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Markus Weber

Turmgut Erlenbach


Markanter Bau am Ufer des ZĂźrichsees: das Turmgut in Erlenbach. Auch Reben mĂśgen Seesicht.


Manchmal muss einer sich so weit wie möglich von seinem Ursprung entfernen, um zu ihm zurückzukehren. Markus Weber arbeitete in Australien auf Rosemount Estate, einer Wein­ farm unschweizerischer Dimension. Der kleins­ te Tank mass 42 000 Liter Inhalt, das ist weit mehr als das, was Markus Webers ganzer heuti­ ger Betrieb in einem Jahr hergibt. In Down under erhielt er Einblick in die industrielle Wein­ produktion mit ihrem ganzen Programm von Eichenchips, Entsäuerung, Sterilfiltration. Nicht dass er davon zum ersten Mal gehört hätte, doch auf den Lehrbetrieben in Cully, Rafz und Malans ging es doch ganz anders zu und her. Den nachhaltigsten Eindruck während der dreijährigen Winzerlehre, sie beinhaltet die Mitarbeit auf drei ver­ schiedenen Betrieben, hin­ terliess bei Markus Weber Louis Liesch in Malans. Die Zeit Ende der 1980er ­Jahre war geprägt durch die Sorge um den Zustand der Natur. Louis Liesch unternahm damals die ersten Versuche mit biologischem Rebbau, ein Novum nicht nur in der Bündner Herrschaft. Nach Markus Webers Winzerlehre folgte das Studium in Önologie in Wädenswil und dann die Tätigkeit in Australien. Wäre ihm dort nicht die Nachricht zugetragen worden, dass die Rebberge des Turmguts in Erlenbach am Zürich­ see, wo er aufgewachsen war, zur Pacht aus­ geschrieben seien, wer weiss, ob er so rasch wieder in die Schweiz zurückgekehrt wäre. Die Rebberge beim Turmgut sind erstmals 981 er­ wähnt, seit über tausend Jahren also wird hier Weinbau betrieben. Die Anlage samt Wohnhaus gehört heute der Gemeinde. Eine einmalige Chance bot sich, auf einem renommierten An­ wesen am Ort seiner Herkunft einen Betrieb übernehmen und als eigener Herr und Meister führen zu können. Markus Weber packte sie.

tere Orte als das Ufer des Zürichsees. Die Par­ zellen sind meist verstreut, durch die Seenähe entsteht oft Feuchtigkeit, was den Krank­ heitsdruck erhöht und Hagelzüge sind keine Seltenheit. Für Markus Weber war klar, dass er eines Tages zertifizierten biologischen Wein anbieten wollte, auch wenn er dabei weit und breit der Einzige sein sollte. Schritt für Schritt näherte er sich seinem Ziel. Bereits 1994, seinem ersten Jahr, begann er auf Herbi­ zide zu verzichten und liess die Rebzeilen begrünt. Er liess Chemikalien zur Schädlings­ bekämpfung weg. Gegen möglichen Pilzbefall setzte er umweltverträgliche Mittel ein. 1999 schien ihm, dass der Be­ trieb reif für die Umstellung war. Er konnte nicht wissen, dass der kommende Som­ mer die Winzer in höchstem Mass fordern würde. Die Ernte war kata­ strophal. Markus Weber liess sich durch den Rückschlag nicht entmutigen: seit vielen Jah­ ren ist seine ganze Produktion knospenzertifi­ ziert und die Feinabstimmung geht weiter. Dazu gehört, dass er auch mit PIWIs arbeitet, pilzwiderstandsfähige Sorten wie Cabernet Jura und ein Merlot­Typ, vom Schweizer Valen­ tin Blattner gezüchtet. Ein besonderes Anlie­ gen ist ihm die Biodiversität, Stichwort: öko­ logische Ausgleichsfläche. Dafür pachtet er an die Rebberge anliegendes Landwirtschafts­ land mit Hochstammbäumen und Blumenwie­ sen, errichtet Holzbeigen und Hecken. All dies dient zur Erhöhung der Artenvielfalt auf seinem Betrieb. Denn Wein, wie ihn Markus Weber versteht, ist nicht ein Kunstprodukt, das losgelöst von seiner Umgebung produ­ ziert wird, sondern Ausdruck eines Zusam­ menspiels zwischen Mensch und Natur. Dies ist bei den Gewächsen vom Turmgut spürbar, in den kristallklaren Weissen aus Räuschling­, Riesling­Silvaner ­ oder Sauvignon­Trauben, in den vibrierenden Roten aus Pinot noir­Trau­ ben, in denen sich so trefflich ihre Herkunft widerspiegelt.

Zurück zum Ursprung

Behutsam begann er sich mit den Gegeben­ heiten des Ortes auseinanderzusetzen. Es gibt bezüglich Weinbau wahrlich pflegeleich­


Turmgut Erlenbach Name des Betriebs: Turmgut Erlenbach • Ort: Erlenbach • Anbaufläche: 3,5 Hektaren • Traubensorten: Riesling-Silvaner, Räuschling, Sauvignon, Pinot noir • Weine: Riesling x Sylvaner, Räuschling, Sauvignon, Federweisser, Clevner Auslese • Durchschnittliche Produktion: 25 000 Flaschen • Erster Jahrgang: 1994 • Bio­Zertifizierung: Knospe

Weinhandlung am Küferweg AG · Küferweg 3 · 8912 Obfelden Telefon 043 322 60 00 · Fax 043 322 60 01 weinhandlung@kueferweg.ch · www.kueferweg.ch

Herausgeberin: Weinhandlung am Küferweg AG · Text: Stefan Keller · Gestaltung: Thomas Gobeli · Bilder: Reto Camenisch


Turmgut Erlenbach