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Foto: Bernd Jaworek

Juli 2009 | Nr. 225

Soulpop

Ania Jools Retropop

Chris Isaak Folkpop

Regina Spektor Weltmusik

Mayra Andrade

Assis mit Niveau

Indierock

K.I.Z.

The Parlotones Soulpop

Daniel Merriweather kino | platten

| dvds |

b端cher |

kunst

| theater | entertainment | konzerte


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inhalt

Daniel Merriweather Ania Jools

Foto: Joao Wainer

Foto: Neal Preston

The Parlotones

Der neue Roman von Tim Parks

Foto: Angelo Margeriti

Foto: Pol Ramalheiro

Foto: WMG

Regina Spektor

»Träume von Flüssen und Meeren«

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Foto: Sony Music

kulturnews 7/09

»Kraftvoll, unerhört intelligent: ein doppelbödiger Roman, der einen nicht mehr loslässt.« The Times 512 S., euro 24,90; 978-3-88897-579-0

»Köchin für einen Sommer« Chris Isaak

Mayra Andrade

people 4–5 on stage

musik

titel Die Berliner HipHopper K.I.Z. drehen mit ihrer neuen CD „Sexismus gegen rechts“ Rechtsextremismus mit politischer Korrektheit und wüstem Teeniehumor so lange durch den Wolf, bis Pop rauskommt. Wie sie das machen, steht auf S. 6.

Der neue Roman von Bethan Roberts

Pop, Rock + Dance 6 K.I.Z. Assis mit Niveau 8 Daniel Merriweather Charts statt Knast 10 Chris Isaak Der Schwanz muss wedeln 11 Ania Jools Der härtere Weg 12 The Parlotones Rock der guten Hoffnung 13 Regina Spektor Ohne Worte 14–53 Platten | DVDs Jazz + Classics 54 Mayra Andrade Echte Stimmungsmusik 55 Goran Bregovic´ Sliwowitz und Blasmusik

live

präsentiert

56–57 Tourtipps Katie Melua Ray Wilson | Santigold

film 58–60 Kino 61–62 DVD

buch 63 Bücher

szene 64 64 65 66

Entertainment Theater Kunst Chillout

»Eindeutig eine der besten Ferienlektüren des Jahres!« The Times

Aktion 66 Reggae Fünf CD-Pakete zu gewinnen 65 Abo 66 Impressum

320 S., euro 19,90; 978-3-88897-580-6

verlag antje

kunstmann www.kunstmann.de


on stage

„Früher sind wir immer durch die Straßen gegangen und haben Mercedessterne abgerissen. Mercedes war einfach das Auto. Auch heute ist das für uns noch so ein Auto. Dabei ist das voller Quatsch, das stimmt doch überhaupt nicht. Das ist doch alles Schrott!“ Helge Schneider mag keine Mercedessterne mehr abreißen. Was sich sonst noch im Leben des Entertainers und Jazzmusikers verändert hat, steht im Feature über ihn in der August-Ausgabe von U_mag. Schon ab 16. Juli am Kiosk!

Foto: Shane McCauley

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Musikalische Meuterei

Dem Produzenten Diplo aus Philadelphia verdanken wir nicht nur M.I.A., Santigold, Baile Funk und dreckigen Miami-Bass. Der umtriebige Beatbastler will nun den Überproduzenten Timbaland vom Thron stoßen: „Er nervt. Seine Zeit ist vorbei“, sagt Diplo. Und hat damit nicht unrecht: Seit Jahren kommt kaum ein Act, von Missy Elliott über Justin Timberlake bis zu The Hives, ohne Timbaland-Beats aus. Aber damit ist Schluss, meint Diplo: „Als er angefangen hat, meinen Stil zu kopieren, hat er sein Händchen für Beats verloren. Die Sachen, die er gerade mit Jay-Z macht, sind Mist.“ An Selbstbewusstsein mangelt es dem DJ, Labelbetreiber und Produzenten nicht, aber er ist auch gut im Geschäft: Anfang Juli veröffentlicht er als Major Lazer mit Switch ein Dancehall-Album, und mit der Newcomerin Amanda Blank hat er schon das nächste Ass im Ärmel. Und folgenden Rat für Timbaland: „Der Typ muss einfach mehr rauskommen und in Clubs abhängen. Er sitzt einfach zu gerne zu Hause auf dem Sofa und schaut fern.“ (kat)

kulturnews 7/ 09

Schwulcool Chaos auf dem Catwalk: Schon lange vor dem Start am 9. Juli hat „Borat“-Komiker Sacha Baron Cohen für seinen neuen Film „Brüno“ die Werbetrommel gerührt. So stolperte er im Rahmen der Dreharbeiten als schwuler Reporter Brüno in Lumpen gekleidet auf den Laufsteg der Mailänder Modewoche im September. Dann benahm er sich im Oktober auf einer Stella-McCartney-Show daneben, beflirtete im November die männlichen Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Homosexuellenehe und versuchte bei einem Interview, einen Kongressabgeordneten zu verführen. Zu guter Letzt drückte er Rapper Eminem bei den MTV Awards seinen fast nackten Hintern ins Gesicht. Doch dieser Skandal war inszeniert – und lässt einen ins Grübeln kommen: Sind am Ende alle vermeintlich echten Peinlichkeiten, die Cohen in Verkleidung auslöst und bei denen sich so mancher Zeitgenosse als Rassist, Heuchler oder Antisemitet outet, abgesprochen? Ist die mutige Anarchie des Engländers nur kalkulierte Show? Die Reaktion des Kongressabgeordneten war übrigens: „Ich hätte dem Kerl was auf die Nase geben sollen.“ Fast ein Echtheitszertifikat … (vs)


on stage Fotos: Paul Conroy, Pias, Samantha West, Warner

kulturnews 7/09

Kein ganz Wilder Wenn man sich seine neuen Songs anhört, scheint Rockstar Rob Thomas nicht glücklich zu sein. Grund für klärende Nachfragen.

Alben auf Halde Da hast du ein neues Album fix und fertig und kannst es nicht rausbringen – ein Albtraum. Den träumen gerade erstaunlich viele Frauen im Pop. Am längsten hängt Missy Elliott in der Warteschleife. Ihre ursprünglich für November 2007 angekündigte CD wird Monat für Monat verschoben, und keiner weiß warum, nicht mal ihre Plattenfirma. Ein klarer Kandidat für die traurige Rubrik „lost albums“. Die New Yorker Folkfreaks CocoRosie hingegen halten die neue Platte bewusst zurück, aus Solidarität mit ihrem kriselnden Label, dessen Zukunft die Schwestern erst geklärt wissen wollen. Beim britischen Punkpopwunder Ebony Bones raunt man hingegen von „juristischen Problemen“, weshalb die heiß ersehnte Veröffentlichung ihres Debüts bei Redaktionsschluss in Gefahr war. Soulstar Joss Stone schließlich hat seit Frühjahr 2008 eine CD im Kasten – und inzwischen derart das Näschen voll von ihrem veröffentlichungsunwilligen Label, dass Stone sich jetzt aus dem Vertrag herauskaufen will, für sagenhafte zwei Millionen Pfund. Auch das natürlich nichts weniger als: ein Albtraum. (mw)

Foto: Andrew McPherson

Joss Stone, Missy Elliott, Ebony Bones und CocoRosie

kulturnews: Rob, läuft alles bestens zwischen dir und deiner Frau? Rob Thomas: Es läuft wunderbar. Wir sind seit zehn Jahren zusammen und lieben uns über alles. Wieso fragst du? kulturnews: In ungefähr der Hälfte der neuen Lieder stellst du dich selbst, dein Leben und deine Beziehung infrage. Thomas: Ich spicke meine Songs mit den Dramen, die ich selbst nicht durchmache. Aber fast alle meine Stücke haben einen wahren Kern. Einen solch intimen Song über den Tod wie „Getting late“ hätte ich sicher nicht geschrieben, wenn nicht vor zwei Jahren meine Mutter gestorben wäre. kulturnews: Aber hat der bodenständige und treue Rob Thomas je die Sorte Totalabsturz erlebt, die er in „Meltdown“ beschreibt? Thomas: Du hast recht, ich bin der vielleicht langweiligste so genannte Rockstar der Welt. Und das aus voller Überzeugung. Ich will die Menschen mit meinen Songs erreichen und nicht mit aufgesetztem Promiquatsch. Aber so harmlos, wie du mich jetzt hinstellst, bin ich auch nicht. kulturnews: Kannst du das beweisen? Thomas: Du musst nur meinen Freund Kid Rock fragen. Man könnte meinen, er sei das komplette Gegenteil von mir. Er verträgt auch zehnmal mehr Whisky als ich. Aber dann habe ich uns eine Tüte gebaut, und weißt du was? Er hätte fast gekotzt. Interview: Steffen Rüth Cradlesong ist Ende Juni erschienen.

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hiphop

kulturnews 7/09

Foto: Bernd Jaworek

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So tun, als ob: Tarek Ebéné (l.) mit seinen derb-ironischen Rapkumpels

K.I.Z.

Assis mit Niveau Die ironischen Berliner Rapper K.I.Z. erweitern ihr Repertoire – und sind damit auf dem besten Weg, die neuen Ärzte zu werden. Dass ihr neues Album im Vergleich zu den Werken „Das RapDeutschlandKettensägenMassaker“ (2005) und „Hahnenkampf“ (2007) unter einer gewissen Schwanzlosigkeit leidet, möchte Tarek Ebéné in dieser Form nicht bestätigen. Sicher, K.I.Z. sind politischer geworden. Mit „Rauer Wind“ haben sie eine – noch vor dem Finanzcrash verfasste – BöseBanker-Hymne im Programm. Und „Straight outta Kärnten“ ist nicht nur die erste Ballade der Band, sondern auch eine als Ode an Jörg Haider getarnter Sympathie-mit-Nazis-Vorwurf an unsere österreichischen Nachbarn. „Es ist für uns nicht zu begreifen, wie kultisch dieser Mensch in Österreich verehrt wird“, sagt Tarek. Als die Band kürzlich ein Konzert in Linz gab, wurde der Song von mehr Buhrufen und Becherwürfen begleitet, als man sich das hatte träumen lassen. Doch natürlich muss niemand auf den K.I.Z.-typischen Koitalhumor verzichten. Schließlich haben Tarek und seine Kumpels Maxim Drüner, Nico Seyfried und Sil Yan Bori immer noch „Lust, dir mein Ding zwischen die Titten zu schieben“ („Preisschild“), oder sie verkünden: „Ich ficke die Nutte im Stehen, denn ich bin ein Tortenheber“ („Lass die Sau raus“). K.I.Z. sind kluge Kerle. Und ein Stück wie „Ohrfeige“, das aus der Perspektive von jemandem geschrieben ist, der seine Frau an der kurzen Leine halten will, aber in Wahrheit von ihr an ebenjener durch die Beziehung geführt wird, ist quasi Feminismus durchs Hintertürchen. Ähnlich wie Deichkind oder Eminem texten die in bürgerlichen Berliner Verhältnissen aufgewachsenen Jungs sehr doppelbödig. „Wir sind natürlich keine Assis“, sagt Tarek, „aber es ist praktisch, so zu tun, als ob.“

Fler von der Bildfläche verschwunden, der deutsche Gangstarap hängt am Tropf, während gewitzte Satiriker wie K.I.Z. Ärzte-mäßig triumphieren. Aus Mangel an natürlichen Feinden können sie es sich nun sogar erlauben, ihren Kosmos nicht nur um Pop und Disco zu erweitern, sondern mit einer neu getexteten Version des Oldies „Halbstark“ auch mal ein harmloses Sommerliedchen anzustimmen. Die Medien, selbst die Feuilletons von FAZ bis taz, verehren K.I.Z. „Klar, auch dort gibt es Leute, die uns ablehnen, doch die meisten halten uns für schlau.“ Das Publikum zieht ebenfalls mit: „Hahnenkampf“ kam in die Top Ten, zu Konzerten kommen regelmäßig 1 000 Fans und mehr. „Wir haben von der Bild-Zeitung gelernt, dass man Erfolg hat, wenn man die Sachen so reißerisch wie möglich darstellt“, sagt Tarek. „Wer auf den ersten Blick plakativ ist und plump, der erreicht die Kiddies. Wer den Holzhammer auspackt, kriegt auf dem Schulhof die meiste Aufmerksamkeit, ist einfach so. Mit erhobenem Zeigefinger brauchst du denen gar nicht zu kommen.“ Man kann es natürlich inmitten all der vermeintlichen juvenilen Verrohung, der Kindergangbangs und Amokläufe auch kritisch sehen, wenn vier Fastnoch-Teenies Zeilen rappen wie „Ich will töten, ich habe Frühlingsgefühle“ („Töten“). Tarek relativiert: „Wir sind uns der Verantwortung bewusst. Aber wir wollen unseren Fans beibringen, dass man nicht alles so nehmen sollte, wie es auf den ersten Blick erscheint. Und es ist halt komplett absurd, wenn es heißt, Musik hätte jemanden zum Amokläufer gemacht.“ Manchem Fan freilich fehlt das dazu nötige Ironiegen. „Neulich hat mich ein 13-jähriges Mädchen vor laufender Kamera gefragt, ob ich mit ihr Sex haben möchte“, erzählt Tarek. „Das hat mir Angst gemacht. Sex ist für die Kids nur noch ein Tauschmittel, das mit Zärtlichkeit nichts mehr zu tun hat. Ich finde diese Entwicklung schade.“ Ein Schwanzrapper, der eine Lanze für die Zärtlichkeit bricht: Bei K.I.Z. muss man eben auf alles gefasst sein. Steffen Rüth

Tour 11. 7. Leipzig, 18. 7. Mannheim, 19. 7. Berlin, 24. 7. Erfurt , 31. 7. Anröchte,

Ursprünglich wollte die krasse Combo nur dem Aggrorap ans Leder. Das Genre, das immer dumpfer, doofer und frauenfeindlicher wurde, haben K.I.Z. ironisch unterwandert. Inzwischen sind humorlose Figuren wie

8. 8. Lustenau, 9. 8. Eschwege, 15. 8. Horb Sexismus gegen rechts erscheint am 10. Juli.


soulpop

kulturnews 7/09

Foto: Sony Music

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Daniel Merriweather

Charts statt Knast Für den australischen Soulpopsänger Daniel Merriweather hätte alles ein schlimmes Ende nehmen können. Seine Retter: Dad und Mark.

Blass sitzt Daniel Merriweather, 26, im Londoner Büro seiner Plattenfirma. Er wirkt erschöpft, vielleicht ist er einfach übernächtigt. Merriweather senkt den Blick, hebt ihn wieder. Dann spricht er mit rauer Stimme von seiner Teenagerzeit in Australien, in der er fast auf die schiefe Bahn geraten wäre. Die Schule hatte der Lehrersohn ohne Abschluss geschmissen. Er rebellierte, um sich „von gesellschaftlichen Konventionen frei zu machen“, wie er sagt. Bis er nach einer Prügelei wegen Körperverletzung vor Gericht stand. „Ohne Dad wäre ich damals wohl im Knast gelandet“, gruselt er sich noch heute. Zum Glück begleitete ihn sein Vater, ein höflicher, bescheidener Mann, zum Prozess – und überredete den Richter schließlich, auf eine Gefängnisstrafe zu verzichten. „Dieser Moment war definitiv ein Wendepunkt für mich“, erinnert sich Merriweather. „Ich wusste, dass ich mein Leben ändern musste.“ Von da an konzentrierte er sich komplett auf sein musikalisches Talent. Er schrieb Songs, ein Indielabel in Melbourne nahm ihn unter Vertrag. Doch sein Debütalbum ließen sie im Keller vermodern, es wurde nie veröffentlicht. Daniel Merriweathers Karriere schien nicht in Schwung zu kommen. Bis Mark Ronson zufällig sein Demotape hörte. Der britische Star-DJ erkannte sofort: Daniel Merriweather kann fantastisch singen, ein bemerkenswertes Gespür für Rhythmus und Harmonien hat er auch. Ronson lud den Australier nach New York ein. Am Anfang coverten die beiden für Ronsons CD „Version“ den Klassiker „Stop me“, dann arbeiteten sie gemeinsam an Merriweathers Album „Love & War“. Der eine schrieb die Songs, der andere produzierte sie.

Und am Ende vermischte sich alles zu einem mitreißenden R’n’B-Popsound, der den Australier für die nächsten Jahre als feste Chartsgröße prädestiniert. In den Texten geht es stets um Liebe, Beziehungen und Merriweathers dialektische Sicht der Dinge. „Wir leben in einer Welt, in der ständig Gegensätze aufeinanderprallen“, sagt er. „Und ich wollte einfach mal schauen, was dabei zum Vorschein kommt.“ „All of the People“ stellt zum Beispiel die Frage, warum Menschen sich in Gottes Namen umbringen, „Chainsaw“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich in eine viel zu enge und daher destruktive Beziehung mit dem Alkohol verstrickt. „Wir Australier neigen halt dazu“, gesteht Merriweather ein, „viel zu trinken.“ Und zu rauchen, natürlich. Sein Song „Cigarettes“ reflektiert die Zeit, in der er mal eine Weile abstinent war. „Leider bin ich wieder rückfällig geworden“, ärgert er sich. „Dafür kann ich aber niemanden verantwortlich machen. Die Schuld liegt bei mir.“ Seine Ehrlichkeit scheint authentisch. Er steht dazu, nicht perfekt zu sein. „Ich kann keine so glatte Persönlichkeit wie manches Popsternchen vorweisen“, erklärt er schulterzuckend – wohl wissend, dass das kein Karrierenachteil sein muss. „Mein Leben verläuft eben nicht linear erfolgreich.“ Irgendwann, während der Plattenaufnahme, versagte ihm die Stimme. Diagnose: Polypen auf den Stimmbändern. Im ersten Moment schien seine schöne neue Popwelt zusammenzubrechen. Doch Daniel Merriweather beschloss zu kämpfen. Am Ende war er wieder gesund und fühlte sich wie befreit: „Andere wären nach diesem Erlebnis vielleicht ein bisschen vorsichtiger geworden. Ich nicht, ich wollte für meine Musik alles geben.“ Also engagierte er den Popstar Adele, um mit ihr hingebungsvoll den Trennungssong „Water and a Flame“ zu intonieren. „Unser Gesang harmoniert perfekt. Darum wollte ich sie und keine andere.“ Duettpartner sind für ihn mehr als nur schmückendes Beiwerk. „Einer darf nicht alles überstrahlen“, stellt er klar. „Nur wenn beide Feuer und Flamme für ein Lied sind, können sie den Hörern wirklich ein Gefühl von Intimität vermitteln.“ Das stellt sich mehr als einmal ein auf seinem Album. Und meistens liegt es an ihm, dem jungen Australier, der statt im Knast in den Charts gelandet ist. Dagmar Leischow

Love & War ist seit Ende Juni erhältlich.


retropop

kulturnews 7/09

Chris Isaak

Der Schwanz muss wedeln Mit „Wicked Game“ wurde Chris Isaak einst zum weltberühmten Herzensbrecher. Inzwischen spielt der Beau aus Kalifornien aber lieber mit Hunden als mit schönen Frauen. Chris Isaak ist eine Fleisch gewordene Jukebox. Während des Gesprächs mit ihm braucht man nur einen Künstlernamen zu erwähnen, und schon greifen er und sein langjähriger Mitstreiter Kenney Dale Johnson zu ihren Akustikklampfen. Zur Begrüßung wird „Guess Things happen that Way“ von Johnny Cash serviert. Und als alleiniges Publikum fühlt man sich genötigt, anerkennend mit dem Fuß mitzutakten. So ähnlich müssen sich auch Yusuf Islam, Michael Bublé oder die Smashing Pumpkins als Gäste seiner TV-Show „The Chris Isaak Hour“ im US-Fernsehen gefühlt haben. „Wir plaudern miteinander und spielen Songs, es ist die gleiche Situation“, bestätigt der 53-jährige Charmebolzen, der sich die Haartolle nach seinem Vorbild Elvis Presley immer noch leisten kann. „Musik macht jeden Tag leichter“, sagt Isaak. „In meinem Haus in San Francisco liegt immer eine kleine Gitarre auf dem Bett. Das Letzte, was ich abends tue, ist mir mein eigenes Schlaflied zu spielen.“ In unserer schmutzigen Fantasie hatten wir uns seine Schlafzimmeraktivitäten anders vorgestellt. Für den Song „Wicked Game“ wälzte sich der schöne Chris mit Supermodel Helena Christensen im Strandsand. Und nun, fast 20 Jahre nach dem Durchbruch, schockt uns der leidenschaftliche Surfer nur noch mit einer innigen Beziehung zu seinem West-Highland-Terrier namens Rodney, der mit ihm durch die Fernsehshow führt. „Jeder, der seinen Hund nicht küsst, muss dumm sein!“, erregt sich Isaak. „Denn dafür sind sie da: für die Liebe!“ Kumpel Kenney bemüht sich mit dem Liedchen „I kissed a Dog and I liked it“ um Auflockerung. Vergebens: Isaak schwärmt weiter. „Hunde sind perfekte Lebensbegleiter, sie sind total Zen und leben sorglos im Hier und Jetzt. Zehn Minuten vorher hast du deinem Hund noch mit der Zeitung eins drüber gegeben? Vergiss es, jetzt will er Fangen spielen! Hunde haben mehr Spaß als wir Menschen, sie müssen mit dem Schwanz wedeln.“ Von dieser tierischen Laune hat sich der Songwriter anstecken lassen. Sein neues Album heißt „Mr. Lucky“ – ein trotziges Statement in krisengeschüttelten Zeiten. „Wenn man es mit den harten Jahren unserer Großeltern vergleicht, sieht es nicht so aus, als ginge es uns schon schlecht“, relativiert der überzeugte Konservative. Er selbst wuchs als Sohn eines Gabelstaplerfahrers und der Angestellten einer Kartoffelchipsfabrik in ärmlichen Verhältnissen auf. „Es gab Wochen, da aßen wir nichts anderes als Kartoffelpuffer mit grünen Bohnen“, erinnert er sich. „Als Heranwachsender wünschte ich mir oft reiche Eltern. Stattdessen musste ich auf dem Feld arbeiten, um genug Geld zu haben, damit ich meine Freundin zum Date ausführen konnte.“

Foto: Neal Preston

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Oder er ließ sich im Boxring verprügeln. Ganze sieben Mal brach er sich dabei die Nase; man sieht es ihr heute noch an. „Rückblickend habe ich wohl die beste Lebens- und Erfolgskurve überhaupt gemacht, denn es ging Schritt für Schritt nach oben“, gibt Isaak sich zufrieden. „Mein Hund wedelt ja auch nur mit dem Schwanz, wenn er für sein Spielzeug hart arbeiten musste.“ Aber ist Isaak auch dieser hoffnungslose Romantiker, wie es sein wehmutsvoller Gesang vermuten lässt? „Ich schreibe so viele Songs über Trennungen. Dann gucke ich meine Eltern an, die seit 60 Jahren verheiratet sind und denke: Liebe ist doch möglich. So skeptisch ich auch bin: Gleichzeitig bin ich voller Hoffnung.“ Zu dumm also, dass Mr Lucky Single ist. „Ich habe niemanden dauerhaft an meiner Seite“, sagt er. „Aber ich nehme Bewerbungen entgegen – Vorkenntnisse nicht erforderlich.“ Darf es ein Supermodel sein? „Ich habe mich noch nie einen Rattenarsch um irgendein Supermodel geschert“, stellt Isaak klar. Nun ja, ein Mal schon – damals am Sandstrand: „Sie klebten Helenas Haare über ihre Brustwarzen, um sie zu bedecken. Aber das hielt nicht. Deshalb habe ich sie ganz nah an mich gedrückt. Die Brüste meine ich.“ Chris Isaak – ein echter Gentleman. In jeder Situation. Katja Schwemmers Mr. Lucky ist Ende Juni erschienen.


kulturnews 7/09

soulpop

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JAN DELAY & DISKO NO. 1

Foto: Angelo Margeriti

LIVE 09.10. Bielefeld â&#x20AC;&#x201C; Ringlokschuppen 10.10. Bremen â&#x20AC;&#x201C; Pier2 11.10. KĂśln â&#x20AC;&#x201C; Palladium 12.10. Frankfurt â&#x20AC;&#x201C; Jahrhunderthalle 14.10. A-Hohenems â&#x20AC;&#x201C; Eventcenter Hohenems 17.10. WĂźrzburg â&#x20AC;&#x201C; s.Oliver Arena 19.10. Freiburg â&#x20AC;&#x201C; Rothaus Arena 22.10. SaarbrĂźcken / St. Ingbert â&#x20AC;&#x201C; mech. Werkstatt 24.10. Dortmund â&#x20AC;&#x201C; Westfalenhalle2 26.10. Berlin â&#x20AC;&#x201C; Columbiahalle 27.10. Hannover â&#x20AC;&#x201C; AWD Halle 29.10. Chemnitz â&#x20AC;&#x201C; Stadthalle 30.10. Kassel â&#x20AC;&#x201C; Eissporthalle 31.10. Rostock â&#x20AC;&#x201C; Stadthalle 01.11. Flensburg â&#x20AC;&#x201C; Deutsches Haus Ticket-Hotline 01805-4470; 0,14â&#x201A;Ź/Minute aus dem deutschen Festnetz; abweichende Tarife aus den Mobilfunknetzen sind mĂśglich

Ania Jools

Der härtere Weg Die MĂźnchner Soulpopsängerin Ania Jools ist 22 und auf dem Weg nach oben. Dabei war sie nicht mal bei DSDS. kulturnews: Ania, alle Welt zittert vor der Krise, doch du verkĂśrperst auf deinem DebĂźt unverkrampften Optimismus. Liegt das nur an deiner jugendlichen Naivität, oder enthältst du uns wichtige Informationen vor â&#x20AC;Ś? Ania Jools: Na ja, unverkrampften Optimismus wĂźrde ich das nicht nennen. Wenn man sich die verschiedensten Geschichten anhĂśrt, wird man sicherlich feststellen, dass nicht alles positiv ist. Das wär auch gelogen. Die Lieder leben ja von meinen persĂśnlichen Geschichten, die mir in meinen 22 Jahren so passiert sind, und das waren natĂźrlich auch nicht immer nur schĂśne Momente! kulturnews: Du bist â&#x20AC;&#x201C; ähnlich wie Annett Louisan â&#x20AC;&#x201C; darauf angewiesen, dass begabte Schreiber wie Frank Ramond und Gunnar Graewert deine GefĂźhle in griffige Verse Ăźbersetzen. Kreativsitzungen mĂźssen fĂźr dich wie Termine beim Psychologen sein â&#x20AC;Ś Keine Probleme mit diesem Seelenstriptease? Jools: Das hängt natĂźrlich davon ab, wen man da grad vor sich sitzen hat. Bei Gunnar habe ich eher das Verlangen danach â&#x20AC;&#x201C; weil ich immer wieder

gespannt bin, wie er aus meinen tausend Sätzen ein paar kurze Strophen und einen Refrain zaubert und es dabei immer auf den Punkt bringt. Das Vertrauen ist auf jeden Fall da, ihm alles MĂśgliche zu erzählen, ohne mich dabei schämen zu mĂźssen! Wie wäre es sonst mĂśglich â&#x20AC;Ś? kulturnews: Wenn man 22 und mit einem solchen Gesangstalent gesegnet ist wie du, dann geht man doch zwangsläufig irgendwann mal zum Casting von â&#x20AC;&#x17E;Deutschland sucht den Superstarâ&#x20AC;&#x153;. Hand aufs Herz, Ania: In welcher Staffel wurdest du von Bohlen aussortiert â&#x20AC;Ś? Jools: Charmant gefragt â&#x20AC;Ś Ich bin froh Ăźber den Weg, den ich eingeschlagen habe, weil es vermutlich der normalere, wenn auch härtere und langsamere war. Da darf man auch mal Fehler machen, ohne dass gleich alle davon Wind bekommen. Zudem ist DSDS eine Show, bei der es natĂźrlich mehr um die Unterhaltung der Zuschauer geht â&#x20AC;Ś kulturnews: Du setzt jetzt alles auf die Karte Popkarriere, statt zu studieren und dir ein anständiges berufliches Standbein zu schaffen. Wie viele schlaflose Nächte hast du deswegen schon gehabt? Jools: Die meisten schlaflosen Nächte hatte ich tatsächlich während der Schulzeit oder vor einem Referat! Und irgendwie sind die seit meinem Abi immer weniger geworden â&#x20AC;Ś Ich habe die Chance bekommen, mein eigenes Album aufzunehmen, wovon ich schon immer geträumt habe. Das ist fĂźr mich das GrĂśĂ&#x;te! Und es ist auch so, dass ich gar keine Alternative sehe. Interview: Matthias Wagner

Tour 6. 8. MĂźnchen Bilder von mir ist Ende Juni erschienen.

www.buback.de/tickets

3!-9 $ELUXE  546/".*#"/%

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indierock

kulturnews 7/09

Foto: Pol Ramalheiro

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The Parlotones

Rock der guten Hoffnung Die Parlotones sind Botschafter eines Landes mit dunkler Vergangenheit, doch strahlender Zukunft – nicht nur wegen der Fußball-WM 2010. „Südafrika“, erklärt Parlotones-Sänger Kahn Morbee mit missionarischem Eifer, „ist ein Land voller Gegensätze. Bei uns gibt es extremen Reichtum in den Städten und extreme Armut in den Townships.“ Seine Band The Parlotones thematisiert diese Gegensätze musikalisch. Doch Morbee & Co. verstehen sich keinesfalls als Politband. Das Quartett aus Johannesburg, musikalisch nah am melodischen Gitarrenpop von Coldplay oder Razorlight, hat aber gleichwohl eine eigene Meinung. Schließlich erinnert sich der 30-jährige Frontmann noch an die verbrecherische Apartheid, die das Land viele Jahre durch rigide Rassengesetze spaltete und dafür von der Weltgemeinschaft mit Embargos abgestraft wurde – auch künstlerischen. „We ain’t gonna play Sun City!“, skandierten einst kritische Poplautsprecher wie Little Steven, Sting oder Peter Gabriel und riefen zum Auftrittsboykott am Kap der Guten Hoffnung auf. „Ich erinnere mich noch gut an die Gespräche in meiner Familie, warum es manchen Menschen in unserem Land vorenthalten wurde zu wählen“, erinnert sich Morbee. „Ich habe das als Kind nicht verstanden. Erst als ich Teenager war, fielen mit dem demokratischen Wandel auch die verschiedenen Embargos, und ich konnte die ersten Popkonzerte sehen.“ Vor zehn Jahren gründete der Broker Morbee die Parlotones – mit sensationellem Erfolg: Die Rocker vom Kap wurden von MTV Africa zur „Besten Band“ gekürt, haben so ziemlich jeden nationalen Musikpreis abgeräumt, spielen regelmäßig vor zehntausenden Fans und vertraten ihr Land beim globalen „Live Earth“-Spektakel 2007. Ihr Erfolgsrezept hat drei Zutaten. Erstens die stilistische Flexibilität ihres „Melodic Rock“, über

den Morbee sagt: „Wir sind keine Puristen. Wir mögen alle erdenklichen Stile, selbst Klassik und Musicals. Wenn wir schreiben, dann bringt das viele unterschiedliche Einflüsse in unsere Songs.“ Zweitens punkten die Parlotones mit dem Image der vier normalen Typen von nebenan. Nach ihren Konzerten hängen sie sogar regelmäßig mit den Anhängern ab. Die dritte Zutat: viele Mädchen als Fans. „Obwohl die meisten unserer Songs aus der Perspektive eines Jungen geschrieben sind“, grinst Morbee. „Aber das scheint die Girls nicht zu stören, stattdessen bringen sie ihre Freunde gleich mit …“ So viel nationales Renommee bringt irgendwann auch internationale Anerkennung, ob im Vorprogramm der Wombats in Deutschland, bei Open-Air-Gigs im schweizerischen St. Gallen, mit Starsailor in Großbritannien. Das hatte weitere Folgen: Die Parlotones punkteten bei der „International Songwriting Competition“, in deren Jury unter anderem Chaka Khan und Robert Smith von The Cure saßen, in der Kategorie „Bestes Video” und „Songperformance“. Dennoch hat der Vierer vom Kap weiter zu kämpfen. Rockacts aus Afrika werden in der Restwelt noch immer nicht so geschätzt wie vergleichbare Bands aus Europa, Australien oder Amerika. „Wir treffen noch immer auf eine Menge Vorurteile. Viele Leute denken, wir lebten in Hütten, und nachts streunten Löwen durch die Straßen. Aber glaubt mir: Es gibt Hochhäuser bei uns! Und elektrisches Licht!“ Da passt der Titel ihres neuen Albums gut: „ A World next to yours “ – Südafrika wartet darauf, entdeckt zu werden. Spätestens bei der Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr, auf die sich Hobbykicker Morbee besonders freut. „Ich kann’s kaum erwarten, dass die Welt unser schönes Land kennen lernt“, setzt er schon mal zur innerlichen La-Ola-Welle an. Vorher ist er mit seinen Parlotones pausenlos unterwegs. Denn sie haben noch Großes vor. „Südafrika hat eine dunkle Vergangenheit“, zitiert Morbee einen Vers aus seinem Song „Sun comes out“, „aber eine strahlende Zukunft.“ Und dazu könnten die Parlotones einen gewichtigen Teil beitragen. Stefan Woldach

präsentiert

Tour 28. 6. Berlin, 29. 6. Hamburg, 30. 6. Frankfurt, 1. 7. Köln A World next to yours ist Ende Juni erschienen.


folkpop

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Regina Spektor

Ohne Worte Die Songwriterin Regina Spektor liebt Delfine, ihre russischen Wurzeln und jüdische Traditionen. Unter Zerreißproben leidet

kulturnews: Regina, warum imitierst du im Lied „Folding Chair“ eigentlich einen Delfin? Regina Spektor: Ehrlich gesagt: Ich kann das nicht erklären. Wenn ich einen Song schreibe, dann habe ich keinen konkreten Plan. Ich lasse mich einzig von meinen Empfindungen leiten. kulturnews: Aber irgendwas muss dich doch an diesen Tieren reizen. Spektor: Klar. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres als ihren Gesang. Außerdem fasziniert mich ihre Kraft – Delfine sind stark, sie können sogar Haie töten. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie von dieser Macht auch Gebrauch machen. Meistens siegt ihre Freundlichkeit. kulturnews: Wahrscheinlich empfindest du sie als deine Seelenverwandten. Spektor: Leider bin ich nicht ganz so euphorisch wie Delfine. Es gibt Tage, an denen fühle ich mich superselbstbewusst. Dann wieder nagen Zweifel an mir, ich finde meine Musik nicht gut genug oder habe höllisches Lampenfieber vorm Auftritt. kulturnews: Klingt, als sei jedes Konzert eine Tortur für dich. Spektor: Nein. Sobald ich die Bühne betrete, tauche ich in einen Glücksstrudel ein. Ich liebe es, mit dem Publikum zu kommunizieren, eins zu werden mit ihm. kulturnews: Funktioniert das nur, wenn all deine Zuhörer Englisch verstehen? Spektor: Darauf kommt es überhaupt nicht an. Als ich als kleines Mädchen mit meiner Familie die Sowjetunion verließ und in die USA aus-

Foto: WMG

sie trotzdem nicht.

wanderte, da habe ich kein Wort Englisch gesprochen und musste mich komplett auf die Mimik und Gestik der Leute konzentrieren. Ich habe sie so intensiv beobachtet, dass sich mir ihre Welt wirklich erschloss. kulturnews: Und jetzt bist du eine typische Amerikanerin? Spektor: Sagen wir es so: New York ist der einzige Ort auf diesem Planeten, an dem ich leben möchte. Trotzdem verleugne ich meine Wurzeln nicht. Mit meiner Familie spreche ich bis heute Russisch, auch die Literatur meiner alten Heimat ist mir bestens vertraut. Aber ich fühle mich kein bisschen zerrissen. Wie jeder Mensch habe ich eben verschiedene Facetten, aus denen sich meine Persönlichkeit zusammensetzt. Nicht jede kann ich dingfest machen. Ob ich nun religiös oder spirituell bin – keine Ahnung. Auf jeden Fall glaube ich an einer höhere Macht und wertschätze jüdische Traditionen. Interview: Dagmar Leischow Tour 2. 7. Köln, 6. 7. Hamburg, 7. 7. Berlin Far ist seit Ende Juni erhältlich.

Im Jahr 2006 schaffte sie mit ihrem Debüt-Album „Navega“ den internationalen Durchbruch. Auf ihrer neuen CD „stória, stória…“ erzählt die kapverdische Sängerin Mayra Andrade vom Leben und von der Liebe – mal melancholisch, mal fröhlich, immer basierend auf der traditionellen Musik ihrer Heimat und mit verschiedensten musikalischen Stilen gewürzt. Live 2009 2.7. Ludwigsburg 3.7. Salzau · 16.7. Darmstadt 18.7. Kassel · 19.7. Karlsruhe 88697526792

Erhältlich ab 26.6. www.sonymusic.de


platten

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Pop, Rock + Dance A-ha PLATTE DES MONATS

teil hat. Ein Album beinah wie eine Neuerfindung – eine aus tragischer Notwendigkeit. (mw)

Foot of the Mountain

Wilco

SYNTHIEPOP

Wilco (the Album)

Diverse Roskilde – The Music. The Party. The Feeling. Universal

AMERICANA Warner

5

Manchen galten Wilco schon immer als Beatles des Country. Doch selten gab es so viele Fab-Four-Momente wie auf ihrem neuen Meisterwerk, das so heißt wie sie. Man höre nur die süße Melodie von „One Wing“ oder das hübsche Uhuhu des Chors auf „You never know“, dem ein verschmitztes George-Harrison-Riff folgt. Die Virtuosität von Jeff Tweedy & Co. liegt im homogenen Verschmelzen klassischer Americana mit europäischen Pop- und Rocktraditionen, wobei sie diesmal die verblüffenden Krautrockbezüge weitgehend draußen lassen. Nur „Bull black Nova“ atmet im hypnotischen Mittelteil mit monotonem Geklöppel und dem Herumreiten auf Klavier- und Gitarrenriffs den Geist von Neu! und Harmonia, zumal alles hübsch kakofonisch endet. Doch geprägt wird diese CD vom abgeklärten Folkpop solcher Songs wie „Solitaire“ oder dem Liebeslied „You and I“, deren bitterzarte Melancholie von nächtlichen Überlandfahrten geprägt zu sein scheint. Der Sound ist so gelassen luftig wie auf der jüngsten LiveDVD, wird aber ergänzt um sinnige Overdubs. „Das Studio ist ein weiteres Instrument“, findet Tweedy. Alle Technik aber nützte nichts, schriebe der Mann aus Chicago nicht auch desgnierte Klassiker wie „I’ll fight“ oder „Everlasting everything“, die sich vor nichts verstecken müssen, was seit dem „White Album“ der Beatles verfasst wurde. Punkt. (mw)

-Bewertung

1= grausig bis 6 = genial

2

Die A-ha-Fans werden es nicht gern hören, aber: Die norwegischen Kultpopper werden immer langweiliger. Und die Nicht-A-haFans werden vermutlich nicht gern hören, was Morten, Mags und Pål im Jahr 27 der Bandgeschichte zusammengeschustert haben – weil das alles schon mal da gewesen ist, nur besser. Songs wie das Titelstück sind keine Wiedergeburt, sondern Demontage des eigenen Mythos – Chartsplatz drei hin oder her. Natürlich pinkelt der synthiegeschunkelte Softpop keinem wirklich ans Bein, aber im Brei unterzugehen ist auch ein Untergang – wenn auch im Falle von A-ha kein sang- und klangloser. (kab)

Dave Matthews Band Big Whiskey and the GrooGrux King JAMROCK

Warner

4

Neues Label, umbesetzte Band: Dave Matthews setzt vieles auf Anfang. Musikalisch auch, ziemlich radikal sogar. Litten die alten Platten (im Gegensatz zu den Konzerten) oftmals unter einer gewissen Beliebigkeit, die man vor allem in den USA als Jamrock missverstand, so wirken die neuen Songs energetischer, punktgenauer. Das Album startet mit einem freejazzigen Saxofon – eine Hommage an den während der Aufnahmen bei einem Unfall gestorbenen LeRoi Moore, der im Albumtitel als „GrooGrux King“ verewigt und auf den meisten Stücken noch zu hören ist. Unvermittelt reicht das Sax aus dem Reich der Toten dann den Staffelstab weiter an den Bläserrock von „Shake me like a Monkey“, in dem Matthews eine manchmal aufflammende Faszination für rapähnlichen Gesang offenbart. Der funkige Furor, die Lust am Rhythmuswechsel, die knackige Kürze der Stücke, das Brummen, Brodeln, Plinkern und Schwelgen des vielköpfigen Instrumentenzoos: All das hat was vom späten Santana, woran die kristalline Produktion (verantwortlich: Rob Cavallo) einen großen An-

ROCKPOP

DVD

Edel

2

Seit die großen deutschen Open Airs boomen, ist das Roskilde-Musikfestival ein wenig in Vergessenheit geraten. Da kommt das 100-minütige DVD-Porträt gerade recht, um daran zu erinnern, dass das Festival in der Nähe von Kopenhagen mit jährlich bis zu 130 000 Besuchern zu den wichtigsten Musikevents Europas zählt und nicht umsonst als ein Woodstock-Nachfolger gilt. In den letzten acht Jahren hat der dänische Filmemacher Ulrik Wivel das Festival begleitet, doch leider legt er statt einer informativen Doku einen Promofilm vor. Durch den Film zieht sich ein komplett unkritisches Interview mit Festivalchef Leif Skov, bei dem auch die tragischen Ereignisse aus dem Jahr 2000 nur sehr oberflächlich zur Sprache kommen, als neun Festivalbesucher beim Auftritt von Pearl Yam zu Tode getrampelt wurden. Dazu nerven als Rahmenhandlung komplett gestellt wirkende und klischeebeladene Bilder, die Zeltplatzanarchie, Hippieromantik und Massenverbrüderung vorgaukeln wollen. Selbst die zwar viel zu kurzen, aber wirklich sehr guten Konzertmitschnitte von Künstlern wie Sonic Youth, Editors, Rufus Wainwright und Franz Ferdinand können da nicht mehr viel retten. Roskilde hätte ganz sicher auch einen objektiveren Bericht vertragen. (cs)

Hier kommen weitere 17, zusammengestellt von der französischen Samplerspezialistin Béatrice Ardisson. Der Mix ist brillant, aber auch sehr heterogen: Ein (verzichtbarer) Klassiker wie Bryan Ferrys „A hard Rain’s a-gonna fall“ steht neben dem fluffigen Clubjazz von Minimatic („Just like a Woman“), Jehros Folksoul („All along the Watchtower“) trifft auf Antonys schier überirdisches Pianodramolett „Knockin’ on Heaven’s Door“. Die schönste Version ist indes gar nicht verzeichnet, denn sie verbirgt sich in der Auslaufrille: „Hurricane“ wird vom Vitamin String Quartet als instrumentale Kammermusik inszeniert – und betont so die kompositorische Klasse Dylans, die von vielen sträflich unterschätzt wird. Denn nur weil der Mann aus Minnesota auch stets grandiose Melodien für seine Verse fand, gibt es bisher über 25 000 Studioeinspielungen seiner Songs. Nur gute Texte hätten dafür niemals gereicht. (mw)

Gemma Ray Lights out Zoltar! MELODIC POP

Soulfood

4

„Dunkelgrauen Pop“ nannte ein Kritiker mal das, was Songwriterin Gemma Ray auf ihrem Debüt „The Leader“ gemacht hatte. So unrecht hatte er nicht, und auch über dem Nachfolger „Lights out Zoltar!“ hängen dunkle Wolken. Es ist jedoch eher der Geruch eines nahenden Sommergewitters, der Rays Songs anhaftet, als der eines Herbststurms. Warm und süffig ist ihre Melancholie; zusammengeschwitzt aus Folk und Blues klingt sie wie der Soundtrack für die Reise eines Cowboys, der unausweichlich in den Untergang reitet. (kab)

Hello Saferide Diverse

More modern Short Stories from Hello Saferide

Dylan Mania INDIEPOP

SONGWRITERPOP

Indigo

5

Ein Weblog, der sich mit nichts anderem als Dylan-Covers beschäftigt, verzeichnet bereits über 25 000 Studioeinspielungen.

Universal

5

„People are like songs … some seem dull at first but then they grow on you“ – so mag es einem auch mit dem zweiten Album


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platten

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Pop, Rock + Dance der schwedischen Songwriterin Annika Norlin und ihrer Band gehen. Auf den ersten Blick unspektakulär, entfalten die gesungenen Kurzgeschichten bei näherer Betrachtung ihren ganz eigenen poetischen Kosmos. Und auch musikalisch deckt „More modern Short Stories …“ eine beachtliche Breite ab, ohne in erzwungene Stilvielfalt abzugleiten. Im Duett mit Andreas Mattson klingt Norlin schwer nach The Postal Service, solo sind ihre Songs mal folkig-fragil, mal gehen sie an die Rockgrenze. Dabei sind sie immer intelligent arrangiert und halten kleine Überraschungen bereit. Mit dieser unprätentiösen, offenen Art sollten die in ihrer Heimat preisüberhäuften Schweden auch hier für Aufmerksamkeit sorgen. (kab)

801 war Mitte der 70er Phil Manzaneras Spielwiese, nachdem er Roxy Music verlassen hatte. Nun kümmert sich der Fusiongitarrist um die vier Alben des Projektes: „Live“, „Latino“, „Manchester“ und „Live @ Hull“ (Rough Trade) liegen fein remastert und (im Fall „Live“) mit Bonus-CD neu vor. Artrock, so skurril wie seltsam – und enorm einflussreich.

Jack Peñate Everything is new INDIEPOP

Indigo

4

Der Albumtitel ist Programm: Schon vor zwei Jahren rebellierte der Londoner gegen den Einheitssound der Insel und kreuzte seinen extrem tanzbaren Indierock mit Soul, Ska und Rockabilly. Und während britische Hypebands in der Regel das eigene Debüt kopieren, wagt Jack Peñate trotz Hits wie „Spit at Stars“ nun die Runderneuerung. Die Vorabsingle war da schon clever gewählt und federt den Schock etwas ab: Mit dem Phillysound von „Be the one“ gelingt Peñate eine gewöhnungsbedürftige, aber durchaus überzeugende Kreuzung von Jeff Buckley und Justin Timberlake. Doch wenn er in die Vollen geht und Afrobeat, Gospelchöre und Perkussion bemüht, wird das trotz der Pionierarbeit von Vampire Weekend kaum

ein Indiefan mitmachen. Schade eigentlich, denn nach einigen Durchläufen offenbarten sich Songs wie „Every Glance“ auch seinen alten Fans als Hits. Vielleicht war die endgültige Befreiung aus dem Indiekorsett aber auch notwenig: Jacks Hüftschwung war schließlich schon immer ein sicherer Hinweis darauf, dass er das Zeug zum Mainstreamstar hat. (cs)

Junopilot

entierten sich zu stark an erwähnten europäischen Nachbarn, deren Sound ebenfalls auf der Ästhetik der 70er-Jahre beruht. Doch haben Junopilot komplett auf Gesang verzichtet, ihren Loungesound stattdessen mit Gitarre, Sitar und Drums unterfüttert und das Babelsberger Filmorchester verpflichtet. Ergebnis: Die Arrangements sind angenehm unaufgeregt, tragen so schöne Namen wie „Augenlied“ oder „Mondschnee“ – und wirken so vertraut, als kämen alte Freunde zu Besuch. (suz)

Junopilot

Moby

CHILLOUT

Wait for me AMBIENTPOP

Nova MD

4

Frankreich hat Air, England Zero 7 – wir haben Junopilot, ein Elektronikduo aus Berlin und Hamburg, das uns auf seinem Debüt an seiner Definition von Loungemusik teilhaben lässt. Böse Zungen könnten behaupten, Jojo Büld und Sven Meer ori-

Edel

3

Der Exzentriker Moby hatte darauf bestanden, den Journalisten seine neue CD während einer Massage vorspielen zu lassen. Als

HAMBURG, GERMANY


platten

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Massagemuzak funktioniert „Wait for me“ auch ganz vortrefflich. Mobys Waber-Rhabarber-Sound, gestrickt aus den triefigsten Synthiesounds diesseits von Vangelis und üblichen Chor- und Gesangseinlagen, ist wie gemacht für Wellnesshotels mit Panoramablick. Nur manchmal, wenn es – wie in „Shot in the Back of the Head“ – dank leichter Störungen im Ablauf und Hallgitarre eher cinemascopisch als somnambul wird, gewinnt Mobys Album eine Qualität, die über die natürliche Funktionsbestimmung molligen Ambientpops hinausgeht. Einige seiner Ideen sind schlicht abgedroschen, wofür er einst selber sorgte. Gesampelte Sprach- und Gesangsfetzen ehrwürdig zerzauster Gospelsouler in fette Synthiesoße zu tunken war mal verblüffend interessant, muss aber nicht wiederholt werden. Moby tut’s trotzdem („Study War“). Natürlich sind manche Kontraste zwischen Studiosterilität und vokaler Erdigkeit noch immer reizvoll („Walk with me“), und sobald er etwas abspeckt, beschleunigt und gitarristischer angeht („Mistake“), gelingt ihm fast so was wie Indiepop, was während der Massage nicht weiter stört. Doch über das Etikett Eno für Arme kommt Moby einfach nicht hinaus. (mw)

Passion Pit Manners INDIEPOP

Sony Music

5

Nach dem großen Erfolg von MGMT verlängern Passion Pit aus Massachusetts den Trend und machen den Mix aus Glamdisco und Progpop auch zum Sound dieses Sommers. Mit der Single „Sleepyhead“ nimmt das Quintett um Sänger und Songschreiber Michael Angelakos zwar schon seit einigen Monaten jeden Club auseinander, doch anders als etwa Kollegen wie Empire Of The Sun legen sie mit „Manners“ jetzt auch ein Debütalbum nach, welches das Niveau der Single sogar übertrifft. Selbst wenn die psychedelischen Soundskulpturen meterhoch in den Himmel ragen oder der Falsettgesang von Angelakos auf unheimliche Kinderchöre trifft: Passion Pit finden immer zu einem freundlichen Elektrobeat zurück und besin-

nen sich auf unwiderstehliche Hooklines. Hits wie „The Reeling“ und „Little Secrets“ ernten, was MGMT gesät haben, doch kompositorische Finessen weisen immer wieder über die aktuelle Saison hinaus. Aus den Newcomern des Jahres könnte eine trendunabhängige Band werden, die in ein paar Jahren einen Popmeilenstein à la „Pet Sounds“ von den Beach Boys hinlegt. (cs)

Rinôçérôse Futurinô

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kratziger Elektro, der mit Rock interagiert. Ihr Konzept: komponieren und möglichst viele unterschiedliche Sänger auf einer Platte unterbringen. So stand auch für „Futurinô“ die Studiotür wieder weit offen, und alle kamen vorbei: Bnann von Infadels, Mark Gardener von Ride, Ninja vom Go Team! – oder Jessie Chaton, die sich bereits mit „D.A.N.C.E.“ von Justice in die Gehörgänge gebrannt hat. Rinôçérôse werden wie ein gutes Stück französischer Käse immer reifer. Das Ergebnis: kraftvoll – und arschcool. (suz)

ELEKTROROCK

Siva Same Sights, new Light INDIEPOP Universal

5

Ihre Livequalitäten sind über die Genregrenzen hinweg bekannt, und zahlreiche prominente Musiker wie New Order, Massive Attack oder LCD gelten als Fans der französischen Querdenker Patrice Carrié und Jean-Philippe Freu. Ihr Sound: derbe-

Indigo

Indiefans teilen ihre Lieblingsbands nicht gern. Und spielen die gut gehüteten Geheim-

NEW ALBUM 05.06.09 CD, CD/DVD, LP, DOWNLOAD & LIMITED EDITION DELUXE BOXSET INCLUDES THE SINGLE 'FOR WHAT IT'S WORTH' 29.05.09 PLACEBO LIVE AT ROCK AM RING 05.06.09 / ROCK AM PARK 06.06.09 WWW.PLACEBOWORLD.CO.UK

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Pop, Rock + Dance nisse erst in mittelgroĂ&#x;en Clubs, entziehen die Snobs ihnen schnell die Zuneigung. Als Siva vor zwei Jahren ihr DebĂźt verĂśffentlichten, war die Gefahr groĂ&#x;, dass sie wegentdeckt werden; schlieĂ&#x;lich heimste das Berliner Quartett vĂśllig zu Recht sogar Vergleiche mit The Notwist ein. Doch die groĂ&#x;e Anerkennung blieb aus, und so dĂźrfen sich die Indiefans jetzt auch Ăźbers zweite Album freuen. Gottlob versuchen Siva den Erfolg nicht zu erzwingen und scheren sich weiterhin nicht um Trends und Eingängigkeit. Stattdessen gehen sie den eingeschlagenen Weg weiter, ohne sich zu wiederholen. Da treffen noch verletzlichere Gitarren auf noch verspieltere Elektronik, um von der warmen Stimme Andreas Bankowskis aufgefangen zu werden. Und jetzt ist es auch kein Problem mehr, wenn die Verkäufe der Qualität entsprechen. Songs wie â&#x20AC;&#x17E;Misery Boxâ&#x20AC;&#x153; und â&#x20AC;&#x17E;One Lineâ&#x20AC;&#x153; sind so gut, fĂźr die geht man auch in mittelgroĂ&#x;e Clubs. (cs) Cluster erfanden parallel zu Eno die Ambientelektronik. Ihr 1979er-Album â&#x20AC;&#x17E;GroĂ&#x;es Wasserâ&#x20AC;&#x153; (Indigo) bildet den Auftakt einer 23-teiligen Serie von Wiederauflagen klassischer Elektronik des Sky-Labels.

Spinnerette Spinnerette INDIEROCK

PIAS

4

â&#x20AC;&#x17E;Baptized by Fireâ&#x20AC;&#x153;, â&#x20AC;&#x17E;All Babes are Wolvesâ&#x20AC;&#x153;, â&#x20AC;&#x17E;The walking Deadâ&#x20AC;&#x153; â&#x20AC;&#x201C; wer die Songtitel liest, weiĂ&#x;, wohin die Reise geht. Hier wird nicht hirnlos dahingesäuselt, auch simple Pophooks sucht man vergebens. War fast klar, denn Spinnerette ist das neue Projekt von Brody Dalle, Exfrontfrau bei den Distillers. Keine Band â&#x20AC;&#x201C; darauf legt die Dame wert, denn sie mĂśchte sich weiterhin offenhalten, mit wem sie sich umgibt. Beim DebĂźt mit dabei: Tony Bevilacqua (The Distillers), Jack Irons (Red Hot Chili Peppers) und Alain Johannes (Queens Of The Stone Age). Klingt illuster, ist es auch. Der Sound schrubbt sich sofort in die GehĂśrgänge, mit fast schon Ăźbersättigten Gitarren, extrem tiefem Bass und einer angenehm untertourigen Taktzahl.

Ă&#x153;ber all dem thront Dalles markante Stimme, mal kratzig, mal verfĂźhrerisch, mal hintergrĂźndig. Vom Sound her hat sie sich offenbar von Ehemann Josh Homme anstecken lassen, auch wenn sie glĂźcklicherweise nicht so weit geht, sich auf ungerade Takte oder ausufernde Soli zu kaprizieren. Straight, doch kreativ: Das ist das Prinzip Spinnerette. Funktioniert bestens. (es)

The Bosshoss Do or die FUNCOUNTRY

Universal

4

Vor fĂźnf Jahren war sicher nicht abzusehen, dass sich die sieben SpaĂ&#x;cowboys einen permanenten Platz in der ersten Chartsliga erspielen wĂźrden. Vornehmlich Coversongs brachten sie dorthin. Das Ă&#x153;berraschungsmoment, bekannte Lieder

anders intoniert zu hĂśren, war auf ihrer Seite. Jetzt spielen sie nur noch Eigenkreationen. Die Fangemeinde dĂźrftâ&#x20AC;&#x2122;s nicht stĂśren. Ihre Platte beginnt rockig mit â&#x20AC;&#x17E;Last Dayâ&#x20AC;&#x153;; die Instrumentalspur klingt deutlich härter als auf den Alben davor, während die Stimme unverkennbar und trashig elvisartig bleibt. Sie sorgen fĂźr Sommerlaune, wenn sie Traditionelles mit krachender Modernität verbinden und dabei dem Rock ein Countrykleid ĂźberstĂźlpen. Sofort schwofen Tanzbegeisterte, wo sie gerade stehen, Tellerkleider fliegen und gamaschenumhĂźllte Lederschuhe klackern, während die Finger nicht mehr aufhĂśren kĂśnnen zu schnippen. Permanent gibt das Schlagzeug seinen Senf dazu, die verzerrte Gitarre gibt den Ton an, und Bosshoss heizen ein: â&#x20AC;&#x17E;go go goâ&#x20AC;&#x153;! Eine CD fĂźr alle, die sich, die Band und deren Musik nicht zu ernst nehmen. Denn das tun Bosshoss selbst ja auch nicht. (sh) Nick Cave & The Bad Seeds werden mit einer â&#x20AC;&#x17E;Collectors Editionâ&#x20AC;&#x153; (Mute) geehrt. Alle 14 CDs wurden remastert und um eine DVD ergänzt. Die ersten vier: â&#x20AC;&#x17E;From her to Eternityâ&#x20AC;&#x153;, â&#x20AC;&#x17E;The First Born is deadâ&#x20AC;&#x153;, â&#x20AC;&#x17E;Your Funeral, my Trialâ&#x20AC;&#x153; und â&#x20AC;&#x17E;Kicking against the Pricksâ&#x20AC;&#x153;.

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platten

kulturnews 7/09

The Dead Weather Horehound INDIEROCK

Sony BMG

4

Jack White gönnt sich neben den White Stripes und The Raconteurs nicht einfach nur eine Drittband, er ruft gleich eine Supergroup des Indierock ins Leben: Bei The Dead Weather spielt Dean Fertita von den Queens Of The Stone Age die Gitarre, Jack Lawrence von den Raconteurs übernimmt den Bass, und weil White den Gesang größtenteils der Kills-Frontfrau Alison Mosshart überlässt, nimmt er selbst hinterm Schlagzeug Platz. Aufgenommen in nur drei Wochen in Whites neuem Studio in Nashville mischt die Band auf ihrem Debüt den Blues von White Spripes und Kills mit klassischem Rock. Die Single „Hang you from the Heavens“ zelebriert von Brummgitarren getriebenen 70er-Rock, bei „I cut like a Buffalo“

übernimmt die Orgel das Kommando, und das schmutzige Funkmonster „Treat me like your Mother“ rückt den Bass in den Mittelpunkt und gipfelt in einem von White gerappten Refrain. Um dieses Album zu lieben, sollte man gegenüber Muckertum zumindest aufgeschlossen sein. Anhänger der am Projekt beteiligten Bands dürften damit keine Probleme haben. Nur Kills-Fans sollten vorsichtig sein: Die Stimme der eigentlich großartigen Mosshart wirkt überraschenderweise oft deplatziert, und irgendwie kauft man ihr die klassische Rocksau nicht ab. (cs)

Toy Fight Peplum INDIEPOP

Rough Trade

3

Spielzeuginstrumente sind klasse. Sie versüßen einen Rocksong mit Do-it-yourself-

Niedlichkeit. Spielzeuginstrumente zeigen, dass der Musiker sich selbst zurücknehmen kann, dass er den traditionellen Rocksong beherrscht, ohne machohafte Rockismen übernehmen zu müssen. Und Spielzeuginstrumente entkleiden eine Komposition, bis sie nackt dasteht, als reiner Song. Und da liegt das Problem der französischen Band Toy Fight: Das Daumenklavier mag lustig hämmern, die Plastikgitarre dengeln – die Songs sind ster-bens-langweilig. Indiepop der ödesten Sorte, mal folkig, mal rockig, mal mit Easy-Listening-Flair. Aber immer auf der ganz sicheren Seite, Annäherungswerte an perfekten Pop mit Beatles-Harmonien. Nur einmal, im angekratzten „High Noon“, überraschen Toy Fight mit einem abgründigen Zwischenspiel, ansonsten bleibt die Platte vorhersehbar. Und wenn man das mit anderen Spielzeugpoppern wie den Genre- wie Geschlechtergrenzen überwindenden CocoRosie vergleicht, ist das schon schwer enttäuschend. Im Vergleich zu Toy Flight beweist selbst ein schlichter Geist wie Coralie Clement überbordende Kreativität. (fis)

51

Voormann & Friends A Sideman’s Journey RETROROCK

Universal

3

Der Hamburger Klaus Voormann ist das Musterbeispiel für jemand, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und über die „virtu“ (Macchiavelli) verfügte, Fortuna beim Schopf zu packen. Auf Basis seiner Freundschaft mit der unbekannten Band The Beatles im Hamburg von 1960 startete der Grafiker und Bassist eine Weltkarriere im Umfeld von lauter Superstars. Die meisten davon braucht der 71-Jährige nur anzurufen, und schon kommen sie herbei. Auf „A Sideman’s Journey“ wirken viele davon mit, darunter Ringo Starr, Paul McCartney, Cat Stevens oder Dr. John. Sie spielen überwiegend voormannsche Karriereschritte und/oder Standards wie „Short People“, „My sweet Lord“ und „Just like a Woman“. Das tun sie mit der

»Die g rosse neue deutsche S oulhof fnung – die Stim me ist golden« Süddeutsche Z eitu ng

BILDER VON MIR

»Ania Jools präsentiert f ür ih r Alter eine Stim me mit giga ntischem Um fa ng und soulig-reifer Fä rbung, die die som merlichen Melo dien ih res kom menden Albums passend unterstreicht.« Fo cus O nline

»Grosse kla ngliche Bereicher ung... Per fekter Freiluf t S ound!«

CD 88697 28916 2

Süddeutsche Z eitu ng

Da s De D Debu bu butu t-Al A lbum Albu Al b m bu jetzt ü berr all erh je h ä lt l tlli l i ch c !

w w w.sony music.de w w w.a riola.de Foto: A ngelo Ma rgheriti


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platten

kulturnews 7/09

Archiv + Repertoire Routine vieler Berufsjahrzehnte, doch einem derart unmodernen Impetus, dass dieser Platte die Altherrennostalgie aus allen Rillen tropft. Das Namedropping wird dennoch sein Werk tun. Gut so: Ein Teil der Einnahmen geht nämlich an die vom Aussterben bedrohten Indianer vom Stamm der Oglala Lakota. Die limitierte handsignierte Edition des Albums enthält als Bonus seine Entstehungsgeschichte auf DVD. (mw)

Diverse

IBIAN MANDO DIAO | IBLOC PARTY. | KASA

DJ Cliffy presents Black Rio 2 SAMBASOUL

RISE Against |

Alive

ERIC PRYDZ | CRYSTAL CASTLES Live

5

DJ Cliffy macht, was DJs halt so machen: kompilieren. Doch dem Briten geht es nicht um etwaige persönliche Remixtalente – die im Übrigen auf den „Black Rio“-Samplern auch gar nicht zum Tragen kommen –, sondern er ist missionarisch unterwegs. Den brasilianischen Soul und Funk der 70er will er der Welt näherbringen, und wer das Album hört, weiß auch warum. Dieses jenseits von Ipanema und Copacabana weitgehend unbefahrene musikalische Gewässer eignet sich nämlich hervorragend zur Schatzsuche, und Cliffy fördert mit seinem zweiten Tauchgang eine ganze Perlenkette zutage. In 18 famosen Stücken trifft Funk auf Soul und Samba, der von dominant bis peripher seine Rolle heterogen spielt, vorgetragen mit jenem schaumigen Portugiesisch, das auch den Bossa so verführerisch macht. (kab)

Kiss Kissology Vol. 1 1974–1977 GLAMROCK

DVD

Eagle Vision

Tickets sind auf www.musicticket.at, im Musicticket-Shop (Skodag. 25, 1080 Wien), in jeder Bank Austria (Ermäßigung für MegaCard-Members) und unter 01/24924, bei der WienXtra Jugendinfo (01/1799), bei oeticket (01/96096, www.oeticket.com), bei Ticket Online unter www.ticketonline.at bzw. 01/88088 und bei Ticketcorner über www.ticketcorner.com oder 01/2051565 erhältlich.

4

Kiss geben keine Konzerte, sondern veranstalten Glittergruselcomicshows, bei der die Horrorclowns mit klumpigen Plateaustiefeln feuerspeiend und blutspuckend Bubblegumhardrock spielen. „Kissology Vol. 1“ zeigt, dass das einst so provokante Livespektakel heute so gefährlich wirkt wie ein Gummibärchen nach dem Zähneputzen.

Herrliche sieben Stunden Konzert- und TVMitschnitte aus der Frühzeit der Band, zwar meist in infernalisch schlechter Bildqualität, doch dafür mit erstaunlich gutem DD5.1Sound und vielen Zusatzfeatures wie Audiokommentaren, fettem Booklet, Eastereggs, Untertitel, Bonus-DVD und über PC einblendbaren Songtexten geben dem Digipack eine außergewöhnliche Exklusivität. Gegenüber der seit drei Jahren auf dem US-Markt verkauften Version unterscheidet sich diese nur durch die fehlenden SSRunen im Bandnamen … Kiss-Hüne Gene Simmons bringt es auf den Punkt: „Kann sein, dass unsere Musik scheiße ist, aber in Sachen Vermarktung macht uns keiner was vor.“ Mehrere Folge-DVDs stehen denn auch in den Startlöchern. (kl)

Placebo Box Set GITARRENROCK

Capitol

5

Willkommen zum großen Kehraus: Rechtzeitig zur Veröffentlichung des neuen Placebo-Albums „Battle for the Sun“, wartet ihr langjähriges Label Hut Recordings mit einer umfassenden Backkatalog-Edition auf. Bestandteile: die ersten fünf Studioalben im Digipack, dazu die Videos der Singleskopplung „Once more with Feeling“, eine weitere DVD mit einem Pariser Livekonzert von 2003 („Sleeping with Ghosts Tour“) sowie – und das ist der eigentliche Clou des Ganzen – eine Bonus-CD mit sämtlichen 27 B-Seiten der Jahre 1996 bis 2007. Worunter sich solche Schätze wie „Drowning by Numbers“ von der Debütsingle „Come home“, der Raucherblues „Been smoking too long“, das bekiffte „Hare Krishna“ oder der französischsprachige Bossa Nova „Mars Landing Party“ befinden. Nicht minder skurril: die Instrumentals „Needledick“ und „Dub Psychosis“, die eine ganz andere, avantgardistische Seite des Trios zeigen – und den eigentlichen Kaufanreiz dieses schicken Boxsets ausmachen. Eben der komplette Molko, mit allen Irrungen und Wirrungen. (ma)

Crosby, Stills & Nash erfreuen uns mit „Demos“ (Warner) aus der Frühzeit ab 1968. Die Rohversionen späterer Klassiker wie „Almost cut my Hair“ oder „Chicago“ haben ihre Reize, gewannen dann aber im Studio deutlich, wie man jetzt feststellen kann.


platten

kulturnews 7/09

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Aktion

Jazz + Classics JAZZ-PLATTE DES MONATS

JD Souther If the World was you

JAZZPOP

4

Warner

Souther ist ein Haudegen. In den 70ern legte er drei Alben mit bisweilen brillanten Kompositionen vor, die aber unter der zeitund westcoasttypischen Neigung zum Überarrangement litten. Für andere schrieb er Hits (z. B. die Eagles-Nummern „Heartache tonight“ und „New Kid in Town“), ehe er sich zurückzog. Seit 25 Jahren ist dies nun Southers erstes Album – und endlich findet er zu einem adäquat edlen, doch nicht sterilen Klangkleid, das seinem Songwriting gut steht. Dabei wildert er in Randzonen seines Spektrums. „One more Night“ etwa ist eine typische New-Orleans-Nummer, die jederzeit von Dr. John gespielt werden könnte. Souther (63), der die graumelierte Attraktivität eines Clint Eastwood ausstrahlt, hat freilich jene leicht weinerliche jungenhafte Stimme behalten, die ihn deutlich unterscheidet vom Kollegen. Sein Comebackalbum ist geprägt von Drums, Klavier und Bläsern, von einem fein ausbalancierten Jazzsound, der schwankt zwischen Bar und Cocktailparty und der so warm und transparent produziert ist (von Souther selbst), dass sogar die Anbaggerode „I’ll be here at closing Time“ charmant wirkt – obwohl er die Barfrau sofort mit der Vision gemeinsamer Kinder überfällt. (mw)

Markus Stockhausen Symphonic Colours SINFONISCHER JAZZ

Edel

4

Im Konzertsaal müssen Markus Stockhausens Kompositionen ein emotionaler Over-

kill sein: mit hochdramatischen, doch nie schwülstigen Streichersätzen, eleganten Elegien für Flügelhorn, dem ganzen Programm großer Gefühlsausbrüche und kleiner Seelenkitzeleien. Aufgenommen wurden die auf diesem Doppelalbum versammelten Werke mit der Deutschen Radiophilharmonie, dem Swiss Jazz Orchestra und der Camerata Bern – ein sorgsam verlesener Querschnitt, der das konsequente Streben des Bläsers, Komponisten und Arrangeurs nach publikumsdienlicher Nachvollziehbarkeit seines Schaffens zum Ausdruck bringt. Nur wenn Stockhausen (wie auf „MAP Encore“) an der Seite von Arild Andersen und Drummer Patrice Héral ins selbstverliebte Improvisieren gerät, scheint er seine Zuhörer vorübergehend zu vergessen. Darüber hinaus verspricht Stockhausen nicht zu viel, wenn er ganz e-musikalisch dozierend von einer „Werkschau“ spricht und artig-altmodisch „einen vergnüglichen Hörgenuss“ wünscht. Den bietet seine CD fast ohne Abstriche. (ron)

Alles neu bei Placebo Neuer Drummer, neue Platte: Placebo rocken und bleiben dabei experimentell – sie überraschen auf dem neuen Erfolgsalbum Battle of the Sun sogar mit Bläserarrangements. Erst im November kann man sich vom runderneuerten Klangkonzept des Londoner Trios auch live überzeugen, doch bis dahin versetzt eine limitierte Box mit dem Album, einer Bonus-CD, zwei DVDs sowie LP, Fotos, Liedtexten und Poster uns schon mal in die richtige Stimmung. kulturnews verlost 5x die Placebo-Box. Bis zum 28. Juli die Gewinnhotline unter 0137-989 89 81 (0,49 Euro/Anruf) anrufen. Viel Glück!

Paquito D’Rivera Quintet Jazz – Clazz LATINJAZZ

Aktion Edel Kultur

5

Dies ist eine Jazz-CD. Aber mit von der Partie sind drei hervorragende Klarinettisten aus dem klassischen Lager: das bei Klarinettenliebhabern wohl bekannte Trio Clarone, eine Art Familienunternehmen der Geschwister Wolfgang und Sabine Meyer, die mit dem Dritten im Bunde, Reiner Wehle, verheiratet ist. Paquito D’Rivera spielt nur auf einem Track Altsaxofon, ansonsten bildet er mit den anderen an mehreren Instrumenten der Klarinettenfamilie ständig wechselnde Gruppierungen, die Stilarten wie Jazz, Blues, Klassik, Tango und kubanischen Canzon brillant bedienen. Alle Tracks sind hochvirtuos, die Klarinetten durchwegs tonschön, und die hervorragenden Arrangements werden von einer stilsicheren Rhythmusgruppe begleitet. Bemerkenswert als Solisten sind auch der junge Pianist Alexander Brown, Bandoneonist Hector del Curto und Posaunist Diego Urcola. Einzig um Astor Piazzollas schwermütigen berühmten Tango „Oblivion“ aus dem Film „Heinrich IV“ kann es einem leidtun, da die Originalstimmung diebisch-karibisch umarrangiert wurde und damit – wenn auch glorreich – untergeht. (jn)

Die Welt zu Gast bei Freunden Thomas D., Samy Deluxe und Blumentopf machen mit, weitere Größen folgen: Zum zwölften Mal halten im August Temperament und afrikanisch-karibisches Flair Einzug in Aschaffenburg. Unterm Festivalmotto one race … human! ist schwer was los in der Stadt: Weltbasar, Kinder-, Kultur- und Strandbereiche, eine Zeltbühne, Folklore, Akrobatik und ein Themenzelt rund um den Kontinent Afrika. Alle Infos gibt es unter www.afrika-karibik-festival.de kulturnews verlost 3 x 2 Tickets für das Afrika-Karibik-Festival (3.–16. 8) – einfach bis zum 28. Juli unter 0137-989 89 80 (0,49 Euro/Anruf) anrufen und mit ein bisschen Glück gewinnen.


weltmusik

kulturnews 7/09

Foto: Joao Wainer

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Mayra Andrade

Echte Stimmungsmusik Kapverdische Melancholie oder doch lieber kubanische Lässigkeit? Mayra Andrade findet nicht, dass man sich entscheiden muss. Schließlich ist sie eine echte Kosmopolitin. kulturnews: Mayra, Cesaria Evora hat die Kapverden auf die musikalische Landkarte gebracht. Wo würde die kapverdische Musikszene heute ohne sie stehen? Mayra Andrade: Für uns ist diese großartige Frau weit mehr als eine Künstlerin. Gäbe es sie nicht, dann wüsste wohl kaum jemand, dass der Inselstaat Kapverden überhaupt existiert. Insofern hat sie weit mehr geleistet, als nur uns jungen Sängern den Weg zu ebnen. kulturnews: Du gehörst der Pantera-Generation an. Wie sehr hat dich der Komponist Orlando Pantera geprägt? Andrade: Ich habe ihn unendlich bewundert, weil seine Songs wirklich innovativ gewesen sind. Als 15-Jährige habe ich meinen ganzen Mut zu-

sammengenommen und ihn einfach angerufen. Wir haben uns getroffen, ich habe ihm ein Lied vorgesungen,und dann haben wir stundenlang über Musik geredet. Leider ist er wenige Jahre später gestorben. kulturnews: Warum sind auf deiner zweiten CD keine Stücke von ihm? Andrade: Die Titel, die ich gern interpretiert hätte, wurden jüngst von Kollegen aufgenommen. Insofern kamen sie diesmal für mich nicht infrage. Trotzdem werde ich auch in Zukunft dafür sorgen, dass Panteras brillante Werke auf keinen Fall in Vergessenheit geraten. kulturnews: Seinen Kompositionen wird oft eine brasilianische Note zugeschrieben. Andrade: Klar, denn kapverdische Lieder ähneln in gewisser Weise der Musik Brasiliens. Beide Länder sind sowohl der afrikanischen als auch der portugiesischen Kultur sehr verbunden. Aber letztlich legen wir doch verschiedene Gefühle in unsere Songs. kulturnews: Du arbeitest mit Musikern aus aller Welt. Wie schwierig ist es für dich, kulturelle Unterschiede zu überwinden? Andrade: Damit hatte ich nie ein Problem. Weil mein Stiefvater Diplomat ist, sind wir häufig umgezogen. Ich wurde auf Kuba geboren, habe in Angola, auf den Kapverden, im Senegal und in Deutschland gelebt. Heute wohne ich in Paris. Dank meiner Offenheit komme ich überall gut zurecht. Interview: Dagmar Leischow

Storia, Storia ist Ende Juni erschienen.


PRÄSENTIERT: kulturnews 7/09

gypsyfolk

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mpe music pool europe in association with William Morris Agency

LADY GAGA

Foto: Slike Babic

16.07.09 München - Zenith 17.07.09 Köln - Palladium 18.07.09 Berlin - Columbiahalle 26.07.09 Hamburg - Stadtpark

Goran Bregovic´

Sliwowitz und Blasmusik ´ Schlüssel Filmmusik war Goran Bregovics zum Erfolg, aber davon will er heute nichts mehr wissen. Viel zu kommerziell. Seine Musiker besticht der Serbe manchmal trotzdem mit Geld – und mit Alkohol. kulturnews: Herr Bregovic, ´ Ihr neues Album heißt „Alkohol“. Wann haben Sie das letzte Mal einen über den Durst getrunken? Goran Bregovic´ : Normalerweise trinke ich nicht. Nur auf der Bühne, da muss es was zu trinken geben. Das steht auch immer in unseren Verträgen. Beim Konzert trinke ich ein bisschen und gebe den Musikern ein bisschen Geld. Das hilft bei der Stimmung. kulturnews: Wenn sie dem Alkohol gar nicht so zugetan sind, warum haben Sie ihm dann Ihr aktuelles Album gewidmet? Bregovic´ : Das war blanker Zufall. Ich war zum GucaFestival im Süden Serbiens eingeladen, auf dem viele Bläsergruppen gegeneinander antreten. Bei diesem Konzert habe ich eine Menge getrunken. Deshalb dachte ich mir, dass es keine blöde Idee wäre, aus diesem Material eine CD fürs Trinken zu machen.

kulturnews: Wo liegt die Verbindung zwischen Musik und Alkohol in Ihrer Kultur? Bregovic´ : Die Musik des Balkans wurde von jeher zum Trinken gemacht. Ich musste also nicht mal nach einer Entschuldigung suchen, denn ich stamme aus dieser Tradition. Unser Pflaumenschnaps Sliwowitz passt bestens zu einer Bläserband, denn die Blasmusik des Balkans ist nicht nur Musik, sie ist auch verrückt. So verrückt wie wir. kulturnews: Wie meinen Sie das? Bregovic´ : Ich glaube, dass ein Teil unseres Wahnsinns daher kommt, dass wir Sliwowitz trinken, der meist zu Hause gebrannt wird und dehalb oft nicht sehr sauber ist. Es ist eine Menge Methylalkohol drin. Ich glaube, wir sind so verrückt, weil wir seit Jahrhunderten diesen Schnaps trinken. kulturnews: Für manche Leute ist Alkohol reines Teufelszeug. Was ist er für Sie? Bregovic´ : Alkohol kann man missbrauchen, aber man kann damit auch eine Menge schöner Momente erleben. Auf das Maß kommt es an. kulturnews: Bekannt wurden Sie mit Ihren Filmmusiken für Emir Kusturica. Warum haben Sie diese Arbeit fast völlig aufgegeben? Bregovic´ : Ich bin kein guter Filmkomponist, denn meine Musik ist zu aggressiv und zu melodisch. Außerdem geht es bei den meisten Filmen nur noch um Kommerz. In dieses System passe ich nicht rein. Interview: Holger Erdmann

präsentiert

Tour 2. 7. München, 3. 7. Hamburg, 4. 7. Mainz,

presented by mpe music pool europe by arrangement with ITB

17.10.09 OBERHAUSEN - KÖNIG PILSENER ARENA 19.10.09 BERLIN - O2 WORLD 19.8.2009 BERLIN Knaack Club

mpe music pool europe by arrangement with SOLO present

04.11. 2009 BERLIN  COLUMBIAHALLE 05.11.2009 DÜSSELDORF  PHILIPSHALLE 06.11.2009 MÜNCHEN  ZENITH www.spandauballet.com

5. 7. Duisburg, 6. 7. Freiburg, 7. 7. Berlin Alkohol ist Ende April erschienen.

Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen

Bundesweite Tickethotline: 01805

- 9 69 00 00*

(*14 Ct./Min. Mobilfunkpreise können abweichen)

Tickets im Internet: www.ticketmaster.de • www.music-pool.com


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live

kulturnews 7/09

Tourtipps Jazz Open mit Grace Jones

präsentiert

16. 7. Stuttgart Messe L-Bank Forum

präsentiert

24. 9. – 26. 9. Hamburg Reeperbahn

Androgyn, hedonistisch und unterkühlt sind die Adjektive, ohne die ein Text zu Grace Jones nicht auskommt. Vielleicht sollte man noch unsterblich hinzufügen: Auch mit 60 ist die Schauspielerin und Studio-54-Ikone noch am Puls der Zeit, wie ihr Album „Hurricane“ beweist. 20 Jahre Pause konnten weder dem Exzessmonster selbst noch ihren dubbigen Clubnummern etwas anhaben. Den Beweis gibt’s beim Jazz Open.

präsentiert

Über 100 Clubkonzerte in drei Tagen – das gibt’s hierzulande nur beim Reeperbahn Festival. Auf und im Umkreis von Hamburgs berüchtigter Meile wird auf über 20 Bühnen gerockt. Da muss man entweder genau planen, wen man wann und wo sehen möchte – oder man lässt sich auf gut Glück von Club zu Club treiben. Erste bestätigte Acts: ClickClickDecker, Kante, Wallis Bird, Katzenjammer sowie Sophie Hunger.

Jay Brannan

präsentiert

Starsailor

präsentiert

Spandau Ballet

21. 9. Hamburg Fabrik

4. 11. Berlin Columbiahalle

22. 9. Berlin Postbahnhof

5. 11. Düsseldorf Philipshalle

23. 9. München Theaterfabrik

6. 11. München Zenith

präsentiert

27. 9. Köln Gloria

Kollegen Coldplay sind mittlerweile Giganten im Musikbusiness, aber Starsailor sind mit ihrem epischen Britpop auf dem Weg zum Ruhm steckengeblieben. Als Fan sollte man sich darüber sogar ein bisschen freuen, weil man das Quartett weiterhin in Clubs moderater Größe erleben darf.

Philipp Poisel

präsentiert

Gegelte Föhnwellen und schnieke Hemden – so hat man die fünf Herren von Spandau Ballet in Erinnerung. Wer die auffrischen will, bekommt bald Gelegenheit dazu: Die Briten kehren im Herbst in Originalbesetzung auf die Bühne zurück, um ein für alle Mal klarzustellen, dass die 80er doch das beste Jahrzehnt für Elektroschmonzetten waren.

Katzenjammer

präsentiert

Foto: Crackerfarm

Riverboat Gamblers

Reeperbahn Festival

18. 8. München 59:1

7. 9. Köln Stadtgarten

21. 8. Stuttgart Zwölfzehn

8. 9. Frankfurt Nachtleben

12. 9. Berlin Postbahnhof

17. 9. München Atomic Café

23. 8. Berlin Tommyhaus

9. 9. München 59:1

13. 9. Hamburg Uebel & Gefährlich

21. 9. Berlin Magnet Club

präsentiert

12. 9. Hamburg Knust

20. 9. München Ampere

Mit 20 tauschte Jay Brennan seine Alkoholsucht gegen die Gitarre und begann Songs zu schreiben. Ab da ging es bergauf für den Amerikaner: Erst bekam er eine Rolle im Filmerfolg „Shortbus“, dann schlug sein Beitrag zum Soundtrack große Wellen. Mit dem Album „Goddamned“ etablierte er sich endgültig als ernst zu nehmender Künstler, der auf akustischen Folk mit Streichereinsatz setzt.

Cassandra Steen

präsentiert

22. 9. Köln Studio 672

*

Wenn man jemanden wie Herbert Grönemeyer hinter sich stehen hat, kann eigentlich nichts schiefgehen. Wobei der Ludwigsburger Poisel diesen Mentor für sein Debüt gar nicht unbedingt gebraucht hätte: Der Singer/Songwriter wäre uns früher oder später dank kauziger Kantigkeit, nasalem Gesang und poetischer Alltagsgeschichten wohl auch so aufgefallen. Aber so ging’s schneller.

Jan Delay & Disko No. 1

präsentiert

23. 9. Dortmund FZW

Muse

16. 9. München Unterfahrt

23. 9. Bonn Brückenforum

11. 10. Köln Palladium

28. 10. Berlin O2 World

19. 9. Berlin Schloss Neuhardenberg

24. 9. München Freiheiz

12. 10. Frankfurt Jahrhunderthalle

16. 11. Köln Lanxess Arena

22. 9. Köln Stadtgarten

30. 9. Aschaffenburg Colos-Saal

19. 10. Freiburg Rothaus Arena

20. 11. München Olympiahalle

23. 9. Hamburg Stage Club

3. 10. Berlin Postbahnhof

24. 10. Dortmund Westfalenhalle

8. 10. Heidelberg Enjoy Jazz Festival

*

Das zweite Soloalbum der norwegischen Jazzsängerin schaffte es in ihrer Heimat bis auf Platz zwei der Charts. Es ist das erste Werk der 37-Jährigen, das nur eigene Kompositionen enthält, in denen sie Elemente aus Jazz, Rock, Folk, Blues, Gospel und afrikanischer Musik zu Melodien verstrickt, die im Zusammenklang mit der rauchigen Stimme des Lockenkopfs zu wunderbaren Songs werden.

*

Wie Katzenjammer hört sich die Musik der vier Norwegerinnen nicht an. Aber eine genaue Beschreibung ihres Sounds ist schwierig, was ihnen bereits die Schublade Folk-CountryBalkan-Klapper-Rockpop eingebracht hat. Am besten selbst reinhören, wenn Katzenjammer mit Trompete, Tuba, Balalaika, Akkordeon, Mandoline und jeder Menge anderer Instrumente anreisen und ihr Debüt vorspielen.

Foto: Hans Fredrik Asbjørnsen

Kristin Asbjørnsen

15. 9. Köln Gloria

präsentiert

Foto: Warner Music Group

Saufen, Glücksspiel und Hauspartys in und um Texas: Diese Exzesse verpackten die fünf Punkrocker geschickt in Songs und veröffentlichten 2003 ihr Debüt. Seither tourten sie schon mit den Eagles Of Death Metal und Rancid, und das Spin Magazine wählte sie unter die 25 besten Liveacts der USA. Mit ihrer Show und dem vierten, wesentlich gehaltvolleren Album wollen die Texaner jetzt Deutschland erobern.

11. 9. Berlin Frannz-Club

16. 9. Stuttgart Beat! Club

4. 10. Dortmund FZW

*

Eingängige Melodien gepaart mit einer sanft säuselnden Stimme und poetischen Texten à la Xavier Naidoo: Mit dieser Kombination beweist die Stuttgarterin, dass Soul auch auf Deutsch funktionieren kann. Schon seit Ende der 90er kennt man sie – sei es als Gast bei Freundeskreis oder als Sängerin der Band Glashaus. Mit ihrem ersten Soloalbum will die Schwäbin auch im Alleingang überzeugen.

26. 10. Berlin Columbiahalle

29. 11. Hamburg Color Line Arena

*

Die Autoindustrie ist im Untergang begriffen, und folgerichtig heißt’s bei Jan Delay ab August nicht mehr „Mercedes Dance“, sondern krisengerecht „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“. Was wiederum die Antwort darauf liefert, ob Hamburgs Musikerchamäleon auf dem neuen Album wieder einen Stilwechsel hinlegt: Es bleibt wohl funkig bei Jan und seiner Disko No. 1. Live ist er ohnehin eine sichere Bank.

Die Briten haben schon von Weltuntergang, Sündenerlass und schwarzen Löchern gesungen. Auf ihrem fünften Album scheint es optimistischer zuzugehen, darf man dem Titel „The Resistance“ vertrauen. Ist aber auch egal – die Tour des Nu-Prog-Trios wird so oder so ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte. Nicht nur wegen Sänger Matthew, der wie ein Derwisch über die gigantomanische Bühne fegt.

Texte: kat/mir

25. 8. Hamburg Hafenklang

9. 9. Heidelberg Karlstorbahnhof


live

kulturnews 7/09

Ray Wilson

präsentiert

Santigold

präsentiert

17. 7. Mainz Volkspark

8. 8. Dresden Pillnitzer Schlossnacht

10. 7. Halbinsel Pouch Splash Festival

24. 7. Berlin Kindl-Bühne Wuhlheide

9. 8. Ehmkendorf Gutshaus

27. 7. Darmstadt Centralstation

(mit Roger Hodgson im Rahmen der

14. 8. Berlin Biesdorfer Parkbühne

29. 7. Hamburg Große Freiheit 36

1. Summernight of Songs)

15. 8. Eisenberg Stadion des Friedens

30. 7. Köln Live Music Hall

28. 8. Leipzig Theater-Fabrik-Sachsen

Katie Melua gilt als die schönste Verbindung zwischen zwei Noten. Dabei ist sie längst mehr als das – nämlich erfolgreich auf Identitätssuche.

kulturnews: Ms Melua, ist es eine Bürde, wenn man als das Gegenteil von allem Subversiven im Pop gilt? Katie Melua: Gemessen an Frank Zappa ist meine Musik harmlos, stimmt. Wenn ich mir dagegen die Sex Pistols vor Augen halte, bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich nicht doch subversiver bin, als die es jemals gewesen sind. Die Band war eins der künstlichsten Erzeugnisse aller Zeiten. kulturnews: Und Sie gelten als windelweiches … Melua: Das wurde mir auch irgendwann klar, deshalb habe ich die Kuschelecke verlassen, in der ich mich mit meinen ersten beiden Alben befand. Ich will sie keineswegs schlechtreden. Aber ich wollte diese melancholischen, netten Songs, gegen die keiner etwas einwenden kann, nicht zur Formel werden lassen. kulturnews: Weil die keiner hasst, aber auch niemand wirklich liebt? Melua: Ich will keine radikale Kehrtwendung. Aber es wäre nicht schlecht, wenn die Leute ihre Vorstellung von Katie Melua neu definieren könnten. kulturnews: Viel Glück bei der Identitätssuche! Melua: Mein Neuorientierungswunsch existiert tatsächlich – weil ich nicht das windelweiche Mädchen bin, das naive Texte singt und zu Hause Stunden vor dem Setzkasten verbringt. Ich sammle keine Monchichis, sondern Lebenserfahrung. Mich als Suchende zu offenbaren, finde ich ehrlicher, als in jedem zweiten Text „Fuck you!“ zu brüllen. Interview: Michael Loesl

präsentiert

Foto: Wilson

präsentiert

Foto: KBK

Katie Melua

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*

Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson ist inzwischen eine Ich-AG – und hat nichts gegen illegale Downloads.

kulturnews: Ray, Rock mit Stiltskin, Mainstreampop mit Genesis, jetzt eine Akustikplatte als Solist: Wie sollen wir dich denn je in eine passende Schublade stecken …? Ray Wilson: Das schafft ihr nicht – hoffentlich nie. Ich bin gern experimentierfreudig. kulturnews: Du wirst immer noch mit deinem Genesis-Gastspiel Ende der 90er und der Vertonung einer Levi’s-Werbung von 1994 in Verbindung gebracht. Bist du stolz darauf oder inzwischen eher genervt? Wilson: Ich war ein vollwertiges Mitglied von Genesis, sehe mich also wirklich nicht als Gast. Und „Inside“ war ein großartiger Rocksong, auf den ich sehr stolz bin. kulturnews: Du hast mal festgestellt, Jugendliche zögen ihre Musik fast nur noch illegal aus dem Netz. Mit welchem Argument würdest du sie davon abhalten? Wilson: Jeder kann doch tun und lassen, was er möchte. Manche haben schlicht kein Geld, um sich Musik zu kaufen. Wenn du Geld hast, dann kauf sie. Wenn nicht, dann lad sie dir runter. kulturnews: Wieso hast du eigentlich nie den Durchbruch zum Superstar geschafft? Wilson: Weil ich nie den Ehrgeiz hatte, jedenfalls nicht als Solokünstler. Von den CDs bis zu Konzerten finanziere ich alles selbst – und habe viele loyale Fans, die mir das ermöglichen. Superstar zu sein würde mein Leben wahrscheinlich nur verderben. Interview: Svenja M. Hufnagl

* Die vollständigen Tourtermine für alle deutschen Städte, weitere Konzertempfehlungen, eine monatliche Tourneeübersicht und Tickets gibt es auf www.kulturnews.de/onstage.

Santi White aus Brooklyn bestreitet zwar, die Popmusik neu erfunden zu haben. Ihre Deutschlandtour könnte uns aber daran zweifeln lassen.

kulturnews: Santi, du hast dich aus namensrechtlichen Gründen im Februar von Santogold in Santigold umbenannt, dein Album heißt aber trotzdem weiter „Santogold“. Verwirrend … Santi White: Ich hoffe nicht. Mich nennen sowieso fast alle einfach Santi. Und meine Musik ist Santimusic. kulturnews: Du drehst bekannte Stile wie Dub, Pop, HipHop oder Elektro durch den Ideenfleischwolf, Björk lud dich 2008 zu sich ins Vorprogramm ein. Bist du die Retterin des Pop? White: Mit diesem Begriff tue ich mich schwer. Meine Musik hat einen Wert und gilt als cool, als hypermodern. Aber damit muss man vorsichtig sein. Wer modern ist, der ist schnell auch wieder unmodern. Außerdem war es nie mein Ziel, die Musik neu zu erfinden. kulturnews: Was ist denn dein Ziel? White: Ich will nicht den Soundtrack für irgendeine Elite machen. Sondern für allein erziehende Mütter, die ihren Kindern meine Songs zum Einschlafen vorspielen. kulturnews: Du hast deine Karriere als Sängerin bei der Punkband Stiffed begonnen. Was ist schockierender: ein schwarzer Präsident oder eine schwarze Punksängerin? White: Zweiteres. In den USA, selbst in New York, kamen die wenigsten damit klar, dass eine schwarze Frau Punk singt. kulturnews: Du schreibst auch Songs für Ashlee Simpson oder Lily Allen. Bist du jetzt ein arrivierter Star oder noch Subkultur? White: Eher noch Subkultur. Wobei ich nie behaupten würde, dass Indiesongs keine schöne Melodie haben dürfen. Interview: Steffen Rüth


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kino

kulturnews 7/09

Start 1. 7. + 2. 7. Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los

FILM DES MONATS

Salami Alkeikum

ANIMATIONSKOMÖDIE USA 2009, 96 Min. R: Carlos Saldanha Ab 1.7. (Fox)

KOMÖDIE D 2009, 102 Min. R: Ali Samadi Ahadi D: Navid Akhavan, Michael Niavarani, Wolfgang Stumph ab 23. 7. (Zorro Film)

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Keine Angst: Die Culture-Clash-Komödie von Ali Samadi Ahadi ist keineswegs so platt wie ihr Titel. Sie handelt vom schmächtigen Kölner Schlachtersohn Mohsen (Navid Akhavan), der kein Blut sehen kann und auf Umwegen in der ostdeutschen Provinz landet, wo er sich in die burschikose Mechanikerin Ana (Anna Böger) verliebt. Bald erliegt das ganze Dorf dem Irrtum, Mohsens persische Familie würde die DDR-Textilfabrik wieder in Betrieb nehmen. Schnell wird der Gebetsteppich für den vermeintlich reichen Schwiegersohn ausgerollt – bis es zum Zusammentreffen der Väter kommt, bei dem Ossis, Wessis und Perser gleichermaßen verulkt werden. So weit, so gewöhnlich. Doch Ahadi bricht die Handlung mit Fantasiesequenzen, wie man sie ähnlich aus „Science of Sleep“ oder „Die fabelhafte Welt der Amélie“ kennt: Er setzt seine Protagonisten in Papierlandschaften, vor rosa Schinkenberge, auf fliegende Teppiche oder lässt sie bollywoodeske Dorffeste feiern. Ein märchenhafter Film, der mit Witz und perfekter Besetzung punktet. (kat)

4

Schnupper, quietsch … kreisch! Alles klar: Scrat, das hyperaktive Säbelzahneichhörnchen, ist wieder da. Es ist zwar auch im dritten Teil der Eiszeitsaga nur Nebenfigur, doch seine nimmermüde Nussjagd zählt längst zu den besten Running Gags der Filmgeschichte. Diesmal darf er zudem einem Weibchen nachstellen. Vor allem aber sind die Mammuts Manni und Ellie dabei, sich auf ihre Elternrolle vorzubereiten, was Tiger Diego zum depressiven Außenseiter macht – und Faultier Sid dazu motiviert, ein paar Dinobabys zu adoptieren. Als die Dinomama ihr Sorgerecht beansprucht, landet die vom Aussterben bedrohte Patchworkfamilie in einer vergessenen Dschungelwelt, in der ein einäugiges Piratenwiesel Jagd auf einen weißen Riesenraptor macht – „Moby Dick“ lässt grüßen … Wir haben es hier erneut mit fast perfekt konzeptioniertem, anspielungsreichem Familienentertainment zu tun. Einzige echte Schwäche, neben der oft einfältigen Filmmusik: etliche halsbrecherische Szenen wurde vor allem für die 3-D-Projektion entwickelt. In der zweidimensionalen Fassung kommen sie weniger gut. (rk)

Das Mädchen aus Monaco

LOVESTORY R: Anne Fontaine D: Fabrice Luchini, Roschdy Zem,

1= grausig bis 6 = genial

(Luchini), der in Monaco einen brisanten Fall übernommen hat, wird Bodyguard Christophe (Zem) zur Seite gestellt. Doch anstatt vor der russischen Mafia muss der smarte Jurist bald vor der Frauenwelt beschützt werden, die ihm in Gestalt der attraktiven und naiven Wetterfee Audrey (Bourgoin) den Kopf verdreht. Pikant, dass der Bodyguard einst eine Affäre mit der Femme fatale hatte. Somit ist die Menage-à-trois perfekt, die so oft die Grundkonstellation französischer Komödien bildet. Doch anstatt Esprit zu versprühen oder gekonnt mit der sonst so typischen Selbstironie zu kokettieren, kommt Anne Fontaines Film nie über seichtes Sommerkino hinaus. Die Hilflosigkeit, die Bertrand im Umgang mit Audrey an den Tag legt, ist zwar lächerlich, aber zu keiner Zeit amüsant. Auch die Unentschlossenheit, welches Genre hier eigentlich bedient werden soll, ob Romantische Komödie, Gerichtsfilm oder Drama, geht zu Lasten der Qualität. (mcs)

Louise Bougoin ab 2. 7. (MFA)

3

Gegensätze ziehen sich in diesem Film gleich mehrfach an: Dem Staranwalt Bertrand

loser TV-Reportagen über die Sexindustrie, auch wenn er nicht auf spermatriefende Gesichter nach dem Cum Shot verzichten mag. Doch selbst das gelingt ihm in anspruchsvollen Bildern. (ascho)

Brüno

KOMÖDIE USA 2009, 90 Min. R: Larry Charles D: Sacha Baron Cohen, Paula Abdul, La Toya Jackson

9 to 5 – Days in Porn

ab 9. 7. (Universal Pictures)

DOKUMENTATION D 2009,113 Min. R: Jens Hoffmann ab 2. 7. (Zorro Film)

F 2008, 95 Min.

-Bewertung

Start 9. 7.

4

Die Studios fallen inmitten der tristen Industriesiedlungen des San Fernando Valley kaum auf und passen auch genau dorthin. Jede Woche werden in diesem Tal rund 200 Pornos gedreht – Jens Hoffmann hat sich daran gemacht, hinter die Kulissen der Milliardenbranche zu blicken. Zehn Protagonisten porträtiert der Dokumentarfilmer mit durchaus kritischem, aber durchweg sympathisierendem Blick, vom verheirateten Pornopaar über die Nachwuchsaktrice bis zum klischeehaft schmierigen Manager. Eine wie Sasha Grey hat es sogar nach Hollywood geschafft: Sie spielte die Hauptrolle in Steven Soderberghs „The Girlfriend Experience“ (2008). Die Suche nach Reichtum, Ruhm oder schlichte Sexsucht sind die Beweggründe, wie die Interviewten offenherzig zugeben. Erfreulicherweise liefert Hoffmann mehr als den Voyeurismus zahl-

5

Nach „Borat“ ist der britische Brachialkomiker Sacha Baron Cohen nun „Brüno“, ein schwuler österreichischer Modereporter, der nach einem kleinen Unglück mit seinem Klettanzug keinen Zutritt mehr zu Fashionshows erhält und in die USA geht, um weltberühmt zu werden. In einem Mix aus teils versteckt gedrehten Spiel- und Dokuszenen tut Cohen das, was er klasse kann: den Rahmen, der unsere Verhaltensmuster einhegt, bis zum Zerbrechen zu überdehnen. Popstar Paula Abdul etwa, die er als Brüno zum Interview bewegen konnte, muss in Ermangelung von Stühlen auf knienden Handwerkern sitzen, während sie von ihrem sozialen Engagement erzählt … In solchen pfiffig ausgedachten Szenarien offenbart sich Cohens ganze Brillanz. Sein Film ist derb, vulgär und tabulos, doch ihm liegt eine ernsthafte soziologische Analyse unserer Vorurteile zugrunde, aus der er ein furioses Festival des Fremdschämens macht. Doof eigentlich nur, wie schlecht die „Österreicher“ Brüno und Lutz miteinander Deutsch radebrechen. Doch darauf kommt es bei dieser To(rto)ur de Force nun wirklich nicht an. (mw)

Das komplette Kinoprogramm aus Ihrer Stadt: alle Filme, alle Spielzeiten, alle Trailer, alle Kinos


kino

kulturnews 7/09

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Start 16. 7.

Start 23. 7.

Affären à la carte

und Fall. Während in â&#x20AC;&#x17E;RevoluciĂłnâ&#x20AC;&#x153; der erfolgreiche Umsturz und der Aufstieg Ches zur heroischen Ikone erzählt wird, bildet â&#x20AC;&#x17E;Guerillaâ&#x20AC;&#x153; den Kontrapunkt. Soderbergh erzählt die Chronologie der letzten Monate im Leben des Che und seinen Versuch, die Revolution nach Bolivien zu tragen. Auch wenn es mehr menschelt als im Vorläufer vom Juni â&#x20AC;&#x201C; wir sehen den von schweren Asthmaanfällen geplagten Che, der trotz mangelnden RĂźckhalts in der BevĂślkerung in seinem FĂźhrungsstil kompromisslos agiert â&#x20AC;&#x201C;, bleibt â&#x20AC;&#x17E;Guerillaâ&#x20AC;&#x153; seltsam emotionslos und distanziert. Er ist mehr Dokumentarfilm denn Biopic oder Politthriller. Kritisch reflektiert wird Ches Verhalten ebenso wenig wie die Fragen thematisiert werden, ob Che Skrupel plagen oder ob der bewaffnete Kampf, der zahlreiche zivile Opfern fordert, legitim ist. â&#x20AC;&#x17E;Guerillaâ&#x20AC;&#x153; zeigt die Revolution nicht als Tageswerk, sondern als Marathonaufgabe. Die Detailverliebheit fordert ihren Tribut: den Spannungsbogen. (mcs)

KOMĂ&#x2013;DIE F 2009, 100 Min. R: Danièle Thompson D: Danny Boon, Patrick Bruel, Emmanuelle Seigner ab 16. 7. (Prokino)

4

â&#x20AC;&#x17E;Bei einem groĂ&#x;en Diner redet man Ăźber nichts, dann wird es Ăśde. Oder man redet Ăźber alles, dann ist es die HĂślle.â&#x20AC;&#x153; Was Sarah (Emmanuelle Seigner) da so am gedeckten Tisch feststellt, geht zwar im allgemeinen Geräuschpegel ziemlich unter, trifft aber den Kern dieses Films. Ein bunter Reigen unterschiedlich enger Freunde und Bekannter hat sich da um Piotr (Danny Boon) versammelt, der sich bemĂźht, zwischen Aperitif und Nachspeise alle ZĂźgel eines gemeinsamen Abendessens in den Händen zu behalten. Solange Ăźber nichts geredet und hĂśflicher Smalltalk betrieben wird, geht der Film als etwas zu brave Satire Ăźber die etablierte franzĂśsische Bussi-Gesellschaft durch. Je mehr die regelmäĂ&#x;igen RĂźckblenden das Beziehungsgeflecht der Tischgesellschaft entwirren und Blicke hinter die Masken erlauben, wird er jedoch zum unterhaltsamen, nur gelegentlich klischeelastigen Boulevarddrama. (rk)

Hangover

&JOFNBHJTDIF4PNNFSHFTDIJDIUF WPO"OES[FK+BLJNPXTLJ )JFSJTUFJO;BVCFSBN8FSL-&.0/%&

KOMĂ&#x2013;DIE USA 2009, 100 Min. Blindtext R: Todd Phillips D: Bradley Cooper, Zach Galifianakis,

Che â&#x20AC;&#x201C; Guerilla

Ed Helms ab 23. 7. (Warner Bros)

BIOPIC ESP/USA 2008, 131 Min. R: Steven Soderbergh D: Benicio Del Toro, Santiago Cabrera, Demian Bichir ab 23. 7. (Central Film)

3

Steven Soderberghs Filme Ăźber Che Guevara sind eine untrennbare Einheit von Aufstieg

2

Am Anfang liegt Las Vegas noch ruhig da. Wolken ziehen Ăźber das Spielerparadies hinweg, die Morgensonne spiegelt sich golden in den Fenstern der Luxushotels. Dieser Frieden ist zumindest fĂźr die Freunde Doug, Phil, Stu und Alan, die Dougs Junggesellenabschied feiern, trĂźgerisch. Am Morgen danach ist Doug verschollen, zum stattlichen Kater gesellt sich eine Raubkatze im Bad, und keiner erinnert sich mehr, was in der Nacht passiert ist. Es folgt die Suche nach Doug, die einige wĂźste Ă&#x153;berraschungen bereithält â&#x20AC;Ś Die AbgrĂźnde von Männerseelen, die Lächerlichkeit von Machoritualen â&#x20AC;&#x201C; dieses Lustspielgold lässt Regisseur Phillips am Wegesrand liegen. Sein Film ist eine PopcornkomĂśdie fĂźr genau die Teenager, die eine zĂźnftige Saufsause vor der Hochzeit fĂźr das Nonplusultra an SpaĂ&#x;

$A M IANĂŚ5LĂŚĂŚsĂŚĂŚ% WELINAĂŚ7ALEN D ZIAKĂŚĂŚsĂŚĂŚ2 A F A Â&#x2018;ĂŚ'U Ă&#x2026; NIC Z AK

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»nimmt von der ersten Szene an gefangen«

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kino

kulturnews 7/09

FRANKFURTER RUNDSCHAU

»von beeindruckender Intensität« FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

»ein toller Film« DIE TAGESZEITUNG

Start 23. 7. halten. „Hangover“ zeigt einfach drei ratlose Männer – den Schönling, den Langweiler, den Freak, – die sich auf eine zumeist langweilige, aber zumindest selten vulgäre Odyssee durch die Plastikwelt von Vegas begeben. Man muss wohl junger Amerikaner sein, um eine Komödie über einen schweren Kater so richtig schätzen zu können. (vs)

Edge of Love oder Was von der Liebe bleibt

Kleine Tricks

TRAGIKOMÖDIE PL 2007, 96 Min. R: Andrzej Jakimowski D: Damian Ul, Ewelina Walendziak, Tomasz Sapryk ab 23. 7. (Kool Film)

LIEBESDRAMA GB 2008, 110 Min. R: John Maybury D: Keira Knightley, Sienna Miller, Matthew Rhys ab 23. 7. (Koch Media)

BIRD WATCHERS DAS LAND DER ROTEN MENSCHEN

3

Die knallrot geschminkten Lippen von Keira Knightley und Sienna Miller bleiben am eindrücklichsten im Gedächtnis. In mehreren Nahaufnahmen fixiert die Kamera sie geradezu verehrend. Es sind die verführerischen Pausen in einer fast zwei Stunden andauernden Melange aus Beziehungseskapaden, ohrenbetäubendem Bombenhagel und den Entgleisungen eines Dichtergenies. Im Londoner Kriegsalltag der 1940er-Jahre trifft Vera (Knightley) während eines Auftritts als Bunker-Showgirl auf ihre Jugendliebe Dylan (Rhys), dessen hedonistische Künstlerattitüde sie magisch anzieht. Gemeinsam mit Dylans Frau Caitlin (Miller) ziehen sie in ein Dachgeschoss, wo sich ein wildes Treiben entwickelt um die Freundschaft zwischen den Frauen und das Begehren zwischen Dylan und Vera. Trotz des rauschhaften Erzählstils und der vielen Aus- und Abschweifungen in unterschiedliche Genres – Kriegsdrama, Biopic, Liebespsychotragödie – tritt der Film auf der Stelle. Warum Knightley so lasziv dreinblickt, Miller wie dauerbeschwipst wirkt und am Ende alle irre werden – es bleibt ein Rätsel. (mt)

5

Kann man Glück erzwingen? Der siebenjährige Steffek (Damian Ul) vermisst seinen Vater, der die Familie vor langer Zeit im Stich ließ. Immer wieder sucht der kleine Junge am Bahnsteig seines beschaulichen Dorfes nach seinem Papa. Eines Tages steigt ein Mann aus, und Steffek ist sicher: Das ist der Vater. Durch kleine Tricks mit Münzen und Zinnsoldaten versucht er, ihn zur Mutter zu locken … Das Unverwechselbare an dieser sanften Erzählung ist nicht das Was, sondern das Wie: Sonnendurchflutete Bilder idyllischen Kleinstadtlebens suggerieren ein unbekümmertes Leben, das dem Blick eines Erwachsenen niemals standhielte. Nur durch die Augen Steffeks wirken baufällige Häuser und rostende Autos wie das Paradies. Die Botschaft: Entdecke das Kind in dir, und das vermittelt Regisseur Jakimowski mit leisem, unaufdringlichem Humor. Der größte Trick des Films aber ist, dass er trotz seiner kitschigen Geschichte niemals moralisch oder sentimental daherkommt. (sh)

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dvds

kulturnews 7/09

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Heimkino Die Klasse

Glaubensfrage

DRAMA F 2008 R: Laurent Cantet D: François Bégaudeau, Nassim Amrabt, Laura Baquela Vö: 2. 7. (Concorde)

DRAMA USA 2008 R: John Patrick Shanley D: Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams Vö: 10. 7. (Walt Disney Studios)

Ein gefeiertes Theaterstück zum Kinofilm umfunktionieren – kann das gutgehen? Wenn der Autor des Bühnenstücks auch den Film macht: auf jeden Fall. Obendrein erzählt John Patrick Shanley mit „Glaubensfrage“ nicht irgendeine Geschichte, sondern er verwendet biografische Details seiner eigenen Kindheit. Die strenge Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep) leitet 1964 eine katholische Privatschule in New York. Sie misstraut dem allseits beliebten Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman), der ein seltsam inniges Verhältnis zum einzigen schwarzen Schüler der St.-Nicholas-Schule pflegt. Schließlich konfrontiert Schwester Beauvier den Pater mit dem Verdacht des Kindesmissbrauchs – und es beginnt ein Tauziehen um die Wahrheit. Shanley spielt in seinem Film mit der Macht der Sympathie, mit dem schmalen Grat zwischen Ahnen und Wissen. Grandios wird seine kammerspielartige Inszenierung allerdings erst durch die beiden herausragend aufspielenden Hauptdarsteller: Streep und Hoffman präsentieren sich als zwei Giganten, die ihre Zuschauer zu rat- und hilflosen Spielbällen machen.

„Die Klasse“ ist viel: Spielfilm, Dokumentation, Autobiografie, Literaturverfilmung. Basierend auf dem gleichnamigen Roman, erzählt der Film von den Schwierigkeiten eines Pädagogen, der eine Horde unmotivierter Kids an einer Pariser Vorortschule zum Lernen bewegen will. François Bégaudeau, Französischlehrer und Autor der Romanvorlage, spielt auch die Hauptrolle, ergo sich selbst – und viele der in dem Drama zu sehenden Schüler und Lehrer sind ebenfalls keine Schauspieler. Regisseur Laurent Cantet zeigt, wie François seinen Schützlingen Werte wie Toleranz und Respekt vermitteln will, wie er mit den zum größten Teil aus Einwandererfamilien stammenden Jugendlichen diskutiert, wie er trotz aller Widerstände nicht resigniert. Hier wird das Klassenzimmer zu einem Miniaturabbild der französischen Gesellschaft, und Kritik an bestehenden Verhältnissen ergibt sich aus jeder einzelnen Szene wie von selbst. Völlig zu Recht bekam Laurent Cantet für dieses improvisierte Drama 2008 in Cannes die Goldene Palme verliehen. Film 4 Extras keine

O’Horten TRAGIKOMÖDIE

NOR 2007 R: Bent Hamer D: Bard Owe, Joachim Calmeyer, Bjørn Floberg Vö: 3. 7. (Alive AG)

Film 5 Extras Audiokommentar, Making-of, Filmmusik, Cast, Featurette Auch als Blu-ray-Disc!

-Bewertung

1= grausig bis 6 = genial

40 Dienstjahre hat der Lokomotivführer Odd Horten (Bard Owe) auf dem Buckel – und sich den Ruhestand somit redlich verdient. Doch ausgerechnet an seinem letzten Arbeitstag bringt eine Reihe dummer Zufälle sein bislang so geordnetes Leben durcheinander: Er landet im Zimmer eines fremden Jungen, er badet nachts nackt im Schwimmbad, er fährt mit verbundenen Augen Auto und steht urplötzlich auf Skiern. Dem norwegischen Regisseur Bent Hamer („Kitchen Stories“) gelingt mit „O’Horten“ ein wunder-

schöner und berührender Film, der von schrulligen Gestalten nur so wimmelt. Dass das nie albern wird, liegt an der Grundstimmung der Tragikomödie: Hamers exzentrische Protagonisten sind so bodenständig und haben eine so stoische Grundhaltung, dass ihnen selbst die aberwitzigsten Vorfälle nicht komisch vorkommen. Ein Film, den man eigentlich an einem eisigen Winterabend gucken muss, dick eingemummelt in eine Wolldecke. Am besten schafft man sich die DVD also an – und lässt sie voller Vorfreude bis November im Regal liegen. Film 5 Extras Interviews, Trailer

Gran Torino DRAMA USA 2008 R: Clint Eastwood D: Clint Eastwood, Bee Vang, Christopher Carley Vö: 10. 7. (Warner Bros.)

Clint Eastwood, der alte Haudegen, macht Ernst: Dieser Film ist der letzte seiner Schauspielkarriere; ab sofort will der 79-Jährige nur noch hinter der Kamera stehen. Passend dazu verkörpert Eastwood in „Gran Torino“ einen Rentner, der Jahrzehnte bei Ford am Fließband stand und nun einsam und wütend in seinem Haus in einer Detroiter Vorstadtsiedlung lebt. Seine Frau ist gerade gestorben, seine Söhne wollen ihn ins Altersheim stecken, in der Nachbarschaft leben immer mehr Schwarze, Latinos und Asiaten, und der alte Mann versteht die Welt nicht mehr. Erst die zarte Freundschaft zum vietnamesischen Nachbarsjungen lockt den knurrigen Rassisten aus der Reserve … Wer gehofft hat, Eastwood gebe zum Abschluss noch mal den „Dirty Harry“, den wird „Gran Torino“ enttäuschen: Das Drama ist unspektakulär und ruhig inszeniert, und sein Hauptdarsteller suhlt sich förmlich in seinem Altersstarrsinn und seiner Knorrigkeit. Beeindruckend ist das vor allen Dingen deshalb, weil der konservative Patriot Eastwood hier ganz nebenbei einen Abgesang auf das alte Amerika zelebriert; weil er Vorurteile und Rassismen offen kritisiert und als überflüssigen Blödsinn abstempelt. Vorschlag zur Einordnung in der DVD-Sammlung: gleich neben die „Barack Obama“-Dokumentation stellen. Film 4 Extras Making-of Auch als Blu-ray-Disc!

Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat GESCHICHTSDRAMA D/USA 2008 R: Bryan Singer D: Tom Cruise, Kenneth Branagh, Christian Berkel Vö: 20. 7. (20th Century Fox)

Gut möglich, dass die Anzahl der an diesen Film verschwendeten Zeitungsartikelzeilen um einiges höher ist als die der Kinozuschauer. Darf ein Scientologe den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen? Darf ein Amerikaner bei einem solchen Biopic Regie führen? Darf die Geschichte dieses Stauffenberg am Ende ein unkritischer Actionfilm sein? Fragen wie diese wurden bis zum Abwinken diskutiert – und schenkten „Operation Walküre“ mehr Aufmerksamkeit als der Film verdient hat. Nicht nur, dass Tom Cruise an seiner Hauptrolle kläglich scheitert. Dem Geschichtsdrama mangelt es obendrein an Interpretationsangeboten und einem individuellen Blick auf die Vergangenheit. In Bryan Singers Film taucht Stauffenberg einfach auf, kritisiert den Kriegsverlauf und das Regime, wird verwundet und will Hitler töten. Ein Charakter wird nicht entwickelt, und so bleibt Graf von Stauffenberg eine mehr als blasse Figur. Wer das im Kino bereits gesehen hat, kann auf die DVD getrost verzichten – auch beim zweiten Anschauen entdeckt man hier keine Tiefgründigkeit. Film 2 Extras Audiokommentare, Making-of, Featurette Auch als Blu-ray-Disc!

AUSSERDEM NEU

Alter und Schönheit

Vö: 10. 7. (Warner Bros.)

Texte: jul

DVD DES MONATS


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Keane

Bob Dylan

Paolo Nutini

The Annie Lennox Collection

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Together through Life

Sunny Side Up!

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Doppelpack 4

+

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Maria Mena

Max Mutzke

Claudia Koreck

Heinz Rudolf Kunze

Cause and Affect

Black Forest

Barfuaß um die Welt

Protest

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O Berlin O Hamburg O München

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bücher

kulturnews 7/09

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Neue Literatur BUCH DES MONATS

John Wray Retter der Welt ROMAN

Aus d. Amerik. v. Peter Knecht Rowohlt, 2009 384 S. 19,90 Euro

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„Er war aus einem bestimmten Grund in diesen Zug gestiegen und wusste tief in seinem Herzen, dass es der beste Grund war, den man haben konnte. Er folgte einem Ruf, so nannte man das. Es war eine wichtige, eine dringende Sache, eine Sache auf Leben und Tod.“ Der 16-jährige Lowboy ist auf der Flucht. Er konnte aus dem Krankenhaus entkommen, in dem man ihn festgehalten hatte, und nun hetzt er durch die Tunnel und Katakomben der New Yorker U-Bahn. Ihm bleiben nur noch wenige Stunden, um die Welt zu retten, die auf eine Klimakatastrophe zurast, und überall lauern zwielichtige Typen, die ihn aufhalten wollen. John Wrays dritter Roman „Retter der Welt“ beginnt wie ein Sci-Fi-Thriller. Erst nach und nach wird klar, dass man seinem Protagonisten auf den Leim gegangen ist, denn parallel ist da der farbige Profiler Lateef, der mithilfe von Lowboys Mutter nach dem Jungen sucht. Lowboy ist schizophren, und weil er einst seine Freundin vor die Subway gestoßen haben soll, gilt er als gefährlich und unberechenbar. Mit großer Sensibilität, ohne Sensationslust und ohne auf Mitleid zu setzen, schreibt Wray aus der Sicht seines psychisch kranken Helden. Und weil wir die Welt womöglich nur noch durch eine leichte Verschiebung ins Wahnhafte verstehen können, hat er mit seinem grandiosen Psychogramm ganz nebenbei auch noch den perfekten New-York-Roman vorgelegt. (cs)

Nora Bossong Webers Protokoll ROMAN

Frankfurter Verlagsanstalt, 2009 320 S. 19,90 Euro

4

Ihrem Ruf als die Intellektuelle unter den Jungautorinnen wird Nora Bossong auch mit ihrem zweiten Roman gerecht. Sie erzählt die Geschichte des Diplomaten Konrad Weber, der unter Hitler Konsul in Mailand war und zwischen die Fronten von Regimetreue und Gewissen gerät. Schlussendlich hilft Weber Juden mit gefälschten Pässen zur Flucht – aber wohl nur, weil es gut bezahlt ist, er Geld veruntreut

hat und nicht auffliegen will. Was genau Webers Motive waren, wird in der Metaebene des Romans verhandelt: Eine junge Erzählerin, die in Webers Vergangenheit wühlt, sucht zu Recherchezwecken einen alten Diplomaten auf. So gelingt der Autorin ein natürlich wirkender Wechsel zwischen der Innenperspektive und der Außenanalyse, dem Wühlen in Webers Seelenleben und dessen moralisches Hinterfragen. Darf man ihn verurteilen? Oder ist es egal, aus welchen Gründen man Gutes tut? Im Buch erleidet Weber ohnehin kein schönes Schicksal: Sowohl im Krieg als auch danach in der jungen Republik – zwei Zeiten, die Bossong ständig ineinanderblendet – ist er ein nervöser Hypochonder. Kein Held, sondern eine Schachfigur, aufgerieben zwischen den Zügen der anderen und besessen davon, ihre Vergangenheit, ihre Spuren zu löschen. Ein kluger Roman, teils etwas trocken, aber gegen Ende hin immer spannender zu lesen, der fast nebenbei die wichtigen Fragen zur Nazizeit und zur jungen Republik aufwirft, ohne sich ein abschließendes Urteil anzumaßen. (kat)

»Eine kleine Sensation! Klein im Sinne von doch eher groß.« Bastian Pastewka

Michal Zamir Die Siedlung ROMAN

Aus d. Hebr. v. Ruth Achlama Atrium, 2009 222 S., 19,90 Euro

5 Klappenbroschur. 288 Seiten. € (D) 13,95 / € (A) 14,40 / sFr 25,20

Michal Zamir ist die Tochter des Ex-Mossad-Direktors Tzwi Zamir, und dank des Postens ihres Vaters wuchs die Autorin in einer abgeschotteten Vorstadtsiedlung Tel Avivs auf. So weiß die 1964 geborene Autorin, wovon sie schreibt, wenn sie ihren dritten Roman „Die Siedlung“ betitelt: In Newe Chanit lebten dereinst nur Kriegshelden der israelischen Armee und ihre Familien, doch schleichend hat sich das Siedlungsbild verändert. Während die Alten immer noch versuchen, ihre Werte und Rituale zu verteidigen, besiedeln immer mehr Neureiche die Nachbarschaft – unter ihnen der Immobilienhai Gabi Chayek. Gnadenlos überzeichnet Michal Zamir diesen Geschäftsmann und beschreibt ihn als feisten, gierigen, sexgeilen und absolut rücksichtslosen Macher. Viel Abscheu und Wut sprechen aus dieser Charakterisierung. Doch indem die Autorin Gabi Chayek als erfolgreich schildert, indem sie ihm willige Frauen und Geschäftspartner zur Seite stellt, während die Kriegsveteranen der Siedlung immer mehr zu Witzfiguren verkommen, hebt sie ihre Kritik von der an einem unsympathischen Individuum zu einer gesellschaftlichen. So schildert „Die Siedlung“ in vielen sarkastischen Einzelgeschichten zwar in erster Linie das Leben in einem klar begrenzten Mikrokosmos. Insgeheim ist der Roman aber viel mehr: ein kopfschüttelndes Herabblicken auf eine neue Generation von Israelis, die dem Geld, dem Sex, der Macht verfallen sind. (jul)

»Herrliche Charaktere, blasierte Intellektuelle, vitale Migranten, männliche Frauen und weibliche Männer. Geballte Situationskomik und akribische Beobachtungen machen ›Macho Man‹ zu einem Tipp-Deluxe! So ist es, ehrlich!« Michael Gantenberg »Ein sehr, sehr komischer Roman.« Alice Schwarzer »Ich fordere den zweiten Teil!« Frank Goosen

14. Internationales Literaturfestival Leukerbad Das Festival im Walliser Bäderort Leukerbad verführt Literaturfans zu einem Wochenende in der Schweiz. Vom 3. bis zum 5. Juli stellen dort u.a. Judith Hermann, Véronique Olmi und Terézia Mora ihre neuen Bücher vor.

www.kiwi-verlag.de


szene

kulturnews 7/09

Harry Rowohlt

Harry Rowohlt und Gregor Gysi: Marx & Engels intim (CD, Random House) Harry Rowohlt & Christian Maintz: Lieber Gott, du bist der Boss, Amen. Dein Rhinozeros (Doppel-CD, Kein & Aber) Harry Rowohlt: Gottes Segen und Rot Front. Nicht weggeschmissene Briefe II (Hardcover, Kein & Aber)

Da haut er eine CD nach der anderen auf den Markt, packt noch ein Buch dazu – und lässt uns alleine damit. Keine Lesereise bis in den Herbst, und auch dann nur wenige Termine: Harry Rowohlt macht sich rar. Sollen wir jetzt etwa schon „Lindenstraße“ gucken, damit wir unsere Dosis Rowohlt kriegen? Na ja … Dann lassen wir die raue Stimme doch lieber aus den heimischen Boxen knarzen, hören Gedichte von Heine bis Gernhardt und lassen uns von Schopenhauer Komik als „paradoxe und unerwartete Subsumption“ erklären. Dann greifen wir zur Marx-Engels-CD, die Rowohlt mit Gregor Gysi eingelesen hat und erkennen erstaunt, mit welcher Wucht und Freude die beiden Inspekteure des Kapitalismus in ihren Briefen Freund und Feind beleidigen und über Länder und Völker herziehen wie nichts Gutes. Ein Meilenstein der politischen Unkorrektheit und ein humoristisches Juwel! Wie es zu dieser CD kam, können wir schließlich in Harry Rowohlts neuem Buch „Nicht weggeschmissene Briefe II“ nachlesen, das dankenswerterweise mit einem Personenregister ausgestattet ist. Ganz schnell hat man nachgeblättert, was Harry Rowohlt z. B. über Bob-Dylan-Fans zu sagen hat: „So kriegen die auch ständig denselben Scheiß zu hören und finden das auch noch gut.“

Dieter Nuhr

KABARETT Nuhr die Wahrheit (DVD, CD, WortArt) Nuhr die Box (CD-Box, WortArt)

Noch einer mit Tourpause, noch einer mit riesigem Output an Silberscheiben: Kurz

bevor Dieter Nuhr mit seinem neuen Programm „Nuhr die Ruhe“ auf Tour geht, können seine Fans in aller Ruhe altes Material sichten und hören: Der Meister der KabarettComedy-Verschränkung hat seine komplette Back-up-Liste neu veröffentlicht, auf einer 5er-CD-Box, die zehn Jahre Liveprogramm zusammenfasst. Wer seine gerade erst beendete „Nuhr die Wahrheit“-Tour noch einmal aufleben lassen will, kann das in zwei Varianten tun: Die CD von 2007 unterscheidet sich von der soeben erschienenen DVD doch gewaltig. Auch Nuhrs Wahrheit währt nicht ewig – genauso wenig wie seine Tourpause: Im August startet der Mann, der den Kleinkunstpreis sowohl in der Sparte Comedy als auch in der Kategorie Kabarett gewann, bereits mit seinem neuen Programm voll durch.

Christian Ulmen

COMEDY Best of ulmen.tv (DVD-Box, Sony Music)

Es kommt sehr selten vor, dass Comedy erst für Jugendliche ab 16 freigegeben wird. Christian Ulmen hat es hingekriegt. Genauso wie er sich einen Rüffel der Organisation Laut gegen Nazis einhandelte, weil er angeblich rechtsradikales Gedankengut ungefiltert durchgehen lässt. Was natürlich Blödsinn ist. Was seine Figur Knut in der bayerischen Provinz an Fremdenfeindlichkeit und Sexismus freilegt, indem sie sich an den Bürgermeister eines kleinen Städtchens ranschleimt, lässt jeden Zuschauer erschauern. Als Alexander von Eich zeigt uns Ulmen, wie lange viele Menschen Frauenfeindlichkeit und Rassismus schweigend erdulden, wenn sie sich ihrem Gegenüber nicht gewachsen glauben. Damit setzt er sich so weit vom herkömmlichen Comedyquatsch ab, dass er durch dieses „ab 16“-Prädikat einfach geadelt werden musste! „Best of ulmen.tv“ ist das erste Projekt, das Christian Ulmen nicht für einen Fernsehsender, sondern für das Internet produzierte. Das Experiment ist absolut geglückt.

PREMIERE DES MONATS

Trilogie des Wiedersehens

THEATER ab 4. 7., Schauspielhaus Stuttgart

Manchmal kommen sie wieder. Botho Strauß war als Dramatiker spätestens seit dem Jahrtausendwechsel richtig abgemeldet, zunächst als Rechtskonservativer, mit dem man zumindest noch auf die Pauke hauen konnte („Ithaka“), am Ende als gehobener Boulevard-Harmlosling, der gerade mal das Münchner Residenztheater in Wallung versetzen mochte („Leichtes Spiel“). Warum plötzlich landauf, landab Dramaturgen Strauß-Stücke auf die Spielpläne heben, will einem nicht sofort einleuchten – eine politische Dringlichkeit besteht eigentlich nicht, zur Rückkehr der Gewalt als Mittel der Politik weiß Strauß so wenig zu sagen wie zur Finanzkrise. Das Frühwerk „Trilogie des Wiedersehens“ wurde zuletzt mit viel Verve am Wiener Burgtheater ausgegraben, in Stuttgart inszeniert mit Friederike Heller eine Künstlerin, der der Titel „Nachwuchsregisseurin des Jahres 2004“ mittlerweile auch zum Hals raushängen dürfte. Inhalt: Lebensund Liebeswirren in der Kunst- und Theaterszene, ein Thema, das vor drei, vier Jahren noch perfekt zum Kunstboom gepasst hätte, heute aber mehr oder weniger von gestern wirkt. Versteh einer die Dramaturgen …

Theodora

OPER ab 25. 7., Großes Festspielhaus, A-Salzburg

Es wird Sommer, die Theater gehen in Ferien, respektive machen einen Ausflug nach Salzburg. Was sie dort zeigen ist eigentlich egal, es geht eher darum, überhaupt

in Salzburg gewesen zu sein, das südländisch-dekadente Ambiente der sommerlichen Voralpen mitzunehmen, einen Batzen Koproduktionsgelder abzugreifen – obwohl die Produktionen immer den state of the art des zeitgenössischen Theaters repräsentieren, in der Oper noch mehr als im Schauspiel. Zu sehen sind aber auch Eigenproduktionen der Festspiele, oft sind sie künstlerisch weniger spannend als die Kollaborationen, der Promiauflauf in den Premieren sorgt aber dennoch für ein ausreichendes Maß an typischem Salzburg-Gefühl. Händels Oratorium „Theodora“ könnte da eine Ausnahme bilden, zum einen weil das Werk verhältnismäßig unbekannt ist (die Uraufführung war 1750 ein entsetzlicher Flop), zum anderen, weil mit Christof Loy einer der eigenwilligsten Opernregisseure des deutschsprachigen Raums die szenische Einrichtung verantwortet. Der Glamourfaktor ist dennoch hoch, zumal die Titelrolle mit Klassikstar Christine Schäfer (unsere Abbildung) besetzt ist.

Haut aus Gold

Foto: Karoly Risz

DRÜCKEBERGER DES MONATS

Theater

Foto: Dino Scandariato

Entertainment

Foto: © Bodo Vitius

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MEDEAPROJEKT ab 1. 7., Maxim-Gorki-Theater, Berlin

Medea ist nicht totzukriegen. Neubearbeitungen, Paraphrasen, bei Gelegenheit gerne auch mal eine Inszenierung der antiken Vorlage: Die Geschichte von enttäuschter Liebe, übersteigertem Muttergefühl und dramatischem Kindsmord geht auf deutschen Bühnen immer. Zum Spielzeitende doppelt das Gorki den Medea-Mythos und gibt ihm dabei einen internationalen Dreh: Der Brasilianer Alexandre Dal Farra entkleidet Euripides’ Vorlage bis auf ihren angenommenen urdeutschen Kern, während Tine Rahel Völcker eine brasilianische Variante des Stoffes entwirft. Die Koproduktion von Gorki und Tablado de Arruar (São Paulo) wird unterstützt von den Goethe-Instituten São Paulo und München, Regie führt Tilmann Köhler, der sich mit wenigen Arbeiten als Jungstar der Berliner Theaterszene empfahl, kommende Spielzeit aber schon wieder in Richtung Staatsschauspiel Dresden entschwindet. Jena Sommertheater vom Theaterhaus Jena: Ab 9. 7. zeigt Markus Heinzelmann Schillers „Wilhelm Tell“.


abocoupon

szene

kulturnews 7/09

Kunst

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Abb.: Courtesy the artist and Taxter & Spengemann, New York

Lutz Bacher

BRICOLAGE 4. 7.–13. 9., Kunstverein, München

Es ist nicht gerade leicht, etwas über Lutz Bacher zu erfahren. Vielleicht so viel: Lutz Bacher heißt (wahrscheinlich) gar nicht Lutz Bacher, ist US-Amerikanerin, irgendwann um 1945 geboren und arbeitet seit den 1970ern in Kalifornien. Außerdem hat sie beeinflusst von Pop-Art und Bricolage eine hochpolitisierte Kunst entwickelt, die zwischen affirmativer Dopplung popkultureller Vorbilder und deren aggressiver Dekonstruktion oszilliert. Bacher geht es um die Zerstörung und Verfremdung geläufiger Bildwelten, Comics werden durch den Porno-Fleischwolf gedreht, Werbung mit Gerichtsakten gleichgeschaltet. Wie auch ihre Biografie nicht mehr mit sich selbst identisch ist, verweisen auch die Bilder trotz ihres klar scheinenden Ursprungs auf ganz neue Bedeutungen. Die speziell für den Münchner Kunstverein konzipierte Ausstellung „Do you love me?“ konzentriert sich auf die mediale Vermittlung des Prinzips „American Dream“; erstmals wird Bacher hier in Europa umfassend ausgestellt. Unsere Abbildung zeigt ein Bild aus der Serie „ Jokes“ (1987–88).

F/Stop

FOTOGRAFIEFESTIVAL 1.–7. 7., Zentrum für Zeitgenössische Fotografie, Leipzig

Sachsen kann sich glücklich schätzen. Nirgendwo in den neuen Bundesländern ist die Arbeitslosenquote so niedrig, nirgendwo gibt es so gute Hochschulen, nirgendwo so spannende Theater. Außerdem glänzt Dresden als Kunsttouristenhochburg, während der aktuelle Boom zeitgenössischer deutscher Malerei fast ausschließlich auf Leipziger Künstler zu-

rückzuführen ist. Und jetzt macht sich die größte Stadt des Freistaats auch noch auf, im Bereich der zeitgenössischen Kunstfotografie eine führende Rolle einzunehmen: Zum dritten Mal findet in Leipzig das Fotografiefestival F/Stop statt. Es gibt eine Hauptausstellung unter dem Titel „Von hier aus, wohin?“ (dessen Programm ein wenig beliebig ausschaut, als ob man die gerade angesagte Ästhetik abbilden möchte, ohne auf die echten Stars setzen zu können), es gibt einen internationalen Wettbewerb (dessen Finalisten allerdings bis auf zwei Ausnahmen aus der Bundesrepublik stammen), es gibt ein Symposium zur Mittlerfunktion des Kurators. Ein sympathisches Festival, das noch den Reiz einer Nachwuchsveranstaltung hat, gleichzeitig aber keinen Zweifel daran lässt, bald in der allerersten Reihe mitspielen zu wollen. Unsere Abbildung zeigt „Portrait IV“ (2006) aus Pernille Koldbech Fichs Serie „Introducing Viola“.

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Diana Krall

Placebo

Sexismus gegen Rechts Quiet Nights

Battle for the Sun

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Herlinde Koelbl O Berlin O Hamburg O München Abb.: © Herlinde Koelbl

AUSSTELLUNG DES MONATS

FOTOGRAFIE

O Köln O Ruhrgebiet O Düsseldorf

O Stuttgart O Frankfurt

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17. 7.–1. 11., Martin-Gropius-Bau, Berlin

O Frau O Herr Eigentlich haben wir was gegen Selbstläufer: Ausstellungen von Stars, die jeder irgendwie gut findet und die in erster Linie deswegen ins Programm gerutscht sind, damit die Besucherzahlen der entsprechenden Museen nach oben gehen. Was natürlich eine blöde Einstellung ist: Niemand hat etwas davon, wenn man eine Ausstellung boykottiert, nur weil sie angeblich „zu mainstreamig“ ist. Und was soll das überhaupt sein: Mainstream? In der Kunst? Also noch mal von vorn: Herlinde Koelbl ist eine der bekanntesten Fotografinnen der Republik, trotz ihrer stark theoretisch geprägten Ästhetik. Eine Langzeitserie wie „Spuren der Macht“ (1991–98), die Politiker nüchtern über sieben Jahre porträtiert, wirkt zwar auf der einen Seite trocken, bedient auf der anderen Seite aber auch das Vorurteil, dass Politik den Menschen deformiere (unsere Abbildung zeigt „Joschka Fischer, Wiesbaden“, 1991). Koelbl ist Avantgardistin genug, um als große Künstlerin durchzugehen, sie ist aber auch eine Populistin, die das ganz breite Publikum erreichen kann. Das muss man nicht gut finden, interessant ist allemal, wie genau und streng diese Fotografin Details beobachtet – zumal die Berliner Retrospektive auch unbekanntere Serien wie „Schlafzimmer“ und „Haare“ einschließt.

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Mit Reggae durch den Sommer Alborosie war schon für viele namhafte Künstler Produzent und Songschreiber, darunter UB40 und Manu Chao. Nun ist er selbst ein erfolgreicher Reggaekünstler. Auf seinem neuen Album „Escape from Babylon“ verbindet er den Retrostil Bob Marleys mit modernem Rootsreggae und Dancehall. Passend dazu ist seit Ende Juni ein echter Klassiker des Dancehall draußen: die um eine DVD ergänzte Kopplung „Reggae Gold 2009“. Vertreten sind namhafte Künstler wie Estelle, Sean Paul, Serani – oder Queen Ifrica. Und weil ein Lied der selbst ernannten Königin nicht reicht, vervollständigt ihr Album „Welcome to Montego Bay“ das CD-Trio im Verlosungstopf.

kulturnews verlost 5 x 3 CDs (Alborosie, Reggae Gold 2009, Queen Ifrica). Einfach schnell bis zum 28. Juli unsere Gewinnhotline 0137-989 89 82 (0,49 Euro/Anruf) anrufen und die Chance auf eine volle Ladung Reggae für den Sommer wahren.

Noch mehr Aktionen und Gewinnspiele gibt’s auf www.kulturnews.de/gewinnspiele

Haiopeis

WEITERE BEITRÄGE DIESER AUSGABE Holger Erdmann, Suzen Flauers (suz), Ron Haller (ron), Ralf Krämer (rk), Dagmar Leischow, Dr. Klaus Lips (kl), Michael Loesl, Dr. Justus Noll (jn), Steffen Rüth (sr), Juliane Rusche (jul), Katja Schwemmers, Michael Starke (mcs), Mirjam Thomann (mt), Stefan Woldach Praktikantinnen: Claudia Haevernick (ch), Daniela Herrmann (dh), Isabel Ehrlich (isi), Svenja M. Hufnagl (sh) Online-Praktikanten: Mirco Friemer (mir), Dustin Pawlitzek (dp) Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers oder des Verlags wieder. Für unverlangt eingesandte Materialien kann keine Gewähr übernommen werden. Die Urheberrechte für Anzeigen, Entwürfe, Fotos, Vorlagen sowie der grafischen Gestaltung bleiben beim Verlag und können nur mit dessen Genehmigung weiterverwendet werden. Veranstaltungshinweise werden kostenlos abgedruckt. Fotos, die Veranstaltungshinweise illustrieren, können nur frei abgedruckt werden; der Verlag setzt bei Eingang voraus, dass alle Honorarfragen vom Veranstalter bereits geklärt sind.

ART DIRECTION Nils Heuner GRAFIK Inke Cron, Anna Diem ANZEIGEN fon 040-39 92 95-0 | fax 040-39 92 95-29 E-Mail anzeigen@bunkverlag.de MÄRKTE UND ERLÖSE Johann Plank (GF) fon -14 | E-Mail jplank@bunkverlag.de ANZEIGENLEITER Helge Löbel (v.i.S.d.P.) fon -16 | E-Mail hloebel@bunkverlag.de ANZEIGENBERATUNG Mathias Harringer fon -15 | E-Mail mharringer@bunkverlag.de ANZEIGENBERATUNG Gunnar Lampe fon -19 | E-Mail glampe@bunkverlag.de ANZEIGENBERATUNG Jürgen Peters fon -21 | E-Mail jpeters@bunkverlag.de ANZEIGENBERATUNG Skadi Schmidt fon -18 | E-Mail sschmidt@bunkverlag.de AKTIONEN + DISPOSITION Esther Ahrens fon -27 | E-Mail eahrens@bunkverlag.de ABO/LESERSERVICE Sarah Schneider (sas) fon -10 | E-Mail sschneider@bunkverlag.de ANZEIGENSCHLUSS 08/09: 16. 07. 09 Es gilt Anzeigenpreisliste XVI v. 1. 1. 2009 Printed in Germany. Der Bezug per Abonnement beträgt für zwölf Ausgaben 21 Euro (inkl. Porto & MwSt.). kulturnews unterliegt der ständigen Auflagenkontrolle der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW). VERBREITETE AUFLAGE 219.231 (III/2008, IVW)

kulturnews 08/ 09 erscheint am 29. 07. 09


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HAMBURG FR 27.11./SA.28.11.09 BERLIN SO 29.11.09 OBERHAUSEN DI 1.12.09 MANNHEIM MI 2.12.09 STUTTGART DO 3.12.09 FRANKFURT FR 4.12.–SO 6.12.09 ERFURT DI 8.12.09 MÜNCHEN DO 10.12.–SO 13.12.09 BREMEN DI 15.12.09 HANNOVER MI 16.12.09 KÖLN FR 18.12./SA 19.12.09 DORTMUND SO 20.12.09 Bundesweiter Ticketservice: 0 18 05.57 00 00 (0,14 ¤/Min. · Mobilfunktarife können abweichen) · www.eventim.de und an den bekannten Vorverkaufsstellen VIP-Karten erhältlich unter 089.9 45 28 10 Alle Infos unter www.notp.com

ROXETTE HEAVEN 17 ALAN PARSONS + SPECIAL GUEST JOHN MILES KATONA TWINS

ELECTRIC BAND | FINE FLEUR ROBERT GROSLOT | IL NOVECENTO Daten unter Vorbehalt Produktion: P.S.E. Germany GmbH Feldkirchen/München

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kulturnews, das Basismedium für Musik, Film, Kultur und Entertainment. Kernkompetenz ist die treffsichere Auswahl neuer Künstler und der umf...

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