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kult.ch

die besten blogs aus kult.ch für wenn der akku des laptops mit ödem facebookgeplänkel aufgebraucht wurde. august 2012. kult.ch (gegr. 1997) ist die erste gesellschafts-satirische blog-to-print-zeitung der schweiz: unzesnsurierte kommentare zum täglichen leben und dem, was sich in den medien so abspielt.

sensationell: higgs verklumpt die menschheit. Montag, 9. Juli 2012, 09:25 Von Dr. Reinhold Weber Was Physiker schon lange quält: Was ist Masse? Wie entsteht Masse? Was hat nach dem Urknall diese pulverisierte, rumeiernde, chaotisch ins Nichts davonrasende Materie verklumpt? In so Massiges wie in Planeten verwandelt? Dank CERN wissen wir es endlich: Es war das Higgs-Teilchen. Higgs, das Maizena des Urschlammes. Higgs, der Kitt des Universums. Higgs, der Uhu-Alleskleber unseres Daseins. Higgs, dieser Eigenbrötler und Einzelgänger, macht aus Materie Masse. Sind Siliciumdioxid oder Calciumcarbonat Antiklumpmittel in Lebensmitteln (> E 551, > E 170), ist Higgs das Verklumpungsmittel unseres Lebens. Der Mars ist bereits verklumpt. Unsere Erde ist im Begriff zu verklumpen. Higgs ist verantwortlich für die Verklumpung von Lebewesen (> Massentierhaltung), von Dingen (>Stau) und beim Singen (> Festival der Volksmusik, > Gurten, > Justin Bieber). Higgs beeinflusst unsere kulturellen Vorlieben, aber auch unsere Essgewohnheiten (> Verklumpung von Sojabohnen) sowie die Art unserer Fortbewegung (>

S-Bahn Zürich). Der Higgs-Anteil in Tokyo und Mexico City ist besonders hoch. Das epidemische Erscheinen von öffentlich herumgetragenen, halb vollen PETFlaschen deutet auf die Einwirkung von

Partylöwen der Woche Dienstag, 22. Mai 2012, 14:29 Von Dr. Alex Flach Klar wissen wir, dass der Union Jack gerade wieder bös im Kommen ist. Stand immerhin auch in diesem Stilheftchen, das der NZZ am Sonntag jeweils beigelegt ist. Da stand, dass wer cool sein möchte, sich unbedingt ein Shirt mit der britischen Flagge anschaffen soll. Nun denken wir zwar nicht, dass die beiden Herren auf dem Foto regelmässige NZZ-Leser sind, dennoch scheinen sie (obiger Begründung zufolge) über ein untrügliches Gespür für Modetrends zu verfügen. ...jedoch liefert das Tandem auch gleich

Higgs auf die Hirnmaterie vieler Menschen hin. Higgs gründet politische Parteien, apolitische Bewegungen und füllt samstags die Möbelhäuser von IKEA. Hormone, Red Bull, DJ’s, bunte Pillen und

Smartphones verklumpen zunehmend die heranwachsenden Menschen (> Urbanität). Higgs kann Ereignisse zu Vorgefasstem verklumpen (> Redaktionen). Der Blockbuster „Titanic“ bestand zu 97,083 Prozent aus Higgs-Teilchen. Higgs hält Ehen, Pfadigruppen, weibliche Toilettenbesucher und unser Geld zusammen. Higgs hilft ursächlich mit beim Ballen von Fäusten sowie beim Füllen von Sportstadien. Der klassische Wutanfall (> Testosteron) und der FC Bayern München (> Leitkultur) sind also Verklumpungsmittel, und der Gefällt-mir-Button ist sozusagen das Higgs-Teilchen von facebook. Higgs ist also trillionenfach überall. Genau so unüberblickbar indessen sind die offenen Fragen, welche uns Naturwissenschafter weiterhin antreiben. Etwa: Verklumpt Higgs unsere Empfindssamkeit zu purer Geilheit? Oder ist es genau umgekehrt? Verklumpt unser Lustempfinden unsere Gefühle in so etwas wie Liebe? Hm. Und vor allem: Wie würde Higgs am nächsten Abstimmungssonntag abstimmen? Hmhmhm. Wie auch immer. So epochal die Entdeckung von Higgs auch sein mag - wir Forscher sind, völlig verklumpt, erst ganz am Anfang.

kommentar august ists, und noch immer warten wir auf den sommer, die schönste zeit des jahres, schliesslich wurden wir von all den putzigen magazinen bereits seit monaten darauf vorbereitet, was man diesen sommer trägt, wie man in nur zwei tagen zum sixpack kommt, wohin man zu gehen hat, was man dann da trinken muss, weil man kann an einem von einer redaktion empfohlenen ort nicht irgendetwas trinken, sondern den angesagtesten drink natürlich, weil sonst merkt grad jeder da, dass man ein tourist ist. der schrank ist also voll von all den must-haves, die gemüsesuppendiät erfolgreich abgeschlossen, alle highlights der stadt notiert, vor allem die open-air anlässe, man ist als sowas von startklar, und dann? schiffts. es schifft tagelang, wochenlang, dazwischen mal ein paar tage sonne und, schwupps, schon kübelt es wieder runter wie sau. gegen ende des sommers kommt dann jeweils die streetparade, das wär dann also jetzt, meistens ists wenigstens da einigermassen schön, dann gehts noch eine woche und schon hats wieder nebel über den feldern und man muss sich beeilen, das futter rechtzeitig vor dem ersten schnee einzufahren. ja, mein vater sagte immer, über zwei sachen dürfe man sich nicht aufregen: die steuern und das wetter. weil man da ohnehin nichts dagegen machen kann. das war mir natürlich egal, weil es damals noch sommer gab und ich zuwenig verdiente, um steuern zu bezahlen. heute ists genau umgekehrt: sommer fällt aus, steuerrechnung nicht. und die gemüsesuppendiät war auch für den arsch. herzlich, rainer kuhn

kultblogger

Endstation Bergheim

den Beleg, dass man über ein Gespür für Modetrends verfügen und dennoch null Stil haben kann: Partnerlook geht nicht. Niemals. Nicht bei Pärchen, nicht bei Geschwistern und nicht einmal bei eineiigen Zwillingen. Niemals! Wenn man schon zufälligerweise an einer Party auf jemanden mit (nahezu) demselben Shirt trifft, dann stellt man sich gefälligst in die gegenüberliegende Ecke des Saales und verhält sich mucksmäuschenstill, damit kein Partyfotograf auf einen aufmerksam wird. Gefälligst.

Dienstag, 29. Mai 2012, 10:46 Von Dr. Vanessa Kunz. Die Bahn hätte weiter fahren können. Bis Weihnachten. Oder nächsten Sommer. Nicht anhalten. Rasen. Bis es fertig ist. Endstation Bergheim. Weihnachten gestrichen. Sommer auch. Den einzige Freund, denn ich in dieser Nacht hatte, war der Inder. Und der Inder war nicht mal Inder. Sie sagen vorzugsweise, sein Schwanz ist klein. Seine Hose sagt das auch. Es erinnerte mich an den Traum mit meiner Hose, und dem Loch, durch welche meine Muschi glotzte. Dann sehen sie dich nackt und denken, sie wissen, wer du bist. Wie beim

Inder, seiner Hose und dem Schwanz. 3 oder 4 Stationen vor Bergheim stieg ich aus. So wie ich’s immer mach. Ich zündete mir eine Zigarette an. Es roch nach Sommerregen und Gepisstem. Die herzschwache Paula aus der 11. hat auf die Veranda von Hürlimann uriniert. Wieder. Und Wieder. Und es ist doch nur ihr Vater. Meine Fritte fing Feuer und ich sah die Leichen in den Vorstadtgärten. Es sind die verreckten Haare, liebes Kind, alles ist gut, alles wird gut, alle kommen nach Hause. Irgendwann. Auch du. Und alles was man eigentlich will, ist fort sein.

Dr. Rainer Kuhn

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Dr. Alex Flach

Dr. Henrik Petro

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Impressum Herausgeber: Rainer Kuhn für kult gmbh. Gestaltung: Fredy Heritsch Kontakt: rainer.kuhn@kult.ch http://www.facebook.com/kult.ch kult.ch und kultradio.ch sind Unternehmungen der kult gmbh.


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Freunde fürs Leben Mittwoch, 23. Mai 2012, 09:09 Von Dr. Henrik Petro Neulich las ich auf Facebook einen Klasse Spruch: «Wenn echte Freunde länger nichts voneinander hören, zweifeln sie noch lange nicht an ihrer Freundschaft. Diese Freunde gehen einfach miteinander um als ob sie sich gestern das letzte mal gesehen hätten, egal wie lang es eigentlich schon her ist. Diese Freunde verstehen, dass das Leben stressig sein kann und dass du sie liebst. Kopier das wenn du mindestens einen solchen Freund hast. Sie werden verstehen dass du sie hiermit meinst.» Natürlich habe ich einen ganzen Haufen echter Freunde und sie werden den Spruch verstehen und ihn genau so gut finden und ihn auch kopieren. Darum habe ich ihn bei mir gepostet. Als dann aber nach einer Weile noch immer niemand den Spruch von mir kopiert hatte, wurde ich etwas betrübt. Ja, wahrscheinlich lief das Leben der Freunde gerade ganz stressig, weswegen sie gerade keine Zeit hatten, ins Facebook zu schauen. Dabei waren inzwischen sicher schon zehn Minuten vergangen! Als eine halbe Stunde später noch immer niemand den Spruch in seinen Status kopiert hatte, war ich noch immer überzeugt, einen ganzen Haufen echter Freunde zu haben, die den Spruch genau so gut wie ich finden und ihn teilen würden. Aber ob sie ihn verstehen würden, da war ich mir nicht mehr so sicher. Eine dreiviertel Stunde später war ich schon recht gereizt. Vielleicht hatte ich die Anzahl der echten Freunde etwas

überschätzt, kann ja sein in der Euphorie des Postens. Es heisst ja immer, wahre Freunde seien schwer zu finden. Nun würde sich herausstellen, wer sich als echt bewähren würde. Eine ganze Stunde später fing ich an, Freunde zu löschen und zu blockieren. Ihr ungestimmten Arschgeigen wisst gar nicht, was Ihr an mir habt! Ich gehe mit euch um, als ob wir uns gestern das letzte Mal gesehen hätten. Und was tut Ihr undankbares Pack? Eine weitere halbe Stunde später hatte ich aber sowas von einem dicken Hals!!! Und ich zweifelte sowas von an ihrer «Freundschaft»! Ist doch nur ein Wort wie jedes andere! Die Pest wünschte ich ihnen an den Hals! Kein Wunder, hat Facebook in wenigen Tagen 25 Milliarden an Wert verloren. Geschieht dem ganz recht!

Zwanzig Minuten später hat dann einer meiner sogenannten «Freunde» tatsächlich die Frechheit, mir meinen Spruch zu klauen und ihn in seinen Status zu kopieren, diese Sau! Und erst noch einer, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe – also mindestens zwei Wochen nicht. Du willst Dich also mit fremden Federn schmücken, Du Plagiator, Opportunist, Dieb? Ratte, ersticke an deinen eigenen Exkrementen! Echte Freunde tun sowas nämlich nicht, hörst Du? Hast Du den Spruch überhaupt mal richtig gelesen? Echte Freundschaft ist tot, Leute, sie ist tot – aus, futsch, vorbei! Wenn Du mit mir einig bist, dann drück den «gefällt mir!»-Knopf. Kommt schon Leute, ein paar werde ich schon kriegen, oder? Wenigstens einen? Nein? Ach was, fahrt zur Hölle – und zwar brennend!

muss man immer dabei haben: ein bisschen restliebe.

Donnerstag, 24. Mai 2012, 09:07 Von Dr. Rainer Kuhnkann man immer gebrauchen. liegt nicht auf, hat kaum ge-

wicht und doch, wenns nützt, kann manns hervorkrümmeln und sagen: ach! da ist sie ja, meine restliebe. siehst du? alles ok

also.“ restliebe braucht man vor allem dann, wenn man schon lange eine neue fickt, der alten aber noch nicht gesagt hat, dass es einem nichts mehr ausmacht, wenn sie lieber die berge hochrennt als sich um den bettpfosten zu wickeln, aber irgendwann ists soweit, da muss man es gestehen, rein logistische vernunft, aber es knallt trotzdem rein und irgendwie wollte man das ja so auch nicht gehabt haben. also: restliebe her. während das sackmesser im rechten hosensack zuhause ist, stopft man die restliebe vorzugszweise ins portemonnaie, damit sie nicht verloren geht, grad hinter dem alten pariser, man weiss ja nie, so wie jetzt, da ist man froh um einen emotionalen fallschirm, auch wenns nur ein notfallschirm ist und löchrig wie der präser daneben, aber immerhin ist noch was übrig von dieser restliebe, die kann man dann der frau hinstrecken, während sie sich so im freien fall befindet. vielleicht noch mit einem „lass uns freunde bleiben“ hinterher. die frau wird sich ihnen zu füssen werfen und danken für die barmherzige geste.www.blick.ch/people-tv/schweiz/ er-hat-noch-restliebe-fuer-mich-id1894069.html

dummer blick, teil 1 Freitag, 22. Juni 2012, 11:28 Von Dr. Rainer Kuhn. teil 2 meiner reihe „viel blöder können die texte beim blick ja nicht mehr werden. oh. doch...“, heute mit dem wortspiel „augenbrauen - zusammenbrauen“. dass dieser murcks überhaupt möglich wurde, brauchte man eine geschichte dazu. und die ist noch fast blöder als der titel. da hat einer, der die mister-wahl moderiert, in einem interview gesagt, dass er gezupfte augenbrauen bei männern nicht sehr natürlich finden würde. und die buchstabenvergewaltiger an der dufourstrasse sagten sich: „ahaaa! die rigozzi moderiert doch auch. und der mann von der rigozzi zupft sich die augen-

brauen. bingo! wir haben die geschichte, wir basteln da einen konflikt“, und sie holten den setzkasten raus und würgten in bester teutonen-manier einen flachen furz

aufs papier. dabei kommt mir in den sinn, dass der michael ringier mal gesagt hat, der blick sei qualitätsjournalismus. naja.

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Das Sex-StandpaukenSelbstgespräch! Freitag, 18. Mai 2012, 09:22 Von Dr. Marianne Weissberg Marianne Weissberg 1 (MW1): Vielleicht ist dir dann doch mal langweilig genug, um mit dem Sexratgeber, auf den der Verlag wartet, anzufangen? Marianne Weissberg 2 (MW2), im Badezimmer seelenruhig ein Pflästerli für den genesenden Finger mit den Nagelscherli zurechtschnippelnd: Vielleicht, vielleicht auch nicht…, denkt nach: Und überhaupt, jetzt sind ja alle verschwunden, und ich habe keinen Sex mehr, wie und was soll ich da schon schreiben? MW1: Jetzt gehen wir mal an den Schreibtisch und machen den Compi an! MW2, hinterherschleichend: Jetzt kommt aber sowieso gleich der SwisscomMonteur, vielleicht sieht er ja gut aus… MW1: Schpinnsch! MW2, blickt ans Sofa, das nach dem letzten Tätatät zwecks seriöser Absichten etwas umdekoriert wurde, um jetzt seriöser zu wirken: Ich brauche erst mal einen Kafi! MW1: Super, so geht das schon den ganzen Tag lang, kein Wunder gehen wir bald pleite! MW2, jetzt seelenruhig Kafi zubereitend, dann minutenlang hustend: Gsesch, will du mich so hetzisch, han ich jetzt so än Hueschteafall!! – dann an Tisch schlendernd, Compi anwerfend, schlürft Kafi und blickt aus dem Fenster, tscheggt dann erst mal eventuelle, neue Mails: Ou, vom EWZ, ich bekomme ein Geschenk für die erfolgreiche Teilnahme am Smartmetering-Testprogramm, aber denen habe ich doch neulich gesagt, die Umfrage sei hirnrissig und blödsinnig und drum gleich wieder abgebrochen, wieso bekomme ich jetzt ein Geschenk?,- klickt auf die Geschenkauswahl: So ein Scheiss, lauter Stromsparglühbirnen, wer will denn so einen Scheiss??, keine Frau will so einen Scheiss, haben die keine Taschen? MW1: Zurück zum Ratgeber… oder wie wäre es, wenn du dich als Ersatz für die gestorbene Blick-Sexratgeberin bewirbst, sowas könntest du doch sicher super! MW2: Schtimmt, als ich las, dass die tot ist, dachte ich gleich: sofort bewerben, aber ich habe keine Supportanlaufstelle beim Ringier mehr, alle gefeuert und durch Deutsche ersetzt und die nehmen keine Jüdin! MW1: Sowas darfst du ja nie laut sagen! MW2, jetzt doch mal das Blick-Impressum googelnd: Da, der Scheff, der hat so einen komischen Doppelnamen, nur schon das macht müde…. Gähnt MW1: Nicht schlaff machen, es ist erst 13.58! Wie wäre es mit einem neuen, trendigen Äpproutsch für den Sex-Ratgeber, zum Beispiel, dass Sex nur mit Liebe schön ist?, das erwartet niemand von dir, die denken alle, du empfiehlst total enthemmten, absolut unarischen Sex, so dass alle Männer ihre faden Schicksen verlassen und nur dich belagern! MW2, keckert resigniert: Siehst du hier einen einzigen Schwanz herumstehen? Es ist doch so, kriegen sie Sex, hauen sie danach ab, kriegen sie keinen, hauen sie auch ab. Und die, die das hier lesen, sagen: wenn alle abhauen, hat das sicher gute Gründe. Genau sowas hat einer kürzlich gesagt, Frechheit. MW1: Dann schreib halt nicht immer auf und hin, was man dir dann vorwerfen kann, aber dieser neue Äpproutsch mit dem Liebe-Sex, das macht dich sehr sympathisch. MW2: Genau, ich sage also, das neue Patentrezept für ewiges Glück im Bett ist Sex mit Liebe, denn so hätten es schon meine Grossmütter erfolgreich gemacht, oder? MW1 denkt nach, betrachtet das Foto ihrer Oma väterlichseits: Aber die hatte auch einen abgängigen Gatten, also geht das mit dem Gränny-Liebe-Sex als Trendbeispiel irgendwie nicht… MW2, kratzt sich am Hals: Män-

ner!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, steht auf, bringt leere Tasse in die Küche, mustert Nachbarin’s Zwetschgenstreuselkuchenstück, dann eine neue Bauchspeckrolle, verzichtet seufzend: Wenn ich mich weiter gehen lasse, kriege ich nie mehr einen ab. MW1: Wie wäre es, wenn du mal einen Monat lang Männer-Ramadan machst, du hast Freundinnen, die wollen gaaar nichts mehr von Männern und Sex wissen, du denkst jede Minute daran. MW2: Jede Sekunde, aber schau doch mal diese Frauen an, sie werden frustriert, fett, formlos, also nein, ich habe vor, bis zu meinem Tod Frau zu sein und kein Ding, das sich aufgegeben hat! MW1: Jetzt sind die dann auch noch sauer auf dich, wenn die das lesen und dann hast du nur noch deine FB-FreundInnen, die…. MW2, schon auf Facebook wechselnd: Mal luege, was die so machen… MW1: Sofort retour, jetzt mache ich mal eine Liste für dich: Blick-Scheff anrufen, ein Kapitel von „Goj-Chicks can’t fuck! Oder wie Sie den garantiert unkoschersten, versautesten Sex Ihres Liebes-Lebens geniessen“ schreiben und… MW2 unterbricht heulend, weil sich an ein Fallbeispiel erinnernd: Ach -X, mit dir hatte ich den zweitschlechtesten Sex meines Lebens und doch vermisse ich dich!! MW1: Moment mal, dann gibt es ja noch eine dritte Möglichkeit, er haut also ab, weil der schlecht war und du ihm das auch noch ins Gesicht gesagt hast? MW2: Ja, wie blöd war das denn! Hätte ich doch bloss die Klappe gehalten und zig Orgasmen gefaked, auch weil er handwerklich so geschickt war, dann hätte er noch meine Garderobe montiert und überhaupt war es lustig mit ihm… MW1: Moment, er hat neben dir auch noch drei andere gevögelt, was du nicht wusstest, oder? MW2: Stimmt, die haben ihm sicher nie gesagt, dass er schlecht im Bett ist und haben ihn jetzt noch bei sich! MW1: Genau das ist es, Schicksen nörgeln nie im Bett, weil sie gar nicht merken, wenn es schlecht ist, weil sie auch schlecht im Bett sind, darüber musst du schreiben! MW2: Und drum kriegen die alle Männer und nicht so eine wie ich, die die Klappe nicht halten kann, jetzt verreisse ich das hier aber ganz schnell wieder, damit das niemand liest! Hoffentlich kommt der Swisscom-Monteur bald – wirft noch eine Handvoll dickmachendes Studentenfutter ein – jetzt ist sowieso schon alles egal! MW1 ist ausnahmsweise selber Meinung: Jetzt machst du noch ein Foti von der GojChicks-Kolumne aus der Print-Ausgabe*, dekorierst mit Studi-Futter, das sieht kreativ aus, dann kannst du das hier grad als nächste Kolumne brauchen und hast heute doch was geschafft! MW2 tut wie geheissen, räumt dann auf, da klingelt das neue Smartphone, dran der Swisscom-Monteur, der noch an der Langstrasse etwas richten müsse: Kommen Sie vorbei, wenn sie fertig sind. – rast ins Badezimmer und legt Lippenstift auf und bürstet die Locken locker auf. MW1: Da schliesst sich der Kreis, jetzt ist sie schon wieder im Badezimmer schtatt am Schreibtisch. – seufzt und löst sich in Luft auf.Foti: von mir, zwar künstlerisch wertvoll, aber nicht lesbar, drum hier der Link zum gut Lesbaren: www.kult.ch/article. php?article_id=3761


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DR. ISLER EMPFIEHLT: Komm, wir basteln uns einen Eurovision-Mutanten Dienstag, 29. Mai 2012, 16:39 Von Dr. Kaspar Isler Seit Jahren versucht die Schweiz am Eurovision Songcontest zu reüssieren – und erhält dafür den Mittelfinger als Quittung. Höchste Zeit also, dass die Forschungsabteilung der kult-Doktorenschaft eine wissenschaftlich fundierte Lösung präsentiert. Der Grundgedanke ist simpel: Wenn man alle Punkte der vergangenen Dekade summieren würde, müsste das doch vorig für einen Sieg reichen. Sprich man seziere die ESC-Auftritte der letzten zehn Jahre, amputiere jeweils das Beste, was sie einzeln zu bieten hatten und erschaffe daraus den Schweizer Superkandidaten 2013. Wir packen in unseren DNA-Koffer ein... 2002: Francine Jordi mit Dans le Jardin de mon ame ...die kecken Blüemli auf dem Busen. Schliesslich gedeiht im zweihöckrigen Lustgarten heuer sogar der Ast vom Florian. 2004: Piero Esteriore + The Musicstars mit Celebrate ...das überdurchschnittliche Aggressionspotential des Protagonisten. Offensichtlich weiss der Bub, wie man vermeintlich verschlossene Türen öffnet. 2005: Vanilla Ninja mit Cool Vibes ...die unterschwellige StrassenstrichErotik.

2006: Six4One mit If We All Give a Liittle Hier widerspiegelt sich der Grundgedanke unseres Projektes. Aus vielen Tomaten muss sich doch ein schmackhafter Salat zubereiten lassen. 2007: DJ Bobo mit Vampires Are Alive ...der homoerotische Transport tiefschürfender Emotionen. 2008: Paolo Meneguzzi mit Era Stupendo ...die südländische Fähigkeit es talentfrei bis nach ganz oben zu schaffen. Die italienische Politik macht es seit Jahren eindrücklich vor. 2009: Lovebugs mit The Highest Hights ...die nötige Portion Rock, also Pop, also Pop-Rock, also ja. 2010: Michael von der Heide mit Il pleut de l‘or ...den Mut sich in diesem Aufzug auf eine Bühne zu stellen. 2011: Anna Rossinelli mit In Love For A While ...die Taktik einfach mal die Siegerin des Vorjahres zu kopieren. 2012: Sinplus mit Unbreakable ...den Beweis, dass man beim ESC englische Songs vortragen kann, auch wenn man nicht fähig ist, auch nur ein einziges Wort des Textes korrekt auszusprechen. Eigentlich wollten wir Ihnen an dieser Stelle erstmalig und stolz das Produkt

durchgezechter Labornächte präsentieren. Leider mussten wir jedoch feststellen, dass uns unsere finnischen Kollegen bereits zuvorgekommen sind - und mit Lordi 2006 den Eurovision Song Contest für sich entschieden haben. Wir haben somit leider keine Verwendung mehr für unseren ESC-Mutanten. Wer bereit ist, den kleinen Racker bei sich aufzunehmen, der möge sich bei der kult-Redaktion melden. Leider kann er weder singen noch tanzen, steht optisch im Dauerregen und leidet unter massiver Selbstüberschätzung. Zudem sollte er stets an der Leine geführt werden, da er Ihnen sonst wöchentlich einen zweitklassigen Fotografen ins Haus schleppt, der ihn barfuss in der Badewanne ablichten will. Sollte sich binnen zwei Wochen niemand bei uns melden, werden wir ihn in einem Bastchörbli vor die Tore der Glückspost stellen. Noch erschreckender als das Scheitern unseres Projektes, ist die Einsicht, dass es ohnehin nicht funktioniert hätte. Denn – Achtung kein Witz – addiert man die an die Schweiz vergebenen Punkte der letzten zehn Jahre, kommt man auf eine Summe von 363 Punkten. Zum Vergleich: Vergangenes Wochenende gewann Schweden mit einer Punktzahl 372 Punkten. Denken Sie einmal darüber nach

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August 2012

partylöwen der woche

Montag, 18. Juni 2012, 17:36 Von Dr. Alex Flach. Einmal mehr ein Foto,

bei dem man nicht weiss, wo man anfangen soll. Bei den Beiden rechts, weil

sie die Sonnenbrille im Club auf lassen (wobei es umstritten ist, ob es sich beim Halligalli in Winterthur überhaupt um einen Club handelt)? Oder bei ihm in der Mitte, der ein wenig aussieht wie ein Hodenei zwischen zwei Medizinbällen? Oder bei dem ganz rechts, der die famose Eingebung hatte, einen schwarzen Schal zu einem schwarzen Shirt zu tragen? Oder bei ihm links, weil „look like a farmer, behave like a rapper“? Oder weil vielleicht beim Handzeichen selbst, indem wir uns fragen, was es bedeutet?...scheint uns die beste Wahl zu sein. Wir hätten dann mal folgende Tipps: - Ich/du bin/bist ein Arschloch - Ich weiss nicht wie das Okay-Zeichen geht - Morgen früh und wenn ich mit ihm fertig bin ist die Rosette von dem in der Mitte SO weit - Ich will auch eine Sonnenbrille, kann mir aber keine leisten, also versuche ich mit seltsamen Handzeichen cool zu wirken

10 Bemerkungen, die Ihnen zu denken geben sollten, bevor Sie in ein fremdes Auto steigen

Mittwoch, 13. Juni 2012, 08:44 Von Dr. Henrik Petro. 1. Bis jetzt hatte ich noch bei jedem Unfall riesiges Schwein! 2. Kannst Du mal unter deinem Sitz nach-

schauen, ob da nicht noch ein paar Herztabletten rumliegen? Nein?? Shit... 3. Willst Du nicht 30 Franken mehr verlangen? Immerhin sieht der Typ recht

schmuddelig aus. 4. Achhhssschhheissdraufff... ichfffffahr einfffach schneller, dann sssin wir auch schneller sssuhause, oder?.... hicks! 5. Im Kofferraum riechts zwar etwas nach Auspuffgasen, aber es sind ja nur zwei Stunden, bis wir über die Grenze sind. 6. Was, Du bist noch nie eine vollkrassen illegal Strassenrennen gefohren, Mann? 7. Sollte im Rückspiegel ein schwarzer Van mit schwarz getönten Scheiben auftauchen, dann unbedingt anschnallen, gut festhalten – und beten! 8. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich nicht so viel rede. Ich habe gerade erfahren, dass meine Frau mich unsere ganze Ehe hindurch mit meinem besten Freund betrogen hat und dass meine vermeintlichen Kinder in Wahrheit von ihm sind. Jetzt will ich einfach alles nur so schnell wie möglich hinter mir lassen. 9. Wie gut triffst Du Ziele aus einem fahrenden Auto? 10. Vergiss dein Date, am Ende der Reise warten auf dich 77 Jungfrauen!

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Jedem Goof sis Loch im Chopf! Montag, 11. Juni 2012, 09:08 Von Dr. Marianne Weissberg. Auch schon aufgefallen: Keine Teppichratte zu klein, um nicht behelmt zu sein. Kaum können sich die Babies im Bettli umdrehen, kaum sind sie als Goofen im Freien, müssen sie einen Helm aufsetzen. Und sehen dann wie Mini-Darth-Vaders aus, die nichts sehen können, weil der lächerliche RiesenHelm die Sicht behindert. Drum fliegen sie dann noch viel mehr auf die Schnurre als früher, als die Goofen noch putzmunter unbehelmt unterwegs waren. Kürzlich war ja eine Story im Tagi, in der erzählt wurde, dass zwei Mini-Geschwister in der Kinderaufbewahrungsstätte von einem Mini-Trampiauto plumpsten und sich dabei äs bizeli verletzten. SIE HÄTTEN EBEN NICHT, WIE DER KRIPPE BEFOHLEN, IHRE HELME GETRAGEN! Sofort wurden die Krippen-Domestiken zusammengeschissen und die empörten Eltern meldeten sich beim Tagi, wo der Skandal prominent publiziert wurde. Man hätte ja stattdessen simpel und einfach die Kopf-Löcher flicken und den ominösen Plastik-Ferrari entsorgen können, z.b. nach Afrika, wo die Kinder sicher noch ohne Helm herumdüsen dürfen. Hallo spinnt jetzt die Abteilung, die sich zwecks Amüsement Kinder hält? Ich meine so ein Loch im Kopf braucht jeder Goof, um ein richtiger Goof zu sein. Ich erinnere mich, wie ich selbst x Mal zusamengeklammert wurde, entweder weil mir ein Gschpänli etwas anschmiss oder weil ich vom Baum plumpste. Und auch mein Nachwuchs hatte so das eine oder andere Loch im Kopf. Und dann gab es, wenn man tapfer gewesen war, was man nicht war, sondern wie am Spiess brüllte, nachher ein Glassé oder ein Billet fürs Kinderkino im Winterthurer Volkshaus (ich). Und irgendwie wurde man erwach-

sen und konnte dann im grossen Leben, da, wo man wirklich mit hartem Geschütz angelöchert wird, antreten. Empfehlung von Mutter Weissberg: Am besten steckt man die Goofen in ein Ganzkörperhelmkondom oder wirft sie nach neun Monaten Tragezeit schon gar nicht mehr aus, dann kann gar nichts mehr passieren, oder? Fotis dänk vom Internet: aus kleinen, unschuldigen Darth Vaders werden später grosse, böse Helm-Trullas - also gut, ich gebe zu, ich habe keine besseren Bildli gefunden, aber ich muss jetzt schnell meine ausgebüxte, unbehelmte Haushündin suchen...

Aktenzeichen C-Promi ungelöst: Kennen Sie diesen Mann? Donnerstag, 14. Juni 2012, 09:09 | Von Dr. Kaspar Isler. Im Rahmen einer dringlichen Fahndung, bittet die Kantonspolizei Glarus um Ihre Mithilfe: Nach einem rund einjährigen Raubzug von zweistelligen Sponsorenbeträgen und mundgerechten Häppchen, ist A.R. über Nacht untergetaucht. In der Unterwelt hört der Gesuchte auf den Decknamen «Der Zimmermann». Sein Rücken ziert ein, für ländliche Gegenden, typisches Dorfbanden-Tattoo (s. Fahndungsbild links). Wie Sie auf dem Fahndungsbild (rechts) erkennen können, ist er geschätzte 120 Zentimeter gross, hat bemerkenswert inexistente Oberschenkel und trägt ungefähr Schuhgrösse 88. In unregelmässigen Zeitabständen taucht A. R. in Zürcher Badeanstalten auf, wo er ahnungslose Gäste mit dem Service orientalischer Heissgetränke gefügig machen will. Vor dem Konsum eben dieser Substanzen wird eindringlich abgeraten. Der eigens für diesen Fall ins Leben gerufenen Task-Force sind mehrere Betroffene bekannt, die sich am darauffolgenden Morgen in einem selbstgezimmerten Holzbett in der zwielichtigen Zigerschlitz-Gegend wiederfanden. Besonders perfide: A.R. dokumentiert seine Taten fotografisch

dummer blick, teil 2 Donnerstag, 21. Juni 2012, 18:43 Von Dr. Rainer Kuhn. der blick war ja noch nie besonders hochstehend. muss auch nicht, kann ja schliesslich nicht grad jede zeitung so gehaltvoll wie die kultzeitung sein. aber seit ein paar monaten sinkt das textniveau des ehemaligen bingo-blattes ins bodenlose. und zwar so oft, dass ich

und macht diese sogar der Öffentlichkeit zugänglich. Da sich der Gesuchte mit immer wieder neuen Gesichtsfrisuren tarnt, fällt eine eindeutige Identifikation schwer. Auffallend ist jedoch, dass er auch im Wasser mit einem Badetuch bekleidet ist (s. Fahndungsbild rechts). Gerüchten

zufolge hält sich die Zielperson derzeit in einer provisorischen Behausung am Gipfel des Kilimandscharo auf. Sollten Sie ihm dennoch in heimischen Gewässern begegnen, bewahren Sie Ruhe und verständigen Sie unauffällig die nächstgelegene Lokalredaktion.

hier locker eine tägliche rubrik machen könnte. wenn ich nicht schon jetzt wüsste, dass es mir schnell mal zu blöd werden würde. aber ich fang mal an mit teil 1: „.... das ging in die FranzHosen...“ kommt mir nur eins in den sinn: „wollnwer ne reinlase?“ tataa-tataa-tataa....


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Pump it up alter Knabe Donnerstag, 7. Juni 2012, 09:14 Von Dr. Midi Gottet. Mit einer gehörigen Portion Ungewissheit betrat ich meinen Lieblingsveloladen „Backyard“ in Zürich. Im Eingangsbereich wartete ein knallgelbes „Price Dirt Jump“ schon ganz ungeduldig darauf von mir auf dem Pumptrack misshandelt zu werden. Roger vom Backyard, der mich am Telefon schon mit Häme überschüttete, übergab mir das gelbe Geschoss mit einem breiten Grinsen. Ich war mir sehr wohl bewusst, dass ich für den Pumptrack rund 30 Jahre zu alt war aber das muss ja nicht heissen, dass ich mich gleich in Lebensgefahr begeben würde. Oder doch? Eingeschüchtert und angstgeschwängert tuckerte ich auf meinem gäggeligälen Velo, wie die Christel von der Post, durch Zürichs Kreis Cheib. Vergeblich suchte ich nach einer Gangschaltung. Aber hey, zumindest haben sie die Bremsen nicht vergessen. Die nach Hinten hängende Geometrie des Dirt-Bikes und der tief gelegte Sattel gaben mir das gewisse Easyrider-Feeling. Allmählich beruhigte ich mich und eine unerklärliche Zuversicht machte sich breit. Das Gitarrenriff von „Born To Be Wild“ summend erreichte ich den Limmatplatz und kämpfte mich eingängig den Berg hoch, zur Kronenwiese. Und da war er also, der Pumptrack, den ich mir heute noch zum Freund machen sollte.

Der 14-jährige Josiha (Tschoseia ausgesprochen) trat schnurstracks auf mich zu und streckte mir die Hand hin. Er war kleiner als ich ihn mir am Telefon vorgestellt hatte aber wo steht geschrieben, dass ein Pumptrack-Fahrer gross gewachsen sein muss, ist ja kein Basketball hier - aber ich schweife ab. Josiha hatte sich im Vorfeld dieser Kolumne grosszügigerweise bereiterklärt, mir einen Crash-Kurs im pumpen zu verpassen. Vielleicht hat er ja auch nur was ausgeheckt und als Strafe musste er einen älteren Herren für eine Stunde babysitten. Aber Josiha machte nicht den Eindruck eines schwierigen Teenagers. Im Gegenteil. Seine aufgeschlossene und freundliche Art liess darauf schliessen, dass er das hier aus Liebe zu seinem Sport macht, den er mir auch gleich näherbringen wollte. Das Ganze erinnerte mich etwas an „Karate Kid“. Nur war ich das Kid und er war Mr. Miyagi. Ohne Schnörkel und langweilige Erklärungen, nahm er mich gleich mit auf eine kleine Holzrampe im inneren Teil des Tracks. Damit ich in dem Wirrwarr aus Hügeln und Steilwandkurven überhaupt weiss wo ich durchfahren sollte, drehte Josiha mal kurz eine Runde auf dem Anfängerloop, den Roger vom Backyard später abschätzig als Chicken-Run bezeichnen sollte. Danach zeigte mir Josiha, welche Position man auf dem Dirt-Bike vorzugsweise einnimmt um so stabil wie möglich zu sein. Jetzt war ich an der Reihe. Als ich

auf der Startrampe langsam auf den fast senkrechten „Drop in“ zufuhr, ging mir der Hintern kurz auf Grundeis. Doch eine Sekunde später war ich schon unten und damit beschäftigt die Lenkstange nicht zu küssen und in den Steilwandkurven nicht die Kurve zu kratzen. Reflexmässig setzte ich mich zwischen den Kurven auf den Sattel. Schlechte Idee. „So geht gleich die ganze Dynamik verloren“, korrigierte mich Josiah. Ansonsten meisterte ich meine erste Runde ganz passabel und vor allem, ohne Sturz. Nein, man will auf einem Pumptrack nicht stürzen, denn das

Terrain ist pickelhart und überall warten kleine Hügel und Kanten, die einen möglichen Aufprall ziemlich unbequem bis schmerzhaft gestalten könnten. Um so mehr Respekt zollte ich deshalb Josiah und seinen Pumptrack-Pals Fabian, Lukas, Dani und dem 8-jährige Camillo, die um mich herum wie Sandflöhe durch die Hügellandschaft flogen. Josiha wollte jetzt an meiner mangelnden Kurventechnik feilen. Mein Fehler war, dass ich die Kurve zu spät ansetzte und so natürlich rausgetragen wurde. Um

die richtige „Linie“ zu erwischen fuhr ich eine Runde direkt hinter meinem jungen Lehrer und hatte auf diese Weise bald den Dreh raus. Ich profitierte von meinen alten Cross-Country-Qualitäten als Mountainbiker. Das Langzeitgedächtnis ist doch eine schöne Sache. Doch das pumpen ging mächtig auf die Pumpe. Nach drei Runden Nonstop kämpfte ich gegen einen drohenden Infarkt während Josiah nobel in die Ferne schaute um mich meine Lungenschmerzen ungestört aussitzen zu lassen. Nie hätte ich gedacht, dass man hier so ausser Puste geraten könnte. Bei den Kids sieht das alles so easy aus. Die fahren locker 15 Runden am Stück. Vom Bewegungsablauf her macht man hier eigentlich fahrende Dauerliegestützen. Später meisterte ich sogar noch den Einstieg von der grossen Startrampe und pumpte motiviert unzählige Runden. Keiner der Jungs gab mir als „Opa“ auch nur einmal das Gefühl, hier falsch zu sein. Wenn diese Jugend unsere Zukunft ist, bleib ich gerne noch etwas auf diesem Planeten. Josiah meinte, dass ich auf dem ersten Level alles draufhätte. Beim zweiten Level müsste man schon fliegen lernen. Und obwohl am Himmel gerade der Supermond stand und ich nur zu gerne wie E.T. durch die Lüfte geflogen wäre, verschiebe ich das zweite Level doch lieber auf mein nächstes Leben, wenn ich wieder 14 bin.

Das muss man haben

Play-A-Grill

Kult Babe of the Week Montag, 14. Mai 2012, 08:42 | Von Dr. Stefan Birri. party: believe location: amber, zürich. zuerich.usgang.ch/picture.php?n=522696&p=3737636

wird vom User über die Zunge gesteuert, die Musik wird direkt über die Knochen übertragen. „Das Geheimnis ist ein kleiner Motor, der an die Kopfhörerbuchse angeschlossen wird und mit der Frequenz des gerade abgespielten Musikstücks vibriert“, erläutert Chacin. Diese Vibration wird von den Zähnen des Users aufgenommen und über dessen Knochen an das Ohr weitergeleitet.

Mittwoch, 13. Juni 2012, 15:33 Von Dr. Henrik Petro Aisen Caro Chacin, Studentin der Parsons New School for Design in New York, hat den Prototyp eines speziellen

Mundstücks namens „Play-A-Grill“ vorgestellt, der den von Gangster-Rappern bekannten Diamant- und Gold-besetzten Zahnschmuck in einen voll funktionsfähigen MP3-Player verwandelt. Dieser

Die Bedienung des unkonventionell verbauten MP3-Players erfolgt über ein einfach gehaltenes Eingabe-Pad, das ein wenig an einen alten Nintendo-Controller erinnert und verkehrt herum - also mit den Tasten nach unten - verbaut worden ist. Dieses soll sich nach einiger Übung relativ einfach mit der Zunge steuern lassen.

SKANDAL DER WOCHE: Rickli leaks! Montag, 4. Juni 2012, 07:03 Von Dr. Kaspar Isler Guets Mörgeli, Haben Sie es schon bemerkt? Eine germanische Welle überrollt das Land. Längst geht das Süneli am Morgen hierzulande nicht mehr nur für uns Eidgenossen auf. Nein, die Gummihälse sind allgegenwärtig, servieren Getränke, liefern Pakete oder pflegen gar unsere Senioren. Nun wurde der kult-Redaktion ein brisantes Schriftstück zugespielt. Es enthält die psychologische Kriegsführungstaktik einer Gruppierung namens HODEN (Helvetien ohne Deutsche Nesträuber). Die Schweizer Terrorzelle, unter der Führung von Nathalie R. aus W., setzt dabei auf eine äusserst perfide Strategie, um die leidigen Migranten des Landes fernzuhalten. Dabei wird weder von Panzern, noch von Kampfjets Gebrauch gemacht. Nein, das streng geheime Dossier umfasst ein Zehn-Punkte-Programm linguistischer Langstreckenraketen.

Wir vom kult erachten es – trotz allfälliger juristischer Konsequenzen – als unsere Pflicht nachfolgendes Dokument zu publizieren, um die einheimische wie auch die deutsche Bevölkerung vor dieser schlagkräftigen Terrorzelle zu warnen: 10)Hee du dütsche Chabischopf, schwätz kä Bläch! 9) Potz Holzöpfel und Zipfelchappe, scho wieder so eine! 8) Ah sie chämmed us Dütschland? Du verbrännti Zeine! 7) Ab zrugg hei mit dir, aber wie s‘Bisiwätter! 6) Weisch was? Läck du mir doch am Tschööpli! 5) De und en Uniabschluss? Da seichsch in Ofe! 4) Und dini Chind häsch au grad mitbracht? Ja proscht Nägeli! 3) Namal en Dütsche? Ich glaub, ich schiiss en Igel! 2) Ihr sind fäng überall hey, es isch zum Rasierklinge brünzle!

und für besonders zerstörerische Kollateralschäden: 1) Ah du bisch e Dütschi? Da wird mer grad de Same flockig! Spätestens jetzt dürfte klar sein: Die Schweizer Fremdenfeindlichkeit gegenüber der deutschen Nation und die Personen dahinter müssen ernst genommen werden. Verbarrikadieren Sie Ihre Haustüren, meiden Sie ländliche Gegenden und folgen Sie um Himmels Willen keinen vermeintlich harmlosen Einladungen zum kollektiven Frühstück auf einem Bauernhof.


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Reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: wmf.

Inferno

Donnerstag, 7. Juni 2012, 11:13. Von Dr. Reinhold Weber. So scharf könnte Werbung heute noch sein.

Freitag, 22. Juni 2012, 15:45 | Von Dr. Dominik Hug. Die Angst vor dem Ende des Millenniums war gross. Alle Computer werden abstürzen und die Welt wird elendiglich vor die Hunde gehen. Musste auch Jean-Claude van Damme gedacht haben, als er sein letztes Werk des 20. Jahrhunderts gedreht hat. „Inferno“... Inhalt: Irgendwo in der Wüste Nevada liegt Inferno, ein kleines und dreckiges Kaff, welches von zwei rivalisierenden Banden regiert wird. Eddie (Van Damme) hat echt die Scheisse an den Füssen kleben, bleibt sein Motorrad ausgerechnet auf den Strassen dieser trostlosen Gegend liegen - und wird der Gute zudem noch beinahe gekillt, als die Ryker-Gang ihm die Harley und sein Leib und Gut abnimmt. Doch mit einem kickenden und schiessenden Ex-Soldaten namens Eddie Lomax ist definitiv nicht zu spassen... Die Karriere des kickenden Belgiers JeanClaude Van Damme war in den späten neunziger Jahren ziemlich ins Stocken geraten. Der letzte Achtungserfolg „Double Team“ war bereits einige Jahre her und der Mann mit dem ewigen Spagat musste sich langsam neu orientieren. Für sein letztes Werk im alten Jahrtausend wollte Van Damme ein Werk auf den Tisch knallen, welches qualitativ wohl eines seiner besten sein sollte. Er holte „Rocky“-Regisseur John G. Avildsen an Bord, Kult-Mexikaner Danny Trejo und der inzwischen leider verstorbene Noriyuki „Pat“ Morita. Gedreht wurde in der Mojave-Wüste Kaliforniens.

Auch storytechnisch wollte Van Damme Grosses leisten. Das Werk macht keinen Hehl daraus, eine Anlehnung an „Für eine Handvoll Dollar“ oder „Yojimbo“ zu sein. Letztgenannter wird im Verlaufe des Films sogar erwähnt. Doch, ist „Inferno“ es wert, zusammen mit diesen Klassikern in einen Topf geworfen zu werden? Es dauerte eine Weile, bis Jean-Claude Van Damme sich einige Grundbegriffe des Schauspiels beibringen liess. In den Neunzigern war dies definitiv noch nicht der Fall. Van Damme spielt im vorliegenden Werk die typische JCVD-Figur, ein Abziehbild seiner Vorgängercharaktere. Dies muss jedoch nichts schlechtes sein, erwartet der Actionfreund eigentlich genau das, was der Belgier uns hier geboten hat. Null Schauspiel, eine grosse Klappe und das testosterongetränkte Auftreten eines europäischen Übermachos. Bestes Beispiel hierfür die Sexszene mit den beiden blonden Tussen, die Lomax spontan nach einer Prügelei abgreift. Fickt er doch gerade Blondine Nummer Eins, kommt Blondie Nummer Zwei ebenso ins Schlafzimmer und er runzt ihr umgehend ein gestöhntes „Hey, you‘re next“ entgegen, dies natürlich in allerbestem Belgier-Englisch. So ein Leben muss man(n) führen. Danny Trejo und Pat Morita sind in diesem Film eigentlich verschenkte Ware. Hat Trejo zumindest noch einen für die Story relevanten Charakter, ist Morita wohl nur in den Film geschrieben worden, weil Regisseur Avildsen einen freundschaftlichen Draht zu Morita gehabt ha-

ben könnte, haben die beiden doch auch eine gemeinsame Vergangenheit („Karate Kid I - III“). Mit an Bord sind ebenso die B-Movie Schönheit Jaime Pressly - ausnahmsweise mal nicht im Nervmodus und der inzwischen ebenso verstorbene Ford Rainey. Eigentlich ein Cast, der sich mehr als nur etwas sehen lassen kann. Doch ein namhafter Cast kann in diesem Fall die Schwächen eines Scripts und den unklaren Tonfall des Films nicht wettmachen. Der Film funktioniert beinahe als Komödie mit teils härteren Szenen. Jedoch empfand ich den Film nicht als witzig oder lustig, sondern eher als peinlich. Hätte der Film eine richtig harte Gangart gefahren, wäre dies vielleicht wirklich eine B-Perle geworden. Welche Lehren können wir aus „Inferno“ ziehen?

Na, wieder zuviel auf schlüpfrigen Sites rumgesurft? Donnerstag, 21. Juni 2012, 13:53 | Von Dr. Midi Gottet. Denn, das Auge ist ein Gewohnheitstier.

1. Jeder darf mal einen schwachen Tag einziehen (John G. Avildsen). 2. Rettet man zwei blonde Frauen aus den Klauen einer Gang, darf man mit wildem Sex belohnt werden. 3. Der Geist des verstorbenen besten Freundes auf seiner Harley davon fahren sehen, ist absolut kein Anzeichen für einen Gehirntumor. 4. Nicht jeder günstige Film ist seinen Kauf auch wert... Fazit: Wer seine Van Damme-Sammlung komplettieren möchte, für den ist „Inferno“ natürlich ein Muss. Für einen perfekten Actionabend aber ungeeignet. Zu schwach ist dieses Werk.

In der Nacht Mittwoch, 9. Mai 2012, 14:35 Von Hans-Jürgen Hilbig die bahnhofsglocke läutete er wunderte sich er sah ihr in die augen sie aß ein würstchen trank ein kaffee alles sah so leicht aus wie macht man so eine glücklich fragte er sich die bahnhofsglocke läutete ein zug fuhr ein das war vor hundert jahren lachte er er trug damals den ersten bart er fragte sie woher hast du den kaffee sie zeigte auf einen mann mit dunklen hautflecken auf der brust der verkauft ihn aber er schmeckt nicht er war fasziniert von ihr (so heißt es doch) er sagte wohin fahren sie fragen sie lieber woher ich komme

das klingt anspruchsvoller er legte seine worte in ihren mund das war nicht einfach wie findet man so eine frau fragte er sich die bahnhofsglocke läutete es waren die jahre sie gingen fort er schnappte nach luft sie stand neben ihn aß ein würstchen die augen rief er es sind immer noch dieselben augen es sind hundert jahre vergangen mein bester wir sind schon lange tot und der kaffee fragte er dort hinten kaufen sie sich einen es lohnt sich wohin geht so eine fragte er sich die augen sind es sagte er sich die augen sie grub ihre finger in den becher ist kalt hier meinte sie wir sind auf verlorenen posten meinte er

ängstige dich nicht …tröstete sie ihn sie lachte beinah wie sieht sie wohl aus wenn sie lacht die bahnhofsglocken ein paar soldaten öffneten die türe kamen rein sahen alle plötzlich aus als könnten sie alles ermessen die luft war dicht so dicht wie der abgrund sie trank kaffee das würstchen war verschwunden das licht war zu grell der ganze bahnhof schien umzingelt die nacht sagte sie habe ich geträumt wir zwei hätten uns in ein und denselben gedanken verloren er blieb stumm seine augen versuchten zu sehen sind wir wirklich tot fragte er ja sagte sie komm wir gehen Kommentar schreiben | Auf Facebook teilen |

Die kleinen Fragen des Alltags Vol. 1 Freitag, 19. März 2010, 14:17 Von David Hugentobler Wenn man Zeit totschlägt, kommt man dann ins Gefängnis? Dürfen Vegetarier auch Schmetterlinge im Bauch haben? Wenn man seiner Freundin den Laufpass gibt, muss man dann damit rechnen, dass man ein Eigentor schiesst? Darf man das Vertrauen, das einem geschenkt wird umtauschen, wenn es einem nicht gefällt? Wenn man sich in Grund und Boden schämt, braucht man dann eine Baubewilligung vom Tiefbauamt? Kann man ein gebrochenes Herz der Versicherung melden? Wenn man sein Auge auf ein schönes Ein-

familienhaus geworfen hat, ist man dann ein Vandale? Was bekommt man, wenn man in einem Striplokal eine Stange bestellt? Wenn einem Jemanden einen Bären aufgebunden hat, muss man dann mit Rückenschmerzen rechnen? Wenn der Wetterbericht Föhn voraussagt, kann man dann am nächsten Morgen mit nassen Haaren aus dem Haus? Wenn Sie sich aber lieber die grossen Fragen des Lebens stellen und Sie diese noch lieber beantworten wollen, dann sei Ihnen die Aktion für ein kluges Zürich empfohlen: www.klugeszuerich.ch www.facebook.com/pages/Aktion-fur-ein-kluges-Zurich/63188003675?ref=nf


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Battle Royale

Rache macht reich!

Montag, 30. April 2012, 12:26 Von Dr. Marianne Weissberg. Wieso immer selber dichten & rächen, wenn andere

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das zum selben Themenkreis noch viel schöner und nun ja, fieser für Frau Weissberg erledigen? Und auch wenn das gute Stück schon weg ist, könnte man sich inspirieren lassen für ähnliche Aktionen. So ein Erinnerungsstück wie eine Socke, eine Unterhose und ja, sogar seine/ihre Uhr, hat man ja danach immer irgendwo herumliegen und kann es verhökern, statt wütend anzustarren oder schlimmer wie eine Relique zu verehren oder noch schlimmer gar gratis zu entsorgen: Here, meine Lieben, we lesen: www.ebay.de/ itm/180867591049#ht_622wt_1189

Gute Gene. Freitag, 11. Mai 2012, 09:21 Von Dr. Henrik Petro. Verdammt: Dave Gahan wurde am 9. Mai 50 - und sieht aus

wie 35! Das beweist: dieses Heroin wirkt einfach besser als Botox!

Mach mir den Schettino Mittwoch, 9. Mai 2012, 09:09 Von Dr. Midi Gottet. Das Saffa-Inseli hatte für kurze Zeit ihre eigene kleine „Costa Concordia“ als Sehenswürdigkeit zu bieten. Und für einmal kam ich mir in meinem gemieteten Pedalo, welches ja sonst nebst einer Luftmatratze zur niedersten Verkehrs-Kaste auf dem Zürisee zählt, so richtig überlegen vor. Der vermeintliche Bootsbesitzer des

„Auflaufmodels“ (sorry, konnt ich mir nicht verkneifen) verwies mich, während ich den Paparazzi gab, schroffen Wortes hinter die Bojen. Ahnte er wohl, dass sein Bild bald als langweiliger Post in einem klicklosen Blog zur Schau gestellt wird. Oh, wie recht er doch haben sollte. Ahoi, mein gestrandeter Seeräuber. Eine Backpfeiffe für die zu enge Backbord-Schleife.

Montag, 14. Mai 2012, 13:13 Von Dr. Dominik Hug. Die Buchverfilmung „Die Tribute von Panem“ ist zur Zeit in aller Munde. Vorurteilsbehaftet wie ich nach Trailer und ersten Kritiken bin, hab ich mir diesen, meines Erachtens für das Twilight-Publikum konzipierte, Streifen noch gar nicht angeschaut. Da greife ich doch lieber zu dem schon zwölf Jahre alten „Battle Royale“. Inhalt: Im totalitären Japan der Zukunft herrscht Chaos und Arbeitslosigkeit. Eine zufällig ausgewählte Schulklasse wird auf eine einsame Insel verfrachtet und gezwungen das Battle Royale zu spielen. Ziel des Spiels: Nur ein Schüler darf die Insel lebendig verlassen... Takeshi Kitano ist schon ein etwas schräger Typ. Erinnert sich noch jemand an seine Show „Takeshi‘s Castle“? Krank, aber irgendwie spassig. Kitano ist aber weit mehr als nur der Host einer trashi-

Du, die halbe Miete und der Wein. Donnerstag, 3. Mai 2012, 09:56 Von Dr. Vanessa Kunz. Wenn du mal den gefunden hast, mit welchem du zum ersten Mal weit, weit weg gehen würdest, ohne jemals zurückzukommen, einfach so, weil’s stimmt, ist man grundsätzlich sicher bis zum Schluss. Bis es dann fertig ist. Das Spiel. Das Hin und Her, das Brot mit Gonfi, der Sonnenuntergang, das für Immer und Ewige. Auch wenn’s nur der eine Moment ist, der für immer und ewig bleibt. Später macht man dann was anderes. Geht zu Beduinen, zeichnet Strichmänner auf Stein, nimmt die gute Flasche Rotwein und setzt sich in den Sturm. Nur mit sich. Dem Wind und Sand, Fuss drin, Brust draussen, Herz offen, 30 Meter weiter vorne wird ein Rind geschlachtet. Ein schönes. Ganz in weiss. Weiter suchen, nach für immer und ewig. Das werden wir tun ja. Irgendwann haben wir’s dann gefunden. Super. Und dann kommt das Thema mit damals. Oder sonst ein Thema. Mit zu viel Sofa, zu wenig Kuss und Kinder. Man macht wieder was anderes. Geht zu Beduinen, zeichnet Strichmänner auf Stein, nimmt die gute Flasche Rotwein und setzt sich in den Sturm. Bis zum Schluss. Bis Freunde tot sind. Männer tot sind. Frauen tot sind. Hoffnung tot ist und man sich fragt, wieso man die Zigarette vom Vorabend nicht fertig geraucht hat. Wie viele werden noch kommen. Weiss es nicht. Einfach hinsetzten und mittrinken. Für die halbe Miete.

gen TV-Show. Schauspieler, Regisseur, Produzent, Autor, Kitano ist die eierlegende Wollmilchsau des asiatischen Kinos. Und in „Battle Royale“ nahm er eine zentrale Rolle ein, welche Eindruck hinterlässt. Ich muss zugeben, ich bin nicht wahnsinnig bewandert mit den Darstellern des asiatischen Raums. Ich kenne natürlich die üblichen Verdächtigen wie Jet Li, Chow Yun Fat oder auch Tony Leung, aber doch hatte ich bei „Battle Royale“ einen Cast zu bewundern, welcher in meinen Augen noch völlig unverbraucht war. Die sich abschlachtende Schulklasse besteht aus einer Truppe von über vierzig Schülerinnen und Schülern, ein Sammelsurium an Charakteren, bestehend aus Guten und Bösen, aus Gewinnern und Verlierern. Beinahe jeder KlischeeCharakter ist vorzufinden, von der Klassenschlampe bis zum psychopathischen Killer mit der komischen Frisur. Genau

betrachtet hat der Film zwei Hauptcharaktere, welchen der Zuschauer durch das Tötungsspiel folgt und welchen man automatisch ein Happy End wünscht. Der Gewalt-Faktor dieses Films liegt ganz klar auf einem hohen Level. Um das Spiel auch herrlich unfair zu gestalten wurden die Schüler mit komplett verschiedenen Waffen bestückt. Glück hat, wer eine Pump Gun oder ein Maschinengewehr bekommt. Auch mit Axt oder Messer lässt sich gut überleben. Jedoch mit einem Pfannendeckel oder einem Fernglas hast du bei diesem Spiel echt böse ins Klo gegriffen. Fazit: „Battle Royale“ ist eine harte und böse Dystopie einer Welt, die es so besser nie geben wird, jedoch auf fragwürdigem Niveau für 122 Minuten bestens unterhält. Wer sich das Werk ansehen will, sollte aber die deutsche Fassung unbedingt meiden, wurde diese doch extrem geschnitten

babe of the week Montag, 7. Mai 2012, 12:35 Von Dr. Stefan Birri Party: Honey, Location: Jade, Zürich. Hier findest du alle Nice Girls: zuerich. usgang.ch/picturecategory.php?page=0&n=1


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August 2012

Seite fünfzehn

Abgeblitzt und aufgeladen: Die spontan aus Sex & Kochen: Zwei gute Gründe, vom Sofa der Hüfte geschossene High-Voltage-Now-orNever-aktuelle Top5 der total abgefucktesten aufzustehen! Blitzeinschläge, die je ins Netz gestellt wurden

Montag, 25. Juni 2012, 10:47 Von Dr. Marianne Weissberg. Dass ich mich überhaupt aufraffen kann, vom Sofa aufzustehen, um Kunst zu erleben, dafür müssen eminent wichtige Punkte erfüllt sein: A) Die Location muss nah sein, nichts hasse ich mehr, als per OEV irgendwohin zuckeln zu müssen, was ich sowieso vermeide, bzw. keinen Parkplatz zu finden. Wer mich kennt, weiss, dass ich überzeugte Stadtspaziergängerin, bzw. Stadtautofahrerin bin. B) Das Thema sollte mich vom Sofa reissen können. Wer mich kennt weiss, dass hier nur Kochen oder Sex in Frage kommen. C) Nicht zu früh und nicht zu spät. Wer mich kennt, weiss, dass ich faul bin und am liebsten auf dem Sofa liege. Ausser wenn das Thema mich also auf den Punkt genau vom Sofa reisst. D) Es muss sich quasi um einen Notfall handeln, so dass ich sofort vom Sofa aufstehen muss. E) Die Ankündigung muss charmant sein und überhaupt erst zu mir dringen. Denn wer mich kennt, weiss, dass ich streng, keine Szenegängerin bin und drum nie weiss, was angesagt ist. Alle diese Voraussetzungen waren bei der Ausstellung Hotel Erotique der Fall: Das Gasthaus zum guten Glück liegt nämlich gleich bei mir um die Ecke, die Weststrasse ist autofrei, wer da keinen PP findet ist eine Idiotin. Und das bin ich ja nicht. Im ganzen Klein-Hotel, in dem man auch gut kocht und isst, waren erotische Elaborate aufgehängt, darunter wunderbare Fotos, die ich gerne in meinen Schlafzimmer sähe, in dem momentan kein Sex stattfindet. In der Ausstellung schon, also künstlerisch dargeboten. Das bot ausserdem Gelegenheit, mal alle Zimmer zu besichtigen und beim Anschauen der Exponate auf allen Betten zu fläzen. Die Ausstellung dauerte nur drei Tage, man kann also von einem Pop-UpKunstdreitageshotel sprechen, so dass

ich gezwungen war, mich speditiv zu entscheiden, hinzugehen, was zwar nicht zur Vernissage, die sowieso überfüllt war, reichte, aber zur Finissage, drei Tage später. Sowas lobe ich mir, wieviele Ausstellungen verpasste ich, weil ich dachte, ach die geht noch lange und dann war sie schon vorbei. Aber diese drang via Oliver Burgers - werter Facebook-Freund und Ausstellungsmacher des Hotels Erotique dringlich klingender Aufforderung „kommet in Scharen“ bis zu mir durch und weil ja, wie Sie nun nachprüfen konnten, alle meine Anforderungen perfekt erfüllt waren, ging ich also um zwanzig Uhr hin. Nicht zu früh und nicht zu spät, genau richtig. Es hat sich gelohnt, man ist ja sowieso zufrieden, wenn man nicht enttäuscht wird. Mehr kann ich momentan sowieso nicht verlangen, von meinem Leben. Am liebsten hatte ich Cinzia Giunta Da Ros‘ Schwarzweissfotos im Zimmer 2: Ein Hauch von Fellini an der Weststrasse. Und sobald meine Karriere dank mehr Entscheidungsfreudigkeit einen Hauch nach oben nimmt, kaufe ich mir aus dieser, ich nenne sie mal „Frau in schläfrig lasziven-Posen“-Serie, die schönsten. Wenn Sie möchten, können Sie auf dem Link unten noch nachschauen, was Sie verpasst haben. Viel. www.burgerstocker.com/ausstellung-hotelerotique.html Diese drei Fotos zeigen Werke von: Marianne Weissberg, Cinzia Giunta Da Ros, Hester Scheurwater

Mittwoch, 20. Juni 2012, 08:54 Von Dr. Midi Gottet. Holy motherfucking shit bin ich froh, habe ich diesen unbän-

digen Gummifetisch und trage nur Klamotten, welche Blitze nicht ansprechend finden. Gut, meine Mutter hat doch ihre

liebe Mühe mit meiner Rubber-Suit-Manie aber hey, wenn ich ihr gutes Heroin besorge, drückt sie gerne mal ein Auge zu.


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August 2012

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Zum 50. eine geile Vision

coming soon: THE ANGELS OF HATE!

Franzosen sowas von am cul vorbei. Und nicht nur den Franzosen. Denn das mit Logik und Zahlen ist bei den Automobilherstellern so eine Sache. In den oft sehr patriarchalisch geführten Unternehmen tun die Mitarbeiter ohne zu mucken (und mitzudenken) das, was ihre Führer der Grande Nation ihnen halt so von oben herab befehligen – also zum Beispiel auch so Autos wie den Fiat Multipla oder den BMW X6 bauen. Solche kleinlichen Rechenfehler werden übrigens oft nicht bemerkt, denn Automobiljournalisten können selten 2012 minus 50 fehlerfrei rechnen. Doch ich merke, ich schweife ab, darum zurück zum Thema. Renault tat also das ganze vergangene Jahr geschickt so, als würde nur noch den Elektromobilen die Zukunft gehören – man munkelt auch, dass die Franzosen deswegen so viele E-Mobile lancieren, weil sie einen neuen Markt für ihren vielen Atomstrom brauchen – jedenfalls glaubte die ganze Welt, Frongreisch werde jetzt die Welt retten, 148 Beschwerde-Mails hin oder her (siehe oben).

Montag, 18. Juni 2012, 15:52 Von Dr. Henrik Petro. Ja, mein Gott, es ist halt nur eine Studie und wird wohl nie Teil meiner Automobilsammlung werden, was solls! Mit dem Alpine A110-50 feiert Renault den 50. Geburtstag des Alpine A 110, der von Herbst 1961 bis 1977 gebaut

wurde und ausserordentlich erfolgreich bei internationalen Rallyes war. Okay, wer jetzt ruft: „Schiebung! 50 Jahre wären doch schon 2011 fällig gewesen!“, mag rein rechnerisch ja recht haben und schreibt am besten dem Président ein empörtes Beschwerdemail – nur geht das den

Dienstag, 19. Juni 2012, 15:21 Von Dr. Kaspar Isler. Vergangenes Wochenende war ich mit meinem bemerkenswert fabelhaften 20-Minuten-Gspändli Maja Zivadinovic am Greenfield Festival. In der malerischen Bergkulisse von Interlaken ein Openair mit Bands wie Schandmaul, Fear Factory und Darkest Hour zu veranstalten, ist ein bisschen, als ob man einen filigranen Zitronenschmetterling, der auf einer Lotusblüte sitzt, mit heissem Teer übergiessen würde. Mal abgesehen von den Headlinern, klang es von der Bühne nämlich bereits am sommerlichen Nachmittag mehr nach Schlachtbank und Folterkeller als nach Melodie und Gesang. Nach anfänglichem Ohrenkrebs habe ich mich aber dann überraschend schnell an den kollektiven Missbrauch von Instrumenten gewöhnt. Auch die spontanen Bierduschen von Menschen, die optisch - trotz strahlendem Sonnenschein - im fiesen Platzregen stehen, lernte ich zu tolerieren. Dass über 25 000 Menschen Geld bezahlen, um unverständlichem

Gebrüll zu horchen, hat mich sogar beeindruckt – und auf eine geniale Geschäftsidee gebracht. Wir gründen unser eigenes Schwermetal-Duo: THE ANGELS OF HATE. Aktuell müssen sich unsere künftigen Fans allerdings noch ein wenig gedulden. Die nächsten Monate wird Maja mit dem Üben an der Luftgitarre und ich mit der gezielten Zerstörung meiner Stimmbänder verbringen. Auch 90 Minuten lang «RROOOAAAAH», «GRRREEEENFIELD», «BLOOOOD» und «TEEEAAAARRRRRS zu schreien, will schliesslich gelernt sein. Aber fürs Greenfield 2013 sind wir parat - versprochen. Für die Ankündigung unserer ersten Single haben wir uns übrigens stinkfrech bei den Kollegen von The Hathors bedient, die ebenfalls in Interlaken aufgetreten sind. Einfach weil die Beschreibung ihrer Musik auch unseren Sound so auf den Punkt genau trifft: «Brain Fucked Garage Rock by Traumatized Problem Children». ROOOOAAAAAAAAHHHHHHHHH!

Ha, alles nur ein perfekt angelegtes Täuschungsmanöver! Während sich die Franzosen ob ihrer gelungenen Täuschung ins Fäustchen lachten, bauten sie klammheimlich eine richtig heisse Oldschool-Spasskiste, schöner als jeder Supersportwagen dieses Jahrtausends, der (zu recht) in Top Gear für sein Design heruntergeputzt wird, ökologisch drei Schritte zurück, aber sexy wie Tulisa Contostavlos im Schein meiner Lavalampe. So oder so, Stil kann man den Franzosen nicht absprechen. Denn wer schenkt sonst einem 50-jährigen so etwas cooles? Na? Eben. kultpromotion

babe of the week Dienstag, 19. Juni 2012, 10:29 | Von Dr. Stefan Birri Party: Unashamed Luxury; Location: Kaufleuten; Zürich; Hier findest du alle Nice Girls: zuerich.usgang.ch/picturecategory.php?page=0&n=1

AXE: chaos garantiert.

Donnerstag, 26. Juli 2012, 10:19 Von Dr. Rainer Kuhn. Verpuffung im Chemielabor, Anarchie in der Jurabibliothek, zügellose Party während der BWL-Prüfung. Was gestern noch unmöglich schien, könnte im nächsten Semester Wirklichkeit

werden. Glaubt Ihr nicht? Frauen sind da viel zu zurückhaltend? Von wegen! Eine Studie beweist, dass der Nährboden schon immer da war: 96 Prozent der Frauen bekommen schon so nicht genug vom Flirten. Drei Viertel haben erotische Phantasien mit ihren Profes-

soren. Diesen Sommer wird die FlirtSituation noch weiter aufgeheizt: AXE ANARCHY for HIM & for HER sorgt für unwiderstehliche Anziehung zwischen Mann und Frau. Die ersten Notfallpläne sollen schon in den Schubladen der Univerwaltungen liegen


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August 2012

Reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: Mercedes-Benz. Freitag, 8. Juni 2012, 16:37 | Von Dr. Reinhold Weber. So plakativ könnte Werbung heute noch sein.

Seite siebzehn

Frau Weissberg tankt mal auf und liest derweil zum Beispiel die neue Kult Zeitung vom Juni! Samstag, 16. Juni 2012, 09:25 Von Dr. Marianne Weissberg. Und weils ja draussen noch etwas feucht ist, kann man

sie zum Picknick nehmen und nach dem Lesen unters Füdli legen oder was auch immer. Viel Spass und bis sehr bald...

10 Fragen, die Sie sich stellen sollten, bevor Sie das Haus verlassen Donnerstag, 21. Juni 2012, 10:42 Von Dr. Henrik Petro 1. Habe ich womöglich Fingerabdrücke hinterlassen? 2. Muss ich wirklich da raus – oder kann ich jemanden anrufen und mich krank melden? 3. Wissen meine Angehörigen, wie ich zu lebenserhaltenden Maschinen stehe? 4. Schulde ich jemandem viel Geld oder gibt es sonst einen Grund, warum mir jemand

auflauern und mich verhauen könnte? 5. Habe ich mich genügend lang mit TVSerien, 20 Minuten online und Blick.ch gequält, um im Büro mitreden zu können? 6. Würde ich bei meinem Anblick erschrecken oder ekeln, wenn ich mir so auf der Strasse begegnen würde? 7. Habe ich eine Strategie, wie ich es anstelle, mich auch heute wieder mit möglichst wenig anderen Menschen abgeben zu müssen? 8. Habe ich den Betonmischer auch wirklich ausgeschaltet? 9. Habe ich Hosen an? 10. Wenn nicht – ist das vielleicht nur ein Traum?

Arten Sie doch mal im Theater Gessnerallee aus!

Mittwoch, 20. Juni 2012, 14:44 Von Dr. Marianne Weissberg. Letzte Woche fiel mir gar nichts mehr ein, also kochte und backte ich, was meine Küche hergab und surfte im Internet herum. Da fiel mir die Ankündigung des Theaterhauses Gessnerallee ins Auge, das als Gegensatz zu den offiziell ordentlichen Juni-Festspielen das Thema „Ausartung“ und dazu ein sehr schönes Plakat präsentiert, auf dem Geena Davis und Susan Sarandon grad Brad Pitt erschiessen. Ich hing es auf und buchte einmal „And On The Thousandt Night“ der Theatertruppe Forced Entertainment. Die würden mir sechs Stunden lang Geschichten erzählen. Genauso stands in der Ankündigung der Dauerperformance mit ständigem Ein-und Auslass: „«Once upon a time there was a king... Stop.» Mit diesen Worten beginnen die sieben Performer von Forced Entertainment ihren mehr als sechsstündigen Geschichten-Marathon. Am Bühnenrand sitzend, eingehüllt in rote Samtumhänge, erzählen sie Geschichten: von Liebe und Verlassenwerden, von Angst und Freude, von fernen Ländern und nahen Städten, von Jung sein und Alt werden. Sie bedienen sich bei Filmhandlungen, religiösen Motiven, traditionellen Stoffen, schlechten Witzen und modernen Mythen. Sie erzählen von allgegenwärtigen Problemen und alltäglichen Freuden, von großer Liebe und unendlichem Schmerz, von trivialen Sex-Abenteuern und unvergessenen Kindheitserinnerungen. Nach einfachen aber strengen Regeln, spielen sich die Darsteller die Stories wie Pingpong-Bälle zu,

übertrumpfen sich gegenseitig, oszillieren zwischen Verführung und Übertreibung. Sechs Stunden Geschichten aus dem Leben: persönlich, emotional, berührend, spannend, witzig, absurd. (in englischer Sprache)“ Ich packte ein Stück Zopf und eine Banane ein, man muss ja auch mal was essen. Erster Eindruck: Das anwesende Publikum ist im Gegensatz zu den konventionellen Zürcher Theatern und Museen, wo violette Dauerwellen und Rollatoren dominieren, gerne aus angrenzenden Steuerflüchtlingsgegenden, über alle Alterklassen durchmischt und recht attraktiv. Bei Beginn um 18 Uhr sass ich noch ganz anständig da, verkniff mir Husten und Niesen und lauschte den acht Ladies und Gents der Theatertruppe, die KartonKronen und purpurne Umhänge tragen. Viertel vor 20 Uhr: Hunger, ich gehe nach draussen, das kann man dank eines Armbändelis, mit dem man wieder eingelassen wird. Bis jetzt habe ich Geschichten über unglückliche Könige, schurkische Chirurgen, geschickte Kosmetikerinnen, unglaublich erfolgreiche Actresses gehört. Immer, wenn es am spannendsten war, rief eine/r Stop und begann eine neue Geschichte. Kurz vor 21 Uhr: Halbzeit. Längst habe ich die Schuhe ausgezogen, die Beine über die Lehnen gelegt, dreimal den Platz gewechselt. Die anderen im Publikum auch. Es ging weiter mit Untoten im Zug, Leichen im Keller, Karotten im Arschloch, vergessenen Weckern nach Operationen und den üblichen unglaublich erfolgrei-

chen Actors mit idiotischen PR-Agenten. Das Publikum beschwert sich längst, wenn ausgerechnet ein Stop kommt, wenn es atemlos spannend wird, seufzt erleichtert, wenn eine Langweilestory ausufert und durch Stop abgeblockt wird. Die Truppe kann im Hintergrund essen und trinken, was sie fleissig tut, aber immer sitzen einige vorne am Bühnenrand und erzählen. 22.24 Gehe Bratwurst essen und kurz EMPublic-Viewing machen draussen. Griechenland macht grad ein Goal. Sag ichs doch, die Welt ist ganz wunderbar unberechenbar ganz im Gegensatz zu den blöden Jammerchören in der Eurozone. Theoretisch könnte ich jetzt kurz nach Hause sausen, um die Wäsche aufzuhängen. Aber dann würde ich die Fortsetzung der Geschichte von der unglaublich erfolgreichen Putzfrau, vom König, der einen Fish n’Chips Shop betreibt, überhaupt all die Geschichten über eisige Tränen, Geisterkatzen, Fruchtbarkeitsbehandlungen bei verzweifelten Paaren etcetcetc. verpassen. Mir tränen die Augen, längst kenne ich die einen oder anderen im Publikum – das Pärchen, bei dem nur die Frau verliebt wirkt, den Attraktiven mit den Cowboystiefeln, den Theaterkritiker, der endlich aufgehört hat aufzuschreiben. 23.15 Die Begeisterung weicht blankem Hass – wie lange noch!!! – dann einer Art liebevollem Familiengroove, die da vorne und wir da hinten haben rote Augen, essen und trinken längst ungeniert. Aber so anständig, dass es den Erzählfluss nie stört. Geht, ehrlich. Was ist mit der Kuh im Elefanten, all den traurigen Kaisern

und schönen Prinzessinnen, den Bodyhaireliminatören, den Zwillingen, die kleine Tiere töten als Hobby…..? Unglaublich denen fällt immer etwas ein. Bisher haben sie sich bloss zweimal kurz verschnäpft. Ich aber wollte mindestens dreimal vorzeitig abhauen, dann denke ich: Nein, das geht nicht, du bist denen schuldig, auszuharren. Du jammerst doch, dass dir nichts mehr einfällt, jetzt kriegst du tausend Geschichten serviert. Von diesen Tapferen!!!!!!! 23.55 Es sind noch erstaunlich viele Leute da, ich bin stolz auf uns alle, frage mich gleichzeitig: Wieso tun die sich da vorne das an für uns? Kann es sein, dass es eben noch Theater gibt, das nicht nur den üblichen Klassik- und Trend-Schrott abspielt, sondern uns, dem Publikum, etwas Anderes, ja Erfüllendes, geben will? Das muss es sein, bei Forced Entertainment aus

Sheffield. Dann kommt der letzte Satz, andächtige Stille auf beiden Seiten. Ich gehe nach Hause, angefüllt mit Geschichten wie ein Topf mit Goldstücken. Und Sie - gehen Sie hin, an die Ausartung, auch wenn Forced Entertainment schon weitergezogen ist. Dankevielmals für die Inspiration Robin Arthur, Phil Hayes, Jerry Killick, Richard Lowdon, Clarie Marshall, Cathy Naden, Terry O’Connor!! Hier zum kurz Reinlesen & Zuhören bei Forced Entertainment und was es sonst noch so gibt bei Ausartung, im Juni haben übrigens die Kreise sechs und zwölf Gratiseintritt, wo gibst denn sowas noch in Züri?: www.gessnerallee.ch/programm/aktuell/vorstellung/auffuehrung/741/index.html www.forcedentertainment.com fotis von: forced entertainment und raffinerie. com


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August 2012

Seite achtzehn

Frisch aufgerüstet und entsichert: Der ultimative Guide für Die Nervöse-Finger-am-Abzug-Päng-Päng-und- vorgetäuschtes Fussballwissen dänn-guet-Nacht-am-Feufi-Top5 der alten, bewaffneten Damen im Netz Donnerstag, 26. April 2012, 12:50 | Von Dr. Midi Gottet. Die Weltwoche-Roma-nein-danke-Kampagne greift endlich: „Lieber mit Kanonen auf Spatzen schiessen!“, sagen die Tauben auf dem Dach und schieben sich noch einen Zusatz-Magazin in die Stützstrumpfhose.

Donnerstag, 28. Juni 2012, 12:47 Von Dr. Henrik Petro «Ob eine solche Chance noch einmal wieder kommt?» - Natürlich NICHT! Darum jetzt zugreifen und kaufen – ausser, Sie wollen im Abseits stehen?! Denn bereits am Sonntagabend heisst es: «Die Gelegenheit ist eigentlich schon vorbei.» 999 Sprüche und Kommentare, die (fast) immer passen – beeindrucken Sie Ihre Familie, Freunde, Bürokollegen oder Ihre Chefin mit pointierten Aussagen, geprüft und bewährt von einem der ganz grossen Fussballkommentatoren (des Schweizer Fernsehens). Besuchen Sie Allgemeinplätze, die Sie schon lange wieder einmal sehen wollten und solche, von denen Sie bislang gar nicht wussten, dass es sie gibt. Freuen Sie sich auf Beni-Klassiker wie: «Huiui, das muss noch gerettet werden.» «Der Weg ist steinig geworden.» «Es kann eine lange Stunde werden.» «Hinein bringt er den Ball nicht mehr.» «Ja, jetzt wird die Rechnung dann doch gesalzen.» Sowie die Top-Hits «Das Tor ist auf der anderen Seite.»

«Die Energie fliesst nicht in die Beine.» und natürlich «Dieser Treffer hat ihnen weh getan.» Inkl. Bonus-Track: «Natürlich ist der Ausgleich unverdient, aber er ist. Und alles andere zählt nun mal nicht.» Ein Meisterwerk, fürwahr!

partylöwen der woche (zoolander-edition) Dienstag, 26. Juni 2012, 12:48 Von Dr. Alex Flach. „Wieso denn Partylöwe und nicht Partylöwen? Da sind doch zwei auf dem Bild?“ Gut mitgedacht, werter Leser: Weil nur der rechts auf dem Bild den Titel Partylöwe verdient. Der links ist eigentlich nur auf dem Foto, weil er mit seiner entspannten Art dafür sorgt, dass der rechts noch doofer aussieht. Klar... auch der links hat gezupfte Augenbrauen, aber er hat

Schule

Montag, 2. Juli 2012, 15:16 Von Dr. Dominik Hug. Dieses von Kratzern übersäte und verstaubte Jewelcase ist noch dasselbe wie damals im Jahr 2000. Und es hat weiss Gott was alles gesehen und erlebt, wurde als Bieruntersetzer missbraucht und ich könnt schwören, aus mir komplett unerfindlichen Gründen kommt mir beim Öffnen des Cases ein seltsamer Geschmack entgegen, welcher nur von einer bestimmten Pflanzengattung stammen kann... Inhalt: Der letzte Schultag von Markus beginnt gleich mit einem Schockerlebnis sondergleichen. Am Lokalradio lässt ihn seine Freundin Sandra mit seinem Kosenamen „Schnubbi“ grüssen. Derweil hat Dirk seine eigenen Probleme und muss unbedingt seine Mathe-Abschlussprüfung bestehen. Andre will zwar eigentlich seine Freundin zurück, poppt jedoch immer

noch wild in der Gegend rum. Der Kiffer Steven ist einfach nur high und wurde von der Armee ausgemustert und Schulabgänger und Bad Boy vom Dienst Stone hat es wiederum auf Sandra abgesehen. Es ist definitiv Schulzeit. Der Kiffer, der Streber, das Dummchen, der Fremdgeher, der Dicke, der Türke, der etwas unsichere Normalo, die grosse Schwester, die nette Kollegin - so in etwa sind die Charaktere in dem Film „Schule“ zu benennen. Charaktere, die wir schon bei der Erstsicht zu kennen scheinen. Kein Wunder, jeder hatte doch einen sandalentragenden Streber mit Brille und Bart in seiner Klasse sitzen. Jeder hatte eine hübsche, jedoch miesgelaunte Spassbremse irgendwo neben sich sitzen. Und jeder von uns versuchte sich irgendwie durch seine Prüfungen zu mogeln. Die Charaktere machen den Film aus. Es sind nicht einzelne Gags, welche als Highlights im Gedächtnis haften bleiben sondern eher diese Szenen unter Freunden, welche uns doch so vertraut vorkommen, die Diskussionen über Frauen und Träume, das gemeinsame Seekiffen, der Zusammenhalt unter Schulkameraden, etc. Der Film wirkt beinahe wie eine Dokumentation, nicht wie ein Film, so aus dem Leben gegriffen wirkt die Story auf

den Zuschauer. Jedoch wäre diese Atmosphäre nicht möglich gewesen, hätte der Film nicht so einen sensationellen Cast bekommen. Daniel Brühl konnte hier seine erste grosse Hauptrolle verbuchen. Auch Axel Stein, Jasmin Schwiers, Niels-Bruno Schmidt oder Bettina Zimmermann sind ebenso mit von der Partie und machen allesamt einen richtig guten Job. Es ist schade, wirbt das Cover des Film mit Vergleichen zu „American Pie“ oder „Harte Jungs“, denn Regisseur Marco Petry hat mit seinem ersten Langfilm zwar auch eine Komödie geschaffen, jedoch eine, welche über Titten-Muschi-SpermaFick-Bier-Kiff-Kotz-Humor hinausgeht. Petry hat es geschafft, die Zukunftsängste, die Unsicherheit und die Findung der eigenen Persönlichkeit und den Aspekt der Freundschaft auf einen Nenner zu bringen. Unterstrichen wird die Atmosphäre des Films von einem Soundtrack, der zum grössten Teil aus Songs von Selig-Sänger Jan Plewka besteht und mir auch nach zwölf Jahren noch immer im Gehör hängt. Fazit: „Schule“ ist Nostalgie pur. Der perfekte deutsche Coming of Age-Film und für mich eines der besten deutschen Werke überhaupt.

begriffen, wie man in eine Linse guckt. Er rechts hat auch gezupfte Augenbrauen, hat aber etwas ganz und gar nicht begriffen: Ben Stiller hat in Zoolander keineswegs tatsächlich cool wirken wollen wenn er jeweils seinen ultimativen Model-Blick aufgesetzt hat - er wollte lustig sein. ...wobei Ben Stiller-Filme ja eigentlich nie lustig sind. Ausser vielleicht The Royal Tennenbaums. Aber der war nicht primär wegen Stiller lustig.


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August 2012

Facebook’s flatterhafter Börsengang!

Montag, 21. Mai 2012, 19:43 Von Dr. Marianne Weissberg. Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, daß er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um Theater und liebte es nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Er hatte einen Rock für jede Stunde des Tages, und ebenso wie man von einem König sagte, er ist im Rat, so sagte man hier immer: „Der Kaiser ist in der Garderobe!“ In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr munter her. An jedem Tag kamen viele Fremde an, und eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, daß sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, daß sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei. ‚Das wären ja prächtige Kleider‘, dachte der Kaiser; wenn ich solche hätte, könnte ich ja dahinterkommen, welche Männer in meinem Reiche zu dem Amte, das sie haben, nicht taugen, ich könnte die Klugen von den Dummen unterscheiden! Ja, das Zeug muß sogleich für mich gewebt werden!‘ Er gab den beiden Betrügern viel Handgeld, damit sie ihre Arbeit beginnen sollten. Sie stellten auch zwei Webstühle auf, taten, als ob sie arbeiteten, aber sie hatten nicht das geringste auf dem Stuhle. Trotzdem verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie aber in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Stühlen bis spät in die Nacht hinein. ‚Nun möchte ich doch wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind!‘ dachte der Kaiser, aber es war ihm beklommen zumute, wenn er daran dachte, daß keiner, der dumm sei oder schlecht zu seinem Amte tauge, es sehen könne. Er glaubte zwar, daß er für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber er wollte doch erst einen andern senden, um zu sehen, wie es damit stehe. Alle Menschen in der ganzen Stadt wußten, welche besondere Kraft das Zeug habe, und alle waren begierig zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei. ‚Ich will meinen alten, ehrlichen Minister zu den Webern senden‘, dachte der Kaiser, er kann am besten beurteilen, wie der Stoff sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und keiner versieht sein Amt besser als er!‘ Nun ging der alte, gute Minister in den Saal hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Webstühlen arbeiteten. ‚Gott behüte uns!‘ dachte der alte Minister und riß die Augen auf. ‚Ich kann ja nichts erblicken!‘ Aber das sagte er nicht. Beide Betrüger baten ihn näher zu treten und fragten, ob es nicht ein hübsches Muster und schöne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Stuhl, und der arme, alte Minister fuhr fort, die Augen

aufzureißen, aber er konnte nichts sehen, denn es war nichts da. ‚Herr Gott‘, dachte er, sollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und das darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht zu meinem Amte taugen? Nein, es geht nicht an, daß ich erzähle, ich könne das Zeug nicht sehen!‘ „Nun, Sie sagen nichts dazu?“ fragte der einer von den Webern. „Oh, es ist niedlich, ganz allerliebst!“ antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! - Ja, ich werde dem Kaiser sagen, daß es mir sehr gefällt!“ „Nun, das freut uns!“ sagten beide Weber, und darauf benannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster. Der alte Minister merkte gut auf, damit er dasselbe sagen könne, wenn er zum Kaiser zurückkomme, und das tat er auch. Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Seide und mehr Gold zum Weben. Sie steckten alles in ihre eigenen Taschen, auf den Webstuhl kam kein Faden, aber sie fuhren fort, wie bisher an den leeren Stühlen zu arbeiten. Der Kaiser sandte bald wieder einen anderen tüchtigen Staatsmann hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stehe und ob das Zeug bald fertig sei; es ging ihm aber gerade wie dem ersten, er guckte und guckte; weil aber außer dem Webstuhl nichts da war, so konnte er nichts sehen. „Ist das nicht ein ganz besonders prächtiges und hübsches Stück Zeug?“ fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten das prächtige Muster, das gar nicht da war. ‚Dumm bin ich nicht‘, dachte der Mann; es ist also mein gutes Amt, zu dem ich nicht tauge! Das wäre seltsam genug, aber das muß man sich nicht merken lassen!‘ Daher lobte er das Zeug, das er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude über die schönen Farben und das herrliche Muster. „Ja, es ist ganz allerliebst!“ sagte er zum Kaiser. Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem prächtigen Zeuge. Nun wollte der Kaiser es selbst sehen, während es noch auf dem Webstuhl sei. Mit einer ganzen Schar auserwählter Männer, unter denen auch die beiden ehrlichen Staatsmänner waren, die schon früher dagewesen, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften webten, aber ohne Faser oder Faden. „Ja, ist das nicht prächtig?“ sagten die beiden ehrlichen Staatsmänner. „Wollen Eure Majestät sehen, welches Muster, welche Farben?“ und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, daß die andern das Zeug wohl sehen könnten. ‚Was!‘ dachte der Kaiser; ich sehe gar nichts! Das ist ja erschrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein? Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte.‘ „Oh, es ist sehr hübsch“, sagte er; „es hat meinen allerhöchsten Beifall!“ und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl; er wollte nicht sagen, daß er nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, was er mit sich hatte, sah und sah, aber es bekam nicht mehr heraus als alle die andern, aber sie

sagten gleich wie der Kaiser: „Oh, das ist hübsch!‘ und sie rieten ihm, diese neuen prächtigen Kleider das erste Mal bei dem großen Feste, das bevorstand, zu tragen. „Es ist herrlich, niedlich, ausgezeichnet!“ ging es von Mund zu Mund, und man schien allerseits innig erfreut darüber. Der Kaiser verlieh jedem der Betrüger ein Ritterkreuz, um es in das Knopfloch zu hängen, und den Titel Hofweber. Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem das Fest stattfinden sollte, waren die Betrüger auf und hatten sechzehn Lichte angezündet, damit man sie auch recht gut bei ihrer Arbeit beobachten konnte. Die Leute konnten sehen, daß sie stark beschäftigt waren, des Kaisers neue Kleider fertigzumachen. Sie taten, als ob sie das Zeug aus dem Webstuhl nähmen, sie schnitten in die Luft mit großen Scheren, sie nähten mit Nähnadeln ohne Faden und sagten zuletzt: „Sieh, nun sind die Kleider fertig!“ Der Kaiser mit seinen vornehmsten Beamten kam selbst, und beide Betrüger hoben den einen Arm in die Höhe, gerade, als ob sie etwas hielten, und sagten: „Seht, hier sind die Beinkleider, hier ist das Kleid, hier ist der Mantel!“ und so weiter. „Es ist so leicht wie Spinnwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Körper, aber das ist gerade die Schönheit dabei!“ „Ja!“ sagten alle Beamten, aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da. „Belieben Eure Kaiserliche Majestät Ihre Kleider abzulegen“, sagten die Betrüger, „so wollen wir Ihnen die neuen hier vor dem großen Spiegel anziehen!“ Der Kaiser legte seine Kleider ab, und die Betrüger stellten sich, als ob sie ihm ein jedes Stück der neuen Kleider anzogen, die fertig genäht sein sollten, und der Kaiser wendete und drehte sich vor dem Spiegel. „Ei, wie gut sie kleiden, wie herrlich sie sitzen!“ sagten alle. „Welches Muster, welche Farben! Das ist ein kostbarer Anzug!“ „Draußen stehen sie mit dem Thronhimmel, der über Eurer Majestät getragen werden soll!“ meldete der Oberzeremonienmeister. S „Seht, ich bin ja fertig!“ sagte der Kaiser. „Sitzt es nicht gut?“ und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel; denn es sollte scheinen, als ob er seine Kleider recht betrachte. Die Kammerherren, die das Recht hatten, die Schleppe zu tragen, griffen mit den Händen gegen den Fußboden, als ob sie die Schleppe aufhöben, sie gingen und taten, als hielten sie etwas in der Luft; sie wagten es nicht, es sich merken zu lassen, daß sie nichts sehen konnten. So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: „Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!“ Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese. „Aber er hat ja gar nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme der Unschuld!“ sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte. „Aber er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ‚Nun muß ich aushalten.‘ Und die Anleger gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war. Das Märchen ist von Herrn Andersen, das Huhn gehört Herrn Zuckerberg und lebte, nachdem er es uns so präsentierte, auch nur noch wenige Minuten (von focus.de und Marks erstaunlich popeliger FB-Seite)

Seite zwanzig

Das muss man nicht haben:

Von einem Elefantenrüssel gephotobomt zu werden Dienstag, 12. Juni 2012, 15:51 | Von Dr. Midi Gottet. Hey, sie sind hier auf kult.ch. Was genau haben sie denn erwartet?

dummer blick, teil 3 Dienstag, 26. Juni 2012, 11:47 Von Dr. Rainer Kuhn. da macht einer, der schon älter ist, einen unfall und schon titelt das ehemalige bingo-blatt, wieviele senioren jetzt vielleicht auch endlich ihr billett abgeben. nun, statistisch gesehen ist der anteil an unfällen von senioren im strassenverkehr doch eher klein. abgesehen davon, dass es angesichts des infrastrukturabbaus auf dem land gerade für ältere leute enorm wichtig ist, über eine private mobilität zu verfügen.

ich weiss nicht, wie es ihnen geht, aber ich habe von den cheftextern im seefeld, z.b. nach einem raserunfall eines zwanzigjährigen, noch nie die zeile „wann geben die jungen endlich freiwillig ihr billet ab?“ gelesen. nun, mittlerweile erwartet ja kaum jemand mehr vom blick eine mindestmasse an hirn. trotzdem wär zu wünschen, dass sich die chefredaktion doch wenigstens ein bisschen anstrengen möge.

R.I.P. Fischers Bettwarenfabrik. Montag, 25. Juni 2012, 09:14 Von Dr. Kaspar Isler. Nein, keine Sorge. Dem bebrillten Mann und seinen „Fädere vo tote Tier“ geht es gut. Nun haben es die Kollegen von Tele Züri aber tatsächlich geschafft, einen noch abartigeren TV-Spot zu drehen: Wir fassen kurz zusammen: Die Schuhe sind also nicht nur hässlich und teuer, sondern halten auch nicht lange. Prima Werbebotschaft. Sollte es tatsächlich Leute geben, die sich von solch tollen Argumenten

noch nicht überzeugen lassen, bleibt ja immernoch die unterschwellig erotische Botschaft, dass es der olle Ostschweizer nun länger kann - eine Art Viagra für die greisen Füsse also. In Anbetracht seines leicht geisteskranken Blickes und seiner minderjährigen Begleitung eine durchaus beängstigende Vorstellung. Sollten Sie künftig also einen rasenden Rentner mit enormem Gummiabsatz vor der Schule Ihrer Kinder sehen, bilden Sie zur Sicherheit Fahrgemeinschaften.


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August 2012

reklame, die wir gerne öfter sähen, heute: fernet branca.

Seite dreiundzwanzig

Fragen, die den Tag beschäftigen, ohne googel zu fragen und sich von wikipedia verscheissern zu lassen. Mit einem Fazit, das hier gar nicht hingehört.

Montag, 25. Juni 2012, 15:28 | Von Dr. Reinhold Weber. So süffig könnte Werbung noch heute sein.

Mittwoch, 27. Juni 2012, 14:48 Von Dr. Vanessa Kunz. Frage: Sandro fragen, ob Dichter ein Beruf ist. Fazit: Wenn man statt Pizza eine ganze Nacht Bier trinkt, fühlt man sich trotzdem dick. Frage: Dr. Weber, weil Werber und dies wissen sollte, fragen: Hätte ich das mit: Haribo macht Kinder froh, und Erwachsene ebenso, erfunden, wär ich jetzt reich und müsste nie mehr was erfinden? Fazit: Auch beim Duschen kann man ertrinken. Frage: Herausfinden, in welchem Film der Satz „Das Pferd ist auch nicht mehr das, was es früher mal war“, existiert. Fazit: Mehr Nasenhaare, weniger Sauerstoff.

Frage: Ob jemand, der nicht gerne in den Spiegel schaut und sich selbst auch nicht sehen will, trotzdem Coiffeur wird. Fazit: Achtung vor Trampern, die nicht stinken. Frage: Besser den besten Freund heiraten, inklusiv Kinder kriegen und auf ewig irgendwie glücklich sein, oder bis zum Tod nach der ganz grossen Liebe suchen und hoffen, dass es nie soweit kommt? Fazit: Alleine zelten am Openair St.Gallen heisst: Kondome mitnehmen. Wer sich das letzte Fazit zu Herzen nimmt, kann auf der Openair St. Gallen Website, also hier: www.openairsg.ch/ schauen, was er, neben dem Rumficken, sonst noch nicht verpassen will.

babe of the week Dienstag, 26. Juni 2012, 09:25.Von Dr. Stefan Birri Party: Starnite Gold; Location: Amber Club; Zürich; Hier findest du alle Nice Girls: zuerich.usgang.ch/picturecategory.php?page=0&n=1

Team Michelin?

„Willy, nein, ich bin nicht die Mutter von Melanie Winiger“

Dienstag, 26. Juni 2012, 16:41 Von Dr. Midi Gottet. Also wenn sie mich fragen, lassen einen weisse Socken in Sandalen verdammt fett aussehen. Aber mich fragt ja niemand.

Montag, 25. Juni 2012, 14:07 Von Nina-Britt Rauer. Heute wurde ich zum zweiten Mal von Willy Berger angerufen. Willy Berger ist stolze 80ig Jahre alt und der Vater von Karina Berger, der Miss Schweiz von 1988. Soweit so gut. Was Willy Berger bei seinem heutigen zweiten Anruf wieder einmal nicht gecheckt hat, ist, dass ich NICHT die Mutter von Melanie Winiger, Miss Schweiz von 1996, bin. Lange Rede gar kein Sinn, wenn das hier Melanie Winiger lesen sollte oder jemand,

der Melanie Winiger persönlich kennt, BEVOR sie nach New York geht, dann soll ich ausrichten: „Willy fand Deinen in SF ausgestrahlten Auftritt von „Wer wird Millionär“ ganz toll. Und er findet es sehr sehr schade, dass Du in die USA gehst. Aber er versteht es.“ Seine FestnetzNummer habe ich jetzt mal gespeichert. Ach ja, Willy Berger hat mir einen ganz dicken lieben Gute-Nacht-Kuss gegeben. Ich werde heute sehr gut einschlafen. Mindestens bis zum nächsten Anruf, von Willy ...


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