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kult.ch

die besten blogs aus kult.ch zum neben dem holz aufbewahren, jetzt, wo in drei monaten schon wieder weihnachten ist. september 2012. kult.ch (gegr. 1997) ist die erste gesellschafts-satirische blog-to-print-zeitung der schweiz: unzesnsurierte kommentare zum täglichen leben und dem, was sich in den medien so abspielt.

unsere armen eltern! Montag, 20. August 2012, 06:10 Von Dr. Henrik Petro Die Street Parade hat sich inzwischen etabliert: und zwar vor allem als grossartiges Klassentreffen der Generation Rave. (Hä? Was ist denn „Rave“? - Eben, genau das mein ich!) Ist ja wahr: (wahrscheinlich nicht nur) auf dem Sundeck vom Partysan-Boot begegnete man seinen vergangenen 25 Jahren des Ausgangs, teilweise sogar hinter den Decks (aber nicht daneben, die dort dekorativ platzierten Mädchen waren keine 25). Und in diesem Umfeld (und später auch in der Helvti) konnte man sich so richtig gehen lassen, ohne peinlich zu werden – man war ja unter sich. Was wunderbar war: während man sich früher vor allem „vom wegluege“ her kannte, sind heute die Berührungsängste wie weggeblasen. Ein paar Stunden lang waren alle one happy family (naja, jedenfalls bis... aber dazu das nächstemal). Der inzwischen meist spiessig-bürgerliche Alltag (Job bei Bank/Versicherung/Krankenkasse, Wohnung mit Gartensitzplatz oder Häuschen in der Agglo, verheiratet/ geschieden mit ein, zwei, drei Kindern, Träume ein Film- oder Musikstar zu werden begraben) wurde nicht mit an Bord gelassen und durfte so ein paar Stunden vergessen werden. Kurz: alle hatten ihren Spass und durften sich wieder mal 10-20 Jahre jünger fühlen. Energie und Glück tanken für ein weiteres Jahr Tauchstation in der Belanglosigkeit. Dann fing ich heute, drei Tage danach,

wichtigen und lässigen Leute – also ich – gar nicht geknipst wurden), viel Alk und was weiss ich noch – lässt sich in meinem Kopf gar nicht manifestieren. Ich bin sicher: da gab es nix! Der Alltag – so spiessig er war – blieb Alltag. Auf dem Land gibts wenigstens die Fasnacht, da wird auch ins Koma gesoffen, gekotzt und kreuz und quer über den Haag gefressen. Aber in der Zwingli-Stadt? Bevor es das Kaufleuten als Club gab, war die einzige Action Donnerstags die „WoWo-Wohnige!“-Demos im Niederdorf. An hohen kirchlichen Feiertagen herrschte (noch weit bis in die 90er) Tanzverbot. Kurz: To-te Ho-se!

an zu grübeln: was hat eigentlich die Generation vor uns für Möglichkeiten gehabt? Selbst die ersten Jahre, als es die Street Parade schon gab? Im besten Fall waren unsere Eltern bei der Geburt der Parade 1992 so alt wie wir jetzt (also in

Partylöwen der Woche Dienstag, 5. Juni 2012, 10:38 Von Dr. Alex Flach. Das Thema Partnerlook haben wir an dieser Stelle erst kürzlich besprochen und sind zur einstimmigen Übereinkunft gekommen, dass Synchronklamotting nicht (sowas von nicht) geht. Nun scheinen entweder die Oxa-Gäste nicht zu wissen wie man im Internet surft, oder aber es ist ihnen einfach nur egal, welche Sorten Senf wir zum Thema Stil abzugeben haben. Sollte das erste der Fall sein, dann wäre das die Antwort auf ziemlich viele Fragen, die wir uns im Zusammenhang mit dem Oxa-Publikum tagein

tagaus so stellen. Sollte aber zweites zutreffen, dann wären wir (erstens) düpiert und (zweitens) würden diese Oxaköpfen dringend empfehlen, ihren Vorhang der Ignoranz schleunigst fallen zu lassen: Hier kann man was lernen, im Fall. Lange Schreibe, kurzer Sinn: Partnerlook geht nicht. Schon gar nicht bei Männern. Ausser man ist ein schwules Paar aus Texas. Dann wäre ein öffentlich zur Schau getragener Partnerlook nicht nur cool sondern gar mutig. ...was soll der Scheiss, Jungs.... da nützt alles Augenverdrehen nichts.

meinem Fall war es so). Die Vorstellung, dass die damals schnell 12 Stunden und mehr Party gemacht hätten – so richtig mit angesagten DJs, Woohoop-Geschrei, tilllate-Fotowand (die sowas von zu spät aufgestellt worden war, dass die wirklich

Die Generation vor mir tat mir plötzlich unendlich Leid. Gut, jetzt ist sie jetzt frisch pensioniert und bekommt automatisch Rente und kann jedes Jahr mit einem Neon-Rollator mit pinken Federboas geschmückt die Parade von weitem (und mit Katheter ausgerüstet auch von näherem) beobachten. Aber verglichen mit uns wurde sie um viel exzessiven Spass betrogen. Darum legen wir nun alle eine Schweigeminute ein und Gedenken den Opfern. Aber vielleicht sind wir auch nur in eine Falle getappt. Vielleicht ist die Street Parade nur eine einzige grosse Verschwörung, damit wir an unserem Körper jedes Jahr Raubbau begehen, damit wir früher ins Gras beissen, anstatt immer älter zu werden, und so die Sozialkosten des Staates verringern. Die Wahrheit erfahren wir, wie immer, wenn es längst zu spät ist.

Reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: Cola Light.

kommentar lügen haben kurze beine und ehrlichkeit währt am längsten. mit scheiss wie diesem sind wir aufgewachsen, wir haben gelernt, dass man lernt und wenn man nicht gelernt hat und bescheissen will, es sich nicht lohnt, weil irgendwann eh alles rauskommt. und man dann mit den konsequenzen leben muss. das war im schulzimmer so, beim spielen auf dem pausenplatz, beim fussball, überall, mitmachen ist wichtiger als gewinen, fairplay über alles. so. und dann wird man erwachsen und versucht immer und überall sich an das zu halten, was einem eingetrichtert wurde, schummeln ist verpönt, bescheissen sowieso und betrügen erst recht. und wohin kommt man? Im besten fall bis zum briefkasten, um die überfälligen rechnungen, die sich darin gestapelt haben, rauszunehmen und die zeitungen, in denen man liest, dass da ein paar banken den liborzins manipuliert haben und riesenkohle damit gemacht haben, oder dass ganze armeen in bewegung gestzt werden, um einen bösen diktator zu eliminieren, weil der chemische waffen hatte oder biologische oder systematisch kinder schlachte, wobei der wahrheitsgehalt dieser anschuldigung etwa so gross war wie die grashalme auf dem centre-court von wimbledon. oder dass die weltbank zum feldzug gegen steuersünder aufruft, während deren präsidentin von jeglicher steuer befreit ist. betrüger regieren die welt, wenn sie nicht grad gesetze verletzen, machen sie welche, nach denen sie nicht belangt werden können. das alles ist ärgerlich. weil man sich irgendwann vorkommt, als sei das, was man als kind lernt, man im späteren leben nie brauchen wird. ebenso wenig wie die lektüre der buddenbrooks oder der satz des pythagoras. Aber auch das hat einem niemand gesagt. drum mein rat an die kinder da draussen: geht lieber fussballspielen als hausaufgaben machen. und passt auf, dass euch niemand sieht, wenn ihr dem verteidiger beim kopfball den ellbogen in die rippen drückt. klar, ehrlichkeit währt am längsten. aber das spiel wird sowieso vorher abgepfiffen, also macht euch nichts draus. herzlich, rainer kuhn

kultblogger

Dr. Rainer Kuhn

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Dr. Marianne Weissberg

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Dr. Dominik Patrick Hug

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Dr. Vanessa Kunz

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Freitag, 15. Juni 2012, 12:02 . Von Dr. Reinhold Weber. So simpel könnte Werbung heute noch sein.

Impressum Herausgeber: Rainer Kuhn für kult gmbh. Gestaltung: Fredy Heritsch Kontakt: rainer.kuhn@kult.ch http://www.facebook.com/kult.ch kult.ch und kultradio.ch sind Unternehmungen der kult gmbh.


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September 2012

Chuchi-public-viewing! Frechheit, Unverschämtheit, der kann mich mal, stimmt ja gar nicht!!, hatte ich mich beim Mail-Lesen empört. Ich meine, ich bin ja an den Kuschelkurs meiner Analytikerin gewohnt, die ev. mangels aufregendem Leben meins mit leuchtenden Augen geradewegs in diverse Untergänge laufen lässt, ganz ohne Interventionen, für die ich ja grundsätzlich berappe. Und nun scheisst mich mein Date-Doktor so erbarmungslos zusammen. Hat der nie was von weiblichem Multi-Tasking gehört? Und kann ich etwas dafür, dass bei mir immer alles miteinander oder dann gar nichts läuft? Letzteres ist ja wesentlich unangenehmer. Das erinnert mich an die regelmässig wiederkehrenden Fragen diverser Menschen: Also Frau Weissberg, können Sie vom Schreiben leben? Sowas Beleidigendes wird ja nur eine Kulturschaffende gefragt. Oder habe ich je Vasella & Co. gefragt: Sagen Sie mal, können Sie vom Bescheissen leben? Oder jene Handchirurgin vom Privatspital im Park, die, gemäss Tagesanzeigerbericht, eine zwanzig Mal höhere Offerte machte als ein Kollege in Konstanz: Zwanzigtausend für ein Fingerli statt Tausend. Die hätte dann sicher gesagt: Ich lebe halt super von Halsabschneiderei auf Kosten der Krankenkasse, die Sie, Frau Weissberg, mitsubventionieren.

Freitag, 29. Juni 2012, 08:01 Von Dr. Marianne Weissberg Vorhin hatte ich Hunger und machte mir mein Mittagessen. Mitten im Schnetzeln fiel mir auf, dass der Kübelsackauszug schmuddlig aussah, also begann ich da unten mit dem Lumpen rumzuwischen, dachte, also mit dem Bäseli geht’s sicher speditiver, eilte in den Gang, sah dort auch Ungewischtes, begann in der Ecke zu bäselen. Dachte dabei über das AHVFormular nach, eins von 58 möglichen, welche die AHV für Spezialfälle online stellt, und das ich heute Morgen unausgefüllt weggekippt hatte, weil dermassen kompliziert. Nachdenklich schlurfte ich wieder Richtung Küche. Längst hatte ich vergessen, dass ich eigentlich schnetzeln wollte. Das fiel mir erst wieder ein, als ich die nun ja wirre Auslegeordnung in der Küche betrachtete. Sie können sie auf dem

Foto ansehen, quasi Chuchi-Public Viewing bei mir zuhause, einfach ohne den letzten EM-Fussballmatsch. Mein DateDoktor, der mich seit kurzem bezüglich Liebesleben coacht, hat ja vielleicht doch Recht?, dachte ich beim Entsetzen. Und das schrieb der werte Doktor mir heute Morgen: „Geschätzte Dr. W. Sie verstricken sich! Fangen Sie etwas an und ziehen Sie es bis zum Ende mal durch! Sie haben mit Ihren Memoarien* angefangen, aber Sie wollen sie nicht fertig machen. Jetzt fangen Sie einen Ratgeber an und wollen noch ein Kochbuch schreiben....Es ist wie mit den Männern einen auspicken und dran bleiben und nicht parallel noch 2-3 weitere Objekte der Begierde bearbeiten.... Step by Step! Sehen Sie, Sie bringen mich wieder dazu Ihnen die Augen klar zu öffnen anstatt, dass Sie darauf selber kommen, so wie es geplant sein sollte... Hochachtungsvoll, Ihr Dr. D.“

Dummer Blick, Teil 4 Mittwoch, 27. Juni 2012, 17:28 Von Dr. Rainer Kuhn. wieder mal ein leider abverrecktes wortspiel der dem schweizerhochdeutsch nicht so mächtigen kavallerietruppe aus dem newsroom. flea (phonetisch: „fli“) entflieht das gesicht. gut. wieder mal ein kalauer auf dem niveua des kölner faschings, fli entflieht.. wollnwer ne reinlase? ... tataaa...tataaa.... tataaa..., aber was bitte schön heisst „das

gesicht entfliehen?“, könnte das mal jemand übersetzen? kommt das aus derselben küche wie „blank ziehen“? wär ja schon peinlich genug, wenns so in der bild stehen würde. aber hier in der schweiz sagt man sowas nicht. und dann will man sowas auch nicht lesen. aber vielleicht komm ich auch nicht so draus, wenns um qualitätsjournalismus geht....

Ich schweife ab, passt ja zum Thema, oder? Was ich sagen will, mir ist schon lieber, dass bei mir so ein charmantes Chaos herrscht. Aber sowas können ja Festangestellte, die drei Monate nach Pensionierung, ableben, nicht begreifen. Die haben immer Panik, dass sie mal zwanglos agieren müssten. Trotzdem, so etwas Festes hätte ich doch gerne mal wieder. Sei es ein Mann oder eine KummertantenKolumne beim Blick. Für den habe ich schon mal eine Probe-Kolumne verfasst**, zwischendurch diese Kult-Kolumen für Sie geschrieben, dabei fix gegessen. Und nun muss ich noch fertig putzen. Und abends treffe ich dann Dr. Date live und muss mir für diesen Termin noch ein paar gute Ausreden einfallen lassen. Denn was eigentlich, wenn er ja wirklich Recht hätte??!! *Sehr schöner freudscher Versprecher: Memo-arien, statt Memoiren, bei der momentanen Seitenstärke von 500 Manuskriptseiten, gar nicht so falsch… ** Klicken Sie doch mal hier und lesen Test: www.marianneweissberg.ch/14222.html

Seite zwei

schule

Montag, 2. Juli 2012, 15:16 | Von Dr. Dominik Hug. Dieses von Kratzern übersäte und verstaubte Jewelcase ist noch dasselbe wie damals im Jahr 2000. Und es hat weiss Gott was alles gesehen und erlebt, wurde als Bieruntersetzer missbraucht und ich könnt schwören, aus mir komplett unerfindlichen Gründen kommt mir beim Öffnen des Cases ein seltsamer Geschmack entgegen, welcher nur von einer bestimmten Pflanzengattung stammen kann... Inhalt: Der letzte Schultag von Markus beginnt gleich mit einem Schockerlebnis sondergleichen. Am Lokalradio lässt ihn seine Freundin Sandra mit seinem Kosenamen „Schnubbi“ grüssen. Derweil hat Dirk seine eigenen Probleme und muss unbedingt seine Mathe-Abschlussprüfung bestehen. Andre will zwar eigentlich seine Freundin zurück, poppt jedoch immer noch wild in der Gegend rum. Der Kiffer Steven ist einfach nur high und wurde von der Armee ausgemustert und Schulabgänger und Bad Boy vom Dienst Stone hat es wiederum auf Sandra abgesehen. Es ist definitiv Schulzeit. Der Kiffer, der Streber, das Dummchen, der Fremdgeher, der Dicke, der Türke, der etwas unsichere Normalo, die grosse Schwester, die nette Kollegin - so in etwa sind die Charaktere in dem Film „Schule“ zu benennen. Charaktere, die wir schon bei der Erstsicht zu kennen scheinen. Kein Wunder, jeder hatte doch einen sandalentragenden Streber mit Brille und Bart in seiner Klasse sitzen. Jeder hatte eine hübsche, jedoch miesgelaunte Spassbremse irgendwo neben sich sitzen. Und jeder von uns versuchte sich irgendwie durch seine Prüfungen zu mogeln.

Die Charaktere machen den Film aus. Es sind nicht einzelne Gags, welche als Highlights im Gedächtnis haften bleiben sondern eher diese Szenen unter Freunden, welche uns doch so vertraut vorkommen, die Diskussionen über Frauen und Träume, das gemeinsame Seekiffen, der Zusammenhalt unter Schulkameraden, etc. Der Film wirkt beinahe wie eine Dokumentation, nicht wie ein Film, so aus dem Leben gegriffen wirkt die Story auf den Zuschauer. Jedoch wäre diese Atmosphäre nicht möglich gewesen, hätte der Film nicht so einen sensationellen Cast bekommen. Daniel Brühl konnte hier seine erste grosse Hauptrolle verbuchen. Auch Axel Stein, Jasmin Schwiers, Niels-Bruno Schmidt oder Bettina Zimmermann sind ebenso mit von der Partie und machen allesamt einen richtig guten Job. Es ist schade, wirbt das Cover des Film mit Vergleichen zu „American Pie“ oder „Harte Jungs“, denn Regisseur Marco Petry hat mit seinem ersten Langfilm zwar auch eine Komödie geschaffen, jedoch eine, welche über Titten-Muschi-SpermaFick-Bier-Kiff-Kotz-Humor hinausgeht. Petry hat es geschafft, die Zukunftsängste, die Unsicherheit und die Findung der eigenen Persönlichkeit und den Aspekt der Freundschaft auf einen Nenner zu bringen. Unterstrichen wird die Atmosphäre des Films von einem Soundtrack, der zum grössten Teil aus Songs von Selig-Sänger Jan Plewka besteht und mir auch nach zwölf Jahren noch immer im Gehör hängt. Fazit: „Schule“ ist Nostalgie pur. Der perfekte deutsche Coming of Age-Film und für mich eines der besten deutschen Werke überhaupt.

10 Fragen, denen sie nachgehen sollten, bevor sie zur neuen Religion konvertieren.

Dienstag, 17. Juli 2012, 16:54 Von Dr. Henrik Petro 1. Darf ich weiterhin Ausschnitt und Bein zeigen und in der Badi im String-Bikini sünnele (erst recht als Mann)? 2. Muss ich mir oder meinen Nachkommen dafür etwas abschneiden lassen (Fett absaugen zählt leider nicht dazu)? 3. Darf ich dann noch verhüten, ohne im Fegefeuer zu landen? Oder habe ich dann endlich eine perfekte Ausrede, um mich

dem ganzen Stress rund um Sex nicht mehr unterwerfen zu müssen? 4. Darf ich dann weiterhin alles essen, worauf ich Lust habe? 5. Könnte ich als etwas wiedergeboren werden, das jemand essen will, wenn er/ sie darauf Lust hat? 6. Kann ich dann wenigstens auswählen, dass die, die/der, der mich isst, Olivia Wilde/Jude Law sein wird? 7. Erhöht das meine Chancen, Tom Cruise

oder Lisa Marie Presley persönlich kennen zu lernen? 8. Eröffnet das neue Karrieremöglichkeiten, etwa als Papst – oder lande ich in einer Sackgasse, etwa als Selbstmordattentäter? 9. Was kostet mich das? 10. Und gibt es dasselbe irgendwo anders nicht auch günstiger? Oder wenigstens in Pillenform?


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Die wichtigste Nachrichten der letzten woche nochmals in Kurzform: Donnerstag, 28. Juni 2012, 14:17 Von Dr. Rainer Kuhn syrien: sieht so aus, als haben die westlichen allierten doch noch einen krampf hingekriegt, um syrien anzugreifen. diesmal etwas cleverer als in libyen, nämlich über die helfershelfernation türkei. jetzt brauchts nur noch einen „anschlag“ in einer westlichen hauptstadt, den man dem iran zuschanzen kann, z.b. london während der olympiade. oder der berliner flughafen. die verzögerungen beim bau werden ja nicht umsonst gewesen sein, oder? jedenfalls liegen von den usa gelieferte waffen im wert von über 80 milliarden dollar schon seit bald einem jahr in der saudischen wüste parat. die verrotten noch, wenn nicht bald etwas passiert... griechenland: der finanzminister der neugewählten griechischen regierung ist überraschend „aus gesundheitlichen gründen“ zurückgetreten. nachfolger ist ein ex-banker und euro-jünger. wird ja immer dreister das ganze... brüssel: drei nicht gewählte eu-faschos um den ebenfalls nicht gewählten präsident van rompuy proklamieren den fiskalpakt und den esm als einzige lösung aus der „schuldenkrise“. da müssten aber glaub noch ein paar verfassungen geändert werden. und ob das jeweils ohne das volk geht, ich weiss nicht.... dazu ein kleiner film:

sport: gc hat für die auswärtsspiele, analog zu den neuen rosaroten auswärtstenues, konsequenterweise grad auch den namen angepasst und will drum in der kommenden saison in den programmheften mit „Gay C“ angekündigt werden. ≠und nun zum wetter: ich lass mir doch von diesem scheisswetter nicht vorschreiben, ob ich ein paar schöne tage habe oder nicht.

September 2012

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Berufswelten: Konservenkäsekultur Montag, 20. August 2012, 14:01 Von Dr. Christian Platz . Prolog: Rätselhaftes Marterhofen. Ich hatte mich rechtzeitig von meinem verschwitzten Lager erhoben, eine Stunde lang Zigaretten geraucht, ins Leere gestarrt und dem Regen gelauscht, eine Stunde Wegs mit der altersmüden, rostigen Strassenbahn zurückgelegt, nach Marterhofen, einem jener Aussenquartiere, in denen die mittelgrosse Industrie ihre grauen Produktionsstätten betreibt. Und schon sass ich einem lebendigen König gegenüber. Toni M. Sassafrass, dem Konservenkäsekönig unserer mittelgrossen Provinzstadt nämlich. Herr Sassafrass hat kleine Augen und einen riesigen Mund. Er gehört zu jenen Männern die überaus korpulent wirken, auch wenn sie, objektiv betrachtet, kaum Fett auf den Rippen haben. Er fixierte mich durch seine schwere goldene Brille, strich mit der linken Hand – lange gelbe Fingernägel, wie Geierkrallen über sein fadenscheiniges, abgetragenes hellblaues Traineroberteil, das mit den Lettern KKK verziert ist, integriert in ein wappenartiges Kronenmotiv - steinreich, der Mann, pflegt sich aber wie ein Bahnhofspenner zu kleiden - und sagte mit verschwörerischer Mine: „Es handelt sich um eine komplexe Angelegenheit, wissen Sie, komplex. Wir haben einen umfassenden Organisationsoptimierungsprozess hinter uns, alles ist neu, hier herrscht Aufbruchstimmung und so weiter...“ „Inhaltlich neu aufstellen“ Er stockte, schaute mich für einen geradezu episch langen Moment misstrauisch und gleichzeitig grenzenlos fordernd an, während der harte Regen unablässig an die trüben Fenster seines schmucklosen kleinen Büros hämmerte, in dem es immer ein bisschen nach reinem Vitamin B riecht, und auf das graue Blechdach der Sassafrass’schen Konservenkäsefabrik und auf die grauen Blechdächer der unzähligen mittelgrossen Fabrikationsbetriebe der Nachbarschaft. Nun atmete Herr Sassafrass tief durch: „...deshalb müssen wir uns nun auch inhaltlich ganz neu aufstellen, den Zielen unseres klar strukturierten Siebenjahresplans entsprechend, einem Kernresultat unseres Optimierungsprozesses, Sie wissen ja, sieben ist eine biblische Zahl, und deswegen habe ich Sie gerufen. Ich möchte, dass Sie die Botschaften erarbeiten, die unsere grosse Erneuerung in die Welt tragen. Wir haben ja damals keine schlechten Erfahrungen mit Ihnen gemacht, als Sie das Jubiläumsbuch über die Verdienste der Industriellen-Familie

Sassafrass um die Sparte des Konservenkäses für uns geschrieben haben. Sie haben einst ja auch jenes geflügelte Wort von der Konservenkäsekultur für uns entwickelt.“ Interlude: Fluschiflutschi Wieder schwieg Herr Sassafrass, seine kleinen Elefantenaugen fokussierten meine müden Augen, während er seine mächtigen Lippen zwei, drei Mal geräuschvoll flutschen liess, käsehaltige Speicheltropfen flogen durch die Atmosphäre des Raums. Titten und Ärsche. Aber nicht zuviel. Dann sagte er langsam und gedehnt: „Ko-n-s-e-r-v-e-n-k-ä-s-e-k-u-l-t-u-r, mit drei K, das hatte Niveau, hat mir damals sehr gut gefallen. Doch das ist jetzt alles Schnee von gestern. Wir wollen, dass Sie einen neuen Öffentlichkeitsauftritt für uns erfinden. Aber er muss exakt mit den Ergebnissen unseres Organisationsoptimierungsprozesses übereinstimmen, die nun schrittweise umgesetzt werden, und ich kann Ihnen versichern, es handelt sich dabei um Riesenschritte. Dieser Auftritt muss unseren drängenden Aufbruchgeist unterstreichen, aber auch unsere jahrhundertealte Firmentradition widerspiegeln, er muss die Brücke schlagen - zwischen unseren neuen und unseren alten Werten. Gleichzeitig müssen Titten und Ärsche

rein, etwa für Papa sozusagen, aber nicht zu viel, nur andeutungsweise. Trotzdem familienfreundlich eben! Verstehen Sie? Was meinen Sie? Bringen Sie das fertig? Wie lange würden Sie brauchen? Wieviel Geld wollen Sie dafür? Ich sage es Ihnen gleich, wir haben in unsere Buchhaltung neu ein automatisches, strenges und realistisches Kosten-Nutzen-Kontrollmodul eingebaut; ein ganz raffiniertes und zeitgemässes Instrument. Und wir erwarten eine genauso exakte, wie massvolle Offerte von Ihnen. Ein Vermögen können Sie mit diesem Auftrag natürlich nicht verdienen, Sie wissen ja, wir leben in herausforderungsreichen Zeiten, aber ich vermute, dass Sie um jeden Betrag froh sind, der den Weg auf Ihr Bankkonto findet. Ist es nicht so? Hehehe. Aaalso – interessiert Sie diese komplexe Aufgabe?“ Lack- und Lederleichen Natürlich habe ich ja gesagt. Zu allem, auch zum engen, dreiwöchigen, kaum erfüllbaren Zeitplan, zum unsympathischen, hochneurotischen Grafiker, Herr Bockersmüll, einem Lack- und Lederfetischisten, was mich grundsätzlich nicht stört, mich aber auch nicht im positiven Sinne erregt (ich mag lieber leichtbekleidete Damen, die auf Trommeln schlagen oder einen Fez auf dem Kopf tragen), der leider und

bei jeder Gelegenheit über seine sexuelle Vorliebe, die er mit fast religiösem Fieber predigt, zu monologisieren pflegt - mit dem ich immer zusammenarbeiten muss, weil Herr Sassafrass von Bockersmüll „ausserordentlich überzeugt„ ist, der Mann sei ein „Künstler, ein Profi mit Niveau“. Naja, vielleicht hat der Konservenkäsekönig ja ebenfalls seine Lack-und-Leder-Leichen im Keller und deshalb am fetischistischen Grafiker einen Narren gefressen, vielleicht ist Niveau in der Sassafrass-Gedankenwelt ein Synonym für Lackklamotten, in die man nur reinkommt, wenn man sich vorher am ganzen Körper mit Vaseline eingeschmiert hat – oder mit seinem fetten Konservenkäse. Wer weiss...? Peitschschwingende Legionäre Ich hatte also wieder einmal ja gesagt, obwohl ich eigentlich gedacht hätte, dass sich Sassafrass nie mehr bei mir melden würde. Wegen der alten Geschichte mit der Käsekonservenkultur, die er heute offenbar in einem verklärten Licht betrachtete. Damals hatte er mich dafür fast umgebracht, aber das ist eine andere Tragödie. Ich hatte „ja“ gesagt, obwohl ich ahnte, ja wusste, dass dieser Auftrag für mich dem Aufstieg zum Kalvarienberg gleichkommen würde. Ich würde die Rolle des dornengekrönten, kreuzschleppenden Leidensbündels zu übernehmen haben, während Sassafrass und Bockersmüll sich selbst als peitschenschwingenden Legionäre ausgiebig gefallen und geniessen können. Epilog: Sinn und Inhalt So ist es eben meistens in meinem Beruf (und in Ihren, Liebe Lesenden, sicher auch), weil ich halt leider für Sinn und Inhalt zuständig bin, häufig in Bereichen, in denen es heutztage, ausser der groben Erzeugung und dem Vertrieb von gedrucktem Material – als rein quantitative Werte -, eigentlich keinen weiteren Sinn oder Inhalt mehr gibt. „Man muss halt arbeiten, weil man sich sonst kein eigenes WC leisten kann, in das man mit Wucht, nach Lust und Laune reinpfunden darf“, hat mein alter Onkel Alfie gerne gesagt – und hinzugefügt: „Wer es nicht fertigbringt, sein Geld zu verdienen, muss halt mit fremden Toiletten vorlieb nehmen - und wer weiss, ob die sauber sind. Schreib Dir das hinter Deine dreckigen Ohren, mein Junge, sonst ziehe ich sie Dir lang!“ PS Getrocknete und zerstossene SassafrassBlätter brauchst Du, wenn Du eine richtig fette Gumbo kochen willst, das Leibgericht aller blues cats aus New Orleans, Louisiana - da gehört aber kein Konservenkäse rein. Ich verwende stattdessen Philadelphia!

das gegenteil von schön Mittwoch, 27. Juni 2012, 13:03 Von Dr. Kaspar Isler. Vergangene Woche war ich in Schweden. MTV hatte mich für ein Konzert nach Göteborg eingeladen. Eine traumhaft schöne Stadt. Nicht die Architektur, sondern die Menschen. Männer und Frauen. Ja, die industrialisierten Wikinger haben tolle Gene. Dass sich die Skandinavier zudem zu kleiden wissen, setzt ihnen optisch die Krone auf. Doch es ist nicht die ansprechende Hülle allein, die die Schweden strahlen lässt. Kleider und Make-Up kann man überall kaufen. So hat schnell jeder Besen einen Sti(e) l. Viel beeindruckender ist die Tatsache, dass die Menschen, die ich sah und kennenlernte, weder mit ihrer Schönheit kokettierten, noch konkurrierten. Oder wenn, dann viel unauffälliger als dies in unseren Breitengraden üblich ist. Vielleicht liegt es an der nordischen Mentalität. Vielleicht hat sich das schwedische Volk im Laufe der Jahre aber auch einfach an die omnipräsente Attraktivität gewöhnt und kann oder muss sich des-

halb nicht mehr darüber definieren. Soll nicht heissen, dass Mann und Frau in Schweden nicht auf ihre Optik ach-

ten. Im Gegenteil: Das offene Entree der Toiletten an der Afterparty war stets gut besucht – von lidstrichziehenden Damen

und nachfrisierenden Herren. Kollektives Aufhübschen vor dem Spiegel und im Akkord.

Gegenseitig kritisches Mustern, Getuschel und neidvolle Blicke hatte ich für keine Sekunde in meinem Blickfeld. Vielleicht wirken die Menschen da also auch einfach nur so schön, weil sie sich gegenseitig und neidlos schön finden. Am Ende des Tages liegt Schönheit noch immer im Auge des Betrachters. Und zwei Diamanten sehen nunmal schöner aus, als ein Diamant und ein Kieselstein. Vergesst also den Trick mit der unattraktiven Kollegin bitte schnell wieder. Vielleicht sind wir also im Grunde genommen alle genauso schön, wehren uns aber einfach das vermeintlich rare Gut von Schönheit mit so vielen andern zu teilen. Vielleicht bin ich euphorisiert, weil ich mich in dieses Schweden und sein herzliches Volk verliebt habe. Und weil es Sommer ist und warm und schön. Geniessen Sie obenstehende Aussagen deshalb also bitte mit Vorsicht. Mit Sicherheit kann ich nur folgendes sagen: Alles ist schön, was jemand für schön befindet. Das Gegenteil von schön ist drum nicht unattraktiv. Das Gegenteil von schön ist neidisch.


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September 2012 Das muss man haben

Ein Archiv mit Streetparadebildern (teil 1: 2001) Dienstag, 7. August 2012, 11:33 Von Dr. Henrik Petro «Ja, Sie wünschen?» «Ich komme wegen der Wohnung mit Dachterrasse und Seeblick für 2000 Franken...» «Was? Haha, nein nein, die kostet 20‘000 Franken. (Herablassend:) Kann ich sonst noch was für Sie tun?» «Sie kommen mir irgendwie bekannt vor! Wir haben uns doch schon mal gesehen?» «Das glaube ich kaum.» «Doch... warten Sie, ich hab mein iPad dabei mit meinem Street Parade Fotoarchiv... aha, hier, das sind doch Sie, oder?»

«Und jetzt? Jeder war in jungen Jahren mal ein bisschen verkleidet an der Street Parade, na und?» «Verkleidet ist gut, bei dem bisschen Stoff. Oh, schauen Sie, diese Bild hier! Ist Ihr Hintern immer noch so behaart? Das muss ich gleich auf Facebook posten...» «Schluck..!!! Also gut. 15‘000 und die Wohnung gehört Ihnen!» «Haha... schauen Sie mal, hier tauschen Sie heisse Zungenküsse mit der brasilianischen Drag Queen aus!!!» «Ich habe verstanden. 10‘000. Aber könnten wir das vielleicht andernorts..?» «Oh, jetzt erinnere ich mich, da war doch

dieser Dealer, und sie hatten kein Geld mehr...» «5000 Franken. Mein allerletztes Angebot!» «... dafür haben Sie ihm dann im Toi Toi...» «Ist ja gut. 2000 Franken!!! Aber dann will ich Sie nie wieder sehen!» «Okeh, wo kann ich unterschreiben?» Also, erkennt Ihr auf einem dieser 11 Jahre alten Bildern euren Chef, dann wird es Zeit für eine Lohnerhöhung! Und zwar eine richtig fette!

Seite vier

Finde den Fehler Freitag, 29. Juni 2012, 09:43 Von Dr. Midi Gottet. Wenn sie den Fehler nicht finden, dann folgen sie dem Pfeil. Wenn sie den Pfeil nicht finden, dann sind sie möglicherweise blind.

Und wenn sie blind sind, hat ihnen möglicherweise jemand den Blindenstock und die Heinobrille geklaut. Und wenn das so ist, wieso können sie das hier lesen?

Fotos © Blazenka Kostolna

dummer blick, teil 5 Montag, 9. Juli 2012, 14:26 Von Dr. Rainer Kuhn. manchmal denk ich, im newsroom an der dufourstrasse hockt so ein bekiffter haufen deutscher lehr-

linge, die überlgen sich den ganzen tag, welche kalauer denjenigen des vortages noch unterbieten könnte, und siehe da, sie werden immer wieder fündig.


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September 2012

Astloch & Co.: Das Märli von der friedlichen Trennung! Mittwoch, 4. Juli 2012, 11:01 Von Dr. Marianne Weissberg. Man konnte es nachlesen, die Promipäärli trennen sich zu Hauf. Wobei ich Florian Ast und diese Schlagertrulla nicht dazurechne, das sind ja irgendwie eher zwei singende Pflanzen, die zusammen den IQ einer Tulpe besitzen. Sagte die Trulla dem Blick doch, dass sie es nicht hätte fassen können, dass dieses Astloch sie in so kurzer Zeit betrügen könnte. Hallo, der Ast war zwei Wochen weg, da vögeln sich Nebenausvögler gut und gerne durch ein Dutzend Weiber und haben dann logisch keinen Überblick mehr über die herumverschickten Smse. Das mit den fehlgeleiteten SMSSen kenne ich auch, Männer sind einfach nicht so geschickt, wenn es um Logistik geht. Oder sie leiden unter einem verkappten Beichtzwang. Spass beiseite. Kaum las ich, dass sich Johnny Depp und Vanessa Paradis schei-

den lassen, wurde die Meldung publiziert, natürlich via offizieller Meldung des Publicists, den man promiseits dafür extra hält, dass sich auch Tom Kreuz und Kati Holmen trennen. Nein sowas, hätte ich jetzt NIE gedacht! Der Tom war ja bislang bloss dreimal verheiratet und hat ja auch nur ein paar Kinder adoptiert, die er dann jener bleichen Trulla mit den aufgespritzten Lippen - Herrgott, jetzt ist mir der Namen entfallen, kein Wunder bei der aktuellen Scheidungsschwemme - also wegnahm und in die Scientology Sekte einverleiben liess. Dafür hätte man ja nicht adoptieren müssen, aber die Ex-Ex-Trulla wollte eben keine Schwangerschaftsbeule, also wurde gekauft. Das hat man jetzt davon, immerhin hat man die Goofen nicht einfach wieder zurückgegeben. Ich persönlich würde so einen verzogenen Fratz wie das Suri nicht haben wollen, können Sie sich vorstellen, was die an Kindsunterhalt kostet? Geburtstagsparty mit hundert Glönen, Dutzende von Mini-Manolo-Blahniks, halt all das Zeugs, was so ein Promifratz so braucht. Vanessa möchte ich aber zur Scheidung gratulieren. Depp, nomen est omen, war nie mein Fall, zu schmuddlig, meine Schwester ist sogar überzeugt, dass er Toupetträger ist, ich sagte: nein, das ist der Wischmopp von Frau Paradies, den er morgens einfach raufklatscht, halt nicht korrekt ausgewrungen. Item, jetzt aber

zum Thema, es wird ja stets sofort betont, wie friedlich man auseinandergehen wolle, und bittebitte man möge die Privatsphäre (welche??) respektieren. Gaats no, wir wollen ALLES wissen. ALLES!! So wie bei Alec Baldwin und Kim Basinger. Die schissen sich in aller Öffentlichkeit zusammen, dann schiss er die Tochter zusammen, auch öffentlich. Schade, dass er sich jetzt beruhigt hat und seine Yogaschulelehrerin geheiratet hat. Quasi eine Bürgerliche. Das hat die gut gemacht. Hätte ich gewusst, dass man so einen Star so simpel kriegt, hätte ich z.b. gleich neben seinem 30-Rock-NY-Appartmenthaus eine Kochschule eröffnet, denn Alec ist einfach eine coole Sau und total normal, hat man ja gesehen, weil er sich eben genauso mies scheiden liess wie wir alle. Mit Zoff, Drohungen, Streit um die Kohle und allem, was zu einer ordentlichen Trennung dazugehört. Wenn mans bedenkt, ist eigentlich die Trennung das Schönste an einer Beziehung. Endlich ist wirklich was los! Alles über die Yoga-Trulla und Alex: www.welt.de/vermischtes/prominente/article106152960/Alec-Baldwinverlobt-sich-mit-seiner-Yoga-Lehrerin. html?wtmc=vrd3 Bilder: Scheidung aus Seintolotschi-, Kinder-, Anwaltsoptik - diesen Film sollten sich alle Heiratswillige obligatorisch ansehen müssen, die finale Kronleuchterszene - herrlich!

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babe of the week Dienstag, 3. Juli 2012, 15:12 | Von Dr. Stefan Birri Party: Happy Birthday 1982 . Location: Club Hiltl; Zürich Hier findest du alle Nice Girls: zuerich.usgang.ch/picturecategory.php?page=0&n=1

Partylöwen der Woche reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: benetton. Samstag, 23. Juni 2012, 12:45 | Von Dr. Reinhold Weber. So provozieren könnte Werbung noch heute.

Mittwoch, 30. Mai 2012, 07:30 Von Dr. Alex Flach Wirklich gute Bilder sprechen für sich und bedürfen keiner Erklärungen. Das ist auch das Mühsame am Job des KunstDozenten: Wendet man diesen Grundsatz konsequent an, dürften die eigentlich mit ihren Schülern nur schlechte Bilder besprechen. Da wir nun nicht für die Hochschule der Künste tätig sind und auch nicht allzu viel von Grundsätzen halten, nehmen wir uns

die Freiheit, was zu diesem absolut makellosen Bild zu sagen. ...zumindest haben wir uns das vorgenommen, mussten jedoch ziemlich schnell einsehen, dass wir partout nicht wissen wo wir anfangen sollen: Es ist als ob man die Welt erklären müsste. Daher, werter Leser, raten wir Ihnen einfach sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, sich hinzusetzen und in stiller Andacht diesem Kunstwerk zu frönen. So wie wir.


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September 2012

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ich beim sup Donnerstag, 5. Juli 2012, 09:09 Von Dr. Midi Gottet. Was macht ein Standup Comedian beim Stand-up Paddeln auf dem See? Genau, hinfallen. Mit hinfallen mein ich, hinEINfallen, in den See, den Zürichsee, den KALTEN Zürichsee. Da sassen wir nun, in der Badi Wollishofen, ich und mein Red Bull. Gut gelaunt schauten wir einer lustigen Einführungslektion im Stand-up Paddeling mit David Trmal entgegen, denn auf der Dose steht ja laut und deutlich: Red Bull verbessert das subjektive Wohlbefinden. Funktioniert so weit gut. David, ein sympathischer Jahrgangszwilling von mir, reichte mir einen ärmellosen Wetsuit. Ein ärmelloser Wetsuit ist eine prima Sache für Männer in unserem Alter. Alle Problemzonen werden zusammengepresst und kurzfristig unter den Teppich gekehrt. Soviel zum subjektiven Wohlbefinden. Jetzt wurde mir klar weshalb der späte Tony Curtis nur noch mit Korsett bestückt unter die Leute ging – aber, das ist eine andere Geschichte. Mit aufgerüstetem Körpergefühl folgte ich David in einen Raum voller Kanus, Surfboards und weiteren Neoprenanzügen. So wie hier, muss es wohl in einer Kondomfabrik riechen. Zusammen trugen wir zwei 9-10 Footer nach draussen. David erklärte mir kurz wie man auf dem Brett liegt, kniet

und dann schlussendlich aufsteht. Die Füsse stehen dabei nicht, wie von mir vermutet, diagonal zum Brett, sondern parallel nebeneinander. Das Paddel war meines Erachtens etwas zu kurz geraten. Doch dann fand ich Leuchte heraus, dass es individuell verstellbar ist. Beim paddeln sollte der obere Arm, mit dem man den Knauf hält, gestreckt bleiben. Je nach Seite muss beachtet werden, dass immer der Arm, welcher dem Wasser näher ist, die Mitte des Paddels hält und der andere den Knauf oben umfasst. Missachtet man diese einfache Regel, kann man mit einer flüchtigen Glasknochenkrankheit schnell mal einen offenen Unterarmbruch riskieren – aber, das wäre eine andere Geschichte. David half mir mein Board zu wassern und schickte mich voraus in die Fluten der Verdammnis. Wie es mir mein Coach vorher gezeigt hatte, klemmte ich das Paddel zwischen Brust und Board und kraulte halbherzig aus der Sicherheitszone der Badi Wollishofen. Schon beim Einstieg zog es mir die Innereien etwas zusammen als ich die doch eher frische Temperatur des Zürichsees an meinen Beinen spürte. Fragen sie mich nicht weshalb, aber irgendwie hatte ich bei dieser Stand up Paddeling Geschichte die Rechnung ohne lästigen Wasserkontakt gemacht.

Den Zorn Gottes

Mittwoch, 4. Juli 2012, 15:55 Von Dr. Henrik Petro . Zur Zeit wiederholt der Dokusender DMAX (bei mir auf Kanal 45) drei Jahre alte Folgen von «Top Gear» (Erklärung für die Damen: Sekunden vor Beginn einer Top Gear Folge zünden die Synapsen eines Männergehirnes ziemlich genau dasselbe Feuerwerk, wie ein Frauengehirn kurz vor Türöffnung eines Louboutin-Sonderschlussverkaufs). In einer Folge hatten Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May den Auftrag, in Miami je für 1000 $ ein Auto zu kaufen, durch drei Südstaaten zu fahren und das Auto dann wieder möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Als Klassiker gilt ihre Durchfahrt durch Alabama mit der Aufgabe, möglichst nicht erschossen zu werden. Um die Aufgabe zu erschweren, beschrifteten sie ihre Autos mit Parolen wie «Nascar Sucks», «Hillary for President» oder «Man-Love rules OK» - also ein Votum für Homosexualität. Dass die drei die Fahrt deswegen tatsächlich fast in Lebensgefahr bringt, scheint uns aufgeklärten Mitteleuropäern kaum vorstellbar und stark übertrieben – das Video beweist allerdings das Gegenteil.

Doch die krasseste Anekdote folgt noch: in New Orleans angekommen, waren die drei von der durch den Hurricane Katrina völlig zerstörten (und nach einem Jahr noch nicht aufgeräumten) Stadt derart erschüttert, dass sie die Autos nicht mehr verkaufen, sondern bedürftigen Familien schenken wollten. Nachdem Jeremy seinen 20-jährigen Chevrolet Camaro einer Familie übergeben hat, kommt am nächsten Tag eine Anwältin. Sie will ihn verklagen. Der Grund: er habe einen Chevrolet Camaro Jahrgang 1990 versprochen, jedoch einen mit Jahrgang 1989 gegeben. Er könne die Klage allerdings abwenden, gegen eine Zahlung von 20‘000 $. Ich bin mir nun gar nicht mehr sicher, ob der Hurricane Katrina wirklich eine unglückliche, zufällige Naturkatastrophe war – oder ob Gott nicht doch seinen Zorn auf die verdorbene Menschheit geschleudert hat, wie damals auf Sodom und Gomorra. Dann allerdings scheint er alt geworden zu sein, denn richtig gut hat er seinen Job diesmal doch nicht gemacht... Top Gear Fahrt durch Alabama:www.topgear. com/uk/videos/southern-discomfort?VideoBrows erMode=categories&VideoCategory=TheBigFilms

Wohlbefinden ade...! Irgendwie fehlt auf der Red Bull-Büchse folgender Satz: Das subjektive Wohlbefinden verschlechtert sich mit zunehmender Objektivität. Aber alles in-mich-hinein-jammern half nichts. Nachdem ich die gelben Bojen der Badi erreicht hatte, gab mir David, der mich in der Zwischenzeit eingeholt hatte, den Befehl zum knien. Gesagt, getan. Da war ich nun, kniend auf dem Zürichsee, reumütig und ohne Perspektive. Der Moment hatte etwas katholisches und der Tauftermin sollte näher sein als mir lieb war. Mit einem beherzten Ruck stand ich

auf und begann zu paddeln. David, inzwischen auch auferstanden, äh aufgestanden, paddelte direkt neben mir und sagte irgendwas Ermutigendes. Mein stark eingeschränktes Multitasking kann den Mitschnitt der genauen Worte nicht mehr wiedergeben, sorry. Irgendwie war das hier alles viel wackliger als im InternetProspekt. Das starke Verkehrsaufkommen auf dem See hatte ziemlichen Wellengang zur Folge und das war natürlich alles andere als nützlich für meine Stabilität auf dem Brett. David, die Ruhe selbst, schiens nicht zu kümmern. Und just während ich

eine unglückliche ehe

Mittwoch, 2. September 2009, 22:47 Von Thomas Meyer. Die Pornographie und ich, wir begegneten uns zum ersten Mal 1986. Ich war zwölf und hell begeistert. Wochenlang begleiteten mich die bei einem Schulfreund gesehenen Bilder wie liebevolle Engel und hoben mich immer wieder in die Höhen einer Welt empor, von der ich ahnte, dass sie sehr wunderbar sein würde. Das Internet gab es damals noch nicht, zumindest nicht für den privaten Betrieb, und am Kiosk hätte man diesem Knäblein niemals ein Herrenmagazin verkauft. So waren die Kontakte mit den Abbildungen und Aufnahmen von nackten Frauen ausgesprochen rar und damit mindestens so festlich wie Weihnachten. Später verkaufte man mir dann Herrenmagazine. Ich achtete und hortete sie wie heilige Schriften, doch sahen sie bald einmal aus, wie solche Erzeugnisse eben aussehen, wenn sie ein junger Mann einige Zeit besessen hat. So landeten sie irgendwann im Müll; dies allerdings auch, weil ich mich an den Damen in aller Ausführlichkeit sattgesehen hatte. Und natürlich auch, weil es nun, krrch-prrt-brrz!, Internet für den Hausgebrauch gab. Gerade für lüsterne Sitzungen war die Technik aber noch völlig unausgereift; mitunter brauchte es, bis man endlich eine nackte Frau vor sich hatte, fast so lange wie richtig. Mit der Bandbreite wuchs auch meine Beschäftigung mit den Freuden aus dem Netz. Ich legte ganze Sammlungen von Clips an, die ich, in kleinen Fenstern geöffnet und raffiniert zusammengestellt, parallel in Endlosschlaufe abspielte. Irgendwann musste ich mir eingestehen, nicht raffiniert, sondern pornosüchtig zu sein. Und auch, dass nach schätzungsweise 15‘000 gesichteten weiblichen Ge-

schlechtsteilen die Sache etwas an Reiz eingebüsst hatte. Mir fiel traurig ein, wie ich wenige Jahre zuvor noch von jedem einzelnen Anblicke verzaubert gewesen war. Diese Magie war einer geschäftsmässigen Handhabung gewichen, einer oberflächlichen Massenabfertigung. Ich löschte angewidert meine Clip-Archive, nur um eine Woche später neue anzulegen. Wie man das halt so macht als Abhängiger. Dass man einer ist, merkt man übrigens spätestens, wenn man zum dritten Mal auf dieselben Aufnahmen stösst, was bei einem derart reichhaltigen Angebot ja nun wirklich bemerkenswert ist. Heute, weit jenseits von zwanzig und der entsprechenden Sturmflut, die einen dazu zwingt, jeden Abend eine Stunde lang anderen Leuten beim Vögeln zuzuschauen, was an sich ja schon reichlich fragwürdig ist, beanspruche ich die Industrie nur noch gelegentlich. Dabei fällt mir – auch das wohl ein Zeichen der eigenen Zeit – je länger je deutlicher die groteske Abgetrenntheit zwischen den Darstellern auf. Natürlich sehe ich noch die herrlichen Brüste und die köstlichen Hinterteile und erfreute mich auch voller Jubel daran. Doch sehe ich vor allem, was für grauenvoll schlechter, wörtlich sinnloser Sex hier betrieben wird: Für die Männer sind die Frauen lediglich eine erweiterte Version ihrer Faust, in die sie stumpf und derb hineinhämmern, während umgekehrt die Frauen zu ihren Partnern soviel Bezug zeigen wie zu einem Dildo. Mit Sex hat das so viel zu tun wie McDonald‘s mit Essen. Dinge, die Sex gut machen, wie Langsamkeit und Zärtlichkeit, sind in der Pornographie nirgends zu finden, und wenn, dann bloss fünf Sekunden lang. Deshalb, weil ich nicht inspirierenden Sex darin finde, sondern herzlosen, langweilt mich Pornographie heute. Zudem habe ich ein gutes Stück meiner Phantasie an sie verloren. Sie zeigt einem Dinge, die man persönlich sehen sollte oder nicht. Alles andere macht die Seele blöd. Es liegt jedoch in der Natur der Pornographie und offenbar auch in meiner, dass sie immer wieder mal in mein Leben tritt, oder besser: stampft, um ihre einfallslose Schau zu geben, und sie sagt: Na, Kleiner, mache ich dich scharf?, und ich sage müde: Noch nicht mal halb, aber für heute reicht‘s.

seine Unbekümmertheit bewunderte, übersah ich eine fiese Wellenserie und sank, völlig frei von Grazie, seitlich des Bretts ins kalte Nass. „Schiessebach isch au e Stadt“ fauchend kraxelte ich umständlich wieder zurück aufs Board. David meinte, ich solle mehr in die Knie gehen. Wieso muss man auch bei jeder Sportart in die blöden Knie gehen um nichts falsch zu machen? Ich tats, stand aber, jetzt neu, zu weit hinten auf dem Brett. Die Wellen des, zuvor noch dramatisch hupenden Kursschiffes, machten den Rest und ich flog wie die armen Schweine früher bei „Spiel ohne Grenzen“ rücklings in die Algen-Gazpacho. Diesmal mit Kommando Untergang. Meine Föhnfrisur war futsch und mein Haar verlor dramatisch an Spannkraft. Das war mir eine Lehre. Die Angst vor einem weiteren Sturz vor versammelter Badegemeinde liess mich in den Beinen etwas verkrampft zurück aber oben klappte es langsam mit der Paddeltechnik. Wenn der Bewegungsablauf richtig gemacht wird, geht die Sache schön in die Bauchmuskeln und als ich neben David so um das schöne Saffa-Inseli paddelte, kam schon fast etwas venezianische Gondoliere-Wehmut auf. Danke David, dass du schlussendlich mein subjektives Wohlbefinden wieder hergestellt hast.

Die Lieblingsbücher der Promis. kult.ch verrät exklusiv, was für Bücher auf den Nachttischchen der Promis liegen:

Montag, 5. April 2010, 17:13 Von David Hugentobler Mike Tyson: Faust (J.W. Goethe) Dr. Christoph Mörgeli: Christoph Blocher (Markus Somm) Stephane Lambiel: Die Schwester (Martina Cole) Viktor Giacobbo: Stammtisch-Witze(Guschti Brösmeli) Amy Winehouse: Die Schneekönigin (H. - C. Andersen) Renzo Blumenthal: Mein Kritzel-Malbuch (Norbert Pautner) Oswald Grübel: Die Räuber (Friederich Schiller) Jörg Kachelmann: Der Prozess (Franz Kafka) Barack Obama: Krieg und Frieden (Lew Tolstoj) Corine Mauch: Frauengeschichten (Arthur Schnitzler) DJ Antoine: Der Idiot (Fjodor Dostojewski) Tiger Woods: Gefährliche Liebschaften (Ch. de Laclos) Hans Rudolf Merz: Ich, der Neger (Urs Althaus) Carl Hirschmann: Briefe an kleine Mädchen (Lewis Caroll)


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Schatz, wir müssen reden

reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: vw. Freitag, 29. Juni 2012, 13:31 | Von Dr. Reinhold Weber. So berühren könnte Werbung heute noch.

Montag, 9. Juli 2012, 12:51 Von Dr. Midi Gottet. Er: Das Top, das du unter meinem Bett gefunden hast, ist nicht von einer anderen Frau. Sie: Nicht? Er: Nein, in meiner Freizeit trage ich gerne mal Frauenkleider. Schau hier, der Sonnenbrand am Rücken liefert den Beweis.

Sie: Und ich dachte schon, du betrügst mich. Er: Dann verlässt du mich also nicht? Sie: Natürlich verlasse ich dich. Er: Wieso das denn? Sie: Weil du eine verdammte Schwuchtel bist. Er: Oh...!

brauche nur noch 99‘999 unterschriften...

Mittwoch, 6. Juni 2012, 17:56 Von Dr. Henrik Petro „Und wofür genau sammeln Sie Unterschriften?“, fragte der junge Mann, nachdem er zwei Minuten lang stirnrunzelnd den Initiativtext studiert hatte. „Für meine Volksinitiative ‚Schluss mit der Irreführung aufrechter Männer‘“, erwiderte ich. „Sind Sie von der SVP?“, fragte der Mann weiter, während seine Freundin mich kurz anlächelte und dann auf der anderen Strassenseite den muskulösen Bauarbeiter mit nacktem Oberkörper und dem Presslufthammer entdeckte. „Nein, das...“ ���Oder Scientology?“ „..nein... was? Sicher nicht! Ich bin völlig unabhängig!“ „Also was genau wollen Sie?“ „Ich will“, antwortete ich und legte eine kleine dramaturgische Pause ein. Dann: „dass wenn ein Mann im Ausgang eine Frau kennenlernt, sie es ihm nach spätestens fünf Minuten unmissverständlich sagen muss, falls sie in einer Beziehung ist.“ Die Freundin konnte sich kurz vom Bauarbeiter lösen. Zwangsweise, denn ein Tram fuhr durch und kappte die Sichtverbindung. „Das ist ja völlig sexistisch!“ empörte sie sich halbherzig. „Und Männer können

lügen, bis sich die Balken biegen oder was?“ „Ja schön wärs“, verteidigte ich mich (was heisst mich? die halbe Menschheit!): „Männer, die in einer Beziehung sind und im Ausgang eine Frau kennenlernen, können das zuhause nicht verheimlichen. Ihre Freundin merkt das sofort und fragt gleich, ob er der notgeilen Schlampe gesagt hat, dass er in einer Beziehung sei und sie sich verpissen solle. Und sagt er irgendetwas anderes als ‚natürlich, mein Schatz, selbstverständlich, übrigens war sie hässlich wie die Nacht und sie hatte einen viel grösseren Popo als Du‘, reisst sie ihm die Eier ab, brät sie in reich an Omega-3-Fettsäuren haltigem Pflanzenöl (aus fairem Anbau) und zwingt ihn, sie zum Frühstück zu verspeisen.“ „Stimmt genau!“ rief der junge Mann etwas gar vorschnell, bis er merkte, dass dies ein Fehler war. „Warte nur, bis wir zuhause sind“, zischte seine Freundin und zerrte ihn grob weg. „Weil wir Männer einfach alles gutgläubige Idioten sind, müssen wir ausgleichende Gerechtigkeit per Gesetz installieren“, rief ich den beiden nach. „Aber Schatz..!“ versuchte der Mann währenddessen bei seiner Holden kläglich zu intervenieren. „Komm mir nicht mit diesem Schatz, Du... Du... testosterongesteuerter Machoarsch..!“ Und zu mir gewandt zischte sie: „Man könnte ja einfach auch fragen, ob sie single sei, oder?“ „Wie bitte??“ erwiderte ich entsetzt. „Du hast wohl eine komplette Wand draussen - bin ich denn verzweifelt oder was?“ Und dem armen Kerl rief ich noch lauter hinterher: „Und wenn sie drei Mal erwischt worden sind, dass sie ehrliche Männer mit anständigen Absichten belogen haben, wird es ihnen auf die Stirn tätowiert!“ Heimlich reckte er den Daumen nach oben, während die Freundin seine Trommelfelle mit verbalem Sperrfeuer eindeckte. „Du findest mich auf Facebook, dort kannst Du den Unterschriftenbogen herunterladen“, schrie ich auf die andere Strassenseite und hoffte, dass meine Worte ihr Ziel erreichen würden – am bollerndem Presslufthammer vorbei.

Der Müll der leichten Musen

Dienstag, 10. Juli 2012, 16:31 Von Dr. Marianne Weissberg. Haben Sie das auch? So eine tiefverwurzelte Abneigung gegen bestimmte Leute, die Sie einfach nicht wegkriegen, obwohl Sie sich sagen: Die/der kann ja nichts dafür, dass sie eine Stimme hat wie eine Quitschente, dass sie immer wieder heraufspickt, wie so ein Schachtelteufel, dass er Schund am Laufmeter produziert, der dann auf Tausenden Nachttischli aufliegt. Und heimlich hofft man ja, dass auch mal solche Leute frühzeitig ableben, doch es ist halt so, dass die dann am zähsten sind, um einem weiterzuplagen. Ich nenne jetzt mal Namen. Es sind Elke Heidenreich, die den Literaturclub, den ja sowieso niemand bei Trost anschau-

en möchte, moderieren wird. Das Elke kommt aus der Karnevalecke, hat einen sehr zweifelhaften Literaturgeschmack, sie liebt Schwulstiges aller Provenienz und beglückt die Welt gerne mit eigenen Werken, die auch niemand lesen mag. Ausserdem, ich weiss, ich weiss, das ist jetzt kein zweifelsfreies Ausschlusskriterium: sie hat das dünnste Haar der Welt, wogegen sie nichts tut. Wahrscheinlich flog sie deswegen beim ZDF fristlos raus. Aber hier wird ja gerne genommen, was andernorts nicht mehr tragbar war. Wie gesagt, ich schau den Seich eh nicht, trotzdem… Stichwort Quitschente: kennen Sie Susanne Fröhlich? Die Sachen wie „Das MoppelIch“ schrieb, auf dem Kopf die Haare hat, die Elke fehlen. Und diese Stimme. Sie geht durch Mark und Bein, quäk, quäk, quäk. Irgendwann hielt das der arme Gert Scobel, der fürs Höherstehende zuständig ist bei 3sat, nicht mehr aus und verliess sie. Bis dahin dachte ich immer: Es gibt ja wirklich Leute, die sind klug, aber mit jemandem zusammen, für den/die sie sich konstant fremdschämen müssen. So einer war Scobel. Jetzt ist er solo, sieht fröhlich verwahrlost, aber sehr erleichtert aus. Und Susanne quäkt in einer eigenen Literatursendung – wieso Frauen, die nichts von Literatur verstehen, sich immer selbiger verschreiben?? – auf einem Ossi-Sender. Wie eine dicke, chrüseliblonde Ente. Da schaue ich jetzt öfters mal rein, einfach um mich ein wenig zu gruseln. Martin Suter. Der Müllmann der leichten Literatur. Das fiel mir jetzt grad so ein. So wie ihm Sätze einfallen, die jeder für

sich wie abgelaufener Aufschnitt ist. Aufschnitt kauft man ein, wenn man keinen Geschmack für Gutes hat. Aufschnitt gibt es in jedem Laden. So wie Diogenes uns mit Suter-Aufschnitt überschwemmt. Im Bahnhofskiosk, in der Bibliothek, im Kaufleuten, wo so einer gerne aus Szenerelevanten Gründen sein neuestes Werklein vorliest. Kürzlich wurde ein Lehrer fast verurteilt, weil er in seiner Klasse einen freizügigen Klassiker lesen liess, alle die, die ihre Klasse mit Suter-Deutsch verderben, dürfen das ungeschoren tun. Ich bin ja nicht für Verbote, aber vielleicht würde MS aufhören, wenn man ihm genug Geld spendet, damit er mit Schreiben aufhört. So einer schreibt eh nur für noch mehr Kohle. Ich könnte jetzt noch Milena Moser aufführen oder Beni Thurnheer oder jener Bscheiss-Guttenberg, wobei wegen dem haben wir hier jetzt alle unverdienterweise auch einen Doktortitel, also muss ich dem dankbar sein. Und irgendwie möchte ich ja meine Abneigung nicht verwässern, man sollte ja auch im Abneigen Stil haben. Im Gegensatz zu… Sie wissen schon? Hier eine bewegende Beweisführung in Sachen Weissberg vs. Fröhlich: www.youtube.com/watch?v=RANftCGNkuw Dazu das Elke bei ihrer bewegenden Beichte über ihren jüngeren Lover namens Marc-Aurel (!), mit dem sie sich, Zitat: „öfters in die Haare gerät“, welche denn Elke?: www.bunte.de/society/elke-heidenreich-sieschwaermt-von-ihrem-juengeren-freund_ aid_28602.html


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September 2012

babe of the month

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Fotograf: Sarah Enzler


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September 2012 Das muss man haben

das muss man haben: ein archiv mit street parade bildern

Seite vierzehn

16. August 1977: Heute vor 35 Jahren ist ein König gestorben.

(Teil 3: 2003) Donnerstag, 9. August 2012, 13:01 Von Dr. Henrik Petro «Mami, ich gehe dieses Jahr an die Street Parade!» «Was??? Wohin?» «Ich gehe an die Street Para...» «Jaja, ich hab es schon verstanden. Mir ist nur grad kurz das Herz stehen geblieben. Untersteh dich, mich noch einmal derart zu erschrecken! Sonst wasch ich dir wieder den Mund mit Seife aus!» «Ich habe auch schon ein Ticket für die Energy.» «Wie, das war kein Scherz? Du willst wirklich da hin?» «Ja!» «Nein, auf keinen Fall. Auf GAR KEINEN FALL.»

«Wieso nicht?» «Weil... weil da gehen anständige Jungen und Mädchen nicht hin, basta. Das ist Sünde pur. Sodom und Gomorrha!» «Und woher weisst du das? Warst du schon mal da?» «Nicht frech werden! Ich sehe es ja im Fernsehen. Und im Sonntagsblick. Nur schlechte Verkleidungen, Busen und Hintern! Nein, du bleibst hier!» «Aber... ich will auch Spass haben und was erleben!» «Ach ja? Du willst wohl nur Drogen nehmen und Sex haben!» «Na und? An der Fasnacht im Dorf sind auch alle schlecht verkleidet, sturzbetrunken und vögeln kreuz und quer!»

«Wie redest du denn, Kind? So hab ich dich nicht erzogen! Wo ist die Seife?» «Im Ernst: wo ist da der Unterschied?» «Der Unterschied? Dass hier bei uns die Kirche im Dorf bleibt!» «Stimmt. Darum sehen sich alle Kinder so ähnlich...» «Willst du schon wieder eine Ohrfeige kassieren? Also solange du noch deine Beine unter meinen Tisch streckst...» «Also, Mami, ich geh dann mal. Du kannst mir das eh nicht verbieten.» «Nein? Und wieso nicht? Weil du etwa in die Pubertät kommst?» «Nein, weil ich schon 27 bin.» Fotos: © Blazenka Kostolna

Donnerstag, 16. August 2012, 14:10 Von Dr. Christian Platz. Wir sassen, tranken, froren in der Kühle eines anbrechenden Tages. Wir starrten durch ein weit geöffnetes Fenster - nach draussen, wo der Regen fiel. Ein harter Regen, die Tropfen hämmerten auf Nachbars Blechdach, mal stärker, mal schwächer, jedoch immer mit Macht. Es klang, als würden Metallstifte vom Himmel fallen. Geschleudert von einem wütenden Gott, der den Laden bald schon endgültig dicht machen wird. Weil er die Geduld verloren hat. Vielleicht war es auch eine wütende Göttin. Booze and cigarettes Leise entwichen einige wehmütige Töne dem Radio, das auf einem Tischchen, einst von einem Kunstschreiner aus rarem Tropenholz gefertigt, im kaum beleuchteten hintersten Winkel der guten Stube steht. Eine Stimme wie aus einer anderen Welt. Eine Stimme, die vom Weinen in einer Kapelle singt. Eine Stimme, die einen Keil in den Lauf der Zeit treiben kann. Begleitet von einer schönen Geigenmelodie - wie mein alter Onkel Alfie solche Weisen gerne genannt hat. Gegen den hämmernden Regen konnte sie sich in der Dunkelheit dieses frühen Morgens akustisch nur bedingt durchsetzen. Und trotzdem ward ihr Klang unüberhörbar. Du sagtest: „Wir haben nicht einmal eine Arche gebaut.“ Ich sagte: „Ich habe ja auch keinen Traum gehabt, in dem es mir aufgetragen worden wäre.“ Der Regen trommelte weiter, ich zündete eine weitere Zigarette an. Du hast die Gläser nochmals aufgefüllt, randvoll mit starkem Schnaps. Wir hatten am frühen Abend mit dem Trinken angefangen. Neun Stunden zuvor. Du sagtest: „Möglicherweise hast Du den Traum einfach nur vergessen, manchmal vergisst man Träume...“ Sie haben ihn einfach abgeholt Ich sagte: „Vor wenigen Stunden ist der 16. August angebrochen. Heute vor 35 Jahren ist ein König gestorben. In einem verwunschenen Land im Süden.“ Da fragtest Du: „Hat er die Götter beleidigt? Hat ihn der Blitz erschlagen? Wie einst den hochmütigen König Belsazar?“ Ich

antwortete: „Nope. Die Götter haben festgestellt, dass er eigentlich zu ihnen gehört – und ihn einfach abgeholt.“ Lange Redepause - während es weiter regnete... Poet und Lastwagenfahrer Da sagtest Du plötzlich: „Heute vor 35 Jahren habe ich mich zum ersten Mal richtig vögeln lassen - vorher war nur Fummeln und so... Von einem Poeten, der als Lastwagenfahrer arbeitete. Er war an jenem Tag so traurig. Ich wusste nicht warum. Vielleicht war es wegen Deinem König. Ich war damals gerade in eine AnarchoWG auf dem Land eingezogen. Wir hatten kein Radio und kein Fernsehen. Mein erster richtiger Sex war also Trost-Sex. Ist das nicht merkwürdig?“ Ich antwortete: „Wenn es Dir nicht das Herz gebrochen hat, kannst Du Dich nicht darüber beklagen... Freut mich übrigens, dass es nicht in einem Hotel passiert ist!“ Convair 880 im Traum Später träumte ich von einem Convair 880 Jet, der von einem Lastwagen gezogen wurde. Auf einer breiten Strasse, von applaudierenden Menschen gesäumt. Polizeimotorräder vorne weg. Der Name der Maschine war in grossen Lettern angeschrieben, auf Cockpithöhe: „Lisa Marie“. Träumend dachte ich: Meine Kindergartenliebe hiess Lisa. Meine Pausenhofliebe Marie. Das ist zwar absoluter Quatsch – aber im Traum kam es mir so real vor. Plötzlich öffnen sich die Wolken und das Antlitz des toten Königs erscheint mächtig am Himmel. Mit tiefer, dröhnender Stimme sagt er zu mir: „Take care of your business boy!“ Als ich gegen Mittag aufwachte, rumorten die Worte immer noch in meinem Kopf, obwohl die Sonne schien. – Echos in einer Tropfsteinhöhle... Ich habe mir den Befehl also zu Herzen genommen, einen Kaffee gebraut, fünf Zigaretten in einem Zug geraucht und diese Zeilen geschrieben. – So I wuz takin’ care of my business, Folks – now it’s your fuckin’ turn! Heute vor 35 Jahren ist ein König gestorben. In einem verwunschenen Land im Süden.


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September 2012

Westwärts: das Leben ist wie ständiges Möbel-Rücken!

Freitag, 13. Juli 2012, 08:51 Von Dr. Marianne Weissberg. Man merkt ja immer erst ziemlich zäh, dass in der emotionalen Einrichtung etwas nicht mehr stimmt. Im Psychoschargon heisst das nicht mehr: „stimmig“, ein Wort, das ich ungemein eingebildet finde. Ja, auch Worte können vom Klang her eingebildet sein. Also es ist so, dass bei mir, wenn ich etwas in meinem Leben umstellen möchte, erst ein besonders schweres Möbel dran glauben muss. Dabei kann es gar nichts dafür oder steht prinzipiell schon ganz richtig. Diesmal wars ein Sideboard, gefüllt mit Büchern, das ich unbedingt um die Ecke rücken wollte. Und genau für das, so glaubte ich, brauchte ich einen Mann. Und wen straft man da gerne damit, exakt einen Ex. Der rückte also an, rückte um, rückte ab. Ich war danach deswegen bis am Abend froh. Dann rückte ich wieder um, genau wie vorher. Es hatte also nicht am Möbel gelegen, dass irgendetwas noch nicht stimmte. Dann stand ich vor dem an der genau gleichen Stelle wie vorher seienden Sideboard und realisierte, ich hatte problemlos alleine schwer rücken können. Fürs nächste Mal merkte ich mir das. Dann hatte ich am

nächsten Abend prompt eine wirklich sehr erfreuliche Begegnung. Könnte daran liegen, dass ich durch die Rückaktion grad noch ein paar Dinge weggerückt hatte, in meinem Leben. Quasi als letzten Effort. Jetzt war Platz für Neues, Sachen und Menschen. Und als Belohnung fand ich nach Jahren der Suche – mein neues Büchergestell. Es war entrückte Liebe auf den ersten Blick! Es hatte für mich in Züri West, das mir mehr und mehr ans Herz wächst, weil alles so aufregend wild ist dort, dagestanden, ich sank vor ihm auf eine Bank, ich schaute es an, es war heiss, man gab meiner hechelnden Haushündin und mir Wasser. Und dann hatte ich so eine nette Unterhaltung mit den anwesenden Ladenbesitzern! Es war eigentlich wie in einem Woody Allen Film, direkt am Set, es kam sogar ein David herein, mit einem T-Shirt mit der Aufschrift Katz Delikatessen. Beruf Shrink. Er hätte gerne ein intern genutztes Ladenmöbel gekauft, und es entspann sich unter Beteiligung aller am Set Anwesenden ein Verkaufsgespräch, das in der reizend formulierten Weigerung von Herrn Kovacevic endete, das Möbel herauszurücken, weil man ja dann quasi auch

gleich die eigene Mutter verkaufen könnte. Ich war beeindruckt. Und während ich so zuhörte, rückte sich einiges in meinem Hirn an ganz neue Stellen, die, wie ich überrascht feststellte, von altem Krempel befreit waren, irgendjemand hatte den weggeschafft. Vermutlich ich selbst. Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie in Ihre neue Wohnung kommen, noch ganz leer, und dann stellen Sie nur noch rein, was Sie wirklich möchten? Also einige, wenige Dinge, die Ihnen lieb und teuer sind. Dazu etwas Neues, auf das Sie sich wahnsinnig freuen. Verheissungsvoll wäre der richtige Ausdruck dafür. Verheissungsvoll wie mein Büchergestell. Bestimmt riecht es auch noch gut, nach Metall und Holz. Und Räder hat es auch noch. Schon verrückt! Erstes Foto, aufgenommen bei ca. 35 Grad Hitzetag: Mein neues Büchergestell, eingerahmt von Milija Kovacevic und Adil Pajaziti bei www.walterwalter.ch/ - die haben auch noch eine richtig unterhaltsame Website, kommt ja nicht so oft vor. Und das hier, Foto (mmmhhh) und Link, musste ich Ihnen auch noch schnell zeigen: katzsdelicatessen.com/Drittes Foti: Hier könnte man dieses Wochenende verbringen

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schau mal, papis verhackte fresse! Dienstag, 5. Juni 2012, 15:31 Von Dr. Rainer Kuhn. da kommt man endlich mal im fernsehen, lokalfernsehen zwar, aber immerhin, man wurde zu irgendwas befragt und eine kamera war postiert und dann gings los, ganze 2 minuten lang hat man geredet und es wurde aufgezeichnet, und man hat ihm gesagt, dass das dann am nächsten tag kommen würde, drum hat er schnell seine frau angerufen und alle seine freunde, damit sie am nächsten tag nicht vergessen, den fernseher einzuschalten, weil er ja drin war, fast wie berühmt, im richtigen fernsehen, und er hatte freude daran und konnte es kaum abwarten bis die sonne untergegangen war, und wieder auf, und nach einem weiteren arbeitstag kam er abends nach hause, trommelte seine familie zusammen und alle starrten erwartungsschwanger auf den bildschirm. und da kam auch schon der beitrag mit ihm, man hörte den ton, man sah das bild, aber das bild bewegte sich nicht, war eingefroren, und so sah man zum genuschel im hintergrund grad mal zwei minuten lang eine abgehackte fresse von jemandem, der ziemlich blöd dreinschaute.

das war ja wohl nicht die idee. und in zukunft würde man auch niemandem mehr sagen, dass man im fernsehen komme. ist wahrscheinlich besser so.

dummer blick, teil 6 Dienstag, 10. Juli 2012, 11:45 Von Dr. Rainer Kuhn. nachts um halb eins besinnt man sich auf der hochkarätig besetzten blick-redaktion auf die worte ihres

verlegers michael ringier, dass der blick qualitätsjournalismus biete. und würgt dann einmal mehr ein wort solange, bis es willenlos alles mit sich machen lässt.

reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: avis. Mittwoch, 13. Juni 2012, 13:30. Von Dr. Reinhold Weber. So schlagend könnte Werbung heute noch sein.


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September 2012

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best of ferienkolumnen: eifach gruusig! Freitag, 20. Juli 2012, 12:22 Von Dr. Henrik Petro. Wie jeden morgen sass ich auch heute wieder friedlich im Stau auf der Bullingerstrasse und untersuchte meine Popel nach Grösse, Konsistenz und Haptik, als ich auf die Spur neben mir blickte. Eine Frau blickte mich entsetzt an, verzog angewidert das Gesicht und zündete sich eine Zigarette an. Als sie den ersten Rauch ausblies, murmelte sie «eifach gruusig!» - seit meiner Weiterbildung 2002 zum CAS Mossad-Agenten beherrsche ich nämlich das Lippenlesen (mir fehlen nur noch zwei Sabotageakte und das Aufspüren eines noch lebenden Naziverbrechers in Südamerika und dann kann ich eine Masterthesis schreiben). Ich liess die Scheibe runter und rief «selber gruusig!» rüber. Sie blickte mich unverständig an. Ich äffte ihr nervöses Rauchen nach. Das fand sie nun gar nicht lustig und liess ihrerseits die Scheibe runter. «Hey weisch was?!» rief sie scharf. «Hey weisch was?!» äffte ich sie weiter nach. «Jetzt langt’s!» sagte sie, stellte den Motor ab, stieg aus und kam an mein Fenster. «Das gaht dich doch en Schiissdräck a, ich chan i mim Auto mache, was ich will!» «Aha», rief ich zurück. «Was, aha?» «Und ich nöd? Du blödi Chueh!» Letzteres hätte ich mir vielleicht sparen sollen, denn nun wurde die Dame richtig sauer. «Arsch!» sagte sie nur, zückte ihren Schlüssel und ging zu ihrem Auto zurück, nicht ohne dabei einen hässlichen, fetten Kratzer auf meinem 8-Schichten ChangingColors-Speziallack zu hinterlassen. Das hätte sie nicht tun sollen! Die Ampel schaltete bereits zum dritten Mal auf grün. Die Autofahrer hinter uns hupten genervt. Das ging mir am Arsch vorbei. Ich griff in das Handschuhfach und holte mein Jagdmesser – ein Gerber Steadfast –heraus und stieg aus. Sie hatte sich soeben wieder hinter ihr Steuer gesetzt. Doch ihr triumphierendes Grinsen gefror zu einer panischen Fratze, als sie mich mit dem Messer auf sie zukommen sah. Sie startete den Motor. Sie hätte auch

rechtzeitig wegfahren können, wenn sie nicht vergessen hätte, die Kupplung zu drücken. So brachte sie den Gang nicht rein («Kcchhrr! Kkkchhhrrr!» tönte es) und dann war es eh zu spät. «Nimm das, du Häx!»Zack! Zssschhh..! Ihr linker Vorderreifen war platt. Ich lief ums Auto herum, um den anderen Reifen ebenfalls aufzuschlitzen und warf dabei einen Blick auf ihr Nummernschild. «Soso, da in Züri eine uf dicki Hose mache, aber sälber nume e beschisseni Aargaueri!» Zack! Zssschhhh… «Seit grad de rächt mit sim Buuredialäkt! Schiisstooaaagauer!» Sie war inzwischen ausgestiegen und hinter ihrem Kofferraumdeckel verschwunden. «Ha!» hörte ich sie jubeln. Sie klappte den Deckel zu und hielt ein Drehkreuz in die Höhe. Ihre Augen funkelten gefährlich. Mir schwante Böses. «Aaaahhh!» schrie sie hysterisch und lief auf mein Auto los. Mit voller Kraft liess sie das Drehkreuz mehrfach auf meine Windschutzscheibe knallen, die sich sofort in Tausend Splitter teilte, die nur noch durch die Sicherheitsfolie zusammengehalten wurden. Mein Unterkiefer klappte nach unten. Das war nun definitiv ein Act of War! Ich öffnete die Türe meines misshandelten Autos, griff unter den Sitz und holte meine Walther P38 hervor, die dort für absolute Notfälle mit einem Klettverschluss befestigt bereit liegt. Als ich mich wieder auf das andere Auto zu bewegte, rief einer der vielen Schaulustigen, die sich inzwischen um uns versammelt hatten: «Er hät e Knarre!» Schreiend stoben die Gaffer auseinander. Nur die Frau blieb zitternd stehen und hob das Drehkreuz gegen mich, als wäre ich so ein gottverdammter Vampir. Ich hingegen hob unbeeindruckt meine Walther und zielte. «Neiii!» rief sie flehend. Doch das hätte sich die Kuh früher überlegen sollen. Pamm! Pamm! Pamm! Volltreffer! Der Motor gurgelte, stotterte und starb ab. Aus den drei neuen Löchern auf der Motorhaube entwich

zischend Dampf, unter dem Auto bildete sich eine Lache. «Neieiei!» schluchzte sie, fiel auf die Knie und lehnte ihren Oberkörper ans Auto. «S’Leasing isch nöd emal zur Hälfti ume gsihihi!» Ein kurzer Moment des Mitleids überkam mich, doch ich schüttelte ihn geschickt ab. Ich sicherte die Walther, drehte mich um und ging zu meinem Auto zurück.

Die Geschichte vom Frosch und dem Steinbock Dienstag, 25. August 2009, 09:25 Von Thomas Meyer. Über die Logik der Frau wird in Männerkreisen viel debattiert, zwar jeweils nur sehr kurz; man versteht sie nämlich nicht, und wenn, so ist man gezwungen zu ergänzen: Es ist keine echte Logik, sondern eine eigene; Schritte, die nur insofern folgerichtig sind, als sie eben aufeinander folgen. Es erinnert oft an einen Frosch, der von Seerosenblatt zu Seerosenblatt springt, und nach einigen solchen Sprüngen muss man anerkennen: Der Frosch hat jetzt einen Weg gemacht. Wobei der Frosch wohl klarer und einleuchtender seinen Weg über die Seerosenblätter erklären könnte als eine Frau jenen ihrer Gedanken. Die Logik des Mannes ist erfrischend anders, nämlich durch und durch simpel. Da passt einfach alles zusammen; wie die Steine einer Lego-Burg. Doch auch hier stellt sich bald einmal die Frage: Ist dieser Geist, gleichwohl fähig zu gesunder Logik, als solcher gesund? Nehmen wir als Beispiel die Freude des Mann an seinem Stoffwechsel. Es ist eine in ihrer Alltäglichkeit und Nebensächlichkeit absolut unspektakuläre Affaire, doch delektieren wir uns daran wie an einem chinesischen Feuerwerk. Dass wir geschissen haben, ist uns oft ein SMS an Freunde wert, welches wir vorzugweise noch auf dem Abtritt verfassen. Postwendend kommt dann eine hoch-

erfreute Antwort, gar nicht selten vom selben Ort. Diesen betreten wir ja stets mit dem Gefühl des Tempelbesuchs und gestalten ihn auch entsprechend. „Der einzige Ort, wo ich meine Ruhe habe“, so die salbungsvollen Worte eines Familienvaters, der kiloweise Lektüre dorthin schleppt, und mein Freund Daniel kommentierte kürzlich beeindruckt: „Du hast eine sehr männliche Toilette.“ Mir selber war völlig entgangen, wie liebevoll ich diesen Raum geschmückt hatte; mit dem Modell einer Focke-Wulf 190, einer Aufnahme eines DC-3-Cockpits, einem kleinen Diorama mit einem deutschen 88-mm-Geschütz, einem Verbandspaket der israelischen Armee, einer gerahmten Grossaufnahme von mir auf der Rennstrecke sowie einem Kalender mit nackten Frauen. Auch in den Gesprächen mit meinem Vater ist der Stuhlgang ein wiederkehrendes Thema; manchmal bricht er sie sogar extra deswegen ab. Man muss auch wissen, dass a) ich einen sehr empfindlichen Magen habe und b) mein Vater ein sehr empfindliches Gemüt, was zur Folge hat, dass er sich ständig Sorgen macht, konkret also mich nach der Konsistenz meiner Hinterlassenschaften befragt, und wenn ich seine Erkundigung für einmal nicht mit „Fest, Vater, ich bin Steinbock, entsprechend ist auch mein Dung!“ beantworte, sondern Analogien mit berühmten Wasserfällen

oder der Ausrüstung der Flughafenfeuerwehr bemühe, so befürchtet er Darmkrebs im vierten Stadium und wird weinerlich, als wären dies die letzten Worte, die er mit dem Sohn wechseln kann, bevor sich dieser in den Nebel der Palliativmedizin verabschiedet. Meine Schwester hingegen hat überhaupt kein Verständnis für solche Unterhaltungen und weigert sich auch seit bald dreissig Jahren standhaft, Auskunft zu ihrem Metabolismus zu erteilen, was sehr ärgerlich ist, würde doch nichts auf der Welt mein Herz mehr erfreuen als ein Anruf der Schwester, die da spricht: „Bruder, ich furze dir jetzt ins Telephon“, gefolgt von der Einlösung dieses herrlichen Versprechens. Fordere ich sie jedoch zu solchen Handlungen auf, ruft sie empört: „Ich bin eine Lady!“, wobei sie das L sehr betont. Diese Damenhaftigkeit aber - und da haben wir sie wieder, die Logik der Frau wird sofort abgelegt, wenn sie selber etwas zu lachen haben will. Hebe ich nämlich einmal das Telephon nicht ab, erhalte ich kurz darauf ein SMS mit dem Inhalt: „Machst Gagg?“ Selbstverständlich ist dem dann gerade so, oder ich nehme die Frage zum Anlass dafür. Ich habe es aber aufgegeben, zu antworten: „Ja, und Du?“, da man mir dann wieder überflüssigerweise erklärt, eine Lady zu sein.

«So eifach chumsch mir ned devo!» Ihre Stimme klang, als könnte ihr nur noch ein Exorzist helfen. Ich drehte mich um und sah gerade noch, wie sie auf eine Strassenwalze sprang, die gerade das Trottoir planierte. Sie versetzte dem verdutzten Bauarbeiter einen Kinnhaken und stiess ihn von der Walze. Er landete in einem Sandhaufen, wo ihm auch dank seines Suva-Helms nichts geschah. Die Frau kur-

belte so lange am Lenkrad, bis die Nase der Walze direkt auf mein Auto zeigte. «Jetzt bisch fällig!» zischte sie zwischen ihren fest aufeinander gebissenen Zähnen hindurch, drückte voll aufs Gas und beschleunigte das Ungetüm auf waghalsige 7 km/h. Panisch entsicherte ich meine Walther wieder, zielte auf die Walze und drückte ab. Doch eine Kugel nach der anderen prallte an dem Ungetüm ab, bis mich das Klick! Klick! Klick! Darauf aufmerksam machte, dass das Magazin leer geschossen war. Verzweifelt nahm ich den Lauf in die Hand, um die Walther zu werfen und hatte dabei völlig vergessen, dass er so heiss wie ein Bügeleisen war. «Aua! Autsch!» rief ich, bevor ich die Walther nach vorne schleuderte. «Hahaha!» lachte die Frau, bis die Walther sie am Kopf streifte, auf dem – obwohl die Suva es eigentlich auch für Walzenfahrer vorschrieb – kein Helm war. Ihr «Auaaa!» ging aber unter dem lauten Geschepper und Geknarre unter, als die Walze mein Auto unter sich begrub und flacher machte als ein Topmodell aus Paris. Schöne Scheisse. Ich konnte nicht einmal im Geschäft anrufen um zu sagen, dass es heute etwas später werden würde. Denn mein Handy war im Auto. Das würde wohl einen ziemlichen ZS vom Chef geben. Erschöpft und lädiert lehnten sich die Frau und ich an ihr Auto. «Mir händ glaub es bitz übertribe», stöhnte ich. Sie nickte nur. «Das liit sicher a däre Hitz!» fuhr ich fort. Sie nickte erneut, hielt mir zitternd ihr zerknautschtes Zigarettenpäckchen entgegen und fragte röchelnd: «Wotsch eini?» Ich nickte, klaubte eine Fluppe heraus und steckte sie mir in den Mund. Nachdem sie mir Feuer gegeben hatte, nahm ich einen tiefen Lungenzug und genoss das Nikotinflash, das mich nach so langer Zeit wieder einmal erfüllte. Eigentlich wollte ich dann noch – mehr rhetorisch – fragen, ob das wohl Benzin gewesen sei, das unter ihrem Auto ausgelaufen war. Aber diese Frage beantwortete sich dann gleich von selbst.

partylöw...in der woche Dienstag, 10. Juli 2012, 14:37 Von Dr. Alex Flach. Wer in den USA lebt und im Pass unter „Beruf“ ein TV-Show stehen hat, sollte beten, dass er eine Trickserie ist. Ausser er steht auf ununterbrochenes Pfeiffen während der Ausstrahlung oder auf Heerscharen republikanischer Mütter mit Transparenten vor der Haustür. South Park sollte man sein. Nicht Family Guy... zu dumm... wenn schon, dann American Dad. Aber bestenfalls ist man South Park. Oder die Simpsons der 90er.

Dann könnte man nämlich auch zu diesem Bild unheimlich lustige Dinge schreiben, ohne in den Verdacht zu geraten ein charakterloses Schwein zu sein. So, und weil wir nicht South Park sind, wäre alles was wir hierzu schreiben würden zutiefst arschlochig. Bringen tun wir das Bild aber trotzdem. Und machen einfach drei Pünktlein in den Titel. Das muss halt einfach reichen.


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September 2012

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Top 5

euer ehren, ich plädiere auf sehr schuldig: die total ausgebuffte und frisch eingebuchtete top5 der gefängnisinsassen im netz, mit denen man freiwillig jede zelle und andere organe teilen würde Freitag, 4. Mai 2012, 16:36, Von Dr. Midi Gottet. Denn, kannst du da erst mal eintopfen, willst du nie mehr ausbüxen.

the raid Donnerstag, 5. Juli 2012, 12:42 Von Dr. Dominik Hug Hand aufs Herz. Wer findet auf einer Weltkarte Indonesien innerhalb von 5 Sekunden? Ich! Aber auch nur nachdem ich „The Raid“ gesehen habe... Inhalt: Ein 20köpfiges SWAT-Team hat den Auftrag ein Hochhaus zu stürmen, welches unter Kontrolle des Gangsterbosses Tama steht. Leise nehmen die Cops Stockwerk um Stockwerk ein, bis Alarm geschlagen wird und Tama die kriminellen Elemente des Blocks auf die Polizisten hetzt. Ein brutaler Kampf ums Überleben beginnt, doch den Gesetzeshütern geht langsam die Munition aus... Indonesien. Hauptstadt Jakarta, Telefonvorwahl +62, Staatswährung Rupiah, 237 Millionen Einwohner... darunter der Waliser Gareth Evans, seines Zeichens Regisseur. Als der thailändische Film „Ong Bak“ vor bald einem Jahrzehnt Martial Arts-Maschine Tony Jaa zum ultimativen Actionstar des neuen Jahrtausends hochhievte, war dies für Freunde des Actionfilms wie der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die Thailänder zeigten Hollywood, was Stunts wirklich sind. „Ong Bak“ und „Tom Yum Goong“ sind immer noch überstyltes und krachendes Actionkino der Superlative und Tony Jaa wäre noch immer auf dem Thron des neuen asiatischen Martial Arts-Kinos, wären da nicht die beiden unsäglichen „Ong Bak“-Fortsetzungen, welche Jaa weit unter seinem Wert verkauft haben. Der empfindliche Jaa nahm sich diese Niederlage sehr zu Herzen, gab die inoffizielle Position des Martial Arts-KinoKönig wieder frei und zog sich zurück in ein buddhistisches Kloster. Iko Uwais ist der Hauptdarsteller im vorliegenden Streifen „The Raid“. Mit zehn Jahren begann Iko mit Silat, Überbegriff für die Kampfkünste des Malaiischen Archipels. Als Regisseur Evans im Jahr 2007 eine Dokumentation über Silat drehte, lernte er Uwais kennen und verpflichtete ihn zwei Jahre später für den Actionfilm „Merantau“, ein mir auch noch unbekanntes Werk. Uwais, der bis anhin für eine Telekommunikationsfirma arbeitete, kündete seinen Job und arbeitet seit 2009 für Evans Filmproduktionsfirma. „The Raid“ ist der zweite Langfilm dieses ungleichen Duos. Ein Film, der sich einen Dreck um Charakterentwicklung dreht, dem ein ziemlich hahnebüchenes Drehbuch geschrieben wurde und dessen Hauptaugenmerk auf Bad Guys vs. Good Guys liegt - so ein Film hat definitiv Potential. Sofern der Regisseur es versteht die Story so voranzutreiben, dass dem Zuschauer die immensen Logiklöcher total egal werden. In „The Raid“ klappt dies vorzüglich. Beginnt der Film noch mit einer ruhigen Szene, in welcher Iko Uwais‘ Charakter Rama

sich von seiner hochschwangeren Frau verabschiedet, gehts direkt rein in den SWAT-Transporter und die Cops und die Zuschauer werden über die kommende Mission informiert. Wir erfahren auch, dass Rama der jüngste Cop des Teams ist und in den Augen des Einsatzleiters deswegen auch ein Risikofaktor für das Team darstellt. Nach gut zehn Filmminuten befinden wir und SWAT uns bereits im Hochhaus und der blutige Adrenalinkick beginnt. Die ersten vierzig Filmminuten bestehen dann auch grösstenteils aus üblen Schusswechseln. Äusserst explizit dargestellt, treten Kugeln in Körper von Gut und Böse ein. Da fliegt auch schon mal ein Kopf weg - echt nichts für schwache Gemüter. Um noch etwas Realismus ins Drehbuch zu bringen, sieht sich unser Team (oder was davon noch nicht im „Zehn kleine Jägermeister“-Verfahren abgemurkst wurde) bald mit der brutalen Filmwirklichkeit konfrontiert, keine Munition mehr zu haben. Kein Problem, liegen ja genug Messer, Macheten und sonstige Gegenstände herum, mit welcher man die Seiten der Guten und Bösen noch ein wenig dezimieren kann. Etwas anderes passiert in diesem Film eigentlich nicht. Der Bodycount schiesst in Mount Everest‘sche Höhen. Und doch unterhält das Geschehen so dermassen gut, man will den Film nicht stoppen, man will die Augen nicht vom Screen nehmen, denn Gareth Evans hat dem Film ein Tempo mitgegeben, welches man einfach nicht abbremsen lassen will. Trotz minimaler Kampfkunst-Erfahrung und definitiv mehr theoretischem als praktischem Wissen über die Kriegskünste weltweit, Silat war mir eine total unbekannte Kampfkunst und macht auf mich zumindenst optisch den Eindruck dem Muay Thai nicht unähnlich zu sein, wirkt nicht schön oder Posen zelebrierend, aber brutal effektiv. Und mit Iko Uwais ist genau der richtige Mann der filmische Vorzeigekämpfer für Silat. Denn Uwais bringt nicht nur unglaubliche Kampffertigkeiten mit sich, sondern auch eine ungeheure Leinwandpräsenz, welche in diesem Genre einfach Gold wert ist. Man nimmt ihm

die Ernsthaftigkeit seiner Rolle jederzeit ab und er wirkt schauspielerisch keineswegs unerfahren, obwohl er hier natürlich nicht den Shakespeare geben muss, sondern nur der Figur Rama ihre Konturen verleihen. Auch der Rest des Casts macht einen soliden Job. Die Hand-to-Hand Kampfszenen spielen sich ausschliesslich in den Wohnungen, Gängen und sonstigen Räumen dieses alten und hässlichen Hochhauses ab. Wer auf so engem Raum Fightszenen dreht, ist auf einen richtig guten Choreographen angewiesen. In Yayan Ruhian hat der Regisseur diesen auch gefunden - und mehr als das - Ruhian spielt auch Mad Dog, einen der Bodyguards des grossen Bösewichts, und liefert sich mit Rama gegen Filmende einen mehrminütigen Kampf, welcher den Zuschauer definitiv mit offenem Mund dasitzen lässt. Der Soundtrack ist vielleicht nicht das Herz eines Films, aber zumindest die Lunge. Und damit „The Raid“ die Luft nicht ausgeht, hat man als Komponist Linkin Park-Sänger Mike Shinoda an Bord geholt. Eine gute Entscheidung, denn der pulsierende Soundtrack half mit, dem Zuschauer fast keine Minute Erholung zu gönnen. Mission Score: Accomplished. Wenn man bei „The Raid“ unbedingt noch eine Schwäche suchen will, dann findet man diese beim Setting. Gareth Evans plante eigentlich ein wesentlich grösseres Budget für seinen Film ein und musste sich schlussendlich mit etwas mehr als nur einer Million US-Dollar zufrieden geben (jeder zweite Hollywood-Kracher kostet etwa das hundertfache - so als Vergleich). Und in Anbetracht dessen, muss man vor Evans und seinem Team einfach den Hut ziehen. Unter diesen Bedingungen ein Actionbrett dieser Art abzuliefern, das ist einfach nur Klasse. Der Film läuft am 12. Juli 2012 in den deutschen Kinos an. Für die Schweiz rechne ich (mal wieder...) nur mit einem DVD-Release. Fazit: „The Raid“ ist zweifellos DER Actionfilm des Jahres. Jetzt weiss ich wieder, warum ich im Actionkino zu Hause bin.

leb hedonismus. Montag, 16. Juli 2012, 08:06 Von Dr. Vanessa Kunz. Sag nicht, es wird besser. Sag nicht es wird gut. Es gibt keinen Grund, dass es besser wird, schon gar nicht gut, weil es nicht das Leben ist, das einen zum Sterben schön macht. Man begräbt sich selbst. Leb Hedonismus, alle sagen das, weil man heute jung und morgen zu alt ist. Die Haare fallen, der Kaffee ist fix 2 Franken zu teuer und der Nachbarshund schläft nur noch und frisst nichts mehr. Nächstes Jahr fällt’s dir auf, übernächstes Jahr hättest du es schon anders gemacht. Würd man so leben, wie man’s will, dann wär’s heute unser Letzter. Wie der Junge in dem Film, der fürs Leben gerne rumvögelt, ohne Gummi, ohne Angst,

ohne ans Morgige zu denken, dann mit der Diagnose HIV-positiv klarkommen muss und es ihm weg genommen wird, das Rumficken. Dann hat man von heute auf morgen nichts mehr, weil man es sich

selbst genommen hat. Nicht umgekehrt. Ausser man liegt im Sumpf und hat echte Probleme. Wie Martin, der Bademeister, der gestern in der Flimmerkiste kam und übers Wetter fluchte, weil’s regnete und die Schwimmer deshalb in der Dönerbude hockten. Ich hätte ihm das von den Blumen erzählen sollen und dass er nicht der einzige ist, der in diesen Tagen angepisst wird. Zugehört hätte er mir nicht, schliesslich geht‘s um Regen und Einnahmen, die nicht sind, und nicht die Gräser, die saufen wollen. Eben, der Martin, der hat ganz viele Probleme. Und keine Zeit für Hedonismus. Und dann ist er nicht mal dankbar.


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September 2012

sch’gugge 2

a lonely place to die

Freitag, 18. Mai 2012, 15:41. Von Dr. Midi Gottet. Siehst du Brust. Kriegst du Ellbogen.

acht gute gründe, warum sie sich auf die kältere jahreszeit freuen können.

Dienstag, 7. September 2010, 06:57 Von David Hugentobler 01. Sie müssen kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn Sie den ganzen Sonntag vor der Glotze verbringen. 02. Kuscheln macht bei kaltem Wetter einfach mehr Sinn. 03. Mit der Herbstdepression bedingten Erhöhung Ihrer täglichen Schokoladenzufuhr unterstützen Sie kurzfristig die Schweizer Schokoladen- sowie mittelfristig

die Fitnesscenter-Industrie und sorgen so für den Erhalt von zahlreichen Arbeitsplätzen. 04. Unter einem dicken Wollenpulli ist es der Bikini-Figur egal, ob sie perfekt ist. 05. Trotz Herbstdepression: kaltes Wetter hält im Allgemeinen glücklich. Oder haben Sie schon mal einen Eskimo beim Psychologen gesehen? 06. Mit ‚leider zu kalt’ erweitert sich die Anzahl Ihrer Ausreden, warum Sie am Sonntagmorgen schon wieder nicht Joggen gehen konnten, obwohl Sie ja so gerne wollten. 07. Ein Grossteil der Menschheit sieht in langen Hosen besser aus, als in kurzen. 08. Sie können sich das Geld für teure Sonnencreme sparen und es für etwas Sinnvolles ausgeben. Zum Beispiel für ein neues kult-Supporter-Shirt: www.kult.ch/ article.php?article_id=1873

Das muss man haben

eine brieftaube mit reichlich ka pazität für grosse datenmengen Donnerstag, 24. Mai 2012, 17:22 Von Dr. Midi Gottet. Auf Wunsch des Absenders, transportiert die „Mutter aller Mövenpicke“ gleich den ganzen Autor, samt Schreibmaschine.

madonna & marianne forever!

Montag, 20. August 2012, 11:21 Von Dr. Marianne Weissberg. Jetzt kann ich in Ruhe sterben, wobei es könnte sein, dass Madonna und ich uns doch nochmals vor der Berentung treffen wollen. Und dann hoffe ich, dass wir beide immer noch so guet zwäg sind wie jetzt. Alle, die an vollreifen Powergrazien herummäkeln – zu alt, zu outdated, zu verfaltet, etcetc – sind schlicht selbst Weicheier und können sich schon mit dreissig nicht mehr vorstellen, fuck you zu sagen und zu tun, was sie wol-

len. Nei, es braucht Mut, sich hinzustellen vor zigtausenden, als Close Up, so wie meine Madonna es tut. Nicht einmal ich wäre mutig und erfolgreich genug, das zu schaffen. Also haltet alle die Klappe, die uns nicht so sehen wollen, wie wir sind: Simply the Best auf der Menukarte. Das haben endlich auch die jungen Männer entdeckt und sind noch so gerne mit uns und auf uns zugange…. Ah ja, die beiden gut abgehangenen Jungs im Bild sind genauso dedicated to Madon-

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na wie ich es bin. Womöglich noch länger. Sie reisen in ihren Ferien, wenn Mistress Madonna auf Tour ist, ihr an fast jedes Konzert nach, amüsieren sich wunderbar und waren im Letzigrund meine reizenden Nachbarn. Danke Paulo und Roberto! Ah ja und natürlich noch ein dankbares Danke an meine Madonna...wir sehen uns...spätestens, bevor die Hölle zufriert. Fotis: die Jungs aus Italien, Madonnas Junger, eine Augenweide, auch an ihren Konzerten...

Mittwoch, 23. Mai 2012, 13:29 Von Dr. Dominik Hug. Abseits des Mainstreams gibt es oft noch die interessantesten Filme zu finden. Wie „A Lonely Place to Die“ - oder wenn die Klettertour mit Freunden zum tödlichen Horrortrip wird... Inhalt: Alison (Melissa George) und ihre vier Freunde sind auf Klettertour in den schottischen Highlands. Während einer Rast vernehmen sie das Schluchzen eines kleines Mädchens, welches sie unteridrisch in einer Kiste vergraben auffinden. Anna, so heisst die kleine, spricht jedoch kein Englisch und kann sich so kaum mitteilen. Die Truppe entschliesst sich, sich zu trennen. Drei bleiben bei Anna auf dem Bergstück und die beiden besten Bergsteiger der Truppe beschliessen ins Tal zu klettern und Hilfe zu holen. Da fällt einer der beiden Kletterer durch ein durchgeschnittenes Seil zu Tode. Und als dann auch noch erste Gewehrschüsse durch den Wald pfeifen, wird langsam klar, unsere Freunde sind nicht allein... Der Film wirbt auf dem Cover mit einem Vergleich zu Sylvester Stallone‘s „Cliffhanger“ und mit Neil Marshall‘s „The Descent“. Dies weckt ein wenig falsche Erwartungen, ist der vorliegende Film kein Macho-Kracher und auch kein Horrorstreifen. „A Lonely Place to Die“ lebt von komplett normalen Charakteren, welche leider in eine äusserst suboptimale Situation geraten.

Mit nur 98 Filmminuten sieht sich die Story gezwungen, den Zuschauer direkt ins kalte Wasser zu schmeissen. Auf die einzelnen Charaktere wird nicht gross eingegangen, aber man sieht gleich in den ersten Minuten, dass die Figur Alison sehr Zentral in die Geschichte eingebaut wurde. Der Rest der Bergsteigertruppe wirkt wie die etwas bessere Beilage. Die erste Hälfte von „A Lonely Place to Die“ lebt von wunderschönen Aufnahmen des Schottischen Highlands. Kein Wunder, Regisseur Julian Gilbey ist selbst passionierter Bergsteiger. Dies macht sich vorallem in der ersten Hälfte des Films bemerkbar. Jedoch lässt Gilbey die Zuschauer nicht nur die steinigen Landschaften bewundern. Ebenso wusste er das Tempo seines Films im richtigen Moment anzuziehen und eine spannungsgeladene Atmosphäre aufzubauen. Der Zuschauer leidet mit den Bergsteigern mit und wünscht sich richtiggehend deren Überleben. Wenn man der Story einen Makel geben soll, dann, dass das letzte Filmviertel doch ein wenig dem üblichen Standart entspricht. Aber das ist dann doch Fehler suchen auf ganz hohem Niveau. Der Film ist zudem nicht ganz harmlos und bringt eine gesunde Portion Härte mit sich. Fazit: „A Lonely Place to Die“ ist ein äusserst spannender Survival-Thriller mit überzeugenden Darstellern und grossen Bildern. Ein kleiner heisser Tipp.


ein fest fĂźrs kino. 100 filme. ein festival.

20. – 30. September 2012


HEBO #2 Johannes M. Hedinger / Frank Bodin BARBARIAN ART GALLERY / Limmatstrasse 275 / 8005 Zurich / Groupshow «Ungewisses Tun / Uncertain Practice» / Sept. 1– Oct. 20 2012 / Opening Hours Tuesday – Friday 12.00 –19.00, Saturday 11.00 –16.00 or by appointment: info@barbarian-art.com


kult

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September 2012

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Sich mal kurz vor dem eigenen Gewissen verstecken. Montag, 20. August 2012, 15:49 Von Dr. Rainer Kuhn gewissen: ähm ..., hey, du ... ich: gewissen: hallo? ich: gewissen: gopf ... ich: gewissen: gibt’s doch nicht. ich: gewissen: hört mich denn keiner? ich: gewissen: super ... wo bin ich denn hier eigentlich? wo ist denn mein körper? meine seele? ich: gewissen: also gut, jetzt mal langsam: ich bin dein gewissen. du musst mich haben. du kannst mich nicht einfach aussetzen wie ein hund an der autobahnraststätte. ich: gewissen: hast du gehört? ich mein, dass ich mal nicht immer da bin, das ist ja normal hier auf der erde, daran hat man sich gewöhnt. aber dass ich da bin und du nicht, das geht nicht ... ich: gewissen: ... schon rein physikalisch nicht. ich kann gar nicht da sein und du nicht. klar? also verarsch mich nicht und meld dich. ich: gewissen: los, komm raus, ich hab dir was zu sagen!

ich: gewissen: aha! du hast angst vor mir? denkst, dass wenn du dich versteckst, dass ich dich nicht erreiche? süss ... ich: gewissen: es wäre noch wichtig, im fall ... ich: gewissen: ... sehr wichtig sogar .. ich:

gewissen: ... es geht da um letztes wochenende, du weißt schon, streetparade und so. ich: gewissen: mann, bist du ein feigling ... ich: gewissen: dann sag ichs jetzt einfach mal so drauflos: magst dich noch erinnern, du hast da doch .... ach was solls, so machts

ich: gewissen: ich: ist es weg? gewissen: ich: es ist weg. uff ... nochmals glück gehabt. muss ja nicht sein, oder? wegen einem wochenende noch lange mit einem schlechten gewissen rumzulaufen. abgesehen davon, mag sich sowieso niemand mehr ans letzte wochenende erinnern, so im detail, mein ich. gewissen: ich: ich schlaf jetzt einfach ein paar mal drüber und dann ists gegessen. gewissen: ich: gewissen: ich: ok. weiter geht’s mit leben. fühlt sich nicht mal schlecht an, so ohne gewissen. gewissen: ich: wird sowieso nicht lange dauernd und es ist wieder da und nervt mich. gewissen: ich: oder? gewissen: ich: es kommt doch wieder, oder? gewissen: ich: ? gewissen: ich: es kommt doch wieder, oder?? gewissen: ich: oder??? gewissen: ich: scheisse ...

ja auch keinen spass, gewissen zu sein. bisschen respekt brauchts da schon. ich: gewissen: also lassen wirs. ich buchs direkt auf dein karma. selber schuld. ich: gewissen: ich bin dann mal weg. ich: gewissen:

Das muss man haben

ein archiv mit street parade bildern (teil 4: 2004) Freitag, 10. August 2012, 09:48 Von Dr. Henrik Petro «Love, Peace, Happiness – morgen such ich mir eine heisse Schnitte und werd mich endlich wieder verlieben!» «An der Parade?» «Klar – Alle sind gut drauf. Und dann sieht man erst noch, was man bekommt!» «Kalten Schweiss? Pickel am Rücken? 0815-Arschgeweih? Pupillen wie das Ufo aus District 9?»

«Idiot. Morgen gibt es Auswahl wie sonst nie!» «Aha. Aber auch das Gegenteil: nämlich Konkurrenz wie sonst nie.» «Na und? Das schreckt mich nicht.» «Nein, aber vielleicht die, die dich sehen.» «Wie meinst du das?» «Ach egal. Was ziehst du morgen überhaupt an, um einen dicken Fisch an Land zu ziehen?» «Das hier!» «Ah. Okay. Und was drüber?»

«Natürlich nichts! Ich will mit meinen Reizen nicht geizen.» «Hm. Du kannst ja auch gegen den Strom schwimmen, um aufzufallen. Wie wäre es mit einen 110-Liter-Zürisack mit vier Löchern für Arme und Beine?» «Warum sollte ich sowas bescheuertes anziehen?» «Vielleicht, damit die anderen bei dir eben NICHT sehen müssen, was sie bekommen?»

«Arsch. Ich lösch dich aus meiner Facebook-Freundesliste.» «Bist du sicher? Dann hast du ja gar keinen Freund mehr. Und wenn man null Freunde hat, löscht Facebook dein Profil.» «Wirklich?» «Klar. Zuckerberg persönlich macht das. Ist sein Hobby.» «Woher weisst du das?» «Hat er mir geschrieben. Weil ich nämlich DICH aus MEINER Freundesliste kippen

wollte. Er meinte, ich solle es mir nochmals überlegen, weil sonst müsste er dein Profil löschen. Und dann wärst du sicher sehr traurig. Da bekam ich Mitleid. Also hab ich es sein lassen.» «Danke! Du bist ein wahrer Freund.» «Ich weiss... Erzähl das einfach nie irgendwem. Und, du, wegen dem Zürisack...» «Ja..?» «... helfe ich dir gerne, die Löcher reinzuschneiden.» Fotos: © Blazenka Kostolna


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