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einrich Kofler war ein geachteter bürger und Handwerker. Am 18. november 1862 in bad Homburg geboren, lebte er mit ehefrau Charlotte, geborene Körner, und den drei Kindern Kurt, Mathäus und elisabeth in der Höhestraße 14, engagierte sich in der Vereinigung der ehemaligen des 80er regiments und gehörte dreißig Jahre lang als aktives Mitglied dem Homburger Turnverein an. Von beruf war Heinrich Kofler Malermeister und mag als solcher manches Haus in bad Homburg verschönert haben. er arbeitete außerdem weit außerhalb der Grenzen bad Homburgs, zum beispiel auf schloss neuschwanstein. sein unternehmen beschäftigte immerhin rund hundert Mitarbeiter. Zugleich hatte Heinrich Kofler eine ausgeprägte künstlerische Ader, die auch in seinem eigenen Heim zum Tragen kam: so gestaltete er die Möbel seines Musikzimmers mit Farbe und Motiven neu und gab ihnen einen sehr individuellen, einzigartigen Charakter. dank der Tatsache, dass die nachkommen die Kunst des 1929 verstorbenen Vaters, Großvaters und urgroßvaters hoch schätzten, blieb das „Musikzimmer Kofler“ erhalten. es wird ab 9. März die neue Attraktion im Museum im Gotischen Haus sein. das Möbelensemble befand sich im nachlass von Heinrich Koflers enkelin Lilo, verheiratete berndt, die in Waldbröl lebte, einer Gemeinde im bergischen Land, gut sechzig Kilometer östlich von Köln gelegen. Von dort ist das Musikzimmer zurück nach bad Homburg gekommen. Lilo berndts erbe, ihr sohn Frank M. berndt und seine ehefrau Caroline Fuchs, Kunsthändler in Köln, übereigneten es zusammen mit den 1927 von Carl stolz gemalten bildnissen des ehepaares Heinrich und Charlotte Kofler sowie einer Kreidelithografie beethovens dem städtischen historischen Museum als schenkung.

geschaffen hatte: 1926. Weiterhin gehören eine Glasvitrine mit Musikmotiven auf der schublade, eine schwarze Kommode im Chippendale-stil und zwei Paravents zu dem ensemble. Auf dem einen Paravent ist eine von Kofler schon 1923 gemalte „bad Homburger Parklandschaft“ zu sehen, auf dem anderen japanische Lackmalerei, die wahrscheinlich nicht von seiner Hand stammt. Hingegen weist die Gestaltung eines großen Kleiderschranks aus Weichholz den Homburger Malermeister einmal mehr als Künstler aus. die schranktüren scheinen aus intarsien zu bestehen, aus geschnittenen und zusammengefügten Holzteilen unterschiedlicher Farben und Maserungen also, aber diese „intarsien“ sind auf eine verblüffend realistische Weise gemalt! ergänzt wird die einrichtung schließlich durch vier Ölgemälde von Heinrich Kofler, die als dauerleihgaben zur Verfügung gestellt wurden. sie sind betitelt mit Weißer Turm, Waldbach im Taunus, die weiße bank und ideallandschaft. ursprünglich gehörte zu der Ausstattung auch ein Klavier, das vielleicht noch in einem bad Homburger Privathaus steht, von dem aber niemand vermutet, dass es in diesen Zusammenhang gehört. dieses Klavier gab ehemals den Ausschlag für die benennung „Musikzimmer“. das „Musikzimmer Kofler“ ist in den kommenden Jahren im Museum im Gotischen Haus zu sehen. nach der restaurierung der Villa Wertheimber im Gustavsgarten soll es dort seinen endgültigen Platz finden.

Heinrich Kofler verwandelte die in den klaren Formen des beginnenden 20. Jahrhunderts gefertigten Möbel in eine einheit, indem er sie schwarz anmalte und mit Musik- bzw. bad Homburg-Motiven schmückte. Zwei sessel versah er auf der rückenlehne mit notenelementen. das dazu passende achteckige Tischchen trägt eine Ansicht bad Homburgs: einen blick über die Altstadt hinauf zum schloss mit dem Weißen Turm. Über allem steht das stadtwappen, aus dem sich zwei spruchbänder herausschlängeln. An deren einem ende findet sich die signatur Koflers und das Jahr, in dem er das Kunstwerk Louise 3 / 2014 |

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Foto: © Museum im Gotischen Haus, stefan seibold

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