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kult Die besten Blogs aus kult.ch. Oktober 2013.

kult ist die erste Blog-to-Print-Zeitung der Schweiz: Unzensierte Kommentare zum täglichen Leben und dem, was sich in den Medien so abspielt.

Wie ist das jetzt genau mit dem Verhüllungsverbot? Montag, 2. September 2013, 12:18 Von Dr. Rainer Kuhn Jetzt haben die im Tessin abgestimmt über ein Burka-Verbot. Wobei es ein Burka-Verbot gar nicht gibt. Man darf das so nicht formulieren. Drum nimmt man einen kleinen Umweg und nennt es „Verhüllungsverbot“. Gemeint sind damit aber Burkas. Jetzt ist es vielleicht so, dass es einigen auf den Sack geht, wenn sie das Gesicht von jemandem nicht sehen können. Das macht ihnen Angst. Andere wollen nicht, dass der Islam sich hier in unserem „christlichen“ Land etabliert. Weil sie andere Gesetze haben und sich in einer Parallelwelt einrichten könnten. Das macht ihnen grad nochmals Angst. Wieder andere sind gegen Beschneidungen. Aber das ist ein anderes Thema, auch wenn es gerne in diese Diskussion eingebracht wird. Man hat also das Tragen der Burkas verbieten wollen und nennt das politisch korrekt „Verhüllungsverbot“. Und schiesst sich damit grad mal ins Bein. Denn es verbietet grundsätzlich Menschen, in der Öffentlichkeit ihr Gesicht ganz oder teilweise zu verhüllen. Das bezieht sich, wie gesagt, nicht nur auf das Tragen von Burkas oder ähnlichem. Auch sehr grosse Sonnenbrillen, gepaart mit einem tief sitzenden Käppi könnte schon ein Grenzfall darstellen. Pech also für alle Rapper. Kapuze runter, Brille weg

Helm. Was haben wir noch? Ach so, das war damit alles nicht gemeint? Nur Burkas? Aber so steht das nicht geschrieben im Initiativtext. Und so wird das, wenn überhaupt, auch nicht in der Verfassung stehen. Weil gegen die Religionsfreiheit und gegen das Völkerrecht und gegen eine Menge anderer Sachen auch. Nein, im Initiativtext lesen wir nichts von Burkas, nur Hinweise, dass das Verhüllen oder Verbergen des Gesichts auf öffentlichen Strassen, Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln untersagt sei. Pech gehabt.

und schon sehen sie aus wie frustrierte Teenager. Und Cro darf in der Schweiz keine Konzerte mehr geben. Deadmau5 auch nicht. Streetparade? Abgeblasen. Die wird seit Jahren regelmässig von temporären Gesichtsverhüllern frequentiert, was sie für die zwei Tage zu Kriminellen macht, die man aber der Vielzahl wegen kaum bestrafen kann. Und was nützt ein Gesetz, das man nicht durchzusetzen vermag? Eben. Drum weg mit dem Anlass. Fasnacht auch grad. Nonnen gehen

reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: gegen hautkrebS

Dienstag, 1. Oktober 2013, 16:3 | Von Dr. Reinhold Weber. Der Sommer ist zwar vorbei. Trotzdem hier ein kleiner kreativer Wink aus Australien an alle, die es vor dem Winter zum Auftanken nochmals an die Sonne zieht. Bitteschön, gern geschehen.

knapp noch durch, allerdings müssen sie im Sommer auf das Tragen von Sonnenbrillen verzichten, sonst ist über die Hälfte des Gesichtes verdeckt und das kostet dann. Bei den Motorradfahrern wird’s dann schon differenzierter. Sie müssen dank Versicherungslobby gesetzlich einen Helm tragen, es darf in Zukunft aber kein Vollvisierhelm mehr sein. Weil Töffs fahren in der Regel im öffentlichen Raum und so ein Helm verhüllt das Gesicht. Tschüss Vollvisier-

Jetzt gibt es Leute, die sagen, dass die armen Frauen ja wie in einem Gefängnis leben müssen unter so einem Gesichtsschleier. Und wollen sie jetzt auch noch gesetzlich zuhause festnageln. Dabei merken sie nicht, dass sie selber gefangen sind. Nicht unter einem Schleier, nein, im Kopf drinnen. Gefangen in einer diffusen Angst und einer damit einhergehenden Unfähigkeit, diese Angst so in einem Text zu verfassen, dass sie sich auflösen würde. Tut sie aber nicht. Ängste lassen sich selten gesetzlich vertreiben. Ängste sind auch in dieser Beziehung nichts anderes als eine Bewusstseins-Burka. Eine Burka im Kopf. Wollen wir mal darüber abstimmen, das zu verbieten? Weil, das macht mir fast am meisten Angst.

partylöwe der woche

Schwule Nudeln Da haben sich also wieder mal ein paar Korrekte aufgeregt. Dieses Mal über einzelne, aus dem Kontext gerissene Sätze des Teigwaren-Chefs Guido Barilla. Da hiess es, er sei ein Schwulenhasser, er habe sich diskriminierend gegenüber Homosexuellen geäussert und so. Was ging da also genau ab? Guido Barilla war Gast in einem Radio-Talk. Das Thema war: „Die traditionelle Rolle der Frau in der Werbelandschaft.“. Das Thema kam zustande, weil sich offenbar eine feministische Politikerin darüber beschwert hatte, dass in der Barilla-Werbung es immer die Frau ist, die ihrem Mann und ihren Kindern die Nudeln kocht. Guido Barillas Anwort: „Für uns ist das Konzept der heiligen Familie ein fundamentaler Wert in der Firma. Unsere Familie ist eine klassische, in der die Frau eine fundamentale Rolle spielt.“ Das ist doch einfach mal eine klare Positionierung eines Unternehmens. Andere spielen mit den Bildern von lässigen Managern auf dem Bike, wieder andere lassen gerne vorwiegend Männer den Abwasch machen, wenns um ein Abwaschmittel geht. Das kann jeder so machen wie er will. Das ist Werbung. Da wird den Konsumenten ein Bild einer Marke vermittelt, mit dessen Aura man das Produkt umgeben will. Barilla umgibt sich mit der Aura der traditionellen Familie. Und ja, ein schwules Ehepaar ist halt nicht traditionell. Das ist nichts Schlechtes oder Gutes, das ist einfach so: Nicht traditionell. Und kommt drum für die Firma Barilla nicht in Frage. Ebensowenig wie Werbung mit bikenden Managern. Das ist nun weder gegen Schwule noch gegen bikende Manager. Das ist lediglich eine Haltung gegenüber der Markenpositionierung. Wer da hinter den Statements von Guido Barilla eine schwulenfeindliche Gesinnung sieht, hat ganz einfach einen Knall. Herzlich, Rainer Kuhn.

Montag, 2. Oktober 2013, 08:15 Von Dr. Alex Flach. The return of the masterblaster. Wie bitte? Sie wissen nicht was ein Masterblaster ist? Dann empfehlen wir Ihnen dringend sich schnellstmöglich den dritten Teil der Mad Max-Trilogie reinzuziehen. Nicht wegen der Wahlzürcherin Tina Turner, die da die Rolle des Ultrabösewichts übernommen hat

(wobei sie das sehr gut gemacht hat), sondern (eben...) wegen Masterblaster. Er, respektive sie, ist/sind das wahre Highlight des Streifens. Und auch er/ sie ist/sind mittlerweile nach Zürich gezogen. Aber leider scheint das an der Presse vorbeigezogen zu sein... also holen wir das jetzt nach. Also: Masterblaster ist/sind offenbar nach Zürich gezogen. Bitteschön. Nichts zu danken.

seit 1997 Erscheinungsweise: Monatlich (12 x pro Jahr) Auflage: 20‘000 Exemplare Verbreitungsgebiet: Stadt Zürich Herausgeber: Kult GmbH, 8006 Zürich Chefredaktion: Rainer Kuhn Autoren: Marianne Weissberg, Nina-Britt Rauer, Vanessa Kunz, Angela Kuhn, Pony M., Reinhold Weber, Alex Flach, Henrik Petro, Midi Gottet, Christian Platz, Dominik Patrick Hug, Kaspar Isler, Rafi Hazera, Rainer Kuhn Gestaltung: Fredy Heritsch Kontakt: rainer.kuhn@kult.ch http://www.facebook.com/kult.ch Kultzeitung, kult.ch, kultradio.ch sind Unternehmungen der kult gmbh. www.kult.ch/gmbh


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zwei köpfe

Montag, 29. Juli 2013, 15:53 Von Dr. Midi Gottet. Ach, Kriegsgebiete sind ja sooo anstrengend.

breaking news

Donnerstag, 25. Juli 2013, 08:00 Von Dr. Midi Gottet Du, die Salome, weisst schon, die wo da mal den „Musicstar“ gewonnen hat, die blonde da, die Walliserin, die wo jetzt wieder Coiffeuse ist...., weisst du jetzt endlich von wem ich spreche? Ja? Also eben diese Salome hat jetzt ganz viele Tätowationen. Den ganzen Oberkörper voll. Schlimm hä? Stand im Blick. Schon gut das es den Blick gibt.

Oktober 2013

neulich im sitzungszimmer «limmat»

Montag, 29. Juli 2013, 08:00 Von Dr. Henrik Petro «Sie sind also hier, um sich für die Stelle zu bewerben..?» «Eigentlich wollte ich nur aufs Klo und habe mich in der Tür geirrt, aber wenn ich schon mal hier bin...» «Aha, ein Spassvogel.» «Wieso ich? Sie haben mit dieser dämlichen Frage angefangen und damit meinen Intellilekt beleidigt.» «Sie meinten wohl Intellekt?» «Das war nur ein Test, ob Sie mir auch wirklich gut zuhören. Sie haben den Test somit bestanden. Wir können anfangen.» «Nun, für gewöhnlich testen wir unsere Kandidaten und nicht umgekehrt...» «... ein völlig veralteter Ansatz. Geradezu prähistorisch. Wie auch die Einrichtung hier.» «Kritisiert zu werden, bevor wir überhaupt angefangen haben, scheint mir nicht sehr zielführend zu sein.» «Was wissen Sie schon über meine Ziele? Doch bevor wir darüber reden, sollten Sie mir mir mal etwas Speck durch den Mund ziehen. Von welchem Jahresbruttolohn sprechen wir denn überhaupt?» «Und ausserdem führen wir das Gespräch und lassen uns nicht führen.» «Wozu suchen Sie dann eine Führungspersönlichkeit? Das ist ja wieder mal typisch.» «Typisch was?» «Na, typisch Mann. Oder typisch Manager. Oder typisch Deutscher.» «Ich bin Schweizer.» «Na dann typisch Homophober.

Wahrscheinlich sind Sie Russe!» «Ich bin selber schwul – und Sie sind es garantiert nicht, also kann ich gar nicht homophob sein. Und ausserdem habe ich vorhin gesagt, dass ich Schweizer bin. «Too much information. Es geht hier um mich, nicht um Sie. Sie sind nur ein kleines, austauschbares Rädchen, dem ich das Leben gewaltig zur Hölle machen kann, wenn ich dann in den Verwaltungsrat aufgestiegen bin.» «Gut, ich denke das reicht, wir können hier abbrechen. «Na endlich, ich dachte schon, das würde sich noch ewig in die Länge ziehen.» «Auf Wiedersehen. Für Ihre Zukunft alles Gute.» «Wieso, verlassen Sie denn das Unternehmen? Und nur damit es klar ist: rufen Sie mich nicht an – ich rufe SIE an.» «Wozu?» «Wozu? Na hören Sie mal, nur wegen dieser Plauscherei haben Sie mich noch nicht gänzlich überzeugen können, ob ich den Job annehmen will. Ich muss zuerst eine Nacht darüber schlafen. Oder zwei. Am besten mit der Sekretärin da draussen. Ich heuere doch nicht gleich beim Erstbesten an?!» «Also entweder sind Sie der grösste Egozentriker, der mir je begegnet ist – oder Sie haben einen kompletten Dachschaden!» «Na selbstverständlich beides! Und dass Sie das nicht einmal erkennen können, beweist, wie unterlegen Sie mir und wie ungeeignet für den Job Sie sind – you‘re fired!»

Seite zwei

let’s give the wheel a final spin

Donnerstag, 15. August 2013, 12:09 | Von Dr. Vanessa Kunz Es mag am Sommer liegen und an der vielen nackten Haut. Es mag am schönen Mauro und seiner hässlichen Freundin liegen oder simpel und einfach nur an mir. Es mag an allem liegen, man muss nur genug lang suchen und dann hat man halt die Ausrede, die alles legitimiert. Ich bin ein Arsch, lebe aber gut damit, bin ja auch nicht das einzige auf der Welt. Ich bin wohl noch eines der besseren, weil ich ehrlich bin. Ich sag vielleicht nicht alles, aber es hat ja auch niemand nachgefragt. Ich mach zu oft nur das, was ich grad will und nehm auch nicht wirklich viel Rücksicht auf andere. Eben genau die Anderen, von welchen ich sowieso nicht wirklich viel halte. Sonst verpasst man ja irgendwann noch was und wer kann sich das heute noch leisten. Man soll anscheinend alle so behandeln, wie man selbst auch gerne behandelt werden möchte und dann frag ich mich, ob das noch mit Respekt zu tun hat, wenn man sich auf einmal mit allen verstehen muss. Es sind diese scheiss Konventionen, man sitzt immer im gleichen Zug und kommt immer am

gleichen Ort an. Und wenn man dann endlich doch was erzählen könnte, dann hat ja doch keiner Verständnis für die gesellschaftsfernen Abnormitäten, denen man sich anscheinend grundlos ausgeliefert hat. Was haben all diese Geschichten noch für einen Wert, wenn keiner zuhören will? Grad eben, da will ich nicht alleine einschlafen. Kann es vielleicht auch nicht mehr. Möglicherweise sollte ich auch nicht alleine sein. Ich denk mir, es mag wohl eine Phase sein, bin ja sonst gerne ein loses Irgendwas gewesen, so für mich, ohne wen anderen, der mir sowieso nicht gut getan hääte und dann, wenn man das zu erklären versucht, ist die Polyamorie plötzlich was Schlechtes geworden. In diesen Momenten mag ich dann irgendwie kein Arsch mehr sein, aber andersrum würd ich mir wohl ganz schön viel Scheisse zumuten. Man muss sich nur mal diese schöne neue Welt anschauen, in der Treue nur noch Teil einer riesen grossen Lotterie ist und man eigentlich nichts, ausser verlieren kann. Dann spiel ich doch lieber noch ein Runde und verliere dann, statt nie gespielt - und somit sowieso schon verloren zu haben.

fliegen mit oceanic airlines

lookalike

der mann ohne unterleib hat einen sohn

Donnerstag, 1. August 2013, 12:11 Von Dr. Midi Gottet Wie zum Fick hat er das gemacht?

Mittwoch, 21. August 2013, 08:00 | Von Dr. Rainer Kuhn Hab mich die ganze Zeit gefragt, an wen mich Roger Schawinski mit Bart erinnert. Jetzt ists mir eingefallen:

Samstag, 17. August 2013, 16:33 Von Dr. Dominik Hug Auf der Suche nach Abenteuer und Thrill? Dann bucht euch einen Flug mit einer Boeing der Oceanic Airlines. Leider müssen wir euch mitteilen, dass Oceanic eine fiktive Airline ist, welche schon diverse Auftritte in HollywoodProduktionen hatte. Die Inselbewohner bei „Lost“ waren mit dem Oceanic Flug 815 unterwegs als sie abgestürzt sind. Und auch Steven Seagal musste in

„Einsame Entscheidung“ seinen ersten und bislang einzigen Bildschirm-Tod beim Versuch eine Oceanic-Maschine in der Luft zu entern hinnehmen. Ebenso wurde Oceanic gezeigt oder zumindest erwähnt in Alias, Buffy, Chuck, Crossing Jordan, Daredevil, Flash Forward, Fringe, Futurama, Pushing Daisies, The X-Files. SEEN IN A SCENE - folgt uns! www.facebook.com/SeenInAScene


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Oktober 2013

Seite drei

mensch und brot klafft bei ihnen auch eine schnittstelle? – ein nachschlag! Montag, 19. August 2013, 08:00 Von Dr. Christian Platz Sie klafft wie eine tiefe Axthiebwunde und blutet Geld: Die unversehens entstandene Schnittstelle. Jene hässliche Symptomatik unserer Zeit. Jetzt haben wir doch alle Abläufe total optimiert und überholt. Wir haben alle einzelnen Handlungsketten zu Prozessen erklärt und sie fein säuberlich voneinander getrennt, wie Fischgräten vom Filet. Dies bei flachen Hierarchien. Die Verantwortlichen für die verschiedenen Prozessabläufe sind in einem Expertenforum flott miteinander vernetzt, das einen fliessenden Austausch ermöglicht. Jederzeit und weltweit. Aber dennoch klafft sie nun auch hier bei uns. Und zwar akut. Die hässliche SchnittstellenProblematik. Niemand hat sie kommen sehen. Dabei sind unsere Organisationsentwicklungs-Teams ja so umsichtig vorgegangen. Sie haben alle ihre Massnahmen aufgrund von Erkenntnissen geformt, die ganz direkt aus der Alltagsrealität gewonnen wurden, vollumfänglich evidence-based also. Dies unter Berücksichtung der modernsten Erkenntnisse, lean and mean! Woher kommt sie nur so plötzlich, jene klaffende Wunde, die unsere - genauso neu, wie teuer erworbene - Effizienz unterwandert? Also bei mir daheim gibt es auch Schnittstellen. Zum Beispiel am Morgen. Da zücke ich mein Tanto von Cold Steel© und trenne mit einem mächtigen Hieb ein Stück Brot von seinem Laib. Während ich dies tue, ist mir ganz und gar bewusst, dass ich dieses Kilo Bauernbrot nie mehr in seiner ganzen ursprünglichen Pracht wiederherstellen kann. Wie sieht nun aber mein Umgang mit den beiden Schnittstellen aus, die ich also geschaffen habe? Die eine, die eigentliche Schnitte nämlich, bestreiche ich mit einer dicken Schicht Alpenbutter, darauf kommt dann noch Stopfgänse-Leberpastete. Den angeschnittenen Brotlaib lege ich hingegen auf ein Brett, das mir mein Neffe kürzlich aus brasilianischem Rosenholz angefertigt hat. Zum Vorgang des Ablegens hätte ich übrigens noch einen kleinen Tipp: Legen Sie das Brot immer mit der Schnittestelle nach unten auf das Brett! Eine Verhärtung der weichen Anteile des Laibs wird dadurch verzögert. Verhindern kann man sie damit allerdings nicht zur Gänze. Deshalb sollten Sie sich mit dem Verzehr des bäurischen Kilos nicht allzu lange Zeit lassen! Savey? Aus dieser morgendlichen Schnittstelle entwickelt sich allerdings keinerlei Schnittstellen-Problematik. Warum nicht? Weil ich mir, bevor ich mein Tanto von Cold Steel© ansetze, durchaus darüber bewusst bin, dass ich den prächtigen Laib nachher nie wieder zusammensetzen muss. Ich wäre auch um Ratschläge verlegen, wenn Sie mich fragen würden, wie Sie so eine Schnittstelle wieder zusammenfügen sollen. Gut, man könnte sicher eine Art Eier-Teigchen anrühren, könnte es auf die abgetrennte Schnitte und auf die Schnittstelle am Laib streichen, den Backofen vorheizen und das Bauernbrot nochmals zusammenbacken. Ich bezweifle allerdings, dass wir mit diesem Vorgehen ein wirklich appetitliches Resultat erzielen würden. Oooooder - wir könnten möglicherweise Brücken zwischen der Schnitte und dem Laib bauen. Mit Zahnstochern vielleicht. Oder mit Fischgräten. Dieses

ausschliesslich erfunden, um den Profit zu erhöhen. Allerdings eben nicht jenen der direkt Beteiligten, also der Leute, die wirklich arbeiten. Für ihre achtbare Tätigkeit müssen die Organisationsentwicklungs-Fachpersonen ja alle möglichen «Qualifikationen» mitbringen. Ein Talent zum Brotbacken gehört nicht dazu.

zweite mögliche Vorgehen würde aber ganz sicher nicht dazu führen, dass wir es am Ende wieder mit jenem unverwechselbaren Ursprungsphänomen zu tun hätten: Einem währschaften Laib Bauernbrot nämlich. Im Brotteig wirkt übrigens eine gar eigenartige Chemie, welche die plumpe, klebrige Masse zu einer luftigen Angelegenheit werden lässt - wenn man sie nur der korrekten Wärme aussetzt, während der richtigen Zeitspanne natürlich. Nicht zu lange, nicht zu kurz. Lustig ist, dass unter den Menschen, so man ihnen etwas Zeit und – jawohl – Wärme gibt, etwas Ähnliches passiert. – Das Wort «Wärme» könnte man hier auch durch die Worte «ein produktives Klima» ersetzen, aber wir wollen ja nicht allzu technokratisch werden. Man nimmt also eine Gruppe Menschen, gibt Ihnen eine Aufgabe, etwas Zeit sowie eine förderliche Betriebstemperatur – und plötzlich bringen sie gemeinsam gar ansehnliche Resultate hervor. Der Teig geht wunderbar auf. Ich glaube, dass noch kein ehrlicher, menschenwürdiger Betrieb jemals anders aufgezogen wurde. Über die chemischen Elemente, die für das Aufgehen des Teigs zuständig sind, wissen wir sehr genau Bescheid. Ein bis zwei verständlich geschriebene Kapitel in einem Fachbuch können diese Geschichte erklären. Wie viele Fachund Sachbücher gibt es jedoch, die das Wesen des Menschen behandeln? Millionen! Es gibt die Psychologie, die Psychiatrie, die Psychoanalyse, es gibt unzählige Religionen, Ideologien, Moral- und Ethik-Lehren... Und eigentlich wissen wir es alle, tief in unserem Innersten, sogar die grössten Fanatikerinnen und Fanatiker wissen es irgendwie (ihre Neurosen und undefinierbaren körperlichen Beschwerden zeugen in der Regel von diesem verdrängten Wissen): Alle intellektuellen und mythologischen Konstrukte dieser Welt können die Natur, können das Wesen des Menschen nicht einmal ansatzweise erklären! Wer eine Gruppe von Menschen zu einem produktiven Team zusammen-

führen will, braucht drei Dinge: Eine gemeinsame Aufgabe, eine gut bemessene Zeitstrecke und eine förderliche Betriebstemperatur. Wenn die Sache dergestalt angepackt wird, ist die Chance gut, dass etwas Vernünftiges dabei rauskommt, das auch einen gewissen Profit abwirft, der ausreicht, um alle direkt Beteiligten (!) am Ende des Tages zu ernähren. Das Beste daran ist, dass Menschen, die gerne gemeinsam an einem Produkt arbeiten - vielleicht in ganz unterschiedlichen Bereichen der Herstellung - auch gerne miteinander über diese Zusammenarbeit kommunizieren. Das «GERNE» ist dabei der beste Impfstoff gegen die SchnittstellenKrankheit. Doch leider ist «gerne» in unseren Tagen halt kein Genre mehr, es stellt kein Fachwort im ominösen «wissenschaftlichen» Dunstkreis der Organisationsentwicklung dar. Das «Gerne» kann übrigens auch durch eine tüchtige Peitsche ersetzt werden. So haben es die Organisationsentwickler der Pharaonen beim Pyramiden-Bau gemacht (ich bezweifle, dass damals /-Innen in diese Form der Organisationsentwicklung involviert waren, deshalb habe ich das Gender-Zipfelchen diesmal weggelassen). Aber leider ist diese Methode heutzutage bei uns nicht mehr gesellschaftsfähig. Genauso übrigens, wie jene andere Haltung in Sachen Effizienz-Förderung, welche besagt, dass es dem Betrieb eigentlich egal ist, wenn die «Arbeitnehmenden» bei der Arbeit verrecken, solange nur die Profitmaximierung stimmt, welche am Ende jenen grossen Anderen zugute kommt, die auf keiner fassbaren oder sichtbaren Ebene im Betrieb mitwirken. Heute sagt man indessen lieber Motivation und winkt mit dem Zaunpfahl der «notwendigen Betriebsoptimierungen», die ja anscheinend wie Naturphänomene über uns hereinbrechen. Wir sind sowas von politisch korrekt. Dagegen wirkt eine tüchtige Peitsche direkt wieder ehrlich. Die Organisationsentwickler/-Innen unserer Tage wurden nämlich schon

Eigentlich schade... Denn im negativen Bereich gibt es durchaus wieder Parallelen zwischen Mensch und Brot! Eine gemeinsame Aufgabe sollte wohl vernünftig gestaltet sein, wie eine Teigmischung halt, sonst geht alles schon im Ansatz in die sprichwörtliche Hose! Der Zeitrahmen des Backens muss vernünftig bemessen sein, sonst geht die Chose niemals auf! Die Betriebstemperatur darf nicht zu hoch sein, sonst verbrennt der Laib... Der letzte Fall endet bei Menschen leider durchaus tragischer als beim Brot. Denn mit verbrannten Brotlaiben kann man einigermassen leben, man muss sie halt leider in den Müll schmeissen... ...verbrannte Seelen sind dagegen eine ganz andere Geschichte! Kehren wir nun also wieder zum Problem mit den Schnittstellen zurück. Unser Brot ist fertig, unser Geschäft ist aufgegangen. Das weitere Vorgehen muss nun leider dem Umstand Rechung tragen, dass es zwischen Mensch und Brot, trotz all der - oben genannten – Parallelen, auch wieder entscheidende Unterschiede gibt. Der Laib wird nämlich zu einem einzigen Zweck angefertigt, er soll zerschnitten, soll zerstückelt werden. Ein gutes Unternehmen wird jedoch

zu jenem anderen Zweck aufgebaut, es soll erhalten bleiben - und durch seine Existenz Menschen erhalten. Dafür ist nun jene geheimnisvolle zwischenmenschliche Alchemie notwendig, die auch in zwei Millionen Büchern, an zehntausend Unis und Fachhochschulen bis jetzt nicht restlos geklärt werden konnte. Wer letztere Aussage bestreitet, muss sich leider die Fanatikerbinde an den Ärmel hängen lassen. Egal, ob sie oder er einem religiösen bzw. einem weltanschaulichem Irrsinnskonstrukt verfallen ist.... ...oder ganz einfach - als Bäschteler bzw. Maaaaaschter der Organisationsentwicklung - Schnittstellen in Betrieben aufklaffen lässt, die am Ende von keiner Sau mehr zusammengefügt werden können. Yep. Schnittstellen, Mensch und Brot... Die Konsequenz: Schneide Dein Brot am Morgen sorglos. Du wirst dabei keine irgendwie geartete Schnittstellenproblematik erzeugen. Doch hüte Dich davor, gesund gewachsene menschliche Arbeitstrukturen zu zerteilen. Oder Du wirst eine klaffende Wunde schaffen, die im schlimmsten Fall von keinem Doc mehr zugenäht werden kann, die mit der Zeit Gangräne erzeugt - und ein ganzes Unternehmen zerfrisst. Brotschneiden ist ein Segen. Wer jedoch mit der Axt auf wirksame Arbeitsabläufe einschlägt, wäre in der Gummizelle vielleicht besser aufgehoben - als in der Organisationsentwicklung. Ausser, wenn wir in einer Welt leben wollen, in der jeder Mensch ein(e) Axtmörder/-In ist... ...wie einst der scheinende Jack! Einer Welt, dumm wie Brot halt.


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Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu. Fumer nuit gravement à votre santé et à celle de votre entourage. Il fumo danneggia gravemente te e chi ti sta intorno.


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Oktober 2013

heimweh? iss urwaldgemüse!

Seite fünf

Das muss man haben: the queetles collection

Donnerstag, 8. August 2013, 08:08 | Von Dr. Kaspar Isler. Wie die Zentralschweiz ihren Ruf als Tor zur Welt manifestiert. (kürzlich unweit voneinander entfernt in Luzern gesichtet)

weshalb «feuchtgebiete» nichts ist, ausser heuchlerischer (eichel-)käse

Freitag, 9. August 2013, 11:39 Von Dr. Kaspar Isler Ich verzichte auf eine Einleitung. Sie alle wissen, worum es im Buch und in der Verfilmung von Feuchtgebiete geht. Wie hat es derart dämlicher Schund auf die Bestseller-Listen und nun sogar ins Kino geschafft? Ich sage Ihnen wie. Ein Grossteil der Frauen traut sich noch immer nicht, sich individuell zu emanzipieren. Und genau da kommt Charlotte Roche ins Spiel. Mit einem miserabel einfallslos geschriebenen Buch, das sie zur führenden Frontheldin einer noch viel zu scheuen Bewegung macht, die sich gerade gewaltig auf dem Holzweg befindet. Wagen wir doch einen historischen Blick zurück. Wenn immer ein Volk oder eine Gruppe Unsicherheit zeigte oder sich gar in einer Identitätskrise befand, wurde damit den absurdesten Ansätzen ein fruchtbarer Nährboden geboten. Das war in den düsteren Kapiteln der deutschen Geschichte nicht anders als im aktuellen Amerika. Das Rezept ist gleichermassen simpel wie effektiv: Nutze eine Unsicherheit oder Angst, schüre sie, projiziere sie auf ein Feindbild und streue dann deine Lösungen und Ideen - und du kannst sicher sein, dass sie blindlings angenommen und kaum hinterfragt wer-

den. Die weitgehend harmlose Charlotte Roche mit fürchterlichen Despoten und korrupten Politikern zu vergleichen, ist nicht nur völlig übertrieben, sondern auch komplett deplatziert. Dennoch verbildlicht es, mächtig übertrieben aber ganz hübsch, was hier passierte. In diesem Fall etwa so: Alle Frauen wollen sich emanzipieren, manche wissen aber noch nicht so genau wie. Der böse, chauvinistische Mann versperrt gemäss einigen besonders engagierten Feministinnen - breitbeinig den Weg und möchte Sie zurück an den Herd schicken. Ui! Da muss schleunigst etwas dagegen unternommen werden. Am besten bekämpfen Sie diesen Missstand, indem Sie ein Buch kaufen, in welchem sich eine - zumindest nach eigener Aussage aufgeklärte und emanzipierte - Frau traut, ganz, ja gaaanz unartige Dinge zu sagen. Damit setzen Sie ein Zeichen und dürfen sich zu den modernen, freien und lustvollen Frauen zählen. So absurd sich diese Zeilen lesen, ist es - etwas vereinfacht dargestellt - das, was dieses Buch weggehen liess wie warme Semmeln. Ziemlich dämlich, oder? Denn das kichernde Aussprechen oder Aufschreiben von Worten wie Ficken, Fotze oder Eichelkäse ist weder unterhaltsam, noch

besonders aufgeklärt. Was hier - unter dem glasklar transparenten Deckmäntelchen der Emanzipation - betrieben wird, ist nichts, ausser eklige und platte Provokation. Drum, werte Damenwelt, benutzen Sie diese Worte ruhig und oft. Trauen Sie sich vulgär zu sein - das macht Spass. Damit lässt sich auf Portalen wie diesem sogar Geld verdienen. Aber seien Sie im Umgang mit diesen Begriffen doch bitte etwas kreativer. Das kann geistreich, humoristisch, sarkastisch, ernsthaft oder im privaten Kreis auch mal einfach nur primitiv sein. Im besten Fall ist es von allem ein bisschen. Aber hören Sie auf eine offensichtlich ziemlich frustrierte Frau zu glorifizieren, die noch nicht einmal fähig ist, eine gute Geschichte rund um ihre Fäkalsprache zu bauen. Beziehungsweise machen Sie sich nicht lächerlich, indem Sie Feuchtgebiete einen tieferen Sinn oder gar einen fortschrittlichen, emanzipierten Umgang mit der weiblichen Sexualität andichten. Liebe Frauen, das können Sie besser da bin ich mir ganz sicher. Als stolzer Sohn und Bruder von zwei emanzipierten und starken Frauen, die Hoffnung nicht aufgebend, Ihr Dr. Isler

Mittwoch, 31. Juli 2013, 12:09 | Von Dr. Reinhold Weber. Hier ist sie, die ultimative DVD-Collection von ... na gut, pardon, aber bei der Affenhitze kann sowas schon mal passieren.

das muss man nicht haben: das falsche bild zur falschen zeit am falschen ort

Dienstag, 30. Juli 2013, 16:00 | Von Dr. Reinhold Weber In der Primetime kommt folgendes nicht gut: a) du warst es nicht, aber das Phantombild der Polizei schaut aus wie du, b) du warst es, und das Phantombild

der Polizei schaut aus wie du oder c) du warst es nicht, aber du schaust aus wie das Phantombild, welches deine netten TV-Kollegen in der Art-Abteilung von dir angefertigt haben. Du solltest sie in den A*** ficken.

partylöwe der woche

Montag, 5. August 2013, 12:32 | Von Dr. Alex Flach. In dieser Woche wird´s in dieser Rubrik etwas monothematisch. Da wir schon genug Zeit für die Zusammenstellung der besten Afterpartys aufwenden werden, bedienen wir für die Partylöwen einfach mal gängige Stereotypen und gut ist. Wir hoffen das passt so.


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Oktober 2013

das muss man haben: einen frauenarzt den man immer dabei hat

Seite sieben

zack and miri make a porno

Freitag, 5. April 2013, 14:04 Von Dr. Dominik Hug Kevin Smith versuchte vor einigen Jahren sich von seinen üblichen Figuren der New Jersey-Filme („Clerks“, „Chasing Amy“, etc.) zu lösen.

Dienstag, 6. August 2013, 16:33 | Von Dr. Midi Gottet. Man weiss ja nie, wenn man spontan eine Blasenentzündung kassiert und eine ambulante Behandlung benötigt.

der dritte versuch

Inhalt: Zack and Miri sind Freunde seit der Grundschule und leben zusammen in einer Wohngemeinschaft. Als jedoch eines Tages das Geld knapp wird und den beiden Strom und Wasser abgedreht wird, treffen die beiden die Entscheidung einen Porno zu drehen, um sich damit ein besseres Leben zu finanzieren. Nachdem sich Kevin Smith mit seinen New Jersey-Filmen einen Namen gemacht hat und 2006 mit Clerks II ein wunderbares Comeback abgeliefert hat, brachte er mit „Zack and Miri make a Porno“ ein weiteres Werk auf den Markt, welches alleine schon durch seinen Titel die Aufmerksamkeit der prüden Amerikaner auf sich zog. Zwar ist „Zack and Miri..“ losgelöst von der erweiterten New Jersey Trilogie und weder Jay noch Silent Bob tauchen

auf. Trotzdem sind mit Jay-Darsteller Jason Mewes und mit Jeff Anderson zwei bekannte Smith-Darsteller mit an Bord. In kleinen Nebenrollen sind auch Justin Long und der gerne vergessene Superman-Darsteller Brandon Routh zu sehen. Die Hauptrollen sind hier auf Hollywoods neuen Comedystar Seth Rogen und Elizabeth Banks verteilt. Banks ist vielleicht nicht die Stärkste weibliche Darstellerin in einem Smith-Streifen, aber Seth Rogen passt perfekt in die Rolle eines typischen Kevin Smith AntiHelden. Allgemein geben die Darsteller im Film jedoch vollen Einsatz und können in ihren Rollen überzeugen. Wie für Kevin Smith üblich, ist sein Film mit einem starken Soundtrack ausgestattet und Bands wie Blondie oder The Pixies sind stets in passenden Szenen zu hören. Wer die üblichen Smith-Schmankerl sucht, wird bei „Zack and Miri...“ mehr als fündig. Eishockey, Star Wars, Diskussionen über Filmgenres. Alles da wie für einen Film vom dicken Kevin üblich. Leider muss gesagt werden, dass „Zack and Miri...“ kein wirkliches Smith-High-

light darstellt. Die Story ist ganz nett, jedoch kommt der Humor einfach zu kurz. Das Drehbuch macht aus der Ausgangslage einfach zu wenig. Die Mischung aus ehrlichen Emotionen und Humor wirkt hier nicht richtig abgemischt. Ein zweites „Clerks“ oder „Chasing Amy“ darf der Zuschauer hier wirklich nicht erwarten. Die Frage bleibt, ob Smith wirklich nur mit seinen üblichen New Jersey-Charakteren Erfolg haben kann. Schon mit „Jersey Girl“ versuchte Smith sein Glück ohne seine Charaktere und musste eine herbe Niederlage einstecken. „Cop Out“ von 2010 war ein Vollflop, auch dank Bruce Willis, der sich zusehends geweigert hat, seinen Part voll zu erfüllen (Mehr dazu in Kevin Smith‘s Buch „Tough Shit“). „Red State“ gab Smith glücklicherweise wieder Auftrieb, könnte aber, wie der Regisseur inzwischen selbst gesagt hat, sein letzter Film gewesesen sein. Fazit: Ein leider nur durchschnittlicher Kevin Smith-Film, aber immer noch sehenwerter als der grosse Rest von Hollywoods Durschnitts-Komödien-Output. PS: Und by the way, Kevin Smith‘s Buch „Tough Shit“ ist echt geil.

reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: wonderbra

Dienstag, 20. August 2013, 15:57 Von Angela Kuhn Schlussendlich sitze ich Zuhause, wieder einmal, allein, aber doch nicht ganz, denn ich bin auch noch hier. Nein, Selbstgespräche führe ich noch keine. Aber selbst gedachte Gespräche bilden sich in meinem Gehirn, ich hätte vielleicht sagen sollen, tun sollen, reagieren sollen, wie ich es jetzt tun würde. Nicht wie sie es gestern gesagt, getan, wie sie reagiert hat, dieses Mädchen das keine Selbstgespräche aber selbst gedachte Gespräche führt, das in einem Moment eine Freundschaft verliert, die ihr mehr bedeutet als soviel Anderes auf dieser kleinen grossen Welt, das im nächsten Moment aufgibt, bevor sie von vorne beginnt, nicht wissend woher sie kommt, wohin sie gehen wird, nicht einmal ansatzweise, bloss wissend, wie unwissend sie ist. Ich sollte es so tun, wie ich es vorhabe, nicht wie sie es tun wird, das Mädchen mit Prüfungsangst und Angst allein zu

sein, das sich vor der Zukunft fürchtet, sie aber doch kaum erwarten kann, doch mehr in ihr, als im Jetzt lebt. Schlussendlich sitze ich Zuhause, wieder einmal, allein, aber doch nicht ganz, mit ihr, und ihr, und mir, selbst gedachte Träume, sowie Erinnerungen im Kopf, verbunden mit der Vorstellung sie zu ändern, was dann doch nur bei der bereits geplanten Zukunft möglich ist, aber doch nicht ganz, denn die ist mit der Zukunft Anderer verbunden, vorläufig, so wie das bereits Geschehene mit dem bereits Geschehenem Anderer verbunden ist, unwiderruflich. Schlussendlich sitze ich Zuhause, wieder einmal, allein, aber doch nicht ganz, mit Pflichten auf dem Schreibtisch vor mir, Verlockungen im Bett hinter mir, Erinnerungen auf Fotos neben mir, Emotionen, gefühlte Gedanken geführter Gespräche, Geschehnisse, in mir. Ich sitze zuhause, wieder einmal, allein, aber doch nicht ganz, mit dem, und ihr, und ihm, und ihnen, und fehlender Konzentration.

Donnerstag, 8. August 2013, 12:33 | Von Dr. Reinhold Weber. Übrigens: Wonderbras sind erhältlich in den Handschuhgrössen 4 bis 12.


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Oktober 2013

fünf überflüssige/ lebensgefährliche fragen an den herrn mit der praktischen kurzhaarfrisur auf sitz 36a.

Mittwoch, 10. Juli 2013, 08:00 Von Dr. Midi Gottet 1. Sind sie ein Neonazi oder nur in einer gemeinen Phase ihres Lebens? 2. Tschuldigung, kann ihr Stinkefinger auch das Victory-Zeichen? 3. Könnte es sein, dass ihr Hinterkopf

heute für den Rest ihres Lebens einen Bad-Hair-Day hat? 4. Tschuldigung, hätten sie vielleicht die Freundlichkeit für den Rest des Fluges mal kurz die Haare wachsen zu lassen. 5. Heil Hitler! Oder sagt man das heute nicht mehr?

leben und nicht sterben (können)

Donnerstag, 4. Juli 2013, 08:00 Von Dr. Christian Platz Tote Stadt. Höllenfeuer. Schwarze Seele eines Lügners. Zunge gespalten. Herz gebrochen. Zurückgeschlagen. Erfolglos. Wille vernichtet. Vorstellung abgewürgt. Schädel gespalten. Hirn verbrannt. Wis-

sen geschmolzen. Nur die Nerven sind noch da, blank liegend, empfindlicher denn je. In der Stille der Nacht. Und in der Finsternis spüre ich den Schmerz - wie einen Messerstich. Doch ich schreie nicht mehr, krümme mich nicht mehr. Ich bin in der tiefsten Zone angekommen. In der Kanalisation meines Lebens. Wo Scheisse aus Jahrzehnten langsam verrottet - und mit der Zeit neue, unsägliche Kreaturen hervorbringt. Der Weg zum reinigenden erlösenden Meer ist abgeschnitten, mit undurchdringlichen Staumauern verbaut. Weil ich ein lebender Leichnam bin, kann ich nicht einmal mehr sterben. Ich empfinde einfach alles, ohne darauf reagieren zu können. Ich empfinde, jenes endlose, sinnlose Leid dieser Welt... ..ich werde es wohl empfinden müssen, werde mitleiden müssen - bis die Sonne explodiert. Und unsere ganze Galaxie – endlich, endlich - zu Asche verbrennt!

das muss man nicht haben: ein durch diese schlagzeile plötzlich wieder aktiviertes 80er-jahrekind-aids-flashback-trauma

Dienstag, 16. Juli 2013, 15:55 | Von Dr. Midi Gottet. Unser aufrichtiges Beileid.

Seite neun

also du. ich geh jetzt mal rüber – und sorge für ruhe

Freitag, 23. August 2013, 08:00 Von Dr. Christian Platz Sag mal? Was machen die eigentlich dort drüben? Diese seltsame Musik dringt aus der Wohnung. Jeden Abend. Die Vorhänge sind auch immer zugezogen. Dahinter kannst du eigenartige Schattenspiele beobachten. Siehst Du? Schon wieder. Es ist mir ein Rätsel... Was machen die bloss? Und manchmal schreit bei denen in der Wohnung jemand - oder etwas... So wimmernd... Ist es ein Kind? Eine Frau? Eine Katze? Ich weiss es nicht. Klingt auf jeden Fall nach Schmerzen. Unheimlich! Und diese Musik? Lassen die etwas rückwärts laufen? Klingt wie „Death Letter Blues“ von Leadbelly rückwärts – und dann noch mit einer seltsamen Akkordeon-Begleitung.... Ist das ein diatonisches Akkordeon? - Nein, ein chromatisches ist es definitiv nicht... Verstimmt auf jeden Fall. Aus welchem Land kommen die eigentlich? Ich bin ja sicher, dass die eine ziemlich finstere Religion haben. Die Sprache ist jedenfalls ein richtiges Kauderwelsch. Ich kann‘s nicht einordnen. Vielleicht sind das ja Satanisten. Teufelsanbeter! Oder Geheimagenten. Nein. Ich habe sie noch nie auf der Strasse gesehen. Du schon? Ach so, die Frau... Nur... Sie trug ein Kopftuch? Ein schwarzes? Sieht sie arabisch aus? Nicht? Keine Muslime? Sicher nicht...?! Noch

schlimmer... Dann kann man es ja gar nicht einordnen! Ganz schön verdächtig. Könnten trotzdem Terroristen sein. Mit verschlüsselten Botschaften und so. Oder Serienmörder. So ein SexmörderEhepaar. Wie einst Fred und Rosemary West. Kannst Du Dich noch an die erinnern? Jaja – die in England... Die haben sogar die eigene Tochter... Es hat schon Blumen am Fenster. Ja. Das gebe ich zu. Aber ich denke, dass die trotzdem nicht harmlos sind. Das ist doch nur Tarnung... Vorgespielte Normalität! Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die da drüben Snuff-Filme produzieren. So Folterpornos mit entführten Frauen. Oder sie bezahlen Drogensüchtige dafür, dass sie für blutige Quälspiele hinhalten, die dann auch noch mit dem Handy gefilmt werden. Kannst Du Dich noch an das Video mit dem Bügeleisen erinnern? An diesen pain movie? Ja – da war auch die Geschichte mit dem Stacheldraht-Dildo drin...! Schrecklich! Mir ist einfach nicht wohl, wenn ich an die dort drüben denke. Vielleicht machen die illegale Schlachtungen... Haustier-Schlachtungen. Badewannen-Schlachtungen. Vielleicht betreiben die zuhause einen Schreber-Schlachthof! Katzen, Kanarienvögel, Hunde. Goldfische! Ja, das gibt’s. Entsetzlich, ent-se-tzlich. Vielleicht essen

die sogar lebende Tiere... Wie die Japaner mit diesen Babymäusen. Das will ich mir gar nicht vorstellen! Also wenn das so weiter geht, hole ich die Polizei! Hörst Du??? Schon wieder dieses Gewimmer.... Ja gut. Ich weiss schon: Die Polizei macht auch nichts. Die dürfen ja nichts! Ich denke, ich trinke jetzt noch die Whisky-Flasche leer. Dann nehme ich meine .44 Automag – und geh rüber. Jaja, ich habe sie geladen. Kannst Du mir noch schnell eine Linie Kokain legen, während ich den Schulterhalfter anziehe? - Hee, heeeeee, die darf aber schon ein bisschen dicker sein! ...mit Quecksilber-Fulminat präparierte Hohlspitz-Geschosse natürlich! Neinnein, nicht nur normale Manstopper-Munition heute. Bei solchen Leuten braucht man andere Kaliber. Also gut, ich nehme auch noch das Sturmgewehr mit. Aber die Automag kommt trotzdem in den Schulerhalfter... Also Du. Ich gehe jetzt mal rüber und sorge für Ruhe.. Ich pass schon auf. Bis später. Du hörst mich ja dann... Wenn ich loslege! Ja ich kann Dir nachher schon noch Zigaretten holen... Ich Dich auch... Tschühüss!

no man’s land Montag, 26. August 2013, 08:01 Von Dr. Rainer Kuhn Bald wird sich das politische Klima derart verschärft haben, dass es zu einem hässlichen Zweikampf zwischen den Nationalsozialisten auf der rechten und den Internationalsozialisten auf der linken Seite kommen wird. Die linken Internationalsozialisten wollen das internationale wirtschaftliche System brechen, kooperiert mit anderen Ländern und installiert Gesetze und verfassungsbrechende Uberwachungsmechanismen gegen alle, weil sie so verhindern wollen, dass ein paar wenige bescheissen und ein paar andere regierunsgfeindliche rechtsextreme Kräfte entwickeln können. Sie nennen sich Demokraten und damit Verhinderer eines Wiederaufkommens des Nationalsozialismus. Die rechten Nationalsozialisten wollen das nationale wirtschaftliche System bewahren indem sie das alleinige Aufenthaltsrecht auf ihrem Boden durchsetzen, nach ihren eigenen, nationalen Gesetzen leben und alles bekämpfen, was das gefährden könnte. Und sie berufen sich dabei ebenfalls auf die Demokratie. Nun haben die Nationalsozialisten - geschichtlich belastend - Klumpfüsse, die Deutschen, vor achzig Jahren, sowas will man nicht mehr, man hat heute eine Demokratie und der

Nationalsozialismus gehört bekämpft. Die Internationalsozialisten, geschickt, proklamieren die Demokratie auf internationaler Ebene als einziger Bezwinger des Nazitums und sich selber als grösster Verfechter dieser Demokratie. Sind sie aber nicht. Im Gegenteil, die Internationalsozialisten gehören genauso bekämpft wie die Nationalsozialisten. Links ist wie rechts. Einfach auf internationaler statt auf nationaler Ebene. Ein totalitäres System, verargumentiert mit sozialem

Gewissen, welches die Demokratie demokratisch abschafft. Demokratie aber steht woanders. Dort wo gesunder Menschenverstand wächst, dort, wo es im Leben um die Freiheit und den Frieden der Gemeinschaft und der Menschen darin geht, dort, wo die Volksvertreter ihr Volk vertreten und die Regierung es führt und beschützt. Im No Man‘s Land. Bild: Wim Wenders für Kult Magazin, 2003.


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Seite elf

Oktober 2013

das muss man haben: die information, dass nina burri, la schlangenfrau, jetzt verheiratet ist

the bad pack

Dienstag, 9. April 2013, 14:09 Von Dr. Dominik Hug 1997 entstand dieses Werk - eine Mischung aus „Die glorreichen Sieben“ und „The A-Team“.

Montag, 15. Juli 2013, 20:29 | Von Dr. Midi Gottet Denn, dann können wir beim nächsten Zirkusbesuch wieder die bärtige Dame anbaggern, die kitzelt dabei immer so schön in der Dammgegend. Nur die Tatsache, dass die Schlangenfrau einen ehemaligen Wrestler geheiratet hat, macht verstörende Bilder von gewagten Liebespositionen in unserem Kopf. Sind wir deswegen schlechte Menschen?

männer brauchen einen auftrag! richtig oder falsch?

Montag, 12. August 2013, 16:00 Von Dr. Alex Flach Meine Herren, meine Damen. Es war ein Wochenende und was für ein Wochenende es war: Die Partylöwen waren unterwegs und wie sie da waren. Wir sind very, very proud, Ihnen hiermit gleich vier erstklassige und qualitativ einwandfreie Partylöwen präsentieren zu dürfen. Klar... das sollten wir nicht zu oft tun, weil sonst der Standard verwässert, aber gucken Sie sich die Teile doch mal an! Na? Na? Wussten wir´s doch. Gern geschehen.

Donnerstag, 1. August 2013, 08:10 Von Dr. Marianne Weissberg Mit meiner alter/nierenden Kehrseite (klingt komisch, ich weiss) beim Zürcher Tagblatt, wo wir beide auf der letzten Seite kolumnieren, diskutierte ich neulich eins meiner letzten Kolumnen-Themen, betitelt: Männer lieben Tacheles! Will heissen: Die Frau muss ihnen sagen, was, wann, wo gewünscht ist, kurz: WWW. „Du musst noch schreiben, dass Männer einen Auftrag brauchen“, meinte der Mitkolumnist. „Bsp: Nicht jammern, dass der Kübelsack voll sei, sondern: BRING DEN MÜLL RUNTER!!“ Jä so, dachte ich, das ist ja wohl DAS Cliché-Beispiel par Exellence, das probiere ich aber erst mal aus, und ERST DANN beschreibe ich, ob es geklappt hat. Jetzt verbreite ich ja meine Weis(s)heiten nicht nur per Kolumne, sondern bin auch noch eine spontane Mailschreiberin. Ganze Weltreiche wankten, Karrieren fielen zusammen (meine) nach meinen ausführlichen Mails. Diesmal ging so eine Mail an eine unerfüllte Jugendliebe. Der mit den irischgrünen Augen. Wir haben uns nach Jahrzehnten wieder getroffen, nun ja, unsere Augen sind immer noch schön, aber etwas trüber geworden, wir brauchen jetzt darüber Lesebrillen. Und sonst? Ich sage nur: knorzig… Also fand ich, es sei an der Zeit, mich und auch ihn ausführlich zu erklären. Politisch, religiös, beziehungstechnisch und überhaupt. Ich war natürlich sauer, dass ES so kompliziert ist, was ich hasse.

Denn wenn es jemand mal kompliziert machen darf, dann ich, dann natürlich mit plausiblem Grund. Zuletzt schrieb ich den ominösen Test-Satz: „Ich erteile dir jetzt den Auftrag, darüber nachzudenken und ein ausführliches, interessantes Feedback zu liefern.“ Oj, das tat er erstaunlicherweise und machte dann zum Schluss glaubs grad noch Schluss mit mir! Verdammt, an dieser Mess ist jener Messi (der hat tatsächlich diesen Spitznamen) schuld. Wobei, Recht hatte der schon. Männer nehmen Aufträge wirklich total ernst. Doch mit der korrekten Erledigung klappt es ja gaar nicht!! P.S. In Sachen Kübelsackrunterbringen. Das klappt bei mir sehr gut. Ich bringe ihn ein Stückli in den Containerraum, bequem per Lift, darauf übernimmt das Runterbringen der Hauswart. Weil ich ihn dafür bezahle. So einfach hat es die klug emanzipierte Frau.

Inhalt: Ein kleines texanisches Kaff wird dauernd von bösen Banditen heimgesucht. Plündernd und mordend ziehen sie durch die Strassen. Da die braven Bürger alles illegale Immigranten sind, können sie nicht auf Hilfe der Polizei zählen. So kontaktieren sie den Söldner McQue und seinen Trupp, um in dieser Gegend endlich für Ordnung zu sorgen... „BLOWS CON AIR OFF THE SCREEN“ - heisst es auf dem Cover der US-DVD. Naja... Dieser Film liefert wirklich nichts Neues für jeden, der schon die eine oder andere Folge des A-Teams gesehen hat. Der Plot, der mehr als offensichtlich auf die Serie rund um die vier TV-VietnamVeteranen anspielt, birgt keinerlei Überraschungen, was bei einem Film wie „The Bad Pack“ aber auch nicht nötig ist. Geklaut wurde beim A-Team mehr als nur grosszügig. McQue hat zwar nicht den Humor oder das verspielt-coole Auftreten eines Hannibal Smith, jedoch vorallem der Rest der Crew scheint bei den alten Serienrecken kopiert worden zu sein. Ralph Möller ist der grosse weisse B.A. Barracus, Faceman ist fast zweimal

vertreten, nämlich durch Roddy Piper und Larry B. Scott, zudem gibts auch hier einen Verrückten Ex-Soldaten. Was man dem Film ankreiden muss Die Setup-Time dauert viel zu lang. Bis die Crew um McQue endlich mal im texanischen Dorf eintrifft, ist schon mehr als die halbe Filmzeit durch. Richtig Action bekommt der Zuschauer erst gegen Schluss, und auch dann noch viel zu kurz. Zudem sind die paar hand-tohand Fights nicht wirklich gut choreografiert. Die übliche Barschlägerei und zugleich der erste Auftritt von Robert Davi beweisen dies leider. Da hätte man mehr machen können. Spass macht aber der Cast. Robert Davi markiert den harten Hund richtig gut, Ralf Möller wirkt symphatisch, ebenso Roddy Piper. Larry B. Scott, die dunkelhäutige Wiedergeburt des Organisationsgenies Templeton Peck, nervt leider ein wenig und die angedeutete Romanze der Möller-Figur mit der Teamtusse ist ein wenig unnötig. Aber trotzdem, das Geschehen machte irgendwie noch Spass. Vielleicht auch, weil ich stets Ausschau hielt nach Gemeinsamkeiten mit dem A-Team. Fazit: Muss man nicht gesehen haben, nicht mal schlecht gespielt, leider ein wenig actionarm, aber es gibt grössere Verbrechen der Filmgeschichte. Passt irgendwie ins Nachtprogramm von RTL 2.

das muss man nicht haben: ein kirkdouglas-grübchen am kinn

Bilder: Beliebte, eher dumme Selbst-Aufträge an Männer, die sie gerne wahrnehmen: zum Mond fliegen oder Russland einnehmen

Freitag, 9. August 2013, 16:34 | Von Dr. Midi Gottet. Weils einfach scheisse aussieht und stetig etwas vor sich hinamoniakelt.


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Oktober 2013

Seite zwölf

Ein Mittagessen mit kevin Hey. Freitag, 4. Oktober 2013, 12:15 Von Dr. Rainer Kuhn

Kontakt mit den anderen und hab mit „Tags“ angefangen, dann kam ich nach Zürich und ...

Das zweite Interview aus der Reihe „Rockstars des Alltags“ kommt aus der Brasserie Lipp in Zürich. Da werden jetzt bis auf weiteres jeden Monat meine Interviews stattfinden. Weil die Moules&Frites da Kult sind. Und die Bedienung freundlich. Gegessen hab ich mit Kevin Hey. Er hat nachbestellt. Als hätte er seit drei Tagen nichts mehr bekommen. Weiss Gott, wo der wieder war. Seine Mutter wusste es früher schon nicht. Ich hab ihn mal gefragt:

wart mal. du wohntest ja zuhause, oder? Ja klar. Und dann hast du die Lehre angefangen und nach einem Tag aufgehört? Ja. Was war denn das für eine Lehre?

Ist das jetzt definitiv, mit dem Film?

Irgend so ein Detailhandel-Scheiss. Das hab ich ja nur gemacht ...

Ja, sie wollen mich jetzt morgen mal sehen.

... und dann kamst du nach Hause und sagtest: Du Papi, ich hör dann jetzt mal auf ?

Wer ist „sie“?

Ich hab gesagt: „Du Mami..“, einen Vater hatte ich ja nicht. Aber eine Mutter. Und die war in den Ferien. Ich hab sie angerufen und gesagt: „Mami, ich hab wieder aufgehört.

Ja der Produzent von Luc Besson. Nur, es ist ein Riesen.. ich weiss nicht, ich hab ihm grad geschrieben, wart ... Scheisse, das Whats-app geht wieder nicht, geht das bei dir auch immer mal wieder nicht? Also ... er sagte: Hör, der hat dich jetzt mehrmals angeschrieben, das verzögert sich jetzt einfach nach hinten, aber wenn der dich anschreibt, dann ist es fix ... aber ich hab den Vertrag noch nicht unterschrieben. Verstehst du, was ich meine? Das ist Film, da weisst du nie, da wrd viel geredet. Drum will ich dir jetzt darüber auch nichts erzählen, sonst heissts wieder „blablabla“ wenn nichts kommt.

Besser gesagt: Gar nicht angefangen... ... ich bin einen Tag lang hingegangen. Ich hab am morgen angefangen, dann ging sie in die Ferien. Ich hab ihr ein SMS geschrieben, oder angerufen, weiss nicht mehr, ich hab gesagt: Mami, ich muss da wieder weg, und sie sagte: Ich versteh dich. Sie wusste da schon, diesen Sohn musst du gehen lassen. Der ist nicht normal, der will das nicht, der macht seinen Weg anders.

Ja, klar. Hatte auch noch Nerven, deine Mutter ... Ich will nicht hier jetzt die grosse Show erzählen und dann wirds nichts, verstehst du?

Ja, ihr Bub war immer auf der Strasse, bin immer mit den Albanern und den Jugos abgehängt. Wir haben rebelliert, Wir wollten die grauen Wände farbig haben. Wieso kann ein Konzern irgendwas hinstellen, was so grau ist?

Was würdest du dann genau machen? Das Set fotografieren? Ja, genau. Set-Fotografie

Das gehört ja denen. Wozu brauchen die das? Was gehört denen? Wieso müssen die eine graue Wand hinstellen? Wem gehört der Wald? Wem gehört das Land? Die Welt? Wie kann das jemandem gehören? wieso kann Amerika sagen: Machen wir mal die Indianer weg da, bauen

Das frag ich mich auch. Sie haben gesagt, ich müsse Bilder machen, die dann wie aus dem Film aussehen. Für Poster und solches Zeugs. Ah, die kommen nicht aus dem Film heraus? Hab ich auch gedacht. Aber eben, das werden die mir noch erzählen. Wir werden sehen.

Ja, und dann war ich Graffity-Künstler etwa zehn Jahre lang und hab mehr verdient als alle anderen ...

Ich bin eigentlich ... also, ich habe nichts gelernt, ich bin also eigentlich nichts. Du bist ja Fotograf, ursprünglich, oder? Oder was bist du eigentlich? Ich bin eigentlich .. also, ich habe nichts gelernt, ich bin also eigentlich nichs. Was nichts. Keine Schule? Doch. Dann fing ich eine Lehre an und hab nach dem ersten Tag gekündigt. Nach dem ersten Tag gekündigt?

... wie verdient man als Graffity-Künstler? Früher hatte mich der Staat in Untersuchungshaft gesteckt wegen Graffitis und nachher haben sie mich angestellt für 15‘000 Franken in 3 Tagen. Ich hatte Riesenaufträge: Flughafen Kloten, Gefängnis Lenzburg ... 100 Quadratmeter für Schwerverbrecher . Und die haben dir dann gesagt, was du hinsprayen musst?

Nein, ich habe einen Vorschlag gemacht und sie haben gesagt: Geil, machen wir. Wir müssen schauen, wo wir das Geld auftreiben, und wenn wirs zusammen haben, machen wirs ... Ich hab dann auch da übernachtet, ich hab da ja jeden Tag gearbeitet. Ist das eigentlich noch schwierig, so sprayen? Schau dir all die Graffitis doch mal an, klar muss man das können. Geht noch ins Geld, oder? Ich mein, so Spraydosen sind noch teuer, und wahnsinnig viele Buschstaben machst du auch nicht mit einer Dose... Nein, du machst etwa fünf Quadratmeter mit einer Dose, und wenns schnell gehen muss, weil es illegal ist, dann machst du Fehler, dann musst du noch mehr ...

... aber bis du das mal kannst ... ... bei mir war das so, meine Skizzen waren so aufwändig, dass ich rausgefunden habe: Die konnte ich gar nicht illegal machen, die muss ich legal machen, also ging ich zu den Jugendhäusern, die fanden solche Sachen geil. Der Deal war: Sie bezahlen die Dosen und ich mach dann die Wand damit. So konnte ich üben. In den neunzigern hab ich mir dann ein bisschen einen Namen gemacht. Also, wart jetzt, mal der Reihe nach. Also Zuerst gehst du in die Sek ... Real. Ich bin dann runtergefallen. Aber zuerst ging ich noch im Wallis in die Schule.Und im Wallis war da nur Heavy Metal. Rap und Hiphop haben sie da angespuckt. Ich und ein Berner, wir haben da ziemlich gelitten. Irgendwie mussten wir uns da durchsetzen. So kam ich in

Wir wollten die grauen Wände farbig haben. Wieso kann ein Konzern irgendwas hinstellen, was so grau ist? einen Superstaat und dann dominieren wir die Welt? Wer hat denn das erlaubt? Wer passt denn auf die auf? Das ist doch die Frage. Ich weiss, dass geht jetzt zu weit, aber das sind die Fragen, die ich mir immer wieder stelle. Wem gehört der Planet? Niemandem. Der gehört sich selber. Aber meine Hauswand musst du trotzdem nicht anmalen, wenn ich das nicht will.


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Oktober 2013

Irgendwann hab ich dann angefangen zu filmen. Eigentlich hats angefangen mit ... also ich hab mit elf immer klassische Musik gehört, ich weiss auch nicht warum, meine Mutter hatte sich auch hinterfragt, aber sie hat mir diese Kassetten gekauft. Wir haben ja auch keine Hauswände angemalt. Angefangen haben wir in der Kanalsiation, dort, wo du mit dem Schacher das Bild gemacht hast, dort haben wir angefangen, also wenn dort unten was farbig ist und du kommst wegen Vandalismus dran, dann ist das einfach krank, dann kann ich nur sagen: Hey, gebt den Jungen was zum Leben, und wenn sie das nicht machen, dann sieht man, wie auf die Jugend geschissen wird. Das ist wie bei einer Demonstration, da wird zuerst einfach dreingeschossen, mit Tränengas, da wird nicht hingehört. Und jetzt sass die Mutter zuhause und dachte sich: Hoffentlich kommt das gut, mit dem Jungen.

Tiere haben das gemerkt, dass ich keine Angst hatte, dass ich keine Bedrohung für sie war. Der eine kam vom Wasser holen zurück und traute seinen Augen nicht: Ich, in den Unterhosen, auf Pilzen, mit Streifenhörnchen, Salamander, irgendwelchen Vögeln rund um mich herum unter einem Baum. Ich weiss, die meisten Menschen lachen über solche Sachen. Aber es war ja eine Erfahrung für mich, in dem Sinn. Ich habe da angefangen, die Liebe zur Fotografie zu erkennen, wie schön auch das stille Bild ist, nicht nur das bewegte. Und was ist dann passiert? Ich hatte ja kein Geld, ich hatte alles verkauft. Für eine kleine Kamera hats noch gereicht, ich hab einfach angefangen, zu fotografieren. Das

mehr. Und ja, es ist verdammt schwierig. aber es ist meine Passion, ich kann gar nicht anders. Wart .... jetzt hat mir grad mein Freund geschrieben. ... ich kann mich vorstellen gehen ... ... wo vorstellen ... Eben, bei dem Produzenten ... ... ok, mal angenommen, das läuft jetzt ... .. dann muss ich nach Amerika und da werd ich dann verhaftet ... ... nein, wie sieht das denn genau aus? Ich muss in die Türkei. Sie wollten mich mal 40 Tage buchen, Sie haben eine Offerte über vierzig Tage gemacht. Pro Jahreszeit zehn Tage. Russland, Türkei, Mongolei, Paris, an diesen vier Orten wollen sie drehen. The great Khan heisst er glaub. Wart, noch ein SMS. Kann das nicht lesen .. Beverly Hills? (lacht laut) Siehst du, seh ich grad alt aus, wenn ich da einreisen will. Meinst du nicht? Keine Ahnung, sonst schicken sie dich halt wieder nach Hause.

Seite dreizehn

Aber alles in allem: Ist es das, was du machen willst? Set fotografieren? Ja, und weisst du warum? Ich bin ein Moment-Fotograf. Ich bin schon auch ein Studio-Typ. Aber ich brauche keine Models um mich herum, um einen Steifen zu bekommen und sagen zu können, ich bin „en geile Siech“, das ist nicht mein Ding ... mit Frauen ist das eher noch schwierig, wenn sie noch ... ich bin mehr so, ich sehe, das ist das Bild, ich bin mehr so eini Jäger, verstehst du? wie paintball, da leg ich mich hin und drück ab, ich bin immer auf der Jagd nach dem richtigen Moment. Das ist mein Ding, ich erkenne den Moment. Und das hat denen ja auch gefallen, sie sagten: Du fotografierst wie ein Film, Die Bewegungen, der Anschnitt, das mochten sie. Aber sie haben ein 100 MillionenProjekt und da bin ich der HInterletzte in der Reihe, ich bin der Unwichtigste in diesem ganzen Projekt, und ich bin da jetzt schon zwei Jahre dran, der Film wurde schon zwei Jahre lang verschoben, weil die Chinesen keine Dreherlaubnis gegeben haben ... Für dich ist das also eine Riesengeschichte, aber für die ist das ein Furz.

Ja, Dafür war mein Bruder einfach. Er ist Architekt, der hat in der ganzen Schulzeit gerade mal 2 mal gefehlt. Wir sind total unterschiedlich. Er hat gezeichnet, du hast gesprayt. Gesprayt ohne Ende. Dann kamen die Battles gegen andere Städte, wir haben gesprayt, Breakdance gemacht und die Albaner haben dann noch mit dem Schraubenzieher dreingestochen, dann kam der Andere, der Grenadier aus Bassersdorf, hat in den Boden geschossen, der Jugo hatte einen Splitter im Bein, dann ist die Polizei gekommen ... so ... das war unsere Jugend ... das war noch recht aggressiv, diese Zeit ...

Doch, ich weiss es noch ganz genau, das war ein Horror-Trip, der zum Himmel ging, from Hell to Heaven, ich hatte danach alle Tiere um mich herum, weil ich musste die Angst loslassen, sonst wär ich nicht in den Himmel gekommen und hätte den Trip nicht überlebt. Und die

So als Fotograf bist du eigentlich sowas wie ein Schmetterling-Sammler. Ja, aber ich muss niemanden töten dabei, ich halte einen Moment fest. Wieso muss man einen Moment festhalten? Weil das Leben dadurch andern zugänglich gemacht werden kann, dass eine „Anmut“ ohne Worte gezeigt werden kann. Das ist wie Musik, die kommt rüber, das ist eine Sprache ohne Worte, du verstehst sie und du weisst: Es hat mich gepackt. Ein Bild kann das auch, es kann dich berühren, und diese Berührungen braucht der Mensch, um sich zu verbessern.

Wenn es mich berührt. Das sagt jeder. Das ist auch richtig so. Für mich persönlich ists dann ein gutes Bild, wenns mich berührt, für einen anderen ists dann, wenns ihn berührt. Du kannst ja nur das machen, was dich berührt und dann schauen, wenns sonst noch so berührt. Ich mein, es ist doch nicht so, dass man sein Publikum findet, das Publikum findet einen.

war vor sechs Jahren. Und jetzt wird es immer besser.

Wie den Häusermann? Wer?

Und wer hat dir den ersten Job gegeben?

Ja genau. Wenns nicht der Kevin ist, ists halt ein anderer. Aber ich will das unbedingt machen. Ich hab mir das gewünscht.

Häusermann, der Stylist. Einer aus dem Club vom Hirschmann, der mochte mich und so hab ich die schwarzweiss Bilder fürs Saint Germain gemacht. Und all die Bilder mit den Rappern, die da kamen. Und was kam danach? Ich mein, es gibt ja viele Fotografen. Es gibt auch viele Schreiberlinge. Drum mach ich ja auch mein eigenes Ding hier, weil das sonst keiner abdrucken würde. Genau. Schlussendlich hab ich noch einen anderen Club bekommen, dann noch einen, dann kamen Hochzeiten, dann Schweizer Promis, dann Deutsche Promis, dann hab ich ja auch mal Jobs versaut ... ... wie versaut ...

Wenn du Pilze gegessen hast, weisst du wahrscheinlich nichts mehr davon ...

Das ist wie Musik, die kommt rüber, das ist eine Sprache ohne Worte, du verstehst sie und du weisst: Es hat mich gepackt.

Wann ist für dich ein Bild ein gutes Bild?

... und dann? Irgendwann hab ich dann angefangen zu filmen. Eigentlich hats angefangen mit ... also, ich hab mit elf immer klassische Musik gehört, ich weiss auch nicht warum, meine Mutter hatte sich auch hinterfragt, aber sie hat mir die Kassetten gekauft. Und dann sah ich diese Bilder, wenn ich diese Musik hörte, um wollte das alles reinholen, hab mir eine Vorrichtung gebastelt, dass ich gleichzeitig die Kassette und die Kamera starten konnte, und ein paar hatten das quasi gespielt, was ich mir vorstellte, solche Filme hab ich gedreht, das ging dann immer so weiter, bis der Cello Schnyder anfing, mir Regieaufträge zu geben. Ich durfte Spots für die Winterthur-Versicherungen machen, ich war noch ziemlich gut. Und dann ist mein bester Freund gestorben und ich bekam ein grobes Tief, hab alles verkauft, wollte mich in einer Art Meditation selber retten vor dieser tiefen Erfahrung. Weil, da ist damals noch viel mehr passiert, an diesem Berg. Ich bin dann nach Amerika mit meinem alten Freund Guido Flück, den ich vom Modeln her kenne - ich hab ja mal gemodelt ... gesprayt, gefilmt, gemodelt, so ... ich bin also nach Amerika und wollte alles gehen lassen, wollte nichts mehr machen, nur noch in der Wüste bei den Indianern sitzen, Pilze essen und ... das hab ich dann auch gemacht.

unabhängig machen von diesem System. Hier kostet sogar nichts haben Geld. Am Ende des Lebens will ich meinen Film gemacht haben.

Ja, Strellson, voll versaut. Sie wollten, dass ich eine Harddisk schicke, das hab ich auch gemacht, aber die Harddisk war defekt, das hatte ich nicht gemerkt, da war ich dann natürlich Schuld und sie haben es mir weggenommen. Schade, das war ein guter Kunde, hat auch gut gezahlt. Aber es ist wie es ist, damit muss ich leben. Dieser Fehler passiert mir nicht

Und was, wenn das jetzt nicht kommt? Wieso haben sie den nach Hause geschickt? Weil er gesagt hatte, er arbeite nicht in Los Angeles, dafür hatte er Koffern voll Kleider, die nicht seine Grösse waren und Massenweise Mode-Mags mit Laufsteg-Bildern. Da haben sie ihm gesagt, wen er sie so anlügt, dann könne er grad

Dann hab ich hier vier Adressen, die ich anschreibe. Und es kommt halt später. Das ist jetzt also dein unbedingtes Ziel: FilmSets fotografieren. Ja. Und weisst du warum?

Ja, und weisst du warum? Ich bin ein Moment-Fotograf. Ich bin schon auch ein Studio-Typ, aber ich brauche keine Models um mich herum. um einen Steifen zu bekommen und sagen zu können, ich bin „en geile Siech“, das ist nicht mein Ding ... wieder nach Hause gehen.

Damit du ein bisschen rumkommst?

Und wann fliegst du dahin?

Damit ich Geld verdiene, mir ein Haus in den Bergen kaufen kann und dann verschanze ich mich da oben. Aber ich sag Dir nicht wo, sonst kommen alle da rauf. (lacht) Im Ernst: Ich will das hier nicht. Ich will hier nicht mitspielen, ich will raus aus dieser Mühle. Ich will mich

Wie gesagt, keine Ahnung. Da heisst es immer, es kommt grad, die haben technische Verzögerungen, wegen den Kameras.

Man findet sich, ja. Ich bekomme viele Komplimente. Ich komme ja vom Film, Ich will auch wieder dahin zurück. Ich hab ja eine Menge gemacht, hat alles mit dem Auge zu tun, die Graffitis waren ein Frame, beim Fotografieren, ein Frame, beim Filmen auch, ich hab auch Licht gemacht, Darsteller gemacht, ich kenne die verschiedenen Positionen, ich will die irgendwann alle einmal selber kreieren, alle diese Positionen, aber das braucht noch Zeit und Connections, aber die Zeit kommt schon noch. Und wenn du dern Film gemacht hast? Dann schauen wir weiter. Wahrscheinlich holen sie mich dann ab und liefern mich ein.


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Oktober 2013

neulich beim fundbüro der zürichsee schiffahrt

Sonntag, 18. August 2013, 11:25 Von Dr. Henrik Petro «ZSG Fundbüro, grüezi?» «Ja grüezi. Sie, ich habe auf einem Ihrer Schiffe meine Sonnenbrille verloren und wollte fragen, ob sie gefunden wurde.» «Mmh, es wurden tatsächlich einige Sonnenbrillen abgegeben. Wie sieht sie denn aus?» «Sie ist dunkel getönt.» «Aha. Irgendwelche weiteren, besonderen Merkmale?» «Ja, ein Tattoo am linken Oberarm und eines...» «Ich meinte an der Sonnenbrille.» «Ach so. Ja, ich habe sie in den Ferien gekauft.» «Das sieht man ihr wahrscheinlich nicht an. Handelt es sich um eine bekannte Marke?» «Ganz sicher. Also ich kenne sie nicht, aber in China ist diese Marke sicher bekannt. Zumindest bei den Kindern, die sie in den Fabriken zusammenschrauben.» «Wann haben Sie denn diese Sonnenbrille verloren?»

«Am Samstag. Als es dunkel wurde, hatte ich sie noch.» «Aha, auf welchem Kurs?» «Kurs? Naja, mal in diese Richtung, mal in die andere.» «Ich meinte das Schiff.» «Keine Ahnung. Ich hatte nämlich ein wenig Schlagseite...» «Von wo bis wo sind Sie denn gefahren?» «Gefahren eher nicht... mehr so... geflogen...» «Ja aber wo sind Sie zugestiegen und wo ausgestiegen?» «Am Bürkliplatz Zürich. Das ist die Antwort auf beide Fragen.» «Ach so, ein Rundkurs...» «Naja, es lief tatsächlich ziemlich rund auf dem Boot...» «Und wann sind Sie genau an und wann wieder von Bord?» «Also aufs Boot bin ich etwa um halb Vier Nachmittags. Und runter etwa um Viertel nach Zehn.» «Äh, das sagt mir jetzt nichts. War das ein Extrakurs?» «Nein, das Xtra hatte glaubs nichts damit zu tun.»

«Wissen Sie denn, wie das Schiff hiess?» «Ja, das weiss ich allerdings, weil es gross angeschrieben war: die MS Linth!» «Also, ich schau mal, Samstag... MS Linth.... aber Moment mal, die war gar nicht auf Kurs.» «Erstaunt mich jetzt nicht. Bei der Besatzung.» «Die lag fest vertäut am Bürkliplatz.» «Ja das könnte hin kommen.» «Das war dieses Partyboot von der Street Parade!» «Das ist so nicht ganz korrekt. Es heisst ‚Partysanboot‘.» «Aber damit haben wir nichts zu tun. Das war eine Privatveranstaltung. Sie müssen sich an den Veranstalter wenden.» «Hab ich auch gemacht. Aber der hat mich nur ausgelacht.» «Ah ja? Das überrascht mich jetzt aber.» «Mich nicht. Aber ich dachte, ich könnte es trotzdem mal hier versuchen. Die Brille ist nämlich wertvoll.» «Verstehe. Ihre Noname-Sonnenbrille, made in China, war also teuer?» «Ja - sie war mir sehr lieb und teuer.» «Wie teuer denn?» «Hm, zwölfzig Euro. Und was mach ich jetzt?» «Ich hätte hier eine Brille. Sie ist zwar etwas abgetragen und trägt Gebrauchsspuren, eine richtige Patina, und ich würde sie Ihnen gerne persönlich aufsetzen.» «Klingt gut. Gucci? Tom Ford? Polaroid? Police? Ray Ban?» «Viel besser. Eine Klobrille.»

musik für lift

Donnerstag, 19. September 2013, 16:30 Von Dr. Vanessa Kunz Ich war nass. Alles an mir. Der Nacken, mein Rücken, der Arsch. Es war heiss, amerikanischer Westsommer, ich in der Wüste und alles schien irgendwie verloren. Für mich war’s jedoch gänzlich uninteressant. Man hörte nichts, nur Luft, die in der Hitze verbrannte. Konnte also noch nicht tot sein, dachte ich mir. Tod ist ja stumm, tonlos. So war es bis jetzt zumindest immer, wenn wieder einer abkratzte und man das irgendwie theatralisch verpacken musste. Kaum stirbt einer, wird’s still und schwarz. Totenstille halt, und das, was man davon erwartet. Mit mir war also alles ok, war ich sogar zufrieden, denn ich war alleine und konnte zwischen rotem Stein und unterm wolkenlosen Himmel endlich einmal mit mir selbst sein. Frei war ich trotzdem nicht, hätte ich bloss mal weniger gedacht. Wie gerne ich mal nichts denken würde, aber

wenn ich an nichts denke, denke ich daran, dass ich an nichts denke. Und jetzt, als ich so im Gewand Gottes auf dem heissen Stein anbrannte und nass war, dachte ich an Tom, wie ich auf ihm gesessen habe und wie wir in die Nacht hinein gebumst hatten. Da brannte ich auch und war nass. Er auch, nass wie Wasser, wir waren Wasser, alles war irgendwie Wasser. Wir klebten dann so aneinander und bewegten uns, wie sich halt Wasser mit Wasser bewegen konnte. Das war schon irgendwie geil, damals. Dann musste ich lachen, genauso wie die Leute, die schelmisch im Bus gedankenversunken und blicklos aus dem Fester lachen, keiner weiss wieso, und die halt einfach an die eine Geschichte denken, in der sie Tom gebumst hatten und genauso Wasser waren und irgendwie dabei verbrannten. Nach 5 Minuten Stille in der Einöde war mir grausam langweilig. Ich wollte irgendwo anders sein als hier, hier, an diesem Ort, wo nichts war, hier,

in dieser endlosen Dürre. Solch eine barbarische Geräuschlosigkeit musste ich nicht haben, das ist wie baden. Baden in der Wanne. Bedrohlich langweilig. Und die ganze Schweisstreiberei brachte mir in dieser Gegend selten wenig, hatte es nicht mal Wind, kühlte es mich nicht mal ab. Kein Wind, keine Luft. Nada. Tonlos. Wer hat eigentlich bestimmt, dass Stille vollkommen und idyllisch sei? Und wenn ich dann gestorben bin (wenn ich nach dem Tod überhaupt noch sein darf) und mit all dieser angeblichen idyllischen Stille klarkommen muss, was tu ich dann, wenn der Tod auf einmal grässlich laut ist? Nicht aussen, sondern laut im Kopf. Ich hoff ja schwer, dass auf diesem Weg ins Licht, ob’s denn nun gibt oder nicht, in welcher Form auch immer, irgendwas Melodiöses passiert. Liftmusik würd mir schon reichen. Liftmusik auf dem Weg ins Licht. Liftmusik für alle. Dann gäbe es auch wieder Bands, die nur noch „Musik für Lift“ komponieren. Da könnte man auch noch eine Initiative lancieren. Wiederaufnahme der musikalischen Gemütsunterstützung in öffentlich irdischen und privat jenseitigen Aufzugsanlagen. Und halt in all den Aufzügen, die dazwischen liegen. Als ich mir dies und das so durch den Kopf gehen liess, bekam ich ein total schlechtes Gewissen, schämte ich mich wiederum fürchterlich, müsste ich doch jetzt, wo ich so viel Zeit für mich, meine Gedanken, die Erde habe, hier, in dieser Wüste, wo es nichts gibt, ausser mich und der verbrannten Luft und noch ein bisschen Stein und Stock, über den Weltfrieden sinnieren. Oder über das Schweizer Asylgesetz. Ganz sicher aber nicht über Tom, das nass sein mit Tom und wer alles sonst noch so mit Tom nass gewesen war. Ich dürfte glaub nicht mal über das Sein im Allgemeinen nachdenken. Und schon gar nicht über die Wichtig- und Nichtig-

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reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: sears optical

Montag, 26. August 2013, 16:02 | Von Dr. Reinhold Weber. Als was gaasch a‘d Fasnacht? - Als Läsebrülle.

partylöwe der woche

Mittwoch, 28. August 2013, 11:30 | Von Dr. Alex Flach Dieses Foto dürfte Sie, werte Leserschaft, in zwei Gruppen spalten. Die eine Gruppe denkt sich Folgendes: „Was für ein vorbildlicher, junger Mann. Endlich mal einer, der seinen Freunden anstatt

Alkohol Softdrinks an den Tisch bringt. Klar... es hätte auch Kamillentee sein können anstatt das ungesunde, überzuckerte Coca Cola, aber das ist halt eine Party und da will man mal nicht so sein. Chapeau!“. Die andere Gruppe hat recht.


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Oktober 2013

Seite sechzehn

Facebook für Singles – Freund oder Feind?

Donnerstag, 5. September 2013, 14:12 Von Pony M. Wenn man als Single einen Facebookaccount hat, hat das sehr sehr viele Vorteile. Lernt man sich halb- oder ganz besoffen an einer Party kennen, hat man manchmal doch noch die geistige Gegenwart, sich schnell per Handy zu adden. Am nächsten (oder übernächsten Tag, je nach Ausmass des Katers) kann man die Person, die man kennengelernt hat, dann noch einmal aus einer im wahrsten Sinne nüchterneren

Perspektive anschauen. Da taucht dann vielleicht eine seltsamerweise an der Party unerwähnte Freundin auf. Oder man merkt, dass der Gute 10 Jahre jünger ist als man selbst (verdammter Bartwuchs, macht einem das Schätzen aber auch verdammt schwer). Oder sein Titelbild ist sein tiefergelegter, getunter, bespoilerter Subaru Impreza ZRX Turbo R45. Igitt. DELETE FROM FRIENDS. Auch lustig ist, wenn man jemanden durch das gemeinsame Kommentieren von Posts gemeinsamer FB-Buddies „ken-

nenlernt“. So habe ich den einen oder anderen Facebook-Freund, den ich noch nie in echt getroffen habe, jedoch regelmässig mit ihm Messages austausche. Das gibt einem die Möglichkeit, sich im Vorfeld kennezulernen, ohne dass man 29472947 Franken für einen Parship-Account ausgeben müsste. Falls man sich tatsächlich gut findet, kann man sich ja mal daten – falls plötzlich „xy gefällt ‚Junge SVP Schweiz‘“ erscheint: DELETE FROM FRIENDS. Aber, wie alles im Leben hat auch der Facebook-Kontaktmarkt seine Schattenseiten. Findet man nämlich einen Typen mal so richtig gut und überwindet man sich – selbst ist die Frau! – ihn zu adden, bekommt man Einsicht in einen Teil seiner Aktivitäten, die man lieber nicht hätte. Einerseits offenbart sein Profil, dass er noch viel toller ist, als man gedacht hat (gute Musik, gute Statements, angenehme Anzahl Fluchwörter pro Quadratmeter Text) – andererseits zeigt einem Facebook, das sadistische Arsch-

loch, jedes Mal an, wenn er ein Bild von Titty McAsslander liket oder den Status von Modelface O’Hugeboob kommentiert. Man sieht alle Fotos, die er von sich und seinen Freunden hochlädt, wo auch Frauen in Bikinis, Monokinis und No-Kinis-At-All drauf sind. Alles potentielle Konkurrentinnen. Alles Schlampen. Der perfideste Selbstwertzerstörer, den sich Facebook in seinem unendlichen Sadismus hat einfallen lassen, kommt aber erst: Die Tatsache, dass einem angezeigt wird, dass eine Message „gelesen“ wurde. Da sitzt man also zwei Stunden, um 3 Zeilen Text zu verfassen, die zugleich witzig, sexy und geistreich sein soll, man geht Nietzsche auf Wikipedia nachschlagen (weil man weder im Philosophieunterricht in der Kanti noch irgendwann danach auch nur im Ansatz verstanden hat, was der Alte eigentlich sagen wollte) und reisst sich zusammen, dass die Nachricht nicht zu früh, aber auch nicht zu spät rausgeht, man spannend und mysteriös bleibt. Und dann:

keine Antwort. Aber unten, ganz klein und kaum sichtbar: „gelesen um 17Uhrfucking35“. Wieso antwortet er nicht? Hat er ein Date mit Titty McAsslander? Findet er mich doof? War Nietzsche doch zuviel? Schliesslich landet man am Abend Vodka trinkend und Glacé essend auf dem Sofa, badet im eigenen Selbstmitleid, löscht alle imaginären Bilder einer gemeinsamen Zukunft auf dem Land und stempelt den Herrn als unhöfliches Arschgsicht ab. Und dann: eine rote kleine Eins beim Chatsymbol und schon geht das ganze Drama von vorne los, alles ist vergessen und vergeben, weil er einen geschmacklosen Witz macht, den ich saumässig lustig finde. Ich verfasse denn eine brav zurechtgelegte Antwort und die ganze Odyssee geht wieder von vorne los. Facebook. Freund oder Feind? Ich tendiere zu Freund. Aber nur, weil ich gerade nicht auf eine Antwort warte.

don’t judge a car by his designer (dear pony) Dienstag, 10. September 2013, 08:00 Von Dr. Henrik Petro Unser neustes Rennpferdchen im Stall mit dem sinnigen Namen Pony M hat kürzlich in einer facebook-Kolumne unter dem Titel «Facebook für Singles – Freund oder Feind?» geschrieben: «Lernt man sich halb- oder ganz besoffen an einer Party kennen, hat man manchmal doch noch die geistige Gegenwart, sich schnell per Handy zu adden.» So könne man am nächsten Tag die Person, die man kennengelernt hat, dann noch einmal aus einer nüchterneren Perspektive anschauen (ich sage dem: ausspionieren). Dann listet Pony einige Killerkriterien auf, die zur sofortigen Entfreundung der neuen Bekanntschaft führen, darunter: «...sein Titelbild ist sein tiefergelegter, getunter, bespoilerter Subaru Impreza ZRX Turbo R45. Igitt. DELETE FROM FRIENDS.» Liebe Pony, was bitte ist falsch an einem Subaru Impreza WRX STi (wie die höchste Evolutionsstufe korrekterweise heisst – übrigens Bild 1)? Nur weil ein Auto vielleicht nicht grad den «red dot design award» gewinnt, heisst das doch noch lange nicht, dass es dafür nicht eine Menge toller innerer Werte mitbringt? Lass mich dir das ganze anhand einer Metapher erklären. Stell dir vor, jedes

Auto steht jeweils für einen Typ Freundin. Jetzt stell dir (rein hypothetisch) weiter vor, du läufst einem Exfreund über den Weg – mit seiner neuen Freundin. Zum Glück ist sie nicht hübscher, witziger, lieber und sexier als du. Nicht mal annähernd. Sie ist stattdessen zum Beispiel (eben, metaphorisch) ein Subaru Impreza: prollig, laut, schnell. In dieser Situation verhalten sich nun die meisten Frauen so, wie wir Männer es eben nicht verstehen: anstatt innerlich aufzuatmen: «Yessss! Ich bin eben doch die Geilere! Jetzt bereut er es ganz sicher, wo er mich so direkt neben ihr sieht!» und den Triumph im Stillen zu geniessen, werden sie fies und streuen noch Salz in die Wunde: sie schauen ihren Ex schräg an und sagen: «Wös? Die? Bitte! Hast du nichts Hübscheres gefunden..?» Natürlich, wenn das die Ex sagt, ist das ein glühendes, gezacktes, in Essig eingelegtes rostiges Schwert, das direkt ins Herz fährt und dort wie ein Berserker auf Bilsenkraut wütet. (Dabei, stell dir vor wie es wäre, wen sie tatsächlich hübscher wäre..? Super-GAU!) Sagt das hingegen ein Buddy, ein Kumpel, dann erwidert der Ex: «Okay, sie ist zwar eine nicht besonders hübsche Aargauerin von hinter dem Baregg, aber ich sage dir – ihre Technik! Absoluter Wahnsinn!

Sie hängt jede ab! Die ist im Bett eine absolute Wildsau! Sowas hab ich noch nie never ever erlebt!!» Und dabei leuchten seine adrenalingeschwängerten Augen wie glühende Kohlestückchen (er kommt nämlich gerade vom freien Fahrtraining vom Nürburgring zurück, wo er alle doppelt und dreifach so teuren AMG-Mercedes und BMW M3er zersägt hat) und sein Kumpel nickt anerkennend: «Cool. Solange sie dich glücklich macht...» Okay, weiter. Was ist, wenn seine neue Freundin ein Fiat Tschinquetschento (Bild 2) ist? Und du denkst: «Wös? Dieser Schlumpf? Bitte!» Seinem Buddy jedenfalls würde er sagen: «Ja ich weiss, sie ist klein und knuddelig. Aber sie ist tooootal lustig! Und alle mögen sie! Wir haben sooo viel Spass miteinander! Wir sind ständig nur am Lachen!» Dabei grinst er wie das sprichwörtliche Honigkuchenpferd (kann mal jemand ein Bild davon posten, damit ich mir konkret etwas darunter vorstellen kann? Danke!) und sein Kumpel nickt anerkennend: «Cool. Solange sie dich glücklich macht...» Oder das: Er kommt mit einem BMW X6 (Bild 3) am Arm. Seinem Buddy würde er zuvorkommen: «Bevor du was sagst: ja ich weiss, sie ist fett und hat ei-

nen furchtbaren Stil. Aber hey, sie hat ihr eigenes Geld. Und damit meine ich nicht einen jämmerlichen Ich-arbeitemit-meinem-Soziologieuniabschluss-immega-angesagten-Hive-an-der-Garderobe-Lohn. Sondern einen Bankerlohn. Teppichetage. Mit Bonus. Letzte Woche waren wir zwei Wochen in Thailand, Golfferien. In einem Monat fliegen wir nach Namibia, Safari. Hey und ihre Wohnung in St. Moritz – einfach toll! Wie findest du meine neue Omega? Hat sie mir zum Halbjährgen geschenkt. Oh, ich muss weiter, wir haben in der Kronenhalle reserviert...» Dabei zwinkert er verschwörerisch und zeigt sein schönstes gebleachtes Lächeln und sein Kumpel nickt anerkennend: «Cool. Solange sie dich glücklich macht...» Und so weiter und so weiter. Nun widersprichst du: «Das ist alles gar nicht wahr. Wir Exfreundinnen wünschen uns doch für unsere Exen nur das, oder besser gesagt, die Allerbeste! Etwa einen Ferrari 458 Italia (Bild 4)!» Schätzchen, wenn du das ehrlich meinst und ihn wirklich gern hast, wünsche ihm KEINEN Ferrari. Never ever. Wir Männer schauen zwar tatsächlich gerne wunderhübschen italienischen Zicken nach, bis uns fast der Hals auskugelt. Aber das wars – einen Ferrari sein eigen

zu nennen macht uns nicht glücklich. Und ich erklär dich auch gleich, warum: Jeder will sich mit deinem Ferrari fotografieren lassen. Jeder will deinen Ferrari begrapschen. Denn jeder will mit deinem Ferrari fahren! Ich meine, du hast gerade ein paar atemberaubende Runden auf deiner privaten Teststrecke gedreht, also voll intensiv Liäbi gemacht und liebkost morgens um halb fünf zärtlich ihren geschmeidigen Popo, während sie dir von ihrem Rehpinscher erzählt, der sich tragischerweise seinen Schwanz im Louis Vuitto Täschli eingeklemmt hatte – also ein rarer, voll intimer Moment zwischen uns beiden, als ihr Handy Piep-piep oder Srrrt! macht, weil SCHON WIEDER so ein notgeiler, angetrunkener Kerl sie antextet – («Wo bisch? Wa machsch? Ich will Sex!») Also lebst du in ständiger Furcht, dass mal ein Alonso daherkommt und zu deinem Ferrari sagt: «Baby, ich will dich nicht besitzen, Gott bewahre, aber ich sehe, du musst wieder mal von einem geritten werden, der dich an deine Grenzen bringen kann.» Denn ehrlich, nur mit deinem Schleuderkurs beim TCS in Hinwil kannst du ihr das nicht bieten. Sie weiss es. Du weisst es. Crash unvermeidlich. Fuck. Nein, das ist nicht schön, und vor allem NICHT LUSTIG. Darum sind wir Männer am Ende des Tages mit dem Impreza viel glücklicher. Und zwar so sehr, dass wir ihn tieferlegen und als Titelbild für unser fb-Profil verwenden. Ach ja, nun fragst du mich, welches Auto denn dich glücklich machen würde. Keine Ahnung, aber wusstest du, dass es seit 1964 tatsächlich eine eigene Gattung Pony-Cars gibt? de.wikipedia.org/wiki/Pony-Car Das erste Deutsche resp. europäische Pony-Car war übrigens der Ford Capri (Bild 5). Gefällt er dir? Ja? Tja, dumm gelaufen, denn im Prinzip ist der Capri der Impreza der 70er. So schliesst sich also der (Brems-)Kreis...


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Oktober 2013

Seite siebzehn

subarufmord? oder: die antwort auf die antwort. oder: petro heil

Donnerstag, 12. September 2013, 07:12 Von Pony M. Lieber Henrik, Wiegehtesdirmirgehtesgut. Es tut mir sehr leid, dass ich mit dem Erwähnen des von mir frei erfundenen Automodells (weil ich die existierenden Modelle nicht kenne und zu faul war, eins zu googlen) in meinem Text vom 5. September bei dir einen wunden Punkt erwischt habe. Bist du einmal von einem Subaru verlassen worden, obwohl er deine erste grosse Autoliebe war? Oder hat dich im Gegenteil ein Subaru einmal über den Verlust eines anderen Autos hinweggetröstet? Weisst du, es hätte auch ein Golf oder ein… naja, ein anderes Auto sein können, das mir jetzt nicht einfällt, weil ich schlicht keine Autos kenne. Lieber Henrik: ICH HABE KEINE AHNUNG VON AUTOS. Ich habe ein Velo. Etwas anderes habe ich nicht. Ich habe noch nicht einmal einen Führerschein. Deshalb war ich umso glücklicher, dass du jedem der Autos, die du in deinem Text verwendet hast, auch gleich noch eine Beschreibung in Frauenform und ein Bild angehängt hast, sonst wär‘ ich näm-

li Bisgoscht nicht druus gekommen. Mit dem Antreffen eines Ex mit einer Neuen hast du natürlich die Königin aller Analogien gewählt – kaum ein Moment ist emotional geladener, schmerzhafter, überraschender – oder lustiger. Du hast es mit deinen Vergleichen sehr passend auf den Punkt gebracht: alles ist eine Frage des Vergleichs. Dieser ist, wie die Länge deines Textes beweist, in der Frauenwelt ein sehr komplexer. Hat sie schönere Haare? Ist diese GucciTasche echt? Oh mein Gott, gebleachte Zähne? Echt jetzt?? Das beschäftigt uns dann ca. eine Woche und endet oft in noch gebleachteren Zähnen und einer Tasche, wie sie sich nicht mal Oprah leisten könnte. Und Ihr Männer? Ihr vergleicht Eure Penisse, Eure Jobs, Eure Brieftaschen und… ach ja! Eure Autos! Was? Ihr Neuer hat einen Audi RS5?! Wieso? Und woher?! Vielleicht hat der Neue einen Bierbauch oder schiefe Zähne. Egal, er hat einen Rennschlitten und das lässt Euch nicht los… Weisst du, was das Erstaunliche ist, lieber Henrik? Uns ist Euer Auto genauso egal, wie Euch unsere Handtaschen egal sind. Und das hat, wenn du mich fragst, doch etwas sehr Versöhnliches.

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Mit allerherzlichsten Grüssen Pony

kohldampf-kim-bumm, jetzt ist aber schluss mit dem raketen-seich

Dienstag, 9. April 2013, 17:09 Von Dr. Marianne Weissberg Das finde ich eine absolute Schweinerei, dass Nordkorea jetzt einen Atomschlag machen will. Ich meine, wir hatten uns doch schon an den Gedanken gewöhnt, dass sich im Nahen Osten die dort Anwohnenden als Nächste aufs Dach geben würden. Die üblichen Verdächtigen waren längst gesetzt. Iran, Israel und die umliegenden Araber. Dann jedoch muss irgendetwas den Iran davon abgehalten haben, weiter zu gifteln, vielleicht hat der Obermutschaheddin eine neue Dritt-

gattin oder so, und die Araber kaufen aktuell uns grad weitflächig auf und sind damit ausgelastet, und Israel ist damit beschäftigt, Tel Aviv für die Sommersaison noch aufregender zu machen. Also verschiebt man wieder mal, mit einem herzlichen Shalom allerseits, gottlob. Ergo sagte sich Nordkorea, das entwicklungsmässig irgendwo im Paläozentikum steckt: jetzt machen WIR halt mal auf Weltkrieg. Ich war entsetzt, ich meine sooo retro kann ja gar niemand mehr sein, das zu glauben, was die Kleinen dort abziehen. Und die hatten doch schon

einen Krieg, damals in den Fünfzigern. Das war doch sicher auch nicht so lustig. Aber eben, der Neid, der Neid und das Fehlen von Internet, Shopping-Malls, Fussball-WM’s, hübschen Outfits und einer ordentlichen Esskultur. Denn das ist ja nicht von der Hand zu weisen: koreanisches Essen ist gruusig, immer diese vergärten Kohlvarianten, und wenn es davon auch noch zu wenig gibt, dann… hmm, genau dann hat so ein kleiner Furz wie dieser nordkoreanische Diktator vielleicht immer Kohldampf-Frust im fetten, kleinen Ran-

zen und ist so hässig, dass er bloss noch Mordfantasien hegt. Und dann blickt er auf uns, die es halt irgendwie doch noch schön haben und poliert nicht sein mickriges Schwänzchen, sondern seine Raketen, die wir ihm womöglich irgendwann mal geliefert haben. Ich lade dich also, du Kim Bumm zu mir zum Essen ein. Es gibt garantiert nichts Koreanisches, vielleicht meinen berühmten Hackbraten mit Härdöpfelstock. Und wenn du dann an meinem Tisch, auf deinem Stühlchen, auf das ich ein Kisssen lege, damit du über den Tellerrand

hinausschauen kannst, wichtige Reden schwingen willst, so wie es halt alle Kerle bei mir tun, dann haue ich dir mit dem Kochlöffel eins über die koreanische Birne und hacke dir deinen Fliegenpilz ab mit dem Rüeblimesser. Und dann ist aber subito Schluss mit dem Rakentenseich, hörst du, Kim Bummmm??!! Fotis: Dieses Kimchi-Kohl-Nationalgericht hat Kim dazu bewogen, uns alle auch so widerlich zermantscht sehen zu wollen, nachem er seinen kleinen, hausgemachten Atomgiftpilz von solchen kleinen Kerlen abfeuern liess, wobei dann ist er ja auch platt... dieser Mistkerl!


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Oktober 2013

die aktuellen top 5: photoshopping ahoi: die mit nur wenig arbeitsspeicher von hero zu zero runtergedissten promis im netz, die plötzlich wie dein profilloser nachbar daherkommen

Seite neunzehn

der fünfte versuch

Donnerstag, 18. Juli 2013, 08:04 | Von Dr. Midi Gottet. 1 Frau Gagalaari, 2 Herr und Frau Beck-Ham, 3 Herr und Frau Hübsch, 4 Frau Winfried, 5 Hanna Rhy, 6 Gwinettli Palwurf, 7 Herr und Frau Fescht, 8 De Tscheissi und d Bion C., 9 Michi Hanson,  Bern Mövenpick

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Montag, 26. August 2013, 21:06 Von Angela Kuhn scheiss auf den vierten, der war es nicht wert, so wie vieles es nicht wert ist. nicht wert sich damit zu befassen, darüber zu weinen, zu lachen, nachzudenken, sich auseinanderzusetzen. Der vierte versuch ging den bach runter, wie der fünfte gerade, der es auch nicht wert ist, aber noch weniger ist er es wert sich die mühe zu machen, ihn dem vierten nachzuschicken, um einen erneuten versuch als sechsten zu starten, der, wenn ich diesen nicht überwinde, genau so wenig wert sein wird. scheiss auf grossbuchstaben, sie sind die mühe nicht wert,

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so wie der vierte, und eigentlich auch fünfte versuch. ich möchte jetzt gerne erklären was es den wert ist, was was wert ist, wieviel was wert ist, was überhaupt ein wert ist, aber einerseits weiss ich es nicht, und andererseits wäre es traurig es zu wissen, denn grundsätzlich ist es nichts, und alles, was sich widerspricht und mein gehirn dazu verleitet wie wild gegen meinen schädel zu pochen, und, ganz ehrlich, der schmerz ist das ganze nicht wert. scheiss auf weinen, lachen, gedanken, auseinandersetzungen, beziehungen, scheiss drauf, machmal muss man das, denn wert ist es manchmal, manchmal eben nicht.

neulich in der migros gemüseabteilung 4

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Dienstag, 13. August 2013, 14:00 Von Dr. Henrik Petro «Verzeihung, haben Sie Pfefferminz?» «Pfefferminz Tee dort hinten im Gestell, Pfefferminzkaugummi an der Kasse…» «Nein, ich meine frischen Pfefferminz.» «Dort bei den Kräutern.» «Habe ich schon nachgeschaut. Es hat keinen mehr.» «Dann hat es keinen mehr.» «Auch nicht irgendwo hinten im Lager?» «Nein.» «Sicher?» «Ja.» «Wollen Sie nicht nachschauen?» «Nein.» «Ich habe heute ein Date und brauche es eben unbedingt für den Hugo.» «Sie haben ein Date mit einem Hugo?» «Nein, mit einer Frau.» «Wie heisst sie?» «Warum wollen Sie das wissen? Das geht Sie doch nichts an!» «Jetzt tun Sie nicht so verklemmt. Schliesslich erzählen Sie mir ja unaufgefordert von Ihrem Date und irgendeinem Hugo. Dabei wollte ich nur die Rüebli zählen!» «Dann passen Sie auf, dass Sie die

nicht bald von unten zählen!» «Von unten zählen? Was ist falsch daran?» «Die Rüebli von unten zählen – das ist so eine Redensart. Kennen Sie die nicht?» «Nein. Und ich kenne auch keinen Hugo.» «Das ist was zu trinken.» «Sie Grüsel! Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was Sie von einem Hugo trinken wollen…» «Doch nicht so! Hugo ist Prosecco mit…» «Natursekt? Sie sind ja wirklich ein Grüsel! Pfuiwäk!!» «… Holundersirup…» «Klebrig und gelb - Ich hol den Sicherheitsdienst!» «Danke, aber mir würde es reichen, wenn Sie mir Pfefferminz holen.» «Ah jetzt versteh ich. Ist das auch so ein Codewort für irgendwas Perverses?» «Was reden Sie da? Sie haben ja nicht alle Tassen im Schrank! Ich glaub, ich geh besser in den Coop…» «Ja, tun Sie das! Vielleicht hilft Ihnen ja Betty Bossi bei ihren abartigen sexuellen Fantasien! Solange ich hier bin, bekommen Sie garantiert nicht Anna’s Best! Ha, der war jetzt gut, oder? Geben Sie mir High Five!» «Vollidiot!» Etwas später: «Verzeihung, haben Sie Thai-Basilikum?» «Mit oder ohne Happy Ending?» «Wie bitte??» Memo vom Filialleiter an die Zentrale: Wenn Ihr nicht sofort jemanden vorbei schickt, der die Klimaanlage repariert, kann ich für Nichts mehr garantieren! Und wenn mich heute noch jemand sucht – ich bin in Jamaika am Bananen krümmen…


Wir heissen Gimmalaya. Dieses Inserat hier kostet mehr als unser Promobudget für unser Debut Album im April 2014 vorsieht. Dabei geht es in diesem Inserat um die erste Single „I Khör Eui Nid“ - die nicht auf dem Album sein wird. Viel zu hart, zu lärmig, non-commercial *RomanCamenzindVoice*. Out Now! (leises Klatschen, irgendwo. Grillen zirpen. Jemand schreit „Buh!“)Die Single werden wohl so 100 Leute kaufen. Radios lehnen genervt ab. Journalisten finden es nicht so prickelnd. Die Musikindustrie stirbt. Alle jammern.

WIR GEBEN einen feuchten

FICK. Danke für die Aufmerksamkeit! Und jetzt gehen wir ins Studio und schreiben eine schleimige Ballade für die Schweizer ESC Ausscheidung.

www.gimmalaya.com www.facebook.com/gimmalaya


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Oktober 2012

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roboter sind ja keinesfalls besser als eine ordentliche bj rallye Donnerstag, 4. April 2013, 11:00 Von Dr. Christian Platz „Wenn ich auf diesen Knopf da drücke, kommen die Roboter und begraben dich lebendig“, sagt Ruedi, der Ruedi mit der am rechten Ärmel zerrissenen Windjacke nämlich, fröhlich in die morgendliche Frühlingskälte hinein. Jener glibberige Rotztropfen, der permanent unter seinem rechtem Nasenloch hängt, zittert genauso fröhlich mit. Ich weiss nicht, ob ich es ihm glauben soll. Dieser unbeschriebene, etwas zu gross geratene Klingelknopf, der - von den ordentlich beschriebenen Klingelknöpfen einige Zentimeter abgesetzt - neben der Haustür prangt, hinter der Ruedis Familie wohnt, hat schon etwas rätselhaftes. Wir schreiben das Jahr 1973. Ruedi ist mein Kumpel aus der Primarschule. Wir sind acht Jahre jung. Ich wäge ab: Einerseits hat mein Vater gesagt, dass Ruedi immer bis in alle Nacht hinein vor dem Fernseher sitzen dürfe - ein Umstand übrigens, um den ich ihn eigentlich beneidet habe - und dabei auf allerlei dumme Gedanken komme. Er dürfe dies nur, so meine Grossmutter ihrerseits missbilligend, weil seine Eltern derart mächtigen Durst hätten - und die ganze Nacht lang am Küchentisch trinken würden... Ich sah zwar nicht ein, was am Durst haben falsch sein könnte - aber ... Okay... Andererseits war Ruedis Familie schon ein bisschen unheimlich. Sein Vater arbeitete bei den Lichtpausen, einer Firma, bei der allerlei ominöse Geräte rumstanden. Vielleicht konnte man aus denen ja auch Roboter zusammensetzen...? Seine Mama hatte struppige rote Haare, trug immer einen Minirock und Netzstrümpfe über ihren dicken Schinkenbeinen, wie mein Onkel Albi letztere zu nennen pflegte, sowie eine rosa getönte Brille. Zudem hatte sie eine seltsam tonlose Stimme. Vielleicht war sie ja ebenfalls ein Roboter...? Fragen über Fragen... Jedenfalls unterliess ich es, den Plan auszuführen, den ich Ruedi gerade angekündigt hatte. Ich hatte ihn nämlich – unmittelbar vor seiner Roboter-Drohung - wissen lassen, dass ich für die JugendEuropameisterschaft im Arschtreten trainieren wolle. Er sei nun mein Übungsobjekt und müsse die Qualität meiner heftigen Tritte in seinen Allerwertesten professionell beurteilen. Genauso, wie es die Jury dann bei der Meisterschaft tun würde. Wie ich heute weiss, ist es weitaus angenehmer, Jurymitglied bei der „International Brain Salad Surgery Competition“ (IBSSC) zu sein, die der Volksmund auch Blow Job Rallye nennt - als Jurymitglied bei der Europameisterschaft im Arschtreten! Aber in den Seventies gab es die BJ Rallye noch nicht, jedenfalls ganz sicher nicht als offizielle olympische Disziplin, die am TV live übertragen wird, wie dies heutzutage der Fall ist. Ruedi besiegte mich also mit seinen Robotersprüchen – Ideen triumphierten über Arschtritte. Mind over matter. Eine Scheiss-Situation. Nicht zum ersten Mal! Wir waren böse Buben. Oft ärgerten wir die Kioskfrau und reizten den Schuhmacher bis aufs Blut. Mit unseren unerwünschten, frechen Besuchen, garniert mit vor-pubertären, total danebenen Pippi-Kacka-Sprüchen sowie allerlei Lärm und sonstigen Schikanen. Besuche, die immer mit unserem fiesem Gelächter, wohlverdienten Ohrfeigendrohungen und mit Fersengeld geben endeten. Unser grosses gemeinsames Geheimnis war der Umstand, dass wir gelegentlich bei Fischers in den Briefkasten

geschifft haben. Dies schweisste uns zusammen. Machte uns zu Blutsbrüdern, obwohl ich es aus meiner heutigen Sicht, die vor erhabener Altersweisheit nur so strotzt, eher als Urinbrüderschaft bezeichnen würde. Zudem waren wir beide ins Marteli aus der Parallelklasse verliebt... Ja wir waren böse Buben. Aber einige Erwachsene waren noch viel böser. Vor allem Ruedis Grosstante Elsa, die im gleichen Haus wohnte wie Ruedis Familie, im Parterre – und immer das

Gefühl hatte, dass sie die bösen Buben gut im Auge behalten sollte... Manchmal mussten wir, wenn wir auf der Strasse, an der wir beide wohnten, herumlungerten, dringend auf die Toilette. Fischers Briefkasten stand nur in unbeobachteten Momenten zur Verfügung. Die waren eher selten geworden, seit Frau Fischer den verschifften Briefkasten mehrmals und angeekelt hatte putzen müssen. Grosstante Elsas Klo stellte den Weg des geringsten Widerstands dar, da sie eben im Erdgeschoss wohnhaft war, und wir dann nicht mit unseren gutgefüllten Blasen (shit, der BJ-Rallye-Jury-Gedanke lässt mich heute nicht mehr los, selbst während ich schreibe) nicht gezwungen waren, unzählige Treppen hochzusteigen. Nun. Die Wohnung von Elsa und ihrem Gatten Oski ward ein waschechter Psychopathenhaushalt. Oski schien eigentlich ganz nett zu sein. Aber er hockte den ganzen Tag neben dem Radio, das ununterbrochen deutsche Schlager der Seventies spielte, „Schmidtchen Schleicher mit den elastischen Beinen...“ und so. Er hing mit seinem beachtlichen Körpergewicht in einem alten Fauteuil, las im Blick – stundenlang -, der Mann muss langsamer gelesen haben, als so mancher schreibt -, und trank literweise Warteck Bier.

Die Grosstante hatte einen gesunden Hass auf alle Menschen, die nicht zu ihrer Verwandtschaft gehören. Und Kinder waren sowieso unter ihrer Würde. Mich ignorierte sie total. Sie sprach von mir nur in der dritten Person und würdigte mich keines Blickes. Manchmal sagte sie streng zu Ruedi, wenn wir ihr Logis betraten: „Aha. Bist Du wieder mit dem Büebli unterwegs, das so neidische Augen macht? Nimm es nur nie in Dein Kinderzimmer mit. Sonst stiehlt es Dir noch Deine schönen Spielsachen.“

Ich verachtete die Tante natürlich. Ich wünschte mir, dass Ruedis Roboter sie lebendig begraben würden. Grosstante Elsas Tage waren dergestalt, dass sie von einem psychotischen Wahnanfall in den anderen glitt, ansatzlos. Wie ein guter DJ, der unmerklich von einem Song zum anderen übergeht. Da gab es keine Entspannung, keine Pause – die Frau muss enorme Blutdruckwerte gehabt haben. Ein Druck, wie ein Dampfkochtopf kurz vor der Explosion. Ich liebe übrigens Dampfkochtopf-Explosionen und provoziere sie gelegentlich mit Absicht. Natürlich nur in fremden Wohnungen. Auch die Jurymitglieder einer gewissen BJ Rallye stehen ja manchmal unter einem derartigen Druck, doch die peer pressure verbietet es ihnen, diesem Druck zu früh nachzugeben. Sie werden sonst zum Gespött ihrer lieben Jurykollegen. Zum Glück war ich nie das direkte Ziel von Grosstante Elsas Wahnanfällen. Nur ein stummer Zeuge. Wenn Ruedi beispielsweise auf dem WC war, liess dieser Umstand der Grosstante keine Ruhe. Das fing dann so an; Elsa sagte, mit durchdringender Stimme, schneidend wie ein elektrisches Messer: „Du schliesst die Tür aber nicht ab!“

Grossonkel Oski, er wusste, was gleich abgehen würde, meldete sich mit dumpfer Stimme aus seinem Sessel: „Hör jetzt auf Elsi. Lass den Buben in Ruhe.“ Sein Einwand verhallte wirkungslos. Elsa noch wütender: „Und spiel da drinnen ja nicht mit Deinem Du-weisstschon-was. Sonst kommt Grosstanti mit der Pouletschere und schneidet alles ab.“ Sie hörte nicht mehr auf: „Wenn Buben damit spielen, macht der liebe Gott, dass ihr Zipfelchen faul und grün

und dunkelbraun wird. Dann muss der Doktor sowieso alles abschneiden. Da kann auch gleich ich mit der Pouletschere für Ordnung sorgen.“ Oski, verzweifelt: „Hör auf Elsi, lass den Buben in Ruhe...“ Die Wirkung diesmal? Als hätte niemand etwas gesagt! Wenn Ruedi, für Grosstante Elsas Geschmack, zu lange auf dem WC, oder AB, wie wir damals sagten, verweilte. Holte sie die Pouletschere aus ihrem Chuchichäschtli, riss die Türe zum stillen Örtchen auf und schnippte und schnappte mit dem Gerät ein paar Mal herzhaft durch die Luft. Manchmal rannte sie Ruedi, nachdem er sein Geschäft endlich erledigt hatte, mit der scharfen Schere durch die ganze Wohnung nach – er, atemlos auf der Flucht, über Tische und Kommoden hinweg, Vasen und allerlei PozellanNippes zertrümmernd, sie hintendrein. Dabei schrie sie unentwegt: „Der Bub hat mit seinem Zipfeli gespielt. Schnippschnapp, Grosstanti schneidet alles ab.“ So war das damals... Als ich später Sigmund Freud gelesen habe, musste ich immer wieder an Grosstante Elsa denken. Wir wurden älter. Ruedi war einer von denen, die auf der Wortebene unglaub-

lich heftig pubertieren. Immer, wenn er den Mund aufmachte, kam etwas Klebriges raus: Eher in einer einfachen, nicht besonders ausgefeilten oder gar originellen Tonlage, aber nichtsdestotrotz hochgradig genüsslich. Jener glibberige Rotztropfen, der immer noch permanent unter seinem rechten Nasenloch hing, zitterte in fröhlicher Erregung mit. Wie Ruedi ein Jung-Teenager war, ging er jeden Tag nach der Schule zum Kiosk – und fragte: „Haben Sie das Schlüsselloch? Haben sie das Sexy?“ Die Kioskfrau erwiderte: „Das haben wir alles. Aber das ist ab achtzehn. Wie alt bist du?“ Ruedi erwiderte laut und burschikos: „Alt genug!“ Und dann prustete er los, hielt sich den Bauch vor lauter Lachen... Die Kioskfrau schaute ihn verachtungsvoll an. Ich wusste, dass er das nur tat, damit er der Kioskfrau das schöne Wort „sexy“ sagen konnte. Zuhause, unter seiner Matratze, hatte er nämlich eine beachtliche Sammlung solcher Seventies-Sex-Heftli, „Schlüsselloch“, „Wochenend“ oder „Dreimal kurz gelacht“, die er unter der Matratze seines Grossonkels Oski hervorgeklaubt hatte, nachdem dieser abgekratzt war, an einer massiven Leberzirrhose. Aber ach, es sollte kein gutes Ende mit unserem Ruedi nehmen. Denn in den achtziger Jahren musste ich ihn erschlagen. In einem besetzten Haus. Wir waren beide achtzehn, in die Punk-Szene abgeglitten und besoffen. Er hatte keine Freundin. Ich schon. Und eines Abends hat er meinen Schatz derart derb und klebrig angemacht - zunächst mittels eines Schwalls obszöner Worte, dann griff er ihr unvermittelt und mit irrem Blick, mit beiden Händen gleichzeitig, heftig hinten an den Arsch und vorne zwischen die Beine -, sodass ich ihm mit einem Feuerlöscher krachend den Schädel eingeschlagen habe. Das gab eine Riesensauerei... Quite a bit of raspberry jam – I’d say – quite a bit of raspberry jam... Der glibberige Rotztropfen zittere nimmermehr. Und kein Roboter ist gekommen, um Ruedi beizustehen. Seither habe ich meinen Glauben an Roboter endgütig verloren. Diese blutige Geschichte ist ja nie ans Tageslicht gekommen. Sie hatte keinerlei rechtliche Konsequenzen. Ich staune immer noch darüber. Heute, da dies alles schon lange verjährt ist, kann ich es im KULT endlich exklusiv gestehen. Für einige Zeit hatte ich, wegen dieses Vorfalls, übrigens ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Aber das hat sich gelegt. Seit ich mein Lebensziel erreicht habe und endlich Jurymitglied bei dieser BJ Rallye, Sie wissen schon, geworden bin. Seither spüre ich nämlich nicht mehr viel. Ausser - gelegentlich - jenem unendlichen Druck, den ich manchmal, während der Wettbewerbs-Saison, recht lange aushalten muss. Das ist besonders schwierig, wenn dir die Teilnehmerinnen, mit perfekt eingeübtem Blick, direkt in die Augen schauen, während sie ihre Kür absolvieren, an der sie monatelang geschliffen haben, zusammen mit einem unerbittlichen professionellen Trainer. Aber man will vor den Jurykollegen ja keinesfalls das Gesicht verlieren. In den heftigsten Druckmomenten, beispielsweise in jenen gefährlichen Augen-Augenblicken, mache ich, um mich etwas abzulenken, immer gerne Fotos von den Teilnehmerinnen. Close ups. Wenn die jeweilige „International Brain Salad Surgery Competition“ (IBSSC) dann gelaufen ist, im Rahmen der Schlussfeier, schenke ich den Damen die Fotos. Dies bereitet ihnen grosse Freude, was wiederum mich freut. Freude. Freude. Freude.


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Oktober 2013

klare ansagen

Montag, 26. August 2013, 12:01 Von Dr. Reinhold Weber. Für einen reibungslosen öffentlichen Verkehr auf dem neuen Zürcher Sex-Verrichtungsplatz beachten Sie bitte unsere Hinweisschilder. Besten Dank. Ihre Stadt Zürich.

das muss man nicht haben: eine iq-bestie im tauchkurs

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ein lied für europa Montag, 16. September 2013, 10:00 Von Dr. Christian Platz Als das Haus schliesslich einstürzte, gaben sich dann doch alle so richtig überrascht. Für einen Sekundenbruchteil nur. Bevor sie unter den Trümmern begraben wurden. Die meisten von ihnen sind nie mehr aufgestanden. Lange schon hatte man intern über den Zustand der alten Hütte diskutiert. Über den Marder im Estrich, die zerbrochenen Dachbalken, das sinkende Fundament, die eklatanten Schiefstände der Mauern. Der Gang durchs Treppenhaus kam einer Höhlenexpedition gleich. Manche Treppenstufen fehlten, andere brachen gerne ein, sogar unter den sanften Tatzen-Tritten der Hauskatzen. Und gerade im Treppenhaus konnte man sie gut sehen – unter den armseligen Resten der prähistorischen Art-Deco-Tapete, die sich schon seit 30 Jahren grosszügig von den Wänden schälte -, die zahlreichen Sprünge und tiefen Risse im Mauerwerk. „Bedauerlich. Aber alles halb so schlimm. Die Hütte steht ja noch“, pflegten sie hoffnungsvoll zu sagen, die Bewohnerinnen und Bewohner der Liegenschaft, eigentlich eine recht fröhliche Gemeinschaft. Gemässigt fröhlich eben, wie es unserer Zeit und unserem Kontinent angemessen ist. In den Badezimmern trugen die Wände mächtige Schimmelflecken. Der Verputz war weich geworden. Durch das eine oder andere Loch in diesen Wänden konnte man morsche Balken erkennen. Aber es handle sich dabei keinesfalls um tragende Balken, versicherten sich die Anwohner gegenseitig. Und wenn jemand das Wasser laufen liess, schien das ganze Röhren- und Leitungssystem des Hauses in heftige Bewegung zu geraten. Wie beleidigte Gedärme, die auf den Verzehr eines Beefsteak Tartar - mit einem rohen Ei garniert - reagieren, das ein Reisender einige Stunden vorher in einem Restaurant in Kathmandu verzehrt hat. Oder war es in Bangui? Oder vielleicht sogar in Biarritz...? „Die Stimmen des Hauses“, nannte der mittellose Poet und Idealist diese Röhrenkakophonien. Er hauste im Parterre, zwischen mächtigen Büchertürmen, die noch riskanter und wagemutiger aufgebaut waren - als einst jener legendäre Turm zu Babel. Was an sich schon Lebensgefahren barg, auch ohne den Umstand, dass der Poet, inmitten all dieser vergilbenden Papiere, Kette rauchte, dass er auch öfter mal rauchend in seinem Sessel einschlief. Zwischen randvollen Aschenbechern, in denen

es immerfort glimmte und glühte. Er beherrschte sieben Sprachen. Konnte Hegel, Kant und Wittgenstein lesen und verstehen. Und zwar so leicht, wie andere Leute Dan Brown oder Harry Potter lesen und verstehen. Trotzdem fand er partout keine bezahlte Arbeit. „Es kommt schon gut“, sagten die erwachsenen Mitglieder der Mietparteien - die einen zahlten ihre Mietbeiträge übrigens regelmässig ein, die anderen nicht oder nie -, die das alte Haus bewohnten. „Es könnte ja durchaus noch schlimmer sein.“ Die Kinder und Kleinkinder bekümmerten sich nicht um die ganze Fragestellung, sie lebten - wuselnd - ihr eigenes Leben. In vielen Fällen ein kurzes, wie sich herausstellen sollte. Immer wieder haben die Hausgenossinnen und -genossen festgestellt, dass sich das ganze Gebäude langsam aber stetig absenkte. Früher hatten drei Stufen von der Haustür in den Vorgarten hinunter geführt. Inzwischen musste man, wenn man das Haus verlassen wollte, eine provisorische Treppe hochsteigen. Doch diesen Umstand nahmen sie mit Humor. Schliesslich senkte sich das Gebäude nur langsam ab, bloss um einige Zentimeter im Monat... So ein „leicht marodes Haus“ habe, wie alles auf dieser Welt, auch sein Gutes, sagten etwa die Frührenten-Beziehenden Herr und Frau Bantzt, die im vierten Stock wohnten, da breche immerhin garantiert keiner ein. Schliesslich sehe man schon von aussen, dass es hier nichts zu holen gebe. Gut. Im Frühling hatte sich ein Warnzeichen ereignet. Mehrere Ziegel waren mit Karacho vom Dach gefallen – und wären um ein Haar im voll besetzten Drillings-Babywagen gelandet, den Frau Fischer, die aus dem zweiten Stock, gerade vor sich hergeschoben hatte. Aber eben nur knapp... „Kann passieren“, sang die Hausgemeinschaft unisono, das Leben sei eben immer ein bisschen riskant. Aber die Chose sei ja glücklich ausgegangen. Refrain: „Oder etwa nicht? Oder etwa nicht?“ So träumten sie in den Tag hinein,

so schliefen sie in der Nacht, zwischen gefährlich zischenden Stromleitungen, reizbar wie Kobraschlangen. Längst hatten sie sich an die Funkenregen gewöhnt, die manchmal aus den Steckdosen stoben. Werni aus dem ersten Stock amüsierte sich jedenfalls regelmässig darüber, wenn er einen über den Durst getrunken hatte, was eigentlich immerzu der Fall war. Er nannte dieses Phänomen im besoffenen Überschwang „mein kleines, privates, kostenloses Feuerwerk“. Gut, die Böden waren in letzter Zeit schon etwas gar in die Schräge abgeglitten. Wenn Menzlis aus dem dritten Stock ihre gute Stube durchquerten, kam dies einer zünftigen Bergwanderung gleich, aber, so sagte der sportliche Herr Menzli gerne selbstbewusst, „ein bisschen Anstrengung hat noch nie jemandem geschadet“. Manchmal kam Pierre der Handwerker vorbei. „Dieser alte Pfuscher“, nannte ihn die Hausgemeinschaft liebevoll. Sie haben ihn gerne gerufen, wenn etwas wirklich nicht mehr funktionierte. Zum Beispiel die Waschmaschine oder ein Fernsehanschluss. Er bastelte die Sachen dann wieder zurecht. Nicht gut. Aber günstig. Wenn die Bewohner Pierre auf den Gesamtzustand des Hauses angesprochen haben, pflegte er mit fester, wissender Stimme zu sagen, die Hütte stürze schon nicht in sich zusammen, was über hundert Jahre lang gehalten habe, würde auch noch weitere 900 Jahre halten, gute alte Wertarbeit sei eben nicht kaputt zu kriegen. Dies beruhigte die Hausgemeinschaft enorm – so gingen sie also alle wieder ihren Geschäften, Privatangelegenheiten und Vergnügungen nach... Und nun ist es doch geschehen. Mitten in der Nacht. Mit einem mächtigen Rumms ist die Hütte eingestürzt. Jenen, die sogleich getötet wurden, war es egal. Den anderen hatte das Leben eine neue Chance beschert. Das Leben, das nun doch nie mehr ganz so sein würde, wie es vorher gewesen war, aber trotzdem weitergehen müsse. Doch so ist es auf unserer Welt! Eigentlich schade, dass es um alle Häuser in dieser Nachbarschaft ähnlich bestellt ist, aber da kann man halt nichts machen... Irgendwo - in einer jener unzähligen grauen Amtsstuben - registriert ein müder Staatsangestellter den Hauseinsturz. In dreifacher Ausführung. Mit einem leisen Seufzer. Die Sache regt ihn nur ein kleines bisschen auf. Schliesslich kommt es fast täglich zu derartigen Hauseinstürzen. Die Schuld dafür scheint niemand zu tragen. Er legt die Papiere zu den Akten. Und holt sich einen feinen Kaffee.

der sechste versuch Freitag, 5. April 2013, 17:04 | Von Dr. Midi Gottet. Und er denkt noch, er sei Malcolm X oder so.

das speaker phone aus charlies angels Donnerstag, 13. Juni 2013, 14:00 | Von Dr. Dominik Hug Wir mögen uns kaum daran erinnern, aber es gab mal eine Zeit, da gab es noch kein Stimmrecht für Frauen. Und ebenso abwegig war es, sich Frauen in Autoritätsrollen vorzustellen. „Drei Engel für Charlie“ war ein erster Versuch, ein starkes Frauenteam als Hauptdarstellerinnen einer Actionserie zu etablieren. Mit Erfolg. Die Engel bekammen ihren Auftrag jeweils im Büro

durch das Speaker Phone ihres Bosses. Wir fanden heraus, das Gerät existierte tatsächlich, produziert von der Firma Western Electric (Modell 4a). Mit etwas Glück findet man bei eBay noch ein Exemplar. Viel Glück. SEEN IN A SCENE

Freitag, 30. August 2013, 17:51 Von Angela Kuhn der sechste versuch Erwachsen werden ist ein wenig verstörend. Würde es in meinem Leben lieber auslassen, hauptsächlich weil eher faul als fit, aber bei wenn/würde steig ich frühzeitig aus, das ist es nie wert (-->versuch nr.5) drum jetzt schnell kurze Analyse zum Titelthema meiner Gegenwart. Was ich auslassen werde, Entschuldigung an Liebhaber deutscher Seifenopern, ist das ganze Jungsdoof-Schule-scheisse-Leben-eh-kein-Sinnoder-etwa-doch?-Zeugs, davon gibt es genug, überall im www, jeder Zeitschrift, Serie, jedem Buch, Film, in jedem Gehirn

jedes verpickelten Pupertierenden. Wir wissen alle Bescheid. Was mir viel mehr auffällt als dieses typische pseudo-lebenserfahrene Gelaber all der seit neustem steuerpflichtigen Bürger unseres Landes, ist diese Blase die platzt. Vielleicht gehts nur mir so, aber darin wächst man – „man“ = Jugentlicher, Schweiz, einigermassen gute Kindheit – auf, mit Talenten die gefördert werden (-->versuch nr.1), und Konkurrenten die abprallen. Wenn „man“ aber plötzlich 18 und bartig/busig, wird Blase dünn. Was „man“ gut kann, kann „man“ zwar immer noch gut, nur können es erschreckend Viele gleich gut und noch erschreckender Viele besser. was mal abgeprallt ist prallt nur noch, und während „man“ auswächst schrumpft „man“ innerlich zu einem ängstlichen gollum-ähnlichen Geschöpf welches merkt dass „man“, fuck, nichts ist im Vergleich. Vergleich wird

Mittelpunkt, Mittelpunkt die Welt, nicht mer „man“ selbst. Vergleich mit Besseren, Schlechteren, Gleichen, Anderen, um besser, schlechter, gleich oder anders zu sein, aber „man“ wäre immer nur zufrieden mit was „man“ grad nicht ist. Und diese Anzahl! Die Anzahl der Vergleichbaren stetig steigend, das Glauben ans eigene Potenzial stetig sinkend, die Blase missend, die Anderen wissend, „man“ selbst noch nichts. Der Gollum den „man“ wurde auf der Suche nach einem Schatz, der sein eigener sein wird, den nicht noch X andere haben, einem Sinn, sei es Berufung, Beziehung, aber Bedeutung muss es haben, findet „man“. „Man“ wird neidisch auf den Goof im Kinderwagen, der seine Blase nicht teilen will. „Man“ baut sich Blase. Erfolglos. „Man“ stellt sich. Vergleichen. Barrieren. Welt. „Man“ kämpft. Fällt. Kämpft. Fällt. Kämpft. Fällt. Kämpft


Geschichten aus dem ÖV

Uralti Frau lauft zu mim Abteil idä S-Bahn. Min Rucksack ufem einzig freie Sitz visavi (Ja. Höskirucksack liebä Läser. Eifach akzeptierä und witerläsä. Du bisch da nöd idä Realität). Ich mit Chopfhöhrer idä Ohrä und ufem Telifon am Töggälä. Alti Frau stupst mi a: «Händ sie für ihre Rucksack au äs Bilet zahlt?»

Wenn d'Lüüt wäg dir im Tram panisch nach ihrem Billet afönd sueche, söttsch vilicht mal ä Modeberatig in Erwägig zieh.

<3 eu bizli Ich lieb

ZUKKIHUND

Meh Abentüür: fb.com/zukkihund

Guet gits im Zürcher Hauptbahnhof jetzt vier Burger Kings. Nöd eine. Nöd zwei. Au nöd drü. Nope. Vier. «Werum bischn du so fett?» «Pändler.»

«Oh, nei sorry gäll ich bin suscht amig dä erst wo Platz machä wür, aber bin grad abglänkt gsi will eini hät mi gaddet uf Facebook wili än Post vo ihre glikt han aber ich han gar nöd welle like isch nur Zuefall gsi wägem chlinä Touchscreen. Hani das Missverständnis natürli grad twitteret. Grad foif Retweets zehlt. Aber Sie känned das ja. Social Media Problems haha. Nämed Sie doch Platz.» «…»

Amüsanti Beobachtigä in Züri: Typ rännt uf gli losfahrends Tram zue. Frau staht hilfsbereit ufs Trittbrätt. Typ rännt verbi. Jogger gsi.

Hey nei. Mir de Mittelfinger go zeige, nur will ich sie alächle. Klar bin ich im Tram gsässe, wo sie grad verpasst hät. Aber trotzdem. Vilicht isches au ehner es Grinse gsi, ja. Aber trotzdem. Okay vilicht hani mer au luut lachend de Buuch ghebet und uf sie zeigt. Aber trotzdem.

Hey die ander isch völlig usgflippt im Tram. Wienes Gnu uf Meskalin. Und dä chauffeur hät de Polizei aglüte.

Ja denn bini halt de Chauffeur gsi. Isch doch kein Grund für en Mittelfinger.

Ich bruch en neue Trick zum Gäld spare. Fremde Lüt uf de Schoss sitze funktioniert nöd.

Okay es isch s‘letschte Tram gsi. Aber trotzdem. Klar hani de Chnopf extra bis zwei Meter bevor sie bim Tram gsi isch lüchte lah. Aber trotzdem.

Chauffeurproblem


Kultzeitung Oktober 2013  
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