mai Von Matisse zum Blauen Reiter. Expressionismus in Deutschland und Frankreich Grosser Ausstellungssaal Vernissage 6. Februar, 19 Uhr

Vernetzt mit der Sammlung: Samstags 15 Uhr Englisch: Do 27. Februar, 16 Uhr; Fr 21. März, 13 Uhr; So 13. April, 13 Uhr Französisch: Sa 1. März / 26. April, 13 Uhr

28. Februar – 25. Mai A  lberto Giacometti. Zeichnungen und Aquarelle Kabinett

Alberto Giacometti. Zeichnungen und Aquarelle Do 6. März, 18 Uhr; Sa 29. März, 11 Uhr; Fr 25. April, 14 Uhr; So 18. Mai, 13 Uhr

bis 9. Februar Bilderwahl! Sanft entrückt – Kinder wie im Traum Kabinett

Bilderwahl! Sanft entrückt – Kinder wie im Traum Sa 18. Januar, 11 Uhr

SAMMLUNGS-ACCROCHAGEN 21. März – 6. Juli Antoine Bourdelle. Sappho 1. OG Moserbau bis Mitte März Accrochage Ernst Scheidegger Giacometti-Räume im EG www.kunsthaus.ch/de/ausstellungen/ aktuell

FÜHRUNGEN AUSSTELLUNGEN Von Matisse zum Blauen Reiter. Expressionismus in Deutschland und Frankreich* Mittwochs und donnerstags 18 Uhr, freitags 15 Uhr, sonntags 11 Uhr

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VERANSTALTUNGEN

FÜHRUNGEN

Antoine Bourdelle. Sappho Sa 31. Mai, 11 Uhr; Do 26. Juni, 18 Uhr * Mit elektronischem FM-Gruppenführungssystem. Speziell auch für Personen mit Hörminderungen geeignet. Billett CHF 6.– / 4.– Mitglieder. Bitte an der Kasse lösen. Teilnehmerzahl beschränkt! Geräteausgabe 10 Minuten vor Beginn. SAMMLUNG Samstags 15 Uhr Wir schaffen inhaltliche Verknüpfungen zwischen der aktuellen Ausstellung und Werken unserer Sammlung Daten und Themen auf www.kunsthaus.ch/de/kunstvermittlung/veranstaltungskalender

WWW Änderungen vorbehalten. Freie Gruppen und Schulklassen nur nach Voranmeldung.

Sonntag, 2. März ZKO im Kunsthaus: Die Musik des Expressionismus Vortragssaal Kunsthaus, 11 Uhr CHF 45.– / CHF 30.– Mitglieder Tickets und Informationen: ZKO-Billettkasse, 0848 84 88 44 Samstag, 12. April Tag der offenen Tür Pop-Up-Führungen, Poetry-Jazz, Vintage-Swing Ganzes Haus, 10 – 20 Uhr, Eintritt frei

WERKSTATT Familienworkshops zur Sammlung: 26. Januar: In Stein gemeisselt zur Ausstellung «Von Matisse zum Blauen Reiter»: 23. Februar: Mein Baum, dein Baum – unser Farbenwald 30. März: Vom Eindruck zum Ausdruck 27. April: Kleider machen Leute Jeweils 10.30  –12.30 Uhr, Erwachsene CHF 15.–  / Kinder und Jugendliche CHF 5.– / Familienpreis CHF 30.– Offenes Malatelier für alle Express yourself! So 2. März und 6. April, 13.30 –15.30 Uhr Erwachsene CHF 12.– / Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren gratis Ab 16 Jahren und Erwachsene Poetischer Rundgang Frühling bricht ein Sa 5. April, 16 –17.30 Uhr CHF 20.– / Mitglieder CHF 10.–


SERVICE

WERKSTATT Es brennt Mi 26. Februar, 18 – 20 Uhr Do 10. April, 18 – 20 Uhr CHF 40.– / Mitglieder CHF 25.– /  Jugendliche 20.– Zwischen Harmonie und Ausdruck Der Stimmung Farbe, Form und Strich geben Sa 15. März, 10.15 –14.45 Uhr CHF 90.– / Mitglieder CHF 75.– / Jugendliche CHF 30.– Performance: Expressiv! Unterwegs und im Kunsthaus mit dem Künstler Gen Atem 1. Teil: Mi 19. März, 18 – 20 Uhr 2. Teil: Sa 29. März, 13 –16 Uhr Kosten (inkl. Material) CHF 120.– 7 bis 12 Jahre Kinder wie im Traum Sa 11. Januar, 10.30  –12.30 Uhr CHF 15.– Aus dem Bauch heraus Do 13. Februar, 10.30 –15 Uhr Do 24. April, 10.30  –15 Uhr CHF 30.– Bäume wachsen lassen Di 18. Februar, 10.30 –14.30 Uhr CHF 25.– Der Himmel ist grün Do 20. Februar, 14 –16 Uhr Sa 22. März, 14 –16 Uhr, CHF 15.– Blumen überall Di 29. April, 10.30 –14.30 Uhr CHF 25.– ab 5 Jahren Malatelier am Sonntag 12.1. / 19.1. / 2.2. / 9.2. / 16.2. / 2.3. / 9.3. /  16.3. / 23.3. / 6.4. / 13.4. / 4.5. / 11.5. 10.30 –12Uhr, CHF 12.– Lauter Flecken und doch ein Bild? Mi 12. Februar, 14 –16 Uhr Mi 9. April, 14 –16 Uhr, CHF 15.–

Baumreich – Farbenreich Sa 8. März, 14 –16 Uhr, CHF 15.– Farben- und Blumenzauber Mi 2. April, 14 –16 Uhr Sa 26. April, 14 –16 Uhr, CHF 15.– 3 bis 5 Jahre Villa Kun(s)terbunt Malwerkstatt für Kinder von 3 bis 5 Jahren in Erwachsenenbegleitung Block 1: 24. / 31. Januar, 7. Februar, 10 –11.30 Uhr Block 2: 28. Februar, 7. / 14. März, 10 –11.30 Uhr Block 3: 28. März, 4. /11. April, 10 –11.30 Uhr, CHF 50.– pro Block KINDER- UND JUGENDCLUB 3plus Kinder zwischen 3 und 6 Jahren in Begleitung Ab ins Tüftellabor Block 1: Farbe und Form 24. / 31. Januar, 7. Februar, 14 –15.30 Uhr Block 2: Linie und Bewegung 28. Februar, 7. / 14. März, 14 –15.30 Uhr Block 3: Raum und Skulptur 28. März, 4. /11. April, 14 –15.30 Uhr CHF 50.– pro Block 6plus Kinder zwischen 6 und 9 Jahren Farbenzauber und Formenwirbel Block 2: Essen und Trinken – Gestern und Heute, 15. / 22. / 29. Januar, 5. Februar, 14 –16 Uhr Block 3: Menschen und Geschichten 5. / 12. / 19. / 26. März, 14 –16 Uhr Block 4: Bilder schichten und Figuren modellieren, 14. / 21. / 28. Mai, 4. Juni, 14 –16 Uhr, CHF 70.– pro Block 10plus Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren Wunderkammer Block 2: Natur soweit das Auge reicht 8. / 15. / 22. / 29. Januar, 16.30 –18.30 Uhr Block 3: Raum und Perspektive 12. / 19. / 26. März, 2. April, 16.30 –18.30 Uhr

Block 4: Traumwelten 7. / 14. / 21. / 28. Mai, 16.30 –18.30 Uhr CHF 70.– pro Block Für alle Veranstaltungen Anmeldung erforderlich: 044 253 84 84 www.kunsthaus.ch/de/kunstvermittlung

INFORMATIONEN Museum Heimplatz 1, 8001 Zürich Eintrittskasse 044 253 85 43 Neue Öffnungszeiten Fr – So / Di 10 –18 Uhr Mi / Do 10 –20 Uhr Ostern 18.– 21. April 10 –18 Uhr Sechseläuten 28. April geschlossen 1. Mai 10 –18 Uhr Direktion, Verwaltung und Grafische Sammlung Tel. 044 253 84 84, Fax 044 253 84 33 info@kunsthaus.ch Grafische Sammlung Studiensaal Mo – Fr nach Voranmeldung Tel. 044 253 85 36 / 39 Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm Tel. 044 253 84 97 (Ansage) Bibliothek Rämistrasse 45, 8001 Zürich Tel. 044 253 85 31, Fax 044 253 86 51 Ausleihe Tel. 044 253 85 32 Mo – Fr 13 –18 Uhr Ostern 17. April 13 –16 Uhr, 18.– 21. April geschlossen Sechseläuten 28. April geschlossen 1. Mai geschlossen www.kunsthaus.ch/bibliothek

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VORSCHAU

COMING SOON

IMPRESSUM Offizielles Magazin für Mitglieder des Vereins Zürcher Kunstgesellschaft Herausgeber Zürcher Kunstgesellschaft Postfach, 8024 Zürich www.kunsthaus.ch © Kunsthaus Zürich Abdruck erwünscht mit Quellenangabe Redaktion Kristin Steiner Gesamtverantwortung Björn Quellenberg Auflage Druckauflage 17’000 WEMF/SW-beglaubigt 16’942 erscheint 4-mal jährlich Bezug In der Jahresmitgliedschaft enthalten, Verkaufspreis am Kunsthaus-Shop CHF 6.– Gestaltung Crafft Kommunikation AG Hohlstrasse 201, 8004 Zürich www.crafft.ch

Cindy Sherman, Untitled, 1985 Collection Cynthia and Abe Steinberger, Courtesy of the artist and Metro Picutres, © Cindy Sherman

Cindy Sherman – Untitled Horrors Im Zentrum der Retrospektive «Cindy Sherman – Untitled Horrors» steht das Groteske und Schaurig-Schreckliche in Shermans Werk, von den Anfängen bis zu den neuesten Arbeiten. Der Titel verweist einerseits auf die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellung, spielt andererseits aber auch mit der Tatsache, dass Cindy Sherman ihre Fotos immer mit «Untitled» bezeichnet. Die Künstlerin lässt die Lesart der Bilder offen und lädt stattdessen die Betrachter ein, die in den Bildern angelegten Geschichten selber zu entwickeln und sich einen Titel auszudenken. Bereits 1975 entstanden ihre ersten Werke. Diese produzierte Sherman bei sich zu Hause mit Selbstauslöser. Schon damals ging es um die Inszenierung von verschiedenen (Geschlechter-)Rollen und ständig wechselnden Identitäten. Diese sehr frühen Werke werden in der Ausstellung zum ersten Mal umfassend gezeigt und erlauben es den Besuchern, das Schaffen von Cindy Sherman in seiner ganzen Breite zu sehen und neu kennen zu lernen. Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Astrup Fearnley Museet, Oslo, dem Moderna Museet, Stockholm, und dem Kunsthaus Zürich. Mehr dazu im nächsten Magazin vom 5. Mai.

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ISSN 1421-315X

Unterstützt von Swiss Re – Partner für zeitgenössische Kunst

Alle Informationen im Überblick: www.kunsthaus.ch 42

Titelbild Alexej Jawlensky Mädchen mit Pfingstrosen, 1909 Öl auf Karton, 101 x 75 cm Kunst- und Museumsverein Wuppertal

Kunsthaus-Magazin 1/2014  

Kunsthaus-Magazin 1/2014

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