Issuu on Google+

K ATA LO G Kulturp채dagogische Projektarbeiten 08


VORWORT

Prof. Dr. Johann Bischoff

Lehrgebiet Medienwissenschaften und angewandte Ästhetik

Die vorliegende Dokumentation der kulturpädagogischen Projektarbeit aus dem Sommersemester 2008 des Bachelorstudienganges Kultur- und Medienpädagogik gibt einen anschaulichen Eindruck über die Vielfalt der Ideen und technischen wie auch künstlerischen Umsetzung des Moduls 6-3: BA KMP. Diese Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Studiums. Auf der Basis einer umfassenden produktorientierten Arbeit, die öffentlich präsentiert und reflektiert wird, zeigen die Studierenden, dass sie am Ende ihres Studiums in der Lage sind, die gestalterischen Grundlagen im Zusammenhang mit einem selbst gewählten Thema anzuwenden und von der Konzeption über die Organisation bis hin zur Durchführung ein größeres Kulturprojekt selbstständig durchzuführen, mit anderen Stellen zu kooperieren und sich einer Öffentlichkeit zu stellen. Diese Art der Medien- und Kulturproduktion impliziert die Entwicklung und Entfaltung innovativer künstlerischer und medialer Kompetenzen sowie die autonome Produktion und Kommunikation eigener Ideen. Als Kriterien für ästhetische Produktionen gelten z.B. die Motivation und Intensität der Darstellung, Phantasie und differenzierte Beobachtungsgabe, Abstraktionsvermögen sowie die Beherrschung der technischen und ästhetischen Mittel in den jeweiligen Bereichen oder in der intermedialen Kombination, wie auch die Fähigkeit zur Darstellung eigener künstlerischer Ideen. Im Kontext ästhetischer Theorie und Praxis stehen insbesondere folgende Merkmale der Präsentation im Fokus der Beurteilung:

• Darstellungsvermögen: Die auf genauer Beobachtung basierende Fähigkeit zur bildhaften Wiedergabe des Wesentlichen von Gegenständen, Funktionen, Abläufen und Situationen. • Abstraktionsvermögen: Die Fähigkeit, wesentliche Aspekte des Themas mit Hilfe von Formen und Gestaltungsprinzipien herauszuarbeiten. • Vorstellungsvermögen: Das die bloße Darstellung erweiternde bzw. übersteigende phantasievolle Erfinden oder Kombinieren formal-inhaltlicher Bild- bzw. Gestaltungszusammenhänge. • Realisierungsvermögen: Die Fähigkeit, künstlerische Inhalte formal schlüssig, selbständig und technisch angemessen zu artikulieren. • Selektionsvermögen: Die Fähigkeit, sinnvolle künstlerische Arbeitsansätze als Einheit von Inhalt bzw. Funktion, Form und Technik auszuwählen und zu strukturieren. • Intensität: Eindringlichkeit und Dichte der Arbeit, Stärke des Engagements. Je nach Interesse und beruflicher Orientierung können die Studierenden einen künstlerisch-technischen Beitrag auf dem Gebiet des Films, Hörspiels, Theaters, der Ausstellung oder Printmedien produzieren oder eine kulturpädagogische Arbeit mit ausgewählten Zielgruppen in den Bereichen Medien-, Musik-, Theater- oder Museumspädagogik ablegen. Die Kriterien für die Bewertung liegen hier natürlich eher auf dem methodisch-didaktischen Zugang und der Angemessenheit der künstlerischen Mittel für die gewählte Zielgruppe als auf ästhetischen oder technisch hochwertigen Maßstäben. Am Ende der kulturpädagogischen Projektarbeit erstellen die Studierenden eine

Dokumentationsmappe, in der das Vorhaben theoretisch begründet und in seiner konkreten Umsetzung reflektiert wird. Im Kolloquium zeigen die Studierenden, dass sie in der Lage sind, ihre eigene Arbeit anhand der aufgestellten Kriterien kritisch zu reflektieren und zu bewerten. Im Anschluss an diese produktionsorientierte praktische Arbeit folgt die Bachelorarbeit, in der in erster Linie die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten nachgewiesen wird. Mit diesen beiden Abschlussarbeiten und dem Praktikum im 5. Semester haben die Studierenden ein Studium im Bereich der Kulturpädagogik absolviert, in dem sie die Fähigkeiten entwickeln konnten, kultur- und medienpädagogische Handlungsfelder in öffentlichen und privaten Kultur- und Medienorganisationen und Medienprojekten zielorientiert zu planen, zu organisieren, zu führen und zu kontrollieren. Die große Vielfalt der Ideen und Umsetzungsstrategien, die in dieser Zusammenfassung deutlich wird, zeugt von der Lebendigkeit und Offenheit der Studienatmosphäre, deren wesentliches Merkmal die Projektarbeit und kulturelle Praxisorientierung ist. Die Dokumentation der einzelnen Beiträge gibt uns aber auch ein Bild von der jeweils unterschiedlichen intellektuellen Verarbeitung der gestalterischen und inhaltlichen Realisationen, die im Gegensatz zum Modul „Handlungsfelder kultureller Bildung“ im 4. Semester nur beratend in Form des Kolloquiums von den Lehrenden begleitet werden. Eine kritische Evaluation im Rahmen dieses Kolloquiums verdeutlicht, dass teilweise eine fehlende Kongruenz einerseits zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung, andererseits zwischen praktischer Umsetzung und theoretischem Anspruch zu konstatieren


ist. Das offenbart zum Teil Defizite der Studierenden bei Transferleistungen zwischen seminaristisch erworbenen Wissen (Theorie und künstlerische Praxis) auf autonom zu realisierenden Vorhaben. Bezogen auf die spätere Berufspraxis im kulturellen Bereich sind hier möglicherweise Schwächen der Ausbildung festzuhalten, immer dann, wenn zeitlicher Streß die Studierenden ins künstlerische „Kopffüßlerstadium“ zurückfallen lässt. Es bleibt zu hoffen, dass die neue Modulstruktur zukünftig diese Defizite kompensieren kann und das damit ein „Auswendiglernen“- und „Definitionsstudium“ abgelöst wird von projektorientierten Erarbeitungs- und Selbstlernphasen. Das impliziert zumindest nach meiner Auffassung den Kern der kulturellen Bildung, was mehr ist, als eine Demonstration technischer, inhaltlicher und gestalterischer Kompetenz. In einer programmatischen Erklärung vom 22.5.2003 hat der Deutsche Städtetag darauf hingewiesen, dass Kulturelle Bildung unverzichtbarer Teil einer umfassenden Persönlichkeitsbildung ist. „Sie zielt auf künstlerische und kulturelle Kompetenz möglichst aller und befähigt den Einzelnen, Kunst und Kultur von Grund auf kennen zu lernen, zu verstehen und zu gestalten und am kulturellen Leben teil zu haben. Mit der Förderung von Kreativität gewährleistet kulturelle Bildung den Erwerb kultureller Kompetenz als Ressource für gesellschaftliche Innovation.“ Eine so verstandene kulturelle Bildungsarbeit ist eine klassische Querschnitts- und Vernetzungsaufgabe, die die angehenden Kulturpädagogen und Kulturvermittler zu bewältigen haben. Sie werden in Zeiten des schnellen kulturellen Wandels eine große Flexibilität und Mobilität aufbringen müssen und in der Lage sein, kreative Lösungen in komplexe Kommunikationszusammenhänge einzubringen.

Impressum Katalog der kulturpädagogischen Projektarbeiten aus dem Sommersemester 2008 im Studiengang Bachelor Kultur- und Medienpädagogik im 6. Semester. 1. Auflage 100 Stück, November 2008 Druckerei der Hochschule Merseburg (FH) Redaktion Texte von den Studierenden Layout Katrin Katte Kontakt Hochschule Merseburg (FH) Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur Geusaer Straße 88 06217 Merseburg

4/5


Medium und Ambivalenz

Philipp Arms

Standpunkt Ich sehe die Medienpädagogik als wirkungsvollste Möglichkeit, gar als Notwendigkeit, Medienkompetenz zu vermitteln. Der mediale Bürger muss in der Lage sein, produktiv, zielgerichtet und selbstbestimmt das Medium zu nutzen. Er muss in eine aktive Rolle übergehen, muss heraus treten aus der passiven Haltung. Es existiert keine Alternative, der Mensch muss sich seines Standpunktes bewusst werden, muss Kompetenzen entwickeln. Die Medienpädagogik legt die Grundsteine – sie nimmt den medialen Bürger bei der Hand und klärt ihn auf, zeigt Wege und Alternativen, beleuchtet und hinterfragt. So kann die Furcht vor direktem Kontakt abgebaut, das System demaskiert, systematisch zerlegt und analysiert werden – stets in Interesse und Mitwirkung des Rezipienten. Zentrale Frage war für mich, wo das kulturpädagogische Projekt ansetzten soll. Was ist meine Botschaft, wie möchte ich diese, in Anbetracht der Sender-EmpfängerProblematik, transportieren. Nun ist es mit der Kunst stets so, dass sie gewisse Probleme, also mögliche Interferenzen wirkungsvoll kompensiert. Aus diesem Grund ist mein Projekt ein Kunstprojekt, wobei ich mit kurzem Seitenblick auf den Konstruktivismus hinweisen möchte, zu dem Watzlawick meint, die Wirklichkeit sei erfunden, Wahrnehmung intersubjektiv und gemeinsames Konstrukt der Gesellschaft. In meiner Konstruktion, die uneingeschränkt eben jener Aussage zuzurechnen ist, sind die künstlerischen Elemente Bild und Collage. Im zynisch-metaphorischen Sinne kämen auch die Massenmedien einem Haufen Collagen gleich, sind sie doch nicht selten eine ‚… künstlerische Komposition [...] aus […]

Dingen verschiedenen Ursprungs …‘ (Fremdwörterbuch, Dudenverlag 2007). Idee Diesem Projekt liegt die Grundidee der Verschmelzung von Mensch und Medium zugrunde. Die gegenseitige Möglichkeit der Einflussnahme und daraus entstehende Wechselwirkungen sollen zum Ausdruck gebracht werden. Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren und ist stets für Botschaften empfänglich. Das heißt, er kann sich dem Medium nicht entziehen, das Medium ist beständiger Teil seiner Lebenswelt. Der technische Fortschritt bewirkt ein Durchdringen des Lebensalltags, das Medium wird allgegenwärtig. Durch gesteigerte Kontakthäufigkeit zum Medium läuft der Mensch Gefahr, dass die ausgebildeten Filter aufgeweicht, dass er desensibilisiert wird. Problematisch wird dies besonders dann, wenn die medialen Inhalte durch eine hohe Diskrepanz zwischen Ideal- und Praxisnorm gekennzeichnet sind. Das Medium, welches ich dem Menschen nebenan stelle, ist das Fernsehen. Die positiven und negativen Aspekte des Fernsehens sind hinlänglich bekannt. Dennoch besitzt gerade dieses Medium einen Stellenwert, entfaltet eine Wirkung, die in Intensität von keinem anderen Medium erreicht wird. Das Kunstprojekt stellt eine mögliche Problematik dar, die sich aus täglichem Medienkontakt ergeben kann. Für die extrem überzeichnete Darstellung habe ich ein Kind als Motiv gewählt. Das Kind steht symbolisch für Unschuld, Unbedarftheit, Neugier und leichte Verführbarkeit. Es ist leicht verletzlich, kann nicht auf ausgereifte Filter zurückgreifen und agiert wie ein Schwamm – es saugt alle Information in sich auf. Die Gefahr dabei ist, dass eine Konfrontation mit Inhalten geschieht, die nicht verarbeitet und eingeordnet werden können. Die zum Ausdruck kommende Hilflosigkeit, das sichtliche Bedürfnis nach Schutz soll dem Betrachter Einblicke und Einsichten ermöglichen, soll Gedanken in Bewegung setzten. Inhalt und Botschaft sollen reflexiv betrachtet und verarbeitet

werden. Wird ein Bezug zur eigenen Person, zu eigenen möglicherweise vergangenen Erfahrungen assoziiert, so kann daraus Erkenntnis folgen, eine Lehre gezogen werden. Der zweite Teil des Objekts ist die Collage, welche ein Fernsehgerät darstellt, dass ungebremst und ungefiltert teils sehr brutale, teils sehr menschenverachtende Inhalte ausspeit. Das Fernsehbild ist überflutet von Informationen, Inhalte werden überlagert, Gegensätze verschmelzen und verfolgen sich gegenseitig. Zwar existiert in der modernen Sendelandschaft die Trennung durch Kanäle, auch hält jede Sendung eine eigene Sendezeit inne, dennoch kann durch schnelles Umschalten der Kanäle beinah der selbe Effekt, den die Collage zum Ausdruck anbietet, erzielt werden. Die Collageteile stehen in extremen Kontrast zueinander, zum einen wird Gewalt, Krieg, Tod thematisiert, zum anderen Wolllust und Pornografie. Inhalte, die tagtäglich über die Bildschirme flimmern, die einer On-Demand-Mentalität Rechnung tragen – stets verfügbar, unbegrenzt verzehrbar. Diese kaum zu übertreffende Eigenartigkeit der Gestaltung von Lebensinhalten, der Bedarf an Überreizung und dessen Befriedigung, treten zum Vorschein. Durch die Collage soll das Bewusstsein angesprochen, Verständnis erzeugt werden. Die Darstellung ist die geballte Alltäglichkeit unserer Realität. Die Auseinandersetzung damit soll erzwungen werden – soll ins Bewusstsein dringen. Nicht zu vergessen ist dabei, dass das Medium stets die Inhalte nur transportiert, der Mensch die Inhalte kreiert – das Angebot bedient stets nur die Nachfrage. Dennoch ist die Absicht hinter diesem Projekt nicht, das Medium Fernsehen und generell alle Medien in ein schlechtes Licht zu rücken. Es bedarf eingehender Betrachtung, bedarf des Nachdenkens, des Verinnerlichens um zu Verständnis zu gelangen. Das Kind als paralysiertes Wesen kann sich nicht entziehen, ist entsetzt und ist dennoch ohnmächtig im Handeln. So wie das Kind in


Erstarrung gerät, so wie es sich nicht befreien kann, so subtil ist der Bezug des Objektes zur Realität. Die Collage ist ein Spiegel, im Kleinen erkennt sich, wer genau hinschaut. Schwierigkeiten Als Hindernis gestaltete sich zuerst die Such nach einem für das Kunstobjekt geeigneten Material. Ich probierte Polystyrol, welches sich auf die benötigte Länge nicht nutzbar zuschneiden ließ. Es gestaltete sich schon schwierig für das Modell einen geeigneten Werkstoff zu finden.Die weitere Überlegung galt Metall, speziell gefalztem Blech. Leider ließ sich dieses nicht haltbar bekleben, geschweige denn auf die Flachpressplatte befestigen. Daher fiel meine Wahl auf Holz, welches aber preislich nicht günstig gewesen ist. Das Holz musste an den Kanten einen Winkel von 90° aufweisen. Bei einer Seitenlänge von 11 Zentimetern ist allerdings nur sägerohes Holz erhältlich. Daher musste ich den Holzbalken hobeln lassen. Das passgenaue Aufsetzen der Bildstreifen gestaltete sich ebenso schwierig, zu viel Klebstoff ließ die Bildstreifen wellen. Weiterführung Das Objekt ist Bestandteil einer ganzen Reihe möglicher Kunstobjekte, die thematisch zu einem zusammenhängenden Komplex gestaltet werden können. Sie können etwa verschiedene Ist- oder Sollzustände symbolisieren, können Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft thematisch aufarbeiten, Bezug zueinander nehmen, aber auch in Kontrast zueinander stehen.

Frontalansicht

6/7


FUCHS – Eine Geschichte um keit Einsam aft und sch und FreFigure erste das in ilfe Starth ntheater als kleine Ein Theatererlebnis in Kooperation mit dem Märchenteppich in Halle

Katja Bach und Stefanie Seidel

Kurzbeschreibung des Inhalts „Fuchs“ ist ein Kinderbuch von Margaret Wild und diente unserem Theaterpädagogischen Projekt als Grundlage. Die Geschichte spiegelt Situationen aus dem täglichen Leben wieder. Ein blinder Hund und eine flügellahme Elster helfen einander das Leben zu meistern. Der Fuchs ist neidisch auf die Gemeinschaft und flüstert Elster zu: „Mit mir wirst Du wieder fliegen können!“. Sie glaubt ihm und gemeinsam verlassen sie Hund. In der Wüste ausgesetzt macht sich Elster mühselig auf den Weg nach Hause. Entsteht doch noch eine Freundschaft mit dem Fuchs? Das Ende bleibt offen.

partner konnten wir das Hallenser Figurentheater „Märchenteppich“ gewinnen.Die Suche nach unseren Zuschauern gestaltete sich schwieriger als erwartet. Nach einigen Absagen freuten wir uns über die Zusage des Kindergartens „Sebastian Kneipp“. Die 30-minütige Vorstellung fand am 30.05.2008 um 10 Uhr vor 40 Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren statt.

Inszenierungskonzept Zunächst einigten wir uns darauf, das Buch als eine theatralische Lesung in Szene zu setzen. Wir hielten uns an den Inhalt der Geschichte und erarbeiten improvisatorisch den Text. Wir waren auf der Suche Material, Sprache, Körper und Klänge in Beziehung zu setzten.

Vorgehensweise Nach den wöchentlichen Kolloquien erstellten wir zunächst einen Organisationsplan, in dem wir unsere Termine festlegten. Nach vielen gemeinsamen Proben verabredeten wir uns am 07.05.08 mit den Merseburger „CampusKids“ und stellten den Kindern die Geschichte vor. Ziel war es, herauszufinden, wie Kinder auf uns und das Buch reagieren und welche Veränderungen wir noch vornehmen können.

Das aktuell in Deutschland aufrufende Projekt „Theater von Anfang an“ gab uns letztendlich den Impuls, ein Theaterstück für Kinder im Vorschulalter zu entwickeln. Das Buch passten wir unserer Inszenierung an. Katja Bach las die Geschichte vor, Stefanie Seidel hauchte den drei Figuren als Puppenspielerin Leben ein und Sascha Pannwitz spielte untermalend Gitarre. Als Kooperations-

Am 27.05.08 trafen wir uns zusammen mit unserem Musiker Sascha Pannwitz im StadtTac. Bei dieser Probe kamen viele Zweifel auf. Am 29.05.08 hatten wir ab 10 Uhr im Märchenteppich unsere Generalprobe. Susa Ahrens und Horst Günther stellten uns freundlicherweise ein Wald- Bühnenbild ihrer Produktion zur Verfügung. Dann wir konnten mit unserer ersten Probe im Original Büh-

Im Märchenteppich

nenbild und allen Lichteinstellungen beginnen. Die Zweifel der letzten Probe verschwanden wieder und wir machten uns gegenseitig Mut. Wir hatten den gesamten Tag Zeit und konnten viele Durchgänge probieren. Nach und nach wurde es immer besser, wir konnten alle Abläufe festigen. Nachmittags gab uns Herr Günther Tipps zum Spiel und Ausdruck. Trotzdem stand das Team unserem Projekt, einem Experiment, skeptisch gegenüber. Sie glaubten nicht, dass diese Geschichte, gespielt von Laien, mit Kleinkindern funktionieren könnte.Am 30.05.08 hatten wir die Gelegenheit, beide vom Gegenteil zu überzeugen. Die Kinder und unsere Dozenten Prof. Bettina Brandi und Theaterpädagogin Katharina Lammers haben wir mit Tee begrüßt. Gegen 10 Uhr begann die Vorstellung. Die Kinder waren sehr aufmerksam und nahmen aktiv durch Kommentare am Geschehen auf der Bühne teil. Die Auf-


führung verlief nach unseren Vorstellungen, wir alle waren zufrieden und Anspannung fiel von unseren Schultern. Am 2.6.08 trafen sich die beiden Projektleiterinnen zur Nachbereitung im Kindergarten. Die Kinder wurden zunächst in 2 Gruppen geteilt, dann haben wir nach unserem Stundenmodell mit der theaterpädagogischen Arbeit begonnen. Die Kinder haben gut an unseren Übungen teilgenommen. Wir waren erstaunt, wie viel die Kinder noch von der Geschichte wussten. Trotzdem waren wir enttäuscht, dass die Nachbereitung nicht so gelaufen ist, wie wir es uns vorgestellt hatten. Es war schwierig, uns von der geplanten Konzeption zu lösen und frei mit den Kindern zu sein.

Frontalansicht

Bei den CampusKids

Fazit Der Organisationsplan war ein wichtiger Leitfaden für unser Projekt, mit dem wir alle Termine und Ereignisse gut planen und durchführen konnten. Durch unsere ProbekidsCampuskids konnten wir erste Vorerfahrungen sammeln, wie die Kinder die Geschichte verstehen und wie sie auf die Figuren und uns Schauspieler reagieren. Wir konnten sehen, wo Lücken noch mit spannenderen „Inputs“ zu füllen galten. Die Proben im Stadttac, auch ohne Bühne waren sehr wichtig, um das Stück zu verinnerlichen, bevor erst ein Tag vor der Aufführung im Märchenteppich mit der richtigen Bühne geprobt werden konnte. Der Märchenteppich in Halle war ein sehr passender Aufführungsort. Die Kooperation verlief sehr gut. Die Kinder waren aus unserer Sicht von Anfang bis Ende sehr aufmerksam. Sie atmeten tief ein als der Fuchs kam, leideten mit der Elster in der Wüste und freuten sich als Hund und Elster am Schluss wieder zusammen fanden. Die musikalische Begleitung von Sascha Pannwitz war eine tolle Untermalung. Er hat „den Zauber der Theatermusik“ in die Inszenierung gebracht. Aus der theaterpädagogischen Nachbereitung haben wir gelernt, dass wir den Kindern mehr Raum für Fantasie und Eigenimprovisation lassen sollten. 8/9


te Reise im Nordland Die zauberhaf mit Kindern Ein Foto-Kunstprojekt

Daniela Bransch Die Idee Im Rahmen des Seminars „Handlungsfelder kulturpädagogischer Praxis“ sollte ein beliebiges mediales bzw. pädagogisches Projekt realisiert werden. Dabei hatte ich von Beginn an den Wunsch, ein kreatives und gleichzeitig anspruchsvolles Projekt mit Kindern durchzuführen und gleichzeitig verschiedene Medien in mein Vorhaben mit einzubeziehen. Hierbei habe ich mich für die Erstellung eines Fotobuches entschieden, welches eine erdachte Geschichte beinhalten sollte. Diese Geschichte sollte von den Kindern mit Knetmasse künstlerisch umgesetzt und als Foto festgehalten werden. In der Ideenfindung für das Projekt habe ich mich thematisch an den nordischen Kulturen sowie skandinavischen Sagen und Mythen orientiert und damit verbundene Assoziationen mit einbezogen, wie etwa Trolle, tiefe Wälder, Fjorde und Elche. Zielsetzungen In der Umsetzung des Projektes sollten folgende Ziele erreicht werden: - den teilnehmenden Kinder zuallererst einen Einblick in das Thema geben und dafür begeistern - ihre Erfahrungswelt durch die Anwendung verschiedener Medien bereichern - den Kindern einen Raum bieten, in dem sie eigene Ideen entwickeln und diese künstlerisch umsetzen - sie sollen sich fantasievoll mit unterschiedlichen Materialien auseinandersetzen und eigenständige Ausdrucksformen entwickeln, hinsichtlich der Darstellung der verschiedenen Figuren, Szenenbilder und der Gestaltung des Buches

- die Fotografie soll hier genutzt werden, um verschiedene Aufnahmeperspektiven kennen zu lernen - sowie das Feingefühl und Feinmotorik beim Fotografieren zu fördern Umsetzung und Zeitrahmen Das Kunstprojekt „Die zauberhafte Reise im Nordland“ wurde mit neun Kindern der Johannesschule im Rahmen des Weltkindertages vom 3.-5. Juni 2008 in der Kinderbibliothek „Zum kleinen Muck“ in Merseburg umgesetzt. Des Weiteren wurde ein zusätzlicher Termin am 7. Juli 2008 mit den zuständigen Pädagogen vereinbart, um das Fotobuch fertig zu stellen und dieses im kleinen Rahmen zu präsentieren. Verlauf des Projektes Zu Beginn des ersten Projekttages habe ich den Kindern der Johannesschule mein Vorhaben erklärt: eine erdachte Trollgeschichte sollte mit Knetmasse künstlerisch umsetzt, abfotografiert und zu einem Fotobuch zusammenfügt werden. Des Weiteren habe ich den Kindern mit Hilfe von Bildern, Kinderbüchern und Landkarten dargestellt, was Trolle eigentlich sind, wie sie aussehen und wo sie leben. Erdenken einer Geschichte In Vorbereitung auf das Projekt, habe ich Karteikarten angefertigt, auf denen Stichworte geschrieben waren, wie etwa Floß – See – Elch, die es den Kindern erleichtern sollten, eine Struktur der Geschichte aufzubauen und diese „weiterzuspinnen“.

Modellieren der Figuren Im nächsten Schritt wurde festgelegt, wie viele Figuren die Kinder kneten würden (die Anzahl, der in der Geschichte auftretenden Charaktere). Hierbei legten wir uns auf fünf Figuren fest und begannen mit der „Schöpfung“ der Trolle. Malen der Szenenbilder Nach Fertigstellung der kleinen „Naturgeister“ begaben sich die Kinder an das Malen der verschiedenen Szenenbilder, welche die unterschiedlichen Orte und Stimmungen der Geschichte widerspiegeln sollten. Abfotografieren der Geschichte Im weiteren Verlauf haben wir die modellierten Trollfiguren vor den bemalten Szenenbildern positioniert und diese abfotografiert. Zuvor erhielten die Kinder eine kurze Einführung in die digitale Fotografie und Bedienung der Kamera. Gestaltung des Buches Nach dem Nachbearbeiten und Entwickeln der Bilder wurden diese mit verschiedenen Naturmaterialien sowie dem Text auf transparentem Papier zu einem Fotobuch zusammengebunden. Präsentation des Buches Abschließend haben wir gemeinsam das erstellte Buch mit den Kindern in gemütlicher Runde in der Johannesschule den Eltern präsentiert.


Reflexion des Projektes Im Gesamten kann ich das durchgeführte Projekt „Die zauberhafte Reise im Nordland“ als sehr gelungen betrachten. , dass sehr arbeitsintensiv aber gleichzeitig auch viel Spaß einbrachte. Am ersten Projekttag in der Kinderbibliothek waren die teilnehmenden Kinder hoch motiviert und wollten erfahren, was sich hinter dem Vorhaben verbirgt. Die Kinder waren im Umgang recht unkompliziert und „pflegeleicht“, was es auch mir erleichterte mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Bereits im Voraus habe ich den Projektablauf ausführlich in einem Konzept festgehalten. Das erleichterte die Realisierung des Projektes und machte die Verteilung der Aufgaben einfacher und Arbeitsprozesse effektiver. Die teilnehmenden Kinder waren über den gesamten Projektverlauf recht konzentriert und unbefangen in ihrer Arbeit, sie brachten viele eigene Ideen mit ein und setzten diese eindrucksvoll um.

Als schwierig in der Durchführung erwies sich die breite Altersspanne in der Projektgruppe, welche sich zwischen sechs und zwölf Jahren bewegte. Die älteren Kinder waren in ihrer Kreativität und Vorstellungskraft weiter fortgeschritten. Die jüngeren Projektteilnehmer waren zum größten Teil auf meine Hilfe angewiesen und kamen gegen Ende einer Veranstaltung schnell an die Grenzen ihrer Konzentrationsfähigkeit. Weiter ist kritisch am durchgeführten Projekt anzumerken, dass wegen zeitlicher Begrenzung oder fehlender Technik vor Ort die Kinder nicht alle Schritte im Projektverlauf, beispielsweise das Übertragen der Bilder auf den PC, persönlich mitverfolgen konnten. Trotz dieser geringen Schwierigkeiten entstanden am Ende fantasievolle Figuren und lebendige, ausdrucksstarke Szenenbilder, die sich im Foto harmonisch einten. Die verschiedenen Teilaufgaben Geschichte, Malen, Fotografieren und Buchgestaltung ließen sich letztlich mühelos zu einem ästhetischen Ganzen zusammenfügen.

10 / 11


„Wort und Bild zwischen Theben und Merseburg. Eine Suche“ Claudia Brüggemann und Annedore Schenk Die Ausstellung „Wort und Bild zwischen Theben und Merseburg. Eine Suche“ wurde am 16. Juli 2008 um 18 Uhr in der Bierstube auf dem Campus Merseburg ausgestellt. Die Präsentation zeigte Lyrik und Illustrationen von Else Lasker-Schüler, Annedore Schenk und Claudia Brüggemann. Else Lasker-Schüler erklärte Wie ich zum Zeichnen kam Wahrscheinlich so: Meinen Buchstaben ging die Blüte auf – über Nacht; oder besser gesagt: über die Nacht der Hand. Man weiß eben nicht – in der Dunkelheit des Wunders. [...] Wie ich zum Zeichnen kam? Ganz genau wie das Laub sich nach der Blume sehnt, so zaubert die Sehnsucht meiner lebendigen Buchstaben das Bild in allen Farben hervor.. (Hrsg. Kemp, Friedhelm: Else Lasker-Schüler. Gesammelte Werke in drei Bänden, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1998², Band 2, Seite 661 f.)

In der Überzeugung, dass jeder Lyrik und ihre Bilder verstehen und gestalten kann, haben wir mit der Ausstellung versucht, ein wenig Licht in die Dunkelheit des Wunders zu bringen. Aus Buchstaben sind Bilder gewachsen und aus Bildern Worte entsprossen. Wir haben zu Werken Else Lasker-Schülers gedichtet und gezeichnet. Dabei wurde zu jedem Lasker-Schüler Gedicht eine Illustration und umgekehrt zu jeder LaskerSchüler Illustration ein Gedicht geschaffen. Die Ausstellung verstand sich als eine Suche nach Wort-

und Bild-Zusammenhängen. Gedichte und Zeichnungen wurden gegenüber gestellt. Wir haben die Ausstellung als Reise inszeniert: mit Koffern und dem Aufhängen unserer Gedichte und Illustrationen an einer Wäscheleine. Die Reise auf der Suche nach Zusammenhängen zwischen Texten und Bildern fand dabei aber kein Ende. In Reisekoffern wurden der Weg vom Text zum Bild durch Skizzen aufgezeigt, Reisefotos und Zitate lagen aus. An einer Hörstation konnten die Besucher etwas über das Leben und Werk der Dichterin Else Lasker-Schüler erfahren. Weiterhin wurden einige Gedichte vorgelesen. Ablauf 18 Uhr Begrüßung der Gäste durch Julia Kraus. Inszenierung der Reiseroute: Claudia Brüggemann und Annedore Schenk betreten den Raum mit zwei Koffern. Durch ein Megafon werfen sie Worte, die Bilder beschreiben.In einem Kreis endet die erste Station der Reise. Hier findet ein Wandel ins Orientalische statt: Kostüme werden über gestreift. Musik von Mandy Herbst (Konzertgitarre) und Regina Pfiester (Querflöte) setzt ein. Währenddessen begeben sich die Reisenden zur nächsten Station und hängen eigene Werke auf. Die Inszenierung findet ihren Höhepunkt in einer Lesung von Gedichten Else Lasker-Schüler, Annedore Schenk und Claudia Brüggemann. Die Ausstellungsroute wird für die Besucher begehbar.

Hintergrund Else Lasker-Schüler (1869-1945) gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen Deutschlands. Sie verfasste lyrische, dramatische und erzählende Texte. Ihre Gedichte sind wohl aber am nachhaltigsten in der deutschen Literaturgeschichte. Neben ihrer Dichtung war Lasker-Schüler auch zeichnerisch tätig. In zahlreichen Illustrationen hat sie ihrem Werk stärkeren Ausdruck verliehen. Siegrid Bauschinger sagt über ihre zeichnerische Tätigkeit „dass die Zeichnungen das fortführen, was die Geschichten erzählen und umgekehrt die Geschichten und Gedichte die Bilder weiterdichten“. (Bauschinger, Sigrid: Else Laker-Schüler. Ihr Werk und ihre Zeit, Heidelberg 1980, S. 217)

Mit dieser Wechselbeziehung von Text und Zeichnung hat sich die kulturpädagogische Arbeit auseinander gesetzt.


Idee Die Arbeit „Wort und Bild zwischen Theben und Merseburg. Eine Suche“ sollte den Weg vom Bild zum Text und umgekehrt aufzeigen. Es wurde eine Suche nach künstlerischem Ausdruck aufgezeigt. Zentrale Frage dabei war es, ob die kreative Auseinandersetzung mit Gedichten und Zeichnungen zu eigenständigen künstlerischen Werken führt. Da sich die Ausstellung als Suche verstanden hat, war es nicht ihr Ziel, die Frage nach Eigenständigkeit der präsentierten künstlerischen Werke zu beantworten, sondern vielmehr eine kreative Auseinandersetzung auf zu zeigen, die zu eigenständigem künstlerischen Werk anregt oder führt. Ziel „Wort und Bild zwischen Theben und Merseburg. Eine Suche“ sollte in einer alternativen Form der Ausstellungspräsentation zu einer nachhaltigen (kreativen) Auseinandersetzung mit Lyrik und Zeichnung anregen.

Den Besuchern wurden durch Inszenierung und interaktive Momente Informationen zur Künstlerin Else LaskerSchüler vermittelt. „Alte“ Medien wie Lyrik und Zeichnung, die in Zeiten von Internet, Digitalbildern und Sensationsjournalismus vielleicht in Vergessenheit geraten sind, sollten den Besuchern durch eine spannende Präsentation wieder näher gebracht werden. Insbesondere für die Studenten der Kultur- und Medienpädagogik ist dies von großer Bedeutung. Zum einen für die bewusste Auseinandersetzung mit allen Formen von Medien, zum anderen vielleicht für die eigene kreative und berufliche Tätigkeit.

mit als Plattform zur kreativen Beschäftigung mit Medien, die zu weiterführenden Überlegungen, zu bewusstem und kreativen Umgang mit Sprache und Bild und zu eigenem künstlerischen Schaffen anregen kann. Die Besucher sind der Ausstellung mit großem Interesse sowohl an unserer Arbeit als auch an Lyrik und Illustration im Allgemeinen entgegen getreten. Die Reaktionen insbesondere auf die Art der Inszenierung konnten wir als positiv bewerten. An den Gästebucheinträgen konnten wir im Nachhinein eine Anregung zu eigener Kreativität bei den Besuchern feststellen.

„Wort und Bild zwischen Theben und Merseburg. Eine Suche“ wollte also den Studierenden nicht nur einen unterhaltsamen Ausstellungsbesuch bieten. Die Form der Inszenierung und Lesung sollte zum Erleben von Text und Bild werden, das nachhaltig das Bewusstsein im Umgang mit diesen Medien prägen kann. Die Ausstellung galt so12 / 13


Region Saale-Unstrut als lalters HochmitteWelter Modelllandschaft des betitels ftigen zukün ell des eventu Erstellung von Bildmaterial zur Bewerbung

Christin Buchheim

Basierend auf der momentanen Erstellung der Bewerbung auf den Titel „UNESCO-Welterbe“ der Region Saale-Unstrut unter dem Titel „Uta von Naumburg und die hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut“ habe ich Anfang Mai damit begonnen, ein Konzept zu erstellen, wie die Region, falls sie den Titel erhält, mit Bildern in Reisezeitschriften und Reiseführern beworben werden könnte. Dazu war mir wichtig, vor den Kulissen der regionalen hochmittelalterlichen Zeugnisse

Szenen darzustellen, die sowohl historische als auch moderne Elemente beinhalten. Diese sollten in ihrer Thematik immer auf touristische Aspekte ausgerichtet sein, da Touristen auch die Zielgruppe der Werbebilder darstellen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, historische Personen wie z. B. Ritter und Mönch mit zeitgenössischen Symbolen des Tourismus wie z. B. Radfahrer, Besucher einer Sehenswürdigkeit oder Weinkönigin in gemeinsamen Szenen in Aktion treten zu lassen. Als Kulisse habe ich mich für die Burgen Saaleck und Rudelsburg bei Bad Kösen entschieden sowie für das ehemalige Zisterzienserkloster Pforte in Schulpforte bei Naumburg. Bei der Darstellung des Klosters wollte ich genauer gesagt die ehemalige Klosterkirche sowie den klösterlichen Weinberg, der Köppelberg direkt vor den Toren der Anlage, als Kulisse nutzen. Dadurch ergab sich auch die Darstellung von Rittern und Mönchen als handelnde historische Personen. Nach der Recherchezeit konzentrierte ich mich darauf, passende Models für die Szenen zu finden. Dabei lernte ich zufällig jemanden kennen,

der sich in seiner Freizeit mit der Ritterkultur befasst und auch über die benötigte Ausrüstung, also Schwert, Ritterrüstung, Schild usw., verfügt. Er teilte mir mit, dass er ab Mitte Juni bereit wäre, für meine Aufnahmen Modell zu stehen und zusätzlich noch andere Personen zu informieren, die sich mit demselben Thema befassen und über Ausrüstung verfügen. Nun hatte ich mir dazu überlegt, den Ritter auf einem Pferd darzustellen, was bedeutet, dass ich zusätzlich ein Pferd organisieren musste. Dies versuchte ich in der ersten Juniwoche, doch es gestaltete sich sehr schwierig, da kaum jemand bereit war, einen „bewaffneten“ Ritter auf sein Pferd setzen zu lassen. Doch in einem Telefonat mit der Bad Kösener Stadtverwaltung wurde ich auf Herrn Hübner aus Lengefeld, einem Ortsteil von Bad Kösen, verwiesen. Er teilte mir mit, dass er mit derartigen Aufnahmen durchaus Erfahrung hätte und auch über ein geeignetes Pferd mit passendem Sattel verfüge. Gemeinsam vereinbarten wir Sonntag, den 22. Juni als Fototermin. Jetzt fehlten nur noch die Models für den modernen touristischen Part. Dazu erklärten sich zwei meiner Freunde bereit, die ich darum bat, möglichst typische Touristen-Outfits zu tragen. Da durften Rucksack und Wanderschuhe nicht fehlen. Auch ein Fahrrad stellten mir die beiden zur Verfügung. Nach dieser Planungszeit ging es dann am 22. Juni zuerst zur Burg Saaleck. Auf einer Wiese unterhalb der Burg platzierte ich den Ritter auf dem Pferd so, dass die Burg gut im Hintergrund zu erkennen war. Der Tourist kam dem Ritter sozusagen mit dem Fahrrad entgegen und blieb direkt vor dem Ritter zu Pferd stehen. Die Szene sollte so wirken, als zeige der Ritter dem Radfahrer die Burg und erklärte ihm dazu einiges. Durch diese Anordnung soll die Lebendigkeit des Hochmittelalters in der Region Saale-Unstrut verdeutlicht werden. Die typische Situation des Radtouristen soll potentiellen Touristen signalisieren, dass man in dieser Region durchaus auf Ritter treffen kann, die das Hochmittelalter anhand der Burgen dem Interessierten näher bringen und erlebbar machen.


fotografieren sollte. Diese gesamte Szene hielt ich fotografisch fest, um damit zu verdeutlichen, dass man als Tourist in der Region das mittelalterliche Burgleben hautnah miterleben kann.

Nach ungefähr zwei Stunden ging es ca. einen Kilometer weiter zur Rudelsburg. Dort hatte ich mir überlegt, den Ritter neben dem Fürsten Heinrich der Erlauchte und seiner Tochter (auf diese beiden verwies mich der RitterDarsteller) vor dem Eingang der Burg zu platzieren. Im Vordergrund links positionierte ich das Touristen-Model, das die Szene der historischen Personen vor der Burg

Auf den entstandenen Bildern sollten auch kurze Werbeslogans platziert werden. Also entschied ich mich, bei allen Bildern die Überschrift „Welterbe an Saale und Unstrut“ zu integrieren, da dies als Thema der beworbenen Region natürlich erwähnt werden muss. Thematisch auf jedes einzelne Bild bezogen, dachte ich mir anschließend kurze und prägnante Werbeslogans aus, die als Basis das Wort „Hochmittelalter“ beinhalten sollen, da unter diesem Thema die Bewerbung auf den Welterbe-Titel erfolgt. Doch gleichzeitig sollte immer ein bezeichnendes Adjektiv enthalten sein, um die Slogans bzw. die Bilder dynamischer und interessanter zu gestalten. Bei dem ersten Motiv (Ritter, Radfahrer vor Burg Saaleck) wählte ich den Slogan „Hochinteressantes Mittelalter erleben“. Dabei sollten jeweils die Wörter „Hoch“, „Mittelalter“ und „erleben“ in einer serifenlosen, fetten Schriftart erscheinen und das Wort „ interessantes“ in einer kontrastreichen, etwas verspielteren Schriftart ausgeführt werden, um damit die Dynamik des Slogans noch zu verstärken. Diese Technik wurde natürlich bei allen Bildern unter Anwendung unterschiedlicher Adjektive wiederholt. Bei dem ersten Motiv wählte ich also „hochinteressant“, da die Begegnung eines Radfahrers mit einem Ritter zu Pferd vor einer Burg schon eine besondere Situation darstellen soll, die man eben nicht überall erleben kann. Gleichzeitig hat man die Möglichkeit, in dieser Region und über historische Figuren interessante Informationen zum Thema Hochmittelalter zu erhalten.

Beim zweiten Motiv (Fürstenfamilie, Tourist vor Rudelsburg) wählte ich den Slogan „Hochlebendiges Mittelalter erleben“, da durch die Darstellung der mittelalterlichen Burgbewohner in Kombination mit dem fotografierenden Tourist eine gewisse erlebbare Lebendigkeit ausdrücken soll. Somit soll dem Betrachter vermittelt werden, dass er an Saale und Unstrut Mittelalter auf lebendige Art und Weise erleben kann, wie es andernorts nur selten wieder zu finden ist. Ähnlich ging ich in der Organisation für die geplanten Bilder zum Thema Mönch und Kloster vor. Alle Akteure konnte ich aus meinem Freundeskreis beziehen inklusive einer echten ehemaligen Weinkönigin. Als erstes stellte ich eine Szene vor der Klosterkirche des ehemaligen Klosters Pforte dar, in der ein Mönch mit Hilfe einer Karte einem Touristen einen Weg erklärt. Dieser Bildinhalt sollte wiederum auf den Informationsgehalt dieser historischen Region verweisen. Passend dazu wählte ich als Slogan „Welterbe an Saale und Unstrut – Hochinformativ Mittelalter erleben“. Anschließend ging es zur Szene auf dem klösterlichen Weinberg, in der der Mönch mit einem Tonkrug mit der Weinkönigin, die ein edles Weinglas hält, inmitten der historisch angelegten Reben, anstößt. Diese Szene lag mir sehr am Herzen, da das Thema Wein aufgrund der Wichtigkeit im derzeitigen Tourismusmanagement der Region auf jeden Fall Erwähnung finden musste. Zu diesem Bild passte der Slogan „Welterbe an Saale und Unstrut – Hochgenüsslich Mittelalter erleben“ perfekt. Mit dem Ergebnis der Arbeiten konnte ich sehr zufrieden sein, denn ich hatte vier sehr aussagekräftige Fotografien inklusive Slogans entwickelt, die alle eine andere interessante Geschichte erzählten.

14 / 15


„Lochkamerahandbuch“

Sandra de Groot

Heutzutage ist der richtige Umgang mit Medien eine neue Herausforderung. Die medienpädagogische Arbeit im Schulalltag hat zur Zeit noch einen geringen Stellenwert, jedoch ist das Interesse diesen Bereich abzudecken durchaus vorhanden. Eine Nische in der ausgearbeitete Projekte, die erfolgreich absolviert wurden, wunderbar integriert werden können. Ein Bereich der Medienkompetenz wird abgedeckt, indem die Idee von den Errungenschaften des 20. Jahrhundert wegzuführen und sich mit dem Ursprung des Mediums auseinander zu setzen, umgesetzt wurde. So gestaltete sich die Idee des Lochkameraprojekts, wo der Anfang der Fotografie ins Visier genommen wurde, um das Erlernte an den heutigen Me-

dien anzuwenden und ein kompetentes Verständnis für die Fotografie zu entwickeln. Format zu zeigen ist eben doch etwas schwieriger In der City, am Tresen des Fachgeschäftes, Kunde (dreist): „Ich hätte gern einen Farbnegativ-Rollfilm.“ Fotofachverkäufer (sich vorbeugend, als ob man über so etwas nicht rede, mit beschwörenden Unterton): „Sind Sie sicher, dass Sie wirklich einen Rollfilm wollen? Nicht doch eher einen Kleinbildfilm?“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: V14 Technik & Sport. Nr.: 16, 20. April 2008.)

Im Rahmen eines Praktikums als angehende Kultur- und Medienpädagogin, von Anfang November ´07 bis Ende Februar ´08, wurde ein Lochkameraprojekt, mit Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren, an der Gesamtschule Hegholt in Hamburg durchgeführt. Nach der Durchführung des Projektes gab es reges Interesse dies auch für andere Einrichtungen anzubieten. Genau an diesem Punkt stellte sich unweigerlich die Frage: „Wie kann ein erfolgreich durchgeführtes Projekt effektive aufbereitet und gestaltet werden, um dies bei der Medienerziehung im Schulalltag mit einzubringen?“ Zum Einen musste eine Präsentationsform gefunden werden, die den Betrachter unweigerlich auffordert das Interesse für das Projekt zu entwickeln. Zum Anderen sollte die Aufbereitung des Projektes übersichtlich erscheinen, um einen Eindruck vom Umfang und den resultierenden Ergebnissen zu erahnen. Die Konzeption und die Ergebnisse des Projektes wurden in Form eines Handbuches und einer Bauanleitung für die Lochkamera festgehalten, um die ausgearbeitete Arbeit als Präsentationsform nutzen zu können. Zielgruppe sind verschiedene kulturelle Einrichtungen und Schulen, die Interesse an medienspezifischen Projekten und einer neuen Plattform der Freizeitgestaltung haben. Das Handbuch ist

so aufbereitet, dass die Einrichtungen den Sinn der medienpädagogischen Arbeit erfassen, um sie für die Umsetzung und Finanzierung des Projektes zu gewinnen. Die Umsetzung des Lochkamerahandbuches erfolgte in zwei Schritten, der theoretischen und der praktischen Umsetzung. Das Lochkamerahandbuch hat zum Einem die inhaltlichen Schwerpunkte, die Ergebnisse und das entstandene Bildmaterial des Projektes festgehalten, um die Ergebnisse und die Struktur des Projektes zu veranschaulichen. Der Inhalt der Arbeit vermittelt Grundkenntnisse der Fotografie, um den richtigen Umgang mit der Lochkamera zu gewährleisten. Ein grober Einblick in die Geschichte der Fotografie, die Entwicklung der Fotografie, die Elemente einer Kamera, die Lochblende, die Belichtungszeiten, die Schärfe, der Schwarzschildeffekt, die Schwarz/Weiß Fotografie und die Handhabung der Lochkamera wird gegeben. Hierzu erhalten die Projektteilnehmer separat ein Projektheft, womit sie die inhaltlichen Punkte nach voll ziehen können oder auch nachlesen können. Zudem zeigt das Handbuch dem Betachter welche fotografischen Ergebnisse das Projekt mit den Jugendlichen erbracht hat. Welche einzelnen Schritte im Projekt durchlaufen wurden, welche einzelnen Stationen es gab, welche Präsentationsformen genutzt wurden und wie die Jugendlichen selber das Projekt wahrgenommen haben. Zum Anderem ist das Layout des Handbuches wie eine Lochblende gestaltet, mit einem Durchschuss durch das gesamte Buch, um den Seheindruck einer Lochblende veranschaulichen zu können. Der zweite Teil der medienspezifischen Arbeit besteht aus der Lochkamera, die als Inhalt ein kleines Handbuch integriert hat, in dem die einzelnen Schritte des Bauvorgangs erläutert werden. Dies soll als Vorlage im praktischen Bereich dienen und der Zielgruppe zum eigenständigen Arbeiten verhelfen.


Hierzu wird das Lochkameragehäuse verwendet und nach jedem Arbeitsschritt wird, wie bei einem Rollfilm, das Papier weitergedreht, um zum nächsten Arbeitsschritt zu gelangen. So wird der Umgang mit dem Drehelementen der Lochkamera während der Bauphase gefestigt. Die Lochkamera ist an sich einfach zu bauen und fordert zum Gestalten, Verändern, Ausprobieren, Beobachten, Entdecken und Verstehen auf. Eine neue Freizeitplattform wird gestaltet, die zielorientiertes Arbeiten und handlungsorientiertes Lernen fördert. Fehler und Ungenauigkeiten beim Bau und beim Benutzen der Kamera verhindern das

fotografische Ergebnis nicht, sondern sie verändern es lediglich. So soll durch die Ergebnisse der eigenen Bilder Begeisterung für die Fotografie entstehen und zur weiteren Nutzung des Mediums anregen. Die professionelle Durchführung, der Erfahrungswert des Klientel, der emanzipatorische Prozess des Projektes und entstandene offene Fragen, die für die Umsetzung des Projektes wichtig sind, stehen beim Lochkamerahandbuch im Vordergrund, welche durch die optische Aufbereitung unterstützt wird. 16 / 17


Der Ball – eine runde Sache

Bianca Dierl und Mandy Herbst

Zielstellung Die Stichworte „Ganztagskonzeption“ und „fächerübergreifender Unterricht“ sind derzeit in aller Munde und zentraler Gegenstand der öffentlich brisanten Bildungsdebatte. Dabei muss man sich die Frage stellen, inwieweit sich bei den Lehrenden ein neues Verständnis von Bildung und eine neue Auffassung von Unterrichtspraxis schon durchgesetzt hat. Aufgrund dieser Problematik haben wir uns die Aufgabe gestellt, eine unterstützende Arbeitsanregung zu entwickeln, die dem neuen Verständnis von Bildung im Primarbereich näher kommt. Wir möchten mit diesem Projekt einen Impuls liefern, wie fächerverbindender Unterricht aussehen kann und wie man sich auf verschiedenen Wegen einer Thematik - in unserem Falle der des „Balls“ - annähert. Dazu wurde ein Lehrmittelentwurf für den fächerübergreifenden Unterricht an Grundschulen entwickelt. „Der Ball – eine runde Sache“ ist als eine Praxisanleitung und Handreichung für Grundschulpädagogen gedacht. Das Buch dient zum einen als kreativ-ästhetische Grundlage und liefert zum anderen anschaulich und handlungsorientiert Materialien zu einzelnen Themengebieten „rund um den Ball“. An dem Ball als elementaren Bestandteil der kindlichen Erfahrungswelt wird gezeigt, wie differenziert sich eine solch einfache Thematik aufgliedern lässt. Durch genaues Hinschauen und Beobachten werfen sich Themenkomplexe auf, die das Kind ganzheitlich an ein zu erwerbendes Wissen heranführen. Das Buch verfolgt in seinem Aufbau eine Herangehensweise, die auf jede andere Thematik und jedes andere Wissensniveau übertragen werden kann. Die einzelnen Bereiche des Buches sind nicht fächerspezifisch

geordnet – im Gegenteil: fast alle Themen lassen sich miteinander verknüpfen und bilden damit ein vernetztes Sinngeflecht, so wie es auch im Kopf des Kindes entstehen soll, um Zusammenhänge zu erkennen. Projektdauer und Ablauf April: Ideen/ Themenfindung und Festlegung; erstes Kolloquium Projekt vorgestellt; Mai: Konzept geschrieben/ überarbeitet, Abgabe Konzept, Themenbereiche konkret festgelegt und gezielt recherchiert; Juni: Material ausgewertet, Arbeitsanregungen entwickelt, erste Gedanken zum Layout und zur künstlerischen Gestaltung, Layoutmuster erstellt, Texte geschrieben und eingefügt, Fotos erstellt und eingefügt, Abschlussplenum, Fotos erstellt, Überarbeitung der Texte, Illustrationen erstellt und gescannt, Zusammenfügen von Text und Bild, Version überarbeitet und letzte Teile ergänzt, Formulieren der Einleitung; Juli: Korrekturlesen, Exemplar als PDF Version in Druck gegeben, Vorbereitung der Präsentation, Erstellung einer Powerpoint Präsentation, Abholung des Buches aus der Druckerei, letzte Vorbereitungen zur Präsentation vor Ort, Präsentation am 16. Juli um 12 Uhr. Methodische Schritte der Präsentation 1. Sensibilisierung Um die Präsentationsteilnehmer auf die Thematik zu sensibilisieren, wurde an den Anfang der Präsentation eine Art Ist-Zustand der derzeitigen Schullandschaft in Deutschland gestellt. Auf einige Luftballons wurden Stichworte (fachgebunden, ohne Kreativität, am halben Tag, theorielastig) geschrieben, die Schule und Unterricht um-

schreiben, wie er heute teilweise noch praktiziert wird. Dazu steht an der Tafel: „Schule und Unterricht ist: …“. Die Luftballons wurden nach dem Nennen des Begriffes mit einer Nadel zerplatzt, um Aufzuzeigen, dass sie überholt sind. Sie stellten das traditionelle Bildungsverständnis dar. Kurz vor dem Zerplatzen des letzten Ballons wurde abgestoppt. Auf ihm stand „Schule-keine runde Sache?“ (Am Ende der Präsentation wurde das Fragezeichen ? in ein Ausrufezeichen ! umgewandelt.) 2. Wortkette Natürlich warf sich nun als nächstes die Frage auf: „Wie sollte Schule/ Unterricht denn sein?“. Dazu wurde „Schule und Unterricht sollte sein: …“ an die Tafel geschrieben. Beantwortet wurde die Frage anhand einer Wortkette zwischen den beiden Präsentierenden, die sich wie folgt gestaltete: anders >> anders unterrichten >> Unterricht anders umsetzen … >> Gestaltung mit mehr Kreativität >> kreatives Lernen für neue Kompetenzen >> Kompetenzen für das spätere Leben Lebenskompetenz Während die Wortgruppen abwechselnd genannt wurden, wurde ein Ball hin und her geworfen. Das letzte Wort der vorhergehenden Wortgruppe bildete den Ausgangspunkt für die folgende. So ergaben sich auch Zusammenhänge - in der Wortkette wurde auf wesentliche Merkmale einer zukunftsweisenden Schulgestaltung eingegangen. 3. Hinführung und Begrüßung Im Folgenden wurde nun auf die Projektidee hingeführt, zuerst einmal mit einem Wortspiel: „Nicht, dass sie denken, wir spielen uns hier gegenseitig die Bälle zu.“ „Nein, wir wollen einfach am Ball bleiben bei der Schulentwicklung.“ „Doch es gilt den Ball flach zu halten und schrittweise nach neuen Lösungen zu suchen.“ „Denn es gilt den: Unterricht zu entwickeln  entwickeln lernen  lernen zu lernen  lernen zu leben!“ In der letzten Wortkette werden schon die Leitgedanken zur Projektidee aufgezeigt. Nun erst wurden die Präsentationsteilnehmer begrüßt.


4. Vorstellung des Projektes Dazu wurde zunächst die Motivation zum Projekt, zur Erstellung des Buches aufgezeigt, um den Teilnehmern auch Hintergrundinformationen zu liefern. Außerdem wurde auf die Frage eingegangen, warum man sich gerade mit der Thematik „Ball“ auseinandergesetzt hatte. Nun folgte eine kurze Vorstellung des Projektes, der Aufbau des Buches wurde durch eine PowerPoint-Präsentation visualisiert. Aufgrund der Ausführungen zum Projekt sollte dargestellt werden, dass auch Schule „eine runde Sache“ sein kann. Um dies noch zu untermalen, wurde der letzte übrig gebliebene Luftballon genommen und das Fragezeichen wurde in ein Ausrufezeichen umgewandelt: „Schule ist eine runde Sache!“ Damit schloss sich auch der Kreis zum Anfang der Präsentation. Resümee und kritische Auswertung Die Reaktion auf unser Projektvorhaben war im Allgemein sehr positiv, schon während des Projektverlaufs. Auch wir beide haben die Gestaltung des Projektes als sehr angenehm empfunden, da wir uns gegenseitig sehr gut ergänzen konnten. Wir stellten für uns fest, dass eine Gruppenarbeit sehr effektiv sein kann, wenn man gleiche Ziele verfolgt. Wir haben in der Vorbereitung viel über die Gestaltung nachgedacht und das gesamte Projekt durchdacht, um daraufhin gezielt vorzugehen. Trotz der intensiven Vorbereitung war die Durchführung sehr zeitaufwendig, erforderte die Verknüpfungen von Bild und Text, die Beachtung des pädagogischen Hintergrundes sowie geeignete Ideen zu kindgerechten Arbeitsanregungen. Im Verlaufe des Projektes konnten wir bereits vorhandenes Wissen zur Gestaltung ausbauen und intensivieren.

18 / 19


log“ „Der einseitige Dia auditiven Gestaltung des

Konzept und Realisation einer Internetauftritts der Firma „Das Hörspielstudio X-Berg“

Elias Emken

zur Entstehung Die Lauscherlounge wurde 2003 von dem „Fragezeichen“Sprecher Oliver Rohrbeck, der nun seit gut 30 Jahren als „Hörspieler“ und darüber hinaus auch als Schauspieler, Synchronsprecher und Regisseur für Synchronisation tätig ist, gegründet. Zweiter Geschäftsführer, zuständig fürs Management, Verträge, Organisation und auch in erster Linie für die Praktikantenbetreuung, ist Kai Schenker. Die Firma produziert sowohl eigene als auch fremde Hörspiele und Hörbücher, ist Verlag, Label und Veranstalter regelmäßiger Literatur-Lesungen und Live-Hörspiele. Seit Januar 2007 gibt es mit dem Schwesterunternehmen „Das Hörspielstudio X-Berg“ GmbH mit Sitz in Kreuzberg Berlin, auch eine neue Basis. Ausgangspunkt meiner medienpraktischen Arbeit war mein Praktikum im Wintersemester 2007/2008 bei eben dieser Firma. Während ich vorwiegend in der Aufnahme, Hörbuch Regie, im Schnitt und in den vorbereitenden Produktionen für Live-Veranstaltungen zum Einsatz kam, wurde ich u.a. mit einer Ideenfindung zu einer auditiven Gestaltung der Internetseite betraut. Grund hierfür war anfänglich ein (Text-) Entwurf für die virtuelle 360 Grad Begehung des Studios (zu besichtigen unter dem Menüpunkt „Ansichten“ auf: http://www.das-hoerspielstudio. de), da diese Animation zu günstigen Konditionen aufgrund des Vorbildcharakters auch auf der Internetplattform Gelbe Seiten zusätzlich zu der herkömmlichen Firmenregistrierung integriert werden sollte. Auf die Erkenntnis hin, dass ein Hörspielstudio generell den Inhalt der Arbeit zum elementaren Gegenstand einer Repräsentation machen sollte (nämlich medienspezifisch in

diesem Falle auditiv, sprachbezogen, Hörspiel-ähnlich), entwickelte ich nun folgendes skriptbezogenes Konzept, welches sowohl die inhaltlichen, als auch die technischumsetzbaren Überlegungen berücksichtigt. zum Inhalt „Der einseitige Dialog“ – oder ein Sounddesign erklärt sich selbst. Der Besucher der Homepage (hier der Lauscher) nimmt Teil an einem Prozess. Er hört jemanden mehrmals sagen: „Herzlich Willkommen“. Pause. Dann scheint die Stimme sich zu unterhalten. Mit wem? Denn man hört die Stimme des Anderen nicht. Das führt dazu, dass der Besucher den anderen Gesprächsteilnehmer und seine Wortbeiträge ersetzen muss. Das heißt er denkt sich seinen Teil und damit seinen eigenen Teil, er wird Bestandteil des Gesprächs, kurz: der Besucher unterhält sich und wird unterhalten. Doch wird schnell deutlich, dass die Person zu der die Stimme fehlt, der Aufnahmeleiter, der Regisseur, der Chef und damit letztendlich Oliver Rohrbeck ist. Das Sounddesign, bzw. „der einseitige Dialog“ handelt von der Entstehung des Sounddesigns und die sich daraus ergebenden Fragen und Probleme. Dadurch entstehen aber Zusatzinformationen über interne Umgangsweisen, über die Personen und ihre Attitüden, als „Mehrwert zwischen den Zeilen“. Innerhalb des Gespräches kommt es scheinbar zu keiner fertigen Produktion. Scheinbar, weil ja doch etwas entstanden ist, was bleibt. Der Prozess selbst wird zum Produkt. Innerhalb des „einseitigen Dialoges“ kommt es an einzelnen Stellen ebenfalls zu Demonstrationen auditiver

Gestaltungsmöglichkeiten über die Stimme hinaus. So z. B. beim Menüpunkt „News“, in dem die Radiosprecher entsprechend mit Effekten versehen und atmosphärisch verortet werden. Der Besucher bekommt einen Eindruck von: - einer Aufnahmesituation - einer Entstehung eines Skriptes und den dabei auftretenden Schwierigkeiten - den Unternehmensstrukturen und dem vorherrschenden Arbeitsklima - den Persönlichkeiten hinter dem Unternehmen und deren Einstellungen - den Möglichkeiten auditiver Gestaltung zur Programmierung „Der einseitige Dialog“ läuft nicht im Autostart-Modus, sondern versteht sich in erster Linie als Zusatzangebot für interessierte Besucher, die neugierig auf das Hörspielstudio und dessen Arbeit sind und nicht für Besucher, die nur kurz eine Information (Telefonnummer, vorhandene Technik etc.) suchen. Ein entsprechender Hinweis (siehe Screenshot) auf „akustische Begleitung“ wird neben dem Hörspielstudio-Logo in blassgrauer Schrift angedeutet. Dieser Hinweis erscheint nur auf der Startseite: Menü: „Hörspielstudio“, damit der Besucher den „einseitigen Dialog“, der chronologisch aufeinander aufbaut, auch von Anfang an mitbekommt. Ausnahme bildet der in sich weiter untergliederte Menüpunkt „Ansichten“, der aufgrund der weiteren Verwendung für die Gelben Seiten inhaltlich so angelegt ist, dass er auch für sich stehen kann. Die Play-, Pause- und Aufnahmesymbole des Logos werden aktiv als „Player“ integriert. Wenn der Besucher zu Beginn der Seite „Play“ drückt, beginnt die menüspezifische „Geschichte“ in der dem Besucher ersichtlich wird, dass er, um weiterzuhören, zum nächsten Menüpunkt wechseln und dort erneut Play drücken soll. Diese Vorgehensweise ist sinnvoll, um dem Besucher die Zeit


zu geben, den Inhalt zunächst in textlicher Form visuell zu erfassen, da „Der einseitige Dialog“ stets Bezug zu dem jeweiligen Inhalt nimmt. Das Pause-Symbol dient hier wirklich als Pause-Taste, um dem Besucher bei den ca. ½ -2 ½ Minuten langen Einzelstücken die Möglichkeit zu geben, zu unterbrechen. Das Aufnahme-Symbol ist Gimmick. Wer es drückt, erhält beim 1. Mal folgende Aussage: „Na, das glauben Sie jawohl selbst nicht! Zur Aufnahme müssen Sie schon herkommen!“ Für die Hartnäckigen, die es ein 2. Mal versuchen: (verneinendes Geräusch): „Äh-äh!“. Und schließlich für die Kinder unter den Besuchern zum 3. und letzten Mal: „Nein!“.

zur Realisation Auch die Durchführung (Sprecherwahl, Terminplanung, Aufnahme, Produktion, sowie die Kommunikation mit der Firma, die zuständig für die Einbindung des Sounddesign in die Programmierung der Homepage war) gehörte, freilich in ständiger Rücksprache mit Oliver Rohrbeck und Kai Schenker, zu meiner Verantwortlichkeit. Für die Konzept- und Skripterstellung benötigte ich 14 Tage. Die Studiozeit für die reine Aufnahme des Hauptsprechers belief sich auf 3 Stunden, die der drei weiteren Sprecher in der Summe ca. 15 Minuten. Hier bedurfte es keiner Extratermine, da auf anwesende Sprecher im Hörbuchbereich zurückgegriffen werden konnte.

Die Stimmen wurden grundsätzlich „trocken“ aufgenommen, sprich mit möglichst geringem Raumanteil, jedoch nicht mit einer allzu starken Betonung der tieferen Frequenzen, wie bei einer Nahbesprechung. Effekte auf und um die Stimme herum wurden gezielt an einzelnen wenigen Stellen eingesetzt, um sich bewusst von der Tendenz der Überkompression und Überdrehtheit von Produktionen in Werbung und Radio abzusetzen. Die Sprache des Hauptsprechers ist eine dynamische Alltagssprache und lebt von der Selbstironie, lebt von der Anmutung eines ersten Probedurchlaufs und der daraus resultierenden Ambivalenz zwischen „offizieller Ansprache“, reflektierender Kommentare und hitziger Auseinandersetzung mit dem „Anderen“ über die Skriptvorlage und dessen Interpretation und Wirkung. Angestrebte Anmutung war hier: natürlich, unverfälscht, sympathisch, locker. Als Hauptsprecher wurde David Nathan gewählt. Die Nachrichten im Menüpunkt: „News“ wurden von Ernst Meinke, Detlev Bierstedt und Stefan Kaminski (in dieser Reihenfolge) gesprochen. Für die Postproduktion (Schnitt, Sounddesign, Mischung) bedurfte es weiterer 4 Tage. Hier anfallende Geräusche wurden teils selbst aufgenommen, teils aus dem vorhandenen Soundarchiv des Studios entnommen und entsprechend ver- und bearbeitet. zum Beispiel Auszug aus dem Skript: „Menüpunkt: Ansichten - Mischung“ an dem exemplarisch an der Stimme die Möglichkeiten einzelner Bearbeitungsschritte verdeutlicht werden:

Screenshot: http://www.das-hoerspielstudio.de/index.htm Hinweis: „Lassen Sie sich auf Ihrem Besuch begleiten“ (Pfeil auf die Play-, Pause- und Aufnahmesymbole im Logo)

„Die Mischung macht´s! Alles was einmal nach draußen dringt, landet in letzter Instanz hier. Hier werden Sprache, Geräusche und Musik in ein harmonisches Verhältnis zueinander gerückt, für das Ohr unangenehme Frequenzen abgesenkt , künstliche Räume erzeugt, letzte Korrekturen vorgenommen und schließlich, wenn es denn sein soll, wird am Ende alles noch mal richtig schön laut gemacht. ...“ 20 / 21


Vision der Musik Malerische Hörerlebnisse

Viktoria Formanjuk Schon immer standen musikalische Klänge und gemalte Bilder in einer engen Beziehung zueinander. Maler wollten Musik sichtbar machen. Sie wollten vergängliche Töne festhalten und in Farben ausdrücken, wie die Versuche des Malers Paul Klee, Musik in bewegten Farbfeldern zu visualisieren.

Durch Malen zur Musik kann eine besondere Erfahrung, eine Erfahrung für die Sinne, gesammelt werden. Vor allem das Gehör und das eigene Empfinden werden geschult. Das Spontane und Spielerische steht im Vordergrund. Hierbei gilt es aktiv der Musik zuzuhören und sich seinen Gefühlen und Stimmungen bewusst zu werden, welche von der Musik ausgehen. Idee: Meine Idee war die Verbindungen zwischen Musik und Malerei gemeinsam mit den Musikschulkindern der Malklasse nachzuspüren und die musikalischen Erlebnisse mit Farben sichtbar zu machen. Es sollte aus dem Hör- ein Seh-Erlebnis werden. Durch das künstlerische Arbeiten sollten die Fantasie-, Ausdrucks- und Erlebnisfähigkeiten der Kinder aktiviert werden sowie Freude an Musik und Malen gewonnen werden. Des Weiteren ermöglichte das Projekt: - die Erfahrung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Künste - ein feineres Verständnis für die Eigenschaften, die die einzelnen Künste ausmachen - die Erfahrung, dass und wie ästhetische Eigenschaften aus verschiedenen Künste sich zu einer einzigen Form vereinigen. Das Projekt „Vision der Musik“ beinhaltete unter anderem: - freies Malen zur Musik - Stimmungen der Musikstücke durch unterschiedliche Farben malen - Rhythmusbilder malen Die ausgewählten Musikstücke und rhythmische Kompositionen bildeten die Basis für das kreative Arbeiten und dienten zum Erreichen der gestellten Ziele. Die klassischen Musikstücke in Orchesterausführung wie beispielsweise „Tanz der Zuckerfee“ aus „Nussknacker“ von Tschaikowsky, „Morgenstimmung“ aus „Peer Gynt“ von Grieg und „Die See und Sindbads Schiff“ aus „Schehera-

zade“ von Rimskij-Korsakov unterstützten den schöpferischen Prozess durch die unterschiedlichen Klangfarben der Musikinstrumente und Dynamik der musikalischen Kompositionen und inspirierten die Kinder zu eigenen Ideen. Umsetzung: Die Idee entstand im Dezember 2007, die Konzeption wurde im April 2008 erstellt. Die Veranstaltungen fanden im Mai und Juni 2008 in den Räumlichkeiten der Kreismusikschule Merseburg statt und wurden mit den Kindern der Malklasse durchgeführt. Das Projekt wird mit einer Ausstellung, die in der Kreismusikschule Merseburg im September 2008 stattfindet, abgeschlossen. Struktur: Jede Veranstaltung hatte einen strukturierten Ablauf. Nach dem Einführungsgespräch, in dem allgemeine Informationen zum Musikstück gegeben und die Farbtöne des Musikstückes besprochen wurden, ging es mit der Diskussion über die Maltechniken und Farbtöne, die zum Musikstück passen könnten, weiter. Nach der Diskussion wurde musikalische Komposition noch mal abgespielt, damit sich jedes Kind darauf konzentrieren und vorstellen konnte, wie es diese Musik bildnerisch umsetzt. Direkt im Anschluss gab es Gelegenheit mit Pinsel und Farbe oder Kreide die neuen Eindrücke aufs Papier zu zaubern. Abschließend wurden die Ergebnisse vorgestellt und die Meinungen über den kreativen Prozess und das Erleben während dieses Prozesses sowie über die entstandenen Werke ausgetauscht. Theoretische Grundlagen: Bei der Planung und der Umsetzung des Projektes konnte ich viele der während Studiums erworbenen Kenntnisse anwenden. In erster Linie nutzte ich das Wissen in der Malerei, in der Musikpädagogik und der gruppenspezifischen Kulturarbeit. In den Veranstaltungen wurden folgende Methoden angewandt:


Das entdeckende Lernen Die Fähigkeiten von Kindern wurden zum selbstbestimmten Lernen entwickelt: aktive Auseinandersetzung mit den Kompositionen und aktive Beteiligung an den Veranstaltungen.

Diskussion Die Kinder hatten die Gelegenheit ihre Meinungen zum Ausdruck zu bringen. Es wurden Ideen gesammelt und besprochen, wie man an das künstlerisch-ästhetische Arbeiten dieser Art herangeht.

Die sokratische Methode Die Kinder wurden angeleitet, Fragen im Laufe der Veranstaltungen zu stellen und die Antworten darauf selbst zu finden z. B. Wie klang das Musikstück? Wie lässt es sich beschreiben? Welche Assoziationen hatte ich? Wie kann ich dieses Musikstück in Bilder umsetzen?

Resümee: Zusammenfassend ist zu sagen, dass die gestellten Ziele erreicht wurden. Zum einen, gab das Projekt „Vision der Musik“ den Kindern die Möglichkeit, neue musikalische und künstlerische Erfahrungen zu sammeln, die individuellen Stärken zu entdecken und zu entfalten sowie sich selbst im Malen auszudrücken. Zum anderen wollte ich mich der Kreismusikschule und den Kindern vorstellen. Des Weiteren gaben alle befragten Kinder an, sie hätten Lust an einem Projekt solcher Art teilzunehmen.

Gruppengespräch Die Kinder hatten die Möglichkeit sich zu ihren Bildern und ihren Gefühlen vor, während und nach dem Malprozess zu äußern.

Im Laufe des Projektes entstanden einmalige Bilder, welche die Erlebnisse und die gewonnenen Erfahrungen der Kinder widerspiegeln. Die Kinder der Malklasse erfuhren Wertschätzung, für das, was sie in diesem Projekt geleistet haben. Für ihre Kreativität, Individualität, Offenheit für eigene Ideen und Gefühle und Eigeninitiative. Bei der Realisation meines Projektes hatte ich viel Spaß und die Arbeit mit den Kindern bereitete mir viel Freude. Das Projekt wurde von den Teilnehmern gut angenommen und kann insgesamt als erfolgreich eingeschätzt werden.

22 / 23


audiomarx

Ein Audio-Projekt im „Temporary Museum of Modern Marx“ in Chemnitz

Andrea Geyer und Ronald Reichelt

Temporary Museum of Modern Marx Beginnend am 5.Mai 2008, dem 190. Geburtstag des Philosophen, ist die temporäre Umbauung des Karl Marx Denkmals in Chemnitz gestartet. Die Debatten um die Ausleihe des Kopfes zu den skulpturprojekten Münster wurden zum Ausgangspunkt für diese Idee, denn sie haben gezeigt, dass Marx und seine aktuelle Wahrnehmbarkeit in Chemnitz enorme Reibungsenergien freisetzen. Der Mann ist nicht ausgestanden. Wer ist er eigentlich? Was kann er in Chemnitz sein? Das Projekt ist das Ergebnis eines internationalen Studentenworkshops, den die Neue Sächsische Galerie im Frühsommer 2007 durchgeführt hat. Studenten aus Linz und Schneeberg begannen mit der Erforschung des Marxverständnisses in Chemnitz unter dem Motto „Gebt uns euer Kapital“. Diese Initiative hat vor allem gezeigt, dass die Marx-Plastik als Bindungsobjekt von vielen Seiten in Anspruch genommen, das Denken, für das er steht, jedoch kaum noch reflektiert wird. Hierin sahen die Initiatoren ein entscheidendes Potential für die Zukunft des Monumentes jenseits ideologischer Vereinnahmungen, für eine Integration in das neue Chemnitz. In Auswertung der Feldforschung sollte deshalb das gesammelte Kapital in einem auf Marx konzentrierenden

Raum zurückgegeben werden. Das kann nur direkt am Kopf stattfinden. Die inhaltliche Stärke der Porträtplastik ist von der Diskussion um die Bedeutung des Marx-Monumentes in Chemnitz als Zeugnis realsozialistischer Herrschaft und zugleich unverzichtbarem zeitgenössischem Imageträger völlig verdeckt worden. Deshalb soll der Kopf durch die Umbauung temporär der Stadt entzogen und in seinem Inneren Gelegenheit zu einer Auseinandersetzung mit Marxschem Denken anhand seiner Schriften gegeben werden.

Der weiße Kubus erlaubt über Wochen einen denkbar einfachen Zugang und Einstieg in das Gedankengebäude des Philosophen. Eine Wandlung der bisherigen Annäherung an den Marxkopf wird den Besucher im Inneren auf steigenden Wegen mit mehreren Höhenebenen ermöglicht. Auf einer Zwischenetage steht er dem Denker ungewohnt auf Augenhöhe gegenüber. Zum Abschluss des Weges wird er eine Plattform über dem Kopf mit Aussicht auf die nun wieder sichtbare Stadt erreichen. Die Präsenz Karl Marx wurde nach 37 Jahren in Chemnitz zum ersten Mal temporär aus dem Stadtbild entfernt und durch eine begehbare „Umhausung“ ersetz. Ziel dieses Kunstprojektes soll sein: die Rolle, Erscheinung und Person Karl Marx als Philosoph und Ökonom im Alltag der Chemnitzer Bevölkerung herauszufinden. Wie wirkt sich die Präsenz der monumentalen Plastik im Stadtraum von Chemnitz auf seine Bürger und Besucher aus? Ist sein Abbild nur ein beeindruckendes Wahrzeichen für diese Stadt, gleich einem Maskottchen? Sollte das Denkmal damit nicht gänzlich entfernt werden? Ist Karl Marx unverzichtbarer Bestandteil von Chemnitz? Welchen Stellenwert haben seine Schriften? Wie lesen wir ihn heute? Durch dieses Kunstprojekt und die damit verbundene temporäre Entfernung des Denkmals aus der Stadt-Silhouette wurde eine Diskussion hervorgerufen und die Öffentlichkeit nahm wieder Kenntnis von ihrem “Wahrzeichen“. Diesen ersten Schritt und die Tatsache, dass sich Bürger mit dem Marxmonument auseinandersetzen, können wir heute in aktuellen Presseberichten und Internetforen verfolgen. Dass eine derartig kontroverse Debatte entstand, war und ist das Hauptanliegen des Kunstprojektes. Damit wird dem Chemnitzer Bürger eine neue Plattform geboten, sich mit der „Tatsache“ Marx auseinander zu setzten.

Marxmonument


audiomarx Unsere Idee soll genau an dem Hauptanliegen der Initiatoren des Kunstprojektes „Temporary Museum of Modern Marx“ anknüpfen. „audiomarx“ – eine begehbare Tonaufzeichnungs-anlage – soll der Brückenschlag zwischen dem eigentlichen Ausstellungsprojekt und der Meinung jedes einzelnen Besuchers werden. Es gestaltet somit das gesamte Projekt interaktiv. In den drei Monaten Ausstellungsdauer soll die bestehende Diskussion um Karl Marx und sein Denkmal in Chemnitz sowie die Eindrücke der Besucher des Temporary Museum of Modern Marx im „audiomarx“ aufgenommen werden, es entsteht somit ein Audioarchiv über Karl Marx, sein Monument sowie das Kunstprojekt in Chemnitz. Die Box, in welche man eintritt, um sein Audiokommentar selbstständig und in Ruhe aufzunehmen, wurde von uns geplant und gebaut. Das Design ist dem Corporate Design des „Temporary Museum of Modern Marx“ angepasst. In einem schlichten Grau und in simplen Formen präsentiert sich die Box seinen Nutzern, genauso wie die Hörstationen und Sitzgelegenheiten im Inneren des Museums. audiomarx besteht aus: ca. 15m2 Spanplatten, ca. 150 Schrauben, 15m Dachlatten, 3,5 l Lack, 1l Holzleim, 2 Tuben Silikon, 1 Tube Baukleber, 1m Flachstahl, 0,5 m2 Edelstahl Schutzgitter, 6m2 Schallschutzfilz nach Brandschutz DIN 4102 sowie einer schlagfesten Scheibe für Monitor. Im Inneren, unsichtbar für den Besucher, befindet sich ein Bildschirm, ein Kondensator- Mikrophon, eine Tastatur, ein Mischpult sowie ein Computer, auf welchem ein eigens für das Projekt entwickeltes Programm (audiomarx1024) liegt. Dieses startet beim Anschalten des Computers automatisch und erklärt dem Besucher auf dem Monitor, wie er seine Meinung durch Drücken der Aufnahmetaste im audiomarx aufnehmen kann. Durch das Loslassen der Taste springt der Monitor auf das nächste Bild, in welchem sich für den Beitrag bedankt wird sowie die Urheber und Unterstützer des Projektes

genannt werden. Gleichzeitig speichert das Programm die aufgenommenen Dateien als Audiofiles in einem dafür vorgesehenen Ordner mit Datum und Uhrzeit. Nach wenigen Sekunden zeigt sich erneut der Begrüßungsbildschirm, um dem nächsten Gast die Bedienung des interaktiven Audioarchivs zu erläutern. Unter dem Motto „ Wir gehen und eure Meinung bleibt“ soll in dem Ausstellungszeitraum ein Audioarchiv entstehen. Dieses Audioarchiv ist das Ziel der Projektarbeit audiomarx. Darüber hinaus sind weitere inhaltliche Zielsetzungen vorstellbar. Diese haben wir versucht in vier Säulen zu veranschaulichen: Erste Säule: Das Audioarchiv wird in Zusammenarbeit mit dem Redakteur Martin Reichke der Agentur „Schön & Gut“ aus Berlin ausgewertet und zu einem Hörfeature für Deutschlandradio Berlin und/oder andere Radiosender verarbeitet. Zweite Säule: Das Audioarchiv wird der Hochschule Merseburg zur Verfügung gestellt für ein Audioprojekt im Wintersemester 2008 unter der Leitung von Frank Venske. Dritte Säule: „Wir gehen, eure Meinungen bleiben.“ Das Audioarchiv soll den Bürgern der Stadt Chemnitz in aufbereiteter Form zurückgegeben werden. Die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv der Stadt Chemnitz kann das Audioarchiv verwalten und den Bürgern zugänglich machen. Vierte Säule: Das Audioarchiv soll in aufbereiteter Form für jedermann auf der Internetseite www.marxmonument. de und/oder auf CD zugänglich sein.

audiomarx- Aufnahmebox

24 / 25


entation Fotografische Dokum burg zum 12.Sachsen – Anhalt – Tag der Ausstellung der Hochschule Merse

Ingo Hauck Hochschulmitarbeiter informierten umfassend über den Stand der Forschung.

Die Hochschule Merseburg (FH) pflegt seit vielen Jahren sehr enge Beziehungen zur Stadt Merseburg und der Region. An der Hochschule für angewandte Wissenschaften gestalten sich Lehre und For-schung in unmittelbarer Verknüpfung von Theorie und Praxis. Mit Halle und Leipzig bildet Merseburg das an Geschichte, Kultur und Wissenschaft reiche Städtedreieck in Mitteldeutschland. Der Sachsen- Anhalt- Tag, der im Jahr 2008 in der Dom und Hochschulstadt Merseburg unter dem Motto „Merseburg bezaubert“ stand, soll nach den gesetzten Statuten der Landesregierung, die Landesidentität stärken, sowie die Vielfalt der Regionen und des Landes vor- und darstellen. Die Hauptbestandteile des Landesfestes sind die Präsentationen der Landkreise und Städte, der Verbände, Vereine und Organisationen. Bühneprogramme und die Präsentationen fester Institutionen der jeweiligen Ausrichterstadt sind hierbei die zentralen Bestandteile. Zu der Verwirklichung dieser Hoffnungen und Wünsche lag es daher auch, begründet durch zahlreiche Kooperationsverträge, in der Verantwortlichkeit der Hochschule, sich angemessen zum Landesfest zu präsentieren. Die Medienpraktische Arbeit beinhaltete zwei große Themenkomplexe, die Vorbereitung und Durch-führung einer Ausstellungskonzeption zum Sachsen – Anhalt – Tag und die Dokumentation der Ergebnisse. Die Konzeption der Ausstellung der Hochschule Merseburg (FH) zum Landesfest erarbeitete ich bereits in meinen Praxissemester und ist rückblickend betrachtet der erste und längste Teil der kulturpädagogischen Projektarbeit. Insgesamt nahm dieser Teil eine Gesamtzeit von vier Monaten in Anspruch.

Zahlreiche Recherchen an der Hochschule waren hierbei notwendig, um alle vorhandenen Projektideen innerhalb der Hochschule zu sichten, zu bewerten und auf Machbarkeit, in Absprache mit dem Organisationsbüro und der Hochschulleitung zu prüfen. Ziel des ersten Teils der Arbeit war es, eine gelungene Präsentation mit der Hochschule Merseburg (FH), unter Berücksichtigung aller Interessen-lagen der beteiligten Dozenten, zu erstellen. Die Ausstellung der Projekte der Hochschule zum Landesfest, welche in einem großen Zelt unterhalb des Merseburger Ständehauses gezeigt wurde, wurde den Besuchern durch zahlreiche Schautafeln, Printmedien und vielen Ausstellungstücken, wie z.B. dem Shell Eco Mobil, näher gebracht wurden. Studenten der Kultur- und Medienpädagogik stellten im Rahmen des Seminars „Wir zeigen alles“ den Studiengang im Merseburger StadtTac umfassend vor. Gezeigt wurden hierbei viele künstlerische Arbeiten, die in den Bereichen Malerei, Fotografie, Audiound Filmproduktionen angesiedelt sind. Das Projekt „Theatrale Stadtinterventionen“ von Prof. Brandi, umgesetzt von Studenten, stellte für eine Vielzahl von Besuchern ein weiteres Highlight auf dem Landesfest dar. Der zweite Teil, die fotografische Dokumentation, war insgesamt thematisch in vier Bereiche unterteilt: Präsen-

tation Hochschule, Events auf dem Sachsen- Anhalt- Tag, Blick hinter die Kulissen und die Rolle der Medien zum Landesfest. Die umfassenden Bereiche der fotografischen Dokumentation des Landesfestes sollen dem Rezipienten der Ausstellung einen gesamten Überblick von den Vorbereitungen bis hin zur Umsetzung vermitteln. Das medienpädagogische Projekt war darauf ausgelegt, die Arbeit, die in Verbindung mit der Präsentation zum Landesfest steht, für Außenstehende begreif- und fassbar zu machen und darüber hinaus viele Impressionen zu vermitteln. Die fotografische Dokumentation (zum Landesfest) wurde in den künstlerischen Werkstätten des Fachbereiches SMK


Vorbereitung der Ausstellung „Lebenswege – Menschen des 21. Jahrhundert von Thomas Tiltman im Merseburger StadtTac.

bei Herrn Thomas Tiltmann gestaltet. Insge-samt wurden zwölf Fotos in vier Rahmen mit den Maßen 50x70 präsentiert, welche bis zum heutigen Tage im Gebäude 107 zu sehen sind. Resümee Rückblickend betrachtet war die kulturpädagogische Projektarbeit eine sehr gute Basis, um die Arbeitsinhalte einer Ausstellungskonzeption für eine Großveranstaltung in den Sachsen- Anhalt- Tag zu integrieren und erfolgreich umzusetzen, denn nicht zuletzt bestaunten auch der Ministerpräsident und der Bildungsminister des Landes Sachsen Anhalts die Ausstellung. Die Dokumentation ermöglichte dem Besucher Einblicke hinter die Kulissen eines Großevents zu erhalten. Die Umsetzung der Medienprak-tischen Arbeit dauerte insgesamt acht Monate und erforderte vor allem Geduld, intensives Engagement und Verhandlungsgeschick sowie ein hohes Maß an organisatorischem Talent, welche auch im Selbststudium unerlässlich sind. Ich kann daher sagen, dass das Studium einen sehr großen Teil dazu beigetragen hat, alle Ideen praktisch zu verwerten und umzusetzen.

26 / 27


„Lehmofen – ein interkulturelles Bauprojekt“ Paula Hofmann

Thema Die Medienpraktische Arbeit beinhaltet die schriftliche und fotografische Dokumentation des LOS -Projektes „Lehmofen – ein interkulturelles Bauprojekt“. Entstanden ist eine Dokumentation in Buchform, die alle Anträge, Formulare, Arbeitschritte, E-Mails und Listen beinhaltet, die für die Planung, Durchführung und Evaluierung des Projektes notwendig waren. Ausgenommen sind finanzielle Details. Zu dem Projekt selber Das Projekt „Lehmofen – ein interkulturelles Bauprojekt“ war in den Programmbereichen Unterstützung einzelner Aktionen zur Förderung der beruflichen Eingliederung sowie Unterstützung von Organisationen und Netzen, die sich für benachteiligte Menschen am Arbeitsmarkt einsetzen, innerhalb der LOS-Förderlogistik angesiedelt. Es verstand sich als ein Integrationsprojekt für besonders benachteiligte Zielgruppen und sollte durch den Bau eines Lehmofens die interkulturelle Kompetenz bei jugendlichen Quartiersbewohner/innen fördern. Gleichzeitig stellte das Projekt eine Unterstützung von Aktivitäten lokaler Vereine dar. Das Vorhaben wurde in Kooperation mit dem Internationale Frauen Leipzig e. V. realisiert. Es konzentrierte sich auf die Förderung von Demokratie und Toleranz sowie die Erhöhung der Chancengleichheit von Frauen und Männern. Ergebnis des Mikroprojektes Das Mikroprojekt beschäftigte sich mit dem interkulturellen Lernen als Schwerpunkt der Stadtteilarbeit im Leipziger Osten. Interkulturelles Lernen beinhaltet einerseits

das Auseinandersetzen mit der eigenen Identität und Prägung und andererseits die Auseinandersetzung mit der Kultur anderer Nationalitäten. Auf dem Grundstück des im Oktober 2007 eröffneten StattGartens - einem Projekt des Interkulturelle Frauen Leipzig e. V. – wurde von jugendlichen Quartiersbewohner/innen unterschiedlicher Nationalitäten ein Lehmofen unter fachlicher Anleitung gebaut. Der Ofen steht allen Besucher/innen des StattGartens zur Nutzung zur Verfügung und fördert somit auch Kontakte zwischen den Vereinsmitgliedern, deren Gästen und Besucher/innen als auch der unmittelbaren Anwohnerschaft. Insgesamt beteiligten sich 13 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren (sechs Mädchen und sieben Jungen) mit folgenden Nationalitäten: deutsch, irakisch, iranisch, italienisch, portugiesisch. Sie erhielten über die erbrachte Leistung ein Zertifikat, welches durch das Jugendamt der Stadt Leipzig unterzeichnet worden ist. Partizipation der Teilnehmer/innen Die Initiatorin des MP arbeitete als Praktikantin im Rahmen des stadträumlich ausgerichteten Integrationsprojektes DIALOG. Hier lernte sie auch die Mitstreiterinnen des Internationale Frauen e. V. kennen, die als Kooperationspartnerinnen in der Umsetzung des MP fungierten. In gemeinsamen Gesprächen entstand die Idee, den Lehmofen auf einer vom Verein bewirtschafteten ehemaligen Brachfläche des Stadtquartiers zu errichten. Das interkulturelle Bauprojekt selbst bot den involvierten Jugendlichen vielfach Gelegenheit, eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen. Sie dokumentierten den Verlauf der

Ziegelsteine abklopfem

Arbeiten und reflektierten mit Hilfe dieser Dokumentation Prozess, Ergebnis und zukünftige Nutzungen. Innovationskraft des Mikroprojektes Interkulturelles Lernen in der Praxis eines benachteiligten Stadtteils an einem konkreten Vorhaben auszuprobieren, stellt immer wieder eine Herausforderung dar. Für den Stadtteil ist das Angebot des Lehmofens hervorzuheben, der die Infrastruktur im Quartier wieder um eine Facette bereichert. Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern/ Gender Mainstreaming Traditionell wird der Bereich Bauen den Männern zugesprochen, wie das Backen und Versorgen den Frauen zugeordnet wird. Im MP wurden beide Bereiche realisiert, die Teilnehmer/innen in beide Bereiche gleichermaßen involviert und aktiv gefordert, um zu lernen, anerzogene Barrieren zu überwinden und sich in neuen Tätigkeitsbereichen auszuprobieren.


Ziegelsteinhelden

Brandraum mauern

Beitrag für die Stadtteilentwicklung und das lokale Netzwerk Mit dem MP wurde ein neues Angebot im Stadtteil etabliert: ein Lehmofen zur allgemeinen Nutzung. Mit ihm wurde ein Beitrag zur Realisierung der Zieldimension aus dem LAP „soziales Zusammenleben intergenerativ und interkulturell fördern – Förderung von Toleranz“ erbracht. Darüber hinaus trägt er zu einer Aufwertung der Fläche des StattGartens des Internationale Frauen Leipzig e. V. bei und wirkt so auch positiv in der LAP-Zieldimension „Stabilisierung selbsttragender Netze und Organisationen sowie Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements“.

Respekts, Sensibilisierung für gesellschaftliche Vielfalt, Wahrnehmung von Diskriminierung und Stärkung solidarischen Handelns. Eine wichtige Grundlage für das Erreichen dieses Zieles bildete in diesem Projekt der gemeinsame Austausch über Herkunft, Traditionen, Sitten, Gebräuche und Religion. Der Austausch wurde über das gemeinsame Tun – Bau des Lehmofens – angeregt.

Förderung von Toleranz und Demokratie Primäres Ziel des Projektes war es, den Jugendlichen einen Austausch über ihre jeweilige Herkunft, Religionszugehörigkeit und landestypische und/ oder herkunftstypische Traditionen zu ermöglichen und diesen zu fördern. Das MP fand unter dem Anspruch „interkulturelles Lernen“ statt. Das interkulturelle Lernen umfasste dabei folgende Aspekte (nach A. Bremermann): Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und Prägung, Stärkung des Einfühlungsvermögens, Entwicklung gegenseitigen

einige Teilnehmer bei der Einweihung

Nachhaltigkeit und zukünftiger Handlungsbedarf Der Lehmofen ist gebaut und hat seinen Platz gefunden. Perspektivisch wird es darum gehen, diesen Ort mit Austausch und Kommunikation zu beleben und den Lehmofen für Vereinsmitglieder wie auch für die Anwohnerschaft nutzbar zu machen.

28 / 29


Komponierte Lichtmalerei im Freiraum Ein Projektionsfilm

Uta Erdmann, Sandra Fertig und Katrin Katte Ein Spaziergang durch Halle genügt, um auf Leerstände und Brachflächen aufmerksam zu werden. Für die meisten Menschen bestenfalls ein Schandfleck, definieren wir Leerstand jedoch als Freiraum. Für uns ergibt sich aus einem leeren Raum – ein stiller Raum, ein Raum der zum Leben erweckt werden kann. Ein Raum der Platz für Experimente bietet. Da sich das Leben vieler Menschen meist in der eigenen Wohnung vollzieht, entwickelt sich in vielen Wohnzimmern eine Art „private Kultur“. Das Spannungsfeld von intimer Kultur im eigenen Raum und die verlassenen freien Räume stand bei dem Projekt im Zentrum unseres Interesses. Als geeigneten Ort für unser Experiment diente eine,

als Abstellraum genutzte Wohnung in der Goethestraße in Halle. Bereits im Vorfeld entwickelten wir zahllose Möglichkeiten für die Umsetzung unserer Idee. Aus über hundert Bildern von Wohnkonzepten, Nahaufnahmen ungewöhnlicher Gegenstände und Naturabbildungen, wählten wir ca. 40 aus und projizierten sie an eine Wand im leer stehenden Wohnraum. Wir entschieden uns für Bilder von Wohnräumen, die unterschiedliche Einrichtungskonzepte erkennen lassen und auf die Lebensstile ihrer vermeintlichen Bewohner hinweisen. Dabei verwendeten wir absichtlich keine eigens fotografierten Bilder, da wir es spannender fanden etwas „Fremdes“, „Konstruiertes“ neu im eigenen bzw. einem „leeren“ Zusammenhang zu setzen.

Zunächst experimentierten wir mit den verschiedenen Wohnraumbildern als Hintergründe, nutzten eigene Materialien und Requisiten aber auch kleinere Möbel, Dinge des Alltags und skurrile Gegenstände wie Fahrräder und Äste zur Inszenierung. Nach ersten Probefotos, unzähligen Stellungs- und Ortswechseln, zeigten sich uns welche Bilder mittels Projektion für diesen Raum überhaupt geeignet waren. Wir entschieden uns für einen Hintergrund, der ein Fernsehzimmer zeigt, weil er sich als Gesamteindruck gut für das Medium Projektion eignet, man Fernsehen als Alltagstätigkeit einordnen kann und es sich durch seine Vielschichtigkeit gut mit unserer Idee der Inszenierung vereinbaren lässt. Zu diesem Bild recherchierten wir zwei weitere Raumbilder, die thematisch und

Bad

Schlafzimmer

Fernsehzimmer


Präsentation in der Hochschule

formal ästhetisch zum Fernsehzimmer passen - ein Badezimmer und ein Schlafzimmer. Diese projizierten Bilder wurden mit einer agierenden Person vor dem Hintergrund des leer stehenden Raums kombiniert und zu einem Gesamtbild komponiert. Dadurch wurde die Authentizität des leeren Raumes und die künstliche Inszenierung von sich selbst und seines Lebensumfeldes mittels Projektion verschmolzen. Genau diese besondere künstlerische Begegnung zwischen dem leeren Raum, dem inszenierten Körper, dem projizierten Bild, dem durchlässigen Licht und der Zeit stellte unser Experimentierfeld dar. Obwohl Hintergründe und Reihenfolge der Bilder feststanden, behielten wir uns die Freiheit vor mit den Requi-

siten, Hilfsmitteln und Möbeln während der Fotografie zu spielen, sie zu variieren und in andere Zusammenhänge zu transformieren. Dabei sind unsere temporären Inszenierungen durch das Medium Fotografie zu dauerhaften Abbildungen geworden.

Der „leere“ Raum

Gattung einordnen konnten, nannten wir das Ergebnis „Projektionsfilm“. Diese gestalterische Auseinandersetzung der freien Lichtmalerei wurde als medial künstlerisches Ergebnis in Form eines Projektionsfilmes am 17.07.2008 in der Hochschule Merseburg (FH) präsentiert.

Es entstand eine Komposition einzelner Augenblicke, die wir mit Hilfe des digitalen Schnittprogramms Adobe Premiere Pro erneut zusammengefügt, mit passender Musik ergänzt und so in einen neuen ästhetischen medialen Zusammenhang gebracht haben. Auf der Suche nach einer geeigneten Bezeichnung für das entstandene Produkt, variierten unsere Vorschläge zwischen „Film“ und „Fotografie“. Da wir unser Produkt in keine bereits existierende 30 / 31


Konzeption „Campus TV“

Verena Klinger, Andrea Ulbrich, Julia Kraus und Stephanie Wächter

Das Projekt Campus TV wird Seit 11 Jahren an der Hochschule angeboten und findet für den Studiengang KMP im Rahmen des Moduls 3/6 statt. Die Studierenden sollen die Möglichkeit haben Erfahrungen mit der Inszenierungsform Fernsehen zu sammeln. Die Idee dieses Projektes ist es, nach möglichen Themenbeiträgen zu recherchieren und diese zu einem sendefähigen journalistischen Beitrag zu verarbeiten. So wird eine halbstündige Magazinsendung zusammengestellt und in einem regelmäßigen Rahmen im Offenen Kanal Merseburg - Querfurth ausgestrahlt. Das kulturelle Leben auf dem Campus der Hochschule Merseburg steht dabei im Mittelpunkt, aber auch andere Themen sind denkbar. Dazu werden in Redaktionssitzungen entsprechende Themen bearbeitet, Sendekonzepte entwickelt und umgesetzt. Arbeitsplanung, Dreh- und Schnittarbeiten bilden hierbei die praktischen Schwerpunkte. Den Teilnehmern des Projektes stehen alle Möglichkeiten der Videowerkstätten der Hochschule zur Verfügung. Neben der Nutzung des „BlueBox –Raums“ findet die Hauptarbeit hierbei an den „Avid“ Schnittplätzen im Keller des Gebäudes 107 statt. Einer der sechs Schnittplätze ist verbunden mit einer sog. „Sprecherbox“, die eine Kommentierung der Beiträge ermöglicht. Für die Video aufnahmen werden zwei MiniDV-Kameras (Panasonic – DVX 100B) inklusive Stative genutzt. Damit Sendefähige Tonaufnahmen möglich sind werden zudem dynamische Mikrofone mit Stativ oder Tonangel eingesetzt. In der „Bluebox“ wird eine MiniDV-Kamera verwendet. Der Ton wird via Ansteckmikrofon an den Schnitt-

platz gefunkt. In der „Bluebox“ befindet sich ausreichende Beleuchtung und ein Monitor zur Bildkontrolle. Monitor und Lichtkoffer können, falls nötig, auch ausgeliehen und an externe Drehorte mitgenommen werden. Die Studierenden haben natürlich unterschiedlichste Gründe, am Seminar CampusTV teilzunehmen. Zum einen ist es das Interesse an der Produktion einer eigenen Sendung mit Beiträgen zur Umsetzung eigener Ideen und Campusrelevanter Themen. Die Teilnehmer wollen sich vor allem im Technischen Bereich ausprobieren und Routine in der Videoarbeit erlangen. Dies lässt sich für viele Studierende nur im Team gemeinsam mit anderen Studierenden umsetzen. In Auseinandersetzungen und sich ergänzender Zusammenarbeit werden Ideen dis-kutiert und Lösungsvorschläge erarbeitet, wobei die lautesten und durchsetzungsstärksten Gruppenmitglieder nicht immer die schnellsten Lösungsvorschläge haben und selbst die besten Ideen noch ausgearbeitet und umgesetzt werden müssen. Teamarbeit funktioniert nur wenn die einzelnen Beteiligten bereit sind sich auf die Gruppe einzulassen, ihren Teil beizusteuern um gemeinsam zu einer Lösung zu finden. So wird der Aufwand des Einzelnen reduziert, der Wissensgewinn und die sozialen

Kompetenzen aller Gruppenmitglieder jedoch verstärkt. Das Aufgabenfeld reicht von Redaktionellem Arbeiten: Themenwahl mit dem Aspekt der filmischem Inszenierung, Konzepterstellung, Recherche, Erstellen einer Sendung aus verschiedenen Beiträgen mit An- und Abmoderation, Technische Umsetzung mit professioneller Kamera- und Schnitttechnik, Erwerben von Medienkompetenzen im Bereich Video/Fernsehen (nach Baacke), über praktisch/primären Lernzielen wie Medienutzung, Mediengestaltung bis hin zu Medienkritik. Die Planung sah vor, eine Magazinsendung in 4 Wochen zu erstellen. Hierbei sind folgende Arbeitschritte notwendig: 1. Themenwahl, Recherche, Konzeptentwicklung, Script. 2. Aufnahmen,


Dreh. 3. Materialsichtung, Schnitt, Textentwicklung und Kommentarton. 4. Zusammenfügen der Beiträge, Sendemoderation, Aufzeichnung der Sendung. 5. Reflexion des Ablaufes. Betreut wurde das Seminar vom Dozenten C. Siegel. Die Koordination oblag der studentischen Hilfskraft Sebastian Nolting. Weitere Beratung und Betreuung wurde durch Herrn K. Köhler-Terz vom Offenen Kanal MQ gewährleistet. Die Teilnehmer des Seminars Campus TV sind Studierende der Hochschule Merseburg. Hauptsächlich aus dem Fachbereich „Soziales, Medien, Kultur“, das Seminar ist jedoch für Studierende aller Fachbereiche offen. Die Studierenden sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. An diesem Seminar beteiligen sich 4 männliche und 9 weibliche Studierende, die Alle im 2. Semester an einem Videoschnittkurs im Rahmen eines Blockseminares teilgenommen hatten. Ein Kamerakurs, der die Grundfunktionen der Hochschultechnik vermittelte wurde im gleichen Semester für Freiwillige angeboten; ca.

die hälfte der CampusTV Redaktionsmitglieder nahmen dieses Angebot wahr. Einige Studierende verfügten über fundierte Vorkenntnisse, die sie sich selber angeeignet haben. Bei der Umsetzung des Konzeptes „Campus TV“ standen verschiedene in der Gruppe zu bearbeitende Aufgaben an. Je nach Themenvorschlag bildeten sich Interessengruppen von 2-5 Personen. Zusätzlich fand sich zu jeder neuen Sendung ein Moderationsteam von 3-4 Personen zusammen. Als erstes musste geklärt werden, in welchem Format produziert wird. Das Sendeformat „Magazin“ bietet den Vorteil, die Beiträge in vorgegebene Sparten zu kategorisieren, die der Sendung eine Struktur verleihen. Dabei haben die Studierenden jedoch den Freiraum einen Beitrag in der Kategorie ihrer Wahl zu gestalten. So entwickelte sich die Idee zum Boulevardmagazins „Kulturcheck“, welches sich mit dem alltäglichen Leben auf dem Campus Merseburg befasst, sowie kulturelle, sportliche, politische, regionale und andere Ereignisse präsentiert.

32 / 33


Werbekonzeption für das freie Radio CORAX e.V. Anna Krause

Radio CORAX – Let´s communicate Das freie Radio Corax, sich selbst als Gegenöffentlichkeit schaffendes, unabhängiges Medium verstehend, genießt – trotz seines qualitativ hochwertigen, vielfältigen und sinnstiftenden Angebots – leider nur geringe Aufmerksamkeit in seinem Sendegebiet Halle. Dies ist

nicht zuletzt auf seinen geringen Einsatz in der Öffentlichkeitsarbeit zurückzuführen. Mitgliederbeiträge, Spenden, Sponsoring und ehrenamtliches Engagement bilden allerdings die Basis des lokalen Senders, sodass eine Präsenz über die bisherigen Hörer und Mitarbeiter hinaus existentiell für das weitere Bestehen der Einrichtung ist.

Aus Sympathie zu dem habe ein Werbekonzept mit dem Motto Radio CORAX – Let´s communicate erstellt. 1.Objektanalyse Das Freie Radio Corax ist ein nichtkommerzieller, lokaler Rundfunksender in Halle, der seit Juli 2000 auf 95.9 ausgestrahlt wird. Das Radio hat es sich zur Aufgabe gemacht lokale Kultur, Kunst und Wissenschaft, Umweltschutz und die politische, wissenschaftliche und musische Bildung zu fördern. Außerdem will es die Gleichberechtigung der Geschlechter stärken und den von kommerziellen Interessen unabhängigen Zugang zu Informationen beleben. Das Personal meist ehrenamtlichen Mitarbeiter, die durch ihr Engagement den Radiobetrieb möglich machen. Das hilft zwar die Personalkosten gering zu halten, aber trotzdem bleibt dem Sender nur ein sehr geringes Werbeetat um auf sich aufmerksam zu machen. Gesamt sind es %% der jährlich zur Verfügung stehenden Mittel, nämlich 8.650€. Davon werden allerdings allein für den Druck der Programmzeitung schon 8.500€ ausgegeben, sodass nur noch 150 € für Werbung und PR im eigentlichen Sinne bleiben. 2.Umfrageanalyse 2002 wurde in Halle eine Umfrage zu den Radio- Hörgewohnheiten durchgeführt, 590 Menschen wurden befragt. Davon gaben 1/3 an, Radio CORAX zu kennen, und zwar aus den im Diagramm ersichtlichen Quellen. Des weiteren konnte man der Befragung entnehmen, dass besonders Personen zwischen 20 - 30 Jahren sich für Corax begeistern. Vergleicht man die Bekanntheit von Corax in den Berufsgruppen, zeigen sich ebenfalls


Unterschiede. Am höchsten ist der Bekanntheitsgrad bei Schülern und Studenten, während er bei Angestellten am niedrigsten ist. Zwischen Männern und Frauen gibt es nur marginale Unterschiede.

gen kann oder einen Freund/ Bekannten schickt. Auf der Rückseite ist nicht nur die Sendefrequenz, sondern auch die Homepage des Senders vermerkt.

3.Auswertung und Interpretation von Objektanalyse und Umfrage Gesamt betrachtet lässt sich feststellen, dass Radio Corax ein für alle Bevölkerungsschichten offener, aber vorherrschend junger Sender ist. Der Sender bietet seinen Hörern – wohl auch durch seine vielseitig interessierten und engagierten Mitarbeiter – ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm, das besonders gern von bildungsnahen Menschen wahrgenommen wird.

Wer also neugierig auf Corax wird, kann sich sofort im Internet über den Livestream informieren. Ich habe versucht, das charakteristische an Corax darzustellen, nämlich seine Vielfalt und Ausgefallenheit. Also versuchte ich das Themenspektrum darzustellen, ohne die einzelnen Gebiete zu bewerten. Darum die Darstellung durch Symbole die als Mosaik das Logo von Radio CORAX bilden. Der Werbeslogan „Radio CORAX – let´s communicate“ gründet darin, dass, ohne vorherigen Arbeitseinsatz, ein Live- Gespräch – entweder im Studio oder übers Telefon geführt werden. Im Falle CORAX nicht nur mit Experten, sondern auch mit normalen Bürgern. Es bedarf nur wenig Technik um das Medium zu nutzen, und man kann es Flexibel im ganzen Sendegebiet empfangen. Nebst dieser Flexibilität ist Radio CORAX als freies, alternatives Medium auch eine Plattform auf der (fast) jeder Bürger bzw. Interessent seine Meinung äußern und seine Fragen stellen kann. Also für und mit allen kommunizieren.

4.Konzept der Werbemittel Da Radio CORAX durch sein Sendeprogramm und seine Mitarbeiter vor allem ein jugendliches, aktives, alternatives Klientel anspricht, gilt es, die Werbemittel dieser Zielgruppe anzupassen. Ich habe mich für den Druck und das Auslegen von CORAX- Citycards und das Hängen von CORAX Postern in entsprechenden Hallischen Lokalitäten (Bio-läden, Clubs wie LA Bim, Hühnermanhattan etc.) entschieden. Das Motiv der Druckmittel ist weder zeitlich noch örtlich gebunden und kann also ganzjährig und überall auf den Sender aufmerksam machen. Dies gilt für Poster als auch die Citycards. Letztere sind besonders billig (100Szk für 30€), auch bilden sie eine Symbiose aus dem Werben durch Freunde und dem Werben durch ausgelegter Werbemittel – so sind es einerseits ansprechende und trotzdem provozierende Karten, die man sich als stille Multiplikatoren Zuhause an die Pinnwand hän-

besonders interessiert, zu dem er gerne mehr wissen würde oder viel zu berichten hat. Die Poster und Postkarten sind also Einladung und Aufforderung zum Gespräch und zur Auseinandersetzung.

Die Symbole, die das Logo von Radio CORAX bilden, sollen hierbei den Betrachter nicht nur provozieren, sondern auch inspirieren – vielleicht gibt es ja ein Thema, was ihn 34 / 35


„Geizig, Geil und Unersättlich“

– Todsünden als Tugenden der Gesellschaft und Mittel der Medien

Anne Kreye 1. Motivation Im Rahmen dieser kulturpädagogischen Projektarbeit werden die altkatholischen sieben Todsünden in Bezug auf die heutige Gesellschaft und die Werbung betrachtet. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf drei der biblischen Hauptsünden liegen, welche in der westlichen Gesellschaft und den Medien besonders präsent sind und die in diesem Kontext kaum mehr als Sünden wahrgenommen werden: Wollust, Geiz bzw. Habsucht und Völlerei. Das Thema der sieben Todsünden ist, auch wenn es den meisten Menschen nicht direkt bewusst ist, sehr aktuell. Besonders die drei oben genannten sind so gesellschaftsund alltagsprägend geworden, dass es nachdenklich stimmen sollte. Daher hat mich die Frage interessiert, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn Eigenschaften, welche einst als schwer sündhaft galten, heute derart oft in der Werbung aufgegriffen und nahezu als positiv angesehen werden. Mein Projektziel war es, aufgrund von Recherchen und Beobachtungen eine Art künstlerisch umgesetzte Gesellschaftsstudie zu erreichen, die den Beobachter zum Nachdenken und Reflektieren anregt. 2. Gedanken zum Thema Avaritia - Geiz: Die Sünde des unkontrollierten Strebens nach irdischen Gütern, Quelle und Wurzel der Hartherzigkeit, des Geizes und der List. Lange Zeit galten geizige Menschen als genussfeindlich,

grimmig und unsozial, doch inzwischen hat sich das Bild vom Geizkragen scheinbar zum Vorbild gemausert. Denn extreme Sparsamkeit hat sich zur Lebenskunst entwickelt. Für viele Menschen gilt der Slogan „Geiz ist geil“ als Motto. Schnäppchenjägerei ist ein Gesellschaftssport geworden, liegt im Trend. Geschäftsmodelle wie Mäc Geiz oder Pfennigfuchser suggerieren der Konsum-Gesellschaft, dass Geiz eine intelligente, planerische Lebensführung sei. Negative, egoistische Eigenschaften des Geizes werden dabei in den Hintergrund gedrängt: Geiz verklärt den Blick auf Andere. Er ist nicht nur Egoismus, sondern das Empfinden, das, was man begehrt, allein für sich beanspruchen zu wollen. Geiz dämpft Lebenslust und Sinnlichkeit, vergiftet zwischenmenschliche Beziehungen. - Kurz, kann dem Menschen kaputt machen, was das Leben schön gestaltet. Luxuria – Wollust: Die Sünde der ungeordneten geschlechtlichen Begierde, Quelle und Wurzel der Verblendung, der Triebhaftigkeit und der Selbstsucht. Die Wollust beschreibt sexuelle Begierde ohne Liebe als lasterhaft und böse. Kinderpornografie, Zwangsprostitution oder Vergewaltigung sind besonders hässliche Beispiele für diese Todsünde. Betrachtet man jedoch die Gesellschaft und vor allem Medien und Werbung, so bemerkt man schon eine deutliche Abstumpfung im Bezug auf Sexualität und sexuelle Reize. Wollüstige Bilder und Inhalte sind überall präsent. Kaum ein Film, eine Serie oder eine Werbung kommt noch ohne sexuelle Bezüge aus. Doch diese Tatsache ist kaum mehr ein Ärgernis. Sexualität in den Medien wird nur noch mit Gleichgültigkeit begegnet, sie gehört dazu. Wollust ist nichts Verwerfliches mehr. Im Gegenteil, sie wird angepriesen und als werbewirksames Mittel zum Zweck benutzt. Fast jede Provinzdiskothek lockt ihre Gäste heute mit Stripshows oder „Wet T-Shirt Contests“. Denn Verkaufszahlen, Auflagestärken und Einschaltquoten belegen in vielen Fällen: „Sex sells“.

Gula – Völlerei: Die Sünde des ungemäßigten Verlangens nach Speise und Trank, Quelle und Wurzel der Fettleibigkeit und Bequemlichkeit“. „All you can eat“ und Riesen-Gerichte sind heute die Aushängeschilder vieler Restaurants, dabei soll schon jedes dritte Kind in Deutschland bereits bei der Einschulung übergewichtig sein. In den Medien kursieren alarmierende Berichte um den neuesten Trend in Discotheken, das „Flatrate-Saufen“: Einmal zahlen, soviel trinken wie man vertragen kann – oder auch nicht. Die Jugendlichen verleitet dies zu einer fragwürdigen Kosten-Nutzen Kalkulation: Viel Saufen für den Eintritt. An die Folgen denken sie dabei nicht. - Wer heute in der Gastronomiewelt mithalten will, muss die besten Werbeangebote machen. Die Kunden wollen viel für ihr Geld, mehr als sie eigentlich brauchen. Wir nennen unsere Gesellschaft nicht umsonst auch Überflussgesellschaft. Essen und Trinken in Unmengen sind nur zwei von vielen Symptomen der Zivilisationskrankheit „Zuvielisationskrankeit“. Und dass die Unmäßigkeit unseres Lebensstils nicht nur im Bezug auf Nahrung und Alkoholkonsum, sondern auch im Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen etwas Todbringendes hat, kann niemand bestreiten. Wir wollen immer mehr: Essen für unser Geld, Nervenkitzel, Spannung. Es sind die Marketingfachleute der Werbeindustrie, die uns permanent suggerieren, dies alles wirklich zu brauchen und es ist schwer, dabei das richtige Maß zu finden. – Wann wird aus dem Guten zuviel des Guten? 3. Verlauf der Projektarbeit Phase 1: Ideenfindung, Materialsammlung Die Idee für die Projektarbeit war leicht zu finden, da die Sieben Todsünden ein für mich ein interessantes Arbeitsfeld boten und mir schnell der Gedanke kam, sie in Verbindung mit Medien und Werbung zu untersuchen, um einen medienpädagogischen Bezug herzustellen.


Für die Besucher der Ausstellung wurde nun noch ein Begleitheft erstellt, welches meine Gedankengänge zu der Thematik, die Grundlage für die Entstehung des Endproduktes waren, zusammenfassen sollte.

Ich hielt es zuerst für notwendig, mich näher mit der Geschichte um die Sieben Todsünden zu beschäftigen um dann im Zuge dieser Eindrücke aus meiner Umwelt zu sammeln, was mit der Thematik in Verbindung gebracht werden konnte. So machte ich mich speziell auf die Suche nach Werbeartikeln und schoss Fotos in Alltagssituationen. Phase 2: Konzeptentwicklung und Umsetzung Nun musste ein Konzept für die Umsetzung entwickelt werden, welche eine Ausstellung zum Ergebnis haben sollte. Ich entschied mich dafür, im Endprodukt meinen Gedankenprozess sichtbar werden zu lassen. Zuerst sollten die Betrachter mit den Todsünden Geiz, Völlerei und Wollust in Form von Bildern konfrontiert werden um dann einen Einblick „in den Abgrund“ zu erhaschen, der den heutigen Umgang von Medien und Gesellschaft mit der Thematik zeigt. Als beste Möglichkeit, dies zu gewährleisten stellten sich Jalousien heraus, welche an Spanplatten angebracht werden sollten um das Ganze dann einheitlich schwarz zu sprühen. Ziel war es dann, auf den drei Spanplatten jeweils Kollagen aus meinen Fotos und den Werbebei-

spielen entstehen zu lassen und die Jalousien mit selbst entwickelten Piktogrammen, welche die jeweilige Sünde bildlich darstellen, zu bestücken. Kippjalousien hatten unter Anderem den Vorteil, dass man immer neue Effekte erzielt und je nach dem wie weit sie geöffnet werden andere Bilder der Collagen entstehen. Die Collagen selber sollten zwar wie Plakatwände oder Litfasssäulen beliebig wirken, es aber keinesfalls sein. Die gesammelten Werbeausschnitte wurden so um die Fotos herum platziert, dass sie sowohl im Äußeren Stimmigkeit, als auch inhaltlich eine Aussage besitzen. Der Flyer eines chinesischen Restaurants beispielsweise diente mir als Satire seiner selbst, indem ich vor allem seinen Text „Schlemmen sie so viel sie mögen“ typografisch in die Collage für Völlerei einarbeitete. Phase 3: Präsentation Als Um der Ausstellung ein rundes Gesamtbild zu geben wurde sie mit passender Musik untermalt, welche eine genauso provozierende Wirkung wie die Exponate selber besitzen sollte. Zu diesem Zweck entschied ich mich für das Lied „Saufen, Saufen, Saufen“ von den „Schröders“, welches Völlerei und Wollust als höchste Genüsse anpreist.

4. Fazit: Durch die Arbeit mit dem Thema habe ich die Einstellung gewonnen, dass die Kategorisierung menschlichen Fehlverhaltens mittels der existierenden sieben Todsünden zwar so nicht mehr ausreichend für die heutige Zeit, jedoch grundsätzlich ein guter Gedanke ist. Denn sie sind die Auflistung grundlegender menschlicher Laster, welche zu schlechten oder gar kriminellen Handlungen führen können. Bemerkenswert sind sie daher, da, ungeachtet in welcher Intensität, sicherlich kaum jemand von sich behaupten kann, mit keiner dieser Todsünden jemals persönlich in Berührung gekommen zu sein. Daher war es für mich eine interessante Erfahrung, in Bezug auf dieses Thema über gesellschaftliche und auch meine eigenen Moralvorstellungen nachzudenken. Dadurch, dass ich mich sehr intensiv mit der Thematik befasst habe und direkt nach Wollust, Völlerei und Geiz in der Werbung gesucht habe, wurde mir deutlich, wie häufig Inhalte dieser Form im Bereich Werbung und Medien vorkommen. Während der Projektarbeit habe ich daher auch meine eigene Medienrezeption deutlich überprüfen können. Dieser Prozess war eine gute Möglichkeit zur Erweiterung meiner Medienkompetenz und versucht durch das Endprodukt den gleichen Effekt auch beim Betrachter anzustoßen. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle noch dem Fachschaftsrat des Fachbereichs 4, der sich dazu bereit erklärt hat, das Projekt zu 100% finanziell zu unterstützen.

36 / 37


Take it away & Galerie Impressionen

Fotodokumentation der Aufführung zum Theater der Welt im Felsengarten des Kunstvereins “Talstrasse“ in Halle an der Saale

Matthias Kunkel

1. Anlass Zum Festival »Theater der Welt« in Halle (Saale) wurden im Kunstverein “Talstrasse“ am 01.07.2008 die Theaterstücke „TAKE IT AWAY“ und „GALERIE IMPRESSIONEN“ von Opiyo Okach (Kenia) und Andréya Ouamba (Senegal) sowie seiner Compagnie “Premier Temps” aufgeführt. 2. Umsetzung, Material und Präsentation Die Theaterstücke und Proben (30.06.2008 & 01.07.2008) wurden mit Hilfe der digitalen Farbfotografie dokumentiert. Nach mehrfacher Sichtung der künstlerischen Fotos habe ich eine engere Auswahl getroffen. Die ausgewählten Fotos wurden dann auf das Format 20x20 beschnitten. Davon ließ ich Abzüge machen und habe diese auf Kapaplatten aufgezogen. Die entstandene Fotodokumentation habe in einer kleinen Ausstellung an der Hochschule Merseburg (FH), (Gebäude 107/ 1.Etage) präsentiert. Dafür wurden die 20 aufgezogenen Fotos mit Hilfe von Klebepads an der Wand befestigt. Aufgrund des gewählten Formats lies sich ein angenehm zu betrachtendes Foto-Raster an der Wand schaffen. Auf der linken Seite der Präsentation ordnete ich dynamisch die Bewegungsabfolgen an, zu der ich auf der rechten Seite einen 9 Bilder (3x3) umfassenden Fotoblock mit dokumentarischen Fotos vom Entstehungsprozess entgegen setzte. 3. Aufgabenstellung Die Tänzer des Theaterstücks wurden während der Aufführung mit Hilfe einer digitalen Spiegelreflexkamera, Ca-

non EOS 400D, fotografiert und ihre Bewegungen durch lange Belichtungszeiten deutlich gemacht. Mittels der Verwendung einer kleinen Blende musste lange belichtet werden, was dazu führte, dass die Bewegungen und weniger die Tänzer im Detail zu sehen sind. Im Mittelpunkt stand die Gestensprache der Tänzer. Die Grundlage für meine Arbeit waren verschiedene, nicht zufrieden stellende Versuche, vor etwa zwei Jahren, Bewegungen zu fotografieren. Ich habe mir die Aufgabe gestellt diese Grundidee mit diesem Projekt zu perfektionieren. 4. Ausstellungseröffnung Die Ausstellung wurde am 16.07.2008 um 9 Uhr im Beisein der beiden Betreuer Johann Bischoff und Christian Siegel eröffnet. Nach der Begrüßung der Anwesenden Studenten und Dozenten erläuterte ich, wie es zur Projektidee kam. Anschließend erklärte ich kurz die Arbeit des Kunstvereins “Talstrasse“, den Felsengarten des Vereins, das Theaterstück und das Konzept des Festivals Theater der Welt. Ich gab einen Einblick in die mir gegebene Aufgabenstellung und erörterte die Arbeitsweise anhand der entstandenen Fotos. Des Weiteren zeigte ich die Vorteile der Digitalkamera auf und stellte sie der anfänglichen Idee mit der Lochkamera zu arbeiten gegenüber. Zum Schluss erläuterte ich mein Ziel mit der Kulturpädagogischen Projektarbeit, vor allen zwei unterschiedliche Dinge miteinander zu verbinden: den Tanz (etwas was so nur einmal stattfinden kann) und das Foto (etwas was endlos reproduziert werden kann), ganz im Sinne

von Roland Barthes - Die Helle Kammer (Bemerkung zur Photographie). Die Bewegungen der Tänzer „fixierte“ ich fotografisch, da sie sonst für immer verloren wären. Die Farbfotografie ist ein sehr gutes Mittel um Bewegungen ästhetisch darzustellen. Im Anschluss an die Auswertung habe ich die Ausstellung abgenommen um anderen Studenten die Möglichkeit der optimalen Präsentation zu geben. Nach diesen Präsentationen habe ich die Ausstellung, ein wenig versetzt, wieder aufgehängt um sie noch eine längere Zeit präsentieren zu können. 5. Erläuterung zum Kunstverein Im Jahr 1994 schuf sich der bereits 1991 gegründete Kunstverein “Talstrasse“ e.V. unweit der Burg Giebichenstein in Halle in einer spätklassizistischen Villa eine Begegnungsstätte, in der regelmäßig Kunstausstellungen, Lesungen, Gesprächskreise über Kunst und Politik, Konzerte mit Klassik, Chanson und Rock sowie Feste stattfinden. Der programmatische Spannungsbogen zwischen Geschichte und Gegenwart charakterisiert im Wesentlichen die Arbeit des Kunstvereins. Dabei legt er Wert auf die Vorstellung zeitgenössischer Kunst in ihrer Vielfalt und verschiedensten Tendenzen. Regionale Bezüge setzen ebenso Schwerpunkte wie die Vorstellung nationaler und internationaler Kunstentwicklungen. Um dauerhaft attraktiv zu sein ist der Kunstverein sehr einfallsreich und immer auf der Suche nach interessanten Kooperationen. In diesem Jahr ist der Höhepunkt die Aufführung „Take it Away & Galerie Impressionen“ von Opiyo Okach zum Festival „Theater der Welt“ in Halle. Der einzigartige Felsengarten hinter der Galerie bietet dafür die optimalen Bedingungen. 6. Erläuterung zum Theaterstück Andréya Ouamba ist wegweisend im Modernen Tanz Senegals. Seine Improvisationen sind Dialoge mit dem Körper und der Bewegung in einer zugespitzten, zersplitterten,


sehr präzisen Gestensprache. Mit seiner Compagnie “Premier Temps” “zersetzt” er traditionelle Tanzschritte und übersetzt dabei Lebenshaltungen, Lebensgefühle oder Lebensperspektiven in Körpersprache. Sein auf Einladung Avignons konzipiertes Solo lebt dagegen vom Hier und Jetzt. “Take It Away” entsteht bei jeder Aufführung neu und anders. Choreographiert hat es Opiyo Okach, dessen Ausgangspunkt der leere Raum ist, die Inspiration des Ortes, seiner Energien, der Musik und der Anwesenden. In ihren “Galerie-Impressionen” erkunden die beiden gemeinsam mit acht Tänzern ihrer Compagnie den Felsengarten. 7. Theater der Welt Das Festival »Theater der Welt« besteht seit etwa 30 Jahren und ist das bedeutendste internationale Theaterfestival in Deutschland. Es findet alle 2-3 Jahre in einer wechselnden Großstadt statt. 2008 war es zum ersten Mal in einer relativ kleinen Stadt zu Gast, was sich aber als Vorteil erwiesen hat. Mit ca. 60.000 Besuchern war es das bisher erfolgreichste Festival in seiner Geschichte. Die Theaterstücke waren zu 97% ausverkauft.

Auswahl aus den ausgestellten Fotos

38 / 39


Medienpädagogisches Memory-Spiel René Lampert

Das Spiel Das medienpädagogische Memory-Spiel ist dem Grundprinzip eines einfachen Memory- Spiels entliehen. Es soll spielerisch das Interesse an Medien wecken. Dabei erhebt es aber nicht den Anspruch, Medienkompetenz zu vermitteln. Vielmehr soll sensibilisiert bzw. eine Basis geschaffen werden um, durch ein anschließendes „Selbststudium“ (Wissensvertiefung) diese zu erlangen. Die Idee war es, das Gedächtnistraining durch Kombinationsgabe und das Erlangen von Wissen zu erweitern, da nicht gleiche Karten aufgedeckt werden müssen, sondern Karten, die erst durch eine bestimmte Verbindung zu einer Paarung werden. So muss beispielsweise die ergänzende Paarung die Abbildung einer CD und ein Abbild von Ludwig van Beethoven, erkannt werden. Diese Paarung ergänzt sich, da der damalige Sony-Vizepräsident Norio Ohga im Jahr 1978 die Länge der CD auf 74 min. festgelegt hatte, um die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven ohne Unterbrechung hören zu können. Diese Information geht aus dem beigefügten Begleitheft hervor. Es spielt sogleich die Hauptrolle im Spiel, da es der Schlüssel zur bereits erwähnten „Basis“ ist. Das anschließende Spielen ist „nur noch“ sekundärer Natur. Der Schwierigkeitsgrad wurde von einfach bis schwer ausbalanciert, da nur so gewährleistet wird, dass man erstens die Lust am Spiel nicht verliert und zweitens indirekt gezwungen wird, sich Wissen über die Paarungen anzueignen, um das Spiel auch zu beenden. Es ist somit von Nöten, sich das Begleitheft durchzulesen, wenn der Spieler das Spiel zu Ende spielen will, da einzelne Paa-


rungen nur durch „erarbeitete“ Informationen ersichtlich werden. Dass nicht alle Medien in dieses Spiel mit einfließen können muss nicht erwähnt werden. Um die Auswahl der Medien halbwegs stimmig zu gestallten, wurden in erster Linie technische und neue Medien verwendet. Ebenso dienen sie der Massenkommunikation. Dieser grob gesteckte Rahmen erklärt auch das Fehlen von Malerei, Bildhauerei, Musik, Tanz und Theater, die wiederum aufgrund einer gewissen Basis ein eigenständiges Memory-Spiel ergeben hätten.

Gurkensalat“). Auf einer Seite sind immer zwei Gegenstücke mit entsprechender Darstellung abgebildet. Handelt es sich einmal nicht um den Erfinder (Bilddarstellung), wurde das Gegenstück abstrahiert abgebildet (Grundmedium). Die Informationen sind, wie schon bei den Medien, mit einem verschlüsselten Hinweis auf die Paarung versehen.

Der Aufbau Das Begleitheft ist deutlich in fünf Bereiche gegliedert:

4. Bereich: Dieser Bereich dient der Kontrolle, in dem das Medium und das entsprechende Gegenstück zu einer Paarung zusammen finden. Jeweils drei Paarung werden auf einer Seite abgebildet und die Verbindung noch einmal kurz skizziert.

1. Bereich: Im Vorwort wird der Leser / Spieler auf die Idee der anschließenden Wissensvrtiefung hingewiesen, um sicher zu stellen, dass er nicht mit falschen Erwartungen ans Spiel geht und im nachhinein nicht enttäuscht ist oder glaubt, getäuscht worden zu sein. Die Spielanleitung und die drei Variationen zur möglichen Rangehensweise komplettieren den ersten Bereich.

5. Bereich: Zum Schluss wird der Spieler darauf hingewiesen, dass dies nur ein Bruchteil der Medien ist, die ihn umgeben (Theater, Malerei, Musik, Tanz usw. fehlen). Er wird anschließend darum gebeten, das Spiel zu erweitern. So wird er sich aktiv und spielerisch mit Medien beschäftigen müssen. Das Stichwortverzeichnis dient dem schnelleren Finden bestimmter Informationen.

2. Bereich: Dieser Bereich ist den Medien gewidmet. Auf jeweils einer kompletten Seite wird der Ursprung, die Verbreitung und die speziellen Eigenschaften eines von 15 Medien beschrieben. Neben diesen Informationen ist auch immer ein verschlüsselter Vermerk zum Gegenstück zu finden. Oben links befindet sich eine Darstellung des Mediums, welches identisch mit der auf der Spielkarte ist. Im unteren Bereich, farblich abgehoben, ist ein Tipp zu finden. Dabei handelt es sich um eine Aufforderung zum aktiven Umgang mit dem Medium.

Die technische Umsetzung Das Begleitheft wurde mit dem Layoutprogramm Adobe Indesign CS2 erstellt. Die Abmessung entstand durch eine quadratische Grundfläche, für Texte und Bilder (den Spielkarten entlehnt), die durch den Bereich der Ringbindung erweitert wurde. Die Bilder zur Darstellung der Medien und Gegenstücke wurden zum größten Teil aus dem Internet heruntergeladen. Da diese sehr hohe qualitative Unterschiede aufwiesen, mussten sie im Photoshop CS2 von Adobe bearbeitet werden. Des Weiteren kam hinzu, dass einige Veränderung der Originalbilder vorgenommen werden mussten, da sie Rückschlüsse auf einige Paarungen zugelassen hätten. Einige Abbildungen mussten komplett neu gesetzt werden. Alle Darstellungen mussten jeweils in den Farbmodi RGB und CMYK angelegt werden. Der Farbmodus RGB wurde benötigt, um die Bilder von einem Fotolabor belichten zu

3. Bereich: Hier werden die Gegenstücke, die in Verbindung mit den Medien zu einer Paarung verschmelzen abgebildet. Gegenstücke aus diesem Grund, da es sich nicht immer um Personen bzw. Erfinder eines Mediums handelt, die dann wiederum eine Paarung ergeben (Grundmedium / Mondlandung / „Das Pferd frisst keinen

lassen. Diese Fotos wurden dann wiederum auf die Spielkarten geklebt. Die Bilder im Farbmodus CMYK fanden Einzug ins Begleitheft. Probleme gab es wenige bei der Produktion des Spieles. Die Texte wurden nach den bereits erwähnten Kriterien gestaltet. Dabei musste nur darauf geachtet werden, dass aus ihnen die Paarungen auch kombiniert werden konnten. Einzig und allein bei der Darstellung der Medien und Gegenstücke gab es vereinzelt Probleme, da auf kein Bildarchiv zurückgegriffen werden konnte. Die Rechte an den Bildern sind somit nicht geklärt. Der „Hausfrauentest“ Als „Hausfrauentest“ bezeichnet man das Testen eines Spieles, einer Kampagne oder einer Anzeige mit unbeteiligten Personen um eventuell auftretende Missverständnisse nochmals überarbeiten zu können. Auch in diesem Fall habe ich das Begleitheft auf Verständlichkeit prüfen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass die Idee und die Spielanleitung bzw. das Ziel des Spieles von allen Testern erkannt und verstanden wurde. Bei dem Erkennen der Paarungen war nur einer von sechs Probanden nicht in der Lage, alle Paarungen zu finden. Dennoch erachteten alle Probanden das finden der Paarungen für relativ schwierig. Hier könnte eventuell der Schwierigkeitsgrad noch herabgesetzt werden. Bei der Präsentation des Spieles im Rahmen des Seminars mit anschließender Durchführung einer Spielrunde, konnten einige Paarungen nicht gefunden werden. Da die angehenden Kultur- und Medienpädagogen das Begleitheft nicht lesen konnten, war es ihnen auch nicht möglich, alle Paarungen zu finden. Das spricht wiederum dafür, dass es unbedingt von Nöten ist, sich mit diesem Heft auseinander zu setzen, um das Spiel erfolgreich abzuschließen. Somit ist das primäre Ziel erreicht, dass Beschäftigen mit dem Begleitheft und folglich mit Medien.

40 / 41


Fotografieprojekt mit Studenten Jennifer Lorenz

5 StudentInnen, darunter 2 Kunstpädagogikstudentinnen, 1 Kulturpädagogikstudentin, 1 BVL- Studentin und 1 angehender Abiturient, gestalteten zu dem von mir vorgegebenen Thema. Mein Wohnumfeld Fotoarbeiten. Das Projekt begann Mitte Mai 2008. Es fanden insgesamt 8 wöchentliche Treffen statt, in denen die Produkte der TeilnehmerInnen entstanden.

Ziele Mir ging es darum, dass sich die TeilnehmerInnen unter meiner Anleitung mit dem Thema inhaltlich auseinander setzen und den Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Fotografie nähern. Wir beschäftigten uns mit dem Zusammenhang von Form und Inhalt an ausgewählten Beispielen der Fotografie, welcher für die eigene künstlerische Produktion die Grundlage bildet. Auch die Präsentationsform war den TeilnehmerInnen überlassen, die ebenfalls dem Inhalt der Arbeit entsprechen sollte. Ich legte Wert darauf, dass die TeilnehmerInnen den prozesshaften Charakter der eigenen künstlerischen Produktion erkennen

und daraus Nutzen ziehen. Der Austausch zwischen den TeilnehmerInnen war für mich ebenfalls von Wichtigkeit. Ablauf Beim ersten Treffen setzten wir uns gemeinsam mit dem Begriff „Wohnumfeld“ auseinander. In den beiden folgenden Sitzungen beschäftigten wir uns mit Fotokünstlern wie beispielsweise Larry Clark (Tulsa 1971) oder Wolfgang Tilmanns (Burg 1998), die sich dem Thema Mein Wohnumfeld widmeten. Dabei diskutierten wir sowohl die inhaltlichen, als auch die formalen Aspekte der Bilder.


Die 3. Zusammenkunft bestand daraus, dass ich den TeilnehmerInnen die Grundlagen der Bildgestaltung und mögliche Präsentationsformen vorstellte. Das 4. Treffen wurde von Andrzej, einem Fotografiestudenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig gestaltet. Er fertigt seit 2 Jahren eine Arbeit zu seinem Wohnumfeld an und präsentierte uns den Entwurf. Er erklärte den inhaltlichen Aufbau seiner Arbeit und teilte uns die Aussagen einzelner Bilder und der Fotostrecke als Ganzes mit. Andrzej brachte den TeilnehmerInnen näher, dass Brüche und Kontraste mögliche Formen sind, Inhalte zu vermitteln und gab ihnen Tipps zum Umgang mit der Kamera im eigenen Umfeld. In den darauf folgenden Sitzungen wurden Ideen zum Thema Mein Wohnumfeld in der Gruppe besprochen und erste Ergebnisse vorgestellt. Die TeilnehmerInnen stellten ihre Arbeiten Anfang Juli 2008 mit meiner Hilfe fertig. Die Präsentationsform wählten wir gemeinsam aus. Am 14.07.2008 wurden die einzelnen Beiträge in Merseburg präsentiert. Auswertung Die entstandenen Arbeiten sind zufrieden stellend. Die TeilnehmerInnen setzten sich mit dem Thema und dessen künstlerische Umsetzung intensiv auseinander. Einige hatten Probleme, den Begriff „Wohnumfeld“ zu fassen oder Schwierigkeiten, konkrete Inhalte zur Aufgabenstellung zu finden. Der fehlende Zugang wurde jedoch durch Diskussionen in der Gruppe geschaffen. Allen TeilnehmerInnen ist der prozesshafte Charakter des eigenen künstlerischen Schaffens klar geworden.

Auszug aus der Arbeit Mein Wohnumfeld - Bautzen, Dresden, Leipzig von Franziska Lange

42 / 43


„Fotosafari durch den ‚Wilden Osten‘ auf der Spur“ – den Arbeitstieren Projek tkonzept

Eva Lusch, Christiane Trenka, Eva-Maria Grotzke und Jana Brambach

Kurzbeschreibung Das Fotoprojekt richtet sich an Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren des Stadtteils ‚Leipziger Osten‘. In einer Fotosafari - einem fotografischen Streifzug durch das Viertel - sollen die Teilnehmer im Leipziger Osten ansässige Berufsbilder entdecken und diese mit ihrem individuellen fotografischen Blick festhalten. Ziel ist es, die entstandenen fotografischen Arbeiten bei dem lokalen Fotowettbewerb OstEntdeckungen (eine Initiative des Kinder- und Jugendkulturzentrums O.S.K.A.R.) einzureichen und sie, unabhängig von einer Platzierung bei dem Wettbewerb, in einer Ausstellung mit eigenem Konzept zu präsentieren. Pädagogische Zielsetzung • Vermittlung von wichtigen Kenntnissen und Fertigkeiten im Umgang mit dem Medium Digitalkamera in einem dreitägigen Workshop • Förderung außerschulischer, ästhetischer Bildung sowie praktischer und sozialer Kompetenzen von Jugendlichen Nebenziele • Ästhetischer Ansatz • Kulturelle Teilhabe • Sozialer Ansatz • Produkt- und Prozessorientierung • Gesamtdauer des Projektes beträgt inklusive Vorbereitung, Planung du Durchführung 12 Wochen

Ausgangssituation • der strukturell schwache Stadtteil Leipziger Osten: • hoher Migrantenanteil, besonders unter sozialschwächeren Familien • hoher Anteil allein Erziehender, Arbeitsloser • geringe Zahl von Arbeitsplatz- und Ausbildungsangeboten • Fällt in das Fördergebiet des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ • Bietet Handlungspotenzial für Kultur- und Medienpädagogen • Projektträger Jugendkulturzentrum „O.S.K.A.R.“, unter der Leitung von Ellen Heising, stellt Workshop- und Ausstellungsräume sowie Materialien zur Verfügung • Zielgruppe Jugendliche allgemein: • Mangel an ästhetisch-sinnlichen Alltagserfahrungen • häufige Orientierungslosigkeit bezüglich beruflicher Zukunft • unbeschwerter Umgang mit den neuen Medien • digitale Fotografie als niedrigschwelliges Ausdrucksmedium besonders gut geeignet • außerschulische Projektarbeit oft geprägt durch hohe Gruppenfluktuation • vielfältige Interessen und Verpflichtungen • Jugendliche im Leipziger Osten: • Besuch der Mittelschule, d.h. frühe Konfrontation mit den Themen Zukunft und Berufswahl • kaum Zugang zu kostenpflichtigen, kulturellen Bildungsangeboten • erfahren von Projekten über Mundpropaganda

Der Foto-Workshop Ziel des Workshops ist es, Jugendlichen das Handwerkszeug für die Teilnahme am Fotowettbewerb „OstEntdeckungen“ mitzugeben. Dazu sollen Einblicke in das Thema Berufsfelder gegeben und technische Grundlagen der Digitalfotografie vermittelt werden, denn die Fotografie ist das visuelle Leitmedium unserer Zeit; der kompetente Umgang mit Bildern stellt eine Schlüsselqualifikation dar. Auf dem Weg zum fotografischen Produkt wollen wir die Projektteilnehmer mit verschiedenen medienpädagogischen Techniken in Berührung zu bringen. Die methodische Vorgehensweise zielt darauf ab, die Kreativität der Jugendlichen zu wecken, zu erkennen und zu fördern. Der Workshop findet an drei Nachmittagen statt. Ausgehend vom theoretischen Teil steht anschließend die Praxis im Zentrum: Die Jugendlichen begeben sich auf „Fotosafari“, indem sie mit ihrer Kamera bewaffnet durch den Leipziger Osten ziehen. „Den Arbeitstieren auf der Spur“ nehmen sie Bilder für den Fotowettbewerb auf. Aus einem spielerischen Umgang mit dem Thema „Berufe“ soll am Ende ein ästhetisches Produkt entstehen, das präsentationsfähig ist.


Das Ausstellungskonzept Die fotografischen Arbeiten der Jugendlichen werden in einer Ausstellung präsentiert. Als Ausstellungsfläche dient die Galerie des Kinder- und Jugendkulturzentrums O.S.K.A.R. Der Besucher rezipiert somit neben den Fotos auch die kulturpädagogische Erlebnisumwelt der Projektteilnehmer. Die Exponate werden auf quadratischem kartoniertem Material einzigartig präsentiert: Jedem Jugendlichen werden für die Inszenierung der Ausstellung weiße und hellgraue Kartons zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um so genannte „Bananenkisten“ mit einer Öffnung im Deckel, die den Fotografien als Rahmung dient. Der Ausstellungsraum wird so inszeniert, dass die Kartons teils aufgetürmt, teils chaotisch gestapelt oder in Schlangenlinien angeordnet sind. Unserer konzeptionellen Idee liegt zugrunde, dass die Art der Präsentation einen doppeldeutigen Anspruch hat: Die Kartons symbolisieren (Karrierebau-)Steine, die labyrinthartige Anordnung steht für (Lebens-)Wege.

Die Akquirierung der Teilnehmer erfolgt über persönliche Ansprache. Ein Handzettel soll die Jugendlichen an das Projekt erinnern.

44 / 45


Rendezvous – Ein Episodenfilm

Matthias Melzer und Christoph Bauerfeind

Die Idee zum Episodenfilmprojekt entstand bereits nach wenigen Semestern des Studiums „Kultur- und Medienpädagogik“. In diesem Projekt sollten interessierte Studenten zusammengeführt werden, um gemeinsam einen Film zu produzieren. Das faszinierende Gebiet der Episodenfilme bot sich hierfür besonders an. Zielstellung des Projekts war die Erstellung eines Episodenfilms aus mindestens fünf Kurzgeschichten, sowie die Erarbeitung der Kurzfilme in individuellen, autonomen Kleingruppen. Dazu wurden mehrere Projektphasen veranschlagt, in welchen der Episodenfilm realisiert werden sollte. Die Projektphasen: 1. Themenfindung/ Gesamtzusammenhang 2. Workshops zum Thema Produktion, Dramaturgie und Drehbuch 3. Themenfindung & Drehbucherstellung der Kurzfilme 4. Dreh der Filme in Kleingruppen 5. Workshop „Schnitt in Adobe Premiere Pro 2.0“ 6. Schnitt der Kurzfilme in den Gruppen 7. Produktion des Gesamtfilms: End-Schnitt, Titel und Abspann, PR-Konzept 8. Präsentation - Vorführung Um die Filme in eigenverantwortlicher Regie durchführen zu können, wurden Workshops zu den Themen Produktion, Dramaturgie, Drehbuch und Videoschnitt angeboten. Der Workshop „Produktion“ vermittelte den Teilnehmern die nötigen Grundlagen, die von der Idee bis zum Mastering der Produktion eines Kurzfilmes notwendig sind. Im Workshop „Dramaturgie“ wurden den Teilnehmern Grundkenntnisse vermittelt, wie eine Geschichte erzählt werden

kann und was es mit Begriffen wie „Plotpoints“, „Backstory“ oder „Spannungsbogen“ auf sich hat. Im Workshop „Drehbucherstellung“ lernten die Studenten, wie man von der Idee über Exposé und Treatment zum Drehbuch kommt. Im Grundlagenkurs „Videoschnitt“ wurde den Teilnehmern die Schnittsoftware Premiere Pro 2.0 erklärt: vom ersten Sichten der Materialien, über den Schnitt bis hin zur Ausgabe des fertigen Films. Nach mehreren Brainstormings und Abstimmungen einigten sich die Studenten auf das Thema „Rendezvous“. Damit war die Begegnung zwischen zwei Individuen gemeint, im Sinne von „Person/Gegenstand A trifft Person/ Gegenstand B und etwas ereignet sich“. So wurde der klassische „Rendezvous“-Begriff aufgelockert und den Filmemachern mehr Handlungsspielraum gegeben. Schließlich ging es daran die Filme zu planen, zu drehen und umzusetzen, was annähernd zwei Jahre lang, beginnend mit dem Sommersemester 2006, von den Projektleitern betreut und koordiniert wurde. Die Episoden: „Seelsorge“ (2007) von Oliver Stanislowski liefert eine Hommage an den Dogma-Film und zeigt das Leben wie es wirklich ist: Verwackelt, unscharf und alles andere als perfekt. In „Verklickt nochmal!“ (2008) von Matthias Melzer und Christoph Bauerfeind will sich der Hauptcharakter mit seiner Chat-Bekanntschaft endlich live treffen und stellt fest, dass er ihr nicht zum ersten Mal begegnet. „Der Beste Freund“ (2006) von Christoph Bauerfeind handelt von einem ganz normalen Durchschnittsversager, der in seine beste Freundin verliebt ist.

Setbild „Date-a-Nator“

In „Beziehungsweise“ (2008) präsentieren Anika und Melanie Bonitz drei Moment-Aufnahmen aus dem Leben von Hugo und seinen Problemen mit den Frauen, ob beim Kennenlernen oder Schlussmachen. In „Date-A-Nator” (2007-2008) von Sarah Schoberth und Matthias Melzer lässt sich die hübsche Sabine ein auf Speed-Dating ein und begegnet dabei so manch schrägem Vogel.


an eine grelle Leuchtreklame erinnern sollte. Momentaufnahmen aus den Filmen wurden in Form eines Filmstreifens auf dem Flyer positioniert, um den Zuschauern eine Vorschau zu bieten, was sie erwartet. Die Plakate wurden dem Flyer nachempfunden, um einen WerbeSynergie-Effekt zu erzeugen. Zwei Wochen, sowie einige Tage vor der Premiere wurde der Campus so mit Plakaten und Flyern beworben.

Premierenpublikum„Date-a-Nator“

Endfertigung und Premiere Bis Juli 2008 wurden alle Filme des Projektes gesammelt und ein gemeinsames Endprodukt geschaffen. Hierzu gehörte die Erstellung gleichartiger Titel, ein gemeinsamer Abspann, sowie der Zusammenschnitt der Kurzfilme. Von Beginn der Planung an waren mindestens fünf Episoden vorgesehen, um auf ein Zeitformat von etwa 75 Minuten zu kommen. Den Filmemachern wurde ein ungefährer Zeitrahmen von 10-15 Minuten je Produktion vorgegeben. Die Premiere des Films fand am 16.07.2008 um 19 Uhr im Hörsaal 7 des Campus Merseburg statt. Um den Episodenfilm einem möglichst großem Publikum zu präsentieren, wurden Flyer und Plakate produziert. Das Design der Werbung sollte die Thematik des Films widerspiegeln. Deshalb wurde der Schriftzug so gestaltet, dass er

Zur angemessenen Präsentation des Films wurde der Hörsaal entsprechend dekoriert und zum Kinosaal umfunktioniert. Knabbereien und Getränke wurden gegen Spende frei angeboten. In Form einer Fotoserie wurde den Zuschauern eine optische Vorschau auf die Filme präsentiert und somit die Möglichkeit gegeben, sich auf den Film einzustimmen. Um die Kino-Atmosphäre zu unterstützen, wurde der Hörsaal bis Vorstellungsbeginn mit bekannter Film-Musik beschallt. Nach einer kurzen Ansprache wurde dem Publikum der Hintergrund des Projektes und die Entstehungsgeschichte des Films vorgestellt. Und dann hieß es: „Film Ab!“ Nach der Vorführung gab es viel positives Feedback der über hundert Zuschauer. Dabei wurde vor allem die Form und Optik der Werbung gelobt, sowie der Episodenfilm als Gesamtwerk. Besonders erfreulich war in abschließenden Gesprächen der Entschluss vieler Studenten selbst wieder mit der Kamera aktiv zu werden und Filme zu drehen. Für die Projektleitung und alle Beteiligten war es rückblickend ein sehr erfolgreiches Projekt, in welchem die vorher definierten Ziele eingehalten und umgesetzt wurden. Aufgrund des gewonnenen Interesses unter den Studierenden ist eine Fortsetzung des Episodenfilmprojekts in dieser oder ähnlicher Form möglich und wünschenswert.

Flyer / Plakat

46 / 47


Der Handymensch

Medienkompetenz mittels interaktivem Unterrichtsmaterial

Jana Menge Hauptaugenmerk dieser Arbeit gilt dem Mobiltelefon. Nicht nur durch dessen enorme Verbreitung vor allem unter Kindern (8-13 Jahre: 44% ) und Jugendlichen (12-19 Jahre: 94% ) nimmt das Handy einen Sonderstatus ein, auch zunehmende Medienkonvergenz macht es zu einem Sonderbotschafter der Medienpädagogik. Weit über die Fähigkeit der mobilen Telefonie hinaus, haben wir es heute mit einem Gerät zu tun, welches die Funktionen von Minicomputer, MP3-Player, Fernsehgerät, Camcorder, Fotoapparat und vielem mehr in sich vereinigt und zu jeder Zeit nutzbar macht. Jugendliche wachsen hierzulande in einer von Medien geprägten Gesellschaft auf. So ist es nicht verwunderlich, dass der Umgang mit ihnen auch den Jugendalltag selbst prägt und verändert. Im Bezug auf Kommunikation als Prozess der Ablösung und Verselbständigung, aber auch der Pflege des eigenen Le-

bensstils, spielt hierbei nicht nur Kommunikation und Unterhaltung eine wichtige Rolle. Vor allem Integration und Orientierung machen Medien zu einem festen Bestandteil jugendlicher Alltagswelten. Trotz aller Notwendigkeit ist die Förderung von Medienkompetenz auch in unserer heutigen Mediengesellschaft noch immer keine Selbstverständlichkeit. Ob die Gründe hierfür nun dem mangelndem Fachwissen oder einem fehlendem Bewusstsein bezüglich der Bedeutung medialer Kompetenzen zuzusprechen sind – die Notwendigkeit von Medienkompetenz steht außer Frage. Im stetigen gesellschaftlichen Wandel durch die Etablierung neuer Medien, stellt sich in dieser Arbeit die zentrale Frage: Wie verändert das Medium Handy mobile Kommunikation und soziale Beziehungen?

Die medienspezifische Umsetzung dieser Fragestellung erfolgt in Form einer multimedialen Präsentation. Kreative Features erlauben es, die Lernenden kommunikativ zu fordern und zu fördern. Im Mittelpunkt steht die aktive Beteiligung der Lernenden, denn vor allem für die notwendigen medienphilosophischen Betrachtungen dieser Thematik, stellt der Ideen- und Erfahrungsaustausch der Lernenden eine enorme Bereicherung dar. Weitere Vorzüge sind in der Interaktivität, Visualisierung, variablen Rezeptionsaufgaben sowie Arbeitsprozessintegration abstrakter Inhalte zu sehen. Die Präsentation erhebt nicht den Anspruch allein stehend Medienkompetenz zu vermitteln (begründet im Problemfeld der sozial isolierten E-Learning-Systeme). Sie ist ein methodisches Lerninstrument, das den Lehrenden unterstützen soll.


Der inhaltlichen Gestaltung liegt das Kapitel „Mobile Kommunikation und soziale Erreichbarkeit“ in „Handymania“ zu Grunde. Hauptaugenmerk gilt den Bereichen Mobilität, Kontrolle, Privatsphäre, Interferenzen, Grenzüberschreitungen sowie Diskurse und Verbote. Voraussetzung ist die Verfügbarkeit eines Abspielmediums. Benötigt wird ein Laptop mit installiertem Flashplayer, sowie ein Beamer zur großflächigen Projektion. Dieses Lehrmittel ist ein Angebot zur Unterstützung von Lehrveranstaltungen und soll somit der bildungstheoretischen Arbeit von Lehrern, Professoren, Dozenten, Ausbildern, Studenten sowie Schülern dienen. Mögliches Ziel der Veranstaltung könnte die Medienkompetenzförderung der Lernenden sein, welche späteren Lehrzwecken zu Gute kommen soll. Im Rahmen der Bildungsarbeit in Form von Seminaren und Workshops verschiedenster Bildungseinrichtungen, bietet sich diese Methode auch für Studienzwecke sowie Berufsaus- und Weiterbildungen an. Besonders geeignet ist dieses Lehrmittel für die Bereiche Kultur- sowie Medienpädagogik, Medienökologie, Medienund Kommunikationswissenschaften und Sozialwesen.

48 / 49


Illustrationen

„Das immer wieder kehrende Singleleben.“

Monika Milicevic Eine Ausstellung von Monika Milicevic im Rahmen der Kulturpädagogischen Projektarbeit an der Hochschule Merseburg (FH). In meinem Projekt habe ich mich mit dem Thema Illustration auseinandergesetzt. Die Vierzehn Illustrierten Bilder worden in Rahmen einer Ausstellung präsentiert. Im Mittelpunkt der Illustration steht das visuelle Wahrnehmen eines Comics ohne Dialog mit einem dazugehörigen Storyboard. Den zweiten Focus habe ich auf Metaphern bzw. Redewendungen gelegt und den dritten auf die schwarz & weiß Darstellung. Drei Perspektiven I. Die Handlung “Das immer wieder kehrende Singleleben. II. Die Metaphern bzw. sprachliche Bilder oder Redewendungen. III. Die Schwarz Weiß Darstellung. I. Das Storyboard Das immer wieder kehrende Singleleben Eine Single Frau wohnt in einer Großstadt. Sie hat das Singleleben ziemlich satt und hält die Einsamkeit in ihren vier Wänden nicht mehr aus. Sie entschließt, sich´ herauszuputzen und aufs Neue ihrem trauernden Dasein ein Ende zu machen. In einer Bar kann man einen netten Mann kennenlernen… denkt sie! Und schon steht einer vor ihr. Der junge Mann fängt an zu erzählen und sie scheint auch sehr interessiert. Doch nach kürzester Zeit langweilte auch er sie, wie viele andere vor ihm. Sie ist

entsetzt und schmiedet auch schon Mordpläne. Der Mann scheint wie eine Plage zu sein, denn er weicht nicht von ihr. Er bemerkt auch nicht im Geringsten, dass er sie ermüdet und dass sie schon ihren Kopf auf den Tresen niedergelegt hat. Sie hat nur einen Gedanken für diese Menschen übrig… wie werde ich ihn los ? ! Auf ein Mal brennen ihr die Sicherung durch, bzw. ihr reißt der letzte Geduldsfade und schon sind ihre Hände an der Kehle von diesen beschränkten Wesen. Als Sie bemerkt was sie getan hat, ergreift sie die Panik. Aber da sie genau wegen solchen monotonen Helden alleine lebt, ist der nächste Gedanke an ihn auch nicht mehr von Sorge umgeben. Madame denkt nur an Flucht und alles andere ist ihr unwichtig. Am Ende hat sie doch einen interessanten Abend gehabt und geht lächelnd nach Hause. II. Die Metaphern oder Redewendungen Ich habe beim Illustreren die Herausforderung gesucht, Metaphern bzw. Redewendungen Zeichnerisch umzusetzen. Metaphern bzw. Redewendungen: “Als ich die Tür aufmachte starten mich Tausende von Augen an“ “Er langweilt mich zu Tode“ “Ich würde ihn am liebsten umbringen“ “Es ist nicht mein Bier“


III. Schwarz - Weiß – Darstellung Ich habe mit Absicht die unbunten Farben bzw. den Zustand Schwarz – Weiß gewählt um Assoziationen und Gefühle der Figur rüberzubringen. Gefühle wie Tod, unerlaubtes Handeln oder Macht über jemanden zu haben. Bunte Farben hätten meiner Ansicht nach zu viel von meinem Konzept verworfen, denn ich habe großen Wert darauf gelegt meine Illustrationen minimalistisch darzustellen, damit keine weitere Übertreibung außer der Redewendungen bzw. Metaphern transparent wird.

Intension des Projekts • Die Illustrationen sollen den Betrachter anregen, wie bei einem Klassisch gemalten Bild, der Fantasie freien Lauf zu lassen. • Die Abstrahierung will dem Beobachter das innere Bild, das jeder von uns mittels seiner Gedanken als ein surrealistisches Bild in sich schaffen kann, hervorrufen. • Die Illustrationen sollen anregen, selbst neue Formen der Abstraktion zu schaffen. Thesen 1. Das Faktische lässt sich als das, was es ist, anders sehen. 2. Illustration nutzt die Abstraktion und sie ist eine effektive Technik um den Sachverhalt, das Singledasein, dem Betrachter näher zu bringen.

50 / 51


Kostümworkshop lustigsten! im Zirkus Ernst – wir sind die

Tina Möller 1 Kostümworkshop Vom 09.06. – 13.06.2008 veranstaltete die Lernförderschule Ernst-Zinna in Leipzig eine klassenübergreifende Projektwoche zum Thema Zirkus. Die praktische Umsetzung der Workshops wurde vom Zollschuppen e. V. durchgeführt. 200 Kinder der 1. bis 9. Klasse verteilten sich auf 18 verschiedene Workshops, die von unterschiedlichen Jonglagetechniken über Theaterimprovisationen bis zur Gestaltung von verschiedensten Materialen reichten. Gemeinsam mit Manuela, einer Modedesignerin leitete ich für 16 junge Menschen den Kostümworkshop. Zur Unterstützung wurden uns zwei Lehrer der Grundschule zugeteilt. Die Grundidee war, dass jeder Teilnehmer ein eigenes Kostüm entwirft und dies zur Zirkusaufführung am letzten Tag in Form einer Modenschau präsentiert. Für den Workshop standen zwei benachbarte Klassenzimmer zur Verfügung, in denen die Kinder mit einfachsten Mitteln, wie Tacker, Schere, Kleber und Drähten, oder auch Nähmaschine ihre individuellen Ideen aus verschiedensten Stoffarten umsetzen konnten. Die Arbeit und das Spiel mit Textilien als kreatives Medium, ermöglicht ein abwechslungsreiches, ganzheitliches Arbeiten. Ich bemühte mich dabei keine besonderen Kenntnisse vorauszusetzen. Durch die Vermittlung einfachster textiler Verarbeitungstechniken und Gestaltungsmöglichkeiten sollten die Kinder angeregt werden, sich mit ihren eigenen Fähigkeiten auseinandersetzen.

Konzept Als Workshop-Leiter bemühten wir uns um eine möglichst unvoreingenommene Herangehensweise und versuchten anfangs ohne Vorgaben zu arbeiten um die Kinder in ihren Ideen nicht zu leiten. So sollte es einführend am ersten Tag Raum für Spiele gegeben, dass die Kinder sowohl ihre eigenen Wünsche, wie auch die Persönlichkeiten der anderen Teilnehmer besser kennenlernen. Unser Wunsch war es, den Kindern einen Rahmen zu bieten, in dem sie die Möglichkeit haben alles Erdenkliche zu sein, was sie sich vorstellen. Dabei soll auch der Bezug zwischen Kostüm als Maske und der tragenden Rolle des eigenen Körpers als Maskenträger deutlich werden, um eventuelle Ängste bezüglich der handwerklichen Umsetzung abzubauen und die Motivation zu eigenem kreativen Handeln zu stärken. Die Materialen, quer im Klassenraum verteilt sollten zum ausprobieren anregen und neugierig auf die Suche nach der Form in der Form machen. Dies sollte der eigentliche Beginn des künstlerisch- handwerklichen Arbeitsprozesses werden, die Ausgestaltung der individuellen Vorstellungen und Grundlage für die weiteren Projekttage. Die Gruppe An unserem Workshop nahmen 13 Mädchen und 3 Jungen von der 6. bis zur 9. Klasse teil. Leider waren nur 5 davon auf eigenen Wunsch anwesend und der Rest wurde aus verschiedenen Gründen zugeteilt. Der überwiegende Teil der Gruppe hatte Konzentrationsstörungen, es herrschte eine hohe verbale und physische Gewaltbereitschaft, Perspektivlosigkeit und allgemeine Ablehnung gegen alles und jeden.

2 Der Prozess In der Praxis stieß unser freies Konzept sehr schnell an seine Grenzen. Es bedurfte ständiger Motivationsarbeit. Die von unserer Seite vorbereiteten Lockerungsübungen und Namensspiele mussten wir aufgrund der Aggressivität untereinander vorzeitig abbrechen. Alternativ baten wir die Kinder sich erst einmal selbstständig mit den Materialien vertraut zu machen um Ideen zu sammeln und eventuell schon etwas auszuwählen. Ein paar der Teilnehmer taten dies auch und der Rest saß entweder stumm oder meckernd auf den Stühlen. Manuela und ich versuchten die Kinder in ihrer Ideensuche zu unterstützen, doch wir stellten schnell fest, dass die Entwicklung von Kreativität und Phantasie in unserer Gruppe intensive Beschäftigung brauchte. Schritt für Schritt kamen wir aber bei fast allen Schülern weiter. Mit den uns zugeteilten Lehrkräfte kamen neue Probleme auf, sich die älteren Teilnehmer schon allein durch ihre Anwesenheit provoziert fühlten und erneut aggressiv wurden. Wir entschlossen uns, die Gruppe zu teilen. Nach und nach entwickelten sich ein paar Ideen und es entstanden auch erste Stücke, die zwar eher weniger mit Zirkus aber doch mit Kreativität zu tun hatten. Am nächsten Tag hatten sich die Kinder von selbst wieder auf die beiden Räume verteilt, da die einen nichts mit den anderen zu tun haben wollten und sich strikt weigerten einen gemeinsamen Beginn zu finden. So war es für uns leider nicht möglich eine Art Gruppengefühl unter den Teilnehmern zu schaffen. Die starke Ableh-


nung der Schüler untereinander und der ständige Wechsel in der Gruppe erschwerten den kreativen Arbeitsprozeß. Unser Konzept ließ sich nicht umsetzen, da die Schüler große Schwierigkeiten hatten eigene Ideen zu entwickeln und bei jedem Schritt Unterstützung brauchten.

Frontalansicht

Die Hälfte der Mädchen steckte viel Herzblut und Geduld in ihre Kostüme und waren mehr oder weniger bereit diese auf der Bühne zu präsentieren. Die Jungs wurden leider bereits Mittwoch für den Rest der Woche suspendiert.

Die Präsentation Am Freitag gab es die große Zirkusvorstellung. Die Kostümgruppe sollte den Abschluß des Programms bilden. An diesem Tag plagte die Mädchen ein euphorisches Lampenfieber, aber eine paar kleine Atemübungen und aufmunternde Worte halfen bei dem Sprung über den Schatten. Es war eine Freude mit anzusehen, wie die ein oder andere auf der Bühne sogar ein Lächeln zeigte und sich über den echten Applaus freute, da sie so große Angst hatten ausgebuht oder beworfen zu werden. 3 Reflexion In der Planung wäre unbedingt eine intensivere Berücksichtigung der Zielgruppe notwendig gewesen. Die Teilnehmer hatten große Probleme eigene Ideen zu entwerfen und brauchten ständige Unterstützung bei der Umsetzung. Im Idealfall sollten es nicht mehr als 3 bis 4 Kinder auf einen Betreuer sein. Vorraussetzung wäre außerdem die freiwillige Teilnahme am Projekt und entprechende Alternativen der Schule für diejenigen Schüler, die sich nicht für die Workshops interessieren. Die Rolle des Workshopleiters empfand ich oft als zwiespältig,da die Kommunikation sowohl zwischen Lehrer und Schüler als auch zwischen Lehrer und uns sehr träge funktionierte. Es entstanden oft Konflikte, vor allem was die Bewertung der Leistung der Schüler anging. Die Kommunikation zwischen Schule und Verein müsste bei einem nächsten Projekt unbedingt verbessert werden, denn es hätte einige Schwierigkeiten erspart. Trotz alle dem denke ich, dass die Grundidee dieses Workshops sehr reizvoll ist und einen erweiterte Durchführung verdient. 52 / 53


Industriefilm über die Produktion der Saalemühle Alsleben Sebastian Nolting und Sebastian Wolf

Das Unternehmen Die Saalemühle Alsleben ist ein Getreide verarbeitender Industriebetrieb im Herzen Sachsen-Anhalts. Gelegen zwischen Magdeburg und Halle. Direkt an der Saale und der A14 befindet sich das Traditionsunternehmen in einem der besten Getreideanbaugebiete Europas. Insbesondere hochwertiger Weizen und Durumweizen wird hier angebaut. Die hohe Qualität des Ausgangsproduktes ist jedoch nur ein Aspekt der Unternehmensphilosophie. Die Nähe zu den Landwirten ist ausdrücklich gewünscht, um kurze Transportwege, Rückverfolgbarkeit der Partien und einen kurzen Informationsweg zu den Partnern sicherzustellen. Alle Lieferanten liegen im Umkreis von 100 km. Die Saalemühle verfügt über zahlreiche Rezepturen, welche entsprechend den Bedürfnissen des Abnehmers zusammengestellt und streng eingehalten werden müssen. Die hochtechnische Herstellung von Backwaren ist ein Prozess, bei dem Schwankungen in den Inhaltsstoffen nicht toleriert werden können. Die Vermarktung erfolgt zu einem großen Teil an Großbäckereien, aber auch Hersteller von Fertigbackmischungen und Convenience-Produkten. Problemanalyse Führungen durch die Produktion der Getreidemühle erweisen sich als schwierig. Eine Kommunikation von Geschäftspartnern wird durch eine hohe Lärmentwicklung der Maschinen sehr eingeschränkt. Dieser Umstand erweist sich gerade hinsichtlich von Führungen der Geschäftskunden als verbesserungswürdig. Ein weiterer

Aspekt ist die räumliche Verteilung der Produktion. Die einzelnen Produktionsschritte- von der Reinigung bis zur Verpackung sind über zehn Etagen verteilt. Auch hier ist die Begehung sehr aufwändig und Zeit intensiv. Zudem sind nicht alle Arbeitsprozesse einsehbar, da aus Sicherheitsgründen viele der Maschinen verschlossen arbeiten.

industrie. Sie verfügen teilweise über Fachwissen von produktionstechnischen Verfahren der Mehlerzeugung. Insbesondere Abnehmer sollen also mit diesem Industriefilm einen Nachweis über den hohen Standard der Produktionsverfahren in der Getreidemühle erhalten: Qualität als Gütekriterium der Saalemühle. Arbeitsschritte, die wichtig für das Verständnis des Arbeitsprozesses sind und insbesondere den Qualitätsanspruch des Unternehmens unterstreichen, werden daher zeitlich hervor gehoben. Die Sequenzen des Hauptteils bestehen größtenteils aus aufgezeichneten Bildern der Produktion. Es wird mit klassischen Einstellungsgrößen gearbeitet. Der Schnittrhythmus soll nicht zu dynamisch, nicht zu langatmig sein. Op-

Lösungsansatz Idee ist mit einem Industriefilm über die Produktion eine filmische Führung vom Konferenzraum zu ermöglichen, um so die negativen Einflussgrößen zu unterbinden. Nicht einsehbare Arbeitsschritte werden grafisch dargestellt, abstrahiert und konkretisiert. Der Zeitaufwand der Führung wird erheblich reduziert und bei Bedarf sind einzelne Prozesse beliebig oft wiederholbar. Anliegen können in einer angenehmer Atmosphäre erörtert und Informationen ausgetauscht werden. Parameter Die Produktion soll eine Länge von ca. 10 – 12 Minuten nicht überschreiten. Es sollen markante Daten, die Unternehmensphilosophie, das technologisch-fortschrittliche Moment der Saalemühle und die hochwertige Qualität der Erzeugnisse (und damit der Arbeitsprozesse) zum Tragen kommen. Gleichzeitig sollen alle Produktionsschritte- von der Anlieferung des Getreides bis zur Vermahlung, aber auch die spätere Lagerung bzw. Auslieferung an den Abnehmer aufgezeigt werden. Die Zielgruppe sind “Experten” aus der Lebensmittel-

tische Informationen sollen wahrnehmbar sein, aber nicht langweilen. Grafiken zur Zusammenfassung und Abstraktion sind zweidimensional animiert und im einheitlichen Layout gehalten: Die Animationen haben alle links eine rote Fläche, in der oben das Saalemühle Logo zu ist. Die Bilder laufen rechts davon. Das Verhältnis ist etwa 1:5 Die Bildästhetik gestaltet sich in den Teilen der Exposition, Gliederung und Zusammenfassung als anspruchsvoll


anmutendes, aber dezentes Layout: Auf weißen Grund ist eine horizontal mehrfach geteilte Fläche in der Videosequenzen laufen. Diese sind im dezenten (Saalemühle-)Rot gehalten. Gegebenenfalls werden jeweils bedeutende Begriffe eingeblendet. Diese Bildkomposition kehrt stets wieder.

Umsetzung Aufbau Der Industriefilm besteht aus vier Teilen: 1. Exposition (thematische Einstimmung) 2. Gliederung (Struktur des Beitrages ) 3. Hauptteil (detaillierte Produktionsabläufe) 4. Zusammenfassung (Rückblick, Ausblick)

Exposition (40 Sekunden) Um einen ersten Eindruck von der Saalemühle zu erhalten, werden in der Exposition Unternehmens spezifische Information in Form von Schlagwörtern gestreut. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung des Qualitätsanspruchs und der (technologischen und marktwirtschaftlichen) Zukunftsorientierung des Unternehmens. Es lassen sich Begriffe wie “Qualität”, “Erfahrung”, “Zukunft/ Fortschritt/Perspektiven”, “Vielfalt” usw. ableiten. Eine dynamische und ästhetisch anspruchsvolle Bildgestaltung unterstreicht dabei das Image eines technologisch fortschrittlichen Unternehmens. Aus dem Firmenlogo heraus baut sich auf weißen Hintergrund langsam ein dreigeteilter Splitscreen in der Mitte des Bildschirms auf. Erste kurze Filmsequenzen in erscheinen kurz in slow motion, bis sie von der nächsten Sequenz wieder aus dem Bild gerückt werden. Schlagworte werden dabei einige Sekunden über den Bewegtbildern eingeblendet, verfliegen dann. Aus dem dreigeteilten Bild erscheint wieder das Logo der Saalemühle. Eine leichte, aber progressive elektronische Musik schafft eine angenehme Atmosphäre.

Gliederung (25 Sekunden) Inhalt:Nach der Eröffnung des Beitrages durch die Streuung verschiedener Information der prozessorientierte Aufbau des Hauptteils (Getreideverarbeitung) vorgestellt. Bild: Transparentes SM-Logo wird über Fläche (sechsteilig, horizontal) eingeblendet. Einzelne Teile der Fläche sind Standbilder. Der Sprecher erklärt weiteren Ablauf anhand der sechs vorgestellten Komplexe des Hauptteils. Während der Aufzählung, heben sich die jeweiligen Bilder voneinander ab. Zudem werden die Begriffe eingeblendet.

Hauptteil (480 Sekunden) Im Hauptteil werden die sechs verschiedenen Produktionsschritte prozessorientiert und detailliert dargestellt. Der Produktionsweg ist untergliedert in: 0. Der Ursprung (Bodenbearbeitung, Saatgut, bedarfsgerechter Pflanzenschutz, Wachstum, Ernte) 1. Anlieferung und Qualitätskontrolle 2. Zusammensetzung der einzelnen Qualitätsklassen, der Reinigung von Grobbesatz und der Einlagerung (je nach Analyseergebnis). Zusammenstellung der Getreidemischung nach Rezepturen 3. Die (zweite) Reinigung direkt vor der Verarbeitung 4. Vermahlung nach jeweiliger Rezeptur 5. Beschreibung für die Produktion von Convenience-Produkten 6. Die spätere Lagerung und Verpackung bzw. Auslieferung Zusammenfassung (60 Sekunden) In der Zusammenfassung wird die gesamte Verarbeitung nochmal kurz rückblickend betrachtet. Zudem wird die Positionierung des Unternehmens in der Kette der Lebensmittel erzeugenden Betriebe erläutert und mit der Firmenphilosophie kombiniert. Abschließend wird ein Ausblick des Unternehmens gegeben. Es werden dabei bereits gezeigte, ästhetisch anspruchsvolle Bilder in slow motion gezeigt. Der Ausblick endet mit einem Schwenk von Personen im Getreidefeld hin zur Saalemühle. Schlussendlich die Abblendung zum Logo der Mühle. Ende. 54 / 55


„Schwarz gefragt“ Sascha Pannwitz Vorstellung Das audiovisuelle Projekt: „Schwarz gefragt “, soll auf die ständig wachsende schwarze Subkultur und ihre verschiedenen Facetten aufmerksam machen. Die „GruftiKultur“ teilt sich mittlerweile in viele Bereiche wie Gothic, Industrial, Badcave, Neofolk u.s.w. auf. Die Szene selbst kennzeichnet sich durch ihre Musik, Ästhetik und ein bestimmtes Lebensgefühl. Die Farbe „Schwarz“ ist für die Szene der symbolische Ausdruck für die Lebenshaltung und Zeichen der Abgrenzung zum „Normalen“. Für einige ist es eine Flucht in eine dunkle romantische Welt, eine Welt der Fantasie, der Trauer und Melancholie, die sie ausleben. Die Außendarstellung und die Inszenierung einer Lebensphilosophie spielen hierbei eine große Rolle. Gothic wird nicht als Religion oder Kult betrachtet. Für viele Szeneanhänger ist es nur ein Hobby, das sie vor allem am Wochenende ausleben. Dokumentation Das größte Wave-Gothictreffen Europas, fand vom 09.05.2008 bis zum 12.05.2008 in Leipzig statt. An diesen drei Tagen wurden mit einem Dat-Gerät, Zwanzig Interviews mit verschiedenen Anhängern der Szene aufgezeichnet. In den Interviews wurden Zugehörigkeit, Stil, Ästhetik und Merkmale der Szene hinterfragt. Bühnenmusik, Straßenmusik so wie Atmogeräusche (z.B.: „das berüchtigte Rasseln und Klingeln von Ketten“) ließen sich durch die Stereomikrophonie des Gerätes störungsfrei mitschneiden. Diese Livemitschnitte sollten später ihren Platz im Hörfeature als Hintergrundgeräusche finden.

Nach den Interviewaufzeichnungen wurden 300 Fotos von unterschiedlich schwarz gekleideten Personen und Gruppierungen gemacht. Weitere 200 Photographien entstanden bei Veranstaltungen in schwarzen Szene-Lokalitäten wie der „Villa“ in Leipzig und den „Turm“ in Halle. Die Personen wurden vorab gefragt ob die Fotos verwendet werden dürfen. Das zuvor aufgezeichnete Audio-Material wurde erst einmal angehört, geordnet und aussortiert. Die ausgewählten Interviewschnipsel die ein besonders repräsentatives Gewicht für das Thema einnehmen, wurden später im Schnittprogramm gesammelt, zusammengefasst und gekürzt. Danach kam es auf die richtige Reihenfolge (Anordnung) der Ausschnitte an, um damit einen inhaltlich roten Faden durch das Feature zu ziehen. Eine gewisse „Dramaturgie“ musste geschaffen werden. Zum Beispiel überschlagen sich zum Ende des Features die einzelnen Interviewschnipsel und es gibt einen Knall nach dem völlige Ruhe einkehrt. Um mehr Hörraum zu schaffen wurden die Atmosphärenmitschnitte und die Livemusik der Veranstaltungen unter die einzelnen Interview-Elemente gemischt. Später wurden einzelne Sprecher aufgenommen, die Textpassagen einzelner Künstler der Szene einsprachen. Dazu gehörten Gedichtausschnitte von Andre` Schinkel, und Texte von Thilo Wolf (Lacrimosa). Tonverfremdet und

Teilweise zwischen oder hinter die Interviews gemischt geben diese einen Kontrast zur üblichen Interviewführung. Auch die zwischendurch eingeblendete Musik von wichtigen Interpreten der Gothic und Industrial Szene wie „Das Ich“ (Bruno Krams), “In Strict Confidence“ oder „Lacrimosa“ (Thilo Wolf) soll dem Feature eine besondere Note geben. Wichtig war es, in zehn Minuten einige Spannungspunkte zu setzen und zu einem „Grand Finale“ zu kommen ohne das Feature zu überladen. Bei der Auswahl der passenden Fotos wurde Augenmerk auf die verschiedenen modischen Stile der Szene und die Natürlichkeit der Bilder gelegt. Die meisten Fotos sollten dabei nicht gestellt sondern beobachtend wirken.


Zur Präsentation des Projektes wurde ein kleiner Kellerraum umdekoriert und mit Moltonstoffen abgedunkelt. Es wurden vier Schuhkartons schwarz angemalt, an die Wand angebracht und mit Sehschlitzen versehen. Im Inneren der Kartons befanden sich Fotos die auf Klischees der Szene aufmerksam machen sollen, zum Beispiel Bilder von „Friedhofstreffen“ und der „S/M-Szene“. Kleine im Inneren angebrachte Batterielampen sorgten für eine dezente Innenbeleuchtung der Kartons. Auch Infomaterial in Form von diversen Flyern und Magazinen der Szene, wurden auf einer Bank neben dem Eingang postiert. Die Hochschule stellte eine Beschallungsanlage, einen Beamer und eine Leinwand zur Verfügung. Die Leinwand wurde mittig am hinteren Ende des Raumes aufgestellt und die Musikanlage seitlich der Leinwand postiert, so das sich für den Betrachter der Leinwand ein stereophones Hörerlebnis ergab. Leider war die Leinwand nicht Lichtdurchlässig, so das der Beamer an der Eingangstür und nicht wie geplant versteckt hinter der Leinwand positioniert werden konnte. Das hatte wiederum den Nachteil das sich der Betrachter seitlich zur Leinwand stellen musste um nicht die Projektion zu stören. Außerdem musste der Vorraum ebenfalls abgedunkelt werden. Nach der Lautstärkenanpassung des Hörfeatures an die Räumlichkeit, wurden Bild und Ton zeitlich aufeinander abgestimmt. Darauf folgte ein erster Testdurchlauf. Bevor die kleine Gruppe von Besuchern den Raum betrat, wurde das Projekt in kurzen Sätzen noch einmal vorgestellt. Als sich die Betrachter im Raum versammelt hatten, wurden alle Türen geschlossen und der Raum abgedunkelt.

Die Präsentation begann und die Aufmerksamkeit der Besucher viel zuerst einmal auf die Leinwand. Während der Präsentation musste genauestens darauf geachtet werden, das sich die Dauer des Hörfeatures mit der Dauer der Bildfolgen synchron verhielt. Einige Besucher bemerkten die Kästen und schauten durch die erleuchteten Sehschlitze. Da die Vorführungzeit nur eine knappe Viertelstunde umfasste und noch einige Nachzügler dazu kamen, wiederholte ich die Vorführung noch einmal. Die Reaktionen auf das Gesamtprojekt waren positiv. Zielsetzung Das Projekt soll keine neuen Trends, Probleme oder die wachsende Kommerzialisierung der schwarzen Szene aufzeigen. Es soll lediglich durch die Medien: Ton und Bild (Fotografie) ein neutrales Portrait der schwarzen Szene erstellen, das auf verschiedenste Weise vom Zuschauer oder Zuhörer interpretiert werden kann. Dem Betrachter soll bewusst werden das es kaum eine Subkultur gibt, die sich so um ihre ästhetischen Erscheinungsmerkmale bemüht wie die Gothic-Szene. Die Szene ist im Gegensatz zur weitläufigen Meinung nicht verschlossen wirklichkeitsfremd und unnahbar, sondern eher als offen, tolerant und friedlich zu sehen. Die im Hörfeature zugemischten Aussagen belegen den Umgang der Szene untereinander und ihr Rollenverhalten. Die Unterteilung der Szene in Kategorien wie Jugendkultur, Fetisch oder postmoderne Zeiterscheinung soll jedem selbst überlassen werden. Zu guter Letzt kann das Projekt anregen, sich mehr mit Jugendsubkulturen auseinander zusetzen, deren Ästhetik zu erfassen, sie zu tolerieren und zu hinterfragen. 56 / 57


Eine kleine Weltreise

Eine theatrale Präsentation mit der zweiten Klasse der Johannes-Schule

Merseburg

Franziska Könitzer und Regina Pfiester zu stellen. Pro Gruppe sollten zwei Szenen entstehen, um am Präsentationstag, dem Tag der offenen Tür der Johannes-Schule, eine kleine Weltreise darstellen zu können.

1. Ziel Mit den Schülern der zweiten Klasse der Johannes-Schule Merseburg sollte eine spielerische und theatralische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Regionen der Erde stattfinden. In einem bestimmten Zeitraum wurden anhand vorgegebener Länder und Kontinente kleine Szenen erarbeitet, wobei die Ideen und Geschichten der Kinder verwendet werden sollten, um ihre Vorstellungen der Welt zu zeigen. Um auf die Ideen aller Kinder eingehen zu können, ist es sinnvoll die 20 Schüler in zwei Gruppen aufzuteilen und jeder Gruppe einen Spielleiter zur Seite

2. Vorgehensweise Im Zeitraum vom 30.05.08 bis 24.06.08 wurde mit der Klassenlehrerin der zweiten Klasse der Johannes-Schule, Frau Morawe, sechs Termine vereinbart, an denen das kulturpädagogische Projekt mit ihrer Klasse durchgeführt werden konnte. Die Treffen mit der Klasse fanden zu unterschiedlichen Zeiten, aber immer im Rahmen des regulären Unterrichts statt. Da es sich bei der Johannesschule um eine Grundschule mit Ganztagesangebot handelt, findet der Unterricht zwischen 8.00 und 14.00 Uhr statt. Die Johannesschule ist eine christliche Bekenntnisschule, die projektorientiert arbeitet. Ihre Schüler sind mit Methoden der Gruppenarbeit vertraut und einige besuchen im Rahmen des Ganztagsangebotes die Theater-AG, die klassenübergreifend angeboten wird. Die zweite Klasse der Johannesschule besuchten 20 Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren. Um auf alle Ideen eingehen und eine intensive Arbeit mit den Kindern gewährleisten zu können, wurde die Klas-

se in zwei gleichgroße Gruppen aufgeteilt und je einem Spielleiter zugeordnet. Da die Projektarbeit dennoch als gemeinsames Klassenprojekt vermittelt werden sollte, wurde jedes Treffen mit einem Warm-Up eingeleitet, das mit der gesamten Klasse durchgeführt sowie mit einem gemeinsamen Spiel bzw. einer gemeinsamen Übung beendet wurde. Das erste Treffen fand am 30. Mai innerhalb einer Schulstunde und mit der gesamten Klasse statt und wurde als Einführungsstunde konzipiert. Ziel des Treffens war das gegenseitige Kennen lernen und Vertraut machen mit dem Thema. Zunächst haben sich die Spielleiter bekannt gemacht, anschließend hat sich jeder Schüler und jede Schülerin innerhalb kleiner Theater-Spiele vorgestellt. Um die Kinder auf das theatralische Spielen und das Thema hinzuführen, wurde ein Raumlauf zu Musik veranstaltet, in dem die Kinder unterschiedliche Tempi kennen gelernt und das Spiel in unterschiedlichen imaginären Umgebungen ausprobiert haben. Erst beim zweiten Treffen wurden die Gruppen aufgeteilt. Hierzu wurden 20 Bilder von den Regionen Afrika, Grönland, Italien und Asien ausgeteilt. Die Regionen wurden im Vorhinein von den Spielleitern bestimmt. Jedes Kind durfte sich ein Bild aussuchen. Im Vergleich mit den anderen Bildern mussten die Kinder selbst ihre Gruppen finden. Schließlich trennte sich die Klasse, um in unterschiedlichen Räumen mit der Erfindung einer Geschichte zunächst zu einem Land zu beginnen und diese auch szenisch umzusetzen. Die Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Ideen zu den unterschiedlichen Regionen zu verwirklichen, daher sahen die Spielleiter ihre Aufgabe darin, die Ideen


zusammenzuführen und zu einer Geschichte zu verdichten. Improvisationsspiele dienten dazu, Ideen zu fördern, durch die Moderation der Spielleiter wurden die Geschichtsstränge in Zusammenarbeit mit den Kindern verbunden. Durch das Spielen der Geschichten wurden die Abläufe geprobt. Auf diese Weise entstanden an drei Probeterminen insgesamt vier Szenen. An den letzten beiden Probeterminen wurden die Szenen zusammengeführt und in ein Rahmenprogramm eingebettet. Da das Bühnenbild und die Requisiten einfach gehalten wurden, konnten fehlende Requisiten an diesen Terminen besprochen, im Schulhaus zusammengesammelt und gebastelt werden. Auch die obligatorische Generalprobe fand an diesen Terminen statt. 3. Präsentation Die Präsentation zum Projekt „Eine kleine Weltreise“ fand am 24.06.2008 zum Tag der offenen Schultür im Andachtsraum der Johannes-Schule Merseburg statt. Der Beginn war um 10.30 Uhr geplant, jedoch dauerte die davor stattfindende Andacht länger als erwartet. Nach der Begrüßung des Publikums und dem Aufbau des Bühnenbilds begann die Präsentation mit der Italienszene. Darauf folgten die Geschichten aus Afrika, China und Grönland. Die beiden Gruppen wechselten sich dabei nacheinander ab. Zwischen den Szenen betraten und verließen die Kinder die Bühne in dem sie einen Flug mit dem Flugzeug nachahmten. Die Spielleiter übernahmen dabei die Rolle des Piloten, welcher den Kindern (und Zuschauern) Anweisungen zum Flug gibt (z.B. Anschnallen, Gepäck verstauen) und über den jeweiligen Ankunftsort

informiert. Mit dem An- und Abflug wurde auch das Bühnenbild umgebaut. Insgesamt dauerte die Aufführung 30 Minuten. Bis auf den verspäteten Beginn gab es bei der Präsentation keine Probleme. Da aufgrund der kurzen Probenzeiten die Kindern bei der Generalprobe noch Schwierigkeiten mit manchen Einsätzen hatten und oft in reines kindliches Spiel verfielen, wurde beschlossen, dass die Spielleiter während der Aufführung die Rolle eines Erzählers einnehmen. Die Kinder waren mit dieser Maßnahme einverstanden und konnten die Anstöße des Erzählers ohne Probleme in ihr Spiel integrieren. Während der Aufführung herrschten bei den Kindern große Konzentration und eine hohe Spielbereitschaft. Stellenweise waren sie besonders aufmerksam und spielten sehr gut, sobald jedoch mehrere Spieler auf der Bühne waren, wurden die Bewegungen und die Sprache undeutlicher. Auch an dieser Stelle sollte die Erzählfunktion die Kinder unterstützen. Ein Schüler spielte sogar in allen vier Szenen mit, da er die Rolle eines erkrankten Mitschülers übernehmen musste. Das Ziel der Präsentation war es, den Kindern nochmals einen runden Abschluss zum prozessorientierten Projekt zu geben und ihnen die Chance zu bieten, ihre Ideen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

58 / 59


„Drunter und drüber„

s Bad Elster

eine mediale Kritik an der Ausstellung des Sächsischen Bademuseum

Kristin Ploß Hintergrund Das Sächsische Bademuseum Bad Elster wurde 1993 gegründet und soll einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Kurwesens der Bäder Bad Elster und Bad Brambach zeigen. Bisher gab es für die Ausstellung keine ausgearbeitete Konzeption, um die attraktive Darstellung der Ausstellungsstücke zu gewährleisten. Bei den meisten Exponaten wurde teilweise kein Wert auf Qualität oder Nutzen für die Ausstellung gelegt. Am Anfang noch nach System sortiert, wurden später erhaltene Bilder oder Gegenstände unpassend hinzugefügt. Mittlerweile wirkt es daher sehr überladen und unstrukturiert. Das gesamte Museum braucht eine neue Konzeption bezüglich der Raumaufteilung, der Präsentationsflächen, der Auswahl der Exponate und der ästhetischen Gestaltung. Dies werde ich in meiner Bachelorarbeit umsetzen.Ich habe mich daher entschieden, auch meine kulturpädagogische Projektarbeit dieser Ausstellung zu widmen. Idee Um die Mängel des Sächsischen Bademuseums Bad Elsters deutlich aufzuzeigen, wollte ich eine mediale Kritik an seiner Ausstellung üben. Ich hatte vor die „Fehler“ fotografisch festzuhalten, teils in einfachen Aufnahmen der Situation, der abgenutzten Schränke, der verstaubten Vitrinen, des Durcheinanders und der Enge und teils in gestellten Abbildungen mit Statisten, die z.B. auf den Knien vor einem Text verweilen oder sich durch die engen Gänge bewegen. Da die Bilder allein jedoch kaum die Atmosphäre des Museums einfangen konnten, ent-

schied ich mich, die Ausstellung in den Räumlichkeiten der HS Merseburg (FH) nachzustellen. Es sollte eine Verbindung zwischen meinen Fotografien und der inszenierten Ausstellung entstehen, indem ich Elemente und Eigenarten aus der realen Ausstellung des Sächsischen Bademuseums Bad Elster übernahm. Natürlich plante ich die gesamte Darstellung überspitzt, denn es handelt sich bei dieser Medienpraktischen Arbeit um eine Kritik und keine Kopie. Das Ziel meiner Arbeit besteht darin, dem Träger und der Geschäftsleitung des Sächsischen Bademuseums Bad Elster, sowie der Stadt Bad Elster, die Not ihres Museums aufzuzeigen und sie von der Notwendigkeit einer durchgeplanten Ausstellungskonzeption zu überzeugen. Die anfallenden Kosten für die Bilder und die Ausstellung habe ich selbst übernommen, da die meisten benötigten Gegenstände größtenteils aus meinem Privatbesitz stammten. Die Druckkosten für die Bilder versuchte ich möglichst niedrig zu halten. Die Fotografien Um geeignete Fotografien für meine Ausstellung zu erhalten, begab ich mich an zwei Nachmittagen auf die Suche nach Fehlern im Sächsischen Bademuseum in Bad Elster. Zuerst versuchte ich die auffälligen Mängel festzuhalten, Dinge die jedermann sofort ins Auge fallen, wie die überladenen Ausstellungsflächen und das abgenutzte Inventar. Danach richtete sich mein Blick auf unauffälligere aber dennoch schwerwiegende Mängel, wie unpassende Gegenstände, die mit dem Thema der Ausstellung nichts zu tun haben oder ungünstig positionierte, da für jeden

Besucher sichtbare, Kabel und Reinigungsutensilien. Am zweiten Tag versuchte ich die Probleme, die die ungelungene Präsentation für die Gäste des Sächsischen Bademuseums Bad Elster hervorruft, mit Statisten nachzustellen. Die Statisten mussten sich beispielsweise vor zu niedrig positionierten Texten hinknien oder sich hinter Exponate schlängeln um versteckte Bilder zu betrachten. Vorbereitung der Ausstellung Um die Ausstellung meiner Bilder adäquat umzusetzen, wählte ich die aussagekräftigsten Fotografien aus und lies sie in verschieden Größen entwickeln. Sie sollten in der Ausstellung ca. 30 Zentimeter über dem Boden platziert werden um die Unmöglichkeit einer solchen Präsentation deutlich zu machen. Danach machte ich mich auf die Suche nach Gegenständen und Materialien um die fotografisch festgehaltenen Mängel phantasievoll und mit Witz darzustellen. So wurden ein Regenschirm und ein Hula-Hoop Reifen zu meinen „unpassenden“ Exponaten und ein Zimmerspringbrunnen in der Mitte des Raumes zu meiner „alten Salzquelle“. Das Kabel des Zimmerspringbrunnens sollte quer durch den Raum als eventuelle Stolperfalle dienen, um wiederum einen Kritikpunkt am Sächsischen Bademuseum Bad Elster darzustellen. Ich wollte außerdem den Überfluss an Informationen in den Texten des Sächsischen Bademuseums Bad Elster deutlich machen. Die dort für die Ausstellung erarbeiteten Texte sind zu umfangreich und nicht treffend oder packend formuliert. Daher druckte ich verschiedene Blätter auf denen sich ausschließlich die Worte „Bla“ und „Blub“ in verschiedenen Schriftarten und –größen befanden. Um auf die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen der Exponate, insbesondere der originalen Bilder und Schriften, vor Licht, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen hinzuweisen, fertigte ich eigene „alte Schriften“, indem ich weißes Papier mit Kaffee bearbeitete und Risse sowie


Knicke hinzufügte und sie später mit altdeutscher Schrift bedruckte. Diese Schriften sollten in der Ausstellung, um die Kritik deutlicher zu machen, offen liegend präsentiert werden, für jedermann berührbar, eventuell sogar zu zerstören. Zu guter letzt formulierte ich noch einige Titel für die Ausstellungsstücke, in denen meist auch eine gewisse Kritik versteckt war. Ich entwarf einen Plan für die Anordnung der Exponate und kümmerte mich um die benötigten Materialien zur Befestigung an den Wänden und die sonstige Präsentation und entwarf ein Plakat bzw. einen Flyer um für die Ausstellung zu werben. Die Ausstellung Die Ausstellung sollte am 16.07.2008 von 16.00-16.30 Uhr stattfinden. Gegen 14.00 Uhr begann ich mit dem

Aufbau. Pünktlich 16.00 Uhr betraten die Gäste die Ausstellung im Raum 107/E5 auf dem Campus der HS Merseburg (FH) und wurden von mir am Eingang mit Eintrittskarten versorgt. Ich lies die Gruppe ca. 5 Minuten im Raum umhergehen und verweilte währenddessen lesend auf meinem Platz, mein Part in diesem Moment war die schlecht eingearbeitete Aushilfe oder Praktikantin am Eingang des Sächsischen Bademuseums Bad Elster. Nach kurzer Zeit inszenierte ich einen kleinen Beitrag mit einer Besucherin, die eine Frage hatte. Da ich als „Praktikantin“ nicht fähig war, die Frage zu beantworten, rief ich einen Kollegen an, der dann mit der Besucherin am Telefon die Frage klärte. Nach den inszenierten 5 Minuten brach ich die Ausstellung ab und erläuterte mein Vorhaben, meine Kritik und das Ziel dieser Medienpraktischen Arbeit. Ich habe von allen Seiten viel Lob erhalten und meine Kritik wurde als gelungen und einzigartig bezeichnet, die

Fotografieren im Sächsischen Bademuseum Bad Elster

Gäste fühlten sich außerdem sehr unterhalten und honorierten meinen humorvollen Umgang mit dem Thema. Meine Eindrücke Trotz dem Zeitdruck und der enormen Arbeit, die mit diesem Projekt in Verbindung standen, hatte ich unheimlich viel Spaß. Die Umsetzung und vor allem die Präsentation und das Lob meiner Professoren und Kommilitonen machten diese Medienparktische Arbeit für mich unvergesslich. Da ich mich für ein Thema entschieden habe, dass eng mit meiner Bachelorarbeit verknüpft ist, hat mir der praktische Umgang mit dieser Kritik auch für meine Arbeit weitergeholfen.

Die Ausstellung am 16.07.2008Elster

60 / 61


Geschichtspfad gegen den Nationalsozialismus in Weißenfels Esther Rachow Die Geschichtspfade stellen sich mitten in die gesellschaftliche Auseinandersetzung, in dem sie mit Tafeln an verschiedenen Gebäuden und Plätzen angebracht, wie beispielsweise an den ehemaligen NS-Gefängnissen, an Deportationsplätze der (Weißenfelser) Juden, an Zwangsarbeiterlager usw. Diese Initiative wird gemeinsam mit lokalen Jugendgruppen und Initiativen angegangen – wie dem Weißenfelser „Bündnis für Toleranz - gegen Rechtsextremismus und jede Gewalt“. Die jungen Menschen werden in das Projekt involviert und partizipieren so am Entstehungsprozess. Konkret arbeiten sie an der kreativen Gestaltung der Eröffnungsfeier des Pfades sowie an dem Begleitprogramm was auf der Grundlage kulturpädagogischen Methoden konzipiert ist. Um den Geschichtspfad vorerst in der Stadt selbst zu etablieren aber auch Tourismusfähig zu machen, wird eine Gruppe Weißenfelser Schülerinnen und Schüler sich mit der Produktion eines „Audioguides“ befassen, der letztendlich als „Potcast“ von der Homepage des Projektes und der Homepage der Stadt Weißenfels herunter geladen werden kann. Dieser „Audioguide“ wird Informationen zu den einzelnen Stationen ( Tafeln ) enthalten, darüber hinaus weitere historische Ereignisse die sich zu der Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt Weißenfels zutrugen beleuchten sowie wahlweise, eingelesene Gedichten und Musik abspielen. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Merseburg ermöglicht die Umsetzung des Hörfeatures, in dem dort befindlichen Tonstudio. Es besteht bereits eine Kooperation mit der Gedenkstätte „Yad Vashem“ in Jerusalem, die das Projekt inhaltlich Unterstütz, sowie für fachliche Fragen offen ist und da-

Gefangenensammellager Schloss Neu-Augustusburg

rüber hinaus deutsche Seminargruppen auf die Existenz des Pfades aufmerksam macht. Die Projektidee ist aufgrund zunehmender rechtsradikaler Gewalt entstanden. Das Ziel ist es, dagegen Aufklärungsarbeit zu leisten und auf die Emanzipationsbewegungen in der regionalen Geschichte einzugehen. Gerade in einem Bundesland, dass durch Übergriffe von Neonazis und einer Zunahme der Strukturen der Neuen Rechten wiederholt in die Schlagzeilen geraten ist, muss Aufklärung und Auseinandersetzung mit der Entstehung des Nationalsozialismus und seiner Auswirkungen einen größeren Stellenwert einnehmen. Durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, welche durch den lokalen Bezug dieses Projektes besonders intensiv erfahrbar ist, kann bei jungen und älteren Menschen rechtzeitig deutlich gemacht werden, welche Gefahr von der Neuen Rechten ausgeht. Spurensicherung und Forschungsergebnisse sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und junge Menschen sollen die Möglichkeit


Blick über Weißenfels

bekommen selbst aktiv an der Umsetzung und Gestaltung der Pfade und der Begleitprogramme mitzuwirken. So sollen landesweit Geschichtspfade zum Thema entstehen. Um dieses und auch zukünftige Projekte umsetzen zu können, wurde der Verein für Demokratiegeschichte Sachsen-Anhalt gegründet. Die Idee, der Geschichtspfade gegen den Nationalsozialismus in Sachsen-Anhalt wurde von Anfang an vom Innenministerium Sachsen-Anhalts ideell unterstützt. Der Modellcharakter des Projekts besteht aus sechs Punkten: Es werden Spuren des Widerstands und der nationalsozialistischen Verfolgung gesichert. „Museen draußen“ werden geschaffen, die sich auf alltäglichen Wegen in den jeweiligen Städten befinden (ähnlich wie die „Stolpersteine“) - allerdings mit größerem Informationsangebot. Aus der Zusammenarbeit mit den einzelnen Initiativen gegen den Nationalsozialismus entsteht ein öffentlicher Diskurs. Dieser Prozess wird medial Dokumentiert. In szenischen Lesungen sollen behutsam die Mittel der darstellenden Kunst eingesetzt werden. Eine klassische Dokumentation entsteht zur Geschichte des Widerstands in jeder Stadt, die wesentlich breiter ist als die vorliegenden Geschichten von KPD-Kämpfern. Durch die Mitwirkung Jungendlicher an dem Projekt in Form eines kulturpädagogischen Ansatzes lassen sich Erfolgserlebnisse bewirken welche im Idealfall einen „positiven“ Zugang zu der Thematik bewirken und somit einen emanzipatorischen Umgang ermöglichen - nur so ist die Möglichkeit der Abgrenzung zum

verbreiteten Geschichtsrevisionismus zu initiieren. Folgende Aktivitäten sind mit dem Projekt verbunden: Umfangreiche Spurensicherungs- und Archivarbeit; Zeitzeugenbefragung; öffentliche Informationsveranstaltungen; Geschichtsfeste; Eröffnungsveranstaltung: - szenische Lesungen - künstlerischem „Bühnenbild“ Audioguides und eine Homepage. Die Aktion richtet sich an die gesamte Einwohnerschaft der Stadt. Aufgrund der Zusammenarbeit mit Jugendgruppen und Schulen steht dabei die junge Generation im Mittelpunkt. Zusammen mit dem Weißenfelser „Bündnis für Toleranz - gegen Rechtsradikalismus und jede Gewalt“ wird die Umsetzung erfolgen. Weiter ist eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit mit Vorträgen, szenischen Lesungen und Diskussionsveranstaltungen, in Zeitungen,

Radio, Fernsehen und im Internet geplant. Eine dauerhafte Zusammenarbeit mit Weißenfelser Schülern ist angestrebt sowie mit Künstlern - so dass regelmäßige Produkte in der Öffentlichkeit kommuniziert werden können. Es soll im Projekte-Verlag Halle eine Dokumentation über den Geschichtspfad in Weißenfels erscheinen, die Angaben zur Erarbeitung, zu den Initiativen und zur Förderung enthält. Hauptkriterium für die Bestimmung der Tafelstandorte war die inhaltliche Relevanz. Den nächsten einzurechnenden Faktor stellte die geografische Lage dar. Unter Berücksichtigung beider Größen wurde jeweils das öffentliche Interesse und ein eventueller gegenwärtiger Kontext einberechnet. Somit liegen die meisten Elemente des Geschichtspfades in der Weißenfelser Innenstadt oder ihrer unmittelbaren Umgebung.

62 / 63


Postkarten für das Kloster Bellemagny Charlotte Rieche

1. Beschreibung des Projektes Mein kulturpädagogisches Projekt habe ich in Zusammenarbeit mit dem Benediktinerkloster in Bellemagny im französischen Elsass erarbeiten. Ende Mai 2008 war ich im Rahmen meines Projektes für eine Woche bei den Schwestern, habe ihren Alltag mit Gesprächen, Audiound Fotoaufnahmen begeleitet und einen sehr intensiven Einblick in die Besonderheit dieser kleinen Gemeinschaft bekommen. Nach einigen Überlegungen habe ich mich dafür entschieden, meine fotografischen Einblicke in Form von Postkarten für das Kloster zu verarbeiten.

2. Das Benediktinerkloster Bellemagny Bellemagny ist ein kleiner Ort etwas hinter der deutschen Grenze im französischen Elsass. Der Jakobsweg führt durch diesen Ort und in etlichen Pilgerführern wird das Benediktinerkloster Bellemagny als Tagesetappenendpunkt ausgeschrieben. Die Klostergemeinschaft wurde 1851 gegründet. Der Glauben des heiligen Benedikts zeichnet sich als sehr bodenständig aus. Die Liebe zu Gott drückt sich in Nächstenliebe, Armut und vor allem in der Akzeptanz der Schwächen anderer aus. Die Klostergemeinschaft soll die Kräfte der einzelnen Mitglieder bündeln und damit den Weg zu Gott für alle erleichtern. Die Schwesterngemeinschaft hatte während der vielen Jahre ihres Bestehens viele Aufgaben, wie zum Beispiel das Betreiben eines Waisenheimes oder eines Kinderheimes für Kinder aus zerrütteten Verhältnissen. Während der Kriegsjahre sowohl des ersten wie auch des zweiten Weltkrieges war das Kloster ein Lazarett. Die Gemeinschaft wuchs so rasch, dass kleine Gruppen los gesandt wurden, in anderen Gebieten neue Niederlassungen mit karitativen Aufgaben zu Gründen. Bis nach Amerika kamen Schwestern aus Bellemagny um in Krankenhäusern, Schulen und Altenheimen zu arbeiten. Da seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Neuaufnahmen stark zurückgingen, wurden immer mehr dieser Stationen geschlossen. Heute leben 17 Schwestern im Kloster Bellemagny und warten auf eine neue Aufgabe. 3. Motivation, Erwartung und Erfahrung Mit meinem Projekt wollte ich ein anderes Konzept zur

Lebensführung kennen lernen. Ich selbst bin weder getauft noch gläubig und bin während meines Aufenthaltes im Kloster und vor allem durch die vielen Gespräche mit der Priorin zum ersten Mal intensiv mit dem Glauben und seiner Bedeutung für die Menschen in Berührung gekommen. Mit meiner Aufgabenstellung bin ich eine Woche lang ganz bewusst in einen anderen sozialen und kulturellen Kreis eingetaucht und habe an mir selbst beobacht, wie mich die Stimmung und die Atmosphäre im Kloster beeinflussen. Dabei hat mich vor allem bewegt, wie die Suche der Schwesterngemeinschaft nach neuen Aufgaben aussieht und wie das Klosterleben fruchtbringend mit dem Jakobsweg verbunden werden kann. Pro Jahr besuchen etwa 300 bis 500 Pilger das Kloster auf dem Jakobsweg. Die Schwestern bieten ihnen gegen eine Spende Unterkunft und Verpflegung an. Das Problem hierbei ist, dass die Pilger mangels Sicherheit offiziell nicht Gäste im Haupthaus sein dürfen. Pläne der Schwesterngemeinschaft sehen den Bau einer Pilgerherberge vor, wobei für 30 Pilger Übernachtungsplätze geschaffen wird. Weiterhin sind Aufnahmen von Christenfahrten und Kursangebote geplant. Die Schwestern des Klosters werden auf animatorischen, wirtschaftlichen und gästebetrieblichen Gebieten geschult, um die Herberge, zusammen mit einem Verein, zu betreiben. Da das Kloster viele kulturelle Schätze des Gründervaters und einige für den Glauben des Ordens bedeutende Relikte beherbergt, soll nach dem Umbau der Klosteranlage ein Museum und ein kleiner Klostershop betrieben werden. Mit der Gestaltung meiner Postkarten greift mein medienpraktisches Projekt genau hier an. Ich wollte ein erstes Produkt einer jederzeit erweiterbaren Palette für das Auftreten des Klosters in der Öffentlichkeit schaffen. 4. Planung und Vorgehensweise Mein Projekt war in drei Phasen eingeteilt: 1. Phase: Die Phase zum Vorabreiten und Recherchieren, während der ich mich in die Besonderheiten des Klosters und des Glaubens eingelesen und sensibilisiert habe. Da-


2. Phase: Während meines einwöchigen Aufenthaltes Im Kloster Bellemagny habe ich möglichst viel Information festgehalten. Ich habe täglich meine Erfahrungen und Eindrücke aufgeschrieben, Gespräche mit der Priorin und den Schwestern gesucht, habe mit meiner Kamera den Alltag begleitet und die Gottesdienste und Andachten aufgezeichnet. So hatte ich nach der Woche einen allumfassenden Eindruck vom Kloster. 3. Phase: Nach meinem Aufenthalt im Kloster habe ich zu allererst die gesammelten Materialien ausgewertet. Insgesamt hatte ich etwa 300 Fotos zu sichten und auf ihre Tauglichkeit für mein Projekt zu untersuchen. Anschließend habe ich nach einer geeigneten Präsentation gesucht und das Konzept der Postkarten entworfen. Während dieser Phase habe ich mich verstärkt mit Problemen des Layouts und der Bildsetzung beschäftigt. Schwierigkeiten während der Durchführung meines Projektes traten im Kloster zu Tage. Da ich selbst nicht kirchlich bin und wenig bewandert mit kirchlichen Riten war, hatte ich oftmals die unbegründete Befürchtung kein angemessenes Auftreten zu finden. Da ich bei der Schwesterngemeinschaft nicht als störend empfunden werden wollte, habe ich zum Beispiel bei meinen Fotografien auf Blitzlicht verzichtet und die Gespräche ausschließlich als Gedankenprotokoll aufgezeichnet. bei habe ich darauf geachtet, die Glaubensstruktur des heiligen Benedikt zu erfassen. Ich habe einen guten Kontakt mit der Priorin hergestellt, durch sie den Aufbaue des Klosters in Bellemagny kennen gelernt und mit ihr zusammen über mögliche Fragestellungen nachgedacht.

5. Postkarten Nachdem ich beschlossen hatte Postkarten zu entwerfen, habe ich meine große Sammlung an Fotos durchgesehen und dabei die herausgenommen, welche die Schwestern bei der Tagesarbeit, die Gebete und die nähere Land-

schaft des Elsass zeigen. Anschließend habe ich meinen Fundus an Postkarten untersucht und dabei Eckpunkte für meine eigenen Postkarten festgelegt: sie sollen wenige, großflächige Fotos aufweisen, die Schrift soll sich nicht auf der Vorderseite befinden und sie müssen eine einheitliche Struktur aufweisen um die Wiedererkennung zu garantieren. Anschließend habe ich verschiedene Raster entworfen und durch das Einsetzen der Fotos deren Tauglichkeit getestet. Da ich meine Zielgruppe der Pilger nie aus den Augen gelassen habe, hatte ich bei Fertigstellung der Postkarten eine, vor allem durch das bei den Pilgern im Vordergrund stehende Naturerlebnis, repräsentative Auswahl an Motiven zusammengestellt, wobei ich sowohl das Leben im Kloster, wie auch die künstlerische Umsetzung die Themen eines Glaubens berücksichtigt habe. Die Postkarte mit der Pfütze demonstriert das am Besten: Die Pfütze ist spiegelnd, dass heißt, der Betrachter kann sich in ihr spiegeln und sich selbst reflektieren. Der Tropfen, der die Wasseroberfläche trifft, erzeugt Wellen, welche sich gleichmäßig um ihn ausbreiten. Und sieht man einmal von all diesen Sinnbildern ab, steht im einfachsten Fall auch hier wieder das Naturerlebnis des Pilgers im Vordergrund. Das weitere Vorgehen sieht wie folgt aus: bis jetzt habe ich sechs Postkarten entworfen, welche die Schwesterngemeinschaft in dem Klostershop an Pilger und Besucher des Klosters verkaufen können. Da ich bis jetzt ausschließlich Freunde und Bekannte nach ihren Meinungen bezüglich der Wirkung der Postkarten fragen konnte, habe ich beschlossen, fürs erste eine etwas kleinere Auflage der Postkarten drucken zu lassen, um dann direkt beim Verkauf feststellen zu lassen, welche Motive bevorzugt werden.

64 / 65


Planung museumspädagogischer Angebote für Kinder im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen

Christina Schaller Konzeptvorstellung Im Rahmen des Moduls kulturpädagogischer Projektarbeit entstand das Konzept zur Planung museumspädagogischer Angebote für Kinder im MusikinstrumentenMuseum Markneukirchen mit dem Ziel, den klassischen Museumsbesuch durch attraktive Mitmach-Angebote zu ergänzen. Die Zielgruppe wurde auf Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren festgelegt. Gerade in dieser kindlichen Phase sind die Neugier auf Entdeckungen und Wissenswertes eine gute Grundvorrausetzung, um Kinder für etwas zu begeistern und deren Interesse zu wecken. Die museumspädagogischen Angebote sollen für Grundschulen einen Anreiz bieten, den Unterricht mit einem Museumsbesuch zu verknüpfen. Aus diesem Grund gibt es zu einigen Angeboten zusätzliches Material zur Vor- und Nachbereitung im Unterricht. Ziel der Projekte und Angebote ist es außerdem, den Vorbehalt gegenüber Museen – „wie langweilig“ – abzubauen sowie Interesse an der Bedeutung des Instrumentenbaus für die Region Vogtland und der damit verbundenen Historie zu fördern.

soll von Kindern mit Instrumenten untermalt werden, nach dem Vorbild von Sergej Prokofjews „Peter und der Wolf“, wenn auch stark vereinfacht. Das Projekt eignet sich für eine Gruppengröße von mindestens 12 Kindern bis zu maximal einer Klasse. Der Ablaufplan enthält fünf Elemente; davon finden vier im Rahmen der Durchführung statt und ein Element beinhaltet die empfohlene Nachbereitung im Unterricht. Der Ablaufplan enthält dabei konkrete Angaben zur Zeiteinteilung und dem jeweiligen Inhalt sowie Methoden, das Lernziel sowie weitere Hinweise und eine Auflistung der benötigten Materialien. Im Anschluss an das Projekt findet eine 30-minütige Führung durch das Museum statt.

Kurzvorstellung der museumspädagogischen Angebote Das Konzept enthält vier Angebote, welche nachfolgend in gekürzter Form erläutert werden.

2. Klanglabor Dieses Projekt umfasst einen Zeitrahmen von 2 bis 2½ Stunden. Im Mittelpunkt steht das Thema Geräusche und Klänge, wie man diese produzieren bzw. was man mit ihnen umsetzen kann. Die Durchführung kann mit einer Gruppengröße von maximal einer Schulklasse realisiert werden, wobei ggf. in Kleingruppen gearbeitet wird. Der Ablaufplan gliedert sich in acht Elemente, fünf im Rahmen der Durchführung und je ein Element zur Vor- bzw. Nach-

1. Musikalische Märchenstunde Das Projekt Musikalische Märchenstunde wurde mit einem Zeitaufwand von 2 bis 2½ Stunden einkalkuliert. Die Geschichte „Bruno der Riese hat Angst im Dunkeln“

bereitung im Unterricht. Eine Ergänzung durch das Bastelprojekt Schnarrteufel ist möglich. Der Ablaufplan enthält auch hier weitere Angaben. An das Projekt schließt eine Führung durch das Musikinstrumenten-Museum an, wobei die Abteilung der außereuropäischen Instrumente thematisiert wird. 3. Kinderwerkstatt Hierbei handelt es sich um drei weitere Angebote. Hierzu gehören das Bastelprojekt Schnarrteufel (dieses besteht bereits in der Museumsarbeit und soll hier eingegliedert


werden), die Werkbank mit den Themenbereichen Blockflöte, Geige und Gitarre sowie dem Bastelkarton Geige (Nachbauen des Instruments aus einfachen Materialien). Zusätzlich sind zu allen Angeboten Führungen im Musikinstrumenten-Museum möglich. Die Werkbank bietet Schulklassen einen Exkurs in den Bau von Holzinstrumenten: der Blockflöte, Geige sowie Gitarre. Diese drei Stationen verfolgen einem gleichen Ablauf: zunächst erhalten die Kinder allgemeine Informationen zu dem jeweiligen Instrument, anschließend wird der Aufbau des Instruments erläutert. Es folgen die Themenpunkte Tonerzeugung, verwendete Materialien sowie die Herstellung. Es handelt sich bei dem Exkurs allerdings um keinen Vortrag, sondern die Kinder werden aktiv mit einbezogen. So kommen Quizbögen zu den Bestandteilen der Instrumente sowie ein Kärtchenquiz zum Einsatz. Des Weiteren können die Kinder mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen einige Herstellungsphasen nachahmen und die Instrumente ausprobieren. Ein weiteres Angebot im Rahmen der Kinderwerkstatt stellt der Bastelkarton Geige dar, welcher mit den anderen Angeboten kombiniert werden kann. Allerdings wurde der Bastelkarton vor allem für die offene Werkstatt entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein kontinuierliches Angebot, welches zweimal pro Monat von allen interessierten Kindern genutzt werden kann. Neben dem Bastelkarton Geige wird auch das Bastelprojekt Schnarrteufel angeboten (jeweils 1 Euro Unkostenbeitrag pro Kind).

4. Auf Detektivsuche mit dem PöllMax Hierbei handelt es sich um ein Würfelspiel für bis zu vier Personen. Dieses enthält ein Spielbrett, einen Würfel, vier Spielfiguren, eine Spielanleitung, eine Audio-CD sowie vier verschiedene Kartentypen. Das Spielbrett beinhaltet drei Arten von Spielfeldern: normale, Sonder- und Aktionsfelder. Die Sonderfelder enthalten Anweisungen. Wenn ein Spieler auf ein Aktionsfeld kommt, so muss er je nach gewürfelter Augenzahl eine Höraufgabe, ein Zoombild, eine Wissens- oder Schätzfrage lösen. Die Audio-CD wird vom PöllMax, dem Maskottchen des Museums, gesprochen. Sie enthält eine Begrüßung, die Spielanleitung, die Höraufgaben sowie alle Lösungen zu den einzelnen Fragen. Auf jeder Spielkarte steht eine CD-Titel-Nummer, welche dann die richtige Antwort enthält. Präsentation des Konzeptes Im Rahmen der Präsentation des Konzeptes am 16. Juli 2008 an der Hochschule Merseburg (FH), wurde zunächst das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen vorgestellt. Anschließend wurden die oben beschriebenen Angebote erläutert und die jeweiligen Ablaufpläne erklärt. Zur Visualisierung der Ausführungen wurde eine Powerpoint-Präsentation gezeigt. Des Weiteren wurden im Raum Präsentationstische entsprechend der museumspädagogischen Angebote aufgebaut. Im Vorfeld wurden alle benötigten Materialien für die Durchführung der Projekte vorbereitet und hergestellt.

66 / 67


„Wir wissen es besser“ Das Umwelttheaterprojekt

Franziska Scholze und Alexandra Tippner Wir (Alexandra Tippner und Franziska Scholze) haben am 28.04.08 mit interessierten Kindern aus dem Grundschulbereich der Freien Schule Leipzig ein Theaterprojekt begonnen, welches zum Anliegen vorerst nicht mehr hatte, als einen Themenbereich, welcher aus der Lebensund Interessenwelt der Kinder entstammt aufzugreifen, aufzuarbeiten und theatral zu gestalten. Zur Inspiration haben wir als Projektleiterinnen verschiedene literarische Werke vorgestellt, die unserer Meinung nach voller generativer Themen für Kinder sind. Wir boten der Gruppe folgende Werke zur Inspiration für eine Szenencollage: „Momo“ von Michael Ende, „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupery und „Was wollt ihr denn - ihr lebt ja noch“ (ein Umwelttheaterstück) von Christel Leder- Barzynsk. Die Kinder selbst hatten natürlich auch selbst die Möglichkeit, Themenkreise und ggf. ihnen wichtige Literatur bzw. Filme etc. als Inspirationsquellen unserer Arbeit vorzuschlagen. Relativ schnell entschieden sich die TeilnehmerInnen in einer Diskussion dazu, das Umwelttheaterstück auf der Basis des Briefes von Häuptling Seattle an den amerikanischen Präsidenten 1855 zu machen. Sofort waren Assoziationen zu konkreten Alltagserlebnissen der Kinder gefunden, vorhandenes Wissen zum Thema Umweltverschmutzung/Raubbau an der Natur wurde ausgetauscht. Die Kinder haben direkt Szenen erzählen und improvisieren können, welche ihnen im Zusammenhang mit der Thematik einfielen.

Das Thema war gefunden. So konnte es in die erste Phase des Projektes gehen, in der wir die Aspekte Wald, Luft, Wasser, Strom, Müll inhaltlich bearbeiteten, eingebettet in thematisch passende (Theater-)Spiele. Die TeilnehmerInnen gaben ihr (bemerkenswert breites) Vorwissen in die Gruppe, wir boten weitere Hintergrundinformationen, so dass lebhafte Diskussionen in Gang kamen und auch Ideen zur theatralen Bearbeitung der Thematik entstanden. In der zweiten Phase des Projektes ging es vornehmlich darum, durch nun zielgerichtetere Bildertheaterspiele (Statuen stellen und verändern), Improvisationsspiele und Forumtheaterszenen (Szenen werden gespielt, von Zuschauenden unterbrochen und variiert usw.) das Stück entstehen zu lassen. Wichtig hierbei ist die Erfahrung, dass die Wirklichkeit (hier vorerst die Wirklichkeit auf der Bühne) gestalt- und veränderbar ist. Übungen zum Aufwärmen, zur Gruppendynamik, zur Selbst- und Fremderfahrung und zur Bühnenpräsens haben eingeflochten. Wir sammelten die Ideen und sortierten sie zu einem ganzen Sinnzusammenhang, um das Stück entstehen zu lassen. Die Dritte Phase beschreibt nun die Inszenierung des entstandenen Stückes. Neben den genannten Spielen und Übungen wurden Sprech-Übungen immer wichtiger. Die

Aufführung des gemeinsam Geschaffenen vor Zuschauern, sich also über das Theaterspiel einer Öffentlichkeit mitzuteilen, rückte in den Vordergrund. Darüber hinaus stellte die Gruppe gemeinsam mit anderen interessierten Kindern Requisiten und Kulissen her. Das durch den gemeinsamen schöpferischen Prozess entstandenen Umwelttheaterstück „Wir wissen es besser“ führten wir im Rahmen des Schulfestes am 10. 07. 2008 auf. Der Auftritt war sehr lebendig und nicht ohne Lampenfieber. Es gab Pannen und große freudige Überraschungen. Einige Kinder wuchsen auf der Bühne über sich selbst hinaus. Darüber hinaus haben viele der Kinder ihr Interesse am Theater entdeckt, bzw. vertieft. Das Thema „Umweltschutz“ ist offensichtlich in das Bewusstsein der TeilnehmerInnen und ZuschauerInnen gerückt.


68 / 69


Klänge mit Stimme und Körper Maria Schüritz

Gespräche in Fantasiesprache, akustische Malerei, Laufimprovisationen oder völlig freies musikalisches Spiel, in den Workshops „Klänge mit Stimme und Körper“ beschäftigten sich Theatermachende, Ergotherapeuten, Freizeitmusiker oder auch musikalisch fast Unerfahrene mit Improvisation. Normalerweise erwartet man von Improvisierenden, dass sie Profis auf ihrem Instrument sind und Musik spontan erfinden, die wir kaum von einem komponierten Stück unterscheiden können. Durch diese strenge Herangehensweise, die u.a. ein Beherrschen von Instrument, Rhythmus, Skalen voraussetzt und ein Stilgefühl erfordert, entsteht ein enormer Leistungsdruck. Als im November 2007 Simon Jakob Drees einen MIRKALEDO-Stimmimprovisations-workshop an der Hochschule Merseburg anbot, fielen all diese musikalischen Regeln zunächst weg. Es ging ums Spielen, um das Ausprobieren und erst später um das zusammen Musik machen, aber auch das auf eine sehr freie Art und Weise. Beeindruckt von dieser entspannten Herangehensweise und den plötzlich aus mir sprudelnden Ideen, beschloss ich, mein kulturpädagogisches Projekt diesem Thema zu widmen. Ich ergänzte Drees’ Stimmimprovisation durch Bodyperucssion-Elemente und besuchte weitere Workshops und durchforstete Literatur. Ziel des Projektes war es, durch Spiele und Übungen zur freien Stimmimprovisation und Bodypercussion, für die Teilnehmer eine solche Möglichkeit zu schaffen, die eigene Stimme und Körperklänge zu entdecken, sie neu und ungewohnt einzusetzen, damit auf ungewohnte Weise zu spielen, spielerisch und unverkrampft an musikalische Improvisation und auch an ungewohnte Musik, z. T.

schon fast Neue Musik heranzuführen, gemeinsam Musik zu machen sowie sich selbst auszudrücken und auszuprobieren. Die Zielgruppe waren Erwachsene, die über Flyer und Hörensagen auf das Projekt aufmerksam gemacht wurden. An den Workshops nahmen Männer und Frauen zwischen 20 und 40 Jahren teil, die verschiedenste musikalische Kenntnisse und Improvisationserfahrungen hatten. Insgesamt waren nahmen ca. 25 Personen an den Workshops teil. Mit der Leipziger Kulturwerkstatt KAOS als Kooperationspartner, stand mir für insgesamt drei Wochenenden und die Präsentation ein Theatersaal zur Verfügung. Grobkonzept Den ersten Teil des Projektes stellten zwei Selbsterfahrungsworkshops am 14./15. Juni 2008 und am 21./22.

Juni 2008, je 10 – 15 Uhr mit zwei unterschiedlichen Gruppen dar. Dieser Workshop beinhaltete Speile zu freier Improvisation mit Stimme und Körper. Nur bei Bedarf wurden gesangspädagogische Übungen angewendet, weil sich die Teilnehmer nicht auf technische Aspekte des Gesangs konzentrieren, sondern die Möglichkeiten der Stimme ausprobieren und frei experimentieren sollten. Diese Wochenenden waren wie folgt aufgebaut: Tag 1 - Kennenlernen - Einführung - (Sensibilisierung) - Lockerung, Körperbezug - über Sprache herantasten - gemeinsame Mittagspause - Aktivierung - Klangexperimente - Reflexion - freie Improvisation

Tag 2 - Begrüßung, Befindlichkeit - Kurzwiederholung Sprache - Lockerung/Körperbezug - Bodypercussion: Erforschung der Körperklänge, daraus Musik machen - gemeinsame Mittagspause - Zusammenführung Stimme und Bodypercussion - Verbindung mit anderen künstlerischen Richtungen - Reflexion - freie Improvisation


lisches Spiel“ eröffnet, in dem mit Hilfe von Karteikarten, die einige Spiele beschrieben, die Möglichkeit bestand, selbst zu spielen. Neben einem Mini-Buffet war auch ein „pädagogischer“ Tisch aufgebaut, auf dem sich Literatur, Musik und ein Übungskatalog befanden. Neben Teilnehmerkommentaren gab es auch Raum für Zuschauerstimmen: „Witzig!“, „Fantasievoll“, „Es fiel schwer, nicht mitzumachen“, sind einige der durchweg begeisterten Kommentare.

Sieben Teilnehmer aus diesen Workshops, die Interesse an einer künstlerischeren Umsetzung dieser Übungen hatten, kamen zu einem weiteren Workshop zur Präsentationserarbeitung, in dem innerhalb von vier Stunden gemeinsam eine 25 - minütige Präsentation erarbeitet wurde. Am 2. Juli fand 19 Uhr die Präsentation, das Klangkonzert „Badalamusa crizwuk“ statt. Präsentation – Badalamusa crizwuk Der Titel ist ein Fantasiebegriff, wie er typisch ist für Dialoge in Fantasiesprache. Die Präsentation bestand aus Übungen aus den Workshops, die organisch miteinander verknüpft wurden und in eine dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge gebracht wurden. Gespielt wurde zwischen, rechts, links und vor dem Publikum. Im Anschluss an das „Konzert“ wurde eine Übung gemeinsam mit dem Publikum durchgeführt und der „Raum für freies musika-

Reflexion Die beiden Workshopgruppen waren beeindruckend unterschiedlich. Während mit der einen beispielsweise die Spielregel „Klangkreise“ sehr gut funktionierte, sprang die zweite gar nicht darauf an, sondern hatte mehr Freude am dirigiert werden. Im Workshop wurden typische Merkmale oder Lebensprobleme noch einmal sehr deutlich: eine sehr schüchterne Teilnehmerin versuchte meist, sich zu verstecken, doch durch Übungen, in denen sie sanft aber bestimmt gefordert wurde, wurde sich selbstsicherer. Sie kam auch zur Erarbeitung der Präsentation und war während der Proben sogar teilweise die erste oder letzte auf der Bühne. Im Interview sagte sie, sie hätte gemerkt, dass die musikalischer ist, als sie dachte, lauter sein kann, als sie erwartet hatte und auch gemerkt hat, dass die sich ruhig mehr zutrauen kann, als sie allgemein tut. Ein anderer Teilnehmer war anfangs immer darauf aus, besonders komplizierte Motive zu entwickeln, die die anderen nicht übernehmen konnten. Ich wies ihn darauf hin und bat, sehr einfache Rhythmen zu machen und deren Wirkung zu beobachten. Diese Sichtweise erwähnte er in der Abschlussreflexion als zentrale Erkenntnis. Weiterhin waren einige Teilnehmer sehr beeindruckt von den völlig freien Improvisationen am Abschluss: „Es tat gut, mal alles rauszulassen!“ Die Theatermacherin schrieb mir eine begeisterte e-Mail zum Workshop, dass sie ihre „tiefe Erlebnisfähigkeit“ wieder gefunden habe und ihre Stärken und Schwächen noch einmal klarer erkannt hat.

Literatur- und Workshopempfehlungen Die Vorbereitung des Projektes lässt sich in drei Teile gliedern. Zum einen nahm ich an Workshops bei Simon Jakob Drees (MIRKALEDO-Stimmimprovisation), Wolfgang Saus (Obertongesang) und Christian Fischer (vokale Improvisation für Schulmusiker) teil, um selbst Erfahrungen zum Thema zu sammeln. Diese Workshops sind sehr empfehlenswert, da die Leiter aus verschiedenen Gesichtspunkten improvisationspädagogisch arbeiten. Weiterhin besuchte ich eine Performance von Sebastian Weber (Step-Bodypercussion), die Aufführung mund&knie 12: Yeah, B’B’Baby (Lautpoesie, Beatbox, African Voice, Rocksprecher) und die Sommer-Sing-Spiele („Chorimprovisationen und mehr“, ein Konzert des Hochschulchores der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, Leitung Christian Fischer). Folgende Literatur ist besonders empfehlenswert: - Matthias Schwabe: Musik spielend erfinden - Lilli Friedemann: Trommeln – Tanzen – Tönen - Ingeburg Stengel, Theo Strauch: Stimme und Person

70 / 71


Gestaltung eines Corporate Designs für einen Programmflyer der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden

Doreen Schumann Idee Im Rahmen meines Teilzeitpraktikums bei der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden erhielt ich einen Einblick in alle Tätigkeitsbereiche der Akademie und arbeitete an den Schwerpunkten des Jahresprogramms mit. Ich stellte fest, dass die Sächsische Akademie jährlich ca. 30 bis 50 Veranstaltungen anbietet, aber sich die Interessenten nur im Internet einen Überblick über das laufende Programm verschaffen können. Es gibt kein Druckerzeugnis in Form eines Flyers oder Heftes. Es werden lediglich Einladungen per Post und über den E-MailVerteiler verschickt oder im Haus ausgelegt. Durch die Vielzahl der Veranstaltungen entstehen beim Verschicken enorme laufende Kosten (Porto, Postgänge). Des Weiteren kommen häufig Beschwerden von den Mitgliedern über die vielen monatlichen Einladungen in der Post. Daraufhin überlegte ich mir, wie man diese Situation verbessern könnte und unterbreitete der Akademie den Vorschlag eine Programmübersicht zu gestalten. Es stellte sich heraus, dass sie eine solche Überlegung schon selbst angestrebt hatten aber bisher noch nicht verwirklichen konnten. Aus zeitlichen Gründen war die Gestaltung einer Programmübersicht nicht innerhalb der Praktikumszeit möglich. Ich entschied mich, die Gestaltung des Corporate Designs während des Studiums zu realisieren und dies als Medienpraktischen Arbeit zu präsentieren.

Methodik Zuerst musste eine intensive Recherche der bereits vorhandenen Druckerzeugnisse wie Publikationen, Flyer und Plakate der Sächsischen Akademie der Künste und eine Überprüfung auf deren Aktualität durchgeführt werden. Es folgte eine Untersuchung anderer Druckerzeugnisse von kulturellen Einrichtungen mit einem Veranstaltungsprogramm und Vergleiche anderer Programmflyer aus der Umgebung. Grundsätzliche Überlegungen Durch intensive Recherchen bin ich zu folgenden Schlussfolgerungen gelangt: - Der Programmflyer soll vierteljährlich erscheinen und somit eine immer neue Rezeption der Veranstaltungen ermöglichen. - Der Flyer erspart Zeit und Kosten. - Er soll in einem größeren Verbreitungsgebiet ausliegen und somit einer breiteren Zielgruppe zugänglich gemacht werden. - Durch den Programmflyer soll die Sächsische Akademie der Künste in einem neuen klassischen und anspruchsvollen Design präsentiert werden. Mein Ziel ist es, für die Gestaltung einen Konsens zu finden, der die Sichtweisen der älteren Generation zu gleichen Teilen anspricht wie die der jüngeren Generation. Eine edle farbliche Gestaltung mit Bildern und kurzen aussagekräftigen Texten ist der Grundgedanke meines Layouts. Hauptbestandteil des Layouts ist das bereits bestehende Logo der Sächsischen Akademie der Künste. Für die Bildauswahl bevorzuge ich SW-Fotos von bereits durchgeführten Veranstaltungen, um einen Bezug zu den verschiedenen Angeboten herzustellen. Außerdem wirken SW-Fotos edel und anspruchsvoll auf den Betrachter und spiegeln den Charakter der Akademie wieder.

Zielgruppe Der Flyer soll in einem größeren Verbreitungsgebiet verteilt werden und neue Zielgruppen ansprechen. Dies umfasst zum einen kulturelle Einrichtungen wie Bibliotheken, Universitäten, Museen und Theater und zum anderen Cafés, Bars und Programm-Kinos. Des Weiteren soll er über den Mitglieder-Verteiler verschickt werden und Partner, Förderer per E-Mail erreichen. Er soll die ältere Generation zu gleichen Teilen ansprechen wie die jüngere Generation. Die Hauptzielgruppe sind kulturinteressierte Personen. Flyerentwicklung Um die Akademie der Künste besser nach außen repräsentieren zu können, entschied ich mich für eine vierteljährlich wechselnde Farbgestaltung. Der Flyer soll vierteljährlich sein Aussehen farblich ändern um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das Logo hingegen ist Grundbestandteil des Layouts und bleibt immer an der gleichen Stelle um eine Wiedererkennung zu gewährleisten. Durch weit reichende Recherchen wählte ich die Farben Blau, Gelb, Grün und Rot. Da diese Farben als angenehm empfunden werden und die Neugier des Betrachters wecken. Bei der Schriftwahl stellten sich folgende Anforderungen in den Vordergrund: Die Schrift sollte für alle Zielgruppen gut lesbar sein und einen geeigneten Schriftschnitt besitzen. Der Schnitt der Schrift sollte mit der Aussage des Textes in Verbindung gebracht werden und sich gut in das Gesamtbild des Programmflyers einfügen. Das Layout des Flyers lehnt sich an die bereits erschienenen Einladungen und Publikationen der Akademie an. Das gewährleistet einen sehr guten Wiedererkennungswert, der sich durch die ganze Gestaltung zieht.


Besichtigung des Programmflyers

Dauer Insgesamt benötigte ich fast 4 Monate (von April bis Juli) um ein geeignetes Corporate Design für einen Programmflyer der Sächsischen Akademie der Künste zu entwerfen. Angefangen mit der Recherche von den bereits vorhandenen Druckerzeugnissen der Akademie bis hin zur Umsetzung der Idee und Entwicklung eines geeigneten Corporate Designs. Es musste ein Briefing und eine PowerPoint Präsentation erstellt werden und letztendlich gab es die Verbesserungs- und Änderungswünsche der Akademie zu berücksichtigen.

Ziel Mein Ziel ist es, mit einem Programmflyer neue Zielgruppen anzusprechen und zu gewinnen. Dadurch soll die Sächsische Akademie der Künste als moderne, zeitgemäße und vielseitige Institution dargestellt und noch stärker als Künstlergemeinschaft in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Präsentation Die Präsentation der medienpraktischen Arbeit fand im Juni 2008 bei der Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden statt. Alle Teilnehmer erhielten ein Briefing, indem sie nähere Informationen zum Produkt nachschlagen konnten. Mittels einer PowerPoint Präsentation erläuterte ich den Vorsitzenden und Mitgliedern mein Konzept zur Flyergestaltung und gab Einblicke in die bereits vorhandenen Druckerzeugnisse der Akademie. Insgesamt gab es ein sehr positives Feedback aber auch kleine Änderungswünsche in Bezug auf die Seitengestaltung. Es sollte möglichst jede Veranstaltung auf einer Seite Platz finden und es gab Änderungsvorschläge in Bezug auf das Cover des Flyers. Es sollten weitere Vorschläge und Kombinationsmöglichkeiten mit dem Logo erarbeitet werden, dass heißt, weitere spielerische Auseinandersetzungen.

Resümee Die Medienpraktische Arbeit war in Form der Gestaltung eines Corporate Designs eine sehr gute Möglichkeit seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Grafiksoftware und der Gestaltungsgrundlagen zu vertiefen. Die Umsetzung der Medienpraktischen Arbeit erforderte technisches Vermögen, Verhandlungsgeschick, Diplomatie und vor allem die Fähigkeit zur Umsetzung der eigenen künstlerischen Idee.

Präsentation der Medienpraktischen Arbeit an der Hochschule Merseburg (FH)

72 / 73


Die neue Form der Großfamilie Caroline Siegner

Ausgangspunkt der kulturpädagogischen Projektarbeit Schnelllebigkeit, gesteigerte Mobilität und Flexibilität. Diese Begriffe beschreiben allesamt Charakteristika unserer heutigen Gesellschaft, die ihre Mitglieder auf vielfältige Art und Weise beeinflussen. Das gilt auch für die Formen des menschlichen Zusammenlebens. In früherer Zeit war das Modell der Großfamilie weit verbreitet. Sie vereinigte meist drei bis vier Generationen unter einem Dach. So war ein kontinuierlicher Austausch und Kontakt zwischen den verschiedenen Lebensaltern gewährleistet. Heute sieht das ganz anders aus. Durch die veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen vollzieht sich derzeit ein Prozess der generationellen Separation. Dafür ein Beispiel: Während Mutti und Vati aus beruflichen Gründen mit dem Nachwuchs in der Stadt wohnen, genießen die Großeltern ihren Lebensabend lieber in Ruhe auf dem Land. Gegenseitige Besuche entfallen dabei, wenn überhaupt, auf die Wochenenden oder die Ferienzeit. Aufgrund dieser Umstände können die Vorteile des intergenerationellen Austauschs nicht mehr in vollem Maße zum Tragen kommen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, erstellte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Konzept unter dem Titel „Starke Leistung für jedes Alter. Das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser“. Im Rahmen eines staatlich subventionierten Programms konnten beziehungsweise können sich Einrichtungen bewerben, die das Anliegen verfolgen, ein „Mehrgenerationenhaus“ zu werden. Für eine Zusage müssen dabei bestimmte Kriterien von den Antragstellern erfüllt werden oder ihre Erfüllung in Aussicht gestellt werden. Dazu gehören beispielsweise generationsübergreifende Angebote und die Bereitstellung eines offenen Tagestreffs mit integriertem Bistro. Und tatsächlich fand die Idee in ganz Deutschland großen Zuspruch. So konnte Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Anfang 2008 bekannt geben, dass die Bundesrepublik bereits über 500 „Mehrgenerationenhäuser“ verfügt. Die Konzeption der kulturpädagogischen Projektarbeit Jung und Alt zusammen zu bringen. Das ist auch das erklärte Ziel des „Mehrgenerationenhauses Halle“. Die Einrichtung im Glauchaviertel hält dazu vielfältige Angebote für sämtliche Generationen bereit. Von diesem Grundgedanken begeistert, suchte ich innerhalb meiner kulturpädagogischen Projektarbeit nach einer Möglichkeit, das Konzept zu unterstützen. Zusammen mit dem Leiter des „Mehrgenerationenhauses Halle“ fand ich sie auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit. Unsere Idee: filmische Beiträge zu produzieren, die die Einrichtung und ihre Angebote vorstellen. Diese könnten nach ihrer Fertigstellung beispielsweise einen Platz auf der zuge-

hörigen Internetseite finden und auf diese Weise deren Anschaulichkeit erhöhen. Davon versprachen wir uns die den Kontakt zu neuen potentiellen Besuchern und Fördern. Parallel dazu sah ich in diesem Vorhaben auch für mich viele positive Aspekte. Als persönliches Lernziel ergab sich für mich das Erlangen neuer Erfahrungen im Bereich der filmischen Arbeit, und speziell im Umgang mit der Kamera. Die Arbeitsschritte und ihr Ergebnis Also, an die Arbeit. Im Laufe von zwei Drehtagen und unzähligen Stunden vor dem heimischen Computer entstanden insgesamt vier Beiträge. Diese setzten sich aus einer Einleitung und drei Clips über einzelne Angebote zusammen. In ersterem werden die Einrichtung und ihr verfolgtes Konzept näher beleuchtet. Gegenstand der drei übrigen kurzen Filme waren zum einen die freiwilligen Lernpatenschaften. Hierbei geben größtenteils ehrenamtlich tätige Bürger, Kindern mit schulischen Defiziten kostenfreie Nachhilfe. Die zweite Wahl fiel auf die Kreativangebote. Auch diese beruhen auf freiwilligem Engagement und sollen Jung und Alt die Möglichkeit bieten, unter anderem gemeinsam zu basteln oder zu backen. Den letzten Gegenstand bildete der PC-Kurs für Senioren. Es handelt sich dabei um eine Gruppe älterer Frauen, die sich wöchentlich treffen, um im Austausch miteinander den Umgang mit dem Computer zu erlernen. Die einzelnen Beiträge wurden allesamt zusätzlich durch


Interviewsequenzen der jeweils beteiligten Personen ergänzt, um den weiter Informationsgrad zu erhöhen. Die beschriebenen Resultate wurden abschließend auf einer DVD zusammengestellt und weiterhin mit einem Intro und einem Abspann versehen. Das Ergebnis der kulturpädagogischen Projektarbeit konnte ich dem Leiter der Einrichtung dann Anfang Juni präsentieren. Er zeigte sich sehr zufrieden und beschloss die Beiträge tatsächlich in die Onlinepräsenz des „Mehrgenerationenhauses Halle“ einzubringen.

Resümee Abschließend lässt sich sagen, dass ich meine Zielsetzung in Bezug auf das „Mehrgenerationenhaus“ in Halle (Saale) erreichen konnte. Dies trifft aber auch auf meine eingangs formulierten persönlichen Erwartungen. Die kulturpädagogische Projektarbeit hat mir zu zahlreichen neuen Erfahrungen im filmischen Bereich verholfen. Es hat sich also für beide Seiten gelohnt.

Der Steg

Eine Lernpatenschaft

74 / 75


Prototypen

Pixelkunst in der visuellen Kultur

Alina Simmelbauer Einleitung Von überall schauen sie uns an, die schönen und perfekten Gesichter. Aus dem Fernsehen, der Werbung, im Internet und aus den Magazinen sind sie nicht mehr wegzudenken. Schon längst gibt es kein Titelbild und keine Werbeanzeige mehr, auf der ein Gesicht zu finden ist, dass nicht bis ins letzte Detail computertechnisch nachbearbeitet wurde. Auf diese Weise wird eine Perfektion und Makellosigkeit erreicht, die selbst die abgebildeten Models in Wirklichkeit nicht besitzen. Die Präsenz der übermäßig schönen, per Bildbearbeitung optimierten Menschen ist bereits ganz weit in den normalen Alltag hineingeschlichen. Für den Durchschnittsmenschen wird ein unerreichbarer Maßstab geschaffen, der ihn mit seiner ständigen Anwesenheit bedrängt. Der Prozess der Perfektionierung von Bildmedien wird sich weiter fortsetzen und wir müssen uns an nicht mehr zu entdeckende Fälschungen gewöhnen. Idee Ein Teil meiner Praktikumszeit absolvierte ich in einem freien Fotostudio um meine Kompetenzen im Bereich der Fotografie zu erweitern. Während dieser Zeit nutzte ich die Möglichkeit mich intensiv mit der Studiofotografie und vertiefender mit digitaler Retusche und Bildbearbeitung auseinander zu setzen und konzentrierte mich hauptsächlich auf das porträtieren von Menschen. Der besondere Augenblick macht den Reiz am Porträtieren aus und lässt neue Sichtweisen auf ein menschliches Gesicht und dessen Ausdruck entstehen. Die fotografische Art zu sehen und dabei mit dem gegenüber zu arbeiten ist immer wieder eine neue Herausforderung an die eigene Kreativität.

Die entstandenen Bilder wurden anschließend intensiv mit digitaler Computertechnik bearbeitet. Beispielvorlagen für bestimmte Retusche-Stilrichtungen in den Arbeiten waren verschiedene Magazine. Es ist faszinierend, wie mit Hilfe sehr arbeitsintensiver und gekonnter Handgriffe die Bildwirkung beeinflusst und das natürliche Aussehen der fotografierten Personen verändert werden kann.

Daraus entstand die Idee für meine Kulturpädagogische Projektarbeit. Mit der Fotoausstellung „Prototypen – Pixelkunst in der visuellen Kultur“ sollte ein Vorher- Nachher- Einblick geschaffen werden, welcher den Betrachter zu neuen visuellen Wahrnehmungsmöglichkeiten anregen sollte. Dabei galt es den Betrachter nicht hinters Licht zu führen, sondern er bekam die Möglichkeit zwischen unverfälschtem Porträt und digital veredeltem Foto zu unterscheiden. Einmalig bekam der Rezipient die Möglichkeit das Originalporträt zu betrachten und nach eventuellen Makeln abzusuchen.


Umsetzung der Ausstellung Ausstellungsfläche war das Foyer im Gebäude 107 der Hochschule Merseburg (FH). Zu sehen waren 10 Porträts im Format A4, jeweils das unbearbeitete und bearbeitete Bild. Didaktisch unterstützt wurde die Ausstellung durch den Einsatz verschiedener Medien. Zur Veranschaulichung der Beauty - Fotografie in der Alltagswelt lagen Magazine, Kataloge, Prospekte und Werbeanzeigen zur Ansicht aus. Um die technischen Möglichkeiten zu verdeutlichen, wurden in Form einer Powerpointpräsentation die verschiedenen Arbeitsschritte vom Rohbild bis zum retuschierten Porträt dargestellt. Ergebnis der Präsentation Mit der Ausstellung „Prototypen“ sollte aus ästhetischem Blickwinkel heraus die Möglichkeiten der modernen Medien aufgezeigt werden. Durch das Aufzeigen der technischen Möglichkeiten und der Bedeutung vom Inszenierungsraum, in dem Bildmanipulation stattfindet, kann ein Denkprozess in Gang gesetzt werden, der die eigene Definition von Schönheit sowie die künstlerische Notwendigkeit der Beauty – Retusche nochmals zu hinterfragen. Der Betrachter hatte die Möglichkeit für sich selbst zu entscheiden ob er das einfache oder das veredelte Porträt ästhetisch ansprechend findet. Wichtig war es aufzuzeigen, dass die inszenierte Schönheit eine digital geschaffene, schon fast künstlerische Schönheit ist, welche nicht der Wirklichkeit entspricht und somit ein falsches Selbstbild erzeugen kann.

Während der Arbeit an meiner Ausstellung wurde mir bewusst, dass fast kein Bild, das heute in Medien zu sehen ist, auch so fotografiert wurde. Der Rezipient nimmt diese Bilder unbewusst wahr, aber ihre gestalterischen Veränderungen erkennt er nicht. Bedenklich ist, dass Medien- und Werbemacher bewusst verstärkende Bilder einsetzen um Rezipienten zu erreichen. Die meisten Gäste der Ausstellungspräsentation waren sich der Eingriffe mittels Bildbearbeitung durchaus bewusst, jedoch über die aufgezeigten Möglichkeiten überrascht. Es konnte festgestellt werden, dass die Retuscheintensität erheblich unterschätzt wird. Resümierend kann man erkennen, dass das Ausstellungskonzept gut umgesetzt war. Die Reaktionen der Gäste waren durchweg positiv. Beachtung erhielt die Ausstellung „Prototypen“ durch einen Artikel einer Kommilitonin Claudia Brüggemann in der Mitteldeutschen Zeitung (MZ). Die kulturpädagogische Projektarbeit in Form dieses Ausstellungskonzepts war eine sehr gute Möglichkeit, mich praktisch, theoretisch und vor allem didaktisch auseinander zu setzen, weitere Kompetenzen zu erlangen und eigene Fähigkeiten besser einschätzen zu lernen.

76 / 77


„Hörclub“ – Hörspiel mit Kita Kindern Tobias Sprebitz

1. Erläuterung zum Krokoseum Das „Krokoseum“ ist eine Kindereinrichtung die seit dem Jahr 2000 besteht. Sie befindet sich im Sockelgeschoss des Historischen Waisenhauses der Franckesche Stiftungen und bietet auf über 300 qm Kindern ein vielschichtiger kultureller und museumspädagogischer Aktionsraum. Sowohl ständige als auch inhaltlich wechselnde Programme werden mit pädagogischer Betreuung verknüpft, die auch auf die sozialen Anforderungen flexibel reagiert. Das abwechslungsreiche Angebot richtet sich an Kinder bis zu einem Alter von 12 Jahren sowie deren Eltern, Geschwister und Freunde, aber auch an Kindergarten- und Hortgruppen wie Schulklassen. Es beinhaltet Kultur-, Museums-, Kunst- und Medienpädagogik, Schulund Familienangebote, Ferienprogramme, thematisch

orientierte Projektarbeit sowie Ausstellungstätigkeiten. Des Weiteren bietet es den Studenten ihre Projekte in den Bereichen Theater, Kunst, Pädagogik, Medienpädagogik und Kulturpädagogik in zusammen Arbeit mit dem Krokoseum zu realisieren.

sen. In der Förderung der Zuhörfähigkeit steckt ein hohes Bildungspotential. Dies wird anhand von Spielen zum Aktiven Hören und Zuhören erreicht, mit Wahrnehmungsspielen und mit der Auseinandersetzung das gehörte malerisch darzustellen.

2. Erläuterung zum Projekt Hörclub Zuhörförderung ist die Grundlage für alles Lernen, denn Zuhören ist der Schlüssel zum Verstehen. Kinder, die in der Lage sind, sich und ihre Umgebung wahrzunehmen, können sich gut konzentrieren und entwickeln Phantasie. Kontaktfähigkeit und soziale Kompetenz werden gestärkt, die sprachliche Entwicklung und Ausdrucksfähigkeit unterstützt. Kinder, die zuhören können, sind offen für die Welt und das Wissen, dass sie sich aneignen müs-

3. Aufgabenstellung Die Kinder der Kindertagesstätte „August-Hermann-Francke“ sollen während des Projekts lernen sich zu Konzentrieren, Selbstständig zu arbeiten, ihre Wahrnehmung und Kreativität zu fördern. Dies soll auf spielerische Art geschehen, mit dem Hörspiel sollen dann die gelernten Eigenschaften angewandt werden. Des Weiteren bekommen Sie ein Einblick in die Entstehung eines Hörspiels.


4. Durchführung Der Hörclub wurde einmal die Woche für anderthalb stunden durchgeführt. Die acht Veranstaltungen, fanden in den Räumen der Franckeschen Stiftungen statt. In den ersten fünf Veranstaltungen wurden die Kinder mit Spielen zum Aktiven Hören und Zuhören angeregt, anhand von Wahrnehmungsspielen und mit der Auseinandersetzung das gehörte malerisch darzustellen. Die sechste Veranstaltung diente dazu, die Geschichte für das Hörspiel gemeinsam mit den Kindern auszusuchen. Zur Auswahl standen zwei kleine Geschichten. Beide wurden vorgelesen und die Kinder konnten sich danach entscheiden welche Geschichte sie machen wollen. Die Auswahl fiel auf „Ein fast verschlafener Nikolaustag“. Die siebente Veranstaltung diente dazu die Kindern an die Tontechnik gewöhnen und erste Tonaufnahmen zu machen. Und den weiteren Ablauf der Aufnahmen mit Kindern abzusprechen. Bei der letzten Veranstaltung wurden dann alle Tonaufnahmen abgeschlossen. Die wie folgt aussahen, wir lassen die Geschichte vor und die Kindern machten dazu die Geräusche, mit den Händen, Füssen, der Stimme und kleinen Gegenständen. Beides wurde aber getrennt aufgenommen, zur besseren nach Bearbeitung. Nach den Veranstaltungen wurden die Tonaufnahmen digitalisiert und am PC in einzelne Segmente geschnitten. Die einzelnen Segmente wurden mit einem Schnittprogramm wieder zusammengeführt und bearbeitet, sowie auf CD geschrieben. Für die fertige CD, wurde noch ein Cover erstellt.

Als Abschluss dieses Projektes bekamen die Kinder ein „Hörclub-Diplom“ und das Hörspiel auf CD, als Dankeschön für die Mitarbeit an diesem Projekt.

5. Ergebnis Mit diesem Projekt wurden zwei Dinge miteinander verbunden: auf der einen Seite die Kinder auf spielerischer Art auf die Schule vorzubereiten (das lernen zuzuhören und sich zu Konzentrieren) und dir Erstellung eines Hörspiels. Es war eine deutliche Verbesserung der Aufmerksamkeit und des aktiven Zuhörens zusehen. 78 / 79


Erstellung einer Broschüre zu einem medienpädagogischen Projekt

dia Schuberth

Anett Syrbe, Maria Heine, Sebastian Henning, Mirjam Krafft und Clau

Ob Computer, Radio oder Fernseher – ohne Medien geht es heute nicht mehr im Leben eines Kindes. Dass dieser Konsum Risiken und Gefahren in sich birgt, ist mehrfach bewiesen. Doch wie verhilft man Kindern zu einer Medienkompetenz, die auf einen kritischen Umgang und eine aktive Nutzung zielt? Das Konzept „Zappl auf Reisen in die bunte Medienwelt – Ein Projekt zur Erweiterung der Medienkompetenz im Vorschulalter“ leistet in diesem Prozess einen Beitrag zur Kompetenzstärkung. Auf spielerische Art und Weise entsteht ein Animationsfilm, von und für Kinder. Vom Drehbuch, über die einzelnen Bilder und Töne bis hin zur Uraufführung haben elf Kinder aus einem Merseburger Kindergarten einen Film entwickelt und erlebt, wie viele Schritte notwendig sind, um ein „The End“ zu sehen. Wir als angehende Kultur- und Medienpädagogen stellten dabei das nötige Know-how, die Technik und die Materialien zur Verfügung. Das Studium der Kultur- und Medienpädagogik an der Hochschule Merseburg (FH) sieht eine breit gefächerte Qualifizierung vor. Wir fünf Studenten, Maria Heine, Sebastian Henning, Anett Syrbe, Mirjam Krafft und Claudia Schuberth, setzten jeweils eigene Schwerpunkte und schafften, zusammen mit unseren Erfahrungen und Fähigkeiten, eine gute Basis, in der Praxis medienpädagogisch zu arbeiten. Unser persönliches Hauptziel bestand in der Anwendung des Gelernten und im Kennenlernen von Herausforderungen und Grenzen, welche die Hoch-

schulprojekte nur teilweise ermöglichen konnten. Sebastian Henning ist staatlich anerkannter Erzieher, Anett Syrbe und Maria Heine absolvierten vor Beginn des Studiums Praktika im Kulturbereich. Mirjam Krafft lebte ein Jahr zusammen mit geistig behinderten Kindern in Finnland und Claudia Schuberth arbeitete im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres mit Kindern und Jugendlichen. Die Idee des Projektes entstand im Jahr 2006 am Ende des 2. Semesters und wurde im Verlauf des 3. Semesters realisiert. Technische sowie handwerkliche Fertigkeiten und ein sicherer Umgang mit dem nötigen Equipment waren gewährleistet. Im Vorlauf des Projektes wurde ein schriftliches Konzept erstellt, welches an sechs verschiedene Kindergärten gesandt wurde. Nach verschiedenen Besuchen einiger Einrichtungen entschieden wir uns für den Naturkindergarten „Spatzennest“. Im Gegensatz zu anderen Kindertagesstätten verfügt das „Spatzennest“ bei einer Kapazität von 90 Plätzen über eine hohe Anzahl an Funktionsräumen, eine große Personalbesetzung und, für uns wichtig, ein reges Interesse, mit Studenten der Hochschule zusammen zu arbeiten. So wurde das medienpädagogische Projekt „Zappl auf Reisen in die bunte Medienwelt“ innerhalb von drei Monaten mit elf Kindern durchgeführt. Wir arbeiteten mit den Projektteilnehmern wöchentlich, jeden Dienstagvormittag,

über einen Zeitraum von circa 90 Minuten zusammen. Nach der Durchführung des Projektes in der Kindertagesstätte „Spatzennest“ wuchs in uns der Wunsch, auch anderen Studenten, Kindergartenerziehern und -erzieherinnen unser Konzept zugänglich zu machen. Auf diese Weise, so hofften wir, würde sich die Medienpädagogik nach und nach einen festen Platz im Kindergartenalltag erarbeiten. Mit einer umfangreichen Broschüre und einer Website planten wir interessierte Berufsgruppen und Studenten entsprechender Studienrichtungen anzusprechen. Der Aufbau der Broschüre wurde von uns so konzipiert, dass das Projekt für den Leser von Beginn bis Ende nachvollziehbar ist und unsere Hintergründe und Ziele schlüssig werden. Dem Textkonzept liegt eine einheitliche Sprachgestaltung mit einer klaren Sprache, verständlich für verschiedene Leserschaften und eine distanziertneutrale Erzählhaltung zu Grunde. Während die Website darauf zielt, das Projekt „Zappl auf Reisen in die bunte Medienwelt“ nicht nur einer Fachleserschaft, sondern einem breiten Publikum zugänglich zu machen, dient die Broschüre als konkreter Leitfaden für ein medienpädagogisches Projekt mit Kindern und will die Leser zur Nachahmung motivieren.


Weihnachtsfeier, die einzelnen Projektstunden ausführlich beschrieben. Die einzelnen Abschnitte sind aufgeteilt in den theoretischen Hintergrund der jeweiligen Projektstunde, gefolgt von den Zielen der Projektstunde, der Durchführung und einer Reflexion des durchgeführten Projekttermins. Das folgende Kapitel zeigt Probleme und Risiken auf, die bei der Durchführung eines medienpädagogischen Projektes auftreten können. Dabei werden Ratschläge zur Vorbeugung von Problemen und weitere hilfreiche Tipps gegeben, um Fehler von Anfang zu vermeiden und Risiken einschätzen zu können. In der anschließenden technischen Anleitung wird eine verständliche und leicht nachvollziehbare Anleitung der technischen Erfordernisse zur Erstellung eines Animationsfilmes gegeben. Am Ende steht die Reflexion des Projektes, in welcher untersucht wird, ob sich die anfangs gesetzten Ziele bewahrheitet haben und die Ausbaufähigkeit des Konzeptes betont wird. Im Anhang findet man eine Beschreibung der von uns durchgeführten Spiele.

Der Broschüre geht ein Vorwort voran, in welchem wir die Bedeutung von Medien im Alltag von Kindern betonen. In der folgenden Einleitung wird das Projekt „Zappl auf Reisen in die bunte Medienwelt“ kurz beschrieben, wobei die Notwendigkeit, Medienkompetenz so früh wie möglich zu erlangen, hervorgehoben wird. Es folgt eine kurze Zielgruppenanalyse, gefolgt vom Kapitel „Hintergrund und Ziele“, in welchem unsere Vision, die Zielstellung des Projektes und unsere Arbeitsweise beschrieben werden. Es schließt sich der größte Teil der Broschüre an, die Beschreibung des Projektaufbaus. In diesem Kapitel werden vom ersten Schritt des Kennen lernens der Eltern bis hin zum Abschluss des Projektes, der gemeinsamen

Der Aufbau der Website orientiert sich inhaltlich an der Broschüre. Die in der Broschüre dargestellten Kapitel finden sich auf der Website unter den Links „Projekt“, „Film“ und „Anleitung“. Zudem wurde ein Forum zum Meinungsaustausch eingerichtet und unter „Kontakt“ können Fragen an die ProjektleiterInnen gestellt werden. Ziel war es außerdem, die Texte der Website mit Links zu versehen, welche die Besucher auf weitere Inhalte verweisen. Zudem werden die Texte der Website untereinander verlinkt, um dadurch Zusammenhänge direkt aufzuzeigen. Die Texte der Website wurden in gekürzter Form aus der Broschüre übernommen. Nach Fertigstellung der Broschüre und der Website entwickelten wir ein Finanzierungs- und Vertriebskonzept. Wir planen, die Broschüren an relevante Vertriebzentren und interessierte Hochschulebibliotheken zu verschicken, um ein großes und diverses Publikum zu erreiche 80 / 81


Lehmofenbau als erlebnispädagogisches Projekt Olga Taschirewa

Auf einem Verlassenen Grundstück in Leipzig wurde mit den Anwohnern des anliegenden Hauses und anderen Interessenten ein Lehmofen gebaut. Das Grundstück (ein Hinterhof in der Leipziger Südvorstadt) mit den dazugehörigen Abrisshaus und sonstigen ruinenhaften Mauerwerkresten ist in ungeklärten Besitzerverhältnissen und verfällt, verkommt und wurde zugemüllt in den letzten 15 Jahren, was in Leipzig oft vorkommt. Es bot sich die Idee an, mit den Anwohnern das Grundstück zu benutzen und zu gestalten. Nach einiger Recherche beschloss ich, ein Lehmofenbauprojekt umzusetzen. Wir wollten mit einfachen vorhandenen Materialien und Mitteln in Eigenarbeit einen benutzbaren Lehmbackofen bauen.

Das Projekt bietet den Teilnehmern, wichtige Erfahrungen wie handwerkliches Arbeiten, Umgang mit Naturmaterialien, Teamwork, Erfolgserlebnis durch Ergebnis, zu machen und weiterzugeben. Das praktische Mitwirken beim Ofenbau soll das eigene Interesse an weiteren handwerklichen Projekten wecken und Inspirationen geben, selbst eigene ähnliche Vorhaben umzusetzen, mit einfachen Mitteln zu Improvisieren und umweltpädagogisch zu wirken. Desweiteren wollten wir an der Gestaltung der unbenutzten verfallenden Flächen in unserer unmittelbaren Nähe, was typisch und gleichzeitig eine Besonderheit im Osten Deutschlands ist – sprich zur großstädtischen Kulturlandschaft Leipzigs gehört, mitzuwirken. Auch wollten wir aus der Ruine, in der der Ofen sich befinden wird, den Anfang für einen Ort zum Zusammenwirken, Treffen, Austauschen machen – für Anwohner, Besucher, und wer das Bedürfnis einer „Community“ hat. Als Zielgruppe kristallisierten sich, wie oben schon erwähnt, die Anwohner und Interessierte, überwiegend junge Menschen im Studentenstatus, heraus, weil es das Naheliegendste – vom Ort und vom Interesse - für die Teilnehmer war. Die Teilnehmerzahl betrug 10-12 Personen, je nach Projektabschnitt.


Der Ofen „im Betrieb“ bei der Präsentationsfeier

82 / 83


Kmp katalog 2008