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bereitung habe ich in einer mehr als zweistündigen, umfangreichen Behandlung eine komplexe Koronarintervention vorgenommen. Das Ergebnis der Intervention ist in Abb. 2 dargestellt. Es wurden insgesamt vier Stents implantiert und eine PTCA vorgenommen. Viele Leser werden jetzt die Frage nach der Nachhaltigkeit, dem klinischen Nutzen und dem Langzeitergebnis einer Koronarintervention dieser Art bei einem 87-jährigen Patienten stellen. Sicher muss man dies auch tun und die Situation sehr differenziert abwägen. Die Frage, ob die getätigRechte Herzkranzarterie (RCA) Linke Herzkranzarterie (LCA) te Intervention eine gute und dauerhafte LöAbb. 2: Kasuistik: H. B., männlich: Angiographisches Ergebnis der Koronarintervention sung darstellt, ist für die individuelle Überlegung unter den gegebenen Bedingungen sitige Korrektur der Anamnese vorzunehmen: Herr B. war cher mehr als zulässig. An dieser Stelle möchte ich die Anamnese ein zweites nämlich zum Zeitpunkt der Herzkatheteruntersuchung in Wirklichkeit nicht – wie oben behauptet – 57 Jahre, son- (und jetzt wirklich letztes!) Mal korrigieren und bitte unsedern 87 Jahre alt. Liebe Leserinnen und Leser: Wie wäre re Leserinnen und Leser schon jetzt um Entschuldigung Ihre Entscheidung nun in Kenntnis dieses Umstandes aus- dafür. Der Eingriffszeitpunkt war nicht das Jahr 2009, sondern gefallen? Viele von Ihnen, vielleicht die Mehrzahl, wären eventuell bei ihrer Entscheidung geblieben. Zwei befragte bereits das Jahr 1998! Herr B. ist jetzt, im Jahr 2009, über 97 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Er hat mit deutsche herzchirurgische Zentren und zwei interventionskardiologische Zentren haben aber sowohl eine By- seiner Ehefrau zusammen damals sofort seine Konzertbepassoperation als auch eine Herzkatheterintervention bei suche wieder aufgenommen. Er macht regelmäßig UrlauHerrn B. abgelehnt. Herr B. blieb weiterhin hoch sympto- be einschließlich Reisen auf Kreuzfahrtschiffen, nachdem matisch und schränkte sich in seinen Alltagsaktivitäten er zuvor sein Haus kaum verlassen hatte. Bei seinem 95. immer mehr ein. Er ging nur noch selten aus dem Haus Geburtstag hatte ich das Vergnügen, mit meiner Frau zusammen unter seinen ca. 60 Gästen zu sein. Er hat an dieund kündigte die Theater- und Konzertabonnements. sem Geburtstag eine viertelstündige freie Rede ohne jegHerr B. wurde mir von seinem Neffen, der niedergelassener Kardiologe ist, mit der Frage überwiesen, ob nicht liches Manuskript gehalten. Noch wenige Tage vor seiner doch eine interventionelle Therapie möglich sei. Ich % 100 habe Herrn B. zu einem ausführlichen Gespräch in meine 90 New York State PCI Registry (2001–2002) Ambulanz eingeladen. Herr B. 5 782 Patients > 80 Years < 60 Years 80 78 40 869 Patients 60–80 Years 80 60–80 Years erschien mir als hochmoti24 525 Patients < 60 Years > 80 Years vierter, lebenswilliger Patient, 70 67 der aber aufgrund seiner er59 60 heblichen Einschränkung 54 53 50 50 durch die Erkrankung sehr be50 trübt war. Ich habe mit Herrn 40 40 B. dann ein Gespräch über die Komplexität einer eventu30 23 23 ellen interventionellen Lö20 20 15 sung, über mögliche Kompli14 13 kationen und den eventuell zu 10 6 6 2 erreichenden Nutzen des Ein0 griffs geführt. Herr B. war Hypertension Heart Failure LVEF PAVD Multivessel Previous Disease CABG fest entschlossen, den Eingriff durchführen zu lassen. Abb. 3: Komorbiditäten bei Patienten vor PCI in Relation zum Alter (nach (2)) Nach entsprechender Vor-

Kardioforum 3 | 2009

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